Berückende Bundesliga

Betrachtet man die zurückliegende Saison des VfB Stuttgart noch einmal etwas intensiver und beschäftigt sich insbesondere mit der ausnehmend guten Rückrundenbilanz, so kommt man keinesfalls umhin, Gotoku Sakai, Vedad Ibisevic und Georg Niedermeier in absoluter Objektivität als ausschlaggebend zu bezeichnen, bzw. vor allem den Umstand, dass sie Boulahrouz, Maza und Cacau bzw. Pogrebnyak verdrängen konnten. War man in der Hinrunde auf der einschlägigen 11er-Skala meist noch zwischen 4 und 6 gependelt, so erreichte man in der Rückrunde dank der drei genannten Herren regelmäßig Werte von 7 oder 8.

Besonders bemerkenswert, wenn auch nicht im Einklang mit dem Startelfgebot, war die Phase zwischen der 46. und 58. Minute am 30. Spieltag in Augsburg, als der VfB tatsächlich mit den Nummern 1-9 auf dem Platz stand. Bedenkt man zum einen, dass die 10 nicht vergeben und die 11, Audel, das ganze Jahr über verletzt war, und zum anderen, dass von den beiden Ergänzungsspielern der eine, Hajnal, als klassischer Zehner ebendort spielte und der andere, Schieber, als Linksaußen auf der 11 agierte, darf man wohl ohne Übertreibung von den besten gut zwölf Minuten der Saison sprechen.

Beeindruckend auch der 34. und 25. Spieltag, als zunächst sowohl der HSV als auch der VfB mit jeweils 8 aus 11 in die Partie gingen und eine Woche darauf der VfB mit acht der ersten elf begann, während Kaiserslautern gar mit deren neun aufhörte. Aufschlussreich war dabei nicht zuletzt, dass die beiden Mannschaften noch in der Hinrunde mit vier gegen vier ins Spiel gegangen waren.

Der eben schon angesprochene HSV trat bei mindestens 5 Partien mit 9 klassischen Nummern an, am 16. Spieltag fehlte zwischen der 69. und 84. Minute gar nur die 3, Michael Mancienne, um ein rundum stimmiges Bild abzugeben. Im Saisonschnitt standen beim HSV pro Spiel knapp 8 Spieler mit Rückennummern zwischen 1 und 11 beim Anpfiff auf dem Platz, was angesichts der durchwachsenen Hamburger Saison dem Schluss, dass eine Orientierung an traditionellen Werten nicht zwingend zum Erfolg führt, nicht im Wege steht.

Wenn man dann noch bedenkt, dass Absteiger Hertha den zweithöchsten Wert erreicht (ohne Berücksichtigung der Nummerierung in der Relegation, vor Gericht und auf hoher See), lässt das bereits tief blicken. Möglicherweise hat also der VfB seinen Uefa-Cup-Platz letztlich eher trotz als wegen seiner noch immer deutlich über 6 Klassiker in der, man muss es so sagen, Durchschnittself erreicht.

Darüber hinaus lassen auch die Bilanzen von Kaiserslautern, das in der Hinrunde, als man (zugegeben: nur stichprobenartig überprüft) häufiger mit höheren Nummern antrat, immerhin noch den einen oder anderen Zähler holte, und des SC Freiburg, der in der ersten Saisonhälfte mit den Herren Bastians (Nr. 3), Butscher (5), Abdessadki (6), Cissé (9) und Nicu (10) eher überschaubar punktete, in der Rückrunde aber, als aus den ersten elf zum Teil nur noch Baumann und Makiadi aufliefen, eine bemerkenswerte Bilanz erzielte, aufhorchen.

Sicher, all das sind nicht mehr als schwache Indizien, wenn überhaupt, man könnte vielleicht auch von Scharlatanerie sprechen. Und doch möchte man es sich ja nicht nehmen lassen, auch einmal an jenes Ende der Skala zu schauen, wo die Mannschaften erscheinen, die nur wenige Spieler aus den ersten elf zum Einsatz kommen lassen. So wie der FC Bayern im vorletzten Saisonspiel gegen den VfB, als nur einer auflief, noch dazu die 11, die halt grade noch so dazugehört.

Ja, ja, ich weiß, gegen den VfB reichte auch die B-Elf der erfolgsverwöhnten Münchner, war ein nicht repräsentatives Beispielspiel.

Betrachtet man nämlich die gesamte Saison, so stellt sich die Situation völlig anders dar. Also fast. Immerhin 2,8 Bayern standen im Schnitt beim Anpfiff mit einer Standardnummer auf dem Feld, was – ich verkneife mir Sätze, die mit immerhin oder wenigstens beginnen – den ligaweiten Spitzenwert darstellt. Knapp dahinter Schalke, das 2,9 klassische Starter zu verzeichnen hatte. Der einzige weitere Verein, der weniger als 4 Spieler mit einer Traditionsnummer auf das Feld schickte, war mit einem Wert von 3,8 wer? Genau: Borussia Dortmund.

Schlussfolgerungen bezüglich Korrelationen oder gar Kausalitäten zwischen sportlichem Erfolg und dem Einsatz der von mir so geschätzten Spieler zwischen 1 und 11 seien der geneigten Leserin selbst überlassen.

Man könnte sich natürlich überlegen, was das für die Duelle Schmelzer (3) – Boateng (20), Hummels (5) – Mertesacker (17), Klose (11) – Gomez (23) oder gar Neuer (1) – Wiese (12) bedeuten mag.

______

Falls sich jemand für die Bilanzen der anderen Bundesligisten interessiert: Ich hatte mir überlegt, sie in Form einer 18-teiligen Klickstrecke, möglicherweise um die eine oder andere Werbeeinblendung ergänzt, zur Verfügung zu stellen. Leider fehlt mir die technische Kompetenz. Ergo.

Fehler sind wahrscheinlich, Hinweise willkommen.

Verbalbeurteilung 2012

Im abgelaufenen Jahr waren die Leistungen der Gruppe nicht nur erneut recht wechselhaft; vielmehr gelang es wiederum, durch konzentrierte Leistungen im zweiten Halbjahr ein noch vor wenigen Monaten kaum für möglich gehaltenes Abschlussniveau zu erreichen. Erstmals seit Jahren war es zudem möglich, Kontinuität beim Lehrpersonal zu gewährleisten.*

* Ein Umstand, der anderen Einrichtungen nicht vergönnt war und der sie mitunter zu ungewöhnlichen Lösungen (Pensionäre, Lehrpersonal mit fragwürdiger Ausbildung, Rückgriff auf ehemalige Schützlinge oder freigestellte Ehemalige, …) zwang.

Leider gelang es bei den jüngeren Jahrgängen wie auch bei der Ausbildungskoordination nicht, diese Kontinuität zu gewährleisten, was die Umsetzung des Leitbilds der Einrichtung, insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung der nachrückenden Jahrgänge, erschwert. Eine entsprechend demütige Herangehensweise scheint geboten. Lehrpersonal und Verwaltung werden diesbezüglich auch weiterhin Beispiel gebend wirken.

Sven konnte im Lauf des Jahres mit guten, in Teilbereichen außergewöhnlichen Resultaten nicht nur die Gruppe und das Lehrpersonal von seiner Leistungsfähigkeit überzeugen. Nicht zuletzt dank zahlreicher erfolgreich absolvierter Einzelprüfungen und einer bemerkenswerten linearen Herangehensweise ist Svens Ansehen enorm gestiegen. Gelegentlich wären ihm eine höhere und stärker nach vorne gerichtete Gedankenschnelligkeit sowie ein spielerischer Umgang mit potenziell schwierigen Situationen zu wünschen. Sven erhält einen Preis. Einen hohen.

Arthurs Leistungen ließen zu keinem Zeitpunkt auf ein ernst zu nehmendes Interesse schließen, über den Sommer hinaus in der Einrichtung zu bleiben. Seine zahlreichen Fehlzeiten waren nur selten selbst gewählt, sondern meist durch das Lehrpersonal angeordnet. Angesichts eines möglichen Verbleibs aus sozialen Gründen durfte er zuletzt erneut an einigen Prüfungen teilnehmen, ohne ansprechende Leistungen zu erbringen. Zudem brachte er seinen Kameraden Sven wiederholt durch gegen diesen gerichtete Alleingänge in Bedrängnis.

Cristian gelang es auch im abgelaufenen Jahr nicht, seine teilweise sehr guten Leistungen mit der erwünschten Konstanz zu erbringen. Immer wieder vermischen sich die erfreulich offensiv vorgetragenen positiven Eindrücke mit Situationen, in denen er sich zu leicht in die Defensive drängen lässt und ein wenig den Überblick verliert. Der im Raum stehende Wechsel zu einer ausländischen Einrichtung hängt sicherlich von den Rahmenbedingungen ab, ist jedoch aus Sicht unserer Einrichtung nur bedingt zu empfehlen. Bemerkenswert ist im Übrigen Cristians konsequenter Umgang mit einschlägig bekannten Petzen.

Gotoku stieß im Winter aus einer ausländischen Einrichtung zur Gruppe und sollte aus Sicht der Leitung zunächst einen längeren Integrationskurs durchlaufen, den er aber dank außergewöhnlicher beiderseitiger Anstrengungen und einer ebensolchen Lernwilligkeit rasch abbrechen konnte, um statt dessen an exponierter Position und mit bemerkenswertem Erfolg an zahlreichen Prüfungen teilzunehmen. Im kommenden Jahr wird es, unserem Einrichtungsleitbild widersprechend, auch darum gehen, dass er vergisst, wo er herkommt, und lahme Vergleiche mit Leben füllt. Gotoku erhält ein Lob.

Khalid erbrachte in diesem Jahr verlässlich ansprechende Leistungen und konnte im Gegensatz zu den Vorjahren auch sein Interesse an einem erfolgreichen Abschluss vermitteln – sowohl am eigenen als auch an dem seiner Freunde, die er verschiedentlich vorbereitend unterstützte. Leider reichen seine Leistungen gleichwohl nicht aus, um sein Stipendium fortzuführen.

Stefano erfüllte die auf Basis seiner Vorleistungen angepassten Erwartungen in vollem Umfang. Sehr bemerkenswert ist seine Kompetenz im Bereich der sogenannten neuen Medien, die allerdings mit unserem Profil nur schwer in Einklang zu bringen ist. Gemeinsam mit der Verwaltung kam er einträchtig zu dem Schluss, die Einrichtung zu wechseln.

Antonio durfte im Lauf des Jahres erstmals an einigen Einheiten mitwirken und in einem Fall auch an einer Prüfung teilnehmen, worauf er sehr stolz war. Einem jüngeren Jahrgang entstammend, bereitete ihm dabei der Niveauunterschied noch(?) gewisse Probleme und hinderte ihn mitunter, elegantere Lösungen zu finden. Dabei ist festzustellen, dass auch der Randplatz für seine Integration gewiss nicht förderlich war.

Serdar erbrachte das gesamte Jahr über konstant und zuverlässig gute Leistungen. Erstmals gelang es ihm, sich gänzlich auf Übungseinheiten und Prüfungen zu konzentrieren, zudem hielt er die Fehlzeiten gering. Unaufgeregt trug er, spätestens im Frühjahr auch äußerlich sichtbar, Verantwortung für die Gruppe und konnte bedrohliche Situationen immer wieder mit der ihm eigenen Eleganz lösen. Dass ihm die Teilnahme an einem internationalen Sportfest verwehrt blieb, ist sehr bedauerlich und vermutlich nur einer zum Jahresende hin erlittenen Sportverletzung geschuldet. Serdar erhält einen Preis.

Georg gelang es in einer in diesem Maß unerwarteten Art und Weise – nach einem nicht zufrieden stellenden Vorjahr und einer längeren krankheitsbedingten Abwesenheit –, zum Jahreswechsel hin wieder verlässlich ansprechende Leistungen und entsprechende Prüfungsresultate zu erbringen. Seine Gruppenarbeiten mit Serdar verliefen in der Regel gleichermaßen harmonisch wie ergebnisorientiert. Sehr rasch übernahm er zudem wieder Verantwortung in der und für die Gruppe. Speziell sein häufig unterschätztes Faible für Technik setzte er dabei mitunter recht offensiv ein.

Francisco stieß vor dem abgelaufenen Jahr zur Gruppe und nahm gleich einen frei gewordenen zentralen Platz ein, was ihm die Integration deutlich erleichterte. Seine Leistungen waren von Beginn an solide; einzelne Ausrutscher, die zunächst nicht allzu sehr ins Gewicht fielen, trübten indes schon früh den Gesamteindruck. Dies setzte sich im zweiten Halbjahr nahtlos fort, sodass er nur noch seltener zu Prüfungsleistungen zugelassen werden konnte. Zuletzt handelte es sich offensichtlich um eine Kopfsache.

Matthieu hatte, zunächst krankheitsbedingt, erneut lange Fehlzeiten zu verzeichnen. Beim Versuch, das Versäumte durch Nachhilfestunden mit Jüngeren aufzuholen, schlug er leider über die Stränge und verschuldete damit weitere Fehlzeiten, die er in absehbarer Zeit nicht aufholen kann. Er wechselt daher an eine nahe gelegene traditionsreiche Einrichtung, die ihren regionalen Fokus somit weiter stärkt. Für seine langjährige Mitwirkung in den einschlägigen Gremien erhält Matthieu einen Preis.

William stieß im vergangenen Sommer zur Gruppe und beeindruckte vom ersten Tag an mit kurzen Hosen, Offenheit, Eloquenz, Humor und Ernsthaftigkeit. Speziell im ersten Halbjahr waren seine Prüfungsresultate trotz einiger Regelverstöße außerordentlich gut. Im Frühjahr machte ihm der Niveauunterschied zu seiner alten Einrichtung zeitweise ein wenig zu schaffen, zum Ende hin stabilisierte er sich wieder und nimmt derzeit an einer internationalen Sommeruniversität teil. Seine soziale Kompetenz ist beispielhaft und zeigt sich nicht zuletzt an seinem mitunter auch offensiv zur Schau getragenen Bestreben, den häufig am Rand stehenden Sven in nahezu jede Gruppenarbeit einzubeziehen.

Christian fand sich im abgelaufenen Jahr wesentlich besser zurecht als zuvor. Gerade im Sport zeigte er sich deutlich verbessert, auch unmusikalische Misstöne waren nur noch selten zu vernehmen. Er nahm am Großteil der Prüfungen teil, häufig als Nachrücker, oft mit – gelegentlich auch zählbarem – Erfolg, teilweise aber auch mit schwächeren Ergebnissen, die seiner großen Begabung nicht gerecht werden. Sein Ansehen in der Gruppe ist unverändert hoch; Verlässlichkeit, Engagement und Verantwortungsgefühl sind beispielhaft. Bemerkenswert ist zudem sein zuletzt verschiedentlich unter Beweis gestelltes Gespür für spektakuläre Abschlussprojekte.

Zdravko erzielte im abgelaufenen Jahr eher wechselhafte Ergebnisse, zeigte sich aber in kritischen Situationen einmal mehr punktgenau vorbereitet. Nach wie vor würde man sich wünschen, dass er seine Begabung noch entschlossener und vor allem schneller in entsprechende Prüfungsleistungen ummünzt. Möglicherweise wird er die Einrichtung im Sommer verlassen, um zu einer ausländischen Einrichtung zu wechseln – was mit Blick auf die anstehenden Prüfungen einen herben Verlust darstellen würde. Seinem Wunsch, sich in einem nicht nur internationalen, sondern dem Vernehmen nach auch berechenbareren Umfeld weiterzuentwickeln, trüge die Einrichtungsleitung (nach derzeitiger Quote) wohl dennoch Rechnung.

Mamadou nahm im vergangenen Jahr an sehr wenigen Prüfungen teil, was nur bedingt an Krankheiten oder der Mitwirkung bei einem internationalen Sportfest lag. Vielmehr gelang es schlichtweg nicht, seine Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen. Anlässlich einer Sportprüfung im größtmöglichen Rahmen legte er indes, so der Übungsleiter, in einer kritischen Situation eine bemerkenswerte Ruhe an den Tag. Ein Gespräch ist erwünscht.

Tamas hatte dieses Jahr lange an dem – nicht ganz unerwarteten – Rückschritt nach einem beeindruckenden Vorjahr zu knabbern und konnte erst nach einer langen Phase ungebrochenen Fleißes wieder an einen erfolgreichen Abschluss denken – und auch seine Freunde dabei unterstützen. Ob er eine auch im neuen Jahr nicht unwahrscheinliche ähnliche Entwicklung noch einmal bewältigen könnte, erscheint fraglich. Möglicherweise käme ihm eine Mentorentätigkeit für ein junges Gruppenmitglied eher entgegen.

Raphael durfte, aus einem jüngeren Jahrgang kommend, sowohl an den Übungseinheiten als auch an einzelnen Prüfungen teilnehmen. Die Prüfungsleistungen stellten eine sehr vielversprechende Probe seiner überragenden Begabung dar, in den Übungen indes erwuchsen dem erfahrenen Lehrpersonal, das selbstverständlich nicht aus Idioten besteht, bisweilen Zweifel an seiner Seriosität. Ein Gespräch ist erwünscht. Thema: Haarschnitt.

Martin erzielte im Betrachtungszeitraum noch einmal deutlich verbesserte Prüfungsergebnisse. Dabei entstand phasenweise der Eindruck, dass er selbst in Ansätzen, vor allem aber sein Umfeld den Fokus etwas zu sehr auf seinen erfolgreichen Abschluss legte. Seine Technikaffinität erscheint nach wie vor verbesserungswürdig, seine Kommunikation nicht. Sieht man von einzelnen Reibereien mit seinem Freund Geronimo ab, ist es gleichermaßen wahrscheinlich wie wünschenswert, dass er der Einrichtung auch künftig mit seinem Auftreten zur Ehre gereicht. Martin erhält einen Preis in Form eines langjährigen Stipendiums.

Shinji wirkte in seinem ersten kompletten Jahr bei uns etwas zielstrebiger und arbeitete entschlossener – mitunter zudem sehr sehenswert – auf den Abschluss hin, ohne bereits all seine Potenziale auszuschöpfen. Er erleichterte maßgeblich die Integration seines Freundes Gotoku und machte Fortschritte bei der Ablaufkoordination mit anderen Mitgliedern seiner Arbeitsgruppe. Noch immer scheint indes unklar, ob er seinen Platz in der Gruppe gefunden hat.

Timo konnte sein Niveau aus dem Vorjahr nicht zuletzt deshalb zu keinem Zeitpunkt erreichen, weil er in aller Regel nicht zu den Prüfungen zugelassen wurde. Dies lag zum kleinen Teil an Krankheiten, zum großen Teil an anderen Gründen, die hier auszuführen zu kompliziert wäre. Seien Sie jedoch versichert, dass die Leitung nicht aus Idioten besteht und gute Gründe hatte. Wir beglückwünschen Timo zu seiner Entscheidung, an eine unserer traditionellen Kooperationseinrichtungen zu wechseln, die sich auf die Rehabilitierung begabter Drop-Outs anderer Einrichtungen spezialisiert hat.

Ibrahima durfte in seinem ersten Jahr an unserer Einrichtung anfänglich sehr regelmäßig als Nachrücker an Prüfungsleistungen teilnehmen, ohne dabei die erhofften Resultate erzielen zu können. In der Folge musste er sich lange darauf konzentrieren, im Rahmen angeleiteter Übungsstunden an seinen Defiziten zu arbeiten; krankheitsbedingte Fehlzeiten und ein längerer Heimaturlaub kamen hinzu. Erst ganz am Ende des Betrachtungszeitraumes nahm er nochmals an einigen Prüfungen teil und punktete speziell im Rahmen eines Automobilprojekts. Ein Gespräch ist erwünscht.

Johan konnte krankheitsbedingt das ganze Jahr über nicht mit der Gruppe arbeiten, nachdem bereits im Vorjahr die Übernahme nur auf Probe erfolgt war. Gleichwohl wird er im neuen Jahr noch einmal die Möglichkeit erhalten, sich zu bewähren und die positiven Eindrücke, die er bei seinen allerersten Prüfungsleistungen vermittelt hatte, zu bestätigen.

Julian kehrte im vergangenen Sommer von einem Austauschprogramm zurück, in dessen Verlauf er so schwer erkrankt war, dass er bis zum Winter an keiner Prüfung teilnehmen konnte. Entsprechend schwer fiel ihm die Reintegration – das ganze Jahr über blieb ihm zumeist nur ein Platz am Rand der Gruppe –, entsprechend verbesserungswürdig waren auch die ersten Prüfungsergebnisse. Nach dem Winter stabilisierte er sich etwas, ohne jedoch die Erwartungen erfüllen zu können. Seine Abschlussfokussierung steht indes nicht in Frage, wie er jüngst in einem Geographieprojekt unter Beweis stellte. Das Thema lautete „Westfalen“ und gilt derzeit als sein persönliches Steckenpferd. Ein Gespräch ist unumgänglich.

Geronimo hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Nur 12 von mehr als 30 Prüfungen durfte er vollständig bearbeiten, 13 mal konnte er sich nur als Nachrücker einbringen, mit teilweise überschaubar positiven Ergebnissen. Parallel zu seiner mitunter zu deutlich zur Schau getragenen Unzufriedenheit litt auch sein Ansehen in der Gruppe. Gleichwohl ließ er in seinen Anstrengungen nicht nach und wirkte gerade zum Ende hin in seinem Auftreten wieder zielorientierter. Umso bedauerlicher ist es, dass er, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen, nicht an der Sommeruni teilnehmen darf und so einen weiteren Rückschlag erleidet. Ein Gespräch ist erwünscht.

Vedad kam im Winter an unsere Einrichtung und beeindruckte von Beginn an mit seiner klaren Abschlussorientierung. Erfreulicherweise stellte er seine Vorbereitungsmaßnahmen auch seinen Freunden ausnehmend freigiebig zur Verfügung. Sein bereits nach kürzester Zeit ausgeprägtes Verständnis hiesiger Abläufe erleichterte seine Integration zudem und ermöglichte zielgerichtete Gruppenerarbeiten, insbesondere mit seinem Freund Martin. Vedad erhält ein Lob.

Pavel zeigte sich einmal mehr überaus bemüht und engagiert, ohne allerdings die erhofften Prüfungsergebnisse zu erzielen. Seine schwach ausgeprägte Technikaffinität und die grundsätzlichen Zweifel an seiner Abschlussfähigkeit führten letztlich dazu, dass wir seinen Wunsch, an einer ausländischen Einrichtung eine neue Sprache zu erlernen, beförderten.

Christoph wechselte im Sommer aus einer aufstrebenden Nachbareinrichtung zu uns und durfte im Herbst an einzelnen Prüfungen teilnehmen. Aufgrund der auch im Rahmen der regelmäßigen Übungsstunden gesammelten Eindrücke erscheint fraglich, ob der den Anforderungen gerecht werden kann. Ein Gespräch ist erwünscht.

Bruno begann sein erstes komplettes Jahr mit einer Reihe erfolgreicher Prüfungen, ohne dabei die im Vergleich zum Vorjahr erhofften eleganten Lösungsansätze zu finden. Im weiteren Verlauf ließen zunächst die Ergebnisse deutlich nach, und erst, als seine Jahresprüfungen und damit seine Zukunft in Frage standen, gelang es ihm wieder, die Konzentration auf das Wesentliche zu lenken und das Jahr erfolgreich zu beenden. Seine Herangehensweise wirkt gleichwohl mitunter althergebracht, frischen Lösungsansätzen kann er wenig abgewinnen oder sie gar selbst entwickeln. Seine Orientierung am Einrichtungsleitbild ist vorbildlich, seine Demut im Angesicht des großen Ganzen beispielgebend, sein Festhalten an der eigenen Herkunft mustergültig. Gespräche sind erwünscht.

Fredi machte sich im abgelaufenen Jahr in besonderem Maß um unsere Einrichtung verdient. Trotz geringer Spielräume gelang es ihm in einer koordinierenden Funktion, die Arbeitsgruppen ausgewogen zusammenzustellen und anzuordnen. Vor allem aber übernahm er zahlreiche kommunikative Aufgaben, die somit nicht von der Einrichtungsleitung wahrgenommen werden mussten. Zudem gelang es ihm, die Alumni und den Förderkreis vom Tagesgeschäft zu entlasten. Er machte sich um die stärkere Förderung jüngerer Jahrgänge verdient, indem er neue Mentoren und einen Koordinator gewann. Leider wurden die Pläne, die so geförderten Hochbegabten regelmäßig zu Prüfungsleistungen heranzuziehen, nicht in die Tat umgesetzt – was sowohl bei den jungen Leuten selbst als auch bei den Mentoren als auch im Umfeld zu Verdruss geführt hat. Fredi erhält ein Lob. Gegen den Frust.

Gerd kam im vergangenen Sommer nach langwierigen Aufnahmediskussionen an unsere Einrichtung und verhielt sich zunächst angenehm zurückhaltend. Erst zum Ende des Betrachtungszeitraums verdiente er sich im Bemühen um eine neue Einrichtungsuniform ein Sternchen. An Prüfungen durfte er nicht teilnehmen, andersartige Leistungsnachweise erbrachte er ansonsten nicht. Im Frühjahr zog er die Bedeutung deutscher Dichtkunst in Zweifel, wurde eines Literaturprojekts verwiesen und beleidigte Außenstehende, die sich vorsichtig kritisch zur Einrichtung geäußert hatten. Wie er vor diesem Hintergrund einem Verweis entgehen konnte, ist unergründlich. Gesprächskultur ist erwünscht, ein persönliches Gespräch nicht.

Von Plattformen und Idioten

Das ZDF-Sportstudio fordert ja seit einiger Zeit seine Twitter-Follower auf, sich während der Sendung zu Wort zu melden und zur Diskussion beizutragen. Inwieweit die Wortmeldungen in eben diese Diskussion einfließen, war mir bis Samstag nicht ganz klar, aber das mag an mir als eher sporadischem und dann auch auch selektivem Zuschauer liegen. Am Samstag wäre indes die Aufforderung nicht nötig gewesen – der gemeine Twitternutzer ist nämlich, genau wie sein weibliches Pendant, in aller Regel selbstbewusst genug, seine Anliegen auch ohne explizite Aufforderung kund zu tun.

Im vorliegenden Fall bestand das Anliegen darin, das Sportstudio auf ein homophobes Banner aufmerksam zu machen, das am Samstag im Dortmunder Westfalenstadion gezeigt wurde, eigentlich sogar zwei, die aber recht rasch wieder verschwanden.

Und tatsächlich kam das Anliegen an. @ZDFSportstudio kündigte an, dass sich Moderator Michael Steinbrecher äußern werde, was er dann auch tat. Ging allerdings ziemlich schnell. Sinngemäß meinte ich, gehört zu haben, dass man die Hinweise der Twitternutzer erhalten habe und ernst nehme, diesen Idioten aber keine Plattform bieten wolle. Vermutlich meinte er aber doch nur die Urheber des Banners. Und Idioten sagte er wohl auch nicht. Man hat das einfach so im Ohr, ungefähr wie „sogenannte Fans“ in anderem Kontext.

Ernsthaft: Es gäbe durchaus nachvollziehbare Gründe dafür, dass das ZDF das Thema nicht so kurzfristig und ohne alle Hintergründe zu kennen (dem Vernehmen nach hatte es mit einer älteren Fanauseinandersetzung zu tun, mitunter wurde auch insinuiert, der homophobe Teil der Sprüche sei nur ein Vehikel, wofür auch immer) in die Sendung nimmt, möglicherweise zählt auch der zunächst per Twitter kommunizierte Hinweis, man verfüge nicht über ein fernsehgeeignetes Bild, dazu. Das Plattformargument halte ich indes für kein gutes.

Ganz im Gegenteil: Meines Erachtens kann man diesen Leuten gar nicht genug Plattformen bieten. Um sie auf jeder einzelnen zu ächten, ihre Dummheit und Intoleranz bloßzustellen, und immer immer wieder den Finger in die Wunde zu legen. Und nebenbei hätte man auch noch darlegen können, dass andere Dortmunder Fans dafür Sorge trugen, dass die Banner innerhalb kürzester Zeit verschwanden. Auch wenn über die Motive eben dieser Leute unterschiedliche Meinungen kursieren, bin ich doch geneigt, ihr unmittelbares Eingreifen als etwas Positives, auch Kommunizierbares, zu verstehen. Aber vielleicht bin ich da auch zu naiv.

Wenn allerdings das ZDF davon spricht, Dingen, die mit Fußball nichts zu tun haben, die dem Fußball vielleicht auch schaden, keine Bühne bieten zu wollen, dann stellt sich mir ganz am Rande eine eher mittelbar zum Thema gehörende Frage:

https://twitter.com/#!/heinzkamke/status/181153558924763138

Und dann werden meine Gedanken von einem Moment auf den anderen ganz und gar frei, mäandern ein wenig durch die hiesige Sportberichterstattung, halten hie und da kurz inne, um schließlich recht unvermittelt zu fragen, aus welchem Grund man all jenen, wie soll ich sagen, Experten eine – bezahlte –Plattform bietet, die ernsthaft moralisch wertvolle Überlegungen zur Daseinsberechtigung von Schere, Stein, Papier im deutschen Fußball anstellen wollen.

Oder ihren Kollegen, die eine Woche lang von der Frage in Bann gehalten werden, ob – und wenn ja, wie intensiv – Vedad Ibisevic einen möglichen Torerfolg bejubeln würde, um ihn hernach in extenso dazu zu befragen. Und dann werden meine Gedanken ein wenig unwirsch und fragen nach der Sau, die das interessieren würde, wenn man ihr nicht ständig einredete, dass es sie interessiere.

Schließlich stolpern sie noch einmal über die Ausgangsfrage von den Plattformen und den Idioten, ohne sich ganz sicher zu sein, ob man eher Fredi Bobic, der offensichtlich einen Spruch raushauen wollte, ohne sich voher um Fakten gekümmert zu haben, von der Plattform fernhalten sollte, oder ob es in gleichem Maße geboten wäre, jene Redakteure ein wenig einzubremsen, die Bobic‘ Aussage als inneres Überraschungsei begriffen und sich mit Verve daran machten, einen wunderbaren Konflikt mit Tom Starke zu befeuern – gerne, wie bei Sky geschehen, indem man Bobic erst einmal falsch zitiert und Starke als „Schauspieler“ bezeichnet.

Letztlich gelingt es doch noch, die Gedanken wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Was natürlich dem Mann zu verdanken ist, der das Spiel des VfB Stuttgart in geordnete Bahnen … nein, so weit wollen wir dann doch nicht gehen, es geht um den Vizeweltmeisterrechtsverteidiger, der einmal mehr unter Beweis stellte, dass man in den Niederlanden sehr wohl gute Gründe dafür hat, Khalid Boulahrouz auf der rechten Außenbahn zu platzieren. Bereits nach wenigen Minuten ließ er am Samstag mit einem ersten Übersteiger an der Außenlinie und dem damit provozierten Foul keinen Zweifel daran, dass er nur schwer zu halten sein und dem Spiel seinen Stempel aufdrücken würde. Was er mit zwei Hereingaben, die Vedad Ibisevic in arge Gewissensnöte stießen – vielleicht könnte mal jemand erörtern, ob und wie intensiv man nach einem Tor gegen einen Exverein jubeln darf – belegte.

Auch der besagte Vizeweltmeisterrechtsverteidiger nutzte übrigens die ihm gebotene Plattform, als ihn ein Interviewpartner schelmisch frug, ob die beiden Vorlagen Zufall gewesen seien, zu einem rantartigen Hinweis auf vergangene Torvorlagen und darauf, dass man an den Bildern eindeutig sehe, dass die Vorlagen Absicht gewesen seien, und überhaupt … bis der Reporter bescheiden anmerkte, dass er sich einen Scherz erlaubt habe, worauf sich Boulahrouz‘ Gesicht aufhellte und er professionell weiter antwortete. Schön anzusehen.

Ach so, wenn wir schon beim VfB sind: Pflichtsieg. Kann man im Nachhinein leicht sagen, und darauf hinweisen, dass man ja früher alles hätte klar machen müssen, und deutlicher gewinnen gegen in der ersten Halbzeit defensiv eher desorientierte Hoffenheimer. Wenn ich Marvin Compper richtig verstanden habe (und da bin ich mir keineswegs sicher), erkannte er bei seiner Mannschaft ein Missverständnis hinsichtlich der Bedeutung von „kompakt stehen“, das keineswegs ein anderer Ausdruck dafür sei, untätig daneben zu stehen. Ich konnte seine Herleitung nicht so ganz nachvollziehen, aber in der Sache würde ich ihm nicht widersprechen.

Wie gesagt: Hernach ist es leicht, von einem Pflichtsieg zu sprechen, und vielleicht noch anzuprangern, dass es hinten raus auch anders hätte laufen können. Da kann man dann auch mal darüber hinweg sehen, dass die beiden Tore zum jeweiligen Zeitpunkt nicht unbedingt in der sprichwörtlichen Luft lagen, sondern halt irgendwie über den VfB gekommen sind. Natürlich gewollt, und bestimmt bei der jeweiligen Flanke auch genau so geplant, aber von „zwingend“ würde ich jetzt auch nicht unbedingt reden. Letztlich kein Spiel mit Blumengebinde, eher eines zum entspannten Abhaken, und ob es ein Derby war oder nicht, ist mir völlig egal.

Wobei Markus Babbel in einem insgesamt lesenswerten Interview, bei dem er für meinen Geschmack allerdings etwas zu sehr in den Vordergrund stellt, wie lange und intensiv er den Traditionsverein aus dem Kraichgau bereits verfolgt habe, an einer Stelle gewiss nicht ganz unrecht hat:

Es gab aber auch erst sieben Bundesligaduelle zwischen beiden Clubs. Ist ein Spiel zwischen der TSG und dem VfB überhaupt ein echtes Derby, das beide Lager elektrisiert?

Aufgrund der Historie hat ein Spiel gegen den KSC für den Stuttgarter Anhang wahrscheinlich eine höhere Bedeutung. Ich bin aber ganz sicher, dass es einem VfB-Fan sehr wehtun würde, gegen uns zu verlieren.

Solange wir uns diebezüglich mit Wenns und Konjunktiven befassen dürfen, kann ich indes sehr gut damit umgehen.

Die Rückkehr des Zehn-Millionen-Euro-Mannes

Zu den in negativer Hinsicht bemerkenswerteren Entscheidungen des Bundestrainers Berti Vogts, die mir bis heute im Gedächtnis haften geblieben sind, zählte die Einwechslung von Andreas Brehme in der 83. Minute des WM-Viertelfinals 1994. Bulgarien war, wem sage ich das, gerade mit 2:1 in Führung gegangen, das Spiel dauerte keine zehn Minuten mehr, und Vogts brachte den verdienten Linksverteidiger, nach Angaben des DFB sogar gegen Brehmes explizite Empfehlung, doch lieber einen Stürmer einzuwechseln, für den ähnlich verdienten Offensivkünstler Thomas Häßler, dem das kurz zuvor verlorene Kopfballduell zu schaffen machte.

Vielleicht sollte ich ergänzen, dass meine Einschätzung bemerkenswerter Entscheidungen von Herrn Vogts nicht allzu aussagekräftig ist, um es vorsichtig auszudrücken. Schließlich scheint nicht nur die aus meiner Sicht völlig unverständliche Auswechslung von Mehmet Scholl im EM-Finale 1996 historisch völlig anders bewertet zu werden; vielmehr war wohl auch die von mir damals als sachgerecht empfundene Begnadigung und Reaktivierung von Lothar Matthäus vor der WM 98 nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss.

Wie dem auch immer sei: an jene Brehme-Einwechslung fühlte ich mich am Freitag im Neckarstadion erinnert, als auch Bruno Labbadia seinen rechten offensiven Mittelfeldspieler aus dem Spiel nahm und durch einen auf den ersten Blick etwas unpassenden Linksfuß ersetzte, dessen robbenartig verdrehte Tempoläufe inklusive entsprechender Abschlüsse dem Schreiber dieser Zeilen bis dato entgangen sein müssen. Vielleicht war es auch ganz anders. Schließlich hatte sich auch Brehme damals dann doch links einsortiert, und tatsächlich rückte Schieber zumindest so weit nach innen, dass man ihn auch als Halbstürmer interpretieren konnte – um Boulahrouz die rechte Bahn zu dessen freier Entfaltung zu überlassen. Und man fragt sich, welcher der beiden wunderbaren Ideen der Trainer tatsächlich verfallen war. Wobei „verfallen“ möglicherweise zu sehr nach Schicksal und Langfristigkeit klingt, wenn man bedenkt, dass sich Bruno Labbadia nach 14 Minuten dann doch entschied, Schieber wieder nach links zu schicken.

8 Minuten vor Schluss kam also Timo Gebhart. Dies finde ich insofern nicht ganz uninteressant, als Labbadia in der Nachbetrachtung des Spiels vermutlich ganz treffend analysierte: „Uns fehlen die Einzelspieler, die über Eins-eins-Situationen solche Problemlagen auflösen können.“ Ich rate mal völlig ins Blaue und könnte mir vorstellen, dass von 10 Anhängern des VfB Stuttgart 2 gar keinen Spieler benennen könnten, dem man ein Offensivdribbling auf engem Raum zutraut, je ein Unverzagter würde Cacau, Hajnal und wahrscheinlich sogar Harnik nennen, einer dieser unverbesserlichen Nachwuchsverfechter Kevin Stöger ins Feld führen, und der Rest dächte an Timo Gebhart. Wahrscheinlich mit Einschränkungen, die in Richtung „Potenzial nicht gezeigt“, „zu oft verletzt“, „Problem sind nicht die Füße, sondern der Kopf“ gingen, aber eben doch: Timo Gebhart.

Bruno Labbadia ist dann halt der elfte Befragte. Er setzte auf Julian Schieber. Diesmal. Und wir erinnern uns, wie er in den ganz engen, manche würden sagen: bereits verlorenen Spielen auf Raphael Holzhauser setzte, um ihn dann, wenn man mal etwas fürs Selbstvertrauen hätte tun können, auf der Bank sitzen zu lassen. Schließlich brauchen auch die Cacaus und Gentners dieser Welt Selbstvertrauen. Und die Jungen sind noch so jung, die können ruhig erst noch einmal in die dritte Liga zurückkehren – 10-Millionen-Mann Holzhauser war leider bei den Amateuren unabkömmlich. Dabei erfahren wir doch gerade in diesen Tagen in den Stuttgarter Nachrichten die wahren Baupläne des Stuttgarter Wegs: „Architekt Labbadia baut auf das Potenzial von Eigengewächsen wie Patrick Bauer und Antonio Rüdiger (beide Innenverteidiger), Steffen Lang (Rechtsverteidiger), Christoph Hemlein (Sturm), Kevin Stöger und Raphael Holzhauser (beide Mittelfeld), …“

Ja, ich bin ein wenig angefressen. Dabei kam es ja nicht ganz unerwartet, dass man gegen Kaiserslautern nicht gewinnen konnte. Der Gast stand tatsächlich sehr tief und sehr massiert, und wir wissen alle, dass der VfB nicht* in der Lage ist, gegen so eine Abwehr überzeugend anzuspielen. Mit etwas Glück hätte man früh in Führung gehen können, dann wäre alles leichter geworden. Oder man hätte eine der zwar nicht übertrieben häufigen, aber doch mehrfach zu verzeichnenden Schusschancen nutzen können, die zu entschärfen es keines Torwarts vom Schlage Tobias Sippels bedurft hätte. Die klassische Bahnschranke hätte gereicht. Aber auch das passiert, vermutlich erst recht einem übermotivierten Angreifer wie Cacau. Was mich wirklich ärgert, ist – neben der Rückversetzung Holzhausers – zum einen die bereits angesprochene Reaktion des Trainers während des Spiels (Hihi, wir schmeißen einfach nach und nach die Stürmer rein), zum anderen die im Nachgang vermittelte Selbstwahrnehmung beim VfB, die in der Überschrift des vereinseigenen Spielberichts wunderbar zum Ausdruck kam:

Remis trotz Dominanz

Wenn ich mich an dieser Stelle einmal kurz selbst zitieren dürfte (die eine oder andere Anpassung möge der geneigte Leser gedanklich selbst vornehmen):

„[…] Dennoch: nach meinem Verständnis hatte das, was wir am Samstag vom VfB gesehen haben, mit Dominanz nicht viel zu tun.

Sicher, man hatte “mehr vom Spiel”. Mehr Ballbesitz, mehr Spielanteile, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mehr Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte. Und die VfB-Hintermannschaft, allen voran Serdar Tasci, hat die Berliner Offensive in der Tat weitestgehend dominiert. Aber sonst? Gelungene Spielzüge, die bis zum Ende ausgespielt wurden und an deren Ende die Zuschauerin vom Sessel aufsprang, weil der VfB-Angreifer den Ball nur hauchdünn am Pfosten vorbei geschoben oder weil der Hüter brillant pariert hätte? Rasches Kombinationsspiel, das ein ums andere Mal Lücken in die Hertha-Abwehr gerissen hätte, in die Stuttgarter Angreifer entschlossen hinein gestoßen wären? Oder gar die viel zitierten Überraschungsmomente? Ganz ehrlich: daran kann ich mich nicht erinnern. […]“

Ich halte Holzhauser ja für einen Dominanzspieler.
Allein schon von der Körpersprache her.
Wird wohl an den bionischen Körperteilen liegen.

_________

* Die aufmerksame Leserin wird bemerkt haben, dass in derlei Sätzen, unmittelbar vor dem „nicht“, in aller Regel das Wörtchen „noch“ eingebaut wird. Dummerweise fehlt mir da ein wenig der Glaube.

Eine Frage der Zieldefinition

„Wir sind trotz allem auf einem guten Weg.“

So lässt sich Fredi Bobic nach der Niederlage in Bremen in den Stuttgarter Nachrichten zitieren, und man fragt sich, wohin dieser Weg führen soll.

Ich hatte ja das, wie mir viele Leute ungefragt bestätigten, große Glück, das Spiel gegen Augsburg nicht sehen zu können. Unglücklicherweise versäumten diese Leute, mir zu sagen, dass ich auch die Partie in Bremen lieber mit der Familie als in irgendeiner Fußballkneipe verbringen solle. Womit ich nicht diesen Menschen die Schuld geben will. Ich hätte es ja selbst merken können, spätestens in dem Moment, als mir die Fußballkneipe meines Vertrauens recht lapidar eröffnete (mit einem banalen Schildchen, quasi lapidar as lapidar can), dass ihre Pforten bis 17 Uhr geschlossen bleiben würden. Doch anstatt nach Hause zu gehen, brach ich in betriebsame Hektik aus und machte mich mit dem Mitschauer, ebenfalls meines Vertrauens, auf die Suche nach kurzfristig verfügbaren Alternativen. Sind ja schließlich immer spektakuläre Spiele in und gegen Bremen.

Und spektakulär war es. Zumindest in der Phase, als Ulreich allein gegen den Bremer Sturm antrat – also in den ersten 40 Minuten. Halbwegs spektuläre Angriffsaktionen (befördert durch Abwehrfehler, die man fast schon als, tja, spektakulär bezeichnet werden könnte) wurden durch spektakuläre Paraden zunichte gemacht.

Vielleicht hätte Fredi Bobic bei Martin Harnik nachfragen sollen, wie der denn das Spiel gesehen habe („Wenn wir so spielen, müssen wir uns Sorgen machen“), oder gerne auch bei Serdar Tasci („Man sieht, dass wir da oben nichts zu suchen haben“), ehe er von einem „guten Weg“ sprach. Aber vielleicht ist „da oben“ ja auch gar nicht da, wo sein Weg hinführen soll. Vielleicht sollte man einfach nicht vergessen, wo man herkommt. Sich daran erinnern, wo man vor einem Jahr stand, demütig sein.

Sarkasmus hin, Zynismus her: ich bin demütig. Mir ist sehr wohl bewusst, dass man sich in Cannstatt glücklich schätzen darf und muss, diese Saison noch in der Bundesliga zu spielen. Im Grundsatz wäre ich noch immer, wie mehrfach gesagt und geschrieben, zufrieden, wenn der VfB in der ganzen Saison zu keinem Zeitpunkt mit Sorge auf die Abstiegsplätze sehen müsste, könnte mit dem Schlagwort „Übergangssaison“ leben. Allein: eine Übergangssaison zeichnet sich dadurch aus, dass man Weichen stellt. Dass man definiert, wo die Reise hingehen soll, und vor allem wie, und dass sich das auch in der Spielweise andeutet. Finde ich. „Hoffen auf Harnik und Hajnal“ ist nicht das, was ich mir unter einer solchen Spielweise vorstelle.

Ein seriöses Urteil über die Entwicklung der Nachwuchsspieler kann ich mir nach wie vor nicht erlauben, und natürlich weiß ich nicht, welche Eindrücke die Spieler im Training hinterlassen. Aber es erscheint mir nicht richtig, wenn Christoph Hemlein (den ich keineswegs für einen Heilsbringer halte) am Fernseher zusehen muss, wie Pavel Pogrebnyak die (zugegebenermaßen sehr wenigen) Bälle, die er bekommt, nahezu ausnahmslos binnen Sekunden dem Gegner übergibt. Es irritiert mich, dass auch ein angeschlagener Okazaki den Vorzug vor Timo Gebhart erhält, über den man wohlwollend wenigstens sagen könnte, dass der, der viel macht, auch viele Fehler macht.

Es will mir nicht in den Kopf, dass man „auf einem guten Weg“ sein soll, wenn Dinge, die in dieser Saison schon hervorragend funktioniert haben, nunmehr wieder so weit entfernt scheinen. Die Stabilität und Solidität in der Abwehr, nicht zuletzt dank des Zusammenspiels zwischen Tasci und Maza: dahin. Die Effektivität, Souveränität und gelegentlich auch Brillanz im Zentrum, verkörpert von Kvist, Kuzmanovic und Hajnal: perdu. Mutiges Offensivspiel, wie wir es insbesondere gegen Dortmund gesehen haben: Fehlanzeige.

Dabei hat sich Werder gar nicht komplett eingeigelt – dass der VfB dann noch immer, und man möchte fast sagen: traditionell, Schwierigkeiten hat, ist unstrittig, und ist auch eine Herausforderung, die sich möglicherweise nur Zug um Zug angehen und bewältigen lässt. Genauso wenig sind die Bremer eine Übermannschaft, gegen die man nicht aus der eigenen Hälfte herauskommt. Außer natürlich, man ist nicht in der Lage, den Ball über drei, zwei oder auch nur eine Station aus der eigenen Abwehr heraus in die gegnerische Hälfte zu tragen. Dann wird es schwierig, wie wir gestern gesehen haben – in besonderem Maße, aber beileibe nicht nur, bei Kuzmanovic.

Mir wäre nach schwadronieren. Über Boulahrouz‘ (und nicht nur seines) Abwehrverhalten vor dem 1:0. Über Hajnals Kopfball vor dem 2:0, der mich verblüffend an Matthäus‘ Rückpass auf Wörns erinnerte, damals, Sie wissen schon. Nur dass Kvist nicht den Wörns gab, sondern – richtigerweise – zurückzog. Und das Foul Boulahrouz überließ, wofür Naldo dankte. (Eine Frage an möglicherweise anwesende Experten: Aus meiner Sicht war Wolfs Sperren gegen Kvist, der sich aus der Mauer heraus in den Weg werfen wollte, grenzwertig. Vielleicht mehr als das. Abgesehen davon, dass Wolf Kvist einen Gefallen getan haben mag, und dass ich weit davon entfernt bin, am Ergebnis und an Herrn Kinhöfers Leistung herumdeuteln zu wollen: Kann man das abpfeifen? Sollte man das abpfeifen?)

Aber wer weiß? Vielleicht waren die VfB-Spieler ja auch nur abgelenkt ob der historischen Bedeutung dieses 27. November. Vielleicht beschäftigte sich Boulahrouz im Spiel intensiv mit Tunnelbauweisen? Möglicherweise entschied sich Harnik tatsächlich in letzter Sekunde gegen die Kopfvariante? Hatte Bobic bei seinem Interview die ersten Abstimmungsergebnisse im Sinn?

(Verzeihung, ich stehe ein wenig neben mir.)

Greifen Sie zu!

Der VfB gewann in Kaiserslautern mit 2:0, aber irgendwie habe ich keinen rechten Zugriff auf das Spiel. In der ersten Halbzeit war es ziemlich weit von Bundesliganiveau entfernt, soviel weiß ich noch, in der zweiten dann nennenswert besser, der VfB war effektiv, der Gegner nicht. Aber es ist nicht so, dass ich Lehren ziehen, das Geschehen verlässlich einordnen könnte, es ist nicht so recht zu greifen. Positiv sicherlich Ulreich, der wiederholt beherzt zugriff und Kaiserslautern damit den Zugriff auf das Spiel verwehrte. Wozu griff der VfB auf dem Papier mit zwei Stürmern an, möchte man fragen – Torgefahr entwickelte sich daraus nur sehr bedingt, Zugriff auf den gegnerischen Strafraum hatte man bis zur Pause de facto gar nicht, ab und zu griff man über außen an, wurde aber keineswegs gefährlich.

Dass man das Spiel dennoch gewann, lag ein wenig daran, dass keiner der kolportierten Interessenten zugriff, als Khalid Boulahrouz in den vergangenen Jahren immer wieder auf dem Markt gewesen sein soll. So bringt er seit Monaten solide Leistungen als Rechtsverteidiger, taucht immer mal wieder so nah an der gegnerischen Grundlinie auf wie kaum ein Stuttgarter seit Andi Buck, und irgendwann wird er auch noch Zugriff auf das Thema Flanken und Hereingaben bekommen – so sagte man sich zumindest in den letzten Wochen immer wieder. Am Freitag war es soweit: dank tätiger Mithilfe der Lauterer erlangte ein mitgelaufener Stürmer, in diesem Fall Cacau, Zugriff auf einen seiner Querpässe und schob zum Führungstreffer ein. Dass sich auch Boulahrouz‘ 2:0 dank einer verteidigenden Intervention Trapps Zugriff entzog, passte ins Bild.

Führungstorschütze Cacau hatte sich unter der Woche gegen Egoismus- und sonstige Vorwürfe zur Wehr gesetzt; zu Herzen genommen hat er sie sich allem Anschein nach durchaus, und offensichtlich auch Zugriff auf seine Umgangsformen und seine Nerven gehabt. Letzteres war bei Shechter und Fortounis wohl ein wenig anders. Sie schoben die Verantwortung hin und her, bis die Stuttgarter Abwehr doch noch zugriff.

Erfreulich beim VfB, dass sich Hajnal wieder einmal als Dosenöffner betätigte. Speziell vor dem ersten Tor steckte er den Ball, nachdem er Zugriff darauf erlangt hatte, hübsch durch, ehe Boulahrouz und Cacau mit One-Touch-Football vollendeten. Labbadias Matchplan war aufgegangen, über die rechte Außenbahn hatte man Zugriff auf die Partie gewonnen und bei der ersten sich bietenden Chance zugegriffen.

Wer nach einem ungleich inspirierteren Umgang mit Zugriffsfragen sucht, dem sei ein entsprechender Text beim Freitagsspiel ans Herz gelegt, auf den ich leider erst Zugriff hatte, als der meinige im Grunde auch schon fertig war. Und wenn wir schon vom Freitagsspiel reden: Pünktlichkeit ist eine Zier, liebe DFL.

Immer wieder gern gehört

Humor ist ja Geschmackssache, Häme sicherlich auch. Das Interview, das Roman Weidenfeller im Meistertaumel in englischer Sprache geben durfte oder musste, ließ mich einmal kurz schmunzeln. Bestenfalls. Manch anderem ging es etwas anders, das Video war ein Renner, Weidenfeller wurde in einem Atemzug mit Leuten wie Lothar Matthäus, Guido Westerwelle oder Günther H. Oettinger genannt. Ja, man hatte schon den einen oder anderen gesehen, der nicht jederzeit und in jeder Situation verhandlungssicher englisch spricht. Die jeweiligen Hintergründe sind aus vielerlei Gründen nicht unmittelbar zu vergleichen; die Situationen erfreuen sich aber stets großer Beliebtheit in den einschlägigen Videoportalen und darüber hinaus. Weidenfeller ging – so zumindest der Eindruck, den ich aus dem einen Interview gewann, das ich hernach von ihm las – recht entspannt mit dem Thema um, sodass ich guter Hoffnung war, dass das Zitat von der grandios Saison bald durch sei.

Nun denn, das war wohl ein Irrtum. Kaum läuft die Bundesliga wieder, taucht der Satz auf. We have a grandios Saisonstart gehabt, heißt es da und dort, bei Twitter lese ich von „a grandios Geburtstag“, den man Jubilar Weidenfeller wünscht, was ich nett finde, bei Spiegel Online sehen wir ein Video mit dem Titel „We have a grandios Stadion gebaut“, und schütteln den Kopf. Also, ich zumindest schüttle den Kopf. Will mich über Spiegel Online aufregen. Wieso man dort den Weidenfeller’schen Lapsus nicht nur ausgräbt, sondern auch noch nach Stuttgart trägt, frage ich mich. Denke an Stefan Raabs Stück vom Maschendrahtzaun, auch wenn ich weiß, dass Weidenfeller, anders als die Dame damals, mit hinreichend Geld über die Peinlichkeit hinweggetröstet wird. Und dann lese ich die Stadionzeitschrift des VfB oder sehe mich im Online-Shop um, und stelle fest, dass, wie bereits angedeutet, Humor Geschmackssache ist. Und dass der VfB sein neues Stadion mit dem Hinweis auf ein dünnes Video aus dem Dortmunder Meisterschaftstaumel, aufwerten versilbern verramschen in Verbindung bringen will:

Bin wohl einfach humorlos.

Ansonsten finde ich, dass der Verein gar nicht so viel falsch gemacht hat. Der Umbau ist hervorragend gelungen, mein Platz ein Träumchen, und Kvist und Maza hat man auch gekauft. Und rein betriebswirtschaftlich war der Träsch-Verkauf ja auch kein Fehler, man erinnere sich an Daniel Bierofka. Wenn man dann noch weiß – was bei meinem Nebenmann der Fall ist -, dass Träsch maximal noch vier Länderspiele bestreiten wird, hat der Verein also alles richtig gemacht. Aber wir waren ja eigentlich beim Stadion. Vom Einweihungsrahmenprogramm habe ich nicht allzu viel mitbekommen, war zu (?) sehr auf das Stadion selbst konzentriert, auf den Blickwinkel und die Entfernung, auf die Frage, ob die Distanz zu groß sei oder gerade richtig, um den Überblick zu behalten (es sollte sich bestätigen, dass letzteres der Fall war – unten möglicherweise folgende Fehleinschätzungen liegen nicht am Stadion), auf die Zusammensetzung des umittelbaren wie auch des etwas weiteren Umfelds, und ein wenig auch auf die Stadionzeitschrift mit der gelungenen Sonderausgabe zum Umbau. Inklusive Humor, der auch mir zusagte, übrigens.

Letztlich ging es dann aber doch um Fußball, und um drei Punkte. Die man offensichtlich am Platz behalten wollte, wie die Mannschaft gleich zu Beginn andeutete. Man spielte zuversichtlich nach vorne, erspielte sich – zum Teil mit System, zum Teil eher zufällig – früh einige klare Torchancen, die auf unterschiedlichste Art und Weise vergeben wurden: Harnik traf den Ball beim Abschluss nicht richtig, Cacau traf ihn so gut wie gar nicht, und Gentner, tja: in zentraler Position mit freier Bahn zum Tor den Ball erst einmal 20 Meter in Richtung Eckfahne prallen zu lassen, ist zumindest ein innovativer Ansatz, mit dem man bestimmt manchen Gegner derart verwirren kann, dass er die Notbremse zieht. Höwedes zählt nicht dazu.

Überhaupt, Gentner. Die letzte Saison liegt ja einige Wochen zurück, deshalb erlaube ich mir,vielleicht doch noch einmal ein Thema aus der vergangenen Spielzeit aufzugreifen: gerne sähe ich im von Bruno Labbadia derzeit präferierten 4-2-3-1-System schnelle, möglichst auch trickreiche Spieler auf den Außenpositionen. Christian Gentner schätze ich persönlich nicht so ein. Ich halte ihn für einen feinen Fußballer mit einem guten Auge und vielerlei Qualitäten, durchaus auch in der Defensive, für einen sehr professionellen Spieler, den man gerne im Mannschaftsrat hat, der Verantwortung übernimmt, nicht auf den Kopf gefallen scheint, und den man als Trainer vielleicht nur ungern auf die Bank setzt. Leider halte ich ihn auch für einen Spieler, der derzeit auf keiner Position im System des VfB die erste Wahl sein sollte. Auch wenn gestern noch nicht zwingend der Eindruck entstand, Ibrahima Traoré sei die bessere Alternative, trotz seines überraschenden langen Balles, den, da ist er wieder, Christian Gentner stark annahm und nicht ganz so stark verwertete. Ich hoffe auf Timo Gebhart.

Abbitte muss ich erneut Sven Ulreich leisten. Den ersten Ball ließ er nach vorne prallen, dann hatte er Probleme bei der Verarbeitung eines Rückpasses, und der Name Leno drängte gedanklich immer stärker in den Vordergrund; später war es Ulreich zu verdanken, dass es nicht noch einmal eng wurde. Starke Leistung. Etwas zu oft kam Schalke etwas zu leicht zum Abschluss, was nur sehr bedingt an den beiden Innenverteidigern lag. Tasci spielte souverän, seine eleganten Haken sind ein steter Hingucker (auch wenn sicher bald mal wieder einer misslingt und ich laut fluche), und Maza übernahm den kompromissloseren Part bravourös. Vielleicht hatte er auch nur genau hingesehen, als vor dem Spiel auf der Videoleinwand ausgewählte Szenen aus der großen Zeit von Karlheinz Förster gezeigt worden waren. Molinaro ließ anfänglich die Sorge aufkommen, dass der quirlige Baumjohann als Rechtsaußen der Schlüssel zum Schalker Erfolg sein könnte; nach und nach kam er dann doch in die Zweikämpfe, und dass er nach vorne den einen oder anderen Akzent setzen kann, ist hinlänglich bekannt. Boulahrouz kann das auch, bloß weniger behänd, doch wie schon im letzten Drittel der Vorsaison gelang ihm trotz einer hochkarätigen Chance kein Treffer. Letztlich egal, und ganz gewiss die bessere Wahl hinten rechts.

Mitte der zweiten Hälfte durfte Schalke in kurzer Zeit mehrfach aus zentraler Position schießen – ein Ansatz, den ich künftig gerne von den defensiven Mittelfeldspielern unterbunden sähe. Dessen ungeachtet: es macht Spaß, Kvist und Kuzmanovic zuzusehen. Der eine spielt fast immer den einfachen Ball, bringt manche notwendige Nickligkeit ein und leitet dann auch noch gute Chancen ein, und die paar Situationen, in denen er gedanklich noch der Spielgeschwindigkeit in Dänemark nachzuhängen scheint, wird er bestimmt noch in den Griff bekommen. Der andere spielt oft und gerne den mutigen Ball, auch wenn er bei ihm häufig einfach aussieht, sein Spiel ist ungleich spektakulärer und auch ein wenig fehleranfälliger. Die Kombination könnte passen. Wenn, ja wenn, und da habe ich so eine kleine Sorge, die jeweiligen Führungsansprüche nicht zu sehr konkurrieren. In der einen oder anderen Situation hatte ich -aus großer Distanz – den Eindruck, Kvists Korrekturhinweise seien Kuzmanovic nicht immer willkommen. Ich bin gespannt und hoffe, dass der Eindruck täuschte.

Zwei Tore aus Standardsituationen, zwei indirekte Assists für Hajnal. Passt. Harnik lange glücklos im Abschluss, letztlich aber mit seinem Treffer, und Cacau war eben Cacau. Mitunter übermotiviert wirkend, gelegentlich eigensinnig, manchmal auch überhaupt nicht, öfter den anderen Eigensinn vorwerfend (in Einzelfällen, um vom eigenen Fehlschuss abzulenken), aber eben auch erfolgreich, als Torschütze und Unruheherd. Und wenn er so weitermacht, lässt sich auch das durch die gescheiterte Verpflichtung von Dante entstandene Frisurdefizit auffangen.

Drei Punkte, großartiges Stadionerlebnis, so darf’s weitergehen. Wäre jetzt der Zeitpunkt, den Kreis zu schließen und etwas von einer bevorstehenden grandios Saison zu sagen? Ach, besser nicht. Aber wenn wir schon bei Dortmund sind, implizit irgendwie: Hut ab. (Nicht überraschend, oder, wenn das ein bekennender Kevinist sagt? Und ja, ich betone das zur Zeit öfters. Werde ich auch weiter so halten, so ein wenig aus Trotz ob all der unfreundlichen Kommentare, die man bei Twitter über ihn liest.) Schalke hat gestern gelegentlich versucht, ähnlich offensiv zu stören wie die Dortmunder, was in einigen Situationen gelang. Nach der Balleroberung traten die Unterschiede dann jedoch recht deutlich zutage. Aber das ist kein fairer Vergleich.

 

Verbalbeurteilung 2011

Einmal mehr erzielte die Gruppe im zweiten Halbjahr deutlich bessere Ergebnisse als im Herbst. Das Gesamtniveau lag dabei weit unter dem des Vorjahres oder jenem aus der Periode 2008/2009. Die Leistungen des ersten Halbjahres dürften zum Teil auf eine mangelnde Vorbereitung in den Sommermonaten zurückzuführen sein, was jedoch angesichts der hohen Zielsetzungen unserer Einrichtung nur bedingt als Erklärung gelten darf. Dem neuen Lehrpersonal, das die Gruppe im Dezember nach einem mehrwöchigen Ausfall übernahm, gelang es gerade noch, die Abschlussprüfungen in einem größeren Kraftakt angemessen vorzubereiten.

Als gescheitert muss man den gruppendynamischen Versuch ständig wechselnder Plätze betrachten. Zwar gelang es, nahezu jedes Mitglied der Gruppe mindestens einmal rechts hinten zu platzieren; positive Einflüsse auf das Gruppenklima oder die Leistung waren indes nicht zu beobachten, vielmehr traten nennenswerte Koordinationsprobleme auf.

Sven hatte zunächst gewisse Schwierigkeiten, seine Position in der Gruppe zu finden, nachdem ihn das Lehrpersonal erst nach Intervention der Einrichtungsleitung in der Gruppe belassen hatte.*   Seine Leistungen waren zunächst selten kreativ und vorwärts gerichtet, zumindest aber ausreichend. Im Lauf des Jahres gewann er, dank nach kurzfristig verordneter Nachhilfe durch ein älteres Gruppenmitglied, an Sicherheit, Ansehen und Souveränität, um so teilweise wesentlich zum Erfolg von Gruppenarbeiten beizutragen. Nach wie vor fällt ihm der Umgang mit vermeintlichen Ungerechtigkeiten schwer.

* Aus anderen süddeutschen Einrichtungen ist bekannt, dass vergleichbare Konflikte zwischen Lehr- und Leitungspersonal dem Gesamtklima abträglich sein können.

Marc kam im Sommer neu zur Gruppe, kannte aber die Einrichtung bereits aus früheren Jahren und traf eine Reihe alter Freunde wieder, sodass die Integration unproblematisch verlief. Obwohl er ursprünglich nicht für Prüfungsleistungen vorgesehen war, forderte ihn das neue Lehrpersonal zwischenzeitlich zu stärkerer Beteiligung auf. Nach einem Sportunfall wurde dieser Plan wieder verworfen. Im neuen Jahr dürfte er noch stärker in die Hausaufgabenbetreuung einbezogen werden.

Cristian konnte nur selten an seine Leistungen aus dem Vorjahr anknüpfen. Die Trennung von seinem Freund Aliaksandr wog offenbar schwerer als zunächst angenommen. Er wirkte gedanklich nicht immer frisch, kommunizierte mit seinem neuen Nachbarn nur unzureichend und reagierte auf Kritik mitunter unwirsch. Ein Gespräch ist erwünscht.

Arthur trat häufig offensiver auf als in den Vorjahren, was der gesamten Gruppe gut tat. Leider hatte er erneut eine Reihe von Fehlzeiten zu verzeichnen, fand nach seiner Erkrankung jedoch recht rasch wieder den Anschluss an die Gruppe. Seit einigen Monaten zeigt er zuvor ungeahntes Interesse für die hiesige Kultur und deren Exponentinnen.

Matthieu hat ein schwieriges Jahr hinter sich, geprägt von zahlreichen Fehlzeiten, die nicht selten selbst verschuldet waren. Anders als in den Vorjahren wirkte er des Öfteren impulsiv und war seinen Freunden nur noch in geringerem Maß ein Vorbild. Wurde zuletzt von einigen Prüfungsleistungen befreit. Die Übernahme ins nächste Jahr erfolgt auf Probe.

Serdar hatte zu Beginn einige Schwierigkeiten zu bewältigen, die zum Teil mit seinen missglückten Sommerferien zusammen hingen. Erfreulicherweise hatte er jedoch deutlich weniger Fehlzeiten als in den Vorjahren und schaffte es, sowohl die vorübergehend aufscheinenden Motivationsdefizite zu überwinden als auch seine Leistungen zu stabilisieren. Speziell im Frühjahr war er zudem in der Lage, die verunsicherten Freunde zu beruhigen. Wenn er so weiter macht, kann er demnächst wieder an einrichtungsübergreifenden Wettbewerben teilnehmen.

Georg musste zunehmend Verantwortung übernehmen und wirkte dabei insbesondere im Herbst vielfach nachlässig, gelegentlich auch überfordert. Teilweise schienen wichtige Grundlagen zu fehlen. Seine Bemühungen blieben jedoch stets vorbildlich, auch dank dem einen oder anderen Erfolgserlebnis, das die Gruppe zu würdigen wusste. Seine technische Kompetenz, gepaart mit Zielstrebigkeit, trug im Zusammenhang mit einem grünen Mobilitätsprojekt wesentlich zum Erfolg bei.

Khalid wurde im Herbst nur in Ausnahmefällen zu Prüfungen zugelassen, erzielte dabei aber meist respektable Ergebnisse. Im Frühjahr zeigte er sich weniger wählerisch bei den ihm zugewiesenen Aufgaben und wusste sie in aller Regel zufriedenstellend zu bewältigen. Ein Umzug wäre insofern bedauerlich, als er auch mit schwierigen Situationen umzugehen weiß; eine Veränderung aus sozialen Gründen steht gleichwohl im Raum.

Stefano konnte den Erwartungen nur selten entsprechen. Dies war zum Teil krankheitsbedingten Fehlzeiten geschuldet. Insgesamt sind die Defizite jedoch zu groß, um sie in absehbarer Zeit aufzuholen. Insbesondere ist er nur bedingt in der Lage, die von ihm erwarteten vorbereitenden Tätigkeiten in der Gruppenarbeit zu übernehmen. Der Wechsel in eine kleinere Einrichtung wird empfohlen.

Patrick stieß im Sommer aus einer niedrigeren Klasse zur Gruppe. Sein großes Engagement überzeugte das Lehrpersonal, ihn an der einen oder anderen Prüfung teilnehmen zu lassen, was nicht immer entsprechend seiner Stärken erfolgte und dementsprechend nur mit wechselndem Erfolg gelang. Möglicherweise wäre ein langfristiger Nachhilfekurs in einem anderen Umfeld zielführend.

Ermin stieß im Herbst gewissermaßen auf Probe zur Gruppe und integrierte sich sehr gut. Neben zahlreichen Übungsstunden durfte er auch an einzelnen Prüfungen teilnehmen, was zunächst recht gut gelang. Eine Französischprüfung, noch dazu nicht in seinem Kernbereich, traf ihn jedoch unvorbereitet und hielt das Lehrpersonal zunächst von weiteren Versuchen ab. Seine weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Philipp hatte bereits in seiner letzten Einrichtung enorme Fehlzeiten aufgewiesen, wurde aber zur Probe aufgenommen. Leider bestätigte sich die Befürchtung, dass er sowohl gesundheitlich als auch, soweit das beurteilt werden kann, vom Leistungsniveau her kaum in der Lage ist, mit der Gruppe mitzuhalten. Die Probezeit wurde beendet.

Christian zeigte sich erneut in allen Belangen vorbildlich. Sein Engagement war weit überdurchschnittlich, sein Pflichtgefühl beinahe zu ausgeprägt. Er übernehm stets Verantwortung für die Gruppe, half seinen Freunden, wo immer er konnte, worunter zwischenzeitlich seine eigenen Leistungen ein wenig zu leiden drohten. Rechtzeitig zu den Abschlussprüfungen erreichte er wieder sein altes Niveau und zeigte sich dabei kreativ und vermehrt technikbegeistert. Ein möglicher Umzug wäre sehr bedauerlich.

Zdravko war im Herbst nicht ganz auf der Höhe und wirkte speziell in der Phase, die mit Aushilfslehrpersonal überbrückt wurde, etwas unmotiviert. Im Frühjahr übernahm er indes in besonderem Maße Verantwortung, erzielte ausgezeichnete Ergebnisse und zeigte sich punktgenau vorbereitet. Seine stets herzliche Freude ist in engem Zusammenhang mit seiner positiven Entwicklung zu sehen. Der zwischenzeitlich im Raum stehende und von einzelnen Außenstehenden wortreich begründete Wegzug wäre bedauerlich.

Christian hatte ein über weite Strecken unglückliches Jahr. Anfänglich litten seine Leistungen darunter, dass er zu weit hinten platziert war, dann verstand er sich mit seinem Nachbarn nur unzureichend, kleinere gesundheitliche Probleme kamen hinzu, und folgerichtig konnte er nicht wie geplant Verantwortung für die Gruppe übernehmen, sondern wurde gar nur noch selektiv zu den Prüfungen zugelassen. Gleichwohl war er stets bemüht und trug entscheidend zur erfolgreichen Bewältigung des ihm bereits bekannten Mobilitätsprojekts wie auch einer späten Geometrieprüfung bei.

Mamadou stieß im Sommer relativ spät zur Gruppe und trat zunächst außerhalb der Übungsstunden kaum in Erscheinung. Im Herbst wurde er zu zwei Prüfungen zugelassen, in denen er ein gutes Grundverständnis zeigte, aber ein wenig nachlässig wirkte. Die Weihnachtsferien nutzte er, um einige Defizite aufzuholen, und schien auf gutem Weg, eine zentrale Rolle in der Gruppe einzunehmen, ehe ihn ein Sportunfall für den Rest des Jahres weit zurück warf.

Timo war über weite Strecken des Jahres eine sehr positive Erscheinung. Zwar hat er nach wie vor Konzentrationsmängel, lässt mitunter die nötige Zielorientierung vermissen und will gelegentlich mit dem Kopf durch die Wand; gleichzeitig aber verzagt er nie, ist um kreative Lösungen bemüht und animiert die Gruppe zu mehr Engagement. An zahlreichen Prüfungsleistungen nahm er trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen schwungvoll und erfolgreich teil und übernahm zudem in einer schwierigen Situation punktuell Verantwortung für die Gruppe. Dessen ungeachtet wird auch im kommenden Jahr eine weitere Steigerung erwartet, insbesondere bei den Punkten Konstanz, Überlegung und Standhaftigkeit.

Martin wechselte im vergangenen Sommer aus einer kleineren Einrichtung zu uns und verdiente sich sowohl mit seinen Ergebnissen als auch mit seinem Engagement als auch und vor allem mit seinen Vorarbeiten für die gesamte Gruppe rasch deren Anerkennung. Im Herbst durfte er zunächst häufig nur Teilaufgaben bearbeiten, um dann im Frühjahr fast alle Prüfungen in Gänze absolvieren zu müssen, was vereinzelt zu schwächeren Ergebnissen führte. Seine Technikaffinität ist ausbaufähig.

Mauro zog im Spätsommer aus Italien, wo er in einer hochwertigen Einrichtung gewesen war, nach Stuttgart. Er mühte sich redlich, sich an das neue Umfeld und die vorwiegend jüngeren Kameraden zu gewöhnen, was ihm aber nicht so recht gelingen wollte. Häufig war ihm das Tempo zu hoch, Flüchtigkeitsfehler kamen hinzu, und selbst sein technisches  Geschick konnte er nur bedingt einbringen. Er verabschiedete sich mit Anstand und kehrte zurück in seine Heimat.

Daniel gilt seit Jahren als sehr begabt. Dass er das Lehrpersonal nie ganz von seinen Qualitäten überzeugen konnte, mag daran liegen, dass er manchmal etwas schlampig ist. Zudem wirkt er gelegentlich langsam und immer etwas einseitig. Im Herbst konnte er bei einigen Prüfungen überzeugen, bei anderen nicht. Eine längere Erkrankung warf ihn etwas zurück, danach gelang es ihm nicht mehr, den Rückstand gänzlich aufzuholen bzw. dem Lehrpersonal seine Motivation zu vermitteln. Die Teilnahme an einem Austauschprogramm wird erwogen.

Johan kam im Spätsommer aus Frankreich, wo er an einer kleineren Einrichtung teilweise sehr gute Ergebnisse erzielte, aber auch aus gesundheitlichen Gründen viele Fehlzeiten zu verzeichnen hatte. Letzteres war dem Lehrpersonal und der Einrichtungsleitung nicht explizit gesagt worden. Auch in Cannstatt erbrachte er bei ersten Teilaufgaben sehr vielversprechende Ergebnisse, erkrankte in der Folge jedoch mehrfach und langwierig. Wird auf Probe in das neue Jahr übernommen.

Shinji kam im Februar nach dem Asienfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ nach Stuttgart und wurde sogleich ein vollständiges Mitglied der Gruppe, auch wenn er sich meist noch am Rand aufhielt. Seine Einzelergebnisse sind voll befriedigend, bei der Gruppenarbeit mit seinem Nachbarn tut er sich noch etwas schwer. Schloss die entscheidende Prüfung mit Bravour ab, sollte nun in den Sommerferien etwas zur Ruhe kommen.

Sebastian hatte sich im Sommer viel vorgenommen, konnte aber das Lehrpersonal nicht überzeugen, dass sich seine Leistungen verstetigen würden. Daraufhin wechselte er in eine stark bezuschusste benachbarte Einrichtung, wo er sich gut integrierte und in seiner neuen Gruppe eine zentrale Rolle einnahm.

Elson kehrte im Sommer etwas widerwillig von einem Austauschprogramm zurück. Dennoch lebte er sich rasch wieder ein und nahm früh an einigen europaweiten Prüfungen teil. Seine Ergebnisse blieben allerdings durchwachsen, sodass er in der Folge vornehmlich am Übungsbetrieb teilnehmen durfte. Die kurzfristige Hoffnung des neuen Lehrpersonals auf seine standardmäßige Kreativität konnte er nicht erfüllen.

Tamas stieß im Januar zur Gruppe, weil er in seiner bisherigen Einrichtung nicht mehr zu Prüfungen zugelassen wurde. Er zeigte sich von Beginn an sehr kreativ, zielorientiert und standardmäßig verantwortungsbewusst, sodass er rasch zu einem Fixpunkt in der Gruppe wurde, zu deren letztlich gerade noch ausreichenden Prüfungsergebnissen er entscheidend beitrug. Sein Engagement ist Beispiel gebend, sein Auftreten ebenso. Zum neuen Jahr wird sein Austauschprogramm beendet und er wechselt fest an unsere Einrichtung. Ob er seinen Leistungsvorsprung halten kann, wird abzuwarten sein.

Claudemir hatte es in diesem Jahr nicht leicht. Nach den Sommerferien war er mit einer leichten Unzufriedenheit zurückgekehrt, die sich mehr als einmal in unerwarteten, vielleicht auch unkontrollierten Ausbrüchen gegenüber seinen Freunden, aber auch gegenüber den eingeschalteten Mediatoren niederschlug. Seine Leistungen waren überschaubar, sodass er wiederholt nur zu Teilprüfungen zugelassen wurde, sein Gesundheitszustand schien verbesserungswürdig. Dennoch mühte er sich nach Kräften und es gelang ihm, sich hervorragend auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten, die er dann mit Bravour absolvierte.

Ciprian konnte nur selten an die guten Leistungen des Vorjahres anknüpfen. Während er zunächst dennoch zu den Prüfungen zugelassen wurde, sah sich das neue Lehrpersonal veranlasst, erst seine Leistungen und dann seine Motivation in Frage zu stellen. Nachdem er sich lautstark über die ihm zugedachten Aufgaben beschwert hatte, wurde er von weiteren Prüfungen ausgeschlossen und drückt seit Februar die Türklinke von außen herunter. Ein Wechsel der Einrichtung wird empfohlen, ein Gespräch ist explizit nicht erwünscht.

Pavel begann das Jahr sehr motiviert und erzielte im Schnitt gute Ergebnisse, wenn auch mit starken Ausschlägen nach oben und unten. Sein Engagement war stets vorbildlich, genau wie seine Unterstützung für die Kameraden. Defizite sind bei der Kreativität und hinsichtlich seiner technischen Fertigkeiten zu beklagen; zudem handelt er nach wie vor zu häufig in der irrigen Annahme, den Abschluss mit links machen zu können. Die Übernahme ins neue Jahr erfolgt auf Probe, ein Wegzug ist nicht ausgeschlossen.

Sven stieß aus einer niedrigeren Klasse dazu und zeigte sich von Beginn an sehr engagiert, wenn auch häufig glücklos. Seinen Abschlussarbeiten mangelte es, mit einer für die gesamte Gruppe sehr hilfreichen Ausnahme, an Präzision, teilweise wirkte er unentschlossen. Er muss weiterhin hart daran arbeiten, die Defizite aus frühen Jahren aufzuholen. Hierfür scheint eine benachbarte Nachhilfeeinrichtung mit modernsten Übungsräumen geeignet.

Christian konnte nicht an seine überragenden Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen. Er litt unter einem Wechsel des Leitungspersonals, das bei der Neuzusammensetzung der Gruppe kein glückliches Händchen gehabt hatte, und vielleicht auch ein wenig unter seiner Eitelkeit. Seine Vorschläge wurden von der Gruppe nicht mehr so gut angenommen wie zuvor, die Ergebnisse wurden schwächer. Einzelne Außenstehende und auch Kameraden unterstellten ihm Defizite bei der Prüfungsvorbereitung, die Alumni-Vereinigung und der Förderkreis versagten ihm ihre Unterstützung und überließen den frei werdenden Platz einem weniger kritischen Nachrücker. Bedauerlich.

Jens hatte einen denkbar schlechten Start in der Gruppe, als er einen ausgeschiedenen Kameraden lautstark kritisierte. Es gelang ihm trotz eines einzelnen herausragenden Ergebnisses nicht, die Gruppe von seiner Leistungsfähigkeit zu überzeugen, sodass die Leitung ihn nach wenigen Wochen zu seinem eigenen Besten aus der Gruppe nahm.

Bruno wurde im Dezember in einer für alle schwierigen Situation in die Gruppe aufgenommen. Aufgrund seiner wechselhaften Vergangenheit in anderen Einrichtungen war der Empfang zunächst reserviert, doch mit akribischer Arbeit und ersten guten Ergebnissen erarbeitete er sich rasch den Respekt der Gruppe. Er stellte die eigenen Ansprüche hinten an und half den Kameraden, die Abschlussprüfung ohne besonders elegante Lösungen, aber letztlich mit Erfolg zu absolvieren. Die Gelegenheit, im Rahmen eines längeren selbstverwalteten Projekts Optimierungen bei der Platzverteilung anzustoßen, hat er sich verdient. Speziell in den ersten Monaten wird er dabei, auf Basis vergleichbarer Projekte aus den Vorjahren, eng begleitet werden.

Fredi, der vor Jahren seine ersten Schritte an unserer Einrichtung gemacht hatte und im Sommer nach einer Reihe von Umzügen zurückkehrte, erhielt erst kurzfristig einen frei werdenden und nicht sonderlich gut ausgestatteten Platz. Der Stuhl wackelte von Beginn an, auf dem Tisch lag eine Reihe halbfertiger Arbeiten, deren Urheber aus sozialen Gründen Hals über Kopf verschwunden war. Dementsprechend war Fredi zunächst etwas desorientiert und tat sich schwer, sich an das im Vergleich zu seiner vorigen Einrichtung deutlich höhere Leistungsumfeld zu gewöhnen. Der Versuch, sich mit teuren Hilfsmitteln an das nötige Niveau heranzutasten, schlug fehl. Erfreulicherweise behielt er die Ruhe und zeigte sich lernfähig. Er gewann an Ansehen bei den Kameraden wie auch bei den Alumni und dem Förderkreis, denen er im Sinne der Gruppe auch einmal die Stirn bot. Im neuen Jahr liegt es an ihm, ob er längerfristig an unserer Einrichtung bleiben kann.

Erwin hatte, wie schon in den Vorjahren, nicht immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Lehrmittel, und wurde dafür verschiedentlich kritisiert. Da sein Umgang mit Kritik ohnehin verbesserungswürdig ist, wurde sein Ansehen zusehends schlechter. Zudem wurde er von einem Größeren regelmäßig gemobbt, weshalb er zum Sommer die Einrichtung verlässt. Sein Weggang ist angesichts seiner über Jahre hinweg guten Ergebnisse in vielen Bereichen bedauerlich, scheint aber mit Blick auf die letzten Jahre geboten.

Dieter zeigte im vergangenen Jahr großes Interesse an operativen Abläufen unserer Einrichtung. Zwar ist dieses Interesse grundsätzlich zu begrüßen; der Versuch, Einfluss auf die Abläufe zu nehmen, erregte indes unser Missfallen. Sein Umgang mit allen Ebenen der Einrichtungsleitung ist verbesserungswürdig und scheint von wenig Respekt geprägt. Sowohl in puncto Sozialkompetenz als auch bei seinem Verständnis demokratischer Strukturen mussten wir deutliche Defizite feststellen, die kaum mehr aufzuholen sein dürften. Ein Gespräch ist notwendig.

Geh weg!

Zunächst fand ich den Gedanken gar nicht so furchtbar schlecht. Der Abstiegskampf versprach ja doch noch einiges an Spannung, da würde ich es vielleicht einmal verkraften können, dass in der Fußballkneipe meines Vertrauens nicht das Spiel des VfB in München liefe, sondern die Bundesliga-Konferenz. Ich hatte so etwas ewig nicht gesehen, und die Erinnerung, was für einen untauglichen Versuch, Fußball zu zeigen, das Konzept Konferenz darstellt, war wohl ein wenig verblasst.

Da das VfB-Spiel für die Abschlusstabelle nur leidlich interessant war, gab es recht wenig davon zu sehen, sodass ich keine Ahnung habe, ob die Mannschaft gut gespielt hat oder schlecht, wie die taktische Formation aussah, ob man eher über links oder rechts angriff, wer Sicherheit ausstrahlte und wer eher mit Stockfehlern auf sich aufmerksam machte. Immerhin: die Tore wurden gezeigt, mit etwas Glück sah man sogar noch einen oder zwei Pässe davor. Dass indes dem 1:0 für den VfB nicht nur gelungene Aktionen von Okazaki und vor allem Harnik  zugrunde lagen, sondern dass auch Boulahrouz‘ Pass ganz großartig und der Ball zuvor schön gelaufen war, erfuhr ich erst viel später. Bei Sky ließ man mich wissen, dass der VfB in Person von Kuzmanovic noch zwei weitere gute Chancen hatte, dass man auch 2:0 hätte führen können, anstatt den Ausgleich der Bayern hinzunehmen, und dass die Münchner das Spiel nach der Führung durch Schweinsteiger recht souverän im Griff hatten.

Das war’s dann aber wirklich. Allerdings ging es, wie bereits gesagt, in München nicht um viel. Dummerweise kann ich aber auch nicht sagen, ob Hoffenheim die Führung hätte ausbauen können, ob sie überhaupt verdient war. Ich weiß nicht, ob Sebastian Rudy nur diesen einen tollen Pass auf Roberto Firmino spielte, oder ob er vielleicht die absolut spielbestimmende Figur war. Ich kann nicht beurteilen, ob die Tore der Wolfsburger nur eine Frage der Zeit gewesen waren, weiß nicht, wie Felix Magath Diego ersetzt hatte – dass er nicht spielte, hörte ich indes in schöner Regelmäßigkeit, egal welches Spiel gerade lief. War Gladbachs Führungstreffer verdient, zeigte sich der HSV engagierter als zuletzt? Mittlerweile habe ich einiges dazu gelesen, aber am Samstag wäre ich überfragt gewesen. Oder wenn mich jemand gefragt hätte, wie frei Gekas‘ Gedanken waren: ich hätte passen müssen.

Konferenz ist nichts für mich. Das könnte daran liegen, dass ich mich für Fußball interessiere. Dass ich sehen will, wie sich ein Spiel entwickelt, wie die Mannschaften ihr Spiel anlegen, wie sie das Tempo variieren und wer dieses Tempo vorgibt. Ich möchte mir einen Eindruck verschaffen können, wo Schwachstellen sind, wer besonders ballsicher und wer ein Wackelkandidat ist. Wie reagiert eine Mannschaft auf taktische Veränderungen beim Gegner, welcher Spieler wirkt schon in der 60. Minute müde, wieso gelingt es dem Stürmer immer wieder, seinem Gegenspieler zu entwischen?

Möglicherweise übersteigt die Beantwortung all dieser Fragen meinen Fußballverstand bei weitem. Zumal das bloße Verfolgen eines Spieles am Fernsehen wahrscheinlich gar nicht die notwendigen Informationen bietet, derer es bedarf, um die Antworten zu finden. Man hängt dann ja doch stark von den Bildern ab, die angeboten werden, kann nicht die Totale sehen, wenn gerade ein sich schnäuzender Spieler oder das Dekolleté einer Präsidentengattin von Belang scheinen. Und doch entwickle ich ein Gefühl für das Spiel, kann beurteilen, wer es prägt, kann Vermutungen anstellen, wer in Führung gehen wird und wer ausgewechselt werden sollte, kann es irgendwie begreifen.

Konferenz erlaubt mir all das nicht. Konferenz ist eine Ansammlung von Toren, Platzverweisen und sonstigen Wiederholungen, ergänzt um das Geplätscher dazwischen, das man bei einem Einzelspiel als ganz normal ansehen würde, so aber als notwendiges Übel betrachtet. Konferenz ist das Gefühl, dass immer dann umgeschaltet wird, wenn sich so langsam etwas tun könnte. Konferenz ist Hochglanzfußball, dem es an Substanz fehlt, um dauerhaft zu glänzen. Konferenz ist für Leute, die Fußball auf geile Tore reduziert sehen wollen, die bei Fallrückziehern Schaum vor dem Mund bekommen, die dem Eventpublikum auf den Fanmeilen vorwerfen, sich nur alle zwei oder gar vier Jahre aus niederen Motiven für Fußball zu interessieren, die großartige Spielzüge genau dann als solche erkennen, wenn auch ein Tor daraus wird.

Konferenz ist nicht mein Fußball. Geh weg, Konferenz!

Ca-Cau! Ca-Cau! Ca-Cau!

In den Fußballstadien der Republik, und zumindest teilweise auch weit darüber hinaus, fällt es gelegentlich nicht allzu schwer, ein aus den Fußgängerzonen der industrialisierten Welt, teilweise auch darüber hinaus, bekanntes Phänomen wiederzufinden: überschaubare Differenzierung.

So wie man allerorten H&M, Zara, Pimkie oder Foot Locker findet, so stößt man auch in viel zu vielen Stadien auf „You’ll never walk alone“, auf „Steht auf, wenn Ihr irgendwas seid“ sowieso, und wenn doch mal jemand einen originellen neuen Gesang kreiert (gerne: aus der weiten Welt importiert), brauchen die Adaptionen nicht lange, um die Runde zu machen. Auch wenn ich mir mitunter etwas mehr Vielfalt wünschen würde, beklage ich das gar nicht so sehr. Hat ja auch einen Wiedererkennungswert. Und das eine oder andere Stadionding hab ich irgendwie lieb gewonnen, auch wenn es mir mitunter völlig unerklärlich ist. Die Sache mit den Aufstellungen zum Beispiel, so abgedroschen sie sein mag,  gehört für mich dazu. Das mit den Vor- und den Nachnamen meine ich. Meintewegen sogar in Einzelfällen um ein „Fußballgott“ ergänzt.

Eine Herausforderung für den gemeinen Stadionsprecher stellen dabei Brasilianer dar. Oder andere Künstler, denen der Vorname abhanden gekommen ist. Oder auch der Nachname, oder beide, weiß man ja nicht immer so genau. Christian Pitschmann, der in Stuttgart die Vornamen rufen darf, hat sich in der Vergangenheit meist damit beholfen, im Stile eines Anheizers im Boxring die Rückennummer etwas in die Länge zu ziehen „(mit der Nummer Achtzeeeeeehn“) und dann darauf zu hoffen, dass die Menge mit „Cacau!“ kontert. Am Samstag allerdings – nicht bei der Aufstellung, sondern später, nach Cacaus Toren – gingen die Gäule ein wenig mit ihm durch:

„Torschütze ist mit der Nummer 18 unser Ca!“

Und tatsächlich, da war es:

„Cau!“

Gleich noch einmal, weil’s so schön war:

„Ca!“ – „Cau!“

Und nochmal:

„Ca!“ – „Cau!“

Fühlt sich ja für mich ein wenig an wie „Hiphip!“ – „Hurra!“ oder „Zickezacke Zickezacke“ – „Hoi! Hoi! Hoi!“ (Und nein, ich will keine Hitlerjugenddebatte anzetteln). Aber egal.

Jener Ca-Cau also, den Herr Pitschmann zurecht bejubelte und bejubeln ließ, hatte zuvor, eher überraschend, ein großartiges Spiel gezeigt. Überraschend zum einen deshalb, weil weder die zurückliegenden Leistungen noch seine gesundheitlichen Probleme – weiche Leiste, Sie wissen schon – eine solche Steigerung erwarten ließen, zum anderen, weil gar keine Vertragsgespräche anstehen.

Wie auch immer: Ca-Cau zeigte sich von der ersten Minute an beweglich, engagiert, entschlossen und überhaupt nicht eigensinnig. Er erzielte das frühe Führungstor, war stets anspielbar, ging weite Wege, und belohnte sich am Ende auch noch mit dem 3:0. Schöne Geschichte, das. Wenn die Medien darauf verzichtet hätten, seine selbstlose Selbstaufopferung in den Fokus der Berichterstattung zu stellen, hätt’s zumindest mir noch mehr Spaß gemacht.

Großartig, diese erste halbe Stunde. Dass Hajnal und Kuzmanovic das Spiel verstanden haben und gelegentlich die Situation so schnell erfassen, dass sie das Spiel mit einem nicht einmal spektakulären Pass unglaublich schnell machen können, wusste man. Dass sie es in dieser Häufung auch umsetzen, war neu. Und plötzlich eröffnen sich Möglichkeiten. Durch die Mitte, wenn’s sein muss. Über Boulahrouz, auch wenn er für meine Begriffe mitunter zu früh flankte. Und vor allem über Molinaro, der zwar keinen Hleb, aber eben Kuzmanovic, Hajnal, Träsch und Ca-Cau gefunden hat. Wohingegen das Zusammenspiel mit Okazaki nach wie vor hinten und vorne nicht funktioniert. Wörtlich gesprochen.

Nicht zuletzt deshalb dürfte der Trainer am Samstag Boka gebracht haben. Was kein Fehler war. Ohne einen kausalen Zusammenhang herstellen zu wollen, fiel doch auf, dass der VfB nach einer guten Stunde das Heft wieder etwas fester in die Hand nahm. Alles andere wäre allerdings auch eher enttäuschend gewesen gegen einen HSV, dem man in keiner Phase anmerkte, dass es für ihn noch um die Uefa-Cup-Qualifikation ging. Vor dem Spiel hatte@tinneffs ausgerechnet und in seinem Blog dargestellt, dass für den HSV theoretisch noch alles drin sei: von Rang 3 bis Platz 15. Nun, an Rang 3 zeigten sie kein Interesse, und ob sie sich überhaupt nennenswert für Fußball interessierten, durfte man durchaus bezweifeln. Was vielleicht an der starken Anfangsphase des VfB lag, vielleicht aber auch auf jeden Fall so gekommen wäre.

Ähnlich offen bleibt die Antwort auf die Frage, ob Serdar Tasci alles so souverän und elegant im Griff hatte, weil der Hamburger Sturm nichts auf die Reihe brachte, oder ob der Hamburger Sturm nichts auf die Reihe brachte, weil Serdar Tasci alles so souverän und elegant im Griff hatte. Ich neige ja zu letzterem: sehr starker Auftritt von Tasci. Genau wie von Christian Träsch, der sein Minikrise vermittels doppelter Laufarbeit abgeschüttelt hat.

Genug der Lobeshymnen. Oder anders: angesichts der Leistung des HSV ist es bemerkenswert, dass dennoch auch noch eine Hymne auf Sven Ulreich gesungen werden muss, der wenig zu tun hatte, der aber in jener einen Situation, auf die es eben ankam, verhinderte, dass ein Spiel, das man deutlich gewinnen musste, plötzlich unentschieden stand. Völlig unnötig, eigentlich.

Zum Schluss muss ich noch etwas gestehen, das regelmäßige LeserInnen irritieren könnte: ich habe Gentner gefordert. Nun ja, vielleicht ist „gefordert“ ein etwas zu starker Ausdruck. In einer halbwegs realistischen Darstellung war es etwa folgendermaßen: „Ca-Cau wirkt nicht mehr spritzig, der hat sich verausgabt. Labbadia sollte wechseln. Aber wen kann er bringen? Puh. Naja, dann halt Gentner, der sollte zumindest den Ball und damit die knappe Führung halten können.“ Mein Wunsch war Herrn Labbadia (der ja gerne mal wegen seiner Einwechslungen kritisiert wird, auch von mir) Befehl, zumindest so halb. Gentner traf mit dem ersten Ballkontakt, mir war es fast peinlich, Cacau aber war noch immer auf dem Platz und sollte mich kurz darauf Fehleinschätzungen strafen. Was aber keinen interessierte, weil mein Nebenmann etwas stärker im Fokus stand, nachdem er Gentners Einwechslung lautstark und eindeutig kommentiert hatte:

„Nein. Nein. Nein! Nein! NEIN! NEIN!“

Immerhin besaß er die Größe, Gentners Treffer entspannt zu kommentieren:

„Ich sag doch immer, dass der Gentner spielen muss.“

3:0 gegen den HSV also. Fast wollte man glauben, das Thema Abstieg damit ad acta legen zu können.

Im gefühl des fast sicheren nichtabstiegs brennt das osterfeuer gleich viel freundlicher irgendwie.Sat Apr 23 20:06:16 via twicca

Wäre aber schade gewesen für all diejenigen, die sich an der Stuttgarter Zweitligakampagne zu erfreuen, sodass sie dank Kölner Schützenhilfe auch weiterhin „Niemals Zweite Liga!“ skandieren dürfen, in der Hoffnung, dass es nicht doch noch nach hinten los gehe.

Gefällt mir eigentlich, das Szenario: gegen Hannover den Klassenerhalt sichern und dann ein paar Wechselgesänge anstimmen.

„Nieder!“ – „Meier!“
„Haj! – „Nal!“
„Pitsch! – „Mann!

Bleibt zu hoffen, dass Funk oder Bah nicht zum Einsatz kommen.