Fünf Zeilen, die der Fußball schrieb (XXII)

Zwei Meistercup-Triumphatoren,*
die – bewaffnet bis über die Ohren –**
mit betretenen Mienen***
beim Kostümball erschienen:****
Möchtnichtsogern-Gladiatoren.*****

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* Bei einem der beiden galt natürlich die neue Bezeichnung.
** Zähne, es heißt Zähne! Und bewaffnet waren sie auch nicht.
*** War’s nicht doch eher Stolz?
**** Verzeihung, nicht Kostümball – Champions-League-Finale!
***** Falsche Epoche, ne? Dann halt Ritter.

The class of '82

Morgen beginnt also dieses Turnier, dessen Namen ich mich aufgrund rechtlicher Unsicherheiten hinsichtlich seiner Verwendung gelegentlich nicht so ganz unbeschwert auszusprechen traue. Und weil sich das Warten auf das Turnier nun schon ein Weilchen hinzieht, kennen wir mittlerweile wohl einen Großteil der Themen, mit denen uns die Qualitätsmedien darauf vorbereiten. Sicher, zwischendurch verletzt sich immer mal wieder ein Star, einmal rückt gar die Personalplanung in der Premier League in den Mittelpunkt der Berichterstattung, aber ansonsten wissen wir Bescheid. Man hat uns informiert, wer warum welche Mannschaft unterstützt, wen unsere Altinternationalen als künftigen Weltmeister erwarten (Littbarski: „Spanien, Argentinien und England“) oder dass Australien ganz gewiss kein Kleiner ist. Wir kennen die Funknetzqualität im Velmore Grande Hotel, sind mit dem nordkoreanischen Torwartspiel vertraut und fragen uns noch immer, wieso Piotr Trochowski in Südafrika weilt.

Und nicht zu vergessen: wir sind uns darüber im Klaren, dass Honduras und Neuseeland keine Exoten sind, weil sie schon 1982 mitspielen durften. Wir wussten das natürlich auch ohne den entsprechenden Hinweis, nicht zuletzt das 1:1 der Honduraner gegen ihren diesjährigen Gruppengegner aus Spanien macht Lust auf mehr.

Soviel zu unserer gemeinsamen Erinnerung. Ganz besonders -man möge mir die Egozentrik verzeihen- interessierte mich indes gerade gestern, was ich selbst noch so abgespeichert hatte von damals. Über Michael Schanze hinaus, meine ich, und abgesehen vom Schlucksee, der in den vergangenen Wochen, wie vor jeder Weltmeisterschaft, bereits hinreichend thematisiert wurde.

Natürlich erinnere ich mich an Ungarn und El Salvador, an jenes 10:1, das die Ungarn (vermutlich müsste ich hier eigentlich Magyaren schreiben) dennoch nicht in die zweite Finalrunde brachte. An das traditionell bittere Ausscheiden der Schotten (auch wenn ich damals noch nicht wusste, dass eine solche Tradition bestand), die damals illustre namen am Start hatten: Dalglish, McLeish, Souness, Archibald, Strachan, Jock Stein. Und an den Schatten von Falkland, den ich – anders als den zweiten politischen Schatten, der mit Solidarność zu tun hatte -ganz gut zu verstehen meinte.

Ich machte meine erste Erfahrung mit dem Italien-(gerne auch Juve-)Prinzip, dem zufolge eben diese Italiener sich gerade so eben durch die Vorrunde mogeln (nein, ich unterstelle keinen Betrug), um irgendwann dann doch einen jener berühmten Schalter umlegen zu können. Auch Maradonas Tritt gegen den Brasilianer Batista (ja, ich habe den Namen nachgeschlagen) ist natürlich unvergessen, genau wie seine nahezu Dante’sche Frisur und die kurze Hose.

Der kuwaitische Scheich, großartig. Winkte seine Spieler wegen eines vermeintlich irregulären Treffers (der Franzosen, wie ich nachgeschlagen habe) vom Feld, um hinterher -so ist zumindest meine Erinnerung, Belege habe ich keine gefunden- zu argumentieren, dass seine Handzeichen falsch interpretiert worden seien: in der arabischen Welt bedeute ein Heranwinken, man möge wegbleiben. Wie auch immer: der Scheich war erfolgreich, der Treffer wurde aberkannt. Was wiederum der FIFA nicht gefiel, die der Karriere des Schiedsrichters tags darauf ein Ende setzte.

Fest in meinem Gedächtnis verankert ist auch die Nummernvergabe der Spanier und der Argentinier. Letztere hatte ihre Rückennummern wie bei den vorherigen Austragungen gemäß Alphabet durchnummeriert, machten aber für Maradona und seine 10 eine Ausnahme (Kempes sei Dank), während erstere es tatsächlich schafften, bei ihrem Auftaktspiel mit einer Mannschaft aufzulaufen, die die Nummern 1 bis 11 auf den Rücken trug. Trainer Santamaria war sich seiner Sache wohl sehr sicher gewesen, auch mit Blick auf den im Jahr zuvor entführten Quini, der mit der 20 erst im weiteren Verlauf des Turniers zum Einsatz kam.

Deutschland trat ohne Gaby und Bernd Schuster an, dafür mit einem vollbartbefreiten Paul Breitner, der sich für 150.000 DM von Pitralon hatte rasieren lassen. Über Battiston ist alles gesagt. Über Gijón auch.

Meine 11 des Turniers
(einziges Kriterium: wer mir besonders in Erinnerung blieb, ohne Rücksicht auf Leistung oder gar Positionen)

Norman Whiteside
Der (zumindest bis dahin) jüngste WM-Spieler aller Zeiten. Ich bin fasziniert, dass ich mich sogar noch an sein Alter erinnern konnte: 17 Jahre und 41 Tage. Nordirland kam als Gruppenerster weiter.

Ossie Ardiles
Trug als Mittelfeldspieler die Nr. 1 auf dem Trikot, spielte damals bei Tottenham.

Lakhdar Belloumi
Als Star der Algerier angepriesen, wurde er den Erwartungen im ersten Spiel gerecht und erzielte den Siegtreffer gegen Deutschland.

Valdir Perez
Brasilianischer Torwart, der hier eigentlich fehl am Platz ist. Ehrlich gesagt steht er auf meiner Liste, weil er bereits ein Jahr zuvor im Freundschaftsspiel gegen Deutschland einen Elfmeter des damals unfehlbaren Breitner gleich doppelt gehalten hatte.

Giuseppe Bergomi
Was freute sich die BILD damals, dass der große Rummenigge im Finale gegen einen 17-jährigen Grünschnabel antreten würde. Tja.

Bryan Robson
27 Sekunden.
Auch diese Zahl wird mich wohl noch lange begleiten.

Marius Trésor
Was hat mich der Kerl beeindruckt. Der Name. Seine Wucht. Und dann auch noch dieses Tor im Halbfinale.

Wilfried van Moer
Der Mann war 37. Wusste ich aus meinem ersten Panini-Album. Monate zuvor hatte ich einen anderen uralten 38-Jährigen bewundert, der in der Kreisliga noch mithalten konnte.

Jesús María Zamora
Der Name. Ein Mann!, der Jesús! María! hieß.

Grzegorz Lato und Andrzej Szarmach
Ok, das sind zwei. Aber sie gehörten für mich einfach zusammen. Zwei Helden aus dem 74er WM-Buch meines Vaters, die immer noch dabei waren.

Meine Edelreservisten:

Paolo Rossi
Gesperrt wegen verschobener Spiele. begnadigt. Erst einige Wochen vor der WM wieder spielberechtigt, um in der Zwischenrunde zum Nationalhelden zu werden.

Eder
Hieß wie Norbert, konnte aber Technik. Und hart. Mit links.

Bruno Conti
Ein großartiger Fußballer.

But trust me on the sunscreen.

Klostrabacher Alpirs… (I)

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Will sagen: ich bin grad auf Lesereise Tournee durch einige deutsche Stadien, in denen ich Menschen treffe, die auch Blogs schreiben, lesen und kommentieren. Den Auftakt machte am vergangenen Samstag der Besuch der Münchner Arena, der mir sehr schwer fiel: parallel bestritt der VfB Stuttgart sein letztes Heimspiel nicht nur dieser Saison, sondern überhaupt mit der Cannstatter Kurve alter Prägung, wo zudem neben einigen anderen Roberto Hilbert verabschiedet wurde, dem von Fanseite meines Erachtens in den letzten Jahren viel zu wenig Wertschätzung zuteil wurde, aber das ist eine andere Geschichte.

Letztlich entschied ich mich gegen das Stadion und für das Zusammentreffen mit einigen jener Leute, deren Blogs ich sehr regelmäßig lese, deren Humor ich in Ansätzen zu kennen glaube, mit denen man wunderbar diskutieren kann, mit deren Meinungen ich zwar nicht immer konform gehe, die ich aber allein schon deshalb schätze, weil sie sich mit einer gehörigen Portion Herzblut mit Fußball beschäftigen. Fußballblogger halt.

Schön war’s. Natürlich war ich während des Spiels ziemlich wehmütig, natürlich habe ich Liga total verflucht wegen des VfB-Anteils an der Konferenz, natürlich war es nicht meine Wunschkonstellation, die vorgezogene Meisterschaftsfeier der Bayern live zu erleben (zumal ich bereits im Vorjahr, in besonders unangenehmer Konstellation, den Münchner Jubel vor Ort bezeugt hatte), natürlich war ich mit dem Stuttgarter Ergebnis unzufrieden, natürlich hatte ich auf Nürnberger Punkte in Hamburg gehofft, aber wenn man insbesondere die ganzen sportlichen Aspekte einmal außen vor lässt, die ja im modernen Fußball ohnehin nicht mehr so wichtig sind, war’s schön. Sowohl im Stadion als auch hinterher im einen oder anderen gastronomischen Betrieb.

Über Fußball haben wir geredet, über Blogs, Blogger und deren Selbstverständnis, aber auch übers Filmemachen, über das Fansein an sich, über Kim Fisher, Ursula Cantieni, Tatort und Polizeiruf, über Persönliches, Sportliches und Journalistisches, über… wenig Gott und viel Welt, würde ich sagen.

Und über Liga total. Schließlich waren wir auf Einladung von Microsoft und T-Home in München versammelt (genau: die Kosten für Anfahrt, Eintrittskarte und Verköstigung in der Telekom/ran-Loge habe ich nicht selbst getragen – vielen Dank an T-Home, Microsoft und die von ihnen beauftragte Agentur Edelman), und so gebot es nicht nur die Pflicht als Gast, sondern auch ein echtes Interesse, die Produktinformationen zu Liga total zu verfolgen – selbst ich, als überzeugter Nur-im-Notfall-Konferenz-Schauer, der zudem in aller Regel in der Fußballkneipe seines Vertrauens die Auswärtsspiele des VfB verfolgt.

Wie gesagt, ich kenne mich nur bedingt aus, und vermutlich würde ich bei einer Art Pepsi-Test mit ausgeblendeten Logos nur mit etwas Glück sagen können, ob ich die Konferenz bei Liga total oder eben bei Sky sehe. Ein fundierter Vergleich ist von mir nicht zu erwarten, und an neuen Gimmicks und Features bin ich nur bedingt interessiert. Was mich vom technischen Ansprechpartner vor Ort unterschied. Mir geht es darum, dass das Ganze funktioniert und ich möglichst viel von den Spielen sehen kann – diese Anforderung war, nicht nur der zahlreichen Monitore wegen, absolut erfüllt, auch wenn ich mich mit meinem VfB-Wunsch nicht durchsetzen konnte. Die Gastgeber zeigten sich glaubhaft interessiert an unserem Feedback, nahmen wohl auch den einen oder anderen auch aus meiner Sicht notwendigen Verbesserungsvorschlag mit, und gaben, so weit ich das beurteilen kann, offen Auskunft.

Für die Zeit nach dem Spiel hatte der heimlich blaublütige Klassensprecher @probek (von dem ich nicht weiß, ob er diese Bezeichnung mag – ich hab sie irgendwo aufgeschnappt und verwende sie in bester Absicht) vorgesorgt und unsere Horde in einer für vertiefende Gespräche geeigneten Lokalität untergebracht, die entsprechend genutzt wurde, auch wenn leider nicht mehr alle dabei sein konnten (nachdem ich leider bei weitem nicht die Gelegenheit gehabt hatte, mich mit allen zu unterhalten). Dafür kamen andere dazu, so der @stadtneurotikr und ein weiterer Mauertaktiker.

Eine Übersicht der beteiligten Blogger gibt es als eine Art kommentierter Linkliste beim Volk ohne Raumdeckung (wie mich dieser Name immer wieder begeistert!), mit dessen Autor @robalef ich zwar in Sachen Mario Gomez inhaltlich über Kreuz bin, der aber für meinen größten Münchner Lacher sorgte, als er die Ähnlichkeit zwischen Paul Breitner und Paul McCartney thematisierte.

Breitner saß in der Tat wenige Meter vor uns, genau wie allerlei sonstige Prominenz – Matthias Sammer indes stand am Geländer. Es gibt mir ein gutes Gefühl für die Zukunft des deutschen Fußballs, wenn der DFB-Sportdirektor ein Stehplatzfan ist. Ich selbst stand übrigens auch, und zwar in der letzten Reihe, sodass sich niemand beschweren und ich mich gelegentlich in Richtung der in der Loge platzierten Bildschirme umdrehen konnte.

Nach dem Spiel war dann vor dem Spiel, da am nächsten Tag die Fortsetzung der Fußballbloggertreffenstädtereise anstand. Mehr darüber gibt’s demnächst auf diesem Bildschirm. Wer diesen Spruch noch aus den Zeiten von „Western von gestern“ kennt, dürfte auch keine Schwierigkeiten gehabt haben, die Überschrift einzuordnen. Andernfalls:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=TAoPgfp2PVM]