Oh, it's a Veh!

Am Samstag war noch ein Fußballspiel, hörte ich. Sogar mehrere, um genau zu sein.

So lautet seit einer knappen Woche der Beginn dieses Textes, der nun, da ich dies schreibe, noch immer nicht abgeschlossen und veröffentlicht ist, wohl aber nun, da die geneigte Leserin ihn vor Augen hat, und sie mag etwas sagen in der Art von: „Stimmt. Mindestens zwei Pokal- und ein Divisionsfinale.“ Leider konnte ich nur das eine Pokalfinale sehen, und auch das nur in Abschnitten aus Gründen, die hier und jetzt nicht so sehr von Belang sind. Was ich indes davon sah, hat mich begeistert, Sie wissen schon, Intensität und so, hat der Mehmet ja alles schon erzählt.

Toni Kroos, dem ich nicht immer positiv gegenüberstehe, hat mich ziemlich beeindruckt, seine Souveränität am Ball ist unfassbar (ja, ich habe den Fehlpass ins Aus gesehen), auch das ist hinlänglich bekannt, und nebenbei sei bemerkt, dass seine Stutzenwickeltechnik, die den blauen Streifen, den insbesondere die Herren Götze und Boateng schmerzlich zur Schau trugen, klammheimlich verschwinden ließ, in der Tat eine Augenweide war.

Jürgen Klopp stimme ich ausdrücklich zu, wenn er den Umgang der Schiedsrichter im Allgemeinen und heute im Besonderen den von Florian Meyer mit taktischen Fouls kritisiert, zur Torlinientechnik braucht man an Tagen wie diesem nicht viel zu sagen, Philipp Lahm lobe ich aus Wortschatzgründen über den Schellenkönig, vor allem aber befürchte ich, dass dieses Finale noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird: wann immer künftig irgendwo ein junger Fußballspieler oder eine junge Fußballspielerin mit verschiedenfarbigen Schuhen aufläuft, werde ich – und es steht zu befürchten, dass sich diese Gelegenheit sehr oft ergeben wird – kopfschüttelnd des heutigen Spiels und der Dortmunder Gecken gedenken.

Aber eigentlich hatte ich ja den vorigen Samstag gemeint. Da war nämlich noch ein Fußballspiel, hörte ich. Sogar mehrere, um genau zu sein. Gesehen habe ich nichts davon, weil ich einen ungleich wichtigeren Termin hatte: einen Wiesenkick mit meinem Sohn und dessen Freund. Nicht ganz unerwartet verlor ich durch ein Tor in letzter Sekunde. Was allerdings in der Natur der Sache solcher Spiele liegt: schließlich singt die mitunter kräftig gebaute Dame bei Wiesen-, Beton- und sonstigen Freizeitkicks häufig nicht zu einem vorab festgelegten Zeitpunkt, sondern in Abhängigkeit von den erzielten Toren.

Dass es beim VfB in der abgelaufenen Saison etwas anders lief und der Gesang auch ohne diese regelseitige Besonderheit häufig in unmittelbarem Zusammenhang zu einem Gegentor stand, ist hinreichend besprochen worden, gelegentlich auch hier. Die letzten beiden Spiele deuten darauf hin, dass es auch Huub Stevens nicht gelungen ist, seinen Spielern die übliche Dauer einer Partie Fußball hinreichend zu vermitteln.

Doch auch wenn er an den ganz großen Aufgaben gescheitert ist: zumindest hat er den Klassenerhalt geschafft. Ja, ein paar Spieler, bestimmt auch weitere Akteure, waren ebenfalls daran beteiligt; ich neige gleichwohl zu der nicht sehr originellen Sichtweise, Stevens den Löwenanteil daran zuzuschreiben. Womit ich ihn, das möge nun beurteilen, wer will, und wie sie es will, oder er, in eine Reihe mit Bruno Labbadia im Jahr 2011 stelle.

Anders als bei Labbadia ist Stevens‘ Mission beendet, mein Dank ist ihm gewiss. Für die Rettung, und auch dafür, dass er die Entscheidung selbst getroffen zu haben scheint, anstatt sie möglicherweise Fredi Bobic zu überlassen.

Zwischenzeitlich hat der VfB einen neuen Trainer verpflichtet. Und wie das so ist bei neuen Trainern, fragt man einen persönlich oder virtuell bekannten Blogger, der sich in seiner Freizeit des Öfteren mit einem früheren Arbeitgeber des neuen Übungsleiters befasst, und sich damit fast zwangsläufig auch mit besagtem Trainer beschäftigt hat, nach seiner Meinung.

So geschehen im Jahr 2011, als der einzigartige Kid aus der Klappergass, zum damaligen Zeitpunkt Betreiber eines der besten Blogs der Welt, das leider nicht mehr öffentlich zugänglich ist, Erkundigungen über den neuen Trainer der Frankfurter Eintracht, Armin Veh, einholte.

Und so geschehen in diesen Tagen, als ich mir erlaubte, jenen nicht mehr ganz taufrischen Text, der an der einen oder anderen Stelle von der Realität überholt worden sein mag, auszugraben und hier zu veröffentlichen. Ich bin guter Dinge, dass sowohl der Verfasser als auch der damalige Auftraggeber und Veröffentlichende keine Einwände geltend machen werden, nicht einmal ob einzelner korrigierender Eingriffe.

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Eigentlich ist es eine ziemlich gute Geschichte. Von einem jungen Trainer, der so frei war, einen der begehrten Trainerstühle in der Bundesliga aufzugeben, bevor die übliche Maschinerie anlief. Was ihm, um es vorsichtig auszudrücken, nicht nur Lob einbrachte. Vielen galt er als zu weich für die erste Liga, so wie er einst nicht hart genug gewesen war, sein großes fußballerisches Talent in eine ebensolche Karriere münden zu lassen. Und die Trainerkarriere schien beendet, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Für ein bisschen dritte Liga im heimischen Biotop hatte es noch gereicht, aber auch nicht sehr lange.

Anderthalb Jahre war er komplett aus dem Geschäft, bis sich ein junger Manager, der wenige Wochen nach seinem Amtsantritt, beinahe noch in kurzen Hosen, einen der erfolgreichsten Vereinstrainer aller Zeiten vor die Tür gesetzt hatte, seiner erinnerte. Armin Veh erhielt seine letzte Bewährungschance. Ein gutes Jahr später war er Deutscher Meister, mit einer Mannschaft, der nur wenige, sehr wenige, einen solchen Erfolg zugetraut hatten.

Und auch als es danach wieder ein wenig bergab ging, war der „Meistertrainer“ weiterhin gefragt, heuerte nacheinander bei zwei der ambitioniertesten (und gewiss auch solventen) Vereine im deutschen Fußball an. Er ließ sich zu der Aussage hinreißen, der HSV sei seine letzte Trainerstation, alles ging schief, der Meisternimbus verblasste, dann nahm er doch wieder ein Angebot an, galt manchen als wortbrüchig, und ging in die zweite Liga – zu einem Verein, der traditionell als Diva gegolten und zuletzt wieder einmal den Eindruck vermittelt hatte, die zwischenzeitliche Kontinuität als langweiligen Fehler im System zu begreifen.

Wie die Geschichte weitergeht? Nun, entweder darf er, und mit ihm der Verein, wieder einmal den Phoenix geben, oder er wird, dann vermutlich ohne Verein, dann doch ziemlich endgültig zum Traumhüter der deutschen Trainerzunft. Von der Diva in die relative Bedeutungslosigkeit, wie sein Vorgänger.

Ähm, eigentlich war das ja nicht das, was ich schreiben sollte. Der Gastgeber wollte eine Einschätzung der Arbeit von Armin Veh in Stuttgart. Eben dort, wo er aus einer talentierten jungen Mannschaft einen deutschen Meister formte. So er denn formte. Es ist nicht ganz klar, wie stark er das zur Saison 2006/07 etwas veränderte Gesicht des VfB zu verantworten hatte.

So hieß es bei zwei der wichtigsten Neuverpflichtungen, Pavel Pardo und Ricardo Osorio, sie hätten schon lange auf der Liste des VfB gestanden. Mehr als nur Ergänzungen waren auch Hilbert, da Silva und Boka, denen indes mit Farnerud oder Benjamin Lauth auch eher unglückliche Transfers gegenüber standen – egal ob sie nun auf Vehs oder Heldts Initiative zurück gingen.

Aber da waren ja noch die Jungen. Serdar Tasci bestritt, aus der Jugend bzw. von den Amateuren kommend, 26 Spiele und seine bis heute wohl beste Saison. Sami Khedira kam auch von unten und bewies rasch, weshalb er als eines der größten Talente des deutschen Fußballs galt – nicht von ungefähr war er es, der die Meisterschaft mit seinem Siegtor gegen Cottbus besiegelte.

Und Mario Gomez hatte zwar schon seit 2 Jahren versucht, in der Bundesliga anzukommen; erst in der Stuttgarter Meistersaison blühte er indes so richtig auf, und es scheint nicht ganz abwegig, dass ihm Giovanni Trapattoni ein wenig half, den rechten sportlichen Weg zu finden. Gewiss, es spricht für Armin Veh, auf seine Youngsters gesetzt zu haben. Aber mal ehrlich: muss ich von einem Fußballlehrer nicht auch erwarten, dass er die überragenden Begabungen speziell von Khedira und Gomez erkennt und gewinnbringend einsetzt?

Klingt fast, als schätze ich Armin Veh nicht. Dem ist keineswegs so. Er war nicht nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sondern konnte mich durchaus von seiner Arbeit überzeugen. Er war angenehm unaufgeregt, wusste vielleicht – jetzt wird’s küchenpsychologisch – auch sein Glück einzuordnen, wieder in der Bundesliga arbeiten zu dürfen, und ließ sich nur sehr bedingt vereinnahmen – was man nach Spielschluss in der Kurve gelegentlich bedauert, was ihn aber nicht zu einem schlechteren Trainer oder auch Typen macht.

Dass mit seiner Unabhängigkeit, die wir in ziemlich eindrucksvoller Weise einige Jahre später in Hamburg wieder erleben sollten („So kann man nicht arbeiten. Es geht hier nicht mehr um Fußball„) eine gewisse Sturheit einher ging, wurde in den anderthalb Jahren nach der Meisterschaft immer wieder deutlich, die FAZ griff das Thema bereits wenige Monate nach dem Titelgewinn auf:

Wann ist ein Fußballtrainer ein Trotzkopf, der stur nie das tut, was andere ihm raten, und wann ist er ein Sportlicher Leiter, der Gelassenheit ausstrahlt, damit Rückgrat zeigt und seine Sache aus Überzeugung durchzieht?“,

die Stuttgarter Zeitung sah darin letztlich auch einen Grund für seine Entlassung im Herbst 2008:

„Zu oft hatten sie ihm schon Aufschub gewährt, und zu häufig hatte der Trainer schon auf stur geschaltet und mit dem Verweis auf seine Meriten intern mit einem Rauswurf kokettiert.“

Nahezu unbeschadet ging Horst Heldt aus der Geschichte hervor. Dabei waren die beiden speziell in der ersten Phase nach Vehs Verpflichtung, als der unsägliche Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Hundt wenig Zweifel daran ließ, dass er Veh nur als Übergangslösung sah, mitunter als Schicksalsgemeinschaft inszeniert worden, taten es anfänglich vielleicht sogar selbst. Diese Gemeinschaft bröckelte in der nachmeisterlichen Saison relativ rasch. Die Bilanz der Neueinkäufe war verheerend, die Verantwortung dafür wollte keiner so recht übernehmen, Veh selbst tat es erst im Herbst 2008, kurz vor seiner Entlassung.

Zumindest im Fall von Yildiray Bastürk, dem Inbegriff des Fehleinkaufs nach der Meisterschaft (obwohl er sich in einem harten Wettbewerb mit Schäfer, Gledson und Ewerthon, vielleicht auch Radu und Marica, befand), ist es ein offenes Geheimnis, dass Veh die treibende Kraft war, seinen „absoluten Wunschspieler“ zu verpflichten. Sicher, Fehleinkäufe unterlaufen auch den Besten, aber die Häufung war beim VfB nach der Meisterschaft augenscheinlich.

Umso überraschender, dass der VfL Wolfsburg Veh wenige Monate nach seiner Entlassung in Stuttgart als „starken Mann“ verpflichtete, als Manager englischer Prägung, der die Alleinverantwortung im sportlichen Bereich tragen sollte. Angesichts der Stuttgarter Erfahrungen hätte es mich sehr gewundert, wenn das gut gegangen wäre. Aus der Ferne hatte ich zudem den Eindruck, dass Veh sich in Wolfsburg unbedingt von Magath abheben wollte, und damit beim Spielsystem begann. Er krempelte ein funktionierendes System um und war (Stichwort Sturheit?) lange nicht zu einer Kehrtwende bereit.

Dennoch bleibe ich dabei: Armin Veh ist zwar kein Manager, aber ein guter Trainer, der klare Vorstellungen davon hat, wie seine Mannschaften Fußball spielen sollen. Und ja, er schätzt klassische Spielmacher – eine Rolle, die, wenn auch etwas anders interpretiert, mit dem Trend zum 4-2-3-1 wieder eher gefragt ist als zuvor beim Standard-4-4-2 mit flacher Vier. Sicher, in Wolfsburg und in Hamburg lief manches schief, was zum Teil an ihm lag. Doch es ist nicht nur auf meine, wie soll ich sagen, Loyalität zum letzten Stuttgarter Meistertrainer* zurückzuführen, dass ich die Gründe dort in höherem Maße an anderer Stelle suche.

In Wolfsburg hatte man den Gipfel erreicht. Völlig unerwartet erreicht. Veh übernahm eine Mannschaft, die das System Magath inhaliert hatte, in einem Verein, für den das ebenso zutraf. Und er hatte eine Rolle inne, die nicht seinen Stärken entspricht. Selbst schuld? Vielleicht. In Hamburg stimmte allem Anschein nach nichts. Der Verein war nicht handlungsfähig, kam nie zur Ruhe. Und Veh gefiel sich zunehmend in der Rolle desjenigen, der wie ein Außenstehender den Kopf schüttelte. Der nicht zum ersten Mal deutlich machen sollte, dass er selbst entscheiden kann, ob er bei so etwas mitmachen will.

Was noch in Erinnerung bleibt aus Vehs Stuttgarter Zeit? Dass er ein langsames, wenig dynamisches Mittelfeld zusammenstellte bzw. zusammenstellen ließ (nach Bastürk kam auch noch Simak) und eben diese mangelnde Schnelligkeit später beklagte. Dass er den 19-jährigen Sven Ulreich ziemlich verbrannte, als er ihn 10 Spiele lang zur Nummer 1 machte und ihn dann wieder degradierte. Dass er Markus Babbel nach dessen Karriereende zwar als zweiten Assistenten aufnahm, in ihm aber dem Vernehmen nach kaum mehr als einen Hütchenaufsteller sah – Babbels Freude über seine Beförderung zum Cheftrainer nach Vehs Entlassung soll dieser ihm dann auch ziemlich übel genommen haben.

Am Rande sei darauf verwiesen, dass Veh auch zwei Jahre später und aus der Hamburger Distanz Jens Keller scharf kritisierte, der sich auf Kosten seines Vorgängers Christian Gross zu profilieren suchte. Man kann darüber streiten, vielleicht nicht einmal das, ob der Vorgang Armin Veh etwas anging. Aber ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass es ihm ein prinzipielles Anliegen ist.

Und immer wieder: dass Armin Veh der Mann war, der den VfB nach 15 Jahren wieder zur Deutschen Meisterschaft führte.

Nun gehe ich nicht davon aus, dass er die Frankfurter Eintracht binnen zwei Jahren zur Meisterschaft führt, zumindest nicht in der ersten Liga. Aber ich glaube schon, dass sie einen guten Trainer verpflichtet und vielleicht auch eine gute Konstellation geschaffen hat mit einem talentierten Sportdirektor, einem Vorstandsvorsitzenden, dem es gut tun könnte, sich nicht mehr um die sportlichen Belange, sondern etwas mehr um das Drumherum kümmern zu müssen, und eben einem Trainer mit klaren Vorstellungen. Wenn das Zusammenspiel der drei Herren passt, sehe ich eine auch auf Sicht durchaus tragfähige Struktur. Vom Wiederaufstieg gehe ich ohnehin aus.

*Das gilt nicht in jedem Fall. Der vorletzte Stuttgarter Meistertrainer kann mir zum Beispiel gestohlen bleiben. Aber das dürfte dem einen oder anderen Frankfurter angesichts der vergangenen Monate ja ähnlich gehen.

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Eine Aktualisierung des Textes unter dem Motto „Drei Jahre später“ liegt meines Wissens nicht vor, was vielleicht ganz gut ist, weil der Verfasser Vehs Wirken in Frankfurt auch nicht intensiver verfolgt hat als jenes in Wolfsburg oder Hamburg. Dass er in ihm nach wie vor einen guten Trainer sieht, steht indes außer Frage, dass er seinen Humor und insbesondere seine Art, meist über den Dingen zu stehen und auch mal einen Schritt zurück treten zu können, um den Blick zu weiten, über alle Maßen schätzt, ebenso. Vermutlich wird er irgendwann auch darüber hinweg kommen, dass er Veh nicht mehr nur als den Meistertrainer verklären wird können.

So wie er heute damit umgehen kann, dass die Werbung, die er in seiner Jugend für eine der besten der Welt (wiewohl nicht zu vergleichen mit Kid Klappergass‘ Blog) hielt, bei dieser Bewertung wohl doch ein wenig von jugendlichem Überschwang und rückblickender Verklärung profitiert hatte.

Wie auch immer: was muss, das muss. Jetzt. Wer weiß, ob es nicht irgendwann wieder ruck, zuck zu spät ist für vehrchterliche Namensverunglimpfungen, wie sie nur Twitter in jener Fülle und qualitativen Vielfalt hervorbringen kann, die wir im Lauf der vergangenen Woche beobachten durften.

In diesem Sinne:

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Nun also doch: die andere Tasci-Kehre

War ja ein recht ereignisreiches VfB-Wochenende, nicht wahr? Und ich war nicht da. Hab fremdgeschaut, bei der tabellarisch fast benachbarten Konkurrenz. Und selbst die Sky-Verfügbarkeit beim VfB-Spiel hing am seidenen Faden … Ob ich es doch noch zu sehen bekam, und wie sich Löwenfans in der Fremde so benehmen, lesen Sie möglicherweise demnächst auf diesem Bildschirm. Mal sehen.

Eher nicht mehr so oft wird die geneigte Leserschaft indes den Namen Serdar Tasci zu lesen bekommen, der hier bis dato in etwa 50 Texten Erwähnung fand (ich hatte mit mehr gerechnet). Vor einem guten Jahr hatte ich ihm eine kleine Widmung geschrieben, die im Tödlichen Pass, dem Magazin zur näheren Betrachtung des Fußballspiels, veröffentlicht wurde, und hatte stets gesagt, dass ich sie irgendwann, wenn die Gelegenheit günstig erscheine, hier zweitveröffentlichen würde.

Nun, ob die Gelegenheit günstig ist, weiß ich nicht so recht (die eine oder andere Formulierung wirkt etwas überholt), aber es dürfte bis auf Weiteres die einzig verbliebene sein.

Zuvor erlaube ich mir, noch ganz kurz eine Träne zum Karriereende von Thomas Hitzlsperger zu vergießen, der, so Ronald Reng vor einiger Zeit drüben bei catenaccio.de, „flache Steilpässe aus dem defensiven Mittelfeld spielen kann wie kein anderer Deutscher.“ Dass ich diese nur selten gesehen hatte, sei an dieser Stelle nur kurz erwähnt; meine Wertschätzung für ihn ist gleichwohl so groß, dass die fünf Zeilen, die ich ihm widmete, sie nicht annähernd zum Ausdruck bringen können.

Doch nun zur Tasci-Kehre:

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„Nahezu gleichauf sprinteten ein Stürmer und ein Abwehrspieler zum Ball. Dem Verteidiger gelang es, den Angreifer ein wenig nach außen abzudrängen, um sich dann im Hüftumdrehen durch eine formvollendete Tasci-Kehre ein paar Meter Platz zu verschaffen und sich dem eigenen Spielaufbau zu widmen.“

So könnte das dereinst klingen, wenn Serdar Tasci nicht einfach nur Serdar Tasci wäre, sondern einer der ganz Großen des Weltfußballs, dem eine vielleicht nicht exklusiv, zumindest aber besonders häufig und außergewöhnlich behände ausgeführte Aktion zum Markenzeichen wird.

„It happens much faster than the time it takes to describe“, schrieb John Turnbull im Jahr 2006 in seinem erhellenden Blog „The Global Game“ über Zinédine Zidanes Roulette, und auch wenn es mir sehr fern liegt, Zidane und Tasci vergleichen zu wollen, kann ich mich Turnbull in dieser Einschätzung nur anschließen. Und ergänzen, dass das Lesen der Beschreibung nicht nur unbefriedigend, sondern darüber hinaus kaum nachvollziehbar ist, selbst bei einer hundertfach gesehenen und tausendfach kopierten Bewegung wie der Roulette. Wie soll man sich dann erst die kaum bekannte Tasci-Kehre vorstellen können? Gleichwohl will ich mich an einer kurzen Beschreibung versuchen.

In aller Regel bringt er sie auf der rechten Abwehrseite zum Einsatz. Der Ball läuft tendenziell in Richtung der Eckfahne, Tasci rückt nach außen, sein Laufweg und der des von links kommenden Angreifers scheinen sich einander asymptotisch anzunähern. Der Gegenspieler wird lange im Glauben gelassen, den Ball erreichen zu können, ehe Tasci einen geschickten langen Schritt mit dem linken Bein genau so setzt, dass er nahezu gleichzeitig mit dem rechten Außenrist den Ball in die entgegengesetzte Richtung bewegen kann. Bis der Stürmer seinen Weg zur Eckfahne abgebremst und die Laufrichtung geändert hat, ist Tasci bereits einige Schritte entfernt und hat den Ball weitergeleitet. Klingt unspektakulär? Ist es letztlich auch. Aber wirkungsvoll. Vielleicht auch weiter verbreitet, als ich glaube. Aber selten so elegant.

Ok, ein wenig mag das nach der Beckenbauer-Drehung klingen, und zweifellos sind die beiden Bewegungsabläufe verwandt. Wobei eine vergleichbare Verwandtschaft einschlägige Kreise auch nicht daran hinderte, eine eher geringfügige Variation von Zidanes Roulette – letztere läuft gelegentlich auch unter „the Maradona“ – als „Ribéry Spin“ zu feiern. Warum also nicht auch die „Tasci-Kehre“ in den fußballkulturellen Sprachgebrauch einführen? Meinetwegen auch, ein wenig wortkarg anmutend, den international tauglicheren Tasci Turn.

Tatsächlich ist es nicht zwingend den ganz Großen vorbehalten (Wer will im Übrigen schon entscheiden müssen, wie groß zum Beispiel Ribéry tatsächlich sei?), Tricks, Spielelemente, „Moves“ geprägt und hoffähig gemacht zu haben. So kennt die englischsprachige Wikipedia den Flo Pass, benannt nach Jostein Flo, der tatsächlich nur der Empfänger und Weiterverarbeiter besagten Passes war, und manche fußballhistorisch nicht gänzlich unbeleckte Französin mag nach Andrea Pirlos Elfmeter im EM-Viertelfinale ein verzücktes „une panenka!“ ausgerufen haben.

Mir persönlich imponiert, dies nur am Rande, zudem die in dieser Bezeichnung nicht gängige Lahm-Grätsche, bei der der Grätschende in einer fließenden Bewegung, den Ball quasi mit dem oberen Bein eingeklemmt, aufsteht und in die entgegengesetzte Richtung davon läuft. In Wahrheit war der erste Spieler, von dem ich eine solche Grätsche erfolgreich angewandt sah, Marco van Basten – und zwar gegen Jürgen Kohler. Aber mal ehrlich: Es gibt bessere Gründe, sich des Niederländers zu erinnern, als eine „van-Basten-Grätsche“.

Bei Serdar Tasci ist das anders. Er ist Verteidiger, einer der besten in Deutschland. Ohne seine Verletzung kurz vor Toreschluss wäre er mit zur EM gefahren, heißt es – was immer das heißen mag. Auf jeden Fall stünde ihm eine nach ihm benannte Defensivaktion gut zu Gesicht. Leider sucht man ein „Best of“ seiner schönsten Abwehraktionen, seines – im Guten wie im Schlechten – nicht immer den Zweikampf suchenden Defensivspiels, seiner Stärken in der Spieleröffnung und nicht zuletzt seiner gelungensten Tasci-Kehren im Videoportal unserer Wahl vergebens. Stattdessen gibt es Zusammenstellungen seiner Tore, häufig per Kopf, und einiger Torvorlagen. Kernqualifikationen eines Abwehrspielers, wenn man so will.

Eines Abwehr-Chefs, um genau zu sein. Zu eben jenem hat sich Tasci seit seinem Debüt 2007 entwickelt, als er mit 26 Einsätzen und 2 Toren (die erste, und bisher einzige, rote Karte, lassen wir geflissentlich außen vor) zur Stuttgarter Meisterschaft 2007 beitrug. Wirklich geradlinig verließ der vermeintlich vorgezeichnete Weg bis dahin allerdings nicht. Die Ruhe und Gelassenheit, mit der er als junger Verteidiger abgehoben war, drohte zwischenzeitlich als Phlegma zu landen, das oft und zu Recht gelobte zweikampfvermeidende, weil vorausschauende, Spiel schien gelegentlich zum Selbstzweck zu verkommen, phasenweise konnte man zudem den Eindruck gewinnen, seine Leistungen hielten mit seinem Selbstverständnis nicht ganz Schritt.

An der einen oder anderen Stelle fühlte er sich, vermutlich zu Recht, nicht hinreichend gewürdigt, bei Kapitänsernennungen brüskiert, speziell unter Christian Gross gar grundsätzlich in Frage gestellt, sodass die mal lauter, mal leiser zu vernehmenden Rufe von Juventus, Milan oder anderen internationalen Spitzenvereinen nicht nur in den Medien , sondern auch bei ihm selbst ein gewisses Echo hervorriefen.

Letztlich kam, zum Glück für den VfB Stuttgart, bis dato nie ein Wechsel zustande. In den letzten Spielzeiten stabilisierte sich Tasci auf deutlich höherem Niveau, emanzipierte sich vom langjährigen Abwehrchef Delpierre und zählte nicht nur zu den verlässlichsten Defensivspielern der Bundesliga, sondern führte dem regelmäßigen Neckarstadiongänger auch wieder vor Augen, weshalb vor Jahren selbst der Bundestrainer in überraschender Deutlichkeit festgestellt hatte, Tasci komme seiner „Idealvorstellung von einem Innenverteidiger sehr nahe“.

Auch vor diesem Hintergrund erschien es spätestens im Lauf der abgelaufenen Spielzeit verwunderlich, dass er im Grunde seit der WM 2010 nicht mehr für die Nationalelf berücksichtigt worden war. Im Januar 2012 erhielt er – endlich, möchte man sagen, angesichts der Bedeutung, die er dem Thema beizumessen scheint oder zumindest schien – mit der Kapitänsbinde beim VfB auch das äußerliche Zeichen seiner Bedeutung für die Mannschaft verliehen.

Längst haben seine Leistungen auch wieder Interessenten aus anderen Topligen auf den Plan gerufen, noch während der EM wurde er mit dem FC Barcelona in Verbindung gebracht. Tasci dementierte umgehend und bekannte sich zum VfB. In diesem Kontext sähe der gemeine Stuttgarter Anhänger eine Tasci-Kehre gewiss äußerst ungern.

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Tja. Ungern schon. Wegen des Zeitpunkts. Weil er Kapitän war. Und doch denke ich irgendwie auch: so oft hätte er nicht gespielt. Zu viele Verletzungen. Vielleicht rede ich es mir auch nur weniger unschön. Bisschen schade halt, dass es nun doch keiner der Vereine aus der allerersten Reihe geworden ist, die dereinst aus guten Gründen um ihn warben. Ich wünsche ihm, dass es wieder dazu kommen möge. Guter Mann, der Tasci.

#echtehelden

Mal angenommen, der Torwart der zum gegenwärtigen Zeitpunkt vermutlich besten und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch selbstbewusstesten Mannschaft der Welt kassiert bei einer 3:0-Führung ein Gegentor, dem man mit einer Kategorisierung als „Ehrentreffer“ nach Lage der Dinge nicht unrecht täte. Nehmen wir weiter an, dieser Torwart springt dann mit bemerkenswerter Dynamik nach dem durch das Tor kullernden Ball, um ihn auf keinen Fall dem halbherzig heraneilenden trabenden gegnerischen Angreifer zu überlassen, und fragen uns dann, wie wir das interpretieren sollen.

Ist dieser Torwart einfach nur extrem professionell, quasi ein Führungsspieler, der dem Gegner signalisiert, dass man nicht bereit ist, ihn gewähren zu lassen, ein Leader, der den Mitspielern signalisiert, sich mit dem nötigen Ernst zu wehren? Handelt es sich vielleicht um ein Männlichkeitsritual, eine Reviermarkierung, nach dem Motto: „Ich allein entscheide, wann der Ball mein Tor verlässt“?

Oder ist der Torwart vielleicht überhaupt erst derjenige, der dem Gegner unwillentlich deutlich macht, dass er noch nicht verloren hat oder gar ist, vermittelt er mit seinem im Grunde (und in jedem anderen Fall sich nach einem Gegentor auf den Ball hechtender Torleute) lächerlichen Ball- und Zeitgewinn jenen Anflug eines Zitterns, das der kurz zuvor noch am Debakel schnuppernde Gegner erst als Indiz für eine möglicherweise verbliebene Restchance versteht und das den wankelmütigen Mitspieler in seinem bis dato kaum wahrnehmbaren Zweifel bestärkt?

Nein, nein, ich vertrete nicht ernsthaft die Ansicht, Manuel Neuer sei tatsächlich derjenige, der dem VfB mit seiner zur Schau getragenen Balleroberung im DFB-Pokalfinale wieder Leben eingehaucht habe, und auch nicht, dass seine Mitspieler dieses Zeichen irgendwie gebraucht hätten. Ich finde die Aktion nur bemerkenswert. Ist das ein Reflex? Einfach eine Angewohnheit, sozusagen als Antithese zu dem jugendlichen Helden in Brian Glanvilles „Der Torwart ist eben etwas Besonderes“ (einem Buch, das möglicherweise zurecht niemand kennen dürfte, das ich aber, wie das bei jungen Lesern halt so ist, seit vielen Jahren im Herzen Hinterkopf trage), der sich nach allen Regeln der Kunst vor der Schmach zu drücken sucht, einen Ball aus dem Tornetz holen zu müssen?

Wie auch immer: die Stuttgarter kamen in der Tat zurück, vermutlich neuerunabhängig, und in den Schlussminuten waren sie, nachdem ihr mutiger, zielstrebiger und auch, man höre und staune, meines Erachtens taktisch sehr guter Auftritt der ersten 35 Minuten zu Beginn der zweiten Halbzeit innerhalb weniger Minuten durch zwei ungeschickt verteidigte (wenn auch gut vorgetragene) Aktionen der Bayern vermeintlich wertlos geworden war, recht nah dran, zu Helden zu werden.

Ok, meine Wortwahl wäre das wohl nicht, aber wie ich trotz urlaubsbedingter Medienabstinenz zwischenzeitlich erfuhr, hatte sich das Hashtag #heldenwerden allem Anschein nach zumindest bei Twitter durchgesetzt. Eine Art Motto also, das zwar nicht ganz so schwülstig daherkommt wie die Dortmunder #echteliebe, aber gebraucht hätt’s so was meines Erachtens dann auch nicht. Vielleicht könnte man sich ja zusammentun und im Gedenken an die Erste Allgemeine Verunsicherung #echtehelden intonieren. Da wie dort wie dort gilt: Geschmackssache.

Dass der VfB noch einmal aufkommen konnte, lag naturgemäß in erster Linie an der Münchner Überheblichkeit. Den Gedanken, man könne angesichts der deutlichen Führung seinen Torgaranten auswechseln und die, äh, zweite Reihe ausprobieren, hätte ich gerne noch ein wenig härter bestraft gesehen. Daneben möchte ich, bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Zeilen, Bruno Labbadia ein Lob zollen, und das auch noch doppelt: Okazaki brachte (für mich recht überraschend) tatsächlich nicht nur den viel zitierten frischen Wind, sondern auch Gefahr: seine Beteiligung am Anschlusstreffer kam nicht von ungefähr.

Und dass Gotoku Sakai tatsächlich flanken kann, wenn er mal auf links ran darf, wussten wir zwar alle seit der Vorsaison; umso schöner, dass es nun auch dem Trainer zugetragen wurde – und dass er dem Rechnung trug. Bezeichnend dann allerdings auch Sakais Ecke von rechts. Mit rechts. Ins Toraus. Kurz vor Schluss. Im Pokalfinale.

Abseits rein sportlicher Aspekte haben mir die Finalspiele der letzten beiden Samstage eines ungewohnt deutlich vor Augen geführt: Siegerehrungen sind eine großartige Sache!

Nun mag der eine oder die andere entgegnen, dass dem nur so sei, wenn man die siegreiche Mannschaft unterstütze, oder auch, dass dem nicht einmal dann so sei und dass ich ohnehin ziemliche Sülze von mir gebe. Dem kann ich insofern zustimmen, als ich selbst auch kein großes Vergnügen aus der Übertragung von Siegerehrungen ziehe. Eigentlich. Sie haben aber einen sehr angenehmen Nebeneffekt: jene halbe Stunde, die vom Abpfiff bis zum Ende der Siegerehrung gut und gerne vergeht, gibt allen Beteiligten genügend Zeit, ihr Mütchen ein wenig zu kühlen und dann mit der nötigen Souveränität die Nachberichterstattung anzugehen.

Erstes bemerkenswertes Beispiel war für mich in dieser Hinsicht Roman Weidenfeller (die geneigte Leserin weiß vielleicht, dass ich nicht zum engeren Zirkel der Weidenfeller-Sympathisanten zähle) nach dem Champions-League-Finale, und Jürgen Klopp stand ihm darin kaum nach. Völlig überraschend gelang es in der Woche darauf auch einem Protagonisten der hiesigen Abteilung Attacke, Fredi Bobic, dem siegreichen Gegner souverän zu gratulieren und gleichzeitig die starke Leistung der eigenen Mannschaft zu würdigen, dabei sogar ein paar kleine Spitzen zu setzen, ohne aber seinen Freund, den Dampfhammer, auszupacken. Chapeau.

Letztlich waren nach dem Pokalfinale, etwas überraschend, die Siegerinterviews kontroverser, zumindest teilweise. Selbst Philipp Lahm machte zwischen den obligatorischen Streicheleinheiten für seine Frisur dem Interviewpartner erstaunlich deutlich deutlich, dass er keine Lust hatte, sich mit dessen kritischer Analyse zu befassen – wofür ich eine Menge Verständnis habe. Interessant auch, wie scharf Arjen Robben nach wie vor reagiert, wenn er auf die Pfiffe zu Saisonbeginn angesprochen wird. Auch diese offenbar recht tief sitzende Verletztheit verstehe ich sehr gut, obschon ich mir nicht sicher bin, ob es nötig war, den Fans so deutlich ins Stammbuch zu schreiben, dass letztlich nur die Leute für ihn zählen, mit denen er tagtäglich zusammenarbeitet.

Völliges Unverständnis hat indes Karl-Heinz Rummenigges Versuch bei mir ausgelöst, seine hinlänglich dokumentierte 1,8-Promille-Aussage als fehlinterpretiert darzustellen. Kürzlich hatte ich, übrigens auch hier im Einklang mit dem ungewohnt milden (präsidialen?) Fredi Bobic, bereits geschrieben, dass mich jener Satz eher kalt gelassen hat. Rummenigge war im Überschwang, er wollte die Gäste ein bisschen animieren, seine rhetorische Brillanz tat das Übrige, da kommt dann halt auch mal so was raus. Mir recht egal.

Dass er dann aber nicht in der Lage ist, eine Woche später etwas zu sagen wie „Mei, da hab ich mich in meiner Begeisterung ein wenig vergaloppiert, es war halt ein Spruch, nehmen Sie das doch nicht so ernst„, oder meinetwegen auch nur „Ach, jetzt brauchen wir doch nicht die Sprüche von letzter Woche rauskramen„, oder, mein persönlicher Favorit, „Wieso? Wir haben doch Wort gehalten!„, sondern dass er stattdessen ernsthaft versucht, die Zuhörer der Fehlinterpretation zu bezichtigen, empfinde ich als ein wenig beschämend. Ich bitte zu Protokoll zu nehmen, dass ich mir in diesem Moment gewünscht hätte, Franz Beckenbauer an seiner statt am Mikrofon zu sehen.

Zurück zum Spiel? Ach, eher nicht. Es ist alles gesagt. Der VfB stellte sich geschickt an, begann gut, schwächelte dann ein wenig, drohte kurz unterzugehen, rappelte sich auf, brachte die Bayern in Verlegenheit, verlor aber, und ging erhobenen Hauptes vom Feld. Bzw. er tat es nicht, der Enttäuschung wegen, hätte es aber tun können.

Genug. Sähe man sich die gängigen Statistiken an, dürften recht deutliche Ballbesitz-, Ecken- und bestimmt auch Foulwerte zu verzeichnen sein; einzelne weniger weit verbreitete Zahlen finden sich nachfolgend:

Gesprächsminuten mit Manuel Gräfe
1. Bastian Schweinsteiger 31
2. Thorsten Schiffner 12
3. Guido Kleve 11
Mit grimmiger Miene verbrachte Spielminuten
1. Martin Harnik 90
2. Matthias Sammer 55
3. Mario Gomez 29
Direkte Zuspiele zum Gegner
1. Vedad Ibisevic 12 (95 %)
2. Bastian Schweinsteiger 11 (9,5 %)
3. Sven Ulreich 10 (49,5 %)
(Produktive) Kabinettstückchen mit Ball (Gefühlt.)
1. Thomas Müller 7
2. Alexandru Maxim 6
3. Andere 2
Elfmeterreife Vergehen
1. Serdar Tasci 1
2. Ibrahima Traoré 0
3. Jérôme Boateng 0

 

Die Empörung ist dahin

Ende der 90er Jahre empörte mich der FC Bayern München ein wenig. Indem er sich weigerte, Thomas Helmer einen neuen Vertrag zu geben. Jenem Thomas Helmer, dessen verbundene Knie wir noch alles aus Wembley in Erinnerung hatten (was dem FC Bayern egal sein konnte, mir persönlich aber sehr präsent war) und der in den Jahren zuvor ein Garant des Münchner Erfolgs gewesen war, eine verlässliche Führungsfigur. Meine romantische Ader war damals noch recht ausgeprägt.

In den Trennungswochen bis zum Saisonende und in die Sommerpause hinein musste ich bereits dem einen oder anderen Kommentator zustimmen, der den Münchner Verantwortlichen Respekt zollte für ihre Entscheidung, die Leistungen der Vergangenheit außen vor zu lassen, als es darum ging, die aktuelle Leistungsfähigkeit und die kurz- bis mittelfristigen Perspektiven zu bewerten. Vermutlich hatten sie recht: es reichte einfach nicht mehr für ganz oben. Und da wollten sie hin.

Im Lauf der Jahre bin ich abgeklärter geworden. Sah ein, dass manchmal jemand nicht mehr gut genug ist, man aber nicht von den Spielern erwarten kann, ihre Karriere zu beenden – wäre ja noch schöner! Konnte damit umgehen, dass Real Raúl auf seine alten Tage ein wenig umhertingeln ließ. Zuckte kurz, wenn auch ein wenig bedauernd, mit den Schultern, als Dedês Dienste nicht mehr so recht erwünscht waren. Verdrückte bei Pardos Abschied die eine oder andere Träne – nicht ohne gleichzeitig dem neuen starken Mann, Khedira, zu huldigen.

Und hätte auch kein Problem damit gehabt, wenn der VfB dem Helden der Fastabstiegssaison einen schnöden und wenig heroischen Wechsel nahegelegt hätte. Ein Problem habe ich eher jetzt. Dabei mag ich Tamas Hajnal. Sehr sogar. Ich schätze ihn als Typen, nehme ihn als freundlich, sympathisch, engagiert und außerordentlich professionell wahr. Wage zu behaupten, dass der VfB vor zwei Jahren ohne ihn abgestiegen wäre. Unabhängig von Bruno Labbadia. Im Spiel ist auch heute noch zu sehen, dass er immer vorangehen will. Als erster den Sprint anzieht, wenn es darum geht, vorne den Ball zu erobern. Die Bälle fordert, den entscheidenden Pass spielen will. Sich für ein Foul nicht zu schade ist.

Und doch: es reicht nicht. Vielleicht ist er nicht schnell genug, vielleicht hat sich sein Spiel überlebt, vielleicht war er auch nie ein Mann für ganz oben. Oder nur 2009, als er in Dortmund in tragender Rolle Platz 6 erreichte. 2009/10 waren seine Einsatzzeiten schon deutlich geringer, und ansonsten hatte er insbesondere dann überdurchschnittliche Werte erzielt, wenn seine Mannschaft in der zweiten Liga spielte (Kaiserslautern) oder in der Bundesliga unter ferner liefen rangierte (Karlsruhe 2008, Stuttgart 2011).

Im Vorjahr bereitete er, das soll nicht unter den Tisch fallen, beachtliche 10 Treffer vor, und wenn wir ehrlich sind, fragen wir, die wir die meisten Spiele sahen, uns noch heute, wie das passieren konnte. Hatte er sich doch vor allem dadurch ausgezeichnet, dass er das Spiel langsam machte. Doch sei’s drum: ich will auch die letzte Saison noch unter „gelungen“ ablegen. Bei einer Mannschaft, die immerhin – und wenn wir ehrlich sind, fragen wir, die wir die meisten Spiele sahen, uns noch heute, wie das passieren konnte – einen Europapokalplatz errang.

Dieses Jahr war’s noch nichts mit Scorerpunkten. Und keiner fragt sich, wie das passieren konnte. Es erscheint vielmehr als logisches Resultat dessen, was er auf dem Platz bringt. Ungeachtet des Umstands, dass er immer vorangehen will. Als erster den Sprint anzieht, wenn es darum geht, vorne den Ball zu erobern. Die Bälle fordert, den entscheidenden Ball spielen will. Sich für ein Foul nicht zu schade ist. Ohne Effektivität, ohne den einen oder anderen Moment, der nicht einmal genial sein, aber doch zumindest inspiriert wirken muss, ist das nichts.

Tamas Hajnal ist in meinen Augen ein Spieler, der dann ein bisschen besonders sein kann, wenn er Torgefahr kreiert. Für sich selbst oder, ungleich öfter, für andere. Als soliden Mittelfeldarbeiter braucht man ihn nicht zu beschäftigen. Da gibt es andere, bessere, effektivere. Und bestimmt auch jüngere, um kurz den in diesen Zeiten verdammt schlecht ausgeschilderten Stuttgarter Weg zu bemühen. In der laufenden Saison kann ich mich an keinen Torschuss von Hajnal erinnern, bundesliga.de hat deren 4 gezählt. (So viele hat selbst Kvist.)

Natürlich kann ich mir dennoch Argumente vorstellen, ihn im Kader zu behalten. Er ist professionell, pflegeleicht, verlässlich, kann dem einen oder anderen jungen Spieler möglicherweise als Mentor dienen. Man erinnert sich hierzustadte gerne an Markus Babbel (zumindest in diesem Kontext), der in der Meistersaison auf gerade mal zwei Einsätze kam, nachdem er einige Monate zuvor noch vorsichtig  in den Dunstkreis der Nationalmannschaft geredet worden war (ich bin mir sicher: Xavier Naidoo hätte ein Sprüchlein für ihn gefunden): Serdar Tasci war ihm schlichtweg einteilt, und zwar auch dank Babbels Anleitung. Bliebe die Frage, ob Hajnal dazu bereit und in der Lage wäre. Ersteres würde ich, rein aus dem Bauch heraus, klar bejahen, zweiteres mit einem Fragezeichen versehen.

Ich zögere schlichtweg, den zweifellos soliden Bundesligaprofi Hajnal mit Markus Babbel auf eine Stufe zu stellen, der mit reichlich Erfahrung auf höchstem Niveau gesegnet war. Ob Raphael Holzhauser und Daniel Didavi – inwieweit sie als Paradebeispiele für demütige, lernwillige Jungprofis gelten dürfen, sei dahingestellt – von Hajnal in diesem Maße profitieren könnten, kann ich letztlich natürlich nicht seriös beurteilen, ganz im Gegensatz zu den Herren Labbadia und Bobic. Aber ich erlaube mir, es zu bezweifeln. Und gegebenenfalls auf Christian Gentner als Vorturner und Ratgeber zu verweisen.

Letztlich zerbreche ich mir den Kopf ohnehin völlig umsonst. Zum einen ist das Thema durch, der Vertrag verlängert. Zum anderen bezweifle ich, dass die Motivation der erfolgten Vertragsverlängerung die eben angerissene war. Vielmehr gehe ich davon aus, dass Hajnal noch immer als ernsthafte Alternative gilt. Als potenzielles Kreativzentrum quasi. In einem Verein, der unter ferner liefen rangieren will.

Was mich nicht einmal mehr empört.

Rekordhinrunde

Der VfB Stuttgart setzt seine Rekordjagd fort. Nachdem die Schwaben bereits am Mittwoch die alte Bestmarke aus der Saison 1966/67 (zum wiederholten Male) egalisiert hatten, gelang es ihnen durch den Sieg am Wochenende erstmals, in einer einzigen Bundesligahinrunde 9 Punkte gegen die Bayern zu sammeln.

Dies ist insofern umso bemerkenswerter, als die neue Rekordmarke zum einen bereits zwei Spieltage vor Abschluss der Vorrunde erreicht werden konnte, und als zum anderen die Wettbewerber aus dem Freistaat nicht nur Rekordmeister sind, sondern ihrerseits in den ersten 15 Spieltagen bereits 70 Punkte anhäufen konnten.

Angesichts dieser beeindruckenden Bayern-Bilanz ist sicherlich auch die eher zurückhaltende Art und Weise („Videotext-Fußball“), mit der der VfB seine Punkte errang, nicht nur nachvollziehbar, sondern aller Ehren Wert. Einmal mehr zeigte sich am Samstag, dass das Offensivspektakel der letzten Jahre schlichtweg überholt ist. Eine solide Defensive, die sich mit großer Verve bis zur letzten Minute dem vermeintlich übermächtigen bayerischen Gegner in den Weg stellt, und ein guter Stürmer – das reicht. Wie man auch in Bayern weiß.

„Kaum spielt man mal ohne Kvist und Tasci, schon steht hinten die Null“, bemerkte anschließend ein Sympathisant aus dem Umfeld des Vereins, ehe er nochmals einen kritischen Blick auf das Spiel gegen die Bayern vom vergangenen Mittwoch warf:

„Ich hab genau auf die Uhr gesehen: 12 Minuten und 12 Sekunden lang zeigten sie gleichermaßen sehenswerten wie zielgerichteten Fußball, danach aber wirkten sie wie paralysiert. Das reicht nicht.“

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Ja, ich weiß, dass Bundesländer zum Teil mehrere Regionen umfassen.
Kann ich nichts für.

Rote? Gelbe? (Grüne? Blaue?)

Die erste Halbzeit war dann doch eher mau. Lag vielleicht am Spiel unter der Woche, das einige noch in den Köpfen hatten. So war man zwar durchaus feldüberlegen, zwingende Torchancen ergaben sich indes nur sehr selten; vielmehr hätte der Gegner mit seinem ersten ernst zu nehmenden Angriff beinahe die Führung erzielt.

Spaß hatte ich trotzdem. Die Sonne schien, das Fahrradwetter hatte ich genutzt, am Schlienz gab’s eine rote Wurst, und letztlich war es doch nur eine Frage der Zeit, bis die U19 des VfB gegen den Nürnberger Nachwuchs zielstrebiger agieren und das eine oder andere Tor erzielen würde. In der Zwischenzeit begnügte ich mich damit,dem Spiel von Joshua Kimmich zuzusehen. Könnte ich immer wieder stundenlang tun. Und mich nebenbei, auch das in schöner Regelmäßigkeit, mit der Frage beschäftigen, ob Robin Yalcin nicht doch der kleine Bruder von Serdar Tasci ist, oder ein Cousin, oder zumindest ein Bruder im Geiste in Bewegung und Eleganz.

In der 48., 49. und 53. Minute fielen die ersten drei Treffer, am Ende stand’s 5:0. Die VfB-Junioren hatten sich in der Kabine wohl des Spielziels erinnert, der Club-Nachwuchs half ihnen ein wenig. Schön.

Also radelte ich guter Dinge weiter zur Fußballkneipe meines Vertrauens, um den Erwachsenen zuzusehen. Und wurde nicht enttäuscht. Starke Defensivleistung, vorne hätte man sich in der einen oder anderen Situation etwas mehr Übersicht gewünscht, aber letztlich war das sehr ordentlich, und wenn man hinterfragt, wieso der Meister wieder nicht gewonnen hat, dann könnte das auch damit zu tun gehabt haben, dass er auf einen Gegner traf, den man nicht mal eben im Vorbeigehen schlägt. Ging an der einen oder anderen Stelle ein wenig unter, fand ich.

Vor dem Spiel hatte ich mich per Twitter kurz mit BVB-Fan @surfin_bird ausgetauscht, der den VfB, rein von der Aufstellung her, zurückhaltender erwartet hatte:

Meine Antwort, der VfB richte sich nicht nach dem Gegner, lag irgendwo zwischen Überschwang und Übermut, und doch finde ich es gut und richtig, bei seinen Leisten zu bleiben. Man hätte natürlich hinten auch mit einer Dreierkette … ach, vielleicht doch nicht.

Was ich mich aber wirklich frage: Besteht ein Widerspruch zwischen dem Streben, das eigene System durchzuziehen und zu -setzen auf der einen und dem aktuell nicht mehr ganz so laut vernehmbaren – das EM-Halbfinale mag eine Teilschuld daran tragen – Ruf nach einem gegnerabhängigen Matchplan, der zum Teil, man denke an Thomas Tuchels erste Mainzer Saison, teilweise stark variierende Aufstellungen hervorbringt, auf der anderen Seite? Ich glaube nicht. Zumindest keiner, der sich nicht auflösen ließe.

Holzhauser. Kann ich nicht unkommentiert lassen, nachdem ich in den letzten Wochen ja fast ausschließlich über ihn geschrieben hatte. Ich hätte gelb gegeben. Und glaube, besten Gewissens sagen zu können, dass ich dies analog auch so sehen würde, hieße der Übeltäter Sebastian Kehl (Gute Besserung!), Neven Subotic oder, was weiß ich, Max Kruse, Marcel Schäfer, Miroslav Klose, Maik Franz.

Weil ich, und es ist einerseits Zufall, überrascht mich andererseits aber auch nicht, dass Jürgen Klopp da eine im Grundsatz ähnliche Meinung vertritt,  kein Verfechter der Linie bin, wonach ein Treffer mit dem Arm im Luftkampf grundsätzlich rot sein muss, sondern vielmehr, analog zu Schiedsrichter Zwayer, einen bewussten Schlag suche. Und bei Holzhauser nicht fand.

Nun bin ich aber kein Schiedsrichter und kenne erst recht nicht deren Anweisungen, die sich noch dazu – so hieß es zumindest im Sportstudio – im Lauf der letzten Jahre verschiedentlich verändert haben sollen (Nachtrag: Das entsprechende Zitat aus dem Sportstudio habe ich bisher nicht mehr gefunden. Entweder bildete ich es mir komplett ein – was mich ein wenig überraschen würde –, oder es entstammt einer anderen Sportsendung. Zudem widerspricht, wie drüben bei Collinas Erben nachzulesen, ein DFB-Schiedsrichter der Darstellung, die Anweisungen hätten sich verändert.), und vielleicht ist meine Einschätzung einfach objektiv falsch, weil ich die Regeln nicht gut genug kenne. Subjektiv ist aus meiner Sicht gelb ok; ich verstehe indes durchaus, dass und weshalb andere darin eine rote Karte erkennen.

Dass diese Leute dann ihre Rotforderung in Scharen auf Lewandowski und dessen Arm in Niedermeiers Gesicht ausdehnten, kann ich vor diesem Hintergrund ebenfalls nachvollziehen; ich selbst wäre dort mit einem bloßen Foulpfiff zufrieden gewesen, möglicherweise ergänzt um eine gelbe Karte. Ibisevic hätte ich im Übrigen vom Platz gestellt, mindestens mit gelb-rot. Sein Schlag gegen Schmelzer war aus meiner Sicht zwar nicht sonderlich hart, aber bewusst gesetzt.

Dass man all das anders sehen kann, versteht sich von selbst, sagte ich ja auch bereits. Ob man es anders sehen muss, kann ich nicht recht einschätzen – und harre gespannt der Einschätzung von Collinas Erben.

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Nachtrag: Mittlerweile hat sich ein – berufener – Erbe Collinas geäußert, und zu meiner angenehmen Überraschung scheint mein Regelverständnis gar nicht so falsch zu sein. Dass wir bei Holzhauser dennoch zu unterschiedlichen Bewertungen gelangen, liegt nach meinem Verständnis letztlich daran, dass er im Gegensatz zu mir einen Schlag erkennt. Fair enough. Bei Ibisevic sind wir uns allem Anschein nach völlig einig, zu Lewandowski sagt er nichts.
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Die Bewertung von Holzhausers sportlicher Leistung hatte sich meines Erachtens nach der besagten Szene erübrigt. Insofern überraschte es mich ein wenig, dass Bruno Labbadia ihn so lange auf dem Feld ließ – nicht aus Sorge, er könne beim nächsten Foul vom Platz fliegen, dafür ist die Zahl seiner Fouls im Normalfall zu gering, bzw. hatte er, in diesem Fall rein quantitativ gesprochen, sein Soll in Dortmund mit dem einen Foul bereits erfüllt, sondern einfach deshalb, weil er meines Erachtens mit dem Foul aus dem Spiel gefallen war, ungeachtet eines schönen und Gefahr bringenden Doppelpasses, den er noch zustande brachte.

Aber vielleicht dachte der Trainer, dieser nachwuchsfördernde Psychologe, ja auch, dass der Junge da einfach mal durch muss. Bemerkenswerte Randnotiz übrigens, mit welcher Selbstverständlichkeit Sky-Reporter Kai Dittmann die Lesart übernahm und verbreitete, wonach Labbadia der einzige gewesen sei, der zu Saisonbeginn noch an Holzhauser geglaubt habe.

Was ich noch fragen wollte: Wieso zupft Mario Götze so häufig sein Trikot zurecht? Ich kenne das so bisher nur von Frauen, die etwas zu kurze Röcke tragen. Oder von mir, wenn ich das Gefühl habe, aus einem Shirt herausgewachsen zu sein. Dabei bin ich doch meist derjenige, der bei Twitter jenen widerspricht, die Götze unterstellen, nicht durchtrainiert zu sein. Etwas verwirrt: ich.

Ach, und natürlich wüsste ich gern, wer Sven Ulreich geraten hat, als Fürsprecher seiner selbst aufzutreten. Brillante Idee, findet der Bundestrainer bestimmt auch.

Vedo und der Rechenlehrer

Wir erinnern uns: Das Team war recht zuversichtlich in die Saison gestartet, man hatte eine eingespielte, nur punktuell ergänzte Mannschaft, die ersten Pflichtspiele waren erfolgreich verlaufen. Ein erster Nackenschlag war das völlig unnötige 0:1 gegen einen durschschnittlichen Gegner, an dem der sonst so treffsichere Mittelstürmer einen nennenswerten Anteil hatte.

Anschließend war man gegen einen, wenn nicht den Meisterschaftsfavoriten angetreten, hatte gut begonnen, war sogar in Führung gegangen, um sich dann in eine blamable Klatsche zu ergeben. In der Führungsetage kamen Fragen auf.

„Habt ihr mir nicht kürzlich etwas von einer Berliner Schulmeisterschaft erzählt?“

Niemand sagte etwas, denn die Jungen wußten aus Erfahrung, daß der Rektor seinen Zorn stets über das Haupt des Antwortenden allein ausschüttete.

„Ihr könnt Euch wohl nicht mehr erinnern, was?“ fragte Rektor Schulz. „Gut, dann werde ich eurem Gedächtnis nachhelfen. Ihr habt nämlich gesagt, ‚wir werden Berliner Meister‘, so großspurig, daß ich es geglaubt habe. Was war der Lohn für meine Gutgläubigkeit? Man hat mich ausgelacht!“

Er steigerte sich immer mehr in Zorn.

„Jawohl ausgelacht! Gestern war ich bei Herrn Stadtschulrat Schweitzer. Wißt ihr, was der gesagt hat? Die – damit hat er unsere Schule gemeint – werden es nie schaffen. Und dann hat er mir von eurer Blamage erzählt. Neunmal habt ihr gegen die Charlottenburger verloren! Und das unter dem Namen einer Schule, der ich vorstehe und die bisher nur lobend erwähnt wurde! Schämt ihr euch denn gar nicht?“

Völlig erschöpft wischte sich der Rektor den Schweiß von der Stirn.

Heini raffte allen Mut zusammen und erhob sich unaufgefordert.

„Das stimmt nicht ganz, Herr Rektor, wir haben am vergangenen Mittwoch gegen die Charlottenburger wohl verloren, aber nicht neunmal, sondern nur einmal. Der Herr Stadtschulrat wird die Tore mit den Spielen verwechselt haben. Wir haben nämlich das Spiel mit neun Toren verloren. Das ist zwar ein furchtbar schlechtes Ergebnis, aber noch keine endgültige Blamage. Es kommen ja noch Spiele, bei denen wir das wieder gutmachen können. Wir haben damals wirklich nicht übertrieben. Wir sind – wie versprochen – Wilmersdorfer Meister geworden und haben…“

„Augenblick mal“, unterbrach ihn Rektor Schulz, verließ sein Pult und stellte sich vor Heini auf. „Und was war bei dem Spiel gegen die Zehlendorfer? Habt ihr da nicht ebenfalls den Namen eurer Schule in den Schmutz gezogen?“

„Das haben wir nicht, Herr Rektor“, sagte Heini mit Überzeugung, „wir haben zwar 1:0 verloren. Aber mit Anstand. Bei den Zehlendorfern haben wir halt Pech gehabt. Und die Charlottenburger sind ganz ohne Zweifel besser als wir. Aber darum können wir trotzdem noch Berliner Meister werden, wenn…“

Rektor Schulz fiel ihm ein zweites Mal ins Wort.

„Wenn, wenn, wenn! Du kennst ja das Sprichwort: ‚Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wären wir alle schon Millionär!‘ Rede doch nicht so viel um den Brei herum. Ihr werdet nicht Meister. Das ist amtlich. Der Schulrat hat es gesagt. Der versteht doch wohl mehr als ihr!“

„Aber nicht vom Fußball!“*

Da hatte Heini zweifellos recht, auch wenn der Rektor anderer Meinung war. Letztlich fing sich das „Team“ bekanntlich und wurde, wer wüsste es nicht, Berliner Meister, mit einem Präsidenten Rektor an seiner Seite, der zwar keine Ahnung von Fußball hatte, der aber seinen Schützlingen jeden Wunsch von den Augen ablas.

Ach, wenn es doch beim VfB Stuttgart auch so einfach wäre. Ein kurzes Gespräch von Ibisevic mit Konflikttherapeut Rechenlehrer Peters, dann ein gemeinschaftlich ausgerufenes

Elf Freunde müßt ihr sein, wenn ihr Siege wollt erringen„,

und im Handumdrehen stimmen die Abläufe, stimmt die Gruppendynamik, stimmt nach gewissen Anpassungen in der Aufstellung die Balance der Mannschaft wieder, gewinnt die Offensive an Durchschlagskraft und die Hintermannschaft an Stabilität. Der Trainer darf mit zu den Spielen und sich um organisatorische Fragen kümmern.

Dabei, und da stimme ich Bruno Labbadia (der im Übrigen insofern Wort hielt, als die Mannschaft in der Tat für kurze Zeit unerwartet mutig auftrat – und auch dafür belohnt wurde) durchaus zu, schien die Hintermannschaft nach der vergangenen Rückrunde nun wirklich nicht das Problem zu sein, schon gar nicht die Innenverteidigung.

Tasci war gesetzt, Niedermeier und Maza sollen sich in der Vorbereitung auf Augenhöhe (und sie sind beide groß gewachsen) begegnet sein. Nun sah man Tasci, wie er für Thomas Müller Spalier stand, sah Ulreich, wie er den Ball wieder einmal nach vorne abprallen ließ, sah Boka nicht, sah Maza, wie er Okazaki unnötig in Bedrängnis brachte, sah dann Okazaki, wie er diese Bedrängnis augenscheinlich ignorierte, sah weiterhin indiskutable Stock- und sonstige Anfängerfehler bei vermeintlichen Soliditätsgaranten wie Kvist und Sakai, sah Gegentore, die aus einem billigen Ballverlust im Sturm oder gar einem eigenen Eckball entstanden, sah Bayern, die zu fünft gegen zwei auf Ulreich zuliefen, ach, ich will nicht mehr.

Und speziell die drei Tore unmittelbar nach der Pause werfen doch vor allem die eine Frage auf, die ich mir eigentlich nie mehr stellen wollte, nachdem Jürgen Klinsmann Polen verbal durch die Wand gehauen hatte:

Was hat Bruno Labbadia in der Kabine gesagt?

* Aus: Sammy Drechsel, 11 Freunde müßt ihr sein, Stuttgart 1955.

Die Tasci-Kehre und anderer Unfug

Ungeachtet der Informationsebbe der letzten Wochen hat sich die Welt weitergedreht, auch in Cannstatt. Allzu viel habe ich nicht mitbekommen. Sicher, ich weiß, dass man die Mainzer nicht mehr mögen darf, nachdem sie sich in der Ansetzungsposse für den ersten Spieltag nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben, und ich weiß auch, dass die jungen Wilden am Samstag Anschauungsunterricht bei den noch jüngeren Wilden von der U19 nehmen durften, während die alten gar nicht so Zahmen in Falkendings gewannen. History repeating, ist man geneigt zu sagen, und da passt dann auch ins Bild, dass Fredi Bobic bei der Mitgliederversammlung (interessante Erfahrung, direkt im Stadion, auch wenn ich zeitig wieder aufbrechen musste) vom „Erwachsenenfußball“ sprach, der – sinngemäß – höhere Ansprüche stelle als der Juniorenfußball.

Nun glaube ich, mich zu denjenigen zählen zu dürfen, die bereits in den vergangenen Jahre regelmäßig Kritik an den geringen Einsatzzeiten junger Spieler übten, namentlich im Vorjahr insbesondere bei Holzhauser, dem nicht mehr ganz so jungen Gebhart und, kurzzeitig, ehe die Sache anders gelöst wurde, Bernd Leno, und ich zähle ganz gewiss zu denjenigen, die sich sehr darüber ärgern, dass man den Nachwuchs beim Pokalspiel komplett zuhause ließ. Die Aufregung über den Erwachsenenfußball kann ich gleichwohl nicht nachvollziehen, zumindest nicht mit Blick auf die Mitgliederversammlung, wo Fredi Bobic auf mich den Eindruck machte, nach einem passenden Wort zu ringen, um seinen Satz über die nicht ganz trivialen Anforderungen des, äh, wie soll ich denn nun sagen, Seniorenfußballs zu Ende zu bringen. Ich bin sofort dabei, wenn es darum geht, die Situation der jungen Spieler beim VfB zu kritisieren; die hämische Verwendung eines böswillig zu interpretierenden Begriffes ist mir indes unangenehm.

Egal. Nach dem Aufgalopp in Brandenburg geht es nun richtig los. Der Kevin ist in der Stadt und sorgt unter freundlicher Mithilfe von Presse, Funk und Fernsehen dafür, dass es auch jeder mitbekommt. Sei ihm gegönnt. Und am Samstag beginnt die Bundesliga. Zur Champions-League-Uhrzeit, wenn das nichts ist.

In der Sommerpause hatte ich das Vergnügen, mich aushäusig ein bisschen mit dem VfB zu beschäftigen bzw. meine Ansichten kund zu tun. Einerseits zum Verein und seinen Aussichten für die kommende Saison, andererseits mit seinem Kapitän und dessen tödlichem Pass. Oder so ähnlich – im aktuellen Heft des Magazins zur näheren Betrachtung des Fußballspiels („Der tödliche Pass„) darf ich mich relativ ausführlich über Serdar Tasci und ganz konkret die nach ihm benannten Tasci-Kehre auslassen:

„„Nahezu gleichauf sprinteten ein Stürmer und ein Abwehrspieler zum Ball. Dem Verteidiger gelang es, den Angreifer ein wenig nach außen abzudrängen, um sich dann im Hüftumdrehen durch eine formvollendete Tasci-Kehre ein paar Meter Platz zu verschaffen und sich dem eigenen Spielaufbau zu widmen.“

So könnte das dereinst klingen, wenn Serdar Tasci nicht einfach nur Serdar Tasci wäre, sondern einer der ganz Großen des Weltfußballs, dem eine vielleicht nicht exklusiv, zumindest aber besonders häufig und außergewöhnlich behände ausgeführte Aktion zum Markenzeichen wird.

…“

Weiterlesen müsste man im Heft, und irgendwann werde ich mein Beschreibung des Tasci’schen Alleinstellungsmerkmals wohl auch hier veröffentlichen.

Daneben baten mich die 11 Freunde, ein paar Einschätzungen zur bevorstehenden Bundesligasaison unter besonderer Betrachtung des VfB abzugeben, was ich gerne tat. Nebenbei erwähnt: „grand heft liga“ halte ich für einen großartigen Titel. Ob das so ist, weil oder obwohl ich das Spiel nicht kenne, weiß ich nicht.

Naturgemäß fielen einige Antworten dem Rotstift zum Opfer, was mir einen Grund gibt, sie hier noch einmal in epischer Breite aufzuführen:

Die neue Saison wird legendär, weil:
wir wie immer dafür Sorge tragen werden, dass sich die Prophezeiung selbst erfüllt.

Alesia? Ich kenne kein Alesia! Die alte Saison habe ich schon vergessen weil:
… ich in aller Demut beschlossen habe, dass es mir in der neuen Saison egal ist, wo der VfB herkommt. Nehmen Sie dies, Herr Labbadia!

Drei Wünsche frei für die nächste Saison? Hier sind sie:

1. Ein Bundesligaspieler spricht öffentlich über seine Homosexualität.
2. 25 weitere schließen sich fürs Erste an.
3. Mindestens 300 andere Spieler sagen: „Na und?“

Huaaah! Mein größter Albtraum:
Da mittlerweile niemand mehr Christoph Daum als ernsthaften Kandidaten für einen Trainerposten betrachtet, bin ich im Schlaf ziemlich entspannt.

Mein Lieblingsspieler im aktuellen Team ist: 
Martin Harnik. Läuft, trifft und kann sprechen.

Mein Held vergangener Jahre:
Zvonimir Soldo. Lief langsam, traf selten, sprach nur das Nötigste.

Lustigster Fangesang der letzten Saison war:
Alles mit Europapokal. Und am Ende auch noch wahr.

Nie wieder! Was müsste passieren, damit Du nicht mehr ins Stadion gehst?
Wenn die Spieler Schulter- und sonstige Polster trügen, der Ball mit Händen und Schlägern gespielt werden dürfte, das Spiel in vier Viertel mit Nettospielzeit aufgeteilt und Franz Beckenbauer nicht mehr zum Interview gebeten würde, käme ich wohl ins Grübeln.

Auf dieses Auswärtsspiel freue ich mich besonders, weil:
Das der VfB-Amateure bei den endlich wieder drittklassigen Kickers. Steht der Stadt gut zu Gesicht. Hoffe ich.

Unser aktuelles Trikot ist…
… um einen Stern reicher. Schön.

Wenn Kathrin Müller-Hohenstein und Olli Kahn im nächsten Jahr auch die Champions League moderieren, dann…
hätten wir genügend Zeit, auch die verborgenen Schönheiten von Usedom kennenzulernen. Wenn wir nicht die Zum-Anpfiff-Einschaltetechnik weiter verfeinerten.

Wonti, ich komme! Hier ist meine beinharte These für den nächsten Doppelpass:
Der Busfahrer des FC Bayern München hat Schnupfen.

Im Stadion brauche ich nur Wurst, Bier und…
eine Bezahlkarte. Mist, fehlt. Also doch nur Fußball.

Meinem Klub fehlt …
ein Stuttgarter-Weg-Leitsystem.

Diesen Fußball-Twitteraccount habe ich immer im Auge:
Das ist billig. Bei „im Auge“ muss es ja auf den Baade rauslaufen.

Wer verpflichtet in der Winterpause Otto Rehhagel?
Guido Knopp. Um ihn als Nachfolger aufzubauen.

Und wer Rolf Schafstall?
Schwer zu sagen. Aber man hört mitunter, im Osten der Republik genieße er besonders hohe Anerkennung.

Wer klagt sich nach dem Relegationsspiel durch alle Instanzen?
Wie immer: Wolfgang Stark

Die Erste Liga verlässt nach unten…
Augsburg. Gagelmann. Düsseldorf.

Und weil sie grade dabei waren, ein neues Heft zu erstellen, frugen sie auch gleich noch nach Informationen über besonder gute, skurrile oder sonstwie auffällige Ausländer der Vereinsgeschichte. Wenn man das Heft liest, lässt sich erahnen, dass der eine oder andere Gedanke Eingang fand:

Der VfB hatte einige Phasen, in denen er auf dem internationalen Transfermarkt besonders glücklich agierte. Namen wie Sasa Marković oder Srgjan Zaharievski aus den späten 90ern werden hier nach wie vor ebenso voller Hochachtung ausgesprochen wie jene, die kurz nach der Jahrtausendwende die Herzen der Stuttgarter Fans eroberten – bei Namen wie Rui Marques, Centurión oder, etwas später, Carevic schnalzt der gemeine VfB-Fan noch heute mit der Zunge.

Der beste Ausländer im Trikot meines Klubs war … , weil:
Diego Maradona, 1989, nach dem Uefa-Cup-Finale. Weil er der Größte war.

Der schlechteste Ausländer im Trikot meines Klubs war
der, den sie danach in Blackburn sehr treffend mit „Inglourious Basturk“ begrüßten. Selten lagen Anspruch, Gehalt und Wirklichkeit so weit auseinander.

Der unterschätzteste Ausländer im Trikot meines Klubs war
Didi, weil:
Hey, man stelle sich vor, der hätte tatsächlich noch ein Knie gehabt. Hätte ein ganz Großer werden können.

Wir suchen außerdem den skurrilsten ausländischen Profi, der jemals das Trikot Deines Klubs getragen hat. […]
Ganz ehrlich: Anekdoten abseits des Fußballs, auf Weihnachtsfeiern oder meinetwegen auch in Besenkammern interessieren mich nicht allzu sehr.
Wenn man aber den Altvorderen glauben darf (und weshalb sollte ich das nicht tun?), war Buffy Ettmayer als Fußballspieler einer derjenigen, die großen Sport mit großer Unterhaltung zu verbinden wissen.

Und wer war der unbekannteste ausländische Profi im Trikot deines Klubs? […]
Unbekannt eher nicht, eher die Kategorie „Stippvisite“: Jon Dahl Tomasson war da, geht ja gerne mal unter. Aber Jesper Grønkjær? Das kann doch niemand ernsthaft behaupten wollen, oder? Am Ende sagt noch einer, in den letzten Jahren habe ein Weltmeister für den VfB Stuttgart gespielt, einer wie Camoranesi, zum Beispiel. Was für ein Unsinn!

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Wer das Heft und den Saisonplaner lesen möchte, kann das Paket beim Zeitschriftenhändler seines Vertrauens erwerben oder konnte es in einem der beteiligten Blogs (hoffentlich auch seines Vertrauens) gewinnen. So auch hier, wenn auch etwas verspätet. Sie wissen schon: Informationsebbe. Herzlichen Dank an 11 Freunde.

Um zu gewinnen, reicht es, eine der auf dem Titelbild abgebildeten Personen zu benennen (solange Vorrat reicht, also bis drei). Ich selbst kenne sie nicht alle, erwarte gegebenenfalls also gute Indizien. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es geht um dieses Titelbild:

(Selbstverständlich darf auch antworten, wer kein Heft möchte.)

Der Herr im grünen Trikot ist übrigens nicht Arnd Zeigler. Vielleicht bin ich ja auch der einzige, der da eine gewisse Ähnlichkeit zu erkennen glaubt.

Verbalbeurteilung 2012

Im abgelaufenen Jahr waren die Leistungen der Gruppe nicht nur erneut recht wechselhaft; vielmehr gelang es wiederum, durch konzentrierte Leistungen im zweiten Halbjahr ein noch vor wenigen Monaten kaum für möglich gehaltenes Abschlussniveau zu erreichen. Erstmals seit Jahren war es zudem möglich, Kontinuität beim Lehrpersonal zu gewährleisten.*

* Ein Umstand, der anderen Einrichtungen nicht vergönnt war und der sie mitunter zu ungewöhnlichen Lösungen (Pensionäre, Lehrpersonal mit fragwürdiger Ausbildung, Rückgriff auf ehemalige Schützlinge oder freigestellte Ehemalige, …) zwang.

Leider gelang es bei den jüngeren Jahrgängen wie auch bei der Ausbildungskoordination nicht, diese Kontinuität zu gewährleisten, was die Umsetzung des Leitbilds der Einrichtung, insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung der nachrückenden Jahrgänge, erschwert. Eine entsprechend demütige Herangehensweise scheint geboten. Lehrpersonal und Verwaltung werden diesbezüglich auch weiterhin Beispiel gebend wirken.

Sven konnte im Lauf des Jahres mit guten, in Teilbereichen außergewöhnlichen Resultaten nicht nur die Gruppe und das Lehrpersonal von seiner Leistungsfähigkeit überzeugen. Nicht zuletzt dank zahlreicher erfolgreich absolvierter Einzelprüfungen und einer bemerkenswerten linearen Herangehensweise ist Svens Ansehen enorm gestiegen. Gelegentlich wären ihm eine höhere und stärker nach vorne gerichtete Gedankenschnelligkeit sowie ein spielerischer Umgang mit potenziell schwierigen Situationen zu wünschen. Sven erhält einen Preis. Einen hohen.

Arthurs Leistungen ließen zu keinem Zeitpunkt auf ein ernst zu nehmendes Interesse schließen, über den Sommer hinaus in der Einrichtung zu bleiben. Seine zahlreichen Fehlzeiten waren nur selten selbst gewählt, sondern meist durch das Lehrpersonal angeordnet. Angesichts eines möglichen Verbleibs aus sozialen Gründen durfte er zuletzt erneut an einigen Prüfungen teilnehmen, ohne ansprechende Leistungen zu erbringen. Zudem brachte er seinen Kameraden Sven wiederholt durch gegen diesen gerichtete Alleingänge in Bedrängnis.

Cristian gelang es auch im abgelaufenen Jahr nicht, seine teilweise sehr guten Leistungen mit der erwünschten Konstanz zu erbringen. Immer wieder vermischen sich die erfreulich offensiv vorgetragenen positiven Eindrücke mit Situationen, in denen er sich zu leicht in die Defensive drängen lässt und ein wenig den Überblick verliert. Der im Raum stehende Wechsel zu einer ausländischen Einrichtung hängt sicherlich von den Rahmenbedingungen ab, ist jedoch aus Sicht unserer Einrichtung nur bedingt zu empfehlen. Bemerkenswert ist im Übrigen Cristians konsequenter Umgang mit einschlägig bekannten Petzen.

Gotoku stieß im Winter aus einer ausländischen Einrichtung zur Gruppe und sollte aus Sicht der Leitung zunächst einen längeren Integrationskurs durchlaufen, den er aber dank außergewöhnlicher beiderseitiger Anstrengungen und einer ebensolchen Lernwilligkeit rasch abbrechen konnte, um statt dessen an exponierter Position und mit bemerkenswertem Erfolg an zahlreichen Prüfungen teilzunehmen. Im kommenden Jahr wird es, unserem Einrichtungsleitbild widersprechend, auch darum gehen, dass er vergisst, wo er herkommt, und lahme Vergleiche mit Leben füllt. Gotoku erhält ein Lob.

Khalid erbrachte in diesem Jahr verlässlich ansprechende Leistungen und konnte im Gegensatz zu den Vorjahren auch sein Interesse an einem erfolgreichen Abschluss vermitteln – sowohl am eigenen als auch an dem seiner Freunde, die er verschiedentlich vorbereitend unterstützte. Leider reichen seine Leistungen gleichwohl nicht aus, um sein Stipendium fortzuführen.

Stefano erfüllte die auf Basis seiner Vorleistungen angepassten Erwartungen in vollem Umfang. Sehr bemerkenswert ist seine Kompetenz im Bereich der sogenannten neuen Medien, die allerdings mit unserem Profil nur schwer in Einklang zu bringen ist. Gemeinsam mit der Verwaltung kam er einträchtig zu dem Schluss, die Einrichtung zu wechseln.

Antonio durfte im Lauf des Jahres erstmals an einigen Einheiten mitwirken und in einem Fall auch an einer Prüfung teilnehmen, worauf er sehr stolz war. Einem jüngeren Jahrgang entstammend, bereitete ihm dabei der Niveauunterschied noch(?) gewisse Probleme und hinderte ihn mitunter, elegantere Lösungen zu finden. Dabei ist festzustellen, dass auch der Randplatz für seine Integration gewiss nicht förderlich war.

Serdar erbrachte das gesamte Jahr über konstant und zuverlässig gute Leistungen. Erstmals gelang es ihm, sich gänzlich auf Übungseinheiten und Prüfungen zu konzentrieren, zudem hielt er die Fehlzeiten gering. Unaufgeregt trug er, spätestens im Frühjahr auch äußerlich sichtbar, Verantwortung für die Gruppe und konnte bedrohliche Situationen immer wieder mit der ihm eigenen Eleganz lösen. Dass ihm die Teilnahme an einem internationalen Sportfest verwehrt blieb, ist sehr bedauerlich und vermutlich nur einer zum Jahresende hin erlittenen Sportverletzung geschuldet. Serdar erhält einen Preis.

Georg gelang es in einer in diesem Maß unerwarteten Art und Weise – nach einem nicht zufrieden stellenden Vorjahr und einer längeren krankheitsbedingten Abwesenheit –, zum Jahreswechsel hin wieder verlässlich ansprechende Leistungen und entsprechende Prüfungsresultate zu erbringen. Seine Gruppenarbeiten mit Serdar verliefen in der Regel gleichermaßen harmonisch wie ergebnisorientiert. Sehr rasch übernahm er zudem wieder Verantwortung in der und für die Gruppe. Speziell sein häufig unterschätztes Faible für Technik setzte er dabei mitunter recht offensiv ein.

Francisco stieß vor dem abgelaufenen Jahr zur Gruppe und nahm gleich einen frei gewordenen zentralen Platz ein, was ihm die Integration deutlich erleichterte. Seine Leistungen waren von Beginn an solide; einzelne Ausrutscher, die zunächst nicht allzu sehr ins Gewicht fielen, trübten indes schon früh den Gesamteindruck. Dies setzte sich im zweiten Halbjahr nahtlos fort, sodass er nur noch seltener zu Prüfungsleistungen zugelassen werden konnte. Zuletzt handelte es sich offensichtlich um eine Kopfsache.

Matthieu hatte, zunächst krankheitsbedingt, erneut lange Fehlzeiten zu verzeichnen. Beim Versuch, das Versäumte durch Nachhilfestunden mit Jüngeren aufzuholen, schlug er leider über die Stränge und verschuldete damit weitere Fehlzeiten, die er in absehbarer Zeit nicht aufholen kann. Er wechselt daher an eine nahe gelegene traditionsreiche Einrichtung, die ihren regionalen Fokus somit weiter stärkt. Für seine langjährige Mitwirkung in den einschlägigen Gremien erhält Matthieu einen Preis.

William stieß im vergangenen Sommer zur Gruppe und beeindruckte vom ersten Tag an mit kurzen Hosen, Offenheit, Eloquenz, Humor und Ernsthaftigkeit. Speziell im ersten Halbjahr waren seine Prüfungsresultate trotz einiger Regelverstöße außerordentlich gut. Im Frühjahr machte ihm der Niveauunterschied zu seiner alten Einrichtung zeitweise ein wenig zu schaffen, zum Ende hin stabilisierte er sich wieder und nimmt derzeit an einer internationalen Sommeruniversität teil. Seine soziale Kompetenz ist beispielhaft und zeigt sich nicht zuletzt an seinem mitunter auch offensiv zur Schau getragenen Bestreben, den häufig am Rand stehenden Sven in nahezu jede Gruppenarbeit einzubeziehen.

Christian fand sich im abgelaufenen Jahr wesentlich besser zurecht als zuvor. Gerade im Sport zeigte er sich deutlich verbessert, auch unmusikalische Misstöne waren nur noch selten zu vernehmen. Er nahm am Großteil der Prüfungen teil, häufig als Nachrücker, oft mit – gelegentlich auch zählbarem – Erfolg, teilweise aber auch mit schwächeren Ergebnissen, die seiner großen Begabung nicht gerecht werden. Sein Ansehen in der Gruppe ist unverändert hoch; Verlässlichkeit, Engagement und Verantwortungsgefühl sind beispielhaft. Bemerkenswert ist zudem sein zuletzt verschiedentlich unter Beweis gestelltes Gespür für spektakuläre Abschlussprojekte.

Zdravko erzielte im abgelaufenen Jahr eher wechselhafte Ergebnisse, zeigte sich aber in kritischen Situationen einmal mehr punktgenau vorbereitet. Nach wie vor würde man sich wünschen, dass er seine Begabung noch entschlossener und vor allem schneller in entsprechende Prüfungsleistungen ummünzt. Möglicherweise wird er die Einrichtung im Sommer verlassen, um zu einer ausländischen Einrichtung zu wechseln – was mit Blick auf die anstehenden Prüfungen einen herben Verlust darstellen würde. Seinem Wunsch, sich in einem nicht nur internationalen, sondern dem Vernehmen nach auch berechenbareren Umfeld weiterzuentwickeln, trüge die Einrichtungsleitung (nach derzeitiger Quote) wohl dennoch Rechnung.

Mamadou nahm im vergangenen Jahr an sehr wenigen Prüfungen teil, was nur bedingt an Krankheiten oder der Mitwirkung bei einem internationalen Sportfest lag. Vielmehr gelang es schlichtweg nicht, seine Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen. Anlässlich einer Sportprüfung im größtmöglichen Rahmen legte er indes, so der Übungsleiter, in einer kritischen Situation eine bemerkenswerte Ruhe an den Tag. Ein Gespräch ist erwünscht.

Tamas hatte dieses Jahr lange an dem – nicht ganz unerwarteten – Rückschritt nach einem beeindruckenden Vorjahr zu knabbern und konnte erst nach einer langen Phase ungebrochenen Fleißes wieder an einen erfolgreichen Abschluss denken – und auch seine Freunde dabei unterstützen. Ob er eine auch im neuen Jahr nicht unwahrscheinliche ähnliche Entwicklung noch einmal bewältigen könnte, erscheint fraglich. Möglicherweise käme ihm eine Mentorentätigkeit für ein junges Gruppenmitglied eher entgegen.

Raphael durfte, aus einem jüngeren Jahrgang kommend, sowohl an den Übungseinheiten als auch an einzelnen Prüfungen teilnehmen. Die Prüfungsleistungen stellten eine sehr vielversprechende Probe seiner überragenden Begabung dar, in den Übungen indes erwuchsen dem erfahrenen Lehrpersonal, das selbstverständlich nicht aus Idioten besteht, bisweilen Zweifel an seiner Seriosität. Ein Gespräch ist erwünscht. Thema: Haarschnitt.

Martin erzielte im Betrachtungszeitraum noch einmal deutlich verbesserte Prüfungsergebnisse. Dabei entstand phasenweise der Eindruck, dass er selbst in Ansätzen, vor allem aber sein Umfeld den Fokus etwas zu sehr auf seinen erfolgreichen Abschluss legte. Seine Technikaffinität erscheint nach wie vor verbesserungswürdig, seine Kommunikation nicht. Sieht man von einzelnen Reibereien mit seinem Freund Geronimo ab, ist es gleichermaßen wahrscheinlich wie wünschenswert, dass er der Einrichtung auch künftig mit seinem Auftreten zur Ehre gereicht. Martin erhält einen Preis in Form eines langjährigen Stipendiums.

Shinji wirkte in seinem ersten kompletten Jahr bei uns etwas zielstrebiger und arbeitete entschlossener – mitunter zudem sehr sehenswert – auf den Abschluss hin, ohne bereits all seine Potenziale auszuschöpfen. Er erleichterte maßgeblich die Integration seines Freundes Gotoku und machte Fortschritte bei der Ablaufkoordination mit anderen Mitgliedern seiner Arbeitsgruppe. Noch immer scheint indes unklar, ob er seinen Platz in der Gruppe gefunden hat.

Timo konnte sein Niveau aus dem Vorjahr nicht zuletzt deshalb zu keinem Zeitpunkt erreichen, weil er in aller Regel nicht zu den Prüfungen zugelassen wurde. Dies lag zum kleinen Teil an Krankheiten, zum großen Teil an anderen Gründen, die hier auszuführen zu kompliziert wäre. Seien Sie jedoch versichert, dass die Leitung nicht aus Idioten besteht und gute Gründe hatte. Wir beglückwünschen Timo zu seiner Entscheidung, an eine unserer traditionellen Kooperationseinrichtungen zu wechseln, die sich auf die Rehabilitierung begabter Drop-Outs anderer Einrichtungen spezialisiert hat.

Ibrahima durfte in seinem ersten Jahr an unserer Einrichtung anfänglich sehr regelmäßig als Nachrücker an Prüfungsleistungen teilnehmen, ohne dabei die erhofften Resultate erzielen zu können. In der Folge musste er sich lange darauf konzentrieren, im Rahmen angeleiteter Übungsstunden an seinen Defiziten zu arbeiten; krankheitsbedingte Fehlzeiten und ein längerer Heimaturlaub kamen hinzu. Erst ganz am Ende des Betrachtungszeitraumes nahm er nochmals an einigen Prüfungen teil und punktete speziell im Rahmen eines Automobilprojekts. Ein Gespräch ist erwünscht.

Johan konnte krankheitsbedingt das ganze Jahr über nicht mit der Gruppe arbeiten, nachdem bereits im Vorjahr die Übernahme nur auf Probe erfolgt war. Gleichwohl wird er im neuen Jahr noch einmal die Möglichkeit erhalten, sich zu bewähren und die positiven Eindrücke, die er bei seinen allerersten Prüfungsleistungen vermittelt hatte, zu bestätigen.

Julian kehrte im vergangenen Sommer von einem Austauschprogramm zurück, in dessen Verlauf er so schwer erkrankt war, dass er bis zum Winter an keiner Prüfung teilnehmen konnte. Entsprechend schwer fiel ihm die Reintegration – das ganze Jahr über blieb ihm zumeist nur ein Platz am Rand der Gruppe –, entsprechend verbesserungswürdig waren auch die ersten Prüfungsergebnisse. Nach dem Winter stabilisierte er sich etwas, ohne jedoch die Erwartungen erfüllen zu können. Seine Abschlussfokussierung steht indes nicht in Frage, wie er jüngst in einem Geographieprojekt unter Beweis stellte. Das Thema lautete „Westfalen“ und gilt derzeit als sein persönliches Steckenpferd. Ein Gespräch ist unumgänglich.

Geronimo hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Nur 12 von mehr als 30 Prüfungen durfte er vollständig bearbeiten, 13 mal konnte er sich nur als Nachrücker einbringen, mit teilweise überschaubar positiven Ergebnissen. Parallel zu seiner mitunter zu deutlich zur Schau getragenen Unzufriedenheit litt auch sein Ansehen in der Gruppe. Gleichwohl ließ er in seinen Anstrengungen nicht nach und wirkte gerade zum Ende hin in seinem Auftreten wieder zielorientierter. Umso bedauerlicher ist es, dass er, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen, nicht an der Sommeruni teilnehmen darf und so einen weiteren Rückschlag erleidet. Ein Gespräch ist erwünscht.

Vedad kam im Winter an unsere Einrichtung und beeindruckte von Beginn an mit seiner klaren Abschlussorientierung. Erfreulicherweise stellte er seine Vorbereitungsmaßnahmen auch seinen Freunden ausnehmend freigiebig zur Verfügung. Sein bereits nach kürzester Zeit ausgeprägtes Verständnis hiesiger Abläufe erleichterte seine Integration zudem und ermöglichte zielgerichtete Gruppenerarbeiten, insbesondere mit seinem Freund Martin. Vedad erhält ein Lob.

Pavel zeigte sich einmal mehr überaus bemüht und engagiert, ohne allerdings die erhofften Prüfungsergebnisse zu erzielen. Seine schwach ausgeprägte Technikaffinität und die grundsätzlichen Zweifel an seiner Abschlussfähigkeit führten letztlich dazu, dass wir seinen Wunsch, an einer ausländischen Einrichtung eine neue Sprache zu erlernen, beförderten.

Christoph wechselte im Sommer aus einer aufstrebenden Nachbareinrichtung zu uns und durfte im Herbst an einzelnen Prüfungen teilnehmen. Aufgrund der auch im Rahmen der regelmäßigen Übungsstunden gesammelten Eindrücke erscheint fraglich, ob der den Anforderungen gerecht werden kann. Ein Gespräch ist erwünscht.

Bruno begann sein erstes komplettes Jahr mit einer Reihe erfolgreicher Prüfungen, ohne dabei die im Vergleich zum Vorjahr erhofften eleganten Lösungsansätze zu finden. Im weiteren Verlauf ließen zunächst die Ergebnisse deutlich nach, und erst, als seine Jahresprüfungen und damit seine Zukunft in Frage standen, gelang es ihm wieder, die Konzentration auf das Wesentliche zu lenken und das Jahr erfolgreich zu beenden. Seine Herangehensweise wirkt gleichwohl mitunter althergebracht, frischen Lösungsansätzen kann er wenig abgewinnen oder sie gar selbst entwickeln. Seine Orientierung am Einrichtungsleitbild ist vorbildlich, seine Demut im Angesicht des großen Ganzen beispielgebend, sein Festhalten an der eigenen Herkunft mustergültig. Gespräche sind erwünscht.

Fredi machte sich im abgelaufenen Jahr in besonderem Maß um unsere Einrichtung verdient. Trotz geringer Spielräume gelang es ihm in einer koordinierenden Funktion, die Arbeitsgruppen ausgewogen zusammenzustellen und anzuordnen. Vor allem aber übernahm er zahlreiche kommunikative Aufgaben, die somit nicht von der Einrichtungsleitung wahrgenommen werden mussten. Zudem gelang es ihm, die Alumni und den Förderkreis vom Tagesgeschäft zu entlasten. Er machte sich um die stärkere Förderung jüngerer Jahrgänge verdient, indem er neue Mentoren und einen Koordinator gewann. Leider wurden die Pläne, die so geförderten Hochbegabten regelmäßig zu Prüfungsleistungen heranzuziehen, nicht in die Tat umgesetzt – was sowohl bei den jungen Leuten selbst als auch bei den Mentoren als auch im Umfeld zu Verdruss geführt hat. Fredi erhält ein Lob. Gegen den Frust.

Gerd kam im vergangenen Sommer nach langwierigen Aufnahmediskussionen an unsere Einrichtung und verhielt sich zunächst angenehm zurückhaltend. Erst zum Ende des Betrachtungszeitraums verdiente er sich im Bemühen um eine neue Einrichtungsuniform ein Sternchen. An Prüfungen durfte er nicht teilnehmen, andersartige Leistungsnachweise erbrachte er ansonsten nicht. Im Frühjahr zog er die Bedeutung deutscher Dichtkunst in Zweifel, wurde eines Literaturprojekts verwiesen und beleidigte Außenstehende, die sich vorsichtig kritisch zur Einrichtung geäußert hatten. Wie er vor diesem Hintergrund einem Verweis entgehen konnte, ist unergründlich. Gesprächskultur ist erwünscht, ein persönliches Gespräch nicht.