Zrrttn!

Da tut man eine Reise, eine erlebnisreiche noch dazu, in die Großstadt, mit einer Reihe erquicklicher Begegnungen, Wiedersehensfreude und allem, was dazugehört, und dann muss man sich eingestehen, dass man zwar manches zu erzählen hätte, dass aber erst einmal dieses „Zrrttn!“ im Gedächtnis haften geblieben ist.

Hat der Mann in der U-Bahn immer gesagt. Zumindest in der einen; bei den anderen Fahrten war es mir nicht aufgefallen. Und ich weiß halt nicht, ob in den Münchner U-Bahnen immer die selben Ansagen abgespielt werden, oder ob sie vielleicht doch nur inhaltlich gleich sind, vielleicht von verschiedenen Menschen eingesprochen. Sagen die Fahrerinnen und Fahrer gar stets im Livebetrieb „Zrrttn!“, und was wollen sie überhaupt zerrütten?

Lauter Fragen, die ich nicht beantworten kann, die ich im Grunde auch gar nicht beantworten will, aber irgendwie muss ich doch dieses „Zrrttn!“ loswerden, bei dem ich mir mittlerweile zusammengereimt habe, dass es tatsächlich wohl eher „Zurücktreten!“ hieß. Aber es hängt fest. Zrrttn! Zrrttn! Zrrttn! Z u r ü c k t r e t e n!

Nun möge sich die geneigte Leserin bitte nicht in die Irre führen lassen und zu dem Schluss kommen, ich wolle mich mit Gerd E. Mäuser befassen, oder gar mit Bruno Labbadia. Vielmehr geht es um die große Bühne, auf der, seien wir ehrlich, Olympique Marseille in diesen Tagen in etwa genau so viel verloren hatte wie es der VfB hätte. Nichts.

Und so bin ich nicht nur ein bisschen froh, dass l’OM nicht furchtbar unter die Räder kam gestern, an einem Ort, dem die einheimischen Twitteruser interessanterweise die Abkürzung „AA“ widmen, die bei mir bis dato anders besetzt war. Kurz gestutzt habe ich schon. Aber egal. 2:0 für die Bayern, das spiegelt die Kräfteverhältnisse wohl nicht einmal ansatzweise wider – vermutlich hätte Ribéry seinen Kampf gegen den Gegner und dessen Anhänger auch ganz allein erfolgreich bestritten. Ok, zwei Chancen hatten die Gäste vor der Pause, und wenn sie bei der ersten nicht so fassungslos gewesen wären, plötzlich zu dritt allein im gegnerischen Strafraum zu stehen, hätten sie wohl das 1:0 erzielt und das Spiel einen ganz anderen Verlauf genommen kurzzeitig eine Illusion von Spannung vermittelt.

Im Lauf so eines Spiels fragt man sich dann ja auch von Zeit zu Zeit, wie es dazu kommen konnte, dass diese Mannschaft, die sich im Spätherbst allem Anschein nach gefangen hatte, im Jahr 2012 von einer Enttäuschung zur nächsten eilt, vielleicht eher schlendert, und weiß gleichzeitig, dass man das Geschehen viel zu wenig verfolgt, um sich ein Urteil bilden zu können. Und doch wüsste man gern, wo der André Ayew geblieben ist, den man sich vor der vergangenen Saison nach Stuttgart wünschte, und wer der uninspirierte Alleinunterhalter in seinem Trikot war. Man hört auf, die Fehlpässe des dereinst verlässlichen Cheyrou zu zählen, fragt sich, wieso Loïc Rémy so gar nicht mitspielen will, wundert sich über den plumpen Jérémy Morel und bedauert Matthieu Valbuena, wenn er einen weiteren Defensivzweikampf gegen Franck Ribéry bestreiten muss.

Aber es war eine wahre Freude, wieder einmal ein „Aux Armes!“ live im Stadion zu hören – und dann doch ganz vorsichtig die Lippen mitzubewegen, mehr schien angesichts der Übermacht umsitzender Klatschpappen nicht geboten. In der Tat ging es bemerkenswert laut zu in der AA – die Zuschauer nahmen die Vorlage des Vereins, der so zumindest kurzzeitig die Verantwortung für die Stimmung im Stadion übernommen hat, gerne auf.

À propos Stimmung: Ein wenig überrascht hat mich die anhand der Reaktionen auf die Zwischenergebnisse deutlich gewordene klare Präferenz für den AC Milan gegenüber dem FC Barcelona. Der gewohnt sachkundige Herr @probek mutmaßte, es könne mit Mark van Bommel zu tun haben, was für ihn persönlich ganz bestimmt gilt und was ich mir durchaus auch für andere Zuschauer vorstellen kann. Und doch konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es nicht erst in letzter Linie mit dem Wunsch zu tun habe, Barcelona in einem möglichen Finale aus dem Weg gehen zu können.

Dabei wäre das sehr wohl nachvollziehbar. Nur, wie gesagt, ich hätte nicht mit so einem, sofern mein akustischer Eindruck zutraf, klaren Meinungsbild gerechnet. Hätte mir sogar vorstellen können, dass man gerade danach trachte, dem allenthalben als Gralshüter des schönen, modernen und erfolgreichen Fußballs verehrten FC Barcelona im Endspiel die Grenzen aufzuzeigen. Wilde Spekulationen, ich weiß, und auch nicht wichtig. Im Grunde hatte ich wohl eine neutrale Haltung erwartet. Man ist ja schließlich man.

Aber all das war natürlich nur das Vorspiel zum eigentlichen Höhepunkt der Reise, dem Captain’s Dinner Zusammentreffen mit einer ganzen Reihe ranghoher FCB-Protagonisten in den sozialen Netzen. Angefangen bei Herrn @lik0n, der mir eine ungefälschte Karte verkaufte, über den vom Großmeister der urbanen Neurose beim Sitzen beobachteten @stehblog, der sich mit ungefälschten Karten besonders gut auskennt, den im Sonntagsstaat erschienenen @mickyrust bis hin zu Frau @ankegroener und Herrn @probek, die die angekündigten starken Gefühle nach dem – vermutlich zu leicht gefallenen – Sieg zunächst ein wenig vermissen ließen.

Was sich in der Küche des Geburtstagskindes aus nahe liegenden Gründen noch ändern sollte (zumgeburtstagvielglückzumgeburtstagvielglück…), aber wer wäre ich, die Gefühle des Herrn probek und seine Begeisterung für bildungsbürgerliche Geschenke (die, ganz viel Asche auf mein Haupt, nicht von mir kamen) schildern zu wollen, wenn nicht einmal Jürgen Bergener ihn danach frug.

Ich verliere mich ein wenig, Verzeihung, freue mich auf einen ohne mein Zutun quasi versprochenen Pfingstkuchen und trete in vorauseilendem Gehorsam zumindest zur Seite.

Zrrttn!

Hörster! Okazaki! Bochum!

Als ich vorhin das Stadion verließ, kam mir Thomas Hörster in den Sinn. Sie erinnern sich? Im Mai 2003 gab er nach dem drittletzten Spieltag ein Fernsehinterview, in dem er als verantwortlicher Trainer von Bayer Leverkusen bekannte, die Hoffnung auf den Klassenerhalt aufgegeben zu haben. Später ruderte er ein wenig zurück und schrieb seine Aussagen der Frustration unter dem unmittelbaren Eindruck des Spiels zu. Entlassen wurde er trotzdem, mit Klaus Augenthaler schaffte man den Klassenerhalt.

Selten hatte ich so viel Verständnis für Thomas Hörster wie nach dem 0:1 des VfB gegen Freiburg. Ich hätte nicht gewusst, womit ich auch nur ein positives, hoffnungsfrohes Wort rechtfertigen sollte (ja, ja, ich weiß: Okazaki). In der ersten Hälfte wurde der VfB vorgeführt. Wenn man einmal von der Phase absieht, in der die Mannschaft den Eindruck erweckte, den Ball schnell und schwungvoll zirkulieren lassen zu wollen, um dann über außen das gegnerische Tor anzugreifen. Dürfte zwischen der dritten und fünften Minute gewesen sein.

Klingt zynisch? War gar nicht so gemeint, ehrlich. Ganz zu Beginn des Spiels redete ich mir tatsächlich ein, so etwas zu sehen, und vielleicht steckte auch ein Körnchen Realität darin. Das hatte sich dann aber rasch erledigt. Nun ließ Freiburg den Ball zirkulieren. Nur selten schnell, bloß gelegentlich schwungvoll, aber das war auch gar nicht nötig. Der VfB sah gerne zu. Beim „Eckle“ (Fünf gegen zwei, vier gegen eins, wie auch immer) vor dem Training wird, zumindest in den Klassen, in denen ich früher dilettierte, nach 15 oder 20 Kontakten der außen Spielenden eine Extrarunde fällig. Spätestens nach der zweiten Runde werden die ersten wütenden Grätschen ausgepackt. Der VfB hatte gestern ungefähr von der 10. bis zur 45. Minute ein solches Innenraumabo, auf wütende Gegenwehr verzichtete er.

Die eigenen Bemühungen um einen vernünftigen Spielaufbau hatte Robin Dutt mit einem miesen Trick torpediert: Cissé war offensichtlich aufgetragen worden, sich ausschließlich in der Nähe von Tasci aufzuhalten, um sicher zu stellen, dass jeder Angriffsversuch, der nicht mit einem langen Ball eingeleitet wurde, über Georg Niedermeier laufen würde – jenem Georg Niedermeier, der bereits nach fünf Minuten völlig unbedrängt zwei einfache Diagonalpässe auf Patrick Funk ins Aus geschlagen hatte und dessen Verbleib auf dem Platz über die 30. Minute hinaus mir völlig unerklärlich ist.

Aber natürlich ist es zu kurz gesprungen, sich jetzt auf einen einzelnen Spieler einzuschießen. Und selbst wenn man Gentner, Marica, Kuzmanovic, vielleicht auch Funk und Molinaro hinzu nähme, wäre es immer noch zu kurz gesprungen. Die ganze Mannschaft trat nicht einmal ansatzweise so auf, als wisse sie, wie man gegen Freiburg besteht. Gegen irgendeinen Bundesligisten besteht. Vielleicht wollte sie der Vereinsführung zeigen, dass sie mit ihrer Zweitligakampagne richtig liegt. Selbsterfüllende Prophezeiungen und so.  „Ich habe keine Lust auf so einen Bochum-Slogan!“ sagte mein Stadionnachbar, und gemeinsam mit ihm war ich froh, dass man bereits um 15 Uhr keine Gefahr mehr lief, einen Zweitligaschal umgehängt zu bekommen.

Die zweite Hälfte war besser. Aber gewiss nicht gut. Man hatte mehr vom Spiel, das sich meist in der Freiburger Hälfte abspielte. Und bekam von den Freiburgern zwei große Torchancen geschenkt, einmal von Flum, einmal von Baumann. Schipplock und Harnik vergaben kläglich. Dr. Drees hätte noch einen Elfmeter geben können. Das war’s.

Mein Hinweis, dass Christian Gentner kein Spieler für die Außenbahn sei, hat Bruno Labbadia nicht interessiert. Schade eigentlich, weil man in der zweiten Halbzeit durchaus sah, dass Freiburg über außen in Bedrängnis zu bringen ist. Mit Gebhart. Mit Harnik. Und mit Träsch. Mein zweiter Nebenmann vertrat die These, und ich neige mehr und mehr dazu, ihm zuzustimmen, dass Träsch der einzige ist, der einen Rechtsverteidiger mit Zug nach vorne geben kann. Patrick Funk wirkt defensiv verlässlich, aber das Spiel nach vorne kann er (noch?) nicht ankurbeln.

Bliebe allerdings die Frage, wer anstelle von Träsch – von dem auch ich angesichts der letzten Spiele geglaubt hatte, dass er bis auf Weiteres gemeinsam mit Kuzmanovic die Zentrale bilden würde, und eine gute noch dazu – innen spielen kann. Gentner und Kuzmanovic haben es zur Genüge und zu unser aller Unzufriedenheit gemeinsam versucht. Bah, den Labbadia aufgrund seiner starken Vorbereitung wohl auf dieser Position sah, ist verletzt. Funk hat es bei den Amateuren lange und auch gut gespielt. Seine ersten Auftritte zu Saisonbeginn im Europapokal sprachen allerdings nur bedingt dafür, ihn dort auflaufen zu lassen. Dennoch traue ich es ihm zu. Und beneide Gladbach ein wenig um die neue Option Michael Fink.

Gladbach, am Samstag. Und das noch ohne Okazaki! Oh je. Aber ich bin mir sicher, Fredi Bobic hat nun auch erkannt, dass die Qualität des vorhandenen Kaders möglicherweise doch nicht ganz ausreicht. Vermutlich sitzt er seit 17.30 Uhr am Telefon, sondiert in aller Ruhe den Markt und präsentiert vor Ablauf der Transferperiode, wenn die Preise einmal mehr ins Bodenlose sinken, zwei namhafte, erfahrene und entwicklungsfähige Neuzugänge, die der Mannschaft sofort helfen.

Ach, fast vergessen: falls man in München tatsächlich der Meinung sein sollte, Mark van Bommel sei in erster Linie wegen des durch seinen Weggang entstehenden Vakuums Defizits in Sachen Arschlochmentalität ein Verlust, würde ich den Verantwortlichen guten Gewissens Johannes Flum ans Herz legen.

Bommel statt Delling

Ich würde nicht so weit gehen, mich als Fan von Mark van Bommel zu bezeichnen, aber als Bewunderer muss ich mich wohl beschimpfen lassen. Das gilt umso mehr nach dem gestrigen Viertelfinale der Niederländer gegen Brasilien. Nicht dass er dabei absolut überragend gespielt hätte. Er war gut, ja, spielerisch nicht sonderlich auffällig, in Sachen Zweikampf vor allem in der zweiten Halbzeit vielleicht spiel- und stilprägend, einfach präsent. Man kann den Standpunkt vertreten, er hätte irgendwann eine gelbe Karte sehen müssen, vielleicht muss man diesen Standpunkt gar vertreten, wenn man es mit den Regeln genau nimmt. Wobei mich diese wiederkehrenden Diskussionen über ausbleibende Verwarnungen für van Bommel oder andere mitunter an jene erinnern, warum Spieler X (in Stuttgart beispielsweise Tiffert oder Hilbert) sich nicht nur bei einem Trainer, sondern bei mehreren nacheinander durchsetzt, allen Unkenrufen zum Trotz. Irgendwas müssen diese Spieler richtig machen, um immer wieder zum Zug zu kommen, genau wie sich van Bommel allem Anschein nach und vor allem in den Augen sehr vieler Schiedsrichter im Rahmen des – manchmal gerade noch – Erlaubten bewegt. Von den gerne mal unterstellten Qualitäten beim Erbringen homoerotischer Dienstleistungen halte ich in solchen Kontexten übrigens wenig.

Nochmal: van Bommel hat gut gespielt gegen Brasilien, aber nicht so gut, dass ich mich deswegen bemüßigt fühlen würde, meine Bewunderung zum Ausdruck zu bringen. Zumal der aufmerksame Leser oder die geneigte Followerin bereits das eine oder andere Mal Gelegenheit hatte, meine Meinung zu van Bommel zu erfahren oder zumindest zu erahnen. Meines Erachtens werden seine fußballerischen Fähigkeiten häufig unterschätzt, weil andere Aspekte, auf die so mancher Beobachter gierig wartet, um wahlweise ihn selbst, den Schiedsrichter oder am liebsten beide anzuklagen, alles andere in den Hintergrund drängen. Geht mir genauso, wenn der VfB gegen die Bayern spielt, aber da muss ich wohl als befangen gelten.

Doch wie gesagt, weder um die Rolle als “Aggressive Leader” noch um seine spielerischen Fähigkeiten soll es hier in erster Linie gehen. Erstere sind unstrittig, letztere sollten es auch sein. Er hat sie bei PSV jahrelang eindrücklich unter Beweis gestellt, in Barcelona zumindest dann, wenn er die Gelegenheit dazu erhielt, und in München bescheinigen ihm objektive Beobachter durchaus ansprechende Leistungen. Gestern indes hat er mich wieder einmal nach dem Spiel beeindruckt. Wer in der Lage ist, 15 Minuten nach dem Abpfiff eben nicht nur das von sich zu geben, was in der Regel reicht, um einen Spieler als intelligent und eloquent wahrzunehmen, also ein paar Sätze vom erwartet starken Gegner, der eigenen mannschaftlichen Geschlossenheit und dem Blick auf den nächsten schweren Gegner, sondern vielmehr das Spiel in seine Einzelteile zerlegt, Stärken und Schwächen beider Mannschaften aufzeigt und nebenbei ganz unaufgeregt seine Verwunderung über die Ansetzung eines japanischen Schiedsrichters zum Ausdruck bringt, hat meinen hohen Respekt. Netzer hin, Scholl her, Klopp sonstwohin: mein Analyst Nummer Eins bei dieser WM heißt Mark van Bommel. Er hat das Spiel verstanden, und das zeigt er auf wie neben dem Platz.

Vielleicht bin ich doch ein Fan.

Im Übrigen habe ich mich sehr über die großartige WM des Artist currently known as Prince gefreut, aber das nur am Rande.

Pflichtsieg.

Wer vielleicht doch noch in den Uefa-Cup will (auch wenn ich das längst abgeschrieben habe, gerne zu unrecht), für den wird im Grunde jedes Spiel zum Pflichtsieg. Und wenn man dann auf einen vermeintlich höher einzuschätzenden, am Spieltag aber vergleichsweise biederen Gegner trifft, muss man die Chance eben nutzen. Genau das hat der VfB gestern in München getan. Nicht mehr und nicht weniger. Die Leistung war gut, keine Frage; überragend brauchte sie nicht zu sein.

Enorm ärgerlich ist der Ausfall von Sami Khedira. Für ihn, für den VfB, für die Nationalmannschaft. Möglicherweise hat André Zechbauer recht, dass Florian Meyer kein Bayern-Fan sei – ich hoffe sogar, dass er recht hat. Immerhin aber durften die Münchner wiederholt quasi ungestraft von hinten in Stuttgarter Beine grätschen, was ja auch schon mal nicht schlecht ist. Vermutlich gab’s auch eine ganze Reihe von Stuttgarter Fouls, die ich der Vereinsbrille wegen gedanklich ausgeblendet habe, und ich will auch keineswegs behaupten, der VfB sei vom Schiedsrichter benachteiligt worden. Geärgert habe ich mich trotzdem sehr über ihn. Über die gelbe Karte, die er Mark van Bommel für sein erste Grätsche nicht gegeben hat. Auch über die, die er einem Stuttgarter, ich glaube, es war Georg Niedermeier, einige Minuten später nicht gab.

Es wäre wohl an den Haaren herbeigezogen, zu behaupten, dass Miroslav Klose Sami Khedira nicht aus dem Spiel und möglicherweise aus der WM gegrätscht hätte, wenn Meyer früher Farbe bekannt hätte; geschadet hätte ein entsprechendes Zeichen indes sicher nicht. Ich weiß übrigens, dass Kloses Einsatz nicht geahndet wurde. Vielleicht war er sogar regelkonform, ich weiß nicht genau, ob und unter welchen Bedingungen die Aktionen der beiden Beine als eine einzige oder als getrennte Spielsituationen zu gelten haben, man hört da ja so einiges. Mich persönlich allerdings kotzen Grätschen von hinten an, bei denen die eventuelle Ballberührung mit dem einen Bein die Sense mit dem anderen rechtfertigt. Auch bei VfB-Spielern, ehrlich.

Abschalten!

Als VfB-Anhänger hat man es in dieser Saison nicht leicht. Das gilt für mich genauso wie für viele andere, vermutlich gilt es sogar für den viel geschmähten „Erfolgsfan“, auch wenn er oder sie sich nun samstags anderen, aus individueller Sicht gegenwärtig schöneren Dingen widmen kann. Ich ziehe meinen Hut vor den Leuten, die gerade in dieser Spielzeit zu (fast) jedem Auswärtsspiel fahren und sich dort ein ums andere mal fragen lassen müssen, ob der Aufwand angesichts der gezeigten Leistungen gerechtfertigt sei. Ganz bitter war sicherlich die Erfahrung in Leverkusen am vergangenen Wochenende, als man sich auf dem Weg aus der Krise wähnte und brutal eines Besseren belehrt wurde.

Vor diesem Hintergrund gibt es beachtenswerte Gründe, die Unterstützung für Mannschaft und Verein zu hinterfragen, von denen man sich ent- und vielleicht auch getäuscht fühlt. Die Cannstatter Kurve hat sich in der vergangenen Woche dafür entschieden, die Mannschaft im gestrigen Spiel gegen den VfL Bochum nicht zu unterstützen. Die Wortführer vom Commando Cannstatt schrieben dazu in ihrem „Cannstatter Blättle“:

„…Der Einfluss von uns Fans ist begrenzt, aber wir müssen jetzt ein klares Zeichen setzen. Deshalb haben wir uns entschieden, beim nächsten Heimspiel gegen Bochum auf jegliche Art der organisierten Stimmung zu verzichten. […] Die Sorge um das Wohl unseres Vereins lässt uns aber momentan keine andere Wahl als zu diesem Mittel zu greifen. Keiner hat Lust noch einmal einen Abstiegskrimi wie 2001 zu erleben. Die Erfahrung aus dieser Zeit lehrt uns auch, dass es wichtig ist, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und auf Veränderungen hinzuwirken. […]“

Die Beweggründe, die zu dieser Entscheidung führten, kann ich nachvollziehen, auch wenn ich sie letztlich für falsch halte. Wenn man -wie es die organisierten Fans gewiss nicht zu unrecht tun- davon ausgeht, dass die Unterstützung durch die Kurve einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Erfolg der Mannschaft hat, ist es gewagt, dieses Pfund vor dem Spiel gegen einen unmittelbaren Konkurrenten aus der Hand zu geben, quasi nach dem Motto: „Diese 3 Punkte setzen wir aufs Spiel, wenn wir dafür eine neue sportliche Leitung bekommen.“ Freundlicherweise wurden den zuwider Handelnden übrigens keine Sanktionen angedroht, was zu Beginn des Spiels durch eine Ansage bekräftigt wurde, der zufolge man anfeuern dürfe, wenn man denn wolle – die Geisteshaltung, die hinter dieser gnädigen Geste steckt, lässt mich schaudern. Hätte ich ohne dieses Zugeständnis Prügel erwarten müssen, weil ich mit gar nicht so wenigen Mohikanern Unterstützungsgesänge für die eigene Mannschaft anstimmte?

Wie gesagt: die Überlegungen, die zum Verzicht auf „Support“ führten, kann ich nachvollziehen, und vielleicht wird es ja heute bereits personelle Veränderungen geben. Ungeachtet dessen hat Markus Babbel natürlich recht, dass die Stimmung der Mannschaft nicht geholfen hat, und wenn jemals das Bild von der greifbaren Verunsicherung zutraf, dann in der ersten Halbzeit des gestrigen Spiels (aus vielerlei Gründen, wohlgemerkt). Gleichwohl hätte ich es begrüßt, wenn er seine Erklärungssuche nicht bei den Fans begonnen hätte. Es gab genügend andere Baustellen im bzw. rund um das Spiel des VfB. Die unangenehmste heißt für mich in zunehmendem Maße Aliaksandr Hleb, dessen Verpflichtung sich zu einem gravierenden Fehlschlag entwickelt (den man Horst Heldt aber kaum zum Vorwurf machen kann, nachdem er vor Monaten von allen Seiten dafür gefeiert wurde). Bisher dachte ich immer, er habe persönliche Gründe, den auf der linken Seite mutterseelenallein stehenden Cacau nie anzuspielen. Nachdem er gestern Magnin in der gleichen Weise aus dem Spiel nahm, in der Hoffnung, irgendwann einmal mit einem Dribbling nach innen zum Tor durchzukommen, frage ich mich ernsthaft, ob er von Arsène Wenger wirklich so viel gelernt hat, wie man gemeinhin vermutet. Er wirkt wie ein egoistischer Fremdkörper, bei dem es ins Bild passt, dass er beleidigt und mit einer wegwerfenden Handbewegung von dannen zieht, wenn der Trainer aus gutem Grund entscheidet, dass Elson und nicht Hleb einen Freistoß aus dem Halbfeld treten soll (unabhängig von der Frage, ob Trainer während des Spiels solche Entscheidungen treffen müssen).

Um es kurz zu machen: wenn das Spiel montags im DSF gelaufen wäre, hätte ich als neutraler Zuschauer spätestens nach einem Viertel der Spielzeit Peter Lustigs Rat befolgt: „Abschalten!“ Dann hätte ich allerdings auch die Szene verpasst, die mir wieder einmal überdeutlich meine eigene Inkonsequenz als Fußballfan vor Augen führte – aber auch die Distanz, die der VfB noch zum Thema „Abstiegskampf“ hat: taktische Fouls machen mich normalerweise rasend. Beim Gegner sowieso, aber auch als neutraler Zuschauer. Dass Elson jedoch in der 89. Minute nicht nur davon absieht, Christian Fuchs 40 Meter vor dem Tor zu foulen, sondern nach meinem Eindruck im Stadion fast noch das Bein zurückzieht, verstehe ich nicht. Ja, ich gebe zu, hier habe ich ein taktisches Foul gefordert. Eines dieser Fouls, bei denen man Spielern wie Mark van Bommel oder Christian Poulsen und selbst einem Sympathieträger wie Philipp Lahm anmerkt, dass sie das Spiel verstehen, Gefahren erkennen und sich für den Mannschaftserfolg auch mal zum Buhmann machen lassen. Das mag keine ehrenvolle Qualität sein – für die Tabelle ist sie viel wert. Und mit Blick auf gestern bezweifle ich, dass Fuchs auch aus 40 Metern getroffen hätte.

Detailliertere Aussagen zum Spiel selbst gibt’s einmal mehr im Brustring.

PS: Ja, ich habe gelesen, dass bei den Fanprotesten vor und/oder nach dem Spiel Ordner verletzt worden seien. Ich verurteile es. Aber ich habe keine Lust, mich hier intensiver mit Dummköpfen zu beschäftigen, die dem Vernehmen bzw. der hiesigen Sonntagszeitung nach Dinge wie „Wenn Ihr absteigt, schlagen wir Euch tot“ skandiert haben sollen.

Und mit Udo Latteks bzw. Thomas Herrmanns Analyse der Fanszene im DSF-Doppelpass will ich mich auch nicht befassen.

[Nachtrag 6.12., 13:05: nach Medienberichten wurde Markus Babbel entlassen.]

Erinnerungen an Hargreaves

Kurz nach der Jahrtausendwende, als Mehmet Scholls Haar bereits deutlich lichter wurde, stellte der FC Bayern mit Blick auf die Teenage Fans seinem Juwel Roque Santa Cruz die Herren Hargreaves und Feulner an die Seite, die von Zuschauern und Kommentatoren ob ihrer Lockenpracht das eine oder andere Mal verwechselt wurden. Die Gelegenheiten dazu waren aber insofern sehr begrenzt, als Feulner zunächst kaum mehr als ein gelegentlicher Nachrücker aus der Amateurmannschaft war, während sich Hargreaves rasch etablierte und bereits im Halbfinale und Finale der Champions League 2000/01 in der Startelf stand. In den Folgejahren war er ob seiner Vielseitigkeit, seiner Aggressivität und natürlich seiner fußballerischen Klasse eine verlässliche Größe beim FC Bayern, ehe er nach langem Hin und her im Sommer 2007 zu Manchester United wechselte. Nach einer erfolgreichen ersten Saison verletzte er sich zu Beginn der Spielzeit 2008/09 und hat seit dem 21. September 2008 kein Pflichtspiel mehr bestritten.

Vor wenigen Wochen ist Hargreaves nach mehreren Operationen und langwieriger Rehabilitation wieder zur Mannschaft gestoßen und soll nach jüngsten Aussagen in den nächsten Wochen sein Comeback feiern – wenn es nach der britischen Presse geht, am besten gleich bei einem Treffen auf höchstem Niveau. Ich würde mich über seine baldige Rückkehr auf den Platz freuen, zumal ich seine Spielweise, wie auch sein Auftreten außerhalb des Platzes, in der Regel sehr geschätzt habe. Die Ausnahme von der Regel war ein Spiel am 11. Dezember 2004, in dem Hargreaves seine taktische Aufgabe, Aliaksandr Hleb vom Platz zu treten, mit Bravour erfüllte.

An eben dieses Spiel dachte ich beim gestrigen Aufeinandertreffen des VfB und des FC Bayern nach einer guten Viertelstunde, als Hleb zum vierten Mal rustikal vom Ball getrennt worden war, und kam zu dem Schluss, dass Mark van Bommel die Hargreaves-Rolle nicht allein zugedacht war, sondern dass Schweinsteiger und Tymoshchuk ihn unterstützen würden. Tatsächlich nahm das Spiel jedoch einen anderen Verlauf. Der VfB hatte erst einmal keinen Mut mehr, Hleb seinen Schneid verkauft, die Bayern sortierten ihr Spiel besser, und Mark van Bommel erinnerte sich seiner fußballerischen Fähigkeiten, die gelegentlich ob seines Rauhbein-Images zu wenig gewürdigt werden.

Die Bayern kontrollierten das Spiel, doch in Strafraumnähe kamen sie nur, wenn Philipp Lahm im Spiel war und von Boka weder an Halbfeldflanken noch an Versuchen, den Ball seinen Stürmern im 16er in den Fuß zu spielen, gehindert wurde – glücklicherweise war die Innenverteidigung aufmerksam. Im Gegenzug ließ Lahm sein Gegenüber auch immer wieder aus dem Halbfeld flanken, was ähnlich gefährlich war. Selbst Hilberts Kopfball diente letztlich eher dazu, Hans-Jörg Butt die Gelegenheit zu einer attraktiven Parade zu geben, nachdem er bereits bei Julian Schiebers Schuss von der Strafraumecke die Flugshow eröffnet hatte.

Letztlich ist mir außer Tonis Abseitstor keine ernst zu nehmende Torchance der Bayern im Gedächtnis haften geblieben, beim VfB waren es nur unwesentlich mehr, sodass man wohl von einem angemessen Ergebnis sprechen kann. Die Interpretation eines Stadtbahn-Mitreisenden, wonach die Bayern nicht mehr wollten und der VfB nicht mehr konnte, kann ich natürlich nicht unwidersprochen hinnehmen – vielmehr ließ auch die VfB-Defensive letztlich einfach nicht mehr zu, auch wenn gerade Schweinsteiger, van Bommel und Tymoshchuk durchaus gewollt hätten. Mario Gomez gewann zwar in der ersten Halbzeit fast jeden Zweikampf gegen Matthieu Delpierre; Torgefahr wäre jedoch nur in einer Szene entstanden, wenn Schiedsrichter Kempter, der wieder einmal mit theatralischen Gesten auffiel, ihn nicht wegen eines diskussionswürdigen Foulspiels zurückgepfiffen hätte. In der zweiten Halbzeit tauchte Gomez völlig unter.

Für Gesprächsstoff sorgte natürlich die Verbrüderungsgeste von Mannschaft und Fans, als die Spieler, angeführt von Kapitän Hitzlsperger, nach dem Aufwärmen in die Cannstatter Kurve rannten und sich gemeinsam mit den Anhängern auf das Spiel einschworen (herrlich zu beobachten, wie die Medienvertreter völlig auf dem falschen Fuß erwischt wurden und hektisch in Richtung der Kurve rannten, nachdem sie die Spieler bereits auf dem Weg in die Kabine gewähnt hatten). Eine gelungene Aktion, die ziemlich gut zur allgemeinen Stimmung passte und das Zusammenrücken von Mannschaft, Fans und eben auch Trainer Babbel (der in der Kurve von Assistent Rainer Widmayer vertreten wurde) gut illustrierte. Dennoch würde ich nicht so weit gehen wie mein Nebenmann, der von Hitzlspergers bester Szene der gesamten Saison sprach.

Eine große Szene hatte schließlich noch Manager Horst Heldt, der im heutigen DSF-Doppelpass den Vorwurf, der VfB hätte die Gomez-Nachfolge viel früher regeln müssen, in aller gebotenen Subtilität als „gequirlte Scheiße“ abtat. Sehr dezent auch sein Hinweis, dass er Guido Buchwalds Kritik einzuordnen wisse – er könne leider auch nichts dafür, dass Buchwald derzeit keinen Trainerjob finde… Ich weiß, im Grunde darf sich ein offizieller Vertreter des Vereins nicht so über den VfB-Ehrenspielführer äußern. Mir hat er aber aus dem Herzen gesprochen.

Schnick Schnack Schnuck

Man kann vermutlich geteilter Meinung darüber sein, ob das letzte Heimspiel der Saison, in dem es für die eigene Mannschaft um sehr viel geht und in dem sie sich erkennbar schwer tut, ein geeigneter Zeitpunkt ist, um allzu viel Aufwand in den Protest gegen Stadionverbote zu investieren.

Das Anliegen selbst ist meines Erachtens durchaus berechtigt, da eine gewisse Willkür mitunter nur schwer zu übersehen ist. Etwas anders sieht die Sache allerdings aus, wenn sich wenige Augenblicke nach Verklingen der Proteste ein armseliges Würstchen bemüßigt fühlt, einen Knallkörper abzufeuern, der auf den Rängen in Kopfhöhe explodiert (wie dumm man sein muss, um besagten Knallkörper aus dem eigenen Fanblock in den eigenen Fanblock zu feuern, lasse ich hier einmal dahingestellt). Wenn es die Redewendung mit dem Bärendienst noch nicht gäbe, müsste man sie hier wohl erfinden. Meine persönliche Meinung ist jedenfalls weiter gefestigt: FÜR Stadionverbote, auf Basis von Verfahren, die sich an rechtsstaatliche Prinzipien halten, gegebenenfalls aber gerne ohne räumliche oder zeitliche Einschränkung.

Es ist kein richtig schönes Gefühl, sich im Stadion alle 30 Sekunden umdrehen zu müssen, weil man befürchtet, der Idiot habe möglicherweise noch mehr Knaller im Köcher. Hätte der VfB gegen Cottbus (2:0), um im Bild zu bleiben, ein fußballerisches Feuerwerk abgebrannt, wäre der Fokus vermutlich rascher wieder auf das Feld gewandert; dem war aber keineswegs so. Obwohl das von allen erhoffte frühe Tor in der 19.Minute tatsächlich fiel, war der Titelkandidat (Hört, hört!) nicht in der Lage, das Spiel danach so zu dominieren, dass der zweite oder dritte Treffer zum Selbstläufer geworden wäre. Vielmehr zeigte man sich nervös, teilweise auch zu lässig (Lanig), und entwickelte vorne zu wenig Gefahr. Dabei bemühte sich die Mannschaft über weite Strecken des Spiels durchaus, die offensichtlich vorgegebene Marschroute, über die Außen zum Erfolg zu kommen, umzusetzen. Besonders Christian Träsch deutete dabei -für mich erstmals- an, dass er auch offensiv in der Lage ist, mehr als nur sporadische Akzente zu setzen.

Es war der starken Defensivzentrale zu verdanken, dass Cottbus selbst kaum gefährlich vor das Tor von Lehmann kam – insbesondere der vor Motivation und Engagement sprühende Boulahrouz und Kapitän Hitzlsperger unterbanden die Cottbusser Bemühungen sehr wirkungsvoll. Lanig mag sich wegen seiner vier gelben Karten im Zweikampf zurückgehalten haben; in München wird man aber nur mit einem starken Sami Khedira bestehen können.

Mitte der zweiten Halbzeit wurde es dann laut auf den Rängen. Und zwar richtig laut. Man hätte meinen können, Bayern und Hertha lägen deutlich zurück und Hannover 96 habe sich doch noch entschlossen, am Spiel gegen Wolfsburg teilzunehmen, und sei nun auf dem besten Weg, die Partie zu drehen. Tatsächlich hatte sich jedoch nur Mario Gomez den Trainingsanzug ausgezogen und stand zur Einwechslung bereit. Wäre ich nicht selbst massiv befallen, würde ich wohl von einer nahezu grotesken Heldenverehrung reden. So aber bleibt festzuhalten, dass Gomez entscheidend dazu beigetragen hat, doch noch rechtzeitig den Sieg zu sichern, und man konnte sich des Eindrucks nicht gänzlich erwehren, dass nicht nur der Stuttgarter Anhang mit der Einwechslung des Heilsbringers jeden Zweifel am Sieg verlor, sondern dass zudem bei den Cottbusser Feldspielern ein gegenteiliger Effekt wirkte.

Der zweite Heilsbringer, Teamchef Markus Babbel, ließ sich nach der endgültigen Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb auch nicht mehr länger bitten, sich erstmals seit dem Meisterschaftsgewinn 2007 (damals auch gegen Cottbus, wobei er selbst, wie in 31 anderen Spielen, nicht zum Einsatz gekommen war) wieder in der Kurve zu zeigen. Sehr nett, übrigens, gerade ihm das nicht ganz überraschende „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ entgegen zu schleudern.

Nun haben wir also eine Situation, in der vor dem letzten Spieltag von Platz 1 bis 4 zumindest auf dem Papier noch alles möglich ist. Über Chancen, Wahrscheinlichkeiten und Szenarien wird allenthalben spekuliert. Von den letzteren gefallen mir zwei am besten:

  1. Werder und der VfB gewinnen, der Rest ist egal.
  2. Werder führt in Wolfsburg.
    In München treffen sich in der 88. Minute die Herren Hitzlsperger und van Bommel an der Mittellinie und klären nach kurzer Diskussion der Rahmenbedingungen (Best of 5, Best of 7?) mit einer Partie „Schere, Stein, Papier“, welcher Torwart nun das Feld verlassen muss, um den Meistertitel für den VfL Wolfsburg und Felix Magath zu verhindern.
    (Hitzlsperger gewinnt. Hat er in England gelernt.)

Der Haken bei beiden genannten Szenarien ist -abgesehen vom nicht vorhersehbaren Verlauf des VfB-Spiels in München- die Tatsache, dass sie dem SV Werder eine Rolle beimessen, die ihm nur wenige zutrauen. Per Twitter hatte Werderfan @medispolis gemutmaßt, im Falle einer Niederlage in Istanbul müsse sich die Mannschaft in Wolfsburg rehabilitieren, während ich eher auf die Chance gehofft hatte, dass euphorisierte Bremer nach dem Uefa-Cup-Sieg die Wolfsburger trotz Katers wegputzen. Letztlich halte ich aber die Sichtweise eines guten Freundes für die wahrscheinlichste:

„Werder ist am Samstag entweder besoffen oder hat keine Lust mehr.“

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Abschließend noch der Hinweis, dass allem Anschein nach nicht nur verschiedene Mannschaften bereits mit der Saison abgeschlossen haben – auch im Printbereich lässt die Konzentration nach: laut der Sonntagsausgabe der Stuttgarter Zeitung soll in der kommenden Saison Eduard Geyer die VfB-Amateure trainieren, und bei der FAS meint man gar, im Hoffenheimer Tor habe Dieter Hildebrandt gestanden.