Oh, it's a Veh!

Am Samstag war noch ein Fußballspiel, hörte ich. Sogar mehrere, um genau zu sein.

So lautet seit einer knappen Woche der Beginn dieses Textes, der nun, da ich dies schreibe, noch immer nicht abgeschlossen und veröffentlicht ist, wohl aber nun, da die geneigte Leserin ihn vor Augen hat, und sie mag etwas sagen in der Art von: „Stimmt. Mindestens zwei Pokal- und ein Divisionsfinale.“ Leider konnte ich nur das eine Pokalfinale sehen, und auch das nur in Abschnitten aus Gründen, die hier und jetzt nicht so sehr von Belang sind. Was ich indes davon sah, hat mich begeistert, Sie wissen schon, Intensität und so, hat der Mehmet ja alles schon erzählt.

Toni Kroos, dem ich nicht immer positiv gegenüberstehe, hat mich ziemlich beeindruckt, seine Souveränität am Ball ist unfassbar (ja, ich habe den Fehlpass ins Aus gesehen), auch das ist hinlänglich bekannt, und nebenbei sei bemerkt, dass seine Stutzenwickeltechnik, die den blauen Streifen, den insbesondere die Herren Götze und Boateng schmerzlich zur Schau trugen, klammheimlich verschwinden ließ, in der Tat eine Augenweide war.

Jürgen Klopp stimme ich ausdrücklich zu, wenn er den Umgang der Schiedsrichter im Allgemeinen und heute im Besonderen den von Florian Meyer mit taktischen Fouls kritisiert, zur Torlinientechnik braucht man an Tagen wie diesem nicht viel zu sagen, Philipp Lahm lobe ich aus Wortschatzgründen über den Schellenkönig, vor allem aber befürchte ich, dass dieses Finale noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird: wann immer künftig irgendwo ein junger Fußballspieler oder eine junge Fußballspielerin mit verschiedenfarbigen Schuhen aufläuft, werde ich – und es steht zu befürchten, dass sich diese Gelegenheit sehr oft ergeben wird – kopfschüttelnd des heutigen Spiels und der Dortmunder Gecken gedenken.

Aber eigentlich hatte ich ja den vorigen Samstag gemeint. Da war nämlich noch ein Fußballspiel, hörte ich. Sogar mehrere, um genau zu sein. Gesehen habe ich nichts davon, weil ich einen ungleich wichtigeren Termin hatte: einen Wiesenkick mit meinem Sohn und dessen Freund. Nicht ganz unerwartet verlor ich durch ein Tor in letzter Sekunde. Was allerdings in der Natur der Sache solcher Spiele liegt: schließlich singt die mitunter kräftig gebaute Dame bei Wiesen-, Beton- und sonstigen Freizeitkicks häufig nicht zu einem vorab festgelegten Zeitpunkt, sondern in Abhängigkeit von den erzielten Toren.

Dass es beim VfB in der abgelaufenen Saison etwas anders lief und der Gesang auch ohne diese regelseitige Besonderheit häufig in unmittelbarem Zusammenhang zu einem Gegentor stand, ist hinreichend besprochen worden, gelegentlich auch hier. Die letzten beiden Spiele deuten darauf hin, dass es auch Huub Stevens nicht gelungen ist, seinen Spielern die übliche Dauer einer Partie Fußball hinreichend zu vermitteln.

Doch auch wenn er an den ganz großen Aufgaben gescheitert ist: zumindest hat er den Klassenerhalt geschafft. Ja, ein paar Spieler, bestimmt auch weitere Akteure, waren ebenfalls daran beteiligt; ich neige gleichwohl zu der nicht sehr originellen Sichtweise, Stevens den Löwenanteil daran zuzuschreiben. Womit ich ihn, das möge nun beurteilen, wer will, und wie sie es will, oder er, in eine Reihe mit Bruno Labbadia im Jahr 2011 stelle.

Anders als bei Labbadia ist Stevens‘ Mission beendet, mein Dank ist ihm gewiss. Für die Rettung, und auch dafür, dass er die Entscheidung selbst getroffen zu haben scheint, anstatt sie möglicherweise Fredi Bobic zu überlassen.

Zwischenzeitlich hat der VfB einen neuen Trainer verpflichtet. Und wie das so ist bei neuen Trainern, fragt man einen persönlich oder virtuell bekannten Blogger, der sich in seiner Freizeit des Öfteren mit einem früheren Arbeitgeber des neuen Übungsleiters befasst, und sich damit fast zwangsläufig auch mit besagtem Trainer beschäftigt hat, nach seiner Meinung.

So geschehen im Jahr 2011, als der einzigartige Kid aus der Klappergass, zum damaligen Zeitpunkt Betreiber eines der besten Blogs der Welt, das leider nicht mehr öffentlich zugänglich ist, Erkundigungen über den neuen Trainer der Frankfurter Eintracht, Armin Veh, einholte.

Und so geschehen in diesen Tagen, als ich mir erlaubte, jenen nicht mehr ganz taufrischen Text, der an der einen oder anderen Stelle von der Realität überholt worden sein mag, auszugraben und hier zu veröffentlichen. Ich bin guter Dinge, dass sowohl der Verfasser als auch der damalige Auftraggeber und Veröffentlichende keine Einwände geltend machen werden, nicht einmal ob einzelner korrigierender Eingriffe.

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Eigentlich ist es eine ziemlich gute Geschichte. Von einem jungen Trainer, der so frei war, einen der begehrten Trainerstühle in der Bundesliga aufzugeben, bevor die übliche Maschinerie anlief. Was ihm, um es vorsichtig auszudrücken, nicht nur Lob einbrachte. Vielen galt er als zu weich für die erste Liga, so wie er einst nicht hart genug gewesen war, sein großes fußballerisches Talent in eine ebensolche Karriere münden zu lassen. Und die Trainerkarriere schien beendet, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Für ein bisschen dritte Liga im heimischen Biotop hatte es noch gereicht, aber auch nicht sehr lange.

Anderthalb Jahre war er komplett aus dem Geschäft, bis sich ein junger Manager, der wenige Wochen nach seinem Amtsantritt, beinahe noch in kurzen Hosen, einen der erfolgreichsten Vereinstrainer aller Zeiten vor die Tür gesetzt hatte, seiner erinnerte. Armin Veh erhielt seine letzte Bewährungschance. Ein gutes Jahr später war er Deutscher Meister, mit einer Mannschaft, der nur wenige, sehr wenige, einen solchen Erfolg zugetraut hatten.

Und auch als es danach wieder ein wenig bergab ging, war der „Meistertrainer“ weiterhin gefragt, heuerte nacheinander bei zwei der ambitioniertesten (und gewiss auch solventen) Vereine im deutschen Fußball an. Er ließ sich zu der Aussage hinreißen, der HSV sei seine letzte Trainerstation, alles ging schief, der Meisternimbus verblasste, dann nahm er doch wieder ein Angebot an, galt manchen als wortbrüchig, und ging in die zweite Liga – zu einem Verein, der traditionell als Diva gegolten und zuletzt wieder einmal den Eindruck vermittelt hatte, die zwischenzeitliche Kontinuität als langweiligen Fehler im System zu begreifen.

Wie die Geschichte weitergeht? Nun, entweder darf er, und mit ihm der Verein, wieder einmal den Phoenix geben, oder er wird, dann vermutlich ohne Verein, dann doch ziemlich endgültig zum Traumhüter der deutschen Trainerzunft. Von der Diva in die relative Bedeutungslosigkeit, wie sein Vorgänger.

Ähm, eigentlich war das ja nicht das, was ich schreiben sollte. Der Gastgeber wollte eine Einschätzung der Arbeit von Armin Veh in Stuttgart. Eben dort, wo er aus einer talentierten jungen Mannschaft einen deutschen Meister formte. So er denn formte. Es ist nicht ganz klar, wie stark er das zur Saison 2006/07 etwas veränderte Gesicht des VfB zu verantworten hatte.

So hieß es bei zwei der wichtigsten Neuverpflichtungen, Pavel Pardo und Ricardo Osorio, sie hätten schon lange auf der Liste des VfB gestanden. Mehr als nur Ergänzungen waren auch Hilbert, da Silva und Boka, denen indes mit Farnerud oder Benjamin Lauth auch eher unglückliche Transfers gegenüber standen – egal ob sie nun auf Vehs oder Heldts Initiative zurück gingen.

Aber da waren ja noch die Jungen. Serdar Tasci bestritt, aus der Jugend bzw. von den Amateuren kommend, 26 Spiele und seine bis heute wohl beste Saison. Sami Khedira kam auch von unten und bewies rasch, weshalb er als eines der größten Talente des deutschen Fußballs galt – nicht von ungefähr war er es, der die Meisterschaft mit seinem Siegtor gegen Cottbus besiegelte.

Und Mario Gomez hatte zwar schon seit 2 Jahren versucht, in der Bundesliga anzukommen; erst in der Stuttgarter Meistersaison blühte er indes so richtig auf, und es scheint nicht ganz abwegig, dass ihm Giovanni Trapattoni ein wenig half, den rechten sportlichen Weg zu finden. Gewiss, es spricht für Armin Veh, auf seine Youngsters gesetzt zu haben. Aber mal ehrlich: muss ich von einem Fußballlehrer nicht auch erwarten, dass er die überragenden Begabungen speziell von Khedira und Gomez erkennt und gewinnbringend einsetzt?

Klingt fast, als schätze ich Armin Veh nicht. Dem ist keineswegs so. Er war nicht nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sondern konnte mich durchaus von seiner Arbeit überzeugen. Er war angenehm unaufgeregt, wusste vielleicht – jetzt wird’s küchenpsychologisch – auch sein Glück einzuordnen, wieder in der Bundesliga arbeiten zu dürfen, und ließ sich nur sehr bedingt vereinnahmen – was man nach Spielschluss in der Kurve gelegentlich bedauert, was ihn aber nicht zu einem schlechteren Trainer oder auch Typen macht.

Dass mit seiner Unabhängigkeit, die wir in ziemlich eindrucksvoller Weise einige Jahre später in Hamburg wieder erleben sollten („So kann man nicht arbeiten. Es geht hier nicht mehr um Fußball„) eine gewisse Sturheit einher ging, wurde in den anderthalb Jahren nach der Meisterschaft immer wieder deutlich, die FAZ griff das Thema bereits wenige Monate nach dem Titelgewinn auf:

Wann ist ein Fußballtrainer ein Trotzkopf, der stur nie das tut, was andere ihm raten, und wann ist er ein Sportlicher Leiter, der Gelassenheit ausstrahlt, damit Rückgrat zeigt und seine Sache aus Überzeugung durchzieht?“,

die Stuttgarter Zeitung sah darin letztlich auch einen Grund für seine Entlassung im Herbst 2008:

„Zu oft hatten sie ihm schon Aufschub gewährt, und zu häufig hatte der Trainer schon auf stur geschaltet und mit dem Verweis auf seine Meriten intern mit einem Rauswurf kokettiert.“

Nahezu unbeschadet ging Horst Heldt aus der Geschichte hervor. Dabei waren die beiden speziell in der ersten Phase nach Vehs Verpflichtung, als der unsägliche Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hundt wenig Zweifel daran ließ, dass er Veh nur als Übergangslösung sah, mitunter als Schicksalsgemeinschaft inszeniert worden, taten es anfänglich vielleicht sogar selbst. Diese Gemeinschaft bröckelte in der nachmeisterlichen Saison relativ rasch. Die Bilanz der Neueinkäufe war verheerend, die Verantwortung dafür wollte keiner so recht übernehmen, Veh selbst tat es erst im Herbst 2008, kurz vor seiner Entlassung.

Zumindest im Fall von Yildiray Bastürk, dem Inbegriff des Fehleinkaufs nach der Meisterschaft (obwohl er sich in einem harten Wettbewerb mit Schäfer, Gledson und Ewerthon, vielleicht auch Radu und Marica, befand), ist es ein offenes Geheimnis, dass Veh die treibende Kraft war, seinen „absoluten Wunschspieler“ zu verpflichten. Sicher, Fehleinkäufe unterlaufen auch den Besten, aber die Häufung war beim VfB nach der Meisterschaft augenscheinlich.

Umso überraschender, dass der VfL Wolfsburg Veh wenige Monate nach seiner Entlassung in Stuttgart als „starken Mann“ verpflichtete, als Manager englischer Prägung, der die Alleinverantwortung im sportlichen Bereich tragen sollte. Angesichts der Stuttgarter Erfahrungen hätte es mich sehr gewundert, wenn das gut gegangen wäre. Aus der Ferne hatte ich zudem den Eindruck, dass Veh sich in Wolfsburg unbedingt von Magath abheben wollte, und damit beim Spielsystem begann. Er krempelte ein funktionierendes System um und war (Stichwort Sturheit?) lange nicht zu einer Kehrtwende bereit.

Dennoch bleibe ich dabei: Armin Veh ist zwar kein Manager, aber ein guter Trainer, der klare Vorstellungen davon hat, wie seine Mannschaften Fußball spielen sollen. Und ja, er schätzt klassische Spielmacher – eine Rolle, die, wenn auch etwas anders interpretiert, mit dem Trend zum 4-2-3-1 wieder eher gefragt ist als zuvor beim Standard-4-4-2 mit flacher Vier. Sicher, in Wolfsburg und in Hamburg lief manches schief, was zum Teil an ihm lag. Doch es ist nicht nur auf meine, wie soll ich sagen, Loyalität zum letzten Stuttgarter Meistertrainer* zurückzuführen, dass ich die Gründe dort in höherem Maße an anderer Stelle suche.

In Wolfsburg hatte man den Gipfel erreicht. Völlig unerwartet erreicht. Veh übernahm eine Mannschaft, die das System Magath inhaliert hatte, in einem Verein, für den das ebenso zutraf. Und er hatte eine Rolle inne, die nicht seinen Stärken entspricht. Selbst schuld? Vielleicht. In Hamburg stimmte allem Anschein nach nichts. Der Verein war nicht handlungsfähig, kam nie zur Ruhe. Und Veh gefiel sich zunehmend in der Rolle desjenigen, der wie ein Außenstehender den Kopf schüttelte. Der nicht zum ersten Mal deutlich machen sollte, dass er selbst entscheiden kann, ob er bei so etwas mitmachen will.

Was noch in Erinnerung bleibt aus Vehs Stuttgarter Zeit? Dass er ein langsames, wenig dynamisches Mittelfeld zusammenstellte bzw. zusammenstellen ließ (nach Bastürk kam auch noch Simak) und eben diese mangelnde Schnelligkeit später beklagte. Dass er den 19-jährigen Sven Ulreich ziemlich verbrannte, als er ihn 10 Spiele lang zur Nummer 1 machte und ihn dann wieder degradierte. Dass er Markus Babbel nach dessen Karriereende zwar als zweiten Assistenten aufnahm, in ihm aber dem Vernehmen nach kaum mehr als einen Hütchenaufsteller sah – Babbels Freude über seine Beförderung zum Cheftrainer nach Vehs Entlassung soll dieser ihm dann auch ziemlich übel genommen haben.

Am Rande sei darauf verwiesen, dass Veh auch zwei Jahre später und aus der Hamburger Distanz Jens Keller scharf kritisierte, der sich auf Kosten seines Vorgängers Christian Gross zu profilieren suchte. Man kann darüber streiten, vielleicht nicht einmal das, ob der Vorgang Armin Veh etwas anging. Aber ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass es ihm ein prinzipielles Anliegen ist.

Und immer wieder: dass Armin Veh der Mann war, der den VfB nach 15 Jahren wieder zur Deutschen Meisterschaft führte.

Nun gehe ich nicht davon aus, dass er die Frankfurter Eintracht binnen zwei Jahren zur Meisterschaft führt, zumindest nicht in der ersten Liga. Aber ich glaube schon, dass sie einen guten Trainer verpflichtet und vielleicht auch eine gute Konstellation geschaffen hat mit einem talentierten Sportdirektor, einem Vorstandsvorsitzenden, dem es gut tun könnte, sich nicht mehr um die sportlichen Belange, sondern etwas mehr um das Drumherum kümmern zu müssen, und eben einem Trainer mit klaren Vorstellungen. Wenn das Zusammenspiel der drei Herren passt, sehe ich eine auch auf Sicht durchaus tragfähige Struktur. Vom Wiederaufstieg gehe ich ohnehin aus.

*Das gilt nicht in jedem Fall. Der vorletzte Stuttgarter Meistertrainer kann mir zum Beispiel gestohlen bleiben. Aber das dürfte dem einen oder anderen Frankfurter angesichts der vergangenen Monate ja ähnlich gehen.

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Eine Aktualisierung des Textes unter dem Motto „Drei Jahre später“ liegt meines Wissens nicht vor, was vielleicht ganz gut ist, weil der Verfasser Vehs Wirken in Frankfurt auch nicht intensiver verfolgt hat als jenes in Wolfsburg oder Hamburg. Dass er in ihm nach wie vor einen guten Trainer sieht, steht indes außer Frage, dass er seinen Humor und insbesondere seine Art, meist über den Dingen zu stehen und auch mal einen Schritt zurück treten zu können, um den Blick zu weiten, über alle Maßen schätzt, ebenso. Vermutlich wird er irgendwann auch darüber hinweg kommen, dass er Veh nicht mehr nur als den Meistertrainer verklären wird können.

So wie er heute damit umgehen kann, dass die Werbung, die er in seiner Jugend für eine der besten der Welt (wiewohl nicht zu vergleichen mit Kid Klappergass‘ Blog) hielt, bei dieser Bewertung wohl doch ein wenig von jugendlichem Überschwang und rückblickender Verklärung profitiert hatte.

Wie auch immer: was muss, das muss. Jetzt. Wer weiß, ob es nicht irgendwann wieder ruck, zuck zu spät ist für vehrchterliche Namensverunglimpfungen, wie sie nur Twitter in jener Fülle und qualitativen Vielfalt hervorbringen kann, die wir im Lauf der vergangenen Woche beobachten durften.

In diesem Sinne:

Es ist mal wieder soweit

Transferperiode. Wasserstandsmeldungen. Kopenhagen will Kvist nicht abgeben. Nürnberg will eine Kaufoption. Bobic will Argentinier. Oder Asiaten. Der VfB will mit Träsch verlängern. Kvist will nach Stuttgart. Marica will weiterhin viel Geld. Erwin Staudt will eine geregelte Managerausbildung. Didavi will wohl verlängern. Kopenhagen will vielleicht auch, aber mit mehr Geld. Keiner will weg. Schneider will einen Fünfjahresvertrag. Träsch will keinen. Nürnberg will vielleicht auf die Option verzichten. Die Fans wollen kein Rumgeeiere bis zum Ende der Transferperiode.

Und werden es doch bekommen. Ich kann es nicht beeinflussen. Weshalb ich in der Regel zu dem ganzen Zeug schweige. Da ich aber ohnehin ein wenig Werbung machen wollte, kann ich ja zumindest ein paar Sätze zu Christian Träsch sagen. Ohne zu wissen, was da tatsächlich läuft. Heute hieß es, der VfB habe ihm einen Fünfjahresvertrag angeboten. Und er habe abgelehnt. Die einen kritisieren das eine. Die anderen bedauern das andere. Manche tun beides.

Meine Meinung zu Christian Träsch ist bekannt. Immer wieder war ich der Ansicht, er sei an seine Grenzen gestoßen, nur um mich kurz darauf wieder vom Gegenteil überzeugen zu lassen. „Jede Woche ein neues Feature“ schrieb ich diesbezüglich vor einiger Zeit, und auch wenn die Zahl der neuen Features seither nicht mehr so rasant zunahm, wohl auch nicht zunehmen konnte, und auch wenn Träsch in der vergangenen Saison erstmals eine Zeit lang unter seine Niveau spielte, so bin ich doch der Überzeugung, dass er ein Glücksfall für den VfB ist. Und wenn er bereit wäre, einen Fünfjahresvertrag zu unterzeichnen, sollte man ihn ihm geben. In der Hoffnung, dass er ihn tatsächlich erfüllt. Vielleicht zu einer – man möge mir das große Wort verzeihen – Identifikationsfigur wird. Er ist ein guter, wohl auch ein sehr guter Bundesligaspieler, zurecht auch Nationalspieler. Aber bei aller Liebe: er ist kein so überragendes Talent wie Gomez oder Khedira, keiner, von dem jeder halbwegs realistische Fußballfan weiß, dass er über kurz oder lang auf größere Bühnen gehört als die in Stuttgart.

Ich sähe ihn gerne weiterhin im Neckarstadion. Jahrelang. Gerne als Kapitän, der immer voran geht. Das würde er tun. Wofür man ihn auch gut bezahlen sollte. Und doch sehe ich in ihm nicht den Spieler, für den man das Gehaltsgefüge komplett sprengt. Auch wenn ich nicht damit rechne, dass seine Leistungen in vertragsrestlaufzeitabhängigen Zyklen schwanken würden wie bei… anderen.

https://twitter.com/#!/Jens1893/statuses/80718544693755904

Wenn es nach mir ginge, müsste man ihn halten. Aber nicht um jeden Preis. Und wenn die kolportierten Zahlen stimmen, muss man wohl oder übel auf ihn verzichten. Gerne erst ab 2012, so groß wäre der finanzielle Verlust nicht. Man frage nach bei den Münchner Löwen und bei Daniel Bierofka. Merkt man bestimmt nicht, dass ich hin- und hergerissen bin, oder? Genug.

Zum Abschluss noch die angekündigte Werbung. Ich durfte mal wieder woanders schreiben. Im wahrlich wunderbaren Frankfurter Blog „The Diva and the Kid“ hatte ich das Vergnügen, meine Meinung zu Armin Veh zum Besten zu geben. Sie wird dort deutlich kritischer gelesen als ich gemeint hatte, sie gesagt zu haben.

Verbalbeurteilung 2011

Einmal mehr erzielte die Gruppe im zweiten Halbjahr deutlich bessere Ergebnisse als im Herbst. Das Gesamtniveau lag dabei weit unter dem des Vorjahres oder jenem aus der Periode 2008/2009. Die Leistungen des ersten Halbjahres dürften zum Teil auf eine mangelnde Vorbereitung in den Sommermonaten zurückzuführen sein, was jedoch angesichts der hohen Zielsetzungen unserer Einrichtung nur bedingt als Erklärung gelten darf. Dem neuen Lehrpersonal, das die Gruppe im Dezember nach einem mehrwöchigen Ausfall übernahm, gelang es gerade noch, die Abschlussprüfungen in einem größeren Kraftakt angemessen vorzubereiten.

Als gescheitert muss man den gruppendynamischen Versuch ständig wechselnder Plätze betrachten. Zwar gelang es, nahezu jedes Mitglied der Gruppe mindestens einmal rechts hinten zu platzieren; positive Einflüsse auf das Gruppenklima oder die Leistung waren indes nicht zu beobachten, vielmehr traten nennenswerte Koordinationsprobleme auf.

Sven hatte zunächst gewisse Schwierigkeiten, seine Position in der Gruppe zu finden, nachdem ihn das Lehrpersonal erst nach Intervention der Einrichtungsleitung in der Gruppe belassen hatte.*   Seine Leistungen waren zunächst selten kreativ und vorwärts gerichtet, zumindest aber ausreichend. Im Lauf des Jahres gewann er, dank nach kurzfristig verordneter Nachhilfe durch ein älteres Gruppenmitglied, an Sicherheit, Ansehen und Souveränität, um so teilweise wesentlich zum Erfolg von Gruppenarbeiten beizutragen. Nach wie vor fällt ihm der Umgang mit vermeintlichen Ungerechtigkeiten schwer.

* Aus anderen süddeutschen Einrichtungen ist bekannt, dass vergleichbare Konflikte zwischen Lehr- und Leitungspersonal dem Gesamtklima abträglich sein können.

Marc kam im Sommer neu zur Gruppe, kannte aber die Einrichtung bereits aus früheren Jahren und traf eine Reihe alter Freunde wieder, sodass die Integration unproblematisch verlief. Obwohl er ursprünglich nicht für Prüfungsleistungen vorgesehen war, forderte ihn das neue Lehrpersonal zwischenzeitlich zu stärkerer Beteiligung auf. Nach einem Sportunfall wurde dieser Plan wieder verworfen. Im neuen Jahr dürfte er noch stärker in die Hausaufgabenbetreuung einbezogen werden.

Cristian konnte nur selten an seine Leistungen aus dem Vorjahr anknüpfen. Die Trennung von seinem Freund Aliaksandr wog offenbar schwerer als zunächst angenommen. Er wirkte gedanklich nicht immer frisch, kommunizierte mit seinem neuen Nachbarn nur unzureichend und reagierte auf Kritik mitunter unwirsch. Ein Gespräch ist erwünscht.

Arthur trat häufig offensiver auf als in den Vorjahren, was der gesamten Gruppe gut tat. Leider hatte er erneut eine Reihe von Fehlzeiten zu verzeichnen, fand nach seiner Erkrankung jedoch recht rasch wieder den Anschluss an die Gruppe. Seit einigen Monaten zeigt er zuvor ungeahntes Interesse für die hiesige Kultur und deren Exponentinnen.

Matthieu hat ein schwieriges Jahr hinter sich, geprägt von zahlreichen Fehlzeiten, die nicht selten selbst verschuldet waren. Anders als in den Vorjahren wirkte er des Öfteren impulsiv und war seinen Freunden nur noch in geringerem Maß ein Vorbild. Wurde zuletzt von einigen Prüfungsleistungen befreit. Die Übernahme ins nächste Jahr erfolgt auf Probe.

Serdar hatte zu Beginn einige Schwierigkeiten zu bewältigen, die zum Teil mit seinen missglückten Sommerferien zusammen hingen. Erfreulicherweise hatte er jedoch deutlich weniger Fehlzeiten als in den Vorjahren und schaffte es, sowohl die vorübergehend aufscheinenden Motivationsdefizite zu überwinden als auch seine Leistungen zu stabilisieren. Speziell im Frühjahr war er zudem in der Lage, die verunsicherten Freunde zu beruhigen. Wenn er so weiter macht, kann er demnächst wieder an einrichtungsübergreifenden Wettbewerben teilnehmen.

Georg musste zunehmend Verantwortung übernehmen und wirkte dabei insbesondere im Herbst vielfach nachlässig, gelegentlich auch überfordert. Teilweise schienen wichtige Grundlagen zu fehlen. Seine Bemühungen blieben jedoch stets vorbildlich, auch dank dem einen oder anderen Erfolgserlebnis, das die Gruppe zu würdigen wusste. Seine technische Kompetenz, gepaart mit Zielstrebigkeit, trug im Zusammenhang mit einem grünen Mobilitätsprojekt wesentlich zum Erfolg bei.

Khalid wurde im Herbst nur in Ausnahmefällen zu Prüfungen zugelassen, erzielte dabei aber meist respektable Ergebnisse. Im Frühjahr zeigte er sich weniger wählerisch bei den ihm zugewiesenen Aufgaben und wusste sie in aller Regel zufriedenstellend zu bewältigen. Ein Umzug wäre insofern bedauerlich, als er auch mit schwierigen Situationen umzugehen weiß; eine Veränderung aus sozialen Gründen steht gleichwohl im Raum.

Stefano konnte den Erwartungen nur selten entsprechen. Dies war zum Teil krankheitsbedingten Fehlzeiten geschuldet. Insgesamt sind die Defizite jedoch zu groß, um sie in absehbarer Zeit aufzuholen. Insbesondere ist er nur bedingt in der Lage, die von ihm erwarteten vorbereitenden Tätigkeiten in der Gruppenarbeit zu übernehmen. Der Wechsel in eine kleinere Einrichtung wird empfohlen.

Patrick stieß im Sommer aus einer niedrigeren Klasse zur Gruppe. Sein großes Engagement überzeugte das Lehrpersonal, ihn an der einen oder anderen Prüfung teilnehmen zu lassen, was nicht immer entsprechend seiner Stärken erfolgte und dementsprechend nur mit wechselndem Erfolg gelang. Möglicherweise wäre ein langfristiger Nachhilfekurs in einem anderen Umfeld zielführend.

Ermin stieß im Herbst gewissermaßen auf Probe zur Gruppe und integrierte sich sehr gut. Neben zahlreichen Übungsstunden durfte er auch an einzelnen Prüfungen teilnehmen, was zunächst recht gut gelang. Eine Französischprüfung, noch dazu nicht in seinem Kernbereich, traf ihn jedoch unvorbereitet und hielt das Lehrpersonal zunächst von weiteren Versuchen ab. Seine weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Philipp hatte bereits in seiner letzten Einrichtung enorme Fehlzeiten aufgewiesen, wurde aber zur Probe aufgenommen. Leider bestätigte sich die Befürchtung, dass er sowohl gesundheitlich als auch, soweit das beurteilt werden kann, vom Leistungsniveau her kaum in der Lage ist, mit der Gruppe mitzuhalten. Die Probezeit wurde beendet.

Christian zeigte sich erneut in allen Belangen vorbildlich. Sein Engagement war weit überdurchschnittlich, sein Pflichtgefühl beinahe zu ausgeprägt. Er übernehm stets Verantwortung für die Gruppe, half seinen Freunden, wo immer er konnte, worunter zwischenzeitlich seine eigenen Leistungen ein wenig zu leiden drohten. Rechtzeitig zu den Abschlussprüfungen erreichte er wieder sein altes Niveau und zeigte sich dabei kreativ und vermehrt technikbegeistert. Ein möglicher Umzug wäre sehr bedauerlich.

Zdravko war im Herbst nicht ganz auf der Höhe und wirkte speziell in der Phase, die mit Aushilfslehrpersonal überbrückt wurde, etwas unmotiviert. Im Frühjahr übernahm er indes in besonderem Maße Verantwortung, erzielte ausgezeichnete Ergebnisse und zeigte sich punktgenau vorbereitet. Seine stets herzliche Freude ist in engem Zusammenhang mit seiner positiven Entwicklung zu sehen. Der zwischenzeitlich im Raum stehende und von einzelnen Außenstehenden wortreich begründete Wegzug wäre bedauerlich.

Christian hatte ein über weite Strecken unglückliches Jahr. Anfänglich litten seine Leistungen darunter, dass er zu weit hinten platziert war, dann verstand er sich mit seinem Nachbarn nur unzureichend, kleinere gesundheitliche Probleme kamen hinzu, und folgerichtig konnte er nicht wie geplant Verantwortung für die Gruppe übernehmen, sondern wurde gar nur noch selektiv zu den Prüfungen zugelassen. Gleichwohl war er stets bemüht und trug entscheidend zur erfolgreichen Bewältigung des ihm bereits bekannten Mobilitätsprojekts wie auch einer späten Geometrieprüfung bei.

Mamadou stieß im Sommer relativ spät zur Gruppe und trat zunächst außerhalb der Übungsstunden kaum in Erscheinung. Im Herbst wurde er zu zwei Prüfungen zugelassen, in denen er ein gutes Grundverständnis zeigte, aber ein wenig nachlässig wirkte. Die Weihnachtsferien nutzte er, um einige Defizite aufzuholen, und schien auf gutem Weg, eine zentrale Rolle in der Gruppe einzunehmen, ehe ihn ein Sportunfall für den Rest des Jahres weit zurück warf.

Timo war über weite Strecken des Jahres eine sehr positive Erscheinung. Zwar hat er nach wie vor Konzentrationsmängel, lässt mitunter die nötige Zielorientierung vermissen und will gelegentlich mit dem Kopf durch die Wand; gleichzeitig aber verzagt er nie, ist um kreative Lösungen bemüht und animiert die Gruppe zu mehr Engagement. An zahlreichen Prüfungsleistungen nahm er trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen schwungvoll und erfolgreich teil und übernahm zudem in einer schwierigen Situation punktuell Verantwortung für die Gruppe. Dessen ungeachtet wird auch im kommenden Jahr eine weitere Steigerung erwartet, insbesondere bei den Punkten Konstanz, Überlegung und Standhaftigkeit.

Martin wechselte im vergangenen Sommer aus einer kleineren Einrichtung zu uns und verdiente sich sowohl mit seinen Ergebnissen als auch mit seinem Engagement als auch und vor allem mit seinen Vorarbeiten für die gesamte Gruppe rasch deren Anerkennung. Im Herbst durfte er zunächst häufig nur Teilaufgaben bearbeiten, um dann im Frühjahr fast alle Prüfungen in Gänze absolvieren zu müssen, was vereinzelt zu schwächeren Ergebnissen führte. Seine Technikaffinität ist ausbaufähig.

Mauro zog im Spätsommer aus Italien, wo er in einer hochwertigen Einrichtung gewesen war, nach Stuttgart. Er mühte sich redlich, sich an das neue Umfeld und die vorwiegend jüngeren Kameraden zu gewöhnen, was ihm aber nicht so recht gelingen wollte. Häufig war ihm das Tempo zu hoch, Flüchtigkeitsfehler kamen hinzu, und selbst sein technisches  Geschick konnte er nur bedingt einbringen. Er verabschiedete sich mit Anstand und kehrte zurück in seine Heimat.

Daniel gilt seit Jahren als sehr begabt. Dass er das Lehrpersonal nie ganz von seinen Qualitäten überzeugen konnte, mag daran liegen, dass er manchmal etwas schlampig ist. Zudem wirkt er gelegentlich langsam und immer etwas einseitig. Im Herbst konnte er bei einigen Prüfungen überzeugen, bei anderen nicht. Eine längere Erkrankung warf ihn etwas zurück, danach gelang es ihm nicht mehr, den Rückstand gänzlich aufzuholen bzw. dem Lehrpersonal seine Motivation zu vermitteln. Die Teilnahme an einem Austauschprogramm wird erwogen.

Johan kam im Spätsommer aus Frankreich, wo er an einer kleineren Einrichtung teilweise sehr gute Ergebnisse erzielte, aber auch aus gesundheitlichen Gründen viele Fehlzeiten zu verzeichnen hatte. Letzteres war dem Lehrpersonal und der Einrichtungsleitung nicht explizit gesagt worden. Auch in Cannstatt erbrachte er bei ersten Teilaufgaben sehr vielversprechende Ergebnisse, erkrankte in der Folge jedoch mehrfach und langwierig. Wird auf Probe in das neue Jahr übernommen.

Shinji kam im Februar nach dem Asienfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ nach Stuttgart und wurde sogleich ein vollständiges Mitglied der Gruppe, auch wenn er sich meist noch am Rand aufhielt. Seine Einzelergebnisse sind voll befriedigend, bei der Gruppenarbeit mit seinem Nachbarn tut er sich noch etwas schwer. Schloss die entscheidende Prüfung mit Bravour ab, sollte nun in den Sommerferien etwas zur Ruhe kommen.

Sebastian hatte sich im Sommer viel vorgenommen, konnte aber das Lehrpersonal nicht überzeugen, dass sich seine Leistungen verstetigen würden. Daraufhin wechselte er in eine stark bezuschusste benachbarte Einrichtung, wo er sich gut integrierte und in seiner neuen Gruppe eine zentrale Rolle einnahm.

Elson kehrte im Sommer etwas widerwillig von einem Austauschprogramm zurück. Dennoch lebte er sich rasch wieder ein und nahm früh an einigen europaweiten Prüfungen teil. Seine Ergebnisse blieben allerdings durchwachsen, sodass er in der Folge vornehmlich am Übungsbetrieb teilnehmen durfte. Die kurzfristige Hoffnung des neuen Lehrpersonals auf seine standardmäßige Kreativität konnte er nicht erfüllen.

Tamas stieß im Januar zur Gruppe, weil er in seiner bisherigen Einrichtung nicht mehr zu Prüfungen zugelassen wurde. Er zeigte sich von Beginn an sehr kreativ, zielorientiert und standardmäßig verantwortungsbewusst, sodass er rasch zu einem Fixpunkt in der Gruppe wurde, zu deren letztlich gerade noch ausreichenden Prüfungsergebnissen er entscheidend beitrug. Sein Engagement ist Beispiel gebend, sein Auftreten ebenso. Zum neuen Jahr wird sein Austauschprogramm beendet und er wechselt fest an unsere Einrichtung. Ob er seinen Leistungsvorsprung halten kann, wird abzuwarten sein.

Claudemir hatte es in diesem Jahr nicht leicht. Nach den Sommerferien war er mit einer leichten Unzufriedenheit zurückgekehrt, die sich mehr als einmal in unerwarteten, vielleicht auch unkontrollierten Ausbrüchen gegenüber seinen Freunden, aber auch gegenüber den eingeschalteten Mediatoren niederschlug. Seine Leistungen waren überschaubar, sodass er wiederholt nur zu Teilprüfungen zugelassen wurde, sein Gesundheitszustand schien verbesserungswürdig. Dennoch mühte er sich nach Kräften und es gelang ihm, sich hervorragend auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten, die er dann mit Bravour absolvierte.

Ciprian konnte nur selten an die guten Leistungen des Vorjahres anknüpfen. Während er zunächst dennoch zu den Prüfungen zugelassen wurde, sah sich das neue Lehrpersonal veranlasst, erst seine Leistungen und dann seine Motivation in Frage zu stellen. Nachdem er sich lautstark über die ihm zugedachten Aufgaben beschwert hatte, wurde er von weiteren Prüfungen ausgeschlossen und drückt seit Februar die Türklinke von außen herunter. Ein Wechsel der Einrichtung wird empfohlen, ein Gespräch ist explizit nicht erwünscht.

Pavel begann das Jahr sehr motiviert und erzielte im Schnitt gute Ergebnisse, wenn auch mit starken Ausschlägen nach oben und unten. Sein Engagement war stets vorbildlich, genau wie seine Unterstützung für die Kameraden. Defizite sind bei der Kreativität und hinsichtlich seiner technischen Fertigkeiten zu beklagen; zudem handelt er nach wie vor zu häufig in der irrigen Annahme, den Abschluss mit links machen zu können. Die Übernahme ins neue Jahr erfolgt auf Probe, ein Wegzug ist nicht ausgeschlossen.

Sven stieß aus einer niedrigeren Klasse dazu und zeigte sich von Beginn an sehr engagiert, wenn auch häufig glücklos. Seinen Abschlussarbeiten mangelte es, mit einer für die gesamte Gruppe sehr hilfreichen Ausnahme, an Präzision, teilweise wirkte er unentschlossen. Er muss weiterhin hart daran arbeiten, die Defizite aus frühen Jahren aufzuholen. Hierfür scheint eine benachbarte Nachhilfeeinrichtung mit modernsten Übungsräumen geeignet.

Christian konnte nicht an seine überragenden Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen. Er litt unter einem Wechsel des Leitungspersonals, das bei der Neuzusammensetzung der Gruppe kein glückliches Händchen gehabt hatte, und vielleicht auch ein wenig unter seiner Eitelkeit. Seine Vorschläge wurden von der Gruppe nicht mehr so gut angenommen wie zuvor, die Ergebnisse wurden schwächer. Einzelne Außenstehende und auch Kameraden unterstellten ihm Defizite bei der Prüfungsvorbereitung, die Alumni-Vereinigung und der Förderkreis versagten ihm ihre Unterstützung und überließen den frei werdenden Platz einem weniger kritischen Nachrücker. Bedauerlich.

Jens hatte einen denkbar schlechten Start in der Gruppe, als er einen ausgeschiedenen Kameraden lautstark kritisierte. Es gelang ihm trotz eines einzelnen herausragenden Ergebnisses nicht, die Gruppe von seiner Leistungsfähigkeit zu überzeugen, sodass die Leitung ihn nach wenigen Wochen zu seinem eigenen Besten aus der Gruppe nahm.

Bruno wurde im Dezember in einer für alle schwierigen Situation in die Gruppe aufgenommen. Aufgrund seiner wechselhaften Vergangenheit in anderen Einrichtungen war der Empfang zunächst reserviert, doch mit akribischer Arbeit und ersten guten Ergebnissen erarbeitete er sich rasch den Respekt der Gruppe. Er stellte die eigenen Ansprüche hinten an und half den Kameraden, die Abschlussprüfung ohne besonders elegante Lösungen, aber letztlich mit Erfolg zu absolvieren. Die Gelegenheit, im Rahmen eines längeren selbstverwalteten Projekts Optimierungen bei der Platzverteilung anzustoßen, hat er sich verdient. Speziell in den ersten Monaten wird er dabei, auf Basis vergleichbarer Projekte aus den Vorjahren, eng begleitet werden.

Fredi, der vor Jahren seine ersten Schritte an unserer Einrichtung gemacht hatte und im Sommer nach einer Reihe von Umzügen zurückkehrte, erhielt erst kurzfristig einen frei werdenden und nicht sonderlich gut ausgestatteten Platz. Der Stuhl wackelte von Beginn an, auf dem Tisch lag eine Reihe halbfertiger Arbeiten, deren Urheber aus sozialen Gründen Hals über Kopf verschwunden war. Dementsprechend war Fredi zunächst etwas desorientiert und tat sich schwer, sich an das im Vergleich zu seiner vorigen Einrichtung deutlich höhere Leistungsumfeld zu gewöhnen. Der Versuch, sich mit teuren Hilfsmitteln an das nötige Niveau heranzutasten, schlug fehl. Erfreulicherweise behielt er die Ruhe und zeigte sich lernfähig. Er gewann an Ansehen bei den Kameraden wie auch bei den Alumni und dem Förderkreis, denen er im Sinne der Gruppe auch einmal die Stirn bot. Im neuen Jahr liegt es an ihm, ob er längerfristig an unserer Einrichtung bleiben kann.

Erwin hatte, wie schon in den Vorjahren, nicht immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Lehrmittel, und wurde dafür verschiedentlich kritisiert. Da sein Umgang mit Kritik ohnehin verbesserungswürdig ist, wurde sein Ansehen zusehends schlechter. Zudem wurde er von einem Größeren regelmäßig gemobbt, weshalb er zum Sommer die Einrichtung verlässt. Sein Weggang ist angesichts seiner über Jahre hinweg guten Ergebnisse in vielen Bereichen bedauerlich, scheint aber mit Blick auf die letzten Jahre geboten.

Dieter zeigte im vergangenen Jahr großes Interesse an operativen Abläufen unserer Einrichtung. Zwar ist dieses Interesse grundsätzlich zu begrüßen; der Versuch, Einfluss auf die Abläufe zu nehmen, erregte indes unser Missfallen. Sein Umgang mit allen Ebenen der Einrichtungsleitung ist verbesserungswürdig und scheint von wenig Respekt geprägt. Sowohl in puncto Sozialkompetenz als auch bei seinem Verständnis demokratischer Strukturen mussten wir deutliche Defizite feststellen, die kaum mehr aufzuholen sein dürften. Ein Gespräch ist notwendig.

Lauter Volltreffer

Im Vorjahr hatte ich einige Wochen vor Ende der Saison eine Bestandsaufnahme vorgenommen, d.h. ich hatte meine im Lauf der Saison  mehr oder weniger fundiert abgegebenen Prognosen einer kritischen Würdigung unterzogen.

Dieses Jahr hat sich das irgendwie nicht ergeben. Vielleicht, weil ich außerhalb dieses Blogs nur wenige Vorhersagen getroffen habe, vielleicht, weil die im Blog abgegebenen Einschätzungen zu weit von der Wirklichkeit entfernt waren, um sie hier ohne allzu großen Gesichtsverlust noch einmal aufzuwärmen. Angefangen beim Spieler der Saison.

Um mich dennoch ein wenig bloßzustellen, habe ich zumindest meine Antworten aus dem 11Freunde-Fragebogen noch einmal hervorgekramt und durfte feststellen, dass ich g l ä n z e n d abgeschnitten habe.

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Deshalb wird die neue Saison unvergesslich…
Unvergesslich ist ein großes Wort. Bemerkenswert ist aber, dass die Bundesliga erstmals das Unwort des Jahres stellen dürfte: Torfabrik.

Nun ja. Unwort des Jahres ist es nicht geworden. „Torfabrik“ finde ich dennoch nach wie vor billig unglücklich. Da hilft auch das Redesign nicht sonderlich. Eher gar nicht. Überhaupt nicht.

Aus der alten Saison wird in Erinnerung bleiben…
In allererster Linie das Schicksal von Robert Enke.

Wenn man sich dann doch an sportliche Themen erinnern möchte, bleiben aus Stuttgarter Sicht eine fürchterliche Vorrunde, eine unnötige Arbeitsplatzgarantie mit minimaler Halbwertszeit, grenzüberschreitende Fanproteste, eine grandiose Rückrunde und die erste Halbzeit gegen Barcelona. Und dann noch die Entwicklung von Christian Träsch.

Wie sehr das Schicksal von Robert Enke nachhält und nachhallt, wurde bereits in der vergangenen Saison und auch in dieser Spielzeit wieder des öfteren in Frage gestellt, nicht zuletzt im Kontext der Buchveröffentlichung von Andreas Biermann.

Die fürchterliche Stuttgarter Vorrunde der Vorsaison blieb dann doch nicht sooo lange in Erinnerung. Die wurde überflügelt. Und anstelle einer starken Halbzeit gegen Barcelona hatte man dieses Jahr eine halbe Stunde gegen Hamburg. Immerhin.

Welche Schlagzeile würdest Du gerne in der kommenden Saison verfassen?
Interview mit Sami Khedira: „Jeder Wechsel wäre ein Rückschritt!“

So hat er es nicht gesagt. Aber „Esto es un sueño hecho realidad“ drückt in meinen Augen durchaus so was Ähnliches aus.

Drei Wünsche frei:
Im Rahmen einer Transparenz- und Demokratieinitiative der FIFA tritt Joseph Blatter zurück.

Christian Gross ist im Dezember noch VfB-Trainer. Dezember 2013.
Ciprian Marica gewinnt den Goldenen Schuh.

Nr. 1 hat nicht ganz geklappt. Aber ich glaube, er war nahe dran.
Nr. 3 scheiterte ausschließlich an der Engstirnigkeit der Herren Bobic und Labbadia.
Und Nr. 2 kann ja noch klappen. Wer sich an dem „noch“ stört: bei einem Verein, der ungeniert „nie mehr“ durch „niemals“ ersetzt, wird man ja wohl mal ein „noch“ unter den Tisch fallen lassen können.

Dein größter Albtraum:
Christoph Daum wird Trainer des VfB Stuttgart. Wobei selbst das noch eine positive Seite hätte: ich wäre samstags bei der Familie. Bzw. sonntags oder freitags.

Gar so viel scheint da ja nicht gefehlt zu haben.

Lieblingsspieler im aktuellen Team:
Die defensiven Mittelfeldspieler. Und ich hoffe weiterhin auf Sebastian Rudy.

Check. Rudy hat eine starke Saison gespielt.
Träsch auch, Kuzmanovic eine halbe, und Gentner ist ja Innenverteidiger.

Messer zwischen den Zähnen! Dein Lieblingsfeind:
Vom Konzept Feindschaft halte ich nicht viel, und ganz gewiss nicht beim Fußball. Dafür ist er mir zu wichtig.

Oder, um konkret zu werden: es ist mir egal, wie der KSC spielt. Es ist mir auch egal, in welcher Liga er spielt. Wenn er zufällig grade in der Bundesliga ist, sind mir die 6 Punkte für den VfB wichtig. Ansonsten habe ich weder Veranlassung noch Lust, den kleinen Nachbarn zu verunglimpfen, während der VfB gegen Dortmund, Nürnberg, Timisoara oder wen auch immer spielt.

Nichts hinzuzufügen. Ich hab nicht darauf gehofft, dass der KSC aus der zweiten Liga absteigen möge.

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:
Zvonimir Soldo. Asgeir Sigurvinsson. Guido Buchwald, bevor er meinte, es zähle zu den Pflichten eines Ehrenspielführers, sich mit zweifelhaften Attacken gegen den Trainer als dessen Nachfolger ins Gespräch zu bringen.

Und ja, ich war immer ein großer Bewunderer von Mehmet Scholl.

Guido Buchwald. Auf dem Weg in die dritte Liga (von unten). Glückwunsch.

Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:
Speziell zum Saisonende war die Stimmung in der scheidenden Kurve weniger lustig als vielmehr wehmütig, manch einer sprach vom „Fado in Stuttgart“. Letztlich war „Cannstatter Kurve – wir sind die Cannstatter Kurve!“ vielleicht nicht besonders originell, aber schön, und laut, und was fürs Herz.

Lustig war’s dieses Jahr eher selten. Tradition wird siegen belustigte gleichwohl ein wenig.

Wo stehst oder sitzt Du im Stadion? Und warum?
Erst stehe ich mit einer Wurst beim PSV, dann in der, nun ja, Untertürkheimer Kurve. Warum? Weil die Cannstatter Kurve umgebaut wird.

Zugegeben: hier lag ich falsch. Wer konnte auch damit rechnen, dass der Fritz-Walter-Weg gesperrt und der PSV in eine Sackgasse verlegt würde. Also am Schlienz. Und danach in der gefühlten Cannstatter Kurve.

Auf dieses Auswärtsspiel freust Du Dich besonders:
17. Mai 2011, Dublin, Lansdowne Road.

Der Gegner steht noch nicht fest.

Völlig überraschend wurde das Spiel nicht nur auf den 18. verschoben, sondern die Uefa lud auch noch, einer iberischen Quote folgend, zwei portugiesische Mannschaften ein. Der VfB war immerhin auch gegen Potrugiesen ausgeschieden (auch wenn in beiden Spielen bei Benfica nur je einer in der Startelf stand und einer eingewechselt wurde). Wird wohl dennoch schwierig, meine Prognose in einen Treffer umzuinterpretieren.

Du wirst überraschend zum Doppelpass eingeladen. Deine Traumbesetzung für die anderen Sessel?
Steffen Simon, Udo Lattek, Christoph Daum, Raimund Hinko, Dr. Theo Zwanziger, Manfred Breuckmann.

Ach nee, ich hab die Frage falsch verstanden. Nochmal:
Kai Pahl, Raphael Honigstein, Trainer Baade, Christian Gross, Klaus Allofs, Christian Eichler (Eichler, nicht Eichner)

Wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Holt der FC Bayern das Quadrupel? Oder wer wird Meister?
Quadrupel? Fuji-Cup, Hallen-Masters, T-Home-Supercup, Champions League? Einverstanden.

Um die Meisterschaft streiten dann Bremen, Leverkusen und der VfB.

Zwei Punkte: Bayern ist nicht Meister, Leverkusen hat ein wenig drum gestritten. Immerhin.

10 Tage im Februar

So lange war ich ungefähr offline. Weitestgehend, zumindest. Bei einem abstiegsbedrohten, europäisch ambitionierten und führungsgeschwächten Fußballverein tut sich in einer derart langen Zeitspanne so einiges. Da ich nicht die Gelegenheit habe, alle verfügbaren Quellen nachzusichten, versuche ich jetzt einfach mal, ein paar der Einschätzungen aufzuschreiben, die ich aus Blogs, Fernsehen, Zeitungen und teilweise eigenen Eindrücken gewonnen habe, und freue mich auf korrigierende Hinweise.

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Verdammt viele Verletzte

Immerhin handelt es sich nicht um muskuläre Geschichten, die gleich wieder Zweifel an den Trainingsmethoden aufkommen ließen. Aber ungewöhnlich viele Bänderrisse, oder? Und ein mit dem eigenen Ellbogen zugefügter Rippenbruch? Könnten wir das bitte mit Rowan Atkinson verfilmen?  Bei Ciprian Marica scheinen wir es eher mit einer Kopfverletzung zu tun zu haben, bei Bruno Labbadia mit einem Verzweiflungssyndrom – oder aus welchem anderen Grund zieht man plötzlich den bewährten Flügelflitzer Elson aus dem Hut?

Liederliche Leistung

Nürnberg. Als wäre es nicht genug gewesen, dass ich an jenem Samstag die Sportschau sehen konnte. Nein, ich musste tags darauf auch noch just zu dem Zeitpunkt ins DSF zappen, als das VfB-Spiel gezeigt wurde. Und konnte mich natürlich nicht lösen. Masochismus, so nennt man das doch, oder? Wie oft wohl Serdar Tasci die Schlüsselszenen ansehen durfte?

Allem Anschein nach war in Nürnberg ein weiterer tiefster Tiefpunkt erreicht. Und ich begann ernsthaft, den Fall X als wahrscheinlichstes Szenario anzusehen. Fall X? Sie wissen schon: Erwin Staudt will das Wort Abstieg nicht in den Mund nehmen. Das Wort (ja, ja) 2. Liga gefällt ihm indes so gut, dass er 40.00 Schals damit bedrucken ließ. Aber lassen wir das.

Stimmung, Stil, Strukturen

Björn Seemann will Präsident werden. Mit oder ohne Karl Allgöwer. Mitglieder der Aktion VfB 2011, über die kolportiert wird, sie wolle einen nicht namentlich genannten Exprofi als Präsidenten, sollen sich im Lauf der Woche mit VfB-Vertretern zur Diskussion treffen. Erwin Staudt ist nicht amtsmüde. Schön. Opposition ist etwas Gutes. Die Möglichkeit zur Wahl sowieso. Schade, dass die Satzung des VfB das nur bedingt so sieht.

Mir persönlich wäre ja die Umstrukturierung des Aufsichtsrats, insbesondere an der Spitze, das vordringlichste Anliegen. Insofern unterstütze ich Björn Seemann, mit dem ich gelegentlich Fußball spiele, den ich ansonsten aber nicht einschätzen kann. Ein großer VfB-Fan ist er ganz sicher, um einen der Hauptkritikpunkte an Erwin Staudt aufzugreifen. Aktive Erfahrung im Profifußball kann er eher nicht vorweisen, um einen der Hauptkritikpunkte an Erwin Staudt aufzugreifen. Betriebswirtschaftliche Kompetenz hat er ebenfalls.

Natürlich kann man den Standpunkt vertreten, dass die alleinige Konzentration derzeit dem Sport gelten sollte. Sehe ich genauso. Was die Spieler und den Trainerstab anbelangt. Vorstand, Aufsichts- und Ehrenrat dürfen sich indes durchaus mit strukturellen Fragen befassen. Ich finde es gut, wenn sich die Aktion VfB 2011 mit dem Verein austauscht. Wenn es denn ein wirklicher, ein interessierter Dialog ist. Ich sähe es gerne, wenn Björn Seemann Butter bei die Fische gäbe und sein Team sowie dessen Konzept öffentlich machte. Und ich unterstütze uneingeschränkt die Forderung der Aktion VfB 2011 nach einem transparenten Vorgehen und strukturellen Veränderungen:

Die „Aktion VfB 2011“ warnt jedoch ausdrücklich davor, dieser (sic!) Veränderungen wieder nur auf oberster Ebene unter einer kleinen Gruppe von Personen auszuhandeln, ohne grundsätzliche Veränderungen in der Satzung und bei der Einbindung der legitimen Fan- und Mitgliederinteressen vorzunehmen.“

Wenn sich noch weitere Präsidentschaftskandidaten melden, habe ich damit kein Problem. Sofern Guido Buchwald nicht darunter ist. Ein Wettstreit der Konzepte ist nicht das Schlechteste, was ich mir vorstellen kann. Selbst wenn die Mitgliederversammlung eine Kampfabstimmung bringen sollte, trüge das zwar nicht zum Bild eines beschaulichen schwäbischen Familienvereins bei; ob der Eindruck einer sich selbst speisenden Vetterleswirtschaft indes besser ist, möge jeder für sich entscheiden.

Longing for Lansdowne

Europapokal!
Shinji Okazaki! Großartig! Sieht aus wie das Patenkind meiner Frau. Was will man mehr? Die Transferposse scheint (fürs Erste?) beendet zu sein – ein Schelm, der die interkulturelle Kompetenz der Stuttgarter Verhandlungsführer anzweifelt. In Lissabon vermittelte er in Halbzeit eins einen Eindruck dessen, wie man „wuselig“ zu verstehen hat. Sprachlich bedingte Berührungsängste scheint er auch keine zu haben, zumindest bemühte er sich schon recht früh, beim Schiri Gehör zu erlangen. Schön, dass Bruno Labbadia vorhin bei Sport im Dritten deutlich zum Ausdruck brachte, was er von Hansi Müllers Idee, im Uefa-Cup abzuschenken, so hält: gar nichts. Hajnal passt, Harnik hebt, Tor.

Bedient bei Bayer

Hajnal passt, Harnik schiebt, Tor. Gute Leistung, insgesamt. Schade, dass Bokas Bänderriss gravierender zu sein scheint als die der anderen. Sehr schade. Schade, dass Labbadia nicht den Mut, vielleicht auch nicht das Personal hatte, Okazaki ins Sturmzentrum zu stellen, wo Cacau nahtlos an seine Ballverluste vom Donnerstag anknüpfte. Schade, dass auch Labbadia wie seine Vorgänger nicht erkannt hat, dass Kuzmanovic‘ Stärke bei Standards eher in der Offensive als in der defensiven Zuordnung liegt. Schade, dass vier Stuttgarter auf der Linie Reinartz‘ Kopfball nicht abwehren konnten.

Interessante Auswechslungen. Ich hatte ja auf die ein „Ach so“ hervorrufende Information gewartet, dass Martin Harniks Zusammenprall mit René Adler ein Weiterspielen einfach nicht mehr zugelassen habe. War wohl nicht so. (Nachtrag: war vielleicht doch so.) Niedermeier grätscht, Castro flankt, Reinartz köpft, Tor.

Fredi Bobic hat den gleichen Schneider wie Uli Stielike.

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Hab ich das so ungefähr richtig verstanden?

Hörster! Okazaki! Bochum!

Als ich vorhin das Stadion verließ, kam mir Thomas Hörster in den Sinn. Sie erinnern sich? Im Mai 2003 gab er nach dem drittletzten Spieltag ein Fernsehinterview, in dem er als verantwortlicher Trainer von Bayer Leverkusen bekannte, die Hoffnung auf den Klassenerhalt aufgegeben zu haben. Später ruderte er ein wenig zurück und schrieb seine Aussagen der Frustration unter dem unmittelbaren Eindruck des Spiels zu. Entlassen wurde er trotzdem, mit Klaus Augenthaler schaffte man den Klassenerhalt.

Selten hatte ich so viel Verständnis für Thomas Hörster wie nach dem 0:1 des VfB gegen Freiburg. Ich hätte nicht gewusst, womit ich auch nur ein positives, hoffnungsfrohes Wort rechtfertigen sollte (ja, ja, ich weiß: Okazaki). In der ersten Hälfte wurde der VfB vorgeführt. Wenn man einmal von der Phase absieht, in der die Mannschaft den Eindruck erweckte, den Ball schnell und schwungvoll zirkulieren lassen zu wollen, um dann über außen das gegnerische Tor anzugreifen. Dürfte zwischen der dritten und fünften Minute gewesen sein.

Klingt zynisch? War gar nicht so gemeint, ehrlich. Ganz zu Beginn des Spiels redete ich mir tatsächlich ein, so etwas zu sehen, und vielleicht steckte auch ein Körnchen Realität darin. Das hatte sich dann aber rasch erledigt. Nun ließ Freiburg den Ball zirkulieren. Nur selten schnell, bloß gelegentlich schwungvoll, aber das war auch gar nicht nötig. Der VfB sah gerne zu. Beim „Eckle“ (Fünf gegen zwei, vier gegen eins, wie auch immer) vor dem Training wird, zumindest in den Klassen, in denen ich früher dilettierte, nach 15 oder 20 Kontakten der außen Spielenden eine Extrarunde fällig. Spätestens nach der zweiten Runde werden die ersten wütenden Grätschen ausgepackt. Der VfB hatte gestern ungefähr von der 10. bis zur 45. Minute ein solches Innenraumabo, auf wütende Gegenwehr verzichtete er.

Die eigenen Bemühungen um einen vernünftigen Spielaufbau hatte Robin Dutt mit einem miesen Trick torpediert: Cissé war offensichtlich aufgetragen worden, sich ausschließlich in der Nähe von Tasci aufzuhalten, um sicher zu stellen, dass jeder Angriffsversuch, der nicht mit einem langen Ball eingeleitet wurde, über Georg Niedermeier laufen würde – jenem Georg Niedermeier, der bereits nach fünf Minuten völlig unbedrängt zwei einfache Diagonalpässe auf Patrick Funk ins Aus geschlagen hatte und dessen Verbleib auf dem Platz über die 30. Minute hinaus mir völlig unerklärlich ist.

Aber natürlich ist es zu kurz gesprungen, sich jetzt auf einen einzelnen Spieler einzuschießen. Und selbst wenn man Gentner, Marica, Kuzmanovic, vielleicht auch Funk und Molinaro hinzu nähme, wäre es immer noch zu kurz gesprungen. Die ganze Mannschaft trat nicht einmal ansatzweise so auf, als wisse sie, wie man gegen Freiburg besteht. Gegen irgendeinen Bundesligisten besteht. Vielleicht wollte sie der Vereinsführung zeigen, dass sie mit ihrer Zweitligakampagne richtig liegt. Selbsterfüllende Prophezeiungen und so.  „Ich habe keine Lust auf so einen Bochum-Slogan!“ sagte mein Stadionnachbar, und gemeinsam mit ihm war ich froh, dass man bereits um 15 Uhr keine Gefahr mehr lief, einen Zweitligaschal umgehängt zu bekommen.

Die zweite Hälfte war besser. Aber gewiss nicht gut. Man hatte mehr vom Spiel, das sich meist in der Freiburger Hälfte abspielte. Und bekam von den Freiburgern zwei große Torchancen geschenkt, einmal von Flum, einmal von Baumann. Schipplock und Harnik vergaben kläglich. Dr. Drees hätte noch einen Elfmeter geben können. Das war’s.

Mein Hinweis, dass Christian Gentner kein Spieler für die Außenbahn sei, hat Bruno Labbadia nicht interessiert. Schade eigentlich, weil man in der zweiten Halbzeit durchaus sah, dass Freiburg über außen in Bedrängnis zu bringen ist. Mit Gebhart. Mit Harnik. Und mit Träsch. Mein zweiter Nebenmann vertrat die These, und ich neige mehr und mehr dazu, ihm zuzustimmen, dass Träsch der einzige ist, der einen Rechtsverteidiger mit Zug nach vorne geben kann. Patrick Funk wirkt defensiv verlässlich, aber das Spiel nach vorne kann er (noch?) nicht ankurbeln.

Bliebe allerdings die Frage, wer anstelle von Träsch – von dem auch ich angesichts der letzten Spiele geglaubt hatte, dass er bis auf Weiteres gemeinsam mit Kuzmanovic die Zentrale bilden würde, und eine gute noch dazu – innen spielen kann. Gentner und Kuzmanovic haben es zur Genüge und zu unser aller Unzufriedenheit gemeinsam versucht. Bah, den Labbadia aufgrund seiner starken Vorbereitung wohl auf dieser Position sah, ist verletzt. Funk hat es bei den Amateuren lange und auch gut gespielt. Seine ersten Auftritte zu Saisonbeginn im Europapokal sprachen allerdings nur bedingt dafür, ihn dort auflaufen zu lassen. Dennoch traue ich es ihm zu. Und beneide Gladbach ein wenig um die neue Option Michael Fink.

Gladbach, am Samstag. Und das noch ohne Okazaki! Oh je. Aber ich bin mir sicher, Fredi Bobic hat nun auch erkannt, dass die Qualität des vorhandenen Kaders möglicherweise doch nicht ganz ausreicht. Vermutlich sitzt er seit 17.30 Uhr am Telefon, sondiert in aller Ruhe den Markt und präsentiert vor Ablauf der Transferperiode, wenn die Preise einmal mehr ins Bodenlose sinken, zwei namhafte, erfahrene und entwicklungsfähige Neuzugänge, die der Mannschaft sofort helfen.

Ach, fast vergessen: falls man in München tatsächlich der Meinung sein sollte, Mark van Bommel sei in erster Linie wegen des durch seinen Weggang entstehenden Vakuums Defizits in Sachen Arschlochmentalität ein Verlust, würde ich den Verantwortlichen guten Gewissens Johannes Flum ans Herz legen.

Kalt? Ja. Herzerwärmend? Na ja.

Das Spiel des VfB gegen Odense hatte keinerlei sportlichen Wert. Die Messe war gelesen. Oder gesungen. Das Fell des Bären verteilt. Kurz: die Spannung raus.

Dass ich dennoch hingegangen bin, lag zum einen daran, dass ich mich für Fußball interessiere, zum anderen am neuen Trainer, dessen Einstand ich dann doch nicht verpassen wollte.

Misst man ihn an seinen eigenen Worten, verläuft das Ganze bislang eher desillusionierend: erstens hatte er angekündigt, mit der besten Mannschaft antreten zu wollen, und ich kann nur hoffen, dass die gestrige nicht die seiner Meinung nach beste war, zweitens wollte er das Hauptaugenmerk zunächst auf die Defensive legen. Georg Niedermeier hatte wohl nicht zugehört. Wobei hier auch wieder Punkt eins zum Tragen kommt: die beste Defensivreihe kann das eher nicht gewesen sein. Bicakcic machte seine Sache ordentlich und sprühte vor Motivation, während Niedermeier an die erste Phase der Saison erinnerte, als er ganze Spiele lang völlig neben sich stand. So auch gestern, als er von Utaka teilweise vorgeführt wurde, als er gefühlte 20 als Pässe geplante Bälle ins Seitenaus schlug und als er, wie auch einige seiner Mitspieler, sich einen Spaß daraus machte, Kopfbälle gerne mal in die Mitte zu klären, möglichst in die Nähe der Strafraumgrenze. Ich wäre nicht böse, wenn Tasci und Delpierre am Wochenende spielen und einen Dreierpack von Mario Gomez verhindern könnten.

Was mich in der Abwehr noch sehr interessieren würde: was passiert, wenn Degen einmal unter Druck gesetzt wird? Es mag angesichts der Stuttgarter Tabellensituation und der letzten Ergebnisse unglaubwürdig erscheinen, aber ich kann mich in den letzten Wochen nicht an nennenswerte Defensivaktionen von Philipp Degen erinnern. Und will damit gar nicht sagen, dass er schlecht gewesen sei – es gab einfach kaum Situationen, in denen er sich hätte auszeichnen können. Das könnte natürlich daran liegen, dass er eine perfekte Mischung aus Effizienz und unspektakulärem Spiel an den Tag legt, d.h. alles schon frühzeitig zu bereinigen weiß. Oder er geht allen potenziell kritischen Situationen wohlweislich aus dem Weg und lässt andere schlecht aussehen. Oder die Gegner haben zuletzt tatsächlich kaum über links angegriffen (den Siegtreffer von Hannover mal außen vor lassend, den ich nicht Degen ankreide). Wie auch immer: ich bin guter Dinge gehe davon aus, dass Franck Ribéry uns die Antwort geben wird.

Die Defensive spielte also auf Keller’schem Niveau weiter. Offensiv gab’s in der ersten Halbzeit den einen oder anderen Ansatz, ohne dass ein Feuerwerk daraus geworden wäre. In Halbzeit zwei intensivierte man das frühe Stören, das mit etwas Wohlwollen Pressing genannt werden darf – wobei sich insbesondere Pogrebnyak hervor tat, der gestern so früh ins Spiel einbezogen wurde wie sonst nur sehr selten und dabei vermutlich mehr Ballkontakte hatte als in der gesamten bisherigen Bundesligasaison. Schade, dass Marica am Wochenende noch gesperrt ist (ist er doch, oder?), ich sähe die beiden gerne weiterhin zusammen.

Aber wo spielt dann Harnik? An Boka und Gebhart, die auch gestern wieder die beiden Spieler waren, denen man das Attribut „Aktivposten“ an erster Stelle anheften darf, dürfte er auf den Außenbahnen zunächst nur schwer vorbei kommen. Aber was zerbreche ich mir Herrn Labbadias Kopf? Dass der Bruch im Spiel mit Cacaus Einwechslung zusammen fiel, sei nur Zufall gewesen, heißt es übrigens.

In der Zentrale hat sich Bah nicht aufgedrängt, Kuzmanovic schon eher. Ganz kurz stand nach Gentners Einwechslung zu befürchten, dass der sich beständig aufwärmende Träsch gleich als Rechtsverteidiger zum Einsatz komme. Man schließt in dieser Saison ja nichts mehr aus. Ernsthaft: ich gehe davon aus, dass auch bei Labbadia zunächst noch Gentner die Nase vorn haben wird, wenn es um den Platz neben Träsch geht. Aber ich lasse mich gern überraschen.

Interessant war übrigens der geradezu überschwängliche Jubel nach dem einen oder anderen Tor. Speziell bei Gebharts 2:0 und Pogrebnyaks 4:0 fiel mir auf, dass die gesamte Mannschaft in einer zuletzt nicht gekannten Art und Weise auf den Schützen zulief, ihn drückte, herzte oder auch Huckepack nahm. Vielleicht hat Bruno Labbadia sein Hauptaugenmerk in den ersten Einheiten ja doch nicht auf die Defensive gelegt, sondern auf, äh, teambuildende Maßnahmen.

Still war’s übrigens. War auch nicht schlimm.

 

Es gibt tausend gute Gründe…

Hat mich ja schon ein wenig geärgert, dass ich den Zug verpasste, der mir ermöglicht hätte, das Spiel des VfB beim HSV zu sehen. Wohl oder übel stieg ich in den nächsten Zug, versuchte Fußball Fußball sein zu lassen und sah mir eine weitere Folge von „Die schönsten Bahnstrecken der Welt“ an.

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Und während man so dasitzt, die Landschaft vorüberziehen lässt, schneebedeckte Wiesen, zugefrorene Teiche, matschige Straßen, dann taucht irgendwann weit, weit hinten so ein ganz unschuldiger Gedanke auf, der irgendetwas mit Fußball zu tun hat. Man fragt sich, warum so viel schief läuft in dieser Saison, wieso der VfB so gar nicht voran kommt, hat keine zufrieden stellende Antwort parat und lässt noch einmal, eher kursorisch, das eine oder andere Spiel Revue passieren:

Mainz:
Die Innenverteidigung

Dortmund:
Georg Niedermeier

Freiburg:
Christian Gross

Nürnberg:
Dr. Jochen Drees
Christian Gross

Leverkusen:
Mauro Camoranesi
Christian Gross

Frankfurt:
Dr. Felix Brych
Christian Gross

Schalke:
Florian Meyer
Christian Gross

Wolfsburg:
Verletztenmisere
Christian Gross

Kaiserslautern:
Der Betzenberg
Christian Gross

Köln:
Christian Dingert
Christian Gross

HSV:
Ciprian Marica
Christian Gross

Hoffenheim:
Christian Gross
Der Bossa Nova

Eigentlich ganz ok.
Ich hatte ja lange Zeit befürchtet, es sei was Strukturelles.
Oder habe mit der Vereinsführung zu tun.
Oder gar dem Spielerkader.

16 gegen 18, was will man erwarten?

Natürlich kann man Petit auspfeifen, der es kurz vor Schluss bei knapper Führung nicht allzu eilig hat. Der eine Illusion von Fortbewegung schafft, tatsächlich aber auf der Stelle joggt. Oder den Schiedsrichter, der ihm seelenruhig dabei zusieht.

Aber mal ehrlich – an dieser Stelle folgt normalerweise der Hinweis, dass sich jeder andere, selbst ein Stuttgarter, ebenso langsam bewegt hätte, worauf ich an dieser Stelle der besseren Lesbarkeit dieses nicht ganz trivialen Satzes wegen verzichten will -, also mal ehrlich: Petit bewegt sich 90 Minuten lang kaum schneller. Was allerdings reicht, um gegen den VfB gefühlte 12 Torschüsse abzugeben. Allesamt ungefährlich, zum Glück. Und doch: kann sich jemand an ein Spiel erinnern, in dem der Gegner Zvonimir Soldo so viel Zeit und Platz gelassen hat, dass er alle paar Minuten auf dessen Tor schießen konnte? Aber Petit ist ja auch ein paar Jahre jünger als der junge Soldo.

Stefano Celozzi bewegt sich bestimmt schneller als Petit. Und als Soldo. Möglicherweise kann er sogar schneller laufen als Lukas Podolski. Bloß halt falsch. In die falsche Richtung. Zu spät. Vom falschen Startpunkt aus. Was auch immer. Wenn es sein musste, lief er auch von der Mittellinie bis zum Strafraum neben ihm her, um erleichtert abzudrehen, als sich endlich ein Mitspieler Podolskis annahm. Ich habe mich ja lange gefragt, wieso Celozzi nicht nur zu Beginn, sondern vor allem auch noch am Ende des Spiels auf dem Platz stand. Irgendwann begriff ich dann: hätte Jens Keller auch noch Philipp Degen eingewechselt, der in Kaiserslautern weder auf- noch abgefallen war, und hätte der am Ende auch noch schlecht gespielt, dann wäre binnen einer Woche die komplette Rechtsverteidigerriege verbrannt gewesen. Außer vielleicht… wie wär’s denn mal mit dem Träsch, der hat das doch auch schon mal…?

Ja, es ist billig, sich auf Celozzi einzuschießen. Und auf Keller. Aber es fällt schwer, genau das nach einem solchen Spiel nicht zu tun. Nach einem Spiel, in dem beide Mannschaften den Erwartungen gerecht wurde, die man aufgrund der Tabellensituation haben durfte, in dem der Trainer mehr als 70 Minuten wartete, ehe er personell etwas veränderte, in dem Boka 78 Minuten lang zeigen durfte, dass ihm seine jüngsten Treffer zu Kopf gestiegen sind – Cacau musste ihn mitunter aus dem Sturmzentrum vertreiben -, nach einem Spiel, in dem es der in unzähligen Abstiegsduellen gestählte Recke Camoranesi zum Schluss richten sollte, fällt mir nicht mehr viel ein. Mich würde sehr interessieren, was Jens Keller dachte, als Martin Harnik nach seiner späten Einwechslung binnen weniger Minuten zeigte, dass es kein Hexenwerk gewesen wäre, diese Kölner Abwehr auch in der zweiten Hälfte in Bedrängnis zu bringen. „Wusst‘ ich doch, dass er ein guter Joker ist!“ wäre eine Möglichkeit, die ich nicht ausschließe.

Ist ja auch schön, wenn das Glas im Zweifel halb voll ist. Wenn man „zahlreiche hundertprozentige Torchancen“ bzw. deren Auslassen beklagt. Da könnte sich der miesepetrige Marica mal eine Scheibe abschneiden:

„Das war heute ein schlechtes Spiel von uns. Wir hatten zwei, drei klare Chancen, bei denen wir das Tor einfach erzielen müssen. Und auch sonst haben wir ohne Selbstvertrauen nach vorne gespielt.“

Gefällt mir, der Mann. Auch wenn er am Sonntag nicht allzu viele Akzente setzen konnte, war es doch so, dass er Cacaus Großchance brillant vorbereitet hat, dass er bei der eigenen Großchance zwar knapp scheiterte, im Grunde aber die einfachste und gleichzeitig am wenigsten erwartetete Lösung gewählt hatte, und dass er vor allem eine Körpersprache an den Tag legte, die mit dem Marica von vor einigen Wochen so überhaupt nichts mehr zu tun hat. Hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal Marica, Gebhart und Ulreich als diejenigen bezeichnen würde, die – gemeinsam mit Träsch, natürlich – voran gingen.

Zum Schiedsrichter ist das meiste gesagt. Er war schlecht. Aus Kölner Sicht, und erst recht aus der des DFB, denke ich, war es katastrophal, wie er in der ersten Hälfte ein Foul an Lanig abpfiff, obwohl dessen Pass Novakovic allein auf den Weg zu Ulreichs Tor geschickt hätte. Ich kann nicht nachvollziehen, dass ein Schiedsrichter eine Minute nachspielen lässt, nachdem er sich zuvor vorsichtig geschätzte 2-3 Minuten lang direkt neben den Torwart gestellt hatte, während dieser die Schuhe wechselte. Das ist gewiss nicht wichtig für den Verlauf der Partie, aber ich erlaube mir, daraus Rückschlüsse zu ziehen, die mit der Frage zu tun haben, wie ernst er seine Aufgabe nimmt.

Die Szene, die zum Elfmeter führte, habe ich nur so halb gesehen, weil sich zwei offensichtlich nicht sehr an Fußball interessierte Menschen just in diesen paar Sekunden an mir vorbei drängten. Und ich gebe zu, dass ich den Elfmeter aus der Mit-maximal-geneigtem-Kopf-knapp-am-Ohr-des-Vordermanns-vorbei-Perspektive für vertretbar hielt. Die Fernsehbilder sprachen hernach eine andere Sprache, aber aufgrund besagter Erfahrung habe ich hier ein gewisses Verständnis für Herrn Dingert. Beim nicht gegebenen Foul an Gebhart eher weniger.

Zum Schluss noch zwei Zitate, das eine von Georg Niedermeier:

„Das ist bitter, aber wir müssen uns auch an die eigene Nase fassen“,

das andere von meinem Nebenmann:

„Wie viele Spiele müssen wir genau verlieren, bis wir einen Trainer bekommen?“

Und irgendwann werde ich auch noch schreiben, was ich von Sitzplatzblöcken mitten im Fanbereich halte. Aber erst, wenn ich mich diesbezüglich ein wenig beruhigt habe, der Sonntag liegt ja nur wenige Tage zurück.

Herbeigeredet

Während der ersten Halbzeit verhielt er sich ziemlich ruhig. Ganz im Gegensatz zu seinem Nebenmann, der sich wieder einmal als Bruddler ersten Ranges erwies und zumeist zwischen halbherziger Anfeuerung für den Gegner und dem Hinweis auf dessen erbärmliches Niveau wechselte, das selbst dem VfB einen Sieg ermögliche. Also wie gehabt.

Er aber, den ich zuvor noch nie in meiner Bundesligakneipe gesehen hatte, unterstützte ganz normal den VfB. Freute sich über das 1:0 und das 2:0, schimpfte ein wenig über die Freiheiten, die Kaiserslautern auf den Außenpositionen hatte, und zeigte sich gleichzeitig beruhigt darüber, dass die Lauterer Flanken nie den Anschein erweckten, jemals einen Abnehmer zu finden. Er beteiligte sich zurückhaltend an den Pausendiskussionen, die erste Hinweise darauf gaben, dass Marica und Gebhart, trotz jeweiliger Torbeteiligung, einen Teil des in der Vorwoche erworbenen Kredits bereits wieder verspielt hatten, und wirkte ansonsten eher untypisch reserviert.

Ab dem 3:0 änderte sich das ein wenig. Nach einem ersten vorsichtigen „Es geht noch 40 Minuten!“ wies er so lange und mit leicht ansteigender Lautstärke darauf hin, dass unsere Mannschaft zur Zeit ja ständig Führungen aus der Hand gebe, bis der erste die Geduld verlor und ihm sagte, dass von den zahlreichen Saisonniederlagen des VfB noch keine nach einer eigenen Führung entstanden sei (den Hinweis auf eher seltene Führungen des VfB verkniff ich mir). Diesem durchaus schlagenden Argument schenkte er nur insofern Beachtung, als er den Betrachtungszeitraum ausweitete und Formulierungen wie „halt so allgemein“ und „seit Jahren“ einfließen ließ. Ach, lass ihn reden, dachte ich so bei mir.

Und wie er redete.
Er redete nach dem 1:3.
Er redete nach dem 2:3.
Er redete nach dem 3:3.

Ich hingegen redete nicht mehr viel. Gelegentlich sprang ich auf, um Maricas Chancenverwertung zu verfluchen, Molinaros Zweikampfverhalten anzuprangern oder Cacau wegen eines dummen Fouls in Strafraumnähe zu verunglimpfen. Weniger impulsiv reagierte ich auf vorhersehbare Entwicklungen, so den Umstand, dass Christian Tiffert zwar im Gegensatz zu vielen anderen ehemaligen Stuttgartern nicht selbst traf, dafür aber alle drei Kaiserslauterer Tore vorbereitete, oder den Kontrollverlust von Babak Rafati, der zu lange auf persönliche Strafen verzichtete und das Spiel danach nicht mehr so recht einfangen konnte.

Selbstverständlich redete er in der Zwischenzeit weiter und bemühte sich nach Kräften und mit zunehmend nennenswerter Unterstützung durch oben genannten Nebenmann, den Siegtreffer für die Gastgeber herbeizureden. Es gelang ihm nicht, weil Sven Ulreich Bugeras Freistoß in der Nachspielzeit parierte. Vielleicht sollte ich mir die Bemerkung verkneifen, dass sich Jens Lehmann in dieser Situation eher nicht quer in die Luft gelegt, den Ball aber sicher gefangen hätte. Will sagen: es ist durchaus angemessen, Ulreich für die Aktion zu loben; dabei darf man es dann aber auch bewenden lassen. Nicht jede Parade, der ein Torhüter einen glänzenden Anstrich verleiht, ist gleich eine Glanzparade.

3:3 also. Der Herbeireder gab sich letztlich doch wieder als VfB-Anhänger zu erkennen, der betrunkene 60er-Fan, der sich zur Pause noch als Glücksbringer wähnte, gab seine Hoffnung, künftig bei jedem VfB-Spiel eingeladen und verköstigt zu werden, wieder auf, und ich verließ den Ort des Geschehens so rasch wie möglich, um mich einem gelungenen Lebensmittel-Frustshopping hinzugeben.

Später am Abend und insbesondere heute morgen tat ich mich ein wenig schwer mit den Lobpreisungen im deutschen Fernsehen. Ich hatte kein überragendes Spiel gesehen und kann mir bei neutralen und zumindest minimal kundigen Zuschauern nur schwer überschäumende Begeisterung ob der Partie vorstellen. Natürlich kann man angetan sein ob des Verlaufs, beeindruckt von der Aufholjagd, verzückt ob der Tore von Ilicevic und Boka, berührt von der Fritz-Walter-Choreografie vor dem Spiel. Aber von der Spielanlage her war das doch eher durchschnittlich, oder täusche ich mich da?

Die frühe und deutliche Führung des VfB war weniger die Folge einer zwingenden und strukturierten Offensivleistung, als vielmehr das Ergebnis gelungener einzelner Aktionen, die insbesondere vor dem zweiten und dritten Tor von haarsträubenden Abwehrfehlern begünstigt wurden. Mir fehlt auch ein bisschen das Verständnis dafür, dass die Mannschaft nicht nur, wie von Jens Keller, angekündigt, „etwas tiefer“ stand als gegen Bremen, sondern Kaiserslautern bereits in der ersten Halbzeit bis 30 Meter vor dem eigenen Tor recht ungestört agieren ließ. Funk hatte einen gebrauchten Tag erwischt, was Rivic vom Halbfeld bis zur Grundlinie ausnutzte. Wären seine Hereingaben angekommen, hätte sich wohl schon früher ein anderes Spiel entwickelt. Auf der linken Seite schaffte es Molinaro immerhin, die Flankengeber im Halbfeld zu binden, sodass die Gefahr überschaubar blieb – zumindest in der ersten Hälfte. Danach fielen die ersten beiden Tore über Molinaros Abwehrseite, das dritte – auch das keine Überraschung – aus einer Standardsituation. Die rechte Seite wirkte mit Boulahrouz kurzzeitig etwas stabiler als zuvor, aber bereits vor dessen Auswechslung ging der ganz offensichtlich (und keineswegs überraschend) verunsicherten Mannschaft die Ordnung in der Defensive weitestgehend verloren.

So etwas passiert. Trotz des deutlichen Sieges gegen Bremen wäre es angesichts des bisherigen Saisonverlaufs vermessen, ein selbstbewusst agierendes Team zu erwarten, das der Aufholjagd mit breiter Brust und dem Vertrauen in die eigene Stärke entgegen tritt. So weit sind sie gegenwärtig nicht. An Delpierre, der gestern erneut nah an der Schwelle zum Frustfoul stand, kann sich die Defensive noch nicht wieder im nötigen Maß anlehnen, nach vorne fehlt die Überzeugung, um die wenigen Situationen, in denen man sich nicht blind befreit oder den Ball anderweitig viel zu schnell wieder abgibt, konsequent abzuschließen.

Ich hoffe, dass sie bald zurück kommt. Damit man dem Herbeireder ein völlig entspanntes „IN YOUR FACE!“ entgegenflüstern kann.