Kein Erweckungserlebnis

Dem einen oder anderen Stuttgarter Spieler, vielleicht eher sowohl dem einen als auch allen anderen, hätte man ja am Samstag ein Erweckungserlebnis gewünscht, wie es Bastian Schweinsteiger am Mittwoch zuvor irgendwo zwischen Mittellinie und Elfmeterpunkt widerfahren sein soll. Leider trat es nicht ein, und der VfB konsequenterweise so auf, wie er es eben tut, wenn er gegen den FC Bayern antritt: mutlos.

Ist natürlich, so ehrlich muss man sein, auch kein Wunder. Schließlich ging es gegen den frischgebackenen Champions-League-Finalisten, der Bernabéu gerockt hatte, und vermutlich tauchen sie noch heute in den Alpträumen des José Mourinho auf, die Contentos, Rafinhas, Pranjics und wie sie alle heißen. Da kann einem als Gegner schon mal das Herz in die Hose rutschen. Blöd nur, dass man damit eben jenen Platz blockierte, den man für die Schweinsteiger’schen Fundstücke hätte brauchen können.

Sicher, anfänglich hatte man ein paar Chancen, gute Chancen sogar, und auch wenn Christian Gentner tendenziell kein Kopfballungeheuer mehr wird, lag eine Führung nicht im Bereich des Fantastischen. Wobei man nicht so recht gewusst hätte, wo sie hergekommen wäre, zu träge, zu wenig überzeugt wirkte das alles. Was zugegebenermaßen in ähnlicher Weise auch für mich galt, ertappte ich mich doch dabei, dem Spiel phasenweise ähnlich konzentriert zu folgen, wie die Herren mit dem Brustring spielten. War halt warm. Und was für mich als Ausrede gilt, wird ja wohl auch für die Spieler …

Bevor er zum VfB kam, war Bruno Labbadias Bilanz gegen die Bayern im Grunde gar nicht schlecht und beinhaltete nicht zuletzt ein bemerkenswertes 4:2 mit Bayer Leverkusen im Pokal-Viertelfinale 2009. Beim VfB sieht das anders aus. 35-36-12-12-02-02, um genau zu sein. Und irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Bilanz in den Köpfen der Spiel sehr präsent war. Dass man von vornherein in der Gewissheit nach München gefahren war, dort nichts zu ernten.

Nichts war zu spüren von einer breiten Brust, die man sich mit den Ergebnissen der letzten Monate erarbeitet hatte, zum Teil auch mit der Art und Weise, wie sie zustande gekommen waren. Wenig deutete darauf hin, dass hier eine Mannschaft wild entschlossen war, Platz 5 zu sichern und sich die theoretische Chance auf Platz 4 zu erhalten, gegen einen Gegner, von dem man wusste, dass er entweder körperlich angeschlagen oder in ungewohnter Formation auflaufen würde.

Aber das war ja alles gar nicht nötig, wie die Stuttgarter Zeitung treffend anmerkt:

„Nun aber müssen die Stuttgarter schlimmstenfalls als Sechster in der letzten K.-o.-Runde vor den Gruppenspielen der Europa League, den sogenannten Play-off-Partien am 23. und 30. August, ran. „Eine geordnete Vorbereitung ist also in jedem Fall möglich, dass ist beruhigend“, sagte Labbadia […]“

Na dann.

Ach, lassen wir das. Ich hab mich halt geärgert. Maßlos. Ärgere mich noch immer. Aber vielleicht nehme ich das alles einen Tick zu persönlich. Halbherzig ist nicht so meins. Und wenn ich dann noch nebenher davon ausgehen muss, dass man sich von Timo Gebhart trennt, dass es offensichtlich nicht gelungen ist, einen Spieler mit seinen Fähigkeiten so zu fördern, dass er jetzt da stünde, wo er stehen könnte, und mit ihm der Verein, und wenn ich gleichzeitig darauf hoffen muss, dass der selbe Trainer ab der kommenden Saison den Stuttgarter Weg mit anderen, ähnlich talentierten jungen Spielern ganz anders geht, dann wird mir ein wenig bang.

Aber das hat nur am Rande mit dem Spiel in München zu tun.

Und zum Schluss muss ich doch noch kurz fragen, ob da draußen noch einige weitere irritierte Zuschauer herumschwirren, die sich hätten vorstellen können, dass Sven Ulreich vor dem 1:0 seinen Strafraum entschlossen verlassen und das Duell mit Müller in Angriff genommen hätte.

Aber auch das: ganz am Rande. Und nächste Woche freue ich mich dann auch wieder über die gelungene Wendung, die die Saison in den letzten Monaten nahm. Bestimmt.

Und fast hätte ich vergessen, ganz am Ende mit einem raffinierten Kniff noch einmal zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Zu Bastian Schweinsteiger, dessen kurzes Mitwirken am Samstag noch einmal zu einem gänzlich anderen Spiel führte. Plötzlich, so schien es mir, traten die Bayern mit jener Selbstverständlichkeit auf, die dem VfB dann endgültig vor Augen führte, dass das Spiel verloren war. Das Münchner Spiel hatte eine ganz andere Struktur, auch einen Fixpunkt, und jeder Gedanke an ein Unentschieden war mit einem Mal undenkbar.

Vielleicht übertreibe ich. Aber ich muss sagen: Schweinsteigers Präsenz auf dem Platz hat mich in ihren Bann gezogen.

Von Star Wars und einem Director's Cut

Star Wars, hier im Blog? Sind wir bei Nerdcore oder was?

Nee, sind wir nicht.
Die meisten dürften aber längst wissen, was ich meine:

Und wieso Director’s Cut?

Auch das ist leicht beantwortet: weil die Redaktion die Blogger-Fragebögen in ihrer grenzenlosen Weisheit auch dieses Jahr kürzen musste. Darüber kann ich in meiner begrenzten Weisheit natürlich nicht glücklich sein, weshalb ich meinen Fragebogen nachfolgend in Gänze darstelle.

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Die neue Saison wird unvergesslich, weil…
es bestimmt gelingt, die WM-Euphorie in den Bundesliga-Alltag hinüber zu retten.

An die alte Saison werde ich mich lange erinnern. Warum? Darum:
Weil wir in der falschen Kurve standen. Weil wir endlich mal wieder eine Drei-Trainer-Saison erlebten. Und weil wir hoffentlich irgendwann auf 2010/2011 als die Saison zurückblicken werden, in der der Demokratisierungsprozess des VfB Stuttgart Fahrt aufnahm.

Drei Wünsche frei:
Neuer Aufsichtsrat. Neue Satzung. Weltfrieden. Und wenn ich noch einen Zusatzwunsch äußern dürfte: ich möchte nicht, dass ein und derselbe Trainer innerhalb von zwei Wochen mit zwei verschiedenen Vereinen in einem Bundesligastadion zu Gast sein darf.

Dein größter Albtraum:
Der nächste Fleckschneisentatort.

Lieblingsspieler im aktuellen Team:
Gebhart, irgendwie. Ein ungeschliffener Kicker, der viel Spaß am Fußball hat und auch Spaß macht. Manchmal. Oft rege ich mich zwar fürchterlich über ihn auf, über seinen leichten Stand, seine unsinnigen Dribblings, seinen Abschluss; aber ich mag ihn. Und hoffe auf ihn.

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:
Soldo. Nach wie vor. Aber die Gomez- und Khedira-Verklärung setzt verstärkt ein.

Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:
Lustig? Letzte Saison? Eigentlich war mir eher zum Weinen zumute. In vielerlei Hinsicht. Nicht zuletzt ob der Zweitligakampagne, inklusive Schals und Gesängen.

Das schau ich mir nicht mehr an! Was müsste passieren, damit Du nicht mehr ins Stadion gehst?
Flächendeckende Dopingenthüllungen in der Bundesliga. Möglichst auch noch vom DFB unter den Teppich gekehrt. (Dann würd‘ ich halt nur noch zum Amateurfußball gehen.)

Auf dieses Auswärtsspiel freue ich mich besonders, weil:
Wehen Wiesbaden. Das nächste Spiel ist immer das schönste.

Unser aktuelles Trikot…
sieht aus wie immer. Gut so.

Als Nachfolger für Udo Lattek schlage ich aus meinem Verein vor:
Kommt auf die Rahmenbedingungen an. Wenn es ein Vollzeitjob mit Exklusivitätsklausel ist: Dieter Hundt.

Im Stadion brauche ich nur Wurst, Bier und…
Fußball. Und jemanden, der das Bier trinkt.

Was unserem Stadion / Klub fehlt ist…
Bargeld. An den Imbissständen (die in Wahrheit vermutlich Verköstigungsoasen heißen).

Meister wird diesmal …
Leverkusen.

Oder vielleicht doch:
Nichts da – wenn schon, denn schon. Bleibe bei Leverkusen. Warum auch immer.

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Falls sich jemand wundern sollte, dass er oder sie das im Heft abgedruckte Zitat „Noch einen Fleckschneisentatort werde ich wahrscheinlich nicht überleben“ hier nicht bzw. nur in schwächerer Form findet: tja. Grenzenlose Weisheit.

Das Heft habe ich noch nicht gelesen, den Großteil des Saisonplaners, in dem eine Vielzahl kompetenter Blogger, Fans und sonstiger Beobachter sowie, seltener, deren weibliche Pendants zu Wort kommen, hingegen schon. Schön zu lesen, finde ich. Wer das auch tun möchte, kann das Paket beim Zeitschriftenhändler seines Vertrauens erwerben oder in einem der beteiligten Blogs (hoffentlich auch seines Vertrauens) gewinnen. So auch hier. Herzlichen Dank dafür an 11Freunde.

Kommentieren allein reicht diesmal allerdings nicht. Man muss auch was wissen. Oder raten. Googeln. Die Facebook-Gesichtserkennung fragen.

Unten folgen ein paar Bilder von Fußballspielern (edit: bzw -trainern). Von früher. Damit sich die später Geborenen nicht beschweren können, habe ich fast nur Leute genommen, die dem Fußball auch nach der aktiven Zeit und in den meisten Fällen bis ins neue Jahrtausend hinein in offizieller Funktion verbunden blieben. Die Spieler Akteure stammen aus verschiedenen Vereinen; für das Gewinnspiel zählen jedoch nur die VfBler. Drei tragen offensichtlich Brustring. Einige weitere taten es zu einem anderen Zeitpunkt. Sie zählen auch.

Ok, Butter bei die Fische: die ersten 3 KommentatorInnen, die einen VfB-Mann erkennen, bekommen ein Heft. Der Versand erfolgt direkt über 11Freunde, die mit den Adressen gewiss auch dieses Jahr verantwortungsvoll umgehen.

Mir ist natürlich klar, dass es recht viele Leute gibt, die innerhalb kürzester Zeit alle 16 Spieler Akteure benennen könnten. Ob die sich zufällig gerade hier tummeln, steht auf einem anderen Blatt. In jedem Fall gilt, bis die 3 Hefte vergeben sind, folgende Regel:

1 Kommentar pro Person, 1 Spielername pro Kommentar.

Edit: Die drei Hefte sind vergeben, jede(r) möge nach Belieben kommentieren, so er oder sie noch will. Sind ja noch ein paar Namen offen.

Volkert  Höher Ohlicher  Toppmöller
Friedrich Schäfer Ribbeck  Zobel
Entenmann Held Lorant  Köstner
Hickersberger  Handschuh  Köppel  Schumacher

(Das mit den Reihen und Spalten habt Ihr ja alle drauf, oder? Und nein, ich war nicht so doof, die Spieler sie zu taggen.)

Lauter Volltreffer

Im Vorjahr hatte ich einige Wochen vor Ende der Saison eine Bestandsaufnahme vorgenommen, d.h. ich hatte meine im Lauf der Saison  mehr oder weniger fundiert abgegebenen Prognosen einer kritischen Würdigung unterzogen.

Dieses Jahr hat sich das irgendwie nicht ergeben. Vielleicht, weil ich außerhalb dieses Blogs nur wenige Vorhersagen getroffen habe, vielleicht, weil die im Blog abgegebenen Einschätzungen zu weit von der Wirklichkeit entfernt waren, um sie hier ohne allzu großen Gesichtsverlust noch einmal aufzuwärmen. Angefangen beim Spieler der Saison.

Um mich dennoch ein wenig bloßzustellen, habe ich zumindest meine Antworten aus dem 11Freunde-Fragebogen noch einmal hervorgekramt und durfte feststellen, dass ich g l ä n z e n d abgeschnitten habe.

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Deshalb wird die neue Saison unvergesslich…
Unvergesslich ist ein großes Wort. Bemerkenswert ist aber, dass die Bundesliga erstmals das Unwort des Jahres stellen dürfte: Torfabrik.

Nun ja. Unwort des Jahres ist es nicht geworden. „Torfabrik“ finde ich dennoch nach wie vor billig unglücklich. Da hilft auch das Redesign nicht sonderlich. Eher gar nicht. Überhaupt nicht.

Aus der alten Saison wird in Erinnerung bleiben…
In allererster Linie das Schicksal von Robert Enke.

Wenn man sich dann doch an sportliche Themen erinnern möchte, bleiben aus Stuttgarter Sicht eine fürchterliche Vorrunde, eine unnötige Arbeitsplatzgarantie mit minimaler Halbwertszeit, grenzüberschreitende Fanproteste, eine grandiose Rückrunde und die erste Halbzeit gegen Barcelona. Und dann noch die Entwicklung von Christian Träsch.

Wie sehr das Schicksal von Robert Enke nachhält und nachhallt, wurde bereits in der vergangenen Saison und auch in dieser Spielzeit wieder des öfteren in Frage gestellt, nicht zuletzt im Kontext der Buchveröffentlichung von Andreas Biermann.

Die fürchterliche Stuttgarter Vorrunde der Vorsaison blieb dann doch nicht sooo lange in Erinnerung. Die wurde überflügelt. Und anstelle einer starken Halbzeit gegen Barcelona hatte man dieses Jahr eine halbe Stunde gegen Hamburg. Immerhin.

Welche Schlagzeile würdest Du gerne in der kommenden Saison verfassen?
Interview mit Sami Khedira: „Jeder Wechsel wäre ein Rückschritt!“

So hat er es nicht gesagt. Aber „Esto es un sueño hecho realidad“ drückt in meinen Augen durchaus so was Ähnliches aus.

Drei Wünsche frei:
Im Rahmen einer Transparenz- und Demokratieinitiative der FIFA tritt Joseph Blatter zurück.

Christian Gross ist im Dezember noch VfB-Trainer. Dezember 2013.
Ciprian Marica gewinnt den Goldenen Schuh.

Nr. 1 hat nicht ganz geklappt. Aber ich glaube, er war nahe dran.
Nr. 3 scheiterte ausschließlich an der Engstirnigkeit der Herren Bobic und Labbadia.
Und Nr. 2 kann ja noch klappen. Wer sich an dem „noch“ stört: bei einem Verein, der ungeniert „nie mehr“ durch „niemals“ ersetzt, wird man ja wohl mal ein „noch“ unter den Tisch fallen lassen können.

Dein größter Albtraum:
Christoph Daum wird Trainer des VfB Stuttgart. Wobei selbst das noch eine positive Seite hätte: ich wäre samstags bei der Familie. Bzw. sonntags oder freitags.

Gar so viel scheint da ja nicht gefehlt zu haben.

Lieblingsspieler im aktuellen Team:
Die defensiven Mittelfeldspieler. Und ich hoffe weiterhin auf Sebastian Rudy.

Check. Rudy hat eine starke Saison gespielt.
Träsch auch, Kuzmanovic eine halbe, und Gentner ist ja Innenverteidiger.

Messer zwischen den Zähnen! Dein Lieblingsfeind:
Vom Konzept Feindschaft halte ich nicht viel, und ganz gewiss nicht beim Fußball. Dafür ist er mir zu wichtig.

Oder, um konkret zu werden: es ist mir egal, wie der KSC spielt. Es ist mir auch egal, in welcher Liga er spielt. Wenn er zufällig grade in der Bundesliga ist, sind mir die 6 Punkte für den VfB wichtig. Ansonsten habe ich weder Veranlassung noch Lust, den kleinen Nachbarn zu verunglimpfen, während der VfB gegen Dortmund, Nürnberg, Timisoara oder wen auch immer spielt.

Nichts hinzuzufügen. Ich hab nicht darauf gehofft, dass der KSC aus der zweiten Liga absteigen möge.

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:
Zvonimir Soldo. Asgeir Sigurvinsson. Guido Buchwald, bevor er meinte, es zähle zu den Pflichten eines Ehrenspielführers, sich mit zweifelhaften Attacken gegen den Trainer als dessen Nachfolger ins Gespräch zu bringen.

Und ja, ich war immer ein großer Bewunderer von Mehmet Scholl.

Guido Buchwald. Auf dem Weg in die dritte Liga (von unten). Glückwunsch.

Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:
Speziell zum Saisonende war die Stimmung in der scheidenden Kurve weniger lustig als vielmehr wehmütig, manch einer sprach vom „Fado in Stuttgart“. Letztlich war „Cannstatter Kurve – wir sind die Cannstatter Kurve!“ vielleicht nicht besonders originell, aber schön, und laut, und was fürs Herz.

Lustig war’s dieses Jahr eher selten. Tradition wird siegen belustigte gleichwohl ein wenig.

Wo stehst oder sitzt Du im Stadion? Und warum?
Erst stehe ich mit einer Wurst beim PSV, dann in der, nun ja, Untertürkheimer Kurve. Warum? Weil die Cannstatter Kurve umgebaut wird.

Zugegeben: hier lag ich falsch. Wer konnte auch damit rechnen, dass der Fritz-Walter-Weg gesperrt und der PSV in eine Sackgasse verlegt würde. Also am Schlienz. Und danach in der gefühlten Cannstatter Kurve.

Auf dieses Auswärtsspiel freust Du Dich besonders:
17. Mai 2011, Dublin, Lansdowne Road.

Der Gegner steht noch nicht fest.

Völlig überraschend wurde das Spiel nicht nur auf den 18. verschoben, sondern die Uefa lud auch noch, einer iberischen Quote folgend, zwei portugiesische Mannschaften ein. Der VfB war immerhin auch gegen Potrugiesen ausgeschieden (auch wenn in beiden Spielen bei Benfica nur je einer in der Startelf stand und einer eingewechselt wurde). Wird wohl dennoch schwierig, meine Prognose in einen Treffer umzuinterpretieren.

Du wirst überraschend zum Doppelpass eingeladen. Deine Traumbesetzung für die anderen Sessel?
Steffen Simon, Udo Lattek, Christoph Daum, Raimund Hinko, Dr. Theo Zwanziger, Manfred Breuckmann.

Ach nee, ich hab die Frage falsch verstanden. Nochmal:
Kai Pahl, Raphael Honigstein, Trainer Baade, Christian Gross, Klaus Allofs, Christian Eichler (Eichler, nicht Eichner)

Wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Holt der FC Bayern das Quadrupel? Oder wer wird Meister?
Quadrupel? Fuji-Cup, Hallen-Masters, T-Home-Supercup, Champions League? Einverstanden.

Um die Meisterschaft streiten dann Bremen, Leverkusen und der VfB.

Zwei Punkte: Bayern ist nicht Meister, Leverkusen hat ein wenig drum gestritten. Immerhin.

Meine 18 bis Katar

Wer hier gelegentlich mitliest, weiß möglicherweise, dass ich nicht allzuviel davon halte, wenn jemand meint, die „bessere Mannschaft habe verloren“. Wer mehr Tore erzielt hat, darf bei einer Sportart, deren Ziel darin besteht, genau dies zu tun, in meinen Augen immer als die bessere Mannschaft gelten, eben weil sie dem Ziel des Spiels in höherem Maß gerecht wurde. Kann man drüber diskutieren, ich weiß.

Noch viel weniger halte ich von Begriffen wie „Zufallsmeister“, oder davon, dass eine Mannschaft unverdient in der Bundesliga sei, dort vielleicht gar nicht hingehöre. Wer sich sportlich qualifiziert, gehört dort auch hin. Ohne Wenn und Aber. Nein, nicht ohne Wenn und Aber. Natürlich muss er auch nach den Regeln gespielt haben, darf also keinen Lizenzbetrug oder andere Tricksereien begangen haben.

Und doch, das gebe ich zu, ist da dieser Fußballromantiker in mir. Dem Eintracht Braunschweig deutlich näher steht als die TSG Hoffenheim. Der die 60er gerne wieder oben sähe. Der sich den SV Meppen zurück in die 2. Liga wünscht. Der den 1. FC Magdeburg nicht in der vierten Liga sehen möchte.

Gerade in diesen Wochen des Abstiegskampfes auf allen Ebenen hört man nicht selten die geschichtsbewussten Präferenzen der Fans heraus, wenn sie ihre Wünsche für die kommende Saison formulieren. Der Trainer möchte Wolfsburg nicht mehr oben haben, der Stadtneurotiker zudem auf den VfB verzichten. Jon Dahl, der hier regelmäßig kommentiert, dürfte neben Wolfsburg auch Hoffenheim sowie vermutlich Schalke den Abstieg wünschen, und manch einer beschwört vielleicht die Tradition von Duisburg herauf, die jene von Leverkusen weit in den Schatten stelle. Oder so.

Wenn ich nun einmal für ein paar Minuten unterstelle, das Leben wäre ein Wunschkonzert, und ich könnte mir eine erste Bundesliga nach völlig willkürlichen tendenziell nostalgischen Kriterien zusammenstellen. Oder müsste es sogar, ohne Abstieg, closed shop, festgeschrieben auf 11 Jahre (also bis Katar, weil danach die Fußballwelt ja ohnehin eine ganz andere ist). Wenn ich weiter unterstelle, dass alle Vereine mit sportlich wie finanziell vergleichbaren Voraussetzungen in diese Phase gingen, wenn also beispielsweise Blau-Weiß 90 Berlin nicht von vornherein nur Kanonenfutter für die Bayern und viele andere wäre, dann könnte meine Bundesliga so aussehen:

VfB
Gerade in diesen Wochen wäre es mir besonders wichtig, die Erstklassigkeit auf Dauer zu sichern, gegebenenfalls auch mit einer Lex MV. Zumal man schon diese schönen Schals hat drucken lassen…

Bremen
Äh, irgendwie wird grad die obige Argumentation konterkariert. Egal. Völler. Bratseth. Kutzop. Rufer. Nora Tschirner. Lauter schöne Erinnerungen. Und Frings wird ja auch nicht mehr so lange…

Duisburg
Meiderich. Zebras. Allein schon von den Namen her kann da keiner mithalten. Dann noch Michael Tönnies, 5 Tore gegen den Kahn’schen KSC. Und das Zebrastreifenblog soll erstklassig werden. [Edit: ist es natürlich längst.]

Schalke
War mir nur selten so richtig sympathisch. Spielte aber schon bei Elf Freunde müßt Ihr sein eine tragende Rolle. Der Trikotfarbe wegen. Vielleicht wirklich ein Mythos, wenn ich bloß das Wort besser leiden könnte.

HSV
Ernst Happel. Kevin Keegan. Juve 83, Juve 2000. Und ja, das Wappen hat was. Dino natürlich. Nur die Namenswechsel sind mir ein Dorn im Auge. Ich bleib dann doch beim traditionellen AOL-Arena.

BVB
Das Stadion. Zur Meisterschaft 95 war ich vor Ort und ging wegen eines Mädels nicht ins Stadion. Mannmannmann. Wolfgang Feiersinger. Ich sehe Typen in Nadelstreifen. Kevin Großkreutz.

Leverkusen
Nahezu zeitgleich mit mir in die Bundesliga ein- und danach nie mehr abgestiegen. Europapokal 1988 und 2002. Spielte im 10-Jahres-Vergleich den aus meiner Sicht attraktivsten Fußball. Traditionsverein.

Bochum
Unabsteigbar war ein wunderbares Wort. Gerland. Tenhagen. Woelk. Lameck. Wosz. Edu. Frank Schulz‘ Haarpracht. Faber.

Bayern
Rekordmeister. Abteilung Attacke. Rummenigge (als Spieler). Kobra Wegmann 1988. Roland Wohlfarth. Mic und Mac. Pfaff gegen Saloniki. Pfaff gegen Reinders. Aushängeschild.

Düsseldorf
„Fortuna“ gefällt mir. Die Allofs-Brüder. Hans Krankl 1979. Mein erstes bewusst erlebtes DFB-Pokalfinale 1979: Seel. Pattex. Gerd Zewe. Gefühlt fanden alle Länderspiele der 70er und 80er im Rheinstadion statt.

Braunschweig
Günther Mast. Trikotwerbung. Ronnie Worm, ein früher Lieblingsname. Breitner in der Provinz. Merkhoffer. Franke. Gelb-blau fand ich schick.

Gladbach
Allan Simonsen. Mein erstes TV-Europapokalerlebnis: Gladbach gegen Clemence. Tiger Effenberg. Dahlin und Herrlich. Bökelberg.

Köln
Mochte ich nur in Etappen (ansatzweise), aber sie gehören dazu. Für das Double 78 war ich etwas zu spät dran. Latteks blauer Pullover. Die Krankenhaus-PK.

1860
Die Derbies. Riedl. Wildmoser. Lorant. Pacult (als Spieler). 38000 in der Oberliga. Wenzel Halama, auch ein Lieblingsname. Rudi Völler gegen Düsseldorf. Und vom Hörensagen immer wieder Brunnenmeier.

Rostock
Wichtig für die gesamte Region. Ach was, für den ganzen Osten. Da hängen Existenzen dran.  Erster Tabellenführer 1991/92. Mit Florian Weichert. Am letzten Spieltag Frankfurt geschlagen. Beinlich.

Freiburg
Die hatten 1980 ein Jubiläumsspiel bei meinem Heimatverein. Ich hab noch Autogramme, u.a.  von Wienhold und Löw. Markus Löw. Die großen drei: Golz, Schopenhauer, Finke. Der Kanzler. Decheiver und Cardoso. Dutt.

Nürnberg
Zabo. Hab ich als Kind irgendwo gelesen. Udo Klug. Kargus, Lottermann, Weyerich, Höher, Schmelzer. Aro. Hansi Dorfner. Thomas Brunner. Mintal. Gerland, Sané und Eckstein in Rom.

Kaiserslautern
1998. Ratinho. Kokolores. Betzenberg. 7:4. Toppmöller. Hany Ramzys Verletzung. Wackelkandidat.

Ja, da gibt es Härtefälle. Die Frankfurter Eintracht, zum Beispiel, mit der ich trotz phasenweise großer Bewunderung nie richtig warm wurde. Détári war phänomenal, Bein und Yeboah auch. Zu Bernd Schneiders Zeiten wohnte ich sogar in Frankfurt und ging dennoch nie ins Stadion. Sankt Pauli mag ich, und doch sind sie in meiner Wahrnehmung stärker in der zweiten Liga verankert. Mag am gut gepflegten Underdog-Image liegen. Hertha war nie so mein Verein. Kliemann und Sziedat waren mir als Kind unsympathisch, keine Ahnung wieso, Beer war ok. Vielleicht hatte es ja auch damit zu tun, dass Heini, Matze und die anderen nicht für Sobeks Hertha waren, sondern für die Störche. Hoffenheim hätte ich bis zur Gustavoposse vermutlich Kaiserslautern vorgezogen, weil mir die Arbeit von Dietmar Hopp tatsächlich imponiert. Selbst die von Ralf Rangnick, auch wenn ich ihn nicht mag. Wolfsburg ist seit fast 15 Jahren ununterbrochen in der Bundesliga, hat in jeder Hinsicht vieles probiert, manches ist (vorzüglich) gelungen. Scheitert aber wie Hannover, der niedersächsischen Quote wegen, an Braunschweig. Mainz, klar – beliebt und attraktiv. Bei mir auch, und selbst Andersens Entlassung war alles andere als naiv. Bauchentscheidung. Bielefeld existiert. Das reicht aber nicht, trotz Lienens Oberschenkel und Ali Daei. Union Berlin, der Stadionumbau, all das ist mir sehr sympathisch. Und in der zweiten Liga gut angesiedelt, finde ich. Lok Leipzig klingt unglaublich gut, die Stadt mag ich sehr, meine Neugierde gegenüber dem Konzept Red Bull ist zwar groß, aber dann doch nicht ausreichend. Wenn sich der KFC wieder in Bayer Uerdingen umbenennt, hat er eine Chance. Wegen der 80er. Der KSC hat sich’s bei mir mit dem 0:5 gegen Brøndby versaut. Zwar könnte ich noch eine Weile weitermachen; Härtefälle im engeren Sinn sind Waldhof, Dresden, Unterhaching, Darmstadt und all die anderen wohl eher nicht. Außer Cottbus.

Willkürlich? Ja. Inkonsequent? Ja. Widersprüchlich? Vielleicht. Ungerecht? Ganz bestimmt.

Mach’s anders!

Die Buchwald-Problematik

Nein, die Überschrift hat nichts mit der Entscheidung des VfB für Fredi Bobic zu tun. Und es liegt mir auch fern, Guido Buchwalds Dampfplaudereien der späten Ära Babbel nochmals Revue passieren zu lassen. Problematisch ist vielmehr meine verkürzte Antwort im Bundesliga-Sonderheft der 11Freunde:

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten?
Guido Buchwald, […]“

In der Tat nannte ich ihn, aber weit hinter den Herren Soldo und Sigurvinsson. Ok, ich hätte mich halt an die Frage halten und nur einen nennen sollen…

Wie auch immer, hier sind meine Antworten auf alle Fragen (auch die zur Auswärts-Vorfreude) und in voller Länge:

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Deshalb wird die neue Saison unvergesslich…
Unvergesslich ist ein großes Wort. Bemerkenswert ist aber, dass die Bundesliga erstmals das Unwort des Jahres stellen dürfte: Torfabrik.

Aus der alten Saison wird in Erinnerung bleiben…
In allererster Linie das Schicksal von Robert Enke.

Wenn man sich dann doch an sportliche Themen erinnern möchte, bleiben aus Stuttgarter Sicht eine fürchterliche Vorrunde, eine unnötige Arbeitsplatzgarantie mit minimaler Halbwertszeit, grenzüberschreitende Fanproteste, eine grandiose Rückrunde und die erste Halbzeit gegen Barcelona. Und dann noch die Entwicklung von Christian Träsch.

Welche Schlagzeile würdest Du gerne in der kommenden Saison verfassen?
Interview mit Sami Khedira: „Jeder Wechsel wäre ein Rückschritt!“

Drei Wünsche frei:
Im Rahmen einer Transparenz- und Demokratieinitiative der FIFA tritt Joseph Blatter zurück.
Christian Gross ist im Dezember noch VfB-Trainer. Dezember 2013.
Ciprian Marica gewinnt den Goldenen Schuh.

Dein größter Albtraum:
Christoph Daum wird Trainer des VfB Stuttgart. Wobei selbst das noch eine positive Seite hätte: ich wäre samstags bei der Familie. Bzw. sonntags oder freitags.

Lieblingsspieler im aktuellen Team:
Die defensiven Mittelfeldspieler. Und ich hoffe weiterhin auf Sebastian Rudy.

Messer zwischen den Zähnen! Dein Lieblingsfeind:
Vom Konzept Feindschaft halte ich nicht viel, und ganz gewiss nicht beim Fußball. Dafür ist er mir zu wichtig.

Oder, um konkret zu werden: es ist mir egal, wie der KSC spielt. Es ist mir auch egal, in welcher Liga er spielt. Wenn er zufällig grade in der Bundesliga ist, sind mir die 6 Punkte für den VfB wichtig. Ansonsten habe ich weder Veranlassung noch Lust, den kleinen Nachbarn zu verunglimpfen, während der VfB gegen Dortmund, Nürnberg, Timisoara oder wen auch immer spielt.

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:
Zvonimir Soldo. Asgeir Sigurvinsson. Guido Buchwald, bevor er meinte, es zähle zu den Pflichten eines Ehrenspielführers, sich mit zweifelhaften Attacken gegen den Trainer als dessen Nachfolger ins Gespräch zu bringen.

Und ja, ich war immer ein großer Bewunderer von Mehmet Scholl.

Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:
Speziell zum Saisonende war die Stimmung in der scheidenden Kurve weniger lustig als vielmehr wehmütig, manch einer sprach vom „Fado in Stuttgart“. Letztlich war „Cannstatter Kurve – wir sind die Cannstatter Kurve!“ vielleicht nicht besonders originell, aber schön, und laut, und was fürs Herz.

Wo stehst oder sitzt Du im Stadion? Und warum?
Erst stehe ich mit einer Wurst beim PSV, dann in der, nun ja, Untertürkheimer Kurve. Warum? Weil die Cannstatter Kurve umgebaut wird.

Auf dieses Auswärtsspiel freust Du Dich besonders:
17. Mai 2011, Dublin, Lansdowne Road.
Der Gegner steht noch nicht fest.

Du wirst überraschend zum Doppelpass eingeladen. Deine Traumbesetzung für die anderen Sessel?
Steffen Simon, Udo Lattek, Christoph Daum, Raimund Hinko, Dr. Theo Zwanziger, Manfred Breuckmann.

Ach nee, ich hab die Frage falsch verstanden. Nochmal:
Kai Pahl, Raphael Honigstein, Trainer Baade, Christian Gross, Klaus Allofs, Christian Eichler (Eichler, nicht Eichner)

Holt der FC Bayern das Quadrupel? Oder wer wird Meister?
Quadrupel? Fuji-Cup, Hallen-Masters, T-Home-Supercup, Champions League? Einverstanden.
Um die Meisterschaft streiten dann Bremen, Leverkusen und der VfB.

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Bei meiner Wunschschlagzeile wird’s wohl eng… Kommentare, wonach dieser Satz erst nach Khediras Wechsel falle, werden gelöscht, da versteh‘ ich keinen Spaß. Oder so.

Wer mir Narzissmus und Inkonsequenz unterstellt, weil bei den 11Freunden mein voller Name auftaucht, hat bestimmt recht. Zumindest in Sachen Narzissmus.

Über die Inkonsequenz kann man streiten. Wie ich schon an der einen oder anderen Stelle schrieb, lege ich einen gewissen Wert darauf, hier nicht mit meinem echten Namen ergoogelt zu werden.

Was wegen einer Print-Publikation nicht geschehen dürfte. Wer hier mitliest, kann indes gerne wissen, wie ich sonst gelegentlich heiße. Deshalb steht’s ja auch im Impressum. Im Netz bin ich Heinz Kamke. Oder heinzkamke. Oder, wie der eine oder die andere geschätzte Bloggerin gerne mal sagt, der Heini.

Unaufmerksam

Selten einmal habe ich ein Spiel des VfB, noch dazu in einer entscheidenden Phase der Bundesligasaison, so unaufmerksam verfolgt wie die zweite Halbzeit der Freitagspartie in Bochum. Nicht dass es mich nicht interessiert hätte, ganz im Gegenteil. Es war einfach zu offensichtlich, dass man nichts mehr zu erwarten hatte. Kein ernst zu nehmendes Aufbäumen des Gegners, kein Feuerwerk des VfB, ja leider nicht einmal – auch das hatte sich sehr rasch abgezeichnet – konsequent vorgetragene Konter, um das Torverhältnis ein wenig aufzubessern.

Zu klar war die Rollenverteilung, zu eindeutig die Kräfteverhältnisse, und letztlich auch zu nüchtern der VfB, um noch auf ein Spektakel zu hoffen. Da konnte man dann schon mal verstärkt in die Diskussion über das Restprogramm und den Kader der nächsten Saison einsteigen und dem Spiel nur noch anderthalb Augen bzw. gar lediglich ein halbes Ohr widmen, ohne Gefahr zu laufen, am nächsten Tag mit verpassten verpassten Torchancen konfrontiert zu werden.

Was wie eine leise Beschwerde klingen mag, ist jedoch alles andere als das. Es tat gut, nach recht turbulenten Wochen mit gedrehten Spielen und späten Toren einfach mal entspannt zuzuschauen, auch wenn die Freude danach naturgemäß nicht so unbändig sein konnte wie beispielsweise in der Vorwoche gegen Leverkusen („Europapokal!„). Dabei hatte ich im Lauf der Woche noch die Überzeugung mit mir herumgetragen, dass das Spiel in Bochum der bedrohlichste Stolperstein auf dem Weg nach Europa sei. Was es vielleicht auch hätte werden können, wenn man den Gegner nicht derart kalt erwischt und ihm nach zwanzig Minuten jede Zuversicht genommen hätte. Danach genügte eine humorlose Defensivleistung mit einem in positivem Sinne glanzlosen Sami Khedira, der nach den wichtigen „kleinen“ Aktionen vor beiden Treffern zunehmend defensiver agierte, zahllose Bälle gewann und eine reife Leistung zeigte.

Weniger reif war der Umgang des VfB mit zahlreichen Kontermöglichkeiten, bei denen sich Cacau, Hilbert und Gebhart in dem Bemühen überboten, möglichst oft die falsche Entscheidung zu treffen. Der Sieger ist aus meiner Sicht nicht eindeutig zu benennen, vielleicht müsste man diese Frage Zdravko Kuzmanovic stellen, der das Ganze meist aus nächster Nähe beobachten musste.

Letztlich blieb ein souveräner Sieg mit geringem Glamourfaktor, der wohl auch deshalb nur bedingt euphorisierte, weil der Spielplan für dieses Wochenende kaum Ausrutscher der Tabellennachbarn versprach – eine Einschätzung, die sich am Samstag rasch bestätigte, als sich die Konkurrenz aus Dortmund, Bremen und Leverkusen durch die Bank schadlos hielt. Am Sonntag gab es zwar für Wolfsburg und den HSV Niederlagen, die entweder gänzlich oder zumindest in dieser Form nicht unbedingt zu erwarten gewesen waren; aber seien wir ehrlich: die beiden hatte man bereits nach dem letzten Spieltag nur noch pro forma auf der Rechnung.

So bin ich also guter Dinge, dass der VfB bereits am vorletzten Spieltag die Qualifikation für den Uefa-Cup in trockene Tücher bringt (leider werde ich nicht im Stadion sein können) und der HSV sich dann endgültig darauf konzentrieren kann, sich als Titelverteidiger zu qualifizieren – ja, ich glaube, dass sie im Craven Cottage bestehen werden [dieser Satz entstand übrigens vor dem Hoffenheim-Spiel; ich bleibe dennoch dabei], aber das nur am Rande. Damit der VfB noch von der Champions League träumen dürfte, hätte es wohl eines Ausrutschers zumindest eines oder zweier der vor ihm stehenden Teams bedurft (sowas Ähnliches hab ich übrigens vor ein paar Wochen in Sachen Uefa-Cup gesagt); aber irgendwie käme mir das ein wenig maßlos vor…

Abseits des aktuellen Bundesligageschehens hat der SWR am Samstag „Titel, Tore und Triumphe – Die Meisterschaften des VfB“ Revue passieren lassen und dabei eine Menge schöner Erinnerungen geweckt. Home Stories aus den 50ern, die Erkenntnis, dass Anfang der 90er noch auffallend viele Schnauzbärte unterwegs waren, Eike Immels Krawatte, Mario Gomez ungläubiger Blick, als er erfuhr, dass der Autokorso noch eine Schleife drehen würde, Gerhard Mayer-Vorfelders Warten auf den lichten Moment – es gab genügend Gründe, sich die Sendung anzusehen. Buffy Ettmayer unterhielt das Publikum vor Ort so glänzend, dass sich Fragen nach dem Alter seiner Pointen verbieten, Hartmut Engler hatte nicht viel Redezeit, Gilbert Gress traf es sicherlich völlig unerwartet, dass sein öffentlicher Friseurbesuch mal wieder zum Thema gemacht wurde, gerade so, als handle es sich auch dabei um bisher unveröffentlichtes Material, Guido Buchwald brachte sich dankenswerterweise nicht als neuer VfB-Trainer ins Gespräch, Sami Khedira hörte den alten Herren respektvoll zu, es war also alles gut.

Nur Erich Retter tat mir leid. Nein, eigentlich tat ich mir selbst ein wenig leid, weil ich nicht zu hören bekam, was Retter noch gerne aus den 50er Jahren erzählt hätte. Er hatte nämlich einiges zu erzählen. Doch leider waren auch Themen dabei, die nicht auf Michael Antwerpes‘ Kärtchen (oder was auch immer) standen. Dieser hatte folglich gar keine andere Wahl, als ihn abzuwürgen und mit einer geschickten Überleitung wieder auf den rechten Pfad zurück zu holen. Er hatte schließlich einen Plan, den es umzusetzen galt. Wäre ja noch schöner, wenn man einen Gast einfach so plaudern ließe. Einen der letzten Spieler, die bei den Triumphen der 50er Jahre dabei gewesen waren. Einen, der allem Anschein nach gerne ein paar Anekdoten zum Besten gegeben hätte. Der dem Publikum Freude machte. Der… ach komm, vergiss es.

Ach ja: Krassimir Balakov wurde zum besten VfB-Spieler aller Zeiten gewählt. Zum Ergebnis der online-Abstimmung über die Top 11 des VfB könnte man sicherlich viele Worte verlieren. Aber das muss nicht sein. Es hätte schlimmer kommen können.

Dieses Grinsen…

Ganz egal, wie die Saison endet: dieses Grinsen, das ich am Samstag ab ca. 17:12 Uhr auf den Lippen hatte und das ich bis tief in die Nacht nur gelegentlich in einem sehr bewussten, widernatürlichen Akt für einige Momente ablegen konnte, kann mir keiner mehr nehmen. Dieses unheimlich gute Gefühl, dass der VfB in der Endphase einer völlig verkorksten Saison aus eigener Kraft einen Europapokalplatz erreichen kann. Die Einsicht, dass eine Aufholjagd „mit Ansage“ gelingen kann, die ich selbst noch vor kurzem ins Reich der Fabel verwiesen hatte. Ob es am Ende für die europäische Bühne reicht, muss man natürlich abwarten. Am Samstag indes war mir das völlig egal. Stunden nach dem Spiel schwirrten mir unaufhörlich Städtenamen durch den Kopf: „… Kopenhagen … Rotterdam … Mailand … Teneriffa …“ ( es ist mir sowas von schnurz, ob die Städteauswahl dereinst in Karlsruhe geprägt wurde), und es ist nicht auszuschließen, dass der eine oder andere Passant ob des leise summenden, vielleicht auch laut singenden Spinners mit dem Kopf schüttelte.

Ich habe dann auch gleich eine kurze Recherche angestellt und durfte feststellen, dass Steaua derzeit auf dem CL-Qualifikationsplatz steht, während Dinamo und Rapid sich noch berechtigte Hoffnungen auf die Teilnahme am Uefa-Cup machen dürfen. Die Roma ist seit dem Wochenende definitiv für das internationale Geschäft qualifiziert, der FC København nahezu, Brøndby hat noch ganz gute Chancen. Feyenoord ist die Uefa-Cup-Teilnahme als zweifacher Pokalfinalist nicht mehr zu nehmen, Inter ist auf jeden Fall dabei, und auch bei Milan müssten Pferde und Apotheke sich gewaltig anstrengen, um die Europapokalqualifikation zu verhindern. Nur die Woche Sandstrand scheidet aus, nachdem sich CD Tenerife vor einer Woche von der Hoffnung auf einen Uefa-Cup-Platz verabschieden musste und für die kommende Saison gar die Zweitklassigkeit droht.

Kirche im Dorf lassen? Hab ich schon am Samstag nicht getan, als ich einen Kantersieg vorhersagte. Ok, war vermessen, aber für einen Sieg hat’s gereicht. Leverkusen hadert, klar, würde ich wohl auch tun. Vor allem mit Barnetta. Dass Bayer auch mit dem Schiedsrichter nicht zufrieden war, ist nachvollziehbar, und der Fußballgott war möglicherweise nicht auf ihrer Seite. Sie haben eine starke Leistung gezeigt, waren in der ersten Halbzeit die deutlich bessere Mannschaft, wussten spielerisch, läuferisch und taktisch insbesondere in Unterzahl zu überzeugen, aber es kam eben nichts dabei heraus. Jens Lehmann stand im Weg.

Dabei war es in den ersten Minuten alles andere als klar gewesen, dass Bayer zunächst so dominieren würde. Beide Mannschaften waren offensichtlich mit der Vorgabe auf den Platz gegangen, das Spiel von der ersten Minute an zu bestimmen, was fünf Minuten lang in ein herrlich anarchisches Auf und Ab mündete, in dessen Verlauf Timo Gebhart die Führung auf dem Fuß Schienbein?Knie?Oberschenkel? hatte, ehe die aggressiven Leverkusener doch die Oberhand gewannen und die Partie dominierten. Defensiv hatten sie sich gut auf die starke linke Stuttgarter Angriffsseite eingestellt, und offensiv machten sie mit der rechten Stuttgarter Seite, was sie wollten. Celozzi und Gebhart waren zu keinem Zeitpunkt in der Lage, Kroos und Kadlec Einhalt zu gebieten, und da noch dazu der sonst stets zu Hilfe eilende Träsch mit seinen eigenen Aufgaben kaum fertig wurde, konnte man von Glück reden, dass Leverkusen bis zur Pause nur einmal und der VfB gar ebenso oft getroffen hatte.

Während der Pause war ich dann sehr überrascht, dass sich mit Khedira nur ein Spieler aufwärmte; hatte ich doch Ersatz für Celozzi, Tasci, Gebhart, vielleicht gar Träsch gewünscht und für den angeschlagenen Molinaro befürchtet. Doch wieder einmal wusste der Trainer offensichtlich, was er tat. Träsch machte rechts hinten dicht, entlastete damit Gebhart und sorgte selbst für Schwung nach vorne, Khedira gab, trotz verletzungsbedingt noch etwas ausbaufähiger Dynamik, den Patron, Kuzmanovic blühte an seiner Seite deutlich auf, und die Innenverteidigung stabilisierte sich merklich, was natürlich auch daran lag, dass Leverkusen meines Erachtens nicht nur der Stuttgarter Stärke wegen, sondern auch aus eigenem Antrieb ein wenig zurückhaltender agierte – obschon sie immer wieder für gefährliche Gegenangriffe gut waren. Der VfB indes schnürte die Gäste nun in der eigenen Hälfte ein und ließ in einzelnen Phasen keine Befreiung zu. Dass man dabei keinen Treffer erzielte, ist nur zum Teil kritikwürdig, vor allem aber dem großartigen René Adler zuzuschreiben, der zwischen der 60. und 70. Minute zudem so lange versuchte, das Spiel schnell zu machen und Gegenangriffe zu initiieren, bis Jupp Heynckes eine stille Post einleitete: er schickte Rüdiger Vollborn zur Eckfahne, der den sich aufwärmenden Lars Bender mit eindeutigen Handzeichen animierte, zu Adler zu gehen, um diesen mit ebenso eindeutigen Handzeichen zu etwas langsamerem Spiel aufzufordern.

Wer jedoch daraufhin wie ich gedacht hatte, Bayer wolle nun nur noch den Punkt retten, sah sich getäuscht. Statt dessen gönnte sich der VfB eine kleine Auszeit und nahm das Tempo ein wenig heraus, was postwendend in gefährlichen Leverkusener Angriffen resultierte, die Jens Lehmann erfreulicherweise als persönliche Herausforderung auffasste – und mit Bravour bestand.

Zwischenzeitlich war Alex Hleb auf den Platz gekommen und hatte mich mit zahlreichen Ballverlusten und anschließender Untätigkeit so sehr in Rage versetzt, dass ich öffentlich dafür plädierte, zu zehnt weiterzuspielen – glücklicherweise erhörte mich niemand, so dass Hleb Pogrebnyak brillant einsetzen konnte, dessen Hereingabe auf Umwegen ihren Abnehmer fand, über den an anderen Stellen genug gesagt wird: Cacau!

Der Rest war Grinsen.

Ach, und falls es mit Mailand oder Teneriffa nicht klappen sollte, würde ich auch Liverpool, Rome oder einfach anywhere nehmen.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=onKrpUeocUk]

Ach, und was ich auf keinen Fall unterschlagen möchte:
Abschied ist ein scharfes Schwert, Teil 2 -diesmal ging die Rückschau bis zum Europapokalfinale gegen Neapel, mit Maradona im VfB-Trikot bei der Pressekonferenz:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Yxx_3-0W18w]

(via lostboys99, natürlich)

Wer hat Angst vor Bayer Leverkusen? Ich!

Ja, ich gebe es zu: Wann immer der VfB in der Schlussphase einer Saison auf Leverkusen trifft, wird mir mulmig. Das liegt ganz wesentlich an der Saison 2003/04, als der VfB die ganze Saison über, von vier Vorrundenspieltagen abgesehen, auf einem Champions League Platz stand und im letzten Spiel auf den direkten Konkurrenten aus Leverkusen, trainiert von Klaus Augenthaler, traf. Fussballdaten.de schreibt zu diesem Spiel:

„Verblüffend grandios begannen die Schwaben in Leverkusen mit modernem Angriffsfußball, der die Werkself völlig zurückdrängte. Geschossen wurde aus allen Lagen, das Tempo geschickt variiert und technisch fein kombiniert. Ungefähr zwanzig Minuten hielten die Stuttgarter dieses Niveau bei, ehe es Bayer gelang, sich langsam aus der Umklammerung zu befreien. […] so dass es zur Pause bei einer Nullnummer blieb, die aufgrund des Superspiels des VfB in der Anfangsphase für Bayer allerdings recht schmeichelhaft war. […]

Doch letztlich wurden die Aktionen der Gastgeber immer zwingender, der VfB immer weiter zurückgedrängt. Die Führung ließ dann nicht mehr lange auf sich warten. […] Damit hatte sich die Augenthaler-Truppe im letzten BL-Spiel die CL-Qualifikation gesichert, während dem VfB nur noch ein UEFA-Cup-Platz blieb.

Der Legende nach ging’s für den VfB seither gegen Saisonende zumeist nach oben, für Bayer eher nicht. Auch in diesem Jahr lief laut bundesliga.de die „Mannschaftsform“ der beiden Teams in den vergangenen Wochen deutlich auseinander. Während der VfB dort aktuell auf Platz 3 liegt, stand Bayer in den letzten drei Wochen auf einem Abstiegs- bzw. Relegationsplatz.

Dann ist ja alles klar.

Dies gilt umso mehr, wenn man als weitere relevante Statistik die ewige Bundesligatabelle hinzuzieht. Dort liegt der VfB derzeit auf Platz 4 mit 2328 Punkten, während Bayer gerade mal 1594 Punkte (nach der 3-Punkte-Regel) erreicht hat und auf 11 rangiert. Lässt man allerdings für einen Augenblick das Thema Tradition außen vor – was angesichts von lächerlichen 31 (ununterbrochenen) Leverkusener Bundesligajahren schwer fällt – und rechnet die Werte auf das einzelne Spiel herunter, liegen beide Vereine dann doch recht eng zusammen: der VfB holt 1,53 Punkte pro Spiel, Leverkusen nur 1,51, hat aber im Schnitt das bessere Torverhältnis. Auf 45 Jahre hochgerechnet, läge man mit 2302 Punkten gerade einmal 26 Zähler hinter dem VfB.

Betrachtet man lediglich die gemeinsame Bundesligazeit beider Vereine seit 1979, ist der Abstand noch etwas größer: Bayer hat immer noch 1594 Punkte (1745:1427 Tore), der VfB deren 1669 (1814:1419), also 75 mehr. In der Übersicht wird deutlich, dass Leverkusen vor allem von 1993 bis 2003 die erfolgreichere Mannschaft war, während der VfB vor der Öffnung der innerdeutschen Grenze davor und auch danach zumeist besser platziert war.

Insgesamt aber tummeln sich beide Vereine in ähnlichen Tabellenregionen, Bayer wird im Schnitt Siebter, der VfB Sechster, beide sind in der letzten Dekade einmal haarscharf am Abstieg vorbeigeschrammt, beide hatten Phasen besonderer spielerischer Blüte (bei Bayer insbesondere um die Jahrtausendwende herum, beim VfB zu Zeiten des magischen Dreiecks), beide holten in den letzten 20 Jahren drei Meistertitel und einen DFB-Pokalsieg standen in zwei Europapokalfinals und beide haben in den letzten Jahren in hohem Maß auf deutsche Spieler gesetzt, die noch dazu häufig jung waren. Besonders in Leverkusen hat man zuletzt indes erkannt, dass ein erfahrener Spieler als stabilisierender Faktor Gold wert sein kann, und auch wenn der eine oder andere mit dem Kopf geschüttelt haben mag, gilt die Verpflichtung eines alten Mannes mit unaussprechlichem Namen als Königstransfer der letzten Jahre: Thomas Zdebel. Leider verlässt er den Verein im Sommer wieder.

Auch auf der Trainerbank hat man sich dem Jugendwahn widersetzt und mit Jupp Heynckes viel Erfahrung eingekauft: Gladbach, Bayern, Bilbao, Frankfurt, Teneriffa, Real, Benfica, Bilbao, Schalke, Gladbach, Bayern lauten die Stationen seiner Trainervita. Klangvolle Namen. Mit den Bayern wurde er sogar Meister. (Ok, mit Real hat er auch was gewonnen.)

Viele Informationen, die mit Blick auf das Spiel am Samstag vor allem eines verheißen: eine interessante Partie mit offenem Ausgang. Ich freu mich drauf, auch wenn mir mulmig ist (Druck!). Immerhin bleiben im Gegensatz zu 2004 danach noch drei weitere Spiele.

Die Löw'sche Leverkusen-Legende

Es gilt bekanntlich als offenes Geheimnis, dass Joachim Löw ein besonderes Faible für Spieler von Bayer Leverkusen hat. Genau genommen gilt das, wer wüsste es nicht, auch für Werder Bremen, aber die haben nicht so gut in die Überschrift gepasst.

Wie auch immer: man hört und liest also allenthalben, off- wie online, der Bundestrainer sehe sich zum einen jedes Bremer Heimspiel an (Braunkohl-Connection), zum anderen sei er ein überzeugter Anhänger der sogenannten „Leverkusener Schule“. Wann immer sich die Gelegenheit biete, einen Spieler eines anderen Vereins zu brüskieren und statt seiner einen Durchschnittskicker aus Bremenkusen zu nominieren, nehme er diese genüsslich wahr. Das Ziel, mit der Nationalmannschaft möglichst gute Ergebnisse zu erzielen, eventuell gar Titel zu erringen, rücke dabei, obwohl es durchaus in seinem eigenen Interesse liegen müsste, weit in den Hintergrund.

Zwar kann ich es nicht so recht erklären, doch irgendwie kommt mir diese Sichtweise nicht in allen Punkten stimmig vor. Man möge mich steinigen, aber ich halte Löws Leverkusen-Liebe für eine Legende. Analog bei den Bremern, übrigens. Fundiert begründen kann ich diese Meinung nicht.

Was ich indes kann: malen, für den Hausgebrauch. Also habe ich mir ein paar Grafiken zusammengezimmert, die die Leverkusenlegende entlarven und das Bremen-Bashing als haltlos darstellen sollen.

Fangen wir mit der Frage an, ob Joachim Löw in seiner Amtszeit tatsächlich außergewöhnlich viele Spieler aus Bremen oder Leverkusen eingesetzt hat.
Und stellen fest: er hat.

Kein anderer Verein hat in der Ära Löw so viele Nationalspieler gestellt wie Werder und Bayer, der VfB Stuttgart ist knapp dahinter, Bayern, Schalke und gerade noch Wolfsburg zählen zur erweiterten Spitzengruppe.

Bis hierhin spricht in der Tat wenig gegen die These, dass Bremer und Leverkuser bevorzugt werden. Wobei die bloße Zahl der eingesetzten Spieler insofern eine zweifelhafte Größe ist, als sie beispielsweise einer Merchandisingreise nach Asien und den entsprechenden Notfallnominierungen geschuldet sein könnte. Etwas aussagekräftiger dürfte die Zahl der Nationalmannschaftseinsätze pro Verein sein.
Et voilà:

Die Bayern also. Kein Wunder, kommen doch allein die Dauerbrenner Lahm, Schweinsteiger und Podolski zusammen auf über 100 Einsätze. Bremen ebenfalls weit über dem Durchschnitt, genau wie Stuttgart sowie mit etwas Abstand Leverkusen und Schalke. Der HSV erreicht mit 32 Einsätzen genau den Schnitt der aktuellen Bundesligateams. Womit Leverkusen ein bisschen, Bremen indes noch nicht rehabilitiert wäre.

Noch gar nicht betrachtet haben wir bis hierher das viel zitierte Löw’sche Leistungsprinzip. Beispielsweise könnte man die Noten der betreffenden Spieler in den einschlägigen Magazinen betrachten und eine Korrelation zur Einsatzhäufigkeit überprüfen. Dazu habe ich weder Zeit noch Lust, vor allem aber sind Relevanz und Objektivität dieser Noten nicht endgültig erwiesen. Deutlich glaubwürdiger, wenn auch weniger individuell, erscheint mir in diesem Zusammenhang der Blick auf die zählbaren Fakten. Ich glaube tatsächlich, dass man tendenziell mehr gute Spieler bei denjenigen Mannschaften findet, die mehr Punkte sammeln. Das mag im Einzelfall ein Trugschluss sein; gleichwohl bin ich, insgesamt betrachtet, von dieser Sichtweise überzeugt. Demzufolge habe ich einmal die in der Ära Löw gesammelten Punkte aus der ersten Bundesliga addiert:

Hm. Mit etwas gutem Willen könte man wohl zu dem Schluss kommen, dass die Vereine, deren Spieler häufig in der Nationalmannschaft spielen, in aller Regel auch in der Bundesliga recht viele Punkte holen. Eine Korrelation. Über Kausalitäten will ich nicht spekulieren. Leverkusen und Bremen, Jogis Lieblinge, sind in der Spitzengruppe zu finden. Bremen zählt gar gemeinsam mit Bayern, dem VfB und Schalke zu den wenigen Vereinen, die seit der WM 2006 mehr als 200 Punkte gesammelt haben. Die vielnominierten Bremer waren also auch in der Bundesliga besonders erfolgreich, die etwas weniger häufig eingesetzten Leverkusener erzielten auch etwas weniger Punkte.

Schalke passt da nicht so ganz ins Bild – ein Eindruck, der sich verfestigt, wenn man die Summe der Platzierungen aus den letzten drei Spielzeiten betrachtet (Eine noch größere Spielerei als die vorhergehenden Grafiken? Mag sein.):

Wie dem auch sei: Schalke ist hinter Bayern und dem VfB Stuttgart die bestplatzierte Mannschaft der letzten drei Jahre, hat aber nur vergleichsweise wenig Länderspieleinsätze. Da schlagen nicht zuletzt die Fälle Kuranyi und Jones durch, die sportlich aus meiner Sicht nur schwer nachzuvollziehen sind. Bremen und Leverkusen auch hier in der Spitzengruppe, was erneut nicht unbedingt für eine unbotmäßige und systematische Bevorzugung spricht.

Neben den soliden Dortmundern und natürlich Frankfurt, das völlig durch das Raster fällt, könnte man zudem meinen, dass der HSV schlecht wegkommt: die sechstmeisten Punkte, fünftbeste Platzierungsbilanz, aber viel weniger Länderspiele als die Topmannschaften. Eines sollte man allerdings nicht ganz außer acht lassen:

Beim HSV hatten deutsche bzw. für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigte Spieler nur 569 mal die Gelegenheit, sich bei Joachim Löw zu empfehlen – 40% der maximal möglichen Einsätze, über 300 weniger als bei Bayer Leverkusen, das den Spitzenrang einnimmt und gemeinsam mit dem anderen vermeintlichen Hätschelkind Werder Bremen sowie dem VfB Stuttgart bei einer Deutschenquote von etwa 50 % liegt – faktisch liegt sie noch ein Stück höher, da nicht in jedem Spiel das Auswechselkontingent ausgeschöpft wird. Wo viele Deutsche spielen, können wohl auch viele nominiert werden.

Interessant übrigens die Hertha, die in der gesamten Saison 2008/09 insgesamt nur 6 deutsche Spieler eingesetzt hat, darunter der frühere DFB-Jugendspieler Sofian Chahed, der mittlerweile nicht mehr für Deutschland spielberechtigt ist. Maximilian Nicu, der meines Wissens nie für den DFB spielte und bereits in jener Saison für Rumänien antrat, könnte man mit etwas Wohlwollen noch hinzunehmen.

Was bleibt?
Für mich zunächst einmal die Bestätigung, dass man Joachim Löws Liebe zu Leverkusen und Bremen (oder war es doch ein anderer Verein?), auch wenn Fußball keine Mathematik ist, in mancher Hinsicht durchaus nachvollziehen kann – vielleicht haben wir es ja doch mit einer Legende zu tun. Dann die Erkenntnis, dass Schalke einerseits überraschend, andererseits angesichts der genannten Fälle dann doch nicht ganz unerwartet, keine sehr hohe Quote aufweist. Und die Feststellung, dass es keine annähernd proportionale Berücksichtigung von Spielern aus Vereinen gibt, die sich in den letzten Jahren abseits der Europapokalplätze tummelten. Was meines Erachtens zumindest statistisch (auch wenn ich beispielsweise bei Mats Hummels eine ganz andere Position vertrete als der Bundestrainer) mit dem Leistungsprinzip durchaus vereinbar ist.

Was ich noch sagen wollte:
Meine Argumentation ist nicht wissenschaftlich fundiert, sie ist sehr leicht angreifbar, die Daten sind selektiv, manchmal willkürlich, ich bin mit einer vorgefassten Meinung herangegangen, kurz: es ist die Light-Version eines Gefälligkeitsgutachtens. Als Diskussionsbasis dürfte es allerdings auch nicht schlechter sein als apodiktische Aussagen zur Stuttgarter Leverkusener Schule oder Spätzle-Braunkohl-Connection.