Sieben. Und elf: link-elf.

Null. Nominierungen.
Bei Twitter, in Blogs, gerne mal im Facebook, vermutlich auch bei Google plus oder sonst wo, wird man in letzter Zeit gerne mal nominiert. Man möge sein liebstes Buch nennen, oder die besten Musikstücke, oder die schönsten Filmszenen, Sie erkennen das Prinzip, oder kennen es. Ich kann dem nicht so wahnsinnig viel abgewinnen, um es ein bisschen euphemistisch auszudrücken. Also dem Nominierungsprozess. Die jeweiligen Präferenzen und die entstehenden Gespräche an sich sind häufig sehr erquicklich, mir missfällt nur das kettenbriefartige.

Vielleicht bin ich da zu sehr Kind der 80er, das mehrfach um sein Seelenheil fürchtete, weil Papa nicht bereit war, den Brief im Büro neunfach zu fotokopieren, auf dass der Sohnemann ihn durch die Republik oder auch nur an die noch nicht bedienten Mitschülerinnen und Mitschüler versenden könne, sodass ihm, also mir, wegen Kettenbruchs gar schreckliche Szenarien blühten. Sie traten nicht ein, das Trauma blieb.

Eins. Empathie.
Andere Menschen haben möglicherweise auch Traumata. Vielleicht Thomas, wiewohl eher ein Kind der 70er, oder auch @dierudola, von der ich annehme, dass sie ganz gut in die 90er passt, schulisch, aber ich weiß es nicht. Vermutlich gab es aber auch zu ihren Zeiten Kettenbriefe, und wer weiß, ob sie nicht nach wie vor die Angst vor dem Kettenbruch mit sich herumtragen.

Es wäre mir sehr arg, diese beiden liebgewonnenen Social-Media-WeggefährtInnen einem solchen Risiko auszusetzen. Und so schreibe ich nun also sieben Fakten (naja, was man halt so mit viel Wohlwollen Fakten nennt) über mich auf, ergänzend zu jenen zwanzig, die hier vor einem knappen Jahr unnominiert aufgelistet wurden.

Zwei. Fußball.
Ich interessiere mich für Fußball. Könnte sehr viel Zeit damit verbringen, mir Fußball anzusehen. Manche(r) mag es geahnt haben. Aus eben diesem Grund sehe ich seit Jahren davon ab, Bezahlfernsehensabonnent zu werden. Denn ich bin schwach. Und habe Angst vor der zweiten griechischen Liga, exemplarisch, die mich fürderhin dreimal pro Woche in ihren Bann ziehen könnte, wenn nicht grade Ligapokalspiele in Chile angesetzt sind. In der Konsequenz muss ich mitunter unwirtliche Orte aufsuchen, um Spiele des VfB Stuttgart zu verfolgen.

So wie jüngst jenen 80er-(schon wieder)-Jahre-Partykeller, der mir als Nebenraum einer „Lounge“ angekündigt worden war, die ihren Namen auch nur so halb verdiente. Drei auf zwei Meter, mit eierkartonähnlichem Relief vor dem einzigen Fenster Lichtschacht, einem Spielautomaten, der sich die Stirnseite mit dem Bildschirm teilte, mit Sitzgelegenheiten, die noch den Duft selbstgedrehter Zigaretten aus den späten 60er Jahren atmeten und so einen gelungenen olfaktorischen Kontrast zur benachbarten Toilette bildeten.

Aber ich war allein, bis weit in die zweite Halbzeit hinein, dann gesellte sich ein junges Pärchen ohne jedes Fußballinteresse hinzu, Fußballsmalltalk war also nicht nötig. Perfekt. Was man von dem Spiel nicht sagen konnte. 2:3 in Berlin, Sie erinnern sich. Frühere 3:2-Spiele, die ich an Einmal-und-nie-wieder-Orten gesehen habe: Bielefeld 2006, Bochum 2007. Besser. Wesentlich.

Drei. Schwächen.
Man kann nicht drumherum reden: ich habe eine Schwäche für Moritz Leitner. Regelmäßige Mitlesende wissen das.

Bei besagtem Spiel in Berlin hatte ich kurz die Hoffnung, erstmals eine größere Anzahl VfB-Anhänger auf meiner Seite zu wissen. Nicht dass es mir wichtig wäre, mein Faible zu teilen, aber es hätte vermutlich darauf hingedeutet, dass sich das Spiel so weiterentwickelt hätte, wie es begonnen hatte. Mit Leitners Tor, Leitners Ballgewinnen und einer Leitner’schen Kopfball-Rettungsaktion. Hat es aber nicht. Nun denn. Frühere Schwächen galten beispielsweise Christian Tiffert, Roberto Hilbert oder Raphael Holzhauser. Es hätte schlimmer kommen können: mein Stadionnachbar stimmt heute noch Emanuel-Centurión-Gesänge an.

Vier. Unwissenheit.
Dass dieses Blog seit mehr als drei Wochen schweigt und auch davor nichts wesentlich anderes tat, hat in allererster Linie mit zeitlicher Auslastung zu tun. Beruflich. Und ganz am Rande damit, dass ich mich aus unerfindlichen Gründen in jüngster Freizeit gerne mal auf Gedichtseiten und in entsprechenden Foren herumtreibe. Eine sehr frustrierende Erfahrung, hatte ich doch gedacht, mich für den Hausgebrauch ganz gut mit Versmaßen, Strophenschemata und dergleichen auszukennen. Pustekuchen!

Es reicht offensichtlich nicht, weitgehend unfallfreie Fünfzeiler zustande zu bringen, Rilkes Panther herunterleiern zu können und irgendwann mal Heines Wintermärchen (Gedicht? Na ja, reimt sich halt.) gelesen zu haben. Den formalen Rahmen eines Sonetts bekomme ich vielleicht grade noch hin, beim Inhalt wird’s schon dünn, von Akrostichen, Haikus oder Terzinen gar nicht zu reden. Geht übrigens häufig auch denjenigen so, die sich an diesen Formen versuchen und ihre Werke zur Diskussion stellen. Nicht dass ich es beurteilen könnte, aber die Reaktionen der Checker lassen darauf schließen.

Fünf. Murphy.
Dass ich das Spiel gegen Leverkusen nicht gesehen habe, hat keine lyrischen Gründe. Stattdessen verbrachte ich einen Kurzurlaub, mit Bergwanderung und so, in Bayern. Schön war’s. Sehr schön sogar. Aber ich gebe zu, dass ich so ein 3:3 nach 0:3 schon auch gern mal mitgenommen hätte. Frühere Spiele, die ich aus Kurzurlaubsgründen verpasst habe: Bremen 2004 (4:4), Hoffenheim 2013 (6:2).

Sechs. Fachwissen.
In der Startelf, die ich vor der Saison in einem Blogger-Fragebogen gegenüber n-tv.de prognostizierte, nahm den linken Außenverteidigerposten Adam Hloušek ein. Eine Personalie, deretwegen ich mitunter belächelt wurde. Bitte vergleichen Sie hierzu auch Punkt drei. Gegen Leverkusen kam er nun erstmals zum Einsatz. Und, was soll ich sagen: 45 Minuten, 3:0 Tore, fiktive drei Punkte. Ich traue mich gar nicht, das auf die Saison hochzurechnen.

Sieben. Schuld.
Ich trage eine große Schuld. Nicht alleine, aber mit. An einer bitteren Entwicklung in der Sportbloggerei. Nein, ich habe nicht in dogfoods Kommentarspalte getrollt. Aber ich habe die #Link11 nicht hinreichend unterstützt. Sie wissen schon, drüben bei Fokus Fussball. Wo tolle Typen tolle Dinge tun. Mit hoher Qualität und hohem Aufwand. Nun schläft sie, also die Blog- und Presseschau, allem Anschein nach noch ein bisschen tiefer als zuletzt dieses Blog.

Sicherlich, die Erben sind noch dort, und jeden Besuch wert. Aber eben keine #Link11 mehr. Was dazu führt, dass ich, gerade zu Zeiten eines besonders gut gefüllten Terminkalenders, fußballmäßig verdammt uninformiert durchs Leben gehe. Und was nebenbei auch zur Gewissheit werden lässt, was sonst nur sehr wahrscheinlich wäre: dass kaum jemand diesen Text lesen wird. (Der Einfachheit halber sei an dieser Stelle ignoriert, dass Charakter und Inhalt ohnehin nicht geeignet wären, dem vorliegenden Text eine #Link11-, Obacht!, -Nominierung einzubringen.)

Klar, ich habe immer mal wieder auf die #Link11 verwiesen, im nennenden wie im verlinkenden Sinne, in der Regel fiel beides zusammen, und sie bei Twitter gelobt, retweetet oder kommentierend verlinkt, aber den Magen der Autoren, leider ohne -innen, füllt das ja auch nicht. Nicht dass der eine oder andere flattr-Obolus gleich geeignet wäre, die Mägen fünf oder noch mehr ausgewachsener junger Männer in der Blüte ihres Lebens zu füllen, aber ich Pfeife bin ja noch nicht mal bei flattr angemeldet!

Nun will ich den jungen Leuten, allen voran den Gründern Jens und Klaas, gar nicht unterstellen, dass die gegenwärtige Funkstille in erster Linie monetäre Gründe habe, es sei denn, was nicht abwegig ist, man bezeichnet die betriebswirtschaftlich unstrittige Priorisierung bezahlter gegenüber unbezahlten Projekten und Aufgaben als monetären Grund.

Vielmehr, um den Gedanken wieder aufzunehmen, unterstelle ich Ihnen zeitliche Restriktionen, in Verbindung mit kaum existenten finanziellen Anreizen, sich stundenlang mit Podcasts, Blog- und Pressetexten zu befassen, eine Auswahl zu treffen, einzudampfen, zu strukturieren, zu zitieren, ein übergreifendes literarisch-musikalisches oder auf anderes Weise Struktur gebendes Thema zu finden und dieses dann auszugestalten, kurz: zu kuratieren, um letztlich von der verwöhnten Leserschaft viel Kenntnisnahme, manches Lob, ein wenig Kritik ob der Textauswahl und gelegentlich blöde Sprüche zu ernten.

Wertschätzung. Sollte ich dran arbeiten. Im Movember melde ich mich bei flattr an. So als Anfang.

Nullnull. Nominierungen.
Keine. Mein Seelenheil wird’s verkraften.

 

Äpfel und Birnen. Und ein bisschen Rosinenpickerei.

Kennt man ja, nicht wahr, diese unerwartet und rasch reifende Einsicht, dass man einer anderen Zeit oder Welt oder auch einem anderen Planetensystem angehört. Ok, möglicherweise hat man auch nur etwas anders gelagerte Prioritäten; dennoch verfestigt sich ein bis dahin kaum mehr als latent vorhandenes Gefühl der Andersartigkeit.

So erging es mir zuletzt am vergangenen Freitag, in der Fußballkneipe meines Vertrauens. Ich war umgeben von netten jungen Leuten, vor Spielbeginn sagte mir einer, der Rest seiner Comunio-Spielrunde (heißt das so?) komme gleich, was er dann auch tat. Um den jungen Leuten zu zeigen, dass ich gar nicht so alt und unbeleckt bin, wie ich möglicherweise aussehe, frug ich scheinbar nonchalant nach, ob Comunio denn nicht böse und verdammenswert sei angesichts der jüngst eingegangenen Partnerschaft mit der ZEITUNG, wie der literarisch bewanderte Herr @bimbeshausen aus gutem Grund zu sagen pflegt, und landete einen Wirkungstreffer.

Vielleicht nicht bei meinem direkten Gesprächspartner, der – wiewohl ein bisschen beeindruckt, wie mir schien, und vielleicht auch ein wenig unsicher, weil er allem Anschein nach auch nur die Überschrift gelesen hatte (oder, wie ich, die Tweets von @surfin_bird) – Bescheid wusste, wohl aber bei seinen Kollegen, die sich erst einmal informieren mussten. Nicht darüber, wer oder was die ZEITUNG sei, jenen Schlenker hatte ich weggelassen, aber über deren unheilige Allianz mit Comunio.

Wie auch immer: ich hatte es also mit einer Gruppe Comunio-SpielerInnen zu tun, was a priori (und rückblickend nicht zu unrecht, wie ich gerne betone) auf Fußballsachverstand hoffen ließ und zudem, im Sinne eines bunten Fußballabends, eine möglicherweise gelungene Ergänzung zum nicht uneingeschränkt nüchternen und die eine oder andere krude Theorie vertretenden Nachbartisch sein könnte. Wobei: vielleicht sind ja auch meine Theorien krude. Oder gar abwegig.

Wie komme ich darauf, dass Ibrahima Traoré in den ersten Saisonspielen eine der wenigen halbwegs positiven Erscheinungen gewesen sein könnte und nicht, wie ein Herr sinngemäß meinte, ein in blindem Aktionismus und ohne jede Struktur durch die Gegend rennender junger Mann, „genau wie der Kaba“, der dann halt mal Glück habe, wenn einer seiner stets blind in die Mitte gespielten Bälle von einem Gegner dumm ins eigene Tor abgefälscht werde? Ich schwieg und dachte mir meinen Teil, andere widersprachen kurz und fassten rasch den Entschluss, sich ihren Teil fürderhin ebenfalls nurmehr zu denken.

Die Comunisten (Darf man das sagen? Ist das pc?) hielten sich heraus, diskutierten ihrerseits über studienrelevante Themen und gähnten – zurecht – ob des überschaubar attraktiven Spiels des VfB in Berlin – die Formulierung ist keine ganz zufällige, tatsächlich war in erster Linie das Spiel des VfB eher unattraktiv, während sich die Hertha durchaus ansehnlich präsentierte. Der VfB ließ recht viel von dem vermissen, was ihn zwei Wochen zuvor in Hoffenheim insbesondere in der Balleroberung und der Vorwärtsbewegung ausgezeichnet hatte. Die erste (und einzige) Chance der ersten Halbzeit hatte man kurz vor deren Ende, als Kraft in brillanter Manier einen Kopfball von Gentner über die Latte lenkte, was bei allen Anwesenden ein lautstarkes Aufstöhnen zur Folge hatte. Also, nun ja, bei fast allen:

„Jaa! „Kraft hielt die Hertha mit einer großartigen Parade im Spiel“, das gibt Punkte!“

Das Zitat ist ein sinngemäßes, möglicherweise aufgrund meiner Ahnungslosigkeit in Sachen Comunio inhaltlich nicht ganz treffendes, aber ich setze darauf, dass mich die gemeine Leserin versteht. Andernfalls erleichtert möglicherweise mein folgendes Selbstzitat das Verständnis:

Man mag entgegnen, vermutlich treffend, dass diese Reaktion doch eine normale gewesen sei, junge Leute, Distinktion, Provokation, das Positive sehen, Sie wissen schon. Vielleicht tat ich meinen Tischnachbarn ja wirklich unrecht mit meinem stummen und, streng genommen, unbewegten Kopfschütteln. Und doch: sie ist mir fremd, diese Reaktion. Der junge Mann hatte sich bis dahin sehr eindeutig als VfB-Fan zu erkennen gegeben.

Irgendwann hörte ich die Legende, Günter Netzer tippe immer gegen die ihm näherstehende Mannschaft, um wenigstens einen Erfolg feiern zu können. Ich weiß nicht, ob Netzer das wirklich jemals sagte oder diesen Ausspruch gar prägte, und ich weiß natürlich, dass ihn Gott und die Welt in der einen oder anderen Situation verwendet haben. Für mich bleibt er dennoch immer mit Netzer verbunden, was hier nun wirklich nichts zur Sache tut, mir aber die Gelegenheit gibt, mir die Replik von Gerhard Delling vorzustellen und irgendjemandem für Mehmet Scholl und Matthias Opdenhövel zu danken. Man möge mir diesen unsachlichen Einschub nachsehen, auch und gerade in Florenz.

Ich kann mit der Netzer zugeschriebenen Haltung nicht recht umgehen. Bei meinem Kicktipp würde der VfB, so ich noch mittippte, immer mit mindestens 90 Punkten Meister, gerne auch mal mit 102. Es gelingt mir nicht, und es gelänge mir wohl auch dann nicht, wenn ich es wollte, mich gegen „meinen“ Verein zu positionieren, mich über Gegentore oder herausragende Paraden des gegnerischen Torwarts zu freuen. Ich kann sie würdigen, klar, tue das auch, aber freuen? Jubilieren gar? Nein. Sage ich jetzt. Vor ein paar Wochen, als es um die Zukunft von Bruno Labbadia im Verein ging, konnte ich mich noch sehr gut mit dem Gedanken anfreunden, an einer schlechten Leistung des VfB, an einer Niederlage und den möglichen Konsequenzen Gefallen zu finden. Äpfel mag ich übrigens lieber als Birnen.

Vielleicht hätte ich es beim eben zitierten Tweet belassen sollen. Ich war tatsächlich sehr irritiert, bin es noch, aber das war’s dann auch. Bestimmt kann man auch gleichzeitig Comuniospieler und ein guter Mensch sein. Vielleicht sind Comuniospieler auch ganz generell die weitaus besseren Menschen. Wenn sie bloß nicht gegen die eigene Mannschaft …  ach komm, jetzt hör‘ halt auf! Irgendwie lassen mich Managerspiele an Rosinenpickerei denken. Krude Idee, ne? Gedankenfreiheit des Ignoranten.

Später war der bejubelte Kraft nicht mehr zu jedem Zeitpunkt ganz so bejubelnswert, fand ich. Was mir, zugegeben, ein innneres Irgendwas war. Nicht dass daraus ein Tor entstanden wäre, das entsprang einer ganz normalen Standardsituation, Maxim und Gentner, kennt man ja, ähem, und doch stand der überragende Torwart dann eher auf der anderen Seite. Bisschen schade, dass ihn, Sven Ulreich, keiner für sein Team verpflichtet hatte.

Womit wir wieder beim einführend gestreiften Fußballsachverstand wären: ich Ahnungsloser hätte ihn auch nicht genommen. Tja. Und würd’s wohl auch weiterhin nicht tun. Also nicht bei Comunio, es ist zu unrealistisch, dass ich da mitmache, aber eben auch nicht als Bundestrainer. Auch wenn sich jetzt schon Uli Stein für ihn „als Teil der WM-Besetzung“ stark macht. Vermutlich denkt er dabei gar nicht ausschließlich an die Leistung, sondern auch an die innere Balance des Teams und so.

Vielleicht doch noch ein weiterer Satz, auch wenn das Spiel bereits so lange zurückliegt, dass sich niemand mehr daran erinnert: Antonio Rüdigers Spiel war eine Augenweide. Hätte ich so noch nicht erwartet. Und nicht einmal der Kaba-Sager hatte etwas auszusetzen. Ob mich das eher zweifeln lassen als bestätigen sollte?

Der Trainer? War da. Sachlich. Unaufgeregt. Auch in der Nachbetrachtung. Mit dem nötigen Glück. Gefällt weiterhin.

Am Sonntag gegen Frankfurt. Von denen hab ich keinen in meiner Mannschaft. Schön. Auch wenn ich Rode sofort nähme.

Berückende Bundesliga

Betrachtet man die zurückliegende Saison des VfB Stuttgart noch einmal etwas intensiver und beschäftigt sich insbesondere mit der ausnehmend guten Rückrundenbilanz, so kommt man keinesfalls umhin, Gotoku Sakai, Vedad Ibisevic und Georg Niedermeier in absoluter Objektivität als ausschlaggebend zu bezeichnen, bzw. vor allem den Umstand, dass sie Boulahrouz, Maza und Cacau bzw. Pogrebnyak verdrängen konnten. War man in der Hinrunde auf der einschlägigen 11er-Skala meist noch zwischen 4 und 6 gependelt, so erreichte man in der Rückrunde dank der drei genannten Herren regelmäßig Werte von 7 oder 8.

Besonders bemerkenswert, wenn auch nicht im Einklang mit dem Startelfgebot, war die Phase zwischen der 46. und 58. Minute am 30. Spieltag in Augsburg, als der VfB tatsächlich mit den Nummern 1-9 auf dem Platz stand. Bedenkt man zum einen, dass die 10 nicht vergeben und die 11, Audel, das ganze Jahr über verletzt war, und zum anderen, dass von den beiden Ergänzungsspielern der eine, Hajnal, als klassischer Zehner ebendort spielte und der andere, Schieber, als Linksaußen auf der 11 agierte, darf man wohl ohne Übertreibung von den besten gut zwölf Minuten der Saison sprechen.

Beeindruckend auch der 34. und 25. Spieltag, als zunächst sowohl der HSV als auch der VfB mit jeweils 8 aus 11 in die Partie gingen und eine Woche darauf der VfB mit acht der ersten elf begann, während Kaiserslautern gar mit deren neun aufhörte. Aufschlussreich war dabei nicht zuletzt, dass die beiden Mannschaften noch in der Hinrunde mit vier gegen vier ins Spiel gegangen waren.

Der eben schon angesprochene HSV trat bei mindestens 5 Partien mit 9 klassischen Nummern an, am 16. Spieltag fehlte zwischen der 69. und 84. Minute gar nur die 3, Michael Mancienne, um ein rundum stimmiges Bild abzugeben. Im Saisonschnitt standen beim HSV pro Spiel knapp 8 Spieler mit Rückennummern zwischen 1 und 11 beim Anpfiff auf dem Platz, was angesichts der durchwachsenen Hamburger Saison dem Schluss, dass eine Orientierung an traditionellen Werten nicht zwingend zum Erfolg führt, nicht im Wege steht.

Wenn man dann noch bedenkt, dass Absteiger Hertha den zweithöchsten Wert erreicht (ohne Berücksichtigung der Nummerierung in der Relegation, vor Gericht und auf hoher See), lässt das bereits tief blicken. Möglicherweise hat also der VfB seinen Uefa-Cup-Platz letztlich eher trotz als wegen seiner noch immer deutlich über 6 Klassiker in der, man muss es so sagen, Durchschnittself erreicht.

Darüber hinaus lassen auch die Bilanzen von Kaiserslautern, das in der Hinrunde, als man (zugegeben: nur stichprobenartig überprüft) häufiger mit höheren Nummern antrat, immerhin noch den einen oder anderen Zähler holte, und des SC Freiburg, der in der ersten Saisonhälfte mit den Herren Bastians (Nr. 3), Butscher (5), Abdessadki (6), Cissé (9) und Nicu (10) eher überschaubar punktete, in der Rückrunde aber, als aus den ersten elf zum Teil nur noch Baumann und Makiadi aufliefen, eine bemerkenswerte Bilanz erzielte, aufhorchen.

Sicher, all das sind nicht mehr als schwache Indizien, wenn überhaupt, man könnte vielleicht auch von Scharlatanerie sprechen. Und doch möchte man es sich ja nicht nehmen lassen, auch einmal an jenes Ende der Skala zu schauen, wo die Mannschaften erscheinen, die nur wenige Spieler aus den ersten elf zum Einsatz kommen lassen. So wie der FC Bayern im vorletzten Saisonspiel gegen den VfB, als nur einer auflief, noch dazu die 11, die halt grade noch so dazugehört.

Ja, ja, ich weiß, gegen den VfB reichte auch die B-Elf der erfolgsverwöhnten Münchner, war ein nicht repräsentatives Beispielspiel.

Betrachtet man nämlich die gesamte Saison, so stellt sich die Situation völlig anders dar. Also fast. Immerhin 2,8 Bayern standen im Schnitt beim Anpfiff mit einer Standardnummer auf dem Feld, was – ich verkneife mir Sätze, die mit immerhin oder wenigstens beginnen – den ligaweiten Spitzenwert darstellt. Knapp dahinter Schalke, das 2,9 klassische Starter zu verzeichnen hatte. Der einzige weitere Verein, der weniger als 4 Spieler mit einer Traditionsnummer auf das Feld schickte, war mit einem Wert von 3,8 wer? Genau: Borussia Dortmund.

Schlussfolgerungen bezüglich Korrelationen oder gar Kausalitäten zwischen sportlichem Erfolg und dem Einsatz der von mir so geschätzten Spieler zwischen 1 und 11 seien der geneigten Leserin selbst überlassen.

Man könnte sich natürlich überlegen, was das für die Duelle Schmelzer (3) – Boateng (20), Hummels (5) – Mertesacker (17), Klose (11) – Gomez (23) oder gar Neuer (1) – Wiese (12) bedeuten mag.

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Falls sich jemand für die Bilanzen der anderen Bundesligisten interessiert: Ich hatte mir überlegt, sie in Form einer 18-teiligen Klickstrecke, möglicherweise um die eine oder andere Werbeeinblendung ergänzt, zur Verfügung zu stellen. Leider fehlt mir die technische Kompetenz. Ergo.

Fehler sind wahrscheinlich, Hinweise willkommen.

Bella Marta in der Ischelandhalle

Volker Weidermann hatte es empfohlen. Und ihn. Euphorisch, geradezu. Wenn Volker Weidermann etwas empfiehlt, und wenn noch dazu ein Grundinteresse meinerseits besteht, so wusste ich, kann eigentlich nichts grundlegend schiefgehen. Natürlich hatte ich recht: Thomas PletzingersGentlemen, wir leben am Abgrund“ fesselte mich.

Nanu, der Kamke schreibt über ein Buch? Was ist denn jetzt los? Kann der lesen? Ok, Letzteres ist Koketterie, das vergessen wir schnell mal wieder. Ja, ich schreibe über ein Buch, aus Gründen, die ich nicht so recht benennen kann. Tatsächlich lese ich gar nicht so selten Bücher. Häufig genug sind sie nicht nur bereichernd, sondern hin- und mitreißend, etwas zu häufig sind sie es nicht. Aber ich schreibe nicht darüber, weder im einen noch im anderen Fall.

Gute (nicht: positive) Rezensionen begeistern mich. Sie zeigen mir Querverbindungen und vermeintliche Nebenaspekte auf, deren Bedeutung ich zum Teil nicht in Ansätzen erkannt hätte, folgen einem mir nicht geläufigen und doch so völlig logisch erscheinenden Muster und sind schlicht lesenswert. Mitunter bin ich komplett überfordert, aber das hält mich beispielsweise nicht davon ab, in (heute ausnahmsweise nicht gänzlich) stiller Bewunderung im Begleitschreiben Rezensionen von Werken zu genießen, deren Inhalte mich kaum interessieren und von denen ich häufig weiß, dass ich sie niemals lesen werde.

Was ich damit sagen will? Nun, ich schreibe keine Rezension. Traue ich mir nicht zu. Ich habe das Buch auch nicht in der Absicht gelesen, hinterher darüber zu schreiben. Es ist schlichtweg so, dass mich ein paar Themen ein wenig umtreiben. Themen, die nicht nur mit dem Inhalt im engeren Sinne zu tun haben. Oder im weiteren.

Zum Beispiel die Frage, wer so etwas bezahlt, die bitte nicht als „Wer zum Teufel finanziert denn sowas?“ missverstanden werden möge. Ganz im Ernst, ich habe keine Ahnung vom Literaturbetrieb, und wüsste gern, wer die Begleitung einer Basketballmannschaft – darum geht es nämlich, könnte man ja auch mal erwähnen – über ein ganzes Jahr hinweg, mit Europapokal- und sonstigen Reisen, vermutlich auch mit Verpflegung als Teil des Alba-Trosses (Verzeihung, die, nun ja, ein wenig auf der Hand liegende Formulierung entstand tatsächlich zufällig und fiel mir erst auf, als ich sie schon nicht mehr missen wollte), finanziell trägt. Sind das Recherchekosten, die der Verlag bezahlt? Wie groß ist das Risiko des Autors? Inwieweit trägt der Verein Alba Berlin dazu bei, der letztlich eine ganze Menge an PR erhält?

Pletzinger selbst sagte hierzu in einem Interview mit der FAZ: „Ich bin kein Hofberichterstatter und stehe nicht auf der Alba-Gehaltsliste, ich werde in keiner Weise zensiert und bin völlig frei. “ Das nehme ich ihm ab. Es liegt mir auch fern, irgendwelche finanziellen Abhängigkeiten oder Ungereimtheiten aufzuzeigen und zu hinterfragen, wozu auch? Letztlich war es nur so eine Frage, die sich mir nach wenigen Seiten stellte, die ich seither ein wenig mit mir herumtrage und die ich nun hier loszuwerden versuche, ohne wirklich konkrete, geschweige denn verlässliche Antworten zu erwarten.

Eine Zeit lang habe ich mir überlegt, ob ich mir mehr Objektivität gewünscht hätte. Der Autor, in seiner Jugend selbst ein talentierter Basketballspieler, der in Hagen an den Profibereich heranschnuppern durfte, geht sehr offen mit seiner nach und nach aufgegebenen Distanz um. Klar, ließe sich auch nicht leugnen, muss es auch nicht, wie ich im Nachhinein glaube. Für mich las sich das Buch zunehmend wie der Bericht eines unmittelbar Beteiligten, gelegentlich gar so, als hätte ein Spieler selbst, mit verdammt gutem Ghostwriter, aus der Kabine erzählt – sicherlich bedürfte es dazu auch der Einblicke ins Seelenleben des Sportlers, wenn er beispielsweise an einer Nichtnominierung oder kurzen Einsatzzeiten zu knnabbern hat, doch zum einen halte ich es für fraglich, wie offen ein Spieler tatsächlich damit umgehen würde, zum anderen dürfte der aufmerksame Beobachter Pletzinger die Stimmungslagen bei Spielern wie Patrick Femerling oder Sven Schultze recht treffend erfasst und auf den Punkt gebracht haben, ohne sich in seitenlangen Schilderungen zu ergehen.

Dem geneigten Leser wird aufgefallen sein, dass ich oben sagte, Pletzingers Buch habe mich gefesselt. Klingt irgendwie nach „Suspense“, nach dem, was man gemeinhin von einem Krimi erwartet, aber nicht nach einem in allen Belangen begeisterten Urteil. Ist es das nicht? Ich weiß es noch immer nicht. Es gibt einfach Dinge, mit denen ich mich schwer tat. An den Zeitsprüngen hatte ich lange zu knabbern, und – damit einhergehend – mit dem Hin und Her bei Spielern und vor allem Trainern. War es indes genau dieser Kniff, dieser immer wieder vor Augen geführte Wechsel vom sympathischen, gebildet wirkenden Luka Pavićević, mit dem ich vermutlich gerne mal einen Abend verbringen würde, zum verkniffener und blasser erscheinenden, vielleicht auch nur weniger tief beschriebenen Muli Katzurin, der die Professionalität des Basketballbusiness, den – trotz der überraschten Reaktionen der Spieler auf die Entlassung – geschäftlichen Umgang mit dem steten Wechsel, besonders deutlich illustriert? Oder denke ich mir einfach nur weit hergeholte Theorien aus?

Paul Neumann beschäftigt mich noch immer. Hieß er wirklich so, und wenn ja, ist es angemessen, ihn so bloßzustellen? Falls ja: Hat er es nicht genau so verdient, dieser verbrämte alte Bamb… ah, da haben wir es: Ich bin zum Alba-Fan geworden. Zumindest für die Zeit der Lektüre – anders als Frau Gröner sehe ich mir seither nicht jedes verfügbare Alba-Spiel an und wusste bis eben nicht einmal, ob Katzurin nach der literarisch begleiteten Saison Trainer blieb (stand doch nicht im Buch, oder?), aber ich fand mein Mitfiebern schon bemerkenswert.

Sicherlich, ich bin für sowas empfänglich, kann auch bei Sportfilmen, denen man nicht allzu hohen künstlerischen Wert und noch weniger Glaubwürdigkeit zuschreiben möchte, hemmungslos mitfiebern, aber Alba, oder korrekter: ALBA? Der von mir stets, möglicherweise völlig zu unrecht, als eher langweiliger, wohlhabender Hauptstadtverein angesehene Serienmeister der Jahrtausendwende, den ich, erst recht zu Unrecht, gedenklich gerne mal mit der Hertha in einen Topf warf? Der gegen die sympathischen und, ähem, wohlhabenden Underdogs Favoriten Bamberger antritt, deren Basketball noch regionales Identifikationspotenzial entfaltet? Hätte ich nicht gedacht.

Wie gesagt: Ich bin empfänglich für solche Geschichten, als Autor fängt man mich da leicht ein. Aber ich glaube schon, dass es dann doch ganz wesentlich Pletzingers Erzählweise war, die mich für das Buch einnahm. Und seine durch alle Ritzen scheinende Begeisterung, einen Jugendtraum in die Tat umzusetzen. Sowie nicht zuletzt der trotz allem erkennbare Kampf zwischen dem Beobachter Pletzinger und dem von den Fans gefeierten Beteiligten Thomas. Nicht zu vergessen: mein vergebliches Warten auf sein Wiedersehen mit Marta Lewandowski.

Es wird Zeit, endlich seine „Bestattung eines Hundes“ zu lesen. Und sich einzugestehen, dass man nicht über ein Buch schreiben kann, ohne es auf die eine oder andere Art zu rezensieren.

Assistassistenten

Über Janniks Buch zur Gladbacher Nichtabstiegsrückrunde hatte ich ja schon vor geraumer Zeit berichtet, und dabei auch vorsichtig darauf hingewiesen, dass sein Blog seit einiger Zeit brach liege. Aus gutem, in diesem Fall beruflichem, Grund, hatte er eine Blogpause ausgerufen. Na ja, was sollte nach dieser Rückrunde auch noch kommen, was auch nur annähernd so spannend, mitreißend, letztlich bloggenswert sein sollte?

[Dieser Absatz ist Janniks Lesegewohnheiten gewidmet.]

Dann kam der Gladbacher Vorrundenlauf mit noch mitreißenderem Fußball, überragendem Erfolg, einigen guten Geschichten und interessanten Protagonisten, und es würde mich sehr wundern, wenn Jannik unter seiner Blogabstinenz nicht gelitten hätte wie ein, wie soll ich sagen, begossener Pudel. Schlechtes Timing, irgendwie, und natürlich hat er das Ganze längst rückgängig gemacht. Zum Glück.

Nun will ich meine derzeitige geringe Schreibfrequenz, deren Hintergrund an anderer Stelle kurz zur Sprache kam, nicht mit Janniks zeitweiligem Komplettausstieg vergleichen, und mich nicht mit ihm, aber ich klopfe mir zumindest in Sachen Timing schon ein wenig selbstverliebt auf die Schulter. Mal im Ernst: Wer hätte schon was über die erniedrigende Pokalvorführung durch die Bayern schreiben wollen? Über die als Debakel abgesprungene und letztlich als Euphemismus gelandete Niederlage in Hannover? Über die zwei Punkte, die Leverkusen hergeschenkt hat? Über den deutlichen Sieg gegen eine von allen guten Geistern verlassene Hertha, mit dem man sich nun wirklich nicht ernsthaft zu beschäftigen brauchte, oder über jenen gegen eine ohne Abwehr angetretene Freiburger Mannschaft? Am Ende hätte ich gar über Standardsituationen schreiben müssen, und das kann nun wirklich in niemandes Sinne sein. (Außerdem steht ja schon alles drüben im Brustring.)

Was ich allerdings nicht versäumen möchte: Abbitte zu leisten. Bei Sven Ulreich. Schon wieder. Nicht wegen der konstant guten Leistungen auf der Linie und im Eins-gegen-eins, das hatten wir schon. Auch nicht wegen der hohen Flanken, da sehe ich den Bedarf noch nicht. Sondern wegen seiner Scorerqualitäten. Wie oft habe ich über seine gemächliche Spieleröffnung gemeckert, an technischen Defiziten herumgemäkelt, über seine Abstöße wechselweise geschimpft und gelacht, die zu Vehs Zeiten kurz und ungenau, später dann nur noch ungenau waren.

Und dann: dieser Assistassist gegen Freiburg, der in den von mir verfolgten Medien viel zu wenig Beachtung fand. Jener lange Ball auf Harnik, den sie schon im Hinspiel intensiv geübt hatten, wobei der damalige Freiburger Linksverteidiger keiner Schülerabwehr entsprungen war, jener lange Ball also, den ich ganz selbstverständlich im Aus sah, um mich dann zum einen zu erinnern, dass er gar nicht von Niedermeier geschlagen worden war, und um zum anderen einzusehen, dass ich Martin Harniks derzeit aus gutem Grund breite Brust unterschätzt hatte, machte also dessen Weg frei zu einem Tor, das nicht nur bei manch anderem Verein, exemplarisch sei Hannover 96 genannt, den Anlass für eine mediale Zeitmessung geboten hätte, sondern das eben zudem Ulreichs ersten mir bewusst gewordenen Assistassist besiegelte.

Überhaupt sind Assistassists ja eine zu unrecht vernachlässigte Kategorie der Damen und Herren Opta, Impire, und wie sie alle heißen. Bemerkenswert, wie Ibisevic vor dem 4:1 in der Luft stand und mit seiner Verlängerung Hajnals Torvorbereitung einleitete. Ob indes auch Sakais Diagonalball vor dem 1:0 ein lupenreiner Assistassist war oder letztlich doch bloß ein Assist, wird in Fachkreisen heftig debattiert. Kann Ibisevic den Assist bekommen, obwohl er den Ball nicht berührt hat? Kann ein Durchlassen, das die Gefahr erst heraufbeschwört, als assistwürdige Leistung gelten? Ganz abgesehen von der Frage, ob Ibisevic den Ball nur versehentlich nicht getroffen hat. Natürlich ist die Antwort klar: Wenn wir das Ganze konsequent weiterdächten, könnte sich dann ja auch jemand frenetisch als Torschütze feiern lassen, nachdem und weil er sich weggeduckt hat, um einem Torerfolg nicht im Weg zu stehen. Öhm.

Überhaupt: Ibisevic. Und überhaupt: Sakai. Hatte ich bei Ersterem nicht kürzlich eher überschaubare Assistquoten (mangels verfügbarere Assistassistquoten, klar) angeführt und ihn implizit auf einen reinen Torjäger reduziert? Und dann legt er Harnik einen nach dem anderen auf – die der dann nicht verwertet. Abbitte, auch hier. Über Zweiteren hatte ich bis dato noch gar nichts geschrieben. Dabei macht es so viel Spaß, ihm zuzusehen (aber wie gesagt: Abstinenz).  Sicher, defensiv hätte es sich phasenweise auch gut in besagte Freiburger Schülerabwehr einsortieren lassen, ohne dort groß aufzufallen – den Fehler gegen Harnik vor dem 2:0 hätte ich ihm in ähnlicher Weise auch zugetraut. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er ihn wieder ausgebügelt hätte, wäre deutlich höher gewesen. Im Vollsprint, wie immer. Irgendwie erinnert er mich an den jungen Sammy Kuffour. Nicht die Spielweise. Irgendwas anderes. Sowas wie … Begeisterung, Elan, Siegeslust?

Irgendwie ist es trotz allem schade, dass ich morgen so gut wie nichts vom Spiel beim HSV sehen kann.

Pressemitteilung (Entwurf)

»Frankfurt am Main, 9. Februar 2012.  Der Deutsche Fußball-Bund e. V. (DFB) stellt mit Bedauern fest, dass der Spieler Roman Hubník im gestrigen Spiel des DFB-Pokalwettbewerbs zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach zu Unrecht des Feldes verwiesen wurde. Folglich wird auch keine Sperre gegen Herrn Hubník ausgesprochen.

Der Möglichkeit einer Intervention des Fußballweltverbandes sind wir uns bewusst und sind darüber hinaus bereit, das zugrunde liegende Unfehlbarkeitsprinzip des Schiedsrichters über den vorliegenden Einzelfall hinaus in Frage zu stellen.

Wir betonen vielmehr, dass Schiedsrichter nicht nur sehr wohl fehlbar sind, sondern auch dazu stehen können und sollen. Dr. Felix Brych ist ein herausragender Vertreter seiner Zunft und wird auch künftig als souveräner Spielleiter auf höchstem Niveau überzeugen. Dass es im gestrigen Spiel einem Akteur gelungen ist, ihn zu hintergehen, ärgert niemanden mehr als Dr. Brych selbst.

Die während und nach dem Spiel zum Teil laut gewordenen Vorwürfe, die Fußballmafia DFB habe Einfluss auf den Ausgang der Viertelfinalspiele genommen, sind infam und – eingedenk des ehrenvollen Ausscheidens der TSG 1899 Hoffenheim – nachgerade ehrabschneidend.

Im Lichte der zurückliegenden Pokalspiele wird der DFB an die Fernsehanstalten appellieren, künftig keine Spiele mehr zu übertragen, bei denen unüberbrückbare Unterschiede von drei (Kiel) oder mehr (Stuttgart) Klassen den Gebührenzahler zu beleidigen drohen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass Igor de Camargo eine erbärmliche Wurst ist.«

375 – 163g – 91u – 121v

Vor ein paar Tagen sagte ich Herrn nedfuller, dass es mich keineswegs überraschen würde, wenn der VfB „wieder einmal“ den Aufbauhelfer gäbe und einem Tabellenletzten den Weg zurück in die Tabelle ebnete. Und es ward.

Wieder einmal. Wieder einmal? Wenn man ehrlich ist, trifft das nur sehr bedingt zu. Seit der Saison 2000/01 traf der VfB 23 mal auf einen Tabellenletzten und ging in 11 Fällen als Sieger vom Platz. Sieben Unentschieden sind kein Ruhmesblatt, fünf Niederlagen ok: im Schnitt holte der VfB 1,74 Punkte pro Spiel, wenn man beim oder gegen das Schlusslicht antrat.  Deutlich besser als die gefühlte Bilanz, oder?

Gefühlt dürfte sie ohnehin bei allen schlecht sein, wie oft hört man jenes „das ist doch mal wieder typisch für [meinen Verein]!“, wenn die Mannschaft des Vertrauens gegen ein Kellerkind Punkte abgegeben hat. Klar, die Negativerlebnisse bleiben stärker im Gedächtnis haften, und doch bin ich wild entschlossen, jedem Schalker, der künftig dergleichen von sich gibt, ein feuriges „Unsinn“ entgegen zu schleudern. 15 von 25 Spielen haben sie gewonnen, nur deren fünf verloren, zwei Punkte pro Spiel errungen – ein Wert, der nur von drei Vereinen getoppt wird, deren Resultate von geringem statistischen Wert sind: Mainz hat immerhin sieben Spiele gegen den Letzten absolviert und bemerkenswerte fünf gewonnen, keines verloren, 2,43 Punkte geholt; Aachen und Unterhaching mit jeweils drei Punkten aus nur einem Spiel darf man indes komplett vernachlässigen.

Interessant noch Gladbach, das von seinen 15 Spielen nur vier verlor. Weil man gar nur drei gewann, hat die Borussia als Unentschiedenkönig mit 1,13 Punkten pro Spiel den schlechtesten Wert aller aktuellen Erstligisten. Der Zweitletzte aus Köln liegt mit durchschnittlich 1,33 Punkten aus ebenfalls 15 Spielen bereits deutlich besser, gefolgt von der Hertha, die in 20 Spielen1,50 Punkte pro Spiel erreichte. Letztlich auch nicht gerade brillant, wenn man bedenkt, dass es 20 mal gegen den jeweils schwächstmöglichen Gegner ging und nur acht mal ein Sieg heraussprang. Den absolut niedrigsten Wert erreicht der KSC, dem in drei Spielen gegen das Schlusslicht kein einziges Pünktchen vergönnt war. Die 0,75 Punkte, die Cottbus durchschnittlich in acht Partien erzielte, wirken im Vergleich dazu geradezu großartig.

Dass das alles mit sehr viel Skepsis zu betrachten ist, steht außer Frage. Möglicherweise wäre es aussagekräftiger gewesen, wenn man statt des Tabellenletzten die drei Vereine auf den Abstiegsrängen betrachtet hätte, und vielleicht auch erst ab dem fünften oder gar zehnten Spieltag, weil davor die Aussagekraft der Tabelle zu gering ist, was man auch mittels einer Gewichtung hätte berücksichtigen können, von Heim- bzw. Auswärtsspielen gar nicht zu reden, und so weiter und so fort. Ungeachtet dessen:

Spiele gegen den Tabellenletzten, 08/2001 - 09/2011

Aktuelle Bundesligisten sind gelb hervorgehoben, grün und rot drücken eine mehr oder weniger willkürlich vorgenommene Kategorisierung in besonders gute oder schlechte Werte aus.

Und da die Daten nun schon einmal vorlagen, habe ich mir noch kurz die Ergebnisse der Tabellenletzten angesehen. Der 1. FC Köln, der im betrachteten Zeitraum am häufigsten mit der Laterne in der Hand antreten musste, errang in 48 Spielen im Schnitt genau einen Punkt, die Hertha lag in ihren 31 Partien sogar knapp darunter. Unter der Einpunktgrenze lagen zudem, mit etwas weniger Versuchen, Bochum (23 Spiele / 5 Siege), Sankt Pauli (18/3) der SC Freiburg (14/2) und Aachen (1/0).

Gute Bilanzen haben hier ausschließlich Mannschaften vorzuweisen, die maximal 10 Auftritte als Schlusslicht hatten. Der HSV, Hannover und der VfB gewannen je sechs von zehn Spielen, Werder (2 Spiele), Bielefeld und Dortmund (je 1) tragen eine blütenweiße Weste. Überraschen kann das natürlich nicht: wer nur sehr wenige Spiele als Letzter bestritten hat, muss nun einmal erfolgreich gewesen sein, um die rote Laterne schnell wieder abzugeben.

Spiele als Tabellenletzter, 08/2001 - 09/2011

Kommen wir zum praktischen Nutzen.

Am Sonntag empfängt das Schlusslicht aus Hamburg den FC Schalke 04. Schalke hat nur eine von jeweils fünf Partien gegen einen Tabellenletzten verloren und drei gewonnen, ist also klarer Favorit. Der HSV wiederum hat von den 10 Partien, die er als Laternenträger bestritt, 6 gewonnen, ist also ebenfalls klarer Favorit.

Na dann.

Datenquellen: fussballdaten.de, weltfussball.de
Fehlerquelle: ich 

C-Klasse, zweite Mannschaft

Am Freitag ging’s also los. Mein erstes TV-Saisonspiel. Also echter Fußball, menschliche Interaktion und so, anders als im Stadion. Etwas überraschend war nicht die übliche Riege da – weder der neunmalkluge VfB-Fan, der sich meist so lange auf die Seite des Gegners schägt, bis ein Sieg des VfB unabwendbar ist und selbstverständlich bejubelt wird, noch der „Japsen“-Beschimpfer mit der Frisur, noch der besoffene Chefkritiker, der weniger gut gelittene Spieler gerne als „Tote“ bezeichnet. Statt dessen fanden sich zwei etwas jüngere Herren ein, die offenbar schon ein paar Stündchen auf dem Weindorf verbracht hatten, deren Langzeitgedächtnis aber noch funktionierte und die dementsprechend den einen oder anderen Slogan aus den 80ern parat hatten. „Hau ihn um“ war der multipel einzusetzende Favorit, das in diesem Kontext auch gern genommene „der zappelt ja noch“ konnte mangels Umsetzung der ersten Aufforderung keine Anwendung finden. Lautstärke und Ahnungslosigkeit ließen mich dennoch vorübergehend im vernebelten Raucherbereich Zuflucht suchen. Trotz Nichtraucherschaft.

Fast noch einen Tick sympathischer war der ältere Herr, den ich dereinst für eine Idealbesetzung als Helga Beimers Onkel Franz gehalten hätte. Nach wenigen Minuten stellte er fest, dass das Spielniveau bestenfalls das der „C-Klasse, 2. Mannschaft“ erreiche. Abgesehen davon, dass der Widerspruch inhaltlich nicht in jeder Situation leicht zu begründen gewesen wäre, verfolgten wir rasch die Strategie, den Troll nicht zu füttern – zwei, drei anfängliche Einwürfe der Kategorie „na ja…“ hatten zu unergiebigen Diskussionsansätzen geführt. Er ließ sich nicht beirren und behielt seinen Stil, weitgehend auch die Wortwahl, bei, gerne begleitet von Zustimmung oder zumindest irgendeine Reaktion heischenden Blicken, denen wir mehr oder weniger geschickt auswichen. Die Frage, weshalb er sich das Spiel denn überhaupt anschaue, wenn es sich auf C-Klassen-Niveau bewege, gar Schmerzen bereite, wenn kein einziger von den 20 (die beiden Torhüter nahm er aus) etwas tauge, beantwortete er entwaffnend: „Weil nichts anderes kommt.“ Kurz vor Schluss begann er dann noch ein wenig zu schwelgen, von den Blauen, die in zwei Jahren wiederkämen, und von den 50er Jahren, von 1954, 56, 58 (54 und 58 war der VfB Pokalsieger, 56 erschließt sich mir nicht so recht, aber da war ich auch noch zu jung), nannte Namen wie Waldner und Bögelein, um im Hinausgehen noch einen echten Onkel Franz zu platzieren: „Aber heute, da spielen da ja nur noch Kanaken.“ Sieht so aus, als stünde unsere Fußballkneipe für diese Saison auf der Kippe.

Wie gesagt, es war mein erstes TV-Spiel dieses Jahr. Das Auftaktspiel hatte ich im Stadion verfolgt, danach war Urlaubszeit. Ohne Blogs, mit wenig Zeitungen, meist offline, weitgehend ohne Twitter. Von der Partie in Gladbach hatte ich nur Rudimente sehen können, gegen Leverkusen hatte ich jegliche ernsthafte Spielberichterstattung verpasst, aber das Aktuelle Sportstudio sowie Sport im Dritten gesehen. Im Sportstudio war, angesichts des „Duells“ mit Bernd Leno nicht ganz überraschend, Sven Ulreich zu Gast, der VfB-Torhüter, wo zweimal durch tiefe Tals gegangen war. Bei Sport im Dritten, wo William Kvist in kurzen Hosen zu Gast war, entblödete sich der Haus- und Hofsender des VfB nicht, zwei Wochen nach dem ersten Heimspiel und mindestens 10 Tage, nachdem sie bundesweit rauf- und runtergelaufen waren, die Sichtluken in der Herrentoilette schenkelklopfend zu zeigen. Ja, so sehen bittere Erinnerungen an die ersten Saisonspiele aus.

Fußball wurde natürlich auch gespielt am Freitag. Und wenn man den „Stimmen zum Spiel“ glauben darf, die der VfB auf seiner Website veröffentlicht hat, hätte man wohl verdient und haushoch gewonnen, wenn man nur seine Torchancen genutzt hätte. Dass man einfach nicht in der Lage war, genügend Druck auszuüben, um die Hertha zu mehr Fehlern zu zwingen, dass ein planmäßiges Vorgehen nur zu erahnen war, dass man vergeblich nach schnellen gemeinschaftlichen Aktionen suchte, egal ob mit oder ohne Ball, dass kein Spiel über die Außen stattfand, weil außer Harnik alle in die Mitte drängten, was dort aber auch nicht zu mehr Kreativität führte, spiegelt sich in den Stimmen zum Spiel nicht wider. Wäre vielleicht auch etwas viel verlangt.

So gehe ich halt davon aus, dass man sich intern damit befasst. Dass man sich fragt, wann die schnellen, überraschenden Bälle, die man so gerne vertikal nennt, von Zdravko Kuzmanovic verschütt gegangen sind, und wo seine Torgefährlichkeit hin ist. Dass man sich überlegt, ob es sinnvoll sei, anstelle einer erkennbaren gemeinschaftlichen Offensivstrategie ausschließlich auf die Ideen von Tamas Hajnal zu setzen, die bestimmt irgendwann wieder einmal kommen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Timo Gebhart Hajnals Position momentan wesentlich schlechter ausfüllen würde. Andererseits täte Gebhart auch über außen gut, wenn er denn fit ist, was ich zugegebenermaßen nicht seriös beurteilen kann. Das Spiel des VfB braucht mehr Tempo. Da ist es mir auch recht egal, ob auf dem Rasen 30 Grad Celsius herrschen oder nicht. Tempo über außen, Tempo auch in der Mitte, speziell dort gerne auch mit etwas Präzision und gelegentlichen Kreativitätsschüben angereichert. Es ist bezeichnend, dass Fredi Bobic ein wenig weinerlich wirkte, als er feststellte, dass es die Heimmannschaft dem VfB überlassen habe, das Spiel zu machen. Wo der das doch nicht kann.

An eine nennenswerte Offensivaktion von Cristian Molinaro kann ich mich nicht erinnern, was zum einen mit dem nach wie vor verbesserungswürdigen Zusammenspiel mit Okazaki, zum anderen wohl auch mit dem starken Patrick Ebert zu tun gehabt haben dürfte. Stefano Celozzi machte seine Sache meines Erachtend überraschend ordentlich. Fredi Bobic begründete seine Auswechslung hernach mit einer Verletzung, anderswo hörte ich diese Begründung nicht. Falls dem nicht so sein sollte, dürfte klar sein, dass Labbadia nicht mehr auf Celozzi zählt, nachdem er ihn gar durch Linksverteidiger Boka ersetzt hat. Dann möge man aber bitte auch die Konsequenzen ziehen und Andreas Hinkel verpflichten, oder sonst jemanden, der den Anforderungen genügt.

Und dann war da noch Serdar Tasci, der dem Vernehmen nach auf den Unterschied im Umgangston beim Männerfußball einerseits und Frauensport andererseits hingewiesen hat. Leider kursieren unterschiedliche vermeintlich oder auch tatsächlich wörtliche Zitate, und einen Mitschnitt habe ich noch nicht gefunden. Ob ich mich ein wenig empören will, hängt von eben diesem Wortlaut ab. Bisher neige ich nicht dazu, auch wenn der Vergleich bestimmt nicht sonderlich clever war. Anlass war ein kleiner Disput mit Sven Ulreich nach dem Spiel, den ich im Fernsehen gesehen und bei dem ich mich darüber gefreut hatte, dass Sky ihn nicht zum Gegenstand der Berichterstattung nach Spielschluss machte. War aber wohl etwas vermessen, darauf zu hoffen, dass so etwas einfach unter „zwei unzufriedene Mannschaftskameraden sagen sich nach dem Spiel kurz die Meinung, das gehört dazu“ abgelegt würde, fällt schließlich in die Kernkompetenz des aktuellen Sportstudios.

Um doch noch einen Sieg des VfB zu erleben, sah ich mir am Samstag im Schlienz das Bundesligaspiel der U19 gegen Mainz an, das zuletzt die Frankfurter Eintracht mit 8:0 vom Platz gefegt hatte. Der VfB-Nachwuchs war speziell in der ersten Hälfte die stärkere Mannschaft und agierte mit hohem Tempo über die Außen sowie mit einer dominanten Zentrale, also wie man es sich auch bei den Großen in höherem Maß wünschen würde. Wenn also im November Tayfun Korkut… Rani Khedira und Lukas Kiefer hatten das Spiel in der Mitte im Griff, hinten erinnerte Robin Yalcin einmal mehr (im positiven Sinne) an Serdar Tasci, Torhüter Odisseas Vlachodimos wirkte präsent und selbstbewusst, und vorne traf man, nun ja, eben auch über Standardsituationen, für die der agile Ndriqim Halili verantwortlich zeichnete. In der zweiten Hälfte war Mainz, das auch zuvor schon ansehnlich gespielt hatte, etwas zielstrebiger, speziell Lucas Röser, und schuf kurzzeitig noch einmal ein wenig Spannung, doch letztlich gewann der VfB mit 3:1. Ob außer mir und meinen Begleitern weitere Zuschauer zugegen waren, die weder Spielerberater noch Scouts noch Eltern sind, weiß ich nicht.

Vom abendlichen Bundesligaspitzenspiel blieb mir – neben den Schiedsrichterdiskussionen, die andernorts zur Genüge geführt werden, und den großartigen Torhüterleistungen – letztlich in erster Linie Jürgen Klopps Frisur in Erinnerung. Sie erinnerte allzu sehr an die von Patrick Ebert.

Die Bundesliga hat mich wieder. Das ist ihr egal, ich weiß.
Aber ich hab sie wieder. Schön.
Länderspielpause, pah.

Meine 18 bis Katar

Wer hier gelegentlich mitliest, weiß möglicherweise, dass ich nicht allzuviel davon halte, wenn jemand meint, die „bessere Mannschaft habe verloren“. Wer mehr Tore erzielt hat, darf bei einer Sportart, deren Ziel darin besteht, genau dies zu tun, in meinen Augen immer als die bessere Mannschaft gelten, eben weil sie dem Ziel des Spiels in höherem Maß gerecht wurde. Kann man drüber diskutieren, ich weiß.

Noch viel weniger halte ich von Begriffen wie „Zufallsmeister“, oder davon, dass eine Mannschaft unverdient in der Bundesliga sei, dort vielleicht gar nicht hingehöre. Wer sich sportlich qualifiziert, gehört dort auch hin. Ohne Wenn und Aber. Nein, nicht ohne Wenn und Aber. Natürlich muss er auch nach den Regeln gespielt haben, darf also keinen Lizenzbetrug oder andere Tricksereien begangen haben.

Und doch, das gebe ich zu, ist da dieser Fußballromantiker in mir. Dem Eintracht Braunschweig deutlich näher steht als die TSG Hoffenheim. Der die 60er gerne wieder oben sähe. Der sich den SV Meppen zurück in die 2. Liga wünscht. Der den 1. FC Magdeburg nicht in der vierten Liga sehen möchte.

Gerade in diesen Wochen des Abstiegskampfes auf allen Ebenen hört man nicht selten die geschichtsbewussten Präferenzen der Fans heraus, wenn sie ihre Wünsche für die kommende Saison formulieren. Der Trainer möchte Wolfsburg nicht mehr oben haben, der Stadtneurotiker zudem auf den VfB verzichten. Jon Dahl, der hier regelmäßig kommentiert, dürfte neben Wolfsburg auch Hoffenheim sowie vermutlich Schalke den Abstieg wünschen, und manch einer beschwört vielleicht die Tradition von Duisburg herauf, die jene von Leverkusen weit in den Schatten stelle. Oder so.

Wenn ich nun einmal für ein paar Minuten unterstelle, das Leben wäre ein Wunschkonzert, und ich könnte mir eine erste Bundesliga nach völlig willkürlichen tendenziell nostalgischen Kriterien zusammenstellen. Oder müsste es sogar, ohne Abstieg, closed shop, festgeschrieben auf 11 Jahre (also bis Katar, weil danach die Fußballwelt ja ohnehin eine ganz andere ist). Wenn ich weiter unterstelle, dass alle Vereine mit sportlich wie finanziell vergleichbaren Voraussetzungen in diese Phase gingen, wenn also beispielsweise Blau-Weiß 90 Berlin nicht von vornherein nur Kanonenfutter für die Bayern und viele andere wäre, dann könnte meine Bundesliga so aussehen:

VfB
Gerade in diesen Wochen wäre es mir besonders wichtig, die Erstklassigkeit auf Dauer zu sichern, gegebenenfalls auch mit einer Lex MV. Zumal man schon diese schönen Schals hat drucken lassen…

Bremen
Äh, irgendwie wird grad die obige Argumentation konterkariert. Egal. Völler. Bratseth. Kutzop. Rufer. Nora Tschirner. Lauter schöne Erinnerungen. Und Frings wird ja auch nicht mehr so lange…

Duisburg
Meiderich. Zebras. Allein schon von den Namen her kann da keiner mithalten. Dann noch Michael Tönnies, 5 Tore gegen den Kahn’schen KSC. Und das Zebrastreifenblog soll erstklassig werden. [Edit: ist es natürlich längst.]

Schalke
War mir nur selten so richtig sympathisch. Spielte aber schon bei Elf Freunde müßt Ihr sein eine tragende Rolle. Der Trikotfarbe wegen. Vielleicht wirklich ein Mythos, wenn ich bloß das Wort besser leiden könnte.

HSV
Ernst Happel. Kevin Keegan. Juve 83, Juve 2000. Und ja, das Wappen hat was. Dino natürlich. Nur die Namenswechsel sind mir ein Dorn im Auge. Ich bleib dann doch beim traditionellen AOL-Arena.

BVB
Das Stadion. Zur Meisterschaft 95 war ich vor Ort und ging wegen eines Mädels nicht ins Stadion. Mannmannmann. Wolfgang Feiersinger. Ich sehe Typen in Nadelstreifen. Kevin Großkreutz.

Leverkusen
Nahezu zeitgleich mit mir in die Bundesliga ein- und danach nie mehr abgestiegen. Europapokal 1988 und 2002. Spielte im 10-Jahres-Vergleich den aus meiner Sicht attraktivsten Fußball. Traditionsverein.

Bochum
Unabsteigbar war ein wunderbares Wort. Gerland. Tenhagen. Woelk. Lameck. Wosz. Edu. Frank Schulz‘ Haarpracht. Faber.

Bayern
Rekordmeister. Abteilung Attacke. Rummenigge (als Spieler). Kobra Wegmann 1988. Roland Wohlfarth. Mic und Mac. Pfaff gegen Saloniki. Pfaff gegen Reinders. Aushängeschild.

Düsseldorf
„Fortuna“ gefällt mir. Die Allofs-Brüder. Hans Krankl 1979. Mein erstes bewusst erlebtes DFB-Pokalfinale 1979: Seel. Pattex. Gerd Zewe. Gefühlt fanden alle Länderspiele der 70er und 80er im Rheinstadion statt.

Braunschweig
Günther Mast. Trikotwerbung. Ronnie Worm, ein früher Lieblingsname. Breitner in der Provinz. Merkhoffer. Franke. Gelb-blau fand ich schick.

Gladbach
Allan Simonsen. Mein erstes TV-Europapokalerlebnis: Gladbach gegen Clemence. Tiger Effenberg. Dahlin und Herrlich. Bökelberg.

Köln
Mochte ich nur in Etappen (ansatzweise), aber sie gehören dazu. Für das Double 78 war ich etwas zu spät dran. Latteks blauer Pullover. Die Krankenhaus-PK.

1860
Die Derbies. Riedl. Wildmoser. Lorant. Pacult (als Spieler). 38000 in der Oberliga. Wenzel Halama, auch ein Lieblingsname. Rudi Völler gegen Düsseldorf. Und vom Hörensagen immer wieder Brunnenmeier.

Rostock
Wichtig für die gesamte Region. Ach was, für den ganzen Osten. Da hängen Existenzen dran.  Erster Tabellenführer 1991/92. Mit Florian Weichert. Am letzten Spieltag Frankfurt geschlagen. Beinlich.

Freiburg
Die hatten 1980 ein Jubiläumsspiel bei meinem Heimatverein. Ich hab noch Autogramme, u.a.  von Wienhold und Löw. Markus Löw. Die großen drei: Golz, Schopenhauer, Finke. Der Kanzler. Decheiver und Cardoso. Dutt.

Nürnberg
Zabo. Hab ich als Kind irgendwo gelesen. Udo Klug. Kargus, Lottermann, Weyerich, Höher, Schmelzer. Aro. Hansi Dorfner. Thomas Brunner. Mintal. Gerland, Sané und Eckstein in Rom.

Kaiserslautern
1998. Ratinho. Kokolores. Betzenberg. 7:4. Toppmöller. Hany Ramzys Verletzung. Wackelkandidat.

Ja, da gibt es Härtefälle. Die Frankfurter Eintracht, zum Beispiel, mit der ich trotz phasenweise großer Bewunderung nie richtig warm wurde. Détári war phänomenal, Bein und Yeboah auch. Zu Bernd Schneiders Zeiten wohnte ich sogar in Frankfurt und ging dennoch nie ins Stadion. Sankt Pauli mag ich, und doch sind sie in meiner Wahrnehmung stärker in der zweiten Liga verankert. Mag am gut gepflegten Underdog-Image liegen. Hertha war nie so mein Verein. Kliemann und Sziedat waren mir als Kind unsympathisch, keine Ahnung wieso, Beer war ok. Vielleicht hatte es ja auch damit zu tun, dass Heini, Matze und die anderen nicht für Sobeks Hertha waren, sondern für die Störche. Hoffenheim hätte ich bis zur Gustavoposse vermutlich Kaiserslautern vorgezogen, weil mir die Arbeit von Dietmar Hopp tatsächlich imponiert. Selbst die von Ralf Rangnick, auch wenn ich ihn nicht mag. Wolfsburg ist seit fast 15 Jahren ununterbrochen in der Bundesliga, hat in jeder Hinsicht vieles probiert, manches ist (vorzüglich) gelungen. Scheitert aber wie Hannover, der niedersächsischen Quote wegen, an Braunschweig. Mainz, klar – beliebt und attraktiv. Bei mir auch, und selbst Andersens Entlassung war alles andere als naiv. Bauchentscheidung. Bielefeld existiert. Das reicht aber nicht, trotz Lienens Oberschenkel und Ali Daei. Union Berlin, der Stadionumbau, all das ist mir sehr sympathisch. Und in der zweiten Liga gut angesiedelt, finde ich. Lok Leipzig klingt unglaublich gut, die Stadt mag ich sehr, meine Neugierde gegenüber dem Konzept Red Bull ist zwar groß, aber dann doch nicht ausreichend. Wenn sich der KFC wieder in Bayer Uerdingen umbenennt, hat er eine Chance. Wegen der 80er. Der KSC hat sich’s bei mir mit dem 0:5 gegen Brøndby versaut. Zwar könnte ich noch eine Weile weitermachen; Härtefälle im engeren Sinn sind Waldhof, Dresden, Unterhaching, Darmstadt und all die anderen wohl eher nicht. Außer Cottbus.

Willkürlich? Ja. Inkonsequent? Ja. Widersprüchlich? Vielleicht. Ungerecht? Ganz bestimmt.

Mach’s anders!

Drucksituationen

„Für weitere Systemanalysen verweise ich jetzt einfach mal auf heinzkamke, der sich mit Sicherheit in den nächsten Tagen detailliert zur Lage des VfB äussern wird. (Subtil den Druck erhöhen… =))“

So steht’s im Brustring, und wenn ich ehrlich bin, muss ich mir eingestehen, dass ich diesem Druck, so subtil er auch sein mag, nicht gewachsen bin. Nicht gewachsen sein kann, da ich schlichtweg nur sehr wenig vom Sieg des VfB in Berlin gesehen habe. Und es wird ja wohl niemand ernsthaft glauben, dass ich mich für die geforderte Systemanalyse auf Informationen aus dritter Hand stützen würde.

So bleibt mir nur festzustellen, dass der VfB dem Druck, im Gegensatz zu mir, stand hielt. Sowohl dem psychischen als auch dem der Hertha. Wohingegen der Schiedsrichter wohl nicht druckresistent genug war. Womit ich nicht sagen will, dass der VfB Druck auf ihn ausgeübt habe, auch wenn das Deutsche und Fußballdeutsche bekanntlich gerne mal tun. Ob der Spätzle-unterwanderte DFB Druck auf den Schiri ausgeübt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Ausschließen kann man sowas freilich nie. Vielleicht war es auch einfach nur der ganz normale Saisonendphasendruck, der das niedersächsische Gespann Weiner/Frank zu Fehlentscheidungen verleitete. Ging Herrn Preetz ja auch nicht anders. Im Gegensatz zu Michael Kempter, der auf Druck von Doc Z den nach eigenen Angaben brutalen Druck bei seinem Comeback souverän meisterte.

Ziemlich druckerprobt zeigten sich zu meinem Bedauern – und ich gebe zu, ein wenig zu meiner Überraschung – auch die Herren aus Hamburg und Wolfsburg, während man in Frankfurt und Gelsenkirchen nur leidlich druckresistent war. Wäre Toni Kroos dem Druck des Schützen im Angesicht des Torwarts gewachsen gewesen, hätten die Bayern von ihrem Vorturner Arjen Robben wohl noch mehr Druck bekommen; so aber dürften sie weiterhin davon ausgehen, keine Vizemeistertrikots drucken lassen zu müssen dürfen.

Kräftigem Druck waren und sind die Hoffenheimer Millionäre aus allen Richtungen ausgesetzt. Was mag geschehen, wenn sie realisieren, dass sie auch noch absteigen können? Und wieso hab ich das noch nirgends gelesen? Frank Baumann könnte denen Geschichten erzählen. Vom Druck vor dem Tor, zum Beispiel.

Zurück zum Druck der Hoffenheimer Fans. Deren Millionärsschelte landauf, landab für Belustigung sorgte. Vermutlich fanden’s die Spiel gar nicht so lustig. Fans können nämlich gnadenlos sein, wie wir kürzlich unter der netten Überschrift „Deisler-Arzt Dr. Nickel über DRUCK“ bei den 11Freunden erfahren konnten. Nun will ich nicht so weit gehen, die Sonntagsausgabe der Stuttgarter Zeitungen, „Sonntag aktuell“, als gnadenlos zu bezeichnen. Aber so richtig schön finde ich es auch nicht, dass man es beim Relaunch im Januar 2010 für eine gute Idee hielt, wöchentlich die Flop-Elf des Tages zu küren, nach welchen Kriterien auch immer:

Wobei ich einräume, dass „Sonntag aktuell“ nur bedingt in der Lage sein dürfte, damit Druck auf die Spieler auszuüben.

Wie dem auch immer sei: der Druck wird zum Saisonende hin nur in den wenigsten Fällen nachlassen. In Mainz und Gladbach vielleicht ein wenig eher als woanders, möglicherweise auch in Frankfurt, mit etwas Glück in Köln und Hoffenheim. Aber selbst die Bremer, von denen ich bis zum Wochenende glaubte, sie könnten sich in den verbleibenden Spielen Körperteile ihrer Wahl schaukeln, dürfen nun wieder Gas geben und spekulieren. Wobei mich persönlich natürlich in besonderem Maße der Kampf um Platz 6 interessiert, den ich, wie die geneigte Leserin weiß, vor Wochen schon aufgegeben hatte. Mittlerweile bin ich sehr guter Dinge, dass der VfB den HSV noch  überholt; Wolfsburg mit seinem künftigen Weltfußballer macht mir da deutlich mehr Sorgen.

Letztlich halte ich es aber mit Christian Gross, der am Sonntag in einem souverän geführten „Intervier“ mit Valeska Homburg Klartext redete:

„Wenn wir 12 holen, dann schaffen wir es“
(ca. 13:50)

Nicht ganz so deutlich äußerte er sich zur Zukunft einzelner Spieler beim VfB; es würde mich, auch auf Basis dieses Interviews, allerdings überraschen, wenn Roberto Hilbert nächste Saison noch beim VfB und Sven Ulreich dessen Stammtorwart wäre (ab ca. 6:00). Wobei ich eine solche Entscheidung in Sachen Ulreich leichter nachvollziehen könnte als bei Hilbert. Aber auch hier werde ich versuchen, mir das zu Herzen zu nehmen, was Gross einem Zuschauer mit auf den Weg gab, der wissen wollte, ob er sich wegen des nächstjährigen Kaders Sorgen machen müsse:

„Er soll sich Gedanken machen, aber ’ne gewisse Gelassenheit ausstrahlen.“ (ca. 8:20)