Rivalen der Rennbahn

Mesdames, Messieurs, Sie wünschen, Ihr Nischenkalender spielt: Rivalen der Rennbahn. Galopprennsport. Orofino, Acatenango, Addi Furler selig, Mondrian, und … schon verließen sie ihn. Torquator (sic!) Tasso, habe ich mir noch angelesen, auch ohne Deutsch-LK, und vielleicht ließen sich ein paar Traber aus München-Daglfing integrieren, angetrieben von Heinz Wewering. Allerdings könnte ich durchaus nachvollziehen, wenn die eine oder der andere Zweifel daran hegte, dass uns die Voll- und sonstigen Blüter durch 24 Türchen tragen.

Rivalen der Rennbahn. Hätte man mich gefragt, hätte ich im Brustton der Überzeugung Sigmar Solbach eine Hauptrolle zugeschrieben. Der war aber wohl bei den Guldenburgs. Die ich genausowenig gesehen habe wie Rivalen der Rennbahn. Also, bis irgendwann diesen Herbst, selbstredend. Recherche, Sie kennen das. Jetzt weiß ich natürlich um die Rivalität zwischen Christian Adler und Hans-Otto Gruber, kann mir Thomas Fritsch und Manfred Zapatka in keiner anderen Rolle mehr vorstellen und bin in der Lage, Nino de Angelos Samuraj von Michael Cretus Samurai abzugrenzen.

Wie jetzt? Dieses Jahr geht’s um Popkultur? Nun, mal langsam mit den jungen Pferden. Ich komm nochmal rein.

Hier sind wir also wieder. Sie. Ihr. Ich. Wir alle, in unserer kleinen Adventsblase. Herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind, im Idealfall voller Tatendrang, um abseits von Suchmaschinen und künstlicher Intelligenz dreieinhalb Wochen lang Athletinnen, Athleten, Pferde und sonstige Exponent*innen des Sports zu erraten erschließen.
(Geheimtipp: Wahrscheinlich kommen gar keine Pferde.)

Nachdem das Ganze im Vorjahr unter dem Motto “nicht einfach” gestanden hatte, rücken wir davon im Advent 2025 wieder ab. Wobei. ♫ Es könnt alles so einfach sein, ist es aber nicht – zwar werden heuer keine Geschwister gesucht, hinter jedem Türchen stecken dann aber doch wieder mindestens zwei, sagen wir: Akteur*innen. Nicht einfach. (Wobei mir mein Gefühl sagt, dass es durchaus einfach werden wird. Ziemlich viele ziemlich bekannte Leute in der Verlosung.)

Dass die Rivalen der Rennbahn ungeachtet der überschaubaren Liste der dem Hausherrn bekannten Galopper*innen nicht aus reiner Willkür oder wegen der attraktiven Alliteration in der Überschrift stehen, dürften Sie sich gedacht haben. Denn es geht um … Rival*innen der Rennbahn. Oder der Laufbahn. Des Velodroms. Des Courts. Der Platte. Des Beckens. You name it.

Wir schauen auf, etwas breiter gefasst, Duelle, Rivalitäten, Hasslieben, Feindschaften, all sowas halt. Schauen auf die Rivalität zwischen Boris Becker und Michael Stich, oder das Duell zwischen Boris Becker und John McEnroe in Hartford, vielleicht auch auf die Fehde zwischen Boris Becker und Oliver Pocher, und was reimt sich überhaupt auf Fliegenklatsche? Mag sein, dass wir auf Happy Gilmore und Shooter McGavin schauen, oder mal wieder auf Nancy Kerrigan und Tonya Harding, womöglich auch auf die Herren Barshim und Tamberi anno 2021. Respektive 2020, wenn man dem IOC glaubt, und wieso sollte man dem je nicht glauben?

Mein Recency Bias könnte uns zum Finale der French Open zwischen den beiden Tennisdominatoren dieser Tage, Monate, Jahre führen, oder zu Amanal Petros und, wer wüsste den Namen des Siegers nicht, Alphonce Simbu; der hier indes zumeist vorherrschende Primacy Bias bringt uns wohl eher zum Zweikampf von Ulrike Meyfarth und Tamara Bykowa in den frühen 80ern, oder endlich wieder mal nach los Angeles, zu Zola Budd und Mary Decker (Ja, auch die hatten wir schon. 2015. Muss ja nichts heißen.)

Mannschaften gehen natürlich auch, wiewohl mich Rivalitäten wie zwischen Partizan und Roter Stern, Celtic und den Rangers, in Argentinien oder im Ruhrgebiet voraussichtlich nicht allzu sehr umtreiben werden. Aber man weiß ja nie. Zumal die Operation Adventskalenderbefüllung dieses Jahr weitgehend am offenen Herzen durchgeführt werden muss, allzu Vieles bewegt sich aktuell irgendwo zwischen rudimentär und gar nicht vorhanden, und so greift der Hausherr am Ende vermutlich schlicht nach jedem Provisorium, das er kurzfristig noch zu fassen bekommt. Uli Hoeneß und Willi Lemke incoming, quasi.

Also: Duelle, Rivalitäten, Fehden und Feindschaften. Ab morgen, bis Heiligabend. Die obigen Beispiele lassen bereits erahnen, dass die Wahrscheinlichkeit, einzelne Sportarten überproportional häufig vorzufinden, wie immer nennenswert ist. Zumal manche Disziplinen schlicht duelllastiger sind als andere – dem Tennis oder den MMA ist es immanent, beim Synchronschwimmen oder im Langlauf hingegen kann es sich halt ergeben, oder auch nicht. Wenn also zum fünften Mal Boxen kommt, freue ich mich über kritische Hinweise.

Speaking of kritische Hinweise: Schon heute kann und muss ich sagen, dass der Anteil weiblicher Lösungen nicht hoch sein wird. Nicht mein Wunschszenario, ist aber so. De facto herrscht unter den Duellen und Rivalitäten, die ich erstens irgendwo in meinem Gedächtnis abgespeichert habe und bei denen ich zweitens zumindest eine ganz grobe Idee habe, wie ich sie verpacken möchte, ein deutlicher männlicher Überschuss. Wer das nicht gut findet bzw. so ungut findet, dass er oder sie vor diesem Hintergrund nicht an der Spielerei teilhaben möchte, der und dem sei hiermit gleich zu Beginn reiner Wein oder Sprudel eingeschenkt. Ich würde Ihre Absenz bedauern und weise gleichzeitig darauf hin, dass ich nicht vorhabe, diese Diskussion im Lauf der nächsten Wochen hier zu vertiefen.

Was ich auch nicht vorhabe, wohl aber tun werde: Sie in die Irre führen. In Einzelfällen mag das ganz bewusst geschehen, häufig aber versehentlich, einfach weil “zahlreiche” (in den engen Grenzen unserer Special Interest Group) Mitspielende gewissermaßen hypersensibilisiert sind. Sie vermuten Hinweise, wo dem Verfasser häufig bloß kein anderes Wort eingefallen ist, Sie kennen das: Titel erringt man nicht zwangsläufig auf einer Matte, und nicht jeder, der eine tolle Laufbahn hat, betreibt seinen Sport auf einer solchen. Manchmal ist sie schlicht aus metrischen Gründen der Karriere vorzuziehen. Und wer auf einem Podest oder sonst wo landet, muss keine Skispringerin oder Eiskunstläuferin sein. Womöglich ist er es dennoch.

Auch dieses Jahr gilt: Es wäre schon schön, wenn es im Regelfall ohne Suchmaschinenunterstützung vonstatten ginge. Dass das gelegentlich ein schwieriges Unterfangen sein kann, ist mir klar. Zudem wäre ich dankbar, wenn das Ganze ohne Spoiler auf den gängigen Plattformen abliefe. Was ja eigentlich kein allzu schwieriges Unterfangen sein sollte.

Und ja, es gibt zig Listen in diesem unserem Internet, die sportliche Rivalitäten erfassen. Bedenket aber, liebe Mitwirkende: Es gibt auch hervorragende Strategien, eben jenen Listen bei den eigenen Internetspaziergängen aus dem Weg zu gehen – wenden Sie sie gerne an! Zumindest bis Weihnachten.

Etwaige Verstöße meinerseits gegen die angestrebte geschechtergerechte Sprache bitte ich großzügig und sachgerecht als der Metrik zum Opfer gefallen zu betrachten.

Genug geredet. Ich hätte da was zum entspannten Aufwärmen.

Es hat sich über Wochen angebahnt,
ihr Zweikampf zog uns voll in seinen Bann:
Die eine ging in Summe meist voran,
die andre hat oft einzeln abgesahnt.

Man hatt’ schon vor der Opration geahnt,
dass Erstere Kristall anhäufen kann.
Weil allerdings die zweite oft gewann,
hat Erstrer nicht mehr Gutes nur geschwant,

als sie zum Schluss in rot antreten musst’ –
doch zeigte sie sich, auch mental, robust
und siegte so, dass mancher Kamm erschwoll.

Die Hauptfiguren dieser Kugelfuhr
(Wortsinn und -herkunft ahnt auch Google nur)
gewannen und verloren würdevoll.

Und gleich eine zweite Fingerübung. Deren Schwierigkeitsgrad eventuell sehr heterogen wahrgenommen wird, bis hin zu entrüsteten Kommentaren. Aber was soll ich tun – hier stehe ich und kann nicht anders:

Es handelt sich auf keinen Fall um Sport.
Verschiedne Fahrzeugklassen sind im Spiel,
bergauf geht’s und bergab, in Richtung Ziel,
die Kontrahenten wechseln nicht ein Wort.

Der eine attackiert mal hier, mal dort,
der andre wirkt, wie sag ich das, fragil.
Die Szenerie hat optischen Appeal,
der Ablauf packt das Publikum sofort.

‘s geht nicht um Motorsport in Österreich!
Vielmehr befürchtet man: Jetzt stößt der gleich
den andern in den Tod, vorn Zug, vom Fels, …

Er jagt ihn schon seit Stunden durch die Wüst-
e; letztlich ist’s der Angreifer, der büßt
bei dieser Inszenierung des Duells.

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Abschließend ein (weiterer) wiederverwerteter Hinweis aus den Vorjahren:
Wer Probleme mit der Kommentarfunktion hat, kann mir seinen oder ihren Kommentar gern per Mail an blog at heinzkamke.de oder auch per Bluesky-DM an @heinzkamke.bsky.social (Mastodon) zu schicken. Der bloße Umstand, dass ein Kommentar nicht gleich angezeigt wird, ist dabei kein hinreichendes Indiz für eine Fehlfunktion, denn wie immer werden die Kommentare erst im Lauf des Tages bzw. Abends en bloc veröffentlicht, um die Lösung nicht vorschnell zu offenbaren – Sie kennen das.

Noch kurz zum Ablauf: Im Idealfall – mit dessen Eintreten man beim besten Willen nicht rechnen sollte – ist jeden Morgen ein gefülltes und jeden Abend ein aufgelöstes Türchen vorzufinden. Es war aber leider keine Koketterie, als ich schon weiter oben andeutete, dass es dieses Jahr verdammt knapp wird. Gewisse Rahmenbedingungen haben mich daran gehindert, frühzeitig Rätsel zu ersinnen, von Lösungen gar nicht zu reden, und werden mich auch in den nächsten Wochen in Schach halten, sodass sich bis Weihnachten eine ziemliche Zitterpartie entwickeln dürfte. Gerade abends, gerade in den ersten Tagen. Schaun mer mal.

Abschließend wünsche ich Euch und Ihnen wie immer eine wunderbare Adventszeit, mit Marzipan, Nüssen, Mandarinen und gern einem Hauch von Besinnlichkeit. Flöten- und sonstige vorweihnachtliche Konzerte mögen das Ganze untermalen, und das jahreszeittypische TV-Sportangebot dürfte ebenfalls hinreichend ausfallen. Zudem wie immer, auch hier sind Rivalitäten zu überwinden: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel.

Hier geht’s dann zum Kalender.
(Ästhetische Beschwerden bitte direkt an die Agentur. Oder den Kanzler. Frau Merkel. Was weiß ich.)