vierundzwanzig/zwanzigdreizehn

Man verehrt ihn aus vielerlei Gründen.
Hundertelf, denk’ ich, dürften sich finden.
Wie er liest! Wie er schreibt!
Projekte betreibt!
Sein jüngstes Werk darf ich verkünden:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Hu60WVPTswo]

Frohe Weihnachten all jenen, die sich gelegentlich hier herumtreiben. Sich hierher verirren. Oder bewusst und regelmäßig vorbeischauen. Und allen anderen auch.

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Weitere Adventsfünfzeiler gibt’s im Kalender.

Le roi de l'Europe

Kürzlich sprach mich, was relativ selten geschieht, jemand von außerhalb meiner Blogosphärenblase auf mein Blog an. Frei interpretiert sagte er ungefähr, dass ich mich – etwas überraschend, wenn man mich sonst primär von der gemeinsamen Freizeitgestaltung her kenne – schriftlich ja doch ganz nett ausdrücken könne. Er sagte das ein bisschen anders, aufrichtig freundlich, als Kompliment, als das es auch bei mir ankam, aber ein daraus entstehendes kurzes Nachdenken öffnete mir die viel zu lange verschlossenen Augen:

Natürlich! Daran lag es. Deshalb musste die Lesereise scheitern: ich kann nicht sprechen. Ich hab da keine Zeit, Sätze zu Ende zu denken, und in aller Regel enden sie dann ungefähr so wie jene von Piet Klocke, weil ich auf halbem Wege merke, dass der Satzanfang nicht zum vorgesehenen Verb passt, Sie wissen schon, und dann laviert man sich so …, Verzeihung: labert man halt so vor sich hin. Von der Aussprache ganz zu schweigen. Dem süddeutschen Idiom. Der optischen Wirkung.

Also engagierte ich mir einen Interpreten. Jemanden, der Texte vortragen kann. Inszenieren, nachgerade. Sie auch an der einen oder anderen Stelle noch ein wenig schleifen. Auf ein anderes Niveau heben. Peters. Den Christian Brückner der Bloggerei, wenn man solche Vergleiche mag. Und sein Filmteam. Profi(s) halt.

Ok, meine Geschichte stimmt nicht ganz. Tatsächlich war Herr Peters derjenige, der mir einen Auftrag erteilte. Ich revanchierte mich, beide lieferten wir. Er hat das ganz wunderbar gemacht, und ich bin ein kleines bisschen stolz, ihn dazu gedrängt (naja, leicht angestupst) zu haben und irgendwie beteiligt zu sein. Etwas mehr zu den Hintergründen gibt’s drüben in seinem Blog, meinen Text hier.

Dass ich in nächster Zeit lieber niemandem aus dem Umfeld Rio Reisers begegnen möchte (oder mich zumindest nicht zu erkennen geben würde), steht indes auf einem ganz anderen Blatt. Und hat nichts mit Herrn Peters‘ Performance zu tun.

Nun also doch: die andere Tasci-Kehre

War ja ein recht ereignisreiches VfB-Wochenende, nicht wahr? Und ich war nicht da. Hab fremdgeschaut, bei der tabellarisch fast benachbarten Konkurrenz. Und selbst die Sky-Verfügbarkeit beim VfB-Spiel hing am seidenen Faden … Ob ich es doch noch zu sehen bekam, und wie sich Löwenfans in der Fremde so benehmen, lesen Sie möglicherweise demnächst auf diesem Bildschirm. Mal sehen.

Eher nicht mehr so oft wird die geneigte Leserschaft indes den Namen Serdar Tasci zu lesen bekommen, der hier bis dato in etwa 50 Texten Erwähnung fand (ich hatte mit mehr gerechnet). Vor einem guten Jahr hatte ich ihm eine kleine Widmung geschrieben, die im Tödlichen Pass, dem Magazin zur näheren Betrachtung des Fußballspiels, veröffentlicht wurde, und hatte stets gesagt, dass ich sie irgendwann, wenn die Gelegenheit günstig erscheine, hier zweitveröffentlichen würde.

Nun, ob die Gelegenheit günstig ist, weiß ich nicht so recht (die eine oder andere Formulierung wirkt etwas überholt), aber es dürfte bis auf Weiteres die einzig verbliebene sein.

Zuvor erlaube ich mir, noch ganz kurz eine Träne zum Karriereende von Thomas Hitzlsperger zu vergießen, der, so Ronald Reng vor einiger Zeit drüben bei catenaccio.de, „flache Steilpässe aus dem defensiven Mittelfeld spielen kann wie kein anderer Deutscher.“ Dass ich diese nur selten gesehen hatte, sei an dieser Stelle nur kurz erwähnt; meine Wertschätzung für ihn ist gleichwohl so groß, dass die fünf Zeilen, die ich ihm widmete, sie nicht annähernd zum Ausdruck bringen können.

Doch nun zur Tasci-Kehre:

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„Nahezu gleichauf sprinteten ein Stürmer und ein Abwehrspieler zum Ball. Dem Verteidiger gelang es, den Angreifer ein wenig nach außen abzudrängen, um sich dann im Hüftumdrehen durch eine formvollendete Tasci-Kehre ein paar Meter Platz zu verschaffen und sich dem eigenen Spielaufbau zu widmen.“

So könnte das dereinst klingen, wenn Serdar Tasci nicht einfach nur Serdar Tasci wäre, sondern einer der ganz Großen des Weltfußballs, dem eine vielleicht nicht exklusiv, zumindest aber besonders häufig und außergewöhnlich behände ausgeführte Aktion zum Markenzeichen wird.

„It happens much faster than the time it takes to describe“, schrieb John Turnbull im Jahr 2006 in seinem erhellenden Blog „The Global Game“ über Zinédine Zidanes Roulette, und auch wenn es mir sehr fern liegt, Zidane und Tasci vergleichen zu wollen, kann ich mich Turnbull in dieser Einschätzung nur anschließen. Und ergänzen, dass das Lesen der Beschreibung nicht nur unbefriedigend, sondern darüber hinaus kaum nachvollziehbar ist, selbst bei einer hundertfach gesehenen und tausendfach kopierten Bewegung wie der Roulette. Wie soll man sich dann erst die kaum bekannte Tasci-Kehre vorstellen können? Gleichwohl will ich mich an einer kurzen Beschreibung versuchen.

In aller Regel bringt er sie auf der rechten Abwehrseite zum Einsatz. Der Ball läuft tendenziell in Richtung der Eckfahne, Tasci rückt nach außen, sein Laufweg und der des von links kommenden Angreifers scheinen sich einander asymptotisch anzunähern. Der Gegenspieler wird lange im Glauben gelassen, den Ball erreichen zu können, ehe Tasci einen geschickten langen Schritt mit dem linken Bein genau so setzt, dass er nahezu gleichzeitig mit dem rechten Außenrist den Ball in die entgegengesetzte Richtung bewegen kann. Bis der Stürmer seinen Weg zur Eckfahne abgebremst und die Laufrichtung geändert hat, ist Tasci bereits einige Schritte entfernt und hat den Ball weitergeleitet. Klingt unspektakulär? Ist es letztlich auch. Aber wirkungsvoll. Vielleicht auch weiter verbreitet, als ich glaube. Aber selten so elegant.

Ok, ein wenig mag das nach der Beckenbauer-Drehung klingen, und zweifellos sind die beiden Bewegungsabläufe verwandt. Wobei eine vergleichbare Verwandtschaft einschlägige Kreise auch nicht daran hinderte, eine eher geringfügige Variation von Zidanes Roulette – letztere läuft gelegentlich auch unter „the Maradona“ – als „Ribéry Spin“ zu feiern. Warum also nicht auch die „Tasci-Kehre“ in den fußballkulturellen Sprachgebrauch einführen? Meinetwegen auch, ein wenig wortkarg anmutend, den international tauglicheren Tasci Turn.

Tatsächlich ist es nicht zwingend den ganz Großen vorbehalten (Wer will im Übrigen schon entscheiden müssen, wie groß zum Beispiel Ribéry tatsächlich sei?), Tricks, Spielelemente, „Moves“ geprägt und hoffähig gemacht zu haben. So kennt die englischsprachige Wikipedia den Flo Pass, benannt nach Jostein Flo, der tatsächlich nur der Empfänger und Weiterverarbeiter besagten Passes war, und manche fußballhistorisch nicht gänzlich unbeleckte Französin mag nach Andrea Pirlos Elfmeter im EM-Viertelfinale ein verzücktes „une panenka!“ ausgerufen haben.

Mir persönlich imponiert, dies nur am Rande, zudem die in dieser Bezeichnung nicht gängige Lahm-Grätsche, bei der der Grätschende in einer fließenden Bewegung, den Ball quasi mit dem oberen Bein eingeklemmt, aufsteht und in die entgegengesetzte Richtung davon läuft. In Wahrheit war der erste Spieler, von dem ich eine solche Grätsche erfolgreich angewandt sah, Marco van Basten – und zwar gegen Jürgen Kohler. Aber mal ehrlich: Es gibt bessere Gründe, sich des Niederländers zu erinnern, als eine „van-Basten-Grätsche“.

Bei Serdar Tasci ist das anders. Er ist Verteidiger, einer der besten in Deutschland. Ohne seine Verletzung kurz vor Toreschluss wäre er mit zur EM gefahren, heißt es – was immer das heißen mag. Auf jeden Fall stünde ihm eine nach ihm benannte Defensivaktion gut zu Gesicht. Leider sucht man ein „Best of“ seiner schönsten Abwehraktionen, seines – im Guten wie im Schlechten – nicht immer den Zweikampf suchenden Defensivspiels, seiner Stärken in der Spieleröffnung und nicht zuletzt seiner gelungensten Tasci-Kehren im Videoportal unserer Wahl vergebens. Stattdessen gibt es Zusammenstellungen seiner Tore, häufig per Kopf, und einiger Torvorlagen. Kernqualifikationen eines Abwehrspielers, wenn man so will.

Eines Abwehr-Chefs, um genau zu sein. Zu eben jenem hat sich Tasci seit seinem Debüt 2007 entwickelt, als er mit 26 Einsätzen und 2 Toren (die erste, und bisher einzige, rote Karte, lassen wir geflissentlich außen vor) zur Stuttgarter Meisterschaft 2007 beitrug. Wirklich geradlinig verließ der vermeintlich vorgezeichnete Weg bis dahin allerdings nicht. Die Ruhe und Gelassenheit, mit der er als junger Verteidiger abgehoben war, drohte zwischenzeitlich als Phlegma zu landen, das oft und zu Recht gelobte zweikampfvermeidende, weil vorausschauende, Spiel schien gelegentlich zum Selbstzweck zu verkommen, phasenweise konnte man zudem den Eindruck gewinnen, seine Leistungen hielten mit seinem Selbstverständnis nicht ganz Schritt.

An der einen oder anderen Stelle fühlte er sich, vermutlich zu Recht, nicht hinreichend gewürdigt, bei Kapitänsernennungen brüskiert, speziell unter Christian Gross gar grundsätzlich in Frage gestellt, sodass die mal lauter, mal leiser zu vernehmenden Rufe von Juventus, Milan oder anderen internationalen Spitzenvereinen nicht nur in den Medien , sondern auch bei ihm selbst ein gewisses Echo hervorriefen.

Letztlich kam, zum Glück für den VfB Stuttgart, bis dato nie ein Wechsel zustande. In den letzten Spielzeiten stabilisierte sich Tasci auf deutlich höherem Niveau, emanzipierte sich vom langjährigen Abwehrchef Delpierre und zählte nicht nur zu den verlässlichsten Defensivspielern der Bundesliga, sondern führte dem regelmäßigen Neckarstadiongänger auch wieder vor Augen, weshalb vor Jahren selbst der Bundestrainer in überraschender Deutlichkeit festgestellt hatte, Tasci komme seiner „Idealvorstellung von einem Innenverteidiger sehr nahe“.

Auch vor diesem Hintergrund erschien es spätestens im Lauf der abgelaufenen Spielzeit verwunderlich, dass er im Grunde seit der WM 2010 nicht mehr für die Nationalelf berücksichtigt worden war. Im Januar 2012 erhielt er – endlich, möchte man sagen, angesichts der Bedeutung, die er dem Thema beizumessen scheint oder zumindest schien – mit der Kapitänsbinde beim VfB auch das äußerliche Zeichen seiner Bedeutung für die Mannschaft verliehen.

Längst haben seine Leistungen auch wieder Interessenten aus anderen Topligen auf den Plan gerufen, noch während der EM wurde er mit dem FC Barcelona in Verbindung gebracht. Tasci dementierte umgehend und bekannte sich zum VfB. In diesem Kontext sähe der gemeine Stuttgarter Anhänger eine Tasci-Kehre gewiss äußerst ungern.

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Tja. Ungern schon. Wegen des Zeitpunkts. Weil er Kapitän war. Und doch denke ich irgendwie auch: so oft hätte er nicht gespielt. Zu viele Verletzungen. Vielleicht rede ich es mir auch nur weniger unschön. Bisschen schade halt, dass es nun doch keiner der Vereine aus der allerersten Reihe geworden ist, die dereinst aus guten Gründen um ihn warben. Ich wünsche ihm, dass es wieder dazu kommen möge. Guter Mann, der Tasci.

Eulen nach NRW tragen

Kurzzeitig sollte dieser Text mit “ Ode an Fokus Fußball“ überschrieben werden, was ich jedoch ziemlich rasch aus mancherlei Gründen verwerfen musste. So schien fraglich, ob ein so betitelter Beitrag überhaupt irgendeinen Leser (w/m) finden würde (abgesehen von den Fokusfußballern, vielleicht, aus naheliegenden Gründen) – zu eindrucksvoll und unstrittig ist Fokus Fußball, diese eierlegende Wollmilchsau des Fußballblogosquariums, längst in die Ruhmeshalle dieser unserer gar nicht so kleinen Nische eingegangen, als dass man mit einer angekündigten Lobhudelei (zumal es nicht meine erste wäre) noch irgendjemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte.

Nun zählt die Zahl der Leserinnen und Leser keineswegs zu den Dingen, die mich Tag und Nacht umtreiben; gleichwohl wäre es natürlich wünschenswert, dass eine Ode auch außerhalb des Kreises der Beodeten den einen oder die andere erreichte, der oder die mitschwelgt.

Das ist die eine Seite. Gleichzeitig schürte die Ankündigung einer Ode ja auch hohe Erwartungen. Denken wir nicht alle, wenn wir diesem kurzen Wörtchen begegnen, sogleich an Kommissar Keller die Ode To Naked Pop Stars oder andere Werke der Weltliteratur, an denen sich eine kurze textliche Belobigung nicht ohne Not messen lassen sollte – ganz abgesehen davon, dass die Ode per se geeignet scheint, einen latenten Lyrikverdacht zu befüttern, was niemand ernsthaft wollen kann.

Also trage ich ein paar Eulen nach NRW und sage noch einmal in aller Kürze – auch wenn es sich im Grunde nur um die Hinleitung zum eigentlichen, ganz unten folgenden Thema handelt – wie großartig Fokus Fußball ist. (So großartig zum Beispiel, dass ich es nun schon zum mindestens dritten Mal genannt und noch immer nicht verlinkt habe.) Naja, eigentlich steht da wieder nur, „wie großartig“ es ist, nicht aber, wie großartig es ist. Aber wie gesagt: Ruhmeshalle, bekannt. Nischenwissenskanon.

Vielleicht könnte ich gleichwohl noch einmal kurz betonen, dass ein Online-Leben ohne die tägliche Blog- & Presseschau kaum mehr vorstellbar ist. (Die Schreibweise ist doch bestimmt nur der Zeilenumbruchsvermeidung geschuldet, oder? Clever – sehen also nicht nur gut aus, die Fokusfußballer.) Ok, Kanon, Eulen. Aber vielleicht weiß die geneigte Leserin ja noch nicht um die Brillanz, Eleganz und Charmanz des Torspiels? Ah, ok. Weiß auch jeder. Dann brauche ich ja mit Collinas Erben gar nicht erst anzufangen.

Wobei: doch, da muss ich kurz was zu sagen. Podcasts sind nämlich so gar nicht meins. Ich verstehe mich eher als Leser. Sicher, beim Textilvergehen höre ich gelegentlich rein, weil ich die Leute mag und mich dann vom Thema und der Atmosphäre einfangen und fesseln lasse. An anderer Stelle klappt das selten. Klappte, muss ich sagen. Collinas Erben haben mich eingefangen. Des Themas wegen, und der Kompetenz.

Aber nicht nur. Ich höre den beiden Herren einfach gerne zu. Weil sie so gut und schön sprechen. Weil @lizaswelt die Souveränität besitzt, ein gedachtes „ähm“ geräuschlos durch eine Denkpause zu ersetzen, so er sie denn einmal braucht, und die Dinge beneidenswert präzise auf den Punkt bringt, weil Herr Refereese weit mehr ist als nur ein Stichwortgeber für den Fachmann, als der er selbst, wie bisweilen durchklingt, auch durchginge, weil sie beide, wie soll ich sagen, ziemlich gut Deutsch können. Selbstverständlichkeit? Das mag jeder so sehen, wie sie will.

(Nachtrag, aus guten Gründen und ohne konkreten Anlass: Auch beim Textilvergehen wird gutes Deutsch gesprochen.)

Was ich sagen wollte: Fokus Fußball ist gut. So gut, dass die geneigte Leserin ohnehin meist dort ist. Auch wegen der anderen Texte und Kategorien. Und sich nebenbei auch an LeserInnenbefragungen und sonstigem Getue beteiligt. Folglich also bestimmt schon an der Wahl zum Sportblogger-Award des Jahres 2012 teilgenommen hat.

All denjenigen aber, die das noch nicht getan haben, weil sie bisher keine Zeit oder keine Lust hatten, oder weil sie eben doch noch nicht so regelmäßig oder gar gar nicht bei Fokus Fußball vorbeischauen, all denjenigen möchte ich genau das jetzt zurufen: geht wählen!

Und habt Spaß mit den nominierten Beiträgen. Vielleicht kennt Ihr davon ja doch noch nicht alle, und ich habe keine Eulen irgendwohin getragen.

Ach so, fast vergessen: fokus-fussball.de.
Von Jens Peters und Klaas Reese.
(Nicht dieser Text hier ist von ihnen, sondern die Wollmilchsau.)

Griffigkeit

Es ist wieder einmal an der Zeit, Abbitte zu leisten. Der Adressat ist in diesem Fall Christian Gentner, den ich häufig, mitunter hart und gelegentlich auch giftig kritisiert habe. Sowohl hier als auch beim einen oder anderen Podcast, im privaten Umfeld sowieso.

Nun wird es Christian Gentner ziemlich egal sein, was ich im privaten Umfeld, beim einen oder anderen Podcast oder eben hier so von mir gebe. Was zu der Schlussfolgerung führen könnte, ich bräuchte gar keine Abbitte zu tun. Was wiederum insofern in die Irre geht, als ich zum einen nicht in erster Linie um Gentners Seelenheil besorgt bin, sondern um meines, will sagen: weil es mir ein Bedürfnis ist. Zum anderen geht es keineswegs darum, in der Vergangenheit geäußerte Kritik ungeschehen, ungesagt machen zu wollen. Ich hielt sie in jedem Fall für angebracht und auch angemessen.

Aber ich räume gerne ein, den Eindruck erweckt zu haben, möglicherweise nicht mehr an eine Verbesserung geglaubt zu haben. Und ich räume darüber hinaus ein, dass dieser Eindruck korrekt war.

Nun indes ziehe ich meinen Hut. Es ist aller Ehren wert, was Gentner in den letzten Wochen spielt. Mittlerweile habe ich sogar den Punkt erreicht, wo ich, wenn Leute aus meinem Umfeld im Stadion aus alter Gewohnheit (oder aktueller Überzeugung, auch das mag es geben) über Gentner herziehen, nicht mehr, wie in den ersten Wochen der Saison, lächelnd in mich gehe, sondern auch aktiv widerspreche.

Laufbereitschaft, Engagement, Spielverständnis und einen feinen Fuß hatte ich ihm stets attestiert, doch häufig schien der letzte Wille zu fehlen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, immer wieder in die Lücken zu stoßen, auch mal das offensive Laufduell zu suchen, anstatt abzudrehen und auf den Ball zu stehen.

Das ist zur Zeit anders. Gegen Eintracht Frankfurt räumte er hinten neben Kvist ab, spielte in der Mitte gute Bälle (wie schon in Hamburg), traf vorne zum 1:0, und mir persönlich imponierte nicht zuletzt (ja, natürlich war das auch seine Aufgabe), wie er speziell in der ersten Hälfte ein ums andere Mal den Sprint aus der Mitte in Richtung der linken Eckfahne anzog – wohl wissend, dass Molinaro den Ball ohnehin ins Aus spielen würde.

Vermutlich wäre es passend, Gentners Auftreten als „griffig“ zu bezeichnen. Zwar weiß ich nicht, was „griffig“ im Fußballkontext bedeutet, schließlich scheint es nicht um die Beschaffenheit des Bodens zu gehen, doch Gentner selbst betonte nach dem Spiel, seine Mannschaft habe nicht zuletzt deshalb gewonnen, „weil wir griffig waren von der ersten Minute an“. Wie gesagt, ich kann den Begriff nicht so recht greifen, möglicherweise kommt er aus jener Denkschule, die auch den „Zugriff“ auf ein Fußballspiel fest in unserem Vokabular verankert hat – aber wenn Gentner schon einen, wenn nicht den Exponenten des VfB-Spiels darstellte, dann dürfte wohl auch seine Griffigkeit stellvertretend für die der Mannschaft stehen können.

Parallel habe ich vernommen, wie in Schiedsrichterkreisen davon gesprochen wird, dass ein guter Schiedsrichter, der seine Ermessensspielräume sinnvoll nutze, dazu beitrage, das Spiel „griffig“ zu machen – zumindest wird das bei „Collinas Erben“ so gesagt, bzw. bei @lizaswelt, der im Podcast eben jenes Namens die Griffigkeit ins Spiel bringt.

Ich schweife ab, aber wenn ich schon dorthin geschweift bin, kann ich auch noch kurz bei Collinas Erben bleiben, oder vielmehr bei deren Mutterschiff namens Fokus Fussball, einer ebenso arbeitsintensiven wie wunderbaren Blog- und Presseschau, die Jens Peters und Klaas „soon to be RefeReese“ Reese, neben ihren hauptberuflichen und nicht minder lesenswerten Blogs Catenaccio bzw. Reeses Sportkultur, Tag für Tag mal eben im Vorübergehen erstellen.

Zurück zum funktionierenden Stuttgarter Mittelfeld. Ich will (und kann) gar nicht bewerten, welchen Anteil die taktischen Veränderungen der letzten Wochen, konkret insbesondere der Umstieg auf ein System, das gemeinhin griffig mit „4-1-4-1“ beschrieben wird, daran haben, und ich will auch nicht räsonieren, ob Holzhauser Gentner gut tut oder Gentner Holzhauser. Auf jeden Fall scheint’s zu passen, und gerne darf Gentner seinem Nebenmann bei Bedarf den einen oder anderen verbalen Motivationsschub verpassen, wenn er ihn für nötig erachtet.

So zum Beispiel, wenn Holzhauser meint, nur noch per Hacke spielen zu sollen – wonach es am Sonntag zwischenzeitlich aussah. Wobei ich nicht verhehlen will, ganz im Gegenteil, dass darunter auch mindestens eine echte Perle zu finden war, im Doppelpass mit Sakai, dessen Hereingaben immer noch nicht gut genug waren, aber doch schon besser als am Donnerstag gegen Kopenhagen. Perlenartig auch die langen Bälle, zum Teil zentimetergenau, wenn auch am Sonntag nur bedingt effektiv.

Es wäre schade, wenn der junge Mann größeres Augenmerk darauf legte, seine Fähigkeiten vorzuführen, als sie möglichst effektiv, gerne auch unspektakulär, einzusetzen. Gerne ähnlich unspektakulär und effektiv wie jene, wie sagt man, Schnittstellenpässe in die Spitze, die Schiedsrichter Gagelmann zweimal wegen Abseitsstellungen abpfiff, die ich im Stadion entschieden verneinte. Neuere Informationen habe ich nicht.

Eigentlich wäre ich jetzt erst einmal durch, aber wie könnte ich Ibrahima Traoré unerwähnt lassen, über dessen Instinkte hier kürzlich geredet wurde, und der an beiden Toren maßgeblich beteiligt war. Die Energieleistung vor dem 2:1, als er den Ball von rechts hinten nach links vorne trug, hätte ich ihm zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zugetraut. Chapeau, Herr Traoré! Und natürlich Kompliment an Sven Ulreich.

Natürlich gibt’s das eine oder andere zu kritisieren, aber ich trau mich nicht so recht. Dem Trainer gefällt das nämlich nicht. Ein wenig befürchte ich, er hatte genau mich im Sinn, als er bei Sport im Dritten beklagte, dass „jeder über jeden Dreck ausschütten kann im Internet, wie er grade möchte“. Das hat mich ein bisschen verletzt.

Armin Veh hat auch was gesagt, in der Pressekonferenz. Er suchte nach Journalisten, die er noch aus seine Stuttgarter Zeit (die Älteren werden sich erinnern, war eine ganz erfolgreiche Zeit) kannte, fand aber zunächst keine und entdeckte sie erst allmählich:

„Dahinten stehen sie jetzt, ah. Wärt wahrscheinlich vorne, wenn der VfB verloren hätt‘ heut?“

Guter Mann, der Herr Veh.

Bus- und Betttag

Drüben beim Fitzelkönig geht’s seit einigen Tagen ans Eingemachte. Um „Fußball und Liebe„, und um das Spannungsfeld, das bisweilen aus dem mehr oder eben weniger harmonischen Zusammenspiel dieser beiden Himmelsmächte entsteht.

Aufhänger ist die Champions-League-Partie zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Barcelona, die just am Valentinstag stattfindet, der bekanntlich in manchen Kulturkreisen eine besondere Bedeutung für Liebende hat. Hinsichtlich der hiesigen Verhältnisse zitiere ich gerne die geschätzte Online-Enzyklopädie:

Allgemein bekannt wurde der Valentinstag durch die vor dem 14. Februar verstärkt einsetzende Werbung der Floristen und der Süßwarenindustrie.“

Aber wir wollten ja nicht Sinn und Unsinn des Valentinstags diskutieren, sondern die Liebe. Und den Fußball. Und wie es die beiden miteinander aushalten.

In besagtem Text und den dortigen Kommentaren liegt der Fokus eindeutig auf passivem Fußball. Auf Konflikten, die sich aus dem Fandasein ergeben, sozusagen im Stil und Geiste von Fever Pitch, während Begriffe wie „Niemandsland“, „Kreisliga“ oder „Ascheplatz“ lediglich der Illustration elendiglichen Scheiterns dienen – dabei spielt sich doch dort, beim echten, ehrlichen Fußball, das wahre Leben ab.

Das war übertrieben. Aber es stimmt, dass „Fußball“ für mich persönlich vor allem anderen der selbst betriebene Sport ist. Kicken, möglichst regelmäßig, mit Gleich- oder auch völlig anders Gesinnten, die aber meine Leidenschaft teilen, und die gerne auch ähnlich alt, dick und langsam sind wie ich. Wenn es dann um das Spannungsfeld zwischen Fußball und Liebe geht, steht mein Fandasein, obschon es an der einen oder anderen Stelle durchaus Konfliktpotenzial bergen könnte, zunächst einmal im Hintergrund. Keine Champions League, keine Auswärtsfahrten, kein Besuch in der Fußballstammkneipe, sondern der bloße Wunsch, selbst auf dem Platz zu stehen, und dessen Konsequenzen.

Wobei das mit dem Auf-dem-Platz-Stehen so eine Sache ist. Zu Zeiten der per kaiserlichem Dekret auf Jahre hinaus festgeschriebenen Unschlagbarkeit deutscher Fußballnationalmannschaften, als ich weder alt noch dick und darüber hinaus nicht ganz so langsam war, verließ ich aus mancherlei Gründen meinen Heimatverein, um mich beim benachbarten Platzhirschen zu versuchen, zunächst in dessen Reserve, die nur geringfügig höher spielte, mit der Option auf die erste Mannschaft, die allerdings einen etwas größeren Sprung darstellte.

So spielte ich in den ersten Wochen in der Reserve, die als Aufsteiger für Furore sorgte, während die Erste verheerend in die Saison startete und schon nach kurzer Zeit keinen Zweifel daran ließ, dass es einzig und allein darum gehen würde, den Abstieg zu vermeiden. Ich trainierte viel und fleißig, zudem hatte ich mir in jenem Studiensemester ein bisschen viel aufgeladen, mit der Konsequenz, dass mich meine Freundin, vorsichtig ausgedrückt, nicht übertrieben häufig sah. Meist wurde dreimal in der Woche trainiert, sonntags gekickt, sodass ich in meiner Ernsthaftigkeit auch samstags nur sehr bedingt „auf die Piste“ ging, was bei der Dame meines Herzens mitunter für Verdruss sorgte.

Sicher, ich konnte ihre zeitweise Unzufriedenheit nachvollziehen und war auch auf der Suche nach Lösungen, sofern sie keine Kürzung der Fußballzeit und die Beibehaltung eines Mindestmaßes an Studienaufwand beinhalteten – ein schwieriges Unterfangen. Um kein falsches Bild entstehen zu lassen:  Meine Beziehung war mir wichtig, ich war jung und verliebt. Der Herbst mit seinen Freizeit verheißenden Feiertagen ließ mich insofern ein wenig im Stich, als sowohl der dritte Oktober als auch Allerheiligen auf ein Wochenende fielen – aber wir hatten ja noch, die Älteren werden sich erinnern, die Sachsen haben ihn nach wie vor, den Buß- und Bettag. Pläne wurden geschmiedet, die einen kleinen Ausflug und vor allem viel, wie soll ich sagen, Qualitätszeit zu zweit vorsahen. Schön.

Am Dienstag vor dem Feiertag – Buß- und Bettag fällt bekanntlich immer auf einem Mittwoch – trainierte ich locker mit der Reserve, die Erste war wegen einer für besagten Mittwoch angesetzten Nachholbegegnung nicht zugegen. Umso überraschter war ich, als der Abteilungsleiter, der sich sonst eher rudimentär mit der Zweiten befasste, zu uns auf den Platz kam. Die Überraschung nahm noch zu, als er mich kurz zur Seite nahm: „Hast Du morgen Zeit? Der neue Trainer würde Dich gerne zum Spiel mitnehmen.“ Hatte ich noch gar nicht erwähnt, dass angesichts des anhaltenden Misserfolgs die Gesetze der Branche gegriffen und die Vereinsoberen einen Interimstrainer installiert hatten?

Der neue Trainer wollte mir also eine Chance geben, und ganz ohne Ehrgeiz war ich natürlich nicht. Aber da war ja auch diese romantische Verpflichtung. Also sagte ich dem Abteilungsleiter, ich müsse erst meine Freundin fragen, ob wir „den geplanten Ausflug“ verschieben könnten. Dabei wussten wir beide, wie das eben so war, dass ich natürlich kicken gehen würde, koste es, was es wolle.

Was nichts daran änderte, dass der Anruf getätigt werden musste. Drama, Baby!

Ich verbrachte also den Abend infolge einer von meiner Freundin völlig grundlos abgesagten Verabredung zuhause. Am nächsten Morgen brachen wir recht früh auf. Vielleicht sollte ich vorausschicken, dass wir, geographisch gesehen, so etwas wie das Tom Tomsk der Liga waren. Wir lagen in einem Zipfel des Verbandsgebietes, nicht wenige der anderen Mannschaften nah beisammen in einem anderen. So stand also eine knapp vierstündige Busfahrt bevor, genügend Zeit für das verunsicherte Schlusslicht, sich auf die Bewährungsprobe bei einem der Aufstiegsfavoriten einzustimmen. Wie ich schon sagte: Drama, Baby!

Der Busfahrer hatte vorgegeben, sich im Zielgebiet auszukennen, sodass ich mich zwar wunderte, dass er nach ein paar verkehrsbedingten Verzögerungen an einem Ort zur mittäglichen Nahrungsaufnahme bat, der nach meiner Wahrnehmung noch verdammt weit vom Zielort entfernt war, aber wie gesagt: er kannte sich aus, und auch die erfahrenen Mitspieler kannten die Liga und deren Spielorte gewiss besser. Als indes das Essen noch eine Weile auf sich warten ließ, wurden auch sie nervös, während der Fahrer gelassen blieb und erst unter verstärktem Druck zur raschen Weiterfahrt bewegt werden konnte.

Um es kurz zu machen: 10 Minuten vor dem geplanten Anpfiff kamen wir am Spielort an, der mit dem Auto und einigen Edelfans voraus gefahrene Abteilungsleiter machte sich als HB-Männchen hervorragend, nach 20 Minuten stand es 4:0, am Ende 7:0, und nach dem Spiel sollte der Trainer einem erfahrenen Spieler auf Nachfrage erläutern, dass „es für den Heinz sicher nicht gut gewesen wäre, ihn bei diesem frustrierenden Spiel einzuwechseln.“

Die Heimfahrt war ein wahres Vergnügen. Vorwürfe an den Busfahrer,  Vorwürfe an den Trainer, Vorwürfe an den abwesenden Ex-Trainer, Vorwürfe an die Vereinsführung, Vorwürfe der Spieler untereinander. Drama, Baby!

Der eine oder andere Gedanke, der mir in diesem Bus durch den Kopf ging, enthielt einen Anflug von Reue. Vielleicht wäre der Betttag doch die bessere Alternative gewesen.

Wahlaufruf

Ein gutes neues Jahr erstmal.

Irgendwie hatte ich es versäumt, mich hier anständig in die Weihnachtspause zu verabschieden. Falls sich also jemand hierher verirrt haben sollte, beispielsweise nach dem Pokalspaziergang gegen den HSV, kann ich es zwar nicht ändern und werde mich auch gewiss nicht dafür entschuldigen, mich nicht dazu geäußert zu haben. Aber es wäre wohl ein freundlicher Service meinerseits gewesen, hier wenn schon keine Weihnachtsgrüße, so doch einen Hinweis auf die bis über den Dreikönigstag angedachte Offlinephase zu hinterlassen, wie ich es drüben bei Twitter zumindest ansatzweise tat.

Wie auch immer: ich bin wieder hier und war nie wirklich weg und so. Anders als die großartige Frau Jekylla. Die ist zwar ebenfalls wieder hier, aber sie war zwischendurch durchaus wirklich weg. Mo-na-te-lang. Ursprünglich sollte es zwar für immer sein, oder so ähnlich, aber das hatte ja damals schon niemand ernst genommen. Mittlerweile ist sie seit einigen Wochen wieder da, vielleicht sogar daer als zuvor, und hat sich über Weihnachten kurzfristig bereit erklärt, die diesjährige Wahl zum Sportbloggerbeitrag des Jahres zu beherbergen.

Die Wahl war dereinst in Jürgen Kalwas damaliger American Arena, die heute in ganz anderem Licht erstrahlt, ins Leben gerufen worde, darbte dann ein Weilchen und wurde im Vorjahr unter dem Dach des Sportbloggernetzwerks in den Räumen von Trainer Baade wiederbelebt.

Nun finden sich also bei Frau Jekylla erneut 11 zum Teil grandiose Beiträge, die gelesen und in Form einer simplen Abstimmung gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Ich würde gerne in eine allgemeine Lobhudelei verfallen, laufe dann aber aufgrund des Umstands, dass auch einer meiner Texte auf die Shortlist gesetzt wurde (im Lauf des Jahres waren im Sportbloggernetzwerks kontinuierlich Beiträge in eine längere Liste aufgenommen worden, die eine kleine und hoch kompetente Jury aus den Reihen des Netzwerks „zwischen den Jahren“ kürzte), Gefahr, des Eigenlobs verdächtig zu werden.

Die Auswahl ist natürlich wie immer eine sehr subjektive, und viele (mich auch) mag es irritieren, dass beispielsweise Fitzelkönig Catenaccio, der Rotebrauseblogger, die Textilvergeherinnen und-vergeher oder zahlreiche andere von der jeweiligen Leserin besonders geschätzte Blogs nicht vertreten sind. Gleichzeitig bin ich gleichermaßen begeistert von den ausgewählten Texten (also von den anderen zehn, klar) wie erfreut ob der Qualität und Vielzahl der im Lauf des Jahres nominierten Kandidaten (und die Liste war gewiss nicht einmal ansatzweise vollständig), dass ich die Auswahl letztlich als eine begreife, bei der es, je nach gewünschter Darstellung, keinen Falschen hätte treffen können oder eben immer die Falschen getroffen hätte.

Versteht keiner? Egal. Hier geht’s lang.

 

Sportblogger-Beitrag des Jahres 2010

Werte Leserinnen und Leser,

es gibt da eine Eule, die ich gerne nach Athen trüge.

Oder wie soll man es sonst bezeichnen, wenn der Herr Kamke meint, auch nur einen seiner Besucher auf eine Aktion hinweisen zu müssen, die bei Trainer Baade läuft?

Aber vielleicht hat ja der eine oder andere doch mal was beim Trainer überlesen, oder sie braucht noch einen weiteren Anstoß, sich in das Thema zu vertiefen. Und wenn ich „das Thema“ sage, meine ich einige der möglicherweise besten Sportblogger-Beiträge des Jahres 2010, die drüben beim Trainer nach und nach vorgestellt werden und deren bester dann auch -nach öffentlicher Abstimmung – gekürt werden soll.

Es handelt sich um eine Aktion des Sportbloggernetzwerks, das eine schon etwas betagte Initiative des leider viel zu selten bloggenden, zumindest aber regelmäßig twitternden (und selbstverständlich anderweitig publizierenden) Jürgen Kalwa aufgegriffen hat und gerne eine Tradition daraus machen würde.

Das Netzwerk hat eine Auswahl gelungener Beiträge zusammengestellt, zur Gestaltung und Umsetzung des Ganzen haben sich der Trainer himself und der großartige Jens Peters von catenaccio.de bereit erklärt. Beste Voraussetzungen also, dass was Vernünftiges draus wird, denke ich.

Hier entlang, bitte.

Update:
Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass auch einer meiner Texte nominiert wurde.  Über ein Tor von Manfred Burgsmüller.

Mal im echten Leben treffen? Termin blockieren!

Ich würde ja sehr gerne mal einige dieser Menschen treffen, deren Artikel und/oder Kommentare zu Fußballthemen ich ständig lese. Würde mit Herrn Wieland über Kevin Kuranyis WM-Chancen diskutieren wollen, Enno rückblickend nach der Bedeutung von „Welt Hertha Linke“ für den sportlichen Erfolg seines Vereins fragen, würde sehen wollen, wie rund der Trainer wirklich ist, und mir geheime Einblicke in die „Akte Catenaccio“ erhoffen.

Selbstverständlich würde ich auch sehr gerne mit anderen Bloggern, „großen“ und „kleinen“, mit „Nur“-Kommentatoren oder auch „Nur“-Lesern diskutieren; bisher weiß ich jedoch nur von den oben genannten Herren, dass sie dabei sein werden – und zumindest in einem Fall hängt selbst das noch vom Ausgang des DFB-Pokal-Halbfinales ab.

Wenn nämlich Schalke nach Berlin fahren sollte, könnte ich mir vorstellen, dass Herr Wieland dabei ist, anstatt sich mit einigen, gerne auch vielen Menschen, die sich regelmäßig in Fußballblogs herumtreiben, in Köln zu treffen. Am 15. Mai. Nachmittags. In den Abend hinein.

Catenaccio-Jens, Enno vom Hertha-BSC-Blog und Trainer Baade können sich indes genauso wenig für das Pokalfinale qualifizieren wie ich und werden nach Köln fahren. Ohne Programm, ohne Tagesordnung, und maximal mit dem Ziel, einen gemeinsamen Blogbeitrag zum Pokalfinale zu erstellen, zu dem jeder abwechselnd ein Wort beiträgt. Oder so.

Alternativ könnten wir natürlich dem DFB vorschlagen, uns alle für das an diesem Tag in Köln stattfindende DFB-Pokal-Finale der Frauen zu akkreditieren, schließlich hat der Verband eine lange, erfolg- und ereignisreiche Geschichte im Zusammenspiel mit Bloggern vorzuweisen.

Alles ist also im Fluss, irgendwann werden wir wohl auch um Anmeldungen bitten Anmeldungen nehmen die genannten Blogger (mich eingeschlossen) ab sofort gerne entgegen, um grob planen die Teilnehmerzahl abschätzen zu können. Bis dahin gilt: Datum vormerken, Termin verbreiten, und die eine oder andere Rückmeldung, ob ein grundsätzliches Interesse vorhanden ist, wäre auch ganz schön zusagen. Zwar würde ich meine oben genannten Fragen gegebenenfalls auch in kleiner Runde stellen, aber mehr ist in diesem Fall mehr, denke ich.

Falls sich übrigens die Blogbeiträge der genannten Herren in wesentlichen inhaltlichen Punkten unterscheiden sollte, so ist das nicht weiter schlimm hat das Methode und ist Teil eines größeren Plans, den wir alle rechtzeitig durchschauen werden.

Wie auch immer: ich freu mich drauf.

Dialog? Nein danke!

Sicher, es war arschkalt. Der Wind war eisig, der Schneefall kontinuierlich, der Nebel dicht. Und dennoch hatte ich am Samstag den wohl besten Skitag meines Lebens. Ganz sicher zumindest den besten Schnee, der mich – auf der Piste, wohlgemerkt – gelegentlich bis über die Knie einsinken und mehr oder weniger elegant auch wieder herausfahren ließ. Andere Menschen waren eher nicht da. Außer meinem Mitfahrer natürlich, der allerdings darauf bestand, irgendwann in ferner Vergangenheit schon einmal einen vergleichbaren Tag erlebt zu haben.

Die anschließende automobile Talfahrt tat unserer Laune zunächst keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: nach etwas Gefummel am zunächst unkooperativen Radio war die Bundesligaschlusskonferenz gefunden, der VfB führte souverän mit 2:0, das 3:0 liege in der Luft, ich leistete el pibe und hirngabel gedanklich mit dem größten Vergnügen Abbitte, das Leben meinte es gut mit mir.

Zu früh gefreut. Die weitere Fahrt zur Pension war ein Desaster, trotz Schneeketten. Erst Almeida, den ich selbst zu Wochenbeginn stark geredet hatte, und dann auch noch der Exnationalspieler – bittere Minuten. Und alle gute Laune war verflogen. Die Sportschau wollte ich nicht sehen, bekam dann aber doch noch mit, dass die Stuttgarter Pausenführung „schmeichelhaft“ gewesen sei, was sich nicht unbedingt mit den Informationen aus dem Rundfunk deckte, aber vielleicht war ich auch schon ein wenig unausgeglichen.

Da letztlich irgendjemand die Schuld tragen muss, nahmen wir sie auf uns, die wir das Spiel in unserer Maßlosigkeit dem Tiefschnee geopfert hatten, und entschieden uns für die maximale Selbstkasteiung: ein Abendessen am Tisch neben dem Alleinunterhalter. Mit freiem Blick auf die Tanzfläche, die bei gelungenen Medleys von Boney M. über Howard Carpendale und Roland Kaiser bis hin zu Elvis Presley, Adriano Celentano und karnevaleskem Liedgut stets gut gefüllt war und dabei nicht nur geübte Tänzer anlockte. Das Personal war bestenfalls mittelfreundlich und nur bedingt qualifiziert, die Einrichtung hatte ihre beste Zeit hinter sich und den Tischdecken war es nicht gelungen, allen Motten auszuweichen. Aber es war das einzige Gasthaus mit einem halbwegs vom Schnee befreiten Parkplatz, den man wohl auch nach der Mahlzeit ohne Abschleppseil würde verlassen können. Vor lauter Kopfschütteln verdrängten wir erfolgreich das Fuaßballergebnis.

Für das Sportstudio waren wir zu müde, während Bundesliga pur standen wir einige hundert Meter hinter dem Idioten, der ohne Schneeketten bergwärts gefahren war, Sport im Dritten verbrachten wir auf der Autobahn, und am Montag war glücklicherweise so viel zu tun, dass ich mich nicht in irgendwelchen Videoportalen aufhielt und auch sonst die Nachberichterstattung nur widerwillig überflog. Abgesehen vom Brustring, natürlich.

Da ich auch sonst fast nichts über den Bundesligaspieltag wusste, griff ich schließlich doch noch zu einer ungewöhnlichen Maßnahme und erwarb den kicker, wo ich mich zunächst mit Louis van Gaals teilweise bedenkenswerten Reformideen konfrontiert sah, die beim kicker leider nicht online zu finden sind; andere Qualitätsmedien sind diesbezüglich offener. Dann wunderte ich mich, dass man in Nürnberg bereits vorab Ronnie Rengs drüben bei catenaccio geäußerten Wunsch nach einem Oka Nikolov-Special nachgekommen war, wenn auch mit leicht unterschiedlichem Zungenschlag:

Reng:
„Ein Wahnsinn, wie so ein unterdurchschnittlicher Bundesligatorwart immer wieder einen neuen Vertrag bekommen und die Eintracht jedes Jahr wieder sechs bis acht Punkte kostet, ohne dass irgendjemand aufschreit…“

Karl-Heinz Körbel im kicker:
„…ich bin mir sicher, dass er nach der Karriere einer der wenigen sein wird, die vom Umfeld und den Fans immer bewundert werden.“

Sicher, die beiden Positionen schließen sich nicht zwingend aus. Es ist allerdings interessant, diese leichte Nikolov-Lobhudelei zu lesen, wenn man in den letzten Wochen ein wenig dem Kid zugehört hat, der sich sowohl in sportlicher Hinsicht als auch mit Bezug auf die im kicker gepriesenen Werte über Nikolov äußerte.

Und dann war da noch Christoph Schickhardt. Der „gefragteste Jurist im deutschen Fußballgeschäft„, die Allzweckwaffe eines Großteils der Bundesligisten, zahlreicher Spieler und Trainer, hat sich im Rahmen der gegenwärtig vor allem pyrotechnisch motivierten Diskussion um Gewalt in den Stadion für härtere Sanktionen ausgesprochen. Damit trifft er den aktuellen Tenor, der auch in einem offenen Brief der Bundesliga-Fanbeauftragten Niederschlag findet, und ich stimme insofern zu, als ich überführte Gewalttäter hart bestraft sehen möchte.

Etwas konsterniert lässt mich allerdings Herrn Schickhardts Hinweis auf Fehler der Vereine zurück:

„Leider hat man schon teilweise Fanvertreter in die Gremien aufgenommen und beschäftigt sich einfach zu viel mit ihnen.“

Ist also das Konzept Dialog gescheitert? Mitbestimmung ein Anachronismus? Der aktive Fan ein schlechter Kunde?

Mir ist gerade ein bisschen schlecht.