Liebe Stadt Stuttgart, liebe Bahn AG,

manchmal ärgert Ihr mich mit Eurem fehlenden Interesse an Kunden- oder Bürgerwünschen schon ganz gewaltig. Ich gebe zu, ich habe hinsichtlich der Verantwortlichkeiten nicht sehr intensiv recherchiert; vielleicht ist gar die City-Initiative zuständig, oder man hat -analog zu Stuttgart 21- auch das Land Baden-Württemberg mit im Boot. Ihr kennt das ja: der Bürger interessiert sich nicht dafür, ob eine Sache nun Landes-, Bundes-, kommunales oder gar „privatwirtschaftliches“ Thema ist – er beschwert sich schlicht bei dem, der ihm vor die Flinte kommt gerade über den Weg läuft. Nun ist mir zwar keiner von Euch über den Weg gelaufen, und mit hoher Wahrscheinlichkeit lest Ihr meine Beschwerde auch gar nicht. Ich will sie aber trotzdem loswerden – im Sinne von „rauslassen“. Für „Loswerden“ in der Bedeutung „an die Frau oder den Mann bringen“ ist es in diesem Fall wohl zu spät, drum schreibe ich Euch auch keine E-mails.

Wovon ich eigentlich rede?
Davon, dass ich meinen Sohn, und eigentlich auch meine Frau, jeden Abend trösten muss, weil Ihr nicht in der Lage bereit wart, den Bahnhofsturm in der Adventszeit zu beleuchten. Abend für Abend sitzen wir am Tisch und ertappen uns dabei, wie wir uns ein wenig vorbeugen, in der Hoffnung, beim Blick um die Ecke festzustellen, dass doch noch alles gut geworden ist und der Bahnhofsturm wie in all den Jahren zuvor blinkt. Pustekuchen.

Ja, ja, ich weiß, Ihr müsst wichtige Routinearbeiten vornehmen. Und nein, ich habe auch kein Interesse daran, dass mögliche Sicherheitsmängel nicht erkannt werden. Gleichzeitig hoffe ich aber, Eure Sorge möge noch nicht so begründet sein, dass man mit der Überprüfung nicht bis nach Weihnachten warten könnte – ansonsten wärt Ihr doch recht verantwortungslos, finde ich.

Natürlich habt Ihr recht, wenn Ihr mir sagt, dass ich mit meiner Beschwerde reichtlich spät komme. Schließlich stand es schon am 30. Oktober in den Stuttgarter Nachrichten:

Der Bahnhofsturm, um den in diesem Jahr zum 10. Mal in Folge kleine Sterne flirren würden, bleibt dagegen dunkel. „Weil der Turm saniert wird, können wir ihn nicht beleuchten“, sagt Pfeifer [angedacht: der Stuttgarter City-Manager]. Eine Sprecherin der Bahn AG bestätigt: „Im Zusammenhang mit Instandhaltungsarbeiten wird die Bausubstanz des Turms geprüft. Die Beleuchtung würde dabei stören.“

Obwohl: Ihr sagt wahrscheinlich gar nicht, dass ich früher hätte kommen sollen.
Hätte sowieso nichts geändert.

So schnell werde ich mich wohl nicht mehr auf Euch verlassen, wenn ich meinem Sohn etwas verspreche.

Neue Wege bei der Bahn AG

Im ICE 579 von Hamburg nach Stuttgart bietet die Bahn AG Dienstleistungen an, die ich bisher bei diesem Unternehmen noch nicht kennengelernt hatte. Letzteres kann natürlich daran liegen, dass ich kein ausgesprochener Vielfahrer bin; regelmäßiger Bahnkunde bin ich gleichwohl, sogar BC50-Besitzer, sodass ich meinte, die Angebote des zukünftigen Sterns am Daxhimmel ganz gut zu kennen. Umso überraschter war ich, heute zunächst die folgende Durchsage zu hören: „Liebe Kinder, liebe Eltern, gerade ist unsere Eisfrau zugestiegen. Sie wird…“ etc. Tatsächlich kam wenig später eine junge Frau in unseren Wagen und bot Eiskonfekt sowie die anderen sonst nur im Kino in Erwägung zu ziehenden Kühlwaren feil.

Doch damit nicht genug. Mehrfach ging ein Herr durch die Reihen, der eine Rolle Müllsäcke bei sich hatte: „Abfälle, bitte! Hat noch jemand Müll? Ja, Sie auch noch? Hat jetzt auf einmal jeder was, oder wie? Gute Reise weiterhin!“

Die Bahn als Dienstleister.