Hoffenheim, ey – typisch mein Alter!

Man bekommt ja mitunter recht wenig mit von so einem Fußballspiel, wenn man einen Neuling mit ins Stadion nimmt. Kurt Schmidtchen weiß ein Lied davon zu singen, wohl auch so manche regelmäßige Stadiongängerin, die einmal versucht hat, dem fußballerisch unbeleckten Herrn ihres Herzens ihre Leidenschaft für das Spiel nahe zu bringen (und grandios gescheitert ist), und ich selbst hatte das Problem auch schon einmal, wenn auch mit vertauschten Rollen: die junge Dame hatte zwar im Vorfeld ein gewisses Grundinteresse am Fußball bekundet und Vorerfahrungen ins Feld geführt; die Gespräche im Stadion – ich war der einzige Ansprechpartner – boten indes hinreichend Anlass, sowohl an den Vorerfahrungen als auch am Grundinteresse zu zweifeln. Ganz zu schweigen von der Bekleidungskompetenz, was spätestens ab der 30. Minute ein zunächst an sich selbst, später zunehmend eindeutig auch an mich gerichtetes Wehklagen ob der unerwarteten Kälte mit sich brachte. Die sich, aber das ist nur eine kaum fundierte Vermutung meinerseits, ihren Weg durch die hauchdünnen Sohlen gebahnt haben dürfte. Insbesondere am Vorderfuß, aufgrund wesentlich größerer Bodennähe.

Es handelte sich übrigens nicht um die Dame meines Herzens, und auch die vorab möglicherweise latent vorhandene Bereitschaft, in diesem Kontext „noch nicht“ zu denken bzw. Jahre später zu schreiben, nun ja, sie schwand. Interessant übrigens, wie vertraut „Dame meines Herzens“ klingt, während ich oben beim „Herrn ihres Herzens“ zögerte. Wieso ist es völlig normal, eine Dame des Herzens zu haben, während ein Herr des Herzens eher kritisch beäugt wird? Oder geht das nur mir so? Liegt es daran, dass der Herr gleich nach einem Herrscher klingt, den wir mit dem Herzen eher ungern in Verbindung bringen? An den Herren, die nicht zu herzlich wahrgenommen werden wollen? Oder müssen wir eher die Historie bemühen, Rollenverteilungen betrachten, aus denen heraus derlei Redewendungen entstanden oder eben nicht entstanden sind, verzweifelte Minnesänger, die ihr Herz bedingslos an eine Frau verschenkten, ohne ihres je gewinnen zu können? Interessiert keinen? Und keine? Ist außerdem hanebüchen? Ok. Dann halt zurück ins Stadion.

Ins Neckarstadion, um genau zu sein, wo ich am vergangenen Samstag mit einem weiteren Neuling war, und wo ich in der Tat deutlich weniger vom Spiel mitbekam als sonst. Sicher, ich sah die Tore, auch die meisten Torchancen (waren ja nicht so viele), im Grunde alles auf den ersten Blick Wesentliche, weit mehr als das, was man je im Sportstudio erfahren würde; und doch wäre ich nicht in der Lage, die Leistungen einzelner Spieler seriös zu beurteilen. Spiel ohne Ball, Laufwege, Angriffsstrategien, für all das fehlte ein wenig das Auge, phasenweise gar für die unscheinbare Effektivität des William Kvist. Dass Cacau Martin Harnik am Torschuss hinderte, klar, das hab ich gesehen, Pogrebnyaks in der ersten Halbzeit eher glückloses und später belohntes Engagement auch, die Schnelligkeit seiner Bewegungen vor dem 2:0, die für das menschliche Auge, zumindest für das von Isaac Vorsah, schlichtweg nicht zu erfassen waren. Hajnals gedankliche Frische war zu erahnen, Gebharts Stimmungslage ist ohnehin klar, Okazakis Standfestigkeit war erneut unübersehbar und erinnert fast schon an Neven Subotic. Babak Rafati hat sich unverkennbar stets bemüht. Und Christian Gentner war zu kurz auf dem Platz, um Andreas Becks Einschätzung, wonach es in der Bundesliga „nicht viele Spieler [gebe], die so schnell sind wie er“, gemeint war Gentner, glaubhaft nachweislich zu widerlegen. (Aber die Frage, ob alle mir bekannten VfB-Anhänger ein Geschwindigkeitseinschätzungsproblem haben oder ob Herr Beck seinen Beruf nicht ernst genug nimmt, könnte bei Gelegenheit einmal Gegenstand einer Erörterung werden.)

Ich bin mir nicht sicher, ob es meinem Sohn dereinst allzuviel Anerkennung einbringen wird, wenn er die Frage nach seinem ersten Stadionbesuch mit „5 Jahre, natürlich im Neckarstadion, am 15. Oktober 2011, in der neuen Cannstatter Kurve, 2:0 gewonnen, gegen, äh, Hoffenheim“ beantwortet. Da gäbe es wohl Namen mit einem besseren Klang, vermutlich nicht nur nach heutigem Ermessen. Für mich war es gleichwohl ein großartiges Erlebnis. Und ich müsste mich schon schwer täuschen, wenn es für meinen Großen, der manchmal auch mein Kleiner ist, nicht auch so gewesen wäre, auch wenn er lange Zeit nicht allzu viel gesagt hat. Er ist ja nicht so der extrovertierte Typ, und 55.000 Menschen, von denen einige in nächster Nähe rumbrüllen (der auf freundliche Empfehlung eingesteckte Lärmschutz störte und wurde rasch entfernt), können einen schon mal ein wenig schweigsam werden lassen. Zumal die Rechnung, wieviele Plätze denn frei waren, wenn eigentlich 60.000 Leute reinpassen, auch ein wenig Konzentration verlangt. Oder die Frage, woran man denn nun erkenne, welcher Hoffenheimer ein Abwehrspieler sei, und eben kein Mittelfeldspieler oder Stürmer, wo doch alle gleich blau seien, man zur Klärung der Abseitsfrage aber immer den hintersten Abwehrspieler heranziehen müsse (ja, den Sonderfall mit dem Torwart ließ ich weg, den Trend zur Polyvalenz auch). Zudem galt es, die Bedeutung der gelb hinterlegten Namen auf der Anzeigetafel zu klären, und gemeinsam rätselten wir, ob ein des Feldes verwiesener Spieler fortan in rot oder gar nicht mehr in der Aufstellung geführt werde. Die betriebswirtschaftlichen Vorteile von Wechselbanden, deren naturgemäß wechselhafter Charakter mit dem Wunsch nach dem Verbleib einer bestimmten und besonders hübsch animierten Werbung kollidierte, wollten ebenso hinterfragt werden wie die Funktionsweise einer Bezahlkarte, die ich am Samstag erstmals auflud, der unverzichtbaren roten Premierenwurst wegen, und zum Einsatz brachte. Für seine Kinder schmeißt man halt mitunter sämtliche Überzeugungen über Bord (und sieht sie sogleich bestätigt, aber das nur am Rande). War übrigens die Karte des verhinderten Mitstadiongängers – die paar verbliebenen Euro darf er gerne haben, und ich kann weiterhin die Boykottmonstranz vor mir hertragen.

Anhänglich war er, der Sohn. Das freut den Vater, nicht nur, weil er inmitten der Menschenmengen panische Angst hat, den Sohn aus den Augen zu verlieren. Während des Spiels, zugegeben, war diese Anhänglichkeit zeitweise eine körperliche Herausforderung. Wir stehen ja auf Sitzplätzen. Falsch. Früher standen wir auf Sitzplätzen, bzw. auf den Sitzen. Seit einigen Jahren stehen wir vor den hochgeklappten Sitzen. Mein Kleiner (wird er gar nicht so lustig finden, diese Bezeichnung, wenn er das hier dereinst nachliest, was vermutlich nicht der Fall sein wird) stand tatsächlich auf seinem Sitz, und der ganz normal überfürsorgliche Vater musste ihn natürlich darauf hinweisen, dass er mindestens einen Fuß vorne platzieren solle, um ein Kippen zu vermeiden. Mit der Konsequenz, dass er zur Sicherheit erst einmal sitzen wollte. Und nichts sah. Also versprach ich, sowohl seinen Sitz als auch ihn selbst ein wenig zu stützen. Korrekter: ihn zu stützen und den Sitz zu drücken. Nun, wer ein wenig gestützt wird, neigt ja gerne mal dazu, sich mehr und mehr stützen zu lassen. Und dann ist es gar nicht mal so trivial, einen neben sich angebrachten Klappsitz mit dem Knie nach unten zu drücken und gleichzeitig den darauf halb stehenden und versuchsweise mit dem Gesäß hinten anlehnenden jungen Mann mit einem Arm gegen das Nach-Hinten-Fallen abzusichern (Vorsicht, letzte Reihe, nach hinten fällt man anderthalb Meter tief), der sich zudem in einem 60-Grad-Winkel nach links neigt und einem zur Sicherheit anderthalb Arme um den Hals gelegt hat. Hat keiner verstanden, ne? Auf jeden Fall kann man sich so, mit wunderbar eng beieinander liegenden Köpfen, auch bei höherem Lärmpegel vergleichsweise gut unterhalten. Und sich gegenseitig Fangesänge vorsingen, was den Vater in der Zuhörphase ein wenig anfasst. Wer will da schon Fußball schauen?

Erwähnte ich übrigens, dass er – vermutlich ist es doch eher müßig, es zu erwähnen – ein Trikot trug? Eines, das ich 2007 kurz vor der Meisterschaft gekauft hatte. (Ist es unfair, genau an dieser Stelle auf Herrn Wieland zu verweisen, dessen Sohn auch dereinst ein erstes Mal erlebte?) War ihm natürlich viel zu groß, damals, mit anderthalb Jahren, 128 war die kleinste (noch?) verfügbare Größe gewesen, aber wen sollte das bei der Meisterfeier stören? Jetzt passt es. Und ist immer noch groß genug, um den einen oder anderen Pulli drunter zu tragen. Bisschen blöd, das, ich würde ihm doch gerne mal wieder ein neues kaufen. Wobei: vielleicht können wir so das Thema Gazi noch aussitzen, wäre ja auch nicht verkehrt.

Hinterher hat er gesagt, er wolle bald wieder einmal mit, mein Großer. Was will man mehr?

Wie ich eine Zeit lang vergaß, Schalke…

Wäre ich eine Zeitungsredaktion, dann lägen hier einige Nachrufentwürfe auf Halde, Sie wissen schon, für Prominente, die das Zeitliche segnen. Wäre ich Fernsehen, gäb’s dazu auch noch klare Regelungen zu der Frage, wie mit dem Fall der Fälle umgegangen würde: Meldung in den Nachrichten, mit oder ohne Filmchen, Programmänderung in Form der Wiederholung alter Meisterwerke oder gar eines Brennpunkts, im Extremfall gar Unterbrechung des Programms?

Nun denn, ich bin keine Zeitung, und ich bin nicht Fernsehen. Ich blogge bloß. Und es ist alles andere als seriös, das Ableben von Politikerinnen, Künstlern, wem auch immer, mit dem Ende eines Blogs zu vergleichen.

Und doch: heute würde ich gerne das Programm unterbrechen. Einen Brennpunkt senden. Ohne Lobhudelei, Verklärung und Heldenverehrung, keine Sorge, ich möchte einfach nur… erinnern, schwelgen, lobhudeln, verklären und verehren.

Schalke 04. Der VfB und Schalke, wir hatten keine sonderlich gute Zeit in den letzten zwei Monaten miteinander in den letzten, sagen wir, 10 Jahren. Die haben mit Geld um sich geschmissen, uns Bordon und Kuranyi weggekauft, das eine oder andere Scharmützel mit uns ausgetragen angezettelt, den Manager mit viel Geld erpresst, sie haben böses russisches Geld angenommen, hatten Rafinha und Lincoln in ihren Reihen, kurz: sie waren und sind ein blaues Tuch für mich (auch wenn ich zugeben muss, dass ich im Vorjahr ein wenig mit mir ringen musste, als da Jungs wie Moritz, Schmitz, Matip, Höwedes oder Neuer auf dem Platz standen).

Und dann war da dieses Königsblog. Dieser Torsten Wieland, der zunächst bei „Drei Ecken, ein Elfer“ – das ich erst relativ spät entdeckte -, dann eben im Königsblog seine Sicht der Dinge zum Besten gab. Der sich gleichermaßen liebevoll wie kritisch mit vielen Facetten seines Vereins auseinandersetzte, der sich gerne mal akribisch mit Schiedsrichter- oder auch Foulstatistiken befasste, der ESR nicht nur in den allgemeinen Sprachgebrauch einführte, sondern auch Dutzende Blogger mit dieser genial einfachen Idee neidisch machte – auch wenn nur wenige die Arbeit hätten übernehmen wollen, die vermutlich allein hinter diesem kleinen Spielchen steckte. Der in seinem Blog einen klaren Fokus hatte und dementsprechend auch ziemlich konsequent auf die WM-Berichterstattung verzichtete – zumal der Bundestrainer seinen Verein ein wenig stiefmütterlich behandelt hatte.

Seinen Verein, mit dem ich so gar nichts am Hut habe, ganz im Gegenteil, und den mir das Königsblog doch so nahe gebracht hat, dass ich einmal fast am Einwechselspielerraten teilgenommen hätte – ich hätte nur noch „Kommentar abgeben“ klicken müssen. (Einen Punkt hätte ich sogar bekommen.)

Vielleicht hätte ich mir doch einen professionellen Nachrufschreiber ins Boot holen sollen. Nun denn: Tschüss, Königsblog, war schön mit Dir. Und Du weißt ja, wie das mit Elvis ist, der noch immer lebt. J.R. kam auch zurück. Tony Almeida, klar, und Jack Bauer sowieso. Ich freu mich drauf.

Vielen Dank und bis bald, Herr Wieland.

Ich will mir nicht Gagelmann wünschen.

Herr Wieland vom Königsblog hat vor ein paar Tagen analysiert, welche Schiedsrichter seinen Schalkern in den vergangenen Jahren die meisten Punkte gebracht haben – eine recht gute Quote hatte dabei Dr. Brych, mit dessen Leistung ich am Samstag beim Spiel des VfB gegen Schalke nicht ganz einverstanden war.

Nun hat er -ich war dem Vernehmen nach nicht ganz unschuldig- nachgelegt und das Ganze auf alle Vereine ausgeweitet, mit fatalen Folgen: demzufolge müsste ich mir künftig für jedes Spiel Peter Gagelmann wünschen, den ich gemeinsam mit Babak Rafati für den schwächsten Bundesligaschiedsrichter halte. Puh, nicht schön.

Immerhin kann ich nun guten Gewissens sagen, dass meine bisherige Schiedsrichterbewertung offensichtlich nicht ergebnisabhängig erfolgte, ganz im Gegenteil: in den letzten drei Jahren hat der VfB jedes von Gagelmann geleitete Spiel gewonnen, Punkteschnitt: 3,0. Mit Dr. Brych liegt er bei 0,8.

Übersicht: Königsblog (Klick auf Tabelle führt dorthin)

Ich hab noch nie gegen den Trainer gespielt.

Nach knapp 20 Minuten musste ich unweigerlich an Günter Perl denken. Und fragte mich, wieso sich Herr Wieland Perl wünscht, wenn er doch Brych haben kann. Schiedsrichter Dr. Felix Brych hatte bis dahin drei durch die VfB-Brille klare gelbe Karten an die Herren Höwedes, Kuranyi und Bordon nicht gegeben (Rafinha will ich, gegen meine innere Überzeugung, beim frühen Zusammenprall mit dem konternden Cacau nichts Böses unterstellen). Dass sich Dr. Brych Minuten später seiner Karten erinnerte und deren zwei an Magnin und Khedira verteilte, verbesserte sein Ansehen in der Cannstatter Kurve nicht.

Aber das nur am Rande – am Schiedsrichter lag es nicht, dass der VfB wieder einmal am mittlerweile bekannten Mix aus zu einfachen Gegentoren und mangelnder Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor scheiterte. Immerhin: einige klare Torchancen waren diesmal zumindest vorhanden, und wenn der insgesamt vielversprechend auftretende Zdravko Kuzmanovic ein Torjäger wäre, hätte das Spiel früher eine Wende nehmen können. Insgesamt trat der VfB deutlich stärker und leistungsbereiter auf als in den letzten Spielen; eine auch spielerisch inspirierte Vorstellung konnte man wohl nicht erwarten.

So zog man denn auch bei der Presse die Schlussfolgerung, dass die Mannschaft zumindest nicht gegen den Trainer gespielt habe – in meiner Naivität glaube ich ja ohnehin noch immer, dass Fußballspieler eher selten bewusst verlieren wollen, um dem Trainer zu schaden. Ich selbst hab’s zumindest noch nie getan, dabei wäre mein Verlust an Punktprämien *sehr überschaubar* gewesen. Wie gesagt: im vorliegenden Fall haben sich die VfB-Spieler nicht verdächtig gemacht. Ob Markus Babbel die richtigen Maßnahmen ergriffen hat, bleibt indes zu diskutieren:

Aufstellung:
Die Umstellung auf eine Mittelfeldraute war ebenso erwartet worden wie die daraus resultierenden kritischen Punkte. Mit Kuzmanovic und Khedira hatte man auf den Außen- (bzw. Halb-) Positionen im Mittelfeld spielstarke, ballsichere Leute, die allerdings beide gerne und viel nach innen drängen und nicht zu Protagonisten schnellen Flügelspiels taugen; die Außenverteidiger Magnin und Celozzi, die diese Aufgabe übernehmen könnten (besser: sollten), konzentrierten sich auf ihre Defensivarbeit, was angesichts der letzten Spiele nachvollziehbar ist, den eigenen Stürmern aber auch keine Freude bereitet haben dürfte. Christian Träsch spielte im defensiven Mittelfeld das, was man früher einen „Ausputzer“ nannte. Kann man machen, nimmt dann aber bewusst in Kauf, dass der Spielaufbau im Mittelfeld über die beiden Halbspieler erfolgen muss. Aliaksandr Hleb konnte nicht verhindern, dass die Diskussionen aus der Saison 2003/04 (dem „Jahr 1 nach Balakov“) wieder aufgegriffen wurden, die in aller Regel zu dem Schluss kamen, dass er keine „10“ ist. Wenn die Raute wirklich das System der Wahl sein sollte und man einen klassischen Spielmacher einsetzen will, wird man nicht umhin kommen, auf Elson oder Bastürk zurückzugreifen.

Auswechslungen:
Nach 30 Minuten habe ich mich gefragt, wieso Celozzi immer noch auf dem Feld ist. Nach 66 Minuten war ich ganz sicher nicht der einzige, der sich gefragt hat, wieso Babbel Celozzi vom Feld nimmt, nachdem dieser sich nicht nur defensiv gefangen hatte, sondern nach der Pause derjenige war, der endlich für etwas Belebung auf der Außenbahn sorgte, während dem an der Außenlinie bereit stehenden Hilbert genau dies zuletzt eher selten gelungen war. Julian Schieber hat sich einmal mehr bewährt. Natürlich kann man diskutieren, ob man ihn als dritten Stürmer hätte bringen sollen; andererseits wäre wohl alles richtig gewesen, wenn man nach dem von ihm initiiterten Ausgleich die Schalker nicht zur erneuten Führung eingeladen hätte. Eine gute Viertelstunde wäre geblieben, man war am Drücker, hatte die Defensive nicht aufgelöst, kurz: man hatte die besseren Karten. Elson kam hingegen zu spät. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ihn nicht für den Spieler halte, der das Offensivspiel des VfB auf Dauer bestimmen kann; Impulse als Einwechselspieler kann er gleichwohl setzen. 12 Minuten erscheinen mir dafür jedoch etwas kurz, gerade wenn man sich etwas mehr Inspiration erhofft und vor allem keinen anderen Spieler auf dem Feld hat, der in der Lage ist, einen Eckball oder Freistoß auch nur annähernd gefährlich vor das Tor zu bringen.

Letztlich bleibt eine bittere Niederlage, die man eigenen Nachlässigkeiten sowie natürlich einem gut organisierten und effektiven Gegner zuzuschreiben hat. Und die Frage, ob Günter Perl den Treffer von Kuzmanovic wenige Minuten vor Schluss auch abgepfiffen hätte.

Blogger-Interessen

Der gemeine Blogger schreibt, genau wie sein weibliches Pendant, in aller Regel über seine Interessen. Also über Dinge, die ihn interessieren.

Manchmal schreibt er auch über andere Interessen. Seine anderen Interessen. Dinge, die ihn zwar auch interessieren, die aber darüber hinaus von grundsätzlicherem Interesse sind. Die vielleicht sogar einer Interessenvertretung bedürfen.

Der Herr probek hat vor ein paar Tagen genau das getan: er hat seine Gedanken zu einer Interessenvertretung für Blogger aufgeschrieben. Zugegeben, das Thema ist nicht neu, und die letzte mir bekannte ausführlichere Diskussion liegt noch gar nicht lange zurück.

Bis vor kurzem hielt ich den Gedanken einer Interessenvertretung für Blogger für ziemlich abwegig, weil ich weder den Bedarf sah noch die Realisierbarkeit für gegeben hielt. Nun ist es nicht so, dass ich meine Meinung komplett geändert habe; zumindest bin ich aber mittlerweile bereit, die Diskussion deutlich offener zu verfolgen und gegebenenfalls zu führen. Der konkrete Anlass für diesen Sinneswandel ist die auch von probek als Aufhänger gewählte Erfahrung von Herrn Wieland, die mich doch ein wenig aufgeschreckt hat.

Es hat mich naiven Blogschreiber tatsächlich überrscht, dass ein Blog, das zwar überaus lesenswert und zweifellos gut vernetzt ist, dessen Breitenwirkung sich aber -Herr Wieland wird möge es mir verzeihen- nicht in entscheidendem Maße von der zahlreicher sogenannter Feierabendblogs unterscheidet, wegen eines Zitats aus einem klassischen Medium mit rechtlichen Konsequenzen konfrontiert wird.

Nun will ich allen anderen nicht meine Naivität unterstellen; gleichwohl habe ich den Eindruck, dass der besagte Fall für eine erhöhte Sensibilität gesorgt hat und letztlich auch die von Tag zu Tag spannendere Diskussion bei probek befördert hat.

Eine abschließende Meinung habe ich mir auch auf dieser Grundlage noch nicht gebildet. Zwar bin ich mir nach wie vor gänzlich unsicher, wo der Grundkonsens liegen bzw. wie detailliert er formuliert werden kann oder muss, und über die Realisierbarkeit nachzudenken kann in diesem Stadium nur kontraproduktiv sein; der Bedarf an einer gewissen -wie auch immer ausgestalteten- Solidarität und gegenseitiger Unterstützung ist jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Hier geht’s zur Diskussion bei probek.