Hoffnungsträger Elson

Mit der Überschrift ist eigentlich alles gesagt. Elson, der Elson, der seit Januar 2005 in insgesamt 33 Spielen 4 Tore erzielt hatte, der Elson, der in dieser Saison anderthalb Spiele bestritt, ohne zu überzeugen, der Elson, der schon gefühlte 12 mal aussortiert war. Er war der einzige, dem ich zutraute, in der zweiten Halbzeit durch eine Standardsituation vielleicht doch noch so etwas wie Torgefahr zu kreieren.  Wem auch sonst?

Das heutige Spiel gegen Wolfsburg war das erste, bei dem ich mich so richtig über Bruno Labbadia geärgert habe, bzw. im Grunde hatte es ja schon lange vor dem Spiel begonnen. Konkret: als er sich dem Vernehmen nach ernsthaft darüber beklagte, dass seine Spielvorbereitung unter dem Wolfsburger Trainerwechsel gelitten habe. Selbstvertrauen hört sich so nicht an. Bei Felix Magath klang das anders. Der stellte erst einmal die diskutable These auf, der VfB werde ständig von den Schiedsrichtern bevorzugt – eine Taktik, die schon einmal aufgegangen war, mit welchem Verein auch immer. Um dann beim heutigen Spiel das Rumpelstilzchen zu geben. Von der ersten Minute an führten er und seine Mitarbeiter in schöner Regelmäßigkeit Veitstänze auf, um jedes greifbare Mitglied des Schiedsrichterteams zu beeindrucken. Als er sich dann auch noch über die Behandlungspause für den angeschlagenen Kuzmanovic echauffierte, hatte er es sich endgültig mit dem Stuttgarter Anhang verscherzt. Und ganz gewiss Wirkung erzielt.

Bruno Labbadia blieb indes ruhig. Verscherzt hatte er es sich aber auch. Bei mir. Bei den Umstehenden. Ausführlich diskutierten wir zu Spielbeginn die Frage, ob der VfB nun zu acht, zu neunt oder vielleicht doch zu zehnt antrete. Celozzi! Niedermeier! Und vor allem Gentner, der nicht nur in der Vorwoche unterirdisch gespielt hatte, sondern der sich zu allem Überfluss auch noch auf der – ok, vielleicht ist der Vergleich nicht ganz fair – Özil-Position versuchen sollte. Man hätte sich zumindest vorstellen können, Mamadou Bah anstelle von Gentner und den vor seiner Verletzung starken Khalid Boulahrouz als rechten Verteidiger in der Startelf zu sehen. Man hätte sich auch vorstellen können, Zdravko Kuzmanovic nach seiner Verletzung möglichst schnell zu ersetzen. Nun will ich nicht den guten Jérôme Boateng ins Feld führen – es war durchaus nachvollziehbar, Kuzmanovic noch einmal einen Versuch zu geben. Was es dann allerdings sollte, Elson noch ausführlich die Taktikfibel studieren zu lassen, anstatt ihn stante pede aufs Feld zu schicken, ist mir ein Rätsel. Drei Minuten vor der Pause erscheint es mir persönlich wichtiger, die volle Mannschaftsstärke zu gewährleisten, als dem elften Mann seine Laufwege und Zuordnungen zu erklären. Aber ich bin nur ein Laie. Und der Gegentreffer fiel ja auch erst, als Elson bereits auf dem Feld war.

Natürlich war es bitter, bereits zur Pause zum zweiten Mal wechseln zu müssen, nachdem man ohnehin geschwächt angetreten war. Blieb also noch genau ein Offensivwechsel, um irgendwie einen Ansatz von Torgefahr zu entwickeln. Da kann man natürlich auf die Idee kommen, den jungen Mann einzuwechseln, der eine Woche zuvor den Lucky Punch gesetzt hatte. Auch wenn er insgesamt noch arg brav wirkt und bisher nicht unbedingt durch Handlungsschnelligkeit und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor aufgefallen war. Woran es mir jedoch vor allem fehlte, war ein wenig Frechheit und Aggressivität. Jene Aggressivität, über die ich mich bei Cacau mehr als einmal geärgert habe – heute hätte ich sie mir gewünscht. Da hätte es sich ja gut getroffen, dass er auf der Bank saß.

Mir ist klar, dass man für Labbadias Entscheidungen gute Gründe ins Feld führen kann. Stefano Celozzi spielte am Millerntor eine ordentliche Partie, Boulahrouz hatte nicht nur eine verletzungsbedingte Pause hinter sich, sondern war auch als Backup für den ebenfalls angeschlagenen Tasci vorgesehen. Schipplock mag Selbstvertrauen ausgestrahlt haben, Cacau noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte sein. Gentner mag, was weiß ich, gut trainiert haben. Und dass man zögert, Kuzmanovic durch Elson zu ersetzen, ist zweifellos nachvollziehbar. Aber insgesamt fand ich Bruno Labbadias Entscheidungen, ganz subjektiv, eher unglücklich.

Eher unglücklich, hm? Wäre schön, wenn man das auch für die Leistung der Mannschaft sagen könnte. Die war aber näher bei schlecht. Uninspiriert. Mit, wieder einmal, verheerenden Abspiel- und Abwehrfehlern. Ungewöhnlich viele Fehler bei Träsch, folgenschwere Fehler bei Celozzi und dem (heute) sonst sehr stabilen Niedermeier, mindestens ein katastrophaler Fehler bei Boulahrouz, dessen anschließende Verunsicherung nicht nur bis auf den Oberrang zu sehen war, sondern vor allem auch als Sinnbild für das Selbstvertrauen der gesamten Mannschaft gelten musste.

Dass man letztlich dennoch nicht mit leeren Händen da stand und Wolfsburg doch noch hinter sich lassen konnte, war einmal mehr den überragenden individuellen Fähigkeiten von Georg Niedermeier geschuldet, der nach einem mutigen Zuspiel von – und hier wird wieder einmal deutlich, wieso Bruno Labbadia Bundesligatrainer ist und ich nur ein mal mehr, mal weniger dilettierend über Fußball Schreibender – Christian Gentner technisch perfekt vollendete. Sven Ulreich hielt den Punkt mehrfach großartig fest.

Meine Horrorvision, die beiden Spiele gegen die grünen Ws, bzw. die weißen Ws auf gründem Grund, punktlos zu absolvieren, ist also abgewendet. Dennoch lief der Spieltag alles andere als optimal. Ein Punkt in Bremen wäre nicht nur deshalb ganz hilfreich. Oder drei.

Ob ich daran glaube? Natürlich.
Mein Hoffnungsträger heißt Elson.

Disaster Recovery

Nein, kein wirklicher IT-Notfall, keine Wiederherstellung. Eher ein persönliches Desaster war das am Samstag, von dem ich mich so langsam wieder erhole.

Der eine oder die andere hat vermutlich mitbekommmen, dass ich das Spiel des VfB gegen Schalke für die Sportredaktion von ZEIT ONLINE twitternd begleiten sollte, sozusagen live aus der gefühlten Cannstatter Kurve. Aparter Gedanke, fand ich. Dumm nur, dass die Netzverfügbarkeit dort während eines Spiels nicht immer gewährleistet ist. Dass Bandbreite kein öffentliches Gut ist, liegt offensichtlich nicht nur an der Ausschließbarkeit, sondern auch an der Rivalität. Zu viele Menschen in der Kurve.

Hätte man auch vorher wissen können? Ja, hätte man. Wusste man sogar. Ein Stück weit. Mir war von früheren Spielen klar, dass das Netz mitunter sehr schlecht ist und der eine oder andere Tweet etwas länger braucht. Was ich meist auf meinen Anbieter geschoben hatte, weil ich Menschen mit anderen Geräten erfolgreicher hantieren sah. Also bewegte ich mich mit zwei verschiedenen Mobiltelefonen in zwei verschiedenen Netzen durch das Stadion; mein Stadionnachbar steuerte zur Sicherheit noch ein drittes Netz bei. Als Notfallplan bestand, das redete ich mir zumindest ein, die Option, Tweets per SMS an die Redaktion zu senden, die dann damit machen würde, was sie für richtig hielte.

Was soll ich sagen? Pustekuchen! Bis kurz vor Spielbeginn klappte die Twitterei noch ganz ordentlich, wenn man von der seelischen Belastung absieht, die am Vormittag durch ein zersplittertes Display entstanden war und noch immer anhält. Das änderte sich relativ rasch, nach wenigen Spielminuten funkte ich bereits SMS. Die erste Kurznachricht kam noch durch, danach ging buchstäblich nichts mehr. Keine Timeline. Keine Tweets. Keine SMS. Weder bei Alice. Noch bei Vodafone. Noch beim großen T. Ich war wohl ein wenig verzweifelt. Wenn mir vielleicht jemand bei Gelegenheit erzählen könnte, was sich auf dem Spielfeld ereignete?

Nach der Pause entspannte sich die Situation ein wenig und es gelang mir, einige SMS-Tweets abzusetzen. Ob sie allerdings in der Redaktion angekommen waren und es in die Timeline geschafft hatten, erfuhr ich erst nach dem Spiel, von Interaktion und der Reaktion auf @-Replies will ich gar nicht reden. Den Rest des Tages verbrachte ich mit der Decke über dem Kopf im Bett.

Ach so, ich könnte ja noch einen Satz zum VfB sagen. Oder zu Herrn Dr. Brych, auch wenn dazu längst alles gesagt ist, mit unterschiedlichen Nuancierungen. Die Forderungen nach einem Platzverweis für Pogrebnyak halte ich für hanebüchend (sic!), aber ein Foul war’s auch aus meiner Sicht. Das Handspiel hätte ich wohl nicht gegeben, aber zumindest in einem Punkt bin ich beim Schiedsrichter: wenn er das Handspiel pfeift, muss er nach meinem Regelverständnis auch Rot ziehen, unabhängig davon, wie er (oder auch ich) zu dieser Regel steht.

Wie auch immer: Kuzmanovic traf, das Spiel war entschieden. Was man aber erst hinterher wusste. Als Stuttgarter hätte man sich natürlich gewünscht, nicht bis zum Abpfiff zittern zu müssen. Scheint mir bei 75-minütiger Überzahl nicht gänzlich vermessen, auf etwas überlegtere Angriffe zu hoffen, vielleicht sogar auf ein zweites Tor, das ja in einigen wenigen Situationen tatsächlich in der Luft lag. Immerhin erhielt so die Abwehr die Gelegenheit, ihr ramponiertes Image etwas aufzupolieren. Insbesondere Georg Niedermeier, angesichts dessen Aufstellung reichlich Kopfschütteln herrschte, wünsche ich, dass ihm das Spiel das nötige Selbstvertrauen für die nächsten Spiele gibt. Und dass Sven Ulreich kurz vor Schluss den Sieg festhielt zur Ecke rettete, wird ihm auch nicht schaden. Zumindest hat man mir das so erzählt.

Fast vergessen: die Balakov-Huldigung (beinahe hätte ich Ballack geschrieben, so präsent ist er derzeit in der öffentlichen Diskussion um Kaisers Bart) der Kurve war großer Sport, das “Magath raus”-Plakat im Schalker Block für den neutralen Beobachter zu diesem Zeitpunkt auch, die Stuttgarter Reaktion (“Ohne Magath habt Ihr keine Chance”), nun ja, unerwartet. Man konnte zu dem Schluss kommen, Magath habe den VfB, bei dem er sehr erfolgreich gearbeitet hatte, seinerzeit in bestem Einvernehmen verlassen.

Nächstes Wochenende bietet die Partie bei Sankt Pauli die Gelegenheit, erstmals wieder am Ende eines Spieltags die Abstiegsplätze zu verlassen, aus eigener Kraft. Ähnliches werden sich alle anderen Abstiegskämpfer sagen, die in den nächsten Wochen ebenfalls ständig auf direkte Konkurrenten treffen – Kunststück, wenn die halbe Liga taumelt.

Ich glaube nicht, dass die Mannschaft stark und vor allem gefestigt genug ist, eine Serie zu starten, die es ihr erlaubt, in fünf oder sechs Wochen relativ entspannt auf  “die da unten” zu schauen, glaube vielmehr, dass es noch eine Reihe von Rückschlägen und das damit einher gehende Auf und Ab zu beklagen geben wird. Aber ich glaube wieder fest an die Aufs, was zuletzt nicht immer der Fall war, und bin zuversichtlich, dass es gelingen kann, vor dem letzten Spieltag den Klassenerhalt zu sichern. Würde die Partie in München aus Stuttgarter Sicht deutlich entspannen. Und man könnte gelassen abwarten, ob die Bayern die Qualifikation noch schaffen. Wofür auch immer.

Bis dahin dürfte ich auch das samstägliche Desaster verarbeitet haben.

Furchtbar altmodische Gedanken

Manchmal bin ich verdammt altmodisch. Oder auch nur ein Slow Adopter, wenn man so will. Dabei hätte ich es ja kommen sehen müssen. Jean-Marc Bosman hat den Spielern alle Macht gegenüber den Vereinen an die Hand gegeben. Nein, natürlich nicht Bosman selbst, sondern die Richter des EuGH. Die Spieler haben das seither weidlich ausgenutzt verhalten sich rational und tanzen dem Großteil der Clubs auf der Nase herum.

Einige Jahre später haben die Trainer nachgezogen. Nachdem sie im Machtgeflecht der Profiligen jahrzehntelang auf die Rolle  als “schwächstes Glied in der Kette” reduziert worden waren, traten sie zunehmend selbst- und vor allem machtbewusst auf. So ist zumindest mein Eindruck. Felix Magath war über viele Jahre hinweg ein phasenweise überaus erfolgreicher Trainer, dem letztlich dennoch immer wieder der Stuhl vor die Tür gestellt wurde. Diesem scheinbar unvermeidlichen Los ging er erstmals (?) in Nürnberg aus dem Weg, als er aus einer Position der Stärke heraus kurz vor Saisonbeginn den Verein verließ, weil der Verein seinen Forderungen nicht entsprach. In Stuttgart machte er sich mit seinem Abgang später keine Freunde, in Wolfsburg ging er als Meisterheld und dürfte dennoch nicht nur Freunde hinterlassen haben. Ähnliches gilt für Bruno Labbadia in Leverkusen, bloß ohne Heldenstatus. Dieter Hecking wechselte in der laufenden Bundesligasaison von Aachen nach Hannover, und über Jose Mourinhos medienwirksam inszenierten Abgang aus Mailand ist wohl auch alles gesagt – zumindest kennt er seinen (Markt-)Wert und geht seinen Weg.

Die nächste Runde dürfte den Vorstandsmitgliedern vorbehalten sein. Genau wie bei den Trainern gibt es selbstverständlich auch hier bereits Beispiele aus der nicht mehr ganz so jungen Vergangenheit. Michael Meier ging bereits in den Achtzigern von Köln nach Leverkusen, Peter Kenyon (von dem ich nicht weiß, ob er einen Vorstandsposten inne hatte) ließ sich im September 2003 von Roman Abramowitsch aus Manchester zu Chelsea locken. Klar, so ist der Markt. Andreas Rettig ging damals auch von Freiburg nach Köln, beim Sportclub legte man ihm keine Steine in den Weg, beide Seiten hatten – soweit ich weiß – immer mit offenen Karten gespielt, Rettigs Ambitionen waren bekannt.

Bei Horst Heldt liegt die Sache für mich etwas anders. Das hat natürlich zum einen damit zu tun, dass mir die Situation beim VfB deutlich näher geht als jene damals in Freiburg. Zum anderen empfinde ich den Zeitpunkt als unanständig. Ja, auch ein verdammt altmodisches Wort. Und möglicherweise völlig unangebracht, weil ich mich zu wenig mit den Abläufen in einem Profiverein auskenne. Vielleicht ist die Sommerpause tatsächlich gar nicht so wichtig für die Kaderzusammensetzung in der neuen Saison. Vielleicht hat der VfB längst alle angestrebten Transfers in trockene Tücher gepackt und will sie erst nach der Weltmeisterschaft verkünden. Vielleicht ist die Kaderplanung auch gar nicht Teil der Jobbeschreibung des Vorstands Sport, sondern wird ohnehin von der Herren Gross, Schneider und Staudt erledigt.

In meinem möglicherweise naiven Weltbild indes ist es Horst Heldts Aufgabe, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten die Vorstellungen umzusetzen, die er gemeinsam mit dem Trainer in Sachen Spielerkader diskutiert und entwickelt hat. Und da ich mir kaum vorstellen kann, dass man mit dem aktuellen Kader in die Saison gehen will, ging ich bisher davon aus, dass der Sportdirektor gerade in diesen Wochen in besonders hohem Maße gefordert ist. Gerne will ich Horst Heldt unterstellen, dass er bereits seit Monaten mit der Anbahnung großartiger Transfers befasst ist. Er hat sicherlich Kontakte geknüpft, Gespräche geführt, über Zahlen verhandelt, Perspektiven aufgezeigt, persönliche Beziehungen zu Spielern und Beratern aufgebaut, den VfB in schillernden Farben dargestellt und keinen Zweifel daran gelassen, dass der jeweilige Spieler und der Verein, vertreten in erster Linie durch ihn selbst, eine grandiose gemeinsame Zukunft vor sich haben.

Jetzt sieht das etwas anders aus. Wenn ich mich recht entsinne, verwies Heldt bereits Mitte Juni darauf, dass sich während der Weltmeisterschaft – kein schlechter Zeitpunkt übrigens, um einen Paukenschlag pianissimo vonstatten gehen zu lassen – am Transfermarkt ohnehin nichts tue und danach alles reibungslos von seinem Nachfolger fortgeführt werden könne. Logisch. Wir brauchen uns also keine Sorgen zu machen. Horst Heldt hinterlässt ein bestelltes Feld, die ausstehenden Transfers sind nur noch Formsache, und Heldt wird im Juni 2011 nicht ohne Stolz betonen, dass die Meisterschaft des VfB, über die er sich sehr freue, in Teilen auch seiner Arbeit im WM-Frühsommer zu verdanken sei.

Im Ernst: ich finde, es gehört sich nicht, sich in dieser Phase der Saison Knall auf Fall zu verabschieden. Nicht nur, weil es um den VfB geht. Aber “gehört sich nicht” ist wohl keine relevante Kategorie.

Zu Heldts Stuttgarter Bilanz und den Nachfolgekandidaten hat sich @hirngabel drüben im Brustring gewohnt fundiert geäußert. Mir persönlich würde eine Lösung mit Jan Schindelmeiser sehr zusagen; allerdings hat er bei seinem Rückzug in Hoffenheim gesundheitliche Gründe ins Feld geführt, von denen ich nicht weiß, wie gravierend sie sind. Unabhängig davon scheint er bei den Diskussionen in Cannstatt keine Rolle zu spielen. Was glücklicherweise auch für Guido Buchwald und einige andere Altinternationale gilt. Es fällt mir auch schwer, mir Fredi Bobic als Sportdirektor vorzustellen; aber da bin ich für eine positive Überraschung gerne zu haben.

Fußballclub Blau-Rot Stuttgart?

Als gestern Nachmittag Twitter-User @konni über eine für heute angekündigte Pressekonferenz des VfB informierte, schossen die Spekulationen ein wenig ins Kraut. Irgendwie klang es nicht so, als würde man “nur” den hoffentlich bevorstehenden Vertragsabschluss mit Theo Walcott Cristian Molinaro bekanntgeben wollen. Kurz ergriff mich Panik angesichts der zu meinem Bedauern auf den Spätherbst verschobenen Vertragsgespräche mit Christian Gross und des noch immer kolportierten Hamburger Bemühens um den Trainer des VfB. Allerdings würde dann wohl eher der HSV zu einer Pressekonferenz einladen, sagte ich mir, und erinnerte dann glücklicherweise die noch immer offene Frage nach dem künftigen Hauptsponsor, die wohl das Thema sein müsse.

Was sich dann insofern bestätigte, als spätestens um 19 Uhr ganz Twitter den Namen des neuen VfB-Hauptsponsors kannte: Gazi. Gazi? Ja, Gazi.

Beim abendlichen Sport, den ich mit wenig twitteraffinen Menschen betrieb, hatte ich die Info noch exklusiv; die Reaktionen reichten von bloßem ungläubigem Staunen über “Du machst Witze, oder?” bis hin zu “Ach Du Scheiße!”

Der Grund für die eher versteckte Freude liegt auf der Hand: Gazi ist seit Jahr und Tag Hauptsponsor des ehemaligen Lokalrivalen, der Stuttgarter Kickers; selbst deren Heimstatt, in dem die Reserve des VfB seit dem vergangenen Jahr aufgrund der DFB-Auflagen für die Dritte Liga ebenfalls ihre Heimspiele bestreitet, trägt den Namen “GAZi-Stadion”, die zugehörige Stadtbahnhaltestelle ebenso. Irgendwie passt das nicht, hat man den Eindruck.

Dabei sind die Kickers sind aus meiner Sicht tatsächlich nur noch, wie oben geschrieben, der _ehemalige_ Lokalrivale, dem man zuletzt Anfang der 90er Jahre auf Augenhöhe begegnete, als die Blauen ihre letzte von bislang zwei Bundesligasaisons bestritten. Einige Jahre zuvor, im Sommer 1987, hatte man gar im Finale des DFB-Pokals gestanden, doch ein früher Treffer von Dirk Kurtenbach reichte nicht – Manfred Kaltz’ Bananen taugten nicht nur als Flanken, sondern ließen sich auch recht billig um die Kickersmauer herumdrehen.* 1988/89 traf man dann erstmals in der Bundesliga auf den VfB, und ich hatte das Vergnügen, aus der Provinz in die große Stadt zu reisen, um beim 4:0 des VfB Asgeir Sigurvinsson huldigen zu dürfen. Doch das ist lange her, die Kickers haben danach stürmische Zeiten erlebt, über die es an anderer Stelle deutlich mehr und Kompetenteres zu lesen gibt. Heute nehme ich sie eher als kleinen Bruder Cousin des VfB wahr, der zuletzt noch ab und zu mit der Reserve der Roten raufen durfte, bis es auch dafür nicht mehr reichte.

Doch zurück zu Gazi. Für einen Teil der VfB-Anhänger stellt Firmenchef Garcia ein blaues Tuch dar, wie auch in dieser Umfrage der Stuttgarter Zeitung deutlich wird. Während die einen vor allem die Nähe zu den Kickers stört, sind die anderen ob der Wahl (hatte man denn noch eine?) eines nicht weit über die Stadtgrenze hinaus bekannten mittelständischen Unternehmens als Hauptsponsors entsetzt, die nicht so recht mit den eigenen Ansprüchen einher gehe.

Ich gebe zu, auch ich hege Sympathien für einen Daimler-Schriftzug im Brustring, oder Porsche, Bosch, you name it. Letztlich zählen aber die Namen auf der Rückseite der Trikots, und wenn Gazi gemeinsam mit dem nicht scheidenden ehemaligen Hauptsponsor EnBW und dem neuen Premiumpartner Fischer Dübel dafür sorgt, dass dort die richtigen stehen, kann ich gut damit leben. Andere offensichtlich auch.

Überhaupt denke ich, dass die Anhänger der Roten, wenn man nochmals auf die innerstädtische Komponente zurückkommt, das längere Ende des Seils in der Hand halten. Gazi ist jetzt halt der neue Hauptsponsor. Punkt. Er hat eine blaue Vergangenheit, nach eigenen Angaben auch eine ebensolche Gegenwart und Zukunft. Er wird zwei, drei oder auch viele Jahre die VfB-Trikots schmücken, und irgendwann wird da wieder ein anderer Name stehen. Vielleicht ein besserer, mondänerer, lukrativerer, vielleicht auch nicht. Als Anhänger der Blauen wäre meine Sorge vermutlich ungleich größer. In der Regionalliga dürfte die Schlange potenzieller Sponsoren noch ein Stückchen kürzer sein, und wenn der eigene Hauptsponsor nun bei den Großen mitspielen will, kann ich mir schon vorstellen, dass bei Fans und Verantwortlichen die eine oder andere Sorgenfalte entsteht.

Was mir allerdings wirklich Sorgen macht, ist Dr. Eduardo Garcias Nähe zu Christoph Daum. Herr Heldt, bitte verlängern sie rasch den Vertrag mit Herrn Gross!

* Mir war nicht mehr bewusst, dass Happel damals die später von Magath kultivierte Frisur trug, vgl. ca. 2:50.

Als Spieler und als Trainer?

Franz Beckenbauer und Mario Zagallo. Wissen wir alle.
Dunga und Maradona versuchen’s im Sommer, Klinsmann hat’s vergeigt, als er im Halbfinale 2006 auf den falschen Torwart setzte seinem Gegenüber nicht gewachsen war.

Magath, Heynckes, Schaaf, Sammer, Beckenbauer, Benthaus können wir im Schlaf herunter beten, seitdem der Trainer kürzlich danach gefragt hat.

Guardiola, Rijkaard, Ancelotti bekommen wir auch alle hin, Cruyff noch dazu, bei Trapattoni wird’s bei einigen eng, bei Muñoz sowieso.

Und was ist mir den anderen, abseits der Champions League? Wer war Europapokalsieger als Spieler und als Trainer?

Deschamps schafft’s wieder nicht, van Gaal und Mourinho sind an der Einstiegshürde gescheitert, aus deutscher Sicht ist Heynckes ein Joker, bei Stevens (ja, er ist kein Deutscher) musste ich schon nachschauen, um meinen Verdacht zu bestätigen, und ob man Beckenbauer den Uefa-Cup 1996 zuerkennen will, ist vermutlich eine Glaubensfrage.

Aber wer noch? Gibt’s dazu eine Übersicht, einen Blogbeitrag? Falls ja, wäre ich für einen Link dankbar, falls nein, würde ich mich über Fakten und Spekulationen in den Kommentaren freuen.

Zur Klarstellung:
Irgendein Europapokal als Spieler, irgendein Europapokal als Trainer. Intertoto- und UI-Cup zählen nicht, über den Messestädte-Pokal diskutieren wir, wenn’s relevant wird.

Ich führe dann mal Buch:

Name

Spieler

Trainer

Beckenbauer CL (74-76),
PS (67), Bayern
Uefa (96), Bayern
Graham Messe (70), Arsenal PS (94), Arsenal
Happel Zentropa (51), Rapid CL (70 Feyenoord, 83 HSV)
Heynckes Uefa (75), Gladbach CL (98), Real
Scala CL (69), PS (68),  Milan PS (93), Uefa (95), Parma
Stevens Uefa (78), PSV Uefa (96), Schalke
Vialli CL (96), Uefa (93), Juventus;
PS (90 Sampdoria, 98 Chelsea)
PS (98), Chelsea
Zoff Uefa (77), Juventus Uefa (90), Juventus