Tor des Jahres – dann mach's halt ich.

Sie erinnern sich? Sportbloggerbeitrag des Jahres 2011? Genau, das. Zwar haben alle etablierten Medien das Thema längst aufgegriffen und den Sieger umfassend gewürdigt; ich möchte gleichwohl nicht darauf verzichten, hier noch einmal auf den Ergebnistext von Frau Jekylla zu verweisen und den verdienten Siegern vom Blog-G, dem Worum-Blog und Beves Welt herzlich zu gratulieren.

Sie erinnern sich sicherlich auch, wie schön Frau Jekylla die einzelnen Kandidaten kurz vorgestellt hatte? Genau: Jedem wurde eine kurze Würdigung zuteil, ein paar Zeilen, in Sachen Umfang und Euphorie in etwa vergleichbar, und anschließend hatte jede(r) die Freiheit, dem entsprechenden Link zu folgen, um sich den entsprechenden Text in aller Ruhe, Ausführlichkeit und gelegentlich auch Großartigkeit anzusehen.

Derzeit läuft, noch ein knappe Woche lang, eine weitere Publikumswahl, die zum Tor des Jahres. Die ARD-Sportschau wirbt auf ihrer Startseite für die Abstimmung: „Wählen Sie jetzt aus den 12 Toren des Monats DAS Tor des Jahres 2011!“ heißt es da, und in der Tat findet man, wenn man dem entsprechenden Link folgt, eine bebilderte Liste mit 12 Kandidaten, inklusive der Informationen, wann genau und in welchem Spiel das Tor fiel, auch das jeweilige Endergebnis wird nicht verschwiegen.

Wer also ohnehin nur nach Namen abstimmt, oder nach Vereinszugehörigkeit, oder wer auf Basis einer statistischen Auswertung der letzten 25 Tore des Jahres und unter Berücksichtigung der Spielminuten, Endergebnisse und Gegner einen unfehlbaren Algorithmus entwickelt hat, um den diesjährigen Sieger zu prognostizieren, ist genauso auf der sicheren Seite wie all jene, die 2011 keine Minute der Sportschau verpasst haben und jedes einzelne Tor im Kopf abspielen können.

Wer sich indes nicht in einer derart privilegierten Lage befindet, muss sich nach einem ersten kurzen Blick mit einem Würfel oder Ähnlichem behelfen, da die ARD von der besagten Liste aus keine Möglichkeit anbietet, sich nähere Informationen über die12 Tore zu beschaffen. Dass die einzelnen Tore online in bewegten Bildern anzusehen sein würden, war aufgrund der rechtlichen Situation leider nicht zu erwarten, ein Hinweis auf Sendezeiten, zu denen man die Auswahl im Fernsehen kann, wohl ein zu optimistischer Gedanke, und grade, als man über ein entspanntes „Dann halt nicht, Ihr Lieben“ nachdenkt, klickt man eher zufällig auf den Navigationspunkt „Chronik„, und siehe da: eine weitere, diesmal mit Links hinterlegte Liste bietet alle Kandidaten zum, genau, Nachlesen. Immerhin.

Alle? Naja, fast alle. Alle außer zweien, um genau zu sein. Die Torschützen der Monate Juni, Lukas Scepanik, und Dezember, Christian Clemens, beide vom 1. FC Köln, fielen durch irgendein mir nicht näher bekanntes Raster und müssen sich mit den bekannten Basisdaten zufrieden geben.

Irgendwie unschön, denkt sich der geneigte Leser, und wer wie ich das Glück hat, ein eigenes Blog mit Inhalten aller Art befüllen zu dürfen, kommt dann schon mal auf die brillante Idee, den beiden jungen Herren Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen und Ihnen eine kurze Torschilderung zu widmen. Was insofern nicht so einfach ist, als die Sportschau nicht nur ihren eigenen Stil hat, sondern auch in der Darstellung der zehn anderen Tore bzw. Torschützen stark variiert. So erfährt man über Sascha Röslers Augusttreffer recht wenig – abgesehen davon, dass es sich um einen Fallrückzieher handelte, was für sich genommen bereits mehrere Hunderttausend Stimmen garantieren dürfte – und umso mehr über die historische Dimension dieses Treffers für Fortuna Düsseldorf und die Tordesmonatsahnengalerie, während sich im Januar bei Paul Kosenkow medienwirtschaftliche Ausführungen mit ein wenig Familienklatsch und der Schilderung des Tores die Waage halten, und der Fokus beim Märztorschützen Marcel Schuhen komplett auf der Entstehung des Tores liegt.

Genug der Vorrede:

Juni 2011

Lukas Scepanik (U17 1. FC Köln) am 5. Juni 2011 im Finale der Deutschen Meisterschaft der B-Jugendlichen 1. Fc Köln – Werder Bremen in der 85. Minute zum 3:2 Endstand.

Ein klassischer Mischling. In der ersten Phase weckt der Treffer des jungen Kölners Erinnerungen an das Jahrhunderttor von Diego Maradona und dessen Kopie durch Lionel Messi: Hinter der Mittellinie kommt der Linksfuß in halbrechter Position an den Ball, spielt den ersten Gegenspieler gekonnt aus und nimmt zunehmend Fahrt auf. Nachdem er jedoch den zweiten Gegner überlaufen hat, löst er sich vom historischen Vorbild und erinnert vielmehr an Lothar Matthäus‘ unwiderstehlichen Lauf durch das jugoslawische Mittelfeld, den er ebenso beeindruckend abschließt wie der spätere Weltfußballer, wenn auch etwas spektakulärer.

 

Dezember 2011

Christian Clemens (1. FC Köln) am 10. Dezember 2011 im Bundesliga-Spiel 1. FC Köln – SC Freiburg in der 66. Minute zum 3:0 Endstand 4:0

Außergewöhnliche Tore brauchen außergewöhnliche Spieler und mitunter ein wenig Schlitzohrigkeit – und wenn sie nur darin besteht, sich die entscheidenden Zentimeter zu verschaffen, indem man den Ball wie Christian Clemens außerhalb der Eckballmarkierung platziert. Clemens war 2011 nicht nur der zweite Torschütze des Monats, der direkt vom Eckstoßpunkt aus traf – ausgerechnet gegen Schusters Mannschaftskollegen Oliver Baumann, möchte man sagen –, sondern er war zudem gleich der vierte junge Kölner. Nehmen Sie sich in Acht, Herr Podolski, da erwächst dem TdM-Rekordschützen Konkurrenz im eigenen Verein!

Oder aber man schaut sich alle Vorschläge einfach als Video an und dankt Herrn @freitagsspiel.

Disclosure: Ich habe noch nie an der Wahl zum Tor des Jahres teilgenommen und werde es auch diesmal nicht tun.

Wahlaufruf

Ein gutes neues Jahr erstmal.

Irgendwie hatte ich es versäumt, mich hier anständig in die Weihnachtspause zu verabschieden. Falls sich also jemand hierher verirrt haben sollte, beispielsweise nach dem Pokalspaziergang gegen den HSV, kann ich es zwar nicht ändern und werde mich auch gewiss nicht dafür entschuldigen, mich nicht dazu geäußert zu haben. Aber es wäre wohl ein freundlicher Service meinerseits gewesen, hier wenn schon keine Weihnachtsgrüße, so doch einen Hinweis auf die bis über den Dreikönigstag angedachte Offlinephase zu hinterlassen, wie ich es drüben bei Twitter zumindest ansatzweise tat.

Wie auch immer: ich bin wieder hier und war nie wirklich weg und so. Anders als die großartige Frau Jekylla. Die ist zwar ebenfalls wieder hier, aber sie war zwischendurch durchaus wirklich weg. Mo-na-te-lang. Ursprünglich sollte es zwar für immer sein, oder so ähnlich, aber das hatte ja damals schon niemand ernst genommen. Mittlerweile ist sie seit einigen Wochen wieder da, vielleicht sogar daer als zuvor, und hat sich über Weihnachten kurzfristig bereit erklärt, die diesjährige Wahl zum Sportbloggerbeitrag des Jahres zu beherbergen.

Die Wahl war dereinst in Jürgen Kalwas damaliger American Arena, die heute in ganz anderem Licht erstrahlt, ins Leben gerufen worde, darbte dann ein Weilchen und wurde im Vorjahr unter dem Dach des Sportbloggernetzwerks in den Räumen von Trainer Baade wiederbelebt.

Nun finden sich also bei Frau Jekylla erneut 11 zum Teil grandiose Beiträge, die gelesen und in Form einer simplen Abstimmung gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Ich würde gerne in eine allgemeine Lobhudelei verfallen, laufe dann aber aufgrund des Umstands, dass auch einer meiner Texte auf die Shortlist gesetzt wurde (im Lauf des Jahres waren im Sportbloggernetzwerks kontinuierlich Beiträge in eine längere Liste aufgenommen worden, die eine kleine und hoch kompetente Jury aus den Reihen des Netzwerks „zwischen den Jahren“ kürzte), Gefahr, des Eigenlobs verdächtig zu werden.

Die Auswahl ist natürlich wie immer eine sehr subjektive, und viele (mich auch) mag es irritieren, dass beispielsweise Fitzelkönig Catenaccio, der Rotebrauseblogger, die Textilvergeherinnen und-vergeher oder zahlreiche andere von der jeweiligen Leserin besonders geschätzte Blogs nicht vertreten sind. Gleichzeitig bin ich gleichermaßen begeistert von den ausgewählten Texten (also von den anderen zehn, klar) wie erfreut ob der Qualität und Vielzahl der im Lauf des Jahres nominierten Kandidaten (und die Liste war gewiss nicht einmal ansatzweise vollständig), dass ich die Auswahl letztlich als eine begreife, bei der es, je nach gewünschter Darstellung, keinen Falschen hätte treffen können oder eben immer die Falschen getroffen hätte.

Versteht keiner? Egal. Hier geht’s lang.