Nun also doch: die andere Tasci-Kehre

War ja ein recht ereignisreiches VfB-Wochenende, nicht wahr? Und ich war nicht da. Hab fremdgeschaut, bei der tabellarisch fast benachbarten Konkurrenz. Und selbst die Sky-Verfügbarkeit beim VfB-Spiel hing am seidenen Faden … Ob ich es doch noch zu sehen bekam, und wie sich Löwenfans in der Fremde so benehmen, lesen Sie möglicherweise demnächst auf diesem Bildschirm. Mal sehen.

Eher nicht mehr so oft wird die geneigte Leserschaft indes den Namen Serdar Tasci zu lesen bekommen, der hier bis dato in etwa 50 Texten Erwähnung fand (ich hatte mit mehr gerechnet). Vor einem guten Jahr hatte ich ihm eine kleine Widmung geschrieben, die im Tödlichen Pass, dem Magazin zur näheren Betrachtung des Fußballspiels, veröffentlicht wurde, und hatte stets gesagt, dass ich sie irgendwann, wenn die Gelegenheit günstig erscheine, hier zweitveröffentlichen würde.

Nun, ob die Gelegenheit günstig ist, weiß ich nicht so recht (die eine oder andere Formulierung wirkt etwas überholt), aber es dürfte bis auf Weiteres die einzig verbliebene sein.

Zuvor erlaube ich mir, noch ganz kurz eine Träne zum Karriereende von Thomas Hitzlsperger zu vergießen, der, so Ronald Reng vor einiger Zeit drüben bei catenaccio.de, „flache Steilpässe aus dem defensiven Mittelfeld spielen kann wie kein anderer Deutscher.“ Dass ich diese nur selten gesehen hatte, sei an dieser Stelle nur kurz erwähnt; meine Wertschätzung für ihn ist gleichwohl so groß, dass die fünf Zeilen, die ich ihm widmete, sie nicht annähernd zum Ausdruck bringen können.

Doch nun zur Tasci-Kehre:

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„Nahezu gleichauf sprinteten ein Stürmer und ein Abwehrspieler zum Ball. Dem Verteidiger gelang es, den Angreifer ein wenig nach außen abzudrängen, um sich dann im Hüftumdrehen durch eine formvollendete Tasci-Kehre ein paar Meter Platz zu verschaffen und sich dem eigenen Spielaufbau zu widmen.“

So könnte das dereinst klingen, wenn Serdar Tasci nicht einfach nur Serdar Tasci wäre, sondern einer der ganz Großen des Weltfußballs, dem eine vielleicht nicht exklusiv, zumindest aber besonders häufig und außergewöhnlich behände ausgeführte Aktion zum Markenzeichen wird.

„It happens much faster than the time it takes to describe“, schrieb John Turnbull im Jahr 2006 in seinem erhellenden Blog „The Global Game“ über Zinédine Zidanes Roulette, und auch wenn es mir sehr fern liegt, Zidane und Tasci vergleichen zu wollen, kann ich mich Turnbull in dieser Einschätzung nur anschließen. Und ergänzen, dass das Lesen der Beschreibung nicht nur unbefriedigend, sondern darüber hinaus kaum nachvollziehbar ist, selbst bei einer hundertfach gesehenen und tausendfach kopierten Bewegung wie der Roulette. Wie soll man sich dann erst die kaum bekannte Tasci-Kehre vorstellen können? Gleichwohl will ich mich an einer kurzen Beschreibung versuchen.

In aller Regel bringt er sie auf der rechten Abwehrseite zum Einsatz. Der Ball läuft tendenziell in Richtung der Eckfahne, Tasci rückt nach außen, sein Laufweg und der des von links kommenden Angreifers scheinen sich einander asymptotisch anzunähern. Der Gegenspieler wird lange im Glauben gelassen, den Ball erreichen zu können, ehe Tasci einen geschickten langen Schritt mit dem linken Bein genau so setzt, dass er nahezu gleichzeitig mit dem rechten Außenrist den Ball in die entgegengesetzte Richtung bewegen kann. Bis der Stürmer seinen Weg zur Eckfahne abgebremst und die Laufrichtung geändert hat, ist Tasci bereits einige Schritte entfernt und hat den Ball weitergeleitet. Klingt unspektakulär? Ist es letztlich auch. Aber wirkungsvoll. Vielleicht auch weiter verbreitet, als ich glaube. Aber selten so elegant.

Ok, ein wenig mag das nach der Beckenbauer-Drehung klingen, und zweifellos sind die beiden Bewegungsabläufe verwandt. Wobei eine vergleichbare Verwandtschaft einschlägige Kreise auch nicht daran hinderte, eine eher geringfügige Variation von Zidanes Roulette – letztere läuft gelegentlich auch unter „the Maradona“ – als „Ribéry Spin“ zu feiern. Warum also nicht auch die „Tasci-Kehre“ in den fußballkulturellen Sprachgebrauch einführen? Meinetwegen auch, ein wenig wortkarg anmutend, den international tauglicheren Tasci Turn.

Tatsächlich ist es nicht zwingend den ganz Großen vorbehalten (Wer will im Übrigen schon entscheiden müssen, wie groß zum Beispiel Ribéry tatsächlich sei?), Tricks, Spielelemente, „Moves“ geprägt und hoffähig gemacht zu haben. So kennt die englischsprachige Wikipedia den Flo Pass, benannt nach Jostein Flo, der tatsächlich nur der Empfänger und Weiterverarbeiter besagten Passes war, und manche fußballhistorisch nicht gänzlich unbeleckte Französin mag nach Andrea Pirlos Elfmeter im EM-Viertelfinale ein verzücktes „une panenka!“ ausgerufen haben.

Mir persönlich imponiert, dies nur am Rande, zudem die in dieser Bezeichnung nicht gängige Lahm-Grätsche, bei der der Grätschende in einer fließenden Bewegung, den Ball quasi mit dem oberen Bein eingeklemmt, aufsteht und in die entgegengesetzte Richtung davon läuft. In Wahrheit war der erste Spieler, von dem ich eine solche Grätsche erfolgreich angewandt sah, Marco van Basten – und zwar gegen Jürgen Kohler. Aber mal ehrlich: Es gibt bessere Gründe, sich des Niederländers zu erinnern, als eine „van-Basten-Grätsche“.

Bei Serdar Tasci ist das anders. Er ist Verteidiger, einer der besten in Deutschland. Ohne seine Verletzung kurz vor Toreschluss wäre er mit zur EM gefahren, heißt es – was immer das heißen mag. Auf jeden Fall stünde ihm eine nach ihm benannte Defensivaktion gut zu Gesicht. Leider sucht man ein „Best of“ seiner schönsten Abwehraktionen, seines – im Guten wie im Schlechten – nicht immer den Zweikampf suchenden Defensivspiels, seiner Stärken in der Spieleröffnung und nicht zuletzt seiner gelungensten Tasci-Kehren im Videoportal unserer Wahl vergebens. Stattdessen gibt es Zusammenstellungen seiner Tore, häufig per Kopf, und einiger Torvorlagen. Kernqualifikationen eines Abwehrspielers, wenn man so will.

Eines Abwehr-Chefs, um genau zu sein. Zu eben jenem hat sich Tasci seit seinem Debüt 2007 entwickelt, als er mit 26 Einsätzen und 2 Toren (die erste, und bisher einzige, rote Karte, lassen wir geflissentlich außen vor) zur Stuttgarter Meisterschaft 2007 beitrug. Wirklich geradlinig verließ der vermeintlich vorgezeichnete Weg bis dahin allerdings nicht. Die Ruhe und Gelassenheit, mit der er als junger Verteidiger abgehoben war, drohte zwischenzeitlich als Phlegma zu landen, das oft und zu Recht gelobte zweikampfvermeidende, weil vorausschauende, Spiel schien gelegentlich zum Selbstzweck zu verkommen, phasenweise konnte man zudem den Eindruck gewinnen, seine Leistungen hielten mit seinem Selbstverständnis nicht ganz Schritt.

An der einen oder anderen Stelle fühlte er sich, vermutlich zu Recht, nicht hinreichend gewürdigt, bei Kapitänsernennungen brüskiert, speziell unter Christian Gross gar grundsätzlich in Frage gestellt, sodass die mal lauter, mal leiser zu vernehmenden Rufe von Juventus, Milan oder anderen internationalen Spitzenvereinen nicht nur in den Medien , sondern auch bei ihm selbst ein gewisses Echo hervorriefen.

Letztlich kam, zum Glück für den VfB Stuttgart, bis dato nie ein Wechsel zustande. In den letzten Spielzeiten stabilisierte sich Tasci auf deutlich höherem Niveau, emanzipierte sich vom langjährigen Abwehrchef Delpierre und zählte nicht nur zu den verlässlichsten Defensivspielern der Bundesliga, sondern führte dem regelmäßigen Neckarstadiongänger auch wieder vor Augen, weshalb vor Jahren selbst der Bundestrainer in überraschender Deutlichkeit festgestellt hatte, Tasci komme seiner „Idealvorstellung von einem Innenverteidiger sehr nahe“.

Auch vor diesem Hintergrund erschien es spätestens im Lauf der abgelaufenen Spielzeit verwunderlich, dass er im Grunde seit der WM 2010 nicht mehr für die Nationalelf berücksichtigt worden war. Im Januar 2012 erhielt er – endlich, möchte man sagen, angesichts der Bedeutung, die er dem Thema beizumessen scheint oder zumindest schien – mit der Kapitänsbinde beim VfB auch das äußerliche Zeichen seiner Bedeutung für die Mannschaft verliehen.

Längst haben seine Leistungen auch wieder Interessenten aus anderen Topligen auf den Plan gerufen, noch während der EM wurde er mit dem FC Barcelona in Verbindung gebracht. Tasci dementierte umgehend und bekannte sich zum VfB. In diesem Kontext sähe der gemeine Stuttgarter Anhänger eine Tasci-Kehre gewiss äußerst ungern.

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Tja. Ungern schon. Wegen des Zeitpunkts. Weil er Kapitän war. Und doch denke ich irgendwie auch: so oft hätte er nicht gespielt. Zu viele Verletzungen. Vielleicht rede ich es mir auch nur weniger unschön. Bisschen schade halt, dass es nun doch keiner der Vereine aus der allerersten Reihe geworden ist, die dereinst aus guten Gründen um ihn warben. Ich wünsche ihm, dass es wieder dazu kommen möge. Guter Mann, der Tasci.

Was machen eigentlich… die Lehrgangsbesten?

Ein bisschen enttäuscht bin ich ja schon von „meinem“ Verein.

Tayfun Korkut ist also neue Trainer der U19. So weit, so gut. Es lässt mich kalt, dass er aus Hoffenheim kommt, unabhängig davon, ob da grade ein gewisser Trend zu verzeichnen ist. Es ist mir auch völlig egal, dass er seine Jugend bei den Blauen verbracht hat. Aber: er zählte nicht zu den Lehrgangsbesten. Zumindest wird das nicht kommuniziert. Schließlich wissen wir vom neuen Trainer der U17, Thomas Schneider, dass er den 57. Lehrgang als Zweitbester abgeschlossen hat. Drittbester war übrigens Sascha Lewandowski. Oder Markus Gisdol. Vielleicht ja auch beide. Aller Ehren wert, sowas. Korkut hat indes nur absolviert. Wo kommen wir denn da hin?

Mittlerweile soll’s ja schon Vereine geben, die’s unter einem Lehrgangsbesten nicht mehr machen. Die bürgen für Qualität. Zur neuen Saison bekommen also Leverkusen und Hoffenheim ein solches Exemplar. St. Pauli wartet in der zweiten Liga gar mit den Lehrgangsbesten von 2004 (André Schubert) und 2011 (Jan-Moritz Lichte) auf, und in Liga drei setzen Osnabrück mit Uwe Fuchs (class of 2002) bzw. Bielefeld mit Markus von Ahlen (2006) auf frischen Wind aus der Hennes-Weisweiler-Akademie. Der neue Schalker Trainer, der schon seit ein paar Wochen da ist, war Lehrgangsbester 1984, sein Co-Trainer Gisdol vielleicht Drittbester 2011 (s.o.).

Die deutsche U19 hat ebenfalls einen neuen Lehrgangsdrittbesten verpflichtet, dessen bisherige Trainerkarriere allerdings gar nicht so wahnsinnig glanzvoll verlief. Dass der DFB-Nachwuchs die sicher geglaubte EM-Qualifikation verpasste, ist aber sicherlich Zufall. Genau wie Christian Ziege musste sich auch der Primus des 53. Lehrgangs (2007), Karsten Baumann, der seine Lizenz im Übrigen „mit besonderer Auszeichnung“ erhalten hatte, vorzeitig aus der Zweitligasaison 2010/2011 verabschieden – die Vereine taten es ihnen später nach. Auch den ergebnismäßig zweiten Mann hinter Baumann, Marco Pezzaiuoli, werden wir in der kommenden Saison erst einmal nicht bei den Bundesligapressekonferenzen sehen. Schade.

Vermutlich hab ich den einen oder die andere vergessen bzw. weiß nicht um deren Prüfungserfolg. Zumal der DFB, soweit ich das nachvollziehen kann, erst ungefähr seit dem Jahrtausendwechsel offensiv mit Mitteilungen über die Lehrgänge und deren herausragende Absolventen umgeht. Sozusagen die Professionalisierung der Medienarbeit in der Ära Rutemöller. Die allerdings noch unvollendet scheint.

Wie auch immer: wenn man ein bisschen sucht, findet man eine Reihe von Namen, die ihre Fußballlehrerlizenz als Lehrgangsbeste erworben haben bzw. zumindest „zu den Besten“ zählten, und nicht bei allen klingelt’s sofort. Oder wer kennt Kai Timm? Jörg Halfenberg? Thomas Sinz? André Malinowski? Thomas Krücken? Mario Himsl? Stefan Sartori? Hans-Dieter Flick? Ich zumindest kannte sie nicht. In zwei oder drei Fällen glaube ich, den Namen schon einmal gehört zu haben, aber das war’s dann auch.

Muss ja nichts Schlechtes sein, wenn diese Leute als Stützpunkttrainer oder auch bei Profivereinen den Nachwuchs fördern, ganz im Gegenteil. Das tun übrigens auch Ex-Profis wie die bereits genannten Schneider und Lewandowski, oder Olaf Janßen in Aserbaidschan. Iraklis Metaxas ging gestärkt aus dem jüngsten Revirement beim VfL Bochum und ist nunmehr „Cheftrainer Nachwuchs“. Die Ex-Nationalspielerinnen Anouschka Bernhard (Zweitbeste 2009 und mehrjährige Jugendkoordinatorin bei Hertha BSC) und Maren Meinert, die 2004 zu den Besten zählte, trainieren DFB-Juniorinnen.

Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, die häufig als erste genannt werden, wenn es um gut ausgebildete und ausbildende deutsche Trainer geht, tauchen in den DFB-Pressemitteilungen nicht exponiert auf. Sieht man indes genauer hin, findet man Hinweise, wonach Tuchel 2006 als Zweitbester abgeschlossen habe, während Klopp für sein Ergebnis 2005 die Erklärung der Nebenbei-Betreuung eines Bundesligisten geltend machen kann – was der damalige Primus Robin Dutt auf Nachfrage auch gerne für ihn übernimmt. Zudem hat Klopp mit Zeljko Buvac einen der Jahrgangsbesten von 2000 an seiner Seite.

Wenn wir grad beim Jahr 2000 sind: da gab’s ja noch einen Kurs. Den für verdiente Nationalspieler und -spielerinnen. Leider habe ich bisher keine Hinweise gefunden, wer damals der oder die Lehrgangsbeste gewesen sei. Von absoluten Resultaten ganz zu schweigen…

Vielleicht hält diese Ungewissheit ja den einen oder anderen Verein davon ab, sich die Dienste der Herren Brehme, Kohler, Immel oder Buchwald zu sichern. Dieter Eilts sei übrigens Jugendkoordinator beim VfL Oldenburg.

Einige weitere prominente Lehrgangsbeste (oder deren unmittelbare „Verfolger“) sind meines Wissens zur Zeit auf dem Markt, beispielsweise Michael Frontzeck, Holger Gehrke oder Thomas Doll.

Formal nicht auf dem Markt ist ein weiterer Lehrgangsbester: Lothar Matthäus.

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Hier noch ein paar unvollständige Namen und Quellenangeben:

18. Lehrgang, 1972
In der Akademie in Köln bestand [Sepp Piontek] als Jahrgangsbester die Prüfung.

29. Lehrgang. 1984
Während dieser Zeit erwarb [Ralf Rangnick] an der Sporthochschule Köln im Fußball-Lehrer-Lehrgang als Jahrgangsbester mit einem Notendurchschnitt von 1,2 die Fußballlehrer-Lizenz

45. Lehrgang, 2000
Lehrgangsbester war Peter Starzmann, Co-Trainer von Ralf Rangnick beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart.
[Zeljko] Buvac, der 2000 als einer der Jahrgangsbesten den 45. Fußballlehrer-Lehrgang bestanden hatte

46. Lehrgang, 2001
So gab es diesmal gleich drei Lehrgangsbeste: Michael Frontzek (sic!), Holger Gehrke und Iraklis Metaxas wurden hierfür besonders geehrt.

47. Lehrgang, 2002
Der Ehrenpreis ging in diesem Jahr an den ehemaligen Bundesligaprofi Uwe Fuchs.

48. Lehrgang, 2003
Als beste Absolventen wurden Hans-Dieter Flick und Thomas Doll […] ausgezeichnet.

49. Lehrgang, 2004
Als Jahrgangsbeste […] wurden bei der Feierstunde Maren Meinert, Olaf Janßen und Andre Schubert gesondert ausgezeichnet. 

50. Lehrgang, 2005
Als Lehrgangsbeste wurden Robin Dutt (Stuttgarter Kickers) und Kai Timm (DFB-Stützpunkt-Koordinator Niederrhein) ausgezeichnet.

51. Lehrgang, 2005
Daher zeichnete er die beiden Lehrgangsbesten – stellvertretend für den Lehrgang – aus. So erhielt Jörg Halfenberg den NRW-Preis, Thomas Sinz wurde der DFB-Wimpel verliehen.

52. Lehrgang, 2006
Als Lehrgangsbester wurde der ehemalige Profi Markus von Ahlen […]ausgezeichnet.

53. Lehrgang, 2007
Als Lehrgangsbester wurde der ehemalige Fußball-Profi Karsten Baumann […] geehrt. [… Baumann] erhielt seine Lizenz mit besonderer Auszeichnung. […] Überdurchschnittliche Leistungen erbrachten auch zwei Teilnehmer, die den Lehrgang gemeinsam mit der zweitbesten Note abschlossen: Marco Federico Pezzaiuoli und André Malinowski.

54. Lehrgang, 2007
Als Lehrgangsbester wurde anlässlich der Feierstunde in Köln ein früherer Kölner Fußball-Profi ausgezeichnet: Dirk Schuster. 

55. Lehrgang, 2009
Lehrgangsbester ist St. Paulis Trainer Holger Stanislawski, als Zweitbeste des Lehrgangs schnitt die ehemalige Nationalspielerin (47 Länderspiele) Anouschka Bernhard ab, die heute als Jugend-Koordinatorin für Hertha BSC Berlin zuständig ist. Das drittbeste Ergebnis erzielte Stefan Sartori.

56. Lehrgang, 2010
Lehrgangsbester wurde Mario Himsl, der DFB-Stützpunktkoordinator im Fußball-Verband Mittelrhein und Trainer der Bundeswehr-Nationalmannschaft. Als Zweitbester ging Thomas Krücken, der U 17-Trainer von Hertha BSC, aus den Prüfungen hervor, dicht gefolgt von Christian Ziege.

Lehrgang 57, 2011
Lehrgangsbester wurde Jan-Moritz Lichte, Co-Trainer von Andre Schubert beim Zweitligisten SC Paderborn.
2010 schloss [Thomas Schneider] den Trainerlehrgangs (sic!) des DFB an der Hennes-Weisweiler Akademie in Köln als zweitbester seines Jahrgangs ab.
Als Drittbester von 27 Teilnehmern hat [Sascha Lewandowski] den einjährigen Lehrgang abgeschlossen. (alternativ: „Als einer der drei Jahrgangsbesten…„)
Wenige Tage später bestand [Markus] Gisdol als Drittbester unter 27 Teilnehmern die Prüfung zum Fußball-Lehrer – und dann kam Schalke.

Love's Labour's Lost

Ich habe keinen Einblick in interne Abläufe. Weiß nicht, ob der Trainer den Verantwortlichen gesagt hat, dass er die Spieler nicht mehr erreiche. Ob er, wie einst Thomas Hörster, nicht mehr an den Klassenerhalt glaubt. Ob er zu engen Umgang mit Frau Hundt pflegt. Ob ihm ein Angebot des Schweizer Fußballverbands vorliegt, das er nicht ablehnen kann. Ach, was weiß denn ich. Ich kann mir kein Urteil erlauben. Und tu’s trotzdem.

Die letzte Trainerentlassung, über die ich derart den Kopf schüttelte, war die von Jörn Andersen in Mainz. Der Zeitpunkt erschien mir damals noch ungeeigneter als heute bei Christian Gross. Wenige Tage vor Saisonbeginn, nachdem man die ganze Vorbereitung mit einem anderen Trainer absolviert hatte, einem Trainer, der die Mannschaft zum Aufstieg geführt hatte, wurde damals Thomas Tuchel berufen. Sicher kein Fehler, im Nachhinein betrachtet. Vielleicht sage ich das in einigen Monaten auch über den heutigen Schritt des VfB, man kennt ja diese wendehalsigen Fans.

Heute aber verstehe ich es nicht. Bin sauer. Erarbeite Verschwörungstheorien, in denen der Aufsichtsratsvorsitzende und der Hauptsponsor, ein Blauer, exponierte Rollen einnehmen. Bin geneigt, über die Fäden zu ätzen, die an einem Holzkreuz über Fredi Bobics Kopf hängen und die mindestens ein anderer in der Hand hält. Habe Horrorvisionen, angesichts derer ich mich frage, wem ich meine Dauerkarte bis November 2011 abtrete, falls der ehemalige Beinahebundestrainer mit dem blauen Anzug tatsächlich seinen Dienst hier antreten sollte (wohl wissend, dass ich vermutlich dennoch ins Stadion ginge). Versuche vergeblich, mir ein ernst zu nehmendes Szenario vorzustellen, in dem es sinnvoll sein könnte, bei zwei Wochen Pause bis kurz vor dem nächsten Spiel zu warten, ehe man die Pferde wechselt. Möchte kotzen. Harre nicht der wohl formulierten Erklärung der Vereinsführung. Sie mag angesichts der jüngsten Aussagen von Herrn Gross, wonach der Verein den Schwerpunkt auf den Stadionumbau (und nicht auf die sportliche Entwicklung) gelegt habe, Formulierungen wie „vereinsschädigend“ oder „nicht bieten lassen“ enthalten, oder aber, um arbeitsrechtliche Schwierigkeiten zu vermeiden, butterweich formuliert sein – es ist mir egal. Frage mich einmal mehr, wie gut die Idee war, fußballfremde, aber in der Leitung von Unternehmen erfahrene Manager in der Vereinsführung zu installieren – wegen ihrer „Professionalität“. Hinterfrage meine Definition von Professionalität… nein, die ist in Ordnung. Bin versucht, der Stuttgarter Zeitung ein Glückwunschschreiben zu schicken.

Ertappe mich dann – man ist ja Fan – trotz allem bei der Überlegung, was Jens Keller wohl kann. Als Jugendtrainer hat er gute Arbeit geleistet, als Assistent kann ich es nicht beurteilen. Falls jemand Jens Keller nicht kennt, hier ein Zitat aus der Wikipedia:

„Jens Keller spielte viele Jahre als solider und verlässlicher Verteidiger im deutschen Profi-Fußball.“

Na also. Solidität und Verlässlichkeit, das brauchen wir. Bräuchte übrigens auch die Vereinsführung – Vertragstreue und so. Immerhin haben wir in den letzten Jahren gesehen, dass die ganz großen Nachwuchshoffnungen in der deutschen Trainerszene selten die ganz großen Spieler waren. Von der fußballerischen Reputation her dürfte Jens Keller den Herren Rangnick, Klopp und Tuchel etwas näher stehen als Kohler, Brehme und Littbarski. Werde ich polemisch? Das tut mir leid. So ist es halt manchmal, wenn man wütend ist. Übrigens war Brehme schon als Co-Trainer in Stuttgart tätig und Kohler mindestens einmal heißer Trainerkandidat. Honi soit…

Ich gönne Jens Keller diese Chance. Grundsätzlich. Und ziehe eine verlängerte Interimslösung jedem Versuch mit Daum, Balakov oder einem anderen Helden der Vergangenheit vor. Aber ich will mich heute noch nicht damit befassen. Ich will Christian Gross nachtrauern. Seine Verdienste würdigen. Sein „sich nich nicht vereinnahmen lassen“ feiern. Ich will schmollen. Mich aufregen. Die Kompetenz der Vereinsführung anzweifeln. Sie beschimpfen. Den Aufsichtsratsvorsitzenden vom Hof jagen.

Ach, lassen wir das. Love’s Labour’s lost.

Öfter mal die Seite wechseln?

„Bisschen lang“ lautete die eine oder andere Rückmeldung zum ausführlichen Rückrundenvorschauer bei allesaussersport, was durchaus nachvollziehbar ist, auch wenn ich finde, dass alle Beteiligten sogar recht diszipliniert waren und nicht über die Maßen ins Plaudern gerieten. Dass der eine oder andere Punkt gleichwohl als Aufhänger für leicht abseitige Diskussionen diente, ist zumindest in einem Fall eindeutig mir zuzurechnen:

Dogfood: […] Fällt der Klub [gemeint ist Bochum] in der Tabelle nach unten, bleibt nicht viel mehr als Resignation und dann später Schuldzuweisungen die sich auch gegen das Management und Vereinsführung richten.

Heinzkamke: Und das Vertrauen in ehemalige DFB-Nachwuchstrainer würde einen weiteren Dämpfer erhalten. Vogts. Osieck. Kohler. Eilts. Gegenbeispiele?

Dogfood: Eher mehr Beispiele. Hrubesch. Bonhof. Auch in der Bundesliga gescheitert. Hannes Löhr hat sich immerhin zweieinhalb Jahre in Köln gehalten.

Kurtspaeter: Tut mir schrecklich leid, aber das Gegenbeispiel ist Udo Lattek. Ich bin dann mal weg…

[…]

Stif: Dixie Dörner nicht zu vergessen.

Heinzkamke: Lattek. Na großartig

[…]

Blavont: Gegenbeispiel DFB-Trainer: Dettmar Cramer

Man kann vermutlich darüber streiten, ob der zuletzt genannte Dettmar Cramer tatsächlich „DFB-Nachwuchstrainer“ war oder „nur“ Assistent von Helmut Schön. Zum einen kann ich mir aber vorstellen, dass die Stellenbeschreibungen in dieser Hinsicht nicht allzu exakt waren, zum anderen finde ich die Ausweitung auf „DFB-Trainer“ insofern interessant, als dadurch auch Namen wie Beckenbauer, Völler oder Klinsmann ins Spiel kommen. Wie meinen? Völler hat schon vor seinem DFB-Engagement als Bundesligatrainer gewirkt? Dann weite ich die Frage halt noch weiter aus und schaue mal nach, wer als Trainer (oder Teamchef) sowohl für den DFB als auch in der Bundesliga gearbeitet hat, unabhängig von der Reihenfolge. Und wie viele Bundesligaspiele dabei herauskamen. Oder gar Titel. Und dann mach ich was ganz Verrücktes: die DDR-Trainer bzw. ihre Tätigkeit in der Oberliga und für den DFV kommen auch noch dazu.

Tja, was soll ich sagen? Ich hatte neulich schon befürchtet, dass jemand das Gegenbeispiel Erich Ribbeck nennen würde. Hat zwar keiner getan, aber er saß mir irgendwie im Genick, und letztlich muss er manches richtig gemacht haben, sonst wäre er wohl nicht der Trainer mit den zweitmeisten Bundesligaspielen nach Otto Rehhagel. Zudem ist er wohl der Verbands- und Vereinstrainer mit den meisten Seitenwechseln. Udo Latteks Erfolgsliste ist, in Titeln gerechnet, natürlich ungleich imposanter, ähnlich ist es bei Heinz Krügel. Dietrich Weise, den ich wegen seiner Heldentaten von 1981 vor allem als Nachwuchstrainer in Erinnerung habe (was man in der Klappergass anders sehen dürfte), beeindruckt mich mit 370 Bundesligaspielen. Die beste Titelquote hat erwartungsgemäß die Lichtgestalt: 17 Spiele für 2 Trophäen. Eberhard Stange und Eduard Geyer haben in beiden Topligen trainiert, Dixie Dörner war für beide Verbände tätig.

[Größeres Bild; Sortierbare Tabelle]

Ein paar Hinweise zu den Daten:

Bestimmt fehlen einige Namen. Dies gilt nicht für Dieter Eilts, Eberhard Vogel, Uli Stielike, Manfred Zapf, Hans-Dieter Flick oder auch Jupp Derwall. Sie haben meines Wissens nicht als Cheftrainer in der Bundes- oder Oberliga gearbeitet und wurden deshalb nicht berücksichtigt.

Fehler sind dennoch wahrscheinlich. Dies liegt zum allergrößten Teil an mir, teilweise auch an den verfügbaren Daten, die hauptsächlich von fussballdaten.de sowie aus der Wikipedia und verschiedenen Fan- bzw. Vereinsseiten stammen. Über Korrekturhinweise freue ich mich.

Speziell die Daten zur DDR-Oberliga sind mit großer Vorsicht zur genießen. Bewusst habe ich nur gerundete Zahlen verwendet, die an einigen Stellen (Bsp.: Oelgardt) dennoch deutlich daneben liegen können.

Die westdeutschen Erstligaspiele sind erst ab Gründung der Bundesliga enthalten. Dies betrifft konkret Georg Gawliczek, der den FC Schalke 04 bereits vor 1963 in der höchsten Spielklasse trainierte.

Manndecker

Vor einigen Tagen habe ich mich mit dem Trainer über unsere aktive Fußballvergangenheit unterhalten, was so lange vergnüglich war, bis mich eine ganz schwarze Phase wieder einholte, die ich längst im Pensieve abgelegt glaubte: drei Spiele lang war ich in den frühen 90er Jahren Manndecker.

Angesichts einiger Ausfälle von Defensivspielern hatte mein damaliger Trainer entschieden, mich als Manndecker aufzubieten (damals noch vor einem Libero), wo ich es gleich im ersten Spiel mit dem Führenden der Torschützenliste zu tun bekam, der tatsächlich einmal einnetzte, was mir in der konkreten Situation aber nicht angelastet werden konnte. Die beiden nächsten Spiele verliefen für die Mannschaft recht erfolgreich, ich selbst verbuchte bei einem Vorstoß gar ein zählbares Erfogserlebnis, und nach der Rückkehr der Verletzten durfte ich wieder ins Mittelfeld. So weit, so gut. Und doch hinterließ diese Versetzung eine gewisse Unzufriedenheit.

Aus meiner Sicht war ich damals technisch halbwegs beschlagen und auch nicht gänzlich unkreativ – Eigenschaften, die im Deutschland der frühen 90er Jahre von einem Manndecker nur bedingt gefordert wurden. Manndecker hießen im deutschen Fußball der frühen 90er Jahre beispielsweise Borowka, Schlindwein, Roth, Spanring, Kutowski, Hopp, Wörns, Reich oder Kohler – allesamt Spieler, die ich bereitwillig noch in die damals bereits ausgestorbene Kategorie des Vorstoppers gesteckt hätte. Auf der internationalen Bühne zeigten indes Spieler wie Marcel Desailly, Frank de Boer oder insbesondere (und bereits seit Mitte der 80er) Frank Rijkaard, dass man die Position des Vorstoppers Manndeckers Innenverteidigers auch anders interpretieren kann. In der Bundesliga gaben zumindest Rune Bratseth, vielleicht auch Patrik Andersson und der eine oder andere mehr, einen Vorgeschmack auf modernen Fußball in den hinteren Reihen. Der DFB, an der Spitze vertreten durch Berti Vogts und selbst Jahre später noch Erich Ribbeck, fand das allem Anschein nach nicht so spannend.

Immerhin: Den Begriff des Vorstoppers hatte die Kicker-Rangliste des deutschen Fußballs bereits im Juli 1986 ausrangiert, also just nach der Weltmeisterschaft in Mexiko, bei der passenderweise mit Norbert Eder, Ditmar Jakobs und Karlheinz Förster gleich drei Vorstopper (fast) alle Spiele der deutschen Mannschaft absolviert hatten. Möglicherweise hatte dieses Turnier, das eine auf das Zerstören des gegnerischen Spiels ausgerichtete deutsche Mannschaft zumindest auf dem Papier geradezu unverschämt erfolgreich beendete, meinen Mitspieler geprägt, der mich in der eingangs geschilderten Situation dazu beglückwünschte, nunmehr das Maximum dessen erreicht zu haben, was man sich vom Fußball erhoffen könne: Manndecker zu sein. Er meinte das durchaus ernst.

Letztlich war es wohl nicht nur arrogant, sondern geradezu unpatriotisch, dass ich mir für die Innenverteidigung zu schade war, wo man die Waldhöfer deutschen Tugenden in besonderem Maße zum Einsatz bringen konnte. Ob man hierzulande auch deshalb besonders lange am Manndecker festhielt? Zwar wähnte man sich Mitte der 90er Jahre, als die halbe Welt längst mit Viererkette agierte, kurzzeitig an der Spitze der Avantgarde, weil Matthias Sammer den Libero vor der Abwehr gab und den Manndeckern Netz und doppelten Boden entzog; Olaf Thon und Lothar Matthäus ließen eine Abkehr vom System mit Libero in den Folgejahren gleichwohl nicht zu, und bei der EM 2000 trat man neben Matthäus mit den Herren Nowotny, Linke, Babbel und Rehmer an. Christian Wörns fehlte verletzt.

2002 läutete Christoph Metzelder die Wende bei den deutschen Innenverteidigern ein, Per Mertesacker kam 2004 hinzu, und in den letzten Jahren machte sich die verbesserte Nachwuchsarbeit des DFB auch auf dieser Position bezahlt. In den Nachwuchsmannschaften, so meine bescheidene Meinung, verschwimmen die Grenzen zwischen Innenverteidigern und defensiven Mittelspielern mitunter – Mats Hummels darf als hervorragendes Beispiel gelten.

Was man dennoch nicht vergessen sollte: 2006 stand Jens Nowotny im WM-Kader der deutschen Nationalmannschaft. Arne Friedrich hat 69 Länderspiele – and counting. Robert Huth hat 2009 zwei Länderspiele bestritten. Und die Herren Westermann, Friedrich, Tasci, Boateng, Hummels sowie einige mehr sollten sich vermutlich fragen, wieso sich Christoph Metzelder nicht ganz ohne Berechtigung Hoffnungen auf die WM 2010 macht.

Falls jemand meint, dies sei ein oberflächlicher und alles andere als vollständiger Abriss über die jüngere Geschichte des deutschen Innenverteidigerwesens, so hat er recht. Eigentlich wollte ich nur kurz über meine eigene Vergangenheit als Manndecker berichten und bin ein wenig vom Weg abgekommen. Heute würde ich es vermutlich nicht mehr als herabwürdigend empfinden, als Innenverteidiger aufgestellt zu werden – schließlich ist er der erste Spielmacher. Obwohl…