Normalität

Gestern fand das Hinspiel der diesjährigen Relegation um den letzten verbleibenden Bundesligaplatz für die kommende Saison statt. Es wurde überschattet von den Geschehnissen um den offenbar schwer erkrankten Marco Russ, und vor allem anderen wünsche ich ihm von Herzen eine baldige und vollständige Genesung.

Nicht ganz unerwartet verschob sich das öffentliche Interesse im Vorfeld des Spiels zusehends weg vom rein Sportlichen hin zum Schicksal des Spielers; die als bewusste Geste interpretierte Entscheidung, ihn und nicht den etatmäßigen, aber lange verletzten Spielführer Alex Meier die Kapitänsbinde tragen zu lassen, verstärkte diese Tendenz weiter. Die Geschichte des Spiels ist bekannt: Russ brachte seine Mannschaft durch ein Eigentor in Rückstand, das bundesweite Aufstöhnen war zu erahnen, das Bedauern schmerzte körperlich. Der Wille, seinen Lapsus auszumerzen, war ihm fortan deutlich anzumerken – es war schließlich ein Relegationsspiel – und später sah er nach einem Foul eine gelbe Karte, die eine Sperre für das Rückspiel zur Folge hat.

Dass die sportliche Betrachtung angesichts der Vorgeschichte ein wenig in den Hintergrund rückte, war wohl unvermeidlich und ist im Grunde zu begrüßen: natürlich steht die Gesundheit über allem, und es ist beruhigend, dass die individuellen Kompasse hier in der Regel verlässlich funktionieren. Gleichzeitig boten die Begleitumstände – der Dopingverdacht, der Zeitpunkt der Veröffentlichung, die Kapitänsbinde – auf der einen Seite zu viel Gesprächsstoff. Auf der anderen Seite zeigten sie auch echten Diskussionsbedarf auf: zum Vorgehen der Staatsanwaltschaft angesichts des Dopingverdachts, vielleicht auch zu den dahinter liegenden Regularien, zum kolportierten Veröffentlichungsdruck, der – wieder einmal – von mindestens einem Medium ausgeübt worden sei, oder zum fernsehjournalistischen Umgang mit der Thematik vor, während und nach dem Spiel. Zu all diesen Facetten liegt bestimmt eine Vielzahl von Einschätzungen und Analysen vor; mein Thema sollen sie im Einzelnen nicht sein.

Dies gilt analog für die Äußerungen der Herren Weiler und Schäfer nach dem Spiel. Auch dazu ist man, gewünscht oder nicht, vielfältigen Meinungen und Einlassungen begegnet. Eine angemessen differenzierte Betrachtung fand ich beispielsweise beim geschätzten Herrn @Surfin_Bird:

Ich weiß, Herr Schäfer hat sich in recht deutlichen Worten von seinem dummen Interview distanziert, immerhin, und wer wäre ich, ihm zu widersprechen?

So etwas darf mir nicht passieren, das ist absolut nicht in Ordnung.

Stimmt. Das hätte ihm auch vorher bewusst sein müssen. Vielleicht hat er etwas daraus gelernt und denkt künftig einen Schritt weiter. Auch René Weiler wurde mit vernünftigen Worten zitiert, mehr Zeit möchte ich darauf nicht verwenden.

Was mich indes seit gestern Abend immer wieder beschäftigt, ist die Frage, die @Dagobert 95 gestellt hat, bzw. die Antwort von @ColliniSue:

Ist das so? Ist es so außergewöhnlich, dass Marco Russ spielen wollte? Also ganz abgesehen davon, dass eine solche Erkrankung per se im Profifußball eher außergewöhnlich ist? Seit gestern versuche ich mir vorzustellen, wie sehr er aus der Bahn geworfen war und ist. Er hatte das verstörende Ergebnis einer Dopingkontrolle erhalten, das entweder seine berufliche Existenz oder, viel schlimmer, seine Gesundheit massiv bedrohte. Ärztliche Untersuchungen, juristische Erwägungen, Gespräche mit der Familie natürlich, Überlegungen zu einer Veröffentlichung, und über alledem: Ängste. So stelle ich mir das vor, und die Realität dürfte eher drastischer sein als meine Gedanken.

Liegt es da nicht nahe, sich ein wenig Normalität zu wünschen? Ist es vielleicht beruhigend, all jene Rituale ablaufen zu lassen, die man in vielen Jahren als Profi für die 24 Stunden vor einem Fußballspiel verinnerlicht hat, voll fokussiert, zumal vor einem besonderen Spiel? 24 Stunden, in denen es gelingen könnte, diese beschissene Diagnose, deren Auswirkungen man nicht so ganz greifen kann, die vielleicht auch die Ärzte nur unzureichend einschätzen und beschreiben können, phasenweise ein wenig in den Hintergrund zu rücken?

Ich weiß nicht, ob dem so ist; glücklicherweise war ich noch nie in einer derart existenziellen Situation. Aber überraschen würde es mich nicht. Und wenn dann noch die Ärzte sagen, dass es keinen Unterschied ausmache, ob die Therapie drei Tage früher oder später beginnt, ob die Operation morgen oder erst in der kommenden Woche stattfindet, und wenn man sich als Betroffener gar vorstellt, dass – was eine höhere Macht verhüten möge – das bevorstehende Spiel möglicherweise das letzte auf diesem Niveau sein könnte, dann finde ich es, auf Basis all dieser Vermutungen und Hypothesen, alles andere als ungewöhnlich, dieses Spiel bestreiten zu wollen.

Eine ganz andere Frage ist die, ob die Verantwortlichen in Frankfurt, der Trainer, die Ärzte, vielleicht die Psychologen, eine Pflicht gehabt hätten, Russ von vornherein herauszunehmen, ihn zu schützen vor all dem, was da auf ihn einstürzen würde. Kann ich nicht beantworten. Ich kann mir allerdings nur schwer vorstellen, dass bzw. wie Niko Kovač, sofern keine medizinische Indikation vorliegt, Marco Russ hätte sagen wollen, dass er ihn nicht berücksichtigen werde.

Aber letztlich ist das alles irrelevant. Vielleicht ist es unangemessen, diese Überlegungen hier öffentlich zu machen, bloße Spekulationen um einen erkrankten Menschen und dessen Beweggründe, an einem Fußballspiel mitzuwirken. Bitte entschuldigen Sie, wenn ich Ihre Zeit gestohlen habe.

Abschließend wünsche ich Marco Russ nochmals alles Gute für die nächsten Wochen und Monate. Ich würde mich unsagbar freuen, ihn in absehbarer Zeit vollständig genesen wieder irgendwo mit seinen beiden Kindern an der Hand zu sehen. Wenn er noch dazu Fußballschuhe trägt: schön.

Liegengebliebenes und Aufgewärmtes

Die Nachspielzeit lief bereits, als Kai Dittmann berichtete, wie Sven Ulreich vor einem Stuttgarter Eckball Blickkontakt zu seinem Trainer gesucht habe, um von diesem ein Signal zu erhalten, ob er mit nach vorne eilen dürfe, solle, könne, müsse. Schließlich lag man in Augsburg zurück, nachdem man lange einen „Big Point“ vor Augen gehabt und viel für dessen Zustandekommen getan hatte. Sollte das alles vergebens gewesen sein?

Es ist nicht überliefert, ob Stevens Ulreich eine Absage erteilte oder ob der Blickkontakt gar nicht erst zustande kam. Sehr wohl überliefert ist indes die Reaktion des älteren Herrn in meiner Fußballkneipe, der Dittmanns Ausführungen unzweideutig kommentierte: “Was will der denn da vorne? Da fällt er bloß über die eigenen Füße.”  Die ungeteilte Liebe der Fans ist ihm im Lauf der Jahre wohl ein bisschen abhandengekommen.

Mein gequältes Lächeln signalisierte Zustimmung. Wehmütig denke ich regelmäßig an jene Zeit zurück, als jemand, vielleicht war es Eberhard Trautner, Timo Hildebrand Regionalliganiveau als Feldspieler attestierte. Das mag einem gewissen Überschwang geschuldet gewesen sein, zumal die Regional- damals die dritte Liga war, aber es lässt erahnen, worum es geht: Fußball. Und dessen grundlegende Techniken.

Auf Timo Hildebrand folgte mit Raphael Schäfer ein fußballtechnischer Antipode, und dass Schäfer dem jungen Ulreich auf Augenhöhe begegnete, kann man gerne als hübsche Randnotiz mit inhaltlicher Relevanz heranziehen, wenn Sie verstehen, was ich meine. Oder anders: Sven Ulreichs Erfolgsaussichten im gegnerischen Strafraum vermute ich eher im Bereich von Oliver Kahn als von Jens Lehmann.

Aber daran lag es am Samstag nicht. Ulreich hat keine Hohle geschlagen, nicht im Dribbling den Ball verloren oder ihn sich selbst hinter die Linie geworfen. Und vermutlich entspränge es nicht nur einer sehr freien, sondern vielmehr einer boshaften Interpretation, Huub Stevens zu unterstellen, er habe den Blickkontakt mit Ulreich vermieden, weil er ihm nichts ins Gesicht sehen, weil er ihn nicht mehr sehen wollte nach zwei Gegentoren, die ihn zumindest nicht zum strahlenden Helden werden ließen. “Tapsig” wäre eine Beschreibung, die mir beim 1:0 in den Sinn käme, “unentschlossen” beim 2:1.

So läuft’s halt manchmal, und ja, es passt – daraus habe ich hier nie ein Hehl gemacht –  in mein Bild des jungen Mannes, das Bild eines durchschnittlichen Bundesligatorwarts mit großen Stärken, aber auch unübersehbaren und bis dato offenbar nicht auszumerzenden Schwächen. Und gewiss, es ist wohlfeil, jetzt darauf zurückzukommen. Schließlich hätte Ginczek ja auch einfach vor der Pause das 1:2 erzielen können. Hätte der eine oder andere die Chance gehabt, nach der Pause nachzulegen. Hätten vor dem 2:1 nicht alle stehen zu bleiben brauchen, während die Augsburger nachsetzten. Hätte sich Niedermeier einfach mal auf das sportliche Duell mit Bobadilla konzentrieren dürfen. Stimmt alles. Und hilft nichts.

Chance verpasst, hieß es allenthalben. Weil alle für den VfB gespielt hatten, es im Fall des HSV sogar danach noch taten. Aber eben auch: es ist nichts kaputtgegangen. Anders als von Giovane Elber vermutet, hat der VfB es nach wie vor komplett selbst in der Hand, die Klasse zu halten. Wenn er die verbleibenden fünf oder sieben Spiele gewinnt, können sich die anderen auf den Kopf stellen oder meinetwegen auch jeden einzelnen Schiedsrichter kaufen – es reicht nicht. Nun ist mir klar, dass weder der VfB sämtliche Spiele gewinnen noch irgendjemand einen Schiedsrichter schmieren wird, aber mein Gedanke dürfte klar sein: man hat es selbst in der Hand. Das ist weitaus mehr, als ich vor vier oder fünf Wochen erwartete.

Grade mal zwei Wochen ist es her, dass mich ein befreundeter Fan von Hannover 96 frug, ob ich “denn noch Hoffnung auf den Klassenverbleib des VfB” hätte. “Überraschenderweise ist meine Hoffnung deutlich größer als vor ein psar (sic!) Wochen”, antwortete ich. Daran hat sich nichts geändert, und ich weiß bis heute nicht, woran es gelegen hatte. Wir waren uns einig, dass nicht nur ein erneutes Schneckenrennen am Horizont dräue, sondern dass auch die B-Noten der einzelnen Schnecken durch die Bank verheerend seien, und doch war meine Zuversicht zurückgekehrt. „Trotz oder wegen Huub?“ wollte er wissen, und ich konnte oder wollte es nicht beantworten: „Mit Huub.“

Meine Zuversicht ist ungebrochen, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass beim VfB zwischenzeitlich Bewegung in die B-Note kam. Blöd nur, dass man sich davon nichts kaufen kann. Also zumindest nicht in Augsburg. In den Heimspielen sah das zuletzt, allen vorangegangenen Eindrücken zum Trotz, anders aus. Man spielte nicht nur anständig, sondern zog die A-Note gleich mit hoch, traf das Tor und punktete. Da konnten nicht mal die Wechselfehler was dagegen ausrichten.

Wechselfehler? Ok, ich sag’s, wie’s ist. Die Wechselfehler sind eigentlich durch. Hab ich schon vor Wochen drüber geschrieben. Zumindest angefangen. Und nie veröffentlicht. Jetzt liegt’s halt noch hier so rum und ist mir im Weg, also raus damit:

Vor zwei fünf Tagen Wochen gegen Frankfurt wollte Huub Stevens zur Pause wechseln. Ich kann das nicht mit Gewissheit sagen, aber alles andere würde mich sehr wundern. Oriol Romeu wärmte sich ernsthaft auf, ohne Eckle, ohne Jonglageübungen mit dem Ball auf der Schulter, sondern so richtig, mit ohne lange Hose und erhöhtem Tempo. Der Grund lag auf der Hand: Geoffroy Serey Dié, von dem die Wikipedien aller Länder, und nicht nur die, behaupten, er schreibe sich ohne Aigu, was ich aber bis zum endgültig erbrachten Beweis nicht mit meinem Sprachgefühl vereinbaren kann, hatte sich vor der Pause mit langem Atem um eine Verwarnung beworben und war in der 42. Minute endlich erfolgreich gewesen, würde also mit einer mehr als verdienten gelben Karte und einem deutlichen Eintrag im Notizblock des Schiedsrichters in die zweite Hälfte gehen, käme Romeu nicht zur Pause.

Ich unterhielt mich mit ein paar Umstehenden über die bevorstehende Auswechslung und war ehrlich gesagt etwas überrascht, dass sie diese eher nicht befürworteten. Zu wichtig schien Diés Aggressivität für das VfB-Spiel, um freiwillig auf ihn zu verzichten. Auch seine ärgerliche Angewohnheit, seine Mitspieler auch in engen Räumen und ohne Not gerne mal auf Knie-, Hüft- oder Schulterhöhe anzuspielen, tat da keinen Abbruch. Hoffnungsträger!

So ähnlich sah das dann wohl auch der Trainer. Er überlegte es sich in der Kabine noch einmal, dürfte seinem Königstransfer ins Gewissen geredet und ihn vor einer weiteren auch nur annähernd gelbwürdigen Aktion gewarnt haben, und ließ ihn auf dem Feld. Fünf Minuten später stellte er sich im Zweikampf ungeschickt an, verzichtete dann auf bissige Rückeroberungsbemühungen und war zum wiederholten Male an einem Gegentor beteiligt.

Stevens reagierte, nahm Dié nun doch vom Feld – und wurde ausgepfiffen. Um mich herum beklagten Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, dass er doch nicht seinen auffälligsten, aggressivsten, besten, was auch immer, Mann vom Platz nehmen könne, Sie wissen schon, und ich frug mich, frage mich in der einen oder anderen stillen Minute noch immer, ob ich bis dahin vielleicht einfach ein anderes Spiel gesehen hatte.

In diesem meinem Spiel also schien der Trainer schlichtweg vercoacht zu haben, und wieder einmal sollte sich zeigen, dass ich keine Ahnung habe. Die Mannschaft hatte den Rückstand gebraucht, entwickelte plötzlich Torgefahr, Romeu spielte stark und Daniel Ginczek hob völlig unerwartet doch noch in der laufenden Saison den Fuß von der Bremse. Gewiss, Kopfballduell wird er auch auf absehbare Zeit keines gewinnen, aber er ist ja jung und kann noch wachsen.

Beim nächsten Heimspiel, gegen Bremen, wollte Huub Stevens wiederum wechseln. Ich kann das mit Gewissheit sagen, die medialen Regenbogengeschichten waren voll davon. Martin Harnik sollte nach zwei sehr unglücklichen Situationen vom Feld, vermutlich auch nach gewohnt engagiertem Spiel, aber das kann ich wiederum nicht mit Gewissheit sagen, weil ich das Spiel aus familiären Gründen verpasste. Immerhin war es diesmal eine unserer leichtesten Übungen gewesen, meine Karte an den Mann zu bekommen, schließlich hatte ich oft genug vom verpassten 4:4 gegen Bremen mi drei Bordon-Treffern erzählt. Mein Vertreter dürfte auch bei der diesjährigen Auflage mit dem Gebotenen nicht ganz unzufrieden gewesen sein.

Geboten wurde eben auch, um den Faden wieder aufzunehmen, der neuerliche Verzicht auf eine Auswechslung. Timo Werner stand bereit, dann bereitete Harnik den Führungstreffer vor, Stevens überlegte es sich anders und ließ Harnik auf dem Feld. Bis ihn der Schiedsrichter runterschickte. Und Bremen in Überzahl ausglich. Vercoacht, schon wieder.

Und wieder hatte ich keine Ahnung. Die Mannschaft hatte den Ausgleich gebraucht, entwickelte plötzlich Torgefahr, Daniel Ginczek ließ den Fuß von der Bremse und traf nochmals. Gewiss, Kopfballduell wird er auch auf absehbare Zeit keines gewinnen, aber er ist ja jung und kann noch wachsen.

Gegen Augsburg beging der Trainer leider keinen derartigen Wechselfehler. Aber am Wochenende steht ja wieder ein Heimspiel an. Und ich bin erneut familiär verhindert. Beste Voraussetzungen also.

 

 

Ach so, Wechselfehler ist ja noch so ein Stichwort. Domenico Tedesco geht nach Hoffenheim. Vermutlich ist der Wechsel für ihn kein Fehler. Man scheint ihm dort seine Wertschätzung etwas konkreter zum Ausdruck gebracht zu haben, als sich der VfB dazu in der Lage sah. Von welchen Kategorien wir auch immer reden mögen.

Andreas Hinkel, Tedescos Co-Trainer in der U17, scheint man auch nicht uneingeschränkt wertzuschätzen. Zur neuen Saison sind sie also beide weg, der eine in Hoffenheim, der andere sonst wo, und Rainer Adrion entblödet sich nicht, in einem beispielgebenden Blabla-Interview darauf hinzuweisen, dass die Türen für Hinkel weiterhin offen seien.

Kommunizieren wie Karl-Heinz Rummenigge. Es ist zum Heulen.

Wald? Stadion!

Heut geh ich ins Stadion. Ich freu mich wahnsinnig drauf. Ja, Wolfsburg. Nicht so der Bringer, meinen einige. Mag sein. Zumal Maximilian Arnold, den ich ziemlich großartig finde, in jüngster Zeit ein bisschen am Rande stand. Aber: de Bruyne!  Muss ja dennoch nicht grade heute zeigen, was er alles kann.

Die Bilanz gegen den VfL war zuletzt ja auch nicht so prickelnd. Aber da ist immer dieses Gomez-Spiel im Hinterkopf, damals, und auch wenn ich noch nicht weiß, wer heute die vier Tore schießen soll, gehe ich selbstverständlich fest von einem ähnlich deutlichen Sieg aus. Und Tore sollten ja nach den letzten Wochen nicht so das Problem sein. Eigene, wohlgemerkt.

Die letzten Wochen, Sie wissen schon. Leverkusen, und dann eben Frankfurt: 5:4, auswärts, was soll ich sagen?

Also außer: ich hab’s nicht gesehen. Dabei hatte ich vormittags im Familienrat vorgebracht, dass ich endlich mal wieder ein ganzes Fußballspiel sehen möchte, gerade jetzt, da der VfB möglicherweise wieder Fußball spielt, gerne in der Kneipe meines Vertrauens. Die Familie war verständnisvoll, gestand es mir gerne zu.

Aber es war halt ein Samstag. Dann war dies noch zu erledigen, jenes einzukaufen, sonst noch was zu regeln, und – schwupps – war es Mittag, der den Kindern versprochene Waldspaziergang stand noch immer aus, zuerst aber was zu essen, dann noch der Mittagsschlaf der Jüngsten, und schon schlug die Uhr drei Mal, das Wetter war großartig, die wunderbar unternehmungslustigen Mädchen frugen, familienratsvergessen und sowieso noch ohne ausgeprägtes Zeitgefühl, ob denn nun der Waldspaziergang komme, und was soll man dann aneres sagen, so als Vater, der während der Woche auch nicht rund um die Uhr zuhause ist, als: „Klar!“

Zumal es ja beileibe nicht so ist, dass wir es hier mit einem zu erbringenden Opfer zu tun hätten, ganz im Gegenteil; das Vergnügen, mit den Kindern durch das Laub zu waten, ihnen zuzusehen, wie sie Quatsch machen, lachen, sich necken, auch mal rumzicken, lachen, Geheimwege finden, irgendwelchen Kram sammeln, lachen … Verzeihung, ich verliere mich ein bisschen. Vielleicht sollte ich auf die Schattenseiten hinweisen, so zum Beispiel darauf, dass alle paar Minuten meine Unkenntnis der einheimischen Flora bloßgestellt wird.

Wie auch immer: Waldspaziergang. Zumindest so halb. Mit automobiler Anreise, übrigens, und 90elf, das nicht mehr 90elf ist, sondern irgendwie sport1.fm, auf einem Ohr. Das 1:0 war noch zuhause gefallen, aus dem Nichts, quasi, 1:1 bei der Abfahrt, das 2:1 fiel an einer roten Ampel, erreichte mich aufgrund technischer Probleme unmittelbar vor dem Torschuss aber erst ein paar Minuten später. Selten hing mein Sohn so an meinen Lippen wie in diesen Minuten der Ungewissheit.

Am Waldesrand verlangten familiäre Pflicht, familiäres Vergnügen (nicht in dieser Reihenfolge, selbstredend) und die schwache Netzabdeckung einen Umstieg von der Audioberichterstattung auf einen Ticker; kurz darauf trafen wir Menschen, die uns aus dem Wald zerrten und uns in ihren Garten baten, liebe Menschen, mit an diesem Tag ungenutzten Bezahlfernsehensabonnement, übrigens, auf das ich neben jenen Gründen, die ihren Ursprung in meiner Erziehung haben, auch deshalb nicht hinwies, weil mir die kicker-App gerade das 3:1 vermeldet hatte, das Spiel also durch war. Vielleicht sollte ich nicht so sehr auf Jochen Breyer hören.

Telefon weggelegt, gekickt. Mit Kindern. Auf dem frisch eingesäten Rasen, wie der Sohn des Hauses, in Abwesenheit des Vaters, erfreulicherweise erst nach dem Kick verriet. Bei sommerlichem Wetter bedurfte es der einen oder anderen Trinkpause, und in einer solchen nahm ich doch noch einmal mein Telefon zur Hand, und wir alle hatten keinen Spaß daran. 3:4, 4:3, je nach Perspektive. Doof halt.

Ablenken, weiterkicken. Doch nochmal drauf schauen. Ungläubig die App schließen, neu starten, und doch, es stimmt: 5:4. Sich das Telefon aus der Hand reißen lassen. Weiterkicken, ablenken. Sich von ungeduldigen Kindern erneut das Telefon aus der Hand reißen lassen. Fingernägel kauen. Hoffnungslos in Rückstand geraten, weil die Kids die Sache mit der Aufgabenteilung besser drauf haben: einer kickt, einer schaut nach dem VfB. Dem erwachsenen Unterzahlspieler fällt das tendenziell schwerer.

Gewonnen. Also der VfB. Darauf bestanden, die Sportschau zu sehen. Immerhin. Und das Sportstudio. Bundesliga pur, sofern es noch so heißt. Und immer wieder den Kopf geschüttelt. Harnik? Den selbst ich, der ich ihn schätze wie kaum einen anderen VfB-Spieler, was nur zum Teil sportliche Gründe hat, im Grunde abgeschrieben hatte? Und Sararer. Kann doch nicht sein! Werner. Endlich wieder. Und wie!

Nur Herr Veh hat mich ein bisschen enttäuscht. Die Schuhe fand ich dann doch eher fad. Da waren die Herren Breyer und Neureuther deutlich weiter vorne dabei.

Dann fahr ich jetzt mal ins Stadion und vergewissere mich, ob er nachgezogen hat. Manolo Blahniks, oder wie die heißen. Und nach dem Sieg sehe ich mir in irgendeiner Kneipe das Abendspiel an. Die Familie macht den Waldspaziergang heute woanders. Herbstferien und so, und ich hab viel gearbeitet, da kann man schon mal zu Opa fahren. Ich vermisse sie wie blöd, aber heute Nachmittag wird mich der Fußball ein bisschen darüber hinwegtrösten.

4:1, wer auch immer die Tore macht. Passt.

Mir doch egal, ob mir das hinterher auf die Füße fällt.
Meiner Vorfreude tut das keinen Abbruch.

Aufstiege, Abstiege, Zwischenlösungen

Waren nicht schlecht, die Relegationsspiele neulich, ne? Also zumindest die zwischen zweiter und dritter Liga, und dort vornehmlich das Rückspiel. Bielefelder mögen das anders sehen.

Wieder einer jener Abende, die zu erfassen einzig Sir Alex Fergusons geflügeltem Wort „Football, bloody hell!“ gelingt. Abstrakt gesehen.

Bei Twitter jagte ein Superlativ den vorhergehenden, und nicht selten las man sinngemäß Folgendes:

„[Lob des Spiels], [Lob der Darmstädter], [Lob des Fußballs], [Ungläubigkeit], [Faszination], aber Relegation ist trotzdem doof und gehört abgeschafft.“

Was ich, den Umstand außer Acht lassend, dass all diese Metazitate niemals in 140 Zeichen gepasst hätten, was arg an meiner Glaubwürdigkeit rüttelt, für eine völlig legitime Sichtweise halte. Die ich nicht im Geringsten teile, aber darum geht es ja nicht. Es gibt gute Argumente gegen die Relegation, zweifellos, und es gibt meines Erachtens auch gute Argumente dafür. Sie alle wurden vielerorts und häufig genug ausgetauscht.

Der einzige Aspekt, der mich in den vergangenen Tagen verwunderte, wohl weil er mir in den Vorjahren nicht so häufig begegnet war, so zumindest meine Erinnerung, war die Schlussfolgerung mancher Relegationsgegner, manchmal mehr, manchmal weniger explizit ausgeführt, dass man dann ja konsequenterweise auch dazu übergehen müsse, den Meistertitel in einer Play-Off-Phase, zumindest aber in einem Endspiel der beiden Punktbesten auszuspielen.

Das kann ich nicht nachvollziehen. Verzeihung, nachvollziehen kann ich es schon, aber ich empfinde es nicht als folgerichtig. Im einen Fall, der Meisterschaft, haben sich 18 Mannschaften in einem gemeinsamen, in sich (ab-)geschlossenen Wettbewerb ein Jahr lang gemessen. Am Ende steht ein Ergebnis, das die eine als objektiv besser als die andere ausweist.

Im anderen Fall, wenn es um Auf- und Abstieg geht, betrachten wir zwei (oder mehr) Mannschaften, die in getrennten, hierarchisch klar einzuordnenden Wettbewerben spielen und die sich im Lauf der Saison weder begegnet sind noch sich mit den gleichen Gegnern gemessen haben. Eine Aussage über die relative Stärke können wir nicht seriös treffen.

Implizit beschäftigen wir uns auch mit der Frage, wie groß der Unterschied, bzw. wie groß eine Schnittmenge zwischen den beiden Ligen ist, innerhalb derer nur geringe sportliche Unterschiede bestehen. Diese Frage wurde irgendwann dahingehend beantwortet, dass die beiden Besten der niedrigeren Klasse mit den beiden Schlechtesten der höheren Klasse die Plätze tauschen sollen. Jahre später hat man sich dann für deren drei entschieden, in anderen Ländern mag die Tauschliste länger oder kürzer sein.

Wo die optimale, je nach Interpretation leistungs- oder leistungsvermögensgerechteste Lösung liegt, weiß man nicht, vermutlich ändert es sich von Jahr zu Jahr, beziehungsweise, was in unserer Ligen- und Saisonstruktur nicht relevant ist, in kürzeren Abständen. Der Gedanke, am Ende einer jeden Saison ganz konkret in einem sportlichen Duell der Grenzgänger auszuloten, wo die Kante aktuell verläuft, ist in diesem Kontext kein abwegiger.

Dass man darin eine zu zeitpunktbezogene, tagesformabhängige, zugespitzte Form der Entscheidungsfindung sehen kann, die dem Spieljahresprinzip zuwider läuft, liegt auf der Hand. Oder dass man hinterfragen kann, ob jeweils zwei fixe und ein variabler Auf- bzw. Absteiger richtig gewählt sind. Wieso nicht drei plus eins, zum Beispiel? Legitime Sichtweise.

Ganz abgesehen davon, dass der Verdacht, es gehe DFL und DFB in erster Linie darum, zum Saisonende ein maximales Spektakel zu bieten, nicht auszuräumen ist, noch nicht einmal von der Hand zu weisen. Was man dann natürlich doch als Gemeinsamkeit mit einem Meisterschafts-Play-Off sehen kann, wenn man möchte. Auf einer aus meiner Sicht arg sportfernen Ebene.

Wie schaffe ich jetzt nur die Überleitung zum HSV? Nee, sorry, da muss ich passen. Muss es eben so gehen.

Der Hamburger Sportverein, der sich dem Vernehmen nach im abgelaufenen Jahr auf dem Platz häufig ähnlich sportfern betätigte wie der VfB Stuttgart, nahm ebenfalls an der Relegation teil, stand aber im Schatten der Darmstädter. Dennoch schlug er den Herausforderer aus Fürth aus dem Feld, der ebenfalls ausführlich diskutierten Auswärtstorregel geschuldet, was den geschätzten Kollegen vom Fürther Flachpass zu grundsätzlichen Aussagen zum Kräfteverhältnis zwischen erster und zweiter Liga und einer, wenn ich ihn recht interpretiere, systemimmanenten Benachteiligung der Zweitligisten animiert hat.

Ich kann das, wie auch dort per Kommentar geäußert, nicht ganz nachvollziehen (wohl wissend, dass die finanziellen Rahmenbedingungen in den beiden Ligen sehr unterschiedliche sind). Den Fürther Nichtaufstieg nach zwei unentschieden gestalteten Spielen empfinde ich unabhängig davon als bitter. Was andersherum analog gälte.

Wie auch immer: der Dino ist dem Abstieg von der Schippe gesprungen, die Uhr darf weiterlaufen, der HSV bleibt der einzige Bundesligist, der noch nie abgestiegen ist. So las ich zumindest. Und war, wie manch andere(r), nicht ganz einverstanden:

Die geneigte Leserin weiß natürlich, dass es da noch ein paar weitere Vereine gibt, die zwar nicht von Anfang an dabei gewesen sein mögen, die aber nie in die zweite Liga abgestiegen sind. Was für sich genommen wiederum eine problematische Aussage ist, da ja auch Preußen Münster, Tasmania Berlin, Borussia Neunkirchen und Rot-Weiß Oberhausen, vielleicht habe ich auch noch jemanden vergessen, für sich in Anspruch nehmen können, nie von der Bundesliga in die zweite (Bundes-)Liga abgestiegen zu sein, sondern nur in die jeweilige Regionalliga.

Aber das mag selbst der sachkundigen Leserschaft ein bisschen zu speziell sein, nicht im Sinne von „wissen wa nich“, eher von „Korinthenkacker!“ Beschränken wir uns also auf die Frage nach den aktuell Unabsteigbarengestiegenen, die leicht beantwortet ist, wie auch die (hier nicht dokumentierten) Reaktionen auf diesen Tweet zeigten:

Genau. Es handelt sich um den HSV, den FC Bayern, Bayer Leverkusen, den VfL Wolfsburg, die TSG Hoffenheim, den FC Augsburg und den SC Paderborn. Die eine oder andere Ungenauigkeit bei den Vereinsnamen bitte ich gönnerhaft hinzunehmen.

Sieben ist ne Menge, nicht wahr? Nicht zuletzt vor dem Hintergrund besagter (und historisch vollauf gerechtfertigter) HSV-Fokussierung, gerade auch wenn man das Ganze spätestens seit der Zeit verfolgt hat, als noch von vier verbliebenen Dinos, die damals noch nicht so genannt wurden, Hermann hieß ohnehin keiner von ihnen, die Rede war: dem HSV, Köln, Frankfurt und Kaiserslautern. Und jetzt sollen es plötzlich sieben sein?

Ja, ist so. Und vor zwei Jahren waren es auch so viele. Danach muss man aber schon bis 1995/96 zurückgehen, um auf gleich viele bzw. mehr unabgestiegene Bundesligisten zu stoßen. In den zwanzig Jahren zuvor lag man stets zwischen acht und elf, erstmalige Ab- und erstmalige Aufstiege hielten sich offensichtlich ungefähr die Waage, die stärkeren Veränderungen unmittelbar davor, also zu Beginn der 70er, mögen zum Teil mit dem Bundesligaskandal zu tun gehabt haben, vielleicht auch, abstrakter, mit der anstehenden bzw. erfolgten Einführung der zweiten Liga, aber so genau habe ich mir das nicht angesehen. In ihren ersten vier Jahren hatte die Bundesliga übrigens stets aus Vereinen bestanden, die noch nie abgestiegen waren.

Im ersten Jahr zudem, und das ist wahrlich eine Binsenweisheit, aus lauter Neulingen. Nach der Aufstockung 1965 waren nie mehr drei oder gar mehr Neulinge vertreten, bis 1980 aber zumindest so gut wie immer zumindest einer. Danach bröckelte das ein wenig, mit gelegentlichen Ausreißern, also gleich zwei Neulingen auf einmal. Menschen meiner Generation werden sich sogleich an Blau-Weiß 90 Berlin oder den FC Homburg erinnern, an die historische Besonderheit mit Dynamo und Hansa sowieso, und danach wurde es dünn.

Um die Jahrtausendwende hatten wir noch einmal eine, Verzeihung, Freaksaison mit Neulingen aus Unterhaching und Ulm, die derzeit recht weit von der Bundesliga entfernt sind, was im Ulmer Fall gerade in diesen Tagen ein König unter den Euphemismen ist. Sieht man dann noch von Energie Cottbus ab, so haben die meisten Vereine, die seit Ende der 90er erstmals aufgestiegen sind, beginnend mit Wolfsburg, die Klasse durchgehend gehalten, über die einjährige Mainzer Verschnaufpause sehe ich nonchalant hinweg, und Fürth, siehe oben.

Seit 2008 mit Hoffenheim darf man wohl sogar von einer kleinen Trendwende sprechen, einer Mini-Renaissance der Neulinge. Über die Bewertung dieses Umstands scheiden sich die Geister insofern, als insbesondere Hoffenheim, aber auch Augsburg mit ihren Finanzstrukturen nicht zwingend geeignet sind, das Herz all derer höher schlagen zu lassen, die sich eine Offenheit der Bundesliga für Underdogs wünschen. Wünsche ich mir auch. Was mich nicht daran hindert, das (Achtung, böses Wort!) „Projekt“ Hoffenheim interessiert und gelegentlich den Hut ziehend zu verfolgen.

Als Underdogs kann man sie indes nicht ernsthaft einordnen, und auch Augsburg nur bedingt. Leipzig wird in absehbarer Zeit recht laut an die Tür klopfen, Ingolstadt möglicherweise etwas leiser. Da freut man sich dann vielleicht besonders über die Fürths und Paderborns dieser Welt.

Kommt Heidenheim auch bald? Und sind sie dann gut oder böse? Werden sie gar eine neue „Region“ sein können? Die Zeit wird es weisen. In der Zwischenzeit kann ja der eine oder die andere nach Fehlern suchen:

Oh, it's a Veh!

Am Samstag war noch ein Fußballspiel, hörte ich. Sogar mehrere, um genau zu sein.

So lautet seit einer knappen Woche der Beginn dieses Textes, der nun, da ich dies schreibe, noch immer nicht abgeschlossen und veröffentlicht ist, wohl aber nun, da die geneigte Leserin ihn vor Augen hat, und sie mag etwas sagen in der Art von: „Stimmt. Mindestens zwei Pokal- und ein Divisionsfinale.“ Leider konnte ich nur das eine Pokalfinale sehen, und auch das nur in Abschnitten aus Gründen, die hier und jetzt nicht so sehr von Belang sind. Was ich indes davon sah, hat mich begeistert, Sie wissen schon, Intensität und so, hat der Mehmet ja alles schon erzählt.

Toni Kroos, dem ich nicht immer positiv gegenüberstehe, hat mich ziemlich beeindruckt, seine Souveränität am Ball ist unfassbar (ja, ich habe den Fehlpass ins Aus gesehen), auch das ist hinlänglich bekannt, und nebenbei sei bemerkt, dass seine Stutzenwickeltechnik, die den blauen Streifen, den insbesondere die Herren Götze und Boateng schmerzlich zur Schau trugen, klammheimlich verschwinden ließ, in der Tat eine Augenweide war.

Jürgen Klopp stimme ich ausdrücklich zu, wenn er den Umgang der Schiedsrichter im Allgemeinen und heute im Besonderen den von Florian Meyer mit taktischen Fouls kritisiert, zur Torlinientechnik braucht man an Tagen wie diesem nicht viel zu sagen, Philipp Lahm lobe ich aus Wortschatzgründen über den Schellenkönig, vor allem aber befürchte ich, dass dieses Finale noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird: wann immer künftig irgendwo ein junger Fußballspieler oder eine junge Fußballspielerin mit verschiedenfarbigen Schuhen aufläuft, werde ich – und es steht zu befürchten, dass sich diese Gelegenheit sehr oft ergeben wird – kopfschüttelnd des heutigen Spiels und der Dortmunder Gecken gedenken.

Aber eigentlich hatte ich ja den vorigen Samstag gemeint. Da war nämlich noch ein Fußballspiel, hörte ich. Sogar mehrere, um genau zu sein. Gesehen habe ich nichts davon, weil ich einen ungleich wichtigeren Termin hatte: einen Wiesenkick mit meinem Sohn und dessen Freund. Nicht ganz unerwartet verlor ich durch ein Tor in letzter Sekunde. Was allerdings in der Natur der Sache solcher Spiele liegt: schließlich singt die mitunter kräftig gebaute Dame bei Wiesen-, Beton- und sonstigen Freizeitkicks häufig nicht zu einem vorab festgelegten Zeitpunkt, sondern in Abhängigkeit von den erzielten Toren.

Dass es beim VfB in der abgelaufenen Saison etwas anders lief und der Gesang auch ohne diese regelseitige Besonderheit häufig in unmittelbarem Zusammenhang zu einem Gegentor stand, ist hinreichend besprochen worden, gelegentlich auch hier. Die letzten beiden Spiele deuten darauf hin, dass es auch Huub Stevens nicht gelungen ist, seinen Spielern die übliche Dauer einer Partie Fußball hinreichend zu vermitteln.

Doch auch wenn er an den ganz großen Aufgaben gescheitert ist: zumindest hat er den Klassenerhalt geschafft. Ja, ein paar Spieler, bestimmt auch weitere Akteure, waren ebenfalls daran beteiligt; ich neige gleichwohl zu der nicht sehr originellen Sichtweise, Stevens den Löwenanteil daran zuzuschreiben. Womit ich ihn, das möge nun beurteilen, wer will, und wie sie es will, oder er, in eine Reihe mit Bruno Labbadia im Jahr 2011 stelle.

Anders als bei Labbadia ist Stevens‘ Mission beendet, mein Dank ist ihm gewiss. Für die Rettung, und auch dafür, dass er die Entscheidung selbst getroffen zu haben scheint, anstatt sie möglicherweise Fredi Bobic zu überlassen.

Zwischenzeitlich hat der VfB einen neuen Trainer verpflichtet. Und wie das so ist bei neuen Trainern, fragt man einen persönlich oder virtuell bekannten Blogger, der sich in seiner Freizeit des Öfteren mit einem früheren Arbeitgeber des neuen Übungsleiters befasst, und sich damit fast zwangsläufig auch mit besagtem Trainer beschäftigt hat, nach seiner Meinung.

So geschehen im Jahr 2011, als der einzigartige Kid aus der Klappergass, zum damaligen Zeitpunkt Betreiber eines der besten Blogs der Welt, das leider nicht mehr öffentlich zugänglich ist, Erkundigungen über den neuen Trainer der Frankfurter Eintracht, Armin Veh, einholte.

Und so geschehen in diesen Tagen, als ich mir erlaubte, jenen nicht mehr ganz taufrischen Text, der an der einen oder anderen Stelle von der Realität überholt worden sein mag, auszugraben und hier zu veröffentlichen. Ich bin guter Dinge, dass sowohl der Verfasser als auch der damalige Auftraggeber und Veröffentlichende keine Einwände geltend machen werden, nicht einmal ob einzelner korrigierender Eingriffe.

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Eigentlich ist es eine ziemlich gute Geschichte. Von einem jungen Trainer, der so frei war, einen der begehrten Trainerstühle in der Bundesliga aufzugeben, bevor die übliche Maschinerie anlief. Was ihm, um es vorsichtig auszudrücken, nicht nur Lob einbrachte. Vielen galt er als zu weich für die erste Liga, so wie er einst nicht hart genug gewesen war, sein großes fußballerisches Talent in eine ebensolche Karriere münden zu lassen. Und die Trainerkarriere schien beendet, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Für ein bisschen dritte Liga im heimischen Biotop hatte es noch gereicht, aber auch nicht sehr lange.

Anderthalb Jahre war er komplett aus dem Geschäft, bis sich ein junger Manager, der wenige Wochen nach seinem Amtsantritt, beinahe noch in kurzen Hosen, einen der erfolgreichsten Vereinstrainer aller Zeiten vor die Tür gesetzt hatte, seiner erinnerte. Armin Veh erhielt seine letzte Bewährungschance. Ein gutes Jahr später war er Deutscher Meister, mit einer Mannschaft, der nur wenige, sehr wenige, einen solchen Erfolg zugetraut hatten.

Und auch als es danach wieder ein wenig bergab ging, war der „Meistertrainer“ weiterhin gefragt, heuerte nacheinander bei zwei der ambitioniertesten (und gewiss auch solventen) Vereine im deutschen Fußball an. Er ließ sich zu der Aussage hinreißen, der HSV sei seine letzte Trainerstation, alles ging schief, der Meisternimbus verblasste, dann nahm er doch wieder ein Angebot an, galt manchen als wortbrüchig, und ging in die zweite Liga – zu einem Verein, der traditionell als Diva gegolten und zuletzt wieder einmal den Eindruck vermittelt hatte, die zwischenzeitliche Kontinuität als langweiligen Fehler im System zu begreifen.

Wie die Geschichte weitergeht? Nun, entweder darf er, und mit ihm der Verein, wieder einmal den Phoenix geben, oder er wird, dann vermutlich ohne Verein, dann doch ziemlich endgültig zum Traumhüter der deutschen Trainerzunft. Von der Diva in die relative Bedeutungslosigkeit, wie sein Vorgänger.

Ähm, eigentlich war das ja nicht das, was ich schreiben sollte. Der Gastgeber wollte eine Einschätzung der Arbeit von Armin Veh in Stuttgart. Eben dort, wo er aus einer talentierten jungen Mannschaft einen deutschen Meister formte. So er denn formte. Es ist nicht ganz klar, wie stark er das zur Saison 2006/07 etwas veränderte Gesicht des VfB zu verantworten hatte.

So hieß es bei zwei der wichtigsten Neuverpflichtungen, Pavel Pardo und Ricardo Osorio, sie hätten schon lange auf der Liste des VfB gestanden. Mehr als nur Ergänzungen waren auch Hilbert, da Silva und Boka, denen indes mit Farnerud oder Benjamin Lauth auch eher unglückliche Transfers gegenüber standen – egal ob sie nun auf Vehs oder Heldts Initiative zurück gingen.

Aber da waren ja noch die Jungen. Serdar Tasci bestritt, aus der Jugend bzw. von den Amateuren kommend, 26 Spiele und seine bis heute wohl beste Saison. Sami Khedira kam auch von unten und bewies rasch, weshalb er als eines der größten Talente des deutschen Fußballs galt – nicht von ungefähr war er es, der die Meisterschaft mit seinem Siegtor gegen Cottbus besiegelte.

Und Mario Gomez hatte zwar schon seit 2 Jahren versucht, in der Bundesliga anzukommen; erst in der Stuttgarter Meistersaison blühte er indes so richtig auf, und es scheint nicht ganz abwegig, dass ihm Giovanni Trapattoni ein wenig half, den rechten sportlichen Weg zu finden. Gewiss, es spricht für Armin Veh, auf seine Youngsters gesetzt zu haben. Aber mal ehrlich: muss ich von einem Fußballlehrer nicht auch erwarten, dass er die überragenden Begabungen speziell von Khedira und Gomez erkennt und gewinnbringend einsetzt?

Klingt fast, als schätze ich Armin Veh nicht. Dem ist keineswegs so. Er war nicht nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sondern konnte mich durchaus von seiner Arbeit überzeugen. Er war angenehm unaufgeregt, wusste vielleicht – jetzt wird’s küchenpsychologisch – auch sein Glück einzuordnen, wieder in der Bundesliga arbeiten zu dürfen, und ließ sich nur sehr bedingt vereinnahmen – was man nach Spielschluss in der Kurve gelegentlich bedauert, was ihn aber nicht zu einem schlechteren Trainer oder auch Typen macht.

Dass mit seiner Unabhängigkeit, die wir in ziemlich eindrucksvoller Weise einige Jahre später in Hamburg wieder erleben sollten („So kann man nicht arbeiten. Es geht hier nicht mehr um Fußball„) eine gewisse Sturheit einher ging, wurde in den anderthalb Jahren nach der Meisterschaft immer wieder deutlich, die FAZ griff das Thema bereits wenige Monate nach dem Titelgewinn auf:

Wann ist ein Fußballtrainer ein Trotzkopf, der stur nie das tut, was andere ihm raten, und wann ist er ein Sportlicher Leiter, der Gelassenheit ausstrahlt, damit Rückgrat zeigt und seine Sache aus Überzeugung durchzieht?“,

die Stuttgarter Zeitung sah darin letztlich auch einen Grund für seine Entlassung im Herbst 2008:

„Zu oft hatten sie ihm schon Aufschub gewährt, und zu häufig hatte der Trainer schon auf stur geschaltet und mit dem Verweis auf seine Meriten intern mit einem Rauswurf kokettiert.“

Nahezu unbeschadet ging Horst Heldt aus der Geschichte hervor. Dabei waren die beiden speziell in der ersten Phase nach Vehs Verpflichtung, als der unsägliche Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hundt wenig Zweifel daran ließ, dass er Veh nur als Übergangslösung sah, mitunter als Schicksalsgemeinschaft inszeniert worden, taten es anfänglich vielleicht sogar selbst. Diese Gemeinschaft bröckelte in der nachmeisterlichen Saison relativ rasch. Die Bilanz der Neueinkäufe war verheerend, die Verantwortung dafür wollte keiner so recht übernehmen, Veh selbst tat es erst im Herbst 2008, kurz vor seiner Entlassung.

Zumindest im Fall von Yildiray Bastürk, dem Inbegriff des Fehleinkaufs nach der Meisterschaft (obwohl er sich in einem harten Wettbewerb mit Schäfer, Gledson und Ewerthon, vielleicht auch Radu und Marica, befand), ist es ein offenes Geheimnis, dass Veh die treibende Kraft war, seinen „absoluten Wunschspieler“ zu verpflichten. Sicher, Fehleinkäufe unterlaufen auch den Besten, aber die Häufung war beim VfB nach der Meisterschaft augenscheinlich.

Umso überraschender, dass der VfL Wolfsburg Veh wenige Monate nach seiner Entlassung in Stuttgart als „starken Mann“ verpflichtete, als Manager englischer Prägung, der die Alleinverantwortung im sportlichen Bereich tragen sollte. Angesichts der Stuttgarter Erfahrungen hätte es mich sehr gewundert, wenn das gut gegangen wäre. Aus der Ferne hatte ich zudem den Eindruck, dass Veh sich in Wolfsburg unbedingt von Magath abheben wollte, und damit beim Spielsystem begann. Er krempelte ein funktionierendes System um und war (Stichwort Sturheit?) lange nicht zu einer Kehrtwende bereit.

Dennoch bleibe ich dabei: Armin Veh ist zwar kein Manager, aber ein guter Trainer, der klare Vorstellungen davon hat, wie seine Mannschaften Fußball spielen sollen. Und ja, er schätzt klassische Spielmacher – eine Rolle, die, wenn auch etwas anders interpretiert, mit dem Trend zum 4-2-3-1 wieder eher gefragt ist als zuvor beim Standard-4-4-2 mit flacher Vier. Sicher, in Wolfsburg und in Hamburg lief manches schief, was zum Teil an ihm lag. Doch es ist nicht nur auf meine, wie soll ich sagen, Loyalität zum letzten Stuttgarter Meistertrainer* zurückzuführen, dass ich die Gründe dort in höherem Maße an anderer Stelle suche.

In Wolfsburg hatte man den Gipfel erreicht. Völlig unerwartet erreicht. Veh übernahm eine Mannschaft, die das System Magath inhaliert hatte, in einem Verein, für den das ebenso zutraf. Und er hatte eine Rolle inne, die nicht seinen Stärken entspricht. Selbst schuld? Vielleicht. In Hamburg stimmte allem Anschein nach nichts. Der Verein war nicht handlungsfähig, kam nie zur Ruhe. Und Veh gefiel sich zunehmend in der Rolle desjenigen, der wie ein Außenstehender den Kopf schüttelte. Der nicht zum ersten Mal deutlich machen sollte, dass er selbst entscheiden kann, ob er bei so etwas mitmachen will.

Was noch in Erinnerung bleibt aus Vehs Stuttgarter Zeit? Dass er ein langsames, wenig dynamisches Mittelfeld zusammenstellte bzw. zusammenstellen ließ (nach Bastürk kam auch noch Simak) und eben diese mangelnde Schnelligkeit später beklagte. Dass er den 19-jährigen Sven Ulreich ziemlich verbrannte, als er ihn 10 Spiele lang zur Nummer 1 machte und ihn dann wieder degradierte. Dass er Markus Babbel nach dessen Karriereende zwar als zweiten Assistenten aufnahm, in ihm aber dem Vernehmen nach kaum mehr als einen Hütchenaufsteller sah – Babbels Freude über seine Beförderung zum Cheftrainer nach Vehs Entlassung soll dieser ihm dann auch ziemlich übel genommen haben.

Am Rande sei darauf verwiesen, dass Veh auch zwei Jahre später und aus der Hamburger Distanz Jens Keller scharf kritisierte, der sich auf Kosten seines Vorgängers Christian Gross zu profilieren suchte. Man kann darüber streiten, vielleicht nicht einmal das, ob der Vorgang Armin Veh etwas anging. Aber ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass es ihm ein prinzipielles Anliegen ist.

Und immer wieder: dass Armin Veh der Mann war, der den VfB nach 15 Jahren wieder zur Deutschen Meisterschaft führte.

Nun gehe ich nicht davon aus, dass er die Frankfurter Eintracht binnen zwei Jahren zur Meisterschaft führt, zumindest nicht in der ersten Liga. Aber ich glaube schon, dass sie einen guten Trainer verpflichtet und vielleicht auch eine gute Konstellation geschaffen hat mit einem talentierten Sportdirektor, einem Vorstandsvorsitzenden, dem es gut tun könnte, sich nicht mehr um die sportlichen Belange, sondern etwas mehr um das Drumherum kümmern zu müssen, und eben einem Trainer mit klaren Vorstellungen. Wenn das Zusammenspiel der drei Herren passt, sehe ich eine auch auf Sicht durchaus tragfähige Struktur. Vom Wiederaufstieg gehe ich ohnehin aus.

*Das gilt nicht in jedem Fall. Der vorletzte Stuttgarter Meistertrainer kann mir zum Beispiel gestohlen bleiben. Aber das dürfte dem einen oder anderen Frankfurter angesichts der vergangenen Monate ja ähnlich gehen.

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Eine Aktualisierung des Textes unter dem Motto „Drei Jahre später“ liegt meines Wissens nicht vor, was vielleicht ganz gut ist, weil der Verfasser Vehs Wirken in Frankfurt auch nicht intensiver verfolgt hat als jenes in Wolfsburg oder Hamburg. Dass er in ihm nach wie vor einen guten Trainer sieht, steht indes außer Frage, dass er seinen Humor und insbesondere seine Art, meist über den Dingen zu stehen und auch mal einen Schritt zurück treten zu können, um den Blick zu weiten, über alle Maßen schätzt, ebenso. Vermutlich wird er irgendwann auch darüber hinweg kommen, dass er Veh nicht mehr nur als den Meistertrainer verklären wird können.

So wie er heute damit umgehen kann, dass die Werbung, die er in seiner Jugend für eine der besten der Welt (wiewohl nicht zu vergleichen mit Kid Klappergass‘ Blog) hielt, bei dieser Bewertung wohl doch ein wenig von jugendlichem Überschwang und rückblickender Verklärung profitiert hatte.

Wie auch immer: was muss, das muss. Jetzt. Wer weiß, ob es nicht irgendwann wieder ruck, zuck zu spät ist für vehrchterliche Namensverunglimpfungen, wie sie nur Twitter in jener Fülle und qualitativen Vielfalt hervorbringen kann, die wir im Lauf der vergangenen Woche beobachten durften.

In diesem Sinne:

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Krankheitsbericht

Vor Wochenfrist, großzügig gerechnet, hatte ich endlich mal wieder etwas zu erzählen. Im Stadion war ich gewesen, gegen Dortmund, ein schönes Spiel gesehen, mit bitterem Ausgang, gewiss, und doch waren diese 25 Minuten zu Spielbeginn für die Seele Gold wert gewesen, mehr als alles andere, was ich im Lauf der Saison gesehen hatte. Ich räume ein: vermutlich kam das Schneider’sche Bundesligadebüt dem nahe, auch wenn ich es nur in einer komischen Hamburger Bar (ohne Bindestrich) verfolgen konnte.

Mein Sohn war dabei gewesen, nicht in Hamburg, doch schon, aber das meinte ich jetzt nicht, sondern im Stadion, gegen Dortmund, nachdem er vormittags beim Punktspiel eine Abwehraktion zum Besten gegeben hatte, die Marwin Hitz Stunden später ähnlich spektakulär, aber deutlich weniger erfolgreich nachstellen würde. Aus nächster Nähe ins Gesicht, Sie wissen schon, mit dem Unterschied, dass Hitz ein Eigentor unterlief, während mein Sohn tatsächlich klärte. Glücklich machte es ihn nicht, und mich, der ich ihm tags zuvor angeraten hatte, etwas weniger ängstlich in Zweikämpfe zu gehen, erst recht nicht.

Natürlich hatte das nichts mit Dortmund zu tun, außer dass ich gottfroh war, ihn wohlbehalten und ohne Brummschädel mit ins Stadion nehmen zu können, aber irgendwie hätte ich das schon zusammengeführt. Noch ein bisschen Schirischelte dazu, weil Oliver Kirch nach seinem taktischen Foul auf dem Platz bleiben durfte, dann noch ein paar Mutmaßungen über Jürgen Klopps Gedankenwelt beim Beobachten der Duelle zwischen Erik Durm und Ibrahima Traoré, der natürlich noch einmal eine ganz andere Nummer ist als Gareth Bale – der eine oder andere Seufzer dürfte Klopp dennoch entwichen sein.

Schließlich dann, um das Ganze abzurunden, wäre noch ein kurzes Philosophieren über Robert Lewandowski fällig gewesen, den die einen wegen seine gewiss leichtfüßigen Falls vor dem Ausgleich scharf kritisierten, während die anderen, zumindest Teile der anderen, ganz konkret: ich, den ich also mit einem Gefühl beobachtet hatte, das, die VfB-Bedürfnisse kurz beiseite schiebend, man wohl als Verzückung beschreiben könnte. Ballannahmen, bei denen nicht nur ich mir, sondern bei denen sich vermutlich auch professionelle Fußballspieler Faserrisse zuziehen würden, ohne den Ball auch nur zu berühren, Dribblings, Tempo, eine über sämtliche Zweifel erhabene Körpersprache und in jedem Augenblick diese Sorge, dass gleich etwas Großes passieren könnte.

Ich weiß, BVB-Anhängern geht es schon lange so, von besagter Sorge vielleicht abgesehen, und natürlich denke ich derlei nicht zum ersten Mal, habe ich ihn nicht zum ersten Mal gesehen. Ich weiß zudem, dass das gar nicht sein bestes Spiel war, aber das braucht es ja gar nicht, oftmals sind ja die Ahnungen all dessen, was sich noch dahinter verbirgt, und nein, ich laufe nicht Gefahr, den Faden zu verlieren oder gar ins Schlüpfrige abzugleiten, sind es also diese Ahnungen, die die Phantasie anregen und einem, ja, das Herz aufgehen lassen. Bis man sich dann wieder der Situation der Heimmannschaft erinnert.

Ein bisschen abseits des Spielfelds hätte ich dann noch kurz über Autofahrten aus Kindertagen gesprochen, aus der südbadischen Provinz in die Landeshauptstadt, und über meine Irritation ob der Ungerechtigkeit, dass schon nach wenigen Kilometern, noch vor Erreichen der Autobahn, die Beschilderung für Stuttgart begann, während auf der Rückfahrt weit über 100 Kilometer an uns vorüberzogen, ehe die wunderbare eigene Heimat angekündigt wurde. Dem Großteil der gen Süden fahrenden Stuttgarter war sie schlichtweg ziemlich egal.

Ganz ähnlich wie meinem kindlichen Ich dürfte es jenen Leuten gehen, die nach dem Dortmund-Spiel die Sorge äußerten, der Meister aus München betrachte den VfB als Erzrivalen und werde deshalb besonderes Augenmerk darauf legen, besagten VfB am letzten Spieltag in die zweite Liga zu schießen, um so seinen eigenen Titel noch mehr auskosten zu können. Gewiss, alles eine Frage der Perspektive. Und nicht nur ihrer.

Das alles und noch viel mehr sollte also vor Wochenfrist irgendwie zu Papier gebracht werden, ehe mich eine heimtückische grippale Attacke auf die Bretter schickte, wo ich dann die Woche verbrachte. In lichten Momenten schrieb ich in Etappen ein paar Sätze für den Sitzplatzultra, der in seinem Blog nach einem festen Schema bloggende Anhänger des jeweiligen Gegners „seines“ SC Freiburg zu Wort kommen lässt und dem ich schon vor langer Zeit Antworten zugesagt hatte. Rückblickend kann man feststellen, dass die vermeintlich lichten Momente gar nicht so licht gewesen sein dürften.

Meine dort zum Ausdruck gebrachte Meinung, dass Oliver Baumann ein besserer Torwart sei als Sven Ulreich, ist im Lichte des samstäglichen Realitätsabgleichs zunächst einmal nicht zu halten. Zahlreichen lichten Momenten des VfB-Torhüters stand mindestens ein eher düsterer seines Pendants gegenüber.

Zumindest einen düsteren Moment hatte auch Vedad Ibisevic, der noch nie in seiner Zeit beim VfB so früh und unverletzt ausgewechselt worden sein dürfte. Ansonsten kann ich zum Spiel nichts sagen. Nicht einmal, ob Christian Streich an Gareth Bale dachte.

Somit habe ich zuletzt von drei Heimspielen an drei aufeinanderfolgenden Samstagen nur eines gesehen. Das, das verloren wurde. Ebenfalls nicht im Stadion war ich gegen Hoffenheim. 6:2, Sie wissen schon. Was mich zumindest für das Schalke-Spiel am seit Monaten anderweitig verplanten Ostersonntag ganz zuversichtlich stimmt.

Ernsthaft: der VfB hat in dieser Saison wettbewerbsübergreifend acht Spiele gewonnen. Eines davon habe ich live gesehen. Bitter. Vor allem ersteres.

Ein Freund beantwortete die Frage nach seinen Dauerkartenplänen für die kommende Saison jüngst sinngemäß so:

„Ja, ich denke schon, dass ich auch in der zweiten Liga eine Dauerkarte nähme.
Ach, in der ersten? Nein, das tue ich mir nicht mehr an.“

Wie heiß diese Aussage letztlich gegessen würde, weiß ich nicht. Und auch nicht, ob er zu dem Zeitpunkt schon wusste, dass Fredi Bobic auch in Liga zwei weitermachen würde. So er dürfte. Sein Vorbild sei Michael Preetz, wenn ich das recht verstanden habe. Der sei sogar zweimal wieder aufgestiegen mit der Hertha. Yeah!

Zurück zum Samstag: während ich die Bundesliga so verfolgte, machte das böse Wort von der Wettbewerbsverzerrung die Runde. Ob dem bösen Wort auch ein böses Handeln des FC Bayern gegenüberstand, der mit zehn Feldspielern angetreten war, die im Durchschnitt in gut 40 Prozent der bisherigen Spiele zum Einsatz gekommen waren, darunter zwei Debütanten, wurde nicht einheitlich bewertet.

Dabei steht außer Frage, dass der FC Bayern jedes Recht hat, die Mannschaft aufzustellen, die er will. So wie der Betrachter das Recht hat, darin eine Wettbewerbsverzerrung zu erkennen, oder wie ich das Recht habe, es insbesondere im Lichte der vorangegangenen Ankündigung des Trainers, dass die Bundesliga-Saison des FC Bayern beendet sei, als unsportlich und als Provokation zu empfinden.

Was mich indes überraschte, brachte ich in einem Tweet zum Ausdruck:

Ernsthaft und ohne jede Polemik: ich hätte gedacht, dass Reaktionen im Sinne von „Findest Du?“, „Na ja, jetzt übertreibst Du aber ein bisschen“, „Schon grenzwertig, aber angesichts der Champions League am Mittwoch doch auch nachvollziehbar“ oder gar „Ja, für Mainz als Wettbewerber ist das sicher ein Schlag ins Gesicht. Ich finde dennoch, dass man da keine Rücksicht nehmen darf.“ Auch „Nee, sehe ich überhaupt nicht so. Højbjerg ist schließlich …“ hätte ich genommen. Und ja, gerne auch ein bisschen direkter in der Ansprache, schließlich waren die kritischen Äußerungen auch nicht allzu romantisch ausgefallen, zum Teil übers Ziel hinausgeschossen.

Faktisch las ich indes, was an mir gelegen haben mag, nur sehr wenige Tweets, die sich halbwegs ernsthaft mit den Vorwürfen auseinandergesetzt hätten. Stattdessen wurde den Kritikern unterstellt, doch nur darauf gewartet zu haben, es den Bayern endlich mal zeigen zu können, andere nahmen Diskussionen der letzten Wochen auf, sinngemäß: „Bei Siegen ist es Langeweile, bei Niederlagen Wettbewerbsverzerrung. Euch kann man es nicht recht machen“.

Wieder andere wiesen die „Dummquatscher“ schlichtweg darauf hin, dass „wir“ noch größere Ziele hätten, bezeichneten die Vorwürfe als „Unsinn“ oder ließen die Kritiker wissen, dass sie sie auslachten. Nicht wenige verwiesen darauf, dass sich Augsburg ja nicht in einem relevanten Wettbewerb befinde, was angesichts von nun zwei Punkten Rückstand auf einen möglichen Europapokalplatz eine gewagte These ist, gleichzeitig aber immerhin in eine inhaltliche Auseinandersetzung zum Thema münden konnte.

Häufig kam natürlich der Hinweis, dass gerade Armin Veh nicht klagen dürfe, der ja mit seinen Frankfurtern das Spiel in München abgeschenkt habe. Unter anderem hierzu tauschte ich mich mittels privater Direktnachrichten mit einem geschätzten FCB-Fan aus und argumentierte auf seine Frage hin, ob ich das Frankfurter Verhalten gleichermaßen unpassend gefunden habe, alles andere als wissenschaftlich sauber und in Kurznachrichtendiktion:

„Frankfurt fand ich nicht schön, aber nein, nicht in dem Maße. Zum einen befand sich der Gegner, realistisch betrachtet, schon zu jenem Zeitpunkt nicht mehr in einer wirklichen Wettbewerbssituation, zum anderen verringerte Frankfurt seine Siegchance geschätzt von 10 auf 5 %, während die Bayern ihre heute, geschätzt, von irgendwas über 80 letztlich unter 50 senkten.“

Aber wie gesagt, all das kann man aus guten Gründen anders sehen. Ich hätte mich nur über ein etwas weniger selbstbewusstes Beiseitewischen von Kritik und eine offene Auseinandersetzung gefreut.

Wohl wissend, dass ich manches überlesen haben mag und dass sich viele bestimmt im Privaten Gedanken dazu gemacht haben.

 

 

 

 

 

 

Betriebswirtschaftliche Anreizproblematik

Man möge sich, so man möchte, vielleicht einmal vorstellen, dass es am letzten Spieltag der laufenden Bundesliga-Spielzeit noch um etwas geht, und zwar für Eintracht Frankfurt und den FC Augsburg, die an diesem 10. Mai aufeinandertreffen, in Augsburg. Um uns nicht mit allzu großen Umwälzungen in der Tabelle belasten zu müssen, gehen wir davon aus, dass Augsburg noch auf den Einzug in den Uefa-Cup, oder was aus ihm geworden ist, hoffen kann, während Frankfurt noch Punkte braucht, um den Abstieg auszuschließen. Stellen wir uns weiter vor, dass es auch für den VfB Stuttgart noch um etwas geht, sei es das eine oder das andere.

Und dann ruft Europameister Fredi Bobic Welt- und Europameister Stefan Reuter an, um ihm eine Prämie anzubieten, wenn der FCA in besagtem letztem Spiel einen bestimmten Spieler einsetzt. Ob der Spieler einen Augsburger Sieg wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen sollte und würde, sei einmal dahingestellt.

Abwegig, nicht wahr? Der Aufschrei wäre groß. Der Fußball ist sensibilisiert für solche Themen, zu Recht natürlich. Ob es so weit gehen muss, dass – wie im vergangenen Herbst in Sachsen-Anhalt geschehen – ein Landesligaschiedsrichter suspendiert wird, weil er an einem nicht mit monetären Anreizen versehenen Tippspiel teilnimmt, in dem auch eigene Spiele vorkommen, ist einerseits diskutabel. Andererseits war es eben ein sehr unbedachtes Verhalten des jungen Mannes, und in manchen Bereichen kann es vielleicht nicht schaden, den Anfängen zu wehren.

Ich selbst tue mich ein bisschen schwer damit, dass die Verbände auch versprochene Siegprämien von Seiten Dritter unter Manipulation subsumieren und sanktionieren. Wohlgemerkt: bei Prämien für Niederlagen zögerte ich nicht. Aber auch hier: die Anfänge. Und der Einfluss von außen. Überhaupt, von außen: 50+1, Sie wissen schon. Dritteigentümerschaften an Spieler-Transferrechten. Manches mehr. Der Fußball schützt sich gegen die Einflussnahme Dritter, oder will seine Vereine schützen. Großes Fass, dickes Brett. Plötzlich sind wir bei der FIFA, auch bei der Frage, wem der Fußball gehöre, bei Verbänden und Hartplatzhelden – man könnte in viele Richtungen abzweigen.

Ein anderes Mal, vielleicht. Ich beschäftige mich lieber kurz mit Podcasts. Kommt jetzt eventuell etwas abrupt, ist aber so.

Dass ich recht spät einen Zugang zu Podcasts gefunden habe, äußerte ich hier bereits, und die geneigte Leserin kann das entweder technisch verstehen oder auf meine Präferenzen beziehen, oder auch auf eine Mischung aus beidem – recht hat sie auf jeden Fall. Oder er.

So mag es nicht überraschen, dass die Zahl der von mir gehörten Podcasts nach wie vor überschaubar ist. Wirklich regelmäßig höre ich nur Collinas Erben, wie verschiedentlich ausführlich dargelegt, etwas weniger regelmäßig ein paar vereinsbezogene Angebote, uneingeschränkt regelmäßig die nicht explizit fußballbezogenen Spezialexpertengespräche bei „Was wichtig ist“ (Kunststück, bei bisher genau zwei Ausgaben) und – ebenso regelmäßig, aber deutlich häufiger, der Erscheinungsfrequenz geschuldet – „Football Weekly“ des Guardian.

Schon klar, dass ich hinsichtlich Football Weekly keine Eulen in die werte Athener Leserschaft zu tragen brauche, und vielleicht sollte ich auch nicht weiter darauf eingehen, dass ich Barry Glendenning bei meinen ersten Hörversuchen für einen mittelwitzigen älteren Herrn mit Säuferstimme hielt, dessen Mitwirkungsberechtigung irgendwelche Senioritätsgründe haben musste. Immerhin: die Dinge ändern sich.

Mittlerweile bin ich stets ein bisschen enttäuscht, wenn er nicht dabei ist – auch seinem Humor geschuldet, ja, aber eben auch seinem Wissen, seiner Kompetenz, seinen Nachfragen. Ähnliches könnte man wohl über die meisten anderen Mitwirkenden sagen, aber aus irgendeinem Grund gelten meine Sympathien in besonderem Maße ihm, und so achte ich bei den Premier-League-Ergebnissen inzwischen stets auf Sunderland. So kann’s gehen.

Irgendwann im November sprach man bei Football Weekly über Gerard Deulofeu, bzw. konkret über die Modalitäten des Leihgeschäfts zwischen dem FC Barcelona und dem Everton FC, die dem Vernehmen nach vorsehen, dass sich die Leihgebühr, crikey!, mit jedem Spiel reduziere, das Deulofeu für Everton bestreite. Vielleicht hänge es auch noch davon ab, wie lang der jeweilige Einsatz dauere bzw. ob der Spieler in der Startelf stehe, so genau erinnere ich mich nicht.

Mich irritierte diese Regelung ein bisschen und ich frug bei Twitter herum, ob derlei üblich sei, auch in Deutschland, und las aus den Antworten heraus, dass ich offensichtlich nicht besonders gut informiert war. Zwar bezog sich nach meiner Erinnerung niemand auf offizielle Aussagen; gleichwohl legen die teils überzeugten, teils nur ahnenden Antworten sowie die Anzahl sofort präsenter Beispielfälle nahe, dass etwas dran ist.

Zu den Genannten zählten unter anderen die Herren Didavi, Füllkrug, Schieber und Alaba, im Web fanden sich ad hoc auch de Bruyne und Nordtveit sowie einige mehr. Der Austausch driftete dann, nicht ganz überraschend, zu den Rückkaufoptionen ab, die sozusagen das neue Leihen sind, mich aber im aktuellen Kontext nicht so sehr interessierten.

Kontext? Welcher Kontext? Nun, vielleicht kehre ich doch noch einmal nach Augsburg zurück. Wo Raphael Holzhauser vom VfB auf Leihbasis spielt, und wo man sich erzählt, die Leihgebühr verringere sich mit jedem Einsatz, wo also der FCA faktisch Geld sparen, oder anders: eine Prämie erhalten würde, setzte er Holzhauser gegen Frankfurt ein. Ob er einen Augsburger Sieg wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen sollte und würde, sei einmal dahingestellt.

Möglicherweise stimmt diese Prämisse gar nicht, möglicherweise enthält Holzhausers Leihvertrag keine solche Klausel, möglicherweise mangelt es also meinem mehr oder weniger kunstvoll aufgebauten Spannungsbogen nicht nur an Spannung, sondern ist er noch nicht mal ein Bogen, der wieder zur Sehne zurückfindet, und möglicherweise verirre ich mich auch furchtbar in meinen Bildern.

Was indes kaum bestritten werden dürfte: im Fußball werden Leihverträge geschlossen, die die genannten Verabredungen in der einen oder anderen Form enthalten. Ob dies auch bei Leihen innerhalb einer Liga Usus ist, kann ich nicht mit Gewissheit sagen; es gibt entsprechende Meldungen, die aber auch nur Gerüchte sein mögen.

Bei mir bleibt auf jeden Fall ein nicht näher bestimmtes ungutes Gefühl hängen, ein Jucken, eine Irritation, wenn auch in etwas seriöserer Form, als mein Tweet von vor einigen Wochen, und dort insbesondere, aber nicht nur, der zweite Satz, nahelegt:

Natürlich gehe ich davon aus, dass Markus Weinzierl, so die Klausel bestünde, seine Aufstellung weder im letzten noch in irgendeinem anderen Saisonspiel davon abhängig machen würde, ob er dem Verein damit 10.000 Euro oder welchen Betrag auch immer einsparen könnte, dass er sich also nicht von seinem Controller die Aufstellung diktieren lassen würde.

Es ist nur so, dass die Möglichkeit solcher Rabatte nicht so recht in das Bild passt, das die Fußballfamilie mir spätestens seit 2009 vermittelt, vermitteln will – und an dem ich mit Blick auf Manipulationsthemen auch der Tendenz nach nichts auszusetzen habe. Unabhängig davon, dass ich das Ausloben einer Siegprämie durch Dritte per se nicht für geeignet halte, die Integrität des sportlichen Wettbewerbs zu unterlaufen.

Bei Alex Hleb war die Korrelation übrigens eine andere: Wolfsburgs Leihgebühr an Barcelona soll pro Einsatz fällig geworden sein, in nicht unerheblicher Höhe. Die betriebswirtschaftliche Anreizproblematik bleibt dabei allerdings bestehen, unabhängig vom Vorzeichen der Einsatzprämie. So weit die Theorie.

Kindertag und Altherrentour

Wie wir alle wissen und der Volksmund bestätigt, ist nichts so alt wie die Zeitung von gestern. Möglicherweise darf man heutzutage ergänzen, dass Texte zum vorletzten Spiel, noch dazu in einem elektronischen Medium, wie es zum Beispiel ein Blog darstellt, zumindest ähnlich alt sind, tendenziell eher noch etwas betagter. Vom vorvorletzten gar nicht zu reden.

Aber es hilft ja nichts. Die Textfragmente sind nun mal da, und was erst einmal geschrieben wurde, will letztlich auch veröffentlicht werden. Da trifft es sich ganz gut, wenn der Blogbetreiber, hier: ich, nicht der Aktualität verpflichtet ist und das Ganze als eine Art Reisehintergrundbericht (Arbeitstitel) verkaufen kann. Verschenken, um genau zu sein.

Vielleicht darf ich zuvor noch auf zwei persönliche Auswärtsspiele anderer Art hinzuweisen, deren eines ebenfalls längst von der Realität überholt wurde: das Spiel des VfB II beim SV Wehen Wiesbaden, in dessen Vorfeld ich mein überschaubares Wissen zur aktuellen Situation bei den VfB-Amateuren (sic!) drüben in meinem Lieblingsdrittligablog, dem Stehblog, bloßstellen durfte, liegt bereits hinter uns. 1:1, wie die geneigte Leserin weiß, natürlich ohne die von mir im Stehblog genannten Khedira und Lohkemper, was in beiden Fällen nicht ganz überraschend kam.

Zum anderen beobachtete mich Ermittler Dembowski (vom oberlippenbärtigen Peters gar nicht zu reden) beim Showdown in der Kugelbahn und stellte eines völlig zurecht fest: “Kamke sah gut aus.” Er beobachtete, wie es Ermittler eben so tun, auch noch einiges mehr, was man sich meines Erachtens zu Gemüte führen sollte.

Um diesem Text zwischendurch doch kurz, das propagierte Selbstverständnis ignorierend, einen Hauch von Aktualität zu verleihen, sei auf das Spiel des VfB in Braunschweig hingewiesen, von dem ich allerdings so gut wie gar nichts sehen konnte. Der Liveticker des kicker vermittelte mir indes bereits zur Pause, was ich wissen musste:

“Ein engagierter Auftritt der Eintracht, die zur Pause gegen effiziente Stuttgarter unglücklich zurückliegt.”

Effizient kann man ja so und so sehen. Ich betrachte es in aller Regel als gelungenen Euphemismus. In diesem Sinne hatte ich mir eben das vorgestellt: einen effizienten Sieg gegen die Braunschweiger, denen ich nach eigener Anschauung in Hamburg die Konkurrenzfähigkeit im Grunde abgesprochen hatte. Womit ich gewiss, und durchaus zu meinem Bedauern, nicht alleine dastehe. Wenn nun die Stuttgarter Nachrichten mit “VfB trumpft groß auf” aufmachen, dann, nun ja, ist das möglicherweise Ansichtssache.

Dessen ungeachtet: schön, dass es dann doch noch deutlich wurde, und wunderbar, dass sich Traoré wieder gefangen hat nach, ja, wonach denn? Ist es tatsächlich denkbar, dass sein bitterer Ballverlust, der das Ausscheiden gegen Rijeka quasi besiegelte, ihm so lange zu schaffen machte, ihn hemmte und verunsicherte? Oder machte er eher dem Trainer zu schaffen, der ihm danach die eine oder andere “Denkpause” verschrieb, die hierzustadte erfreulicherweise anders als in Gelsenkirchen nicht gleich “Suspendierung” genannt wird? Wie auch immer: fünftbeste Offensive, hey, hey!!

Dass die Braunschweiger Fans für ihre beeindruckende Anfeuerung bei aussichtslosem Spielstand, vielleicht bereits, auf die Saison bezogen, auf verlorenem Posten stehend, landauf, landab gefeiert werden, ist verständlich und berechtigt. Grundsätzlich. Und doch mutete es, wäre es nicht so traurig und vielmehr begreinens- und protestwürdig, wie ein Treppenwitz an angesichts der schwer zu fassenden vereinspolitischen Groteske, die sich in diesen Tagen abspielt und die die taz, soweit ich die Geschehnisse aus der Ferne beurteilen kann, in der ihr eigenen Art und überraschend gemäßigter Sprache inhaltlich angemessen deutlich kommentiert.

Zurück zum Ausgangspunkt und damit in die aktualitätsfreie Zone: zwei VfB-Spiele live und in Farbe innerhalb weniger Tage. Und vor Ort. Hatte ich auch schon ein Weilchen nicht mehr. Zuerst in der Bundesliga gegen Frankfurt, dann im DFB-Pokal in Freiburg. Und sie waren grundverschieden. Von den Rahmenbedingungen her, meine ich. Sportlich haben sie sich gar nicht so viel geschenkt. Nicht zuletzt traf man in beiden Fällen auf einen Gegner, dessen Fußball mir, wäre ich neutral gewesen, deutlich mehr Spaß bereitet hätte als der des VfB.

Weshalb ich mich erst einmal kurz mit den schönen Seiten befassen will. Mit dem kurzerhand geschaffenen Familienblock gegen Frankfurt. Plötzlich und unerwartet (die älteren LeserInnen werden sich an den Durbridge-Straßenfeger erinnern) befanden sich in unserem Block auf engstem Raum etwa acht Kinder im Vor- oder jungen Grundschulalter, die ihre Papas und in Einzelfällen auch ihre Mamas zum Spiel begleiten durften und dabei den Eindruck einer konzertierten oder gar inszenierten Aktion erwecken konnten.

Womit grundsätzlich eine veronafeldbuscheske (so hieß sie damals noch, als das relevant war) Überleitung zur fanseitigen Inszenierung des 120. VfB-Geburtstages gelungen wäre. Ich kann nur nicht so viel drüber sagen, man hat dann ja doch eher eine Art Schild vor dem Kopf und sieht nicht so viel von der Choreographie, die aber überaus gelungen gewesen sein soll. Quatsch, war! Natürlich habe ich sie mir hinterher auch angesehen. Ich ziehe meinen Hut vor all jenen, die sehr viel Zeit, Mühe und gewiss auch Geld investiert haben. Den Kindern hat es übrigens auch großen Spaß gemacht. Zumindest solange sie die Arme mit hochhalten konnten. Danach durften einzelne Papas, konkret kann ich nur für einen sprechen, quasi Doppelhalter spielen.

Irgendwie taten die Kinder der Atmosphäre gut, der eine oder die andere mag sich etwas länger überlegt haben, ob man die Gäste als “Hurensöhne” feiern solle oder nicht. Die Präferenzen waren allerdings hinreichend klar verteilt, um (vermutlich nicht nur) mir Gelegenheit zu geben, die Nein-mein-Kind-jetzt-nicht-Karte zu ziehen, um eine nicht ganz triviale Begriffsklärung bis auf Weiteres zu verschieben. Schließlich ginge es nicht nur um die Definition an sich, sondern auch um den grundsätzlichen Umstand der Verwendung im Fußballkontext. Im Quasi-Familienblock. Immerhin: die heimische Nachfrage bei anderen Familienmitgliedern scheiterte an der etwas undeutlichen Akustik im Neckarstadion.

So sehr es mir Freude bereitet, immer wieder Kinder im Fanumfeld zu sehen, und so sehr ich es genieße, meinen eigenen Sohn mitunter dabei zu haben, so argwöhnisch sehe ich mir die so sozialisierten Kinder auch immer wieder an. Bloß weil vor einigen Jahren ein Kind bei uns im Block stand, das unter väterlicher Begleitung – die mir persönlich deutlich weiter von bloßer Billigung entfernt zu sein schien als von aktiver Hinführung bis hin zur Anfeuerung – nach Möglichkeit immer ganz vorne dabei war, egal ob es um ein bloßes “die Hände!” ging oder auch um Verunglimpfungen des Gegners. Kann man mögen. Muss man nicht. Ich würde ihn schon gerne mal wieder sehen, einfach der Neugier wegen.

Das Spiel war eher so lala. Der Meistertrainer hatte seine Frankfurter gut eingestellt, bis zu deren Führungstreffer sah der VfB keinen Ball, die Gäste bestimmten – wie schon in der Vorsaison, und wie damals mit einem stets anspielbaren und nie um eine gute Lösung verlegenen Sebastian Rode – die Partie, der Stuttgarter Ausgleich fiel glücklicherweise recht früh und wäre kaum einer Erwähnung wert gewesen, wenn es sich nicht um den Debüttreffer von Timo Werner gehandelt hätte, der das Stadion tatsächlich ein bisschen erbeben ließ.

War Werners eigene Freude bereits explosiv, so vermochten all jene Fans, die wir ihn spätestens seit Saisonbeginn adoptiert, im Grunde aber bereits seit Jahren seinen Weg als vorgezeichnet betrachtet hatten, diesen Ausbruch noch um ein Vielfaches zu steigern. Schon schön.

Ach, und dann war da ja noch diese Elfmetersache. Und die Abseitsstellung, mit der er den Führungstreffer ungültig machte. Und der – selbst großartig erarbeitete – Fehlschuss allein vor dem Tor. Da wäre der Elfer in der Tat ein schönes Happy End gewesen. Tja. Dem Spielverlauf entsprach das 1:1 ganz gut.

Drei Tage später fuhren sechs ältere Herren in drei Zweierreihen gen Freiburg. Bzw. sie wollten es. Gemächlich. Dumm nur, dass einer der sechs in einem beruflichen Termin gefangen war. Und dass dieser Herr, nennen wir ihn der besseren Lesbarkeit wegen Heinz, die Karten hatte. Also vier davon. Dass die anderen beiden noch fehlten, hatte ja im Vorfeld keiner zu wissen brauchen.

Etwa zu der Zeit, als Heinz den Termin rennend verließ, hätte er bereits gut 30 Minuten weiter südlich auf die anderen treffen sollen. Er verschickte ein paar zerknirschte Kurznachrichten, prüfte die Stau- und erfrug die Ticketsituation, beides eignete sich nicht, eine Besserung der Laune herbeizuführen, und fuhr mangels Alternativen geradewegs in den Feierabendverkehr. Nach wenigen Minuten blieb festzuhalten, dass alles noch viel schlimmer war, zumindest nahm er es so wahr, und er erinnerte sich kurz an Rudi Völlers Tiefpunkt-, ähem, Klimax.

Seine Sorgen erwiesen sich letztlich, wie man im entspannten Rückblick immer leicht sagen kann, als panikartig übertrieben, die Mitfahrer wirkten bei seiner Ankunft noch überraschend gelöst, was zum Teil antrainiert gewesen sein mag, zum Teil auch dem Umstand geschuldet, dass ihnen das Ticketdefizit noch nicht bewusst war, oder sie waren einfach cooler als er. Wie sonst ließe sich erklären, dass sie ihn erst noch einmal losschickten, um etwas zu essen zu holen?

Die Fahrt war erquicklich, die Kühltasche gefüllt, die von einem Mitspieler in Aussicht gestellte einstündige Baustellenverzögerung erwies sich als Schimäre (Bingo!), die Parkplatzsuche in Freiburg gelang. Blieb die Ticketfrage. Der großartige Herr @zugzwang74, Freiburger Vereinsmitglied, hatte sich um zwei Karten für den Feind (er selbst würde gewiss nicht so formulieren, was zu besagter Großartigkeit beiträgt) verdient gemacht und diese sogar, gegen seine eigene Überzeugung, an die Grenze zum Gästebereich platziert (er selbst war leider verhindert). Dumm nur, dass sein Verein nicht lieferte.

Wir haben alle schon unsere Erfahrungen mit der Post und ihren privaten Wettbewerbern gemacht. Auch negative. Und doch halten wir es, hatte es auch Heinz für unvorstellbar gehalten, dass zwei Karten, die der SC Freiburg an einem Dienstag in Rechnung stellte, dass also ein vermeintlicher Standardbrief nicht bis zum Mittwoch der Folgewoche in Stuttgart zugestellt würde. Tja. War aber so.

Und was Heinz vor allem nicht für möglich hielt: dass die schriftliche Beschwerde eines Vereinsmitglieds (über die vorausgegangene fernmündliche wollen wir nicht weiter reden), die am Vorabend des Spiels mit einem „EILT“-Vermerk und zahlreichen Ausrufezeichen im Betreff an mehrere Empfänger bei besagtem Verein gesandt wurde, bis zur Mittagszeit keinerlei Reaktion hervorrufen würde. Er hielt das, und an der Stelle schließe ich mich ihm gerne an, bin gar geneigt, mit ihm zu einer Person zu verschmelzen, für hochgradig unprofessionell und die eigenen Mitglieder nur so halb ernst nehmend.

Naja, vielleicht übertreibe ich ein wenig. Zum einen, weil vor Ort dann ja alles ganz gut klappte. Wir kamen recht knapp an, doch am dann doch noch per Mail angekündigten Ort, wo wir Ersatztickets bekommen sollten, hielt sich der Andrang in Grenzen, sodass auch der Umstand, dass wir nicht in der Kartei der Nachlöser erfasst waren, keine weiteren Probleme bereitete. Falls übrigens jemand neuwertige Karten für das DFB-Pokalspiel Freiburg-Stuttgart brauchen sollte: ich hätte einen bestens erhaltenen Satz im Angebot, sie kamen am Tag nach dem Spiel hier an.

Zum Spiel gibt es aus meiner Sicht nicht allzu viel zu sagen. Hätte es vielleicht gegeben, wenn Bruno Labbadia noch Trainer wäre. Dann hätte ich mich vermutlich über die Aufstellung gewundert. Nein, nicht gewundert – geärgert. Darüber, dass man es tatsächlich mit einem 4-4-2 versucht und die Frage, wer dann für ein Mindestmaß an Kreativität im Offensivspiel sorgen soll, getrost dem lieben Gott überlässt.

Insbesondere dann, wenn Christian Gentner en vogue sein und einen herauskippenden Sechser geben soll. Was ja grundsätzlich keine dumme Idee ist, wenn man spielstarke Aufbauspieler in der Innenverteidigung oder auch auf den offensiven Außenpositionen hat. Tja. Wenn. Beim VfB entsteht indes ein Vakuum in der Spielfeldmitte, das sich dann gerne mal mit langen Bällen überwinden lässt. So diese langen Bälle ankommen und behauptet werden können. Was am Mittwoch selten der Fall war.

Wäre Labbadia noch hier, hätte ich wohl auch lautstark gewettert, was denn Konstantin Rausch auch nach der Pause noch auf dem Platz wolle? Schließlich war nicht davon auszugehen, dass Freiburg auch in der zweiten Hälfte darauf verzichten würde, das nächste halbe Dutzend an Situationen ungenutzt verstreichen zu lassen, in denen man völlig unbehelligt über rechts in den Strafraum eindringen und mehr oder weniger überlegt zur Mitte passen darf. So schnell kann’s gehen, dass man doch eher rasch versteht, weshalb das vermeintlich personifizierte Sicherheitsrisiko Boka zuletzt stets spielen durfte: er ist nur die Zweitbesetzung. Das weniger gravierende Risiko, wenn man so will.

Möglicherweise hätte ich auch über Abdellaoue geschimpft, der auch auf dem Platz gewesen sein soll, und darüber, dass Labbadia nicht so recht wisse, was er mit ihm anfangen soll, wieso bzw. unter welchen Vorzeichen er ihn überhaupt geholt habe. Und unter Umständen hätte ich auch noch darauf hingewiesen, dass der Druck, der über die Außenpositionen ausgeübt wird, nach wie vor nur bei Verwendung sehr empfindlicher Geräte in die Randgebiete des messbaren Bereiches gelangt. Obwohl sich dort Spieler tummeln, die das könnten oder auch schon mal konnten.

Labbadia ist aber weg, Schneider noch nicht lange da, und so fasle ich ein bisschen was von einer Hypothek, die der alte Trainer im Zusammenspiel mit der alten Vereinsführung hinterlassen habe, um mich dann auf die Feststellung zu beschränken, dass das Kommunikationsverhalten der Trainer rund um das Pokalspiel verbesserungswürdig war.

Was ich von der Vokabel “Hass” auf und neben dem Fußballplatz halte, habe ich bei der einen oder anderen Gelegenheit zum Ausdruck gebracht, was ich von verweigerten Handschlägen halte, dürfte sich von selbst verstehen, und die Beteuerung, dass jemand Entschuldigungen immer annehme, verleiht dem Einzelfall eine gewisse Beliebigkeit. Tatsächlich ganz amüsant fand ich indes die Unfairness-Anekdote und hoffe inständig, dass nicht sie den Auslöser für die nachfolgenden diplomatischen Verwicklungen darstellte.

Was mir imponierte: wie Christian Streich seine Mannen in der 88. Minute bei eigener Führung und eigenem Einwurf zur Eile antrieb, weil sich möglicherweise eine Lücke im Stuttgarter Deckungsverbund aufgetan hatte. Und wie die Mannschaft sich daran hielt.

Gefühlt, wie man so schön oft sagt, spielten sie einander den Ball just in jener Szene weit in der gegnerischen Hälfte so oft und so schnell und mit so viel Zug zu, wie es dem VfB im ganzen Spiel nicht am Stück gelungen sein dürfte, außer vielleicht von Schwaab zu Rüdiger zu Sakai zu Rüdiger zu Schwaab zu Rausch zu (beliebiger Freiburger Spieler) zu (hoffentlich) Kvist zu Schwaab zu Rüdiger zu Sakai zu Ballvertändler Harnik zu (beliebiger Freiburger Spieler) zu Balleroberer Harnik zu Sakai zu Rüdiger zu …  ach, Verzeihung. Meist war da aber längst der lange Ball gekommen.

Die Heimfahrt war ein bisschen anstrengend. Frustrierend, möchte man sagen. Aber in angenehmer Gesellschaft. Und mit Überlegungen zur nächsten Fußballfahrt älterer Herren.

Stets pünktlich und bemüht

„Wenn ich sehe, dass jemand sehr akribisch arbeitet, sich aufopfert im Job und ambitioniert ist, dann decke ich ihm mit Überzeugung den Rücken.“

Das sagte Fredi Bobic vor dem letzten Bundesligaspieltag der Schwäbischen Zeitung, und er meinte Bruno Labbadia. Er sagte auch noch einiges mehr, zum Beispiel, dass Labbadia oftmals jungen Spielern „anhand von TV-Analysen zeigt, was sie besser machen können … das sind Dinge, die nicht mal der ein oder andere sogenannte Konzepttrainer macht.“

Nun weiß ich nicht genau, wen Bobic mit den sogenannten Konzepttrainern meint, und weiß demzufolge erst recht nicht, was diese in ihrer täglichen Arbeit so tun. Im Grunde würde es mich überraschen, wenn sie ihren Nachwuchsspielern nicht in Form von Videoanalysen den Spiegel vorhielten, aber Bobic wird schon wissen, was er sagt. Den obligatorischen Hinweis, dass ich noch immer hoffe, auch Bruno Labbadia orientiere sich an einem Konzept, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber.

Ein bisschen erinnert mich das Interview an einen Arbeitgeber, der einem scheidenden Mitarbeiter ein gutes Zeugnis mit auf den Weg geben möchte, sich dabei aber ein wenig verheddert. Bobics Wertschätzung für den Trainer klingt durch, er geht auf die Rahmenbedingungen und Labbadias unbestrittene Verdienste ein, und doch: akribische Arbeit? Opfert sich im Job auf? Ist ambitioniert? War er vielleicht sogar pünktlich? Stets bemüht?

Sicher, ich übertreibe. Gewiss, ich habe selektiv zitiert. Aber so’n bisschen mehr über relevante Qualitäten des Trainers hätte er schon sagen können, so er sie denn sieht. Verzeihung, relevant ist Akribie schon. Auch Pünktlichkeit ist relevant. Notwendig, sogar. Nur nicht hinreichend. Die Weiterentwicklung junger Spieler und eine eigene Handschrift (wenn es denn eine geeignete wäre) könnten indes hinreichend sein. Leider liefert jedoch das Interview keine hinreichende Erklärung der Handschrift. Dabei wäre sie notwendig. Im Gegensatz zu diesem verqueren Absatz.

Vermutlich würde auch Bruno Labbadia unterschreiben, dass er mit der Handschrift, die man am Samstag möglicherweise hätte erahnen können, nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Bei Thomas Tuchel, dessen Mannschaft einen Fußball spielte, der auf mich wesentlich strukturierter, vielleicht auch intelligenter, was immer das heißen mag, wirkte, könnte das anders sein. Er dürfte sich die durch das Mainzer Tun insbesondere zu Spielbeginn offenbarte Handschrift gerne – und zurecht – zuschreiben lassen. Dass den Mainzern die Stuttgarter Trägheit dabei wunderbar in die Karten spielte, ist unstrittig. Und dass Trägheit nicht unbedingt zu den Eigenheiten von Labbadias Handschrift zählt, will ich ihm hier gerne zugestehen. Die Mannschaft war einfach im Kopf nicht ganz da, und ich kann es ihr nicht einmal verdenken.

Dann bekommt man halt ein Tor, nachdem ein eigener Innenverteidiger zunächst noch an der Mittellinie protestierte, anstatt gegen den Ball zu spielen, ein Tor, bei dem 4 oder 5 Weiße den im Grund schon nicht mehr gefährlichen Angriff zu leichtfertig laufen lassen und zwei Blauen beim Torschießen zusehen. Dann bekommt man eben ein zweites Gegentor, bei dem einige keine gute und der Torwart eine, nun ja, lustige Figur abgeben. Jener Torwart, der zuvor schon Glück hatte, nicht vom Platz gestellt zu werden, als er einen Ball völlig falsch eingeschätzt und außerhalb des Strafraums mit der Hand gespielt hatte, und der sich kurz darauf einen hohen Ball selbst ins Netz statt über die Latte gelöffelt hätte, wäre ihm nicht ein Verteidiger zur Seite gesprungen. Wird bestimmt alles besser in Berlin.

Immerhin: man wehrte sich, spielte zwar noch immer verdammt viele Fehlpässe oder schaffte es, wie Gotoku Sakai, drei oder vier Bälle völlig unbedrängt bei der Annahme ins Aus springen zu lassen, zeigte aber auch, dass man das Spiel gelegentlich schnell machen und dann auch konsequent abschließen kann (Boka!). Faszinierend die zweite Hälfte, als man sich wünschte, dass wenigstens eine der beiden Mannschaften in der Lage wäre, mal einen schnellen Angriff – Räume waren im Überfluss vorhanden – konsequent zu Ende zu spielen. Kurz: ein typisches letztes Saisonspiel bei nahezu entsprechenden Temperaturen.

Typisch für einen letzten Spieltag war auch das Geschehen auf den anderen Plätzen. Tore im Minutentakt, speziell in der ersten Hälfte, entschädigten für vieles, was man im Neckarstadion an Aktivität und Attraktivität vermisste, und ein bisschen fühlte man sich wie in der guten (?) alten Radiokonferenz. Champions League, Europa League, Abstieg – es ging hin und her, die Spannung war groß, die Ereignisse zahlreich, die Präferenzen im Stadion deutlich vernehmbar. Bei Schalke und Freiburg schienen sich viele schwer zu tun, Frankfurt hatte wohl leichte Vorteile gegenüber dem HSV, nur bei Hoffenheim schien sich der Großteil der Zuschauer in seiner Aversion einig. Umso spannender, dass sich gerade dort die Ereignisse zum Ende hin überschlugen, sodass die Fans, die das Treiben ihres VfB über weite Strecken vergleichsweise teilnahmslos verfolgten, auf diesem Wege einige Aggressionen loswerden konnten.

Nach dem Spiel äußerte ich meine Begeisterung über das nachmittägliche Geschehen via Twitter:

– was, nicht nur aus Sicht der gerade Abgestiegenen oder anderweitig Gescheiterten verständlich, keine uneingeschränkte Zustimmung erfuhr. Gleichwohl: solche Geschehnisse, gerade die in Dortmund, sind es doch, die einen ganz erheblichen Teil dessen ausmachen, was uns am Fußball so fasziniert. Freiburger Fans werden ihren Enkeln dereinst davon erzählen, wie Julian Schusters kurioses Eigentor die erste Champions-League-Qualifikation ihres Vereins verhinderte (wobei: möglicherweise erzählen Freiburger Fans ihren Enkeln auch auf Jahrzehnte hinaus nur von Christian Streichs Pressekonferenzen), und den nächsten Generationen Hoffenheimer Anhänger (hier darf sich jeder, dem so etwas gefällt, gerne einen beliebigen Witz mit den Schlagworten Hoffenheim, Fans, Tradition und Hopp denken) könnten, ein erfolgreiches Bestreiten der Relegation vorausgesetzt, ob der Namen Gisdol, Schipplock, Salihovic und nicht zuletzt Großkreutz irgendwann die Ohren bluten.

Ich selbst bin, um damit nicht hinter dem Berg zu halten, recht zufrieden mit dem Ausgang des letzten Spieltags. Ich freue mich, dass Frankfurt und Armin Veh für ihre starke Saison belohnt wurden. Freiburg hätte ich Platz vier gegönnt, verhehle aber nicht, dass auch Jens Kellers Weg mit den Schalkern aller Ehren wert ist. Dass ich letztlich ohnehin jede Platzierung, die man nach 34 Spielen erreicht, für verdient halte, wissen diejenigen, die hier mit einer gewissen Regelmäßigkeit mitlesen, ohnehin.

Und so verneige ich mich ziemlich tief vor Markus Weinzierl und seinen Augsburgern, bedaure die Düsseldorfer Fans, deren Verein zu lange eine zu schlechte Figur abgegeben hat, um bei mir einen nennenswerten Abschiedsschmerz auszulösen, und beglückwünsche Hoffenheim, das nicht nur den Trend und möglicherweise ein wenig den Spielplan zum Freund hatte, das auch nicht nur die sich bietende Chance entschlossen beim Schopf packte, sondern das auch seit Wochen Anzeichen einer einkehrenden Vernunft und entsprechenden Neuorientierung aussendet. Dass mich ganz nebenbei auch die Bayern mit ihrer überragenden Saison beeindruckt haben, ergänze ich gerne, auf all die anderen will ich jetzt nicht weiter eingehen.

Kurz eingehen möchte ich aber noch auf die VfB-Spieler, die sich mit einem sehr gelungenen Video bei den Fans bedankten (wie mittlerweile wohl jeder weiß):

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Interessant, wie sie sich am Spieltag nach der Ankündigung des Videos im Mittelkreis sammelten, in – wie ich meine – gespannter Erwartung der Reaktion derjenigen, die sie da porträtierten (der Umstand, dass mir kein passendes Verb aus der Wortfamilie der »Hommage« bekannt ist, ersparte mir die Entscheidung, ob ich das Porträt vielleicht gar zur eben genannten erheben solle), in gespannter Erwartung, wie sie Kindern eigen ist, die etwas für ihre Eltern gebastelt haben und eigentlich wissen, dass diese begeistert reagieren werden, die aber doch, wegen irgendeiner Kleinigkeit (Mamas gute Stoffreste verwendet?), einen Ticken © Nervosität verspüren. Was natürlich völlig unnötig ist.

Was mir tatsächlich am besten gefallen hat: die Trikotvielfalt. Cacau mit diesem furchtbaren goldstichigen Göttinger-Gruppe-Verbrechen, Röcker als Verlaat, dann natürlich Südmilch, selbst das weinrote Gazi, Ulreich im gelben debitel – fast wie im richtigen Leben, die einfache Variante mit aktuellen Trikots (und dem aktuellen Sponsor) vermeidend.

Und am allerbesten, einmal mehr: Martin Harnik. Ich hatte überlegt, diesen Text ganz anders zu schreiben, unter der Überschrift „Ode an Martin Harnik“. Allein: ich weiß nicht, wie man eine Ode schreibt. Sagte ich hier übrigens schon einmal, in anderem Zusammenhang. Irgendwann muss ich mich wohl doch mal daran versuchen. Bis dahin sammle ich einfach weiterhin öffentliche Auftritte von und mit Martin Harnik, mit dem Wunsch, dass sie jedem anderen Berufsfußballspieler zum Selbststudium ans Herz gelegt werden mögen. Könnte allerdings auch deprimierend werden.

Die Uerdingen-Uebertreibung

Die Bundesliga-Saison läuft noch, hörte ich. Es fallen tatsächlich auch noch einige relevante Entscheidungen, und ja, ich werde sie interessiert verfolgen. Ich werde auch ins Neckarstadion gehen, um dem VfB gegen irgendeinen Gegner, möglicherweise ist es Mainz, zuzuschauen. Ok, ich weiß, dass es Mainz ist, mir war nur grade nach einer billigen, Effekt heischenden (wohl aber nicht erzielenden) Illustration meines sehr überschaubaren Interesses an den verbleibenden (jenes in Gelsenkirchen zählte bereits dazu) Bundesligaspielen des VfB in dieser Saison. Vom Schalke-Spiel habe ich noch nicht einmal die Tore gesehen.

Nun könnte man einwenden, die Spiele seien allein deshalb interessant, weil es ja für alle Spieler darum gehe, so auch öffentlich von Trainer und Sportvorstand propagiert, sich für das Pokalfinale zu empfehlen. Was voraussetzen würde, dass es tatsächlich einen Konkurrenzkampf gibt. Tatsächlich suche ich gegenwärtig noch nach der Startelfposition, die nicht vergeben ist. Rechts hinten vielleicht?

Letztlich ist es ja ohnehin egal, wer gegen die übermächtigen Tripleaspiranten aus München aufläuft, hört man. Denkt man auch selbst. Manchmal. Meist. Aber gegen so ein bisschen Hoffnung ist ja nichts einzuwenden, kann und will man sich nicht einmal wehren, und Strohhalme sind schnell gefunden:

Tweets_Uerdingen_20130515

Der Reihe nach: Trainer Baade wünscht einigen VfB-Anhängern ein längeres Vergnügen als jenes, das er selbst (obschon Nicht-Vereinsanhänger, d. Red.) im Jahr 2011 mit Meiderich hatte. Er geht allerdings von einer geringen Eintrittswahrscheinlichkeit aus, was sich mit meiner Erwartungshaltung zu decken scheint. Martyn interveniert und verweist auf ein geschichtliches Vorbild: Bayer Uerdingen, vermutlich im Jahr 1985 (Sie wissen schon, wie auch in meiner Reaktion angedeutet: Wolfgang Schäfer, Pokal im Bett, undsoweiterundsofort).

Richtig interessant wird es in dem Moment, als Trainer Baade die Vergleichbarkeit bestätigt. Beinahe, fügt er fast ein wenig verschämt hinzu, und der gemeine Stuttgarter Anhänger interpretiert seine Relativierung dahingehend, dass der VfB, ein Traditionsverein und in diesem Jahrtausend einer der regelmäßigsten deutschen Europapokalteilnehmer, dann ja doch nicht auf ganz so verlorenem Posten stehe wie das mittlerweile ungefähr siebzehntklassige Bayer Uerdingen damals, ein Plastikverein von Bayers Gnaden, dessen anhaltende öffentliche Bekanntheit sich nahezu ausschließlich aus zwei Spielen speist, von denen das eine eben genannt wurde und das zweite sich bereits in den Köpfen der Mitlesenden eingenistet hat.

So zumindest meine Interpretation der Baade’schen Einschränkung, seiner Höflichkeit eingedenk. Möglicherweise meinte er es aber auch ganz anders. Möglicherweise gelang es ihm, die Stuttgarter Fans glauben zu machen, er bewerte die Chancen ihrer Mannschaft höher als die damaligen Uerdinger Aussichten, obwohl er eigentlich, die Fakten vor Augen, das Gegenteil meinte. Sicherlich wusste er, im Gegensatz zu den verblendeten VfB-Anhängern wie Martyn und mir selbst, dass Bayer Uerdingen zu jener Zeit wesentlich näher an den Bayern dran war, als es sich der VfB heute auch nur erträumen könnte:

Zum Zeitpunkt des Pokalfinales 2013 wird der VfB in der Liga rund 10 Plätze und mindestens 43 Punkte (maximal 49) hinter den Bayern liegen. Bayer Uerdingen lag damals – übrigens beim ersten Finale im sogenannten deutschen Wembley und zugleich dem letzten, so ich mich nicht vertan habe, das vor dem letzten Bundesligaspieltag stattfand – auf Platz 5, also 4 Ränge und 10 Punkte hinter dem Finalgegner, von denen letztere auch bei Umrechnung gemäß der 3-Punkte-Regel nur auf 15 anwachsen. Kein Vergleich zum VfB, wenn man ehrlich ist.

Momentaufnahme? Ja, wie immer. Aber nicht nur. Im Folgejahr, das Bayer mit einem 1:0-Sieg gegen den FC Bayern begann, belegte die Mannschaft am Saisonende Rang 3, 4(6) Punkte hinter dem Meister aus München, und scheiterte im Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger an Atlético Madrid. Durchaus ehrenvoll, was gewiss auch für den FC Bayern gilt, der im Viertelfinale des Landesmeisterpokals gegen Anderlecht und den jungen Enzo Scifo den Kürzeren zog. Klingt aber – meiner eigenen anderslautenden Erinnerung zum Trotz – irgendwie so, als sei man sich sportlich damals annähernd auf Augenhöhe begegnet, zumal auch noch niemand das Bedürfnis verspürte, von spanisch-schottischen Verhältnissen zu sprechen.

Quintessenz: Uerdingen taugt nicht als Referenz. Mit viel Wohlwollen vielleicht als Strohhalm. Bleibt also die Frage, wo man die von Martyn angesprochene Hoffnung in der Geschichte des DFB-Pokals suchen und vielleicht doch noch finden soll.

Ich hab das dann mal übernommen, wenn auch eingeschränkt: seit der Gründungssaison der Bundesliga, weiter habe ich der Vergleichbarkeit wegen nicht zurückgeblickt, gewann in immerhin 15 Fällen die in der regulären Saison (kleine Ungenauigkeit: am Saisonende, nicht zwingend zum Zeitpunkt des Finales) schlechter platzierte oder unterklassige Mannschaft, angefangen gleich 1964 in Stuttgart, als der Bundesligasiebte 1860 gegen den Dritten (nach 3-Punkte-Zählung sogar Zweiten) aus Frankfurt, der 13 Punkte (3er) mehr erzielt hatte, siegreich blieb.

Mit dem heutigen Platzierungs-, Punkt und Leistungsunterschied zwischen den beiden Finalisten scheint so ein Ergebnis indes nur schwer vergleichbar zu sein, nicht einmal »(beinahe)«. Lediglich zweimal gelang es einer Mannschaft, die in der Bundesliga 20 oder mehr Punkte Rückstand auf ihren Finalgegner hatte, diesen dann tatsächlich zu besiegen: 1999 lag Werder Bremen (fast hätte ich gesagt: aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, um mich dann doch kurz der aktuellen Tabelle zu besinnen) als 13. satte 40 Punkte hinter dem Meister aus München, den es im Elfmeterschießen besiegte, und, tja, der frischgebackene Meister aus Stuttgart war im Jahr 2007 dem 5 Plätze und 22 Punkte hinter ihm eingelaufenen 1. FC Nürnberg nicht gewachsen. 1989 lag Pokalsieger Dortmund immerhin noch 13 Punkte und 4 Ränge hinter Finalgegner Bremen, 1996 schlug Absteiger Kaiserslautern im Finale den um 9 Plätze und (nur!) 12 Punkte besseren KSC.

Eine Sonderrolle nehmen schließlich, die gemeine Leserin wird die Protestnote bereits formuliert haben, noch die beiden Finale ein, bei denen ein unterklassiger Verein siegreich vom Platz ging: 1970 schlug Regionalligist (und Bundesliga-Aufsteiger) Offenbach den Bundesliga-Vierten aus Köln. Mit etwas Wohlwollen kann man von einer Differenz von 15 Rängen reden [Nachtrag: war alles anders, wie Trainer Baade in den Kommentaren erklärt.], bei den Punkten wird es dann gänzlich unseriös. Gleiches gilt im Falle von Hannover 96, das 1992 als fünfter der 2. Liga Nord den 13. der ersten Liga, Borussia Mönchengladbach, im Elfmeterschießen schlug. Aufsteiger aus der 2. Liga Nord war in jener Saison, genau, Bayer Uerdingen.

Was das nun für den VfB heißt? Man weiß es nicht. Oder zumindest ich nicht. Aber man könnte sich an Werder 1999 orientieren. Oder an, honi soit qui mal y pense, den beiden Zweitligisten.

Und dann erinnern wir uns, wie so oft in kritischen Situationen, des Buches von den Elf Freunden, in dem Heini, Matze und die anderen vor ihrem eigenen großen Spiel alte Ergebnislisten wälzten, um sich einen vergleichbaren Außenseitersieg zum Vorbild zu nehmen. Dass der letztlich für passend befundene 3:0-Sieg der Düsseldorfer Fortuna gegen Schalke im 33er Meisterschaftsfinale aus einer Zeit stammte, in der die Kräfteverhältnisse noch etwas andere gewesen waren, musste man ihnen ja nicht auf die Nase binden. Und es half.

Also doch unsere Hoffnung: Bayer Uerdingen!