Betriebswirtschaftliche Anreizproblematik

Man möge sich, so man möchte, vielleicht einmal vorstellen, dass es am letzten Spieltag der laufenden Bundesliga-Spielzeit noch um etwas geht, und zwar für Eintracht Frankfurt und den FC Augsburg, die an diesem 10. Mai aufeinandertreffen, in Augsburg. Um uns nicht mit allzu großen Umwälzungen in der Tabelle belasten zu müssen, gehen wir davon aus, dass Augsburg noch auf den Einzug in den Uefa-Cup, oder was aus ihm geworden ist, hoffen kann, während Frankfurt noch Punkte braucht, um den Abstieg auszuschließen. Stellen wir uns weiter vor, dass es auch für den VfB Stuttgart noch um etwas geht, sei es das eine oder das andere.

Und dann ruft Europameister Fredi Bobic Welt- und Europameister Stefan Reuter an, um ihm eine Prämie anzubieten, wenn der FCA in besagtem letztem Spiel einen bestimmten Spieler einsetzt. Ob der Spieler einen Augsburger Sieg wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen sollte und würde, sei einmal dahingestellt.

Abwegig, nicht wahr? Der Aufschrei wäre groß. Der Fußball ist sensibilisiert für solche Themen, zu Recht natürlich. Ob es so weit gehen muss, dass – wie im vergangenen Herbst in Sachsen-Anhalt geschehen – ein Landesligaschiedsrichter suspendiert wird, weil er an einem nicht mit monetären Anreizen versehenen Tippspiel teilnimmt, in dem auch eigene Spiele vorkommen, ist einerseits diskutabel. Andererseits war es eben ein sehr unbedachtes Verhalten des jungen Mannes, und in manchen Bereichen kann es vielleicht nicht schaden, den Anfängen zu wehren.

Ich selbst tue mich ein bisschen schwer damit, dass die Verbände auch versprochene Siegprämien von Seiten Dritter unter Manipulation subsumieren und sanktionieren. Wohlgemerkt: bei Prämien für Niederlagen zögerte ich nicht. Aber auch hier: die Anfänge. Und der Einfluss von außen. Überhaupt, von außen: 50+1, Sie wissen schon. Dritteigentümerschaften an Spieler-Transferrechten. Manches mehr. Der Fußball schützt sich gegen die Einflussnahme Dritter, oder will seine Vereine schützen. Großes Fass, dickes Brett. Plötzlich sind wir bei der FIFA, auch bei der Frage, wem der Fußball gehöre, bei Verbänden und Hartplatzhelden – man könnte in viele Richtungen abzweigen.

Ein anderes Mal, vielleicht. Ich beschäftige mich lieber kurz mit Podcasts. Kommt jetzt eventuell etwas abrupt, ist aber so.

Dass ich recht spät einen Zugang zu Podcasts gefunden habe, äußerte ich hier bereits, und die geneigte Leserin kann das entweder technisch verstehen oder auf meine Präferenzen beziehen, oder auch auf eine Mischung aus beidem – recht hat sie auf jeden Fall. Oder er.

So mag es nicht überraschen, dass die Zahl der von mir gehörten Podcasts nach wie vor überschaubar ist. Wirklich regelmäßig höre ich nur Collinas Erben, wie verschiedentlich ausführlich dargelegt, etwas weniger regelmäßig ein paar vereinsbezogene Angebote, uneingeschränkt regelmäßig die nicht explizit fußballbezogenen Spezialexpertengespräche bei „Was wichtig ist“ (Kunststück, bei bisher genau zwei Ausgaben) und – ebenso regelmäßig, aber deutlich häufiger, der Erscheinungsfrequenz geschuldet – „Football Weekly“ des Guardian.

Schon klar, dass ich hinsichtlich Football Weekly keine Eulen in die werte Athener Leserschaft zu tragen brauche, und vielleicht sollte ich auch nicht weiter darauf eingehen, dass ich Barry Glendenning bei meinen ersten Hörversuchen für einen mittelwitzigen älteren Herrn mit Säuferstimme hielt, dessen Mitwirkungsberechtigung irgendwelche Senioritätsgründe haben musste. Immerhin: die Dinge ändern sich.

Mittlerweile bin ich stets ein bisschen enttäuscht, wenn er nicht dabei ist – auch seinem Humor geschuldet, ja, aber eben auch seinem Wissen, seiner Kompetenz, seinen Nachfragen. Ähnliches könnte man wohl über die meisten anderen Mitwirkenden sagen, aber aus irgendeinem Grund gelten meine Sympathien in besonderem Maße ihm, und so achte ich bei den Premier-League-Ergebnissen inzwischen stets auf Sunderland. So kann’s gehen.

Irgendwann im November sprach man bei Football Weekly über Gerard Deulofeu, bzw. konkret über die Modalitäten des Leihgeschäfts zwischen dem FC Barcelona und dem Everton FC, die dem Vernehmen nach vorsehen, dass sich die Leihgebühr, crikey!, mit jedem Spiel reduziere, das Deulofeu für Everton bestreite. Vielleicht hänge es auch noch davon ab, wie lang der jeweilige Einsatz dauere bzw. ob der Spieler in der Startelf stehe, so genau erinnere ich mich nicht.

Mich irritierte diese Regelung ein bisschen und ich frug bei Twitter herum, ob derlei üblich sei, auch in Deutschland, und las aus den Antworten heraus, dass ich offensichtlich nicht besonders gut informiert war. Zwar bezog sich nach meiner Erinnerung niemand auf offizielle Aussagen; gleichwohl legen die teils überzeugten, teils nur ahnenden Antworten sowie die Anzahl sofort präsenter Beispielfälle nahe, dass etwas dran ist.

Zu den Genannten zählten unter anderen die Herren Didavi, Füllkrug, Schieber und Alaba, im Web fanden sich ad hoc auch de Bruyne und Nordtveit sowie einige mehr. Der Austausch driftete dann, nicht ganz überraschend, zu den Rückkaufoptionen ab, die sozusagen das neue Leihen sind, mich aber im aktuellen Kontext nicht so sehr interessierten.

Kontext? Welcher Kontext? Nun, vielleicht kehre ich doch noch einmal nach Augsburg zurück. Wo Raphael Holzhauser vom VfB auf Leihbasis spielt, und wo man sich erzählt, die Leihgebühr verringere sich mit jedem Einsatz, wo also der FCA faktisch Geld sparen, oder anders: eine Prämie erhalten würde, setzte er Holzhauser gegen Frankfurt ein. Ob er einen Augsburger Sieg wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher machen sollte und würde, sei einmal dahingestellt.

Möglicherweise stimmt diese Prämisse gar nicht, möglicherweise enthält Holzhausers Leihvertrag keine solche Klausel, möglicherweise mangelt es also meinem mehr oder weniger kunstvoll aufgebauten Spannungsbogen nicht nur an Spannung, sondern ist er noch nicht mal ein Bogen, der wieder zur Sehne zurückfindet, und möglicherweise verirre ich mich auch furchtbar in meinen Bildern.

Was indes kaum bestritten werden dürfte: im Fußball werden Leihverträge geschlossen, die die genannten Verabredungen in der einen oder anderen Form enthalten. Ob dies auch bei Leihen innerhalb einer Liga Usus ist, kann ich nicht mit Gewissheit sagen; es gibt entsprechende Meldungen, die aber auch nur Gerüchte sein mögen.

Bei mir bleibt auf jeden Fall ein nicht näher bestimmtes ungutes Gefühl hängen, ein Jucken, eine Irritation, wenn auch in etwas seriöserer Form, als mein Tweet von vor einigen Wochen, und dort insbesondere, aber nicht nur, der zweite Satz, nahelegt:

Natürlich gehe ich davon aus, dass Markus Weinzierl, so die Klausel bestünde, seine Aufstellung weder im letzten noch in irgendeinem anderen Saisonspiel davon abhängig machen würde, ob er dem Verein damit 10.000 Euro oder welchen Betrag auch immer einsparen könnte, dass er sich also nicht von seinem Controller die Aufstellung diktieren lassen würde.

Es ist nur so, dass die Möglichkeit solcher Rabatte nicht so recht in das Bild passt, das die Fußballfamilie mir spätestens seit 2009 vermittelt, vermitteln will – und an dem ich mit Blick auf Manipulationsthemen auch der Tendenz nach nichts auszusetzen habe. Unabhängig davon, dass ich das Ausloben einer Siegprämie durch Dritte per se nicht für geeignet halte, die Integrität des sportlichen Wettbewerbs zu unterlaufen.

Bei Alex Hleb war die Korrelation übrigens eine andere: Wolfsburgs Leihgebühr an Barcelona soll pro Einsatz fällig geworden sein, in nicht unerheblicher Höhe. Die betriebswirtschaftliche Anreizproblematik bleibt dabei allerdings bestehen, unabhängig vom Vorzeichen der Einsatzprämie. So weit die Theorie.

Zrrttn!

Da tut man eine Reise, eine erlebnisreiche noch dazu, in die Großstadt, mit einer Reihe erquicklicher Begegnungen, Wiedersehensfreude und allem, was dazugehört, und dann muss man sich eingestehen, dass man zwar manches zu erzählen hätte, dass aber erst einmal dieses „Zrrttn!“ im Gedächtnis haften geblieben ist.

Hat der Mann in der U-Bahn immer gesagt. Zumindest in der einen; bei den anderen Fahrten war es mir nicht aufgefallen. Und ich weiß halt nicht, ob in den Münchner U-Bahnen immer die selben Ansagen abgespielt werden, oder ob sie vielleicht doch nur inhaltlich gleich sind, vielleicht von verschiedenen Menschen eingesprochen. Sagen die Fahrerinnen und Fahrer gar stets im Livebetrieb „Zrrttn!“, und was wollen sie überhaupt zerrütten?

Lauter Fragen, die ich nicht beantworten kann, die ich im Grunde auch gar nicht beantworten will, aber irgendwie muss ich doch dieses „Zrrttn!“ loswerden, bei dem ich mir mittlerweile zusammengereimt habe, dass es tatsächlich wohl eher „Zurücktreten!“ hieß. Aber es hängt fest. Zrrttn! Zrrttn! Zrrttn! Z u r ü c k t r e t e n!

Nun möge sich die geneigte Leserin bitte nicht in die Irre führen lassen und zu dem Schluss kommen, ich wolle mich mit Gerd E. Mäuser befassen, oder gar mit Bruno Labbadia. Vielmehr geht es um die große Bühne, auf der, seien wir ehrlich, Olympique Marseille in diesen Tagen in etwa genau so viel verloren hatte wie es der VfB hätte. Nichts.

Und so bin ich nicht nur ein bisschen froh, dass l’OM nicht furchtbar unter die Räder kam gestern, an einem Ort, dem die einheimischen Twitteruser interessanterweise die Abkürzung „AA“ widmen, die bei mir bis dato anders besetzt war. Kurz gestutzt habe ich schon. Aber egal. 2:0 für die Bayern, das spiegelt die Kräfteverhältnisse wohl nicht einmal ansatzweise wider – vermutlich hätte Ribéry seinen Kampf gegen den Gegner und dessen Anhänger auch ganz allein erfolgreich bestritten. Ok, zwei Chancen hatten die Gäste vor der Pause, und wenn sie bei der ersten nicht so fassungslos gewesen wären, plötzlich zu dritt allein im gegnerischen Strafraum zu stehen, hätten sie wohl das 1:0 erzielt und das Spiel einen ganz anderen Verlauf genommen kurzzeitig eine Illusion von Spannung vermittelt.

Im Lauf so eines Spiels fragt man sich dann ja auch von Zeit zu Zeit, wie es dazu kommen konnte, dass diese Mannschaft, die sich im Spätherbst allem Anschein nach gefangen hatte, im Jahr 2012 von einer Enttäuschung zur nächsten eilt, vielleicht eher schlendert, und weiß gleichzeitig, dass man das Geschehen viel zu wenig verfolgt, um sich ein Urteil bilden zu können. Und doch wüsste man gern, wo der André Ayew geblieben ist, den man sich vor der vergangenen Saison nach Stuttgart wünschte, und wer der uninspirierte Alleinunterhalter in seinem Trikot war. Man hört auf, die Fehlpässe des dereinst verlässlichen Cheyrou zu zählen, fragt sich, wieso Loïc Rémy so gar nicht mitspielen will, wundert sich über den plumpen Jérémy Morel und bedauert Matthieu Valbuena, wenn er einen weiteren Defensivzweikampf gegen Franck Ribéry bestreiten muss.

Aber es war eine wahre Freude, wieder einmal ein „Aux Armes!“ live im Stadion zu hören – und dann doch ganz vorsichtig die Lippen mitzubewegen, mehr schien angesichts der Übermacht umsitzender Klatschpappen nicht geboten. In der Tat ging es bemerkenswert laut zu in der AA – die Zuschauer nahmen die Vorlage des Vereins, der so zumindest kurzzeitig die Verantwortung für die Stimmung im Stadion übernommen hat, gerne auf.

À propos Stimmung: Ein wenig überrascht hat mich die anhand der Reaktionen auf die Zwischenergebnisse deutlich gewordene klare Präferenz für den AC Milan gegenüber dem FC Barcelona. Der gewohnt sachkundige Herr @probek mutmaßte, es könne mit Mark van Bommel zu tun haben, was für ihn persönlich ganz bestimmt gilt und was ich mir durchaus auch für andere Zuschauer vorstellen kann. Und doch konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es nicht erst in letzter Linie mit dem Wunsch zu tun habe, Barcelona in einem möglichen Finale aus dem Weg gehen zu können.

Dabei wäre das sehr wohl nachvollziehbar. Nur, wie gesagt, ich hätte nicht mit so einem, sofern mein akustischer Eindruck zutraf, klaren Meinungsbild gerechnet. Hätte mir sogar vorstellen können, dass man gerade danach trachte, dem allenthalben als Gralshüter des schönen, modernen und erfolgreichen Fußballs verehrten FC Barcelona im Endspiel die Grenzen aufzuzeigen. Wilde Spekulationen, ich weiß, und auch nicht wichtig. Im Grunde hatte ich wohl eine neutrale Haltung erwartet. Man ist ja schließlich man.

Aber all das war natürlich nur das Vorspiel zum eigentlichen Höhepunkt der Reise, dem Captain’s Dinner Zusammentreffen mit einer ganzen Reihe ranghoher FCB-Protagonisten in den sozialen Netzen. Angefangen bei Herrn @lik0n, der mir eine ungefälschte Karte verkaufte, über den vom Großmeister der urbanen Neurose beim Sitzen beobachteten @stehblog, der sich mit ungefälschten Karten besonders gut auskennt, den im Sonntagsstaat erschienenen @mickyrust bis hin zu Frau @ankegroener und Herrn @probek, die die angekündigten starken Gefühle nach dem – vermutlich zu leicht gefallenen – Sieg zunächst ein wenig vermissen ließen.

Was sich in der Küche des Geburtstagskindes aus nahe liegenden Gründen noch ändern sollte (zumgeburtstagvielglückzumgeburtstagvielglück…), aber wer wäre ich, die Gefühle des Herrn probek und seine Begeisterung für bildungsbürgerliche Geschenke (die, ganz viel Asche auf mein Haupt, nicht von mir kamen) schildern zu wollen, wenn nicht einmal Jürgen Bergener ihn danach frug.

Ich verliere mich ein wenig, Verzeihung, freue mich auf einen ohne mein Zutun quasi versprochenen Pfingstkuchen und trete in vorauseilendem Gehorsam zumindest zur Seite.

Zrrttn!

Stadthallencharme

So ein weihnachtlicher Aufenthalt im benachbarten Ausland bietet neben viel Schnee, Familie, Essen, Zeit und einigen weiteren ausschließlich positiven Aspekten nicht zuletzt Gelegenheit und Anlass, sich endlich mal wieder eine ganze Ausgabe des Magazins zur offensiven Erweiterung des Fußballhorizonts, vulgo: ballesterer, in aller Ruhe und Detailtiefe durchzulesen. Und so stößt man nicht nur auf Ismuszitate der Welt Hertha Linke Textilvergehensredaktion oder auf Franz Binder, sondern vor allem auf Herbert Prohaska.

Prohaska – Austrianer, Held & Hawara“ lautet denn auch der Aufmacher, und wer sich nun wie ich frug, wieviel Platz man ihm wohl einräumen würde, dessen kühnste Träume wurden übertroffen: über 20 der knapp 60 redaktionellen Seiten waren dem offiziellen Jahrhundertfußballer sowohl der Wiener Austria als auch des österreichischen Fußballs gewidmet, und auch wenn der eine oder andere Schmäh dabei war, so blieb doch ein in doppelter Hinsicht vielseitiges Bild übrig, das den gemeinen Leser, in diesem Fall: mich, ein bisschen wehmütig an jene 7 Seiten zurück denken ließ, mit denen die 11 Freunde kurz zuvor ihren Titelhelden Bernd Schuster und insbesondere besagten egozentrischen Leser abgespeist hatten.

Sicher, Schuster hat hierzulande nicht den Status, den Prohaska in Österreich genießt (das Kriterium “ internationales Renommee“ lassen wir mal außen vor), und ohnehin verfolgen die 11 Freunde ein ganz anderes Konzept als der Ballesterer, und Schweinsteiger hatte neulich 11 Seiten, andere Titelgeschichten auch mehr, und überhaupt und sowieso. Kurz: ich hab mich gefreut über 22 Seiten Prohaska. Am Rande auch über Brigitte Xander.

Dabei stehe ich eigentlich Rapid viel näher als der Austria. Bzw. stand ich zumindest früher. Vermutlich lag es primär an der Trikotfarbe, violett war einfach nicht so meins, und die örtliche Kreisligatruppe war auch grün-weiß. Andere österreichische Vereine nahm ich kaum wahr, bzw. nur als Teil eines Doppelpacks (LASK/ VOEST oder Sturm/GAK), oder erfreute mich nur an ihrem Namen (Raika Flavia Solva) – Hansi Müllers FC Swarovski Tirol gab’s ja auch erst einige Jahre später –, und ein Faible für Hans Krankl tat sein Übriges dazu, dass es mich eher nach Hütteldorf zog. Meine drei Tags für Krankl lauten Lonely Boy, Düsseldorf und letztlich doch das kaum zu vermeidende Cordoba.

Tag Nummer vier wäre dann wohl Christian Keglevits gewesen. Nicht dass die beiden nach meiner Kenntnis eine besonders enge Beziehung hätten, bzw. wenn sie sie doch haben, hat mein Tagging nichts damit zu tun. Ich habe schlichtweg Keglevits‘  Länderspieldebüt vor Augen, im September 1980, wie ich nachgeschlagen habe, gegen Ungarn. Als 19-Jähriger traf er – beim Debüt, wie gesagt – gleich doppelt, der Reporter hyperventilierte nahezu durchgängig und redete, so meine Erinnerung, bereits die Nachfolge das damals 27-jährigen und beim FC Barcelona unter Vertrag stehenden Krankl herbei. Seither denke ich beim Namen Krankl zumeist auch kurz an Keglevits, der heute, gut 30 Jahre später, bei 18 Länderspielen und 3 Toren steht.

Ich schweife ab. Es ging um Prohaska. Also hier auch, vor allem aber im Ballesterer. In aller Ausführlichkeit und – so zumindest meine Wahrnehmung – nicht übertrieben kritisch, auch wenn jene Punkte, die einer noch bedeutenderen internationalen Karriere wohl im Weg standen, genau wie jene, die man ihm in seiner Zeit beim ÖFB zum Vorwurf machte, angesprochen (und durchaus verständnisvoll behandelt) werden. Sehr schön die Ausführungen zu seiner Zeit in Italien, wobei die Schilderung der damaligen Ausländerregelungen in der Serie A wie eine Zeitreise anmutet – ein Eindruck, den Namen wie Tonino Cerezo (sic!) oder Roberto Pruzzo verstärken. Oder das ausführliche Interview mit dem Protagonisten, oder der immer wieder auftauchende Andi Ogris, oder jenes violette Bild, das diesem hier aus dem Austria Wien Archiv so ähnlich ist, oder Polsters Einlassung über den ungustiösen Prohaska, oder, oder, oder.

War ja auch ein Großer, der Mann. Gewann nicht nur vielfach die Meisterschaft und den Pokal, sondern war auch – und die Statistik führt es völlig zurecht noch vor der italienischen Meisterschaft, und dem dortigen Pokal auf, auch vor dem Europacupfinale oder Prohaskas WM-Teilnahmen – Stadthallensieger 1977, 1979, 1980, 1984, 1985 und 1986, zudem auch noch als Trainer in den Jahren 1991, 1992 und 2000. Völlig unterschlagen hat man dabei, dass Prohaska zwischen 1976 und 1989 insgesamt zehn (!) Mal als bester Spieler des Stadthallenturniers ausgezeichnet wurde.

In der Hälfte der Fälle hätte ich vermutlich mit abstimmen können, so intensiv verfolgte ich das Geschehen in der Wiener Stadthalle zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Prohaska, Austria-Jahrhunderttorschütze Felix Gasselich, Ernstl Baumeister, hinten Sara, dann auch Polster und Nyilasi, und einfach nur Fußball. Noch bei der letzten Ausgabe 2009 fand das Turnier auf Parkett statt, ohne Kunstrasengedöns und dergleichen – zugegeben: ich kann nicht gänzlich ausschließen, dass das zwischenzeitlich einmal anders war, damals, als man das Turnier in einen Meisterschafts- oder Hallencup-Kontext befördern wollte, wovon niemand etwas hatte.

Wer übrigens meint, nur beim Rekordspieler Prohaska würden die Hallentriumphe so herausgehoben, der irrt. Man schaue sich einmal die Wikipedia-Einträge nicht nur der Vereine, sondern auch zahlreicher Spieler an, deren Erfolgserlebnisse in der Stadthalle nicht selten aufgeführt sind. Seien es Peter Schöttels 5 Siege, oder die ebenfalls 5 von Drabits, seien es die beiden Stadthallentitel, die Krankl als Trainer errang. Oder man frage nach bei Andreas Ivanschitz, dessen Lebenslauf auf der eigenen Website den folgenden Passus enthält:

„Im Jänner 2004 konnte er auch einen Titel mit seinem Klub feiern. Das in Wien mit einem sehr großen Stellenwert gesegnete Stadthallenturnier, das erstmals im Jahr 1959 ausgetragen wurde, ging nach einem packenden Finale gegen den großen Lokalrivalen Austria Wien an die Grün-Weißen, Ivanschitz erzielte in der Verlängerung das entscheidende Siegestor!
Ein Jahr später belegten sie den 2.Platz und Ivanschitz wurde zum „besten Spieler“ dieses Turniers gewählt werden.“

(Hervorhebung durch mich, Satzbau nicht.)

Bei der Vienna galt der einzige Sieg in der Stadthalle, trotz des lange und unübersehbar verblassten Glanzes des Turniers, im Jahr 2009 zumindest als Achtungserfolg und war in der Wikipedia eine eigene Überschrift wert, der FC Bayern hat ebenfalls noch keinen Löschantrag gestellt. Tatsächlich war er seit 1971 der einzige ausländische Turnierseiger, ehe ihm 2001 ein „Team Kroatien“ nachfolgte. Wobei es meines Erachtens keiner ausländischen Topstars bedurfte. Den Reiz machten vielmehr die zahlreichen Aufeinandertreffen der Wiener Vereine aus, und, ja, ich gebe es zu, ein wenig erbauten mich zumindest am Rande auch immer Namen wie der FavAC oder eine Zeit lang die Kombination Vienna/Simmering.

Doch ich will mich hier nicht zum Stadthallenexperten aufspielen. Wer mehr über die einzelnen Turniere ab dem Jahr 1959 erfahren möchte, möge sich einmal beim Fanclub Austria 80 umschauen, wo alle Ergebnisse nachzulesen sind. Was mich stattdessen ein wenig umtreibt, ist die Frage, wieso der Hallenfußball in Deutschland selbst in den 80ern und 90ern nie diesen Stellenwert erlangte, wieso es nie gelang, eine Institution wie das Stadthallenturnier aufzubauen. Sicher, Österreich, und auch der österreichische Fußball, ist kaum mit den hiesigen Gegebenheiten zu vergleichen – man betrachte allein die Anzahl der Wiener Erstligaklubs. Dem könnte man wohl entgegen halten, dass die Dichte in Nordrhein-Westfalen ähnlich hoch ist, und auch wenn der nationale Primus (der aktuelle schon, ich weiß) nicht dort angesiedelt ist, hätte da durchaus das Potenzial für ein gleichermaßen langlebiges wie attraktives Turnier vorhanden sein können. Oder gibt bzw. gab es dieses Turnier tatsächlich, und ich hab’s nur nicht wahrgenommen?

Schließlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass der Hallenfußball hierzulande ein paar Boomwinter erlebt hat. Damals, als – wenn ich mich nicht irre – Mirko Votava den Torwart gab und genau das auf Intervention des DFB bald nicht mehr tun durfte. Irgendwie habe ich das Gefühl, man hat sich ein wenig verzettelt, in Regelfragen, und Bandenfragen, und Kunstrasenfragen, und Verletzungsgefahrfragen, und Grätschenfragen. In Österreich hat man gespielt. Auf Parkett, auf 49 mal 30 Metern. In Deutschland dürfte so ziemlich der einzige Spieler, dessen Leistung Auftritt bei einem Hallenturnier im öffentlichen Gedächtnis präsent ist, Quido Lanzaat sein.

Wie viele der werten Leserinnen und Leser hätten gewusst, dass Borussia Dortmund mit weitem Abstand Rekordgewinner des DFB-Hallenpokals ist, sogar der einzige Verein, der sich mehrfach, und zwar gleich vier Mal, in die Siegerlisten eintragen durfte? Überraschte es jemanden, dass der gemeine Internetsucher auf bvb.de diese Information nicht findet, auch wenn er (also ich) nicht ausschließen kann, dass sie irgendwo dort versteckt ist, oder wundert man sich eher darüber, dass es wenigstens im Wikipedia-Eintrag vermerkt ist? Hätte überhaupt jemand den am Ende gültigen Namen der Veranstaltung gekannt und nicht viel eher Hallenmasters gesagt?

Weiß jemand, welcher Spieler DFB-Hallenpokal-Rekordsieger ist und ob es Spieler oder auch Trainer gibt, die mit mehreren Vereinen gewannen? Kann sich jemand an persönliche Ehrungen erinnern, abgesehen von der des besten Torwarts 2001? In individuellen Wikipedia-Einträgen findet sich auf Anhieb bei Oliver Schmidt der Hinweis auf seinen Turniersieg 2000, den er mit seinem Trainer gemein hat – offensichtlich pflegt man derlei Einträge in Fürth. Aber sonst? Aber sonst? Alles Lüge?

Eigentlich wollte ich ja Herbert Prohaska huldigen. Und dem Ballesterer. Ersteres tat ich ein wenig, auch wenn ich dabei den Faden verlor. Letzteres fällt mir seit jenem Moment schwer, als ich auf Seite 59 eine Einschätzung zu Steffen Simons Reporterleistung las, der zufolge ich wohl einräumen muss soll, ihm bisher stets bitter unrecht getan zu haben, indem ich ihn nach handwerklichen Kriterien beurteilte:

„Das, liebe Freunde, ist mit Sicherheit Kunst.
Und zwar richtige.“

Für mich klingt das ja irgendwie nach Surrealismus.

Bestandsaufnahme

Man gibt ja so manchen Blödsinn von sich im Lauf einer langen Bundesligasaison. Als Spieler. Als Trainer. Als Manager oder Präsident. Aber auch als Blogger und Fan. Während die Erstgenannten gerne einmal von ihren Fehleinschätzungen eingeholt werden (von außergewöhnlich hell leuchtenden Ex-Spielern, Trainern, Präsidenten und WM-ins-Land-Holern soll hier nicht die Rede sein), kann sich der unscheinbare Beobachter gemeinhin darauf verlassen, dass ihm sein Geschwätz von gestern nicht um die Ohren fliegt. Wo kein Kläger und so, mangels Relevanz und Reichweite.

Das kann ich nicht akzeptieren. Ich stelle mich. Kurz vor Saisonende, in Erwartung der anstehenden Entscheidungen, lasse ich meine Torheiten Prognosen und Einschätzungen Paroli laufen und versuche zu überprüfen, ob die eine oder andere sich noch als richtig erweisen könnte und wo ich bereits heute einräumen muss, furchtbar daneben gelegen zu haben. Nach dem Ampelprinzip.

Teilweise handelt es sich dabei um die „großen“ Fragen wie „wer wird Meister“, „Wo landet der VfB“ oder ähnliches, teilweise aber auch um Kleinigkeiten. Sicherlich habe ich das eine oder andere übersehen, und an einigen Stellen kann man wohl auch über die Schriftfarbe diskutieren.

Genug der Vorrede. Hier die Übersicht, die ich nach Saisonende, vielleicht auch nach und nach, nochmals aktualisieren werde:

23. Juni 2009:

Klaas-Jan Huntelaar. No way.

14. Juli 2009:

Marica nicht explodiert, Julian Schieber noch ein paar Tage braucht und Cacau seinen Status als ganz guter Bundesligastürmer nicht entscheidend nach oben korrigieren wird

Irgendwann wird die erste Krise der Ära Babbel kommen, und wenn er dann nicht vor Ort ist, wird sich die Frage stellen, ob Neuvorstand Heldt ein weiteres mal so rasch und konsequent handelt wie bei Giovanni Trapattoni und Armin Veh.

habe den Eindruck, dass es [der Brustring] ein sehr schönes, ambitioniertes Projekt wird.

17. Juli 2009, rasenschachmagazin:

Wenn alles positiv verläuft, schätze ich, dass sich der VfB am Ende zwischen den Plätzen 3 und 5 befinden wird.

Für die Beiden [Träsch und Cacau] war es ein nettes Bonbon, aber ich sehe sie nicht zwingend auf Dauer als Nationalspieler.

Meine Geheimtipps sind Timo Gebhart und Georg Niedermeier, denen ich zutraue, einen Riesensprung zu machen.

7. August 2009, ballpodder:

So richtig kann das da vorne [im Sturm] noch nicht funktionieren. Den Abgang von Gomez kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

Ich glaube, das Khedira eine absolute Führungsposition übernehmen wird.

Ich glaube nicht, dass Hitzlsperger noch einmal so eine schlechte Hinrunde spielen kann wie im Vorjahr.

bin überzeugt, dass Lehmann noch einmal eine sehr gute Saison spielt.

8. August:

[Hleb], der sich hinter der Mittellinie in halblinker Position anspielen lässt und von dort in Serie zu begeisternden Soli aufbricht, die nicht selten zumindest in Tornähe enden, entweder mit einem eigenen Abschluss oder, häufiger, dem Zuspiel auf einen Mitspieler. Ich glaube nicht, dass er dieser Spieler noch ist.

Timo Gebhart setzte ein paar schön Duftmarken, denen zufolge die gegnerischen Hintermannschaften diese Saison auf den Außenbahnen möglicherweise recht flink sein müssen, um gegen Hleb und Gebhart zu bestehen.

4. Oktober 2009:

Auf der Gegengerade war ein erstes “Babbel raus!”-Plakat zu sehen, und ich habe wenig Zweifel, dass eben diese Diskussion deutlich an Fahrt aufnehmen wird.

6. Oktober 2009:

Der Tag, an dem der erste VfB-Neuzugang in Lederhosen vorgestellt wird, ist auch der Tag, an dem ich meine Dauerkarte zurückgebe.

19. Oktober 2009:

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ihn [Elson] nicht für den Spieler halte, der das Offensivspiel des VfB auf Dauer bestimmen kann; Impulse als Einwechselspieler kann er gleichwohl setzen.

21. Oktober 2009:

in der Champions League scheinen die Chancen auf ein Weiterkommen eher theoretischer Natur

Meine Prognose? Babbel bleibt bis zur Winterpause. Und dann vermutlich auch darüber hinaus. Oder Heldt geht mit ihm.

17. November 2009, mylaola:

Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir eine Rückrunde wie in der Vorsaison derzeit nicht vorstellen.

Also: der VfB landet zwischen 7 und 9, wobei ich insgeheim noch auf Platz 5 oder 6 (dann mit einem „günstigen“ Pokalsieger) hoffe.

Meister wird wieder Wolfsburg.

30. November 2009:

…wenn er [Staudt] […] tatsächlich voll und ganz von Babbel überzeugt ist und keinen Deut von seinem Trainer abrücken will, ziehe ich meinen Hut. Ich kann nur nicht so recht daran glauben.

6. Dezember 2009:

Aliaksandr Hleb, dessen Verpflichtung sich zu einem gravierenden Fehlschlag entwickelt …  frage ich mich ernsthaft, ob er von Arsène Wenger wirklich so viel gelernt hat, wie man gemeinhin vermutet. Er wirkt wie ein egoistischer Fremdkörper…

10. Dezember 2009:

Der zurückgekehrte Khedira hat deutlich gemacht, dass es möglicherweise etwas voreilig war, Kuzmanovic zum neuen Platzhirsch auszurufen.

…dürfte es für Cacau und Schieber eng werden mit einem Startelfplatz.

Auf den äußeren Mittelfeldpositionen gehe ich davon aus, dass Hleb und Gebhart erst einmal vor Rudy stehen

Wird Hitzlsperger nach seiner Verletzung mehr als ein Ergänzungsspieler sein? Ich glaube nicht, und frage mich, ob der Verein ihn mit Blick auf die WM ziehen lässt.

Auch bezweifle ich, dass Elson bei Gross eine wichtige Rolle spielen wird.

13. Dezember 2009:

Kamke: Ich will ihn nicht mehr sehen!
Blogger hat den Glauben an Lehmanns Professionalität verloren

14. Januar 2010, allesaussersport:

[1] Grundsätzlich traue ich dem HSV und Werder [bzgl. Uefa-Cup] schon einiges zu […] Werder kommt ins Finale

Tatsächlich traue ich auch den Bayern in der CL einiges zu. Halbfinale, würde ich sagen.

Demel ist gerade auf dem Basar beim Afrika-Cup und wurde gestern bei Milan, heute eben bei Sunderland und morgen vielleicht bei Atlético gehandelt, das kann ich noch nicht so ernst nehmen.

[3] Meines Erachtens wird sich Hitzlsperger sehr schwer tun, im WM-Kader zu bleiben, weil er auch in der Rückrunde beim VfB einen schweren Stand hat. Ich wäre nicht gänzlich überrascht, wenn sich da auf dem Transfermarkt noch etwas täte.

In der Defensivzentrale ist nicht abzusehen, wie es mit Tasci weitergeht.

[4] Gerade bei Reus und Brouwers muss man damit rechnen, dass sie ihr Niveau bzw. ihre Effektivität nicht ganz halten können – dann wäre man wohl auf die Torausbeute der südländischen Spieler angewiesen.

Michael Frontzeck hat mich ein Stück weit positiv überrascht; dass es reicht, kann ich indes noch immer nicht glauben.

Ich denke, dass irgendwann eine Phase kommen wird, in der er [Tuchel] nicht mehr ausschließlich gefeiert, sondern auch mal als Besserwisser kritisiert wird, und bin gespannt, wie er damit umgeht.

[5] Andererseits halte ich es durchaus für möglich, dass sich Wolfsburg in der Rückrunde fängt, weil man hinten wieder stabiler wird, Grafite im ersten zweiten Spiel doppelt trifft und plötzlich wieder alles von selbst läuft. Ohne Zutun des Trainers [Veh], von dem man sich anschließend unter Krokodilstränen trennt.

Er [Veh] ist bestimmt kein schlechter Trainer; als Manager  scheint er nur bedingt geeignet, und in Summe ist er meines Erachtens einfach überfordert.

In der vergangenen Saison assozierte man mit Hoffenheim vielerorts Dietmar Hopp, die Traditionsfrage, Disziplinlosigkeiten und das offensive, attraktive Spiel. Ohne letzteres dürften die Sympathien nicht unbedingt zunehmen.

Vor der Saison war ich überzeugt, dass man mit Simunic einen ganz wichtigen Transfer getätigt habe

1. Februar 2010:

Der Trainer hat immer recht

Nun gilt es, auf dem Boden zu bleiben, wobei ich auch in dieser Hinsicht […] viel Vertrauen in Christian Gross setze.

13. Februar 2010, NedsBlog:

inzwischen habe ich aber das Gefühl, dass er [Gross] sehr genau weiß, was er tut und was er will, und das setzt er dann auch konsequent um.

…geht sowas halt auch einmal nach hinten los. Christian Gross und Horst Heldt werden sich in den nächsten Wochen sehr genau überlegen, ob sie sich bemühen, ihn [Hleb] über den Leihvertrag hinaus zu halten.

[Nachwuchsspieler:] …bin ich überzeugt, dass man vom Großteil der Genannten noch einiges erwarten darf. Über allen steht dabei Khedira, aber gerade in Sebastian Rudy […] setze ich große Hoffnungen, und Gebhart ist natürlich auch ein Riesentalent, von dem ich hoffe, dass es in Christian Gross den richtigen Trainer zur richtigen Zeit bekommen hat.

Heute halte ich 5-16 noch für möglich, 6-11 für realistisch, und 6-8 für gut. 5 für überragend.

19. Februar 2010, Spielfeldrand Magazin:

Als Torschützenkönig sehe ich beide [Marica, Pogrebnyak] auf absehbare Zeit nicht.

Aus deutscher Sicht “unbedingt mit” muss meines Erachtens Sami Khedira, zudem würde ich Serdar Tasci und, wenn er sein Niveau beibehält, Christian Träsch mitnehmen. Weitere Kandidaten sehe ich für Joachim Löw (noch) nicht.

[Barcelona:] ich wäre zufrieden, wenn das Hinspiel nicht verloren ginge und der VfB mindestens ein Tor erzielte.

Ich gehe davon aus, dass der VfB die Partie bestimmen wird, was Ballbesitz und Spielanteile anbelangt. Köln wird defensiv gut stehen, ohne zu mauern, und seine Chance nach vorne auf jeden Fall suchen […]. Mein Tipp: 0-2

21. Februar 2010:

Und nein, ich sehe weder Cacau noch Hilbert in Joachim Löws Kader für Südafrika

24. Februar 2010:

wenn der VfB im Camp Nou nur 3 Tore schießt, müsste Barcelona schon 4 machen. Das schaffen die nie.

1. März 2010:

Der Abstieg ist nur noch eine theoretische Option. Der Uefa-Cup meines Erachtens auch. Würde mich interessieren, wer daran glaubt, dass man an Ostern noch ernsthaft vom internationalen Geschäft redet, nach den Spielen in Bremen, Gelsenkirchen und München.

14. März 2010:

Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass Khedira in der nächsten Saison noch mit von der Partie ist, derzeit von Woche zu Woche sinken dürfte bzw. bereits jetzt ein all-time low erreicht haben könnte.

13. April 2010:

Mittlerweile bin ich sehr guter Dinge, dass der VfB den HSV noch überholt; Wolfsburg mit seinem künftigen Weltfußballer macht mir da deutlich mehr Sorgen.

Fragen, wahllos aneinandergereiht

Worauf gründet Sami Khediras Sichtweise, der VfB sei im Camp Nou weder ängstlich noch mit zu großem Respekt aufgetreten?

Wann konnte bzw. musste ich Matthias Sammer zuletzt so vorbehaltlos zustimmen?

Ist es doch nur ein Mythos, dass in der Bundesliga kleinlicher gepfiffen werde als bei internationalen Spielen?

Und wie ist das in Luxemburg?

Hat es sich nach dem Spiel des VfB in Gelsenkirchen aufgedrängt, das Sechser-Duo Khedira/Kuzmanovic gegen Barcelona einer Belastungsprobe zu unterziehen?

Wieso Celozzi?

Darf man gegen Barcelona nach einem Ballverlust gerne mal vorne stehen bleiben oder gemächlich zurück kommen?

Darf man das gegen irgendwen?

Wird es gelingen, Cristian Molinaro zu halten?

Was hat Horst Heldt gesagt? Kann man Hleb nicht länger finanzieren oder will man nicht?

Kann man es sich als Bundesliga-Manager erlauben, Reportern ehrlich zu antworten?

Wer hat eigentlich Messis Trikot bekommen?

Hat Patrick Wasserziehr (ja, Patrick Wasserziehr) Matthias Sammers schütteres Haar kommentiert?

Ist es möglich, mit insgesamt vier Stürmertoren ein europäisches Viertelfinale zu erreichen?

Wer geht voran?

Nachtrag, ganz vergessen:
Ist ein nur so halb harter Schuss, der aus 18 Metern nur so halb in die Ecke geht, vielleicht so halb haltbar?

Wie lange wäre Christian Träsch neben Messi her gelaufen, ohne ihn zu stellen?

Sind die UEFA-Regularien so streng, dass man als Reporter verpflichtet ist, auch dann spitze Schreie ein begeistertes „Whow!“ auszustoßen, wenn Lionel Messi den Ball mit der Brust für den Gegenspieler stoppt? Herr Dittmann?

Wann wird Sami Khediras Wechsel bekanntgegeben?

Beginnt jetzt die Experimentierphase für die nächste Saison?

Wie konnte Jens Lehmann trotz offensichtlichen Bemühens an der vergleichsweise leichten Aufgabe scheitern, sich mit einem Platzverweis aus der Champions League zu verabschieden?

Ist die Bilanz der Spiele mit Khedira und Kuzmanovic in der Startformation (5 Spiele, 0 Punkte, 3:13 Tore) Zufall?

Was hat Ricardo Osorio verbrochen?

Ist ein Ausscheiden in Barcelona ein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken?

Wer erinnert sich, wann Barcelona zuletzt von einem Geringeren als dem angehenden Sieger aus der CL geworfen wurde?

Kann es der VfB besser?

Gibt es einen Grund, nicht erhobenen Hauptes auf diese Europapokalsaison zurückzublicken?

Bewaffnet

Wie bei jedem Heimspiel des VfB waren auch am Samstag wieder mehr als 20.000 bewaffnete Zuschauer im Stadion. Mir war das zuvor gar nicht so bewusst gewesen, wenn ich ehrlich bin. Aber der DFB hat mir die Augen geöffnet:

5000 Euro Geldstrafe für den VfB Stuttgart

[…] Beim Gang in die Halbzeitpause während des Bundesliga-Meisterschaftsspiels zwischen dem VfB Stuttgart und dem Hamburger SV am 13. Februar 2010 in Stuttgart wurde ein Stadionheft von der Haupttribüne in die Richtung des Schiedsrichters geschleudert, dass diesen knapp verfehlte.

Dumme Sache, dass. Vielleicht sollte ich mal versuchen, herauszufinden, wessen Stadion Aktuell am Samstag zwei Meter neben mir landete. Und dann meinen Anwalt auf ihn ansetzen.

Wie man gelesen hat, kam es am Samstag andernorts zu gravierenderen Zwischenfällen mit nicht (oder vielleicht doch?) als Waffen gedachten Mitbringseln. Auch in Stuttgart waren wieder einige Pyrotechniker zugange, wenn auch, soweit ich es beurteilen kann, weniger folgenschwer. Und ich weiß nicht, was ich davon halten soll – eine Diskussion übrigens, die selbstredend immer wieder geführt wird. Vor vielen Jahren war ich regelmäßiger Gast im Stade Vélodrome, was meine Sozialisation als Stadiongänger prägte und mir eine gewisse Begeisterung für vielerlei pyrotechnische Spielereien in Fußballstadien einpflanzte.

Mittlerweile bin ich ein paar Jahre älter, etwas verantwortungsbewusster und in mancherlei Hinsicht auch deutlich ängstlicher. Während ich also vor zwei Wochen die Bengalos (vielleicht heißen die auch anders, da bin ich völliger Laie), die der HSV-Anhang in seinen Vereinsfarben abbrannte, zwar mit einem gewissen Unbehagen, aber auch nicht ohne Faszination beobachtete, war mir am Samstag schon etwas weniger wohl, als es wenige Meter neben mir plötzlich knallte – diesmal immerhin nicht über unseren Köpfen. Wenn ich das Ganze richtig gedeutet habe, war auch das Commando Cannstatt nicht sonderlich glücklich darüber: mindestens ein exponiertes Mitglied schien die Verursacher in der Pause deutlich zurecht zu weisen, sodass der VfB in der zweiten Hälfte pyrotechnisch nicht mehr auf sich aufmerksam zu machen vermochte.

Im Gästeblock fruchteten etwaige sozialhygienische Maßnahmen nicht im gleichen Maße, sodass dort zunehmend versucht wurde, von außen Einfluss zu nehmen. Ordnungskräfte marschierten auf, was die Frankfurter Fans nicht unmittelbar beruhigen konnte, die dann auch ihre kontroverse Kommunikation mit den Nachbarblöcken weiter intensivierten (woran vermutlich beide Seiten ihren Anteil hatten). Während ich bis dahin geneigt war, mich schulterzuckend dem Spiel zuzuwenden, ging die Sache einigen anderen Stadionbesuchern kurz darauf deutlich näher: als nämlich mehrere Knallkörper über den Zaun in den Innenbereich flogen, fanden das allem Anschein nach die im dortigen Umfeld platzierten Rollstuhlfahrer nicht allzu witzig und verließen mit ihren Begleitern jene Ecke des Stadions.

Manchmal fehlen einem dann doch die Worte.

Zum Spiel fällt mir übrigens auch nicht allzu viel ein. 2:1 gewonnen gegen Eintracht Frankfurt. Klingt unspektakulär, war unspektakulär. In Frankfurt ist man mit einiger Berechtigung unzufrieden mit dem Ergebnis, auf schwäbischer Seite schätzt man sich glücklich, den Arbeitssieg eingefahren zu haben, der nach dem Highlight gegen Barcelona alles andere als selbstverständlich war.

Zu Cacau fällt mir erst recht nichts mehr ein, zu Hleb manches, das nicht druckreif (ist der Begriff noch zeitgemäß?) ist. Sicher, er hatte wieder ein paar ganz gute Szenen, und ganz ohne Frage war der für ihn eingewechselte Hilbert keine Verstärkung. Letzteres gehört zu den Erkenntnissen, die unter „hinterher ist man immer schlauer“ abzulegen sind, ersteres ist kein gutes Zeugnis für einen Spieler mit Hlebs Ansprüchen. Am Dienstag hatte er durchspielen dürfen und in den letzten Minuten Glück gehabt, dass Barcelona nach seinen Fehlpässen schlecht konterte. Als er gegen Frankfurt bereits nach einer knappen Stunde erneut zwei kritische Ballverluste verschuldete, sah ich zu Christian Gross, der sich just in diesem Moment zu seinem Co-Trainer umdrehte, der wiederum sogleich zu den sich aufwärmenden Ersatzspielern eilte.

Wenige Minuten später kam Hilbert auf den Platz. Zurecht. Und ich könnte gut damit leben, wenn die Startplätze auf den Außenpositionen in den nächsten Wochen unter den Herren Gebhart, Rudy und Hilbert verteilt würden. Auch wenn das kurzfristig eine Schwächung sein könnte, was ich nur bedingt glaube. Von mir aus soll Hleb in Barcelona noch einmal auflaufen – dass er dort motiviert sein dürfte, hat er mit seiner Leistung vom Dienstag quasi versprochen -, aber ansonsten kann ich verzichten. Sein Gemecker geht mir auf die Nerven, seine Leistungen ragen nicht heraus – da sähe ich lieber Sebastian Rudy mal ein paar Spiele lang in der Startformation, auf dass er sich beweisen möge.

Und sage mir keiner, das sei ein zu großes Risiko. Zum einen bin ich guter Dinge, dass Rudy überzeugen würde, zum anderen: was soll’s? Der Abstieg ist nur noch eine theoretische Option. Der Uefa-Cup meines Erachtens auch. Würde mich interessieren, wer daran glaubt, dass man an Ostern noch ernsthaft vom internationalen Geschäft redet, nach den Spielen in Bremen, Gelsenkirchen und München.

Ansonsten hoffe ich unter anderem, dass Cristian Molinaros letztes Wort „ja“ lautet, dass Timo Gebhart aus zentraler Position von der Strafraumgrenze auch mal abschließt, gerne mit der Pike, anstatt noch einen Haken zu schlagen, dass Serdar Tasci seine wiederentdeckte Lust am Zweikampf konservieren kann und dass die Herren Celozzi und Khedira im eigenen Strafraum den Ball künftig einfach mal wegschlagen (was gegen Barcelona sogar Timo Gebhart zustande brachte).

Enttäuschung

Natürlich hat der VfB gestern gegen die beste Mannschaft der Welt gespielt. Die nahezu in Bestbesetzung angetreten ist, selbst Impulsgeber Xavi wurde noch rechtzeitig fit. Die schlägt man nicht einfach mal im Vorbeigehen.

Ohne Frage ist ein 1:1 ein gutes Ergebnis, hat man sich der Fußballwelt hervorragend präsentiert und die verheerenden Kritiken aus der Champions League Saison 2007/08 ein wenig vergessen machen können.

Ganz sicher war ich nicht der einzige, der zwar auf ein achtbares Ergebnis hoffte (ich hatte 1:1 getippt), der aber große Angst davor hatte, dass das Spiel nach 30 Minuten zugunsten der Gäste entschieden sein könnte. Dass sie, wie zwei Jahre zuvor, damals bereits in der Vorrunde, den Ball scheinbar nur so zum Spaß zirkulieren lassen, irgendwann nach Belieben – vorzugsweise über Iniesta- zwei, drei mal zustoßen und dem VfB früh jegliche Hoffnung nehmen würden. Das war nicht der Fall.

Zweifellos hat sich der VfB weit mehr als nur achtbar geschlagen. Nachdem man einige Minuten brauchte, um ins Spiel zu finden, war der VfB insbesondere von der 10. bis zur 35. Minute bärenstark und hat Barça enorm zugesetzt, das seinerseits in dieser Zeit nichts zustande brachte. Dem von Puyol vor dem Spiel nochmals explizit formulierten Anspruch („Wir wollen das Spiel diktieren„) wurden sie in dieser Phase nicht annähernd gerecht, ganz im Gegenteil: sie wurden von einem wirklich starken VfB dominiert, der durch die Bank hochkonzentriert zu Werke ging und die Defensive des Gegners ein ums andere mal in Bedrängnis brachte. Erst nach dem Seitenwechsel und Guardiolas Maßnahme, Iniesta nach innen zu ziehen, konnte Barcelona den Ball gelegentlich so kreisen lassen, wie man es von ihnen erwartet, und auch das ohne wirklichen Zug zum Tor.

Unbedingt muss man der Stuttgarter Mannschaft und ihrem Trainer ein großes Lob zollen für ihren arbeitsintensiven, fußballerisch und taktisch hervorragenden Auftritt, und angesichts der forschen, couragierten Spielweise kann ich meinen Hut gar nicht tief genug ziehen. Christian Gross war ganz offensichtlich zu der Erkenntnis gelangt, dass die einzige Chance darin bestehe, Barcelona möglichst lange möglichst weit vom eigenen Tor entfernt zu halten, sie in die Verteidigung zu zwingen. Dass das nicht über die komplette Distanz gelingen kann, steht außer Frage, aber wenn man gesehen hat, dass noch weit in der zweiten Halbzeit Aliaksandr Hleb das Aufbauspiel des Gegners an dessen Strafraum störte: Chapeau.

Und doch nagt es. Wenn man sich nach dem Spiel im Stadion umsah, wenn man die Spieler nach dem Spiel in der Kurve beobachtete, wenn man die Stimmung in der Stadtbahn aufnahm, wenn man in sich selbst hineinhorcht, auch jetzt noch, Stunden nach dem Spiel, sehr früh am Morgen, kann man es wohl nicht anders benennen:

Enttäuschung.

Der VfB hätte die beste Mannschaft der Welt gestern schlagen können, vielleicht sogar müssen. Mit einem 2:1, lieber 2:0, im Rücken führe man weiß Gott nicht in der Gewissheit nach Barcelona, die halbe Miete bereits überwiesen zu haben – aber man dürfte mehr als nur ganz verschämt vom Weiterkommen träumen, man hätte so etwas wie eine Chance.

Und die Mannschaft wollte gewinnen, das hat sie bis zum Ende gezeigt, auch wenn die Kräfte zur Neige gingen. Der Trainer wollte gewinnen. Er wechselte nicht defensiv, sondern brachte Kuzmanovic für Träsch (ein Wechsel, den mir die Jungs von 90elf im Pausengespräch auf dem Silbertablett servierten, den ich aber in meinem an Hybris grenzenden Glauben, Christian Gross‘ Gedanken nach wenigen Wochen durchschaut zu haben, von der Hand wies) und damit zusätzliche spielerische Qualität und Ballsicherheit, wechselte im Sturm 1:1 und brachte zudem mit Sebastian Rudy für die letzten 10 Minuten einen weiteren offensivstarken Spieler.

Letzterer war auch der einzige Wechsel, mit dem ich ein wenig haderte – aus meiner Sicht gar der einzige Punkt, an dem man Gross‘ Coaching gestern möglicherweise kritisieren kann. Aliaksandr Hleb, dem ich es im Grunde sehr gegönnt habe, einmal durchspielen zu dürfen, musste seinem hohen Laufpensum, auch der ständigen Unterstützung für Molinaro gegen Messi, Tribut zollen und spielte in der Schlussphase einige unkonzentrierte und potenziell sehr gefährliche Fehlpässe. Zudem hätte ich mir, ungeachtet meiner Schwäche für Sebastian Rudy (über den ich auch drüben bei 18mal18 endlich wieder einmal etwas geschrieben habe), Roberto Hilbert gewünscht, der mit seiner Aggressivität in den letzen 10 Minuten möglicherweise noch einmal für etwas Aufruhr gesorgt hätte.

Was sagte ich? Die Mannschaft wollte gewinnen. Der Trainer wollte gewinnen. Und auch die Zuschauer wollten gewinnen. Als Busquets in der 75. Minute etwas zu lang behandelt wurde, hätte man durchaus auch aus Stuttgarter Sicht den Standpunkt vertreten können, diese Sekunden gerne herunter laufen zu lassen. Pustekuchen! Das Publikum (beileibe nicht nur die Cannstatter Kurve) pfiff, was das Zeug hielt, um seinen Unmut über das Zeitspiel der Gäste auszudrücken – großartig. Überhaupt, die Sitzplatzfans: 5 Minuten vor Schluss standen Gegengerade und Haupttribüne geschlossen auf (ohne dass es eine explizite Aufforderung der Form „Steht auf, …“ gegeben hätte) und trug, wenn ich noch etwas Pathos ausschütten darf, die Mannschaft über die Ziellinie. Hat mich beeindruckt, ehrlich.

Ehe ich beginne, ein paar Tränen zu verdrücken, lasse ich es lieber gut sein. Allerdings nicht, ohne vorher noch eines klargestellt zu haben: wenn der VfB im Camp Nou nur 3 Tore schießt, müsste Barcelona schon 4 machen. Das schaffen die nie.

Köln und Barcelona

Der VfB hat in den nächsten Tagen zwei Spiele vor der Brust, deren Priorisierung eindeutig ist. Wie die Stuttgarter Zeitung heute zu berichten weiß, stellt Trainer Gross „ohne den leisesten Anflug von Ironie“ klar:

„Das Spiel gegen Köln ist viel wichtiger als das Spiel gegen Barcelona.“

Gross betonte, er sei „mit einem klaren Auftrag geholt worden.“ Der sehe nicht den Einzug ins Champions-League-Finale vor, sondern den Verbleib in der Bundesliga.

Dann trifft es sich ja gut, dass mich Andre vom Spielfeldrand-Magazin, dessen umfangreicher Inhalt dem eigenen Anspruch „Nachrichten, Meinungen und der 1. FC Köln“ hervorragend gerecht wird, um ein paar Einschätzungen zum morgigen Spiel bat. Dabei ging es unter anderem um den Stuttgarter Sturm, Christian Gross, die Spielerdecke im Mittelfeld, das Barcelona-Spiel (sorry, Herr Gross) und die morgige Partie gegen Köln.

Im Gegenzug ergriff ich wie in der Vorwoche die Gelegenheit, meinerseits ein paar Fragen zum Gegner zu stellen. Wiederum war ich sehr erfreut, wieviel Antwort man für so wenig Frage bekommen kann:

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1. Petit und Maniche: Unverzichtbar oder Belastung?

In der Hinrunde größtenteils eine Belastung. Mittlerweile wieder eine Bereicherung. Sie steigern sich wieder. Gerade durch die „Absicherung“ von Pezzoni. Mangels Alternativen deshalb aktuell eher unverzichtbar. Zur neuen Saison dürfte einer ruhig gehen oder als Backup fungieren.

2. Wen würdest Du nehmen: Daum oder Soldo?

SOLDO! Was Daum uns angetan hat, passt auf keine Kuhhaut. Allen Kredit verspielt. Sein Abschied war für mich bitterer, als die Drogengeständnisse.

3. Auf wen kann man verzichten: Overath oder Meier?

Puh. Overath ist ein Aushängeschild und Meier macht die Sache erstaunlich gut. Weil er näher am Sportlichen und damit wichtiger für den Erfolg ist, darf Meier bleiben.

4. Wer ist schuld: Podolski oder Kinhöfer?

Poldi, ganz klar. Wer sich so dumm anstellt, der hat es nicht anders verdient. Leider! Aber da hat man den Frust der Saison bei Poldi gesehen. Er sollte jetzt langsam wieder aufgebaut werden, um dann 2010/2011 voll anzugreifen. Diese Saison ist für ihn gelaufen.

5. Einstelliger Tabellenplatz oder Zittern bis zuletzt?

Zittern bis zuletzt. Trotz guter Ansätze fehlt dem Team noch einiges, um weiter nach oben zu blicken. Wolfsburg und Gladbach könnte man noch überholen. Aber an Hoffenheim und deinen Stuttgartern kommen wir nicht vorbei, deshalb ist der einstellige Platz nicht realistisch. Unten machen die (Abstiegs)Geschichte Freiburg, Hannover, Nürnberg und Berlin unter sich aus, so dass es kein panisches Zittern wird. Aber Vorsicht ist die Mutter in der Porzellankiste.

6. Geromel: Langfristiger Pfeiler oder zu gut für Köln?

Langfristiger Pfeiler! Klar, kann er auch woanders spielen, aber Köln will schließlich hoch hinaus 😉
Gerade diese Saison sieht man aber, dass ihm noch mindestens zwei Jahre Köln ganz gut tun. Danach muss man weitersehen, wo es mit dem Eff Zeh hingegangen ist.

7. Freis: Guter Zweitligastürmer oder Topwühler in der Bundesliga?

Beides! Ich mag sonne Spieler, wie ihn, die sich nie aufgeben und Gras fressen. Da verzeihe ich dann auch mal technische Mängel oder Aussetzer. Wilmots und Streit sind Typen, die ich immer mochte. Freis gehört ebenso dazu und solche Typen braucht ein Typ. Wie er 2010 auftrumpft, Hut ab!

8. Kapitänsfrage: Wanderpokal oder Kontinuität?

Kontinuität. Du brauchst einfach eine klare Hierarchie. Mohamad ist ein Musterkapitän. Er müsste nur etwas weiter vorne spielen, dann wäre es perfekt.

9. Köln oder Stuttgart? Und wie hoch?

Muss ich? Ich wünsche mir ein Remis, aber rechne eigentlich mit ner Niederlage. Nach eurem letzten Spiel nicht haushoch, deshalb 1:2.

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Nach besagtem 2:1-Sieg in Köln steht dann tatsächlich das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League an. Mal wieder gegen Barcelona, was dann doch irgendwann langweilig wird immer wieder ein Fest ist. Eben dieses Fest hat Kollege hirngabel im Brustring zum Anlass für eine kleine Barcelona-Serie in Kooperation mit dem spanisch-katalanischen Blog diarioyoya.com genommen: „FC Barcelona für Anfänger„.

Leseempfehlung, auch für Nicht-Anfänger.