Stammplätze vor der WM

Update 2.6.: Jetzt mit ohne Beck.

Außer Badstuber spielen alle Innenverteidiger im Verein rechts.

Lahm dürfte auf der rechten Bahn viel Platz haben.

Glückspilz Trochowski war links gegen Jansen chancenlos.

Falls es die Position „10“ nicht gibt, schließt Özil links die Lücke.

Joker: Müller spielt vorne alles, Boateng hinten.

„Stammplatz“ ist im einen oder anderen Fall schmeichelhaft.

Der direkte Vergleich

Hansi, ich hab mir da was überlegt. Unser Scouting ist mir nämlich zu zeitaufwändig. Wenn ich zum Beispiel unsere Kandidaten für rechts hinten anschauen will, brauche ich dafür sechs Bundesligaspieltage. Einmal fahr ich nach Hoffenheim, einmal nach Hamburg, dann nach Bremen, München, Berlin und Stuttgart. Und wenn dann noch einer gesperrt, verletzt oder einfach auf der Bank ist, dauert das Ganze noch länger.

Unterbrich mich nicht, Hansi, ich komm doch gleich zum Punkt. Das Zauberwort heißt „Direkter Vergleich“. Ja, ich weiß, dass der nicht immer zum Ziel führt, hab den Afrika-Cup auch verfolgt – man kann sich ja nicht nur auf den Schweizer verlassen. Ich mein aber einen ganz anderen direkten Vergleich: damit sich die Sache mit den Beobachtungen nicht mehr so lange hinzieht, nehmen wir bei den kritischen Positionen einfach immer mehrere von einer Mannschaft in die Auswahl, verstehst Du?

Verstehst Du nicht, ok. Dann halt an einem Beispiel: wir wissen doch nicht so genau, wen wir links offensiv mitnehmen sollen. Also beobachten wir, und zwar effizient. Zeitmanagement und so, Hansi. Nächste Woche gehen wir zum HSV und hoffen, dass sowohl der Marcell als auch Troche links offensiv spielen, dann müssen wir nur einmal fahren und haben zwei Leute beobachtet.

Ja, das weiß ich auch, Hansi, dass die beiden nur Füllmaterial für Südafrika sind. Aber -jetzt kommt’s!- bei der ersten Wahl schlagen wir sogar drei Fliegen mit einer Klappe: wir fahren nach Bremen und schauen uns auf einen Schlag den Mesut, den Aaron und auch noch den Marcus an. Ja, von mir aus auch Marko. Und wenn wir schon in Bremen sind, dann… ach nein, auf der 6 haben die nur einen, das lohnt sich nicht. Oder meinst Du, der Bargfrede drängt sich noch als zweiter Mann auf, Hansi? Den Allofs fragen? Och nee, muss nicht. Lass uns das mit der 6 einfach in Stuttgart klären. Khedira, Hitzlsperger, Träsch, einer wird dann schon in Form sein, um dem Balla den Rücken freizuhalten. Wie, was meinst Du mit „Und der Schweini?“ Den beobachten wir natürlich auch, aber für die rechte Bahn, im direkten Vergleich mit Müller. Da haben wir sonst ja keinen.

Der Lukas? Nein, den können wir leider nicht mehr beobachten, der hat ja keinen zweiten Mann. Den nehmen wir so mit. In den direkten Vergleich gehen dann die beiden Leverkusener und die zwei Münchner.

Hm, stimmt, Hansi, der Platz neben Merte ist immer noch frei. Wenn der Subotic nicht für Serbien spielen würde, könnten wir uns ja mal noch den Hummels ansehen, aber so? Ne. Dann lass uns lieber wieder den Langen holen, den der Klinsi damals in England ausgegraben hat. Oder wir nehmen einen von den Rechten in die Mitte.

Was sagst Du, Hansi? Ach das. Ok, ich werd mich bemühen, versprochen, Hans-Dieter.

Beidfüßig

Kennt jemand von den werten Lesern wirklich beidfüßige Spieler? Ich meine nicht Leute wie Trochowski, der gerne auch mal mit dem schwachen Fuß einen Gewaltschuss ablässt, der diesen Namen verdient hat, und auch nicht die Pizarros und Gomez‘ dieser Welt, die aus 10 Metern mit beiden Füßen das Netz durchschießen können, sondern Spieler, die sich kurz vor dem Anlauf, vielleicht in Abhängigkeit von der gestellten Mauer, überlegen können, mit welchem Fuß sie zum Freistoß antreten werden. Oder gar auf dem Weg zur Eckfahne. Gibt’s da jemanden? Aus der Bundesliga, oder auch aus irgendeiner anderen ersten Liga? Ich weiß nicht einmal, ob Andreas Brehme so weit ging, Eckbälle mit beiden Füßen zu schlagen.

Aliaksandr Hleb tut es. Seit einigen Wochen tritt er Eckbälle mit links. Diese Eckbälle sind nicht schlechter als die des Linksfüßers Thomas Hitzlsperger, ganz im Gegenteil. Während Hitzlspergers Ecken in der Regel an der kurzen Torraumecke in Hüfthöhe geklärt werden, erreichen sie bei Hleb durchaus Kopfhöhe; den vordersten Abwehrspieler passieren sie jedoch auch nicht. Mit dem rechten Fuß durfte sich gestern erstmals Sebastian Rudy versuchen, der häufiger, allein der Höhe wegen, die Tormitte erreichte, dem Ball aber so wenig Wucht mit auf den Weg gab, dass bestenfalls Kopfballspieler vom Schlage der Herren Hrubesch, Pizarro oder Ballack daraus etwas Zählbares hätten machen können. Die hat der VfB allerdings nicht. Fazit: ungefähr 13:1 Ecken, aber keine ernstzunehmende Torchance, die sich daraus ergeben hätte.

Ansonsten hat sich der VfB im Rahmen seiner derzeitigen Möglichkeiten bemüht. Einmal mehr spielte man 25 Minuten lang gefällig und kam zu einigen Chancen, von denen zwei oder gar drei als wirklich gut gelten dürfen. Danach war es, wie so oft, vorbei mit der Herrlichkeit Stuttgarter Spielkultur. Man ließ die Berliner, die zuvor wirklich nicht den Eindruck gemacht hatten, noch auf den Klassenerhalt hoffen zu dürfen, geschweige denn es zu tun, langsam ins Spiel finden, gab das in Ansätzen gezeigte Kurzpassspiel auf und zeigte eine Leistung, die denen der bisherigen Saison gerecht wurde. Und Markus Babbel sah diesem uninspirierten Kick bis zur 65. Minute zu, ehe er endlich wechselte. Wobei ich fairerweise einräumen muss, dass er zumindest in einem Fall möglicherweise einen Informationsvorsprung hatte und den von den Fans als Heilsbringer geforderten Elson aus gutem Grund nicht bringen wollte. Ich habe ihn auf dem Platz nicht gesehen. Und vor allem: er hat keine der durchaus zahlreichen Standardsituationen nach seiner Einwechslung getreten. Wenn es den einen Grund gibt, weshalb wir Elson sehen wollen, dann sind es doch zweifellos seine Ecken und Freistöße, die Gründe wurden oben genannt. Ich muss das nicht verstehen, aber ich würde gerne.

Unter dem Strich bleibt ein 1:1 gegen eine Hertha, über deren Sieg man sich auf Stuttgarter Seite nicht einmal hätte beschweren können, und die Tabelle lügt noch immer nicht. Nächste Woche in Leverkusen fehlt mit Kuzmanovic zudem der -für mich- gefühlte Kapitän, der nicht nur Siegeswillen zeigt, sondern mittlerweile auch noch die Tore schießt, schießen muss. Keine schönen Aussichten – auch nicht für Markus Babbel, der gestern erstmals deutlich vernehmbare „Babbel raus!“-Rufe zur Kentnis nehmen musste.

Lobend erwähnen möchte ich doch noch Arthur Boka, der seine Form aus dem Länderspiel mitgebracht hatte, den souveränen Niedermeier und den engagierten Pogrebnyak, sowie zumindest für die erste Halbzeit Sebastian Rudy, der erstmals über die volle Distanz spielte. Und last not least, das hätte ich mir nicht träumen lassen, Peter Gagelmann, der ein richtig gutes Spiel ablieferte. Vielleicht sollte ich ihn mir doch öfter wünschen.

Bei einem letzten Punkt weiß ich natürlich, dass ich mich regelmäßig wiederhole – doch selbst wenn es dem einen oder der anderen auf die Nerven gehen sollte, verliert der Punkt nicht seine Gültigkeit: die Nachspielzeit in deutschen Stadien wird nach meinem Dafürhalten bestenfalls ausgewürfelt und dann um mindestens 50 Prozent gekürzt, anders kann ich mir das Procedere einfach nicht mehr vorstellen. In der zweiten Halbzeit fielen gestern zwei Tore, es gab vier Auswechslungen, und sechs gelbe Karten sowie ein Platzverweis (gelb-rot) wurden verteilt. Zwei der gelben Karten wurden wegen Zeitspiels vergeben, wobei allein die Verwarnung für Torhüter Drobny mindestens zwei Minuten kostete, nachdem er zuvor schon in einigen anderen Situationen ermahnt worden war.

Nachspielzeit: 1 Minute.
Das kann ich einfach nicht mehr ernst nehmen.

PS: Über Hinweise zu beidfüßigen Könnern in den Kommentaren würde ich mich freuen. Beidhändige kenne ich indes seit vielen Jahren: Inigo und Westley.