16 gegen 18, was will man erwarten?

Natürlich kann man Petit auspfeifen, der es kurz vor Schluss bei knapper Führung nicht allzu eilig hat. Der eine Illusion von Fortbewegung schafft, tatsächlich aber auf der Stelle joggt. Oder den Schiedsrichter, der ihm seelenruhig dabei zusieht.

Aber mal ehrlich – an dieser Stelle folgt normalerweise der Hinweis, dass sich jeder andere, selbst ein Stuttgarter, ebenso langsam bewegt hätte, worauf ich an dieser Stelle der besseren Lesbarkeit dieses nicht ganz trivialen Satzes wegen verzichten will -, also mal ehrlich: Petit bewegt sich 90 Minuten lang kaum schneller. Was allerdings reicht, um gegen den VfB gefühlte 12 Torschüsse abzugeben. Allesamt ungefährlich, zum Glück. Und doch: kann sich jemand an ein Spiel erinnern, in dem der Gegner Zvonimir Soldo so viel Zeit und Platz gelassen hat, dass er alle paar Minuten auf dessen Tor schießen konnte? Aber Petit ist ja auch ein paar Jahre jünger als der junge Soldo.

Stefano Celozzi bewegt sich bestimmt schneller als Petit. Und als Soldo. Möglicherweise kann er sogar schneller laufen als Lukas Podolski. Bloß halt falsch. In die falsche Richtung. Zu spät. Vom falschen Startpunkt aus. Was auch immer. Wenn es sein musste, lief er auch von der Mittellinie bis zum Strafraum neben ihm her, um erleichtert abzudrehen, als sich endlich ein Mitspieler Podolskis annahm. Ich habe mich ja lange gefragt, wieso Celozzi nicht nur zu Beginn, sondern vor allem auch noch am Ende des Spiels auf dem Platz stand. Irgendwann begriff ich dann: hätte Jens Keller auch noch Philipp Degen eingewechselt, der in Kaiserslautern weder auf- noch abgefallen war, und hätte der am Ende auch noch schlecht gespielt, dann wäre binnen einer Woche die komplette Rechtsverteidigerriege verbrannt gewesen. Außer vielleicht… wie wär’s denn mal mit dem Träsch, der hat das doch auch schon mal…?

Ja, es ist billig, sich auf Celozzi einzuschießen. Und auf Keller. Aber es fällt schwer, genau das nach einem solchen Spiel nicht zu tun. Nach einem Spiel, in dem beide Mannschaften den Erwartungen gerecht wurde, die man aufgrund der Tabellensituation haben durfte, in dem der Trainer mehr als 70 Minuten wartete, ehe er personell etwas veränderte, in dem Boka 78 Minuten lang zeigen durfte, dass ihm seine jüngsten Treffer zu Kopf gestiegen sind – Cacau musste ihn mitunter aus dem Sturmzentrum vertreiben -, nach einem Spiel, in dem es der in unzähligen Abstiegsduellen gestählte Recke Camoranesi zum Schluss richten sollte, fällt mir nicht mehr viel ein. Mich würde sehr interessieren, was Jens Keller dachte, als Martin Harnik nach seiner späten Einwechslung binnen weniger Minuten zeigte, dass es kein Hexenwerk gewesen wäre, diese Kölner Abwehr auch in der zweiten Hälfte in Bedrängnis zu bringen. „Wusst‘ ich doch, dass er ein guter Joker ist!“ wäre eine Möglichkeit, die ich nicht ausschließe.

Ist ja auch schön, wenn das Glas im Zweifel halb voll ist. Wenn man „zahlreiche hundertprozentige Torchancen“ bzw. deren Auslassen beklagt. Da könnte sich der miesepetrige Marica mal eine Scheibe abschneiden:

„Das war heute ein schlechtes Spiel von uns. Wir hatten zwei, drei klare Chancen, bei denen wir das Tor einfach erzielen müssen. Und auch sonst haben wir ohne Selbstvertrauen nach vorne gespielt.“

Gefällt mir, der Mann. Auch wenn er am Sonntag nicht allzu viele Akzente setzen konnte, war es doch so, dass er Cacaus Großchance brillant vorbereitet hat, dass er bei der eigenen Großchance zwar knapp scheiterte, im Grunde aber die einfachste und gleichzeitig am wenigsten erwartetete Lösung gewählt hatte, und dass er vor allem eine Körpersprache an den Tag legte, die mit dem Marica von vor einigen Wochen so überhaupt nichts mehr zu tun hat. Hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal Marica, Gebhart und Ulreich als diejenigen bezeichnen würde, die – gemeinsam mit Träsch, natürlich – voran gingen.

Zum Schiedsrichter ist das meiste gesagt. Er war schlecht. Aus Kölner Sicht, und erst recht aus der des DFB, denke ich, war es katastrophal, wie er in der ersten Hälfte ein Foul an Lanig abpfiff, obwohl dessen Pass Novakovic allein auf den Weg zu Ulreichs Tor geschickt hätte. Ich kann nicht nachvollziehen, dass ein Schiedsrichter eine Minute nachspielen lässt, nachdem er sich zuvor vorsichtig geschätzte 2-3 Minuten lang direkt neben den Torwart gestellt hatte, während dieser die Schuhe wechselte. Das ist gewiss nicht wichtig für den Verlauf der Partie, aber ich erlaube mir, daraus Rückschlüsse zu ziehen, die mit der Frage zu tun haben, wie ernst er seine Aufgabe nimmt.

Die Szene, die zum Elfmeter führte, habe ich nur so halb gesehen, weil sich zwei offensichtlich nicht sehr an Fußball interessierte Menschen just in diesen paar Sekunden an mir vorbei drängten. Und ich gebe zu, dass ich den Elfmeter aus der Mit-maximal-geneigtem-Kopf-knapp-am-Ohr-des-Vordermanns-vorbei-Perspektive für vertretbar hielt. Die Fernsehbilder sprachen hernach eine andere Sprache, aber aufgrund besagter Erfahrung habe ich hier ein gewisses Verständnis für Herrn Dingert. Beim nicht gegebenen Foul an Gebhart eher weniger.

Zum Schluss noch zwei Zitate, das eine von Georg Niedermeier:

„Das ist bitter, aber wir müssen uns auch an die eigene Nase fassen“,

das andere von meinem Nebenmann:

„Wie viele Spiele müssen wir genau verlieren, bis wir einen Trainer bekommen?“

Und irgendwann werde ich auch noch schreiben, was ich von Sitzplatzblöcken mitten im Fanbereich halte. Aber erst, wenn ich mich diesbezüglich ein wenig beruhigt habe, der Sonntag liegt ja nur wenige Tage zurück.

Verbalbeurteilung 2010

In den verangenen Monaten hat sich die Gruppe wie bereits im Vorjahr sehr zielorientiert gezeigt. Auf schwache Leistungen im ersten Halbjahr, die zum Teil mit Defiziten bei der Disziplin und häufigen Platzwechseln bzw. der daraus entstehenden Unruhe zusammen hingen, folgte ein hervorragendes zweites Halbjahr unter neuem Lehrpersonal. Einmal mehr bereitete sich die Gruppe hervorragend auf die Abschlussprüfungen vor, was mit entsprechenden Ergebnissen belohnt wurde.

Jens war in seinem letzten Jahr noch einmal ein Vorbild in Sachen Motivation und Engagement. Seine in aller Regel überdurchschnittlichen Leistungen wurden indes durch regelmäßige Disziplinlosigkeiten erneut ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Er legte sich mit Kleineren an und ging zum wiederholten Male sorglos mit fremdem Eigentum um. Im Sport zog ein Verstoß gegen Spielregeln einen mehrwöchigen Verweis nach sich. Die Altersgrenze für „Jugend trainiert für Olympia“ hat er überschritten. Nach dem Abschluss wird er im Medienbereich tätig sein.

Sven hatte in diesem Jahr sehr viele Fehlzeiten, zuletzt aus gesundheitlichen Gründen. Sofern er diese in den Griff bekommt, könnte er sich im kommenden Jahr voll in die Gruppe integrieren. Speziell zu Beginn des zweiten Halbjahres deutete er an, dass er mithalten kann. Gleichwohl bestehen seitens des Lehrpersonals noch Zweifel, ob er das Leistungsniveau über einen längeren Zeitraum halten und bei Bedarf anderen Gruppenmitgliedern helfen kann.

Cristian stieß erst im Winter dazu und integrierte sich von Beginn an in vorbildlicher Weise. Seine Leistungen waren von vorne bis hinten ausnehmend gut, andere Gruppenmitglieder profitierten immer wieder von seiner Vorarbeit, und abseits des Pflichtprogramms initiierte er gar eine wöchentliche Tanz AG. Ein erneuter Wechsel nach so kurzer Zeit ist für seine weitere Entwicklung nicht wünschenswert.

Arthur verpasste aufgrund einer längeren Erkrankung den Großteil des zweiten Halbjahres. Angesichts des hohen Leistungsniveaus, das die Gruppe zwischenzeitlich erreicht hat, könnte es für ihn schwierig werden, sich wieder zu integrieren. Die Übernahme ins nächste Jahr erfolgt auf Probe. Letztmalig.

Ludovic konnte bereits im ersten Halbjahr die geforderten Leistungen nicht mehr erbringen und wechselte im Winter auf eigenen Wunsch in eine kleinere Einrichtung. Sein Weggang war ein herber Verlust für die Gemeinschaft, die ihn entsprechend verabschiedete.

Matthieu übernahm im Spätherbst Verantwortung für die Gruppe, der er vollauf gerecht wurde. Nach gesundheitlichen Problemen zu Beginn des zweiten Halbjahres brauchte er ein wenig Zeit, um den Rückstand wieder aufzuholen, was ihm letztlich in hervorragender Weise gelang. Mit seiner ruhigen Art gab er seinen Freunden in der Prüfungsphase Halt.

Serdar brachte weitgehend solide Leistungen, konnte sein Vorjahresniveau aber nicht halten. Er zeigte sich bisweilen fehleranfällig und wirkte gelegentlich etwas zu selbstbewusst. Mitunter entstand der Eindruck, er befasse sich zu intensiv mit einem möglicherweise anstehenden Umzug. Sein Umgang mit Kritik ist verbesserungswürdig. Bei „Jugend trainiert für Olympia“ hat er zum Erreichen des Finalturniers beigetragen.

Georg wusste bei seinen Leistungsnachweisen, die er aus verschiedenen Gründen etwas zu selten ablegen konnte, stets voll zu überzeugen. Sein zurückhaltendes Auftreten, insbesondere im Umgang mit kleineren Enttäuschungen, ist bemerkenswert und wohltuend. Sein weiterer Verbleib ist ein Gewinn für die Gruppe.

Khalid konnte seine Leistungsfähigkeit nur sehr selten unter Beweis stellen, erbrachte aber bei den wenigen Prüfungen, an denen er teilnehmen durfte, stets zufrieden stellende, mitunter gar gute Leistungen. Sein Sozialverhalten gilt entgegen früherer Eindrücke als gut, Enttäuschungen bewältigt er angemessen und vorwärts gerichtet. Ein Wechsel in eine andere Einrichtung ist denkbar, ein Gespräch erwünscht.

Stefano kam im vergangenen Sommer von einer kleineren Einrichtung mir zweifelhaftem Ruf nach Cannstatt und brachte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten im zweiten Halbjahr sehr gut in die Gruppe ein. Dem Vertrauen des Lehrpersonals wurde er jedoch nicht in vollem Umfang gerecht. Zu häufig unterliefen ihm Leichtsinnsfehler, die Zweifel an seinem vermeintlich großen Potenzial aufkommen ließen. Muss sich im neuen Jahr in den Punkten Kreativität und Zuverlässigkeit steigern.

Ricardo hatte bedauerlicherweise viele Fehlzeiten, sodass seine Leistungen nur bedingt bewertet werden können. Speziell unmittelbar vor den Abschlussprüfugen machte er indes deutlich, dass sich die Gruppe auf ihn verlassen kann und trug zu einem positiven Gesamtergebnis bei. Dennoch wird er sich im Sommer an einer anderen Einrichtung einschreiben.

Sami war während des gesamten Jahres ein Vorbild in Sachen Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Kreativität. Er übernahm stets Verantwortung, unterstützte seine Freunde in vielfältiger Weise und entwickelte sich, obwohl einer der Jüngsten, zu einem Sprachrohr der Gruppe. Sami ist ein engagierter Mistreiter bei „Jugend trainiert für Olympia“ und hat klare Vorstellungen zu seiner beruflichen Laufbahn, was in absehbarer Zeit zu einem Umzug führen könnte.

Christian hat seine positive Entwicklung aus dem Vorjahr fortgesetzt und bringt in allen Bereichen konstant gute Leistungen. Er ist ausnehmend ehrgeizig, diszipliniert und lernfähig, was ihm in der Gruppe und beim Lehrpersonal eine außerordentliche Wertschätzung einbringt. Einige Abschlussarbeiten gelangen Christian ganz besonders gut. Parallel hat er sich die Teilnahme an „Jugend trainiert für Olympia“ verdient.

Zdravko stieß erst während des bereits laufenden Jahre zur Gruppe und hatte einen denkbar schlechten Start, von dem er sich binnen weniger Wochen erholte, um dann seinen Freunden in einer schwierigen Phase mit strategischen Geschick Halt zu geben. Nach dem Wechsel des Lehrpersonals konnte er sein Potenzial nicht immer vollständig entfalten, trug aber gemeinsam mit Sami und Christian stets zur inneren Stabilität der Gruppe bei. Sein Engagement ist vorbildlich.

Thomas konnte seine Leistungen aus den vergangenen Jahren nur selten bestätigen und wechselte im Winter zu einer kleineren Einrichtung, so dass er leider auch bei „Jugend trainiert für Olympia“ nicht mehr mitwirken kann. Wir bedauern seinen Weggang außerordentlich, da er stets Verantwortung übernommen und die Gruppe vorbildlich repräsentiert hatte.

Timo begann sein erstes komplettes Jahr mit wechselhaften Leistungen, ehe er unter neuem Lehrpersonal konstanter arbeitete. Nach wie vor ist er zu oft unkonzentriert, vielleicht auch verspielt, und entscheidet sich häufig für die falsche Lösung. Seine Arbeitsgeschwindigkeit, seine Kreativität und auch sein langsam steigendes Verantwortungsgefühl führen gleichwohl zu einer positiven Gesamtbewertung. Im nächsten Jahr wird eine weitere Steigerung erwartet.

Roberto war erneut ein Vorbild an Engagement, Begeisterung – was wie im Vorjahr mitunter in Übermotivation umschlug – und Identifikation mit der Gemeinschaft. Leichtsinnsfehler durchzogen seine Leistungsnachweise, dennoch übertrug ihm das neue Lehrpersonal standardmäßig Verantwortung, was sich mehrfach bezahlt machte. Sein voraussichtlicher Wegzug nach vier erfolgreichen Jahren ist äußerst bedauerlich.

Aliaksandr kehrte nach mehreren Jahren bei renommierten Einrichtungen im Rahmen eines Austauschprogramms zurück, konnte den hohen Erwartungen allerdings nur sehr bedingt genügen. Mit einer beeindruckenden Energieleistung bestand er die erste europaweite Zwischenprüfung mit Bravour, zeigte sich danach allerdings weder konstant noch selbstkritisch. Muss sich nach erneutem Umzug erheblich steigern.

Sebastian konnte in seinem ersten vollen Jahr seine Leistungsfähigkeit immer wieder andeuten, litt aber verschiedentlich unter gesundheitlichen Problemen. Zudem erweckte er mitunter den Eindruck, sich zu sehr auf seine sportliche Begabung zu verlassen. In musikalischer Hinsicht ist er unerreicht, doch nach starken Leistungen im Spätherbst erreichte er mit dem neuen Lehrpersonal nicht mehr ganz den alten Leistungsstand. Nachhilfe ist erwünscht.

Elson konnte zu Beginn punktuell überzeugen und wusste insbesondere beim landesinternen Benchmarking zu brillieren. Leider war er jedoch nicht in der Lage, sein Leistungsniveau über einen längeren Zeitraum zu stabilisieren, so dass sich ein Austauschprogramm mit einer kleineren (50+1) Einrichtung anbot. Er fasste dort sehr gut Fuß und denkt über einen endgültigen Umzug nach.

Jan hielt von Beginn an nicht Schritt und konnte so gut wie keine Leistungsnachweise erbringen. Er bewarb sich um verschiedene Austauschprogramme und wechselte im Winter zu einer aufstrebenden Einrichtung.

Martin verpasste wegen einer langwierigen Erkrankung fast das gesamte Jahr und wird es schwer haben, das Versäumte nachzuholen. Seine Umzugsgedanken erscheinen vor diesem Hintergrund vernünftig. Ein Gespräch ist erwünscht.

Claudemirs Leistungen ließen im ersten Halbjahr zu wünschen übrig, auch der Wechsel des Lehrpersonals brachte zunächst keine Besserung. Erst im neuen Jahr trug sein ungebrochenes Bemühen wieder Früchte und schlug sich in hervorragenden Abschlussarbeiten nieder. Bei „Jugend trainiert für Olympia“ hat er noch die Chance, die Finalrunde zu erreichen. Dank eines spät vergebenen Stipendiums kann Claudemir auch im nächsten Jahr an unserer Einrichtung bleiben.

Ciprian blühte im zweiten Halbjahr enorm auf und deutete erstmals nachhaltig an, dass der Abschluss für ihn eine echte Alternative ist. Sprachlich hat er enorm aufgeholt und kann nun auch bei Bedarf die Interessen der Gruppe vertreten. Gelegentlich wirkt er noch ein wenig träge; das Lehrpersonal hat jedoch ein Auge darauf.

Pavel konnte erst relativ spät in die Gruppe integriert werden, war aber von Beginn an immer präsent und stets motiviert. Die Abschlussarbeiten, von denen er meinte, sie mit links erledigen zu können, fielen noch etwas dürftig aus. Sein beispielhafter Fleiß und das jederzeit spürbare Bemühen, der Gruppe zu helfen, führen zu einem positiven Fazit und einer zuversichtlichen Prognose.

Julian erlebte im abgelaufenen Jahr sehr unterschiedliche Phasen. Nachdem er zu Beginn immer wieder sein Potenzial andeuten konnte, gelang es ihm ab Mitte des ersten Halbjahres kaum noch, die nötigen Leistungsnachweise zu erbringen, was sich auch mit dem neuen Lehrpersonal nicht änderte. Zwar konnte er zuletzt wieder einige Teilaufgaben lösen; das angestrebte Austauschprogramm erscheint gleichwohl geboten. Ein Gespräch ist erwünscht.

Markus war leider nicht in der Lage, an seine überragenden Ergebnisse aus dem Vorjahr anzuknüpfen. Gemeinsam mit der Leitung kam er im Dezember zu dem Schluss, seine Defizite mit Hilfe von Privatlehrern aufzuarbeiten

Christian kam im Dezember zu der Gruppe und übernahm vom ersten Tag an in hohem Maß Verantwortung. Er ging die anstehenden Prüfungen mit großem Ernst, hohem Arbeitsaufwand und nicht zuletzt einem klaren System an, und wies so zahlreichen Gruppenmitgliedern den Weg zu besseren Ergebnissen. Christian erhält einen Preis.

Abschied ist ein scharfes Schwert…

Das wusste Roger Whittaker, wer erinnert sich nicht, schon in den frühen 80ern, und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Und weil das Ende der alten Cannstatter Kurve so tief ins Herz fährt, haben sich die dortigen Protagonisten offenbar entschieden, die Abschiedsfeierlichkeiten unter dem Motto „Die alte Kurve würdig verabschieden“ über drei Heimspiele hinweg zu begehen – und der Auftakt war mehr als gelungen. Filmdokumente aus den 50er Jahren auf der Videoleinwand, getragene Musik und liebevoll gestaltete Plakate ließen mich tatsächlich ein wenig angefasst zurück. Ich ziehe meinen Hut vor den Organisatoren und danke den zahlreichen fleißigen Menschen, die die begleitende Choreographie vorbereitet haben – ich freu mich auf die nächsten beiden Male!

Zum Spiel gegen Gladbach, das mittlerweile fast eine Woche zurück liegt, ist wohl das meiste gesagt, allein die üblichen Verdächtigen haben bereits Bücher gefüllt. Zwei, drei Sätze wollte ich gleichwohl noch loswerden. Über Roberto Hilbert, zum Beispiel, der mich in meiner Einschätzung bestätigte, dass die enorme Verbesserung der linken Stuttgarter Seite in der Rückrunde zwar auch mit Aliaksandr Hleb zu tun hat, dass der Löwenanteil aber Cristian Molinaro gebührt, den auch Hilbert klasse in Szene setzen konnte. Dass Julian Schieber, der im echten Leben Mittelstürmer ist, selbiges eher nicht schaffte, kann man weder ihm noch Molinaro zum Vorwurf machen. Auch nicht dem Trainer, übrigens, falls das so angekommen sein sollte. Die kreative Spielerdecke ist derzeit einfach verletzungsbedingt ziemlich dünn: die Herren Niedermeier, Osorio, Celozzi, Funk, Lanig und Schieber schätze ich durchaus; als Ersatzbank für ein Bundesligaspiel machen sie in Sachen Offensivspiel indes nur wenig her.

Ciprian Marica, ich bin beeindruckt. Irgendwann in den 70ern entstand meine Überzeugung, dass solche Drehungen eigentlich kleineren, kräftigeren Stürmern mit tiefem Körperschwerpunkt vorbehalten seien. Grundsätzlich glaube ich das zwar noch immer; gleichwohl hoffe ich, dass das mehr war als das berühmte blinde Korn im Heuhaufen. Zdravko Kuzmanovic spielte eine Halbzeit lang, als hätte man ihm die Sambaschühchen aus Cacaus ersten Stuttgarter Jahren angedreht, ehe er in der zweiten Halbzeit nicht nur deutlich machte, dass er das Spiel unbedingt gewinnen wollte, sondern auch seinen Führungsanspruch unterstrich – gemeinsam mit Christian Träsch, den ich noch nie so präsent auf dem Platz erlebt habe. Nicht Lückenschließer-präsent, sondern Spielbestimmer-präsent.

Morgen geht’s gegen die Hertha. Mit zeitweise schweigenden Stuttgarter Fans, die sich mit den vom DFB bestraften Berliner Zuschauern solidarisch zeigen wollen. Die Beweggründe kann ich nachvollziehen, wenn auch nicht teilen. Der Verweis auf die Geschehnisse beim Spiel gegen Bochum, bei dem die Fans die wichtige Funktion übernommen hätten, „Fehlentwicklungen entgegen zu steuern und Dinge wieder auf den richtigen Weg zu bringen„, macht mir Sorgen. „Hybris“ habe ich diesbezüglich im Brustring gelesen.

Oh, und ganz vergessen: wenn ich es recht sehe, sind am vergangenen Wochenende bereits zwei Entscheidungen gefallen. Der VfL Wolfsburg kann seinen Titel nicht mehr verteidigen und der VfB Stuttgart kann nicht mehr absteigen.

Rückrunde!

In den vergangenen Jahren war es ja gerne mal so, dass man trotz großartig besetzter Hallenturniere, hochklassiger Freundschaftsspiele in Belek und einem wunderbaren Potpourri an Wechselgerüchten, das man nur unter großen Mühen in die eigens erstellte Excel-Tabelle einpflegen konnte, irgendwann ein erleichtertes „Endlich!“ ausstieß, wenn das Ende der Winterpause nahte.

Dieses Jahr bin ich noch nicht mal zum Erstellen des Spreadsheets gekommen, und schon steht das heutige Aufwärmspiel zur Rückrunde vor der Tür. Wahrscheinlich hätte ich den Auftakt sogar vergessen, wenn mir nicht kurzfristig Ehre, Freude und Vergnügen zuteil geworden wären, an @dogfoods kollaborativer Rückrundenvorschau bei allesaussersport mitzuwirken.

Gemeinsam mit einigen geschätzten Bloggern und auch Nicht-Bloggern, die bei dogfood im einzelnen genannt werden, durfte ich zu einem recht umfangreichen Dokument beitragen, das ebendort in gut verdaubaren Häppchen präsentiert wird und in dem die Perspektiven jedes einzelnen Bundesligisten für die Rückrunde auf Basis von dogfood formulierter Fragen andiskutiert werden.

Die Einschätzungen zum VfB, auf die ich erwartungsgemäß mein Haupt- (wenn auch nicht einziges) Augenmerk richtete, finden sich sowohl drüben bei dogfood als auch hier. Alles weitere steht bei allesaussersport und auszugsweise in den beteiligten Blogs.

______________________________________________

VfB StuttgartDie Hinrunde sah nicht nur eine Entlassung von Markus Babbel, sondern auch Veränderungen in der Machtbalance. Horst Heldt wird auf einmal für seine im Sommer gefeierte Einkaufspolitik zum Problem gemacht und konnte sich bei Babbels Entlassung nicht gegen Hundt durchsetzen. Aufsichtsratschef Hundt hat durch sein Festhalten an Babbel die Leidenszeit verlängert und nun ist mit Christian Gross nicht nur ein autoritärer sondern auch machtbewusster Trainer gekommen. Ist das jetzt schon alles ausgestanden oder wird sich da noch etwas tun?

heinzkamke: In der Tat wurde Heldt im Sommer allenthalben gefeiert – zum einen, weil er Hleb geholt hat, zum anderen, weil er sich nicht von Huntelaar auf der Nase herum tanzen ließ. (Wobei diejenigen, die über Letzteres jubelten, nicht unbedingt leiser gejubelt hätten, wenn die Verpflichtung von Huntelaar gelungen wäre, aber das nur am Rande.)
Auch in den Vorjahren war durchaus Kritik an Heldts Einkaufspolitik laut geworden, insbesondere mit Blick auf die Verpflichtungen unmittelbar nach der Meisterschaft 2007: Bastürk, Gledson, Schäfer, Marica, Ewerthon. Vor der laufenden Saison hatten viele eine Nachbesserung auf der Schwachstelle links hinten erwartet, und der gesuchte torgefährliche Mittelfeldspieler wurde auch nicht verpflichtet.

Will sagen: die Kritik an Heldt kam nicht plötzlich, sondern war eine Folge der letzten Jahre. Manch einer hatte sich vor bzw. bei Babbels Entlassung gewünscht, dass Horst Heldt auch gehen müsse, anstatt erneut einen Trainer seiner Wahl installieren zu dürfen. Nun ist also Christian Gross da, und bis dato hat man wenig über das Verhältnis zwischen dem Vorstandsmitglied Sport und dem Trainer gehört. Bisweilen hört man die Meinung, Gross sei stark genug, um Heldts Kompetenzen im sportlichen Bereich zunehmend zu beschneiden und in eine Managerrolle englischer Prägung hineinzuwachsen. Wenn dann der HSV noch einmal bei Heldt anriefe…

VfB Stuttgart – Wo sind die Probleme des VfBs zu suchen? Liegt es an der Einkaufspolitik von Heldt oder an dem verunsicherten Trainer Babbel, dass die Mannschaft keine Struktur, keine Achse zu haben scheint?

heinzkamke: Die angesprochene Achse wäre im Grunde mit Lehmann – Delpierre/Tasci – Khedira/Kuzmanovic – Stürmer X vorgegeben. Im Grunde. Tatsächlich aber schwankt Tasci in seinen Leistungen und wurde dann auch noch in der Kapitänsfrage brüskiert, war die Systemfrage im Mittelfeld lange ungeklärt (möglicherweise ist sie es noch?), wurde Hleb wieder – wie schon vor seinem Ausflug in die große weite Fußballwelt – auf die 10 gehievt, und war man im Sturm nicht ansatzweise in der Lage, den Abgang von Mario Gomez zu kompensieren.

An der Defensivarbeit soll Gross intensiv gearbeitet haben, sodass die Innenverteidigung Stabilität gewinnen könnte, und im Mittelfeld ist man zumindest defensiv hervorragend besetzt. Die zentrale Frage wird weiterhin lauten, ob man in der Lage ist, sowohl aus dem Mittelfeld heraus als auch im Sturm mehr Torgefahr zu entwickeln.
Ob dieses Problem in erster Linie mit Struktur und vielleicht auch Selbstvertrauen der Mannschaft zu tun hat, oder ob man letztlich einfach die falschen Leute hat, kann man vielfältig diskutieren.

dogfood: Ein Name der bei deiner Achse fehlt, ist Hitzlsperger. Hat theoretisch jene internationale Erfahrung um sich innerhalb der Mannschaft ein Standing zu erarbeiten, aber die Hinrunde war für ihn eine Seuchensaison – auf dem Platz und außerhalb des Platzes von Babbel demoralisiert und demontiert, nicht zuletzt durch die Wegnahme der Kapitänsbinde. Ist nicht nur Lehmann in Stuttgart ein Auslaufmodell, sondern auch „The Hammer„?

heinzkamke: Meines Erachtens wird sich Hitzlsperger sehr schwer tun, im WM-Kader zu bleiben, weil er auch in der Rückrunde beim VfB einen schweren Stand hat. Ich wäre nicht gänzlich überrascht, wenn sich da auf dem Transfermarkt noch etwas täte.
Kürzlich wurde Christian Gross von der Stuttgarter Zeitung auch zu Hitzlsperger befragt:

StZ: Fragt sich nur, wo er spielen soll. Im zentralen Mittelfeld scheinen Zdravko Kuzmanovic und Sami Khedira gesetzt.
Gross: Und Christian Träsch haben wir auch noch. Er ist unheimlich wertvoll.
StZ: Für Hitzlsperger könnte es also eng werden.
Gross: Jeder bringt sich so ein, wie er will und wie er kann. Ich bin mit offenen Augen bei jedem Training dabei und versuche, mich bei der Aufstellung richtig zu entscheiden.

Wenn ich im Kaffeesatz lesen müsste, würde ich daraus eher keine Stammplatzgarantie für Hitzlsperger ableiten.

kurtspaeter: Ich gehe jede Wette ein, dass Hitzlsperger im WM-Kader steht, ob er in Stuttgart vornewegmarschiert oder nur noch die Pilonen beim Training aufstellen darf. Aber das wäre jetzt eine Diskussion über Löw und nicht über den VfB.

VfB Stuttgart – Der VfB hat bereits einen großen Kader, aber es ist von zahlreichen Neuverpflichtungen die Rede. Wo muss derart nachgebessert werden, dass man es mit dem bereits vorhandenen Kader nicht kompensieren kann?

heinzkamke: Im Wesentlichen sind fünf Problembereiche auszumachen:

  • Im Tor steht die Nachfolgeregelung von Jens Lehmann ins Haus. Ob Ulreich und Stolz die nötige Klasse haben, wird kontrovers diskutiert.
  • Links hinten ist man für die Rückrunde zumindest aktiv geworden, hat Cristian Molinaro ausgeliehen und sich anders als bei Lahm und leider auch Niedermeier (nein, der ist kein Linksverteidiger) immerhin ein Vorkaufsrecht für den Sommer sichern können.
  • In der DefensivAbwehrzentrale ist nicht abzusehen, wie es mit Tasci weitergeht. Einerseits bleibt abzuwarten, ob er seine Leistungen wieder stabilisiert, andererseits war er emotional vermutlich schon einmal stärker an den Verein gebunden als derzeit. Niedermeier ist nach wie vor nur ausgeliehen, und Boulahrouz hat sich nur selten von seiner Schokoladenseite gezeigt. Kurzfristig ist man hier zwar versorgt; zur neuen Saison ergeben sich aber viele Fragezeichen.
  • Im offensiven Mittelfeld hat man bis zum Sommer Hleb sowie Gebhart und Rudy, d.h. drei Spieler, die bisher alle nicht sonderlich torgefährlich waren. Nicht von ungefähr wollte man schon vor der Saison Milan Jovanovic und diskutiert jetzt über dynamische Spieler für die Außenpositionen (Christian Gentner sieht sich vermutlich eher nicht dort, ob Ashkan Dejagah passen würde, weiß ich nicht). Bastürk und Simak sowie Elson dürfen gehen, Hilbert und Lanig dürften ggf. auch als entbehrlich gelten.
  • Der Sturm spielt in der Rückrunde vermutlich auf Bewährung und muss sich gegenüber der Vorrunde gewaltig steigern.

medispolis: Weil ja heute mit Fromlowitz von 96 die erste „Sau“ durch die Presselandschaft gejagt wird bezüglich Nachfolge von Lehmann. Gibt es irgendeinen Favoriten bei den VfB-Fans? Vorzugsweise ein junger, eher unbekannter Torwart oder sollte es schon eine größere Hausnummer mit der nötigen internationalen Erfahrung sein? (Gut, hängt vielleicht auch vom Saisonverlauf ab).

heinzkamke: Im Moment habe ich das Gefühl, dass die Fraktion derer, die in schöner Stuttgarter Tradition („Junge Wilde“) gerne auf einen eigenen Nachwuchstorwart setzen würden, deutlicher vernehmbar ist – eine Sichtweise, die vermutlich auch mir leichter fiele, wenn ich die erste Ulreich-Phase nicht mehr so deutlich in Erinnerung hätte. Wobei man einem 19-Jährigen, zumal in der damaligen Situation, einen Mangel an Souveränität nur sehr bedingt zum Vorwurf machen kann.
Sofern man sich entscheidet, eine neue Nr. 1 (und nicht nur einen erfahrenen Ersatztorwart) zu verpflichten, würde Timo Hildebrand vermutlich auf recht viel Gegenliebe stoßen. Ich persönlich hielte den von medispolis angesprochenen Fromlowitz für eine gute Lösung, wobei dann sicher recht laut zum Ausdruck gebracht würde, dass „der doch auch nicht besser“ sei als Ulreich und Stolz.

Enno: Was ist den mit Drobny? Der wird doch auch schon seit Wochen für das Stuttgarter Tor gehandelt? Er käme ablösefrei und war in der vergangenen Saison einer der besten Keeper der Liga.

heinzkamke: Ganz ehrlich: ich kann Drobny nicht einschätzen. Seine Leistungen schon, so halbwegs, aber in Stuttgart ist man ein wenig vorsichtig geworden, nachdem Raphael Schäfer vor und nach seiner Zeit großartig hielt, hier aber nie zurecht kam. Zumindest diese Gefahr dürfte bei Hildebrand geringer sein. (Gilt natürlich analog für Fromlowitz, den ich indes gerade in der Zeit von Enkes Verletzung als guten Teamplayer empfunden habe)

Verbalbeurteilung

Jens zeigte sich das ganze Jahr über sehr motiviert und engagiert. Seine Leistungen waren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, stets gut, teilweise sehr gut. Aufgrund seines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns genießt er in der Gemeinschaft hohes Ansehen, schießt aber auch gelegentlich über das Ziel hinaus. Sein Wissen gibt er jederzeit gerne weiter, auch unaufgefordert. Mitunter sollte er mit dem Eigentum anderer (Turnbeutel!) sorgsamer umgehen.

Christian brauchte zunächst ein gewisse Zeit, um sich an das höhere Niveau zu gewöhnen. Dank seines großen Fleißes gelang es ihm insbesondere im zweiten Halbjahr, seine Leistungen zu stabilisieren und sich zudem voll in die Gruppe zu integrieren. Christian ist außergewöhnlich lernwillig, läuft jedoch gegenwärtig Gefahr, aufgrund äußerer Einflüsse den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun.

Ricardo kam erfreulich gut über den Abschied von seinem besten Freund hinweg, der die Gruppe zum Halbjahr verließ. Er zeigte sich deutlich disziplinierter als in den Vorjahren und verdiente sich in verschiedenen Bereichen zumeist gute Noten. Konnte in den letzten Monaten krankheitsbedingt leider nur bedingt teilnehmen.

Khalid konnte in seinem ersten Jahr in Cannstatt seine Fähigkeiten nicht immer unter Beweis stellen. Er war des öfteren unkonzentriert und zeigte sich ob der Konsequenzen zunächst nicht sehr einsichtig. Im Lauf des zweiten Halbjahres integrierte er sich deutlich besser und übernahm gelegentlich Verantwortung in der Gruppe.

Serdar erwies sich zu jedem Zeitpunkt als zuverlässig und leistungswillig. Hinweise und Ratschläge setzte er positiv um, übernahm zunehmend Verantwortung in der Gruppe und erwarb sich ein entsprechendes Ansehen. Sein Auftreten war stets höflich und ordentlich, lediglich im Sport zeigte er sich dynamisch und aggressiv. Die altersbedingte Schwäche für Nebensächlichkeiten (Haarbänder) muss er in den Griff bekommen.

Matthieu war auch im abgelaufenen Jahr ein Fixpunkt in der Gruppe. Nicht zuletzt aufgrund seiner stets guten Leistungen hat sein (leises) Wort Gewicht, seine Freunde können sich an ihm orientieren und bei Bedarf anlehnen. Es wäre ihm zu wünschen, dass er, insbesondere für seine französischen Leistungen, auch außerhalb der Gruppe eine etwas höhere Wertschätzung erführe.

Georg verpasste leider seit dem Winter wegen zweier Krankheitsphasen einige Wochen, holte aber das Verpasste jeweils in kürzester Zeit nach. Dabei deutete er seine Fähigkeiten nicht nur an, sondern erfüllte die Erwartungen auch in schwierigen Situationen über die Maßen. Für seine weitere Entwicklung wäre ein Verbleib über die angedachte zeitliche Begrenzung hinaus wünschenswert.

Ludovic neigte auch im vergangenen Jahr zu Leichtsinn und Sprunghaftigkeit, konnte jedoch gerade im zweiten Halbjahr endlich wieder an seine Leistungen aus dem vorvergangenen Jahr anknüpfen.  Sein Humor und seine positive Grundhaltung förderten die Gemeinschaft. Zwar litt gelegentlich die Konzentration ein wenig; insgesamt bewegte er sich gleichwohl im Rahmen der Erwartungen.

Arthur konnte seine Fähigkeiten in diesem Jahr nur selten unter Beweis stellen. Es liegt nun an ihm, mit überzeugenden Leistungen deutlich zu machen, dass er auch mittelfristig den Anforerungen gewachsen ist. Eine Veränderung bereits zum kommenden Jahr ist nicht zwingend erforderlich, könnte aber in seinem Sinne sein.

Roberto ist jederzeit ein Vorbild an Engagement und Begeisterung, was sich mitunter in einer gewissen Übermotivation niederschlägt. Seine häufigen Unkonzentriertheiten, die er dann mit großem Eifer auszubügeln versucht, beeinflussen nicht nur seine persönliche Beurteilung, sondern schaden auch der Ordnung und Organisation in der Gruppe. Die Identifikation mit der Gemeinschaft ist beispielhaft.

Elson hat seinen Rückstand aus der Vergangenheit mit beispielhaftem Fleiß aufgeholt – teilweise erzielte er gar überdurchschnittliche Resultate – und hat so den zwischenzeitlich drohenden Ausschluss abgewendet. Er sollte weiter hart an sich arbeiten, sein Leistungsniveau stabilisieren und standardmäßig aus punktuellen Erfolgserlebnissen Motivation ziehen.

Timo ist innerhalb weniger Monate ein fester Bestandteil der Gruppe geworden. Wenngleich es ihm gelegentlich an Zielstrebigkeit und Disziplin mangelt, erfüllt er doch zumeist die Anforderungen und zeigt sich dabei häufig sehr kreativ. Nicht immer kommt er seinen Aufgaben für das Funktionieren der Gemeinschaft in ausreichendem Maß nach. Dies sollte sich aber im kommenden Jahr beheben lassen.

Martin gelingt es nicht immer, sein Interesse an den ihm zugewiesenen Aufgaben zu vermitteln, selbst wenn er tatsächlich sehr konzentriert und zielstrebig bei der Sache ist. So zeigt er sich zwar bei der zentralen Kleingruppenarbeit stets zuverlässig und diszipliniert; in Randbereichen wirkt er indes gelegentlich träge. Insgesamt scheint sein Arbeitstempo verbesserungswürdig zu sein.

Thomas hat im vergangenen Jahr eine große Verantwortung für die Gemeinschaft übernommen. Zunächst haben seine Leistungen ein wenig darunter gelitten, ehe er unter neuen Lehrpersonal nochmals einen enormen Sprung nach vorne machte. Bei seinen seltenen Fehlzeiten tritt sein anhaltendes Bemühen um die nötige Ordnung besonders deutlich zutage. Sollte in stärkerem Maße versuchen, „den Ball flach zu halten“.

Sami ist zwar einer der Jüngsten, zählt aber in vielen Situationen zu denjenigen, die die Richtung vorgeben. Er übernimmt Verantwortung, ohne sich in den Mittelpunkt zu stellen, und erfüllte bereits seit Mitte des ersten Halbjahres die gestellten Anforderungen in besonderem Maße. Er ist fleißig, fokussiert, ehrgeizig, hat seine Arbeitsgeschwindigkeit erhöht und lässt sich auch von Haarbändern nicht ablenken.

Yildiray konnte in diesem Jahr, auch aufgrund zahlreicher Fehlzeiten, nicht die geforderten Leistungsnachweise erbringen. Ein Gespräch ist erwünscht.

Pavel konnte das aus den Vorjahren gewohnte Leistungsniveau nicht ganz halten und entschloss sich bereits zum Halbjahr, die Gruppe zu verlassen. Bis dahin, und auch darüber hinaus, genoss er ein in jeder Hinsicht hohes Ansehen.

Jan zeigte sich insgesamt nicht konstant genug. Immer wieder deutete er seine Fähigkeiten an, hatte aber auch einige Besorgnis erregende Ausreißer nach unten. Im kommenden Jahr liegt es an ihm, seine künftigen Perspektiven aufzuzeigen. Ein Gespräch ist erwünscht.

Mario erreichte das ganze Jahr über ein beständig hohes Leistungsniveau und übernahm in zunehmendem Maß Verwantwortung für die Gemeinschaft. Im ersten Halbjahr schien er sich in Gruppenarbeiten nicht auf seine Freunde verlassen zu wollen und wirkte bisweilen übermotiviert. Insgesamt trug er maßgeblich zur Leisterungssteigerung der gesamten Gruppe bei. Sein umzugsbedingter Weggang ist bedauerlich.

Claudemir hat sich nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr deutlich gesteigert und in den letzten Monaten hervorragende Leistungen erbracht, die über die Gruppe hinaus Anklang fanden. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement in den Fächern Religion und Gemeinschaftskunde. Die gezielte Förderung seines Sozialverhaltens durch das neue Lehrpersonal trug ebenfalls Früchte.

Ciprians Leistungen der letzten Monate waren sehr unbeständig. Häufig widerlegte er daher die aufgrund aktueller Entwicklungen gehegten Erwartungen – im Guten wie im Schlechten. Positiv ist sein im Vergleich zum Vorjahr gestiegenes Engagement zu sehen, wobei auch hier zuletzt wieder ein Rückgang zu verzeichnen war. Seine weitere Entwicklung ist nur bedingt vorhersehbar. Ein Gespräch ist erwünscht. Gesprächssprache: deutsch.

Julian zeigte, aus einer tieferen Klasse kommend, dass er den Anforderungen gewachsen ist und wurde dementsprechend in die Gruppe integriert. Bisweilen noch ein wenig schüchtern, deutete er seine Fähigkeiten an. Wenn er so weiter macht, wird der Abschluss auch in der höheren Klasse kein Problem darstellen.

Markus hat in besonderem Maß vom Wechsel des Lehrpersonals profitiert. Seither übernimmt er Verantwortung, wirkt motivierend und geht stets mit gutem Beispiel voran. Er weiß sein Leistungsvermögen einzuschätzen und gleicht etwaige Defizite mit zusätzlichem Unterricht aus. Übermäßige Belastungen durch den Zusatzunterricht sind zu vermeiden.

Armin konnte seine Fähigkeiten im ersten Halbjahr nicht mehr im gewohnten Maß einbringen. Aufgrund ausbleibender Leistungsnachweise war sein Ausscheiden unvermeidlich.

Schnick Schnack Schnuck

Man kann vermutlich geteilter Meinung darüber sein, ob das letzte Heimspiel der Saison, in dem es für die eigene Mannschaft um sehr viel geht und in dem sie sich erkennbar schwer tut, ein geeigneter Zeitpunkt ist, um allzu viel Aufwand in den Protest gegen Stadionverbote zu investieren.

Das Anliegen selbst ist meines Erachtens durchaus berechtigt, da eine gewisse Willkür mitunter nur schwer zu übersehen ist. Etwas anders sieht die Sache allerdings aus, wenn sich wenige Augenblicke nach Verklingen der Proteste ein armseliges Würstchen bemüßigt fühlt, einen Knallkörper abzufeuern, der auf den Rängen in Kopfhöhe explodiert (wie dumm man sein muss, um besagten Knallkörper aus dem eigenen Fanblock in den eigenen Fanblock zu feuern, lasse ich hier einmal dahingestellt). Wenn es die Redewendung mit dem Bärendienst noch nicht gäbe, müsste man sie hier wohl erfinden. Meine persönliche Meinung ist jedenfalls weiter gefestigt: FÜR Stadionverbote, auf Basis von Verfahren, die sich an rechtsstaatliche Prinzipien halten, gegebenenfalls aber gerne ohne räumliche oder zeitliche Einschränkung.

Es ist kein richtig schönes Gefühl, sich im Stadion alle 30 Sekunden umdrehen zu müssen, weil man befürchtet, der Idiot habe möglicherweise noch mehr Knaller im Köcher. Hätte der VfB gegen Cottbus (2:0), um im Bild zu bleiben, ein fußballerisches Feuerwerk abgebrannt, wäre der Fokus vermutlich rascher wieder auf das Feld gewandert; dem war aber keineswegs so. Obwohl das von allen erhoffte frühe Tor in der 19.Minute tatsächlich fiel, war der Titelkandidat (Hört, hört!) nicht in der Lage, das Spiel danach so zu dominieren, dass der zweite oder dritte Treffer zum Selbstläufer geworden wäre. Vielmehr zeigte man sich nervös, teilweise auch zu lässig (Lanig), und entwickelte vorne zu wenig Gefahr. Dabei bemühte sich die Mannschaft über weite Strecken des Spiels durchaus, die offensichtlich vorgegebene Marschroute, über die Außen zum Erfolg zu kommen, umzusetzen. Besonders Christian Träsch deutete dabei -für mich erstmals- an, dass er auch offensiv in der Lage ist, mehr als nur sporadische Akzente zu setzen.

Es war der starken Defensivzentrale zu verdanken, dass Cottbus selbst kaum gefährlich vor das Tor von Lehmann kam – insbesondere der vor Motivation und Engagement sprühende Boulahrouz und Kapitän Hitzlsperger unterbanden die Cottbusser Bemühungen sehr wirkungsvoll. Lanig mag sich wegen seiner vier gelben Karten im Zweikampf zurückgehalten haben; in München wird man aber nur mit einem starken Sami Khedira bestehen können.

Mitte der zweiten Halbzeit wurde es dann laut auf den Rängen. Und zwar richtig laut. Man hätte meinen können, Bayern und Hertha lägen deutlich zurück und Hannover 96 habe sich doch noch entschlossen, am Spiel gegen Wolfsburg teilzunehmen, und sei nun auf dem besten Weg, die Partie zu drehen. Tatsächlich hatte sich jedoch nur Mario Gomez den Trainingsanzug ausgezogen und stand zur Einwechslung bereit. Wäre ich nicht selbst massiv befallen, würde ich wohl von einer nahezu grotesken Heldenverehrung reden. So aber bleibt festzuhalten, dass Gomez entscheidend dazu beigetragen hat, doch noch rechtzeitig den Sieg zu sichern, und man konnte sich des Eindrucks nicht gänzlich erwehren, dass nicht nur der Stuttgarter Anhang mit der Einwechslung des Heilsbringers jeden Zweifel am Sieg verlor, sondern dass zudem bei den Cottbusser Feldspielern ein gegenteiliger Effekt wirkte.

Der zweite Heilsbringer, Teamchef Markus Babbel, ließ sich nach der endgültigen Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb auch nicht mehr länger bitten, sich erstmals seit dem Meisterschaftsgewinn 2007 (damals auch gegen Cottbus, wobei er selbst, wie in 31 anderen Spielen, nicht zum Einsatz gekommen war) wieder in der Kurve zu zeigen. Sehr nett, übrigens, gerade ihm das nicht ganz überraschende „Zieht den Bayern die Lederhosen aus!“ entgegen zu schleudern.

Nun haben wir also eine Situation, in der vor dem letzten Spieltag von Platz 1 bis 4 zumindest auf dem Papier noch alles möglich ist. Über Chancen, Wahrscheinlichkeiten und Szenarien wird allenthalben spekuliert. Von den letzteren gefallen mir zwei am besten:

  1. Werder und der VfB gewinnen, der Rest ist egal.
  2. Werder führt in Wolfsburg.
    In München treffen sich in der 88. Minute die Herren Hitzlsperger und van Bommel an der Mittellinie und klären nach kurzer Diskussion der Rahmenbedingungen (Best of 5, Best of 7?) mit einer Partie „Schere, Stein, Papier“, welcher Torwart nun das Feld verlassen muss, um den Meistertitel für den VfL Wolfsburg und Felix Magath zu verhindern.
    (Hitzlsperger gewinnt. Hat er in England gelernt.)

Der Haken bei beiden genannten Szenarien ist -abgesehen vom nicht vorhersehbaren Verlauf des VfB-Spiels in München- die Tatsache, dass sie dem SV Werder eine Rolle beimessen, die ihm nur wenige zutrauen. Per Twitter hatte Werderfan @medispolis gemutmaßt, im Falle einer Niederlage in Istanbul müsse sich die Mannschaft in Wolfsburg rehabilitieren, während ich eher auf die Chance gehofft hatte, dass euphorisierte Bremer nach dem Uefa-Cup-Sieg die Wolfsburger trotz Katers wegputzen. Letztlich halte ich aber die Sichtweise eines guten Freundes für die wahrscheinlichste:

„Werder ist am Samstag entweder besoffen oder hat keine Lust mehr.“

___________

Abschließend noch der Hinweis, dass allem Anschein nach nicht nur verschiedene Mannschaften bereits mit der Saison abgeschlossen haben – auch im Printbereich lässt die Konzentration nach: laut der Sonntagsausgabe der Stuttgarter Zeitung soll in der kommenden Saison Eduard Geyer die VfB-Amateure trainieren, und bei der FAS meint man gar, im Hoffenheimer Tor habe Dieter Hildebrandt gestanden.

Kleine Fußballweisheiten.

„Defense wins championships.“

Jeder, der diese Weisheit ernst nimmt, sollte nach dem gestrigen 2-2 des VfB in Bielefeld endlich erkannt haben, dass der Deutsche Meister 2009 nicht aus Stuttgart kommen kann. Zu viel hatte die VfB-Hintermannschaft mit dem immer wieder gern zitierten Hühnerhaufen gemein, zu wenig mit der abgeklärten Defensive der letzten Wochen. Bereits in der ersten Hälfte ließ man sich von den Bielefelder Offensivkünstlern wiederholt düpieren, und ab Mitte der zweiten Halbzeit konnten die Gastgeber phasenweise im Minutentakt ihre Angriffe vortragen.

Während die Innenverteidigung die Bielefelder Angreifer immerhin soweit in Schach hielt, dass sie kaum gefährlich zum Abschluss kamen, musste man über außen stets mit dem Schlimmsten rechnen. Christian Träsch bestätigte nicht nur meinen Eindruck, dass er mit langen Bällen auf seinen Gegenspieler nicht recht umzugehen weiß; vielmehr ließ er sich auch im direkten Zweikampf wiederholt von Daniel Halfar düpieren, der aber letztlich kein zählbares Kapital daraus schlagen konnte. Interessanterweise fielen die Gegentore statt dessen über die linke Stuttgarter Abwehrseite, wobei Ludovic Magnin zugute gehalten werden muss, dass er in beiden Fällen nur ganz am Rande beteiligt war. Bei der Hirngabel werden (nicht nur) die Tore ausführlicher analysiert.

Wie gesagt: der Stuttgarter Abwehrverbund hat sich in der reinen Abwehrarbeit nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Deutlich ärgerlicher waren jedoch aus meiner Sicht die zahllosen Fehler in der Spieleröffnung, die insbesondere in der Schlussphase, als man auf einen Stuttgarter Sturmlauf hoffte, die eigenen Angriffe im Keim erstickte und den Bielefeldern immer wieder die Chance zu einem neuen Anlauf gaben – glücklicherweise waren auch sie nur selten in der Lage, ihre Aktionen konsequent zu Ende zu spielen.

„Never change a winning team“

In den letzten Wochen hatten wir uns darauf eingestellt, dass immer einer der drei Kandidaten für die beiden Positionen im defensiven Mittelfeld ausfällt und die beiden anderen ihre Sache hervorragend machen. Demzufolge ging ich davon aus, dass zwei der drei (wahrscheinlich Hitzlsperger und Khedira) spielen und der Rest der Aufstellung unverändert bleiben würde. Die Verletzung von Timo Gebhart spülte jedoch Martin Lanig von der „6“ nicht auf die Bank, sondern auf die linke Außenbahn, und mir wurde schmerzlich bewusst, weshalb ich mich in der Vorrunde, als er seine Einsätze zumeist über Außen hatte, nie so recht für sein Spiel erwärmen konnte. Hier fehlt ihm nicht nur die Dynamik, sondern auch das Gespür (und vielleicht auch der Wille), als „Flankenläufer“ für Gefahr zu sorgen.

„Das nächste Spiel ist immer das schwerste“

Binsenweisheit. Vor allem, wenn es gegen den Tabellenführer und Neu-Meisterschaftskandidaten geht. In Dortmund dürfte man sich angesichts des bevorstehenden Spieltags bereits Hoffnungen machen, am Sonntag auf Rang 4 zu stehen: selbst den KSC schlagen, der HSV verliert in Bremen und der VfB gegen Wolfsburg – nicht ganz abwegig.

Aber irgendwie habe ich ein gutes Gefühl und glaube nicht, dass wir verlieren. Sicher, der Ausfall von Delpierre ist schmerzhaft, und vermutlich hat mein Nebensitzer gestern etwas übertrieben, als er meinte, der VfB verfüge auch mit Boulahrouz und Niedermeier noch über die beste Innenverteidigung der Liga. Dennoch bin ich zum einen überzeugt, dass Markus Babbel die Schwächen in der Defensive genau erkannt hat und eben dort ansetzen wird, zum anderen baue ich auf Gomez und Cacau:

„Offense wins games.“

Gebhart gefällt.

Das hat doch ganz gut geklappt gestern: 2-1 in Bochum, was will man mehr? Ok, man könnte sich noch ein paar Punktverluste bei der Konkurrenz wünschen. Ach so, das hat ja auch geklappt.

Mit Konkurrenz meine ich natürlich primär Hoffenheim, und wohl auch Schalke (Nachtrag: da hab ich doch glatt Leverkusen vergessen), die uns allerdings den Gefallen nicht getan haben. Wenn jedoch Hertha und die Bayern die gestrige Leistung konservieren, dürften sie ebenfalls noch Konkurrenz für den VfB werden. Könnte ich mich mit anfreunden.

Zum Spiel an sich und der späten Entscheidung habe ich nicht allzu viel zu sagen. Zu sicher war ich mir während der gesamten Dauer – Minute 85 bis 88 einmal ausgenommen, da kam dann doch etwas Nervosität auf -, dass der VfB den Platz als Sieger verlassen würde, um hier und jetzt auf Spannung, Zittern und Erlösung zu machen. Sicher, die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache, und Dabrowskis Chancen in Halbzeit zwei hätten mich durchaus vom hohen Ross herunter holen können; dennoch, es gibt einfach diese Tage, an denen man weiß zu wissen glaubt, dass alles gut gehen muss, und an denen das dann auch zutrifft.

Lehmanns Patzer ließ mich daher auch recht kalt – zumal so etwas wohl das ewige Leid der Torhüter ist, die im illustren Kreis der Nationalmannschaft gehandelt werden (von wem auch immer). Wir werden ihn also ein weiteres Jahr im Neckarstadion für starke Paraden bewundern, sein Stellungsspiel und seine Professionalität preisen, einige wenige dicke Patzer belächeln oder verfluchen, über sein Verhalten gegenüber Spielern, Schiedsrichtern und Fans den Kopf schütteln, und uns doch immer wieder überraschen lassen – so wie gestern, als dem Gegentreffer eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters vorausging, die er erstaunlich souverän abtat:  „Dass das Tor nach einer unberechtigten Ecke fiel ist ärgerlich, aber der Schiedsrichter konnte das Handspiel zuvor nicht sehen, da ihm zwei Spieler im Weg standen.“ Ich freu mich drauf, ungeachtet früherer Hinweise, dass ich ihm nicht allzu viele Tränen nachweinen würde.

Die zwei positivsten Erscheinungen im gestrigen Spiel waren für mich Martin Lanig und Timo Gebhart. Lanig machte sehr deutlich, dass er, wie schon verschiedentlich angeklungen, eben kein Spieler für die Außenbahn ist, sondern einer für die Zentrale. Natürlich spielt er ganz anders als Khedira, an dessen Potenzial er wohl kaum heranreicht, und sicherlich haben die Bochumer die Stuttgarter Doppelsechs nicht über die Maßen gefordert; gerade in der Vorwärtsbewegung zeigte er jedoch einige schöne Aktionen, die ich ihm in dieser Zielstrebigkeit nicht zugetraut hatte. Dass er zudem, seiner Frisur zum Trotz, sehr kopfballstark ist, hatte er schon verschiedentlich unter Beweis gestellt; gestern war diese Kopfballstärke dank seiner beiden Vorlagen letztlich spielentscheidend.

Timo Gebhart verlor zwar auch in Bochum wieder den einen oder anderen Ball in vermeintlich unnötigen Dribblings. Gerade diese teilweise überraschenden Einzelaktionen sind es aber, die dem VfB ein Element und eine Qualität verleihen, die in den vergangenen Jahren oftmals schmerzlich vermisst wurden. Vielversprechende Dribblings in hohem Tempo bringen in der Bundesliga nur sehr wenige Spieler zustande, und auch wenn ich jetzt nicht schreiben will, an wen mich seine Aktionen erinnert haben, kann ich doch sagen, dass er in meiner Wertschätzung in den letzten Wochen enorm gestiegen ist. Ganz besonders habe ich mich zudem über seine beiden schnell ausgeführten Freistöße in der zweiten Halbzeit gefreut, auch wenn die anschließenden Aktionen von Gomez und Magnin nicht zum Ziel führten. Der junge Mann legte eine Gedanken- und Handlungsschnelligkeit an den Tag, die dem mitunter zu statischen Offensivspiel unserer Mannschaft nur gut tun kann. Natürlich lässt sich im Nachhinein darüber streiten, ob eine Freistoßsituation in zentraler Position und guter Distanz mit Ruhe und Bedacht besser gelöst werden könnte; der Gedanke, Hitzlsperger bei einem weiteren Schlenzversuch zusehen zu müssen, der in der Mauer sein jähes Ende gefunden hätte, lässt diese Zweifel jedoch rasch verblassen.

Alles in allem bleibt ein in der Enstehung zwar glücklicher, vom Spielverlauf her jedoch klar verdienter Sieg (Chapeau für Marcel Maltritz‘ Interview direkt nach dem Spiel!), der dafür gesorgt hat, dass der VfB es nun erstmals selbst in der Hand hat, den Platz im internationalen Geschäft zu sichern. Zu diesem Zweck wäre ein Erfolg gegen den HSV am Ostersonntag ganz hilfreich. Ich selbst werde leider nicht im Stadion sein können; dafür kam in der vergangenen Woche die Karte für das Saisonfinale in München, und meine Hoffnung, dass es dort etwas zu feiern gibt, ist am Wochenende zumindest nicht kleiner geworden.

Aus der Zenitkabine

„Jetzt kommt mal wieder runter, Männer. So toll ist das nun auch wieder nicht, hier kurz vor der Pause ein Tor zu schießen – das kann mittlerweile jeder.

Wenn nämlich dieser Deutschbrasilianer ein Torjäger wäre, könntet Ihr jetzt nicht so ausgelassen feixen: 15 Meter, zentrale Position, freie Schussbahn – ein guter Stürmer schießt den nicht an den Pfosten, von seiner anderen Chance gar nicht zu reden. Wir wackeln ganz schön da hinten – zum Glück haben die Stuttgarter so viel Angst vor uns, dass sie sich gar nicht trauen, uns richtig zu attackieren.

Mir ist ja noch nicht so ganz klar, ob dieser Babbel das Thema „Flügelspiel“ einfach für altmodisch hält, oder ob er bloß darauf verzichtet, weil er nicht die Spieler dazu hat. Wie wir wissen, haben die im ganzen Kader nur zwei Leute, die grundsätzlich daran interessiert sind, auch mal bis zur Grundlinie zu gehen. Der eine, dieser Schweizer, ist krank, und der andere, Hilbert, ein übermotiviertes Nervenbündel, das keinen Ball an den Mann bringt.

Die werden jetzt sicherlich nochmal alles versuchen. Das sieht dann so aus, dass der Mexikaner hinten rechts lange, hohe Bälle in das Sturmzentrum spielt. Gomez soll dann wohl den Ball per Kopf auf sich selbst verlängern, unsere gesamte Abwehr ausspielen und locker abschließen. Und passt auf, falls irgendwann doch mal einer der Mittelfeldstrategen in Tornähe kommt – schießen können die, sie tun’s nur eher selten.

Ich vermute mal, dass sie zunächst unverändert weiterspielen. Für die Außenbahnen haben sie niemanden, die Abwehr werden sie auch noch nicht auflösen, und dem Rumänen für den Sturm trauen sie nicht viel zu. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass sie im Lauf der zweiten Halbzeit noch zwei weitere zentrale Mittelfeldspieler bringen. Die sind dann allerdings nicht nur technisch stark, sondern auch offensiv ausgerichtet. Der kleine Brasilianer hat ganz gute Standards drauf und könnte in ein, zwei Jahren auch körperlich dem europäischen Fußball gewachsen sein, und diesen Gebhart, den sie aus dem Hut gezaubert haben, habe ich schon in verschiedenen Jugendspielen gesehen. Der wirkt zwar auf den ersten Blick auch nicht dynamischer als die anderen Mittelfeldspieler, aber er hat was drauf. Verliert nur manchmal ein wenig die Prioritäten aus den Augen. Kann natürlich auch sein, dass Babbel doch noch den kleinen Linksfuß einwechselt, über den wir sonst leider gar nichts wissen, oder diesen großen Blonden, damit sie auch im Offensivbereich mal einen Kopfball gewinnen.

Ok, Männer, wir gehen jetzt da raus und spielen ganz entspannt weiter. Natürlich auch mit der nötigen Härte – der Schiedsrichter ist Schotte, der pfeift auf beiden Seiten nicht so viel, hat das Ganze aber ordentlich im Griff. Irgendwann werden sich dann Gelegenheiten auftun, der Torwart kommt uns da sicher noch ein wenig entgegen. Und lasst Euch von den Stuttgarter Fans nicht irritieren, die haben da draußen so einen Fahnenlängenwettbewerb initiiert.“

Zwei alte Männer.

Der eine, T, hat in seiner Vereinskarriere alles erreicht, hat aber immer noch so viel Spaß am Fußball, dass er sich durch eine elfmonatige Verletzungspause quält, um weiter im Niemandsland der Tabelle herumzudümpeln (wenn’s gut läuft). Der andere, L, hat auch manches erreicht, sieht das aber nicht immer genügend gewürdigt, und hat wenig Lust, sich ein weiteres Jahr mit Mittelmaß abzugeben.

Wenn der alte Mann T vor einem Eckball dem alten Mann L fast schon liebevoll die Arme um die durchtrainierte Taille legt und L diese Geste sehr erbost zurückweist, kann man

a) sich wider besseres Wissen über Ls Verhalten wundern
b) „Ach ja, der L, so ist er halt“ sagen
c) zufrieden sein, dass L wenigstens nicht den Norbert Meier gegeben hat
d) sich die Gegentore nochmals anschauen und seine Rückschlüsse ziehen.

Unabhängig von der persönlichen Einschätzung war Herr Lehmann in dieser Szene wie auch nach dem Spiel offensichtlich wieder einmal ganz er selbst.

Es mag eine unglückliche Fügung gewesen sein, dass ich bei einer meiner Stippvisiten bei der Übertragung des VfB-Spiels in Hannover [leider das dritte Spiel in Folge, das ich nur rudimentär verfolgen konnte… Kindergeburtstag] gerade diese Szene sehen musste, die so unglaublich gut zu meinem Lehmann-Bild passt; wie auch immer: wenn sich tatsächlich die gelegentlich diskutierte Möglichkeit bieten sollte, im Sommer Robert Enke zu verpflichten, ist meine Meinung eindeutig.

Das Spiel, von dem ich live nicht viel und in Ausschnitten nicht viel mehr gesehen habe, lässt mich sehr unschlüssig zurück. Reicht es dieses Jahr einfach nicht für ganz oben (d.h. den Kampf um die internationalen Plätze), oder haben wir tatsächlich nur eine nachlässige Mannschaft gesehen, die im Idealfall aus diesem Spiel lernt und ihr Potenzial künftig nicht nur aufflackern lässt, sondern es auch konsequent und ergebnisorientiert ausschöpft?

Ich hoffe auf Letzteres. Weil ich endlich mal einen guten Lanig und erneut einen engagierten Marica gesehen habe, weil Simak angedeutet hat, seine Lektion gelernt zu haben, und weil Hitzlsperger vielleicht doch willens ist, Bälle zu spielen, die gleichzeitig einfach und effektiv sind. Weil auf Gomez Verlass ist, weil Hilbert gezeigt hat, dass seine Dribblings noch immer zum Erfolg führen können, natürlich weil Khedira zurückkommt und weil, zugegeben, auf Lehmann Verlass ist. Bisschen viel „vielleicht“, „angedeutet“ und „scheint“, aber so tickt er halt, der gemeine Fan.

Drum schießen die jungen Männer mit dem Brustring nächste Woche die Sinsheimer aus den Champions League-Rängen. Schade für Timo Hildebrand, aber da kann man nichts machen.