Generationenfrage

Die ARD hat mich positiv überrascht am Mittwoch. Sie wissen schon, da war dieses Fußballspiel gegen Spanien, das die deutsche Nationalmannschaft erneut mit 0:1 verloren hat. Aber ich wollte ja eigentlich etwas zur ARD sagen. Bzw. zunächst zu Günter Netzer, der in seinem vermutlich vorletzten Einsatz als ARD-Experte noch einmal erahnen ließ, wieso die Kombination Netzer/Delling in ihren ersten Jahren so beliebt, so erfrischend, so anders war als das, was man davor im deutschen Fernsehen gekannt hatte. Also bevor die Kabbelei Selbstzweck war, bevor wir zum hundertsten Mal Variationen von „Sie waren doch eh ein Standfußballer“ auf der einen und „Sie haben ja überhaupt keine Ahnung“ auf der anderen Seite gehört hatten. Als Netzers nüchterne Analysen im Mittelpunkt standen und nicht deren Inszenierung durch Stichwortgeber Delling. Nüchtern? Wenn ich richtig gehört habe, hat Netzer zuletzt mehrfach „wir“ gesagt, wenn er von der deutschen Mannschaft sprach – das gab’s früher doch nicht, oder?

Zurück zu Mittwoch: ich fand Netzers fassungslosen Blick großartig, als Gerhard Delling ernsthaft glaubte, eine abweichende Meinung vertreten zu müssen, nachdem der Bundestrainer und Netzer selbst die Großchance von Toni Kroos bzw. dessen mögliches Fehlverhalten gleich bewertet hatten. Nur ein Detail, klar, aber solche Dinge werde ich vielleicht sogar ein wenig vermissen. Richtig positiv hat mich derweil die Entscheidung der ARD gestimmt, das wichtigste von der ARD übertragene WM-Spiel nicht von Herrn Simon kommentieren zu lassen, sondern von Tom Bartels, dem meines Erachtens weitaus kleinsten Übel bei öffentlich-rechtlichen Fußballübertragungen. Ich weiß nicht, ob das an irgendeiner Quotenregelung lag, oder vielleicht doch daran, dass einmal jemand die Zuschauer gefragt haben könnte, was sie von Herrn Simon halten.

Wie auch immer: Tom Bartels machte seine Sache gut, wenn auch glottal [ Grüße an @gnetzer 😉 ], und er widerstand sogar lange der Versuchung, vor der Zeit die Zukunft dieser deutschen Mannschaft herbeizureden. Zwar ließ er immer mal wieder anklingen, dass das Team noch sehr jung sei, verband dies aber stets mit dem Hinweis, dass sich die Chance eines WM-Halbfinals nicht allzu oft ergebe, unabhängig vom Alter, und dass man sie natürlich nutzen sollte. Bei Toni Kroos indes spielte das Alter dann doch ein Rolle: vielleicht wäre es für ihn ja zu früh gekommen, wenn er in diesen jungen Jahren durch den Führungs-(und dann vielleicht auch Sieg-)Treffer gegen Spanien zum Helden geworden wäre. Für Toni Kroos. Zu früh. Da hat er ja Glück gehabt.

Letztlich hat man mit 0:1 verloren. Verdient. Die Mannschaft hat es nicht geschafft, dem Europameister und WM-Topfavoriten ihr Spiel aufzuzwingen. Ein Spiel, das uns alle begeistert hatte. Ein Spiel, von dem nur noch die Älteren unter uns glaubten, dass eine deutsche Nationalmannschaft so spielen könne. Ein Spiel, das meines Erachtens weitaus besser ist als das, was die bis dato zutage getretenen Fähigkeiten der einzelnen Spieler erwarten ließen. Ein Spiel, das ganz offensichtlich die viel zitierte Handschrift eines Trainers trägt. Meinetwegen auch eine Philosophie, deren Bedeutung Martin Blumenau -wenn auch vor dem Spanien-Spiel – so großartig beschrieben hat. Dieser Trainer heißt nicht Louis van Gaal, auch wenn er Joachim Löw sicherlich den einen oder anderen Gefallen tat.

Sicher, es mag nicht nur so sein, dass die Mannschaft es nicht schaffte, dem Gegner ihr Spiel aufzuzwingen. Möglicherweise ist es auch dem Trainer nicht gelungen, die Mannschaft dahin zu bringen, dass sie tatsächlich so sehr von ihrer Stärke überzeugt war, wie sie zwischendurch schien. Schade. Ich sähe es gerne, wenn dieser Trainer versuchen würde, die nächsten Schritte mit dieser Mannschaft zu gehen. Denn natürlich müssen weitere Schritte folgen. Natürlich macht Platz 3 nicht glücklich. Aber daran kann man arbeiten, die sportliche Tendenz stimmt. Vielleicht hätte man für das Halbfinale aber auch Klaus Toppmöller engagieren sollen. Oder Christoph Daum. Hätte ein mutigeres Auftreten der Spieler befördert.

Um nicht falsch verstanden zu werden: ich hätte mir auch eine das Spiel bestimmende deutsche Mannschaft gewünscht. Und ich hielte es für zu kurz gesprungen, nur die Stärke der Spanier dafür verantwortlich zu machen, dass es nicht so kam. Vermutlich haben die Trainer in Sachen Spielvorbereitung und wohl auch Aufstellung nicht alles optimal gelöst. Aber sie hatten eine Mannschaft geformt, der man es endlich wieder zutrauen konnte, diese Herausforderung auf Augenhöhe anzunehmen und möglicherweise verdient zu bestehen. Oder wie der geschätzte Rob Alef schrieb:

Im Halbfinale von Durban waren die Spanier wieder die besseren Spanier, aber es ist nicht so schlimm, wenn von zwei überdurchschnittlichen Mannschaften die bessere gewinnt.

Und wie komme ich jetzt zurück zu Tom Bartels? Zu Toni Kroos, der nicht zu früh zum Helden werden soll? Und das zu einem Zeitpunkt, da man die Zeiten hinter sich glaubte weiß, als der 24-jährige Jeremies der Benjamin im deutschen Team war, während bei Frankreich die Herren Henry und Trezeguet (beide 20), bei England der 18-jährige Michael Owen Leistung trugen. Nein, 1998 soll nicht das Thema sein. Vielmehr geht es um die Sorge, dass ein Erfolg „zu früh kommen“ könne. Ein entscheidendes Tor. Ein Weltmeistertitel. Oder im Kleinen: ein Aufstieg. Und wenn es nur aus der Kreisliga ist.

Was für ein Blödsinn. Man muss die Chancen ergreifen, wenn sie sich bieten. Aufsteigen. Tore schießen. Weltmeister werden. Oder zumindest den Europameister schlagen. Da kann der aktuelle Kader noch so jung und talentiert, die Mannschaft noch so unerfahren, vielversprechend und mit Juniorentiteln dekoriert sein: eine Garantie auf künftige Erfolge gibt es nicht. Ja, das ist eine Binsenweisheit. Und doch wuchern die Gräser nicht wild genug, um beispielsweise die „Morgenpost“ oder die „Welt“ davon abzuhalten, von der „Goldenen Generation“ zu schreiben. Zu der zumindest bei der Welt auch Arne Friedrich zählt…

Die goldene Generation also. Ok, von der spricht man in Spanien auch. Nicht ganz zu Unrecht. Der Inbegriff goldener Generationen allerdings ist die um Luís Figo, Rui Costa, Vitor Baía, Pauleta und Nuno Gomes, die es unter diesem Begriff auch in die Wikipedia geschafft hat und in ihrer Glanzzeit… äh, was genau gewonnen hat? In England sprach man auch von einer goldenen Generation. Frank Lampard, Steven Gerrard und John Terry zählen zu ihren Protagonisten. Sowohl auf Vereins- als auch auf Nationalmannschaftsebene waren sie ähnlich erfolgreich wie jene goldene Generation, die von Edgar Davids und Clarence Seedorf geprägt war. Obwohl, wenn man ehrlich ist, haben sich die Niederländer etwas besser geschlagen. Insbesondere im Verein. Zico, Socrates, Falcão, Junior. Auch sie waren Teil einer goldenen Generation. Die 1982 und 1986 nicht einlösen konnte, was sie versprochen hatte. In Kroatien ist man genügsamer. Die goldene Generation wurde 1998 Dritter und hat wohl noch heute Heldenstatus. Jarni, Boban, Prosinecki, Suker und die anderen.

Auch in Deutschland gab es schon einmal eine goldene Generation, die sich achtbar schlug. Ihre Protagonisten hießen Christian Schwarzer, Daniel Stephan und Stefan Kretzschmar, Weltmeister wurde aber nur Schwarzer.

Wenn es aus dem diesjährigen WM-Kader ebenfalls nur einer schaffen würde, fände ich das bedauerlich. Schließlich gehe ich davon aus, dass diese goldene Generation den Weltfußball bestimmen und auf Jahre hinaus unschlagbar sein wird.

Das ist es, was ich eigentlich sagen wollte.

Klostrabacher Alpirs… (I)

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Will sagen: ich bin grad auf Lesereise Tournee durch einige deutsche Stadien, in denen ich Menschen treffe, die auch Blogs schreiben, lesen und kommentieren. Den Auftakt machte am vergangenen Samstag der Besuch der Münchner Arena, der mir sehr schwer fiel: parallel bestritt der VfB Stuttgart sein letztes Heimspiel nicht nur dieser Saison, sondern überhaupt mit der Cannstatter Kurve alter Prägung, wo zudem neben einigen anderen Roberto Hilbert verabschiedet wurde, dem von Fanseite meines Erachtens in den letzten Jahren viel zu wenig Wertschätzung zuteil wurde, aber das ist eine andere Geschichte.

Letztlich entschied ich mich gegen das Stadion und für das Zusammentreffen mit einigen jener Leute, deren Blogs ich sehr regelmäßig lese, deren Humor ich in Ansätzen zu kennen glaube, mit denen man wunderbar diskutieren kann, mit deren Meinungen ich zwar nicht immer konform gehe, die ich aber allein schon deshalb schätze, weil sie sich mit einer gehörigen Portion Herzblut mit Fußball beschäftigen. Fußballblogger halt.

Schön war’s. Natürlich war ich während des Spiels ziemlich wehmütig, natürlich habe ich Liga total verflucht wegen des VfB-Anteils an der Konferenz, natürlich war es nicht meine Wunschkonstellation, die vorgezogene Meisterschaftsfeier der Bayern live zu erleben (zumal ich bereits im Vorjahr, in besonders unangenehmer Konstellation, den Münchner Jubel vor Ort bezeugt hatte), natürlich war ich mit dem Stuttgarter Ergebnis unzufrieden, natürlich hatte ich auf Nürnberger Punkte in Hamburg gehofft, aber wenn man insbesondere die ganzen sportlichen Aspekte einmal außen vor lässt, die ja im modernen Fußball ohnehin nicht mehr so wichtig sind, war’s schön. Sowohl im Stadion als auch hinterher im einen oder anderen gastronomischen Betrieb.

Über Fußball haben wir geredet, über Blogs, Blogger und deren Selbstverständnis, aber auch übers Filmemachen, über das Fansein an sich, über Kim Fisher, Ursula Cantieni, Tatort und Polizeiruf, über Persönliches, Sportliches und Journalistisches, über… wenig Gott und viel Welt, würde ich sagen.

Und über Liga total. Schließlich waren wir auf Einladung von Microsoft und T-Home in München versammelt (genau: die Kosten für Anfahrt, Eintrittskarte und Verköstigung in der Telekom/ran-Loge habe ich nicht selbst getragen – vielen Dank an T-Home, Microsoft und die von ihnen beauftragte Agentur Edelman), und so gebot es nicht nur die Pflicht als Gast, sondern auch ein echtes Interesse, die Produktinformationen zu Liga total zu verfolgen – selbst ich, als überzeugter Nur-im-Notfall-Konferenz-Schauer, der zudem in aller Regel in der Fußballkneipe seines Vertrauens die Auswärtsspiele des VfB verfolgt.

Wie gesagt, ich kenne mich nur bedingt aus, und vermutlich würde ich bei einer Art Pepsi-Test mit ausgeblendeten Logos nur mit etwas Glück sagen können, ob ich die Konferenz bei Liga total oder eben bei Sky sehe. Ein fundierter Vergleich ist von mir nicht zu erwarten, und an neuen Gimmicks und Features bin ich nur bedingt interessiert. Was mich vom technischen Ansprechpartner vor Ort unterschied. Mir geht es darum, dass das Ganze funktioniert und ich möglichst viel von den Spielen sehen kann – diese Anforderung war, nicht nur der zahlreichen Monitore wegen, absolut erfüllt, auch wenn ich mich mit meinem VfB-Wunsch nicht durchsetzen konnte. Die Gastgeber zeigten sich glaubhaft interessiert an unserem Feedback, nahmen wohl auch den einen oder anderen auch aus meiner Sicht notwendigen Verbesserungsvorschlag mit, und gaben, so weit ich das beurteilen kann, offen Auskunft.

Für die Zeit nach dem Spiel hatte der heimlich blaublütige Klassensprecher @probek (von dem ich nicht weiß, ob er diese Bezeichnung mag – ich hab sie irgendwo aufgeschnappt und verwende sie in bester Absicht) vorgesorgt und unsere Horde in einer für vertiefende Gespräche geeigneten Lokalität untergebracht, die entsprechend genutzt wurde, auch wenn leider nicht mehr alle dabei sein konnten (nachdem ich leider bei weitem nicht die Gelegenheit gehabt hatte, mich mit allen zu unterhalten). Dafür kamen andere dazu, so der @stadtneurotikr und ein weiterer Mauertaktiker.

Eine Übersicht der beteiligten Blogger gibt es als eine Art kommentierter Linkliste beim Volk ohne Raumdeckung (wie mich dieser Name immer wieder begeistert!), mit dessen Autor @robalef ich zwar in Sachen Mario Gomez inhaltlich über Kreuz bin, der aber für meinen größten Münchner Lacher sorgte, als er die Ähnlichkeit zwischen Paul Breitner und Paul McCartney thematisierte.

Breitner saß in der Tat wenige Meter vor uns, genau wie allerlei sonstige Prominenz – Matthias Sammer indes stand am Geländer. Es gibt mir ein gutes Gefühl für die Zukunft des deutschen Fußballs, wenn der DFB-Sportdirektor ein Stehplatzfan ist. Ich selbst stand übrigens auch, und zwar in der letzten Reihe, sodass sich niemand beschweren und ich mich gelegentlich in Richtung der in der Loge platzierten Bildschirme umdrehen konnte.

Nach dem Spiel war dann vor dem Spiel, da am nächsten Tag die Fortsetzung der Fußballbloggertreffenstädtereise anstand. Mehr darüber gibt’s demnächst auf diesem Bildschirm. Wer diesen Spruch noch aus den Zeiten von „Western von gestern“ kennt, dürfte auch keine Schwierigkeiten gehabt haben, die Überschrift einzuordnen. Andernfalls:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=TAoPgfp2PVM]