Ein seltsames Spiel ist es ja schon, das wir, also Sie zuhause und ich hier im Bildschirm, seit ein paar Jahren zusammen betreiben. Ich überlege mir 24 Leute, vielleicht auch 48 oder noch mehr, und versuche, deren größte Momente, vielleicht auch ihre bittersten Episoden oder das, woran man sich eben so erinnert als mehr oder weniger sportinteressierter Mensch, oder am Ende auch just das, woran ich mich ohne die Zuhilfenahme von Suchmaschinen eben nicht erinnert hätte, in eine dem gemeinen Sonett in aller Regel recht ähnliche Form zu pressen, früher auch mal in andere Formate, und Sie bemühen sich dann ihrerseits, aus meinen mal plumpen, mal versteckten, mal absurden und bewusst oder unbewusst irreführenden Anspielungen die Identität und die Sportarten der betroffenen Person(en) zu entschlüsseln, ohne dabei eben jene Suchmaschinen zu Hilfe zu nehmen, die mir überhaupt erst die beschriebenen Ereignisse ins Gedächtnis gerufen hatten. Wenn Sie dann besonders verrückt sind, sehen Sie sich noch dazu in der Pflicht, oder auch im Vergnügen, die Lösung Ihrerseits in Sonettform darzubieten.
Wir sind nicht viele. Ich nicht, und Sie, die Sie unser seltsames Spiel ästimieren und mitmachen, auch nicht. Aber Sie sind treu. Hartnäckig. Verlässlich. Waren es zumindest in den vergangenen Jahren. Weil Sie Ihr Wissen unter Beweis stellen, die Herausforderung annehmen, elaboriert antworten oder einfach nur schnell sein wollen. Vielleicht, und das sage ich jetzt nur, um einmal mehr die Kurve zum Ausgangspunkt zu bekommen, haben Sie sich ein ganz kleines bisschen in unser gemeinsames Format verliebt. Und die Liebe, das wissen wir seit Connie Francis, ist halt ein seltsames Spiel. Sie überschreitet Grenzen, die Capulets und die Montagues wissen ein Lied davon zu singen, verbindet Menschen über Religionen, soziale Schichten, Nationalitäten, politische Überzeugungen, häufig auch Geschlechter hinweg, und gelegentlich, Sie ahnen es, gelingt es ihr gar, (in der Regel) zwei Menschen sportartenübergreifend zu vereinen, manchmal für immer und ewig, manchmal auch einen Tick kürzer.
Mit solchen Verbindungen wollen wir uns in den nächsten 24 Tagen befassen. Beziehungsweise ich will, und Sie können sich noch überlegen, ob sie das auch wollen. Ist dann ja doch eher so Gala- als Socrates-Content. Falls Sie das nicht abschreckt, schauen Sie doch morgen mal hier herein, ab 8 Uhr, hoffe ich. Lesen Sie es sich kurz durch und sagen Sie mir, um wen es sich handelt. Es ist auch deshalb wichtig, gleich in den ersten Tagen einzusteigen, weil die Befüllung des Kalenders mit ausformulierten Texten bisher nur wenige Tage lang gesichert ist, und wer weiß, ob sich das wirklich ändern wird?! Besonders beliebt sind übrigens, aber wem sage ich das, sind ja lauter alte Hasen hier, Antworten mit Herleitung – was hatten wir in den vergangenen Jahren Spaß an der einen oder anderen faszinierenden und nicht in jedem Falle zutreffenden Begründung! Irgendwann am frühen, manchmal auch späteren Abend kommt dann die Auflösung (die Kommentare werden so lange nicht veröffentlicht), häufig mit meiner eigenen Her-bzw. Hinleitung, so es die Zeit zulässt.
Na, haben Sie schon das eine oder andere Paar im Kopf? Sportartenübergreifend? Ehrlich gesagt: Das muss gar nicht zwingend sein. Auch Liebschaften innerhalb einer Disziplin sind nicht per se ausgeschlossen. Grade im Wintersport fällt ja die Häufung auf, bei alpinen Skifahrer*innen und Biathlet*innen, zum Beispiel, aber das Tennis steht ihnen nicht viel nach. Wobei gerade dort auch die Grenzgänger*innen eine Rolle spielen, man denke nur an Frau Hingis, die sowohl innerhalb des Tenniszirkus als auch auf Golf- und Fußballplätzen gefreit hat. Mindestens. Apropos Fußball: Der ist nicht ausgeschlossen. Explizit. War ja auch schon mal anders hier.
Wie jedes Jahr stellte sich auch wieder die Frage nach dem Schwierigkeitsgrad. Zwei Personen haben sich in der Vergangenheit als ganz gut machbar erwiesen. Zwar erhält die einzelne weniger Platz, dafür ist die Chance, eine der beiden zu (er)kennen, in der Regel deutlich höher, zumal der Lösungsraum ein begrenzter ist – zweifellos hat die Rategemeinde bereits jetzt einige Paare im Kopf, von deren Auftauchen der eine oder die andere fest ausgeht.
Wie eine der vermutlich leichteren Übungen aussehen könnte, habe ich hier mal skizziert:
Einst trug er langes Haar, zog später blank –
sich doch noch fügend in der Männer Los.
War im und dann auch für den Sport famos,
weil imagemäßig fabelhaft als “Punk”.
Und sie? War primär sportlich eine Bank,
der Punkfaktor indes nur mittelgroß,
das Image clean. So mancher findet bloß,
dass jene Brille achtundachtzig stank.
Der Ehemann war nicht so dominant,
viel eher oszillierend, wie man weiß.
(Auch beim Gewicht.) Und clean? Man war kulant.
Abseits des Sports ward unsereinem heiß,
als sie die Pastasinnlichkeit erfand.
Wobei: Am allerschärfsten war ihr Slice!
Oder aber einen Hauch schwieriger – wer es ohne Suchmaschine weiß, darf sich meiner Bewunderung sicher sein:
Er zeigte hammermäßig guten Sport,
als junge Leut’ im coubertinschen Rahmen
mal erst im späten Herbst zusammenkamen:
Sein Gold kam mit olympischem Rekord.
Bereits am Tag zuvor hatt’ ebendort
die beste dreier starker Ostblockdamen,
die sich rein leistungsmäßig nicht viel nahmen,
den Sieg erschleudert. Bald drauf ging sie fort.
Sie musste, um’s genauer zu benennen –
zuhause schien man Liebe nicht zu kennen
und wollt’ nen klaren Schnitt. (‘nen ziemlich harten.)
Dass sie sich mit dem Klassenfeind vermählte,
sei fehl am Platz. Auch wenn es alle quälte:
Sie musste gehn. Und für die Amis starten.
Die Lösung(en) dürfte(n) wie so oft irgendwo in der Mitte liegen. Schwierigkeitsmäßig.
Zum Schluss dieses doch wieder vom Hölzchen aufs Stöckchen geratenen Sermons noch ein wiederverwerteter Hinweis aus dem Vorjahr:
Leider zeigt die Erfahrung, dass meine Kommentarfunktion manchmal hakt. Wer Probleme hat, ist herzlich eingeladen, mir seinen oder ihren Kommentar per Mail an blog at heinzkamke.de oder auch per Twitter-DM zu schicken. Der Umstand, dass ein Kommentar nicht gleich angezeigt wird, ist indes kein relevantes Indiz für eine Fehlfunktion, es bedürfte schon einer Fehlermeldung. Tatsächlich werden die Kommentare erst im Lauf des Tages en bloc veröffentlicht, um die Lösung nicht vorschnell zu offenbaren – ältere Häsinnen und Hasen wissen Bescheid, jüngere verstehen sicher, was ich meine.
Wie immer wünsche ich Euch und Ihnen allen eine schöne Adventszeit, mit Marzipan, Nüssen und Mandarinen; zudem ein bisschen Besinnlichkeit und das eine oder andere Flötenkonzert, dazu Fußball, Wintersport und natürlich Drei Haselnüsse für Aschenbrödel.
(Ein Jammer, übrigens, dass ich an dem Tag nicht in Stuttgart bin, wenn Drei Haselnüsse für Aschenbrödel mit Live-Begleitung durch ein Orchester aufgeführt wird. Ich hätte die Kinder schon überzeugt, dass sie das auch sehen wollen.)
Hier geht’s dann zum Kalender.