They had me at hello the foreword

Fußballerbücher zählen in der Regel nicht zu meiner bevorzugten Lektüre. Also Bücher, die von Fußballern geschrieben wurden. Respektive ihnen in den Mund gelegt. Wobei ich zugeben muss, dass es sich dabei um einen der gar nicht so seltenen Fälle handelt, in denen man etwas ablehnt, ohne sich ernsthaft damit beschäftigt zu haben. Wenn ich mich nicht verzählt habe, beläuft sich die Anzahl von mir gelesener Fußballerbücher auf eines. Von Sepp Maier, 30 Jahre dürfte es her sein, und das einzige, an das ich mich erinnere, ist der Spruch mit dem großen M und den kleinen Eiern. Von wahrhaft bleibendem Wert, sowas.

Ok, die 1 steht nicht ganz. Ein paar großformatige Welt- oder Europameisterschaftsbücher, für die der eine oder andere Spieler mit seinem guten Namen stand, habe ich schon durchgelesen, oder zumindest die Bilder angesehen. Anpfiff steht hingegen nicht in meinem Bücherregal, auch keines der zahlreichen Kaiser- und Titanenbücher, keinloddarmaddäus, kein Philipp Lahm, weder die eine Halbzeit von Uli Stein noch die beiden von Jörg Berger, Letzteres bedaure ich ein wenig, und die Vorteile des Standfußballs erkannte ich bereits vor Jahren ohne Oliver Bierhoff.

Kürzlich stöberte ich dann in einem angeheirateten Bücherregal und sah dies:

Genau. So nah ging ich auch ran. Zog es heraus, und siehe da:

Interessante Hervorhebung des Autors.

Den Titel des Werks kannte ich indes noch immer nicht.  Doch auch da konnte Abhilfe geschaffen werden.

Aus dem Münchner Copress-Verlag, von 1954, sodass der Gedanke nahe lag, es könne sich mit der WM 54 befassen. Ich kenne das eine oder andere Buch darüber, auch Vaters Paninivorläuferheftchen habe ich über die Jahre häufiger in der Hand gehabt, aber die Fritz-Walter-Version war mir noch nicht untergekommen. Sicher, auch nur ein Fußballerbuch, aber wohl keine Biographie, kein Ratgeber für angehende Fußballstars, sondern die Erzählung eines konkreten Ereignisses, ein Zeitdokument (leider nur die zweite Auflage, aber immerhin), und das Happy End war auch vorprogrammiert. Kann man mal reinschauen.

Also las ich die ganzen Geschichten über Spiez, wie sie zum Teil auch im „Wunder von Bern“ angeklungen sind, von Pedalofahrten und Spaziergängen, verstand erstmals so richtig das damalige Setzsystem, wunderte mich, dass in den Qualifikationsspielen zur WM offensichtlich ausgewechselt werden durfte, staunte über die mitunter unwirklich anmutende Verehrung für den Chef, litt mit Erich Retter, und las vor allem: Kameradschaft. Und Sportsgeist.

Kam mir entgegen. „Elf Freunde müßt ihr sein“ stammt aus dem Jahr 1955, und so manches Mal hatte ich den Eindruck, dass beide Bücher den selben (Zeit-?)Geist atmen. Angefangen bei den sprichwörtlichen elf Freunden. Und gelegentlich blickte ich in einem etwas kruden Vergleich auch noch ein paar Jahre weiter zurück, zu Augustine Fouillées „Le tour de la France par deux enfants“, einem tugendhaften, wenn auch arg patriotisch daherkommenden, ähem, Road Novel, mit dem ich mich hier aber ebenso wenig auseinandersetzen möchte wie mit der Frage nach dem Genus der Road Novel. Hat man halt nicht immer im Griff, seine Assoziationen.

Als faszinierend, wenn auch nur bedingt überraschend, empfand ich in Walters Buch die Schilderungen der Interaktion mit den Zuschauern, die Nähe, die geteilten Hotels, insgesamt auch die hemdsärmelige Planung, die Anreisen vor dem Spiel, die wesentlich knapper kalkuliert waren als in den achtziger Jahren irgendwo in der Kreisliga.

Schöne Vorstellung auch, dass Joachim Löw im April 2014 vorschlägt, vor dem vorletzten Bundesligaspieltag außer der Reihe fünf Tage frei zu nehmen: „…wenn wir alle einmal ohne Training und ohne Probleme irgendwo zusammenkämen?“ Mit Tischtennisspielen (sic!) und Miniaturgolf, aber ohne Basketball.

Ja, es war eine andere Zeit. Eine Zeit, in der der frischgebackene Ehrenspielführer der Nationalmannschaft seine Adresse in Buchform unter die Leute bringen konnte:

„Dann stellen wir in meiner Wohnung, Beethovenstraße 44, für drei Tage Klingel und Telefon ab, stopfen die Finger in die Ohren, wenn wir etwas von Einladungen hören, erzählen, spielen Karten und „Mensch ärgere dich nicht!“

Ich habe nicht recherchiert, ob die Adresse tatsächlich stimmte. Habe aber keinen Grund, daran zu zweifeln. Zu ehrlich, zu offen klang das eine oder andere, was Walter drucken ließ. Bemerkenswert, wie offen er – gewiss, aus einer Position der Stärke heraus – über Selbstzweifel und die ihm so häufig zur Last gelegte Sensibilität schrieb. Ich bin mir ziemlich sicher, dass derlei jahrzehntelang kaum möglich gewesen wäre, und bin auch heute noch nicht überzeugt, dass es gegebenenfalls so funktioniert, wie wir uns das vermutlich alle wünschen.

„Wäre nicht Herberger mit seinem durch nichts zu erschütternden Glauben an meine spielerischen Qualitäten, vielleicht hätte ich schon längst kapituliert. […] Oft wünsche ich mir ein dickeres Fell, so wie es der Toni hat oder der Max Morlock, von denen man in Düsseldorf oder Nürnberg auch immer Wunderdinge sehen will. Wie häufig bin ich auf den Platz gegangen mit einem Gefühl, als habe ich Blei in den Gliedern. Nur weil mir die übertriebenen Erwartungen des Publikums schon vor dem Spiel auf den Magen geschlagen sind.“

Mein Lieblingsabschnitt aber, und letztlich der Grund, weshalb ich nicht zögerte, das Buch nach dem ersten Aufschlagen in der Hand zu behalten und zu lesen, war das Vorwort, geschrieben von nicht einem, nicht zwei, nicht drei, nein: 11 Weltmeistern.

10 Mitspieler und natürlich der Bundestrainer hatten ihrem Kapitän zum Erscheinen seines Erstlings je eine kurze Widmung geschrieben, die sich in vielfältiger, häufig ungelenker und nicht immer pointensicherer Art und Weise um Originalität in Gestalt einer geistreichen Querverbindung zwischen dem Fußball auf der einen und Walters Buch auf der anderen Seite mühte.

So verlieh beispielsweise Toni Turek der Hoffnung Ausdruck, Walter stürme „beim nächsten Länderspiel so gut, daß der Torwart in aller Ruhe Dein Buch lesen kann„, während es Werner Kohlmeyer in die Öffentlichkeit drängte: „Du bist als Retter in der Not oft bei uns in der Hintermannschaft aufgetaucht. Hoffentlich tauchen wir Verteidiger gelegentlich auch in Deinem Buch auf.“ Namensvetter Liebrich bot indes seine Dienste an: „Wenn allzu viele Erinnerungen auf Dich einstürmen, dann hole mich! Ich stoppe alles!

Die Reihe ließe sich lückenlos fortsetzen, von Morlocks Wirbelvergleich bis hin zu Eckels beinahe unterwürfig klingendem Dank an seinen „Lehrmeister“.
Mein Favorit bleibt jedoch Bruder Ottmar:

„Bruderherz, hoffentlich geht Dein Buch so gut wie meine Tankstelle in den ersten Tagen nach der Weltmeisterschaft.“

Vereinsblogger unter sich

Da wir uns gerade redlich mühen, drüben bei Trainer Baade eine Front zwischen sogenannten Vereinsbloggern und sogenannten Fußballkulturbloggern aufzubauen, ich aber mit Kultur nichts im Hut habe, ist es mir ein Anliegen, hier und heute ein Zeichen zu setzen und mich klar als Vereinsblogger zu positionieren.

Gewiss ist es eine Eigenheit eben dieser Spezies, neben der Nach- und zum Teil Währendbetrachtung der Spiele des „eigenen“, will sagen: unterstützten Vereins mehr oder weniger regelmäßig auch schon vorab auf das bevorstehende Spiel hinzuweisen und im Sinne einer optimalen Vorbereitung einen echten oder vermeintlichen Kenner bzw. eine echte oder vermeintliche Kennerin des kommenden Gegners zu Wort kommen zu lassen.

Hier im Blog geschieht das eher selten, was ein wenig daran liegen dürfte, dass ich nicht heinreichend strukturiert vorgehe, um schon Tage vorher einen Blogger (w/m) zu kontaktieren, mir aktiv innovative Fragen zu überlegen, und was halt sonst noch so dazugehört. (Ein klein wenig mag es auch damit zu tun haben, dass es erfahrungsgemäß nicht immer und überall gelingt, dabei allzu kreativ zu fragen, vielleicht auch zu antworten.) Wenn indes jemand auf mich zukommt und um die Beantwortung solcher Fragen oder auch um einen Gastbeitrag bittet, fühle ich mich stets sehr geschmeichelt und bin gerne bereit, meine Meinung zum VfB kund zu tun. Und nicht nur das: selbstverständlich lasse ich mich nicht lumpen, sondern frage im Sinne einer ausgewogenen Vorberichterstattung auch das jeweilige Gegenüber ein bisschen über „seinen“ Verein aus, auch wenn meine Fragen mangels hinreichender aktueller Beschäftigung gelegentlich nur bedingt auf die gegenwärtige Situation des Vereins eingehen, sondern sich gerne auch mal in historischen Betrachtungen und der einen oder anderen Spitze verlieren, um von der eigenen schlechten Vorbereitung abzulenken. „Stein oder Koitka?“, geht’s noch?

In diesen Tagen hatte ich das Vergnügen, von Herrn @nedfuller angesprochen zu werden, der selbstverständlich alles andere als ein nur vermeintlicher Kenner des HSV ist und uns in NedsBlog bewundernswert regelmäßig vor Augen führt, was einen Vereinsblogger noch so ausmacht. Dort drüben habe ich seine Fragen zum VfB beantwortet, seine bemerkenswert ausführlichen Antworten auf die meinigen folgen hier:

1. War mit Beiersdorfer alles besser?

Klar! Wir sind Pokalsieger geworden. 
Achso, du meinst nicht den Spieler, sondern den Sportchef.

Klar! Alles war früher besser.
Nein im ernst, unter Didi hatten wir eine sehr erfolgreiche, wenn auch titellose Zeit. Es wurden immer wieder kluge Transfers getätigt und das Festhalten an van der Vaart war damals vorbildlich.
Zum Ende schlichen sich dann aber Fehler ein (Neves, Alex Silva, sämtliche Wintertransfers 2008, bis auf Tomas Rincón) und damit machte er sich angreifbar. Ebenso gab es aus der zweiten Mannschaft kein durchkommen nach oben. In der Nachbetrachtung war das meiner Meinung nach sein größter Fehler. Es wurde einiges Geld in die Jugendabteilung investiert, aber der Ertrag stellte sich nicht ein. Dadurch konnte der Vorstandsvorsitzende Fragen stellen, die die Position des Sportchefs untergruben. Die Konsequenz war ein Showdown im Aufsichtsrat, welchen Didi damals verloren hat.

War alles besser? Ja! Wir haben oft in der Liga oben mitgespielt und waren ständig im internationalen Wettbewerb, spielten sogar Champions Leaugue.
War alles besser? Nein! Er hat sich zu wenig um den Nachwuchs gekümmert und damit haben wir heute zu kämpfen.

Also ein klares Jein! als Antwort auf die Frage.

2. Frank Arnesen steht für einen schlecht informierten Außenstehenden wie mich in erster Linie für Neuzugänge aus der Chelsea-Reserve, für wiederkehrende Treueschwüre zu einem Trainer, den er zunächst nicht wollte, und für eine – woher auch immer ich diesen Eindruck nehme – gewisse Geradlinigkeit. Wofür steht er in Hamburger Augen?

Hoffnung. Plan. Konzept. Und natürlich: Erfolg.
In meinen Augen verkörpert Frank Arnesen die Hoffnung auf eine gute Zukunft des HSV. Er hat einen Plan, wie er einen Fußballverein aufstellen muß, um mittelfristig Erfolg zu haben. Das fehlte uns in den letzten 3-4 Jahren. Sein erster Schritt, die Jugendmannschaft mit den Profis trainieren zu lassen, führte dazu, daß Töre nun in der Regel Spielzeit bei den Profis bekommt, obwohl er als Perspektivspieler gekauft wurde und erstmal in der Zweiten spielen sollte.

Wenn man zurück blickt auf alle potentiellen Nachfolger von Dietmar Beiersdorfer (Roman Grill, Oliver Kreutzer, Matthias Sammer) dann sticht nur noch der Name Urs Siegenthaler bei mir heraus. Da ist der Name Frank Arnesen ähnlich klangvoll.

Wieviel zählt denn anderswo ein Treueschwur? Nichts. Warum sollte Frank Arnesen da anders sein. Ich fand seine Erklärung, warum er am Samstag noch zu Oenning hielt sogar gut nachvollziehbar.

Gradlinigkeit? Oha, daß wäre jetzt nicht unbedingt ein erstes Charaktermerkmal gewesen, welches ich bei Frank entdeckt habe. Aber gut, ich nehme das gerne, ich mag gradlinige Menschen.

Zu den Verpflichtungen von Chelsea: Rajkovic hat eingeschlagen, Mancienne spielt, Töre ist auch immer wieder dabei, warum sollte er also diese Spieler nicht holen? Und zu ehemaligen Spielern/Trainern: Ist Dutt ideenlos (Toprak)? Klopp (Zidan)? Oder wie wäre es mit Bayern (Heynckes)? Man kennt sich, man ist überzeugt von der Leistung des Spielers, also warum sollte es falsch sein, auf bewährtes zu setzen? 

3. Man kennt ja verschiedene Modelle bei kurzfristig hochgezogenen Nachwuchstrainern, gerade hier in Stuttgart. Bei Babbel lief’s zunächst gut, wer weiß, was ohne die Trainerausbildung geschehen wäre, bei Jens Keller ging’s nach hinten los. Anderswo darf man bei Thomas Schaaf wohl selbst einem Hamburger gegenüber von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Eine solche, ähnlich nachhaltig, ist bei Cardoso allein schon aus formalen Gründen (fehlende Fußballlehrerlizenz, wenn ich mich nicht irre) nicht drin, dennoch: was reißt er in den nächsten Wochen? Oder wird’s gar nur ein Spiel?

Es gab mal eine Anfrage vom Hamburger Abendblatt, in der die Fans ihren historischen Fußballmoment beschreiben sollten. Mir fiel dazu nur das Comebackspiel von Cardoso ein. Er war lange verletzt. Wir lagen zurück. Ein Raunen ging durch die Westkurve, als klar wurde, ER kommt jetzt ins Spiel. Er kam, er schoß zwei Tore, wir gewannen. Ich habe immer noch Gänsehaut, wenn ich an dieses Raunen im Stadion zurück denke… Was war die Frage?

Cardoso will sich ja nun endlich mal zum Lehrgang anmelden. Dann klappt es vielleicht auch in Zukunft mal als Cheftrainer bei uns und nicht nur als Übergang. Ich mag die Vorstellung, daß ein ehemaliger Spieler bei uns im Verein arbeitet, die Jugend betreut, sich bis zur U23 hocharbeitet und dann Cheftrainer wird. Gerade im Zusammenspiel mit Frank Arnesen kann ich mir das sehr gut vorstellen, weil der Sportchef ja ein Konzept bis zu den U-Mannschaften umsetzen will. Und damals, bei Doll, herrje, ich war so glücklich, daß er die Chance bekam. Ein schlechtes Ende muß ja nicht immer die Regel sein.

Ich glaube Cardoso muß gar nicht viel machen. Was passiert denn jetzt in den Köpfen der Spieler? Ich kann nur für mich sprechen, aber ich würde alles dafür tun nun zu zeigen, daß es am Trainer lag und nicht an den Spielern. Damit der neue Trainer, auch wenn er noch nicht da ist, sieht, daß mit mir zu rechnen ist.

Ich möchte auch keine Schnellschußverpflichtung. Deswegen kann Cardoso gerne auch gegen Schalke auf der Bank sitzen (Der Empfang für ihn seitens der Nordkurve wäre ihm zu gönnen!). 

4. Carl-Edgar Jarchow wird nachgesagt, er halte die damalige Entlassung von Kurt Jara noch immer für einen Fehler. Was kann der Verein tun, um eine Rückkehr des meines Wissens auch von Dir über die Maßen geschätzten österreichischen Wundertrainers zu ermöglichen?

Jara raus! (‚tschuldigung, er war der erste und einzige Trainer, bei dem ich in der Kurve den Rauswurf laut schreiend gefordert habe. Das ist ein Pawlowscher Reflex)
Ich glaube der Verein muß einfach Arnesen entlassen und somit die sportlichen Entscheidungen an Jarchow übergeben. Dann bekommen wir Pagelsdorf als Athletiktrainer und die ChosenFew sitzen komplett im Aufsichtsrat.
Was ein Albtraum.

5. Wer wird denn nun neuer Trainer? Muss er zwingend aus dem niederländischen Sprachraum kommen?

Nein, muß er nicht. Neuer Trainer wird *Trommelwirbel* der neue Trainer. Ich weiß es nicht, habe ja noch nicht mal einen Lieblingskandidaten. Was soll ich mir auch einen Trainer wünschen, erstens kann ich es nicht beeinflussen und zweitens haben wir doch in den letzten 10 Jahren gefühlt alle schon gehabt. Wünschen würde ich mir einen Kandidaten, der den Weg von Frank Arnesen mit gehen will. Auch gerne länger, aber ich glaube ja auch an den Weihnachtsmann.

6. Wie geht das Spiel in Stuttgart aus?

Neue Besen… Die Mannschaft ist… Also eigentlich sollte doch…
Ich habe keine Ahnung, was Cardoso in der kurzen Zeit bewegen kann. 
Aber um es mit den Worten von pleitegeiger auszudrücken: Die haun wir wech! (Und das bitte im typisch Hamburger Slang vorstellen, sie ist zwar aus Heidelberg, hat das aber total gut drauf!)

7. Jansen oder Aogo? 😉

Äpfel mit Birnen vergleichen gilt nicht! 
Aogo. Als Kapitän. Hätte ihm vielleicht gut gestanden.
Jansen sollte meiner Meinung nach folgendes tun: einen privaten Trainer engagieren, der ihm Stellungsspiel und Zweikampfverhalten eines Linksverteidigers beibringt und dann ein Jahr lang Sonderschichten schieben. Dann wird’s auch was. Wer kam eigentlich auf die Idee, er ist ein LAV? Klinsmann?

8. Son oder Töre?

Töre. Son ist zu überdreht in meinen Augen und braucht noch länger. Töre ist auch in seinem Defensivverhalten schon weiter.

9. Stein oder Koitka?

Stein. 
Ich war todtraurig, daß er uns ausgerechnet in meinem ersten Jahr als HSV Fan verlassen hat.    Meine Gründe Fußballvereine vor dem HSV gut zu finden, hatte ja mit Torhütern zu tun. (Schumacher, Burdenski, herrje, ich war mal Juvefan, weil ich Zoff so verehrt habe!)

10. AOL oder HSH Nordbank?

Imtech. So meine ich zuletzt gelesen zu haben.
Aber wie auch immer das Stadion heißt, wichtig ist aufm Platz!

11. Lediglich oder Ausschließlich der HSV?

Nur der HSV!

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Herzlichen Dank an Nedfuller,
dem ich ein glückliches Händchen bei der Trainerwahl wünsche.

The class of '86

Nach 1982 und – schon länger her und inhaltlich nicht ganz passend – 1980 jetzt also 1986. Die WM, die in Sachen Fernsehzeit vermutlich meine intensivste war. Und die mir, wann immer ich daran zurückdenke, ein und dasselbe Bild als erste Assoziation liefert: Thomas Bertholds Gipsmanschette, die nach einer formvollendeten Drehbewegung der deutschen 14 von einem Mexikaner gebremst wird. Erst danach fällt mir der Burruchaga hinterher hechelnde Briegel ein, oder Bats‘ Geschenk im Halbfinale.

Ich denke an Querétaro, das von uns auch gerne mal „Geräteraum“ genannt wurde, das man im Nachhinein in allererster Linie mit den Herren Rummenigge, Schumacher und Stein in Verbindung bringt, und das doch irgendwie einen besseren Klang (wörtlich wie bildlich) hat als Schluchsee oder Ascochinga. Gegen Malente, Spiez oder Eppan kann es freilich abstinken.

Dann war da die Hitzeschlacht zwischen Brasilien und Frankreich, den beiden damals wohl spielstärksten Mannschaften, in deren Verlauf drei der weltbesten Spieler – Zico, Socrates und Platini – vom Elfmeterpunkt scheiterten, was gerade bei Socrates angesichts seines als arrogant wahrgenommenen Anlaufs nicht ohne Häme blieb.

In der Vorrunde spielte die damalige UdSSR groß auf und demontierte meinen (warum auch immer) Geheimfavoriten Ungarn, der den jungen Detari in seinen Reihen hatte, zum Auftakt mit 6:0. Wenn ich je bei einem Fußballspiel explizit das Gefühl hatte, eine Mannschaft könne gedopt gewesen sein, dann bei diesem. Zu rasend schnell kombinierten Lobanowskys Mannen, die zum größten Teil aus seine Kiewer Vereinsmannschaft stammten, zu wenig Luft ließen sie den Ungarn zum Atmen, zu sehr vermittelten sie den Eindruck, immer mindestens zwei Mann mehr auf dem Platz zu haben. Genutzt hat es (das großartige Spiel, nicht das Doping…) letztlich nichts.

Unvergessen auch der deutsche Nominierungsprozess. Beckenbauer hatte – damals zumindest ungewöhnlich, heute gang und gäbe – in der Vorbereitung einen etwas zu großen Kader und musste quasi in letzter Sekunde 3 oder 4 Spieler nach Hause schicken. Guido Buchwald war darunter, der Belgier Heinz Gründel und Wolfgang Funkel, zudem, wie ich gerade nachgelesen habe, auch noch Frankie Mill. Dafür fuhren Dieter Hoeneß, der viele Jahre zuvor einige wenige Länderspiele bestritten hatte, und Norbert Eder mit – beide vom FC Bayern, beide über 30, beide ohne nennenswerte Länderspielerfahrung. Eder bestritt in Mexiko alle Spiele, das gleiche galt für Karlheinz Förster und -mit einer Ausnahme- für Ditmar Jakobs. Gleich drei Vorstopper als Stammspieler warfen ein deutliches Licht auf die damaligen Qualitäten der DFB-Elf.

Der Turniermodus war peinlich. Man wollte nach der Vorrunde wieder auf einen KO-Modus umsteigen, was bei 24 Teilnehmern kein ganz einfaches Unterfangen war. Um auf die 16 Mannschaften für ein Achtelfinale zu kommen, qualifizierten sich neben den Erst- und Zweitplatziertzen der 6 Gruppen auch die vier besten Gruppendritten. Trikotfarbe und künstlerischer Wert waren indes kein Kriterium.

Dänemark begeisterte mit dem bekennenden Kettenraucher Preben Elkjaer Larsen – Deutschland als Gruppengegner war weniger begeistert -, um dann von den Spanien und dem vierfachen Butragueño abgeschossen zu werden, die wiederum an Belgien scheiterten, bei denen mit Scifo einer meiner damaligen Helden seine erste WM spielte. Die Deutschen als Gruppenzweiter trafen indes auf Marokko. Ein furchtbares Spiel, und als alle bereits eingeschlafen waren auf die Verlängerung warteten, erzielte Matthäus das 1:0, das Didi Hamann 14 Jahre später zum Abschied von Wembley kopieren sollte.

Drei der vier Viertelfinalspiele wurden im Elfmeterschießen entschieden – ich bezweifle, dass es das noch oft gab. Manuel Negrete erzielte nicht nur in der Vorrunde das Tor des Monats, sondern war auch der einzige, der Schumacher im Elfmeterschießen bezwingen konnte. Denk ich an Schumacher, denk ich an José Luis Brown.

Meine 11 des Turniers
(einziges Kriterium: wer mir besonders in Erinnerung blieb, ohne Rücksicht auf Leistung oder gar Positionen)

José Luis Brown
Der Name. Ich konnte einfach nicht recht nachvollziehen, wie „Brown“ zu so klangvollen Namen wie Burruchaga, Maradona, Pumpido oder – unvergessen – Olarticoechea passen sollte. Aber köpfen konnte er.

Thomas Berthold
Keine Ahnung, wie er es schaffte, nach seiner roten Karte nur für ein Spiel gesperrt zu werden. Chapeau.

Hugo Sánchez
Als Stürmer noch turnen konnten. Wozu er bei der WM allerdings lange nicht soviel Gelegenheit hatte wie bei Real.

Gordon Strachan
Traf gegen Deutschland. Der Fußballspieler mit den gefühlt rötesten Haaren.

Vasili Rats
Klar, der Name.

Pat Jennings
Das Alter. Vier Jahre zuvor schon als alter Mann verschrieen, war er nun mit über 40 noch immer dabei.

Manuel Negrete
Ein Seitfallzieher als Tor des Monats. Trug die Nummer 22, glaube ich. (Manche Sachen überprüft man einfach nicht)

Chris Waddle
Großartiger Kicker. Und über viele Jahre hinweg der Engländer mit der besten Frisur. Wurde eigentlich erst von Beckham abgelöst.

Carlos Manuel
Ende 1985 verlor Deutschland in der WM-Qualifikation mit 0:1 gegen Portugal, das sich dadurch qualifizierte. Torschütze: Carlos Manuel. Wenn ich mich nicht täusche, war dies das allererste WM-Qualifikationsspiel, das Deutschland verlor.

Silas
Ich konnte mir schon beim Durchblättern der Mannschaftskader Patrick Bach einfach nicht als Fußballspieler vorstellen. Allzu viele Einsätze hatte er dann auch nicht.

Maradona
War auch dabei.

Trainer:

Bora Milutinovic
Seine erste WM. Sorgte bei den 12 folgenden Austragungen dafür, dass man ihn nicht vergessen würde.

Cayetano Ré
Ok, Paraguay kam weiter. Aber eigentlich gibt es keinen Grund dafür, dass ich diesen Namen bis heute nicht vergessen habe.