vier/zwanzigdreizehn

Paradox ist es auf jeden Fall.
Manch einer meint: Der hat ’nen Knall.
Sein Maserati sorgt für Andrang;
Getarnt und doch ein Blickfang.
So ist Max Kruse auch mit Ball.

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Die Hin- und die Rückfahrt sowie
das Spiel, das Drumrum, auch Logis:
früher stand’s »aufm Platz«,
heut gehört jeder Satz
zur Triennium-Triologie.


(Beschämt ab. „Dichterische Freiheit“ kann nicht für alles geradestehen.)

 

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Weitere Adventsfünfzeiler gibt’s im Kalender.

Assistassistenten

Über Janniks Buch zur Gladbacher Nichtabstiegsrückrunde hatte ich ja schon vor geraumer Zeit berichtet, und dabei auch vorsichtig darauf hingewiesen, dass sein Blog seit einiger Zeit brach liege. Aus gutem, in diesem Fall beruflichem, Grund, hatte er eine Blogpause ausgerufen. Na ja, was sollte nach dieser Rückrunde auch noch kommen, was auch nur annähernd so spannend, mitreißend, letztlich bloggenswert sein sollte?

[Dieser Absatz ist Janniks Lesegewohnheiten gewidmet.]

Dann kam der Gladbacher Vorrundenlauf mit noch mitreißenderem Fußball, überragendem Erfolg, einigen guten Geschichten und interessanten Protagonisten, und es würde mich sehr wundern, wenn Jannik unter seiner Blogabstinenz nicht gelitten hätte wie ein, wie soll ich sagen, begossener Pudel. Schlechtes Timing, irgendwie, und natürlich hat er das Ganze längst rückgängig gemacht. Zum Glück.

Nun will ich meine derzeitige geringe Schreibfrequenz, deren Hintergrund an anderer Stelle kurz zur Sprache kam, nicht mit Janniks zeitweiligem Komplettausstieg vergleichen, und mich nicht mit ihm, aber ich klopfe mir zumindest in Sachen Timing schon ein wenig selbstverliebt auf die Schulter. Mal im Ernst: Wer hätte schon was über die erniedrigende Pokalvorführung durch die Bayern schreiben wollen? Über die als Debakel abgesprungene und letztlich als Euphemismus gelandete Niederlage in Hannover? Über die zwei Punkte, die Leverkusen hergeschenkt hat? Über den deutlichen Sieg gegen eine von allen guten Geistern verlassene Hertha, mit dem man sich nun wirklich nicht ernsthaft zu beschäftigen brauchte, oder über jenen gegen eine ohne Abwehr angetretene Freiburger Mannschaft? Am Ende hätte ich gar über Standardsituationen schreiben müssen, und das kann nun wirklich in niemandes Sinne sein. (Außerdem steht ja schon alles drüben im Brustring.)

Was ich allerdings nicht versäumen möchte: Abbitte zu leisten. Bei Sven Ulreich. Schon wieder. Nicht wegen der konstant guten Leistungen auf der Linie und im Eins-gegen-eins, das hatten wir schon. Auch nicht wegen der hohen Flanken, da sehe ich den Bedarf noch nicht. Sondern wegen seiner Scorerqualitäten. Wie oft habe ich über seine gemächliche Spieleröffnung gemeckert, an technischen Defiziten herumgemäkelt, über seine Abstöße wechselweise geschimpft und gelacht, die zu Vehs Zeiten kurz und ungenau, später dann nur noch ungenau waren.

Und dann: dieser Assistassist gegen Freiburg, der in den von mir verfolgten Medien viel zu wenig Beachtung fand. Jener lange Ball auf Harnik, den sie schon im Hinspiel intensiv geübt hatten, wobei der damalige Freiburger Linksverteidiger keiner Schülerabwehr entsprungen war, jener lange Ball also, den ich ganz selbstverständlich im Aus sah, um mich dann zum einen zu erinnern, dass er gar nicht von Niedermeier geschlagen worden war, und um zum anderen einzusehen, dass ich Martin Harniks derzeit aus gutem Grund breite Brust unterschätzt hatte, machte also dessen Weg frei zu einem Tor, das nicht nur bei manch anderem Verein, exemplarisch sei Hannover 96 genannt, den Anlass für eine mediale Zeitmessung geboten hätte, sondern das eben zudem Ulreichs ersten mir bewusst gewordenen Assistassist besiegelte.

Überhaupt sind Assistassists ja eine zu unrecht vernachlässigte Kategorie der Damen und Herren Opta, Impire, und wie sie alle heißen. Bemerkenswert, wie Ibisevic vor dem 4:1 in der Luft stand und mit seiner Verlängerung Hajnals Torvorbereitung einleitete. Ob indes auch Sakais Diagonalball vor dem 1:0 ein lupenreiner Assistassist war oder letztlich doch bloß ein Assist, wird in Fachkreisen heftig debattiert. Kann Ibisevic den Assist bekommen, obwohl er den Ball nicht berührt hat? Kann ein Durchlassen, das die Gefahr erst heraufbeschwört, als assistwürdige Leistung gelten? Ganz abgesehen von der Frage, ob Ibisevic den Ball nur versehentlich nicht getroffen hat. Natürlich ist die Antwort klar: Wenn wir das Ganze konsequent weiterdächten, könnte sich dann ja auch jemand frenetisch als Torschütze feiern lassen, nachdem und weil er sich weggeduckt hat, um einem Torerfolg nicht im Weg zu stehen. Öhm.

Überhaupt: Ibisevic. Und überhaupt: Sakai. Hatte ich bei Ersterem nicht kürzlich eher überschaubare Assistquoten (mangels verfügbarere Assistassistquoten, klar) angeführt und ihn implizit auf einen reinen Torjäger reduziert? Und dann legt er Harnik einen nach dem anderen auf – die der dann nicht verwertet. Abbitte, auch hier. Über Zweiteren hatte ich bis dato noch gar nichts geschrieben. Dabei macht es so viel Spaß, ihm zuzusehen (aber wie gesagt: Abstinenz).  Sicher, defensiv hätte es sich phasenweise auch gut in besagte Freiburger Schülerabwehr einsortieren lassen, ohne dort groß aufzufallen – den Fehler gegen Harnik vor dem 2:0 hätte ich ihm in ähnlicher Weise auch zugetraut. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er ihn wieder ausgebügelt hätte, wäre deutlich höher gewesen. Im Vollsprint, wie immer. Irgendwie erinnert er mich an den jungen Sammy Kuffour. Nicht die Spielweise. Irgendwas anderes. Sowas wie … Begeisterung, Elan, Siegeslust?

Irgendwie ist es trotz allem schade, dass ich morgen so gut wie nichts vom Spiel beim HSV sehen kann.

Auf allen Bühnen zu Hause.

Der hiesige Hausherr ist ja blogmäßig eher so ein Stubenhocker. Einer, der bei seinen Leisten bleibt, mit einer gewissen Regelmäßigkeit Texte schreibt und veröffentlicht, ab und zu auch mal ein wenig Statistik einfließen lässt, und das war’s dann auch. Andere sind da vielseitiger. Drehen Videos, podcasten, erstellen Infografikmassaker, interviewen, oder:

lesen.

Der Trainer macht Sachen. Wer ihn selbst und seine Radiostimme kennt, dürfte wie ich davon ausgehen, dass er auch im djäzz eine hervorragende Figur abgeben wird. Und sich wie ich darüber ärgern, dass es nichts wird mit einer Duisburgreise am Donnerstag. Viel Spaß all jenen, die diesbezüglich in einer komfortableren Situation sind.

Wieder andere wollen drucken. So zum Beispiel @gses, der früher im Rasenschach-Magazin gebloggt hat und jetzt eine gedruckte Bloggerzeitschrift in Angriff nimmt:

Der Blogger“ soll ein neues monatliches Printmagazin werden und die Qualität der deutschen Blogosphäre in einem Druckwerk bündeln.
Wer Artikel ohne politischen Druck oder verlagsinterne Vorgaben lesen möchte, ist hier richtig.
Eine Zeitschrift von Bloggern für alle, die Meinungen und Hintergründe zu Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik und gesellschaftskritischen Themen lesen möchten.

Das Projekt soll über Crowdfunding verwirklicht werden, von dem ich keine Ahnung habe. Aber inhaltlich gefällt mir der Gedanke und ich bin sehr gespannt, was draus wird. Wer ähnlich denkt, möge „Fan werden“ (für die Formulierung kann vermutlich auch @gses nichts) und so dazu beitragen, dass „der Blogger“ zur Förderung freigegeben werden kann.

Da wir grade beim Drucken sind: es ist mir furchtbar unangenehm und völlig unerklärlich, dass in diesem Blog noch nie ein Hinweis auf Janniks wunderbares Buch stand, in dem er seine Blogtexte zum letztjährigen Gladbacher Klassenerhalt sammelte und veröffentlichte. Jannik, Ihr wisst schon, Entscheidend is auf’m Platz, eines der besten Blogs der Welt, das leider seit Monaten brach liegt. Wer eine Schwäche für die Borussia, für eine gute Story oder einfach für gelungene Texte hat, liegt mit seinen Werken genau richtig. Und wenn einem all das abgehen sollte, kann man immer noch eine gutes Werk tun und den Kindertraum Nettetal e.V. unterstützen: „So weit die Raute trägt

Ballpod. Oder Ballpodder. Remember? Genau. Einige Menschen, die gerne mal die eine oder andere Zeile über Fußball schreiben, haben vor einiger Zeit auch ein paar Versuche unternommen, darüber zu reden. Sebastian Fiebrig hat das Ganze noch einmal aufgegriffen, in sehr angenehmer Form, wie ich finde, und wie ich ihn kenne, wird es nun mit weitaus mehr Entschlossenheit voran getrieben. Für die Nullnummer hat er sich vergangene Woche Herrn @probek eingeladen, um ein wenig über die Bayern zu reden.

Vielleicht sollte ich irgendwann auch mal sprechen lernen.

I know nothing

Am Wochenende hat der VfB in Gladbach gespielt. Bisher habe ich keine einzige Spielszene gesehen. Gelesen habe ich den einen oder anderen Text, sodass ich von Jens Lehmanns starker Leistung weiß, und dass es ein glücklicher Punktgewinn war, auch wenn Kuzmanovic den Pfosten traf. Ich weiß von Marco Reus‘ Dribblings und seiner Spontanheilung, und habe mir sagen lassen, dass sich der VfB nunmehr in seine Situation (sprich: das traurige Tabellenbild) zu fügen scheine. Weiterhin las ich, dass Sebastian Rudy in der Mannschaft blieb, wohl aber nicht an seine Leistung aus dem Sevilla-Spiel anknüpfen konnte, und dass Markus Babbel erneut bereits nach 45 Minuten wechselte. Yildiray Bastürks Comeback sowie sein Pech im Abschluss nahm ich zur Kenntnis. Erfreut war ich über Patrick Funks Kaderberufung.

Kurz: ich habe nichts Gehaltvolles zu bieten. Dass ich eben das hier aufschreibe, ist lediglich dem Umstand geschuldet, dass allem Anschein nach der eine oder die andere VfB-Interessierte heute gelegentlich hier vorbeigeschaut hat, was mich sehr freut. Statt also einfach stillschweigend unterschwellige Erwartungen nicht zu erfüllen, danke ich für das Interesse und verweise ausnahmsweise nicht auf den Brustring, wo das Spiel auch noch nicht verarbeitet wurde, sondern nach Gladbach, wo es auf’m Platz wie so oft sehr lesenswert zugeht.

Für diejenigen, die doch noch ein wenig verweilen wollen:
I know nothing. (but: I learn!)

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=s6EaoPMANQM]

Erzählt Geschichten!

Gestern habe ich hier einen Schwank aus meiner Jugend (naja, Jugend) zum Besten gegeben und mich sehr über die Reaktionen gefreut, die in mehreren Fällen so aussahen, dass Kommentatoren eigene Geschichten zum Thema (bzw. ihr eigenes Polk High)  in den Kommentaren versenkten.

Ganz sicher stellen diese paar Reaktionen keine gute Basis für allgemeingültige Schlussfolgerungen dar, und doch stärken sie meine Überzeugung, dass in unserer Blogwelt recht viele Leute einfach gerne Geschichten lesen. Oder sie aufschreiben. Aus dem Stegreif fallen mir ein paar großartige Blogbeiträge der letzten Monate ein, die – um beim fußballnahen Teil meines Feedreaders zu bleiben – nicht in erster Linie Tabellenbilder interpretieren, Nationalmannschaftsnominierungen hinterfragen oder Begleiterscheinungen „unseres“ Sports kommentieren, sondern die in erster Linie Geschichten erzählen. So wie nolookpass in seiner als Glückwunsch daher kommenden Hommage an Kutte, wie Sebastian in einer Schilderung der legendären Nacht in Chisinau, der Trainer in der Ode an den Hagebuttentee, bunki in seiner Liebesgeschichte oder Jannik mit einer als Spielbericht getarnten Chronik einer Familienreise nach Cottbus. Oder viele andere, die ich jetzt grade nicht vor Augen habe.

Bitte nicht falsch verstehen: ich will auch die Kommentare zum aktuellen sportlichen Geschehen lesen und die Texte, in denen gesellschaftsrelevante Komponenten des Fußballs erörtert werden, unbedingt. Und wenn dann gelegentlich eine persönliche sportliche Heldensage dabei ist, oder auch eine Chronik des eigenen Scheiterns, nostalgisches Zeug, irgendsowas, dann habt Ihr mich.

Bitte, erzählt (weiterhin) Geschichten!

Zaubermaus

Im Februar 1991 feierte Sergio Zárate sein Debüt für den Club und erzielte dabei sogleich sein Premierentor. Ansonsten waren seine ersten Schritte in der Bundesliga mehr oder weniger durchwachsen, ehe er er in seiner zweiten Saison rasch zum Nürnberger Publikumsliebling wurde, das ihn, vermutlich in Anlehnung an seinen heimatlichen Kosenamen „el ratón“, rasch zur Zaubermaus erkor. Damit fand – man möge mich korrigieren, falls es ältere Beispiele gibt –  ein neuer Universalname für kleine, wuslige Dribbler Eingang in das Handbuch für Fußballfans und Sportjournalisten.

Zwar ist mir persönlich in der Bundesliga nur bei zwei drei weiteren Spielern die Verwendung des Namens erinnerlich: Ratinho und Dariusz Wosz (Nr. 3: siehe ganz unten); eine kurze Anfrage bei Google kommt indes zu anderen Ergebnissen: Zaubermaus Bundesliga bringt mehr als 9000 Treffer und führt allein auf den ersten Seiten zu mindestens 10 verschiedenen Zaubermäusen.

Ratinho spielte zu Otto Rehhagels glorreichen Lauterer Zeiten groß auf, vor allem in Liga zwei, aber auch noch in der Meistersaison, und erfreute die Fans mit kreativen Dribblings und Interviews, aus denen insbesondere das Wort „Kokolores“ hängen blieb, das ihn Rehhagel gelehrt haben soll. Laut Wikipedia ist er bisweilen noch immer in der Pfalz unterwegs und gibt „Unterricht in Fußball-Sommercamps im Raum Kaiserslautern und Umgebung„.

Dariusz Wosz zauberte in Bochum und, etwas weniger erfolgreich, in Berlin. Unvergessen ist mir ein Spiel geblieben (wenn auch nur aus der Sportschau-Zusammenfassung), in dem er nach deutlichem Rückstand gegen die Bayern aufdrehte und phasenweise ganz allein 70% Ballbesitz zu haben schien – allerdings, wie so oft, wenn Bochum gegen die Münchner spielte und spielt, außer einem Treffer ohne relevanten Erfolg.

Weitere Zaubermäuse heißen beispielsweise Carlos Eduardo, Diego, Lincoln, Marek Penksa, Franck Ribéry, Vicente Sanchez, Andres d’Alessandro oder auch Marko Marin – letzterem hat allerdings Jannik in seinem Blog Entscheidend is auf’m Platz ein wenig Wasser in den Zaubermaus-Wein gekippt:

Kommentator Matthias Stach pries Marin, den Unruhefaktor für gegnerische Abwehrreihen, bei fast jedem Ballkontakt als „Zauberzwerg” an, was erneut die Frage aufwarf, ob es einem 20-jährigen nicht doch irgendwie peinlich ist, die Bezeichnungen „Zauberzwerg” und „Zaubermaus” ganz oben im Spitznamenkatalog zu führen. Irgendwie klingt das so gar nicht nach Bartwuchs, Führerschein und der Befugnis, im Supermarkt nach Vorlage des Personalausweises jedes beliebige Getränk erwerben zu können. Aber bin ich Imageberater?

Womit wir wieder bei den Gemeinsamkeiten fast aller Zaubermäuse wären: dribbeln können sie, häufig sind sie schnell, und nicht selten kaum größer als 1,70m, wenn überhaupt. Weshalb ich mich frage, wie es soweit kommen kann, dass die Cannstatter Kurve in der kommenden Saison wieder einem 1 Meter 85 großen Spieler als „Zaubermaus“ huldigen wird:

Alex (sic!) Hleb, Alex Hleb, Alex Alex Hleb,
die Zaubermaus aus Weißrussland, Alex Alex Hleb!

Schön, dass er wieder da ist, und natürlich werde ich mit“singen“. Aber die Euphorie um seine Rückkehr macht mir auch ein wenig Angst. Die Tore sollte dann schon ein anderer schießen. Und als linker Verteidiger taugt er auch nicht.