#echtehelden

Mal angenommen, der Torwart der zum gegenwärtigen Zeitpunkt vermutlich besten und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch selbstbewusstesten Mannschaft der Welt kassiert bei einer 3:0-Führung ein Gegentor, dem man mit einer Kategorisierung als „Ehrentreffer“ nach Lage der Dinge nicht unrecht täte. Nehmen wir weiter an, dieser Torwart springt dann mit bemerkenswerter Dynamik nach dem durch das Tor kullernden Ball, um ihn auf keinen Fall dem halbherzig heraneilenden trabenden gegnerischen Angreifer zu überlassen, und fragen uns dann, wie wir das interpretieren sollen.

Ist dieser Torwart einfach nur extrem professionell, quasi ein Führungsspieler, der dem Gegner signalisiert, dass man nicht bereit ist, ihn gewähren zu lassen, ein Leader, der den Mitspielern signalisiert, sich mit dem nötigen Ernst zu wehren? Handelt es sich vielleicht um ein Männlichkeitsritual, eine Reviermarkierung, nach dem Motto: „Ich allein entscheide, wann der Ball mein Tor verlässt“?

Oder ist der Torwart vielleicht überhaupt erst derjenige, der dem Gegner unwillentlich deutlich macht, dass er noch nicht verloren hat oder gar ist, vermittelt er mit seinem im Grunde (und in jedem anderen Fall sich nach einem Gegentor auf den Ball hechtender Torleute) lächerlichen Ball- und Zeitgewinn jenen Anflug eines Zitterns, das der kurz zuvor noch am Debakel schnuppernde Gegner erst als Indiz für eine möglicherweise verbliebene Restchance versteht und das den wankelmütigen Mitspieler in seinem bis dato kaum wahrnehmbaren Zweifel bestärkt?

Nein, nein, ich vertrete nicht ernsthaft die Ansicht, Manuel Neuer sei tatsächlich derjenige, der dem VfB mit seiner zur Schau getragenen Balleroberung im DFB-Pokalfinale wieder Leben eingehaucht habe, und auch nicht, dass seine Mitspieler dieses Zeichen irgendwie gebraucht hätten. Ich finde die Aktion nur bemerkenswert. Ist das ein Reflex? Einfach eine Angewohnheit, sozusagen als Antithese zu dem jugendlichen Helden in Brian Glanvilles „Der Torwart ist eben etwas Besonderes“ (einem Buch, das möglicherweise zurecht niemand kennen dürfte, das ich aber, wie das bei jungen Lesern halt so ist, seit vielen Jahren im Herzen Hinterkopf trage), der sich nach allen Regeln der Kunst vor der Schmach zu drücken sucht, einen Ball aus dem Tornetz holen zu müssen?

Wie auch immer: die Stuttgarter kamen in der Tat zurück, vermutlich neuerunabhängig, und in den Schlussminuten waren sie, nachdem ihr mutiger, zielstrebiger und auch, man höre und staune, meines Erachtens taktisch sehr guter Auftritt der ersten 35 Minuten zu Beginn der zweiten Halbzeit innerhalb weniger Minuten durch zwei ungeschickt verteidigte (wenn auch gut vorgetragene) Aktionen der Bayern vermeintlich wertlos geworden war, recht nah dran, zu Helden zu werden.

Ok, meine Wortwahl wäre das wohl nicht, aber wie ich trotz urlaubsbedingter Medienabstinenz zwischenzeitlich erfuhr, hatte sich das Hashtag #heldenwerden allem Anschein nach zumindest bei Twitter durchgesetzt. Eine Art Motto also, das zwar nicht ganz so schwülstig daherkommt wie die Dortmunder #echteliebe, aber gebraucht hätt’s so was meines Erachtens dann auch nicht. Vielleicht könnte man sich ja zusammentun und im Gedenken an die Erste Allgemeine Verunsicherung #echtehelden intonieren. Da wie dort wie dort gilt: Geschmackssache.

Dass der VfB noch einmal aufkommen konnte, lag naturgemäß in erster Linie an der Münchner Überheblichkeit. Den Gedanken, man könne angesichts der deutlichen Führung seinen Torgaranten auswechseln und die, äh, zweite Reihe ausprobieren, hätte ich gerne noch ein wenig härter bestraft gesehen. Daneben möchte ich, bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Zeilen, Bruno Labbadia ein Lob zollen, und das auch noch doppelt: Okazaki brachte (für mich recht überraschend) tatsächlich nicht nur den viel zitierten frischen Wind, sondern auch Gefahr: seine Beteiligung am Anschlusstreffer kam nicht von ungefähr.

Und dass Gotoku Sakai tatsächlich flanken kann, wenn er mal auf links ran darf, wussten wir zwar alle seit der Vorsaison; umso schöner, dass es nun auch dem Trainer zugetragen wurde – und dass er dem Rechnung trug. Bezeichnend dann allerdings auch Sakais Ecke von rechts. Mit rechts. Ins Toraus. Kurz vor Schluss. Im Pokalfinale.

Abseits rein sportlicher Aspekte haben mir die Finalspiele der letzten beiden Samstage eines ungewohnt deutlich vor Augen geführt: Siegerehrungen sind eine großartige Sache!

Nun mag der eine oder die andere entgegnen, dass dem nur so sei, wenn man die siegreiche Mannschaft unterstütze, oder auch, dass dem nicht einmal dann so sei und dass ich ohnehin ziemliche Sülze von mir gebe. Dem kann ich insofern zustimmen, als ich selbst auch kein großes Vergnügen aus der Übertragung von Siegerehrungen ziehe. Eigentlich. Sie haben aber einen sehr angenehmen Nebeneffekt: jene halbe Stunde, die vom Abpfiff bis zum Ende der Siegerehrung gut und gerne vergeht, gibt allen Beteiligten genügend Zeit, ihr Mütchen ein wenig zu kühlen und dann mit der nötigen Souveränität die Nachberichterstattung anzugehen.

Erstes bemerkenswertes Beispiel war für mich in dieser Hinsicht Roman Weidenfeller (die geneigte Leserin weiß vielleicht, dass ich nicht zum engeren Zirkel der Weidenfeller-Sympathisanten zähle) nach dem Champions-League-Finale, und Jürgen Klopp stand ihm darin kaum nach. Völlig überraschend gelang es in der Woche darauf auch einem Protagonisten der hiesigen Abteilung Attacke, Fredi Bobic, dem siegreichen Gegner souverän zu gratulieren und gleichzeitig die starke Leistung der eigenen Mannschaft zu würdigen, dabei sogar ein paar kleine Spitzen zu setzen, ohne aber seinen Freund, den Dampfhammer, auszupacken. Chapeau.

Letztlich waren nach dem Pokalfinale, etwas überraschend, die Siegerinterviews kontroverser, zumindest teilweise. Selbst Philipp Lahm machte zwischen den obligatorischen Streicheleinheiten für seine Frisur dem Interviewpartner erstaunlich deutlich deutlich, dass er keine Lust hatte, sich mit dessen kritischer Analyse zu befassen – wofür ich eine Menge Verständnis habe. Interessant auch, wie scharf Arjen Robben nach wie vor reagiert, wenn er auf die Pfiffe zu Saisonbeginn angesprochen wird. Auch diese offenbar recht tief sitzende Verletztheit verstehe ich sehr gut, obschon ich mir nicht sicher bin, ob es nötig war, den Fans so deutlich ins Stammbuch zu schreiben, dass letztlich nur die Leute für ihn zählen, mit denen er tagtäglich zusammenarbeitet.

Völliges Unverständnis hat indes Karl-Heinz Rummenigges Versuch bei mir ausgelöst, seine hinlänglich dokumentierte 1,8-Promille-Aussage als fehlinterpretiert darzustellen. Kürzlich hatte ich, übrigens auch hier im Einklang mit dem ungewohnt milden (präsidialen?) Fredi Bobic, bereits geschrieben, dass mich jener Satz eher kalt gelassen hat. Rummenigge war im Überschwang, er wollte die Gäste ein bisschen animieren, seine rhetorische Brillanz tat das Übrige, da kommt dann halt auch mal so was raus. Mir recht egal.

Dass er dann aber nicht in der Lage ist, eine Woche später etwas zu sagen wie „Mei, da hab ich mich in meiner Begeisterung ein wenig vergaloppiert, es war halt ein Spruch, nehmen Sie das doch nicht so ernst„, oder meinetwegen auch nur „Ach, jetzt brauchen wir doch nicht die Sprüche von letzter Woche rauskramen„, oder, mein persönlicher Favorit, „Wieso? Wir haben doch Wort gehalten!„, sondern dass er stattdessen ernsthaft versucht, die Zuhörer der Fehlinterpretation zu bezichtigen, empfinde ich als ein wenig beschämend. Ich bitte zu Protokoll zu nehmen, dass ich mir in diesem Moment gewünscht hätte, Franz Beckenbauer an seiner statt am Mikrofon zu sehen.

Zurück zum Spiel? Ach, eher nicht. Es ist alles gesagt. Der VfB stellte sich geschickt an, begann gut, schwächelte dann ein wenig, drohte kurz unterzugehen, rappelte sich auf, brachte die Bayern in Verlegenheit, verlor aber, und ging erhobenen Hauptes vom Feld. Bzw. er tat es nicht, der Enttäuschung wegen, hätte es aber tun können.

Genug. Sähe man sich die gängigen Statistiken an, dürften recht deutliche Ballbesitz-, Ecken- und bestimmt auch Foulwerte zu verzeichnen sein; einzelne weniger weit verbreitete Zahlen finden sich nachfolgend:

Gesprächsminuten mit Manuel Gräfe
1. Bastian Schweinsteiger 31
2. Thorsten Schiffner 12
3. Guido Kleve 11
Mit grimmiger Miene verbrachte Spielminuten
1. Martin Harnik 90
2. Matthias Sammer 55
3. Mario Gomez 29
Direkte Zuspiele zum Gegner
1. Vedad Ibisevic 12 (95 %)
2. Bastian Schweinsteiger 11 (9,5 %)
3. Sven Ulreich 10 (49,5 %)
(Produktive) Kabinettstückchen mit Ball (Gefühlt.)
1. Thomas Müller 7
2. Alexandru Maxim 6
3. Andere 2
Elfmeterreife Vergehen
1. Serdar Tasci 1
2. Ibrahima Traoré 0
3. Jérôme Boateng 0

 

Plagiattor

Es ist mir ein wenig unangenehm. Fast schäme ich mich meiner Gedanken. Aber es hilft ja nichts, sie waren da. Unvermittelt.

Ich habe zwei Tore miteinander verglichen. Und damit meine ich nicht die beiden von Messi und Maradona. Bei denen sich die Protagonisten in einem Bereich, den man zumindest aus meinem, Verzeihung, Blickwinkel als Augenhöhe bezeichnen könnte, bewegen.

Gleichwohl sprechen wir auch hier, zumindest im einen Fall, von einem recht profilierten Treffer. Oder anders: der eine wurde vor Jahrzehnten auf der ganz großen Bühne erzielt, der andere jüngst beim Neujahrsempfang der grauen Mäuse. Der eine Torschütze lief zehn Meter hinter der Mittellinie los, der andere nur zehn Zentimeter. Der eine wurde ein wenig ernsthaft angegriffen, dem anderen gewährte man Geleitschutz. Der eine war zweifellos ein Weltstar, der andere möchte gern. Der Weltstar marschierte im högschden Tempo durchs Mittelfeld, beim anderen hätte dafür gar keine Notwendigkeit bestanden. Der eine überwand den Torwart in unhaltbarer Art und Weise, der andere überwand den Torwart auch.

Die Unterschiede sind also unverkennbar. Die Parallelen in Ball- und Laufweg indes ebenso. Ballannahme halblinks, an der Mittellinie Tempo aufnehmen, kurzer Haken nach rechts, leicht diagonaler Lauf, Flachschuss aus halbrechter Position, links unten schlägt er ein: Diego kopierte Lothar Matthäus.

Wie ich schon sagt: der Gedanke ist mir unangenehm. Sowas entsteht halt, wenn man sich so ein Spiel ansieht. Fast hätte ich „ansehen muss“ geschrieben. Spaß hat das nämlich wahrlich keinen gemacht, Ballbesitzzahlen hin, „ordentliches Auswärtsspiel“ (Bruno Labbadia) her.

Dann denke ich doch wesentlich lieber über die WM 1990 nach, als über den völlig überraschend aufgetretenen personellen Engpass im Stuttgarter Angriff. Oder gar über die Begründung, weshalb Okazaki sich besser zurechtfinden sollte, wenn er Tamas Hajnal an seiner Seite hat. Oder hinter sich, wie auch immer. Ganz zu schweigen von der nach dem Spiel eröffneten Diskussion um den Wolfsburger Innenverteidiger Felipe Lopes, der den VfB in der Rückrunde verstärken soll.

Keine Ahnung, ob er das kann. Ich mache mir nur (also doch!) Gedanken. Über die Halbwertszeit von Aussagen zu Transferprioritäten. Über die, ganz vorsichtig ausgedrückt, Nasenstüber für Benedikt Röcker und vor allem Antonio Rüdiger. Und ein bisschen auch darüber, ob das Spiel gegen die Bayern die Trainervertragsverlängerungsdiskussion ihrer Dynamik ein wenig berauben könnte.

Vedo und der Rechenlehrer

Wir erinnern uns: Das Team war recht zuversichtlich in die Saison gestartet, man hatte eine eingespielte, nur punktuell ergänzte Mannschaft, die ersten Pflichtspiele waren erfolgreich verlaufen. Ein erster Nackenschlag war das völlig unnötige 0:1 gegen einen durschschnittlichen Gegner, an dem der sonst so treffsichere Mittelstürmer einen nennenswerten Anteil hatte.

Anschließend war man gegen einen, wenn nicht den Meisterschaftsfavoriten angetreten, hatte gut begonnen, war sogar in Führung gegangen, um sich dann in eine blamable Klatsche zu ergeben. In der Führungsetage kamen Fragen auf.

„Habt ihr mir nicht kürzlich etwas von einer Berliner Schulmeisterschaft erzählt?“

Niemand sagte etwas, denn die Jungen wußten aus Erfahrung, daß der Rektor seinen Zorn stets über das Haupt des Antwortenden allein ausschüttete.

„Ihr könnt Euch wohl nicht mehr erinnern, was?“ fragte Rektor Schulz. „Gut, dann werde ich eurem Gedächtnis nachhelfen. Ihr habt nämlich gesagt, ‚wir werden Berliner Meister‘, so großspurig, daß ich es geglaubt habe. Was war der Lohn für meine Gutgläubigkeit? Man hat mich ausgelacht!“

Er steigerte sich immer mehr in Zorn.

„Jawohl ausgelacht! Gestern war ich bei Herrn Stadtschulrat Schweitzer. Wißt ihr, was der gesagt hat? Die – damit hat er unsere Schule gemeint – werden es nie schaffen. Und dann hat er mir von eurer Blamage erzählt. Neunmal habt ihr gegen die Charlottenburger verloren! Und das unter dem Namen einer Schule, der ich vorstehe und die bisher nur lobend erwähnt wurde! Schämt ihr euch denn gar nicht?“

Völlig erschöpft wischte sich der Rektor den Schweiß von der Stirn.

Heini raffte allen Mut zusammen und erhob sich unaufgefordert.

„Das stimmt nicht ganz, Herr Rektor, wir haben am vergangenen Mittwoch gegen die Charlottenburger wohl verloren, aber nicht neunmal, sondern nur einmal. Der Herr Stadtschulrat wird die Tore mit den Spielen verwechselt haben. Wir haben nämlich das Spiel mit neun Toren verloren. Das ist zwar ein furchtbar schlechtes Ergebnis, aber noch keine endgültige Blamage. Es kommen ja noch Spiele, bei denen wir das wieder gutmachen können. Wir haben damals wirklich nicht übertrieben. Wir sind – wie versprochen – Wilmersdorfer Meister geworden und haben…“

„Augenblick mal“, unterbrach ihn Rektor Schulz, verließ sein Pult und stellte sich vor Heini auf. „Und was war bei dem Spiel gegen die Zehlendorfer? Habt ihr da nicht ebenfalls den Namen eurer Schule in den Schmutz gezogen?“

„Das haben wir nicht, Herr Rektor“, sagte Heini mit Überzeugung, „wir haben zwar 1:0 verloren. Aber mit Anstand. Bei den Zehlendorfern haben wir halt Pech gehabt. Und die Charlottenburger sind ganz ohne Zweifel besser als wir. Aber darum können wir trotzdem noch Berliner Meister werden, wenn…“

Rektor Schulz fiel ihm ein zweites Mal ins Wort.

„Wenn, wenn, wenn! Du kennst ja das Sprichwort: ‚Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wären wir alle schon Millionär!‘ Rede doch nicht so viel um den Brei herum. Ihr werdet nicht Meister. Das ist amtlich. Der Schulrat hat es gesagt. Der versteht doch wohl mehr als ihr!“

„Aber nicht vom Fußball!“*

Da hatte Heini zweifellos recht, auch wenn der Rektor anderer Meinung war. Letztlich fing sich das „Team“ bekanntlich und wurde, wer wüsste es nicht, Berliner Meister, mit einem Präsidenten Rektor an seiner Seite, der zwar keine Ahnung von Fußball hatte, der aber seinen Schützlingen jeden Wunsch von den Augen ablas.

Ach, wenn es doch beim VfB Stuttgart auch so einfach wäre. Ein kurzes Gespräch von Ibisevic mit Konflikttherapeut Rechenlehrer Peters, dann ein gemeinschaftlich ausgerufenes

Elf Freunde müßt ihr sein, wenn ihr Siege wollt erringen„,

und im Handumdrehen stimmen die Abläufe, stimmt die Gruppendynamik, stimmt nach gewissen Anpassungen in der Aufstellung die Balance der Mannschaft wieder, gewinnt die Offensive an Durchschlagskraft und die Hintermannschaft an Stabilität. Der Trainer darf mit zu den Spielen und sich um organisatorische Fragen kümmern.

Dabei, und da stimme ich Bruno Labbadia (der im Übrigen insofern Wort hielt, als die Mannschaft in der Tat für kurze Zeit unerwartet mutig auftrat – und auch dafür belohnt wurde) durchaus zu, schien die Hintermannschaft nach der vergangenen Rückrunde nun wirklich nicht das Problem zu sein, schon gar nicht die Innenverteidigung.

Tasci war gesetzt, Niedermeier und Maza sollen sich in der Vorbereitung auf Augenhöhe (und sie sind beide groß gewachsen) begegnet sein. Nun sah man Tasci, wie er für Thomas Müller Spalier stand, sah Ulreich, wie er den Ball wieder einmal nach vorne abprallen ließ, sah Boka nicht, sah Maza, wie er Okazaki unnötig in Bedrängnis brachte, sah dann Okazaki, wie er diese Bedrängnis augenscheinlich ignorierte, sah weiterhin indiskutable Stock- und sonstige Anfängerfehler bei vermeintlichen Soliditätsgaranten wie Kvist und Sakai, sah Gegentore, die aus einem billigen Ballverlust im Sturm oder gar einem eigenen Eckball entstanden, sah Bayern, die zu fünft gegen zwei auf Ulreich zuliefen, ach, ich will nicht mehr.

Und speziell die drei Tore unmittelbar nach der Pause werfen doch vor allem die eine Frage auf, die ich mir eigentlich nie mehr stellen wollte, nachdem Jürgen Klinsmann Polen verbal durch die Wand gehauen hatte:

Was hat Bruno Labbadia in der Kabine gesagt?

* Aus: Sammy Drechsel, 11 Freunde müßt ihr sein, Stuttgart 1955.

Verbalbeurteilung 2012

Im abgelaufenen Jahr waren die Leistungen der Gruppe nicht nur erneut recht wechselhaft; vielmehr gelang es wiederum, durch konzentrierte Leistungen im zweiten Halbjahr ein noch vor wenigen Monaten kaum für möglich gehaltenes Abschlussniveau zu erreichen. Erstmals seit Jahren war es zudem möglich, Kontinuität beim Lehrpersonal zu gewährleisten.*

* Ein Umstand, der anderen Einrichtungen nicht vergönnt war und der sie mitunter zu ungewöhnlichen Lösungen (Pensionäre, Lehrpersonal mit fragwürdiger Ausbildung, Rückgriff auf ehemalige Schützlinge oder freigestellte Ehemalige, …) zwang.

Leider gelang es bei den jüngeren Jahrgängen wie auch bei der Ausbildungskoordination nicht, diese Kontinuität zu gewährleisten, was die Umsetzung des Leitbilds der Einrichtung, insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung der nachrückenden Jahrgänge, erschwert. Eine entsprechend demütige Herangehensweise scheint geboten. Lehrpersonal und Verwaltung werden diesbezüglich auch weiterhin Beispiel gebend wirken.

Sven konnte im Lauf des Jahres mit guten, in Teilbereichen außergewöhnlichen Resultaten nicht nur die Gruppe und das Lehrpersonal von seiner Leistungsfähigkeit überzeugen. Nicht zuletzt dank zahlreicher erfolgreich absolvierter Einzelprüfungen und einer bemerkenswerten linearen Herangehensweise ist Svens Ansehen enorm gestiegen. Gelegentlich wären ihm eine höhere und stärker nach vorne gerichtete Gedankenschnelligkeit sowie ein spielerischer Umgang mit potenziell schwierigen Situationen zu wünschen. Sven erhält einen Preis. Einen hohen.

Arthurs Leistungen ließen zu keinem Zeitpunkt auf ein ernst zu nehmendes Interesse schließen, über den Sommer hinaus in der Einrichtung zu bleiben. Seine zahlreichen Fehlzeiten waren nur selten selbst gewählt, sondern meist durch das Lehrpersonal angeordnet. Angesichts eines möglichen Verbleibs aus sozialen Gründen durfte er zuletzt erneut an einigen Prüfungen teilnehmen, ohne ansprechende Leistungen zu erbringen. Zudem brachte er seinen Kameraden Sven wiederholt durch gegen diesen gerichtete Alleingänge in Bedrängnis.

Cristian gelang es auch im abgelaufenen Jahr nicht, seine teilweise sehr guten Leistungen mit der erwünschten Konstanz zu erbringen. Immer wieder vermischen sich die erfreulich offensiv vorgetragenen positiven Eindrücke mit Situationen, in denen er sich zu leicht in die Defensive drängen lässt und ein wenig den Überblick verliert. Der im Raum stehende Wechsel zu einer ausländischen Einrichtung hängt sicherlich von den Rahmenbedingungen ab, ist jedoch aus Sicht unserer Einrichtung nur bedingt zu empfehlen. Bemerkenswert ist im Übrigen Cristians konsequenter Umgang mit einschlägig bekannten Petzen.

Gotoku stieß im Winter aus einer ausländischen Einrichtung zur Gruppe und sollte aus Sicht der Leitung zunächst einen längeren Integrationskurs durchlaufen, den er aber dank außergewöhnlicher beiderseitiger Anstrengungen und einer ebensolchen Lernwilligkeit rasch abbrechen konnte, um statt dessen an exponierter Position und mit bemerkenswertem Erfolg an zahlreichen Prüfungen teilzunehmen. Im kommenden Jahr wird es, unserem Einrichtungsleitbild widersprechend, auch darum gehen, dass er vergisst, wo er herkommt, und lahme Vergleiche mit Leben füllt. Gotoku erhält ein Lob.

Khalid erbrachte in diesem Jahr verlässlich ansprechende Leistungen und konnte im Gegensatz zu den Vorjahren auch sein Interesse an einem erfolgreichen Abschluss vermitteln – sowohl am eigenen als auch an dem seiner Freunde, die er verschiedentlich vorbereitend unterstützte. Leider reichen seine Leistungen gleichwohl nicht aus, um sein Stipendium fortzuführen.

Stefano erfüllte die auf Basis seiner Vorleistungen angepassten Erwartungen in vollem Umfang. Sehr bemerkenswert ist seine Kompetenz im Bereich der sogenannten neuen Medien, die allerdings mit unserem Profil nur schwer in Einklang zu bringen ist. Gemeinsam mit der Verwaltung kam er einträchtig zu dem Schluss, die Einrichtung zu wechseln.

Antonio durfte im Lauf des Jahres erstmals an einigen Einheiten mitwirken und in einem Fall auch an einer Prüfung teilnehmen, worauf er sehr stolz war. Einem jüngeren Jahrgang entstammend, bereitete ihm dabei der Niveauunterschied noch(?) gewisse Probleme und hinderte ihn mitunter, elegantere Lösungen zu finden. Dabei ist festzustellen, dass auch der Randplatz für seine Integration gewiss nicht förderlich war.

Serdar erbrachte das gesamte Jahr über konstant und zuverlässig gute Leistungen. Erstmals gelang es ihm, sich gänzlich auf Übungseinheiten und Prüfungen zu konzentrieren, zudem hielt er die Fehlzeiten gering. Unaufgeregt trug er, spätestens im Frühjahr auch äußerlich sichtbar, Verantwortung für die Gruppe und konnte bedrohliche Situationen immer wieder mit der ihm eigenen Eleganz lösen. Dass ihm die Teilnahme an einem internationalen Sportfest verwehrt blieb, ist sehr bedauerlich und vermutlich nur einer zum Jahresende hin erlittenen Sportverletzung geschuldet. Serdar erhält einen Preis.

Georg gelang es in einer in diesem Maß unerwarteten Art und Weise – nach einem nicht zufrieden stellenden Vorjahr und einer längeren krankheitsbedingten Abwesenheit –, zum Jahreswechsel hin wieder verlässlich ansprechende Leistungen und entsprechende Prüfungsresultate zu erbringen. Seine Gruppenarbeiten mit Serdar verliefen in der Regel gleichermaßen harmonisch wie ergebnisorientiert. Sehr rasch übernahm er zudem wieder Verantwortung in der und für die Gruppe. Speziell sein häufig unterschätztes Faible für Technik setzte er dabei mitunter recht offensiv ein.

Francisco stieß vor dem abgelaufenen Jahr zur Gruppe und nahm gleich einen frei gewordenen zentralen Platz ein, was ihm die Integration deutlich erleichterte. Seine Leistungen waren von Beginn an solide; einzelne Ausrutscher, die zunächst nicht allzu sehr ins Gewicht fielen, trübten indes schon früh den Gesamteindruck. Dies setzte sich im zweiten Halbjahr nahtlos fort, sodass er nur noch seltener zu Prüfungsleistungen zugelassen werden konnte. Zuletzt handelte es sich offensichtlich um eine Kopfsache.

Matthieu hatte, zunächst krankheitsbedingt, erneut lange Fehlzeiten zu verzeichnen. Beim Versuch, das Versäumte durch Nachhilfestunden mit Jüngeren aufzuholen, schlug er leider über die Stränge und verschuldete damit weitere Fehlzeiten, die er in absehbarer Zeit nicht aufholen kann. Er wechselt daher an eine nahe gelegene traditionsreiche Einrichtung, die ihren regionalen Fokus somit weiter stärkt. Für seine langjährige Mitwirkung in den einschlägigen Gremien erhält Matthieu einen Preis.

William stieß im vergangenen Sommer zur Gruppe und beeindruckte vom ersten Tag an mit kurzen Hosen, Offenheit, Eloquenz, Humor und Ernsthaftigkeit. Speziell im ersten Halbjahr waren seine Prüfungsresultate trotz einiger Regelverstöße außerordentlich gut. Im Frühjahr machte ihm der Niveauunterschied zu seiner alten Einrichtung zeitweise ein wenig zu schaffen, zum Ende hin stabilisierte er sich wieder und nimmt derzeit an einer internationalen Sommeruniversität teil. Seine soziale Kompetenz ist beispielhaft und zeigt sich nicht zuletzt an seinem mitunter auch offensiv zur Schau getragenen Bestreben, den häufig am Rand stehenden Sven in nahezu jede Gruppenarbeit einzubeziehen.

Christian fand sich im abgelaufenen Jahr wesentlich besser zurecht als zuvor. Gerade im Sport zeigte er sich deutlich verbessert, auch unmusikalische Misstöne waren nur noch selten zu vernehmen. Er nahm am Großteil der Prüfungen teil, häufig als Nachrücker, oft mit – gelegentlich auch zählbarem – Erfolg, teilweise aber auch mit schwächeren Ergebnissen, die seiner großen Begabung nicht gerecht werden. Sein Ansehen in der Gruppe ist unverändert hoch; Verlässlichkeit, Engagement und Verantwortungsgefühl sind beispielhaft. Bemerkenswert ist zudem sein zuletzt verschiedentlich unter Beweis gestelltes Gespür für spektakuläre Abschlussprojekte.

Zdravko erzielte im abgelaufenen Jahr eher wechselhafte Ergebnisse, zeigte sich aber in kritischen Situationen einmal mehr punktgenau vorbereitet. Nach wie vor würde man sich wünschen, dass er seine Begabung noch entschlossener und vor allem schneller in entsprechende Prüfungsleistungen ummünzt. Möglicherweise wird er die Einrichtung im Sommer verlassen, um zu einer ausländischen Einrichtung zu wechseln – was mit Blick auf die anstehenden Prüfungen einen herben Verlust darstellen würde. Seinem Wunsch, sich in einem nicht nur internationalen, sondern dem Vernehmen nach auch berechenbareren Umfeld weiterzuentwickeln, trüge die Einrichtungsleitung (nach derzeitiger Quote) wohl dennoch Rechnung.

Mamadou nahm im vergangenen Jahr an sehr wenigen Prüfungen teil, was nur bedingt an Krankheiten oder der Mitwirkung bei einem internationalen Sportfest lag. Vielmehr gelang es schlichtweg nicht, seine Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen. Anlässlich einer Sportprüfung im größtmöglichen Rahmen legte er indes, so der Übungsleiter, in einer kritischen Situation eine bemerkenswerte Ruhe an den Tag. Ein Gespräch ist erwünscht.

Tamas hatte dieses Jahr lange an dem – nicht ganz unerwarteten – Rückschritt nach einem beeindruckenden Vorjahr zu knabbern und konnte erst nach einer langen Phase ungebrochenen Fleißes wieder an einen erfolgreichen Abschluss denken – und auch seine Freunde dabei unterstützen. Ob er eine auch im neuen Jahr nicht unwahrscheinliche ähnliche Entwicklung noch einmal bewältigen könnte, erscheint fraglich. Möglicherweise käme ihm eine Mentorentätigkeit für ein junges Gruppenmitglied eher entgegen.

Raphael durfte, aus einem jüngeren Jahrgang kommend, sowohl an den Übungseinheiten als auch an einzelnen Prüfungen teilnehmen. Die Prüfungsleistungen stellten eine sehr vielversprechende Probe seiner überragenden Begabung dar, in den Übungen indes erwuchsen dem erfahrenen Lehrpersonal, das selbstverständlich nicht aus Idioten besteht, bisweilen Zweifel an seiner Seriosität. Ein Gespräch ist erwünscht. Thema: Haarschnitt.

Martin erzielte im Betrachtungszeitraum noch einmal deutlich verbesserte Prüfungsergebnisse. Dabei entstand phasenweise der Eindruck, dass er selbst in Ansätzen, vor allem aber sein Umfeld den Fokus etwas zu sehr auf seinen erfolgreichen Abschluss legte. Seine Technikaffinität erscheint nach wie vor verbesserungswürdig, seine Kommunikation nicht. Sieht man von einzelnen Reibereien mit seinem Freund Geronimo ab, ist es gleichermaßen wahrscheinlich wie wünschenswert, dass er der Einrichtung auch künftig mit seinem Auftreten zur Ehre gereicht. Martin erhält einen Preis in Form eines langjährigen Stipendiums.

Shinji wirkte in seinem ersten kompletten Jahr bei uns etwas zielstrebiger und arbeitete entschlossener – mitunter zudem sehr sehenswert – auf den Abschluss hin, ohne bereits all seine Potenziale auszuschöpfen. Er erleichterte maßgeblich die Integration seines Freundes Gotoku und machte Fortschritte bei der Ablaufkoordination mit anderen Mitgliedern seiner Arbeitsgruppe. Noch immer scheint indes unklar, ob er seinen Platz in der Gruppe gefunden hat.

Timo konnte sein Niveau aus dem Vorjahr nicht zuletzt deshalb zu keinem Zeitpunkt erreichen, weil er in aller Regel nicht zu den Prüfungen zugelassen wurde. Dies lag zum kleinen Teil an Krankheiten, zum großen Teil an anderen Gründen, die hier auszuführen zu kompliziert wäre. Seien Sie jedoch versichert, dass die Leitung nicht aus Idioten besteht und gute Gründe hatte. Wir beglückwünschen Timo zu seiner Entscheidung, an eine unserer traditionellen Kooperationseinrichtungen zu wechseln, die sich auf die Rehabilitierung begabter Drop-Outs anderer Einrichtungen spezialisiert hat.

Ibrahima durfte in seinem ersten Jahr an unserer Einrichtung anfänglich sehr regelmäßig als Nachrücker an Prüfungsleistungen teilnehmen, ohne dabei die erhofften Resultate erzielen zu können. In der Folge musste er sich lange darauf konzentrieren, im Rahmen angeleiteter Übungsstunden an seinen Defiziten zu arbeiten; krankheitsbedingte Fehlzeiten und ein längerer Heimaturlaub kamen hinzu. Erst ganz am Ende des Betrachtungszeitraumes nahm er nochmals an einigen Prüfungen teil und punktete speziell im Rahmen eines Automobilprojekts. Ein Gespräch ist erwünscht.

Johan konnte krankheitsbedingt das ganze Jahr über nicht mit der Gruppe arbeiten, nachdem bereits im Vorjahr die Übernahme nur auf Probe erfolgt war. Gleichwohl wird er im neuen Jahr noch einmal die Möglichkeit erhalten, sich zu bewähren und die positiven Eindrücke, die er bei seinen allerersten Prüfungsleistungen vermittelt hatte, zu bestätigen.

Julian kehrte im vergangenen Sommer von einem Austauschprogramm zurück, in dessen Verlauf er so schwer erkrankt war, dass er bis zum Winter an keiner Prüfung teilnehmen konnte. Entsprechend schwer fiel ihm die Reintegration – das ganze Jahr über blieb ihm zumeist nur ein Platz am Rand der Gruppe –, entsprechend verbesserungswürdig waren auch die ersten Prüfungsergebnisse. Nach dem Winter stabilisierte er sich etwas, ohne jedoch die Erwartungen erfüllen zu können. Seine Abschlussfokussierung steht indes nicht in Frage, wie er jüngst in einem Geographieprojekt unter Beweis stellte. Das Thema lautete „Westfalen“ und gilt derzeit als sein persönliches Steckenpferd. Ein Gespräch ist unumgänglich.

Geronimo hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Nur 12 von mehr als 30 Prüfungen durfte er vollständig bearbeiten, 13 mal konnte er sich nur als Nachrücker einbringen, mit teilweise überschaubar positiven Ergebnissen. Parallel zu seiner mitunter zu deutlich zur Schau getragenen Unzufriedenheit litt auch sein Ansehen in der Gruppe. Gleichwohl ließ er in seinen Anstrengungen nicht nach und wirkte gerade zum Ende hin in seinem Auftreten wieder zielorientierter. Umso bedauerlicher ist es, dass er, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen, nicht an der Sommeruni teilnehmen darf und so einen weiteren Rückschlag erleidet. Ein Gespräch ist erwünscht.

Vedad kam im Winter an unsere Einrichtung und beeindruckte von Beginn an mit seiner klaren Abschlussorientierung. Erfreulicherweise stellte er seine Vorbereitungsmaßnahmen auch seinen Freunden ausnehmend freigiebig zur Verfügung. Sein bereits nach kürzester Zeit ausgeprägtes Verständnis hiesiger Abläufe erleichterte seine Integration zudem und ermöglichte zielgerichtete Gruppenerarbeiten, insbesondere mit seinem Freund Martin. Vedad erhält ein Lob.

Pavel zeigte sich einmal mehr überaus bemüht und engagiert, ohne allerdings die erhofften Prüfungsergebnisse zu erzielen. Seine schwach ausgeprägte Technikaffinität und die grundsätzlichen Zweifel an seiner Abschlussfähigkeit führten letztlich dazu, dass wir seinen Wunsch, an einer ausländischen Einrichtung eine neue Sprache zu erlernen, beförderten.

Christoph wechselte im Sommer aus einer aufstrebenden Nachbareinrichtung zu uns und durfte im Herbst an einzelnen Prüfungen teilnehmen. Aufgrund der auch im Rahmen der regelmäßigen Übungsstunden gesammelten Eindrücke erscheint fraglich, ob der den Anforderungen gerecht werden kann. Ein Gespräch ist erwünscht.

Bruno begann sein erstes komplettes Jahr mit einer Reihe erfolgreicher Prüfungen, ohne dabei die im Vergleich zum Vorjahr erhofften eleganten Lösungsansätze zu finden. Im weiteren Verlauf ließen zunächst die Ergebnisse deutlich nach, und erst, als seine Jahresprüfungen und damit seine Zukunft in Frage standen, gelang es ihm wieder, die Konzentration auf das Wesentliche zu lenken und das Jahr erfolgreich zu beenden. Seine Herangehensweise wirkt gleichwohl mitunter althergebracht, frischen Lösungsansätzen kann er wenig abgewinnen oder sie gar selbst entwickeln. Seine Orientierung am Einrichtungsleitbild ist vorbildlich, seine Demut im Angesicht des großen Ganzen beispielgebend, sein Festhalten an der eigenen Herkunft mustergültig. Gespräche sind erwünscht.

Fredi machte sich im abgelaufenen Jahr in besonderem Maß um unsere Einrichtung verdient. Trotz geringer Spielräume gelang es ihm in einer koordinierenden Funktion, die Arbeitsgruppen ausgewogen zusammenzustellen und anzuordnen. Vor allem aber übernahm er zahlreiche kommunikative Aufgaben, die somit nicht von der Einrichtungsleitung wahrgenommen werden mussten. Zudem gelang es ihm, die Alumni und den Förderkreis vom Tagesgeschäft zu entlasten. Er machte sich um die stärkere Förderung jüngerer Jahrgänge verdient, indem er neue Mentoren und einen Koordinator gewann. Leider wurden die Pläne, die so geförderten Hochbegabten regelmäßig zu Prüfungsleistungen heranzuziehen, nicht in die Tat umgesetzt – was sowohl bei den jungen Leuten selbst als auch bei den Mentoren als auch im Umfeld zu Verdruss geführt hat. Fredi erhält ein Lob. Gegen den Frust.

Gerd kam im vergangenen Sommer nach langwierigen Aufnahmediskussionen an unsere Einrichtung und verhielt sich zunächst angenehm zurückhaltend. Erst zum Ende des Betrachtungszeitraums verdiente er sich im Bemühen um eine neue Einrichtungsuniform ein Sternchen. An Prüfungen durfte er nicht teilnehmen, andersartige Leistungsnachweise erbrachte er ansonsten nicht. Im Frühjahr zog er die Bedeutung deutscher Dichtkunst in Zweifel, wurde eines Literaturprojekts verwiesen und beleidigte Außenstehende, die sich vorsichtig kritisch zur Einrichtung geäußert hatten. Wie er vor diesem Hintergrund einem Verweis entgehen konnte, ist unergründlich. Gesprächskultur ist erwünscht, ein persönliches Gespräch nicht.

Wieso denn dann nicht Niedermeier?

„Von der ersten Minute an zeigte er sich engagiert, forderte den Ball, beschwerte sich, wenn er ihn nicht bekam, und so kam es nicht einmal unerwartet, dass gerade er derjenige war, der bereits mit seinem dritten oder vierten Ballkontakt und feinem Füßchen Cacau in Szene setzte und so einen Treffer für den VfB einleitete.“

Hätte man sich durchaus vorstellen können, so einen Text, oder auch so einen TV-Kommentar, über den Stuttgarter Debütanten Raphael Holzhauser. Zum einen, weil er den Tatsachen entsprochen hätte, zum anderen, weil eine solche Kommentierung wohl impliziert hätte, dass es noch um etwas gegangen wäre.

Tat es aber nicht. Das Spiel war längst zu Schalker Gunsten entschieden. Und so redete kaum jemand über den jungen Mann. Was vielleicht auch ganz gut ist, sonst würden nicht nur wir unentwegten Nachwuchsforderer, die wir ohnehin jeden seiner Schritte von der Einwechslung bis zum Schlusspfiff mit Argusaugen verfolgten und sehr zufrieden waren, sondern gleich wieder halb Fußballdeutschland und vor allem ganz Fußballösterreich Wunderdinge von ihm erwarten. Also belassen wir es unsererseits bei einem knappen Lob, wohl wissend, dass es nun wahrlich keine allzu große Kunst war, angesichts der Leistungen der Kollegen positiv aufzufallen.

Schön, dass sich der Trainer dem Niveau anpasste und sich nicht entblödete, in Beantwortung der Frage, woran es gelegen habe, auf die offensichtlichste, aber auch billigste aller Antworten hinzuweisen: an den Standards. Da kann die eigene Unfähigkeit, den Ball strukturiert und nach Möglichkeit gar gefährlich nach vorne zu tragen, gerne mal außen vor bleiben, oder die noch eigenere Unfähigkeit, in so einem Spiel den richtigen Impuls von außen zu setzen.

Leider, nein: zum Glück steigt die Torgefahr nicht proportional zur Anzahl der Stürmer, die sich auf dem Platz tummeln. Ganz abgesehen davon, dass weder Cacau noch Pogrebnyak noch Schieber noch Okazaki per se furchteinflößend auf die gegnerische Abwehr wirken, hülfe es möglicherweise, wenn man auch noch jemanden auf dem Feld hätte, der den Ball in Tornähe bringen kann. Zumal dann, wenn mit Tamas Hajnal derjenige, der vor dem Spiel dazu auserkoren worden war, diesem Anspruch ganz offensichtlich nicht gerecht werden konnte. Anstatt nach einer desillusionierenden Leistung (Oder darf man das nicht sagen, wenn man aus Sicht des Trainers im Grunde mehr vom Spiel hatte?) den einzigen auf der Bank verbliebenen Offensivspieler zu bringen, der Ideen hat und sie über kurz oder lang auch umsetzen kann, setzt man nach einer Stunde auf die Brechstange, ohne aber jemanden zu haben, der sie zum Einsatz bringen kann? Da wäre es ja noch kreativer gewesen, wiederum Niedermeier in die Spitze zu stellen und Langholz zu fahren.

Ach, lassen wir’s. Und freuen uns auf Holzhausers nächsten Auftritt. Vielleicht schon bald, wenn wieder einmal mindestens sechs etablierte Spieler nicht zur Verfügung stehen, vielleicht schon am 34. Spieltag, so der Klassenerhalt bis dahin gesichert ist.

Die Haare hat er übrigens auch schön. Privileg der Jugend.

Der Kapitän, der Trainer und die Schieberoption

Das spielte sich ja alles in der entfernten Platzhälfte ab, ich konnte es also gar nicht so ganz genau sehen. Vielleicht war es demnach gar nicht so, dass Cacau relativ früh in der ersten Halbzeit irgendwo im Niemandsland der Kölner Hälfte einen Tick zu spät kam und seinen Gegenspieler am süddeutschen Fuß erwischte. Möglicherweise bilde ich mir nur ein, eine kurze entschuldigende Geste von ihm gesehen zu haben, ehe er bemerkte, dass der Schiedsrichter gepfiffen hatte, und er dementsprechend in den Rumpelstilzchenmodus wechseln musste.

Wie gesagt: ich kann nicht ganz ausschließen, dass besagte einsichtige Geste nur der Entfernung oder meiner blühenden Phantasie geschuldet ist; der aufgeführte Veitstanz, wenn auch in zu diesem Zeitpunkt des Spiels noch gemäßigter Version, war indes sehr real, und letztlich verdeutlichte er mir, dass der Mann schlichtweg nicht anders kann. Dass das was mit Pawlow zu tun hat. Wenn er der Presse erzählt, wie vor einigen Wochen geschehen, dass er sich doch deutlich geändert habe, nicht mehr so, um es in meinen Worten zu sagen, eigensinnig, selbstbezogen oder auch aufbrausend sei, dann bin ich überzeugt, dass er genau das glaubt. Dass er, wenn er die Szenen von außen oder am Fernseher sähe, fragen würde, wer denn diese Person sei, die sich da so unmöglich benehme. Er kann nichts dafür. Vielleicht sollte man ihn davor schützen.

Vermutlich sollte ich hinzufügen, dass ich nicht zu denen gehöre, die ihm jeden Abschluss vorwerfen. Oft genug habe ich schon zum Meckern angesetzt, als er aus aussichtsloser Position einfach mal draufhielt  – und mich Sekundenbruchteile später zum Torjubel zwang. (Und nein, es bedarf nicht der Reminiszenz an Bielefeld in der Meistersaison, um das zu untermauern.) Ich finde es in Ordnung, wenn er auch mal aus spitzem Winkel den Abschluss sucht oder den besser postierten Nebenmann nicht beachtet. Nicht immer, aber manchmal. Wenn aber dazu kommt, wie ebenfalls am Samstag erlebt, dass er Mitspieler zur Schnecke macht, die sich erlauben, aufs Tor zu schießen, obwohl er gar nicht viel schlechter postiert war als sie, dann geht mir der Hut hoch. Unabhängig davon, dass auch Christian Gentner in der zweiten Hälfte nicht allzu gut daran tat, von seiner Wolke aus jeden Ball in Richtung Tor zu pusten. Und unabhängig davon, dass es allen Spielern erlaubt ist, einem Schuss nachzusetzen, anstatt sich über das ausgebliebene Abspiel zu beschweren. Selbst der stets engagierte Martin Harnik hätte da noch Luft nach oben gehabt und mit viel Glück sogar den Angriff unterbinden können, der zum 2:2 führte – aber ich will nicht ausschließen, dass mich da der erste Eindruck, einer gewissen Erregung geschuldet, ein wenig trog.

Im Übrigen bin ich hin- und hergerissen. Ich rechne es Bruno Labbadia hoch an, dass er Julian Schieber ein paar Comebackminuten schenkte. Habe mich auch über dessen Unterstützung aus der Kurve sehr gefreut (wie übrigens auch darüber, dass Teile eben dieser Kurve den Pfiffen bei Cacaus Auswechslung einen kurzen Aufmunterungsgesang für den Kapitän entgegneten). Gleichzeitig aber nagt in meinem Hinterkopf ein wenig die Frage, ob das Spiel anders verlaufen wäre, also besser, wenn der Trainer, anstatt sich die Schieberoption offen zu halten, früher und anders gewechselt hätte. Traoré gebracht und Okazaki nach vorne gestellt, zum Beispiel. Gelegentlich erwische ich mich gar bei dem Gedanken, dass man – im zunehmenden Bewusstsein, selbst bei allem Bemühen kein Tor mehr zu erzielen – einen zusätzlichen defensiven Spieler hätte einbauen können. In diesen schwachen Sekunden fällt mitunter gar der Name Niedermeier.

Und dann vergegenwärtige ich mir ganz schnell, dass ich mich erst vor wenigen Tagen wieder einmal zur Übergangssaison bekannt habe, und implizit dazu, dass der konzeptuelle Ansatz mitunter höher zu bewerten ist als ein oder zwei ermauerte Punkte. Und dann wünsche ich mir in meiner Naivität, dass Labbadia genau deshalb keinen defensiven Spieler gebracht haben möge: weil er nunmehr begonnen hat, alles auf die kommende Saison auszurichten. Weil Julian Schieber sein Mann ist. Weil der VfB dominant auftreten und immer ein 3:1 suchen soll, anstatt ein 2:2 mit deutschen Tugenden zu verteidigen. Weil er in Kauf nimmt, dass man im Überschwang auch mal etwas falsch macht und daraus ganz viel lernt. Egal, ob derjenige nun Schieber oder Okazaki, vielleicht gar Kvist oder demnächst eben Bauer, Hemlein oder Holzhauser heißt. Geht doch eh nur um die goldene Ananas dieses Jahr, schließlich wissen wir alle, wo der VfB herkommt und dass wir uns in Demut üben müssen. Das ist ein Stuttgarter Weg, mit dem ich mich anfreunden kann. Guter Entschluss, Herr Labbadia.

Eine Frage der Zieldefinition

„Wir sind trotz allem auf einem guten Weg.“

So lässt sich Fredi Bobic nach der Niederlage in Bremen in den Stuttgarter Nachrichten zitieren, und man fragt sich, wohin dieser Weg führen soll.

Ich hatte ja das, wie mir viele Leute ungefragt bestätigten, große Glück, das Spiel gegen Augsburg nicht sehen zu können. Unglücklicherweise versäumten diese Leute, mir zu sagen, dass ich auch die Partie in Bremen lieber mit der Familie als in irgendeiner Fußballkneipe verbringen solle. Womit ich nicht diesen Menschen die Schuld geben will. Ich hätte es ja selbst merken können, spätestens in dem Moment, als mir die Fußballkneipe meines Vertrauens recht lapidar eröffnete (mit einem banalen Schildchen, quasi lapidar as lapidar can), dass ihre Pforten bis 17 Uhr geschlossen bleiben würden. Doch anstatt nach Hause zu gehen, brach ich in betriebsame Hektik aus und machte mich mit dem Mitschauer, ebenfalls meines Vertrauens, auf die Suche nach kurzfristig verfügbaren Alternativen. Sind ja schließlich immer spektakuläre Spiele in und gegen Bremen.

Und spektakulär war es. Zumindest in der Phase, als Ulreich allein gegen den Bremer Sturm antrat – also in den ersten 40 Minuten. Halbwegs spektuläre Angriffsaktionen (befördert durch Abwehrfehler, die man fast schon als, tja, spektakulär bezeichnet werden könnte) wurden durch spektakuläre Paraden zunichte gemacht.

Vielleicht hätte Fredi Bobic bei Martin Harnik nachfragen sollen, wie der denn das Spiel gesehen habe („Wenn wir so spielen, müssen wir uns Sorgen machen“), oder gerne auch bei Serdar Tasci („Man sieht, dass wir da oben nichts zu suchen haben“), ehe er von einem „guten Weg“ sprach. Aber vielleicht ist „da oben“ ja auch gar nicht da, wo sein Weg hinführen soll. Vielleicht sollte man einfach nicht vergessen, wo man herkommt. Sich daran erinnern, wo man vor einem Jahr stand, demütig sein.

Sarkasmus hin, Zynismus her: ich bin demütig. Mir ist sehr wohl bewusst, dass man sich in Cannstatt glücklich schätzen darf und muss, diese Saison noch in der Bundesliga zu spielen. Im Grundsatz wäre ich noch immer, wie mehrfach gesagt und geschrieben, zufrieden, wenn der VfB in der ganzen Saison zu keinem Zeitpunkt mit Sorge auf die Abstiegsplätze sehen müsste, könnte mit dem Schlagwort „Übergangssaison“ leben. Allein: eine Übergangssaison zeichnet sich dadurch aus, dass man Weichen stellt. Dass man definiert, wo die Reise hingehen soll, und vor allem wie, und dass sich das auch in der Spielweise andeutet. Finde ich. „Hoffen auf Harnik und Hajnal“ ist nicht das, was ich mir unter einer solchen Spielweise vorstelle.

Ein seriöses Urteil über die Entwicklung der Nachwuchsspieler kann ich mir nach wie vor nicht erlauben, und natürlich weiß ich nicht, welche Eindrücke die Spieler im Training hinterlassen. Aber es erscheint mir nicht richtig, wenn Christoph Hemlein (den ich keineswegs für einen Heilsbringer halte) am Fernseher zusehen muss, wie Pavel Pogrebnyak die (zugegebenermaßen sehr wenigen) Bälle, die er bekommt, nahezu ausnahmslos binnen Sekunden dem Gegner übergibt. Es irritiert mich, dass auch ein angeschlagener Okazaki den Vorzug vor Timo Gebhart erhält, über den man wohlwollend wenigstens sagen könnte, dass der, der viel macht, auch viele Fehler macht.

Es will mir nicht in den Kopf, dass man „auf einem guten Weg“ sein soll, wenn Dinge, die in dieser Saison schon hervorragend funktioniert haben, nunmehr wieder so weit entfernt scheinen. Die Stabilität und Solidität in der Abwehr, nicht zuletzt dank des Zusammenspiels zwischen Tasci und Maza: dahin. Die Effektivität, Souveränität und gelegentlich auch Brillanz im Zentrum, verkörpert von Kvist, Kuzmanovic und Hajnal: perdu. Mutiges Offensivspiel, wie wir es insbesondere gegen Dortmund gesehen haben: Fehlanzeige.

Dabei hat sich Werder gar nicht komplett eingeigelt – dass der VfB dann noch immer, und man möchte fast sagen: traditionell, Schwierigkeiten hat, ist unstrittig, und ist auch eine Herausforderung, die sich möglicherweise nur Zug um Zug angehen und bewältigen lässt. Genauso wenig sind die Bremer eine Übermannschaft, gegen die man nicht aus der eigenen Hälfte herauskommt. Außer natürlich, man ist nicht in der Lage, den Ball über drei, zwei oder auch nur eine Station aus der eigenen Abwehr heraus in die gegnerische Hälfte zu tragen. Dann wird es schwierig, wie wir gestern gesehen haben – in besonderem Maße, aber beileibe nicht nur, bei Kuzmanovic.

Mir wäre nach schwadronieren. Über Boulahrouz‘ (und nicht nur seines) Abwehrverhalten vor dem 1:0. Über Hajnals Kopfball vor dem 2:0, der mich verblüffend an Matthäus‘ Rückpass auf Wörns erinnerte, damals, Sie wissen schon. Nur dass Kvist nicht den Wörns gab, sondern – richtigerweise – zurückzog. Und das Foul Boulahrouz überließ, wofür Naldo dankte. (Eine Frage an möglicherweise anwesende Experten: Aus meiner Sicht war Wolfs Sperren gegen Kvist, der sich aus der Mauer heraus in den Weg werfen wollte, grenzwertig. Vielleicht mehr als das. Abgesehen davon, dass Wolf Kvist einen Gefallen getan haben mag, und dass ich weit davon entfernt bin, am Ergebnis und an Herrn Kinhöfers Leistung herumdeuteln zu wollen: Kann man das abpfeifen? Sollte man das abpfeifen?)

Aber wer weiß? Vielleicht waren die VfB-Spieler ja auch nur abgelenkt ob der historischen Bedeutung dieses 27. November. Vielleicht beschäftigte sich Boulahrouz im Spiel intensiv mit Tunnelbauweisen? Möglicherweise entschied sich Harnik tatsächlich in letzter Sekunde gegen die Kopfvariante? Hatte Bobic bei seinem Interview die ersten Abstimmungsergebnisse im Sinn?

(Verzeihung, ich stehe ein wenig neben mir.)

Hoffenheim, ey – typisch mein Alter!

Man bekommt ja mitunter recht wenig mit von so einem Fußballspiel, wenn man einen Neuling mit ins Stadion nimmt. Kurt Schmidtchen weiß ein Lied davon zu singen, wohl auch so manche regelmäßige Stadiongängerin, die einmal versucht hat, dem fußballerisch unbeleckten Herrn ihres Herzens ihre Leidenschaft für das Spiel nahe zu bringen (und grandios gescheitert ist), und ich selbst hatte das Problem auch schon einmal, wenn auch mit vertauschten Rollen: die junge Dame hatte zwar im Vorfeld ein gewisses Grundinteresse am Fußball bekundet und Vorerfahrungen ins Feld geführt; die Gespräche im Stadion – ich war der einzige Ansprechpartner – boten indes hinreichend Anlass, sowohl an den Vorerfahrungen als auch am Grundinteresse zu zweifeln. Ganz zu schweigen von der Bekleidungskompetenz, was spätestens ab der 30. Minute ein zunächst an sich selbst, später zunehmend eindeutig auch an mich gerichtetes Wehklagen ob der unerwarteten Kälte mit sich brachte. Die sich, aber das ist nur eine kaum fundierte Vermutung meinerseits, ihren Weg durch die hauchdünnen Sohlen gebahnt haben dürfte. Insbesondere am Vorderfuß, aufgrund wesentlich größerer Bodennähe.

Es handelte sich übrigens nicht um die Dame meines Herzens, und auch die vorab möglicherweise latent vorhandene Bereitschaft, in diesem Kontext „noch nicht“ zu denken bzw. Jahre später zu schreiben, nun ja, sie schwand. Interessant übrigens, wie vertraut „Dame meines Herzens“ klingt, während ich oben beim „Herrn ihres Herzens“ zögerte. Wieso ist es völlig normal, eine Dame des Herzens zu haben, während ein Herr des Herzens eher kritisch beäugt wird? Oder geht das nur mir so? Liegt es daran, dass der Herr gleich nach einem Herrscher klingt, den wir mit dem Herzen eher ungern in Verbindung bringen? An den Herren, die nicht zu herzlich wahrgenommen werden wollen? Oder müssen wir eher die Historie bemühen, Rollenverteilungen betrachten, aus denen heraus derlei Redewendungen entstanden oder eben nicht entstanden sind, verzweifelte Minnesänger, die ihr Herz bedingslos an eine Frau verschenkten, ohne ihres je gewinnen zu können? Interessiert keinen? Und keine? Ist außerdem hanebüchen? Ok. Dann halt zurück ins Stadion.

Ins Neckarstadion, um genau zu sein, wo ich am vergangenen Samstag mit einem weiteren Neuling war, und wo ich in der Tat deutlich weniger vom Spiel mitbekam als sonst. Sicher, ich sah die Tore, auch die meisten Torchancen (waren ja nicht so viele), im Grunde alles auf den ersten Blick Wesentliche, weit mehr als das, was man je im Sportstudio erfahren würde; und doch wäre ich nicht in der Lage, die Leistungen einzelner Spieler seriös zu beurteilen. Spiel ohne Ball, Laufwege, Angriffsstrategien, für all das fehlte ein wenig das Auge, phasenweise gar für die unscheinbare Effektivität des William Kvist. Dass Cacau Martin Harnik am Torschuss hinderte, klar, das hab ich gesehen, Pogrebnyaks in der ersten Halbzeit eher glückloses und später belohntes Engagement auch, die Schnelligkeit seiner Bewegungen vor dem 2:0, die für das menschliche Auge, zumindest für das von Isaac Vorsah, schlichtweg nicht zu erfassen waren. Hajnals gedankliche Frische war zu erahnen, Gebharts Stimmungslage ist ohnehin klar, Okazakis Standfestigkeit war erneut unübersehbar und erinnert fast schon an Neven Subotic. Babak Rafati hat sich unverkennbar stets bemüht. Und Christian Gentner war zu kurz auf dem Platz, um Andreas Becks Einschätzung, wonach es in der Bundesliga „nicht viele Spieler [gebe], die so schnell sind wie er“, gemeint war Gentner, glaubhaft nachweislich zu widerlegen. (Aber die Frage, ob alle mir bekannten VfB-Anhänger ein Geschwindigkeitseinschätzungsproblem haben oder ob Herr Beck seinen Beruf nicht ernst genug nimmt, könnte bei Gelegenheit einmal Gegenstand einer Erörterung werden.)

Ich bin mir nicht sicher, ob es meinem Sohn dereinst allzuviel Anerkennung einbringen wird, wenn er die Frage nach seinem ersten Stadionbesuch mit „5 Jahre, natürlich im Neckarstadion, am 15. Oktober 2011, in der neuen Cannstatter Kurve, 2:0 gewonnen, gegen, äh, Hoffenheim“ beantwortet. Da gäbe es wohl Namen mit einem besseren Klang, vermutlich nicht nur nach heutigem Ermessen. Für mich war es gleichwohl ein großartiges Erlebnis. Und ich müsste mich schon schwer täuschen, wenn es für meinen Großen, der manchmal auch mein Kleiner ist, nicht auch so gewesen wäre, auch wenn er lange Zeit nicht allzu viel gesagt hat. Er ist ja nicht so der extrovertierte Typ, und 55.000 Menschen, von denen einige in nächster Nähe rumbrüllen (der auf freundliche Empfehlung eingesteckte Lärmschutz störte und wurde rasch entfernt), können einen schon mal ein wenig schweigsam werden lassen. Zumal die Rechnung, wieviele Plätze denn frei waren, wenn eigentlich 60.000 Leute reinpassen, auch ein wenig Konzentration verlangt. Oder die Frage, woran man denn nun erkenne, welcher Hoffenheimer ein Abwehrspieler sei, und eben kein Mittelfeldspieler oder Stürmer, wo doch alle gleich blau seien, man zur Klärung der Abseitsfrage aber immer den hintersten Abwehrspieler heranziehen müsse (ja, den Sonderfall mit dem Torwart ließ ich weg, den Trend zur Polyvalenz auch). Zudem galt es, die Bedeutung der gelb hinterlegten Namen auf der Anzeigetafel zu klären, und gemeinsam rätselten wir, ob ein des Feldes verwiesener Spieler fortan in rot oder gar nicht mehr in der Aufstellung geführt werde. Die betriebswirtschaftlichen Vorteile von Wechselbanden, deren naturgemäß wechselhafter Charakter mit dem Wunsch nach dem Verbleib einer bestimmten und besonders hübsch animierten Werbung kollidierte, wollten ebenso hinterfragt werden wie die Funktionsweise einer Bezahlkarte, die ich am Samstag erstmals auflud, der unverzichtbaren roten Premierenwurst wegen, und zum Einsatz brachte. Für seine Kinder schmeißt man halt mitunter sämtliche Überzeugungen über Bord (und sieht sie sogleich bestätigt, aber das nur am Rande). War übrigens die Karte des verhinderten Mitstadiongängers – die paar verbliebenen Euro darf er gerne haben, und ich kann weiterhin die Boykottmonstranz vor mir hertragen.

Anhänglich war er, der Sohn. Das freut den Vater, nicht nur, weil er inmitten der Menschenmengen panische Angst hat, den Sohn aus den Augen zu verlieren. Während des Spiels, zugegeben, war diese Anhänglichkeit zeitweise eine körperliche Herausforderung. Wir stehen ja auf Sitzplätzen. Falsch. Früher standen wir auf Sitzplätzen, bzw. auf den Sitzen. Seit einigen Jahren stehen wir vor den hochgeklappten Sitzen. Mein Kleiner (wird er gar nicht so lustig finden, diese Bezeichnung, wenn er das hier dereinst nachliest, was vermutlich nicht der Fall sein wird) stand tatsächlich auf seinem Sitz, und der ganz normal überfürsorgliche Vater musste ihn natürlich darauf hinweisen, dass er mindestens einen Fuß vorne platzieren solle, um ein Kippen zu vermeiden. Mit der Konsequenz, dass er zur Sicherheit erst einmal sitzen wollte. Und nichts sah. Also versprach ich, sowohl seinen Sitz als auch ihn selbst ein wenig zu stützen. Korrekter: ihn zu stützen und den Sitz zu drücken. Nun, wer ein wenig gestützt wird, neigt ja gerne mal dazu, sich mehr und mehr stützen zu lassen. Und dann ist es gar nicht mal so trivial, einen neben sich angebrachten Klappsitz mit dem Knie nach unten zu drücken und gleichzeitig den darauf halb stehenden und versuchsweise mit dem Gesäß hinten anlehnenden jungen Mann mit einem Arm gegen das Nach-Hinten-Fallen abzusichern (Vorsicht, letzte Reihe, nach hinten fällt man anderthalb Meter tief), der sich zudem in einem 60-Grad-Winkel nach links neigt und einem zur Sicherheit anderthalb Arme um den Hals gelegt hat. Hat keiner verstanden, ne? Auf jeden Fall kann man sich so, mit wunderbar eng beieinander liegenden Köpfen, auch bei höherem Lärmpegel vergleichsweise gut unterhalten. Und sich gegenseitig Fangesänge vorsingen, was den Vater in der Zuhörphase ein wenig anfasst. Wer will da schon Fußball schauen?

Erwähnte ich übrigens, dass er – vermutlich ist es doch eher müßig, es zu erwähnen – ein Trikot trug? Eines, das ich 2007 kurz vor der Meisterschaft gekauft hatte. (Ist es unfair, genau an dieser Stelle auf Herrn Wieland zu verweisen, dessen Sohn auch dereinst ein erstes Mal erlebte?) War ihm natürlich viel zu groß, damals, mit anderthalb Jahren, 128 war die kleinste (noch?) verfügbare Größe gewesen, aber wen sollte das bei der Meisterfeier stören? Jetzt passt es. Und ist immer noch groß genug, um den einen oder anderen Pulli drunter zu tragen. Bisschen blöd, das, ich würde ihm doch gerne mal wieder ein neues kaufen. Wobei: vielleicht können wir so das Thema Gazi noch aussitzen, wäre ja auch nicht verkehrt.

Hinterher hat er gesagt, er wolle bald wieder einmal mit, mein Großer. Was will man mehr?

Wechselwegweiser

Wechselwegweiser sind in aller Regel sinnvoll, um Verkehrsflüsse besser zu steuern und Gefahrensituationen zu minimieren. So kennt der gemeine Stuttgarter Stadiongänger, der gelegentlich über die Gaisburger Brücke zum VfB geht, die dortige Praxis, mindestens einen Fahrstreifen vor bzw. nach dem Spiel mal in die eine, mal in die andere Richtung freizugeben.

Ähnliches geschieht beim ÖPNV. Wer an der Stadionhaltestelle in die U11 steigen will, läuft bereits vor dem Bahnsteig auf vier Zugänge zu, die einzeln geöffnet oder geschlossen werden können, um die Fußgängerströme zu kanalisieren und ggf. eine Überfüllung des Bahnsteigs zu verhindern. Am Freitag sah das nach dem Spiel ungefähr so aus:

Symbolbild
Symbolbild, dilettantisch, möglicherweise dennoch hinreichend.

Klare Sache also. Man sieht von weitem, dass drei Eingänge geöffnet sind, und stellt sich entsprechend an. Während man sich einsortiert, nimmt man mit einem Anflug von Irritation zur Kenntnis, dass sich auch ganz links außen eine Schlange bildet. Ok, denkt man zunächst, da grade ohnehin niemand in die Gegenrichtung unterwegs ist, werden sie wohl ganz unbürokratisch auch den vierten Eingang umfunktioniert haben. Sieht man genauer hin, stellt man fest, dass sich besagte linke Schlange deutlich schneller bewegt. Sieht man noch genauer hin, wird deutlich, dass sie sich als einzige bewegt, weil die anderen drei Türen zu sind. Vermutlich werden also die Zugänge kurz geschlossen gehalten, weil der Bahnsteig gerade etwas voll ist.

Man schüttelt den Kopf ob der ganzen besonders Gescheiten, die sich quer durch die drei Schlangen drängeln, um zum linken Zugang zu gelangen, und wartet auf die Durchsage, dass die Fahrgäste sich doch bitte vernünftig verhalten und vor den drei Zugängen warten mögen. Vergeblich. Statt dessen wird die Bewegung nach links eine zunehmend massive, der man sich weder entziehen kann noch – da einen an diesem Abend nur wenig am Ort des Geschehens hält – will. Man wird nach und nach zum Eingang gedrängt und ist zunehmend erbost, links und rechts hört man schon Kommentare, in denen der Ortsname Duisburg fällt, was glücklicherweise weit übertrieben ist, und doch fragt man sich nicht ohne Sorge, was sich die BVGSSB-Knechte dabei denken mögen, wenn sie diese offensichtliche Fehlentwicklung dulden.

Genau diese Frage stellt man dann, möglicherweise in einem Zustand, der mit Seelenruhe nicht ganz treffend beschrieben wäre, den uniformierten Herren auf dem Bahnsteig, um zu erfahren, dass der Bug ein Feature sei. Nicht vom ersten, natürlich, der schweigt nur, aber der zweite Angesprochene gibt relativ freundlich zu verstehen, dass der Bahnsteig überfüllt sei und man den Zugang deshalb so regle. Allem Anschein nach ist ihm überhaupt nicht bewusst, dass die Fahrgäste draußen in die Irre geleitet werden, genau wie seinen Kollegen, die zu glauben scheinen, wir Wutbürger echauffierten uns lediglich über den langsamen Ablauf.

„Was ist denn hier los?“ hören wir in etwas aggressivem Ton von einem hinzu kommenden SSB-Mitarbeiter, und man hat das Gefühl, dass das Ganze ein wenig aus den Fugen geraten könnte. Er bemerkt dann aber doch, dass wir, wiewohl wütend, in erster Linie auf einen bestenfalls kundenunfreundlichen, wohl aber vor allem gefährlichen Missstand hinweisen wollen, sodass er sich doch fürs Zuhören entscheidet. Und uns freundlich darauf hinweist, dass er nicht wisse, wieso die Einsatzleitung das so handhabe. Na dann.

Mittlerweile lässt der Zustrom ein wenig nach, die Gefahr ist wohl gebannt, und anstelle einer Grundsatzdiskussion oder einer Beschwerde an höherer Stelle steigen wir auch in die Bahn. Das heißt, wir täten es, wenn sich nicht je ein SSB-Mitarbeiter vor mehrere geöffnete Türen „unseres“ Wagens stellen und dem Ansturm entgegen stemmen würde, um zu gewährleisten, dass der Wagen zunächst von den anderen Türen her befüllt wird. Und plötzlich denkt man, ohne es zu wollen, möglicherweise ist allein dieser Gedanke ziemlich peinlich, aber so ist es halt, an William Thacker, auch wenn man sich seines Namens – im Gegensatz zu dem von Anna Scott – nicht erinnert: surreal, aber unschön.

Fußball war davor. Ich verzichte nicht auf den billigen Hinweis, dass auch Bruno Labbadia mitunter ein Wechelwegweiser gut täte. Der ihm möglicherweise gesagt hätte, dass es gar nicht so sinnvoll ist, den offensichtlich in abgelaufenen Turnschuhen angetretenen Shinji Okazaki auch nach der Pause noch auf dem Platz zu belassen. Oder er wusste bereits, dass Okazaki in Halbzeit zwei nicht noch einmal in die Situation kommen würde, bei einer gefühlten 7-gegen-2-Kontersituation mit dem Ball am Fuß auszurutschen. Im Zuge eines überflüssigen Dribblings. Vielleicht wusste er natürlich auch, dass Timo Gebhart anstelle von Okazaki nicht sonderlich viel reißen würde – abgesehen von einer sehr sehenswerten Ablage auf Kuzmanovic, natürlich, dessen in jenem Fall (was leider nicht immer zutraf) überlegter Schuss abgewehrt wurde.

Doch der Reihe nach. Was wiederum falsche Erwartungen schüren könnte: keineswegs habe ich vor, das Spiel in Gänze zu kommentieren. Aber so ein Grundgefühl, das würde ich schon gern vermitteln. Ein Grundgefühl, das vor dem Spiel ungefähr so lautete, dass der VfB gegen verunsicherte Hamburger versuchen müsste, ein frühes Tor zu erzielen, um dann, so die in der Kurve dem Vernehmen nach weit verbreitete Meinung, zu einem relativ einfachen Sieg zu kommen.

Gesagt, getan. Harnik traf in der 18. Minute, und zu sagen, die Verunsicherung der zunächst noch forsch aufgetretenen Hamburger sei mit den Händen zu greifen gewesen, wäre weit untertrieben. Dumm nur, dass die Stuttgarter Spieler das auch bemerkten. Der Plan ging also offensichtlich auf, und nun müsste man nur noch nachlegen, dann stünde man auf Platz drei oder so, wie erwartet. Nur noch nachlegen. Tat man aber nicht. Naja, nicht schlimm, es würden sich ja noch weitere Chancen ergeben. Kurzzeitig machte es der HSV dem VfB unheimlich leicht, letztlich zu leicht. So leicht nämlich, dass die Stuttgarter Spieler wohl glaubten, die sich bietenden Möglichkeiten nicht mehr durch konsequent vorgetragenem möglicherweise gar in dieser Form geübte Angriffe nutzen zu müssen, sondern stattdessen die einfache Variante durch die Mitte, gerne auch einmal mit dem Ball am Fuß und dem Kopf unten, wählen zu können. Dass der VfB dennoch zu weiteren Gelegenheiten kam, lag am HSV, der aber irgendwann feststellen durfte, dass die Intensität der VfB-Bemühungen und auch der Glaube an das zweite Tor schwanden.

Schon vor der Pause fand der HSV wieder ins Spiel. Nicht zuletzt Töre, der mich bei jedem Schritt glauben ließ, er trage die Schuhe seines etwa zwei Größen älteren Bruders auf, legte eine Aktivität an den Tag, die man dem einen oder anderen VfB-Nachwuchsspieler auch zutrauen würde, wenn er denn dürfte. Nach dem Wechsel konnte dann niemanden mehr überraschen, dass der VfB die paar Prozent an Konzentration, die er vor der Pause allzu siegessicher herausgenommen hatte, nicht mehr aufbringen konnte. Es entwickelte sich eine Konstellation, über die Martin Harnik später, meines Erachtens zurecht, sagen sollte, dass jemand gefehlt habe, der auch einmal das Tempo herausnähme und den Ball hinten herum spiele. Womit ich nicht sagen will, dass das Spiel zu schnell war. Aber es erinnerte phasenweise an einen Amateurkick, bei dem es zwar hin und her geht, bei dem der Grund dafür aber in erster Linie an blindwütigen Versuchen liegt, die im Ballverlust und häufig in direkten und ebenso wenig durchdachten Gegenangriffen resultieren. Und ein wenig dachte man an die Zeiten zurück, als der englische Fußball allein wegen seines Tempos gepriesen wurde – wozu auch die hohen Bälle passten, die der VfB ab Mitte der zweiten Hälften in die Sturmmitte schlug, die Cacau (1,79) gegen Bruma (1,86) und Rajkovic (1,95) überraschenderweise nur selten behauptete berührte.

Ich werde ein wenig unsachlich. Daher der ganz sachliche Hinweis, dass irgendwann das erste Gegentor aus einer Standardsituation kommen musste. Dass es am Freitag passierte und dass es gleich zwei waren, ist nicht schön, könnte aber auch damit zu tun haben, dass die Hamburger so oft üben durften, weil der VfB einfach zu viele Ecken und Freistöße zuließ. Verursachte trifft es vielleicht besser. Und ebenso sachlich stelle ich fest, dass sich der HSV den Sieg in der zweiten Halbzeit redlich verdient hat. Was Sven Ulreich dazu veranlasste, nach dem Abpfiff wie von der Tarantel gestochen zum Schiedsrichter zu sprinten, erschließt sich mir beim besten Willen nicht, aber das nur ganz am Rande.

Vor der Saison sagte ich, ich sei zufrieden, wenn der VfB diese Saison nie ängstlich auf die Abstiegsplätze schauen müsse. Mit Platz 7 und 6 Punkten auf Vorsprung auf Platz 16 liegt man diesbezüglich im Plan. Zufrieden bin ich dennoch nicht. Weil mehr drin gewesen wäre. Und weil ich mir an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Mut vom Trainer erhofft hatte. Es ist schön, dass die Verträge zahlreicher Nachwuchsspieler vor der Saison verlängert und umgewandelt wurde. Aber so ganz allmählich sollte man doch auch einmal darüber nachdenken können, jemandem ein wenig Spielzeit zu geben. Aber das ist für heute ein zu weites Feld.