Spalter!

Ein großer Mann, so aufgewühlt er auch gewesen sein mag, hätte es sich geschenkt, denjenigen, die ihn nach dem Wahlsieg einen Spalter heißen, ins Stammbuch zu schreiben, sie mögen doch einmal hinterfragen, wer denn hier spalte. Ein noch nicht einmal großer, lediglich in diesem Moment von seinem Anstand geleiteter Mann hätte darauf verzichtet, einen kritischen Gratulanten nach getaner Arbeit einen Drecksack zu schimpfen. Wolfgang Dietrich zeigte die Größe nicht, und vermutlich vergaß er nur für einen Augenblick seinen Anstand.

Mir ist das zuwider, aber es menschelt, und ich kann damit umgehen, gerade am Ende eines zweifellos aufwühlenden, anstrengenden, von vielfältigen Unterstellungen und Anschuldigungen geprägten Wahlkampfes. Da schießt man dann auch mal übers Ziel hinaus, möglicherweise deutlich, nachdem vielleicht auch die Gegenseite zuvor die eine oder andere Grenze etwas freier interpretiert hat.

Mist, jetzt sage ich es auch schon: Gegenseite. Wie mich das ärgert! Und wie treffend es leider ist. Irgendjemand spaltet. Die einen sagen, es sei der Dietrich. Die anderen zeigen auf die bösen Ultras. Wieder andere auf den Aufsichtsrat, der diese Situation ja erst heraufbeschworen habe, indem er nur einen Kandidaten zuließ, und zwar einen, der in besonderem Maße polarisiere. Polarisiert. Nicht zu vergessen auch Teile der lokalen Medien, die unmittelbar vor der Versammlung eine bemerkenswert spaltfreudige Kampagne pro Schäfer, Dietrich et al und contra Ultras führten.

Wer nun welchen Anteil an der Spaltung für sich beanspruchen darf? Ich weiß es nicht. Es interessiert mich auch nicht. Was mich schon eher interessiert: Wer sorgt dafür, dass der Spalt geschlossen wird? Oder sagen wir verringert? Dass er wenigstens nicht weiter wächst? Auch das weiß ich nicht, und die gestrige Veranstaltung hat mir eher wenig Hoffnung gemacht, dass das Interesse an der Beantwortung dieser Frage, und vor allem das Interesse, diesen Weg dann zu gehen, besonders ausgeprägt ist.

Wobei: Das stimmt so nicht. Einige Wortbeiträge rund um die vorgeschlagenen Satzungsänderungen waren sehr vielversprechend. Ruhig vorgetragen, strukturiert, durchdacht, erkennbar den Willen transportierend, kein Öl ins Feuer zu gießen, vielmehr nach Wegen suchend, den Verein mitzugestalten, im Zweifel auch mit einem Präsidenten, den man selbst nicht gewählt hat. Sehr angenehm, wie sich einige jener Fans, die vermeintlich gegen alles und jeden seien, hier präsentiert haben.

Umso ernüchternder, dass sich besagter Präsident nicht entblödete, hernach vor der versammelten Presse zu behaupten, die Mitglieder hätten die Schaffung eines Vereinsbeirates nicht gewollt. Hatte er zuvor irgendjemandem zugehört? Hatte er schlichtweg nicht verstanden, dass das wohlweislich geschnürte Gesamtpaket verschiedenster Satzungsänderungen für den allergrößten Teil der Mitglieder nicht zustimmungsfähig war, oder hat er einfach bösartig interpretiert? Nun, für dumm halte ich ihn nicht.

Weiter oben ging es um menschliche Größe, oder weniger staatstragend darum, ein guter Gewinner zu sein. Am Sonntag hat sich der neue Präsident diesbezüglich nicht nennenswert hervorgetan, aber vielleicht ist das auch nicht so wichtig. “Souveränität im Sieg wie in der Niederlage” stand vermutlich nicht in dem von Martin Schäfer gerne zitierten präsidialen Anforderungsprofil. Dass ich sie gerne sähe: geschenkt.

Die Frage ist also weniger, ob Wolfgang Dietrich ein großer Mann ist, sondern ob er ein guter Präsident sein kann. Was natürlich wiederum davon abhängt, wie man einen solchen definiert.

Denn ganz ehrlich: Ich glaube, dass Herr Dietrich den VfB voranbringen kann, sportlich wie strukturell. Ich bin überzeugt, dass er Dinge anpackt und professionalisiert, dass er nicht davor zurückscheut, Abläufe zu hinterfragen und über den Haufen zu schmeißen, und dass es ihm gelingen kann, sie durch bessere zu ersetzen. Ich traue ihm zu, wie angekündigt die schwächelnde Jugendarbeit wieder flottzumachen und die hierfür notwendigen Mittel aufzutreiben.

Leider traue ich ihm auch zu, sich bei all diesen Bemühungen wenig darum zu scheren, welches Porzellan er möglicherweise zerdeppert und wer es zusammenkehrt, und ich traue ihm eine Agenda zu, die ich gegenwärtig bestenfalls erahnen kann und bei der eine Einigung der verschiedenen Strömungen innerhalb des Vereins eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Oder anders: Ja, ich glaube, dass er den Verein sportlich und strukturell voranbringen wird. Während “voranbringen” in sportlicher Hinsicht jedoch recht klar definiert ist, kann man im strukturellen, vielleicht auch strategischen Bereich sehr viele unterschiedliche Dinge darunter verstehen. Und ich befürchte, dass die Meinung der Mitglieder in dieser Frage ebenfalls eine eher untergeordnete Rolle spielen soll.

Ich habe keine klare Meinung, um das prominenteste Thema zu nennen, zu einer möglichen Ausgliederung, geschweige denn zu den verschiedenen Ausprägungen, die sie annehmen kann. Aber wir sollten darüber reden, alle miteinander. Und uns nicht vom Präsidenten sagen lassen müssen, dass wir die Möglichkeit zu mehr Mitsprache in Form des Vereinsbeirats mehrheitlich abgelehnt hätten, “und deswegen … ist es halt jetzt so”.

Apropos Mitsprache: Die Teilnahme an der Mitgliederversammlung ist auch eine Form der Beteiligung. Ob man Mitgliedern, die dort nicht zugegen sein können oder wollen, die Möglichkeit eröffnen soll, sich an den Entscheidungen des höchsten Vereinsorgans zu beteiligen, halte ich für eine sehr schwierige Frage, die ich für mich noch nicht beantwortet habe. Dass es allerdings lediglich eines simplen Antrags und einer einfachen Mehrheit (sowie im Idealfall eines satzungskundigen Vorstands) bedarf, um den Mitgliedern innerhalb der Versammlung das Rederecht zu entziehen, entsetzt mich vereinsrechtlichen Laien sehr.

Dabei ist unstrittig, dass konkretere Spielregeln, um in einem gewissen zeitlichen Rahmen zu bleiben, sinnvoll und gänzlich in meinem Sinne wären. Angesichts der Zusammensetzung der nach welchem System auch immer vorne platzierten und so noch zum Zuge gekommenen Redner liegt es mir auch fern, dem Verein zu unterstellen, er habe Kritiker mundtot machen wollen; den Ablauf am Sonntag empfand ich gleichwohl als äußerst befremdlich.

Befremdlich schließlich auch der Vorgang, dass ein Redner öffentlich behauptete, sich mit Fanvertretern getroffen und ausgetauscht zu haben, und auf Basis der angeblichen Gespräche eine Wahlempfehlung abgab, um anschließend von einem Vertreter eben jener Gruppierung der Lüge bezichtigt zu werden. Ich meine: Wo sind wir denn? Einer der beiden hat offensichtlich glatt gelogen, und angesichts der gut ausgeleuchteten Szenerie glaube ich einschätzen zu können, dass er noch nicht einmal rot wurde. Es ist erbärmlich. Welcher der beiden Herren die Wahrheit wie sehr gebeugt hat, weiß ich natürlich nicht. Einen Verdacht habe ich schon.

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Ja, der Verein ist gespalten, ohne dass es eine klare Grenze zwischen nur zwei Gruppen gäbe. Grenzen verschwimmen, Übergänge sind fließend, und doch: Mein Glaube daran, dass es gelingen wird, die beiden Pole so weit anzunähern, dass ein vernünftiges Miteinander möglich wird, ist gegenwärtig nicht sonderlich ausgeprägt. Zu weit liegen die Grundüberzeugungen auseinander.

Der sportliche Erfolg, von dem ich fest ausgehe, wird vieles übertünchen. Und vielleicht gelingt ihm auch mehr als das, vielleicht sind die Streithähne in einer sportlich guten Phase, begleitet von glaubwürdigen Schritten hin zu einem Verein, der die ebenso darbende wie symbolträchtige Jugendarbeit nicht mehr nur verbal hochhält, eher bereit, aufeinander zuzugehen. Ich würde es mir wünschen.

Vielleicht kann ja Hannes Wolf ein Beispiel geben. Die Art und Weise, wie er in seinem Interview am Sonntag, wie er im Grunde in all seinen Interviews konsequent “wir” oder “uns” sagt, wenn die Fragenden wieder einmal nur ihn allein ansprechen, wie er bei jeder Gelegenheit deutlich macht, dass er Teil eines Teams ist, ohne dass es in irgendeiner Weise aufgesetzt wirkt, hat meinen allerhöchsten Respekt. Es wäre schön, wenn auch der – vermutlich notwendige – “Präsident mit Ecken und Kanten” dereinst bei seiner einstimmigen Entlastung ein solches Gefühl vermitteln könnte.

Träumen wird ja wohl erlaubt sein.

 

Zidane schweigt, Rebiger nicht

Sie kennen das, nicht wahr? Man möchte noch schnell was schreiben, und eigentlich auch noch was zweites, ganz anderes, und ständig kommt was dazwischen, aber es ist einem ja wirklich ein Anliegen, beides, vielleicht könnte man das ja in einen Topf, Sie wissen schon, und eine hübsche Überschrift hat man ja auch schon, geklaut natürlich, aber schön, doch sie deckt den zweiten Teil nicht ab, und überhaupt passen die Inhalte ja eh nicht recht zusammen, aber, puh, gleich zwei Sachen veröffentlichen, muss ja auch nicht sein, ne, und, dann, tja, ach egal.

Vor ein paar Tagen hatte ich das Vergnügen, ein elektronisches Buch zu lesen. Der geschätzte Frédéric Valin („Wäre ihr Spielstil eine Sprache, es gäbe keine Relativsätze, Adjektive nur an Sonntagen.“ Über wen er das gesagt hat, in seiner EM-Vorschau? Schlagen Sie nach!) hat mir dieses Buch an die Hand gegeben, elektronisch, wie gesagt, aus der Elektrobibliothek, und ich wusste zwar ungefähr, worum es gehen und dass es mich interessieren, nicht aber, dass er mich bereits mit dem Titel komplett für das Büchlein einnehmen würde. Dieser Titel lautet eben, Sie mögen es geahnt haben, „Zidane schweigt“, auch wenn er, Zidane, wie auch im Text zur Sprache kommt, sich in mindestens einem Fall dann doch nicht daran halten konnte und reden musste, und vielleicht sollte ich hinzufügen, dass der Diminutiv „Büchlein“ einzig und allein darauf hinweisen soll, dass es sich, wäre das Buch ein physisches, um einen eher dünnen, rasch zu lesenden Band handelt, keineswegs aber um leichte, gar seichte Kost.

Gut zu lesen sind seine Texte ohnehin, wenn man seinen Stil mag, und ich gebe zu, dass mir kaum Gründe einfielen, ihn nicht zu mögen. Inhaltlich sieht das schon ein bisschen anders aus, also zumindest dann, wenn man wie ich große Stücke auf Mario Gomez hält, aber das soll an dieser Stelle nichts zur Sache tun, denn in besagtem Buch geht es zwar auch um Fußball, ganz intensiv um Fußball, aber zum einen nur bedingt um deutschen Fußball und zum anderen auch weit darüber hinaus um eine politische und vor allem gesellschaftliche Komponente, die dem Autor ganz offensichtlich am Herzen liegt.

Frédéric Valin, der Name lässt es erahnen, ist nach eigenen Angaben „sehr französisch sozialisiert“, und so befasst er sich in „Zidane schweigt“ mit dem französischen Fußball der letzten Jahrzehnte und in besonderem Maße seit 1998, seit jenem Sieg, den der Klappentext als „Beweis für ein Gelingen des Multikulturalismus in Frankreich“ anführt und der auch den Ausgangspunkt des Textes darstellt. Frédéric begleitet diese französische Nationalmannschaft durch die folgenden Jahre bis hin zum Kulminationspunkt in Knysna, einem Ort, der im französischen Fußball einen Klang hat wie hierzulande Gijón oder Córdoba, tatsächlich aber weit über den sportlichen Aspekt hinausreicht – anders als die beiden genannten Tiefpunkte deutscher Fußballhistorie bezieht sich Knysna nicht auf ein konkretes Fußballspiel, sondern auf die verheerenden, großteils fußballfremden Geschehnisse im französischen Quartier während der WM 2010. Und nein, den Schlucksee akzeptiere ich nicht als Vergleich.

Knysna, so der Autor, war für die extreme Rechte, und damit sind wir also deutlich im politischen Bereich „ein Geschenk des Himmels“. Sie konnte die dortigen Vorgänge in ihrem Sinne deuten und auch rasch die öffentliche Wahrnehmung dominieren, in Frédérics Worten zeigten „die Medien ein Zerrbild einer Gesellschaft, die – so die Moral von Knysna – nicht funktionieren kann: eine voller Einwanderer, unterentwickelten Schulabbrechern, Leuten, die in den Straßenschluchten der Banlieues abhängen.“

Dieser Weg, von 1998 bis 2010, von ganz oben in einer keineswegs linearen Bewegung nach ziemlich weit unten, steht im Zentrum des Buches, mit viel Fußball, aber auch mit vielen gesellschaftlichen und politischen Betrachtungen, die deutlich weiter zurückreichen, zu Mitterrand, zu Tapie, und natürlich zum Aufstieg Jean-Marie Le Pens und seines Front National, und von dort dann wieder chronologisch nach vorne zur Ankunft von dessen Tochter in der Mitte der Gesellschaft.

Ich glaube, mich im französischen Fußball der letzten zwanzig Jahre ganz gut auszukennen, und auch gesellschaftspolitische Entwicklungen bei unseren Nachbarn verfolge ich stets interessiert. Dass dennoch mit der Zeit manches verloren geht, liegt auf der Hand, und auch vor diesem Hintergrund war es sehr aufschlussreich, sowohl sportliche als auch gesellschaftliche als auch politische Ereignisse nochmals vor Augen geführt, erläutert und eingeordnet zu bekommen. Dabei laufen die einzelnen Ebenen mitunter nebeneinander her, mit gelegentlich recht abrupten Themen- und Schauplatzwechseln, die einem Thriller zur Ehre gereichen würden; zum Teil werden aber auch von Anfang an die Querverbindungen zwischen Fußball bzw. ganz konkret der französischen Nationalmannschaft und der französischen Gesellschaft hergestellt. Besonders deutlich werden sie meines Erachtens etwa ab der Hälfte des Buches, wenn es verstärkt auf Knysna zusteuert und wenn der Autor, und damit der Leser, vielleicht auch schlichtweg von den Grundlagen profitiert, die im ersten Teil gelegt wurden.

Das Buch „Zidane schweigt“ von Frédéric Valin ist im Verbrecher Verlag erschienen, und das, wie bereits erwähnt, ausschließlich elektronisch im Rahmen der neuen „Edition Elektrobibliothek“ des Verlags. In dieser Reihe sollen künftig Romane, Erzählungen und Essais lebender Autorinnen und Autoren in ausschließlich elektronischer Form veröffentlicht werden. Ich habe keine Beziehung zu dem Verlag, bin aber Frédéric Valin bereits begegnet und schätze sein Werk sehr.

Eine andere Person, deren Werk ich sehr schätze, ist Herr Rebiger. Oder @rebiger, bei Twitter. Dieser Herr Rebiger hat sich zu meiner großen Freude und analog zur Weltmeisterschaft 2014 bereit erklärt, wiederum gemeinsam mit mir und interessierten Gästen das Turnier in Fünfzeilern zu begleiten: in der Doppelfünf.

Wir sind mit einer kurzen Historie der Europameisterschaften eingestiegen, haben dies und jenes kommentiert und zuletzt eine kurze Prognose zu den einzelnen Gruppen vorgelegt. Nun wird es Zeit, dass es losgeht, und wenn alles nach Plan läuft, sollte in den nächsten Wochen, Ausnahmen bestätigen die Regel, jedes Spiel der EM von mindestens zwei Leuten in je fünf Zeilen kommentiert werden. Vielleicht möchte ja jemand mal reinschauen und am liebsten auch noch mitreimen. Bei Twitter gibt’s uns unter @doppelfuenf2016.

Hier ein kleiner Vorgeschmack, ein Outtake sozusagen, der in der historischen Betrachtung einen Tick zu spät kam und unveröffentlicht blieb (die Sprachwahl ist hier dem Veranstaltungsort geschuldet, stellt aber eher die Ausnahme dar):

1996
Thanks to Shearer, they seemed on their way,
but Germany’s Kuntz countered: Nay.
Darren Anderton missed
So football (the twist!)
had come home, but the cup didn’t stay.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wellenreiter

Das Flüchtlingsthema bewegt mich. Ja, schon klar, das ist nichts Besonderes, geht uns wohl allen so, vielleicht nicht in jedem Fall so, wie ich es mir wünschen würde, aber es bewegt. Wie ich es mir denn wünschen würde? Gute Frage. Da wollte ich schon lange mal was zu gesagt haben, brachte es aber bisher nicht auf den Punkt. Es ist ja leider nicht ganz so einfach, wie wir es gerne hätten. Wenn es aus Bayern heißt, man müsse wegen des Oktoberfestes einen Riegel vorschieben, dann lässt sich das erst einmal leicht von der Hand weisen, garniert mit dem Hinweis auf die CSU und ihr Weltbild. Hab ich auch getan. Wenn aus dem hiesigen Staatsministerium ein vorübergehender Aufnahmestopp verkündet wird, und sei er nur von kurzer Dauer, echauffieren wir uns zwar reflexartig, aber auch begründet. Schließlich gilt die Maxime Refugees welcome!

Gleichzeitig wissen wir, der Vernunft und unserem gesunden Menschenverstand folgend, dass es im einen wie im anderen Fall, und nicht nur in den genannten, objektiv gesehen stichhaltige Gründe gibt. Hinsichtlich des Oktoberfestes haben die taz und die Süddeutsche, die beide nicht zwingend im Verdacht stehen, Herrn Seehofer über die Maßen zu verehren, deutlich gemacht, dass München die Belastungen nicht stemmen könnte. Und dass Verwaltungen und Standorte, so auch in Baden-Württemberg, kurzzeitig an Grenzen stoßen können und in dieser Zeit andere noch etwas stärker in der Pflicht stehen, sollte selbstverständlich sein. Was zum Beispiel für Baden-Württemberg in der vergangenen Woche galt, aber eben auch für München in den kommenden Wochen gelten sollte – nicht zuletzt im Lichte der mehr als bemerkenswerten Arbeit, die dort in den letzten Wochen geleistet wurde.

Aber ich wollte gar nicht in die Grundlagen der deutschen und europäischen Asylpolitik einsteigen. Zum einen mangels vertiefter Kenntnisse, zum anderen in der Überzeugung, dass aktuell nicht binnen Tagen in vernünftige Bahnen gebracht werden kann, was man über Jahre versäumt hat. Natürlich muss man konzeptionell Dinge verbessern, und zweifellos muss man anerkennen, dass es eine theoretische Grenze der Belastbarkeit gibt, über deren Verortung man trefflich streiten kann. Dass sie, bundes- und EU-weit betrachtet, noch lange nicht erreicht ist, darüber besteht, wenn ich nicht furchtbar irre, in meinem Umfeld weitgehend Konsens.

Doch wie gesagt: die Priorität liegt gegenwärtig nicht bei Grundsatzfragen, oder sollte sie zumindest nicht. Vielmehr geht es, wir wissen es alle, haben die Sondersendungen verfolgt, die Bilder gesehen, uns in der einen oder anderen Form eingebracht, um schnelle, tatkräftige Hilfe, um die Verhinderung von Katastrophen, vielleicht auch nur deren Milderung, um Menschlichkeit und, ja, Nächstenliebe. Große Worte, die nicht ohne Grund groß sind.

Deshalb steht über allem im Moment die rasche, unmittelbare Hilfe für Menschen, deren Verzweiflung wir vermutlich nicht begreifen können. Die „Reisen“, die sie auf sich genommen haben, die sie ihren Familien und Kindern aufbürden, und die mit Adjektiven wie „abenteuerlich“, „wahnwitzig“ oder „lebensgefährlich“ nicht einmal ansatzweise beschrieben sind, dürften uns aber eine Ahnung vermitteln. Sie brauchen unseren Beistand, und viele haben ihn in den letzten Wochen bekommen. Gleichzeitig wissen wir alle, dass die beeindruckende Hilfswelle nicht ewig anhalten kann, nicht zuletzt deshalb, weil sie nach wie vor auf zu wenigen wirklich tragfähigen Schultern ruht.

Umso wichtiger ist es, dass die Botschaft nach draußen getragen wird, auch zu jenen, die in den vergangenen Wochen und Monaten keinen rechten Grund sahen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, oder zu jenen, denen wieder und wieder suggeriert wurde, dass die Not leidenden Menschen vor unserer Tür gar nicht Not litten, dass sie nicht in erster Linie von Zuhause weg wollen (was per se eine starke Vermutung ist), sondern dass sie im Grunde in erster Linie hierher wollen, zu uns, nach Deutschland, weil es ihnen hier, weit weg von daheim, noch besser geht als dort, weil sie uns unseren Wohlstand streitig machen, unsere Arbeit rauben, unsere Frauen und Männer wegnehmen und unsere Kinder fressen wollen.

Dass Menschen so etwas glauben, liegt zu einem ganz wesentlichen Teil an der BILD. Andernorts werden Sie B*LD lesen, oder ZEITUNG, oder die Zeitungsattrappe mit den vier Buchstaben, oder das Springer-Hetzblatt, oder das Organ der Niedertracht. Letzteres schreibe ich auch gerne mal, Max Goldt zitierend, Sie wissen schon. Grundsätzlich neige ich gleichwohl dazu, aber das nur am Rande, sie beim Namen zu nennen. Wir wollen sie dann ja auch nicht mystifizieren und Herrn Diekmann zum Dark Lord stilisieren.

Wie auch immer: diese BILD ist seit Jahr und Tag ganz weit vorne dabei, um es sehr zurückhaltend ausdrücken, wenn es darum geht, gegen ausländische Mitbürger, Migranten, Asylbewerber, Flüchtlinge, kurz: „kriminelle Ausländer“ zu hetzen. Ich werde das nicht mit Verweisen belegen, zähle es vielmehr zum Kanon unseres Allgemeinwissens.

Und eben diese BILD hat kürzlich eine Kehrtwende vollzogen. Eine Kehrtwende, die der wunderbare Wochenendrebell, dessen Verve und Entschlossenheit beim Einsatz für Flüchtlinge und gegen Nazis, Rassisten und so weiter mich Tag für Tag aufs Neue beeindrucken, sehr treffend als die „[aktuelle], zeitlich wie immer [befristete] Bild-Botschaft, Flüchtlinge wären in Deutschland willkommen“ bezeichnet. Schließlich wissen wir alle, dass sich der Wind gerade dort recht zügig wieder drehen wird.

Im Moment aber inszeniert man sich, ich sagte es, als Begründer einer neuen Empfangskultur, und, ja, erreicht damit auch Menschen. Es mag sein, dass sich diese Menschen darüber wundern, dass all das, was ihnen seit Jahren eingetrichtert wurde, nun gar nicht mehr stimmt. Es sollte nur nicht sein, dass diese Menschen in einigen Wochen die erneute Kehrtwende hin zur Diffamierung der bösen Asylanten auch wieder mitmachen.

Für den Moment aber: hey, super, BILD! Schöne Botschaft. Und weil wir grade dabei sind, Öffentlichkeit zu schaffen für „Refugees welcome“, spielt BILD gleich den höchsten Trumpf: sie koaliert mit der Bundesliga. Und die macht freudig mit. Ist doch klasse! Nirgends erreicht man so viele Menschen wie beim Fußball, und möglicherweise findet man auch kaum irgendwo anders so viele, sagen wir, in Flüchtlingsfragen Unentschlossene oder bisher nur leicht in die andere Richtung Geneigte, die zu sensibilisieren sich lohnen würde.

Abgesehen von der etwas unglücklichen Verwendung von „sensibilisieren“ im Zusammenhang mit der BILD bleibt festzuhalten, dass das vermutlich stimmt. Die Bundesliga ist in der Pflicht, diese Menschen zu erreichen, der VfB Stuttgart, der wie viele andere Vereine schon einiges tut, ist in der Pflicht, und wenn es der Sache dient, dann sollen sie halt in Gottes Namen mit dem Teufel paktieren, solange er noch das Engelsgewand trägt.

So kann man es sehen. Und ich gebe zu, im Grundsatz bin ich ein großer Anhänger der Haltung, dass es um die Sache geht und nicht darum, wer sich einen Erfolg letztlich auf die Fahnen schreibt. Ergebnis schlägt Eitelkeit, und Ergebnis schlägt bis zu einem gewissen Grad sogar den fauligen Geschmack im Mund, wenn man sich mit einem Organ der Niedertracht eingelassen hat, dem man keine zwei Millimeter über den Weg traut. Schließlich geht es um die Flüchtlinge, und wer wäre ich, wer wäre der VfB Stuttgart, wer wäre Hermes, wer die Bundesliga, sich der Fansensibilisierung mit Hilfe der BILD zu verschließen?

Schließlich geht es um die Flüchtlinge, sagte ich. Ist das denn wirklich so? Oder ist es vielmehr so, dass die BILD eine Welle reitet, die zufällig gerade, bitte verzeihen sie die Formulierung, ein paar Flüchtlinge an Land spült, an ein fürs Erste rettendes Ufer? Eine Welle, die bei der nächsten Flaute, und die kommt gerne mal ziemlich schnell, längst vergessen ist, an einem Strandabschnitt, den die Wellenreiter längst wieder verlassen haben, nicht ohne noch ein bisschen, im Zweifel auch lautstark, über den ganzen Dreck zu schimpfen, den die Welle dort hingetragen hat. Ach, Metaphern! Aber Sie verstehen mich, hoffe ich.

BILD zumindest geht es eher am Rande um die Flüchtlinge, wie Chefredakteur Diekmann heute in bemerkenswerter Weise deutlich machte, als bekannt wurde, dass der FC St. Pauli keinen von BILD gesponserten Aufnäher mit der Aufschrift „Wir helfen“ bzw. #refugeeswelcome tragen wird. Der Verein verwies durch Andreas Rettig auf bestehende diesbezügliche Aktivitäten. Er verwies nicht auf seine grundsätzliche Haltung zur BILD, aber selbst der kicker, der sich nicht entblödete, von einem „Boykott“ durch St. Pauli zu sprechen, bemerkte, zwischen den Zeilen, dass der offizielle Grund nicht der einzige sein dürfte.

Wie auch immer: als St. Paulis Ablehnung bekannt wurde, äußerte sich Diekmann bei Twitter dahingehend, dass der FC St. Pauli „kein Herz für Flüchtlinge“ habe, bzw. noch direkter, dass „#refugeesnotwelcome“ seien. Auf bild.de garnierte man zudem einen Artikel, in dem Vertreter einiger Bundesligavereine die BILD-Aktion und sich selbst ein bisschen feierten, mit einem unverschämten Kommentar:

„‚… Wir helfen – #refugeeswelcome‘ ist eine großartige Initiative, die wir sehr gern unterstützen!‘

Schade, dass das nicht alle so sehen…“

Wie kommt dieses Organ der Niedertracht, und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass es eines ist, wäre dieser spätestens heute erbracht gewesen, dazu, die Aktivitäten des FC St. Pauli, eines Vereins, dem man manches nachsagen kann, der einem zu kultig und in Marketingfragen zu kreativ sein mag, dessen Engagement in sozialen Fragen und auch und gerade bei Themen wie Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder eben der Hilfe für Flüchtlinge aber nicht nur völlig außer Frage steht, sondern vielmehr weithin als führend gilt, wie kommt konkret dieser spätberufene Zwischendurchflüchtlingsversteher dazu, St. Pauli derart zu diskreditieren? Ach ja, klar: die Welle. Um die geht es. Und kurzfristig werden ein paar Flüchtlinge an Land gespült.

Lieber VfB Stuttgart, liebe Bundesliga, mal im Ernst: das könnt Ihr doch alleine, das mit dem Engagement für die Flüchtlinge? Da braucht Ihr doch keine BILD? Und keine Welle. Ein langer, ruhiger Fluß, das wär doch was. Der in diesen Tagen gerne etwas zügiger fließen darf, der aber vor allem nicht in einigen Wochen versiegt.

Pussy, Nazis und Idioten

Im Grunde hatte ich mir das Ganze ja recht schön ausgemalt. Ein Sieg gegen Dortmund würde uns allen guttun: den Spielern, den Fans, dem Verein, meinetwegen auch Huub Stevens und dem Sportdirektor, bei dem ich immer noch ein bisschen erschrecke (wertneutral, natürlich), wenn er sich zum VfB äußert: Ich frage mich dann meist kurz, ob es schon wieder so weit ist, dass neben dahergelaufenen Ex-Bundesligaspielern auch dahergelaufene Ex-Bundesligatrainer eine Bühne bekommen, auf der sie über den VfB reden dürfen, um dann einigermaßen zerknirscht einzuräumen, dass sich die Zeiten halt manchmal ändern und dass ich die Geschehnisse im und um den Verein eine gewisse – noch immer andauernde–  Zeit lang nicht so intensiv verfolgen konnte, wie ich das vielleicht gerne täte. Die Gründe sind vielfältiger Natur, nicht immer schön, wiewohl mit deutlich positiver Tendenz, und gehören darüber hinaus nicht hierher.

Dennoch habe ich natürlich mitbekommen, dass Robin Dutt beim VfB das sportliche Sagen hat. Ich vergesse es nur manchmal. Zudem weiß ich, dass die hiesige Medienlandschaft eins und eins zusammenzählen kann und deshalb gegenwärtig auf der Trainerposition bereits mit dem “Plan B” in Person von Alexander Zorniger liebäugelt, der ja nicht nur eine Stuttgarter Vergangenheit hat, sondern noch dazu – Achtung! – aus der Region kommt, zudem in Vereinskreisen bestimmt als junger Konzepttrainer gilt und zudem – tadaa! – gerade auf dem Markt ist. Wäre doch gelacht! (Wobei: Uwe Rapolder. Die Mutter aller Konzepttrainer hat den Markt betreten. Jetzt wird’s eng.)

Aber ich war beim Ausmalen. Und ja, ich hatte mir auch ausgemalt, diesen Sieg gegen Dortmund dann auch, um mit Francis Durbridge zu sprechen, plötzlich und unerwartet in schriftlicher Form zu kommentieren, hier auf diesem Bildschirm – wohl wissend, dass ich mich damit wieder einmal als reiner Erfolgsblogger zu erkennen geben würde (♫ Write when you’re winning ♫, Sie wissen schon), und ja, ich malte mir die entsprechenden Breitseiten aus der Twitterblase bildlich aus.

Im Lauf des Spiels ging ich dann sogar so weit, mir schon sehr genau auszumalen, wie der Titel des Textes lauten würde: “Pussy, Nazis und Idioten”. Allerdings, so lautete zunächst die Einschränkung, an die ich mich rückblickend dann doch nicht halten würde, müsste dazu zunächst das Spiel die gewünschte Wendung nehmen – zumindest in Sachen Pussy. Die Pussy, das ist nämlich Moritz Leitner. Der trägt nämlich manchmal Handschuhe und wirkt auf dem Platz gerne mal wie jemand, der sich für einen Feingeist hält. Da liegt die Pussy dann natürlich auf der Hand. Lustig, nicht wahr?

♫ Hey Pussy Leitner, tollahi tollahej tolla hoppsassa ♫, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob der zweite Teil tatsächlich so lautet – die Künstler sind in der Regel doch ziemlich pussyfixiert, da geht der Rest des Gesangs schon mal ein bisschen unter.

Wie auch immer: jener Moritz Leitner wurde am Freitag eingewechselt, beim Stand von 1:2, als durchaus noch ein bisschen was drin gewesen wäre, hätte man die Dortmunder Abwehr mit der einen oder anderen Herausforderung konfrontiert. Also mit Maxims Spielwitz, zum Beispiel, oder den Dribblings von Filip Kostic. Der Trainer entschied sich aber für den jungen Herrn Leitner, was mich in jener Situation eher überraschte und eher nicht überzeugte.

Vermutlich ging es den Pussyfreunden ähnlich, und so stimmten sie ihr lustiges Liedlein an, und nicht wenige im Stadion gaben lauthals pfeifend den Backgroundchor. Kann man mal machen, nicht wahr? Im Abstiegskampf, im direkten Duell mit einem Mitbewerber (um den Klassenerhalt, Sie verstehen schon) in der 60. Minute erst einmal dem eben eingewechselten Spieler, der vermutlich den Auftrag hat, das Offensivspiel aus einer strategisch wichtigen Position heraus zu beleben, zeigen, was man von ihm hält, nämlich offensichtlich nichts.

Dass er diese Einschätzung letztlich alles andere als widerlegt hat, dürfte unbestritten sein. Und es wäre mir zu billig, eine Kausalität zwischen den Pfiffen und der anschließenden Leistung in Erwägung zu ziehen. Aber ja, ich frage mich schon, was man sich von solch einer Missfallenskundgebung verspricht. Dass der Trainer ihn gleich wieder auswechselt? Gute Idee. Dass der Trainer für die Zukunft weiß, was er gefälligst zu unterlassen hat? Auch schön. Dass der Sportdirektor einen Hinweis erhält, wie groß das publikumsseitige Interesse an einer Ausweitung oder gar Umwandlung des Leihgeschäfts ist? Hat Priorität. Dass der Spieler sich an der Ehre gepackt fühlt und es allen zeigt? Brillant! Vielleicht nicht total wahrscheinlich, aber zweifellos brillant.

Wie gesagt: wahrscheinlich war es nicht, aber ich hoffte doch sehr darauf. Zum einen, weil mir der Erfolg der Mannschaft am Herzen liegt, zum anderen, weil ich sehr gerne noch einmal mitgesungen hätte. So ein beherzt hinausgejubeltes “Hey, Pussy Leitner, holladiirgendwas”, nachdem die Pussy den Ausgleich geschossen hat, wäre mir eine innere Sexismusdebatte gewesen, und manches mehr. Tja, so hatte ich mir das ausgemalt, aus niedersten Beweggründen.

Tatsächlich fügte sich Leitner indes naht- und folgerichtig mutlos in das Spiel des VfB ein – lediglich Florian Klein hatte sich bis dahin mutig tollkühn an und in ein paar hoffnungslose Dribblings gewagt –, und ja, es war deprimierend. Glücklicherweise liegt das Spiel mittlerweile schon wieder so lange zurück, dass ich mich kaum noch an Details erinnern kann. Weder an die Dortmunder Gnade oder Unfähigkeit im Konterspiel (Wie konnte es überhaupt zu Dortmunder Kontern kommen?) noch an die Stuttgarter Angriffsaktion bis zur 85. Minute. Ja, ich bin mit den gängigen Ausprägungen des Numerus vertraut.

Nebenbei sei kurz erwähnt, dass ich zwar, wie oben beschrieben, bis dato nur sehr wenig von der Rückrunde sehen konnte, weder vom VfB noch von der Bundesliga insgesamt, und auch das Hannover-Spiel wird sich wohl wieder ohne mein Zutun abspielen müssen; ich will aber nicht ganz verschweigen, dass ich auch schon das Heimspiel gegen den, ähem, traditionellen Südrivalen aus München gesehen hatte, Sie wissen schon, jenes Spiel, auf das ganz München immer monatelang hinfiebert. Ja, manches spricht dafür, dass ich einer dieser Eventfans bin, die sich nur die Spiele gegen die ganz großen Gegner ansehen.

Im Laufe jenes Spiels ergab es sich – ich brauchte einen Moment, um es zu kapieren – dass irgendwo in unserer Nähe geistreiche Grüße an den Gast gesandt wurden, nach der Melodie von “We’re not gonna take it”: ♫ Schwule und Zigeuner ♫, hieß es da in Richtung des Münchner Fanblocks der sich wieder einmal recht weit in Haupt- und Gegentribüne hinein erstreckte, gerne auch mit schwäbischem Idiom, aber des Menschen Wille, Sie wissen schon.

Doch zurück zum wichtigen Thema: Nachdem ich meine anfängliche Unglaubens- und die Sprachlosigkeitsphase überwunden hatte, arbeitete es in meinem Kopf, doch nicht sehr erfolgreich. Ich überlegte mir, was ich beim nächsten Anlauf sagen würde. Der eine oder die andere mag sich erinnern, dass ich in einer ähnlichen Situation schon einmal eher hilflos mit Worten gerungen hatte.

Und mal ehrlich: “Hey, Ihr seid echt klasse, Homo- und Xenophobie in einem einzigen Gesang!” hätte vermutlich eher zur mitleidigen Erheiterung der Umstehenden geführt, wenn mir spätestens beim ersten Fremdwort der Satz abhandengekommen wäre, von der Aufmerksamkeitsspanne gar nicht zu reden, und Ironie funktioniert in so einer Situation ja ohnehin blendend, als dass es irgendwen beeindruckt oder beschämt hätte.

Gedanklich experimentierte ich auch mit Schwulenfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und was sonst noch so passte. Mit der Zeit verlor sich das Ganze ein bisschen, das Spiel ging seinen Gang, der Gesang kam nicht mehr. Ich regte mich hinterher noch eine Weile auf, doch nach ein paar Tagen hatte ich die Sache, die im Stadion nach meiner Wahrnehmung eine ziemlich lokale gewesen war, wieder vergessen.

Auch beim darauffolgenden Heimspiel – gegen Borussia Dortmund, Sie ahnten es – erinnerte zunächst nichts an jene Episode von vor zwei Wochen. Ich verfolgte das Spiel, war konzentriert, man steckt ja im Abstiegskampf, fiebert, schreit, unterstützt, leidet, und irgendwann nahm ich weit entfernt, nicht räumlich, da eher nah, die Melodie von “We’re not gonna take it” wahr, und langsam dämmerte es. Da war doch was gewesen, beim letzten Mal, und ja, in der Tat, da war es wieder:

“Schwule und Zigeuner!“

Ich erinnerte mich meiner damaligen Sprachlosigkeit, hatte noch immer keine schnell wirkende Antwort parat, ärgerte mich über mich selbst, und hörte zu meiner Überraschung, wie dann auch noch mein unmittelbarer, nicht zufälliger Nachbar mit in die Melodei einstieg (WTF!?).

Recht lautstark, übrigens:

„Nazis und Idioten!“

Einmal reichte.

Es mag natürlich Zufall gewesen sein, dass die Herrschaften so rasch wieder aufhörten, aber ich kann nicht recht daran glauben. Und ich will nicht. Nun liegt es mir fern, die Behauptung aufzustellen, mein Stadionnachbar neige dazu, komplexe Sachverhalte allzu sehr zu vereinfachen, gewiss nicht, er ist ein sehr reflektierter und diskussionsfreudiger Mensch; aber weniger umständlich ist er hin und wieder schon, und manchmal bringt er die Dinge einfach verdammt gut auf den Punkt. Ich verneige mich.

 

Durchschlagender Lobbyerfolg

Wir hatten gewusst, dass wir das Pokalfinale in Bayern verfolgen würden. In einem halböffentlichen Raum. Wir, das waren mein Sohn und ich. Genauer gesagt: die ganze Familie. Aber nur wir beide hatten uns trikotseitig präpariert. Der junge Mann hatte ein aktuelles Jersey aus der Saison 2012/13 im Reisegepäck, der Sohn hingegen … ok, war einen Versuch wert. Der Vater also war mit Fredi Bobic angereist, auf einem Südmilch-Vifit-Shirt aus dem Pokalsiegesjahr 1997.

Wir hatten ein Outfit, und wir wollten es benutzen. Zumindest war ich lange davon ausgegangen. Am Spieltag selbst reagierte Kamke junior indes recht zurückhaltend, als ich ihn frug, ob wir bereits im Trikot zum Abendessen gehen oder uns doch erst hinterher umziehen sollten. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, sollte ich vielleicht dahingehend korrigieren, dass seine Reaktion keineswegs zurückhaltend war. „Ablehnend“ wäre wohl die bessere Vokabel. Er wollte nicht.

Ursachenforschung schien geboten. Ich hatte einen Verdacht, musste aber zunächst mögliche alternative Erklärungen ausschließen. Also frug ich ihn, ob er die Seiten gewechselt habe. Dieses Szenario schien nicht ganz abwegig, hatte er doch beim Hoteltippspiel ein klares 4:1 für die Bayern prognostiziert. Zudem waren nicht wenige seiner Freunde zwischenzeitlich dem Erfolg oder der materiellen Einflussnahme verschiedener Anverwandter gen München gefolgt, herzensmäßig. Ob sein Dementi ein aufrichtiges gewesen oder primär meinem Tonfall geschuldet war, konnte ich zunächst nicht beurteilen war mir zunächst egal, Hauptsache, es kam.

Nach Erreichen des Ruhepulses wiederholte ich die Frage und versäumte dabei auch nicht, ihm glaubhaft zu vermitteln, dass es völlig in Ordnung sei, nein: wäre, die Bayern zu unterstützen, oder meinetwegen auch Dortmund, Hoffenheim oder Düsseldorf. Ist es ja auch. Wie auch immer: er verneinte ebenso glaubhaft und betonte, dass er natürlich weiterhin auf Stuttgarter Seite stehe. Das Trikot wolle er dennoch nicht tragen. Und ich solle auch nicht.

Meine zweite Vermutung lautete, dass er sich nicht exponieren wollte. Möglicherweise Nachfragen, Frotzeleien, letztlich Aufmerksamkeit hervorrufen. Das ist nämlich nicht so seins, eigentlich. Gibt er aber nicht so gerne zu. Sodass er auch hier – natürlich, möchte ich sagen – widersprach, ohne mich zunächst vollends überzeugen zu können.

Im Lauf des weiteren Gesprächs wurde dann aber doch deutlich, dass meine ursprüngliche Vermutung zutraf: meine Frau war schuld. Nein, die Fans. Nein, die Medien. Die Politiker. Die Hysteriker. All jene, die uns seit viel zu langer Zeit, und ganz besonders in der Vorrunde der abgelaufenen Saison, einbläuen wollen, der Fußball habe ein Gewaltproblem. Irgendwann gibt sich der Medienkonsument geschlagen. Selbst meine Frau, die wahrlich nicht zur Hysterie neigt, die gelegentlich ein Fußballstadion von innen sieht und die meine Risikobereitschaft im Hinblick auf Gewalt ganz gut einschätzen kann.

Natürlich hatte sie unserem Sohn nicht gesagt, im Hotel müssten wir um unser Leben fürchten, wenn wir im „Feindesland“ die falschen Farben (bildlich gesprochen, Sie wissen schon) trügen. Aber ein paar Tage zuvor, als ich in die verruchte bayerische Landeshauptstadt gereist war, um Blog- und Twittermenschen zu treffen, zwischen den beiden Finals, inmitten der Münchner Euphorie, da hatte sie schon gefragt, ob ich wirklich im Trikot hinfahren wolle. Sie hatte wohl dunkle Ecken in U-Bahnhöfen im Sinn, oder betrunkene Bayernfans, die beim Heimatintermezzo zwischen London und Berlin mit brennenden Bengalos durch die Stadt marodierten, die – natürlich völlig zurecht – um ihr historisches Triple fürchteten und deshalb die eigenen Chancen durch erfolgreiche Faustkämpfe gegen verirrte Stuttgarter Anhänger zu verbessern trachteten. Oder so.

Entschuldigung, das war jetzt unangemessen. Ich nahm das sehr wohl ernst. Zum einen deshalb, weil es meine Frau beschäftigte, und meinen Sohn. Erstere konnte ich überzeugen, dass ihre Bedenken aus meiner Sicht etwas übertrieben waren, letzteren nicht. Also erklärte ich mich bereit, das Trikot erst vor Ort anzuziehen oder es zumindest bis kurz vor dem Ziel unter einer Jacke zu verbergen. Was ich tatsächlich auch tat.

Zum anderen nahm ich es ernst, weil es mir sehr deutlich vor Augen führte, wie erfolgreich die Fußballgewaltlobbyisten gearbeitet hatten. Und in was für einer Blase ich mich online bewege, umgeben von Menschen, die das Ganze besser einzuordnen wissen, so zumindest meine Überzeugung, und die keine Lust haben, sich von den Rainer Wendts, den Lorenz Caffiers und Reinhold Galls sowie all den anderen, wie sagt man, Stakeholdern ein Gewaltproblem einreden oder gar nachsagen zu lassen.

Sie hatten nicht nur in den Köpfen vieler Menschen ein verheerendes und völlig irreführendes Bild von den Zuständen in deutschen Stadien geschaffen, nein, es war ihnen zudem gelungen, meine Familie in Sorge zu versetzen, ich könne mich einer Gefahr für Leib und Leben aussetzen, indem ich mich in einem Trikot des VfB Stuttgart durch München bewege. Ich war, und bin, ernsthaft irritiert.

Mein Sohn räumte dann übrigens ein, dass er diese Gefahr tatsächlich auch auf das bayerische Hotelumfeld projiziert hatte. Ich konnte ihn auch nicht davon abbringen. Nicht einmal, indem ich zahlreiche Hotelgäste einzeln mit ihm durchging und frug, ob er sich denn vorstellen könne, dass der- oder diejenige uns etwas antäte, wenn wir im Trikot erschienen. Was er lachend verneinte.

Aber ohne das freundliche Zutun einer freundlichen Angestellten, die er ein bisschen ins Herz geschlossen hatte (und sie ihn) und die ihn explizit auf das Trikot ansprach, von dem sie doch wisse, dass er es im Zimmer liegen habe, hätten wir das Spiel neutral verfolgen müssen. Was grundsätzlich in Ordnung gewesen wäre. Aber nicht vor diesem Hintergrund.

Stehaufmännchen

So stellt man sich ein Pokalspiel gegen einen unterklassigen Gegner doch vor, oder? Frühe Führung, früh nachlegen, als Zuschauer früh in die Entspannungsphase eintreten. Nebenbei ein paar Alternativen testen, Stammspielern (Ja, ich meine Holzhauser, Ihr braucht gar nicht so schelmisch zu grinsen!) vor dem wichtigen Bundesligaspiel etwas zusätzliche Regeneration gönnen.

Und doch habe ich meine Lektion aus dem St.-Pauli-Spiel lernen müssen. The hard way, wie man heutzutage wohl sagt. Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hatte, nicht nur die Vorverkaufsfrist verstreichen zu lassen (das ließ sich noch ganz gut erklären; schließlich stand eine ferienbedingte Abwesenheit längere Zeit im Raum), sondern mich dann auch, ausreichenden Kontingenten (Wo sollen da bitte 26.000 Zuschauer gewesen sein?) zum Trotz, auf Plätze in einem anderen Block einzulassen. Und wenn ich Plätze schreibe, meine ich in dem Fall Sitzplätze. Für’n Arsch, wie’s heißt.

Und das war es dann auch. Nicht wegen schlechter Sicht oder Ähnlichem, ganz im Gegenteil. Die Sicht war großartig, die Plätze gut, das Umfeld ok. Aber die Stehaufmännchensache brachte mich zur Raserei. Und ich spreche nicht von jener gesanglich begleiteten Stehaufmännchensache (korrekter: Sitzhinmännchensache), die im Epizentrum der Cannstatter Kurve gerne mal verordnet wird. Die begeistert mich auch nicht, aber ich nehme sie relativ ungerührt, unbewegt sowieso, zur Kenntnis.

Nein, mich beschäftigt jene Stehaufmännchensache, die von Menschen hervorgerufen wird, deren Hauptaugenmerk im Fußballstadion darauf zu liegen scheint, zu keinem Zeitpunkt mit einem leeren Bierbecher an ihrem Platz sitzen zu müssen. Nachdem sie selbstverständlich nach dem Anpfiff kamen. Dummerweise aber vergessen hatten, ihre Notdurft zu verrichten, sodass sie dann doch nochmal raus mussten.

Später dürfte sich dann ergänzend die harntreibende Wirkung des Biers bemerkbar gemacht haben. Naja, das Spiel war ja ohnehin nicht so spannend. Obwohl es gegen die Kultkicker vom Kiez ging, die Paulianer, mit den schicken Shirts, für die man natürlich eine gewisse Sympathie hegt und zu deren Rettung man ja auch mal beitrug. Schade, irgendwie, dass das Weltpokalsiegerbesiegershirt nicht mehr passt.

Vielleicht hatten sich die Stehaufmännchensacheninitiatoren auch einfach im Stadion verabredet: „Hey, lass‘ uns in der Mercedes-Benz-Arena ’n bisschen quatschen, vielleicht so in der 30. Minute – weil, in der 20. bin ich schon mit jemand anderem verabredet, da kann ich zwischendurch noch mal kurz an meinen Platz zurück und einen Schluck trinken, und außerdem reicht’s dann grad noch, vor dem Halbzeitansturm die Becher zu holen und auffüllen zu lassen  –, sagen wir da bei dem Kartenterminal, ja, neben dem einen Klo mit den Sehschlitzen?“

Immerhin sahen sie einen bei jeder einzelnen Aufstehaufforderung mit einem ansatzweise gequälten Grinsen an, so als wollten sie den Anflug eines schlechten Gewissen transportieren, gerne mit einem „Sorry, ich nochmal“ untermalt.

Vielleicht interessieren sie sich auch bloß nicht so für Fußball.

Irgendwann perfektionierte ich meine Kniezurseitedrehtechnik, vulgo: Damensitz, was mich körperlich weniger stark beanspruchte, mich aber nicht weniger ungnädig werden ließ, und auch wenn mir meine sitzplatzerfahreneren und ähnlich genervten Begleiter glaubhaft versicherten, dass die Häufung tatsächlich außergewöhnlich gewesen sei, bin ich doch sehr froh, beim nächsten Spiel wieder ganz normal stehen zu können. Wie gesagt: für’n Arsch.

Solange das noch möglich ist, sollte ich der Vorsicht halber anfügen. Womit ich weniger altersbedingte Einschränkungen meinerseits meine, als vielmehr die fragwürdigen Sitzplatz-Horrorzenarien, die faktenunbelastete Politiker auf Basis fragwürdiger Horrorszenarien regelmäßig aufzeigen und damit DFB, DFL und Vereine zu ebensolchem Aktionismus animieren. Sicheres Stadionerlebnis, Sie wissen schon.

Für all diejenigen, die sich, ungeachtet der Bedrohung, die uns in politischen Fensterreden suggeriert wird, bereits heute im Stadion sicher fühlen, haben ein paar besonnene Menschen aus Dortmund die Möglichkeit geschaffen, dies auch öffentlich kundzutun:



Eine gewisse Verärgerung über den DFB war im Übrigen auch den Stuttgarter Fans anzuhören, die das Abbrennen von, was weiß ich, Bengalos, ich kenn mich da nicht aus, im Gästeblock nicht nur zum Anlass nahmen, „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ herzhaft zu intonieren, sondern gleich noch einen vereinsübergreifenden Wechselgesang mit dem klingenden Slogan „Scheiß DFB“ anzustimmen. Unglücklicherweise stieg der vermeintliche Sangespartner nicht mit ein und sah sich dann seinerseits analog formulierten Schmährufen ausgesetzt. Naja, Geschmackssache.

Die Gästefans schienen sich ihrerseits ganz gut zu amüsieren und ließen uns alle, die wir das dortige Geschehen zunächst nicht so recht einzuordnen wussten, an regelmäßigen Jubelszenen teilhaben. Aus gutem Grund, wie mir hernach der geschätzte Herr Frodo vom „Kampf- und Spaßblatt rund um den FC St. Pauli“, Der Übersteiger (@deruebersteiger), aufzeigte. Tatsächlich hatte der Gast, unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, im Lauf der zweiten Halbzeit vier virtuelle Tore erzielt und so unter großem Jubel seiner Anhänger das Spiel noch gedreht.

Gutes Konzept. Sollten wir uns für die nächste Pokalrunde merken. Wenn dann die Bayern wieder früh führen, früh nachlegen, früh in die Entspannungsphase eintreten.

Ich widersage!

Früher ging ich gerne mal zum Fußball. Heute eher nicht mehr. Oder, ehrlicher: im Grunde würde ich auch heute noch gehen, aber das kann man ja niemandem sagen.

Insofern ist es wohl auch ganz gut, und nur deshalb traue ich mich, diese heimliche Leidenschaft hier anzusprechen, dass die Nachbarn nicht mitlesen. Man läuft in diesen Tagen ja latent Gefahr, der gesellschaftlichen Ächtung anheimzufallen, wenn bekannt wird, dass man den allwöchentlichen Gewaltexzessen in deutschen Stadien etwas abgewinnen kann. Oder man stelle sich gar vor, die Kollegen bekämen Wind davon. Seien wir ehrlich: die Karriere wäre dahin.

Zurecht, muss man wohl sagen. Es ist, angesichts der exponentiell zunehmenden fußballspezifischen Gewalttaten nicht mehr vermittelbar, dass ein Mensch in halbwegs verantwortungsvoller Position jene menschenverachtende Brutalität, deren nahende Kulmination wir jahrelang sehenden Auges ignorierten, nicht nur zu dulden bereit ist, sondern dass er darüber hinaus eine aktive Rolle einnimmt.

Indem er da ist. Sich mit zahlreichen anderen Verbrechern zusammenrottet, mit Frauen und Männern, Seniorinnen und Senioren, Kindern und Säuglingen, um lautstark zu brüllen, den Gladiatoren zu huldigen und ihre Widersacher zu schmähen, um hemmungslos zu essen und zu trinken, ohne jedes Maß Fanartikel zu erwerben, herzhaft zu schimpfen, glückselig zu singen, kurz: indem er das Ereignis flankiert, fördert, finanziert.

Ja, ich ging in dieser Schar unter. Oder auch auf, wie man will. Ich war kein Exponent, nur ein einfacher Mitläufer. Aber sind es nicht gerade jene Leute, die sich in die Masse einreihen, sich in und von ihr treiben lassen, geleitet von ein paar Anführern, denen sie blind folgen, denen sie ihr eigenes Wohlergehen anvertrauen und sich selbst unterordnen, sind es nicht eben diese Leute, denen man Einhalt gebieten muss? Eben. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, diese Menschen gewissermaßen en bloc zur Verantwortung zu ziehen, konkret: sie von den Gewaltorgien fern zu halten und somit mittelfristig den Rädelsführern das Wasser abzugraben.

Zumal die Möglichkeit, den rein sportlichen Anteil der Wettkämpfe zu verfolgen, allen wirklich Interessierten auch weiterhin offen steht – auch und gerade angesichts des offenen Geheimnisses, dass Service und Bildqualität auf dem heimischen Sofa ungleich höher sind, von der Vermeidung familiärer Zwistigkeiten ganz zu schweigen. Aus meiner Sicht haben wir es hier mit einer klassischen Win-Win-Win-Situation zu tun.

Gleichwohl will ich nicht verhehlen, dass es mich auch heute noch gelegentlich juckt, mir ein Fußballspiel vor Ort anzusehen. Aber die Risiken sind einfach zu hoch. Früher ging ich gerne einmal mit meinem Sohn ins Stadion. Er genoss das Spiel, die Gesänge, das Drumherum. Nach und nach missfielen ihm jedoch die Raufereien, in die wir fortwährend verwickelt wurden.

Wir bemühten uns, dem zu entgehen, wurden aber von anderen Familienvätern und rüstigen Rentnern rüde angegangen und als Eventpublikum beschimpft. Schließlich willigten wir ein, zumindest das rituelle Abbrennen der Feuerwerkskörper zu übernehmen, das einen würdigen Rahmen für die Massenprügeleien auf Haupttribüne und Gegentribüne bildete.

Letztlich fiel die Entscheidung, die Spiele fortan nur noch am Bildschirm zu verfolgen – mit wunderbaren, in ihrer Kontinuität und Uniformität beruhigend wirkenden Panoramabildern friedlicher Tribünen – aus sehr persönlichen, vielleicht etwas altmodischen und tendenziell von Prüderie geprägten Erwägungen. Es war mir schlichtweg ein bisschen unangenehm, im Beisein meiner Kinder sämtliche Körperöffnungen durchleuchten zu lassen.

Sky verstehen?

Möglicherweise bin ich da völlig auf dem falschen Dampfer. Altmodisch, weltfremd, überempfindlich. Dennoch: es stört mich.

Wieso bietet Sky Klaus Wowereit drei Wochen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus,  in der Pause des Hertha-Heimspiels gegen den VfB, eine Wahlkampfbühne?

Mir ist durchaus bewusst, dass Markus Babbels Aussagen zum Berliner an sich im Allgemeinen und dessen Größenwahn im Besonderen als Begründung für den Auftritt herangezogen werden können, vielleicht sogar tatsächlich der Anlass waren, aber wär’s nicht auch ohne politische Showeinlage gegangen? Man hätte ja auch einfach über Fußball reden können.

Der Regierende Bürgermeister ließ sich indes nicht lange bitten und bot Babbel Berlin-Nachhilfe an. „Stark gelöst vom obersten Berliner„, schrieb der Kurier folgerichtig, und wer würde es Herrn Wowereit verübeln wollen, die Chance beim Schopf gepackt zu haben?

Beim Blick auf Sky sieht das Ganze, zumindest aus meiner persönlichen Sicht, nicht nur etwas anders aus, sondern riecht auch ein bisschen streng – politics and games und so, Sie wissen schon. Aber wie gesagt: vielleicht bin ich da übersensibel.

Und wer weiß, möglicherweise darf ja Frau Künast demnächst ein Fehlverhalten der Hertha-Abwehr analysieren:
„Da müssen wir ran!“

Nachhall

Ja, sie hallt nach. Ach, die WM? Ja, die auch, klar. Weil sich gezeigt hat, dass sich Anachronismen bei Männern und Frauen durchaus ähneln, und wir gespannt sein dürfen, wie (nicht nur) der Deutsche Fußball-Bund damit umgeht. Sie hallt auch nach, weil sich einige deutsche Spielerinnen auf der Tribüne zu sehr mit den Japanerinnen freuten, andere sagen: gegen die Amerikanerinnen. Ich fand’s auch nicht angemessen, muss das aber auch nicht weiter vertiefen. Nicht zuletzt deshalb, weil ich glaube, dass sie selbst diejenigen sind, die es zu gegebener Zeit ausbaden werden.

Vor allem aber hallt die Mitgliederversammlung des VfB nach. Gelegentlich wähle ich ja die Abkürzung MV; beim VfB erscheint mir diese Abkürzung indes ungeschickt, aber das ist ein anderes Thema. Sie hallt nach, die Versammlung, und das auch bei Leuten, die wie ich nicht einmal dort waren, die nur die Liveeindrücke per Twitter oder bei kick-s.de verfolgten, zudem die in einer leicht anderen Tonalität gehaltenen Informationen auf vfb.de sowie die ausführliche Begleitung im SWR und bei den Stuttgarter Zeitungen.

Ich bin ein wenig ratlos. In zweiter Linie. In erster Linie verständnislos. Was hat die Vereinsführung geritten, sehenden Auges die maximale Konfrontation in Kauf zu nehmen? Nicht am Tag der Versammlung, da lag das Kind längst im Brunnen. Sondern in den Monaten davor, in den Wochen davor, und ganz besonders in den 14 Tagen davor. Wieso gelang es ihr nicht, den Mitgliedern und Anhängern zu einem frühen Zeitpunkt zu vermitteln, dass ihre Sorgen Gehör finden, dass die Vereinsführung sie ernst nimmt? So sie es denn wollte. Wer hatte ihr eingeredet, dass es sich nur um ein Kleingruppenphänomen handle, das sich beizeiten auflösen werde, wenn man nur mit der nötigen Überheblichkeit herangehe? Und wie war sie kurz vor Toreschluss auf die Idee gekommen, das Pferd zu wechseln? Panikmache statt Aussitzen, gepaart mit ein wenig Diffamierung, auf Vereinskosten? Und wer um alles in der Welt war der Meinung, Jürgen Sundermann sei ein Ass im Ärmel? Wer hatte da etwas zu gewinnen? Weder der Aufsichtsrat und der Präsidentschaftskandidat, denen der Auftritt als Inszenierung verübelt werden musste, noch die Legende Sundermann, die sich von VfB-Mitgliedern Schmährufe anhören musste, noch der Verein, aus selbigem Grund.

Mal so ganz grundsätzlich gefragt: das sind doch lauter intelligente Leute, wie kommen die darauf, dass man so tun könne, als verändere sich unsere Gesellschaft nicht? Menschen wollen teilhaben und teilnehmen, sie wollen mitreden, und ja, sie wollen auch Verantwortung übernehmen. Das ist erst einmal positiv. Und das mindeste, was sie erwarten dürfen, ist, ernst genommen zu werden. Nicht von vornherein an der Tür abgewiesen zu werden. Und damit meine ich nicht nur die, die ihr Interesse bekundet hatten, den Verein künftig führen zu wollen, und deren Eindruck eines Closed Shops nach meinem Kenntnisstand von niemandem entkräftet wurde. Hat es überhaupt jemand versucht?

Vielmehr meine ich auch all diejenigen, die sich schlichtweg für mehr Transparenz ausgesprochen haben, unabhängig von einer mehr oder weniger organisierten Oppositionsbewegung. Leute, die verstehen wollen, was im Verein passiert, die einen regelmäßigeren Austausch anstreben, der vermutlich nicht ganz auf Augenhöhe erfolgen kann, der aber ernst gemeint ist und nicht kurzfristig dem Wahlkampf geschuldet. Mal im Ernst: niemand erwartet doch, zumindest glaube und hoffe ich das, dass die Herren Ruf oder Staudt, künftig Mäuser, Gehaltslisten diskutieren oder Sponsorenverträge erörtert, dass Fredi Bobic mögliche Neuzugänge mit ihnen scoutet oder dass Dieter Hundt seine Meinung zu Erwin Staudt preisgibt. Aber mit Äußerungen der Preisklasse „wir haben halt Pech gehabt und hoffen, mit dem nächsten Trainer mehr Glück zu haben“ geben sie sich nicht zufrieden, ein wenig mehr darf’s schon sein. Zumal nach einem aus der Sicht vieler Anhänger vorprogrammierten Fehlschlag mit Jens Keller.

Nehmen wir den personellen Umbruch vor der neuen Saison. Nicht im Spielerkader, sondern drum herum. Ich persönlich habe zwar bei der einen oder anderen Veränderung geschluckt, bei der Degradierung von Eberhard Trautner, zum Beispiel, aber ich traue Fredi Bobic zu, dass er weiß, was er tut. Da werden Dinge verändert, neue Strukturen geschaffen, das Scouting intensiviert. Man kann den Eindruck gewinnen, es stecke ein Konzept dahinter. So etwas lässt sich erklären, den Fans nahe bringen. Oder die Konsequenz, die man bei Ciprian Marica an den Tag gelegt hat, die Entschlossenheit, Patrick Funk oder Daniel Didavi eben nicht zu verkaufen, sondern nur auszuleihen. Das klingt nach einem Plan, zumal nach einem, der vielen Anhängern gefallen dürfte, eben weil man so stolz ist auf die Jugendarbeit des VfB. Aber es ist nicht gelungen, diese Themen in den letzten Wochen und Monaten nachhaltig (Bingo!) in den Mittelpunkt zu rücken. Im Einzelfall mag das an einer Fundamentalopposition gelegen haben, zum Teil auch daran, dass die mediale Sexiness begrenzt ist. Aber ich hatte eben auch nicht den Eindruck, dass man in ausreichendem Maße bestrebt war, Konzepte zu diskutieren, meinetwegen zu verkaufen. Es schien mitunter wichtiger, die Opposition zu diskreditieren.

Möglicherweise war besagte Opposition wirklich nicht gut vorbereitet. Vielleicht hatte die Aktion VfB 2011 mit Helmut Roleder nicht das beste Zugpferd, möglicherweise vermittelte er in der Tat zu sehr den Eindruck, einen Job zu suchen, in den Stuttgarter Nachrichten wird er aktuell mit dem Satz „vielleicht kann ich in Zukunft einem anderen Verein helfen“ zitiert. Björn Seemanns Kandidatur stand anfänglich unter keinem guten Stern, bei einzelnen Medien und letztlich wohl auch beim Aufsichtsrat hatte er keinen leichten Stand. Ich kann nicht ausschließen, dass Gerd Mäuser tatsächlich, wie von der alten Vereinsführung gebetsmühlenartig vorgetragen, der weitaus beste Kandidat war; das Herzblut nehme ich aber sowohl Björn Seemann als auch Helmut Roleder ab, und empfinde es als unanständig, ihnen den Versuch einer feindlichen Übernahme zu unterstellen. Sie sind dem Verein gewiss nicht feindlich gesinnt. Sie mögen einen Teil der handelnden Personen, besser: deren Arbeit, nicht schätzen, und wenn man will, kann man sie als Konkurrenten und letztlich, mit einer entsprechenden Fantasie, als deren Feinde ansehen. Hm, wenn dann natürlich diese handelnden Personen sich selbst als den Verein… dann könnte man… nein, da steckt gewiss ein Denkfehler drin.

Ein Begriff, der mir in den letzten Tagen vermehrt durch den Kopf geht, lautet Souveränität. Ich hätte Herrn Professor Hundt gewünscht, souverän mit seinem Abstimmungsergebnis umzugehen, und nicht trotzig. Der gesamten Vereinsführung hätte im Vorfeld mehr Souveränität im Umgang mit der Kritik und den Oppositionsgruppen gut getan. Eventuell hätte man die Diskussion dann noch in ruhigere Bahnen lenken und gemeinsam sinnvolle, mehrheitsfähige Satzungsänderungen anstoßen können. Dass auch die Gegner zum Teil alles andere als souverän waren, steht außer Frage – man möge mir nicht zuletzt nachsehen, dass ich auf dem Auspfeifen von Jürgen Sundermann herumreite. Souverän wäre es übrigens auch gewesen, hätte Helmut Roleder darauf verzichtet, in seinem Statement am Tag nach der Versammlung eine Spitze gegen Hansi Müller und dessen frühere, tendenziell unglückliche Tätigkeit für den Verein anzubringen, unabhängig von Müllers unsouveränem Auftritt tags zuvor, in dem er zahlreichen engagierten Mitgliedern Respektosigkeit unterstellte. Weit mehr als nur unsouverän war übrigens der Versuch eines Teilnehmers, die Mitgliederversammlung mit einer Creditreform-Auskunft über Herrn Roleder zu konfrontieren.

Wie souverän Erwin Staudt blieb, darüber scheiden sich ein wenig die Geister. Einigkeit herrscht hingegen nach meiner Wahrnehmung, dass sich Gerd Mäuser zwar nicht von Beginn an souverän zeigte, dass aber seine – auch selbst eingestandene – Nervosität und Unsicherheit eher zu seinen Gunsten auszulegen seien. Letztlich wurde er gewählt, viele Mitglieder zeigten sich erleichtert, und einzelne brachten auch ihre Beweggründe für ihre Entscheidung, nicht nur Gerd Mäuser zu wählen, sondern auch gegen die Abwahl von Dieter Hundt zu stimmen, sehr reflektiert zum Ausdruck – wenn ich „einzelne“ sage, meine ich mindestens zwei: mit einem unterhielt ich mich sehr ausführlich, der andere, Bailey, äußerte sich schriftlich: „Tag der langen Messer„.

Ich verstehe ihn. Hätte vermutlich ähnlich gehandelt, da man wohl nicht davon ausgehen konnte, dass Herr Staudt aufgesprungen wäre und sich als Nachfolger angeboten hätte. Mit einem guten Tag Abstand bleibt der Eindruck, dass Gerd Mäuser möglicherweise kein schlechter Präsident ist, vielleicht auch ein guter, die ersten Duftmarken scheinen vernünftig. Im Übrigen kenne ich niemanden, der ihn vorab wegen seiner Qualifikation oder Persönlichkeit für einen schlechten Kandidaten hielt; vielmehr ging es um das Procedere, und gewiss auch um die kolportierte Nähe zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats. Der nun noch für drei weitere Jahre gewählt ist. Seine ersten Äußerungen nach der Mitgliederversammlung werden in allerlei Richtungen interpretiert. Die einen gehen davon aus, dass er den erhaltenen Denkzettel zum Anlass nimmt, sein Engagement zu überdenken; andere, zu denen ich nach wie vor neige, würden sich nicht wundern, wenn seine erste Bewertung ein Fingerzeig für künftige Bestrebungen wäre, die von Erwin Staudt ins Feld geführte „Entscheidungshoheit“ der Mitglieder diesen in absehbarer Zeit doch „aus der Hand nehmen“ zu wollen:

„Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Aber der Verlauf der Mitgliederversammlung gibt Anlass, grundsätzlich Gedanken anzustellen.“

Das ist sehr frei interpretiert, ich weiß. Vielleicht sucht er ja statt dessen den direkten Draht zu den Mitgliedern, um künftig von vornherein die Schärfe aus derlei Diskussionen zu nehmen, vielleicht will er Satzungsänderungen anstoßen, den Anhängern mehr Gewicht verleihen, einen Fanvertreter oder eine Fanvertreterin in den Aufsichtsrat holen. Kann ich nicht ausschließen.

Im Übrigen, nur zur Klarstellung, ist es nicht mein Begehr, dass die Mitglieder an operativen Entscheidungen beteiligt werden. Trainerwechsel, Spielerkäufe, Sponsorenverträge – ich muss und will darauf vertrauen, dass die Leute, denen der Verein viel Geld dafür bezahlt, diese Aufgaben nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen, dass die Vereinsführung Leute beschäftigt, denen sie das nach objektiven Kriterien zutraut. Aber solange es sich um einen Verein handelt, sollen die Mitglieder darüber entscheiden, wer diesen Verein führt. Gerne nach einer wie auch immer gearteten Vorprüfung durch einen Wahlausschuss, der sich nicht einmal zwingend vom Aufsichtsrat unterscheiden muss.

Die Mitglieder sind sehr wohl in der Lage, zu beurteilen, wie objektiv dieses Gremium an seine Aufgabe herangeht, sie haben eine feine Antenne für Populismus und das Streben nach Machterhalt. Man sollte sie nicht unterschätzen.

…was zusammen gehört

Kürzlich war ich doch recht überrascht ob einer Beobachtung, die quasi über mich kam, als im Radio Nachrichten liefen:

Eben festgestellt: vervollständige gedanklich manchmal immer noch mit „Diepgen“, wenn ich „der Regierende Bürgermeister“ höre.Tue Jan 18 16:56:15 via Twitter for iPhone

Einen dezenten Hinweis auf mein allem Anschein nach fortgeschrittenes Alter nahm ich zum Anlass, das Thema zu vertiefen:

@hirngabel Oh ja. Bundestrainer Derwall. Bundeskanzler Kohl. Ministerpräsident Späth. Rekordmeister Nürnberg.Tue Jan 18 17:09:30 via Twitter for iPhone

Andere stiegen mit ein:

@heinzkamke @hirngabel Ich tausche Späth gegen Strauß. Als Trainer nehme ich noch Udo Lattek dazu.Tue Jan 18 17:11:27 via Echofon

…Kultusminister Mayer-Vorfelder… @heinzkamke @hirngabelTue Jan 18 17:24:21 via twicca

Womit das Thema eigentlich durch gewesen wäre.  Wenn, ja wenn es mir nicht seither im Kopf herum geisterte. Und ich mir nicht seit Tagen bei allen möglichen Titeln und Bezeichnungen überlegen würde, welche Person ich damit verbinde. Was keine Aussage beinhaltet, ob ich deren Arbeit besonders schätze, oder eben gerade nicht. Es geht vielmehr darum, welcher Name in Verbindung mit einem Titel oder einer Position irgendwie, nun ja, vertraut klingt. Vielleicht weil derjenige den Posten besonders lange inne hatte, oder weil ihr, aus welchem Grund auch immer, eine besonders große Medienresonanz zuteil wurde. Oder auch weil es die erste Person war, die ich in der entsprechenden Position aktiv wahrnahm.

Der Ansatz war, nach Möglichkeit der ersten Assoziation zu folgen – allerdings ohne den Anspruch, dies in letzter Konsequenz durchzuhalten. An der einen oder anderen Stelle habe ich bewusst entschieden, den aktuellen Amtsinhaber außen vor zu lassen, und mitunter war ich schlichtweg nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. So duellieren sich Otto Schily und der ewige Wolfgang Schäuble noch immer um den Titel, äh, „Innenminister der Herzen“, quälte ich mich sehr lange, ehe Breschnew den Vorzug vor Andropow erhielt, und spielte Jimmy Carter in meinem Kopf so lange Ping Pong mit Bill Clinton, bis ich mich für einen anderen, viel näher liegenden US-Präsidenten entschied.

Genug der Vorrede:

Bundestrainer Derwall

Bundeskanzler Kohl

Ministerpräsident Späth

Rekordmeister Nürnberg

Staatspräsident Mitterrand

Der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker

Kicker-Chefredakteur Karl-Heinz Heimann

Bundespräsident Richard von Weizsäcker

IOC-Präsident Samaranch

President Bartlet

Der ARD-Vorsitzende Friedrich Nowottny

EU-Kommissionspräsident Delors

Forschungsminister Riesenhuber

Bundestrainerin Tina Theune-Meyer

UNO-Generalsekretär Pérez de Cuéllar

NOK-Präsident Willi Daume

Zentralratspräsident Ignatz Bubis

DFB-Präsident Hermann Neuberger

Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher

FIFA-Präsident Havelange

BILD-Kolumnist Max Merkel

Bundesverteidigungsminister Rühe

Bahnchef Mehdorn

NATO-Generalsekretär Solana

Premierministerin Margaret Thatcher

Kreml-Chef Breschnew

UEFA-Präsident Lennart Johansson

Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen

Wimbledonsieger Boris Becker

Bundestagspräsident Stücklen

Und selbst?