Besser spät als nie: #bcs3

#bcs3? Ja, so lautete das Hashtag des Barcamp Stuttgart 3, das bereits am 11. und 12. September in Stuttgart stattfand. Wie schon im vergangenen Jahr konnte ich leider nicht die ganze Zeit dabei sein, aber immerhin reichte es diesmal für eineinhalb Tage. Die sich gelohnt haben.

Ich hatte Spaß, habe viel gelernt, aß und trank gut, unterhielt mich prächtig (im doppelten Sinne) und nahm einige Anregungen für mein Onlineleben mit. Zudem hatte ich das Vergnügen, einen Barcamp-Neuling ein wenig herumzuführen, und es würde mich überraschen, wenn es sein letztes Barcamp gewesen wäre.

Meine (d.h. die von mir besuchten) Sessions? Einmal mehr „Web 2.0 und Recht“, weil @intertainment das einfach großartig macht, dann gab’s von @sigloch Informationen zu Google Adwords – ein Thema, das mich bisher immer ziemlich kalt gelassen hatte, das aber ganz offensichtlich einige spannende Aspekte birgt. @frankstohl beeindruckte mich mit seiner per iPad gesteuerten Drohne, beim Social Media Monitoring von @peate landete ich eher zufällig, ohne es zu bereuen, und schließlich ließ ich mir sehr gern @sauerstoffs Hang zu Service-Bots auf Twitter erklären.

Zwischendurch hatte ich mich selbst ein wenig exponiert und eine Session gehalten, in der ich das Sportbloggernetzwerk vorstellte. Das Label „Bloggerverband light“ war dabei offensichtlich nicht gut genug gewählt, um allzu viele Leute hinter dem Ofen hervor zu locken. Bzw. sie den spannenden Parallelsessions, unter anderem von von @oliverg („Blogcheck“) und erneut @sigloch („Online-Marketing Media-Mix“) zu entreißen. Für mich persönlich war die Session gleichwohl sehr spannend, ich erhielt aufschlussreiches Feedback, und nicht zuletzt hatte ich mich zur Vorbereitung selbst einmal etwas intensiver mit dem Netzwerk auseinandergesetzt. Hier meine Präsentation. Spielkind, ich.

Schön war’s. Das Barcamp, meine ich. Herzlichen Dank an die Organisatoren und Sponsoren. Und natürlich an alle Teilnehmer.

Ach menno, VfB! (Update)

Ich find das ja ok, dass Ihr Euch in Sachen Social Media und dem ganzen Kram bisher eher zurückgehalten habt. Da muss man nicht unbedingt ein Early Adopter sein, zumal noch nicht allzu viele Vereine beispielsweise so richtig tolle Dinge mit ihrem Twitteraccount anstellen. Ist auch bestimmt nicht ganz so einfach, keine reine Linkschleuder für die News auf der eigenen Website zu sein. Zurückhaltung steht einem da gar nicht so schlecht zu Gesicht.

Wenn Ihr Euch nun eines anderen besonnen habt, finde ich das dennoch ok. Dann verstehe ich auch, dass Ihr natürlich nicht auf den Account @vfbstuttgart verzichten wollte, den der große VfB-Fan Dusan für Euch so lange warmgehalten hat. Genau, der Dusan, der ziemlich lange einen VfB Fanpod gemacht hat, Ihr erinnert Euch? Ach, jetzt sagt nicht, Ihr wusstet nicht davon – meines Wissens hat er das nicht vor Euch geheim gehalten, sondern Euch durchaus über seine Aktivitäten informiert. Irgendwann wolltet Ihr dann lieber mit bigFM ins Bett einen Podcast organisieren, fair enough. Dass dieser Podcast zumindest anfänglich nicht unbedingt durch Fachwissen bestach: geschenkt. Es mag auch sein, dass das inzwischen ein richtig gutes Projekt ist, mir war bisher noch nicht nach einer Überprüfung.

Aber darum geht es mir auch gar nicht. Ich frag mich lediglich, wieso Ihr dem Dusan nicht einfach gesagt habt, dass Ihr gerne den account @vfbstuttgart nutzen würdet. Der hätte ihn Euch gerne abgetreten, das hat er mir schon vor vielen Monaten auf Anfrage bestätigt. Aber warum sollte man auch mit dem Fan Kontakt aufnehmen, wenn man statt dessen die mittelgroße Keule schwingen kann? Immerhin: Ihr habt ihn nicht abgemahnt.

Dann bin ich mal gespannt.

Update: Und nu?

Aus der Not eine Tugend gemacht.

Die Trainerausbildung ist die Wurzel allen Übels.
Für den VfB. Für Horst Heldt. Für die Fans. Für Markus Babbel.

Deshalb hat Babbel Maßnahmen ergriffen (viele werden die zahlreichen Hinweise bei Twitter in den letzten Tagen gelesen haben), um seinen Lernerfolg zu optimieren und die Kölnaufenthalte weiter zu verringern: er lernt jetzt online.

Babbel.com ist ein mehrsprachiges Angebot, das auf Lernerfolg in der Community setzt, letztlich also eine konsequente Weiterentwicklung der bereits von Christian Ziege skizzierten Zusammenarbeit:

„Das ist wie in der richtigen Schule. Wenn da einer krankheitshalber mal nicht da sein kann, dann erklärt ihm der Nebensitzer die Hausaufgaben am Telefon.“

Dass das Ganze indes etwas moderner ablaufen soll, versteht sich von selbst:

Babbel.com_20091026

Die interaktiven Online-Kurse verbinden hochwertiges Lernmaterial renommierter Verlage mit aktueller Technologie und reichhaltigen Multi-Media-Inhalten. Im Ergebnis bedeutet dies ein abwechslungsreiches und neuartiges Lern-Erlebnis mit vielen Erklärungen und Veranschaulichungen, ein intelligentes Wiedervorlagesystem für langfristigen Lernerfolg und vor allem viel Spaß.“

Aus Vereinssicht stößt dabei insbesondere der folgende Aspekt auf Gegenliebe:

„Du allein bestimmst, wie, wann und was du lernst.“

Letztlich gewinnen wir alle. Der Verein, die Fans, die Trainerausbildung, der deutsche Fußball – und natürlich Babbel selbst, denn:

Babbel is changing – for the better.

Krisenmanagement, extern

Die eine oder der andere hat mitbekommen, dass ich vor ein paar Tagen einen Text veröffentlicht habe, der sich mit einem Thema befasste, dem sich Philipp in seinem Blog „Niveau ist keine Creme“ bereits tags zuvor in ähnlicher Weise gewidmet hatte. Das ist grundsätzlich nicht weiter der Rede wert und ganz gewiss nicht schlimm; vielmehr wäre es sehr ungewöhnlich, wenn derlei Überschneidungen nicht recht häufig vorkämen, sei es zufällig oder gewollt, weiterentwickelnd oder gelegentlich auch mal plagiierend.

Was mich allerdings stutzig machte, war die Einsicht, dass es nicht unerwartet kam. Unter normalen Umständen, so glaube ich zumindest, hätte ich Philipps einen Tag alten Beitrag bereits gelesen gehabt und hätte mir meinen Beitrag entweder verkniffen oder, wenn ich tatsächlich einen anderen Schwerpunkt hätte setzen wollen, auf Basis von Philipps Daten eine Kettenstatistik (© @nolookpass) erstellt. Zumindest aber hätte ich sicherlich nicht die gesamten Daten selbst erhoben. Dass besagte normale Umstände derzeit nur bedingt gegeben sind, deutete ich kürzlich per Twitter an:

Tweet_Web2_Ueberforderung_20090923

Irgendwie verlangt das andere Leben gerade sehr viel Aufmerksamkeit. Keine Klage (ganz im Gegenteil, eigentlich), nur eine Feststellung. Und das führt dann dazu, dass der Feedreader wieder einmal weit über 1000 ungelesene Elemente zählt, dass ich es noch immer nicht geschafft habe, mir die jüngsten Podcasts aus dem Sportblogger-Umfeld ausführlich anzuhören, anzuhören (und das, obwohl der geschätzte Kollege hirngabel vom Brustring die Situation des VfB analysierte) und anzuhören und -sehen, dass ich noch nicht auf die jüngste Ausgabe des Europäischen Fußballradars hingewiesen und viele andere Texte noch nicht einmal angelesen habe. Gar nicht zu reden von Printprodukten, wie den mittlerweile drei 11Freunde-Ausgaben (inklusive Sonderheft), die noch nicht einmal als überflogen gelten können.

Wie gesagt: nur eine Feststellung. Aber ein wenig auch der Anlass, die eigenen Prioritäten zu hinterfragen. Und dann kristallisiert sich immer deutlicher ein Gedanke heraus:

Vielleicht einfach mal ein, zwei Gänge zurückschalten im Social Web. Feedreader ausdünnen, Twitter ausmisten, insgesamt einfach weniger Informationen sammeln, öfter mal offline sein, sich nicht selbst unter Druck setzen, endlich mal wieder was zu bloggen, und so weiter und so weiter.

Und gerade, wenn man den Gedanken sacken lässt, ihm immer mehr gute Seiten abgewinnen kann und sich zu seiner vernünftigen Haltung beglückwünschen will, erhält man eine E-mail von einem unbekannten jungen Mann, der sich als treuer Blogleser zu erkennen gibt und eben dieses Blog in den höchsten Tönen lobt. Darüber hinaus hat sich der besagte Leser von jenem „Déjà vu“-Artikel animieren lassen, die oben angesprochene Kettenstatistik noch ein wenig weiter zu spinnen und hat weiter gehende Überlegungen inklusive Grafischer Aufbereitung erstellt.

Ich freue mich, denke, dass das irgendwie ganz gut zur Funktionsweise des eben noch beklagten Zeitkillers Social Web passt und komme zu dem Schluss, unbedingt darüber bloggen zu müssen wollen. Und dass es ein Jammer wäre, Feeds und Twitter auszumisten.

Hans-Martin ritt mit leichtem Mut, bei Twitter fand man's nicht so gut.

Spätestens als Katrin Müller-Hohenstein allen Ernstes von Inka Grings erfahren wollte, ob sie während des EM-Finales mitbekommen habe, wie der Bundespräsident auf der Tribübe jubelte, war es an der Zeit, die Aufmerksamkeit vom Sportstudio weg zu verlagern. Twitter drängte sich auf.

Die Timeline war voller Tweets mit dem Hashtag #sdr, in denen häufig zudem der Name Hans-Martin fiel. Mein Interesse hielt sich zunächst in Grenzen, ich dachte an ein neues Casting- oder Datingformat. Auch die Erkenntnis, dass es sich bei #sdr um „Schlag den Raab“ handelt, brachte mich noch nicht zum Umschalten – das schaffte erst der immer schärfere Tonfall bei Twitter, der schließlich im Hashtag „Hassmartin“ gipfelte. Zu Wortspielen mit Namen will ich nichts sagen; was ich aber nicht gedacht hätte: dass Samstagabendunterhaltung im Fernsehen in der Lage sei, innerhalb weniger Stunden ein so starkes Gefühl wie Hass entstehen zu lassen.

Um mir ein umfassendes Bild vom Kandidaten Hans-Martin zu machen, fehlten mir etwa drei Stunden (Brutto-)Sendezeit; die Phase, in der jener Hass (zumindest aber die Abneigung) seinen Ursprung hatte, war mir entgangen. Ich war jedoch durchaus in der Stimmung, Häme zu entwickeln, allein: es gelang mir nicht. Hans-Martin war mir in den 4-5 Spielrunden, die ich sah, nicht sonderlich sympathisch. Er zeigte sich sehr ehrgeizig, feuerte sich ständig selbst an, scherzte ungelenk und machte sich auch mal über seinen Gegner lustig. Dieser Gegner war, nur zur Erinnerung, Stefan Raab. Stefan Raab!

Hans-Martin hat ihn ausgelacht, weil er die USA geographisch nach Europa legte – ein Fehler, den niemand ernsthaft als Bildungsmangel interpretieren kann, über den man nicht lachen dürfe. In jeder privaten Runde, in der jemand einen vergleichbaren Lapsus begeht, kann er sich der fortgesetzten Häme der Umsitzenden sicher sein, und das ist auch ok. Vielleicht war es ein Grundfehler von Hans-Martin, dass er sich auf Augenhöhe mit Raab wähnte, in ihm einen Buddy sah, über den man sich lustig machen könne, wenn ihm etwas misslingt – dürfte man wahrscheinlich auch, wenn man nicht schon kurz nach dem Start bei Publikum, Gegner, Spielleiter(!) und Moderator völlig unten durch wäre. Bei einem Publikum, das sich über seine Versuche der Eigenmotivation lustig macht, die es in ähnlicher Form bei Tennisspielern und anderen Sportlern spätestens seit Boris Beckers Zeiten als selbstverständlich ansieht.

Wie bereits gesagt: Hans-Martin taugte nicht zum Sympathieträger. Das lag vermutlich in hohem Maß an der Kombination aus ausgeprägtem Ehrgeiz (wobei man sich über eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters auch einmal ärgern darf, wenn es um 500.000 € geht – zumal wenn der Gegner Ähnliches deutlich offensiver getan hat) und ebensolchem Selbstvertrauen (das ihm beispielsweise beim Balancierspiel, auch zu meinem Vergnügen, auf die Füße fiel).
Und wie ebenfalls gesagt: ich habe nur einen kleinen Ausschnitt gesehen.

Doch unabhängig von der Frage, wieviel Sympathie ein Kandidat sich erarbeitet hat, und auch ohne darüber nachzudenken, wie sehr man in vergleichbarer Situation den eigenen Ehrgeiz, das eigene Interesse an der halben Million unter Kontrolle gehabt hätte, empfinde ich die Reaktionen als erschreckend. Es hat mich irritiert, dass das Hashtag #hassmartin entstand und über die Sendung hinaus Bestand hat. Mich stört ungemein, dass die Profis von ProSieben, insbesondere Matthias Opdenhövel, das Ganze auch noch forciert haben. Und schließlich bin ich – man mag mich naiv, weltfremd oder vorgestrig nennen – noch immer überrascht, dass der Schwarm dieses leichte Opfer so dankend angenommen hat.

Hören Sie bitte auf, uns zu beleidigen!

Zum Thema Internetsperren haben sich viele kluge Menschen geäußert; viel viel mehr kluge und einsichtige Menschen haben sich offiziell dagegen ausgesprochen, und noch viel mehr Menschen müssen die verfügbaren Informationen zugänglich gemacht werden.

Dabei dürfte unter denjenigen, die Blogs lesen, twittern oder sonst irgendwie im Social Web unterwegs sind, langsam eine gewisse Sättigung erreicht sein. Wer mit halbwegs offenen Augen durchs Netz wandert, konnte dem Thema in den letzten Wochen gar nicht entkommen, selbst wenn er oder sie es gewollt hätte.

Das war auch der primäre Grund, weshalb ich mich bis dato, abgesehen von ein paar Tweets, hier nicht dazu geäußert habe: weil ich schlicht nicht glaube, dass es hier noch irgendeine Leserin gibt, die sich nicht damit auseinandergesetzt hätte. So erschien es mir sinnvoller, offline zu sensibilisieren, und ich hoffe sehr, dass gerade dort in den nächsten Wochen noch einiges geschehen wird.

Dass ich mich nun doch noch kurz schriftlich äußere, liegt daran, dass ich ein kleines Sensibelchen bin: ich mag es nicht, wenn man mich für dumm verkaufen will, wenn man mir infame Dinge unterstellt, wenn man mich letztlich beleidigt. Und genau das haben Mitglieder unserer Bundesregierung zuletzt mehrfach getan.

Ich finde es völlig inakzeptabel, dass mich die Familienministerin zu einer Gruppe von Menschen zählt, die „zum Teil schwer Pädokriminelle“ seien. Einzig und allein deshalb, weil ich lesen kann anhand eines Videos in der Lage sein könnte, Netzsperren zu umgehen. Ich finde es unverschämt, dass mir eben diese Ministerin bescheinigt, als Gegner des Gesetzes sei ich unzivilisiert. Und ich finde es hochgradig unanständig, dass mir der Wirtschaftsminister en passant unterstellt, ich sei ein Befürworter kinderpornographischer Inhalte.

Und wenn wir gerade bei Beleidigungen sind: meines Erachtens beleidigen diese Politiker die Intelligenz ihrer Wähler, wenn sie ernsthaft unterstellen, diese würden sich auf Dauer von wahlkampfabhängigem Populismus und Aktionismus blenden lassen. Glauben sie wirklich, man könne den Menschen auf Dauer weismachen, Straßensperren um den erwiesenermaßen einschlägig aktiven Zeitungskiosk seien ein besseres Mittel als dessen Schließung? Für wie dumm halten uns diese Menschen?

Oder glauben sie es etwa selbst?

Das andere UnReal Life

Um gleich mal mit der Tür ins Haus zu fallen: ich habe oft Lindenstraße geschaut, recht regelmäßig Marienhof, manchmal Unter Uns und gelegentlich auch GZSZ. Und noch einiges mehr.

Phasenweise bin ich recht tief eingestiegen, habe mich für den Fortgang der Geschichte interessiert, und wenn es ganz schlimm kam, musste ich kurz nachdenken, ob ich eine Geschichte aus dem echten Leben kannte oder nur aus einer Serie: „Ja, mir hat neulich auch jemand von einem gekauften Doktortitel erzählt – ach nee, das war ja Carsten Flöter.“

Genug der Übertreibungen. Heute kann es zwar noch immer vorkommen, dass ich mich kurzzeitig (zu) tief in eine Serie versenke; viel mehr als das Übernehmen gewisser Zitate resultiert daraus aber nicht. Copy that?

Ich stehe also mit beiden Füßen auf der Erde, im Real Life sozusagen. Oder auch nicht: an die Stelle von Fernsehserien ist ein anderes UnReal Life getreten. Das aus Blogs, Twitter und dem anderen Kram: als ich neulich von den gesundheitlichen Problemen eines Bekannten erfuhr, war mir sogleich klar, dass ich kurz zuvor etwas Ähnliches gehört und Anteil genommen hatte, und zwar bei, äh, dogfood.

Mir ist schon klar, dass seine Erkrankung sehr real war und in ihrem Konsequenzen noch immer ist, dennoch: zu meinem Real Life zählt dogfood im engeren Sinne (d.h. wenn man seinen Einfluss auf meine Seh- und Lesegewohnheiten außer acht lässt) nicht. Gleichwohl ist mein Interesse deutlich größer und die Informationen weitaus umfangreicher als zum Teil bei Menschen, die ich gelegentlich persönlich treffe.

Muss mich das beunruhigen? Ich denke nicht – insbesondere nicht in einem solchen Fall, in dem es um Anteilnahme und, ein großes Wort, Mitgefühl geht. Aber es gibt ja auch noch die anderen Fälle, die belanglosen, wenn man fast unterbewusst feststellt, dass sich da wohl etwas aus dem Netz ins Real Life hinübergeschummelt hat:

tweet_finger_auge_trainer

Falls jemand nicht weiß, wovon damals die Rede war:

trainer_header

Überhaupt, Bilder. Beziehungsweise Avatare:

Wenn ein Mitmensch die Unterarme zum Schattenspiel kreuzt (was in der Form eher selten geschieht), denke ich an @oliverg, die Legomännchen meines Sohnes erinnern mich an @probek, und so weiter und so weiter. Und wenn jemand seinen eigenen Avatar nicht zu kennen scheint, muss er bzw. sie halt daran erinnert werden:

tweet_rudelbildungWomit wir bei Twitter wären, das – allein schon der Frequenz wegen – in punkto UnReal Life deutlich penetranter wirkt als Blogs und diese irgendwie überlagert. Um beim obigen Beispiel zu bleiben: fallen beispielsweise die Begriffe „Union“ und „Steffi“, lautet mein erster Gedanke „@rudelbildung“. Dabei betreibt die selbe Person doch ein großartiges Blog mit dem noch großartigeren Namen „Textilvergehen„, der bei mir aus den genannten Gründen etwas in den Hintergrund gerückt ist.

So ist es halt, dieses Twitter. Es ist schneller, kommunikativer, kurzlebiger, es frisst Zeit, und es bereichert mein Real Life. Genau wie das andere Social Zeug. Anders als Marienhof. Weil’s einfach realer ist, denke ich.

Eine dichtende Sau treibt durchs Twitterdorf.

Wer kennt ihn nicht, jenen berühmten Vierzeiler von Heinz Erhardt:

„In nur vier Zeilen was zu sagen,
erscheint zwar leicht, doch es ist schwer!
Man braucht ja nur mal nachzuschlagen:
Die meisten Dichter brauchten mehr…“

Vor einem ähnlichen Dilemma steht bekanntlich der gemeine Verfasser (w/m) eines Tweets: 140 Zeichen und Schluss.

So lag es wohl nahe, die strikte Begrenzung bei Twitter mit den mitunter zwar etwas freier interpretierten, faktisch aber nicht minder relevanten lyrischen Rahmenbedingungen zu verknüpfen: Twitter-Lyrik.

Diese ist zwar nicht auf Erhardts vier Zeilen beschränkt; zumindest bei vergleichbarem Versmaß ist aber nicht mehr drin: das obige Gedicht hat 14 Zeichen zuviel.

Wie dem auch immer sei: unter twitter-lyrik.de veranstalten das Literatur-Café und BoD-Books on Demand seit ein paar Wochen einen Lyrik-Wettbewerb (Interview), bei dem nicht nur ein Sachpreis ausgelobt wurde, sondern dessen Einsendungen (Einsendeschluss: 21. März) zudem in einer Buchveröffentlichung münden sollen.
Mir gefällt’s.

Die Aktion hat erwartungsgemäß vielfältige Reaktionen erfahren, von denen ich zwar nur einen kleinen Teil erfasst haben dürfte; zumindest diesen kleinen Ausschnitt möchte ich aber kurz anreißen.

Über die bloße Ankündigung in zahlreichen Blogs hinaus fand sich beispielsweise bei mikelbower der dezente Hinweis, dass es auch schon zuvor Twitterlyrik gegeben habe (korrekt, vermutlich auch von niemandem in Abrede gestellt), sowie ein Aufruf zur Stärkung des „Twitter-Geists“ durch aktive Teilnahme.

Auch bei Twitkrit hat sich Markus Trapp (Text und Blog) ein paar Gedanken gemacht. Er lobte die Idee und den Wettbewerb, hob einige zu jenem Zeitpunkt bereits eingegangene und aus seiner Sicht besondere gelungene Beiträge hervor, machte aber auch deutlich, dass die Qualität der Einreichungen nicht durchgängig hoch sei. Diese Einschätzung dürfte unstrittig sein, wurde ihm aber angesichts seiner recht deutlichen Formulierung in den Kommentaren vorgeworfen.

Oliver Gassner gelang es einmal mehr, einem Thema noch eine zusätzliche Twitterebene abzuringen, indem er seine Follower zu einer Vorauswahl per Twitter-Favoriten zwischen mehreren von ihm erstellten Beiträgen aufforderte. Meines Wissens ist diese Entscheidung noch nicht gefallen.

Auch in die klassischen Redaktionen fand der Vorgang seinen Weg. Dort wurde, wie hier bei der Berliner Zeitung, gewohnt kritisch die Relevanz von Twitter und der Sinn der Aktion in Frage gestellt. Nicht ganz zu unrecht stellt man auch fest, „wie sehr die Twitteratur dort um sich selbst kreist.“

Möglicherweise musste man auch beim Literatur-Café zwischendurch gelegentlich schlucken und sich ob der Qualität und der Themen wundern. Dieser Tweet bezieht sich zwar nicht explizit auf den Twitter-Lyrik-Wettbewerb; die dort angesprochene Thematik fand sich indes in einigen mit dem Hashtag #twly (für Twitter-Lyrik) versehenen Tweets wieder.

Eine der schönsten Ausprägungen des Lyrikbooms bei Twitter, von der ich nicht weiß, inwiefern sie durch den Wettbewerb angestoßen wurde, ist twyric.com, wo in herrlich einfacher Form aktuelle Lyriktweets gesammelt(?) und dargestellt werden.

Was ich sagen will?
Twitter-Lyrik macht Spaß, Relevanz hin, Qualität her.
Und natürlich hab ich auch teilgenommen.
Selbstreferenziell, wie es sich gehört.
Korrekter: Twitter-referenziell.

Twitter? Logo!

Bei „Du gehst niemals allein“ hat sich nolookpass kürzlich ein paar Gedanken zur Twitternutzung in der Bundesliga gemacht. Zwar scheint er bei ein paar Gedanken zur Hert(h)a ein wenig voreilig gewesen zu sein; dass der Umgang der Vereine mit dem Medium noch etwas, wie soll ich sagen, hüftsteif ist, kann indes niemand ernsthaft bestreiten – was, wie in dem Artikel ebenfalls festgestellt und mit einer schönen Liste dokumentiert wird, zu einer Reihe von Fake Accounts geführt hat.

So stellt sich die Frage, was passiert, wenn die Vereine in ihrer grenzenlosen Weisheit sich dereinst ernsthaft mit Twitter auseinandersetzen und es nicht nur als Linkschleudern nutzen. Aus diesem Kommentar von Robert Burkhardt, Presse- und Internetverantwortlicher bei der Hertha, und nolookpass‘ verlinkter Liste von sportswire.de wird schon einmal deutlich, dass die meisten Vereine in punkto Logonutzung recht restriktiv vorgehen, wenngleich man für die private Nutzung und -einmal explizit genannt- bei Avataren in der Regel nachsichtig sei.

Wie gesagt: viele Vereine haben klare Regeln bzgl. der Logonutzung, und ob die Nachsicht bei der Avatarnutzung letztlich über Onlineforen hinaus auch für Twitter gilt, wo die Vereine vermutlich mittelfristig die Kommunikationsherrschaft über ihren Club ( ihre AG) haben wollen, bleibt abzuwarten. Analog dazu schließe ich nicht aus, dass die Vereine auch bei den Twitternamen irgendwann einzugreifen versuchen. Derzeit kann, wem sage ich das, nur schwer nachvollzogen werden, ob -ein willkürlich gewähltes Beispiel- der Nutzer @1FCNuernberg tatsächlich aus der Pressetelle des Clubs twittert, oder ob er irgendein Fan ist. Die Vereine werden diesen Zustand, daran habe ich wenig Zweifel, zeitnah ändern wollen.

So bin ich auch gespannt, ob der geschätzte @vfbstuttgart, der  regelmäßig den VfB-Fanpod erstellt, irgendwann diesbezüglich vom „echten“ VfB angesprochen wird. Überraschen würde es mich nicht.

Vielleicht hält man ihm auch zugute, dass

  • er in seinem Twitterprofil deutlich macht, wer er ist
  • er zumindest das Wappen nicht verwendet
  • seine Twitteraktivitäten denen des VfB weit voraus sind

und lässt ihn unbehelligt.

Ob der VfB übrigens selbst twittert, kann ich nicht sagen. Es gibt einen Account @vfb_stuttgart, der zum VfB verlinkt und dessen bis dato einziger Tweet im Link zu einer Twittersuche nach dem VfB besteht. Eine heute getwitterte Anfrage, ob man mehr erwarten dürfe und ob der Account echt sei, hat bisher keine Reaktion hervor gerufen (angesichts von nur 4 „following“-Nutzern, von denen ich einer bin, dürfte mein Tweet nicht im Stream untergehen).

Mal schauen, ob da was kommt.

Die Linke ist klar vorn.

Soweit mein ersten Zwischenfazit zum Phoenix-Projekt MdB 2.0. Rein quantitativ.

Das Projekt MdB 2.0 ist seit etwa zwei Wochen einer Woche (so kann man sich täuschen!) in meinem Feedreader (kann ein Projekt im Feedreader sein?), und ich verfolge es mal mehr, mal weniger aufmerksam. Initiiert wurde MdB 2.0 vom Fernsehsender Phoenix, der zu dem Projekt unter anderem folgendes schreibt:

Unter dem Projekt MdB 2.0 versteht PHOENIX den Versuch, die tatsächlichen Kommunikationsmöglichkeiten eines Bundestagsabgeordneten um die Realität neuer, interaktiver Kommunikationsformen vor allem jüngerer Menschen zu erweitern. Wir wollen junge Bürger dort abholen, wo sie sich heutzutage vor allem aufhalten: im Internet. Fünf junge Abgeordnete, alle unter 35, aus jeder im Bundestag vorhandenen Fraktion eine/r, haben sich bereit erklärt, zunächst bis zu den nächsten Bundestagswahlen eine Art Tagebuch zu führen: In unserem PHOENIX-Blog schildern sie mehrmals wöchentlich ihr Leben, Arbeiten und Wirken als Bundstagsabgeordnete/r, bieten den Blick hinter die Kulissen und versuchen, auch schwierige Themen verständlich zu erklären.

Wie gesagt: ich verfolge das Projekt noch nicht allzu intensiv und kenne von den fünf Abgeordeneten lediglich das Profil von Florian Toncar (FDP) etwas besser, was in allererster Linie an seiner baden-württembergischen Herkunft bzw. dem in meiner Nähe liegenden Wahlkreis liegt. Unabhängig davon halte ich den Ansatz für sehr interessant und bin nicht zuletzt gespannt, ob und wie sich der Tonfall im Lauf der nächsten Monate ändert – wenn das Projekt denn so lange läuft: wie ich im Zuge einer kurzen Recherche erfuhr, weiß netzpolitik.org von einem (halbwegs) vergleichbaren Projekt zu berichten, das nicht allzu lange Bestand hatte:

Die Idee ist dabei nicht neu: Die “PolitikerWG” vom Zeit-Online Jugendmagazin Zünder hatte schon mal ein Blog mit fünf jungen Bundestagsabgeordneten gestartet. Allerdings wurde dies nur eine Zeitlang gefüllt und irgendwann war tote Hose.

„Tote Hose“ ist bis dato auch bei den Kommentaren im neuen Projekt; allerdings wurde es bisher nach meinem Kenntnisstand nicht intensiv beworben (wofür auch die Tatsache spricht, dass selbst ein Fachblog wie netzpolitik.org erst jetzt über das bereits einige Wochen alte Projekt berichtet). Diese Zurückhaltung entspringt vielleicht einer ganz sinnvollen Strategie: wenn man vorhat, die jungen Politiker zuerst einige Inhalte generieren zu lassen, ehe man etwas stärker die Werbetrommel rührt bzw. die sogenannte Blogosphäre ihre Öffentlichkeitsarbeit übernehmen lässt, ist das bestimmt besser, als potenzielle Leser(-innen) auf ein leeres Blog zu locken.

[Edit: Zwar läuft das Projekt -gemäß den veröffentlichten Erstellungsdaten der Beiträge- schon seit ein paar Wochen; online sei man jedoch erst seit dem 20.11. erreichbar. Spricht zumindest für meine These, man habe erst Inhalte aufbauen wollen. Belegt aber auch, dass ich mich darüber getäuscht habe, wie lange MdB 2.0 schon in meinem Feedreader ist.]

Bis dato hat sich, um auf die Überschrift zurück zu kommen, der Abgeordnete der Linken, Michael Leutert, als fleißigster Schreiber hervorgetan. Zudem greift er, wie auch Andreas Scheuer von der CDU/CSU, gelegentlich auf kurze Filme zurück, um seinen Leserinnen und Lesern Eindrücke von seiner Arbeit, aber auch Medienkompetenz zu vermitteln. Ohne an dieser Stelle weiter auf die einzelnen Abgeordneten (nicht genannt habe ich bisher Nicole Maisch (Bündnis 90/Die Grünen) und Carsten Schneider von der SPD), ihre Inhalte oder gar ihren Schreibstil eingehen zu wollen, fällt doch auf, dass die Herangehensweisen, vielleicht auch der Grad der jeweiligen Berührungsangst, sehr unterschiedlich sind.

Wie bereits oben angedeutet, rechne ich durchaus mit intensiveren Diskussionen sowohl zwischen den fünf AutorInnen als auch im Dialog mit den Besuchern Mitwirkenden. Phoenix selbst sieht das wohl auch so:

Natürlich kann man ihnen Fragen stellen du Ihre Beiträge kommentieren und so mit ihnen – wie im Web 2.0 üblich – in direkten Kontakt treten. Und selbstverständlich werden sie auch politisch diskutieren, das bleibt bei so einem Projekt mit zwangsläufig kommenden Grundsatzthemen nicht aus.

Nachtrag
An anderer Stelle wird das Projekt unter ganz anderen Gesichtspunkten gesehen, beispielsweise unter dem, dass es sich um ein vom Gebührenzahler finanziertes Blog handle, zudem mit Redakteur (dessen Aufgabe sich mir aus den vorliegenden Informationen nicht so recht erschließt). Ein interessanter Aspekt, der im Duckhome ausführlich behandelt wird.

In der Tat hätte natürlich jeder einzelne der 5 MdB sein eigenes, selbst installiertes oder kostenlos gehostetes Blog führen können. Wobei sicherlich Einigkeit darüber besteht, dass gegebenenfalls nicht der oder die Abgeordnete, sondern die jeweilige Partei – letztlich auf Steuer-(weil Wahlkampf-)Kosten – das Blog eingerichtet und geführt hätte. Der Mehrwert, den ich persönlich mir von MdB 2.0 erhoffe, besteht allerdings nicht zuletzt in einem gemeinsamen Medium, das vielleicht auch den einen oder die andere dazu bringt, die Sichtweisen von 5 jungen Politikern zu lesen. Ist vielleicht naiv, aber damit kann ich umgehen.