Falscher Einwurf!

Möglicherweise sollte ich noch eine Nacht drüber schlafen, ehe ich den hier und jetzt entstehenden Text veröffentliche. Ich hab mich da nämlich ein wenig hinein gesteigert. Vielleicht irgendwann jegliche Objektivität aufgegeben. Oder sagen wir verloren.  Eine knappe halbe Stunde lang blieb ich ruhig, doch dann konnte ich nicht mehr an mich halten. Zu eindeutig war der Mangel an, auch hier, Objektivität und Souveränität, zu offensichtlich die taktische Marschroute, und als schließlich auch noch ein falscher Einwurf dazu kam, platzte mir der Kragen:

„Halt’s Maul, Bartels!“

Danach ging’s mir besser.

Ehe mich jemand darauf anspricht: ja, ich war Herrn Bartels bisher immer gewogen. Die teilweise heftige Kritik an ihm konnte ich nur selten teilen, sein ruhiger Kommentarstil gefiel mir, und ich fand auch nicht, dass er allzu häufig allzu weit daneben lag. Und wenn ich ehrlich bin, lag er auch heute in der Tendenz nicht verkehrt: Nigeria spielte hart, die Schiedsrichterin ließ es zu und pfiff einfach schlecht. Übrigens auch auf der anderen Seite. Doch die Art und Weise, wie er sich echauffierte, wie er der nächsten Fehlentscheidung entgegenfieberte und sie sich dann mit Genugtuung auf der Zunge zergehen ließ, wie er sich nicht entblödete, der Schiedsrichterin tatsächlich auch, scheinbar nonchalant, einen möglicherweise falschen Einwurf bzw. dessen ausbleibende Ahndung vorzuwerfen, ließ mich ein wenig ratlos zurück. Nein, nicht ratlos, wütend.

Im Grunde hätte ich mich ja gern mit ihm über die Leistung der Unparteiischen geärgert, teilweise auch über die Gangart der Nigerianerinnen. Aber irgendwann werde ich halt trotzig. Es ist einfach zu kurz gesprungen, sich so sehr auf diese beiden Aspekte zu kaprizieren, und es reicht für einen Kommentator nicht aus, ein paar Minuten vor Schluss vorsichtig einzuräumen, dass er sich nicht zu sehr über die Schiedsrichterleistung aufregen sollte. So brauchte es also Simone Laudehr, die wenige Minuten nach dem Abpfiff klarstellte, dass man halt manchmal auf die Socken bekommt, wenn man den Ball nicht abspielt. Und vielleicht hätte es auch noch jemanden gebraucht, der anerkennt, dass Nigerias taktische Marschroute mit etwas Glück aufgegangen wäre – was wenige Monate nach einem 0:8 dann doch, nun ja, nicht aller Ehren wert, wenn ich an den Check gegen Alexandra Popp denke, aber eben doch bemerkenswert ist.

Wie auch immer: Deutschland steht im Viertelfinale, und ich bin weiterhin verliebt. In Louisa Necib. Dabei habe ich nur knapp 10 Minuten gesehen. Und irgendwann später die Tore. Aber wie sie den Ball führt, welche Bälle sie spielt, wie souverän sie dabei stets wirkt – großartig. Ich kann diejenigen ein wenig verstehen, die sie mit dem Unvergleichlichen vergleichen.