Verbalbeurteilung 2012

Im abgelaufenen Jahr waren die Leistungen der Gruppe nicht nur erneut recht wechselhaft; vielmehr gelang es wiederum, durch konzentrierte Leistungen im zweiten Halbjahr ein noch vor wenigen Monaten kaum für möglich gehaltenes Abschlussniveau zu erreichen. Erstmals seit Jahren war es zudem möglich, Kontinuität beim Lehrpersonal zu gewährleisten.*

* Ein Umstand, der anderen Einrichtungen nicht vergönnt war und der sie mitunter zu ungewöhnlichen Lösungen (Pensionäre, Lehrpersonal mit fragwürdiger Ausbildung, Rückgriff auf ehemalige Schützlinge oder freigestellte Ehemalige, …) zwang.

Leider gelang es bei den jüngeren Jahrgängen wie auch bei der Ausbildungskoordination nicht, diese Kontinuität zu gewährleisten, was die Umsetzung des Leitbilds der Einrichtung, insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung der nachrückenden Jahrgänge, erschwert. Eine entsprechend demütige Herangehensweise scheint geboten. Lehrpersonal und Verwaltung werden diesbezüglich auch weiterhin Beispiel gebend wirken.

Sven konnte im Lauf des Jahres mit guten, in Teilbereichen außergewöhnlichen Resultaten nicht nur die Gruppe und das Lehrpersonal von seiner Leistungsfähigkeit überzeugen. Nicht zuletzt dank zahlreicher erfolgreich absolvierter Einzelprüfungen und einer bemerkenswerten linearen Herangehensweise ist Svens Ansehen enorm gestiegen. Gelegentlich wären ihm eine höhere und stärker nach vorne gerichtete Gedankenschnelligkeit sowie ein spielerischer Umgang mit potenziell schwierigen Situationen zu wünschen. Sven erhält einen Preis. Einen hohen.

Arthurs Leistungen ließen zu keinem Zeitpunkt auf ein ernst zu nehmendes Interesse schließen, über den Sommer hinaus in der Einrichtung zu bleiben. Seine zahlreichen Fehlzeiten waren nur selten selbst gewählt, sondern meist durch das Lehrpersonal angeordnet. Angesichts eines möglichen Verbleibs aus sozialen Gründen durfte er zuletzt erneut an einigen Prüfungen teilnehmen, ohne ansprechende Leistungen zu erbringen. Zudem brachte er seinen Kameraden Sven wiederholt durch gegen diesen gerichtete Alleingänge in Bedrängnis.

Cristian gelang es auch im abgelaufenen Jahr nicht, seine teilweise sehr guten Leistungen mit der erwünschten Konstanz zu erbringen. Immer wieder vermischen sich die erfreulich offensiv vorgetragenen positiven Eindrücke mit Situationen, in denen er sich zu leicht in die Defensive drängen lässt und ein wenig den Überblick verliert. Der im Raum stehende Wechsel zu einer ausländischen Einrichtung hängt sicherlich von den Rahmenbedingungen ab, ist jedoch aus Sicht unserer Einrichtung nur bedingt zu empfehlen. Bemerkenswert ist im Übrigen Cristians konsequenter Umgang mit einschlägig bekannten Petzen.

Gotoku stieß im Winter aus einer ausländischen Einrichtung zur Gruppe und sollte aus Sicht der Leitung zunächst einen längeren Integrationskurs durchlaufen, den er aber dank außergewöhnlicher beiderseitiger Anstrengungen und einer ebensolchen Lernwilligkeit rasch abbrechen konnte, um statt dessen an exponierter Position und mit bemerkenswertem Erfolg an zahlreichen Prüfungen teilzunehmen. Im kommenden Jahr wird es, unserem Einrichtungsleitbild widersprechend, auch darum gehen, dass er vergisst, wo er herkommt, und lahme Vergleiche mit Leben füllt. Gotoku erhält ein Lob.

Khalid erbrachte in diesem Jahr verlässlich ansprechende Leistungen und konnte im Gegensatz zu den Vorjahren auch sein Interesse an einem erfolgreichen Abschluss vermitteln – sowohl am eigenen als auch an dem seiner Freunde, die er verschiedentlich vorbereitend unterstützte. Leider reichen seine Leistungen gleichwohl nicht aus, um sein Stipendium fortzuführen.

Stefano erfüllte die auf Basis seiner Vorleistungen angepassten Erwartungen in vollem Umfang. Sehr bemerkenswert ist seine Kompetenz im Bereich der sogenannten neuen Medien, die allerdings mit unserem Profil nur schwer in Einklang zu bringen ist. Gemeinsam mit der Verwaltung kam er einträchtig zu dem Schluss, die Einrichtung zu wechseln.

Antonio durfte im Lauf des Jahres erstmals an einigen Einheiten mitwirken und in einem Fall auch an einer Prüfung teilnehmen, worauf er sehr stolz war. Einem jüngeren Jahrgang entstammend, bereitete ihm dabei der Niveauunterschied noch(?) gewisse Probleme und hinderte ihn mitunter, elegantere Lösungen zu finden. Dabei ist festzustellen, dass auch der Randplatz für seine Integration gewiss nicht förderlich war.

Serdar erbrachte das gesamte Jahr über konstant und zuverlässig gute Leistungen. Erstmals gelang es ihm, sich gänzlich auf Übungseinheiten und Prüfungen zu konzentrieren, zudem hielt er die Fehlzeiten gering. Unaufgeregt trug er, spätestens im Frühjahr auch äußerlich sichtbar, Verantwortung für die Gruppe und konnte bedrohliche Situationen immer wieder mit der ihm eigenen Eleganz lösen. Dass ihm die Teilnahme an einem internationalen Sportfest verwehrt blieb, ist sehr bedauerlich und vermutlich nur einer zum Jahresende hin erlittenen Sportverletzung geschuldet. Serdar erhält einen Preis.

Georg gelang es in einer in diesem Maß unerwarteten Art und Weise – nach einem nicht zufrieden stellenden Vorjahr und einer längeren krankheitsbedingten Abwesenheit –, zum Jahreswechsel hin wieder verlässlich ansprechende Leistungen und entsprechende Prüfungsresultate zu erbringen. Seine Gruppenarbeiten mit Serdar verliefen in der Regel gleichermaßen harmonisch wie ergebnisorientiert. Sehr rasch übernahm er zudem wieder Verantwortung in der und für die Gruppe. Speziell sein häufig unterschätztes Faible für Technik setzte er dabei mitunter recht offensiv ein.

Francisco stieß vor dem abgelaufenen Jahr zur Gruppe und nahm gleich einen frei gewordenen zentralen Platz ein, was ihm die Integration deutlich erleichterte. Seine Leistungen waren von Beginn an solide; einzelne Ausrutscher, die zunächst nicht allzu sehr ins Gewicht fielen, trübten indes schon früh den Gesamteindruck. Dies setzte sich im zweiten Halbjahr nahtlos fort, sodass er nur noch seltener zu Prüfungsleistungen zugelassen werden konnte. Zuletzt handelte es sich offensichtlich um eine Kopfsache.

Matthieu hatte, zunächst krankheitsbedingt, erneut lange Fehlzeiten zu verzeichnen. Beim Versuch, das Versäumte durch Nachhilfestunden mit Jüngeren aufzuholen, schlug er leider über die Stränge und verschuldete damit weitere Fehlzeiten, die er in absehbarer Zeit nicht aufholen kann. Er wechselt daher an eine nahe gelegene traditionsreiche Einrichtung, die ihren regionalen Fokus somit weiter stärkt. Für seine langjährige Mitwirkung in den einschlägigen Gremien erhält Matthieu einen Preis.

William stieß im vergangenen Sommer zur Gruppe und beeindruckte vom ersten Tag an mit kurzen Hosen, Offenheit, Eloquenz, Humor und Ernsthaftigkeit. Speziell im ersten Halbjahr waren seine Prüfungsresultate trotz einiger Regelverstöße außerordentlich gut. Im Frühjahr machte ihm der Niveauunterschied zu seiner alten Einrichtung zeitweise ein wenig zu schaffen, zum Ende hin stabilisierte er sich wieder und nimmt derzeit an einer internationalen Sommeruniversität teil. Seine soziale Kompetenz ist beispielhaft und zeigt sich nicht zuletzt an seinem mitunter auch offensiv zur Schau getragenen Bestreben, den häufig am Rand stehenden Sven in nahezu jede Gruppenarbeit einzubeziehen.

Christian fand sich im abgelaufenen Jahr wesentlich besser zurecht als zuvor. Gerade im Sport zeigte er sich deutlich verbessert, auch unmusikalische Misstöne waren nur noch selten zu vernehmen. Er nahm am Großteil der Prüfungen teil, häufig als Nachrücker, oft mit – gelegentlich auch zählbarem – Erfolg, teilweise aber auch mit schwächeren Ergebnissen, die seiner großen Begabung nicht gerecht werden. Sein Ansehen in der Gruppe ist unverändert hoch; Verlässlichkeit, Engagement und Verantwortungsgefühl sind beispielhaft. Bemerkenswert ist zudem sein zuletzt verschiedentlich unter Beweis gestelltes Gespür für spektakuläre Abschlussprojekte.

Zdravko erzielte im abgelaufenen Jahr eher wechselhafte Ergebnisse, zeigte sich aber in kritischen Situationen einmal mehr punktgenau vorbereitet. Nach wie vor würde man sich wünschen, dass er seine Begabung noch entschlossener und vor allem schneller in entsprechende Prüfungsleistungen ummünzt. Möglicherweise wird er die Einrichtung im Sommer verlassen, um zu einer ausländischen Einrichtung zu wechseln – was mit Blick auf die anstehenden Prüfungen einen herben Verlust darstellen würde. Seinem Wunsch, sich in einem nicht nur internationalen, sondern dem Vernehmen nach auch berechenbareren Umfeld weiterzuentwickeln, trüge die Einrichtungsleitung (nach derzeitiger Quote) wohl dennoch Rechnung.

Mamadou nahm im vergangenen Jahr an sehr wenigen Prüfungen teil, was nur bedingt an Krankheiten oder der Mitwirkung bei einem internationalen Sportfest lag. Vielmehr gelang es schlichtweg nicht, seine Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen. Anlässlich einer Sportprüfung im größtmöglichen Rahmen legte er indes, so der Übungsleiter, in einer kritischen Situation eine bemerkenswerte Ruhe an den Tag. Ein Gespräch ist erwünscht.

Tamas hatte dieses Jahr lange an dem – nicht ganz unerwarteten – Rückschritt nach einem beeindruckenden Vorjahr zu knabbern und konnte erst nach einer langen Phase ungebrochenen Fleißes wieder an einen erfolgreichen Abschluss denken – und auch seine Freunde dabei unterstützen. Ob er eine auch im neuen Jahr nicht unwahrscheinliche ähnliche Entwicklung noch einmal bewältigen könnte, erscheint fraglich. Möglicherweise käme ihm eine Mentorentätigkeit für ein junges Gruppenmitglied eher entgegen.

Raphael durfte, aus einem jüngeren Jahrgang kommend, sowohl an den Übungseinheiten als auch an einzelnen Prüfungen teilnehmen. Die Prüfungsleistungen stellten eine sehr vielversprechende Probe seiner überragenden Begabung dar, in den Übungen indes erwuchsen dem erfahrenen Lehrpersonal, das selbstverständlich nicht aus Idioten besteht, bisweilen Zweifel an seiner Seriosität. Ein Gespräch ist erwünscht. Thema: Haarschnitt.

Martin erzielte im Betrachtungszeitraum noch einmal deutlich verbesserte Prüfungsergebnisse. Dabei entstand phasenweise der Eindruck, dass er selbst in Ansätzen, vor allem aber sein Umfeld den Fokus etwas zu sehr auf seinen erfolgreichen Abschluss legte. Seine Technikaffinität erscheint nach wie vor verbesserungswürdig, seine Kommunikation nicht. Sieht man von einzelnen Reibereien mit seinem Freund Geronimo ab, ist es gleichermaßen wahrscheinlich wie wünschenswert, dass er der Einrichtung auch künftig mit seinem Auftreten zur Ehre gereicht. Martin erhält einen Preis in Form eines langjährigen Stipendiums.

Shinji wirkte in seinem ersten kompletten Jahr bei uns etwas zielstrebiger und arbeitete entschlossener – mitunter zudem sehr sehenswert – auf den Abschluss hin, ohne bereits all seine Potenziale auszuschöpfen. Er erleichterte maßgeblich die Integration seines Freundes Gotoku und machte Fortschritte bei der Ablaufkoordination mit anderen Mitgliedern seiner Arbeitsgruppe. Noch immer scheint indes unklar, ob er seinen Platz in der Gruppe gefunden hat.

Timo konnte sein Niveau aus dem Vorjahr nicht zuletzt deshalb zu keinem Zeitpunkt erreichen, weil er in aller Regel nicht zu den Prüfungen zugelassen wurde. Dies lag zum kleinen Teil an Krankheiten, zum großen Teil an anderen Gründen, die hier auszuführen zu kompliziert wäre. Seien Sie jedoch versichert, dass die Leitung nicht aus Idioten besteht und gute Gründe hatte. Wir beglückwünschen Timo zu seiner Entscheidung, an eine unserer traditionellen Kooperationseinrichtungen zu wechseln, die sich auf die Rehabilitierung begabter Drop-Outs anderer Einrichtungen spezialisiert hat.

Ibrahima durfte in seinem ersten Jahr an unserer Einrichtung anfänglich sehr regelmäßig als Nachrücker an Prüfungsleistungen teilnehmen, ohne dabei die erhofften Resultate erzielen zu können. In der Folge musste er sich lange darauf konzentrieren, im Rahmen angeleiteter Übungsstunden an seinen Defiziten zu arbeiten; krankheitsbedingte Fehlzeiten und ein längerer Heimaturlaub kamen hinzu. Erst ganz am Ende des Betrachtungszeitraumes nahm er nochmals an einigen Prüfungen teil und punktete speziell im Rahmen eines Automobilprojekts. Ein Gespräch ist erwünscht.

Johan konnte krankheitsbedingt das ganze Jahr über nicht mit der Gruppe arbeiten, nachdem bereits im Vorjahr die Übernahme nur auf Probe erfolgt war. Gleichwohl wird er im neuen Jahr noch einmal die Möglichkeit erhalten, sich zu bewähren und die positiven Eindrücke, die er bei seinen allerersten Prüfungsleistungen vermittelt hatte, zu bestätigen.

Julian kehrte im vergangenen Sommer von einem Austauschprogramm zurück, in dessen Verlauf er so schwer erkrankt war, dass er bis zum Winter an keiner Prüfung teilnehmen konnte. Entsprechend schwer fiel ihm die Reintegration – das ganze Jahr über blieb ihm zumeist nur ein Platz am Rand der Gruppe –, entsprechend verbesserungswürdig waren auch die ersten Prüfungsergebnisse. Nach dem Winter stabilisierte er sich etwas, ohne jedoch die Erwartungen erfüllen zu können. Seine Abschlussfokussierung steht indes nicht in Frage, wie er jüngst in einem Geographieprojekt unter Beweis stellte. Das Thema lautete „Westfalen“ und gilt derzeit als sein persönliches Steckenpferd. Ein Gespräch ist unumgänglich.

Geronimo hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Nur 12 von mehr als 30 Prüfungen durfte er vollständig bearbeiten, 13 mal konnte er sich nur als Nachrücker einbringen, mit teilweise überschaubar positiven Ergebnissen. Parallel zu seiner mitunter zu deutlich zur Schau getragenen Unzufriedenheit litt auch sein Ansehen in der Gruppe. Gleichwohl ließ er in seinen Anstrengungen nicht nach und wirkte gerade zum Ende hin in seinem Auftreten wieder zielorientierter. Umso bedauerlicher ist es, dass er, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen, nicht an der Sommeruni teilnehmen darf und so einen weiteren Rückschlag erleidet. Ein Gespräch ist erwünscht.

Vedad kam im Winter an unsere Einrichtung und beeindruckte von Beginn an mit seiner klaren Abschlussorientierung. Erfreulicherweise stellte er seine Vorbereitungsmaßnahmen auch seinen Freunden ausnehmend freigiebig zur Verfügung. Sein bereits nach kürzester Zeit ausgeprägtes Verständnis hiesiger Abläufe erleichterte seine Integration zudem und ermöglichte zielgerichtete Gruppenerarbeiten, insbesondere mit seinem Freund Martin. Vedad erhält ein Lob.

Pavel zeigte sich einmal mehr überaus bemüht und engagiert, ohne allerdings die erhofften Prüfungsergebnisse zu erzielen. Seine schwach ausgeprägte Technikaffinität und die grundsätzlichen Zweifel an seiner Abschlussfähigkeit führten letztlich dazu, dass wir seinen Wunsch, an einer ausländischen Einrichtung eine neue Sprache zu erlernen, beförderten.

Christoph wechselte im Sommer aus einer aufstrebenden Nachbareinrichtung zu uns und durfte im Herbst an einzelnen Prüfungen teilnehmen. Aufgrund der auch im Rahmen der regelmäßigen Übungsstunden gesammelten Eindrücke erscheint fraglich, ob der den Anforderungen gerecht werden kann. Ein Gespräch ist erwünscht.

Bruno begann sein erstes komplettes Jahr mit einer Reihe erfolgreicher Prüfungen, ohne dabei die im Vergleich zum Vorjahr erhofften eleganten Lösungsansätze zu finden. Im weiteren Verlauf ließen zunächst die Ergebnisse deutlich nach, und erst, als seine Jahresprüfungen und damit seine Zukunft in Frage standen, gelang es ihm wieder, die Konzentration auf das Wesentliche zu lenken und das Jahr erfolgreich zu beenden. Seine Herangehensweise wirkt gleichwohl mitunter althergebracht, frischen Lösungsansätzen kann er wenig abgewinnen oder sie gar selbst entwickeln. Seine Orientierung am Einrichtungsleitbild ist vorbildlich, seine Demut im Angesicht des großen Ganzen beispielgebend, sein Festhalten an der eigenen Herkunft mustergültig. Gespräche sind erwünscht.

Fredi machte sich im abgelaufenen Jahr in besonderem Maß um unsere Einrichtung verdient. Trotz geringer Spielräume gelang es ihm in einer koordinierenden Funktion, die Arbeitsgruppen ausgewogen zusammenzustellen und anzuordnen. Vor allem aber übernahm er zahlreiche kommunikative Aufgaben, die somit nicht von der Einrichtungsleitung wahrgenommen werden mussten. Zudem gelang es ihm, die Alumni und den Förderkreis vom Tagesgeschäft zu entlasten. Er machte sich um die stärkere Förderung jüngerer Jahrgänge verdient, indem er neue Mentoren und einen Koordinator gewann. Leider wurden die Pläne, die so geförderten Hochbegabten regelmäßig zu Prüfungsleistungen heranzuziehen, nicht in die Tat umgesetzt – was sowohl bei den jungen Leuten selbst als auch bei den Mentoren als auch im Umfeld zu Verdruss geführt hat. Fredi erhält ein Lob. Gegen den Frust.

Gerd kam im vergangenen Sommer nach langwierigen Aufnahmediskussionen an unsere Einrichtung und verhielt sich zunächst angenehm zurückhaltend. Erst zum Ende des Betrachtungszeitraums verdiente er sich im Bemühen um eine neue Einrichtungsuniform ein Sternchen. An Prüfungen durfte er nicht teilnehmen, andersartige Leistungsnachweise erbrachte er ansonsten nicht. Im Frühjahr zog er die Bedeutung deutscher Dichtkunst in Zweifel, wurde eines Literaturprojekts verwiesen und beleidigte Außenstehende, die sich vorsichtig kritisch zur Einrichtung geäußert hatten. Wie er vor diesem Hintergrund einem Verweis entgehen konnte, ist unergründlich. Gesprächskultur ist erwünscht, ein persönliches Gespräch nicht.

Verbalbeurteilung 2011

Einmal mehr erzielte die Gruppe im zweiten Halbjahr deutlich bessere Ergebnisse als im Herbst. Das Gesamtniveau lag dabei weit unter dem des Vorjahres oder jenem aus der Periode 2008/2009. Die Leistungen des ersten Halbjahres dürften zum Teil auf eine mangelnde Vorbereitung in den Sommermonaten zurückzuführen sein, was jedoch angesichts der hohen Zielsetzungen unserer Einrichtung nur bedingt als Erklärung gelten darf. Dem neuen Lehrpersonal, das die Gruppe im Dezember nach einem mehrwöchigen Ausfall übernahm, gelang es gerade noch, die Abschlussprüfungen in einem größeren Kraftakt angemessen vorzubereiten.

Als gescheitert muss man den gruppendynamischen Versuch ständig wechselnder Plätze betrachten. Zwar gelang es, nahezu jedes Mitglied der Gruppe mindestens einmal rechts hinten zu platzieren; positive Einflüsse auf das Gruppenklima oder die Leistung waren indes nicht zu beobachten, vielmehr traten nennenswerte Koordinationsprobleme auf.

Sven hatte zunächst gewisse Schwierigkeiten, seine Position in der Gruppe zu finden, nachdem ihn das Lehrpersonal erst nach Intervention der Einrichtungsleitung in der Gruppe belassen hatte.*   Seine Leistungen waren zunächst selten kreativ und vorwärts gerichtet, zumindest aber ausreichend. Im Lauf des Jahres gewann er, dank nach kurzfristig verordneter Nachhilfe durch ein älteres Gruppenmitglied, an Sicherheit, Ansehen und Souveränität, um so teilweise wesentlich zum Erfolg von Gruppenarbeiten beizutragen. Nach wie vor fällt ihm der Umgang mit vermeintlichen Ungerechtigkeiten schwer.

* Aus anderen süddeutschen Einrichtungen ist bekannt, dass vergleichbare Konflikte zwischen Lehr- und Leitungspersonal dem Gesamtklima abträglich sein können.

Marc kam im Sommer neu zur Gruppe, kannte aber die Einrichtung bereits aus früheren Jahren und traf eine Reihe alter Freunde wieder, sodass die Integration unproblematisch verlief. Obwohl er ursprünglich nicht für Prüfungsleistungen vorgesehen war, forderte ihn das neue Lehrpersonal zwischenzeitlich zu stärkerer Beteiligung auf. Nach einem Sportunfall wurde dieser Plan wieder verworfen. Im neuen Jahr dürfte er noch stärker in die Hausaufgabenbetreuung einbezogen werden.

Cristian konnte nur selten an seine Leistungen aus dem Vorjahr anknüpfen. Die Trennung von seinem Freund Aliaksandr wog offenbar schwerer als zunächst angenommen. Er wirkte gedanklich nicht immer frisch, kommunizierte mit seinem neuen Nachbarn nur unzureichend und reagierte auf Kritik mitunter unwirsch. Ein Gespräch ist erwünscht.

Arthur trat häufig offensiver auf als in den Vorjahren, was der gesamten Gruppe gut tat. Leider hatte er erneut eine Reihe von Fehlzeiten zu verzeichnen, fand nach seiner Erkrankung jedoch recht rasch wieder den Anschluss an die Gruppe. Seit einigen Monaten zeigt er zuvor ungeahntes Interesse für die hiesige Kultur und deren Exponentinnen.

Matthieu hat ein schwieriges Jahr hinter sich, geprägt von zahlreichen Fehlzeiten, die nicht selten selbst verschuldet waren. Anders als in den Vorjahren wirkte er des Öfteren impulsiv und war seinen Freunden nur noch in geringerem Maß ein Vorbild. Wurde zuletzt von einigen Prüfungsleistungen befreit. Die Übernahme ins nächste Jahr erfolgt auf Probe.

Serdar hatte zu Beginn einige Schwierigkeiten zu bewältigen, die zum Teil mit seinen missglückten Sommerferien zusammen hingen. Erfreulicherweise hatte er jedoch deutlich weniger Fehlzeiten als in den Vorjahren und schaffte es, sowohl die vorübergehend aufscheinenden Motivationsdefizite zu überwinden als auch seine Leistungen zu stabilisieren. Speziell im Frühjahr war er zudem in der Lage, die verunsicherten Freunde zu beruhigen. Wenn er so weiter macht, kann er demnächst wieder an einrichtungsübergreifenden Wettbewerben teilnehmen.

Georg musste zunehmend Verantwortung übernehmen und wirkte dabei insbesondere im Herbst vielfach nachlässig, gelegentlich auch überfordert. Teilweise schienen wichtige Grundlagen zu fehlen. Seine Bemühungen blieben jedoch stets vorbildlich, auch dank dem einen oder anderen Erfolgserlebnis, das die Gruppe zu würdigen wusste. Seine technische Kompetenz, gepaart mit Zielstrebigkeit, trug im Zusammenhang mit einem grünen Mobilitätsprojekt wesentlich zum Erfolg bei.

Khalid wurde im Herbst nur in Ausnahmefällen zu Prüfungen zugelassen, erzielte dabei aber meist respektable Ergebnisse. Im Frühjahr zeigte er sich weniger wählerisch bei den ihm zugewiesenen Aufgaben und wusste sie in aller Regel zufriedenstellend zu bewältigen. Ein Umzug wäre insofern bedauerlich, als er auch mit schwierigen Situationen umzugehen weiß; eine Veränderung aus sozialen Gründen steht gleichwohl im Raum.

Stefano konnte den Erwartungen nur selten entsprechen. Dies war zum Teil krankheitsbedingten Fehlzeiten geschuldet. Insgesamt sind die Defizite jedoch zu groß, um sie in absehbarer Zeit aufzuholen. Insbesondere ist er nur bedingt in der Lage, die von ihm erwarteten vorbereitenden Tätigkeiten in der Gruppenarbeit zu übernehmen. Der Wechsel in eine kleinere Einrichtung wird empfohlen.

Patrick stieß im Sommer aus einer niedrigeren Klasse zur Gruppe. Sein großes Engagement überzeugte das Lehrpersonal, ihn an der einen oder anderen Prüfung teilnehmen zu lassen, was nicht immer entsprechend seiner Stärken erfolgte und dementsprechend nur mit wechselndem Erfolg gelang. Möglicherweise wäre ein langfristiger Nachhilfekurs in einem anderen Umfeld zielführend.

Ermin stieß im Herbst gewissermaßen auf Probe zur Gruppe und integrierte sich sehr gut. Neben zahlreichen Übungsstunden durfte er auch an einzelnen Prüfungen teilnehmen, was zunächst recht gut gelang. Eine Französischprüfung, noch dazu nicht in seinem Kernbereich, traf ihn jedoch unvorbereitet und hielt das Lehrpersonal zunächst von weiteren Versuchen ab. Seine weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Philipp hatte bereits in seiner letzten Einrichtung enorme Fehlzeiten aufgewiesen, wurde aber zur Probe aufgenommen. Leider bestätigte sich die Befürchtung, dass er sowohl gesundheitlich als auch, soweit das beurteilt werden kann, vom Leistungsniveau her kaum in der Lage ist, mit der Gruppe mitzuhalten. Die Probezeit wurde beendet.

Christian zeigte sich erneut in allen Belangen vorbildlich. Sein Engagement war weit überdurchschnittlich, sein Pflichtgefühl beinahe zu ausgeprägt. Er übernehm stets Verantwortung für die Gruppe, half seinen Freunden, wo immer er konnte, worunter zwischenzeitlich seine eigenen Leistungen ein wenig zu leiden drohten. Rechtzeitig zu den Abschlussprüfungen erreichte er wieder sein altes Niveau und zeigte sich dabei kreativ und vermehrt technikbegeistert. Ein möglicher Umzug wäre sehr bedauerlich.

Zdravko war im Herbst nicht ganz auf der Höhe und wirkte speziell in der Phase, die mit Aushilfslehrpersonal überbrückt wurde, etwas unmotiviert. Im Frühjahr übernahm er indes in besonderem Maße Verantwortung, erzielte ausgezeichnete Ergebnisse und zeigte sich punktgenau vorbereitet. Seine stets herzliche Freude ist in engem Zusammenhang mit seiner positiven Entwicklung zu sehen. Der zwischenzeitlich im Raum stehende und von einzelnen Außenstehenden wortreich begründete Wegzug wäre bedauerlich.

Christian hatte ein über weite Strecken unglückliches Jahr. Anfänglich litten seine Leistungen darunter, dass er zu weit hinten platziert war, dann verstand er sich mit seinem Nachbarn nur unzureichend, kleinere gesundheitliche Probleme kamen hinzu, und folgerichtig konnte er nicht wie geplant Verantwortung für die Gruppe übernehmen, sondern wurde gar nur noch selektiv zu den Prüfungen zugelassen. Gleichwohl war er stets bemüht und trug entscheidend zur erfolgreichen Bewältigung des ihm bereits bekannten Mobilitätsprojekts wie auch einer späten Geometrieprüfung bei.

Mamadou stieß im Sommer relativ spät zur Gruppe und trat zunächst außerhalb der Übungsstunden kaum in Erscheinung. Im Herbst wurde er zu zwei Prüfungen zugelassen, in denen er ein gutes Grundverständnis zeigte, aber ein wenig nachlässig wirkte. Die Weihnachtsferien nutzte er, um einige Defizite aufzuholen, und schien auf gutem Weg, eine zentrale Rolle in der Gruppe einzunehmen, ehe ihn ein Sportunfall für den Rest des Jahres weit zurück warf.

Timo war über weite Strecken des Jahres eine sehr positive Erscheinung. Zwar hat er nach wie vor Konzentrationsmängel, lässt mitunter die nötige Zielorientierung vermissen und will gelegentlich mit dem Kopf durch die Wand; gleichzeitig aber verzagt er nie, ist um kreative Lösungen bemüht und animiert die Gruppe zu mehr Engagement. An zahlreichen Prüfungsleistungen nahm er trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen schwungvoll und erfolgreich teil und übernahm zudem in einer schwierigen Situation punktuell Verantwortung für die Gruppe. Dessen ungeachtet wird auch im kommenden Jahr eine weitere Steigerung erwartet, insbesondere bei den Punkten Konstanz, Überlegung und Standhaftigkeit.

Martin wechselte im vergangenen Sommer aus einer kleineren Einrichtung zu uns und verdiente sich sowohl mit seinen Ergebnissen als auch mit seinem Engagement als auch und vor allem mit seinen Vorarbeiten für die gesamte Gruppe rasch deren Anerkennung. Im Herbst durfte er zunächst häufig nur Teilaufgaben bearbeiten, um dann im Frühjahr fast alle Prüfungen in Gänze absolvieren zu müssen, was vereinzelt zu schwächeren Ergebnissen führte. Seine Technikaffinität ist ausbaufähig.

Mauro zog im Spätsommer aus Italien, wo er in einer hochwertigen Einrichtung gewesen war, nach Stuttgart. Er mühte sich redlich, sich an das neue Umfeld und die vorwiegend jüngeren Kameraden zu gewöhnen, was ihm aber nicht so recht gelingen wollte. Häufig war ihm das Tempo zu hoch, Flüchtigkeitsfehler kamen hinzu, und selbst sein technisches  Geschick konnte er nur bedingt einbringen. Er verabschiedete sich mit Anstand und kehrte zurück in seine Heimat.

Daniel gilt seit Jahren als sehr begabt. Dass er das Lehrpersonal nie ganz von seinen Qualitäten überzeugen konnte, mag daran liegen, dass er manchmal etwas schlampig ist. Zudem wirkt er gelegentlich langsam und immer etwas einseitig. Im Herbst konnte er bei einigen Prüfungen überzeugen, bei anderen nicht. Eine längere Erkrankung warf ihn etwas zurück, danach gelang es ihm nicht mehr, den Rückstand gänzlich aufzuholen bzw. dem Lehrpersonal seine Motivation zu vermitteln. Die Teilnahme an einem Austauschprogramm wird erwogen.

Johan kam im Spätsommer aus Frankreich, wo er an einer kleineren Einrichtung teilweise sehr gute Ergebnisse erzielte, aber auch aus gesundheitlichen Gründen viele Fehlzeiten zu verzeichnen hatte. Letzteres war dem Lehrpersonal und der Einrichtungsleitung nicht explizit gesagt worden. Auch in Cannstatt erbrachte er bei ersten Teilaufgaben sehr vielversprechende Ergebnisse, erkrankte in der Folge jedoch mehrfach und langwierig. Wird auf Probe in das neue Jahr übernommen.

Shinji kam im Februar nach dem Asienfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ nach Stuttgart und wurde sogleich ein vollständiges Mitglied der Gruppe, auch wenn er sich meist noch am Rand aufhielt. Seine Einzelergebnisse sind voll befriedigend, bei der Gruppenarbeit mit seinem Nachbarn tut er sich noch etwas schwer. Schloss die entscheidende Prüfung mit Bravour ab, sollte nun in den Sommerferien etwas zur Ruhe kommen.

Sebastian hatte sich im Sommer viel vorgenommen, konnte aber das Lehrpersonal nicht überzeugen, dass sich seine Leistungen verstetigen würden. Daraufhin wechselte er in eine stark bezuschusste benachbarte Einrichtung, wo er sich gut integrierte und in seiner neuen Gruppe eine zentrale Rolle einnahm.

Elson kehrte im Sommer etwas widerwillig von einem Austauschprogramm zurück. Dennoch lebte er sich rasch wieder ein und nahm früh an einigen europaweiten Prüfungen teil. Seine Ergebnisse blieben allerdings durchwachsen, sodass er in der Folge vornehmlich am Übungsbetrieb teilnehmen durfte. Die kurzfristige Hoffnung des neuen Lehrpersonals auf seine standardmäßige Kreativität konnte er nicht erfüllen.

Tamas stieß im Januar zur Gruppe, weil er in seiner bisherigen Einrichtung nicht mehr zu Prüfungen zugelassen wurde. Er zeigte sich von Beginn an sehr kreativ, zielorientiert und standardmäßig verantwortungsbewusst, sodass er rasch zu einem Fixpunkt in der Gruppe wurde, zu deren letztlich gerade noch ausreichenden Prüfungsergebnissen er entscheidend beitrug. Sein Engagement ist Beispiel gebend, sein Auftreten ebenso. Zum neuen Jahr wird sein Austauschprogramm beendet und er wechselt fest an unsere Einrichtung. Ob er seinen Leistungsvorsprung halten kann, wird abzuwarten sein.

Claudemir hatte es in diesem Jahr nicht leicht. Nach den Sommerferien war er mit einer leichten Unzufriedenheit zurückgekehrt, die sich mehr als einmal in unerwarteten, vielleicht auch unkontrollierten Ausbrüchen gegenüber seinen Freunden, aber auch gegenüber den eingeschalteten Mediatoren niederschlug. Seine Leistungen waren überschaubar, sodass er wiederholt nur zu Teilprüfungen zugelassen wurde, sein Gesundheitszustand schien verbesserungswürdig. Dennoch mühte er sich nach Kräften und es gelang ihm, sich hervorragend auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten, die er dann mit Bravour absolvierte.

Ciprian konnte nur selten an die guten Leistungen des Vorjahres anknüpfen. Während er zunächst dennoch zu den Prüfungen zugelassen wurde, sah sich das neue Lehrpersonal veranlasst, erst seine Leistungen und dann seine Motivation in Frage zu stellen. Nachdem er sich lautstark über die ihm zugedachten Aufgaben beschwert hatte, wurde er von weiteren Prüfungen ausgeschlossen und drückt seit Februar die Türklinke von außen herunter. Ein Wechsel der Einrichtung wird empfohlen, ein Gespräch ist explizit nicht erwünscht.

Pavel begann das Jahr sehr motiviert und erzielte im Schnitt gute Ergebnisse, wenn auch mit starken Ausschlägen nach oben und unten. Sein Engagement war stets vorbildlich, genau wie seine Unterstützung für die Kameraden. Defizite sind bei der Kreativität und hinsichtlich seiner technischen Fertigkeiten zu beklagen; zudem handelt er nach wie vor zu häufig in der irrigen Annahme, den Abschluss mit links machen zu können. Die Übernahme ins neue Jahr erfolgt auf Probe, ein Wegzug ist nicht ausgeschlossen.

Sven stieß aus einer niedrigeren Klasse dazu und zeigte sich von Beginn an sehr engagiert, wenn auch häufig glücklos. Seinen Abschlussarbeiten mangelte es, mit einer für die gesamte Gruppe sehr hilfreichen Ausnahme, an Präzision, teilweise wirkte er unentschlossen. Er muss weiterhin hart daran arbeiten, die Defizite aus frühen Jahren aufzuholen. Hierfür scheint eine benachbarte Nachhilfeeinrichtung mit modernsten Übungsräumen geeignet.

Christian konnte nicht an seine überragenden Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen. Er litt unter einem Wechsel des Leitungspersonals, das bei der Neuzusammensetzung der Gruppe kein glückliches Händchen gehabt hatte, und vielleicht auch ein wenig unter seiner Eitelkeit. Seine Vorschläge wurden von der Gruppe nicht mehr so gut angenommen wie zuvor, die Ergebnisse wurden schwächer. Einzelne Außenstehende und auch Kameraden unterstellten ihm Defizite bei der Prüfungsvorbereitung, die Alumni-Vereinigung und der Förderkreis versagten ihm ihre Unterstützung und überließen den frei werdenden Platz einem weniger kritischen Nachrücker. Bedauerlich.

Jens hatte einen denkbar schlechten Start in der Gruppe, als er einen ausgeschiedenen Kameraden lautstark kritisierte. Es gelang ihm trotz eines einzelnen herausragenden Ergebnisses nicht, die Gruppe von seiner Leistungsfähigkeit zu überzeugen, sodass die Leitung ihn nach wenigen Wochen zu seinem eigenen Besten aus der Gruppe nahm.

Bruno wurde im Dezember in einer für alle schwierigen Situation in die Gruppe aufgenommen. Aufgrund seiner wechselhaften Vergangenheit in anderen Einrichtungen war der Empfang zunächst reserviert, doch mit akribischer Arbeit und ersten guten Ergebnissen erarbeitete er sich rasch den Respekt der Gruppe. Er stellte die eigenen Ansprüche hinten an und half den Kameraden, die Abschlussprüfung ohne besonders elegante Lösungen, aber letztlich mit Erfolg zu absolvieren. Die Gelegenheit, im Rahmen eines längeren selbstverwalteten Projekts Optimierungen bei der Platzverteilung anzustoßen, hat er sich verdient. Speziell in den ersten Monaten wird er dabei, auf Basis vergleichbarer Projekte aus den Vorjahren, eng begleitet werden.

Fredi, der vor Jahren seine ersten Schritte an unserer Einrichtung gemacht hatte und im Sommer nach einer Reihe von Umzügen zurückkehrte, erhielt erst kurzfristig einen frei werdenden und nicht sonderlich gut ausgestatteten Platz. Der Stuhl wackelte von Beginn an, auf dem Tisch lag eine Reihe halbfertiger Arbeiten, deren Urheber aus sozialen Gründen Hals über Kopf verschwunden war. Dementsprechend war Fredi zunächst etwas desorientiert und tat sich schwer, sich an das im Vergleich zu seiner vorigen Einrichtung deutlich höhere Leistungsumfeld zu gewöhnen. Der Versuch, sich mit teuren Hilfsmitteln an das nötige Niveau heranzutasten, schlug fehl. Erfreulicherweise behielt er die Ruhe und zeigte sich lernfähig. Er gewann an Ansehen bei den Kameraden wie auch bei den Alumni und dem Förderkreis, denen er im Sinne der Gruppe auch einmal die Stirn bot. Im neuen Jahr liegt es an ihm, ob er längerfristig an unserer Einrichtung bleiben kann.

Erwin hatte, wie schon in den Vorjahren, nicht immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Lehrmittel, und wurde dafür verschiedentlich kritisiert. Da sein Umgang mit Kritik ohnehin verbesserungswürdig ist, wurde sein Ansehen zusehends schlechter. Zudem wurde er von einem Größeren regelmäßig gemobbt, weshalb er zum Sommer die Einrichtung verlässt. Sein Weggang ist angesichts seiner über Jahre hinweg guten Ergebnisse in vielen Bereichen bedauerlich, scheint aber mit Blick auf die letzten Jahre geboten.

Dieter zeigte im vergangenen Jahr großes Interesse an operativen Abläufen unserer Einrichtung. Zwar ist dieses Interesse grundsätzlich zu begrüßen; der Versuch, Einfluss auf die Abläufe zu nehmen, erregte indes unser Missfallen. Sein Umgang mit allen Ebenen der Einrichtungsleitung ist verbesserungswürdig und scheint von wenig Respekt geprägt. Sowohl in puncto Sozialkompetenz als auch bei seinem Verständnis demokratischer Strukturen mussten wir deutliche Defizite feststellen, die kaum mehr aufzuholen sein dürften. Ein Gespräch ist notwendig.

Hoffnungsträger Elson

Mit der Überschrift ist eigentlich alles gesagt. Elson, der Elson, der seit Januar 2005 in insgesamt 33 Spielen 4 Tore erzielt hatte, der Elson, der in dieser Saison anderthalb Spiele bestritt, ohne zu überzeugen, der Elson, der schon gefühlte 12 mal aussortiert war. Er war der einzige, dem ich zutraute, in der zweiten Halbzeit durch eine Standardsituation vielleicht doch noch so etwas wie Torgefahr zu kreieren.  Wem auch sonst?

Das heutige Spiel gegen Wolfsburg war das erste, bei dem ich mich so richtig über Bruno Labbadia geärgert habe, bzw. im Grunde hatte es ja schon lange vor dem Spiel begonnen. Konkret: als er sich dem Vernehmen nach ernsthaft darüber beklagte, dass seine Spielvorbereitung unter dem Wolfsburger Trainerwechsel gelitten habe. Selbstvertrauen hört sich so nicht an. Bei Felix Magath klang das anders. Der stellte erst einmal die diskutable These auf, der VfB werde ständig von den Schiedsrichtern bevorzugt – eine Taktik, die schon einmal aufgegangen war, mit welchem Verein auch immer. Um dann beim heutigen Spiel das Rumpelstilzchen zu geben. Von der ersten Minute an führten er und seine Mitarbeiter in schöner Regelmäßigkeit Veitstänze auf, um jedes greifbare Mitglied des Schiedsrichterteams zu beeindrucken. Als er sich dann auch noch über die Behandlungspause für den angeschlagenen Kuzmanovic echauffierte, hatte er es sich endgültig mit dem Stuttgarter Anhang verscherzt. Und ganz gewiss Wirkung erzielt.

Bruno Labbadia blieb indes ruhig. Verscherzt hatte er es sich aber auch. Bei mir. Bei den Umstehenden. Ausführlich diskutierten wir zu Spielbeginn die Frage, ob der VfB nun zu acht, zu neunt oder vielleicht doch zu zehnt antrete. Celozzi! Niedermeier! Und vor allem Gentner, der nicht nur in der Vorwoche unterirdisch gespielt hatte, sondern der sich zu allem Überfluss auch noch auf der – ok, vielleicht ist der Vergleich nicht ganz fair – Özil-Position versuchen sollte. Man hätte sich zumindest vorstellen können, Mamadou Bah anstelle von Gentner und den vor seiner Verletzung starken Khalid Boulahrouz als rechten Verteidiger in der Startelf zu sehen. Man hätte sich auch vorstellen können, Zdravko Kuzmanovic nach seiner Verletzung möglichst schnell zu ersetzen. Nun will ich nicht den guten Jérôme Boateng ins Feld führen – es war durchaus nachvollziehbar, Kuzmanovic noch einmal einen Versuch zu geben. Was es dann allerdings sollte, Elson noch ausführlich die Taktikfibel studieren zu lassen, anstatt ihn stante pede aufs Feld zu schicken, ist mir ein Rätsel. Drei Minuten vor der Pause erscheint es mir persönlich wichtiger, die volle Mannschaftsstärke zu gewährleisten, als dem elften Mann seine Laufwege und Zuordnungen zu erklären. Aber ich bin nur ein Laie. Und der Gegentreffer fiel ja auch erst, als Elson bereits auf dem Feld war.

Natürlich war es bitter, bereits zur Pause zum zweiten Mal wechseln zu müssen, nachdem man ohnehin geschwächt angetreten war. Blieb also noch genau ein Offensivwechsel, um irgendwie einen Ansatz von Torgefahr zu entwickeln. Da kann man natürlich auf die Idee kommen, den jungen Mann einzuwechseln, der eine Woche zuvor den Lucky Punch gesetzt hatte. Auch wenn er insgesamt noch arg brav wirkt und bisher nicht unbedingt durch Handlungsschnelligkeit und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor aufgefallen war. Woran es mir jedoch vor allem fehlte, war ein wenig Frechheit und Aggressivität. Jene Aggressivität, über die ich mich bei Cacau mehr als einmal geärgert habe – heute hätte ich sie mir gewünscht. Da hätte es sich ja gut getroffen, dass er auf der Bank saß.

Mir ist klar, dass man für Labbadias Entscheidungen gute Gründe ins Feld führen kann. Stefano Celozzi spielte am Millerntor eine ordentliche Partie, Boulahrouz hatte nicht nur eine verletzungsbedingte Pause hinter sich, sondern war auch als Backup für den ebenfalls angeschlagenen Tasci vorgesehen. Schipplock mag Selbstvertrauen ausgestrahlt haben, Cacau noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein. Gentner mag, was weiß ich, gut trainiert haben. Und dass man zögert, Kuzmanovic durch Elson zu ersetzen, ist zweifellos nachvollziehbar. Aber insgesamt fand ich Bruno Labbadias Entscheidungen, ganz subjektiv, eher unglücklich.

Eher unglücklich, hm? Wäre schön, wenn man das auch für die Leistung der Mannschaft sagen könnte. Die war aber näher bei schlecht. Uninspiriert. Mit, wieder einmal, verheerenden Abspiel- und Abwehrfehlern. Ungewöhnlich viele Fehler bei Träsch, folgenschwere Fehler bei Celozzi und dem (heute) sonst sehr stabilen Niedermeier, mindestens ein katastrophaler Fehler bei Boulahrouz, dessen anschließende Verunsicherung nicht nur bis auf den Oberrang zu sehen war, sondern vor allem auch als Sinnbild für das Selbstvertrauen der gesamten Mannschaft gelten musste.

Dass man letztlich dennoch nicht mit leeren Händen da stand und Wolfsburg doch noch hinter sich lassen konnte, war einmal mehr den überragenden individuellen Fähigkeiten von Georg Niedermeier geschuldet, der nach einem mutigen Zuspiel von – und hier wird wieder einmal deutlich, wieso Bruno Labbadia Bundesligatrainer ist und ich nur ein mal mehr, mal weniger dilettierend über Fußball Schreibender – Christian Gentner technisch perfekt vollendete. Sven Ulreich hielt den Punkt mehrfach großartig fest.

Meine Horrorvision, die beiden Spiele gegen die grünen Ws, bzw. die weißen Ws auf gründem Grund, punktlos zu absolvieren, ist also abgewendet. Dennoch lief der Spieltag alles andere als optimal. Ein Punkt in Bremen wäre nicht nur deshalb ganz hilfreich. Oder drei.

Ob ich daran glaube? Natürlich.
Mein Hoffnungsträger heißt Elson.

10 Tage im Februar

So lange war ich ungefähr offline. Weitestgehend, zumindest. Bei einem abstiegsbedrohten, europäisch ambitionierten und führungsgeschwächten Fußballverein tut sich in einer derart langen Zeitspanne so einiges. Da ich nicht die Gelegenheit habe, alle verfügbaren Quellen nachzusichten, versuche ich jetzt einfach mal, ein paar der Einschätzungen aufzuschreiben, die ich aus Blogs, Fernsehen, Zeitungen und teilweise eigenen Eindrücken gewonnen habe, und freue mich auf korrigierende Hinweise.

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Verdammt viele Verletzte

Immerhin handelt es sich nicht um muskuläre Geschichten, die gleich wieder Zweifel an den Trainingsmethoden aufkommen ließen. Aber ungewöhnlich viele Bänderrisse, oder? Und ein mit dem eigenen Ellbogen zugefügter Rippenbruch? Könnten wir das bitte mit Rowan Atkinson verfilmen?  Bei Ciprian Marica scheinen wir es eher mit einer Kopfverletzung zu tun zu haben, bei Bruno Labbadia mit einem Verzweiflungssyndrom – oder aus welchem anderen Grund zieht man plötzlich den bewährten Flügelflitzer Elson aus dem Hut?

Liederliche Leistung

Nürnberg. Als wäre es nicht genug gewesen, dass ich an jenem Samstag die Sportschau sehen konnte. Nein, ich musste tags darauf auch noch just zu dem Zeitpunkt ins DSF zappen, als das VfB-Spiel gezeigt wurde. Und konnte mich natürlich nicht lösen. Masochismus, so nennt man das doch, oder? Wie oft wohl Serdar Tasci die Schlüsselszenen ansehen durfte?

Allem Anschein nach war in Nürnberg ein weiterer tiefster Tiefpunkt erreicht. Und ich begann ernsthaft, den Fall X als wahrscheinlichstes Szenario anzusehen. Fall X? Sie wissen schon: Erwin Staudt will das Wort Abstieg nicht in den Mund nehmen. Das Wort (ja, ja) 2. Liga gefällt ihm indes so gut, dass er 40.00 Schals damit bedrucken ließ. Aber lassen wir das.

Stimmung, Stil, Strukturen

Björn Seemann will Präsident werden. Mit oder ohne Karl Allgöwer. Mitglieder der Aktion VfB 2011, über die kolportiert wird, sie wolle einen nicht namentlich genannten Exprofi als Präsidenten, sollen sich im Lauf der Woche mit VfB-Vertretern zur Diskussion treffen. Erwin Staudt ist nicht amtsmüde. Schön. Opposition ist etwas Gutes. Die Möglichkeit zur Wahl sowieso. Schade, dass die Satzung des VfB das nur bedingt so sieht.

Mir persönlich wäre ja die Umstrukturierung des Aufsichtsrats, insbesondere an der Spitze, das vordringlichste Anliegen. Insofern unterstütze ich Björn Seemann, mit dem ich gelegentlich Fußball spiele, den ich ansonsten aber nicht einschätzen kann. Ein großer VfB-Fan ist er ganz sicher, um einen der Hauptkritikpunkte an Erwin Staudt aufzugreifen. Aktive Erfahrung im Profifußball kann er eher nicht vorweisen, um einen der Hauptkritikpunkte an Erwin Staudt aufzugreifen. Betriebswirtschaftliche Kompetenz hat er ebenfalls.

Natürlich kann man den Standpunkt vertreten, dass die alleinige Konzentration derzeit dem Sport gelten sollte. Sehe ich genauso. Was die Spieler und den Trainerstab anbelangt. Vorstand, Aufsichts- und Ehrenrat dürfen sich indes durchaus mit strukturellen Fragen befassen. Ich finde es gut, wenn sich die Aktion VfB 2011 mit dem Verein austauscht. Wenn es denn ein wirklicher, ein interessierter Dialog ist. Ich sähe es gerne, wenn Björn Seemann Butter bei die Fische gäbe und sein Team sowie dessen Konzept öffentlich machte. Und ich unterstütze uneingeschränkt die Forderung der Aktion VfB 2011 nach einem transparenten Vorgehen und strukturellen Veränderungen:

Die „Aktion VfB 2011“ warnt jedoch ausdrücklich davor, dieser (sic!) Veränderungen wieder nur auf oberster Ebene unter einer kleinen Gruppe von Personen auszuhandeln, ohne grundsätzliche Veränderungen in der Satzung und bei der Einbindung der legitimen Fan- und Mitgliederinteressen vorzunehmen.“

Wenn sich noch weitere Präsidentschaftskandidaten melden, habe ich damit kein Problem. Sofern Guido Buchwald nicht darunter ist. Ein Wettstreit der Konzepte ist nicht das Schlechteste, was ich mir vorstellen kann. Selbst wenn die Mitgliederversammlung eine Kampfabstimmung bringen sollte, trüge das zwar nicht zum Bild eines beschaulichen schwäbischen Familienvereins bei; ob der Eindruck einer sich selbst speisenden Vetterleswirtschaft indes besser ist, möge jeder für sich entscheiden.

Longing for Lansdowne

Europapokal!
Shinji Okazaki! Großartig! Sieht aus wie das Patenkind meiner Frau. Was will man mehr? Die Transferposse scheint (fürs Erste?) beendet zu sein – ein Schelm, der die interkulturelle Kompetenz der Stuttgarter Verhandlungsführer anzweifelt. In Lissabon vermittelte er in Halbzeit eins einen Eindruck dessen, wie man „wuselig“ zu verstehen hat. Sprachlich bedingte Berührungsängste scheint er auch keine zu haben, zumindest bemühte er sich schon recht früh, beim Schiri Gehör zu erlangen. Schön, dass Bruno Labbadia vorhin bei Sport im Dritten deutlich zum Ausdruck brachte, was er von Hansi Müllers Idee, im Uefa-Cup abzuschenken, so hält: gar nichts. Hajnal passt, Harnik hebt, Tor.

Bedient bei Bayer

Hajnal passt, Harnik schiebt, Tor. Gute Leistung, insgesamt. Schade, dass Bokas Bänderriss gravierender zu sein scheint als die der anderen. Sehr schade. Schade, dass Labbadia nicht den Mut, vielleicht auch nicht das Personal hatte, Okazaki ins Sturmzentrum zu stellen, wo Cacau nahtlos an seine Ballverluste vom Donnerstag anknüpfte. Schade, dass auch Labbadia wie seine Vorgänger nicht erkannt hat, dass Kuzmanovic‘ Stärke bei Standards eher in der Offensive als in der defensiven Zuordnung liegt. Schade, dass vier Stuttgarter auf der Linie Reinartz‘ Kopfball nicht abwehren konnten.

Interessante Auswechslungen. Ich hatte ja auf die ein „Ach so“ hervorrufende Information gewartet, dass Martin Harniks Zusammenprall mit René Adler ein Weiterspielen einfach nicht mehr zugelassen habe. War wohl nicht so. (Nachtrag: war vielleicht doch so.) Niedermeier grätscht, Castro flankt, Reinartz köpft, Tor.

Fredi Bobic hat den gleichen Schneider wie Uli Stielike.

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Hab ich das so ungefähr richtig verstanden?

Tinte ist aus.

Man kennt das ja: neue Trainer brauchen meist eine Weile, um den Spielern ihre Philosophie nicht nur zu vermitteln, sondern sie auch in der Lage zu versetzen, eben diese Philosophie umzusetzen. Zumindest wird es so dargestellt. Die vergangene Saison sprach bei den Bayern nicht unbedingt gegen diese These, auch wenn man aus der laufenden Saison schon wieder Gegenargumente ziehen könnte. Und Jürgen Klopp hat, wenn ich mich recht entsinne, schon zu Mainzer Zeiten gelegentlich darauf hingewiesen, dass Neuzugänge in seinen Mannschaften mitunter eine ganze Weile bräuchten, bis sie soweit seien, in seinem System mitzuspielen.

Jens Keller ist schneller. Bis vor kurzem hatte ich noch den Eindruck, das eine oder andere Gross’sche Element im Spiel zu entdecken. Strategisches Geschick und Stabilität im Zentrum, mit Träsch und meinetwegen Gentner, Tempo auf den Außenbahnen, Sie wissen schon. Nachdem sich indes bereits in der Vorwoche die Anzeichen verdichteten, dass der junge Mann vom VfL Wangen nun eigene Ideen ausprobieren wolle, dass neben einem Libero vor der Abwehr vor allem lange, hohe Bälle in die Sturmmitte das Stil prägende Element seines Konzepts seien, brach sich die Keller’sche Handschrift gestern in Hannover, in seinem erst neunten Bundesligaspiel, endgültig Bahn. Diese Handschrift heißt Langholz Antiqua. Insgesamt wirkt sie ein wenig plump und bedarf an den Rändern noch der Verfeinerung. Insbesondere bei den Buchstaben B wie Boka, C wie Cacau und E wie Elson haben die Serifen ein etwas verschnörkeltes Eigenleben entwickelt. Zudem wirken das N wie Niedermeier und das D wie Delpierre etwas instabil, das N scheint darüber hinaus mitunter zu tief gestellt.

Ein weiteres Problem, das kein richtig gutes Licht auf den Gestalter wirft, besteht darin, dass der Langholz Antiqua ein kantiges P wie Pogrebnyak eigentlich besser zu Gesicht stünde als jenes verspielte E wie Elson, das Keller aus irgendeinem alten Hut zauberte, um den Eindruck von Inspiration zu erwecken – an der es sowohl seiner Handschrift als auch dem aus Verzweiflung ins Spiel gebrachten E letztlich doch ein wenig zu mangeln scheint.

Genug. Mir ist nicht nach Späßle. Ich habe in den letzten Jahren einige schlechte Spiele des VfB gesehen. Teilweise richtig schlechte. Aber selten bin ich so frustriert nach Hause gegangen wie gestern abend. Es war furchtbar. Ich hatte Mitleid. Mit dem Ball. Mit dem Platz. Natürlich auch mit mir selbst. Mit jedem, der sich das vor Ort ansehen musste. Zumindest mit jedem Stuttgarter, aber auch mit allen neutralen Zuschauern, mit Fußballästheten sowieso (wobei Hannover ja wenigstens taktisch gut organisiert war und mitunter schnelle und durchaus gelungene Angriffe vortrug).

Für mich – und ja, das ist vollkommen subjektiv, vielleicht legen irgendwelche Statistiken andere Schlüsse nahe – war die gestrige Leistung des VfB eine fußballerische Bankrotterklärung. Und die Strategie des Trainers gleich mit.

Wie sagte gestern einer meiner Tischnachbarn? „Natürlich ist Labbadia ein Fortschritt. Jeder wäre ein Fortschritt. Hier, der junge Mann am Nebentisch meinetwegen. Oder irgendein Haustier.“

Möglicherweise hat er ein wenig übertrieben. Aber mit Bruno Labbadia kann ich leben. Trotz aller Vorbehalte. Ich hab ein Faible für Labbadia, das – völlig irrational – aus Schulzeiten stammt, als mein Mitschüler mit Darmstädter Wurzeln stets von Labbadía schwärmte, den ich selbst als lediglich treuer kicker-Leser immer nur „Labbadja“ ausgesprochen hatte. Egal. Er hat mir auf dem Platz imponiert. Und der Fußball, den seine Mannschaften gespielt haben, war häufig auch nicht so schlecht. Natürlich weiß ich, dass der Erfolg meist nicht lange anhielt. Ich finde es übrigens auch gut, dass er als Oberligatrainer der Lilien angefangen hat – dass sein persönlicher Aufstieg nur in seltenen Fällen auch mit dem der Mannschaften einher ging, ist mir gleichwohl bewusst und ein Dorn im Auge. Aber ich will jetzt nicht argumentieren. Für Labbadia. Gegen Labbadia. Oder doch noch für den großen Unbekannten.

Alles ist besser als der Status quo. Und eine neue Handschrift wäre schön. Eine, für die die Tinte ein Weilchen reicht.

Verbalbeurteilung 2010

In den verangenen Monaten hat sich die Gruppe wie bereits im Vorjahr sehr zielorientiert gezeigt. Auf schwache Leistungen im ersten Halbjahr, die zum Teil mit Defiziten bei der Disziplin und häufigen Platzwechseln bzw. der daraus entstehenden Unruhe zusammen hingen, folgte ein hervorragendes zweites Halbjahr unter neuem Lehrpersonal. Einmal mehr bereitete sich die Gruppe hervorragend auf die Abschlussprüfungen vor, was mit entsprechenden Ergebnissen belohnt wurde.

Jens war in seinem letzten Jahr noch einmal ein Vorbild in Sachen Motivation und Engagement. Seine in aller Regel überdurchschnittlichen Leistungen wurden indes durch regelmäßige Disziplinlosigkeiten erneut ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Er legte sich mit Kleineren an und ging zum wiederholten Male sorglos mit fremdem Eigentum um. Im Sport zog ein Verstoß gegen Spielregeln einen mehrwöchigen Verweis nach sich. Die Altersgrenze für „Jugend trainiert für Olympia“ hat er überschritten. Nach dem Abschluss wird er im Medienbereich tätig sein.

Sven hatte in diesem Jahr sehr viele Fehlzeiten, zuletzt aus gesundheitlichen Gründen. Sofern er diese in den Griff bekommt, könnte er sich im kommenden Jahr voll in die Gruppe integrieren. Speziell zu Beginn des zweiten Halbjahres deutete er an, dass er mithalten kann. Gleichwohl bestehen seitens des Lehrpersonals noch Zweifel, ob er das Leistungsniveau über einen längeren Zeitraum halten und bei Bedarf anderen Gruppenmitgliedern helfen kann.

Cristian stieß erst im Winter dazu und integrierte sich von Beginn an in vorbildlicher Weise. Seine Leistungen waren von vorne bis hinten ausnehmend gut, andere Gruppenmitglieder profitierten immer wieder von seiner Vorarbeit, und abseits des Pflichtprogramms initiierte er gar eine wöchentliche Tanz AG. Ein erneuter Wechsel nach so kurzer Zeit ist für seine weitere Entwicklung nicht wünschenswert.

Arthur verpasste aufgrund einer längeren Erkrankung den Großteil des zweiten Halbjahres. Angesichts des hohen Leistungsniveaus, das die Gruppe zwischenzeitlich erreicht hat, könnte es für ihn schwierig werden, sich wieder zu integrieren. Die Übernahme ins nächste Jahr erfolgt auf Probe. Letztmalig.

Ludovic konnte bereits im ersten Halbjahr die geforderten Leistungen nicht mehr erbringen und wechselte im Winter auf eigenen Wunsch in eine kleinere Einrichtung. Sein Weggang war ein herber Verlust für die Gemeinschaft, die ihn entsprechend verabschiedete.

Matthieu übernahm im Spätherbst Verantwortung für die Gruppe, der er vollauf gerecht wurde. Nach gesundheitlichen Problemen zu Beginn des zweiten Halbjahres brauchte er ein wenig Zeit, um den Rückstand wieder aufzuholen, was ihm letztlich in hervorragender Weise gelang. Mit seiner ruhigen Art gab er seinen Freunden in der Prüfungsphase Halt.

Serdar brachte weitgehend solide Leistungen, konnte sein Vorjahresniveau aber nicht halten. Er zeigte sich bisweilen fehleranfällig und wirkte gelegentlich etwas zu selbstbewusst. Mitunter entstand der Eindruck, er befasse sich zu intensiv mit einem möglicherweise anstehenden Umzug. Sein Umgang mit Kritik ist verbesserungswürdig. Bei „Jugend trainiert für Olympia“ hat er zum Erreichen des Finalturniers beigetragen.

Georg wusste bei seinen Leistungsnachweisen, die er aus verschiedenen Gründen etwas zu selten ablegen konnte, stets voll zu überzeugen. Sein zurückhaltendes Auftreten, insbesondere im Umgang mit kleineren Enttäuschungen, ist bemerkenswert und wohltuend. Sein weiterer Verbleib ist ein Gewinn für die Gruppe.

Khalid konnte seine Leistungsfähigkeit nur sehr selten unter Beweis stellen, erbrachte aber bei den wenigen Prüfungen, an denen er teilnehmen durfte, stets zufrieden stellende, mitunter gar gute Leistungen. Sein Sozialverhalten gilt entgegen früherer Eindrücke als gut, Enttäuschungen bewältigt er angemessen und vorwärts gerichtet. Ein Wechsel in eine andere Einrichtung ist denkbar, ein Gespräch erwünscht.

Stefano kam im vergangenen Sommer von einer kleineren Einrichtung mir zweifelhaftem Ruf nach Cannstatt und brachte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten im zweiten Halbjahr sehr gut in die Gruppe ein. Dem Vertrauen des Lehrpersonals wurde er jedoch nicht in vollem Umfang gerecht. Zu häufig unterliefen ihm Leichtsinnsfehler, die Zweifel an seinem vermeintlich großen Potenzial aufkommen ließen. Muss sich im neuen Jahr in den Punkten Kreativität und Zuverlässigkeit steigern.

Ricardo hatte bedauerlicherweise viele Fehlzeiten, sodass seine Leistungen nur bedingt bewertet werden können. Speziell unmittelbar vor den Abschlussprüfugen machte er indes deutlich, dass sich die Gruppe auf ihn verlassen kann und trug zu einem positiven Gesamtergebnis bei. Dennoch wird er sich im Sommer an einer anderen Einrichtung einschreiben.

Sami war während des gesamten Jahres ein Vorbild in Sachen Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Kreativität. Er übernahm stets Verantwortung, unterstützte seine Freunde in vielfältiger Weise und entwickelte sich, obwohl einer der Jüngsten, zu einem Sprachrohr der Gruppe. Sami ist ein engagierter Mistreiter bei „Jugend trainiert für Olympia“ und hat klare Vorstellungen zu seiner beruflichen Laufbahn, was in absehbarer Zeit zu einem Umzug führen könnte.

Christian hat seine positive Entwicklung aus dem Vorjahr fortgesetzt und bringt in allen Bereichen konstant gute Leistungen. Er ist ausnehmend ehrgeizig, diszipliniert und lernfähig, was ihm in der Gruppe und beim Lehrpersonal eine außerordentliche Wertschätzung einbringt. Einige Abschlussarbeiten gelangen Christian ganz besonders gut. Parallel hat er sich die Teilnahme an „Jugend trainiert für Olympia“ verdient.

Zdravko stieß erst während des bereits laufenden Jahre zur Gruppe und hatte einen denkbar schlechten Start, von dem er sich binnen weniger Wochen erholte, um dann seinen Freunden in einer schwierigen Phase mit strategischen Geschick Halt zu geben. Nach dem Wechsel des Lehrpersonals konnte er sein Potenzial nicht immer vollständig entfalten, trug aber gemeinsam mit Sami und Christian stets zur inneren Stabilität der Gruppe bei. Sein Engagement ist vorbildlich.

Thomas konnte seine Leistungen aus den vergangenen Jahren nur selten bestätigen und wechselte im Winter zu einer kleineren Einrichtung, so dass er leider auch bei „Jugend trainiert für Olympia“ nicht mehr mitwirken kann. Wir bedauern seinen Weggang außerordentlich, da er stets Verantwortung übernommen und die Gruppe vorbildlich repräsentiert hatte.

Timo begann sein erstes komplettes Jahr mit wechselhaften Leistungen, ehe er unter neuem Lehrpersonal konstanter arbeitete. Nach wie vor ist er zu oft unkonzentriert, vielleicht auch verspielt, und entscheidet sich häufig für die falsche Lösung. Seine Arbeitsgeschwindigkeit, seine Kreativität und auch sein langsam steigendes Verantwortungsgefühl führen gleichwohl zu einer positiven Gesamtbewertung. Im nächsten Jahr wird eine weitere Steigerung erwartet.

Roberto war erneut ein Vorbild an Engagement, Begeisterung – was wie im Vorjahr mitunter in Übermotivation umschlug – und Identifikation mit der Gemeinschaft. Leichtsinnsfehler durchzogen seine Leistungsnachweise, dennoch übertrug ihm das neue Lehrpersonal standardmäßig Verantwortung, was sich mehrfach bezahlt machte. Sein voraussichtlicher Wegzug nach vier erfolgreichen Jahren ist äußerst bedauerlich.

Aliaksandr kehrte nach mehreren Jahren bei renommierten Einrichtungen im Rahmen eines Austauschprogramms zurück, konnte den hohen Erwartungen allerdings nur sehr bedingt genügen. Mit einer beeindruckenden Energieleistung bestand er die erste europaweite Zwischenprüfung mit Bravour, zeigte sich danach allerdings weder konstant noch selbstkritisch. Muss sich nach erneutem Umzug erheblich steigern.

Sebastian konnte in seinem ersten vollen Jahr seine Leistungsfähigkeit immer wieder andeuten, litt aber verschiedentlich unter gesundheitlichen Problemen. Zudem erweckte er mitunter den Eindruck, sich zu sehr auf seine sportliche Begabung zu verlassen. In musikalischer Hinsicht ist er unerreicht, doch nach starken Leistungen im Spätherbst erreichte er mit dem neuen Lehrpersonal nicht mehr ganz den alten Leistungsstand. Nachhilfe ist erwünscht.

Elson konnte zu Beginn punktuell überzeugen und wusste insbesondere beim landesinternen Benchmarking zu brillieren. Leider war er jedoch nicht in der Lage, sein Leistungsniveau über einen längeren Zeitraum zu stabilisieren, so dass sich ein Austauschprogramm mit einer kleineren (50+1) Einrichtung anbot. Er fasste dort sehr gut Fuß und denkt über einen endgültigen Umzug nach.

Jan hielt von Beginn an nicht Schritt und konnte so gut wie keine Leistungsnachweise erbringen. Er bewarb sich um verschiedene Austauschprogramme und wechselte im Winter zu einer aufstrebenden Einrichtung.

Martin verpasste wegen einer langwierigen Erkrankung fast das gesamte Jahr und wird es schwer haben, das Versäumte nachzuholen. Seine Umzugsgedanken erscheinen vor diesem Hintergrund vernünftig. Ein Gespräch ist erwünscht.

Claudemirs Leistungen ließen im ersten Halbjahr zu wünschen übrig, auch der Wechsel des Lehrpersonals brachte zunächst keine Besserung. Erst im neuen Jahr trug sein ungebrochenes Bemühen wieder Früchte und schlug sich in hervorragenden Abschlussarbeiten nieder. Bei „Jugend trainiert für Olympia“ hat er noch die Chance, die Finalrunde zu erreichen. Dank eines spät vergebenen Stipendiums kann Claudemir auch im nächsten Jahr an unserer Einrichtung bleiben.

Ciprian blühte im zweiten Halbjahr enorm auf und deutete erstmals nachhaltig an, dass der Abschluss für ihn eine echte Alternative ist. Sprachlich hat er enorm aufgeholt und kann nun auch bei Bedarf die Interessen der Gruppe vertreten. Gelegentlich wirkt er noch ein wenig träge; das Lehrpersonal hat jedoch ein Auge darauf.

Pavel konnte erst relativ spät in die Gruppe integriert werden, war aber von Beginn an immer präsent und stets motiviert. Die Abschlussarbeiten, von denen er meinte, sie mit links erledigen zu können, fielen noch etwas dürftig aus. Sein beispielhafter Fleiß und das jederzeit spürbare Bemühen, der Gruppe zu helfen, führen zu einem positiven Fazit und einer zuversichtlichen Prognose.

Julian erlebte im abgelaufenen Jahr sehr unterschiedliche Phasen. Nachdem er zu Beginn immer wieder sein Potenzial andeuten konnte, gelang es ihm ab Mitte des ersten Halbjahres kaum noch, die nötigen Leistungsnachweise zu erbringen, was sich auch mit dem neuen Lehrpersonal nicht änderte. Zwar konnte er zuletzt wieder einige Teilaufgaben lösen; das angestrebte Austauschprogramm erscheint gleichwohl geboten. Ein Gespräch ist erwünscht.

Markus war leider nicht in der Lage, an seine überragenden Ergebnisse aus dem Vorjahr anzuknüpfen. Gemeinsam mit der Leitung kam er im Dezember zu dem Schluss, seine Defizite mit Hilfe von Privatlehrern aufzuarbeiten

Christian kam im Dezember zu der Gruppe und übernahm vom ersten Tag an in hohem Maß Verantwortung. Er ging die anstehenden Prüfungen mit großem Ernst, hohem Arbeitsaufwand und nicht zuletzt einem klaren System an, und wies so zahlreichen Gruppenmitgliedern den Weg zu besseren Ergebnissen. Christian erhält einen Preis.

Bestandsaufnahme

Man gibt ja so manchen Blödsinn von sich im Lauf einer langen Bundesligasaison. Als Spieler. Als Trainer. Als Manager oder Präsident. Aber auch als Blogger und Fan. Während die Erstgenannten gerne einmal von ihren Fehleinschätzungen eingeholt werden (von außergewöhnlich hell leuchtenden Ex-Spielern, Trainern, Präsidenten und WM-ins-Land-Holern soll hier nicht die Rede sein), kann sich der unscheinbare Beobachter gemeinhin darauf verlassen, dass ihm sein Geschwätz von gestern nicht um die Ohren fliegt. Wo kein Kläger und so, mangels Relevanz und Reichweite.

Das kann ich nicht akzeptieren. Ich stelle mich. Kurz vor Saisonende, in Erwartung der anstehenden Entscheidungen, lasse ich meine Torheiten Prognosen und Einschätzungen Paroli laufen und versuche zu überprüfen, ob die eine oder andere sich noch als richtig erweisen könnte und wo ich bereits heute einräumen muss, furchtbar daneben gelegen zu haben. Nach dem Ampelprinzip.

Teilweise handelt es sich dabei um die „großen“ Fragen wie „wer wird Meister“, „Wo landet der VfB“ oder ähnliches, teilweise aber auch um Kleinigkeiten. Sicherlich habe ich das eine oder andere übersehen, und an einigen Stellen kann man wohl auch über die Schriftfarbe diskutieren.

Genug der Vorrede. Hier die Übersicht, die ich nach Saisonende, vielleicht auch nach und nach, nochmals aktualisieren werde:

23. Juni 2009:

Klaas-Jan Huntelaar. No way.

14. Juli 2009:

Marica nicht explodiert, Julian Schieber noch ein paar Tage braucht und Cacau seinen Status als ganz guter Bundesligastürmer nicht entscheidend nach oben korrigieren wird

Irgendwann wird die erste Krise der Ära Babbel kommen, und wenn er dann nicht vor Ort ist, wird sich die Frage stellen, ob Neuvorstand Heldt ein weiteres mal so rasch und konsequent handelt wie bei Giovanni Trapattoni und Armin Veh.

habe den Eindruck, dass es [der Brustring] ein sehr schönes, ambitioniertes Projekt wird.

17. Juli 2009, rasenschachmagazin:

Wenn alles positiv verläuft, schätze ich, dass sich der VfB am Ende zwischen den Plätzen 3 und 5 befinden wird.

Für die Beiden [Träsch und Cacau] war es ein nettes Bonbon, aber ich sehe sie nicht zwingend auf Dauer als Nationalspieler.

Meine Geheimtipps sind Timo Gebhart und Georg Niedermeier, denen ich zutraue, einen Riesensprung zu machen.

7. August 2009, ballpodder:

So richtig kann das da vorne [im Sturm] noch nicht funktionieren. Den Abgang von Gomez kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

Ich glaube, das Khedira eine absolute Führungsposition übernehmen wird.

Ich glaube nicht, dass Hitzlsperger noch einmal so eine schlechte Hinrunde spielen kann wie im Vorjahr.

bin überzeugt, dass Lehmann noch einmal eine sehr gute Saison spielt.

8. August:

[Hleb], der sich hinter der Mittellinie in halblinker Position anspielen lässt und von dort in Serie zu begeisternden Soli aufbricht, die nicht selten zumindest in Tornähe enden, entweder mit einem eigenen Abschluss oder, häufiger, dem Zuspiel auf einen Mitspieler. Ich glaube nicht, dass er dieser Spieler noch ist.

Timo Gebhart setzte ein paar schön Duftmarken, denen zufolge die gegnerischen Hintermannschaften diese Saison auf den Außenbahnen möglicherweise recht flink sein müssen, um gegen Hleb und Gebhart zu bestehen.

4. Oktober 2009:

Auf der Gegengerade war ein erstes “Babbel raus!”-Plakat zu sehen, und ich habe wenig Zweifel, dass eben diese Diskussion deutlich an Fahrt aufnehmen wird.

6. Oktober 2009:

Der Tag, an dem der erste VfB-Neuzugang in Lederhosen vorgestellt wird, ist auch der Tag, an dem ich meine Dauerkarte zurückgebe.

19. Oktober 2009:

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ihn [Elson] nicht für den Spieler halte, der das Offensivspiel des VfB auf Dauer bestimmen kann; Impulse als Einwechselspieler kann er gleichwohl setzen.

21. Oktober 2009:

in der Champions League scheinen die Chancen auf ein Weiterkommen eher theoretischer Natur

Meine Prognose? Babbel bleibt bis zur Winterpause. Und dann vermutlich auch darüber hinaus. Oder Heldt geht mit ihm.

17. November 2009, mylaola:

Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir eine Rückrunde wie in der Vorsaison derzeit nicht vorstellen.

Also: der VfB landet zwischen 7 und 9, wobei ich insgeheim noch auf Platz 5 oder 6 (dann mit einem „günstigen“ Pokalsieger) hoffe.

Meister wird wieder Wolfsburg.

30. November 2009:

…wenn er [Staudt] […] tatsächlich voll und ganz von Babbel überzeugt ist und keinen Deut von seinem Trainer abrücken will, ziehe ich meinen Hut. Ich kann nur nicht so recht daran glauben.

6. Dezember 2009:

Aliaksandr Hleb, dessen Verpflichtung sich zu einem gravierenden Fehlschlag entwickelt …  frage ich mich ernsthaft, ob er von Arsène Wenger wirklich so viel gelernt hat, wie man gemeinhin vermutet. Er wirkt wie ein egoistischer Fremdkörper…

10. Dezember 2009:

Der zurückgekehrte Khedira hat deutlich gemacht, dass es möglicherweise etwas voreilig war, Kuzmanovic zum neuen Platzhirsch auszurufen.

…dürfte es für Cacau und Schieber eng werden mit einem Startelfplatz.

Auf den äußeren Mittelfeldpositionen gehe ich davon aus, dass Hleb und Gebhart erst einmal vor Rudy stehen

Wird Hitzlsperger nach seiner Verletzung mehr als ein Ergänzungsspieler sein? Ich glaube nicht, und frage mich, ob der Verein ihn mit Blick auf die WM ziehen lässt.

Auch bezweifle ich, dass Elson bei Gross eine wichtige Rolle spielen wird.

13. Dezember 2009:

Kamke: Ich will ihn nicht mehr sehen!
Blogger hat den Glauben an Lehmanns Professionalität verloren

14. Januar 2010, allesaussersport:

[1] Grundsätzlich traue ich dem HSV und Werder [bzgl. Uefa-Cup] schon einiges zu […] Werder kommt ins Finale

Tatsächlich traue ich auch den Bayern in der CL einiges zu. Halbfinale, würde ich sagen.

Demel ist gerade auf dem Basar beim Afrika-Cup und wurde gestern bei Milan, heute eben bei Sunderland und morgen vielleicht bei Atlético gehandelt, das kann ich noch nicht so ernst nehmen.

[3] Meines Erachtens wird sich Hitzlsperger sehr schwer tun, im WM-Kader zu bleiben, weil er auch in der Rückrunde beim VfB einen schweren Stand hat. Ich wäre nicht gänzlich überrascht, wenn sich da auf dem Transfermarkt noch etwas täte.

In der Defensivzentrale ist nicht abzusehen, wie es mit Tasci weitergeht.

[4] Gerade bei Reus und Brouwers muss man damit rechnen, dass sie ihr Niveau bzw. ihre Effektivität nicht ganz halten können – dann wäre man wohl auf die Torausbeute der südländischen Spieler angewiesen.

Michael Frontzeck hat mich ein Stück weit positiv überrascht; dass es reicht, kann ich indes noch immer nicht glauben.

Ich denke, dass irgendwann eine Phase kommen wird, in der er [Tuchel] nicht mehr ausschließlich gefeiert, sondern auch mal als Besserwisser kritisiert wird, und bin gespannt, wie er damit umgeht.

[5] Andererseits halte ich es durchaus für möglich, dass sich Wolfsburg in der Rückrunde fängt, weil man hinten wieder stabiler wird, Grafite im ersten zweiten Spiel doppelt trifft und plötzlich wieder alles von selbst läuft. Ohne Zutun des Trainers [Veh], von dem man sich anschließend unter Krokodilstränen trennt.

Er [Veh] ist bestimmt kein schlechter Trainer; als Manager  scheint er nur bedingt geeignet, und in Summe ist er meines Erachtens einfach überfordert.

In der vergangenen Saison assozierte man mit Hoffenheim vielerorts Dietmar Hopp, die Traditionsfrage, Disziplinlosigkeiten und das offensive, attraktive Spiel. Ohne letzteres dürften die Sympathien nicht unbedingt zunehmen.

Vor der Saison war ich überzeugt, dass man mit Simunic einen ganz wichtigen Transfer getätigt habe

1. Februar 2010:

Der Trainer hat immer recht

Nun gilt es, auf dem Boden zu bleiben, wobei ich auch in dieser Hinsicht […] viel Vertrauen in Christian Gross setze.

13. Februar 2010, NedsBlog:

inzwischen habe ich aber das Gefühl, dass er [Gross] sehr genau weiß, was er tut und was er will, und das setzt er dann auch konsequent um.

…geht sowas halt auch einmal nach hinten los. Christian Gross und Horst Heldt werden sich in den nächsten Wochen sehr genau überlegen, ob sie sich bemühen, ihn [Hleb] über den Leihvertrag hinaus zu halten.

[Nachwuchsspieler:] …bin ich überzeugt, dass man vom Großteil der Genannten noch einiges erwarten darf. Über allen steht dabei Khedira, aber gerade in Sebastian Rudy […] setze ich große Hoffnungen, und Gebhart ist natürlich auch ein Riesentalent, von dem ich hoffe, dass es in Christian Gross den richtigen Trainer zur richtigen Zeit bekommen hat.

Heute halte ich 5-16 noch für möglich, 6-11 für realistisch, und 6-8 für gut. 5 für überragend.

19. Februar 2010, Spielfeldrand Magazin:

Als Torschützenkönig sehe ich beide [Marica, Pogrebnyak] auf absehbare Zeit nicht.

Aus deutscher Sicht “unbedingt mit” muss meines Erachtens Sami Khedira, zudem würde ich Serdar Tasci und, wenn er sein Niveau beibehält, Christian Träsch mitnehmen. Weitere Kandidaten sehe ich für Joachim Löw (noch) nicht.

[Barcelona:] ich wäre zufrieden, wenn das Hinspiel nicht verloren ginge und der VfB mindestens ein Tor erzielte.

Ich gehe davon aus, dass der VfB die Partie bestimmen wird, was Ballbesitz und Spielanteile anbelangt. Köln wird defensiv gut stehen, ohne zu mauern, und seine Chance nach vorne auf jeden Fall suchen […]. Mein Tipp: 0-2

21. Februar 2010:

Und nein, ich sehe weder Cacau noch Hilbert in Joachim Löws Kader für Südafrika

24. Februar 2010:

wenn der VfB im Camp Nou nur 3 Tore schießt, müsste Barcelona schon 4 machen. Das schaffen die nie.

1. März 2010:

Der Abstieg ist nur noch eine theoretische Option. Der Uefa-Cup meines Erachtens auch. Würde mich interessieren, wer daran glaubt, dass man an Ostern noch ernsthaft vom internationalen Geschäft redet, nach den Spielen in Bremen, Gelsenkirchen und München.

14. März 2010:

Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass Khedira in der nächsten Saison noch mit von der Partie ist, derzeit von Woche zu Woche sinken dürfte bzw. bereits jetzt ein all-time low erreicht haben könnte.

13. April 2010:

Mittlerweile bin ich sehr guter Dinge, dass der VfB den HSV noch überholt; Wolfsburg mit seinem künftigen Weltfußballer macht mir da deutlich mehr Sorgen.

Verletzungspech

Am 31. Januar hat Thomas Hitzlsperger den VfB Stuttgart nach viereinhalb Jahren verlassen. In 125 Bundesligaspielen erzielte er 20 Tore, darunter der beeindruckende Weckruf zum 1:1 im Meisterschaftsfinale 2007 gegen Cottbus. Weiterhin bestritt er in seiner Zeit beim VfB 26 Europapokal- und 42 Länderspiele (6 Tore). In den letzten anderthalb Jahren war er Kapitän, hat den Verein stets vorbildlich repräsentiert und auch nach den unglücklichen letzten Monaten kein böses Wort über den VfB verloren.

Dementsprechend hat man seitens des Vereins entschieden, ihn in der Stadionzeitschrift  „Stadion aktuell“ auf Seite 8 angemessen zu verabschieden:

„31. Januar: Ciao Hitze

Nach viereinhalb Jahren beim VfB
löste Thomas Hitzlsperger seinen
bis zum Sommer laufenden Vertrag
auf und wechselte zum italienischen
Erstligisten Lazio Rom.“

Elson hat zwar zwei Zeilen mehr bekommen, war aber auch schon ein halbes Jahr früher im Verein. Passt also.

Möglicherweise hatte Christian Gross die Geschichte der schleichenden Degradierung des ehemaligen Kapitäns Hitzlsperger mit im Kopf, als er in den letzten Wochen stets betonte, dass der neue Kapitän Matthieu Delpierre auf jeden Fall spielen werde, wenn er seine Verletzung auskuriert habe. Angesichts der jüngsten Leistungen von Georg Niedermeier und des wieder stabilisierten Serdar Tasci hat mir diese Haltung zwar Bauchschmerzen bereitet; nachvollziehen konnte ich sie gleichwohl, und möglicherweise hätte ich sogar gleich gehandelt. Und einen Fehler gemacht, wie man seit dem 1:3 gegen den HSV weiß.

Gegen einen HSV, den ich Mitte der zweiten Halbzeit abgeschrieben hatte, der im Grunde gar nicht mehr auf dem Platz war und nur noch zu hoffen schien, dass Rost seine Form bis zum Spielende konservieren und die Stuttgarter weiterhin an ihren Halbfeldflanken arbeiten mögen, anstatt wie vor dem Ausgleich (Christian Träsch „mit dem Außenrist“, wie man vom Stadionsprecher erfuhr) öfter konsequent zur Grundlinie zu gehen (ja, ich wiederhole mich).

Irgendwann stand dann Ruud van Nistelrooy zur Einwechslung an der Seitenlinie, und der eine oder andere Hamburger muss gedacht haben, er sollte dem berühmten Mitspieler mit einem Mindestmaß an Gegenwehr imponieren, während mancher Stuttgarter darüber nachdachte, ob man gegen den ehemaligen Welttorjäger (was weiß ich, was er sonst noch alles ist oder war) vielleicht doch eine zusätzliche Sicherung einbauen sollte. Leider blieb es nicht so recht beim darüber Nachdenken – vielmehr zogen sich alle ein wenig zurück (abgesehen von Kuzmanovic, der wohl im rechten Mittelfeld spielen sollte, häufig aber zwischen „10“ und „9“ pendelte) und ließen den HSV zurück ins Spiel kommen.

Der Rest ist bekannt. Möglicherweise dachte Christian Gross nach dem 1:3, dass dem VfB ein Weltklassestürmer auf der Bank ein Stürmer von internationalem Topformat (im gesamten Kader) irgendein Stürmer auf der Bank gut zu Gesicht gestanden hätte. Dass es den nicht gab, kann man mit Verletzungspech begründen, wenn man möchte.

Schiedsrichter der Partie war Deniz Aytekin.
______________

Abschließend möchte ich festhalten, dass van Nistelrooy nur getroffen hat, weil er die Cannstatter Kurve grüßen wollte. Die hatte zur Begrüßung Gefallen an der nicht ganz neuen Weise „Schwuler, schwuler Holländer“ (nach der Melodei des gerade in diesen karnevalistischen Tagen offensichtlich noch immer beliebten Klassikers „Sierra Madre del sur“) gefunden und wird sich, nachdem der Schuss nach hinten losgegangen ist, künftig vielleicht leider im Leben nicht überlegen, derlei Liedgut daheim zu lassen.

Der Trainer hat immer recht

Christian Gross, so sagt man, legt Wert auf starke Außenpositionen im Mittelfeld, und dabei insbesondere auf Schnelligkeit und Dynamik -womit er genau meinen Geschmack trifft. Als der Trainer beim gestrigen Spiel des VfB gegen Borussia Dortmund Mitte der zweiten Halbzeit die linke Position mit einem zwar dynamischen Spieler besetzte, der allerdings aus dem Spiel heraus nicht einmal mit seinem stärkeren rechten Fuß als Flankengeber zu brillieren weiß, und rechts einen großartigen zentralen Mittelfeldspieler brachte, bei dessen Stärken selbst dem wohlwollenden Zuschauer nicht sofort Stichworte wie Schnelligkeit und Dynamik einfallen (ganz abgesehen von der Frage, wie groß seine Begeisterung für diese Position ist), begann ich tatsächlich kurz am Trainer, seinem taktischen Konzept und seinen Wechseln zu zweifeln. Ich Unwürdiger!

Der linke Hilbert hatte zwar seine üblichen Stockfehler; er bereitete aber auch ein Tor wunderbar vor, war wie immer ein Vorbild an Laufbereitschaft und tanzte seinen Gegenspieler einmal im Strafraum aus, dass es eine Freude war. Sein letztes vergleichbares Dribbling auf Rechtsaußen liegt sehr lange zurück. Dort indes zeigte Kuzmanovic, dass man mit einer guten Technik, strategischem Geschick und einem Auge für die Mitspieler auch ohne augenfällige Sprinterqualitäten auf der Außenposition glänzen kann. Wenn man dann noch in der Lage ist, einen Freistoß durch die von drei Mitspielern gerissene Lücke durch die Mauer zu schießen, dann kann man Stadionsprecher Christian Pitschmann schon mal das Wort Weltklasse in den Mund nehmen. Kurz bevor er der schreibenden Zunft die Schlagzeile „Kloppo verkloppt“ ans Herz legte, übrigens.

Gut gemacht, Herr Gross. Als sehr positiv empfand ich auch des Trainers Zurückhaltung bei der Bewertung des Spiels:

„Nicht gefallen hat mir, dass wir zu viele Ballverluste hatten, den Elfmeter nicht verwandelt haben und die Abstimmung auf den Außenpositionen nicht passte.[…] Der Sieg ist verdient, aber zu hoch ausgefallen.“

Die vielen Ballverluste und Fehlpässe waren in der Tat frappierend. Das mag zum Teil an der aggressiven Balloberung auf beiden Seiten gelegen haben; teilweise fehlte aber auch schlichtweg die Ruhe, in der einen oder anderen Situation wohl auch das technische Vermögen, den Ball in den eigenen Reihen zu behalten. Seitens des VfB widersetzte sich vornehmlich der um Struktur bemühte Sami Khedira jenem Aktionismus, der in viel zu vielen überhasteten, zum Teil auch von vornherein aussichtslosen Bällen in die Spitze resultierte. Insbesondere Stefano Celozzi, der defensiv sehr stark agierte, spielte den Dortmundern zahlreiche Bälle in die Füße und Köpfe.

Interessanterweise sind die Reaktionen auf das Spiel ansonsten sehr positiv ausgefallen, wie der geschätzte Kollege vom Brustring bei seinem Blick durch die Nachberichterstattung auf verschiedenen Kanälen festgestellt hat. Keine Frage: Engagement und Laufbereitschaft haben auf beiden Seiten gestimmt, auch das eine oder andere fußballerische Glanzlicht war zu sehen. Zudem hat der VfB einen großen Siegeswillen gezeigt und zum Spielende hin endlich einmal die sich bietenden Chancen konsequent genutzt. Dennoch würde ich es, man lese und staune, dieses Mal eher mit dem Kicker halten:

„Spielnote 3,5, extrem zerfahren mit vielen Fehlern, lebte von der Dramaturgie.“

Noch einen Tick kritischer sahen das Ganze einige meiner Stadionnachbarn. Sätze wie „Die sollen endlich mal nach vorne spielen und nicht um Gegentreffer betteln!“, „Das ist ja fußballerisch noch schlechter als unter Babbel.“ oder „So langsam bewegt sich das Spiel auf Regionalliganiveau zu.“ waren, wenn auch nicht nicht in ihrer Schärfe, so doch in der Grundaussage repräsentativ.

Sei es, wie es sei. Auf jeden Fall geht der VfB weiter gestärkt aus diesem Spiel hervor, auch weil man ein kritisches Spiel, das zu kippen drohte, doch noch gewonnen und dabei erstmals seit dem zweiten Spieltag vier Treffer erzielt hat. Die eingespielte Formation bewährt sich, von der Bank kommt Qualität nach, die Stürmer treffen weiter, über Träsch und Khedira will ich gar nicht reden, und das nötige Selbstvertrauen, um demnächst auch spielerisch noch zwingender aufzutreten, wächst weiter. Nun gilt es, auf dem Boden zu bleiben, wobei ich auch in dieser Hinsicht, wie oben bereits angedeutet, viel Vertrauen in Christian Gross setze.

Übrigens will ich mir, trotz des erneuten Sieges, immer noch nicht Gagelmann wünschen. Meines Erachtens hat er einfach nicht die nötige Klasse. Das dürften mit Blick auf das gestrige Spiel beide Seiten so sehen.

Abschließend noch ein paar Worte zu den Stuttgarter Transferaktivitäten. Vier Mittelfeldspieler (Simak, Bastürk, Hitzlsperger, Elson) in einer Transferperiode abzugeben, noch dazu im Winter, und keinerlei Ersatz zu verpflichten, ist in der Tat ungewöhnlich. Während sich bei Simak und Bastürk alle mir bekannten Beobachter in ihrer Bewertung einig sind, vernimmt man bei Elson, dessen Gehaltszahlungen die Vereinsfinanzen nicht allzu sehr belasten dürften und der immer wieder für großartige Momente gut war, und bei Hitzlsperger, den mancher gerne als Back-Backup behalten würde, unterschiedliche Meinungen.

Ich selbst hatte beide Transfers für richtig. Beide Spieler haben nach aktuellem Stand unter Christian Gross keine Chance, und in beiden Fällen stimme ich mit ihm überein. Die klassische Spielmacherposition, die sich für Elson anbietet, dürfte beim VfB auf absehbare Zeit nicht vergeben werden, und für die Außenpositionen ist er zu langsam. Gute Freistöße und Eckbälle reichen nicht aus. Bei Hitzlsperger ist die Situation insofern vergleichbar, als auch er nach meiner Wahrnehmung über außen nicht den Anforderungen des Trainers entspricht. Seine Lieblingsposition, die „Sechs“, ist – anders als bei Elson – zwar vorgesehen, sogar doppelt; er hat dort aber drei der derzeit besten Stuttgarter vor sich und nur wenig Aussichten, in die Mannschaft zu rutschen.

Dass er vor diesem Hintergrund an sein persönliches Fortkommen (sprich: die Nominierung für die WM) denkt und der Verein ihm in dieser Situation keine Steine in den Weg legt, halte ich für richtig, von beiden Seiten. Den in Sport im Dritten vorgebrachten Egoismusvorwurf kann ich nicht in Ansätzen teilen. Die ebenfalls dort geäußerte Einschätzung, er werde sich auch im italienischen Abstiegskampf schwer tun, sich bei Joachim Löw zu empfehlen, indes schon. Nur: wo waren die Alternativen?

Abseits der rein sportlichen Komponente bedaure ich den Abgang von Thomas Hitzlsperger sehr. Er hat sich in seiner nicht ganz einfachen Anfangsphase stets loyal und unheimlich professionell gezeigt, und den VfB seit 2005 immer hervorragend repräsentiert. Überhaupt steht er dem Typus Fußballspieler sehr gut zu Gesicht, nicht nur wegen seine Engagements als Störungsmelder – inwieweit Letzteres mit den tifosi Laziali harmoniert, wird man sehen. Ich wünsche ihm in jeder Hinsicht viel Glück und Erfolg.

Und natürlich muss ganz zum Schluss dann doch noch einmal das sportliche Ausrufezeichen herhalten, das Thomas Hitzlsperger in seiner Zeit beim VfB gesetzt hat:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=mzk5zQOiLVw]

Jede Woche ein neues Feature.

In der Rückrunde der vergangenen Saison spielte sich Christian Träsch auf der rechten Position in der Stuttgarter Viererkette fest. Sein Stellungsspiel bei langen Bällen, das zuvor das wichtigste Argument für meine Überzeugung gewesen war, dass es sich bei ihm um eine absolute Notlösung handle, war zwar noch immer nicht gut; seine defensive Zweikampfstärke und das augenfällige außerordentliche Engagement wogen indes nicht nur diesen Makel auf, sondern ließen auch ein Stück weit über die vermeintlich begrenzten Mittel im Spiel nach vorne hinwegsehen. Zur neuen Saison, daran gab es für mich wenig Zweifel, würde die Position dann zurück an Ricardo Osorio oder an Neuzugang Stefan Celozzi gehen.

So war es dann auch, allerdings nur kurzzeitig, nachdem sich Träsch im Eröffnungsspiel den Arm gebrochen hatte. Danach war er wieder drin, und am 17. Oktober spielte er gegen Schalke erstmals auf der Königsposition vor der Abwehr. Er gab dort im Grunde einen reinen Ausputzer, der mit dem Spielaufbau nichts zu tun hatte.  Wenige Tage später gegen Sevilla sah das schon anders aus: er nahm gelegentlich den Kopf hoch und spielte kurze, gescheite Pässe. Gegen die Rangers gab er der Mannschaft gemeinsam mit Kuzmanovic Stabilität, wiederum in der Champions League gegen Urziceni schoss er erstmals öfters auf das gegnerische Tor und begann, Bälle durch das Mittelfeld zu schleppen, gegen Hoffenheim erreichte er sowohl in der Balleroberung als auch bei den Torschüssen die Spitzenwerte in meiner gefühlten Statistik, und am Samstag gegen Wolfsburg trieb er den Ball nicht nur über das Feld, sondern ging auch immer wieder erfolgreich ins Dribbling und brachte sich in Halbzeit zwei sehr gut in den einen oder anderen Konter ein.

Auch als Christian Gross  den Bedarf an etwas mehr Struktur erkannte und Zdravko Kuzmanovic einwechselte, nahm er Träsch nicht etwa vom Platz, sondern verschob ihn ins rechte Mittelfeld, was zunächst insofern nicht ideal war, als er auf dieser Position noch ein wenig fremdelte. So unterliefen ihm einige ungewohnte Ballverluste, von denen einer unmittelbar zum Wolfsburger Gegentreffer führte. Nun denn, am Samstag hatte das keine gravierenden Folgen, und bis zum kommenden Wochenende, spätestens aber bis zum nächsten Heimspiel gegen Dortmund, da bin ich mir sicher,  wird sich Träsch die Schlüsselqualifikationen eines Außenstürmers als weiteres Feature angeeignet haben und sie ganz selbstverständlich zum Einsatz bringen.

Ansonsten verdeutlichte das Spiel, dessen Facetten drüben im Brustring detaillierter dargestellt werden, dass man sich noch in einer Übergangsphase befindet. Das zeigte sich sowohl bei der gesamten Mannschaft, die nach dem Wolfsburger Ausgleich völlig verunsichert war und von Glück reden konnte, dass das Spiel nicht komplett kippte, als auch bei den Leistungen einzelner Spieler. Paradebeispiel: Roberto Hilbert. Er schlug die beste Ecke, die man seit Monaten von einem Spieler, der nicht Elson heißt, gesehen hat, um bei der nächsten, die beinahe im Seitenaus gelandet wäre, wieder ins Jahr 2009 zurückzufallen. Er vergab zu Spielbeginn recht kläglich („Der Hilbert halt, was will man erwarten?“) und netzte bald darauf aus sehr ähnlicher Position souverän ein. Zweimal zog er in der ersten Hälfte von halbrechts in hohem Tempo nach innen, um einmal, wie von vielen erwartet, unsinnig in den leeren Raum zu spielen, das andere mal Pogrebnyak hervorragend einzusetzen. Auch bei Timo Gebharts Treffer fragte ich mich, ob er nur aus Versehen erstmals in dieser Saison nicht den hohen Schlenzer angesetzt hatte, der zumeist zwei Meter über die Latte „streicht“. Wenige Minuten später war klar, dass er noch in ihm steckt.

Cristian Molinaro brachte eigentlich keine Altlasten mit. Und doch schwankten auch bei ihm die Bewertungen auf der Tribüne zwischen „großartig“ (vor allem in der ersten Hälfte) und „Nummer 21, sag ich doch: das ist nach wie vor der Lude, nur mit Perücke“, als er in der zweiten Halbzeit gelegentlich schwächelte (mag sein, dass er zuvor etwas overpaced hatte), Džeko zum Ausgleich einlud und einige Male buchstäblich mit dem Ball ins Seitenaus lief. Auch Sven Ulreich, der zumeist gute Kritiken erhielt und von Kapitän Sami Khedira im SWR Fernsehen als „sicherer Rückhalt“ gepriesen wurde (Zugegeben: Dieser Satz steht nur hier, weil ich so gerne „Kapitän Semi Khedira“ schreiben wollte), habe ich bis weit in das Spiel hinein keineswegs als souverän wahrgenommen – den Heldenstatus hat er sich in der letzten Viertelstunde gleichwohl redlich verdient.

Was zählt: gewonnen. Platz 12. Aufbruchstimmung, und dennoch geerdetes Auftreten aller Beteiligten. Gefällt. Wenn ich zudem noch einen Wunsch äußern dürfte: Bitte, bitte, dringend den Herrn Niedermeier fest verpflichten!

Ach, was ich noch sagen wollte: die Medienberichterstattung habe ich nicht in allen Einzelheiten verstanden.

  • Im  ZDF-Sportstudio wurde dem Wolfsburger Grafite, dessen Abspiel auf Džeko Sven Ulreich abfing, in dieser Szene Eigensinn vorgeworfen.
  • Das DSF(?) differenzierte bei der Wolfsburger Doppelchance kurz vor Schluss, als weder Džeko (Pfosten) noch Grafite (drüber) allein vor dem Tor trafen, dahingehend, dass die Aktion des Bosniers in den höchsten Tönen gelobt wurde, wohingegen der Brasilianer versagt habe.
  • Valeska Homburg vom SWR stellte fest, dass der VfB „immer noch nicht so in ganz sicheren Ebenen in der Tabelle angelangt“ sei und fragte daher ihren Gast Sami Khedira, ob es immer noch ein Abstiegskampf sei, den der VfB kämpfe.
  • Sonntag aktuell, die Stuttgarter Sonntagszeitung, schrieb:
    „Markus Babbel nannte Pawel Pogrebnjak einen „Target-Player“. Also einen Spieler, der zuverlässig ins Ziel trifft.“
  • Keiner der berichtenden Fernsehsender hielt es für nötig, die Zuschauer über die Temperaturen an der Stuttgarter Graswurzel zu informieren.