Aufstiege, Abstiege, Zwischenlösungen

Waren nicht schlecht, die Relegationsspiele neulich, ne? Also zumindest die zwischen zweiter und dritter Liga, und dort vornehmlich das Rückspiel. Bielefelder mögen das anders sehen.

Wieder einer jener Abende, die zu erfassen einzig Sir Alex Fergusons geflügeltem Wort „Football, bloody hell!“ gelingt. Abstrakt gesehen.

Bei Twitter jagte ein Superlativ den vorhergehenden, und nicht selten las man sinngemäß Folgendes:

„[Lob des Spiels], [Lob der Darmstädter], [Lob des Fußballs], [Ungläubigkeit], [Faszination], aber Relegation ist trotzdem doof und gehört abgeschafft.“

Was ich, den Umstand außer Acht lassend, dass all diese Metazitate niemals in 140 Zeichen gepasst hätten, was arg an meiner Glaubwürdigkeit rüttelt, für eine völlig legitime Sichtweise halte. Die ich nicht im Geringsten teile, aber darum geht es ja nicht. Es gibt gute Argumente gegen die Relegation, zweifellos, und es gibt meines Erachtens auch gute Argumente dafür. Sie alle wurden vielerorts und häufig genug ausgetauscht.

Der einzige Aspekt, der mich in den vergangenen Tagen verwunderte, wohl weil er mir in den Vorjahren nicht so häufig begegnet war, so zumindest meine Erinnerung, war die Schlussfolgerung mancher Relegationsgegner, manchmal mehr, manchmal weniger explizit ausgeführt, dass man dann ja konsequenterweise auch dazu übergehen müsse, den Meistertitel in einer Play-Off-Phase, zumindest aber in einem Endspiel der beiden Punktbesten auszuspielen.

Das kann ich nicht nachvollziehen. Verzeihung, nachvollziehen kann ich es schon, aber ich empfinde es nicht als folgerichtig. Im einen Fall, der Meisterschaft, haben sich 18 Mannschaften in einem gemeinsamen, in sich (ab-)geschlossenen Wettbewerb ein Jahr lang gemessen. Am Ende steht ein Ergebnis, das die eine als objektiv besser als die andere ausweist.

Im anderen Fall, wenn es um Auf- und Abstieg geht, betrachten wir zwei (oder mehr) Mannschaften, die in getrennten, hierarchisch klar einzuordnenden Wettbewerben spielen und die sich im Lauf der Saison weder begegnet sind noch sich mit den gleichen Gegnern gemessen haben. Eine Aussage über die relative Stärke können wir nicht seriös treffen.

Implizit beschäftigen wir uns auch mit der Frage, wie groß der Unterschied, bzw. wie groß eine Schnittmenge zwischen den beiden Ligen ist, innerhalb derer nur geringe sportliche Unterschiede bestehen. Diese Frage wurde irgendwann dahingehend beantwortet, dass die beiden Besten der niedrigeren Klasse mit den beiden Schlechtesten der höheren Klasse die Plätze tauschen sollen. Jahre später hat man sich dann für deren drei entschieden, in anderen Ländern mag die Tauschliste länger oder kürzer sein.

Wo die optimale, je nach Interpretation leistungs- oder leistungsvermögensgerechteste Lösung liegt, weiß man nicht, vermutlich ändert es sich von Jahr zu Jahr, beziehungsweise, was in unserer Ligen- und Saisonstruktur nicht relevant ist, in kürzeren Abständen. Der Gedanke, am Ende einer jeden Saison ganz konkret in einem sportlichen Duell der Grenzgänger auszuloten, wo die Kante aktuell verläuft, ist in diesem Kontext kein abwegiger.

Dass man darin eine zu zeitpunktbezogene, tagesformabhängige, zugespitzte Form der Entscheidungsfindung sehen kann, die dem Spieljahresprinzip zuwider läuft, liegt auf der Hand. Oder dass man hinterfragen kann, ob jeweils zwei fixe und ein variabler Auf- bzw. Absteiger richtig gewählt sind. Wieso nicht drei plus eins, zum Beispiel? Legitime Sichtweise.

Ganz abgesehen davon, dass der Verdacht, es gehe DFL und DFB in erster Linie darum, zum Saisonende ein maximales Spektakel zu bieten, nicht auszuräumen ist, noch nicht einmal von der Hand zu weisen. Was man dann natürlich doch als Gemeinsamkeit mit einem Meisterschafts-Play-Off sehen kann, wenn man möchte. Auf einer aus meiner Sicht arg sportfernen Ebene.

Wie schaffe ich jetzt nur die Überleitung zum HSV? Nee, sorry, da muss ich passen. Muss es eben so gehen.

Der Hamburger Sportverein, der sich dem Vernehmen nach im abgelaufenen Jahr auf dem Platz häufig ähnlich sportfern betätigte wie der VfB Stuttgart, nahm ebenfalls an der Relegation teil, stand aber im Schatten der Darmstädter. Dennoch schlug er den Herausforderer aus Fürth aus dem Feld, der ebenfalls ausführlich diskutierten Auswärtstorregel geschuldet, was den geschätzten Kollegen vom Fürther Flachpass zu grundsätzlichen Aussagen zum Kräfteverhältnis zwischen erster und zweiter Liga und einer, wenn ich ihn recht interpretiere, systemimmanenten Benachteiligung der Zweitligisten animiert hat.

Ich kann das, wie auch dort per Kommentar geäußert, nicht ganz nachvollziehen (wohl wissend, dass die finanziellen Rahmenbedingungen in den beiden Ligen sehr unterschiedliche sind). Den Fürther Nichtaufstieg nach zwei unentschieden gestalteten Spielen empfinde ich unabhängig davon als bitter. Was andersherum analog gälte.

Wie auch immer: der Dino ist dem Abstieg von der Schippe gesprungen, die Uhr darf weiterlaufen, der HSV bleibt der einzige Bundesligist, der noch nie abgestiegen ist. So las ich zumindest. Und war, wie manch andere(r), nicht ganz einverstanden:

Die geneigte Leserin weiß natürlich, dass es da noch ein paar weitere Vereine gibt, die zwar nicht von Anfang an dabei gewesen sein mögen, die aber nie in die zweite Liga abgestiegen sind. Was für sich genommen wiederum eine problematische Aussage ist, da ja auch Preußen Münster, Tasmania Berlin, Borussia Neunkirchen und Rot-Weiß Oberhausen, vielleicht habe ich auch noch jemanden vergessen, für sich in Anspruch nehmen können, nie von der Bundesliga in die zweite (Bundes-)Liga abgestiegen zu sein, sondern nur in die jeweilige Regionalliga.

Aber das mag selbst der sachkundigen Leserschaft ein bisschen zu speziell sein, nicht im Sinne von „wissen wa nich“, eher von „Korinthenkacker!“ Beschränken wir uns also auf die Frage nach den aktuell Unabsteigbarengestiegenen, die leicht beantwortet ist, wie auch die (hier nicht dokumentierten) Reaktionen auf diesen Tweet zeigten:

Genau. Es handelt sich um den HSV, den FC Bayern, Bayer Leverkusen, den VfL Wolfsburg, die TSG Hoffenheim, den FC Augsburg und den SC Paderborn. Die eine oder andere Ungenauigkeit bei den Vereinsnamen bitte ich gönnerhaft hinzunehmen.

Sieben ist ne Menge, nicht wahr? Nicht zuletzt vor dem Hintergrund besagter (und historisch vollauf gerechtfertigter) HSV-Fokussierung, gerade auch wenn man das Ganze spätestens seit der Zeit verfolgt hat, als noch von vier verbliebenen Dinos, die damals noch nicht so genannt wurden, Hermann hieß ohnehin keiner von ihnen, die Rede war: dem HSV, Köln, Frankfurt und Kaiserslautern. Und jetzt sollen es plötzlich sieben sein?

Ja, ist so. Und vor zwei Jahren waren es auch so viele. Danach muss man aber schon bis 1995/96 zurückgehen, um auf gleich viele bzw. mehr unabgestiegene Bundesligisten zu stoßen. In den zwanzig Jahren zuvor lag man stets zwischen acht und elf, erstmalige Ab- und erstmalige Aufstiege hielten sich offensichtlich ungefähr die Waage, die stärkeren Veränderungen unmittelbar davor, also zu Beginn der 70er, mögen zum Teil mit dem Bundesligaskandal zu tun gehabt haben, vielleicht auch, abstrakter, mit der anstehenden bzw. erfolgten Einführung der zweiten Liga, aber so genau habe ich mir das nicht angesehen. In ihren ersten vier Jahren hatte die Bundesliga übrigens stets aus Vereinen bestanden, die noch nie abgestiegen waren.

Im ersten Jahr zudem, und das ist wahrlich eine Binsenweisheit, aus lauter Neulingen. Nach der Aufstockung 1965 waren nie mehr drei oder gar mehr Neulinge vertreten, bis 1980 aber zumindest so gut wie immer zumindest einer. Danach bröckelte das ein wenig, mit gelegentlichen Ausreißern, also gleich zwei Neulingen auf einmal. Menschen meiner Generation werden sich sogleich an Blau-Weiß 90 Berlin oder den FC Homburg erinnern, an die historische Besonderheit mit Dynamo und Hansa sowieso, und danach wurde es dünn.

Um die Jahrtausendwende hatten wir noch einmal eine, Verzeihung, Freaksaison mit Neulingen aus Unterhaching und Ulm, die derzeit recht weit von der Bundesliga entfernt sind, was im Ulmer Fall gerade in diesen Tagen ein König unter den Euphemismen ist. Sieht man dann noch von Energie Cottbus ab, so haben die meisten Vereine, die seit Ende der 90er erstmals aufgestiegen sind, beginnend mit Wolfsburg, die Klasse durchgehend gehalten, über die einjährige Mainzer Verschnaufpause sehe ich nonchalant hinweg, und Fürth, siehe oben.

Seit 2008 mit Hoffenheim darf man wohl sogar von einer kleinen Trendwende sprechen, einer Mini-Renaissance der Neulinge. Über die Bewertung dieses Umstands scheiden sich die Geister insofern, als insbesondere Hoffenheim, aber auch Augsburg mit ihren Finanzstrukturen nicht zwingend geeignet sind, das Herz all derer höher schlagen zu lassen, die sich eine Offenheit der Bundesliga für Underdogs wünschen. Wünsche ich mir auch. Was mich nicht daran hindert, das (Achtung, böses Wort!) „Projekt“ Hoffenheim interessiert und gelegentlich den Hut ziehend zu verfolgen.

Als Underdogs kann man sie indes nicht ernsthaft einordnen, und auch Augsburg nur bedingt. Leipzig wird in absehbarer Zeit recht laut an die Tür klopfen, Ingolstadt möglicherweise etwas leiser. Da freut man sich dann vielleicht besonders über die Fürths und Paderborns dieser Welt.

Kommt Heidenheim auch bald? Und sind sie dann gut oder böse? Werden sie gar eine neue „Region“ sein können? Die Zeit wird es weisen. In der Zwischenzeit kann ja der eine oder die andere nach Fehlern suchen:

Hinz und Kunz beim Libero. Und Lothar Woelk.

„Im Sommer 1983 veröffentlichte der Kicker ein Sonderheft mit dem Titel „20 Jahre Bundesliga“. Was für mich als Spätgeborenen einerseits ein hilfreiches Kompendium sein sollte und auch war, führte mich andererseits erstmals auch etwas tiefer in die Schattenseiten des Profifußballs ein. So hatte ich den Begriff „Bundesligaskandal“ bis dahin zwar immer wieder gehört und wusste im Wesentlichen, dass Schalke und ein Mann namens Canellas damit zu tun gehabt hatten; tiefer reichte weder meine Kenntnis noch mein Wissensdurst. Die Vergangenheit, noch dazu die dunkle, hatte mich als Steppke nicht allzu sehr interessiert – genauso wenig wie 1978 jene dunkle Gegenwart, die bei meiner ersten WM als Sechsjähriger “Militärjunta” gelautet hatte.“

So beginnt mein Text im Rahmen der Themenwoche „50 Jahre Bundesliga – Typen, Titel und bloß nicht wie Tasmania“ drüben beim Libero. Natürlich ist es kein Zufall, dass er mit jenem Sonderheft zum Zwanzigsten beginnt. Jenes Sonderheft, das mir vor Augen führte, wie beeindruckend lange es diese Bundesliga schon gab, wie historisch das alles war. Und bei dessen Lektüre ich stets einen Hauch von Neid gegenüber all jenen verspürte, die die Bundesligawerdung von Anfang an miterlebt haben, und ein wenig auch gegenüber denjenigen, die zusammenfassend, rück- und ausblickend darüber schreiben durften. Und so freue ich mich, nunmehr selbst an einem kleinen Potpourri zum Fünfzigsten, besser: zum Auftakt des Fünfzigsten mitwirken zu dürfen.

Die Freude war, um der Wahrheit die Ehre zu geben, gar so groß, dass es, nun ja, ein wenig länger wurde, dass ich ein wenig umherstreunte, von Canellas und Dietrich Weise über Pitralon, Heimann und Wirsching bis hin zu den Schmälers und schließlich, in einem Atemzug, zu Hinz und Kunz und Lothar Woelk. Klassisches Namedropping quasi.

Den ganzen Text gibt’s wie gesagt beim Libero. Vor allem aber gibt’s dort die besagte Themenwoche, die schon und noch einige Tage läuft und viel Lesenswertes mit sich bringt.

Rückblicksvorbereitungsstichworte (II)

So, jetzt haben wir sie alle einmal gesehen. Potenziell gesehen. Faktisch fehlen mir einige, nicht zuletzt der Weltmeister und sein Vorgänger, dem Sohn noch einige mehr. Hymnen habe ich im Grunde noch gar nicht gehört, Vor- und Nachberichterstattung sehr selten, wenn man mal von Axel absieht. Axel, Sie wissen schon, der kongeniale Partner von Oliver Kahn und Katrin Müller-Hohenstein.

Ok, die Sache mit Scholl und Gomez, die habe ich natürlich auch mitbekommen, hatten wir ja schon. Ging ja dann auch weiter, weil Gomez sein Spiel nicht ändern will, was wiederum bei einem Teil jener Twitternutzer für Entrüstung sorgt, die dem Konzept des lebenslangen Lernens nahe stehen. So wie ich, im Übrigen; ein wenig weckt die Forderung, Gomez müsse sich ändern, bei mir allerdings leise Erinnerungen an Jan Ullrich, der nun aber wirklich seine Trittfrequenz erhöhen muss, um gegen Lance Armstrong endlich bestehen zu können.

Genug. Für mich, meine ich. Für den Sohnemann habe ich noch ein paar Gedankenfetzen zusammengetragen.

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England gegen Frankreich. Für viele war es das nominell zweite ganz große Spiel dieser EM. Nach Italien – Spanien. Ehemalige Titelträger und so. Also fast. England war da ja, wenn man ehrlich ist, noch gar nie so richtig nah dran gewesen, und bei Italien war’s auch ein paar Tage her. Zumindest deutlich länger als bei Dänemark und den Niederlanden. Selbst am ersten Tag waren mit Russland und Tschechien die Nachfolgemannschaften zweier ehemaliger Titelträger aufeinander getroffen. War wohl so ein Traditionsding damals, soll ja in der „Bundesliga“, die zu der Zeit tatsächlich einfach nur Bundesliga hieß, ähnlich gewesen sein. Leverkusen und Heidelberg wollten viele da gar nicht haben, sportlicher Erfolg sei schließlich nicht alles.

Wie auch immer: Italien gegen Spanien soll nicht nur ein tolles Spiel gewesen sein, sondern auch ein Meilenstein bei den spanischen Bemühungen jener Zeit, über kurz oder lang (gerne eher kurz) nur noch mit Mittelfeldspielern anzutreten. Mal wieder typisch, dass mein alter Herr zuließ, so etwas zu verpassen. Da war England – Frankreich dann doch vergleichsweise langweilig. Sah ein bisschen aus wie das Trainingsspielchen Abwehr gegen Sturm, ohne Tore, mit zwei Ballkontakten. Frankreich war „Sturm“. Ungleich spannender die seelische Pein meines Vaters, der seiner Frankophilie trikotmäßig Ausdruck verlieh (es lag nicht an den Querstreifen) [Anmerkung: He!], gleichzeitig aber nicht verhehlen konnte, dass er mir nicht ganz zufällig schon zur WM 2006, als Säugling, ein England-Shirt angezogen hatte. Letztlich war er wohl ganz zufrieden mit dem Ergebnis.

Am nächsten Morgen erzählte er mir dann noch eine Story vom Pferd. Der drittplatzierte einer europäischen Fußballspieler-Auszeichnung aus dem vorangegangenen Jahrtausend („Ballon d’Or 1999“), Andrij Schewtschenko, habe die Ukraine im Juni 2012 zum Sieg über Schweden (jenes Land also, aus dem das bekannte „Was für ein Land, in dem Zlatan noch Zlatan heißt“ stammt) geführt, noch dazu mit zwei Kopfballtoren. Klar.

Stimmte dann tatsächlich. War für die Älteren wohl eine schöne Geschichte. Vater übertrieb dann mal wieder ein wenig und zog Quervergleiche zu Alexander Frei, einem Schweizer, dessen Auftakt zur Heim-EM vier Jahre zuvor nicht ganz so gut gelungen war. Und dann wollte er noch über korrekte Transkriptionen aus dem Kyrillischen reden. Zum Glück musste ich just zu diesem Zeitpunkt in den Kindergarten.

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Von Irland und Kroatien habe ich ihm nichts erzählt. Trapattoni kann er auch noch bei der nächsten EM kennenlernen. Und die Sache mit Cassano, die muss ich ihm noch erklären. Wie er dann in soundsoviel Jahren seinen Leserinnen und Lesern verständlich macht, dass es in grauer Vorzeit mal Vorbehalte gegen Homosexualität gab (und dass ein potenzieller Star der EM deswegen nach Hause geschickt wurde), ist dann sein Problem. Nicht ihres, Herr Cassano.

Berückende Bundesliga

Betrachtet man die zurückliegende Saison des VfB Stuttgart noch einmal etwas intensiver und beschäftigt sich insbesondere mit der ausnehmend guten Rückrundenbilanz, so kommt man keinesfalls umhin, Gotoku Sakai, Vedad Ibisevic und Georg Niedermeier in absoluter Objektivität als ausschlaggebend zu bezeichnen, bzw. vor allem den Umstand, dass sie Boulahrouz, Maza und Cacau bzw. Pogrebnyak verdrängen konnten. War man in der Hinrunde auf der einschlägigen 11er-Skala meist noch zwischen 4 und 6 gependelt, so erreichte man in der Rückrunde dank der drei genannten Herren regelmäßig Werte von 7 oder 8.

Besonders bemerkenswert, wenn auch nicht im Einklang mit dem Startelfgebot, war die Phase zwischen der 46. und 58. Minute am 30. Spieltag in Augsburg, als der VfB tatsächlich mit den Nummern 1-9 auf dem Platz stand. Bedenkt man zum einen, dass die 10 nicht vergeben und die 11, Audel, das ganze Jahr über verletzt war, und zum anderen, dass von den beiden Ergänzungsspielern der eine, Hajnal, als klassischer Zehner ebendort spielte und der andere, Schieber, als Linksaußen auf der 11 agierte, darf man wohl ohne Übertreibung von den besten gut zwölf Minuten der Saison sprechen.

Beeindruckend auch der 34. und 25. Spieltag, als zunächst sowohl der HSV als auch der VfB mit jeweils 8 aus 11 in die Partie gingen und eine Woche darauf der VfB mit acht der ersten elf begann, während Kaiserslautern gar mit deren neun aufhörte. Aufschlussreich war dabei nicht zuletzt, dass die beiden Mannschaften noch in der Hinrunde mit vier gegen vier ins Spiel gegangen waren.

Der eben schon angesprochene HSV trat bei mindestens 5 Partien mit 9 klassischen Nummern an, am 16. Spieltag fehlte zwischen der 69. und 84. Minute gar nur die 3, Michael Mancienne, um ein rundum stimmiges Bild abzugeben. Im Saisonschnitt standen beim HSV pro Spiel knapp 8 Spieler mit Rückennummern zwischen 1 und 11 beim Anpfiff auf dem Platz, was angesichts der durchwachsenen Hamburger Saison dem Schluss, dass eine Orientierung an traditionellen Werten nicht zwingend zum Erfolg führt, nicht im Wege steht.

Wenn man dann noch bedenkt, dass Absteiger Hertha den zweithöchsten Wert erreicht (ohne Berücksichtigung der Nummerierung in der Relegation, vor Gericht und auf hoher See), lässt das bereits tief blicken. Möglicherweise hat also der VfB seinen Uefa-Cup-Platz letztlich eher trotz als wegen seiner noch immer deutlich über 6 Klassiker in der, man muss es so sagen, Durchschnittself erreicht.

Darüber hinaus lassen auch die Bilanzen von Kaiserslautern, das in der Hinrunde, als man (zugegeben: nur stichprobenartig überprüft) häufiger mit höheren Nummern antrat, immerhin noch den einen oder anderen Zähler holte, und des SC Freiburg, der in der ersten Saisonhälfte mit den Herren Bastians (Nr. 3), Butscher (5), Abdessadki (6), Cissé (9) und Nicu (10) eher überschaubar punktete, in der Rückrunde aber, als aus den ersten elf zum Teil nur noch Baumann und Makiadi aufliefen, eine bemerkenswerte Bilanz erzielte, aufhorchen.

Sicher, all das sind nicht mehr als schwache Indizien, wenn überhaupt, man könnte vielleicht auch von Scharlatanerie sprechen. Und doch möchte man es sich ja nicht nehmen lassen, auch einmal an jenes Ende der Skala zu schauen, wo die Mannschaften erscheinen, die nur wenige Spieler aus den ersten elf zum Einsatz kommen lassen. So wie der FC Bayern im vorletzten Saisonspiel gegen den VfB, als nur einer auflief, noch dazu die 11, die halt grade noch so dazugehört.

Ja, ja, ich weiß, gegen den VfB reichte auch die B-Elf der erfolgsverwöhnten Münchner, war ein nicht repräsentatives Beispielspiel.

Betrachtet man nämlich die gesamte Saison, so stellt sich die Situation völlig anders dar. Also fast. Immerhin 2,8 Bayern standen im Schnitt beim Anpfiff mit einer Standardnummer auf dem Feld, was – ich verkneife mir Sätze, die mit immerhin oder wenigstens beginnen – den ligaweiten Spitzenwert darstellt. Knapp dahinter Schalke, das 2,9 klassische Starter zu verzeichnen hatte. Der einzige weitere Verein, der weniger als 4 Spieler mit einer Traditionsnummer auf das Feld schickte, war mit einem Wert von 3,8 wer? Genau: Borussia Dortmund.

Schlussfolgerungen bezüglich Korrelationen oder gar Kausalitäten zwischen sportlichem Erfolg und dem Einsatz der von mir so geschätzten Spieler zwischen 1 und 11 seien der geneigten Leserin selbst überlassen.

Man könnte sich natürlich überlegen, was das für die Duelle Schmelzer (3) – Boateng (20), Hummels (5) – Mertesacker (17), Klose (11) – Gomez (23) oder gar Neuer (1) – Wiese (12) bedeuten mag.

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Falls sich jemand für die Bilanzen der anderen Bundesligisten interessiert: Ich hatte mir überlegt, sie in Form einer 18-teiligen Klickstrecke, möglicherweise um die eine oder andere Werbeeinblendung ergänzt, zur Verfügung zu stellen. Leider fehlt mir die technische Kompetenz. Ergo.

Fehler sind wahrscheinlich, Hinweise willkommen.

375 – 163g – 91u – 121v

Vor ein paar Tagen sagte ich Herrn nedfuller, dass es mich keineswegs überraschen würde, wenn der VfB „wieder einmal“ den Aufbauhelfer gäbe und einem Tabellenletzten den Weg zurück in die Tabelle ebnete. Und es ward.

Wieder einmal. Wieder einmal? Wenn man ehrlich ist, trifft das nur sehr bedingt zu. Seit der Saison 2000/01 traf der VfB 23 mal auf einen Tabellenletzten und ging in 11 Fällen als Sieger vom Platz. Sieben Unentschieden sind kein Ruhmesblatt, fünf Niederlagen ok: im Schnitt holte der VfB 1,74 Punkte pro Spiel, wenn man beim oder gegen das Schlusslicht antrat.  Deutlich besser als die gefühlte Bilanz, oder?

Gefühlt dürfte sie ohnehin bei allen schlecht sein, wie oft hört man jenes „das ist doch mal wieder typisch für [meinen Verein]!“, wenn die Mannschaft des Vertrauens gegen ein Kellerkind Punkte abgegeben hat. Klar, die Negativerlebnisse bleiben stärker im Gedächtnis haften, und doch bin ich wild entschlossen, jedem Schalker, der künftig dergleichen von sich gibt, ein feuriges „Unsinn“ entgegen zu schleudern. 15 von 25 Spielen haben sie gewonnen, nur deren fünf verloren, zwei Punkte pro Spiel errungen – ein Wert, der nur von drei Vereinen getoppt wird, deren Resultate von geringem statistischen Wert sind: Mainz hat immerhin sieben Spiele gegen den Letzten absolviert und bemerkenswerte fünf gewonnen, keines verloren, 2,43 Punkte geholt; Aachen und Unterhaching mit jeweils drei Punkten aus nur einem Spiel darf man indes komplett vernachlässigen.

Interessant noch Gladbach, das von seinen 15 Spielen nur vier verlor. Weil man gar nur drei gewann, hat die Borussia als Unentschiedenkönig mit 1,13 Punkten pro Spiel den schlechtesten Wert aller aktuellen Erstligisten. Der Zweitletzte aus Köln liegt mit durchschnittlich 1,33 Punkten aus ebenfalls 15 Spielen bereits deutlich besser, gefolgt von der Hertha, die in 20 Spielen1,50 Punkte pro Spiel erreichte. Letztlich auch nicht gerade brillant, wenn man bedenkt, dass es 20 mal gegen den jeweils schwächstmöglichen Gegner ging und nur acht mal ein Sieg heraussprang. Den absolut niedrigsten Wert erreicht der KSC, dem in drei Spielen gegen das Schlusslicht kein einziges Pünktchen vergönnt war. Die 0,75 Punkte, die Cottbus durchschnittlich in acht Partien erzielte, wirken im Vergleich dazu geradezu großartig.

Dass das alles mit sehr viel Skepsis zu betrachten ist, steht außer Frage. Möglicherweise wäre es aussagekräftiger gewesen, wenn man statt des Tabellenletzten die drei Vereine auf den Abstiegsrängen betrachtet hätte, und vielleicht auch erst ab dem fünften oder gar zehnten Spieltag, weil davor die Aussagekraft der Tabelle zu gering ist, was man auch mittels einer Gewichtung hätte berücksichtigen können, von Heim- bzw. Auswärtsspielen gar nicht zu reden, und so weiter und so fort. Ungeachtet dessen:

Spiele gegen den Tabellenletzten, 08/2001 - 09/2011

Aktuelle Bundesligisten sind gelb hervorgehoben, grün und rot drücken eine mehr oder weniger willkürlich vorgenommene Kategorisierung in besonders gute oder schlechte Werte aus.

Und da die Daten nun schon einmal vorlagen, habe ich mir noch kurz die Ergebnisse der Tabellenletzten angesehen. Der 1. FC Köln, der im betrachteten Zeitraum am häufigsten mit der Laterne in der Hand antreten musste, errang in 48 Spielen im Schnitt genau einen Punkt, die Hertha lag in ihren 31 Partien sogar knapp darunter. Unter der Einpunktgrenze lagen zudem, mit etwas weniger Versuchen, Bochum (23 Spiele / 5 Siege), Sankt Pauli (18/3) der SC Freiburg (14/2) und Aachen (1/0).

Gute Bilanzen haben hier ausschließlich Mannschaften vorzuweisen, die maximal 10 Auftritte als Schlusslicht hatten. Der HSV, Hannover und der VfB gewannen je sechs von zehn Spielen, Werder (2 Spiele), Bielefeld und Dortmund (je 1) tragen eine blütenweiße Weste. Überraschen kann das natürlich nicht: wer nur sehr wenige Spiele als Letzter bestritten hat, muss nun einmal erfolgreich gewesen sein, um die rote Laterne schnell wieder abzugeben.

Spiele als Tabellenletzter, 08/2001 - 09/2011

Kommen wir zum praktischen Nutzen.

Am Sonntag empfängt das Schlusslicht aus Hamburg den FC Schalke 04. Schalke hat nur eine von jeweils fünf Partien gegen einen Tabellenletzten verloren und drei gewonnen, ist also klarer Favorit. Der HSV wiederum hat von den 10 Partien, die er als Laternenträger bestritt, 6 gewonnen, ist also ebenfalls klarer Favorit.

Na dann.

Datenquellen: fussballdaten.de, weltfussball.de
Fehlerquelle: ich 

Ohne Fünfe fahr'n wir nach Katar!

Sie erinnern sich?

Vor wenigen Tagen hatte ich hier ein kleines Spielchen begonnen und mir überlegt, wen ich für ein elfjähriges unkündbares Engagement in der Bundesliga verpflichten würde.

Sie können es nicht mehr hören? Das tut mir leid, das Echo hat auch mich überrascht. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die geschätzten Damen und Herren Fußballinteressierten, bzw. wenn mich nicht alles täuscht, handelt es sich durchgängig um Herren, so viel Spaß an Listen haben.

Mir sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt 21 22 solcher Listen bekannt. Der Großteil entstammt dedizierten Blogbeiträgen, einige weitere wurden in den Kommentaren verschiedener Blogs erstellt. Ich habe sie mit großem Interesse gelesen und mich insbesondere an den jeweiligen Kurzbegründungen erfreut, die so manche Perle bargen.

Insgesamt wurden 60 Vereine genannt, von denen nicht alle auf eine glorreiche Bundesligageschichte zurückblicken können. Einige haben nie erstklassig gespielt, einzelne meines Wissens nicht einmal zweitklassig, bei anderen spielte sich die Erstligavergangenheit in der DDR-Oberliga ab. Genau ein Verein mit Oberligavergangenheit schaffte übrigens den Sprung in die konsolidierte Wunschliste.

Die meisten Listen berücksichtigen zahlreiche Vereine aus der Spitzengruppe der „ewigen“ Bundesligatabelle,  einige gewichten regionale Aspekte außergewöhnlich hoch, andere rücken die Ablehnung von Vereinen, die man im wahren Leben vielleicht als „neureich“ bezeichnen würde, etwas stärker in den Fokus. Mit Holstein Lübeck soll einer der genannten Kandidaten erst im Jahr 2015 gegründet werden, die Rücknahme der Fusion zwischen der SpVgg Fürth und dem TSV Vestengergsgreuth wird angeregt und Tasmania Berlin soll wiederbelebt werden.

Aus der aktuellen ersten Bundesliga qualifizieren sich nach bisherigem Stand 13 Vereine für die Wunschliga, von denen [edit:] keiner in allen Listen genannt wird. Bayern und der HSV haben 21 Stimmen, dem 1. FC Köln fehlen zwei Stimmen zur Vollständigkeit, Dortmund deren drei, dem SV Werder und Schalke je vier. Gleichauf mit Borussia Mönchengladbach und dem VfB, die jeweils 16 mal genannt wurden, sind bereits die ersten unterklassigen Vereine: der VfL Bochum aus Liga 2 und Drittligist Eintracht Braunschweig. Insgesamt sind neben den 13 Erstligisten drei Vereine aus der zweiten und zwei aus der dritten Liga vertreten.

Nicht für die Erste Liga qualifiziert wären der aktuelle Champions-League-Kandidat Hannover 96 (5 Stimmen), Uefa-Cup-Kandidat Mainz (3) und der FC St. Pauli (4), die wohl in vielen Köpfen eher als Zweitligisten gelten. Wolfsburg und Hoffenheim wurden in keiner der mir bekannten Listen genannt. Die Abneigung gegen Werks- oder Retortenclubs war bei den Beteiligten offensichtlich deutlich stärker ausgeprägt als die gegenüber dem jeweiligen Erzrivalen, die zwar oft thematisiert wurde, aber nur selten dazu führte, dass der Lieblingsgegner außen vor blieb.

Die 18 Bundesligisten für die Zeit vom Sommer 2011 bis zum Sommer, Winter, Herbst oder vielleicht auch Frühling 2022 lauten demzufolge:

Bayern München
Hamburger SV
1. FC Köln
Borussia Dortmund
Werder Bremen
Schalke 04
VfL Bochum
Eintracht Braunschweig
Borussia Mönchengladbach
VfB Stuttgart
1. FC Kaiserslautern
Fortuna Düsseldorf
1. FC Nürnberg
1860 München
Eintracht Frankfurt
Bayer Leverkusen
Dynamo Dresden
SC Freiburg

Wer möchte, darf mich wegen der unvollständigen Vereinsnamen gerne beschimpfen.

Die vollständigen Ergebnisse lassen sich mit etwas gutem Willen dem folgenden Dokument entnehmen:

[scribd id=50017301 key=key-xc86sug0snsyp1alrws mode=list]

Bei den 15 bzw. 17 Stimmen von Reeses Sportkultur bzw. Mahqz vom Rhein-Wupper-Express handelt es sich nicht um ein Versehen meinerseits, die 19 Stimmen beim Übersteiger sind diskutabel, aber begründet, und den Verzicht auf Greuth habe ich ignoriert.

Keineswegs übergehen möchte ich schließlich noch die zwei expliziten Zweitligalisten im Stehblog und bei mir in den Kommentaren, von Oliisoaho. (Im Schatten der Tribüne ist die zweite Liga uneindeutig besetzt.)

Meine 18 bis Katar

Wer hier gelegentlich mitliest, weiß möglicherweise, dass ich nicht allzuviel davon halte, wenn jemand meint, die „bessere Mannschaft habe verloren“. Wer mehr Tore erzielt hat, darf bei einer Sportart, deren Ziel darin besteht, genau dies zu tun, in meinen Augen immer als die bessere Mannschaft gelten, eben weil sie dem Ziel des Spiels in höherem Maß gerecht wurde. Kann man drüber diskutieren, ich weiß.

Noch viel weniger halte ich von Begriffen wie „Zufallsmeister“, oder davon, dass eine Mannschaft unverdient in der Bundesliga sei, dort vielleicht gar nicht hingehöre. Wer sich sportlich qualifiziert, gehört dort auch hin. Ohne Wenn und Aber. Nein, nicht ohne Wenn und Aber. Natürlich muss er auch nach den Regeln gespielt haben, darf also keinen Lizenzbetrug oder andere Tricksereien begangen haben.

Und doch, das gebe ich zu, ist da dieser Fußballromantiker in mir. Dem Eintracht Braunschweig deutlich näher steht als die TSG Hoffenheim. Der die 60er gerne wieder oben sähe. Der sich den SV Meppen zurück in die 2. Liga wünscht. Der den 1. FC Magdeburg nicht in der vierten Liga sehen möchte.

Gerade in diesen Wochen des Abstiegskampfes auf allen Ebenen hört man nicht selten die geschichtsbewussten Präferenzen der Fans heraus, wenn sie ihre Wünsche für die kommende Saison formulieren. Der Trainer möchte Wolfsburg nicht mehr oben haben, der Stadtneurotiker zudem auf den VfB verzichten. Jon Dahl, der hier regelmäßig kommentiert, dürfte neben Wolfsburg auch Hoffenheim sowie vermutlich Schalke den Abstieg wünschen, und manch einer beschwört vielleicht die Tradition von Duisburg herauf, die jene von Leverkusen weit in den Schatten stelle. Oder so.

Wenn ich nun einmal für ein paar Minuten unterstelle, das Leben wäre ein Wunschkonzert, und ich könnte mir eine erste Bundesliga nach völlig willkürlichen tendenziell nostalgischen Kriterien zusammenstellen. Oder müsste es sogar, ohne Abstieg, closed shop, festgeschrieben auf 11 Jahre (also bis Katar, weil danach die Fußballwelt ja ohnehin eine ganz andere ist). Wenn ich weiter unterstelle, dass alle Vereine mit sportlich wie finanziell vergleichbaren Voraussetzungen in diese Phase gingen, wenn also beispielsweise Blau-Weiß 90 Berlin nicht von vornherein nur Kanonenfutter für die Bayern und viele andere wäre, dann könnte meine Bundesliga so aussehen:

VfB
Gerade in diesen Wochen wäre es mir besonders wichtig, die Erstklassigkeit auf Dauer zu sichern, gegebenenfalls auch mit einer Lex MV. Zumal man schon diese schönen Schals hat drucken lassen…

Bremen
Äh, irgendwie wird grad die obige Argumentation konterkariert. Egal. Völler. Bratseth. Kutzop. Rufer. Nora Tschirner. Lauter schöne Erinnerungen. Und Frings wird ja auch nicht mehr so lange…

Duisburg
Meiderich. Zebras. Allein schon von den Namen her kann da keiner mithalten. Dann noch Michael Tönnies, 5 Tore gegen den Kahn’schen KSC. Und das Zebrastreifenblog soll erstklassig werden. [Edit: ist es natürlich längst.]

Schalke
War mir nur selten so richtig sympathisch. Spielte aber schon bei Elf Freunde müßt Ihr sein eine tragende Rolle. Der Trikotfarbe wegen. Vielleicht wirklich ein Mythos, wenn ich bloß das Wort besser leiden könnte.

HSV
Ernst Happel. Kevin Keegan. Juve 83, Juve 2000. Und ja, das Wappen hat was. Dino natürlich. Nur die Namenswechsel sind mir ein Dorn im Auge. Ich bleib dann doch beim traditionellen AOL-Arena.

BVB
Das Stadion. Zur Meisterschaft 95 war ich vor Ort und ging wegen eines Mädels nicht ins Stadion. Mannmannmann. Wolfgang Feiersinger. Ich sehe Typen in Nadelstreifen. Kevin Großkreutz.

Leverkusen
Nahezu zeitgleich mit mir in die Bundesliga ein- und danach nie mehr abgestiegen. Europapokal 1988 und 2002. Spielte im 10-Jahres-Vergleich den aus meiner Sicht attraktivsten Fußball. Traditionsverein.

Bochum
Unabsteigbar war ein wunderbares Wort. Gerland. Tenhagen. Woelk. Lameck. Wosz. Edu. Frank Schulz‘ Haarpracht. Faber.

Bayern
Rekordmeister. Abteilung Attacke. Rummenigge (als Spieler). Kobra Wegmann 1988. Roland Wohlfarth. Mic und Mac. Pfaff gegen Saloniki. Pfaff gegen Reinders. Aushängeschild.

Düsseldorf
„Fortuna“ gefällt mir. Die Allofs-Brüder. Hans Krankl 1979. Mein erstes bewusst erlebtes DFB-Pokalfinale 1979: Seel. Pattex. Gerd Zewe. Gefühlt fanden alle Länderspiele der 70er und 80er im Rheinstadion statt.

Braunschweig
Günther Mast. Trikotwerbung. Ronnie Worm, ein früher Lieblingsname. Breitner in der Provinz. Merkhoffer. Franke. Gelb-blau fand ich schick.

Gladbach
Allan Simonsen. Mein erstes TV-Europapokalerlebnis: Gladbach gegen Clemence. Tiger Effenberg. Dahlin und Herrlich. Bökelberg.

Köln
Mochte ich nur in Etappen (ansatzweise), aber sie gehören dazu. Für das Double 78 war ich etwas zu spät dran. Latteks blauer Pullover. Die Krankenhaus-PK.

1860
Die Derbies. Riedl. Wildmoser. Lorant. Pacult (als Spieler). 38000 in der Oberliga. Wenzel Halama, auch ein Lieblingsname. Rudi Völler gegen Düsseldorf. Und vom Hörensagen immer wieder Brunnenmeier.

Rostock
Wichtig für die gesamte Region. Ach was, für den ganzen Osten. Da hängen Existenzen dran.  Erster Tabellenführer 1991/92. Mit Florian Weichert. Am letzten Spieltag Frankfurt geschlagen. Beinlich.

Freiburg
Die hatten 1980 ein Jubiläumsspiel bei meinem Heimatverein. Ich hab noch Autogramme, u.a.  von Wienhold und Löw. Markus Löw. Die großen drei: Golz, Schopenhauer, Finke. Der Kanzler. Decheiver und Cardoso. Dutt.

Nürnberg
Zabo. Hab ich als Kind irgendwo gelesen. Udo Klug. Kargus, Lottermann, Weyerich, Höher, Schmelzer. Aro. Hansi Dorfner. Thomas Brunner. Mintal. Gerland, Sané und Eckstein in Rom.

Kaiserslautern
1998. Ratinho. Kokolores. Betzenberg. 7:4. Toppmöller. Hany Ramzys Verletzung. Wackelkandidat.

Ja, da gibt es Härtefälle. Die Frankfurter Eintracht, zum Beispiel, mit der ich trotz phasenweise großer Bewunderung nie richtig warm wurde. Détári war phänomenal, Bein und Yeboah auch. Zu Bernd Schneiders Zeiten wohnte ich sogar in Frankfurt und ging dennoch nie ins Stadion. Sankt Pauli mag ich, und doch sind sie in meiner Wahrnehmung stärker in der zweiten Liga verankert. Mag am gut gepflegten Underdog-Image liegen. Hertha war nie so mein Verein. Kliemann und Sziedat waren mir als Kind unsympathisch, keine Ahnung wieso, Beer war ok. Vielleicht hatte es ja auch damit zu tun, dass Heini, Matze und die anderen nicht für Sobeks Hertha waren, sondern für die Störche. Hoffenheim hätte ich bis zur Gustavoposse vermutlich Kaiserslautern vorgezogen, weil mir die Arbeit von Dietmar Hopp tatsächlich imponiert. Selbst die von Ralf Rangnick, auch wenn ich ihn nicht mag. Wolfsburg ist seit fast 15 Jahren ununterbrochen in der Bundesliga, hat in jeder Hinsicht vieles probiert, manches ist (vorzüglich) gelungen. Scheitert aber wie Hannover, der niedersächsischen Quote wegen, an Braunschweig. Mainz, klar – beliebt und attraktiv. Bei mir auch, und selbst Andersens Entlassung war alles andere als naiv. Bauchentscheidung. Bielefeld existiert. Das reicht aber nicht, trotz Lienens Oberschenkel und Ali Daei. Union Berlin, der Stadionumbau, all das ist mir sehr sympathisch. Und in der zweiten Liga gut angesiedelt, finde ich. Lok Leipzig klingt unglaublich gut, die Stadt mag ich sehr, meine Neugierde gegenüber dem Konzept Red Bull ist zwar groß, aber dann doch nicht ausreichend. Wenn sich der KFC wieder in Bayer Uerdingen umbenennt, hat er eine Chance. Wegen der 80er. Der KSC hat sich’s bei mir mit dem 0:5 gegen Brøndby versaut. Zwar könnte ich noch eine Weile weitermachen; Härtefälle im engeren Sinn sind Waldhof, Dresden, Unterhaching, Darmstadt und all die anderen wohl eher nicht. Außer Cottbus.

Willkürlich? Ja. Inkonsequent? Ja. Widersprüchlich? Vielleicht. Ungerecht? Ganz bestimmt.

Mach’s anders!

Öfter mal die Seite wechseln?

„Bisschen lang“ lautete die eine oder andere Rückmeldung zum ausführlichen Rückrundenvorschauer bei allesaussersport, was durchaus nachvollziehbar ist, auch wenn ich finde, dass alle Beteiligten sogar recht diszipliniert waren und nicht über die Maßen ins Plaudern gerieten. Dass der eine oder andere Punkt gleichwohl als Aufhänger für leicht abseitige Diskussionen diente, ist zumindest in einem Fall eindeutig mir zuzurechnen:

Dogfood: […] Fällt der Klub [gemeint ist Bochum] in der Tabelle nach unten, bleibt nicht viel mehr als Resignation und dann später Schuldzuweisungen die sich auch gegen das Management und Vereinsführung richten.

Heinzkamke: Und das Vertrauen in ehemalige DFB-Nachwuchstrainer würde einen weiteren Dämpfer erhalten. Vogts. Osieck. Kohler. Eilts. Gegenbeispiele?

Dogfood: Eher mehr Beispiele. Hrubesch. Bonhof. Auch in der Bundesliga gescheitert. Hannes Löhr hat sich immerhin zweieinhalb Jahre in Köln gehalten.

Kurtspaeter: Tut mir schrecklich leid, aber das Gegenbeispiel ist Udo Lattek. Ich bin dann mal weg…

[…]

Stif: Dixie Dörner nicht zu vergessen.

Heinzkamke: Lattek. Na großartig

[…]

Blavont: Gegenbeispiel DFB-Trainer: Dettmar Cramer

Man kann vermutlich darüber streiten, ob der zuletzt genannte Dettmar Cramer tatsächlich „DFB-Nachwuchstrainer“ war oder „nur“ Assistent von Helmut Schön. Zum einen kann ich mir aber vorstellen, dass die Stellenbeschreibungen in dieser Hinsicht nicht allzu exakt waren, zum anderen finde ich die Ausweitung auf „DFB-Trainer“ insofern interessant, als dadurch auch Namen wie Beckenbauer, Völler oder Klinsmann ins Spiel kommen. Wie meinen? Völler hat schon vor seinem DFB-Engagement als Bundesligatrainer gewirkt? Dann weite ich die Frage halt noch weiter aus und schaue mal nach, wer als Trainer (oder Teamchef) sowohl für den DFB als auch in der Bundesliga gearbeitet hat, unabhängig von der Reihenfolge. Und wie viele Bundesligaspiele dabei herauskamen. Oder gar Titel. Und dann mach ich was ganz Verrücktes: die DDR-Trainer bzw. ihre Tätigkeit in der Oberliga und für den DFV kommen auch noch dazu.

Tja, was soll ich sagen? Ich hatte neulich schon befürchtet, dass jemand das Gegenbeispiel Erich Ribbeck nennen würde. Hat zwar keiner getan, aber er saß mir irgendwie im Genick, und letztlich muss er manches richtig gemacht haben, sonst wäre er wohl nicht der Trainer mit den zweitmeisten Bundesligaspielen nach Otto Rehhagel. Zudem ist er wohl der Verbands- und Vereinstrainer mit den meisten Seitenwechseln. Udo Latteks Erfolgsliste ist, in Titeln gerechnet, natürlich ungleich imposanter, ähnlich ist es bei Heinz Krügel. Dietrich Weise, den ich wegen seiner Heldentaten von 1981 vor allem als Nachwuchstrainer in Erinnerung habe (was man in der Klappergass anders sehen dürfte), beeindruckt mich mit 370 Bundesligaspielen. Die beste Titelquote hat erwartungsgemäß die Lichtgestalt: 17 Spiele für 2 Trophäen. Eberhard Stange und Eduard Geyer haben in beiden Topligen trainiert, Dixie Dörner war für beide Verbände tätig.

[Größeres Bild; Sortierbare Tabelle]

Ein paar Hinweise zu den Daten:

Bestimmt fehlen einige Namen. Dies gilt nicht für Dieter Eilts, Eberhard Vogel, Uli Stielike, Manfred Zapf, Hans-Dieter Flick oder auch Jupp Derwall. Sie haben meines Wissens nicht als Cheftrainer in der Bundes- oder Oberliga gearbeitet und wurden deshalb nicht berücksichtigt.

Fehler sind dennoch wahrscheinlich. Dies liegt zum allergrößten Teil an mir, teilweise auch an den verfügbaren Daten, die hauptsächlich von fussballdaten.de sowie aus der Wikipedia und verschiedenen Fan- bzw. Vereinsseiten stammen. Über Korrekturhinweise freue ich mich.

Speziell die Daten zur DDR-Oberliga sind mit großer Vorsicht zur genießen. Bewusst habe ich nur gerundete Zahlen verwendet, die an einigen Stellen (Bsp.: Oelgardt) dennoch deutlich daneben liegen können.

Die westdeutschen Erstligaspiele sind erst ab Gründung der Bundesliga enthalten. Dies betrifft konkret Georg Gawliczek, der den FC Schalke 04 bereits vor 1963 in der höchsten Spielklasse trainierte.

Rückrunde!

In den vergangenen Jahren war es ja gerne mal so, dass man trotz großartig besetzter Hallenturniere, hochklassiger Freundschaftsspiele in Belek und einem wunderbaren Potpourri an Wechselgerüchten, das man nur unter großen Mühen in die eigens erstellte Excel-Tabelle einpflegen konnte, irgendwann ein erleichtertes „Endlich!“ ausstieß, wenn das Ende der Winterpause nahte.

Dieses Jahr bin ich noch nicht mal zum Erstellen des Spreadsheets gekommen, und schon steht das heutige Aufwärmspiel zur Rückrunde vor der Tür. Wahrscheinlich hätte ich den Auftakt sogar vergessen, wenn mir nicht kurzfristig Ehre, Freude und Vergnügen zuteil geworden wären, an @dogfoods kollaborativer Rückrundenvorschau bei allesaussersport mitzuwirken.

Gemeinsam mit einigen geschätzten Bloggern und auch Nicht-Bloggern, die bei dogfood im einzelnen genannt werden, durfte ich zu einem recht umfangreichen Dokument beitragen, das ebendort in gut verdaubaren Häppchen präsentiert wird und in dem die Perspektiven jedes einzelnen Bundesligisten für die Rückrunde auf Basis von dogfood formulierter Fragen andiskutiert werden.

Die Einschätzungen zum VfB, auf die ich erwartungsgemäß mein Haupt- (wenn auch nicht einziges) Augenmerk richtete, finden sich sowohl drüben bei dogfood als auch hier. Alles weitere steht bei allesaussersport und auszugsweise in den beteiligten Blogs.

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VfB StuttgartDie Hinrunde sah nicht nur eine Entlassung von Markus Babbel, sondern auch Veränderungen in der Machtbalance. Horst Heldt wird auf einmal für seine im Sommer gefeierte Einkaufspolitik zum Problem gemacht und konnte sich bei Babbels Entlassung nicht gegen Hundt durchsetzen. Aufsichtsratschef Hundt hat durch sein Festhalten an Babbel die Leidenszeit verlängert und nun ist mit Christian Gross nicht nur ein autoritärer sondern auch machtbewusster Trainer gekommen. Ist das jetzt schon alles ausgestanden oder wird sich da noch etwas tun?

heinzkamke: In der Tat wurde Heldt im Sommer allenthalben gefeiert – zum einen, weil er Hleb geholt hat, zum anderen, weil er sich nicht von Huntelaar auf der Nase herum tanzen ließ. (Wobei diejenigen, die über Letzteres jubelten, nicht unbedingt leiser gejubelt hätten, wenn die Verpflichtung von Huntelaar gelungen wäre, aber das nur am Rande.)
Auch in den Vorjahren war durchaus Kritik an Heldts Einkaufspolitik laut geworden, insbesondere mit Blick auf die Verpflichtungen unmittelbar nach der Meisterschaft 2007: Bastürk, Gledson, Schäfer, Marica, Ewerthon. Vor der laufenden Saison hatten viele eine Nachbesserung auf der Schwachstelle links hinten erwartet, und der gesuchte torgefährliche Mittelfeldspieler wurde auch nicht verpflichtet.

Will sagen: die Kritik an Heldt kam nicht plötzlich, sondern war eine Folge der letzten Jahre. Manch einer hatte sich vor bzw. bei Babbels Entlassung gewünscht, dass Horst Heldt auch gehen müsse, anstatt erneut einen Trainer seiner Wahl installieren zu dürfen. Nun ist also Christian Gross da, und bis dato hat man wenig über das Verhältnis zwischen dem Vorstandsmitglied Sport und dem Trainer gehört. Bisweilen hört man die Meinung, Gross sei stark genug, um Heldts Kompetenzen im sportlichen Bereich zunehmend zu beschneiden und in eine Managerrolle englischer Prägung hineinzuwachsen. Wenn dann der HSV noch einmal bei Heldt anriefe…

VfB Stuttgart – Wo sind die Probleme des VfBs zu suchen? Liegt es an der Einkaufspolitik von Heldt oder an dem verunsicherten Trainer Babbel, dass die Mannschaft keine Struktur, keine Achse zu haben scheint?

heinzkamke: Die angesprochene Achse wäre im Grunde mit Lehmann – Delpierre/Tasci – Khedira/Kuzmanovic – Stürmer X vorgegeben. Im Grunde. Tatsächlich aber schwankt Tasci in seinen Leistungen und wurde dann auch noch in der Kapitänsfrage brüskiert, war die Systemfrage im Mittelfeld lange ungeklärt (möglicherweise ist sie es noch?), wurde Hleb wieder – wie schon vor seinem Ausflug in die große weite Fußballwelt – auf die 10 gehievt, und war man im Sturm nicht ansatzweise in der Lage, den Abgang von Mario Gomez zu kompensieren.

An der Defensivarbeit soll Gross intensiv gearbeitet haben, sodass die Innenverteidigung Stabilität gewinnen könnte, und im Mittelfeld ist man zumindest defensiv hervorragend besetzt. Die zentrale Frage wird weiterhin lauten, ob man in der Lage ist, sowohl aus dem Mittelfeld heraus als auch im Sturm mehr Torgefahr zu entwickeln.
Ob dieses Problem in erster Linie mit Struktur und vielleicht auch Selbstvertrauen der Mannschaft zu tun hat, oder ob man letztlich einfach die falschen Leute hat, kann man vielfältig diskutieren.

dogfood: Ein Name der bei deiner Achse fehlt, ist Hitzlsperger. Hat theoretisch jene internationale Erfahrung um sich innerhalb der Mannschaft ein Standing zu erarbeiten, aber die Hinrunde war für ihn eine Seuchensaison – auf dem Platz und außerhalb des Platzes von Babbel demoralisiert und demontiert, nicht zuletzt durch die Wegnahme der Kapitänsbinde. Ist nicht nur Lehmann in Stuttgart ein Auslaufmodell, sondern auch „The Hammer„?

heinzkamke: Meines Erachtens wird sich Hitzlsperger sehr schwer tun, im WM-Kader zu bleiben, weil er auch in der Rückrunde beim VfB einen schweren Stand hat. Ich wäre nicht gänzlich überrascht, wenn sich da auf dem Transfermarkt noch etwas täte.
Kürzlich wurde Christian Gross von der Stuttgarter Zeitung auch zu Hitzlsperger befragt:

StZ: Fragt sich nur, wo er spielen soll. Im zentralen Mittelfeld scheinen Zdravko Kuzmanovic und Sami Khedira gesetzt.
Gross: Und Christian Träsch haben wir auch noch. Er ist unheimlich wertvoll.
StZ: Für Hitzlsperger könnte es also eng werden.
Gross: Jeder bringt sich so ein, wie er will und wie er kann. Ich bin mit offenen Augen bei jedem Training dabei und versuche, mich bei der Aufstellung richtig zu entscheiden.

Wenn ich im Kaffeesatz lesen müsste, würde ich daraus eher keine Stammplatzgarantie für Hitzlsperger ableiten.

kurtspaeter: Ich gehe jede Wette ein, dass Hitzlsperger im WM-Kader steht, ob er in Stuttgart vornewegmarschiert oder nur noch die Pilonen beim Training aufstellen darf. Aber das wäre jetzt eine Diskussion über Löw und nicht über den VfB.

VfB Stuttgart – Der VfB hat bereits einen großen Kader, aber es ist von zahlreichen Neuverpflichtungen die Rede. Wo muss derart nachgebessert werden, dass man es mit dem bereits vorhandenen Kader nicht kompensieren kann?

heinzkamke: Im Wesentlichen sind fünf Problembereiche auszumachen:

  • Im Tor steht die Nachfolgeregelung von Jens Lehmann ins Haus. Ob Ulreich und Stolz die nötige Klasse haben, wird kontrovers diskutiert.
  • Links hinten ist man für die Rückrunde zumindest aktiv geworden, hat Cristian Molinaro ausgeliehen und sich anders als bei Lahm und leider auch Niedermeier (nein, der ist kein Linksverteidiger) immerhin ein Vorkaufsrecht für den Sommer sichern können.
  • In der DefensivAbwehrzentrale ist nicht abzusehen, wie es mit Tasci weitergeht. Einerseits bleibt abzuwarten, ob er seine Leistungen wieder stabilisiert, andererseits war er emotional vermutlich schon einmal stärker an den Verein gebunden als derzeit. Niedermeier ist nach wie vor nur ausgeliehen, und Boulahrouz hat sich nur selten von seiner Schokoladenseite gezeigt. Kurzfristig ist man hier zwar versorgt; zur neuen Saison ergeben sich aber viele Fragezeichen.
  • Im offensiven Mittelfeld hat man bis zum Sommer Hleb sowie Gebhart und Rudy, d.h. drei Spieler, die bisher alle nicht sonderlich torgefährlich waren. Nicht von ungefähr wollte man schon vor der Saison Milan Jovanovic und diskutiert jetzt über dynamische Spieler für die Außenpositionen (Christian Gentner sieht sich vermutlich eher nicht dort, ob Ashkan Dejagah passen würde, weiß ich nicht). Bastürk und Simak sowie Elson dürfen gehen, Hilbert und Lanig dürften ggf. auch als entbehrlich gelten.
  • Der Sturm spielt in der Rückrunde vermutlich auf Bewährung und muss sich gegenüber der Vorrunde gewaltig steigern.

medispolis: Weil ja heute mit Fromlowitz von 96 die erste „Sau“ durch die Presselandschaft gejagt wird bezüglich Nachfolge von Lehmann. Gibt es irgendeinen Favoriten bei den VfB-Fans? Vorzugsweise ein junger, eher unbekannter Torwart oder sollte es schon eine größere Hausnummer mit der nötigen internationalen Erfahrung sein? (Gut, hängt vielleicht auch vom Saisonverlauf ab).

heinzkamke: Im Moment habe ich das Gefühl, dass die Fraktion derer, die in schöner Stuttgarter Tradition („Junge Wilde“) gerne auf einen eigenen Nachwuchstorwart setzen würden, deutlicher vernehmbar ist – eine Sichtweise, die vermutlich auch mir leichter fiele, wenn ich die erste Ulreich-Phase nicht mehr so deutlich in Erinnerung hätte. Wobei man einem 19-Jährigen, zumal in der damaligen Situation, einen Mangel an Souveränität nur sehr bedingt zum Vorwurf machen kann.
Sofern man sich entscheidet, eine neue Nr. 1 (und nicht nur einen erfahrenen Ersatztorwart) zu verpflichten, würde Timo Hildebrand vermutlich auf recht viel Gegenliebe stoßen. Ich persönlich hielte den von medispolis angesprochenen Fromlowitz für eine gute Lösung, wobei dann sicher recht laut zum Ausdruck gebracht würde, dass „der doch auch nicht besser“ sei als Ulreich und Stolz.

Enno: Was ist den mit Drobny? Der wird doch auch schon seit Wochen für das Stuttgarter Tor gehandelt? Er käme ablösefrei und war in der vergangenen Saison einer der besten Keeper der Liga.

heinzkamke: Ganz ehrlich: ich kann Drobny nicht einschätzen. Seine Leistungen schon, so halbwegs, aber in Stuttgart ist man ein wenig vorsichtig geworden, nachdem Raphael Schäfer vor und nach seiner Zeit großartig hielt, hier aber nie zurecht kam. Zumindest diese Gefahr dürfte bei Hildebrand geringer sein. (Gilt natürlich analog für Fromlowitz, den ich indes gerade in der Zeit von Enkes Verletzung als guten Teamplayer empfunden habe)

Wann war nochmal ganz früher?

Beim weihnachtlichen Zusammentreffen mit der Familie und vielen Freunden, die man tatsächlich kaum mehr als einmal im Jahr sieht, wurde wie so oft nicht nur viel und gern von früher gesprochen, sondern kaum weniger häufig auch von „ganz früher„. Ich dachte ja immer, dabei handle es sich um eine typische süddeutsche Unschärfe (etwa so, wie der gemeine Schwabe nicht selten „seither“ sagt, wenn er eigentlich „bisher“ meint). In anderen Regionen, wo man auch hochdeutsch kann, werde „ganz früher“ nicht im Sinn von „noch früher“, sondern ausschließlich in der vermeintlich korrekten Bedeutung „ganz zu Beginn“ (wovon auch immer) verwendet.

Zwischenzeitlich hat mir Mama Google recht deutlich vor Augen geführt, dass man auch weiter nördlich gerne „ganz früher“ sagt und dabei selbst innerhalb eines halbwegs abgeschlossenen thematischen (sagen wir: Bundesligafußball in Deutschland) und implizit auch zeitlichen Spektrums einen recht breiten Korridor im Sinn haben kann.

So liegt das ein Schalker ganz früher laut derwesten.de erst etwa eine Dekade zurück, als man seinen späteren Jahrhunderttrainer Huub Stevens feierte. Olaf Thons Sternstunde gegen die Bayern war vermutlich ganz ganz früher, Carmen Thomas und der Bundesligaskandal hatten mindestens drei ganz, und der Kreisel fällt glücklicherweise zu weit aus dem hier gewählten Vergleichszeitraum Bundesliga heraus, um ihn einzuordnen.

Für einen jungen Bremer Fan liegt ganz früher – durchaus nachvollziehbar- ebenfalls in den spätern 90ern, vielleicht auch etwas später, als Andree Wiedener noch von der Partie war, und damit liegt er gar nicht so weit von jenem ganz früher entfernt, als Willi Lemke und Uli Hoeneß sich nicht allzu sehr mochten. Dabei denkt man in München durchaus gelegentlich einen Tick weiter zurück – bis zu jenem ganz früher, als Franz Beckenbauer den Libero gab (und die ganz frühere Zeit im Mittelfeld bereits hinter sich gelassen hatte). Ein etwas späteres ganz früher datiert aus dem Jahr 1998, vor Ottmar Hitzfelds Amtsantritt, vielleicht gar aus 2008, kurz bevor Jürgen Klinsmann geheim trainierte.

In Stuttgart gab es ganz früher das Neckarstadion (auch wenn wir natürlich wissen, dass das kein erschöpfender Rückblick ist), in dem Wundermann Sundermann, Ehemann der ganz früheren Rosenthal-Assistentin Monika, Ende der 70er große Erfolge feierte. Ein wenig beißt sich dieses ganz früher im Neckarstadion mit jenem ganz, ganz früher im Gottlieb-Daimler-Stadion, das Kevin Kuranyi als Protagonisten der Champions League Saison 2003 sah.

Eher irritierend fand ich, dass auch schon im Zusammenhang mit der AOL-Arena, die ich -vermutlich völlig zu Unrecht- als den Sündenfall in punkto Stadionnamen abgespeichert habe, von ganz früher die Rede ist – man möchte dementsprechend meinen, dass Olli Dittrich (Jahrgang 1956) ein paar ganz vergessen hat, wenn er von ganz, ganz früher erzählt, wie er als Jugendlicher im Volksparkstadion in der Westkurve gestanden habe.

Überhaupt, die Fans: einer stand ganz, ganz früher (ohne nähere Zeitangabe, aber er sei schon sehr alt) im Block „G“ des Waldstadions, ein weiterer erlebte ganz früher, also vor etwa 20 Jahren, wie der Karlsruher Mehmet Scholl im Bochumer Ruhrstadion seinen VfL besiegte, und ein Dortmunder fasst sein ganz früher gar so weit, dass es vom Uefa-Cup-Finale 1993 über Günther Kutowski gegen Saragossa bis hin zum Stadion Rote Erde reicht, das die Bundesliga nur noch ein paar Jahre beherbergen durfte und so jenes ganz früher kaum noch erlebte, als Gladbach und Köln um die Meisterschaft kämpften.

Köln damals übrigens schon mit Toni Schumacher, der bei den Torleuten gerne mal unter ganz früher eingestuft wird. Dann dürfte Sepp Maier ein ganz mehr haben, und das ganz früher bei Toni Turek erscheint nicht ganz stringent. Er spielte allerdings auch nicht in der Bundesliga.

Einer seiner Mitweltmeister, Horst Eckel, hatte übrigens, so Dr. Theo Zwanziger, bereits ganz früher alle kaufmännischen Fragen seiner Spielerfrau übertragen, obwohl besagte Spielerfrauen ganz früher eigentlich nur dazu da sein sollten, den Spieler ruhig zu stellen. Aber das nur am Rande.

Abschließend soll nicht verschwiegen werden, dass man auch in Hoffenheim von ganz früher spricht. Von damals, 1899, als Dietmar Hopp noch selbst für den Verein spielte.