vierundzwanzig/zwanzigvierzehn

Selbst(trug)bild

Das Endspiel beginnt, und im Nu
landet Wilmersdorfs Sturm einen Coup.
Der Gegner pariert,
dreht auf, bis er führt.
(Warum nur lässt Drechsel das zu?)

Charlottenburg glaubt sich am Ziel,
bei Wilmersdorf geht nicht mehr viel.
Doch sie kommen zurück
mit Glück und Geschick,
gleichen aus – und wir haben ein Spiel!

Kopeken-Karl macht nun gleich Schluss
doch keines der Teams parkt den Bus.
Der Ball fliegt links vor,
einer schlägt ihn zum Tor:
per Spitzkick, halb Flanke, halb Schuss.

„Och, Plötz, was’n das für ne Flanke?“
Man wähnt sie in Torhüters Pranke.
Doch ein Stürmer fliegt quer,
und Hummel greift leer –
per Kopfballtorpedo trifft: Kamke.

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Hintergründe zum Kalender.

dreiundzwanzig/zwanzigvierzehn

Knittel

Der Trainer schwört die Mannschaft ein
auf den Gegner, den größten und besten Verein:
“Heut zählt’s, meine Herrn, es kommt die Elite.
Die lernt nun Demut, ich setz auf Grafite!”
Gedemütigt wurde sie in der Tat,
hatte nicht die leiseste Antwort parat,
als Wolfsburg zeigte, smart und plietsch:
die Elite hört heut auf den Namen Grafietsch.
Er führte den Gegner gnadenlos vor,
das Münchner Heulen klingt noch im Ohr.
Gewiss, sein Tor war ein bisschen bitchy,
doch es machte was her, Chapeau, Grafitschi!
Wie er von links nach innen biegt
und einem nach dem andern die Hos’ ausziegt,
dann mit der Hacke die Ernte einfährt,
das ist so manches Graffiti wert!
Und Meister Magath, der sportliche Stenz,
schenkt sich ein Minütchen mit Torwart Lenz.

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Hintergründe zum Kalender.

zweiundzwanzig/zwanzigvierzehn

Rondeau

Ein Künstler aus Papier und Wien:
die Fußballwelt bewundert ihn.
Sein Scheiberln zählt zu Öst’reichs Mythen –
nicht mal der Meisl konnt’s verbieten
und hat den Überfluss verziehn.

Für jeden, der am Platz erschien,
ließ er das schöne Spiel erblühn,
am liebsten z’haus in Favoriten.
Ein Künstler aus Papier.

Sein Spiel war zauberhaft und kühn,
er ließ der Männer Augen glühn
und lockte Tschechen, Deutsche, Briten.
So sehr sie sich indes auch mühten:
der Wunderstürmer blieb in Wien.
Ein Künstler aus Papier.

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neunzehn/zwanzigvierzehn

Ritornell

Du, grüner Klee,
nahmst gern die Außenseiterrolle an
und fülltest honorabel das Klischee.

Ihr violetten Veilchen,
die ihr gelegentlich von Titeln träumt:
ich fürcht’, die Flügel tragen noch ein Weilchen.

So stolze Lilien,
die Ihr in meiner Kindheit oben wart:
ich bin gespannt auf neue Mirabilien!

O Gladiolen!
Die Bundesliga nahm Euch dankbar auf –
der Gärtner ging, es blieben die Parolen.
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siebzehn/zwanzigvierzehn

Englisches Sonett

Remembering when football first came home,
when Eusébio entered centre stage,
when North Corea and Lev Yashin shone –
‘t was English football’s brief and golden age.

We sing the praise of those who had a part,
who brought the Cup to where it doth belong.
Their game was beautiful, a piece of art –
a group of men so skillful and so strong.

And yet – there is a fear I dare not name,
a fear that goes beyond imagination.
It’s modern football that we have to blame,
and notably its drive for innovation:

My secret angst: with GLT in play,
will they revise – and take our Cup away?

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fünfzehn/zwanzigvierzehn

Stanze

Zwei Männer stehn einander gegenüber.
Der eine mustert stumm sein Vis-à-vis:
Du kannst Dich strecken, wie Du willst, mein Lieber –
nach links, nach rechts, egal, den hältst Du nie!
Der andre schaut nochmal zum Uli rüber,
geht dann mit höchster Spannung in die Knie …
und springt nach links. Die Hand geht hoch. Vergebens.
Der eine muss davon erzähl’n, zeitlebens.

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