Aufstellungspokerface und mehr

Tja. War doch eigentlich ein schöner Gedanke gewesen, erst einmal Herrn @yellowled zu zitieren:

Und dann würde ich fragen, ob es denn einen Wert an sich darstelle, alle zu verarschen, wo’s doch eigentlich nur darum geht, ein oder mehr Tore mehr zu schießen als die anderen. Ich würde hinzufügen, mir sei klar, dass der geschätzte Herr @yellowled das auch gar nicht behauptet habe, es aber doch irgendwie mitschwinge, und man sich dann eben an dunkle Zeiten erinnere, in denen man das Gefühl gehabt habe, auch der derzeitige hiesige Bundestrainer sehe eine, wenn nicht die zentrale Herausforderung darin, die heimische Presse und vielleicht en passant auch den Gegner mit der eigenen Aufstellung zu überraschen.

Möglicherweise würde ich einen Schlenker zur Lichtgestalt fahren und auf 1990 verweise, als im Halbfinale gegen England die beiden Kleinen hineinrotierten – ohne dass man damals schon von einer Rotation gesprochen hätte –, von denen einer ungeachtet des Erfolges dann auch wieder hinausrutschte. Vermutlich ginge ich dann zu jenem Aspekt über, dass die Verarsche nicht auf die Aufstellung per se beschränkt sei, sondern auch in individuellen Rollen bestehen könne, die so aus der Aufstellung gar nicht herauszulesen seien. Man denke an Hidegkuti, damals, dessen wahre Position der Legende zufolge nur der große Herberger entschlüsselte, oder an Kroos, der bei der EM 2012 überraschend als Manndecker für Pirlo auflief.

Und dann, so der Gedanke, würde ich direkt zu Veh überleiten, der ja gegen Augsburg ebenfalls ins Klo griff mit der einen oder anderen Überraschung aufwartete. Verzeihung, ins Klo griff er nicht, das ließ sich ja, im Gegenteil, ganz anständig an, auch wenn Ginczek noch nicht allzu viel Gefahr verströmte, auch wenn Hlousek die linke Seite nicht gleich zum Bollwerk machte, Leitner das Offensivspiel nicht revolutionierte und Schwaab einfach nur so spielte wie ein Innenverteidiger war, der außen spielen muss. Dennoch: war ok. Und lief dann halt doch so ganz anders, nachdem die Herren Schwaab, Altintop und Kinhöfer in einem unglücklichen Gemeinschaftswerk nachgerade zinnbaueresk all unsere Erwartungen und Eindrücke komplett über den Haufen geschmissen hatten.

Irgendwie würde ich dann noch einbauen, dass es auch Mannschaften gab und vermutlich immer noch gibt, die einfach qua Qualität, System, Stabilität, Taktik und/oder sonst was ihre Gegner jederzeit in Schach halten, dominieren, zumindest aber schlagen, auch ohne Aufstellungsverarsche. Einschränkend würde ich auf den aktuellen FC Bayern verweisen, der sein Gegenüber trotz ohnehin in vielerlei Hinsicht gegebener Überlegenheit immer wieder aufs Neue zu überraschen versteht, indem er entscheidende Nuancen verändert, wenn man dem über die Maßen begeisterten Philippe Auclair im jüngsten Football-Weekly-Podcast Glauben schenken darf, und welchen Grund hätte ich, der ich das Spiel in Manchester nicht sah, an seinen Worten zu zweifeln?

All das hätte ich also vielleicht geschrieben, wiewohl ohne den Champions-League-Schlenker, der eine Zeitreise erfordert hätte, wenn nicht, ja wenn nicht Armin Veh noch eine weitere Überraschung aus dem Hut gezaubert hätte, die Joe Zinnbauer dann doch vergleichsweise vorhersehbar aussehen ließ. Gewiss, ich höre Euch, die Ihr mir sagt, dass das doch sehr wohl zu Vehs früheren Abgängen passe, unter Verweis auf Rostock, den HSV, die Frankfurter Eintracht, wenn auch in den letztgenannten Fällen weniger abrupt, und überhaupt und sowieso, aber Hand aufs Herz: jedem, der mir glaubwürdig versichern kann, zum jetzigen Zeitpunkt mit Vehs Rücktritt gerechnet zu haben, gebe ich bei nächster Gelegenheit eine Stadionwurst inklusive Kaltgetränk aus. Geschlechtsunabhängig, übrigens.

Dass ich Vehs Rücktritt bedaure, dürften regelmäßige Mitlesende erahnen, oder Menschen, die noch vor zehn Tagen meine Widerrede erlebten, als eine Freundin die klare Meinung vertrat, der Trainer müsse weg. Noch dazu eine Freundin, die sonst nicht für derlei Forderungen bekannt ist, aber das nur nebenbei.

Gleichzeitig ist klar, dass mein Bedauern ganz wesentlich mit der Wertschätzung der Person Armin Veh zu tun hat, mit seiner zur Schau getragenen Unabhängigkeit, seinem Trotz, seinem Ihr-könnt-mich-mal. Sportlich gab’s gar nicht so viele Argumente, wenn man davon absieht, und das tue ich ungern, dass es ihm zumindest gelang, der Mannschaft im Lauf der Saison wieder ein bisschen mehr Tempo einzuimpfen, auch ein bisschen mehr Zug nach vorn. Will sagen: die Richtung stimmte, wiewohl ein bisschen mäandernd, die Entwicklungsgeschwindigkeit stockte indes immer wieder merklich.

Nun denn. Heute diskutieren wir also darüber, wie Huub Stevens aufstellen wird, und wahrscheinlich wird er uns alle verarschen: und wenn dies nur dadurch geschieht, dass er gar kein Kaninchen aus dem Hut zaubert.

Irgendjemand schrieb in dieser Woche, man ersetze den einen Kauz durch einen anderen Kauz, und obschon ich bei dem Begriff immer Catweazle vor Augen habe, der rein äußerlich wahrlich wenig mit dem Styler Veh gemein hat und mit dem man auch Stevens nicht gerecht würde, zeigte sich doch schon anhand der Torwart-Diskussion (… isch abe gar keine Handschuhe), einmal mehr, dass auch Stevens seinen eigenen Kopf und Humor hat. Und dass zumindest in meiner Wahrnehmung der Weg vom trockenen Witz zum aufgesetzten, lahmen Running „Gag“ ein kurzer ist.

Was nichts daran ändert, dass ich die Entscheidung des Vereins für Stevens nachvollziehen kann. Und an meiner Überzeugung, dass sich der VfB mit Stevens recht rasch aus der Abstiegszone herausbewegen wird. Über alles andere denken wir ein anderes Mal nach, nicht wahr?

 

Eine Frage der Zieldefinition

„Wir sind trotz allem auf einem guten Weg.“

So lässt sich Fredi Bobic nach der Niederlage in Bremen in den Stuttgarter Nachrichten zitieren, und man fragt sich, wohin dieser Weg führen soll.

Ich hatte ja das, wie mir viele Leute ungefragt bestätigten, große Glück, das Spiel gegen Augsburg nicht sehen zu können. Unglücklicherweise versäumten diese Leute, mir zu sagen, dass ich auch die Partie in Bremen lieber mit der Familie als in irgendeiner Fußballkneipe verbringen solle. Womit ich nicht diesen Menschen die Schuld geben will. Ich hätte es ja selbst merken können, spätestens in dem Moment, als mir die Fußballkneipe meines Vertrauens recht lapidar eröffnete (mit einem banalen Schildchen, quasi lapidar as lapidar can), dass ihre Pforten bis 17 Uhr geschlossen bleiben würden. Doch anstatt nach Hause zu gehen, brach ich in betriebsame Hektik aus und machte mich mit dem Mitschauer, ebenfalls meines Vertrauens, auf die Suche nach kurzfristig verfügbaren Alternativen. Sind ja schließlich immer spektakuläre Spiele in und gegen Bremen.

Und spektakulär war es. Zumindest in der Phase, als Ulreich allein gegen den Bremer Sturm antrat – also in den ersten 40 Minuten. Halbwegs spektuläre Angriffsaktionen (befördert durch Abwehrfehler, die man fast schon als, tja, spektakulär bezeichnet werden könnte) wurden durch spektakuläre Paraden zunichte gemacht.

Vielleicht hätte Fredi Bobic bei Martin Harnik nachfragen sollen, wie der denn das Spiel gesehen habe („Wenn wir so spielen, müssen wir uns Sorgen machen“), oder gerne auch bei Serdar Tasci („Man sieht, dass wir da oben nichts zu suchen haben“), ehe er von einem „guten Weg“ sprach. Aber vielleicht ist „da oben“ ja auch gar nicht da, wo sein Weg hinführen soll. Vielleicht sollte man einfach nicht vergessen, wo man herkommt. Sich daran erinnern, wo man vor einem Jahr stand, demütig sein.

Sarkasmus hin, Zynismus her: ich bin demütig. Mir ist sehr wohl bewusst, dass man sich in Cannstatt glücklich schätzen darf und muss, diese Saison noch in der Bundesliga zu spielen. Im Grundsatz wäre ich noch immer, wie mehrfach gesagt und geschrieben, zufrieden, wenn der VfB in der ganzen Saison zu keinem Zeitpunkt mit Sorge auf die Abstiegsplätze sehen müsste, könnte mit dem Schlagwort „Übergangssaison“ leben. Allein: eine Übergangssaison zeichnet sich dadurch aus, dass man Weichen stellt. Dass man definiert, wo die Reise hingehen soll, und vor allem wie, und dass sich das auch in der Spielweise andeutet. Finde ich. „Hoffen auf Harnik und Hajnal“ ist nicht das, was ich mir unter einer solchen Spielweise vorstelle.

Ein seriöses Urteil über die Entwicklung der Nachwuchsspieler kann ich mir nach wie vor nicht erlauben, und natürlich weiß ich nicht, welche Eindrücke die Spieler im Training hinterlassen. Aber es erscheint mir nicht richtig, wenn Christoph Hemlein (den ich keineswegs für einen Heilsbringer halte) am Fernseher zusehen muss, wie Pavel Pogrebnyak die (zugegebenermaßen sehr wenigen) Bälle, die er bekommt, nahezu ausnahmslos binnen Sekunden dem Gegner übergibt. Es irritiert mich, dass auch ein angeschlagener Okazaki den Vorzug vor Timo Gebhart erhält, über den man wohlwollend wenigstens sagen könnte, dass der, der viel macht, auch viele Fehler macht.

Es will mir nicht in den Kopf, dass man „auf einem guten Weg“ sein soll, wenn Dinge, die in dieser Saison schon hervorragend funktioniert haben, nunmehr wieder so weit entfernt scheinen. Die Stabilität und Solidität in der Abwehr, nicht zuletzt dank des Zusammenspiels zwischen Tasci und Maza: dahin. Die Effektivität, Souveränität und gelegentlich auch Brillanz im Zentrum, verkörpert von Kvist, Kuzmanovic und Hajnal: perdu. Mutiges Offensivspiel, wie wir es insbesondere gegen Dortmund gesehen haben: Fehlanzeige.

Dabei hat sich Werder gar nicht komplett eingeigelt – dass der VfB dann noch immer, und man möchte fast sagen: traditionell, Schwierigkeiten hat, ist unstrittig, und ist auch eine Herausforderung, die sich möglicherweise nur Zug um Zug angehen und bewältigen lässt. Genauso wenig sind die Bremer eine Übermannschaft, gegen die man nicht aus der eigenen Hälfte herauskommt. Außer natürlich, man ist nicht in der Lage, den Ball über drei, zwei oder auch nur eine Station aus der eigenen Abwehr heraus in die gegnerische Hälfte zu tragen. Dann wird es schwierig, wie wir gestern gesehen haben – in besonderem Maße, aber beileibe nicht nur, bei Kuzmanovic.

Mir wäre nach schwadronieren. Über Boulahrouz‘ (und nicht nur seines) Abwehrverhalten vor dem 1:0. Über Hajnals Kopfball vor dem 2:0, der mich verblüffend an Matthäus‘ Rückpass auf Wörns erinnerte, damals, Sie wissen schon. Nur dass Kvist nicht den Wörns gab, sondern – richtigerweise – zurückzog. Und das Foul Boulahrouz überließ, wofür Naldo dankte. (Eine Frage an möglicherweise anwesende Experten: Aus meiner Sicht war Wolfs Sperren gegen Kvist, der sich aus der Mauer heraus in den Weg werfen wollte, grenzwertig. Vielleicht mehr als das. Abgesehen davon, dass Wolf Kvist einen Gefallen getan haben mag, und dass ich weit davon entfernt bin, am Ergebnis und an Herrn Kinhöfers Leistung herumdeuteln zu wollen: Kann man das abpfeifen? Sollte man das abpfeifen?)

Aber wer weiß? Vielleicht waren die VfB-Spieler ja auch nur abgelenkt ob der historischen Bedeutung dieses 27. November. Vielleicht beschäftigte sich Boulahrouz im Spiel intensiv mit Tunnelbauweisen? Möglicherweise entschied sich Harnik tatsächlich in letzter Sekunde gegen die Kopfvariante? Hatte Bobic bei seinem Interview die ersten Abstimmungsergebnisse im Sinn?

(Verzeihung, ich stehe ein wenig neben mir.)

Dreizehn

Wenn ich mich kurz zitieren dürfte
(Sonntag, früher Abend, Fußballkneipe meines Vertrauens):

„Was ist denn das für ein Scheißball, den Hajnal da spielt? Halbhoch, als Aufsetzer, dann noch halb in den Rücken, was soll Kuzmanovic denn mit sowas anfangen?“

 

„Wie jetzt? Schon wieder den Schipplock? Labbadia scheint ja wirklich viel von ihm zu halten, wenn ich nur wüsste, wieso. Vor dem Tor fehlt ihm jegliche Überzeugung. […]

Ob ich schon ein gutes Spiel von Schipplock gesehen habe? Nein. Weder in der Bundesliga noch bei den Amateuren, aber da bin ich auch zu unregelmäßig.“

So ist das halt mit den Fußballlaien vor dem Fernseher, meinetwegen auch im Stadion, denen es am nötigen Sachverstand mangelt. Der VfB hat in St. Pauli mit 2:1 gewonnen, die Tore erzielten Kuzmanovic – nach Traumpass von Hajnal – und Schipplock. Jetzt ist man 13., und das macht mir Angst. Schließlich haben es alle schon immer gewusst. Der VfB hat einen viel zu starken Kader, um abzusteigen. Es war eine Frage der Zeit, bis man die Abstiegsplätze verlässt, noch dazu vor dem Hintergrund der erfolgreichen Rückrunden der vergangenen Jahre. In wenigen Wochen wird man auf einem einstelligen Tabellenplatz stehen. Hätte Udo Lattek vermutlich schon im Doppelpass gesagt, wenn der VfB am Samstag gespielt hätte.

Ja, ich übertreibe. Sowohl Fredi Bobic als auch Bruno Labbadia ließen nach dem Sieg eine gewisse Demut durchblicken. Zurecht, denn was der VfB ablieferte, war dem Grunde nach deutlich zu wenig. In der ersten Halbzeit zeigte man zehn Minuten lang, dass es auch anders geht, konnte ansonsten aber froh sein, dass die Gastgeber ihre Freiräume nicht zu mehr Toren nutzten. In Halbzeit zwei waren dann beide Mannschaften im Grunde zu harmlos, um die gegnerische Abwehr ernsthaft in Gefahr zu bringen. Auf Stuttgarter Seite hätte am ehesten einer der Freistöße von Kuzmanovic oder Gebhart den Weg ins Tor finden können, doch St. Pauli hatte einen Torwart aufgeboten.

Der allerdings den Siegtreffer des VfB nicht verhindern konnte. Das hätte wohl Thorandt übernehmen müssen, der Schipplock ungestört schießen ließ. Von daher war es vielleicht ganz gut, dass Schiedsrichter Kinhöfer Thorandt zuvor nicht vom Platz gestellt hatte. [Edit: Über Herrn Kinhöfer, der aus meiner Sicht schon deutlich schlechter gepfiffen hat, und das nicht selten, gibt es unterschiedliche Meinungen.]

Was macht eigentlich Boka? Nachdem der bereits zuvor angeschlagene Molinaro nach einem eigenen Foul nicht mehr weiterspielen konnte, übernahm Celozzi hinten links. Es ging gut. Aber auf lange mittlere kurze Sicht treibt mir diese Lösung Sorgenfalten ins Gesicht. Genau wie der VfL Wolfsburg, der macht mir auch Sorgen. Bei einem Trainerwechsel hin zu einem „Feuerwehrmann“ (als der sich Hans Meyer möglicherweise gar nicht gerne bezeichnet sehen wollte) würden sie nicht geringer.

Wobei: die würden doch bestimmt nicht DREI! Trainer! in! einer! Saison! verschleißen.

Köln und Barcelona

Der VfB hat in den nächsten Tagen zwei Spiele vor der Brust, deren Priorisierung eindeutig ist. Wie die Stuttgarter Zeitung heute zu berichten weiß, stellt Trainer Gross „ohne den leisesten Anflug von Ironie“ klar:

„Das Spiel gegen Köln ist viel wichtiger als das Spiel gegen Barcelona.“

Gross betonte, er sei „mit einem klaren Auftrag geholt worden.“ Der sehe nicht den Einzug ins Champions-League-Finale vor, sondern den Verbleib in der Bundesliga.

Dann trifft es sich ja gut, dass mich Andre vom Spielfeldrand-Magazin, dessen umfangreicher Inhalt dem eigenen Anspruch „Nachrichten, Meinungen und der 1. FC Köln“ hervorragend gerecht wird, um ein paar Einschätzungen zum morgigen Spiel bat. Dabei ging es unter anderem um den Stuttgarter Sturm, Christian Gross, die Spielerdecke im Mittelfeld, das Barcelona-Spiel (sorry, Herr Gross) und die morgige Partie gegen Köln.

Im Gegenzug ergriff ich wie in der Vorwoche die Gelegenheit, meinerseits ein paar Fragen zum Gegner zu stellen. Wiederum war ich sehr erfreut, wieviel Antwort man für so wenig Frage bekommen kann:

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1. Petit und Maniche: Unverzichtbar oder Belastung?

In der Hinrunde größtenteils eine Belastung. Mittlerweile wieder eine Bereicherung. Sie steigern sich wieder. Gerade durch die „Absicherung“ von Pezzoni. Mangels Alternativen deshalb aktuell eher unverzichtbar. Zur neuen Saison dürfte einer ruhig gehen oder als Backup fungieren.

2. Wen würdest Du nehmen: Daum oder Soldo?

SOLDO! Was Daum uns angetan hat, passt auf keine Kuhhaut. Allen Kredit verspielt. Sein Abschied war für mich bitterer, als die Drogengeständnisse.

3. Auf wen kann man verzichten: Overath oder Meier?

Puh. Overath ist ein Aushängeschild und Meier macht die Sache erstaunlich gut. Weil er näher am Sportlichen und damit wichtiger für den Erfolg ist, darf Meier bleiben.

4. Wer ist schuld: Podolski oder Kinhöfer?

Poldi, ganz klar. Wer sich so dumm anstellt, der hat es nicht anders verdient. Leider! Aber da hat man den Frust der Saison bei Poldi gesehen. Er sollte jetzt langsam wieder aufgebaut werden, um dann 2010/2011 voll anzugreifen. Diese Saison ist für ihn gelaufen.

5. Einstelliger Tabellenplatz oder Zittern bis zuletzt?

Zittern bis zuletzt. Trotz guter Ansätze fehlt dem Team noch einiges, um weiter nach oben zu blicken. Wolfsburg und Gladbach könnte man noch überholen. Aber an Hoffenheim und deinen Stuttgartern kommen wir nicht vorbei, deshalb ist der einstellige Platz nicht realistisch. Unten machen die (Abstiegs)Geschichte Freiburg, Hannover, Nürnberg und Berlin unter sich aus, so dass es kein panisches Zittern wird. Aber Vorsicht ist die Mutter in der Porzellankiste.

6. Geromel: Langfristiger Pfeiler oder zu gut für Köln?

Langfristiger Pfeiler! Klar, kann er auch woanders spielen, aber Köln will schließlich hoch hinaus 😉
Gerade diese Saison sieht man aber, dass ihm noch mindestens zwei Jahre Köln ganz gut tun. Danach muss man weitersehen, wo es mit dem Eff Zeh hingegangen ist.

7. Freis: Guter Zweitligastürmer oder Topwühler in der Bundesliga?

Beides! Ich mag sonne Spieler, wie ihn, die sich nie aufgeben und Gras fressen. Da verzeihe ich dann auch mal technische Mängel oder Aussetzer. Wilmots und Streit sind Typen, die ich immer mochte. Freis gehört ebenso dazu und solche Typen braucht ein Typ. Wie er 2010 auftrumpft, Hut ab!

8. Kapitänsfrage: Wanderpokal oder Kontinuität?

Kontinuität. Du brauchst einfach eine klare Hierarchie. Mohamad ist ein Musterkapitän. Er müsste nur etwas weiter vorne spielen, dann wäre es perfekt.

9. Köln oder Stuttgart? Und wie hoch?

Muss ich? Ich wünsche mir ein Remis, aber rechne eigentlich mit ner Niederlage. Nach eurem letzten Spiel nicht haushoch, deshalb 1:2.

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Nach besagtem 2:1-Sieg in Köln steht dann tatsächlich das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League an. Mal wieder gegen Barcelona, was dann doch irgendwann langweilig wird immer wieder ein Fest ist. Eben dieses Fest hat Kollege hirngabel im Brustring zum Anlass für eine kleine Barcelona-Serie in Kooperation mit dem spanisch-katalanischen Blog diarioyoya.com genommen: „FC Barcelona für Anfänger„.

Leseempfehlung, auch für Nicht-Anfänger.

Leichtes Spiel für Herrn Kinhöfer.

Hinsichtlich der schiedsrichterlichen Bewertung von Luca Tonis Spielweise gehen die Meinungen gelegentlich etwas auseinander. Meine Sichtweise habe ich mit Blick auf das Spiel in Stuttgart bereits dargelegt.  Man kann es aber auch ganz anders sehen.

Was für den gemeinen Fan also eine Überzeugungssache und steter Anlass für Diskussionen ist, stellte sich zumindest am Samstag für Schiedsrichter Torsten Kinhöfer vergleichsweise einfach (durchaus sympathisch, wie ich finde) dar:

„Nehmen Sie nur den Zweikampf Tasci gegen Toni. Da wurde von beiden geklammert, gehalten, gezerrt. Ich hätte blind pfeifen und in irgendeine Richtung deuten können – ich wäre stets richtig gelegen.“

In seinem Interview in den Stuttgarter Nachrichten vertritt er ansonsten die Ansicht, bei den seitens der Bayern kritisierten Entscheidungen richtig gelegen zu haben.

95 Minuten reichen nicht.

Nun kann man sich also auch nicht mehr darauf verlassen, dass der VfB wenigstens seine Heimspiele gewinnt: die heutige Partie gegen den 1. FC Köln ging mit 1:3 verloren. Zwar waren die Stuttgarter über weite Strecken des Spiels die feldüberlegene Mannschaft; einmal mehr waren sie jedoch in der Offensive nicht zwingend genug und machten hinten entscheidende Fehler, die die Kölner zu einem letzlich redlich erarbeiteten Sieg nutzten.

Im Vorfeld des Spiels war immer wieder von der im bisherigen Saisonverlauf gut organisierten Kölner Defensive die Rede gewesen, die zu überwinden Geduld erfordere. In der Vorwärtsbewegung seien die Gäste indes nach einer Systemumstellung gegenwärtig nicht so stark. Letzteres war nach drei Spielminuten widerlegt. Der VfB zeigte sich jedoch nur kurz beeindruckt und zeigte einige schöne Angriffe, von denen Khedira zumindest einen hätte erfolgreich abschließen müssen.

Mitte der ersten Halbzeit setzte sich auf Stuttgarter Seite wieder der allzu bekannte Trend zum Querpass durch. Die Folge war zum einen leichteres Spiel für die Kölner Abwehr, zum anderen steigender Unmut in der Cannstatter Kurve, aus der zur Pause erneut Pfiffe ertönten. [Auch mancher Blogger (-> Hirngabel) hat „ein wenig die Schnauze voll“]. Nicht sehr schmeichelhaft ist zudem der verschiedentlich gezogene Vergleich mit der Spielweise der Nationalmannschaft um die Jahrtausendwende.

Diese Spielweise änderte sich auch in der zweiten Hälfte kaum; erst nach dem geschenkten 0:2 zeigte der VfB wieder mehr Engagement und kam zum verdienten Anschlusstreffer. Überraschenderweise fiel dieser sogar nach einer Standardsituation – es war die einzige halbwegs gelungene im Spiel, das sich also in dieser Hinsicht nicht von den letzten Partien unterschied. Die weiteren Bemühungen um den Ausgleich waren nicht zwingend genug, während die Kölner ein weiteres Geschenk zum trotz geringerer Spielanteile keineswegs unverdienten 1:3 annahmen.

Der VfB hat sich mit dieser Niederlage bis auf weiteres aus der Verfolgergruppe verabschiedet, in die er mit dem aktuellen Leistungsstand wohl auch nicht gehört – wie Trainer Veh zuletzt mehrfach unterstrich: Die Tabelle lügt nicht. Der Mannschaft mangelt es an Kreativität im Angriff, an Tempo im Spiel nach vorne, manchmal vielleicht am letzten Willen zum Torerfolg, und mitunter offenkundig an der nötigen Konzentration in der Defensive. Im Vergleich zu den Vorjahren fällt zudem auf, dass es „den“ Spieler im Mittelfeld, dem man in engen Situationen den Ball geben kann, damit er sicher in den eigenen Reihen bleibt, nicht gibt. Im Meisterjahr hatte diesen Part Pavel Pardo inne, in der vergangenen Saison übernahm die Rolle verstärkt Thomas Hitzlsperger. Dieses Jahr wird am ehesten noch Sami Khedira diesem Anspruch gerecht; den beiden anderen gelingt es nur noch bedingt, bei Hitzlsperger traf heute nahezu das Gegenteil zu: die wenigsten Bälle kamen an, und wenn doch, dann auf Knie- oder Hüfthöhe.

Zahlreiche Fehlpässe unterliefen auch Roberto Hilbert, der zudem nicht sehr glücklich flankte und fahrlässig den dritten Treffer verursachte. Gleichwohl hätte sich auch heute wieder manch einer eine Scheibe von ihm abschneiden können: wie kein anderer strahlt Hilbert 90 95 Minuten lang große Leidenschaft aus, bemüht sich stets um eine Beschleunigung des statischen VfB-Spiels, und zeigt in jeder Phase unbedingten Siegeswillen.

Abschließend noch ein Satz zum Schiedsrichter: Während des Spiels hätte ich mir gewünscht, dass Herr Kinhöfer das teilweise übertriebene Zeitspiel der Kölner stärker in Form von persönlichen Strafen ahnde -wenigstens die wahrlich dreisten Womé und Mondragon sahen doch noch gelb-; im Endeffekt halte ich es aber für richtiger, konsequent nachspielen zu lassen, wie es Kinhöfer, trotz vehementer Kölner Proteste, getan hat. Chapeau.