Kenn ich nicht

Heute ist Deadline Day. Was für ein fürchterlicher Begriff. Im Deutschen sowieso, aber auch bereits in der Originalsprache. Deadline. Gar so wichtig sind Fristen in der Regel ja eher nicht.

Für den VfB Stuttgart war eben dieser Tag kein ganz unwichtiger, und möglicherweise auch kein ganz schlechter: Einigen gegensätzlichen Aussagen zum Trotz waren die Verantwortlichen keineswegs bereit, die Rückrunde der laufenden und auf absehbare Zeit hoffentlich einzigen Zweitligasaison ohne die eine oder andere Ergänzung des Spielerkaders in Angriff zu nehmen, und so gewann man drei junge Männer hinzu, deren Namen ich noch immer nachschlagen müsste. Aber Sie kennen sich ja aus.

Von besagten drei Namen konnte ich einen – der junge Mann sei eines der größeren Talente im europäischen Fußball – ganz grob zuordnen, will sagen: ich hatte ihn schon gehört; der zweite war mir in den letzten zwei oder drei Tagen gelegentlich im Zusammenhang mit dem VfB, und nur mit dem VfB, untergekommen, und dem dritten begegnete ich definitiv zum ersten Mal.

Nun spricht die Tatsache, dass ich die drei Herren nicht kannte, zweifellos nicht gegen sie, und, dies mag schon ein bisschen eher überraschen, sie spricht auch nicht zwingend für sie. Dies gilt analog für den Umstand, dass alle drei Verpflichtungen – in einem Fall handelt es sich um ein Leihgeschäft – in zwei Fällen völlig, im dritten nahezu geräuschlos vonstatten gingen. Nur weil Jan Schindelmeiser den Deckel bis zuletzt draufgehalten hat, handelt es sich nicht per se um Sensationstransfers. Oder, andersherum, bei den drei Herren um Lappen. Hier könnte ein Satz von Adi Preißler stehen.

Nun sitze ich also hier und rede total abgeklärt daher, und bloß nicht überbewerten und kein Shindy-Gefeier (oder Gefire, wenn ich das recht verstanden habe), und dabei platze ich doch eigentlich schon wieder vor Euphorie, bloß weil der Sportdirektor wiederum, und wiederum ist in diesem Kontext kein ganz unwichtiges Wort, ohne großes Gewese drei Kaninchen aus dem Hut gezaubert hat, und dann denkt man schon au kurz an jene Trainer, bei denen sich der Wunsch, mit ihren Aufstellungen oder auch Nominierungen zu überraschen, mitunter ein wenig verselbständige, um das böse Wort vom Selbstzweck zu vermeiden, und natürlich verwirft man diesen Gedanken sofort wieder und kehrt zurück zur Euphorie, hey, drei Transfers am letzten Tag, keiner hat sie so kommen sehen, und jung sind sie, und talentiert, und mit ersten Meriten und natürlich bestens ausgebildet, und wieso eigentlich erst am letzten Tag, aber gut, muss wohl so, und schon sind wir gedanklich bei Fredi Bobic, aber jetzt wollen wir dann doch nicht überziehen, ne?

Und Abbitte möchte ich leisten. Wie konnte ich in Erwägung ziehen, die sportliche Leitung sei bereit, ohne ernsthaften Backup für Emiliano Insúa – womöglich gar Konkurrenz? – auskommen zu wollen? Zumindest scheint Kollege Scrooge – was bin ich doch albern – auch mit diesem Hintergedanken verpflichtet worden zu sein.

Betrachtet man zudem die Profile der anderen beiden jungen Männer, so wurden wohl die drängendsten Positionen in Angriff genommen, einen Hauch von Kür eingeschlossen. Ob dann auch die Auswahl der Spieler passt, wird uns zu gegebener Zeit Adi Preißler sagen können.

 

Eventfan

Am vergangenen Wochenende hat die eine Bundesliga den Spielbetrieb wieder aufgenommen. Eine Bundesliga, die mich derzeit nicht so sehr in ihren Bann zieht wie in früheren Zeiten – im Grunde schon seit bekannt wurde, dass sich der VfB Stuttgart ausbedungen hat, dieses Jahr in der anderen Bundesliga zu spielen, die erst eine Woche später in das Geschehen einsteigt und die für uns Interessierte den Vorteil hat, dass deutlich mehr Spiele in voller Länge im frei empfangbaren Fernsehen übertragen werden.

Am vergangenen Wochenende lag der mediale Fokus indes auf der anderen, also der einen Bundesliga, was sich auch in einem in voller Länge im frei empfangbaren Fernsehen übertragenen Spiel niederschlug: Der SC Freiburg erwartete den favorisierten FC Bayern München, stellte diesen phasenweise vor große Schwierigkeiten, um dann doch erwartungsgemäß zu verlieren, während ich versuchte, einen Schritt aus mir herauszutreten und das Fortschreiten meiner Eventfanwerdung zu beobachten.

Ein schönes Spiel der Freiburger, phasenweise, ein Kitzeln des Topfavoriten, wenn auch nicht immer mit der vielleicht nötigen Überzeugung, um das Kitzeln zum Schlagen werden zu lassen, und ein, ich weiß nicht recht, wie ich es sagen soll, nun, vielleicht so: ein einfallsloses Spiel der Münchner, das allerdings durch eine überaus bemerkenswerte und mit dem nötigen Glück versehene Aktion von Robert Lewandowski ein sehr spätes siegreiches Ende fand. Was mich ob meiner Sympathien für den Sportclub und insbesondere für Herrn Streich doch ziemlich schmerzte.

Hernach hörte und las man Diskussionen über Duselbayern auf der einen und einen vielmehr folgerichtig erzwungenen Sieg auf der anderen Seite. Persönlich tue ich mich insofern etwas schwer mit der letztgenannten Argumentation, als der unmittelbare Druck auf das Freiburger Tor, der in echten, klaren Torchancen zum Ausdruck kommt, im Grunde nicht gegeben war. Dominanz beinhaltet per se keine Torgefahr, insofern empfand ich das Spiel wenig zwingend und den Sieg, bei aller Brillanz des, vielleicht der Beteiligten, als durch etwas Glück bedingt. Ein Glück, von dem man mittlerweile vielerorts glaubt, so auch hier, dass der FC Bayern München seiner gegen den SC Freiburg nicht mehr bedürfe. Der Arbeitssieg ist nicht mehr so recht vorgesehen.

Worüber ich ein bisschen mit mir hadere. Weil ich eine eventbezogene Erwartungshaltung erahne: Wenn ich schon den Bayern bei einem Spiel zusehe, das sie am Ende ja doch gewinnen, dann sollen sie doch bitte auch ein Spektakel bieten. Verwirrende, schnelle Angriffe, technische Finesse, taktische Winkelzüge, und eben Torchancen. Will sagen: Das, was sie in den vergangenen Jahren so oft und so eindrucksvoll getan haben. Will sagen: Vielleicht trauere ich Herrn Guardiola nach.

Herrn Guardiola, der ziemlich viele Spiele zu einem Erlebnis machte, auch und gerade für den neutralen Zuschauer. Bei dem es Erquickliches, Spannendes, Aufregendes zu sehen gab, auch wenn der eine oder die andere nicht mehr als brotloses Tiqui-taca (sagt das noch jemand?), das es zweifellos auch gibt, darin gesehen hat. Wo war ich? Ach ja, Erquickliches, Aufregendes, Sie wissen schon, einfach etwas anderes als am vergangenen Freitag bis zur 90. Minute. Fußball, der ein Ereignis sein kann und überdurchschnittlich oft ist. Ich bin ein Eventfan.

Ja, mir ist klar, dass man daraus einen Widerspruch konstruieren kann zu meinem Mantra, der Fußball sei ein Ergebnissport, es gebe keine B-Noten und die bessere Mannschaft sei immer die, die mehr Tore erzielt. Was denn jetzt? Ergebnissport oder Spektakel? Nun, das ist einfach: Vom Herzensverein wünsche ich mir Ergebnisse, von manch anderem Verein auch, je nach Konstellation, und darüber hinaus erhoffe ich mir, nun, kein Spektakel, aber doch Sehenswertes.

Und da ist es halt schade, dass das Spiel des FC Bayern für mich, der ich gewiss nicht alle taktischen Kniffe im Detail durchschaue, vielleicht aber den einen oder anderen, und der ich diesem FC Bayern in den vergangenen Jahren öfter mal mit weit geöffnetem und sich kaum mehr schließendem Mund zugesehen habe, dass also dieses Spiel des FC Bayern München vergleichsweise weniger Überzeugendes, weniger Begeisterndes, weniger Verzückendes bereithält. Weniger Event. Nein, weniger Guardiola.

Dass seine ehemalige Mannschaft mit ihrem neuen Übungsleiter möglicherweise erfolgreicher sein wird als mit ihm, ist denkbar. Dann soll es so sein. Und dann werden die Anhänger des Vereins völlig zu Recht und mit meiner uneingeschränkten Zustimmung darauf verweisen, dass Fußball ein Ergebnissport und die bessere Mannschaft in jedem einzelnen Spiel diejenige sei, die mehr Tore erzielt, oder die im vorliegenden Fall über die Zeit mehr und bedeutendere Titel holt. Mit meinem Spaß beim Zuschauen hat das nur sehr bedingt zu tun.

Wenn indes am Wochenende die andere Bundesliga beginnt, die, für die sich der VfB entschieden hat, ist das eventartige bestenfallsGuardioSC Freib dritt- oder viertrangig. Ergebnissport. Mit den Punkten kommt auch die Verzückung – ob der Aussicht, ab dem Spätsommer wieder in der anderen, der einen Bundesliga zu spielen. Darüber durfte ich übrigens drüben bei Rund um den Brustring dieser Tage ein bisschen reden, wenn wir gerade dabei sind. Sehr kurz zusammengefasst: Zweite Liga gut und schön, aber mit einigen Details will ich mich wegen der paar Monate nicht befassen. Hüstel.

 

 

 

 

 

No rage, no running. But still …

Öhm? Englisch? Und überhaupt? Running? Rage? Nee, nee. Nur eine Reverenz.

Das ging dann ja doch ein bisschen rasch, irgendwie. Der Advent kam, mit ihm wieder mal ein Kalender und ganz nebenbei ein neues Blog. Der Name ist geblieben, die alten Texte sind es auch, die Blogroll ist verschollen, kommt aber bestimmt wieder. Die Adresse hat sich ein bisschen verändert, die Optik deutlich, ohne dass ich so genau sagen könnte, was weshalb wie aussieht und wie es sich wie ändern ließe.

Der Adventskalender hat mir auch in diesem Jahr großen Spaß bereitet. Dies gilt  erfreulicherweise auch für eine in ihrer Größe nicht so genau einzuschätzende Gruppe, die vermutlich eine gewisse Affinität für sportgeschichtliche Ausflüge oder für Reimereien oder für Rätsel oder für Teile davon oder auch für alles miteinander eint. Ich war versucht, von einem Nischenpublikum zu reden, was aber selbstredend völliger Unsinn ist: Sie sind alles andere als ein bloßes Publikum, sondern vielmehr ganz entscheidender Bestandteil der “Show”, also dessen, woran ich so große Freude hatte.

Und weil eben dieser Adventskalender dann doch nicht nur eine gewisse Aufmerksamkeit inhaltlicher Art erfahren, sondern zudem einige Leute hierher geführt hat, die sich zuvor selten bis gar nicht in mein Blog verirrt hatten, spielten der Umzug und das neue Äußere kaum eine Rolle. Geschickt eingefädelt, so wurde ich weder in Diskussionen über Schriftgrößen und -farben verwickelt, noch musste ich mir Antworten auf die Frage nach dem Warum aus den Fingern saugen.

Doch wie das halt so ist: Die Frage stellte sich trotzdem. Will sagen: Ich stellte sie. Wieso bin ich mit meinem darbenden Blog umgezogen, weshalb habe ich mich gar im Rahmen meiner Möglichkeiten mit gestalterischen Fragen befasst, warum den Aufwand betrieben? Für ein Blog, das – so ehrlich muss man mit Blick auf das abgelaufene Jahr sein, so gnadenlos ehrlich sind die fabulösen Herren vom Vertikalpass dankenswerterweise auch gewesen – kaum mehr als einen Adventskalenderblogger beherbergt?

Nun, ich weiß es nicht. Vielleicht war es das Bestreben, dann doch wenigstens dem Adventskalender ein neues Kleid zu kredenzen, vielleicht der Wunsch, in höherem Maße Herr über die eigenen Daten (hier: Texte) zu sein, ganz sicher steckt zum Teil das Ansinnen dahinter, die hinter meinem Rücken außerhalb meiner Kontrolle durch WordPress platzierte Werbung loszuwerden, und vielleicht, ganz vielleicht ist es einfach nur ein letztes Aufbäumen. Sie kennen das: Die Beziehung siecht so ein bisschen dahin: Heiraten? Kind? Neues Kleid? Ok, Letzteres.

Vielleicht, ganz vielleicht wird dieses Blog ja doch noch einmal regelmäßiger befüllt. Vielleicht werden ja auch diese (oder gar jene) Fünfzeiler irgendwie eingegliedert, das neue Gewand ist schließlich recht großzügig geschnitten. Modular, quasi. Und möglicherweise geht’s einfach öfter mal wieder um was anderes. Nicht nur um den VfB Fußball Fünfzeiler und Sonette, sondern einfach um Dinge, die mir grade so im Kopf rumschwirren, die ich, hüstel, angedacht habe, ohne weitergekommen zu sein, Sie wissen schon, damals. Der Herr @_catenaccio macht das übrigens auch grade, gefällt mir. Und ich habe auch noch im Ohr, wie er mir vor einiger Zeit sagte, besser: schrieb, dass mein Blog seinem Namen früher auch mehr Ehre gemacht habe, oder so ähnlich. Und das wesentlich freundlicher, als es in meinen Worten klingen mag.

Ganz aktuell schwirrt mir zum Beispiel die Frage im Kopf herum, ob ich schon heute wieder anfangen soll zu twittern, oder erst morgen, oder in ein paar Tagen. Grade im Advent war es doch ein bisschen viel, und so zog ich mich unmittelbar nach Weihnachten erst einmal zurück – aus meiner besten, schnellsten, wichtigsten Informations- und häufig auch Inspirationsquelle. Ok, gelegentlich schaute ich rein, still, mehr oder weniger, mit gelegentlichen Herzchen als Lesenszeichen.

Dass der Beginn der Abstinenz just mit dem Start der Abstimmung über den Austragungsort des diesjährigen #tkdingens (mir geht der andere Begriff so schwer über die Finger) zusammenfiel, war eher kein Zufall. Den sich über Monate in Zyklen aufschaukelnden Wahlkampf empfand ich im besten Fall als ermüdend, in jedem als unnötig. Aber ich mag ja auch den Vergabeprozess vergleichbarer Großereignisse nicht, man denke an (nicht nur Fußball-) Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele und ihre Anforderungskataloge.

Dass ich dann auch nicht abgestimmt habe, mag mich bei Trainer Baade und dem Team des @tkschlaendle ein wenig in Misskredit bringen, aber nun gut. Meinetwegen könnte man den nächsten Austragungsort während des sonntäglichen #tkdingens-Katerfrühstücks über einer Deutschlandkarte auspendeln, oder das Los ebenda zwischen all jenen Orten entscheiden lassen, die Interesse signalisiert haben. Und wenn das Ergebnis lautete, dass wir zweieinhalb Tage lang in einer schäbigen Eckkneipe in Itzehoe, in Königsmünster oder Berlin miteinander reden sollen, hätte ich halt dort meinen Spaß mit vielen wunderbaren Leuten aus meiner Timeline, oder auch noch nicht aus meiner Timeline. Nun aber: München. Schön.

Einige wenige Male hatte ich in den letzten Tagen schon die Hand am Tweet. Die Gründe und Anlässe waren sehr unterschiedlicher Art, und in einem Fall schickte ich dann zumindest eine Direktnachricht, weil ich mich nicht nur dringend irgendwie artikulieren musste, sondern auch noch Verständnis ernten wollte, was im Kreis der mit mir Urlaubenden wesentlich ausführlicherer Erläuterungen als jener vier Worte bedurft hätte, die den Kern meiner Nachricht an @sport_thies ausmachten: “Ashton Eaton? Ashton Eaton!”

Womit ich doch schon wieder beim Adventskalender wäre. Weil Herr Thies dort stellenweise versagt hat. Weil ich mich dort etwas intensiver mit dem Mehrkampf befasst hatte, einige werden sich erinnern: André Niklaus, Bryan Clay und Sabine Braun versteckten sich hinter je einem halben Türchen, Sabine Everts, Torsten Voss und Christian Schenk waren ebenfalls in der engeren Wahl gewesen. Und natürlich sah ich mir ein paar andere große Athletinnen und Athleten an, Daley Thompson natürlich, Jackie Joyner-Kersee, Dan O’Brien, Erki Nool, Ghada Shouaa, die Tschechen um die Jahrtausendwende, die begeisternde Carolina Klüft.

Und am Ende blieb immer die Selbstverständlichkeit, die von Ashton Eaton ausgeht, jene Selbstverständlichkeit, mit der er ein gutes halbes Jahrzehnt lang wahrlich alles gewann, die Leichtigkeit, die Abwesenheit prätentiösen Gehabes – auch wenn diese, um der Wahrheit die Ehre zu geben, im Mehrkampf gewiss kein Alleinstellungsmerkmal ist. Ich wollte, dass das immer so weitergeht. Verlässlichkeit, Sie wissen schon. Küchenpsychologie, Ihr Einsatz! Und überhaupt: 45.00 über die 400! In einem Zehnkampf! Der letzte deutsche Spezialist unter 45 war Ingo Schultz, danach müssen wir in die 80er zurück, zu Schönlebe, Skamrahl, Weber et al.

Verzeihung, ich ließ mich ein bisschen mitreißen. Der Urlaub wirkt nach. Schön war’s. Wenig Schnee, viel Familie, auch viel leichte Lektüre. Erstmals las ich ein Buch von Sebastian Fitzek, einen geschenkten Gaul, sozusagen. Es mag an dem speziellen Werk gelegen haben, sein jüngstes, wenn ich nicht irre, aber aus eigenem Antrieb werde ich in absehbarer Zeit eher keines erwerben. Ein paar andere Sachen waren nicht der Rede wert; eine Menge Freude hatte ich indes zu meiner nennenswerten Überraschung mit und an Marc Hofmanns „Alles kann warten“, das eigentlich ziemlich viele Komponenten enthält, die mich im Regelfall abschrecken (Männer, die nicht erwachsen werden wollen; die Beschreibung ihrer Vertrautheit, die eigentlich nur im echten Leben funktioniert; fortwährende Musikzitate; etc. …), und wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden, ich möchte mich zügig dem jüngsten Werk von Adrian McKinty widmen, das seit einigen Tagen unberührt auf meinen Lesegerät bereitliegt.

vierundzwanzig/zwanzigsechzehn

Der freie Mann verlor dereinst sein Haar.
Ein andrer war ein Ochs in Dopingfragen.
Dann er, mehr stich- als hiebfest, sozusagen.
Olympiabronze. Ditte dann als Paar.

Europa, Scheibe, Silber, dieses Jahr.
Ein kalter Kriegsheld, grob in 50 Tagen.
Oft sah man ihn kopfüber Scheren schlagen.
Die Ruhe selbst – drum war er Letzter, klar.

Der Goldnen acht, in Silber hat sie vier.
Er ist mit nackten Fingern stets gestartet.
In seinem kurzen Leben fehlt die Kür.

Das ist jetzt doch ein bisschen ausgeartet.
Wer will sich schon mit elf … ach, ab dafür –
ein Spaß, solang‘ man heut aufs Christkind wartet.

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Heiligabend. Ich weiß nicht, wann ich dazu komme, die heutige Lösung kurz hier auszubreiten (morgen, vermutlich), und ich weiß erst recht nicht, wer von Euch regelmäßig oder auch nur sporadisch hier Mitlesenden oder Mitschreibenden seiner- oder ihrerseits in den nächsten Tagen nochmal hier reinschaut, drum sag ich es jetzt, mit maximalem Pathos in der Stimme, versteht sich:
Danke. War schön.

Und vor allem, diesmal ohne Pathos: Frohe, vielleicht besinnliche Weihnachten und einen fabelhaften Start in ein neues Jahr, das in vielerlei Hinsicht besser sein möge als das alte!

Besondere Grüße entbiete ich den enttäuschten Fans all derjenigen Kandidaten aus meiner Shortlist, die es letztlich doch nicht hinter eine Tür geschafft haben. Beispielhaft seien genannt: Peter und Tobias Angerer, Karin und Oliver-Sven Buder, Jacky und Pierre Durand (Ein schmerzhafter Verzicht. Zu viele Radfahrer im Kalender.), Sabine und Stefan Everts, Chris und Peter Fleming, Andrew und Chris Hoy, Anja und Anke Huber, Michael und Robert Hübner, Amelie und Birgit Kober, Annemarie (la Pröll) und Francesco Moser, Alexander und Heinrich Popow, Michael bzw. Uli und Reinhold Roth, Rainer und Ulla Salzgeber, Christian und Ard Schenk, Gerd und Rainer Schönfelder, Jimmy und Matthias Steiner (Walter noch dazu), Frank und Jan Ullrich, Carina und Miriam Vogt, und … und … und …

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Hintergründe zum Kalender.
Über Kommentare zu den Sportler_innen und ihren Sportarten würde ich mich freuen. Sie blieben aber zunächst verborgen. Spannung und so.
(Falls ich es technisch hinbekommen habe.)

dreiundzwanzig/zwanzigsechzehn

Ob jemand seine Namensbase hasst?
Vielleicht steht man karrierelang im Schatten –
dies Schicksal kann die stärkste Frau ermatten.
Zumal sie (welches?) Blut entnehmen lasst.

Ihr Gegenstück, Sie haben es erfasst
(es trifft auch deren prominenten Gatten),
ist jemand – und da gibt es kaum Debatten –
bei der fast jede(r) im Vergleich erblasst.

Die eine läuft um Gold, mit großen Schritten.
Die andere umläuft, spielt alle her.
Zudem ham sie sich zeitlich überschnitten.

Das macht es für die eine doppelt schwer;
bestimmt hat sie im Kämmerlein gelitten:
“Ach wenn’s bloß der Familienname wär!”

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Hintergründe zum Kalender.
Über Kommentare zu den Sportler_innen und ihren Sportarten würde ich mich freuen. Sie blieben aber zunächst verborgen. Spannung und so.
(Falls ich es technisch hinbekommen habe.)

zweiundzwanzig/zwanzigsechzehn

Hat seinen Sport – so’s bisschen halt – erneuert.
Mit: Haltung. Anmut. Toller. Eleganz.
Als bitte er das Publikum zum Tanz.
Es schmolz dahin, hat Liebe ihm beteuert.

Von andern wurd’ er widerlich befeuert:
Das Outing durch den Hort der Intriganz –
es perlte ab am dreifach goldnen Glanz.
Ich hoff, die ZEITUNG war recht angesäuert.

Der Namensvetter musste sich einst plagen:
Zu klein! Zu schmächtig! Und manch andern Quark
erzählten die, die heute wertvollst sagen.

Sein Körper ist noch immer nicht so stark,
doch trifft er weiterhin aus allen Lagen.
Im Hintergrund singt leis Petula Clark.

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Hintergründe zum Kalender.
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(Falls ich es technisch hinbekommen habe.)

einundzwanzig/zwanzigsechzehn

Statt steten Lobs gibt’s heut auch mal Gekrittel.
Drei Goldne sind olympisch zwar ok,
doch tut es manchem in der Seele weh:
Wie, das sei Sport? Euch brennt ja wohl der Kittel!

Der Goldnen holt der andre nur ein Drittel,
auch bei WMs enttäuscht er ziemlich jäh;
das Haar wächst schon in jungen Jahren zäh,
und überhaupt: Er läuft halt nur so mittel.

EM-Gold hat er zwar, “nach Ferner liefen“,
doch später geht’s hinab in tiefe Tiefen:
Betrugsverdacht, Blessuren und Bankrott.

Der erste ist gewiss der Babo hier,
nahm sieben Mal die Ringe ins Visier!
Ihr wisst, wer’s ist? Dann Feuer frei, und flott!

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(Falls ich es technisch hinbekommen habe.)

zwanzig/zwanzigsechzehn

Sein Sportgerät: ein glänzendes Produkt!
Im Rennen glückt ihm oft die schnellste Runde;
beherrscht die Hälfte auch und wirkt im Grunde,
als habe er nen Besenstiel verschluckt.

Der andre Mann ist keiner, der sich duckt:
verbreitet weit vorab des Sieges Kunde –
die Selbstgewissheit ist ne arg gesunde,
die Schar der wahren Favoriten zuckt.

Zu Recht – es ist noch nicht mal richtig knapp,
als er als erster seines Landes siegt.
Ansonsten geht es schnell und steil bergab.

Doch wie sein Landsmann aus der Kurve biegt!
Wie er den Körper (ähm, vom bottom up),
ganz stille hält. Das güldne Kettchen fliegt.

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(Falls ich es technisch hinbekommen habe.)

neunzehn/zwanzigsechzehn

Der eine siegt sehr früh im neuen Jahr
– sein Gegner scheitert kurz zuvor am Wind –
und in der Schar der Gratulanten sind
die Herren Caspar, Melchior, Balthasar.

Beim andern wird gar fast ein Wunder wahr
– kaum jemand ahnt auch nur, dass er gewinnt.
Gilt vielerorts bis heut als Glückes Kind,
weil eine Hälfte nicht zugegen war.

Das mag wohl sein, das Schicksal war ihm hold;
doch letztlich zählt: Er hat Olympiagold,
verließ den Ring bei Sonnenschein als Sieger.

Sein Namensvetter machte Wintersport
(Olympiasilber, zweimal Intersport)
zur Hoch-Zeit mitteldeutscher Überflieger.

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Hintergründe zum Kalender.
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(Falls ich es technisch hinbekommen habe.)

achtzehn/zwanzigsechzehn

Der Namenswechsel hat sie vier vollzogen,
heißt heute wieder so wie einst im Mai
(nein, Februar, ach Leserin, verzeih !) –
da war ihr, gülden, der Olymp gewogen.

Dort ist sie beinah ums Oval geflogen
und holt im Lauf der Jahre nochmal zwei –
auch andre Strecken, Farben sind dabei.
Man fragt sich später: War sie wohl auf Drogen?

Daneben: eine tragische Figur –
nicht torwartfehlertragisch, nein, real:
Sein Leben klang nur äußerlich nach Dur.

Tatsächlich war ihm Vieles eine Qual,
sein Wohlergehen oberflächlich nur.
Drum dachte er, er habe keine Wahl.

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Hintergründe zum Kalender.
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(Falls ich es technisch hinbekommen habe.)