…was zusammen gehört

Kürzlich war ich doch recht überrascht ob einer Beobachtung, die quasi über mich kam, als im Radio Nachrichten liefen:

Eben festgestellt: vervollständige gedanklich manchmal immer noch mit „Diepgen“, wenn ich „der Regierende Bürgermeister“ höre.Tue Jan 18 16:56:15 via Twitter for iPhone

Einen dezenten Hinweis auf mein allem Anschein nach fortgeschrittenes Alter nahm ich zum Anlass, das Thema zu vertiefen:

@hirngabel Oh ja. Bundestrainer Derwall. Bundeskanzler Kohl. Ministerpräsident Späth. Rekordmeister Nürnberg.Tue Jan 18 17:09:30 via Twitter for iPhone

Andere stiegen mit ein:

@heinzkamke @hirngabel Ich tausche Späth gegen Strauß. Als Trainer nehme ich noch Udo Lattek dazu.Tue Jan 18 17:11:27 via Echofon

…Kultusminister Mayer-Vorfelder… @heinzkamke @hirngabelTue Jan 18 17:24:21 via twicca

Womit das Thema eigentlich durch gewesen wäre.  Wenn, ja wenn es mir nicht seither im Kopf herum geisterte. Und ich mir nicht seit Tagen bei allen möglichen Titeln und Bezeichnungen überlegen würde, welche Person ich damit verbinde. Was keine Aussage beinhaltet, ob ich deren Arbeit besonders schätze, oder eben gerade nicht. Es geht vielmehr darum, welcher Name in Verbindung mit einem Titel oder einer Position irgendwie, nun ja, vertraut klingt. Vielleicht weil derjenige den Posten besonders lange inne hatte, oder weil ihr, aus welchem Grund auch immer, eine besonders große Medienresonanz zuteil wurde. Oder auch weil es die erste Person war, die ich in der entsprechenden Position aktiv wahrnahm.

Der Ansatz war, nach Möglichkeit der ersten Assoziation zu folgen – allerdings ohne den Anspruch, dies in letzter Konsequenz durchzuhalten. An der einen oder anderen Stelle habe ich bewusst entschieden, den aktuellen Amtsinhaber außen vor zu lassen, und mitunter war ich schlichtweg nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. So duellieren sich Otto Schily und der ewige Wolfgang Schäuble noch immer um den Titel, äh, „Innenminister der Herzen“, quälte ich mich sehr lange, ehe Breschnew den Vorzug vor Andropow erhielt, und spielte Jimmy Carter in meinem Kopf so lange Ping Pong mit Bill Clinton, bis ich mich für einen anderen, viel näher liegenden US-Präsidenten entschied.

Genug der Vorrede:

Bundestrainer Derwall

Bundeskanzler Kohl

Ministerpräsident Späth

Rekordmeister Nürnberg

Staatspräsident Mitterrand

Der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker

Kicker-Chefredakteur Karl-Heinz Heimann

Bundespräsident Richard von Weizsäcker

IOC-Präsident Samaranch

President Bartlet

Der ARD-Vorsitzende Friedrich Nowottny

EU-Kommissionspräsident Delors

Forschungsminister Riesenhuber

Bundestrainerin Tina Theune-Meyer

UNO-Generalsekretär Pérez de Cuéllar

NOK-Präsident Willi Daume

Zentralratspräsident Ignatz Bubis

DFB-Präsident Hermann Neuberger

Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher

FIFA-Präsident Havelange

BILD-Kolumnist Max Merkel

Bundesverteidigungsminister Rühe

Bahnchef Mehdorn

NATO-Generalsekretär Solana

Premierministerin Margaret Thatcher

Kreml-Chef Breschnew

UEFA-Präsident Lennart Johansson

Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen

Wimbledonsieger Boris Becker

Bundestagspräsident Stücklen

Und selbst?

Damals, als die Bayern noch in Aachen gewannen

Drüben bei El Fútbol [Link entfernt, Blog ist offline]  hat Sidan seine Leser dazu aufgerufen, ihre jeweiligen „Lieblingsspieler“ vorzustellen – sei es im eigenen Blog, sei es direkt bei ihm. Er selbst ging sogleich mit Georghe Hagi in Vorleistung. Mir gefällt die Idee, und mir gefällt vor allem der Gedanke, so etwas blogübergreifend anzugehen*.  Deshalb mache ich gerne mit, auch wenn ich eigentlich nicht den einen Lieblingsspieler benennen kann.

Mit dem Lieblingsspieler ist es ja ein wenig anders als mit dem Lieblingsverein. Letzterer kann sich zwar auch mal ändern, aber insgesamt geschieht das doch eher selten. Bei Spielern verschiebt man die Präferenzen nach meiner Einschätzung bereitwilliger, schneller und häufiger – was nicht zuletzt mit gekränkten Eitelkeiten zu tun haben dürfte, wenn wieder mal ein verwöhnter Söldnermillionär in jungen Jahren zum falschen Verein gewechselt ist. Oder so. Wie auch immer: einen all time favourite hab ich nicht.

Was es natürlich gab, waren Spieler, deren Namen Identität und Spielkunst man auf dem Bolzplatz mit Vorliebe annahm – bei mir war das lange Zeit Falcão, später gerne mal, warum auch immer, Michailitschenko (falls @saumselig dies liest, haut er mir vermutlich die Schreibweise um die Ohren). Natürlich sind Maradona und Schuster zu nennen. Freistöße hätte ich gerne geschossen wie Allgöwer, war verzaubert von Sigurvinsson, wollte Hansi Müllers linken Fuß, verwandelte mich im Tor zu Ronnie Hellström, bewunderte Butragueño, huldigte 1984 Scifo und auch Platini, obwohl ich Giresse eigentlich lieber mochte, und war zeit seiner Karriere ein großer Fan von Mehmet Scholl. Savićević und Stojković ließen mich genauso anders schwärmen wie als Stoichkov und Romario; Rooney und, ja, Mario Gómez sind jeder für sich noch einmal ganz anders. Deschamps, Desailly und Rijkaard waren eher beeindruckend als begeisternd, bei Waddle und Gascoigne war’s anders herum, und irgendwann kam Zidane und stand über allen anderen. Zeit ist übrigens eine Illusion, Chronologie erst recht.

Mein allererster Lieblingsspieler aber, um den es hier gehen soll, ergab sich aus einer Mischung aus Trotz und Zufall. Im letzten deutschen Gruppenspiel bei der WM 1978, gegen Tunesien, feuerte ich als sechsjähriger Steppke nach einem zugegebenermaßen nicht sonderlich gefährlichen Schüsschen den jungen Mann mit den roten Bäckchen und den blonden Löckchen an, dessen Name mir schon im Lauf des in jener Saison erstmals ein wenig verfolgten Bundesligageschehens zu schaffen gemacht und der, das wusste ich, zuvor gegen Mexiko zweimal getroffen hatte. Ein aus damaliger Sicht älterer Zuschauer zeigte sich angesichts des Grottenkicks von meinem jugendlichen Eifer unbeeindruckt und antwortete nüchtern: „Ach, Bub, der Rummenigge ist doch ein Blindgänger.“

Das hatte gesessen. Pah! Meine jugendliche Leidenschaft, mein Glaube an den sicherlich auch diesmal bevorstehenden Sieg – schließlich hatte man Mexiko mit 6:0 aus dem Stadion gejagt – wurde von jenem Kritiker, vermutlich bereits desillusioniert vom eher mäßigen Spiel, so lapidar beiseite gewischt. Fortan galt es also für uns beide, Herrn Rummenigge und mich (auch wenn Herr Rummenigge sich dieser Aufgabe gar nicht so recht bewusste sein dürfte), diesem Bruddler das Gegenteil zu beweisen. Rummenigge oblag es, anständig zu spielen, mein Part bestand darin, ihn zu bewundern und bei Bedarf zu verteidigen. Was in seiner aktiven Karriere keine allzugroße Herausforderung darstellte. Seine Torausbeute bei den Bayern war überragend, 1980 und 1981 war er mit 26 bzw. 29 Treffern Torschützenkönig, in beiden Jahren wurde er zu Europas Fußballer des Jahres gewählt; in der Nationalelf war seine Quote mit 45 Treffern in 95 Länderspielen auch nicht ganz schlecht. Meine Begeisterung war übrigens lange Zeit derart prägend, dass ich die genannten Zahlen, und auch einige mehr, darunter zu meinem großen Erstaunen sein Geburtsdatum, noch heute kenne.

Er war der Grund dafür, dass ich mir 1984 oder 85 einen Geldbeutel im Inter-Design schenken ließ, obwohl der Verein nach dem zuvor nur bedingt geglückten Intermezzo von Hansi Müller eigentlich keine allzu guten Karten bei mir hatte, und der Verlust der Picture Disc des, äh, Superhits von Alan & Denise im Rahmen einer Party anno 1989 schmerzt noch heute.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=nWHL0HsusvU]

(deutsche Fassung – schickes Plattencover)

Aber zurück zu Sportlichem. Oder auch nicht, da der Schiedsrichter bei einem seiner zahlreichen Tore des Monats im Juli 1981 – die Bayern gewannen damals in Aachen mit 5:1, wenn auch nicht gegen die Alemannia  – eine Unsportlichkeit erkannt hatte. Was zur Folge hatte, dass derlei Tore, obwohl dort seit langem gang und gäbe, fortan auf deutschen Bolzplätzen zu intensiven Diskussionen führten, ob der Treffer denn nun zähle oder nicht.

Unumstritten waren indes die Tore, die all diejenigen, die die deutsche Nationalmannschaft in den 80ern begleiteten, noch deutlich vor Augen haben dürften: der technisch feine und gleichzeitig entschlossene Anschlustreffer in der Nacht von Sevilla, das 1:2 gegen Argentinien, der Siegtreffer gegen die CSSR zum Auftakt der EM 1980, der sehenswerte Seitfallzieher gegen Finnland, damals, als es noch Kleine gab, und viele mehr.

Gerne war mal etwas Akrobatik dabei, oft ein Dribbling und ein schneller Antritt, bei den Freistößen stufte ihn Max Merkel in den frühen 80er Jahren in der Bundesliga nur auf Platz 2 hinter Michael Kutzop ein, der seinerseits später nicht bei jedem Elfmeter das nötige Glück haben sollte. Wenn ich den Fußballspieler Rummenigge mit einem Wort beschreiben müsste, würde ich wohl „dynamisch“ wählen, gefolgt von „zielgerichtet“. Was meines Erachtens besonders gut zum Ausdruck kommt, wenn man sich seinen Ausgleich im Mailänder Derby 1985 ansieht:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=XIu3jUtPZBc&start=354“]

„Al vantaggio rossonero risponde a modo suo il panzer: Kalle Rummenigge“ – wozu seine auf mich stets feminin wirkende Jubelfaust allerdings nicht so recht passen will. Egal.

Auf dem Platz war er ein ganz Großer.

* Irgendwo liegen ja auch hier im Blog noch ein oder zwei vergleichbare, leider reichlich verkümmerte Ansätze für derlei Projekte herum.

4 Bälle für die Abwehr…

…hätte ich vergeben, wenn die Saisonvorschau beim rasenschachmagazin nach Merkelschem Vorbild (Max, nicht Angela) auf zählbare Bewertungen setzen würde.

Tatsächlich hat mir @gses in unserem Telefonat über die diesjährigen Aussichten des VfB quantitative Aussagen erspart und stellte statt dessen konkrete Fragen, deren Antworten er unter dem Titel „Gomez war eine Naturgewalt“ treffend wiedergegeben hat.

[Edit: Als nicht so regelmßiger Leser der Bildzeitung mangelt es mir an Hintergrundwissen. Eigentlich wollte ich der VfB-Abwehr die zweithöchste Wertung geben (leichte Abstriche wegen der linken Position) – da jedoch, wie ich nun erfahren habe, maximal 6 Bälle (statt der von mir vermuteten 5) vergeben werden, gilt: Defense 5 balls.]