He who must not be named

Was hätte ich alles andenken wollen in den letzten 10 Tagen. Hat sich ja doch so einiges angeboten.

Eines der großartigsten Wochenenden in der Geschichte der Frauenfußball-Weltmeisterschaften, zum Beispiel. Vier Viertelfinalspiele, drei Verlängerungen, zwei Elfmeterschießen, und ich hab grade mal ein Spiel gesehen. Im Wachkoma, wenn ich ehrlich bin, genau wie die Schiedsrichterin. Machte nichts, Frau Wambach war ja da. Auf die Gründe werde ich später mal eingehen. Von den Halbfinals konnte ich nicht viel mehr sehen. Den einen großen Pass (besser: Pässchen) von Louisa Necib natürlich schon.

Vor allem aber hätte es verdammt viel zu sagen gegeben über den VfB Stuttgart. Über eine Medienoffensive, die auch einem Wahlkampf zur Ehre gereicht hätte, in dem es mehr als nur einen Kandidaten gibt. Über Medien, die bereitwillig mitspielten.

https://twitter.com/#!/heinzkamke/status/90427869599240192

Über sprachliche und juristische Spitzfindigkeiten, eine diskutable Tagesordnung des VfB und indiskutables Gebaren der DFL, über einen dünnhäutigen Kandidaten und mindestens einen selbstbewussten Nichtkandidaten, über die Stuttgarter Zeitung, die sich nicht entblödet, ihre VfB-Clique der Lächerlichkeit preiszugeben, und einen Redakteur, der eben darauf nach meinem Eindruck allzu gerne verzichtet hätte.

Über zwei diametral entgegengesetzte Aussagen zu ein und demselben Telefonat. Von den zwei Gesprächspartnern selbst. Einer lügt, könnte man meinen, wenn Karl Allgöwer sagt, Dieter Hundt habe seine, Allgöwers, Einbindung beim VfB verhindert, während Erwin Staudt, der am anderen Leitung gewesen war, darauf besteht, dass der Name Hundt in jenem Telefonat, korrekter: „in dem Zusammenhang“, definitiv nicht gefallen sei. Nun, ich habe keinen Grund, an den Worten Karl Allgöwers zu zweifeln. Bei Herrn Staudt stellt sich das seit damals ein wenig anders dar; dennoch werde ich mich hüten, ihn der Lüge zu bezichtigen. Auf die wohl wahrscheinlichste Variante hat mich heute ein Freund gebracht:

„Karle, alter Genosse, unter uns Sozen:
ich hätte Dich echt gern dabei, aber ich habe mich mit verschiedenen Leuten im Verein ausgetauscht, und es geht leider nicht.
He who must not be named ist dagegen.“

Das war jetzt der ernsten Situation nicht ganz angemessen. Und vielleicht ein wenig respektlos Herrn Staudt gegenüber, dessen für den VfB geleistete Arbeit ich sehr schätze. Er ist es ja mittlerweile gewohnt, „dass jeder, der einen Kugelschreiber in der Hand hat“, und ich vermute, darunter sind auch Menschen mit einer Tastatur auf dem Schoß zu subsumieren, „seine Expertisen über Menschen abgeben darf, deren Erfahrungen die eigenen bei Weitem übersteigen.“ Touché, Monsieur le Président, ich bekenne mich schuldig.

Aber wie gesagt: all das hat sich bereits im Lauf der letzten Tage abgespielt, und erfreulicherweise wurde vieles aufgegriffen und in angemessener Form kommentiert, kritisiert und bewertet. Die geschätzten Damen und Herren von Kick-S haben das meiste davon zusammengetragen und verlinkt, kann ich nur jedem ans Herz legen.

Mein Lieblingsinterview, das bereits im oben zitierten Tweet angeklungen ist, haben sie leider nicht erwähnt, deshalb muss ich doch noch einmal kurz darauf zurückkommen. Es geht um ein Interview der Stuttgarter Nachrichten vom 9.7., das Gunter Barner mir Dieter Hundt führte in dem Gunter Barner als Stichwortgeber für Prof. Dr. Dieter Hundt fungierte. Möglicherweise ist meine Lesart ein wenig gefärbt durch die Eindrücke der vergangenen Woche, vielleicht kommt die geneigte Leserin zu einem ganz anderen Eindruck als ich. Dennoch möchte ich nicht darauf verzichten, kurz meine Lieblingsstelle zu zitieren, in der der Journalist sein Gegenüber scharf angeht:

Ihre öffentlichen Äußerungen werden als Einmischung verstanden. „
„Nennen Sie mir einen Fall, in dem ich ein Vorstandsmitglied korrigiert oder kritisiert habe.“

Herr Barner hat ihn also ganz schön in die Ecke gedrängt. Mir persönlich würde es zwar an dieser Stelle schwer fallen, auf Herrn Professor Hundts Aufforderung hin konkret zu werden, da geht es mir wie den Herren von der VfB-Clique: „Das kriegen wir ja alles so nicht mit„. Ich würde bestenfalls stotternd auf den unsäglichen Versuch der Demontage des damaligen neuen Übungsleiters Armin Veh hinweisen, der vom Aufsichtsratsvorsitzenden als Übergangslösung tituliert worden war – ein Vorgang, den man nur mit viel Phantasie als Rückendeckung für den verantwortlichen Manager Horst Heldt auslegen kann. Der damals allerdings noch kein Vorstandsmitglied war, also alles im Lot. Möglicherweise würde ich sogar noch die Feststellung zustande bringen, dass der Vorwurf der Einmischung sich nicht zwingend auf die Kritik an einem Vorstandsmitglied beziehe, die Korinthe muss man ja auch mal kacken dürfen. An einem besonders mutigen Tag würde ich dann gar noch auf den Abschied von Herrn Gross zu sprechen kommen, aber da weiß man ja, dass ich eher befangen bin. Letztlich würde ich also den Schwanz einziehen, aus Feigheit und mangels Hintergrundwissen.

Aber der Herr Barner, der ist ja aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Er ist lange dabei, kennt das Geschäft, hat gewiss ein breites Kreuz und ein weit verzweigtes Netzwerk, das auch solche Geschichten wie die wenige Tage später von Karl Allgöwer erzählte kennt. Und sowieso hat er sich gewiss mit denjenigen ausgetauscht, die Herrn Professor Hundt der Einmischung bezichtigen, und kann ihre Argumente herunterbeten, egal ob mit oder ohne Überzeugung. Er wird dem Aufsichtsratsvorsitzenden eine ganze Liste von Fällen präsentieren und ihn damit so richtig unter Druck setzen. Hier also seine Replik:

Warum halten Sie sich öffentlich nicht mehr zurück?“

Entzaubert? Ja. Verzaubert? Eher nicht.

Entzaubert haben sie die Französinnen. Oder die Franzosen, wie Frau Müller-Hohenstein sagen würde. Louisa Necib, die mich in den ersten Spielen so begeistert hatte, wurde zur Pause ausgewechselt. Zurecht, sie war bis dahin im Grunde nicht auf dem Platz gewesen.

Verzaubert haben sie mich allerdings nicht. Geschieht mir aber auch selten mit deutschen Nationalmannschaften, geschlechtsunabhängig. Wer den Gegner erdrückt, und das ist durchaus positiv gemeint, verzaubert nicht. Die deutsche Mannschaft ließ den Französinnen speziell in der ersten Hälfte kaum Luft zum Atmen, war körperlich unheimlich präsent, laufstark, selbstbewusst, siegeswillig. Wie man sich ein deutsches Team halt vorstellt. Oder vorstellte, bis 2010.

Die Tore fielen und fallen dementsprechend durch Kopfbälle, gerne auch aus Standardsituationen. Vergleiche mit den Männern von 2002 oder dergleichen sind gleichwohl nicht passend. Begeisternde Kombinationen über mehrere Stationen, gerne so, dass sie die Sonne aufgehen lassen, waren aber eher selten. War auch nicht nötig. Wenn man den Ball weit in der gegnerischen Hälfte erobert, braucht es keine Spielzüge über 10 Stationen. Da reicht dann auch mal eine schöne Einzelleistung, ein Übersteiger, der nicht für die Galerie gedacht ist, eine Flanke und ein Kopfball. Oder ein scharf hereingezogener Freistoß. Ein schöner Querpass nach energischer Eroberung am Sechzehner. Und so weiter.

Einiges war anders als in den ersten Spielen. Zum Teil dürfte es tatsächlich daran gelegen haben, dass Frankreich das Spiel zumindest mitgestalten wollte, anders zum Beispiel als die sehr defensiven Nigerianerinnen, die der deutschen Mannschaft die Verantwortung für das Spiel komplett ließen. Eine Verantwortung, der sie aus verschiedenen Gründen nicht gerecht werden konnte. Einer dieser Gründe war der Mangel an Kreativität, wohl auch an einer gewissen Frechheit in der Offensive. Eine Qualität, für die im deutschen Team außer Fatmire Bajmaraj nicht allzu viele Spielerinnen stehen. Nun will ich ganz gewiss nicht sagen, dass Bajmaraj heute die spielentscheidende Figur gewesen sei. Zu prägend war eher die Präsenz auf dem Platz, der Eroberungswille, und zu beeindruckend war Inka Grings‘ Leistung – wann immer ein Mittelstürmer oder eben eine Mittelstürmerin nicht nur mit der Rückennummer 8 aufläuft, sondern noch dazu groß aufspielt, durchaus mit der Betonung auf „spielt“, denke ich mit viel Freude und noch mehr Nostalgie an Klaus Fischer 1982 zurück. Womit ich Birgit Prinz nicht mit Horst Hrubesch vergleichen wollte.

Doch ich war bei Bajramaj. Mir hat sie gefallen. Den missglückten Dribblings und ausgebliebenen Abspielen zum Trotz. Weil sie, nicht nur, aber eben auch und im Besonderen, im Vergleich zu Melanie Behringer eine gewisse Unberechenbarkeit in das Spiel der deutschen Mannschaft einbringt. Eine Qualität, die ich sehr schätze, vielleicht auch und gerade vor dem Hintergrund der, wie oben angeklungen, nur selten verzaubernde Wirkung entfaltenden Spielweise deutscher Nationalmannschaften, vielleicht auch deshalb, weil ich diese Unberechenbarkeit, das behende, leichtfüßige, manchmal nahezu irrwitzige Dribbling an mir selbst immer ein wenig vermisst habe. Oh, hier riecht’s nach Küchenpsychologie. Schnell weg. Nicht ohne einen kurzen Schlenker zu Ariane Hingst, über deren Einwechslung ich mich sehr gefreut habe. Ich mag sie einfach. Nein, das ist keine Liebeserklärung wie kürzlich bei Louisa Necib, nur eine Sympathiebekundung. Muss reichen. Und ist möglicherweise dauerhafter.

Falscher Einwurf!

Möglicherweise sollte ich noch eine Nacht drüber schlafen, ehe ich den hier und jetzt entstehenden Text veröffentliche. Ich hab mich da nämlich ein wenig hinein gesteigert. Vielleicht irgendwann jegliche Objektivität aufgegeben. Oder sagen wir verloren.  Eine knappe halbe Stunde lang blieb ich ruhig, doch dann konnte ich nicht mehr an mich halten. Zu eindeutig war der Mangel an, auch hier, Objektivität und Souveränität, zu offensichtlich die taktische Marschroute, und als schließlich auch noch ein falscher Einwurf dazu kam, platzte mir der Kragen:

„Halt’s Maul, Bartels!“

Danach ging’s mir besser.

Ehe mich jemand darauf anspricht: ja, ich war Herrn Bartels bisher immer gewogen. Die teilweise heftige Kritik an ihm konnte ich nur selten teilen, sein ruhiger Kommentarstil gefiel mir, und ich fand auch nicht, dass er allzu häufig allzu weit daneben lag. Und wenn ich ehrlich bin, lag er auch heute in der Tendenz nicht verkehrt: Nigeria spielte hart, die Schiedsrichterin ließ es zu und pfiff einfach schlecht. Übrigens auch auf der anderen Seite. Doch die Art und Weise, wie er sich echauffierte, wie er der nächsten Fehlentscheidung entgegenfieberte und sie sich dann mit Genugtuung auf der Zunge zergehen ließ, wie er sich nicht entblödete, der Schiedsrichterin tatsächlich auch, scheinbar nonchalant, einen möglicherweise falschen Einwurf bzw. dessen ausbleibende Ahndung vorzuwerfen, ließ mich ein wenig ratlos zurück. Nein, nicht ratlos, wütend.

Im Grunde hätte ich mich ja gern mit ihm über die Leistung der Unparteiischen geärgert, teilweise auch über die Gangart der Nigerianerinnen. Aber irgendwann werde ich halt trotzig. Es ist einfach zu kurz gesprungen, sich so sehr auf diese beiden Aspekte zu kaprizieren, und es reicht für einen Kommentator nicht aus, ein paar Minuten vor Schluss vorsichtig einzuräumen, dass er sich nicht zu sehr über die Schiedsrichterleistung aufregen sollte. So brauchte es also Simone Laudehr, die wenige Minuten nach dem Abpfiff klarstellte, dass man halt manchmal auf die Socken bekommt, wenn man den Ball nicht abspielt. Und vielleicht hätte es auch noch jemanden gebraucht, der anerkennt, dass Nigerias taktische Marschroute mit etwas Glück aufgegangen wäre – was wenige Monate nach einem 0:8 dann doch, nun ja, nicht aller Ehren wert, wenn ich an den Check gegen Alexandra Popp denke, aber eben doch bemerkenswert ist.

Wie auch immer: Deutschland steht im Viertelfinale, und ich bin weiterhin verliebt. In Louisa Necib. Dabei habe ich nur knapp 10 Minuten gesehen. Und irgendwann später die Tore. Aber wie sie den Ball führt, welche Bälle sie spielt, wie souverän sie dabei stets wirkt – großartig. Ich kann diejenigen ein wenig verstehen, die sie mit dem Unvergleichlichen vergleichen.

Misslungener Auftakt

Gestern ging’s also endlich los. WM in Deutschland, kein Märchen. Das Vorgeplänkel ist vorbei, die Relevanz-, Styling- und Vergleichbarkeitsdiskussion zwar noch nicht; zumindest dürfte sie aber mal ein bisschen in den Hintergrund rücken, und wir können über Sport reden. So hatte ich mir das vorgestellt, aber der Auftakt war dann doch eher misslungen. Was in erster Linie an mir lag, weil ich Termine zuließ, die mir ein intensives Verfolgen des Eröffnungsspieles und jener anderen Partie, die zwar das Turnier eröffnete, aber eben kein Eröffnungsspiel war, das also in der Wertigkeit etwa mit der Vorqualifikation der Kugelstoßerinnen bei Leichtathletik-Halleneuropameisterschaften zu vergleichen ist, versagten. Meine Termine waren übrigens wichtig, und ich schaue sehr zufrieden darauf zurück, aber sie waren eben meiner Hoffnung, möglichst große Teile der WM möglichst intensiv verfolgen zu können, nicht gerade zuträglich.

Was letztlich insofern ein wenig egal ist, als die Spiele ja ohnehin so angesetzt wurden, dass möglichst viele 13-Jährige die Stadien füllen können und parallel kein interessanter Hauptabendslot der öffentlich-rechtlichen Sender belegt wird. Außer wenn die schöne Lira spielt oder zuschaut, natürlich. Mal im Ernst: mir war klar, und das ist auch unumgänglich, dass ein Teil der Spiele recht früh am Tag beginnen würde, aber ich hatte doch darauf gehofft, dass es wenigstens ein tägliches Abendspiel geben würde. Wobei ich ein Abendspiel im klassischen Sinne meine, eines ab 20.00 Uhr oder eben, wie heutzutage üblich, um 20.45 Uhr. Die öffentlich-rechtlichen Sender bräuchte ich dazu übrigens nicht, falls mir jemand was von Grundversorgung entgegen möchte, Eurosport reicht völlig aus. Auch wenn ich da auf Frau van Almsicks kompetente Analysen verzichten muss. In dem Zusammenhang dachte ich kurz, diese Expertinnenauswahl sei ein weiteres Indiz für die boulevardeske diskriminierende Herangehensweise an die Frauen-WM, weil man schließlich nie auf den Gedanken käme, Michael Groß oder andere sportfremde Größen von damals wie, was weiß ich,  Leichtathleten oder Vizeeuropameister im Eiskunstlauf auf die männliche Fußballberichterstattung loszulassen. Letztlich beharrte ich nicht auf dieser Sichtweise.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja: keine günstigen Anstoßzeiten für Berufstätige. 15 und 18 Uhr. Na ja. Wobei das ZDF ja immerhin so freundlich ist, seine Spiele für 18.15 Uhr anzusetzen ansetzen zu lassen. Am Sonntag darf’s dann auch mal 13 Uhr sein. Oder 17.30. Oder auch 14 Uhr. Aber da ist es mir eh egal.

Gestern ging’s also um 3 los, les Bleues gegen die Super Falcons. Die erste Halbzeit konnte ich verfolgen und war, wie wir alle, beeindruckt von der linken französischen Seite mit dem wärmenden Sonnenstrahl Louisa Necib und mit Sonia Bompastor, die ein ums andere Mal flanken durfte, ohne Gefahr zu laufen, annähernd gestört zu werden. Letzteres könnte natürlich, und nun folgt ein doppelter Fauxpas, weil ich zum einen einen Männervergleich und zum anderen einen wenig schmeichelhaften heranziehe, es könnte also daran liegen, dass Nigerias Rechtsverteidigerin stark an Jimmy Floyd Hasselbaink gemahnte, was weniger mit Torgefahr und Schnelligkeit als mit Laufstilen zu tun hatte. Und Hasselbaink war nun wirklich kein guter Rechtsverteidiger.

Wie auch immer: Frankreich gewann, Necib spielte mehr als ansehnlich, Nigeria war nicht gefährlich genug, um die nur bedingt sattelfeste französische Abwehr um die nur bedingt sattelfeste Torhüterin auszuhebeln.

„Nur bedingt sattelfest“ war auch der Tenor, den ich zur deutschen Abwehr beim Spiel gegen Kanada vernahm. Zwar sagen die einen, Kanada sei stets über die linke deutsche Abwehrseite stark gewesen, während die anderen nicht Babett Peter, sondern Linda Bresonik als Schwachpunkt gesehen haben wollten; zumindest aber scheint entweder links oder rechts nicht alles optimal gelaufen zu sein, von Annike Krahns Spieleröffnung wird andernorts genug geredet. Dafür durfte Babett Peter ihren ersten Scorerpunkt verbuchen, auch wenn der eine oder andere ihn gern Melanie Behringer zuschreiben wollte. Passt ja auch ganz gut in die aktuelle Stimmungslage. Der Pass zum Assist kam übrigens, das nur kurz am Rande, von Auslaufmodell Birgit Prinz.

Ansonsten konnte ich das Spiel nur peripher mitverfolgen (und das war schon mehr als zuvor erwartet), hatte aber nie so recht den Eindruck, dass es gefährlich werden könne. Die deutsche Mannschaft wohl auch nicht, und wir wissen ja, wie so etwas enden kann. Es endete gut, auch wenn sich Nadine Angerer geschlagen geben musste, ihr Emmanuel Sanon hieß Sinclair. Der Freistoß war schön geschossen, wenn auch nur so halb in der Ecke, aber – um mal einen Männervergleich heranzuziehen – das war der von Stoichkov 1994 auch, und im Gegensatz zu Angerer bewegte sich Illgner damals noch nicht mal.

2:1 gewonnen, das Ergebnis stimmt, die Leistung phasenweise auch, nach oben ist noch Luft, also alles so, wie es sich gehört. Am Donnerstag geht es gegen die Fälkinnen aus Nigeria, von denen wir erfahren durften, dass sie in der Vorbereitung das eine oder andere Spiel gegen männliche U17-Mannschaften gewannen. Überhaupt scheint eine Art Konsens zu herrschen, dass junge Männer dieses Alters ein ganz passender Testgegner für die Frauen seien. Nun, wenn diese Vergleiche schon an der Tagesordnung sind, dann versuche ich auch mal einen und wage die Prognose, dass die Frauennationalmannschaft bei ihrer WM weiter kommt als die bereits für das Achtelfinale qualifizierte U17 in Mexiko. Einfach weil ich den Eindruck habe, dass es bei den Frauen in der Vorwärtsbewegung als gleichberechtigtes Ziel gilt, auch mal eine Mitspielerin gut aussehen zu lassen, während die jungen Männer dann doch eher an die jeweils eigene Stärke zu glauben scheinen.

Und bevor ich es vergesse: wer wirklich etwas über das Kanada-Spiel erfahren möchte, möge sich „Das unfassbar kompetenzfreie WM-Tagebuch“ ansehen.