Von Phantomen und Phantomtoren

Phantomtor, klar. Thomas Helmer und so, kennt jeder. Aber wer weiß schon, dass auch Michael Preetz dereinst ein solches geschossen haben muss? Genauer: am 28. August 1991 im Homburger Waldstadion, in der damaligen 2. Bundesliga Süd.

Doch der Reihe nach: wenn man sich für die Zweitligatorschützenkönige vergangener Spielzeiten interessiert – ein gängiges Hobby, wie wir alle wissen – und verschiedene Statistiken dazu schmökert, stößt man irgendwann auf die Information, dass Michael Preetz in der Saison 1991/92 insgesagt 16 Tore erzielte. Jene Saison wurde, infolge der Eingliederung von 6 Mannschaften aus der DDR-Oberliga, nach einem etwas ungewöhnlichen Modus gespielt, aus dem im Norden Bayer Uerdingen und im Süden der 1. FC Saarbrücken als Aufsteiger hervorgingen, letztere nicht zuletzt dank der 17 Tore von Michael Preetz. 17? 17! Sagt Wikipedia, sagen die Experten von der Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation und sagt auch weltfussball.de – wo man gar noch zwischen den Torjägern der normalen Runde und der Aufstiegsrunde unterscheidet.

Sowas kann man ja nicht einfach so stehen lassen. Bundesliga.de ist wenig hilfreich und versagt bei der entsprechenden Saison, also macht man sich halt auf die Suche nach dem einen Tor, das die einen gezählt haben, die anderen nicht. Relativ rasch lässt sich herausfinden, dass weltfussball.de am 28. August 1991 in Homburg einen Treffer von Preetz gesehen haben will, wohingegen fussballdaten.de ihn nicht zu den Torschützen zählt. Sieht man genauer hin, stellt man fest, dass es sich um einen Elfmeter handelte, den gemäß Fußballdaten Jonathan Akpoborie in der 71. Minute verwandelt hat. Dann wird wohl bei den anderen Preetz als Elfmeterschütze angegeben sein, kann ja mal passieren, auch wenn sich Preetz und Akpoborie gar nicht so sehr ähneln. Die Probe aufs Exempel: tatsächlich, bei den Weltfußballern traf Preetz zum Ausgleich, und zwar, äh, in der 49. Minute und ohne Elfmeter.

Und jetzt? Könnte man sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass es letztlich für die Torschützenkönigsfrage egal ist – Preetz war vorne, sei es mit 16 Treffern, sei es mit deren 17. Aber es lässt einen ja auch nicht unbedingt wieder los. Also fragt man die Fans. Im Saarbrücker Fanportal ludwigspark.de finden sich natürlich auch Daten zum Spiel. Torschütze? Akpoborie, 71., Foulelfmeter. Warum die recht haben? Weil eine Reihe kundiger Kommentatoren vom Spiel erzählt und keiner an der Spielstatistik etwas auszusetzen hatte. Ungeklärt bleibt bis dato die Frage, was sich in jener 49. Minute ereignet hat. Möchte sich jemand in einem Zeitungsarchiv vergraben?

Wer dann Blut geleckt hat, ist zudem herzlich eingeladen, den weiteren Diskrepanzen zwischen den einzelnen Übersichten auf den Grund zu gehen, angefangen bei Volker Graul 1975 (29 oder 30?), über Horst Hrubesch 1978 (41 oder 42?) und Rekordtorschützenkönig Emanuel Günther 1980 (28 oder 29?) bis hin zu was-weiß-ich-denn-wem.

Wieso ich mich mit so etwas beschäftige? Na, wegen Nils Petersen natürlich! In einer Fußballrunde vertrat kürzlich jemand die Ansicht, dass die Bayern mit dem jungen Mann „eine der besten Investitionen der letzten Jahre“ getätigt hätten, die sich bezahlt machen würde. Möglicherweise hat er recht. Ohne allzu intensiv darüber nachzudenken, warf ich die Frage in den Raum, welche Zweitligatorschützenkönige in den vergangenen, sagen wir, 15 Jahren auch in der ersten Liga so richtig erfolgreich gewesen seien. Ich nannte selbst (man will ja seine Fragen auch beantworten) sogleich Mintal und später – wohl wissend, dass damit die 15 Jahre schon überschritten waren – auch Preetz, Völler und Burgsmüller. Andere brachten Labbadia ins Spiel, von dem wir, oder zumindest ich, fälschlicherweise glaubten, dass seine Zweitligaerfolge länger zurücklägen. Thurks Bundesligaresultate schienen überschaubar, keiner dachte an Leute wie Woronin oder Podolski, oder gar an Fritz Walter, den Torschützenkönig von 1996, die bei der anschließenden nächtlichen Statistikrunde am heimischen Rechner (Ausgangspunkt: natürlich der Trainer) sogleich ins Auge fielen.

Wobei die genannten Walter, Labbadia oder Burgsmüller, wie auch einige weitere Spieler, nur schwer mit Jungspunden wie Petersen zu vergleichen sind: sie wurden in fortgeschrittenem Alter Zweitligaschützenkönige und klopften nicht erst an das Tor nach oben an. Labbadia und Burgsmüller kehrten danach noch einmal ins Oberhaus zurück, während Fritz Walter und Lothar Emmerich nach ihren Bundesliga-Torjägerkanonen zum Schluss ihrer Laufbahn noch ein wenig die zweite Liga aufmischten (Walters noch folgende drei Bundesligaspiele lasse ich einmal unter den Tisch fallen). Auch Horst Hrubesch hatte bei seinem Zweitligarekord schon zwei Jahre erste Liga mit insgesamt knapp 40 Toren hinter sich.

Mehr als zwei Drittel der Zweitligatorschützenkönige absolvierten das Jahr darauf ganz oder teilweise in der Bundesliga, sei es nach dem von ihnen maßgeblich miterrungenen Aufstieg, oder eben nach dem häufig offensichtlich unvermeidlichen Wechsel zu einem Bundesligisten. Von jenen, die in der zweiten Liga blieben, konnten insbesondere Karl-Heinz Mödrath mit 26, Artur Wichniarek als erneuter Schützenkönig mit 20 und Radek Drulak mit 19 Treffern ihre Vorjahresergebisse bestätigen, Angelo Vier war zweimal in Folge mit jeweils 18 Treffern die Nummer 1. In der Bundesliga konnte er sich indes nicht durchsetzen, was man in ähnlicher Form wohl auch von Giovanni Federico, Francisco Copado oder VfB-Legende Leo Bunk sagen kann.

Die beeindruckendsten Bilanzen im Oberhaus können das Phantom Marek Mintal und Rudi Völler vorweisen, die sich mit 24 bzw. 23 Treffern sogleich zum Bundesligatorschützenkönig kürten, auch Phantomtorschütze Michael Preetz ist das später noch gelungen, und natürlich muss man Manfred Burgsmüller nennen, der 1985/86 zunächst in 15 Spielen für RW Oberhausen 7 Zweitligatreffer und anschließend für Werder Bremen 13 Treffer in 20 Bundesligaspielen erzielte. Mit 36. In den letzten Jahren beeindruckten noch Novakovic‘ 16 (auch er gewiss kein heuriger Hase) und Podolskis 12 Bundesligatore, die auch Wichniarek 2000 erreicht hatte.

Dieter Schatzschneider, Rekordtorschütze der zweiten Liga, reichte oben nicht annähernd an seine Quote heran, ähnliches gilt für Sven Demandt. Cedrick Makiadi war in der Tat einmal Zweitliga-Schützenkönig, gilt in der Bundesliga aber gewiss nicht als Torjäger, und die 35 Zweitligatore in der Saison 1979/80 von Christian Sackewitz, den ich in erster Linie als mäßig torgefährlichen Spieler für Bielefeld und Uerdingen in Erinnerung hatte, haben mich komplett überrascht.

Und dann muss man bei der trockenen Statistiksichtung schlucken, wenn man über Mucki Banach und den schwerkranken Michael Tönnies stolpert.

Entzaubert? Ja. Verzaubert? Eher nicht.

Entzaubert haben sie die Französinnen. Oder die Franzosen, wie Frau Müller-Hohenstein sagen würde. Louisa Necib, die mich in den ersten Spielen so begeistert hatte, wurde zur Pause ausgewechselt. Zurecht, sie war bis dahin im Grunde nicht auf dem Platz gewesen.

Verzaubert haben sie mich allerdings nicht. Geschieht mir aber auch selten mit deutschen Nationalmannschaften, geschlechtsunabhängig. Wer den Gegner erdrückt, und das ist durchaus positiv gemeint, verzaubert nicht. Die deutsche Mannschaft ließ den Französinnen speziell in der ersten Hälfte kaum Luft zum Atmen, war körperlich unheimlich präsent, laufstark, selbstbewusst, siegeswillig. Wie man sich ein deutsches Team halt vorstellt. Oder vorstellte, bis 2010.

Die Tore fielen und fallen dementsprechend durch Kopfbälle, gerne auch aus Standardsituationen. Vergleiche mit den Männern von 2002 oder dergleichen sind gleichwohl nicht passend. Begeisternde Kombinationen über mehrere Stationen, gerne so, dass sie die Sonne aufgehen lassen, waren aber eher selten. War auch nicht nötig. Wenn man den Ball weit in der gegnerischen Hälfte erobert, braucht es keine Spielzüge über 10 Stationen. Da reicht dann auch mal eine schöne Einzelleistung, ein Übersteiger, der nicht für die Galerie gedacht ist, eine Flanke und ein Kopfball. Oder ein scharf hereingezogener Freistoß. Ein schöner Querpass nach energischer Eroberung am Sechzehner. Und so weiter.

Einiges war anders als in den ersten Spielen. Zum Teil dürfte es tatsächlich daran gelegen haben, dass Frankreich das Spiel zumindest mitgestalten wollte, anders zum Beispiel als die sehr defensiven Nigerianerinnen, die der deutschen Mannschaft die Verantwortung für das Spiel komplett ließen. Eine Verantwortung, der sie aus verschiedenen Gründen nicht gerecht werden konnte. Einer dieser Gründe war der Mangel an Kreativität, wohl auch an einer gewissen Frechheit in der Offensive. Eine Qualität, für die im deutschen Team außer Fatmire Bajmaraj nicht allzu viele Spielerinnen stehen. Nun will ich ganz gewiss nicht sagen, dass Bajmaraj heute die spielentscheidende Figur gewesen sei. Zu prägend war eher die Präsenz auf dem Platz, der Eroberungswille, und zu beeindruckend war Inka Grings‘ Leistung – wann immer ein Mittelstürmer oder eben eine Mittelstürmerin nicht nur mit der Rückennummer 8 aufläuft, sondern noch dazu groß aufspielt, durchaus mit der Betonung auf „spielt“, denke ich mit viel Freude und noch mehr Nostalgie an Klaus Fischer 1982 zurück. Womit ich Birgit Prinz nicht mit Horst Hrubesch vergleichen wollte.

Doch ich war bei Bajramaj. Mir hat sie gefallen. Den missglückten Dribblings und ausgebliebenen Abspielen zum Trotz. Weil sie, nicht nur, aber eben auch und im Besonderen, im Vergleich zu Melanie Behringer eine gewisse Unberechenbarkeit in das Spiel der deutschen Mannschaft einbringt. Eine Qualität, die ich sehr schätze, vielleicht auch und gerade vor dem Hintergrund der, wie oben angeklungen, nur selten verzaubernde Wirkung entfaltenden Spielweise deutscher Nationalmannschaften, vielleicht auch deshalb, weil ich diese Unberechenbarkeit, das behende, leichtfüßige, manchmal nahezu irrwitzige Dribbling an mir selbst immer ein wenig vermisst habe. Oh, hier riecht’s nach Küchenpsychologie. Schnell weg. Nicht ohne einen kurzen Schlenker zu Ariane Hingst, über deren Einwechslung ich mich sehr gefreut habe. Ich mag sie einfach. Nein, das ist keine Liebeserklärung wie kürzlich bei Louisa Necib, nur eine Sympathiebekundung. Muss reichen. Und ist möglicherweise dauerhafter.

Öfter mal die Seite wechseln?

„Bisschen lang“ lautete die eine oder andere Rückmeldung zum ausführlichen Rückrundenvorschauer bei allesaussersport, was durchaus nachvollziehbar ist, auch wenn ich finde, dass alle Beteiligten sogar recht diszipliniert waren und nicht über die Maßen ins Plaudern gerieten. Dass der eine oder andere Punkt gleichwohl als Aufhänger für leicht abseitige Diskussionen diente, ist zumindest in einem Fall eindeutig mir zuzurechnen:

Dogfood: […] Fällt der Klub [gemeint ist Bochum] in der Tabelle nach unten, bleibt nicht viel mehr als Resignation und dann später Schuldzuweisungen die sich auch gegen das Management und Vereinsführung richten.

Heinzkamke: Und das Vertrauen in ehemalige DFB-Nachwuchstrainer würde einen weiteren Dämpfer erhalten. Vogts. Osieck. Kohler. Eilts. Gegenbeispiele?

Dogfood: Eher mehr Beispiele. Hrubesch. Bonhof. Auch in der Bundesliga gescheitert. Hannes Löhr hat sich immerhin zweieinhalb Jahre in Köln gehalten.

Kurtspaeter: Tut mir schrecklich leid, aber das Gegenbeispiel ist Udo Lattek. Ich bin dann mal weg…

[…]

Stif: Dixie Dörner nicht zu vergessen.

Heinzkamke: Lattek. Na großartig

[…]

Blavont: Gegenbeispiel DFB-Trainer: Dettmar Cramer

Man kann vermutlich darüber streiten, ob der zuletzt genannte Dettmar Cramer tatsächlich „DFB-Nachwuchstrainer“ war oder „nur“ Assistent von Helmut Schön. Zum einen kann ich mir aber vorstellen, dass die Stellenbeschreibungen in dieser Hinsicht nicht allzu exakt waren, zum anderen finde ich die Ausweitung auf „DFB-Trainer“ insofern interessant, als dadurch auch Namen wie Beckenbauer, Völler oder Klinsmann ins Spiel kommen. Wie meinen? Völler hat schon vor seinem DFB-Engagement als Bundesligatrainer gewirkt? Dann weite ich die Frage halt noch weiter aus und schaue mal nach, wer als Trainer (oder Teamchef) sowohl für den DFB als auch in der Bundesliga gearbeitet hat, unabhängig von der Reihenfolge. Und wie viele Bundesligaspiele dabei herauskamen. Oder gar Titel. Und dann mach ich was ganz Verrücktes: die DDR-Trainer bzw. ihre Tätigkeit in der Oberliga und für den DFV kommen auch noch dazu.

Tja, was soll ich sagen? Ich hatte neulich schon befürchtet, dass jemand das Gegenbeispiel Erich Ribbeck nennen würde. Hat zwar keiner getan, aber er saß mir irgendwie im Genick, und letztlich muss er manches richtig gemacht haben, sonst wäre er wohl nicht der Trainer mit den zweitmeisten Bundesligaspielen nach Otto Rehhagel. Zudem ist er wohl der Verbands- und Vereinstrainer mit den meisten Seitenwechseln. Udo Latteks Erfolgsliste ist, in Titeln gerechnet, natürlich ungleich imposanter, ähnlich ist es bei Heinz Krügel. Dietrich Weise, den ich wegen seiner Heldentaten von 1981 vor allem als Nachwuchstrainer in Erinnerung habe (was man in der Klappergass anders sehen dürfte), beeindruckt mich mit 370 Bundesligaspielen. Die beste Titelquote hat erwartungsgemäß die Lichtgestalt: 17 Spiele für 2 Trophäen. Eberhard Stange und Eduard Geyer haben in beiden Topligen trainiert, Dixie Dörner war für beide Verbände tätig.

[Größeres Bild; Sortierbare Tabelle]

Ein paar Hinweise zu den Daten:

Bestimmt fehlen einige Namen. Dies gilt nicht für Dieter Eilts, Eberhard Vogel, Uli Stielike, Manfred Zapf, Hans-Dieter Flick oder auch Jupp Derwall. Sie haben meines Wissens nicht als Cheftrainer in der Bundes- oder Oberliga gearbeitet und wurden deshalb nicht berücksichtigt.

Fehler sind dennoch wahrscheinlich. Dies liegt zum allergrößten Teil an mir, teilweise auch an den verfügbaren Daten, die hauptsächlich von fussballdaten.de sowie aus der Wikipedia und verschiedenen Fan- bzw. Vereinsseiten stammen. Über Korrekturhinweise freue ich mich.

Speziell die Daten zur DDR-Oberliga sind mit großer Vorsicht zur genießen. Bewusst habe ich nur gerundete Zahlen verwendet, die an einigen Stellen (Bsp.: Oelgardt) dennoch deutlich daneben liegen können.

Die westdeutschen Erstligaspiele sind erst ab Gründung der Bundesliga enthalten. Dies betrifft konkret Georg Gawliczek, der den FC Schalke 04 bereits vor 1963 in der höchsten Spielklasse trainierte.

Beidfüßig

Kennt jemand von den werten Lesern wirklich beidfüßige Spieler? Ich meine nicht Leute wie Trochowski, der gerne auch mal mit dem schwachen Fuß einen Gewaltschuss ablässt, der diesen Namen verdient hat, und auch nicht die Pizarros und Gomez‘ dieser Welt, die aus 10 Metern mit beiden Füßen das Netz durchschießen können, sondern Spieler, die sich kurz vor dem Anlauf, vielleicht in Abhängigkeit von der gestellten Mauer, überlegen können, mit welchem Fuß sie zum Freistoß antreten werden. Oder gar auf dem Weg zur Eckfahne. Gibt’s da jemanden? Aus der Bundesliga, oder auch aus irgendeiner anderen ersten Liga? Ich weiß nicht einmal, ob Andreas Brehme so weit ging, Eckbälle mit beiden Füßen zu schlagen.

Aliaksandr Hleb tut es. Seit einigen Wochen tritt er Eckbälle mit links. Diese Eckbälle sind nicht schlechter als die des Linksfüßers Thomas Hitzlsperger, ganz im Gegenteil. Während Hitzlspergers Ecken in der Regel an der kurzen Torraumecke in Hüfthöhe geklärt werden, erreichen sie bei Hleb durchaus Kopfhöhe; den vordersten Abwehrspieler passieren sie jedoch auch nicht. Mit dem rechten Fuß durfte sich gestern erstmals Sebastian Rudy versuchen, der häufiger, allein der Höhe wegen, die Tormitte erreichte, dem Ball aber so wenig Wucht mit auf den Weg gab, dass bestenfalls Kopfballspieler vom Schlage der Herren Hrubesch, Pizarro oder Ballack daraus etwas Zählbares hätten machen können. Die hat der VfB allerdings nicht. Fazit: ungefähr 13:1 Ecken, aber keine ernstzunehmende Torchance, die sich daraus ergeben hätte.

Ansonsten hat sich der VfB im Rahmen seiner derzeitigen Möglichkeiten bemüht. Einmal mehr spielte man 25 Minuten lang gefällig und kam zu einigen Chancen, von denen zwei oder gar drei als wirklich gut gelten dürfen. Danach war es, wie so oft, vorbei mit der Herrlichkeit Stuttgarter Spielkultur. Man ließ die Berliner, die zuvor wirklich nicht den Eindruck gemacht hatten, noch auf den Klassenerhalt hoffen zu dürfen, geschweige denn es zu tun, langsam ins Spiel finden, gab das in Ansätzen gezeigte Kurzpassspiel auf und zeigte eine Leistung, die denen der bisherigen Saison gerecht wurde. Und Markus Babbel sah diesem uninspirierten Kick bis zur 65. Minute zu, ehe er endlich wechselte. Wobei ich fairerweise einräumen muss, dass er zumindest in einem Fall möglicherweise einen Informationsvorsprung hatte und den von den Fans als Heilsbringer geforderten Elson aus gutem Grund nicht bringen wollte. Ich habe ihn auf dem Platz nicht gesehen. Und vor allem: er hat keine der durchaus zahlreichen Standardsituationen nach seiner Einwechslung getreten. Wenn es den einen Grund gibt, weshalb wir Elson sehen wollen, dann sind es doch zweifellos seine Ecken und Freistöße, die Gründe wurden oben genannt. Ich muss das nicht verstehen, aber ich würde gerne.

Unter dem Strich bleibt ein 1:1 gegen eine Hertha, über deren Sieg man sich auf Stuttgarter Seite nicht einmal hätte beschweren können, und die Tabelle lügt noch immer nicht. Nächste Woche in Leverkusen fehlt mit Kuzmanovic zudem der -für mich- gefühlte Kapitän, der nicht nur Siegeswillen zeigt, sondern mittlerweile auch noch die Tore schießt, schießen muss. Keine schönen Aussichten – auch nicht für Markus Babbel, der gestern erstmals deutlich vernehmbare „Babbel raus!“-Rufe zur Kentnis nehmen musste.

Lobend erwähnen möchte ich doch noch Arthur Boka, der seine Form aus dem Länderspiel mitgebracht hatte, den souveränen Niedermeier und den engagierten Pogrebnyak, sowie zumindest für die erste Halbzeit Sebastian Rudy, der erstmals über die volle Distanz spielte. Und last not least, das hätte ich mir nicht träumen lassen, Peter Gagelmann, der ein richtig gutes Spiel ablieferte. Vielleicht sollte ich ihn mir doch öfter wünschen.

Bei einem letzten Punkt weiß ich natürlich, dass ich mich regelmäßig wiederhole – doch selbst wenn es dem einen oder der anderen auf die Nerven gehen sollte, verliert der Punkt nicht seine Gültigkeit: die Nachspielzeit in deutschen Stadien wird nach meinem Dafürhalten bestenfalls ausgewürfelt und dann um mindestens 50 Prozent gekürzt, anders kann ich mir das Procedere einfach nicht mehr vorstellen. In der zweiten Halbzeit fielen gestern zwei Tore, es gab vier Auswechslungen, und sechs gelbe Karten sowie ein Platzverweis (gelb-rot) wurden verteilt. Zwei der gelben Karten wurden wegen Zeitspiels vergeben, wobei allein die Verwarnung für Torhüter Drobny mindestens zwei Minuten kostete, nachdem er zuvor schon in einigen anderen Situationen ermahnt worden war.

Nachspielzeit: 1 Minute.
Das kann ich einfach nicht mehr ernst nehmen.

PS: Über Hinweise zu beidfüßigen Könnern in den Kommentaren würde ich mich freuen. Beidhändige kenne ich indes seit vielen Jahren: Inigo und Westley.

Turniere meines Lebens: EM 1980

Um es gleich vorweg zu nehmen: der Titel ist ein infamer Diebstahl beim eine vorauseilende Hommage an das 11Freunde-Projekt „Spiele unseres Lebens„.

Die EM 1980 war die erste Europameisterschaft, die ich bewusst verfolgt habe. Turniermäßig begann es eigentlich schon mit der WM 78, aber aus aktuellem Anlass, der weiter unten zur Sprache kommt, befasse ich mich zunächst einmal mit der 80er Endrunde – im Rückblick traut man sich kaum, von einem „Turnier“ zu sprechen, wenn man an die gerade mal vier Spiele der Finalteilnehmer denkt, die nicht einmal eine Vorschlussrunde beinhalteten. Dabei war die Teilnehmerzahl gegenüber 1976 bereits auf acht verdoppelt worden, doch offensichtlich hatte die Uefa die Geldvermehrung damals noch nicht zum primären Daseinszweck erhoben.

Interessanterweise lautet meine erste Assoziation beim Stichwort EM 1980 immer „Bernd Schuster“, obwohl doch Hrubesch die Tore im Finale machte, obwohl „der blinde Allofs“ (Zitat: mein Vater) den Holländern Albträume bereitete und obwohl Schuster damals lediglich zwei der vier Spiele bestritt. Dennoch bin ich mit dieser Sichtweise wohl nicht alleine, und man liest immer wieder, er sei es gewesen, der als aufgehender Stern dem Turnier seinen Stempel aufgedrückt habe.

Hrubesch hingegen bringe ich gar nicht so sehr mit der EM in Verbindung – es mag daran liegen, dass ich das Finale der Uhrzeit wegen nicht anschauen durfte -, sondern in erster Linie mit seinem seltsamen Hopserlauf nach dem entscheidenden Elfmeter im 82er Halbfinale gegen Frankreich (als er sich den Ball noch nicht einmal selbst zurecht gelegt hatte) – was einem so im Gedächtnis bleibt…

Hansi Müller war natürlich auch dabei, damals als „Bravo-Boy“ in vieler Munde, und Rummenigge, der im Eröffnungsspiel gegen die Tschechoslowakei das 1:0 köpfte und die Ecke zu Hrubeschs titelbringendem Tor schoss. Enatz Dietz natürlich, und all die anderen, die sich zum Entsetzen meiner Eltern eines Nachmittags plötzlich in Form von Duplo- und Hanuta-Stickern (die damals noch schlicht „Aufkleber“ oder „Klebebilder“ hießen) an meiner Zimmertür wiederfanden. Und dort jahrelang bleiben sollten. Ergänzt um ein Jubelposter, bei dem mich die feminine Armhaltung des von mir bewunderten Rummenigge immer wieder irritierte.

Das Holland-Spiel, in dem Schuster 2 der 3 Allofs-Treffer vorbereitete, darunter das 3:0, bei dem er die Abwehr der Elftal verdammt alt aussehen ließ, konnte ich wegen der Geburtstagsfeier eines nur bedingt fußballinteressierten Freundes lediglich in einer Zusammenfassung sehen, und mein Verzicht auf die bedeutungslose Partie gegen die Griechen war Teil der Verhandlungsmasse, um vielleicht doch das Endspiel anschauen zu dürfen. Vergeblich.

Wenn man es also genau nimmt, habe ich nur das vergleichsweise langweilige Eröffnungsspiel live und in Farbe gesehen, und dennoch erscheint mir das Turnier unheimlich präsent. Das mag auch am Rückblick in Buchform liegen, den mein Vater sich wie immer nach solchen Anlässen zu Weihnachten wünschte und der meinen Freunden und mir manch spannenden Nachmittag bescherte:

„Nee, heute will ich mal das 74er Buch, Du kannst das von 1980 haben.“

„Ok, solang ich nicht das schwarzweiße 62er oder 1978 nehmen muss.“

Das Lästern über „Häuptling Silberlocke“ hielt sich noch in Grenzen, „Jupp, der Wal“ war noch nicht in den Witzspalten zu finden, Toni Schumacher hatte es sich noch nicht mit Fußballeuropa verscherzt – und dennoch war der spannendere Torwart des Turniers Jean-Marie Pfaff, der mich mit seinen Abschlägen bis zum gegnerischen Tor beeindruckte (offensichtlich verstand ich nicht so wahnsinnig viel vom Torwartspiel). Probleme mit Einwürfen hatte er nicht.

Die Belgier machten die Abseitsfalle hoffähig, von der ich naturgemäß nicht verstand, wieso sie eine Falle sei, hatte ich doch gerade erste die Geheimnisse des Abseits begriffen, doch ob das Turnier darüber hinaus relevante Erkenntnisse zur Entwicklung des Fußballs brachte, werde ich wohl nie erfahren, weil es damals entweder noch keine hochrangigen Fifa- bzw. Uefa-Kommissionen gab, die sich mit eben dieser Frage befassten, oder weil ihre Arbeit im Verborgegen ablief. Vielleicht waren Holger Osieck und Berti Vogts einfach noch zu jung.

Ansonsten kann ich mich an wenige Spieler der anderen Mannschaften erinnern. Jan Ceulemans natürlich, Gerets und Frankie van der Elst. Bei den Tschechen Panenka, dessen Rolle im 76er Finale schon damals etwas zu oft zitiert wurde, und bei den Holländern der Mann mit dem netten Namen Kees Kist (in der Schule hatte man gerade begonnen, auf der Rückseite von Quartettkarten „Käsekiste“ zu spielen) sowie die van de Kerkhofs. Die Italiener hatten Zoff und den, so ließ ich mir sagen, großartigen Antognoni, England Clemence, Keegan und Woodcock, und bei Spanien stand Arconada im Tor und der im Jahr darauf entführte (Réthy-Content) Quini im Sturm. Bei den Griechen kann ich mich nicht einmal mit Hilfe von fussballdaten.de an jemanden erinnern.

Interessanterweise gab es auch bei den Deutschen einen Spieler, den ich nie so richtig einordnen konnte, nicht nur hinsichtlich seiner Leistungsfähigkeit, sondern auch optisch: Herbert Zimmermann. Ich weiß, dass er in Köln spielte, und erfuhr irgendwann, dass er auch bei den Bayern war, aber das war’s dann auch – was vielleicht auch daran liegt, dass er bei der EM 80 als einziger Feldspieler nicht zum Einsatz kam. (Oder daran, dass der Name Herbert Zimmermann in Fußballdeutschland einfach anders besetzt ist.)

Und eben dieser Zimmermann war nun ein Stein des Anstoßes, diesen Text zu schreiben. Die Herren von kickandwrite.de, die sich übrigens grade ein schickes neues Design gegeben haben, luden neulich zu einem Gewinnspiel, in dem es darum ging, vier Spieler aus dem 1980er Kader zu identifizieren:

Zwei waren völlig eindeutig (Junghans und Magath), der dritte, Schuster, war etwas unglücklich von der Seite getroffen, sodass es mit etwas Phantasie auch Del’Haye hätte sein können, und beim Vierten habe ich, eher nach dem Ausschlussprinzip, auf besagten Zimmermann getippt. Zuerst ins Blaue, dann irgendwann unter Zuhilfenahme der Kaderliste – aus meiner Sicht wurde immer deutlicher, dass es Zimmermann sein musste. Die Ausrichter bestritten dies im Rahmen eines vergnüglichen Kommentaraustauschs und ließen mir letztlich gar ihre Quelle zukommen, wonach mein Zimmermann tatsächlich Caspar Memering sei.

Wenn die Bildunterschrift von Mirko Votava gesprochen hätte, wäre ich angesichts des halb verdeckten Kopfes und des Schnauzbarts wohl geneigt gewesen, dem Glauben zu schenken, aber Memering? Da hat die Quelle versagt, behaupte ich einfach mal.

Da ich solche Behauptungen jedoch nicht ohne kompetente Überprüfung stehen lassen will, folgt nach etwas längerer Einleitung nun meine eigentliche Frage: wer ist der zweite Herr von rechts?

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[Screenshot: kickandwrite.de]

Im Übrigen schließt sich der Kreis beim Gewinn ganz vortrefflich: „De Pfaffs“ auf DVD.

Auswärtsspiel: VfL Wolfsburg

Wie in diesem Beitrag etwas ausführlicher beschrieben, habe ich kürzlich einen herumliegenden Artikelentwurf zum Anlass genommen, den Startschuss für eine kleine Serie unter dem Arbeitstitel „Auswärtsspiel“ zu geben: von Zeit zu Zeit soll einer anderen Mannschaft als der „eigenen“ ein Artikel gewidmet werden, in dem sich der Autor mit seiner Wahrnehmung dieses Vereins in den letzten x Jahren auseinandersetzt und dabei wahllos Links in die Bundesligavergangenheit streut.

Mit dieser Reihe verhält es sich, auch das habe ich im oben genannten Beitrag dargestellt, wie mit einer RTL-Serie: niemand weiß, ob, wann und wie es weitergeht, und möglicherweise taucht bereits die nächste Folge auf einem anderen Kanal auf.

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Während die kürzlich hier betrachteten Bundesliga-Anfangsjahre der Bayer-Teams in eine Zeit fielen, in der der Fußball noch den ihm angemessenen Raum in meiner Tages- und Wochenplanung einnahm, hatte der schleichende Aufstieg des VfL Wolfsburg nicht immer meine volle Aufmerksamkeit. Ja, ich geb zu, dass ich in den 90er Jahren gelegentlich anders priorisieren und auf manche Möglichkeit, fußballspezifische Informationen zu beziehen, verzichten musste.

So kam es auch, dass ich die Wolfsburger vor ihrem Bundesligaaufstieg nur ganz am Rande wahrnahm. Horst Hrubesch hat sie irgendwann mal trainiert, Bruno Akrapović hatte eine Frisur, und das war’s dann auch an Zweitligawissen. Selbst ihre Pokalsaison 1995, in der sie ausschließlich auswärts spielend ins Finale vordrangen, hatte ich zwischenzeitlich schlicht vergessen. Ganz im Gegensatz zu Siggi Reich, in Wolfsburg Zweitliga-Torschützenkönig 1992/93 und Nr. 5 in der ewigen Zweitliga-Torjägerliste, dessen Quote nur von diesem leicht dicklichen Herrn übertroffen wird und der noch immer auf sein Äußeres zu achten scheint.

So richtig los ging’s also mit diesem Spiel im Juni 1997, das für den FSV Mainz eine ganz bittere Erfahrung business as usual darstellte, während die Wolfsburger den Aufstieg in die Bundesliga feiern durften. Seither – und vermutlich noch auf längere Sicht – ist das Stichwort „Wolfsburg“ für mich untrennbar mit Flanken-Fintierer Roy Präger und dem Mann, der einige Jahre später „Container-Willi“ werden sollte, verbunden. In den Folgejahren war ich Wolfsburg gegenüber eher indifferent, wobei sie immer wieder einzelne Spieler hatten, die mich auf die eine oder andere Art beeindruckten.  So zum Beispiel Claudio Reyna,  der heutige Hoffenheimer Offensivtrainer Tomislav Maric oder der erste Wolfsburger Nationalspieler Zoltan Sebescen, dessen Debüt ein wenig unter dem damals noch standfesteren Bolo Zenden litt. Weiterhin blieben mir  Markus Feldhoff Robson Ponté, Martin Petrov und Claus Reitmaier in Erinnerung, sowie insbesondere Krzysztof Nowak,  dessen Schicksal mir nicht zuletzt wegen eines ähnlichen Krankheitsfalls im persönlichen Umfeld sehr nahe ging.

Am prägendsten für die ersten Jahre nach dem Aufstieg war jedoch, allein schon aus phonetischen Gründen, der Trainer: Wolfgang Wolfs Wolfsburger Wochen Jahre endeten allerdings wenige Monate nach dem großen PR-Coup des Vereins, an dem man sich offensichtlich etwas verhoben hatte. Dessen ungeachtet fuhr man weiterhin große Namen auf, die nicht nur binnen kurzer Zeit zu Legenden wurden, sondern zudem den VfL Wolfsburg in den Jahren 2000-2005 mit einer Uefa-Cup sowie sage und schreibe 5 UI-Cup-Teilnahmen[1] zum Dauergast auf der großen europäischen Bühne machten.

Im Gegensatz zum glamourösen Effenberg Effenberg-Intermezzo gelang es mit den Verpflichtungen von Andres d’Alessandro und später Marcelinho, nicht nur abseits des Spielfelds, sondern auch auf dem Platz ein gewisses Spektakel zu bieten, ohne jedoch dem Stau der Mittelmäßigkeit zu entkommen. Als man dann unter Trainer Eric Gerets zu Beginn der Saison 2004/05 erstmals Tabellenführer war, ließen die Diskussionen über die Notwendigkeit eines Rathausbalkons nicht lange auf sich warten. Dass der Bedarf letztlich doch nicht gegeben war, verursachte in der fußballinteressierten Öffentlichkeit kein allzu lautes Wehklagen – zu kritisch wurde (und wird) das Wolfsburger Konstrukt gesehen. Zudem seien sie unromantisch, wie Steffen Simon am Saisonende 2006 dem Fußballgott ins Stammbuch schrieb. Spiegel online ergänzte:

All die ambitionierten Ideen mit deutschen Altstars und südamerikanischen Stars in spe, die Bayer Leverkusen bis in die europäische Spitze brachten, hat das VW-Anhängsel VfL schon kopiert. Erfolglos. Wolfsburg hat sich mal mit Stefan Effenberg lächerlich gemacht und selbst mit dem argentinischen Ausnahmetalent Andres D’Alessandro keinen einprägsamen Stil kreiert. Das Stadion blieb meist halb leer, das größte Wolfsburger Spektakel der Saison vor dem letzten Spieltag war die Doppelentlassung von Manager Thomas Strunz und Trainer Holger Fach.

Nun liegt mir persönlich eine bloße Werksvereins- oder auch Traditions-Argumentation recht fern; gleichwohl hielt sich in all den Jahren auch meine Begeisterung für den VfL Wolfsburg in Grenzen – zu offensichtlich waren die Bemühungen um den oben genannten Glamour-Faktor, zu ausgeprägt schien mitunter die Großmannssucht (die man in Wolfsburg zweifellos nicht exklusiv hat), und auch die unwürdigen Umstände der Entlassung von Klaus Augenthaler zum letzten Spieltag der Saison 2006/2007 waren meiner Zuneigung nicht zuträglich. Daran konnte auch die eine oder andere nette Geschichte über einzelne Spieler nichts ändern.

Sympathisch wurde mir der VfL Wolfsburg auch mit der Verpflichtung von Felix Magath nicht. Zumindest aber wuchs mein Respekt angesichts der Professionalität der sportlichen Führung unter Geschäftsführer und Manager Magath. Auch da, wo es gemäß Adi Preißler letztlich entscheidend ist, leiteten  Manager und Trainer Magath eine sehr positive Entwicklung ein. Sicherlich wurde dafür auch tief in die Kasse gegriffen, und vielleicht hat es sich nicht in jedem Fall ausgezahlt; dennoch kann man die Frage stellen, wie viele Entscheidungsträger in der Bundesliga das zur Verfügung stehende Geld neben dem einen oder anderen Weltmeister in die vergleichsweise tiefpreisigen Herren Džeko, Riether, Gentner, Schäfer, Grafite, und Josué investiert hätten – und mit der so zusammen gestellten Mannschaft binnen kurzer Zeit mit teilweise großartigem Fußball zum Meisterschaftskandidaten geworden wären.

Zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Text begann, hätte ich mit diesem Lob für Felix Magaths hervorragende Arbeit und dem kurzen Hinweis auf glänzende Perspektiven geschlossen. Nunmehr mögen die Perspektiven noch immer gut sein, und Magaths Arbeit halte ich nach wie vor für außerordentlich gut. Ich kann jedoch nicht verhehlen, dass er mich, auch im Rückblick auf sein Ausscheiden beim VfB Stuttgart vor wenigen Jahren, zunehmend an Christian Vieri erinnert, der in den 90er Jahren für Torino Pisa Ravenna Venezia Atalanta Juve Atlético Lazio Inter viel Geld auf Torjagd ging.

Für die jüngeren Leser: der UI-Cup war ab 1995 die Fortführung des früheren, sportlich irrelevanten, sogenannten Intertoto-Cups unter dem Dach der UEFA und stellte bis 2008 eine zusätzliche Qualifikationsmöglichkeit für den UEFA-Cup dar. Er wurde von den Mannschaften bestritten, die unmittelbar hinter den sogenannten UEFA-Cup-Plätzen platziert waren – im Fall des VfL Wolfsburg waren dies, etwas weiter interpretiert, die Plätze 7, 9, 8, 10 und 9.

Manni Hilbert und Horst Gomez

„Roberto Banane, ich Kopf, Tor“

sagte dachte Chancentod Mario Gomez über den ersten seiner drei Treffer zum 3:0-Sieg des VfB Stuttgart in Köln, ehe er den versammelten Reportern doch lieber von den „uneigennützigen“ Querpässen seiner Mitspieler Cacau und Khedira vorschwärmte.

Genau wie Millionen Zusachauer im Stadion und an den Bildschirmen fiel es dem zuvor in 81 Spielen torlosen Gomez schwer, die Rückkehr der Bananenflanke a u s g e r e c h n e t mit seinem Mitspieler Roberto Hilbert zu assoziieren. Mit eben jenem Hilbert, von dem die gemeine Leserin weiß, dass er hier im Blog große, gelegentlich sportlich kaum zu rechtfertigende Sympathien genießt. Die Gründe dafür sind verschiedentlich angeklungen und haben unter anderem mit seiner Einstellung, seiner Körpersprache und seinem Tempo zu tun. Definitiv nicht dazu zählten bis heute seine Flanken.

Irgendwie passt das zum VfB des Jahres 2009, der mich immer wieder überraschen kann. Dass diese Überraschungen nicht immer positiv ausfallen können, versteht sich von selbst. So trat die Mannschaft heute in der ersten Hälfte zwar ähnlich ruhig und unaufgeregt auf wie zuletzt; die Souveränität, die man aus dem in den letzten Wochen gewachsenen Selbstvertrauen entwickelt hatte, stellte sich indes nicht ein. Bereits nach wenigen Minuten musste Ludovic-vic-vic Magnin nach einem Eckball auf der Linie klären, und in der Vorwärtsbewegung war man nicht in der Lage, die zahlreichen Kölner Ballverluste im Mittelfeld in geordnete Angriffe umzusetzen.

So kamen die Gastgeber, nachdem sie den Rückstand verdaut hatten, kurz vor der Pause dem Ausgleich mehrfach gefährlich nah und weckten Erinnerungen an die bittere Phase, als der VfB vor einigen Wochen mehrfach Gegentore zwischen Minute 40 und 45 hinnehmen musste. Dank Jens Lehmann und der Kölner Abschlussschwäche blieb es aber bei der knappen Pausenführung.

In der zweiten Hälfte gelang rasch das 2:0, als Cacau energisch den Ball eroberte, dabei den (sonst zurecht) hochgelobten Geromel zum zweiten Mal an diesem Tage alt aussehen ließ und Gomez den Treffer auf dem Silbertablett servierte. Kurz darauf war es Hitzlsperger, der nach Hilberts Ballgewinn das Spiel großartig beschleunigte, sodass Khedira Gomez das nächste Tor schenken konnte. Leider war Ciprian Marica beim Aufwärmen mit sich selbst beschäftigt und hatte offensichtlich keine Gelegenheit, sich an Cacau und Khedira ein Beispiel zu nehmen. So suchte er nach seiner Einwechslung eigensinnig den Abschluss, anstatt Cacau das 4:0 zu ermöglichen. Sicher, auf den dank der Steigerung nach der Pause ungefährdeten Sieg hatte das keinen Einfluss mehr; gerade angesichts der engen Situation im Kampf um die internationalen Plätze scheint es jedoch geboten, der Tordifferenz etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Sehr wohltuend war indes der Realismus, der sich durch die Interviews der VfB-Spieler bezüglich ihrer heutigen Leistung zog, insbesondere mit Blick auf die durchwachsene erste Halbzeit. Erfreulich zudem, dass der Plan, die zahlreichen drohenden Gelbsperren nach und nach abzutragen, heute ganz gut in die Tat umgesetzt wurde: Thomas Hitzlsperger eröffnet den Reigen.

Bei allem Respekt für den nächsten Gegner: der Tabellendritte (wenn auch zunächst nur für einen Tag) sollte auch ohne seinen Kapitän in der Lage sein, die Punkte gegen die Frankfurter Eintracht im Neckarstadion zu behalten. Zumal die Begegnungen zwischen Bayern und Schalke sowie zwischen Dortmund und dem HSV Punktverluste der Konkurrenz mit sich bringen werden.

Bleibt die Frage, ob sich der VfB dieser Situation bewusst ist: schließlich haben sowohl Horst Heldt als auch Mario Gomez heute zu Protokoll gegeben, die Tabellensituation gar nicht zu kennen…