Er ist weg. Weg!

Jetzt ist es also soweit: Mario Gomez verlässt den VfB.

Das kommt nicht unerwartet. Jeder VfB-Fan konnte sich spätestens seit dem vergangenen Sommer ausrechnen, dass man ihn wohl kaum über die abgelaufene Saison hinaus würde halten können, und genau so ist es nun eingetreten.

Betrachtet man die aktuellen Umfrageergebnisse der Stuttgarter Zeitung, dann scheint die bis vor wenigen Tagen nahezu absurde Heldenverehrung für Mario Gomez innerhalb weniger Stunden in ihr Gegenteil umgeschlagen zu sein:

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Angesichts des Ziels seines Wechsels kann diese Entwicklung nicht überraschen. Wenn man sich in den letzten Wochen rund ums Stadion umgehört hat, dass war allen klar, dass Gomez spätestens nach der WM 2010 wechseln würde. Ebenso eindeutig war jedoch das Stimmungsbild, was die Destination anbelangt: Barcelona, vielleicht Arsenal, hieß es allenthalben – „Hauptsache, er geht nicht zu den Bayern!“

Möglicherweise war die Konzentration auf die ganz großen Namen auch der Hoffnung geschuldet, dass sich Gomez diesen Schritt vielleicht jetzt noch nicht zutrauen und deshalb ein weiteres Jahr beim VfB bleiben würde. Unter Umständen hätte es sogar so kommen können, wenn die Mannschaft tatsächlich die direkte Qualifikation für die Champions League geschafft hätte. So aber hätte ihm, nicht zuletzt angesichts der modifzierten CL-Qualifikation, womöglich ein weiteres Jahr in der zweiten Liga des europäischen Fußballs gedroht, und ganz ehrlich: da gehört er nicht hin.

Mario Gomez ist ein großartiger Stürmer, der sich ganz oben messen muss, wenn er das werden will, was ich persönlich ihm absolut zutraue: der erste (im Feld spielende) Weltstar des deutschen Fußballs seit – wem denn eigentlich? – zu werden. Manch einer wird sagen seit Ballack, die meisten werden weiter zurück gehen, zu Matthäus, Sammer, vielleicht Klinsmann. Gomez kann meines Erachtens in die Reihe der absoluten Topstürmer aufrücken, aber dafür muss er sich international beweisen. In der Nationalmannschaft, wo er, wem sage ich das, eine Menge Nachholbedarf angehäuft hat. Und in der Champions League, in einer Mannschaft, die gemeinhin nicht das Überstehen der Gruppenphase als Erfolg feiert, sondern die zumindest das Viertelfinale anstrebt.

Wieso geht er dann nicht zu einem der europäischen Topvereine? Vielleicht, weil dort der Bedarf nicht unmittelbar gegeben ist, bei Barca, bei ManUnited, bei Chelsea. Vielleicht, weil die Strukturen zu ungewiss sind, bei Real, auch bei Arsenal, wo Wenger erstmals (zumindest in meiner Wahrnehmung) etwas offener mit einem Wechsel kokettiert hat. Vielleicht, weil diese Vereine ihrerseits erst noch beobachten wollen, wie er sich auf der ganz großen Bühne schlägt. Und vielleicht, weil er angesichts der genannten Punkte, sowie mit Blick auf das extrem Negativbeispiel von Timo Hildebrand, das Risiko in der vorweltmeisterlichen Saison überschaubar halten will.

Für mich klingt es daher plausibel, dass er zu den Bayern geht. Beschissen, aber plausibel. Liegt vielleicht auch daran, dass die Bayern für mich nicht der Beelzebub sind, als der sie häufig gesehen werden. Das heißt nicht, dass ich ihnen mit Gomez, oder Gomez mit ihnen, großen mannschaftlichen Erfolg wünsche, ganz im Gegenteil. Aber ich bin der Meinung, dass sie ihm die Gelegenheit bieten, sich für den ganz großen Schritt vorzubereiten. Für eine großartige Weltmeisterschaft 2010 und den anschließenden Weg zu einem der internationalen Topclubs. Gerne Barcelona.

Verständnis hin, Plausibilität her: es ist sehr bitter, dass Gomez den VfB verlässt. Der Gomez, der in den vergangenen Jahren auf alle erdenklichen Arten getroffen hat – mit links, mit rechts, mit dem Kopf, aus der Distanz, im Strafraum, nach tollen Dribblings, per Elfmeter, mit dem Bimmelchen, etcetera etcetera. Und natürlich der Gomez, der ganz entscheidenden Anteil an der Meisterschaft 2007 hatte. An der Meisterschaft, die wir mit den Fantastischen Vier auf dem Schlossplatz feierten.

Jetzt ist er weg.

Pathos aus.