Hoffen auf Maradona

Die Stuttgarter Zeitung druckte heute das folgende Bild (AP):

Maradona und Rafati
Maradona mit Assistent?

Der erste Gedanke:

Das Gesicht kenne ich. Welcher von Maradonas vielen Assistenten ist das noch mal?

Der zweite Gedanke:

Ach nein, das ist ja Babak Rafati.
War wohl vierter Offizieller.

Der dritte Gedanke:

Lass ihn bitte doch Maradonas Assistent sein –
für die Bundesliga findet sich sicher Ersatz.

Theater

Zunächst fand ich es ja nicht ideal, dass am gestrigen Sonntag das VfB-Spiel in Frankfurt mit meinem Abo teilkollidierte. Im Nachhinein bin ich ganz zufrieden: zum einen hat sich der Theaterbesuch wirklich gelohnt, zum anderen hat sich beim Fußball nicht so viel Neues getan:

  • der VfB war lange Zeit feldüberlegen, zeigte aber kaum überraschende Spielzüge
  • Flankenläufe zur Grundlinie finden beim VfB weiterhin nicht statt (der Gegner hingegen hat so beide Treffer erzielt)
  • die linke Abwehrseite lässt sich nur bedingt als solche bezeichnen
  • Herr Lehmann provoziert während und nach dem Spiel (zwar teilweise zurecht, aber in kaum akzeptabler Art und Weise)
  • “die Antwort heißt Mario Gomez” (Wolf Fuss)

Sehr erfreulich war indes der Siegeswille, den die Stuttgarter nach dem irregulären 2:0 der Frankfurter entwickelten und für den sie zumindest noch mit einem Punkt belohnt wurden. Das ist zwar weiterhin zu wenig, und für eine “Initialzündung” reicht die gestrige Aufholjagd sicherlich auch nicht; gleichwohl hat die Mannschaft gezeigt, dass sie sich nicht ohne weiteres ins Mittelmaß zurückstufen lassen will, und das ist mehr, als man zuletzt guten Gewissens behaupten konnte.

Neulich hatte ich geschrieben, dass ich gespannt sei, wie Elson sich gegen einen bundesligatauglichen Gegner bewähren würde. Nun, wenngleich ich das Spiel nicht in Gänze sehen konnte, muss ich sagen, dass er sich besser aus der Affäre gezogen hat als ich dachte. Natürlich waren ein paar haarsträubende Ballverluste dabei (da ließ er sich bei der Ballannahme sehr viel Zeit – als ob er gegen Partizan Belgrad spielen würde), aber sein Passspiel konnte ich erneut sehen lassen, Flanken (2:1!) und Freistöße waren wiederum deutlich besser als der Durchschnit der letzten 8 Jahre (halt so ungefähr seit Balakovs drittletzter Spielzeit), und auch in puncto Defensive und Zweikampfhärte zeigte er sich konkurrenzfähig – dass er vor dem 2:0 hinterrücks gefoult wurde, kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen. Ungeachtet dieser grundsätzlich positiven Einschätzung bin ich doch sehr froh, dass auch der Herr Simak sich wieder zurückgemeldet hat und kurz vor Schluss (mehr oder weniger gewollt) beinahe noch den Siegtreffer vorbereitet hätte.

Weitaus unangenehmer ist aus meiner Sicht eine andere Personalie: laut heutiger Stuttgarter Zeitung (Printausgabe) hat der VfB Stürmer Manuel Fischer die Freigabe erteilt. Eben jenem Manuel Fischer, mit dem man erst vor vier Monaten bis 2011 verlängert hatte und der im letzten Spiel der Vorsaison die Qualifikation für den UI-Cup ermöglichte. Leider kann ich weder Fischers Trainingsleistungen beurteilen, noch habe ich relevante Informationen über sein Verhalten abseits des Platzes; dass man aber gerade in einer Phase, in der sehr viel und sehr ausführlich über den Umgang des VfB mit seinen “Eigengewächsen” diskutiert wird, den als großes Talent gepriesenen Fischer ziehen lässt, ist interessant.

Wenn man es positiv sehen will, könnte man sagen, dass die sportliche Leitung sich in ihren Entscheidungen nicht von aktuellen Strömungen leiten lässt und konsequent nach objektiven (mir allerdings nicht transparenten) Kriterien vorgeht. Sehr viele Freunde wird man sich bei den Anhängern mit dieser Entscheidung auf jeden Fall nicht machen, die sich nicht damit anfreunden können, dass der einst aus gutem Grund ausgemusterte (und möglicherweise auch aus gutem Grund wieder integrierte) Danijel Ljuboja dem Nachwuchsspieler Fischer immer wieder vorgezogen wird und dabei bisher wahrlich nicht viel gerissen hat.

Zurück zum gestrigen Spiel: bei der Hirngabel findet sich ein Verweis auf Frankfurter Theorien, wonach das von Schiedsrichter Babak Rafati zuerst nicht und dann doch gegebene Ausgleichstor von Mario Gomez Gegenstand einer Neuansetzung des Spiels sein könnte. Der Grund liege darin, dass der Schiedsrichter bereits Foul gepfiffen habe, bevor der Ball im Tor gewesen sei. Nun, ich kann mir das nicht so recht vorstellen. Wenn es denn doch so käme, könnte ein positiver Nebeneffekt darin bestehen, dass Rafati eine Denkpause erhält. Wobei ich gerne einräume, dass ich vor seiner gestrigen Entscheidung, sich vom Assistenten überstimmen zu lassen, den Hut ziehe.

Und natürlich bleibt die sehr vage Hoffnung, dass die Aufholjagd eben doch das Zeug zu einer Initialzündung hatte.