Rote Bullen, detailliert gecovert

Es gibt gute Gründe, die 11Freunde zu mögen. Vermutlich gibt es gute Gründe, sie nicht zu mögen. Ganz bestimmt gibt es Gründe dafür, dass ich in den letzten Monaten eine Reihe der Hefte eher rudimentär gelesen habe, und ich will damit nicht einmal einen Qualitätsverlust andeuten, sondern lediglich den Umstand, dass sich Prioritäten phasenweise, manchmal auch dauerhaft, verschieben können.

Mein aktueller Grund, die 11Freunde ganz besonders zu mögen, ist – nicht zum ersten Mal – ein Cover. Ja, es hat schon wieder einen Bayern-Bezug, stimmt, aber damit kann ich umgehen, gerade beim Quasi-Saison-Sonderheft, wo ich dem Meister der Vorrunde durchaus ein naturgegeben erscheinendes Vorrecht zugestehen würde. Was mir, neben den „Bullen“ auf der Beifahrertür, vor allem gefällt, ist die implizite Aufforderung an mich, endlich wieder Breaking Bad zu schauen:

11freunde_sonderheft2013

Daneben verblassen gewiss alle anderen Gründe; einen möchte ich gleichwohl noch nennen: das BloggerInnen-Sonderheft. Ebenfalls zum wiederholten Male. Einfach weil ich mich freue, dass da einige Onlinemenschen auch mal gedruckt zu Wort kommen, die ich sehr gerne im Netz lese, oder vielleicht auch bisher nicht gelesen habe, die mich nun aber neugierig gemacht haben, vermutlich auch einige, die ich auch weiterhin nicht lesen werde (phasenweise oder dauerhafte Prioritäten, Sie wissen schon). An dieser Stelle wäre eine Diskussion darüber denkbar, was man von der Formulierung „jemanden lesen“ halten mag oder auch soll.

In aller vorgeschobenen Bescheidenheit und nicht gänzlich frei von Narzissmus weise ich an dieser Stelle etwas verschämt darauf hin, dass auch ich selbst ein paar Sätze zu diesem Heftchen beitragen durfte. Und weil Redaktionen nun mal so funktionieren, wie sie funktionieren, sind einige meiner Einschätzungen zur Bundesliga im Allgemeinen und zum VfB im Besonderen der Schere zum Opfer gefallen oder ein wenig optimiert worden, was dann ja im Einzelfall auch den Zungenschlag ein wenig verändern mag.

Hier meine komplette Rohversion:

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Die neue Saison wird legendär, weil:
… wir, wie immer, gar nichts anderes akzeptieren würden.

Wenn ich an die vergangene Saison denke, dann…
…stelle ich fest, dass sich eine Grundwahrheit des Fußballs wieder einmal bestätigt hat: die Tabelle lügt nicht. „Gleichwohl“, so murmle ich vor mich hin, „scheint sie dem in Stuttgart gespielten Fußball ein bisschen zu schmeicheln. B-Noten-Absteiger!“

Wenn ich einen durchgeknallten russischen Milliardär kennenlerne, kaufe ich meinem Klub …
… in all meiner Naivität noch immer ab, dass er sich nicht mit durchgeknallten russischen Milliardären einlassen wird.

Mein schlimmster Albtraum:
Gerd E. Mäuser fährt, huldvoll winkend, auf einem kroatischen Powerboot in das Neckarstadion ein. Das willfährige Volk erhebt sich ehrerbietig. Mäuser streicht sich zufrieden über den Schnurrbart und singt: „I did it the Stuttgart way.“

Mein Held vergangener Jahre:
Gerhard Mayer-Vorfelder. Manfred Haas. Erwin Staudt. Merkt man ja häufig erst hinterher.

Die lustigste Fan-Aktion der vergangenen Saison war…
…der gleichermaßen lustig wie würdevoll inszenierte Striptease zahlreicher Fußballfans in eigens vorbereiteten Zelten. Wenn es nicht so absurd gewesen wäre, hätte man es fast für echt halten können.

Auf Auswärtsfahrten darf niemals fehlen…
Tacker. Locher. Rechtsbeistand.

Ich gehe nie wieder ins Stadion, wenn…
…es irgendwann Arena heißt und einen Sponsorennamen trägt. Oder so.

Mit einer Klatschpappe kann man prima….
… über den lustigen Fächer reden, den sie (oder er) vergnügt in der Hand umherwirbelt.

Mein Verein muss an den DFB Strafe zahlen, weil wir im Stadion…
… gemeinsam mit Martin Harnik lautstark den Konsum von Alkoholika propagieren. Die Zahlung erfolgt allerdings sachgerecht an die Uefa.

Unser aktuelles Trikot ist…
…ein kleines bisschen anders. Was nicht allen zusagt. Mir schon.

Wenn Pep Guardiola im nächsten Jahr nicht mindestens vier Titel holt, dann…
… sollte man Bruno Labbadia eine Chance geben. Die hätte er verdient.

Auf diese Schlagzeile warte ich schon seit Jahren…
„Rückblende: Als Homosexualität im Fußball noch ein Aufreger war“

Diesen Fußball-Twitteraccount habe ich immer im Auge…
Transfermarkt. Immer wieder schön, wenn ein mir völlig unbekannter Name in acht verschiedenen Gerüchten auftaucht.

Der nächste Pokal im Trophäenschrank meines Klubs ist…
… der Mercedes-Benz Junior Cup. Und selbst da liegt der letzte Sieg sechs Jahre zurück. Aber vielleicht wird Harnik ja Weltmeister.

Fußball gucke ich am liebsten…
Punkt. Und zwar auf dem Sportplatz. Mit oder ohne Tribüne. Auf Rasen oder Asche. Bambini oder alte Herren. U19-Junioren oder Frauen. Fußball halt.

Die Erste Liga verlässt nach unten…
Herr Gagelmann. Manchmal muss man (hier: ich) zu seinen völlig subjektiven und willkürlichen Überzeugungen stehen. Irgendwann behalte ich recht. Und wenn’s nur altershalber ist. Den Grund habe ich übrigens längst vergessen.

 

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In den vergangenen Jahren hatten die beteiligten Blogger jeweils die Gelegenheit, drei Sonderhefte an ihre Leser zu verschenken. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob dem heuer auch so ist. Ich tu jetzt einfach mal so. Im Zweifel muss ich die Suppe dann halt selbst auslöffeln. Beziehungsweise diejenigen, die an Stelle eines Heftes dann (und nur dann!) halt ein VfB-Schweißband bekommen, oder was ich sonst halt so finde.

Es gibt da allerdings einen Pferdefuß: all diejenigen, die bis hierher gelesen haben und ganz leise bei sich dachten: „Puh, sieht gut aus. Der Text ist fast durch und ich musste immer noch keine in Form gepressten Limerickverschnitte lesen“, die muss ich enttäuschen. Die Verse kommen noch. Ansonsten kommt aber im Grunde nichts mehr. Wer also möchte, kann sich an dieser Stelle ohne Informationsverlust ausklinken.

Wer indes ein Heft ein Schweißband Ruhm und Ehre vielleicht irgendwas gewinnen will, muss da jetzt durch: drei Fünfzeiler, jeder beschreibt eine mehr oder minder bekannte Spielsituation aus der mehr oder minder weit entfernten Vergangenheit, und jeder ist für ein(e) Dings gut.

Ich darf also um Auflösung in den Kommentaren bitten, und zwar nur um je eine hinreichend konkrete Antwort pro Teilnehmer/-in. „Hinreichend konkret“ beinhaltet nicht zwingend ein exaktes Datum, wohl aber eine aussagekräftige Benennung der Situation, die Verwendung von Spielernamen und Mannschaften, Sie wissen schon.

Wer die Antworten ergoogelt, erbingt oder Telefonjoker zu Rate zieht, ist ein erbärmlicher Wicht. Oder eine ebensolche Wichtin.

Szene 1:
Erst sehn wir McAllister blassen,
dann Anderton königlich passen.
Colin Hendry wirkt tapsig,
der Jubel, hm, flapsig:
im Zahnarztstuhl hebt man die Tassen!

[Lösung. Von McAllister bis zum Zahnarztstuhl.]

Szene 2:
Die ältere Dame: erstaunt.
Das Publikum: unwirsch, es raunt.
Denn der Hüter hält alles.
Bis zum Fall eines Balles –
ein Exkusener: bestens gelaunt.

[Lösung. Nein, ich mag die Tonalität auch nicht.]

Szene 3:
Ein Mann mit elastischen Beinen
ließ Tifosi (dahoam!) bitter weinen.
Deren Stürmer: verwirrt.
Dessen Elfer: verirrt.
“Spaghetti legs!” jauchzten die Seinen.

[Lösung. Vgl. das schönere Video in den Kommentaren.]

Neu aufgelegt

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.

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Stand hier schon mal, ne? Ist schon ein paar Tage her, ich weiß gar nicht genau, wie lange. Müssten ein paar Monate sein, vielleicht auch fast ein Jahr. Moment, ich schau mal nach, es ist ziemlich … äh, kann das sein … ja, doch: ganz genau ein Jahr.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Aktion Libero!

Drüben durfte ich ein paar lose Gedanken zu diesem einen Jahr aufschreiben:

»Ein Jahr (Es geht voran)«.

Die Tasci-Kehre und anderer Unfug

Ungeachtet der Informationsebbe der letzten Wochen hat sich die Welt weitergedreht, auch in Cannstatt. Allzu viel habe ich nicht mitbekommen. Sicher, ich weiß, dass man die Mainzer nicht mehr mögen darf, nachdem sie sich in der Ansetzungsposse für den ersten Spieltag nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben, und ich weiß auch, dass die jungen Wilden am Samstag Anschauungsunterricht bei den noch jüngeren Wilden von der U19 nehmen durften, während die alten gar nicht so Zahmen in Falkendings gewannen. History repeating, ist man geneigt zu sagen, und da passt dann auch ins Bild, dass Fredi Bobic bei der Mitgliederversammlung (interessante Erfahrung, direkt im Stadion, auch wenn ich zeitig wieder aufbrechen musste) vom „Erwachsenenfußball“ sprach, der – sinngemäß – höhere Ansprüche stelle als der Juniorenfußball.

Nun glaube ich, mich zu denjenigen zählen zu dürfen, die bereits in den vergangenen Jahre regelmäßig Kritik an den geringen Einsatzzeiten junger Spieler übten, namentlich im Vorjahr insbesondere bei Holzhauser, dem nicht mehr ganz so jungen Gebhart und, kurzzeitig, ehe die Sache anders gelöst wurde, Bernd Leno, und ich zähle ganz gewiss zu denjenigen, die sich sehr darüber ärgern, dass man den Nachwuchs beim Pokalspiel komplett zuhause ließ. Die Aufregung über den Erwachsenenfußball kann ich gleichwohl nicht nachvollziehen, zumindest nicht mit Blick auf die Mitgliederversammlung, wo Fredi Bobic auf mich den Eindruck machte, nach einem passenden Wort zu ringen, um seinen Satz über die nicht ganz trivialen Anforderungen des, äh, wie soll ich denn nun sagen, Seniorenfußballs zu Ende zu bringen. Ich bin sofort dabei, wenn es darum geht, die Situation der jungen Spieler beim VfB zu kritisieren; die hämische Verwendung eines böswillig zu interpretierenden Begriffes ist mir indes unangenehm.

Egal. Nach dem Aufgalopp in Brandenburg geht es nun richtig los. Der Kevin ist in der Stadt und sorgt unter freundlicher Mithilfe von Presse, Funk und Fernsehen dafür, dass es auch jeder mitbekommt. Sei ihm gegönnt. Und am Samstag beginnt die Bundesliga. Zur Champions-League-Uhrzeit, wenn das nichts ist.

In der Sommerpause hatte ich das Vergnügen, mich aushäusig ein bisschen mit dem VfB zu beschäftigen bzw. meine Ansichten kund zu tun. Einerseits zum Verein und seinen Aussichten für die kommende Saison, andererseits mit seinem Kapitän und dessen tödlichem Pass. Oder so ähnlich – im aktuellen Heft des Magazins zur näheren Betrachtung des Fußballspiels („Der tödliche Pass„) darf ich mich relativ ausführlich über Serdar Tasci und ganz konkret die nach ihm benannten Tasci-Kehre auslassen:

„„Nahezu gleichauf sprinteten ein Stürmer und ein Abwehrspieler zum Ball. Dem Verteidiger gelang es, den Angreifer ein wenig nach außen abzudrängen, um sich dann im Hüftumdrehen durch eine formvollendete Tasci-Kehre ein paar Meter Platz zu verschaffen und sich dem eigenen Spielaufbau zu widmen.“

So könnte das dereinst klingen, wenn Serdar Tasci nicht einfach nur Serdar Tasci wäre, sondern einer der ganz Großen des Weltfußballs, dem eine vielleicht nicht exklusiv, zumindest aber besonders häufig und außergewöhnlich behände ausgeführte Aktion zum Markenzeichen wird.

…“

Weiterlesen müsste man im Heft, und irgendwann werde ich mein Beschreibung des Tasci’schen Alleinstellungsmerkmals wohl auch hier veröffentlichen.

Daneben baten mich die 11 Freunde, ein paar Einschätzungen zur bevorstehenden Bundesligasaison unter besonderer Betrachtung des VfB abzugeben, was ich gerne tat. Nebenbei erwähnt: „grand heft liga“ halte ich für einen großartigen Titel. Ob das so ist, weil oder obwohl ich das Spiel nicht kenne, weiß ich nicht.

Naturgemäß fielen einige Antworten dem Rotstift zum Opfer, was mir einen Grund gibt, sie hier noch einmal in epischer Breite aufzuführen:

Die neue Saison wird legendär, weil:
wir wie immer dafür Sorge tragen werden, dass sich die Prophezeiung selbst erfüllt.

Alesia? Ich kenne kein Alesia! Die alte Saison habe ich schon vergessen weil:
… ich in aller Demut beschlossen habe, dass es mir in der neuen Saison egal ist, wo der VfB herkommt. Nehmen Sie dies, Herr Labbadia!

Drei Wünsche frei für die nächste Saison? Hier sind sie:

1. Ein Bundesligaspieler spricht öffentlich über seine Homosexualität.
2. 25 weitere schließen sich fürs Erste an.
3. Mindestens 300 andere Spieler sagen: „Na und?“

Huaaah! Mein größter Albtraum:
Da mittlerweile niemand mehr Christoph Daum als ernsthaften Kandidaten für einen Trainerposten betrachtet, bin ich im Schlaf ziemlich entspannt.

Mein Lieblingsspieler im aktuellen Team ist: 
Martin Harnik. Läuft, trifft und kann sprechen.

Mein Held vergangener Jahre:
Zvonimir Soldo. Lief langsam, traf selten, sprach nur das Nötigste.

Lustigster Fangesang der letzten Saison war:
Alles mit Europapokal. Und am Ende auch noch wahr.

Nie wieder! Was müsste passieren, damit Du nicht mehr ins Stadion gehst?
Wenn die Spieler Schulter- und sonstige Polster trügen, der Ball mit Händen und Schlägern gespielt werden dürfte, das Spiel in vier Viertel mit Nettospielzeit aufgeteilt und Franz Beckenbauer nicht mehr zum Interview gebeten würde, käme ich wohl ins Grübeln.

Auf dieses Auswärtsspiel freue ich mich besonders, weil:
Das der VfB-Amateure bei den endlich wieder drittklassigen Kickers. Steht der Stadt gut zu Gesicht. Hoffe ich.

Unser aktuelles Trikot ist…
… um einen Stern reicher. Schön.

Wenn Kathrin Müller-Hohenstein und Olli Kahn im nächsten Jahr auch die Champions League moderieren, dann…
hätten wir genügend Zeit, auch die verborgenen Schönheiten von Usedom kennenzulernen. Wenn wir nicht die Zum-Anpfiff-Einschaltetechnik weiter verfeinerten.

Wonti, ich komme! Hier ist meine beinharte These für den nächsten Doppelpass:
Der Busfahrer des FC Bayern München hat Schnupfen.

Im Stadion brauche ich nur Wurst, Bier und…
eine Bezahlkarte. Mist, fehlt. Also doch nur Fußball.

Meinem Klub fehlt …
ein Stuttgarter-Weg-Leitsystem.

Diesen Fußball-Twitteraccount habe ich immer im Auge:
Das ist billig. Bei „im Auge“ muss es ja auf den Baade rauslaufen.

Wer verpflichtet in der Winterpause Otto Rehhagel?
Guido Knopp. Um ihn als Nachfolger aufzubauen.

Und wer Rolf Schafstall?
Schwer zu sagen. Aber man hört mitunter, im Osten der Republik genieße er besonders hohe Anerkennung.

Wer klagt sich nach dem Relegationsspiel durch alle Instanzen?
Wie immer: Wolfgang Stark

Die Erste Liga verlässt nach unten…
Augsburg. Gagelmann. Düsseldorf.

Und weil sie grade dabei waren, ein neues Heft zu erstellen, frugen sie auch gleich noch nach Informationen über besonder gute, skurrile oder sonstwie auffällige Ausländer der Vereinsgeschichte. Wenn man das Heft liest, lässt sich erahnen, dass der eine oder andere Gedanke Eingang fand:

Der VfB hatte einige Phasen, in denen er auf dem internationalen Transfermarkt besonders glücklich agierte. Namen wie Sasa Marković oder Srgjan Zaharievski aus den späten 90ern werden hier nach wie vor ebenso voller Hochachtung ausgesprochen wie jene, die kurz nach der Jahrtausendwende die Herzen der Stuttgarter Fans eroberten – bei Namen wie Rui Marques, Centurión oder, etwas später, Carevic schnalzt der gemeine VfB-Fan noch heute mit der Zunge.

Der beste Ausländer im Trikot meines Klubs war … , weil:
Diego Maradona, 1989, nach dem Uefa-Cup-Finale. Weil er der Größte war.

Der schlechteste Ausländer im Trikot meines Klubs war
der, den sie danach in Blackburn sehr treffend mit „Inglourious Basturk“ begrüßten. Selten lagen Anspruch, Gehalt und Wirklichkeit so weit auseinander.

Der unterschätzteste Ausländer im Trikot meines Klubs war
Didi, weil:
Hey, man stelle sich vor, der hätte tatsächlich noch ein Knie gehabt. Hätte ein ganz Großer werden können.

Wir suchen außerdem den skurrilsten ausländischen Profi, der jemals das Trikot Deines Klubs getragen hat. […]
Ganz ehrlich: Anekdoten abseits des Fußballs, auf Weihnachtsfeiern oder meinetwegen auch in Besenkammern interessieren mich nicht allzu sehr.
Wenn man aber den Altvorderen glauben darf (und weshalb sollte ich das nicht tun?), war Buffy Ettmayer als Fußballspieler einer derjenigen, die großen Sport mit großer Unterhaltung zu verbinden wissen.

Und wer war der unbekannteste ausländische Profi im Trikot deines Klubs? […]
Unbekannt eher nicht, eher die Kategorie „Stippvisite“: Jon Dahl Tomasson war da, geht ja gerne mal unter. Aber Jesper Grønkjær? Das kann doch niemand ernsthaft behaupten wollen, oder? Am Ende sagt noch einer, in den letzten Jahren habe ein Weltmeister für den VfB Stuttgart gespielt, einer wie Camoranesi, zum Beispiel. Was für ein Unsinn!

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Wer das Heft und den Saisonplaner lesen möchte, kann das Paket beim Zeitschriftenhändler seines Vertrauens erwerben oder konnte es in einem der beteiligten Blogs (hoffentlich auch seines Vertrauens) gewinnen. So auch hier, wenn auch etwas verspätet. Sie wissen schon: Informationsebbe. Herzlichen Dank an 11 Freunde.

Um zu gewinnen, reicht es, eine der auf dem Titelbild abgebildeten Personen zu benennen (solange Vorrat reicht, also bis drei). Ich selbst kenne sie nicht alle, erwarte gegebenenfalls also gute Indizien. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es geht um dieses Titelbild:

(Selbstverständlich darf auch antworten, wer kein Heft möchte.)

Der Herr im grünen Trikot ist übrigens nicht Arnd Zeigler. Vielleicht bin ich ja auch der einzige, der da eine gewisse Ähnlichkeit zu erkennen glaubt.

Aktion Libero

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.

Aktion Libero

Ist das alles?

Wie jetzt, das war’s? Dafür machen die so einen Aufstand? Twittern wochenlang geheimnisumwoben, tun so, als wollten sie das Rad neu erfinden, oder erwecken zumindest den Eindruck, als hätten sie irgendwas Bahnbrechendes entwickelt, gerne was mit Social Media. Und dann lüften sie den Schleier, nicht ohne in den Tagen zuvor nochmal so richtig penetrant die Werbetrommel gerührt zu haben, und heraus kommt – was? Ein Statement gegen Homophobie im Fußball? Eine Selbstverständlichkeit also, in der fünfzigsten Auflage? Mannmannmann, die müssen Zeit haben! Ist das wirklich alles? Dafür der ganze Aufwand?

Ja, genau dafür. Weil es uns, weil es mir wichtig ist, Farbe zu bekennen. Immer wieder. Möglichst häufig, meist leise, im Kleinen. Und manchmal eben auch laut, gemeinsam mit anderen, inklusive theatralischem Auftritt und Öffentlichkeit. Es ist wichtig, Homophobie auf die Agenda zu setzen. Nicht nur, wenn gerade mal wieder ein Spielerberater Amok läuft, eine Spielerfrau als Kronzeugin auftritt oder ein Spieler die Wunder von Google entdeckt hat. Nicht nur, wenn sich die Welt über lesbenfeindliche Kommentare einer Trainerin erregt, oder gar über einen Trainer, der es für eine ausnehmend gute Idee hält, Homosexualität und Pädophilie in einen Topf zu schmeißen.

Nein, einfach so. Ich brauche keinen medienträchtigen Anlass, um mich über Homophobie im Fußball aufzuregen. Mir reicht es, wenn ich in meine Google Referrer schaue und ständig mit Suchanfragen nach dem Muster „[Spielername] schwul“ konfrontiert werde. Was hinter „[Spielername] Freundin“ steckt, sei einmal dahingestellt. Es kotzt mich an, wenn irgendwo im Block der Schiri zur Schwuchtel und der gegnerische Stürmer zur schwulen Sau gemacht wird. Von den, hihi, wissenden Hinweisen auf Frisuren, Kleidung und wasweißdennich gar nicht zu reden.

Ich brauche übrigens auch kein anonymes Interview mit einem schwulen oder auch, dann eher nicht anonym, nicht schwulen Fußballspieler, der die möglichen Folgen eines Outings skizziert, um zu wissen, dass da noch verdammt viel im Argen liegt, und ich bin ehrlich gesagt ein bisschen froh, dass niemand, mit dem ich im Rahmen der Aktion Libero zu tun hatte, auf eine medienwirksame Story mit einem schwulen Fußballspieler aus war. Auch wenn das gewiss ein Mehr an Publizität brächte.

Homophobie im Fußball, Schwulen- wie Lesbenfeindlichkeit, im Stadion wie auf den Rängen, ist ein Thema, mit dem wir uns befassen müssen. Bei dem wir nicht nur zustimmend nicken, sondern uns aktiv äußern sollten. Manchmal gibt es dafür konkrete Anlässe, zu selten, möchte man einerseits sagen, um der Sache willen, zu häufig, andererseits, weil die Anlässe in der Regel keine positiven sind. In aller Regel gibt es diese Anlässe nicht. Also müssen wir uns äußern, ohne Anlass, oder, gelegentlich, so wie an diesem 16. November, schaffen wir uns eben den Anlass selbst.

Das ist alles.