Lauter Volltreffer

Im Vorjahr hatte ich einige Wochen vor Ende der Saison eine Bestandsaufnahme vorgenommen, d.h. ich hatte meine im Lauf der Saison  mehr oder weniger fundiert abgegebenen Prognosen einer kritischen Würdigung unterzogen.

Dieses Jahr hat sich das irgendwie nicht ergeben. Vielleicht, weil ich außerhalb dieses Blogs nur wenige Vorhersagen getroffen habe, vielleicht, weil die im Blog abgegebenen Einschätzungen zu weit von der Wirklichkeit entfernt waren, um sie hier ohne allzu großen Gesichtsverlust noch einmal aufzuwärmen. Angefangen beim Spieler der Saison.

Um mich dennoch ein wenig bloßzustellen, habe ich zumindest meine Antworten aus dem 11Freunde-Fragebogen noch einmal hervorgekramt und durfte feststellen, dass ich g l ä n z e n d abgeschnitten habe.

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Deshalb wird die neue Saison unvergesslich…
Unvergesslich ist ein großes Wort. Bemerkenswert ist aber, dass die Bundesliga erstmals das Unwort des Jahres stellen dürfte: Torfabrik.

Nun ja. Unwort des Jahres ist es nicht geworden. „Torfabrik“ finde ich dennoch nach wie vor billig unglücklich. Da hilft auch das Redesign nicht sonderlich. Eher gar nicht. Überhaupt nicht.

Aus der alten Saison wird in Erinnerung bleiben…
In allererster Linie das Schicksal von Robert Enke.

Wenn man sich dann doch an sportliche Themen erinnern möchte, bleiben aus Stuttgarter Sicht eine fürchterliche Vorrunde, eine unnötige Arbeitsplatzgarantie mit minimaler Halbwertszeit, grenzüberschreitende Fanproteste, eine grandiose Rückrunde und die erste Halbzeit gegen Barcelona. Und dann noch die Entwicklung von Christian Träsch.

Wie sehr das Schicksal von Robert Enke nachhält und nachhallt, wurde bereits in der vergangenen Saison und auch in dieser Spielzeit wieder des öfteren in Frage gestellt, nicht zuletzt im Kontext der Buchveröffentlichung von Andreas Biermann.

Die fürchterliche Stuttgarter Vorrunde der Vorsaison blieb dann doch nicht sooo lange in Erinnerung. Die wurde überflügelt. Und anstelle einer starken Halbzeit gegen Barcelona hatte man dieses Jahr eine halbe Stunde gegen Hamburg. Immerhin.

Welche Schlagzeile würdest Du gerne in der kommenden Saison verfassen?
Interview mit Sami Khedira: „Jeder Wechsel wäre ein Rückschritt!“

So hat er es nicht gesagt. Aber „Esto es un sueño hecho realidad“ drückt in meinen Augen durchaus so was Ähnliches aus.

Drei Wünsche frei:
Im Rahmen einer Transparenz- und Demokratieinitiative der FIFA tritt Joseph Blatter zurück.

Christian Gross ist im Dezember noch VfB-Trainer. Dezember 2013.
Ciprian Marica gewinnt den Goldenen Schuh.

Nr. 1 hat nicht ganz geklappt. Aber ich glaube, er war nahe dran.
Nr. 3 scheiterte ausschließlich an der Engstirnigkeit der Herren Bobic und Labbadia.
Und Nr. 2 kann ja noch klappen. Wer sich an dem „noch“ stört: bei einem Verein, der ungeniert „nie mehr“ durch „niemals“ ersetzt, wird man ja wohl mal ein „noch“ unter den Tisch fallen lassen können.

Dein größter Albtraum:
Christoph Daum wird Trainer des VfB Stuttgart. Wobei selbst das noch eine positive Seite hätte: ich wäre samstags bei der Familie. Bzw. sonntags oder freitags.

Gar so viel scheint da ja nicht gefehlt zu haben.

Lieblingsspieler im aktuellen Team:
Die defensiven Mittelfeldspieler. Und ich hoffe weiterhin auf Sebastian Rudy.

Check. Rudy hat eine starke Saison gespielt.
Träsch auch, Kuzmanovic eine halbe, und Gentner ist ja Innenverteidiger.

Messer zwischen den Zähnen! Dein Lieblingsfeind:
Vom Konzept Feindschaft halte ich nicht viel, und ganz gewiss nicht beim Fußball. Dafür ist er mir zu wichtig.

Oder, um konkret zu werden: es ist mir egal, wie der KSC spielt. Es ist mir auch egal, in welcher Liga er spielt. Wenn er zufällig grade in der Bundesliga ist, sind mir die 6 Punkte für den VfB wichtig. Ansonsten habe ich weder Veranlassung noch Lust, den kleinen Nachbarn zu verunglimpfen, während der VfB gegen Dortmund, Nürnberg, Timisoara oder wen auch immer spielt.

Nichts hinzuzufügen. Ich hab nicht darauf gehofft, dass der KSC aus der zweiten Liga absteigen möge.

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:
Zvonimir Soldo. Asgeir Sigurvinsson. Guido Buchwald, bevor er meinte, es zähle zu den Pflichten eines Ehrenspielführers, sich mit zweifelhaften Attacken gegen den Trainer als dessen Nachfolger ins Gespräch zu bringen.

Und ja, ich war immer ein großer Bewunderer von Mehmet Scholl.

Guido Buchwald. Auf dem Weg in die dritte Liga (von unten). Glückwunsch.

Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:
Speziell zum Saisonende war die Stimmung in der scheidenden Kurve weniger lustig als vielmehr wehmütig, manch einer sprach vom „Fado in Stuttgart“. Letztlich war „Cannstatter Kurve – wir sind die Cannstatter Kurve!“ vielleicht nicht besonders originell, aber schön, und laut, und was fürs Herz.

Lustig war’s dieses Jahr eher selten. Tradition wird siegen belustigte gleichwohl ein wenig.

Wo stehst oder sitzt Du im Stadion? Und warum?
Erst stehe ich mit einer Wurst beim PSV, dann in der, nun ja, Untertürkheimer Kurve. Warum? Weil die Cannstatter Kurve umgebaut wird.

Zugegeben: hier lag ich falsch. Wer konnte auch damit rechnen, dass der Fritz-Walter-Weg gesperrt und der PSV in eine Sackgasse verlegt würde. Also am Schlienz. Und danach in der gefühlten Cannstatter Kurve.

Auf dieses Auswärtsspiel freust Du Dich besonders:
17. Mai 2011, Dublin, Lansdowne Road.

Der Gegner steht noch nicht fest.

Völlig überraschend wurde das Spiel nicht nur auf den 18. verschoben, sondern die Uefa lud auch noch, einer iberischen Quote folgend, zwei portugiesische Mannschaften ein. Der VfB war immerhin auch gegen Potrugiesen ausgeschieden (auch wenn in beiden Spielen bei Benfica nur je einer in der Startelf stand und einer eingewechselt wurde). Wird wohl dennoch schwierig, meine Prognose in einen Treffer umzuinterpretieren.

Du wirst überraschend zum Doppelpass eingeladen. Deine Traumbesetzung für die anderen Sessel?
Steffen Simon, Udo Lattek, Christoph Daum, Raimund Hinko, Dr. Theo Zwanziger, Manfred Breuckmann.

Ach nee, ich hab die Frage falsch verstanden. Nochmal:
Kai Pahl, Raphael Honigstein, Trainer Baade, Christian Gross, Klaus Allofs, Christian Eichler (Eichler, nicht Eichner)

Wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Holt der FC Bayern das Quadrupel? Oder wer wird Meister?
Quadrupel? Fuji-Cup, Hallen-Masters, T-Home-Supercup, Champions League? Einverstanden.

Um die Meisterschaft streiten dann Bremen, Leverkusen und der VfB.

Zwei Punkte: Bayern ist nicht Meister, Leverkusen hat ein wenig drum gestritten. Immerhin.

Ich hab ein gutes Gefühl

Heute geht’s also wieder los. Das erste Saisonspiel im Neckarstadion, und gleich ein internationales Topspiel. Und die Feuertaufe für die Untertürkheimer Kurve, die erstmals nach dem Umbau wieder Gästefans aufnehmen darf, ehe gegen Dortmund auch die Einheimischen dorthin müssen.

Gänzlich uninformiert bin ich also nicht, trotz Elternzeit, trotz weitgehender Stille hier im Blog in den letzten Wochen.

Ein bisschen was habe ich ja doch geschrieben, zum Beispiel die Antworten für’s 11Freunde-Sonderheft, das ich jetzt nicht noch einmal explizit erwähnen würde, wenn ich nicht noch drei Exemplare unter die Leute bringen dürfte: Windhundverfahren in den Kommentaren.

Etwas weiter entfernt von der fußballerischen Tagesaktualität lag das, was ich den Urlaubern vom Textilvergehen ins Stammbuch Blog schreiben durfte. Dort ging es um Harry Valérien, Katsche Schwarzenbeck und natürlich Ove Grahn.

Das war’s dann auch mit der Selbstvermarktung. Kommen wir zurück zum tatsächlichen Geschehen. Hier in Stuttgart. So richtig viel hat sich ja nicht getan in den letzten Wochen. Also, abgesehen von Sami Khediras Abschied natürlich. Bitter für den Verein, vermutlich ein richtiger und wichtiger Schritt für ihn. Den auch der Neue nicht verhindern konnte, trotz Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei Karstadt oder Breuninger. Obwohl er Namensgeber und Teilhaber einer Sportsbar ist, konnte er auch Olympique Marseille noch nicht zum Verkauf von André Ayew bewegen, und auch seine Anteile an einem Sportgeschäft in Winterbach – wo er sogar jeden Mitarbeiter persönlich kenne – haben den FC Augsburg bis dato nicht dazu gebracht, Ibrahima Traoré abzugeben. Möglicherweise war es aber sein Praktikum bei der DFL, in Verbindung mit den Inhalten seines Fernstudiums im Sportmanagement, das den Liverpool FC überzeugte, Philipp Degen mehr oder weniger günstig zu verleihen.

Ok, jetzt mal im Ernst: ich hätte schon gern einen Manager gesehen, der etwas mehr Erfahrung vorzuweisen hat als die von den Stuttgarter Nachrichten so wunderbar zusammengetragenen Schlüsselqualifikationen und ein gutes Jahr als Geschäftsführer an der Schwarzmeerküste. Jan Schindelmeiser wäre der Mann meiner Wahl gewesen, wobei ich die Umstände seines Abschieds aus Hoffenheim und die in diesem Kontext genannten gesundheitlichen Gründe nicht einschätzen kann. Stattdessen betätigt sich der VfB erneut als Managerausbilder. Und doch habe ich ein gutes Gefühl. Ein Gefühl, das ich nur sehr bedingt rational erklären kann und das ganz sicher nichts mit einer kaufmännischen Ausbildung im Einzelhandel zu tun hat. Es ist eher der möglicherweise anachronistische Glaube an den Typen Bobic, an einen Mann, der in seiner aktiven Karriere ein beachtliches Durchsetzungsvermögen an den Tag gelegt hat, der Konflikten nur selten aus dem Weg ging und der in Vertragsdingen, soweit man das von außen beurteilen konnte, nicht die schlechteste Figur abgab. Es gibt den einen oder anderen früheren Weggefährten, der heute den Hut zieht, wie weit es Bobic als nicht überragend begabter Fußballer bringen konnte, durch seinen Ehrgeiz, Willen und nicht zuletzt Zielstrebigkeit. Nicht die schlechtesten Züge. Das Handwerkszeug können sie sicher nicht ersetzen, aber sie können helfen, es schneller zu erlernen und anzuwenden. Ich hab ein gutes Gefühl.

Noch nicht ganz so gut ist mein Gefühl, was den Saisonstart anbelangt. Zu unklar ist noch die Zusammensetzung der Mannschaft. Zwar bin ich überzeugt, dass auch kurzfristige Neuzugänge ihren Dienst nicht in einem so desolaten körperlichen Zustand antreten werden wie die ehemalige Zaubermaus aus Weißrussland im Vorjahr; ein wenig Eingewöhnungszeit sollte man den Neuen gleichwohl einräumen. Besonders ärgerlich ist das erneute lange Warten insbesondere deshalb, weil man Spieler für die offensiven Außenpositionen sucht – Schlüsselpositionen, deren Bedeutung für sein System Christian Gross unermüdlich betont. Eine weitere Schlüsselposition scheint er mit Philipp Degen besetzt zu haben. Wenn ich das Gemurmel in Cannstatt richtig interpretiere, trägt mancher Fan gewisse Zweifel an dessen Leistungsfähigkeit im Herzen. Zweifel, die ich einerseits teile. Andererseits bin ich froh, dass man einen weiteren Rechtsverteidiger verpflichtet. Zu wechselhaft waren die Leistungen von Stefano Celozzi, zu wichtig scheint Christian Träsch in der Zentrale zu sein. Ob Degen indes ein adäquates Pendant zu Cristian Molinaro sein kann, wie der Trainer es sich wünscht, bleibt abzuwarten. Mein Grundvertrauen in Christian Gross lässt mich zumindest darauf hoffen.

Noch größer ist die Hoffnung, dass Zdravko Kuzmanovic eine große Saison spielt. Er wird gefordert sein, Khediras Rolle als Chef auf dem Platz zu übernehmen. Träsch ist fußballerisch nicht stark genug, Gentner sehe ich nicht als „Leader“, und Funk wird wohl erst langsam in die Mannschaft hineinschnuppern können – gerne lasse ich mich gerade in seinem Fall vom Gegenteil überzeugen. Genau wie von Sven Ulreich, der mich, wie verschiedentlich angeklungen, bis dato nicht vollends überzeugen konnte. Zwar glaube ich nicht, dass Marc Ziegler das Stuttgarter Pendant zu Jörg Butt werden kann; aber es gibt ja auch noch andere Torhüter beim VfB.

In Sachen Innenverteidigung wird sicherlich vieles davon abhängen, wie Serdar Tasci die Enttäuschung der Weltmeisterschaft wegsteckt. Nachdem es aber Niedermeier nicht gelang, im ersten Pflichtspiel in Molde Souveränität auszustrahlen und vielleicht ein Ausrufezeichen zu setzen, und Boulahrouz nach den Eindrücken des Vorjahrs nicht als Liebling des Trainers gelten kann, gehe ich davon aus, dass Delpierre und Tasci wieder den Stamm bilden werden. Im Sturm ist die Situation ungleich offener. Zu Cacau, Marica und Pogrebnyak gesellt sich Martin Harnik, der gegebenenfalls auch über die Außenbahnen kommen kann, als Pendant zu dem vermutlich gesetzten Timo Gebhart – vor allem solange die Neuverpflichtungen ausbleiben und Sebastian Rudy es weiterhin an Schlagkraft mangeln lässt.

Eigentlich wollte ich hier keine Saisonvorschau schreiben, zumal das alles schon nach dem Spiel gegen Molde heute abend wieder ganz anders aussehen kann, aber man kommt halt manchmal so ins Plaudern. Kurz: meine Zuversicht für das erste Saisondrittel hält sich noch ein wenig in Grenzen, aber danach wird das schon – wenn es gelingt, auf den Außenbahnen nachzulegen. Ich hab ein gutes Gefühl.

Und falls es doch nicht klappen sollte, liegt es bestimmt daran, dass man wieder einmal versucht hat, am großen Rad zu drehen. Dabei hat Thomas Haid doch davor gewarnt. Der VfB soll sich auf seine Eigengewächse stützen. Da kann man mit Hilfe des Verweises auf Nischenmärkte dann auch mal Verpflichtungen wie den 835fachen mexikanischen Nationalspieler Pavel Pardo mit rein packen. Und locker auf die Meisterschaften der 80er und 90er zurückblicken, „mit Spielern, die vorwiegend aus dem Talentschuppen auf dem Wasen stammten oder wie Karl Allgöwer, Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald und Walter Kelsch von den Stuttgarter Kickers ausgebildet wurden.“

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie Asgeir Sigurvinsson und Matthias Sammer als Vertreter der Meistermannschaften 1984 und 1992, zu diesem Ansatz stehen. Und die Mitte der Neunziger, die bundesweit vermutlich nach wie vor am nachhaltigsten erinnerlichen Phase Stuttgarter Spielkunst, und mit ihr die Herren Balakov und Elber, kann man ohnehin als belanglos beiseite lassen.

Ich sollte aufhören.

Die Buchwald-Problematik

Nein, die Überschrift hat nichts mit der Entscheidung des VfB für Fredi Bobic zu tun. Und es liegt mir auch fern, Guido Buchwalds Dampfplaudereien der späten Ära Babbel nochmals Revue passieren zu lassen. Problematisch ist vielmehr meine verkürzte Antwort im Bundesliga-Sonderheft der 11Freunde:

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten?
Guido Buchwald, […]“

In der Tat nannte ich ihn, aber weit hinter den Herren Soldo und Sigurvinsson. Ok, ich hätte mich halt an die Frage halten und nur einen nennen sollen…

Wie auch immer, hier sind meine Antworten auf alle Fragen (auch die zur Auswärts-Vorfreude) und in voller Länge:

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Deshalb wird die neue Saison unvergesslich…
Unvergesslich ist ein großes Wort. Bemerkenswert ist aber, dass die Bundesliga erstmals das Unwort des Jahres stellen dürfte: Torfabrik.

Aus der alten Saison wird in Erinnerung bleiben…
In allererster Linie das Schicksal von Robert Enke.

Wenn man sich dann doch an sportliche Themen erinnern möchte, bleiben aus Stuttgarter Sicht eine fürchterliche Vorrunde, eine unnötige Arbeitsplatzgarantie mit minimaler Halbwertszeit, grenzüberschreitende Fanproteste, eine grandiose Rückrunde und die erste Halbzeit gegen Barcelona. Und dann noch die Entwicklung von Christian Träsch.

Welche Schlagzeile würdest Du gerne in der kommenden Saison verfassen?
Interview mit Sami Khedira: „Jeder Wechsel wäre ein Rückschritt!“

Drei Wünsche frei:
Im Rahmen einer Transparenz- und Demokratieinitiative der FIFA tritt Joseph Blatter zurück.
Christian Gross ist im Dezember noch VfB-Trainer. Dezember 2013.
Ciprian Marica gewinnt den Goldenen Schuh.

Dein größter Albtraum:
Christoph Daum wird Trainer des VfB Stuttgart. Wobei selbst das noch eine positive Seite hätte: ich wäre samstags bei der Familie. Bzw. sonntags oder freitags.

Lieblingsspieler im aktuellen Team:
Die defensiven Mittelfeldspieler. Und ich hoffe weiterhin auf Sebastian Rudy.

Messer zwischen den Zähnen! Dein Lieblingsfeind:
Vom Konzept Feindschaft halte ich nicht viel, und ganz gewiss nicht beim Fußball. Dafür ist er mir zu wichtig.

Oder, um konkret zu werden: es ist mir egal, wie der KSC spielt. Es ist mir auch egal, in welcher Liga er spielt. Wenn er zufällig grade in der Bundesliga ist, sind mir die 6 Punkte für den VfB wichtig. Ansonsten habe ich weder Veranlassung noch Lust, den kleinen Nachbarn zu verunglimpfen, während der VfB gegen Dortmund, Nürnberg, Timisoara oder wen auch immer spielt.

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:
Zvonimir Soldo. Asgeir Sigurvinsson. Guido Buchwald, bevor er meinte, es zähle zu den Pflichten eines Ehrenspielführers, sich mit zweifelhaften Attacken gegen den Trainer als dessen Nachfolger ins Gespräch zu bringen.

Und ja, ich war immer ein großer Bewunderer von Mehmet Scholl.

Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:
Speziell zum Saisonende war die Stimmung in der scheidenden Kurve weniger lustig als vielmehr wehmütig, manch einer sprach vom „Fado in Stuttgart“. Letztlich war „Cannstatter Kurve – wir sind die Cannstatter Kurve!“ vielleicht nicht besonders originell, aber schön, und laut, und was fürs Herz.

Wo stehst oder sitzt Du im Stadion? Und warum?
Erst stehe ich mit einer Wurst beim PSV, dann in der, nun ja, Untertürkheimer Kurve. Warum? Weil die Cannstatter Kurve umgebaut wird.

Auf dieses Auswärtsspiel freust Du Dich besonders:
17. Mai 2011, Dublin, Lansdowne Road.
Der Gegner steht noch nicht fest.

Du wirst überraschend zum Doppelpass eingeladen. Deine Traumbesetzung für die anderen Sessel?
Steffen Simon, Udo Lattek, Christoph Daum, Raimund Hinko, Dr. Theo Zwanziger, Manfred Breuckmann.

Ach nee, ich hab die Frage falsch verstanden. Nochmal:
Kai Pahl, Raphael Honigstein, Trainer Baade, Christian Gross, Klaus Allofs, Christian Eichler (Eichler, nicht Eichner)

Holt der FC Bayern das Quadrupel? Oder wer wird Meister?
Quadrupel? Fuji-Cup, Hallen-Masters, T-Home-Supercup, Champions League? Einverstanden.
Um die Meisterschaft streiten dann Bremen, Leverkusen und der VfB.

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Bei meiner Wunschschlagzeile wird’s wohl eng… Kommentare, wonach dieser Satz erst nach Khediras Wechsel falle, werden gelöscht, da versteh‘ ich keinen Spaß. Oder so.

Wer mir Narzissmus und Inkonsequenz unterstellt, weil bei den 11Freunden mein voller Name auftaucht, hat bestimmt recht. Zumindest in Sachen Narzissmus.

Über die Inkonsequenz kann man streiten. Wie ich schon an der einen oder anderen Stelle schrieb, lege ich einen gewissen Wert darauf, hier nicht mit meinem echten Namen ergoogelt zu werden.

Was wegen einer Print-Publikation nicht geschehen dürfte. Wer hier mitliest, kann indes gerne wissen, wie ich sonst gelegentlich heiße. Deshalb steht’s ja auch im Impressum. Im Netz bin ich Heinz Kamke. Oder heinzkamke. Oder, wie der eine oder die andere geschätzte Bloggerin gerne mal sagt, der Heini.

Aux armes!

Wann, wenn nicht am 14. Juli, dem Tag der, äh, VfB-Mitgliederversammlung, soll man die sportliche Leitung zu den Waffen rufen zu mehr Entschlossenheit im Abschluss aufrufen?

Im Ernst: ich hab ja schon verschiedentlich zum Ausdruck gebracht, dass mein Grundvertrauen in Horst Heldt und Markus Babbel recht hoch ist; gleichwohl wäre es für die Volksseele so langsam ganz gut, neben den Herren Celozzi und Schwarz (deren Verpflichtung ich begrüße)  auch noch den einen oder anderen Neuzugang zu präsentieren, für den man einen nennenswerten Teil der Gomez-Millionen ausgeben darf.

Statt dessen werden allenthalben die Stimmen lauter, die bereits Parallelen zur Einkaufspolitik nach der Meistersaison 2007 ziehen, als man letztlich so klangvolle Namen wie Ewerthon, Bastürk, Gledson und Marica verpflichtete. Zwei der vier sind noch im Verein, und wenn man eine Umfrage unter den Fans machen würde, welche Spieler man abgeben sollte, bin ich überzeugt, dass einer der beiden die Spitzenposition inne hätte und der andere vermutlich auch unter den Top 5 landen würde.

Nachfolgend die dringendsten offenen Punkte:

Die offenste Planstelle, die derzeit auch medial intensiv begleitet wird, ist selbstredend jene für den Gomez-Ersatz. Wenn man davon ausgeht, dass Marica nicht explodiert, Julian Schieber noch ein paar Tage braucht und Cacau seinen Status als ganz guter Bundesligastürmer nicht entscheidend nach oben korrigieren wird, kann man entweder auf Rückkehrer Manuel Fischer und Alessandro Riedle hoffen, für den Papa Karl-Heinz nach eigenen Angaben schon mal die Nr. 13 reservieren ließ, oder es wird doch noch was mit einem treffsicheren Neuzugang. Nach dem Fehlschlag mit Ba (ich bin mir noch nicht ganz sicher, welche der beteiligten Parteien die unglückliste Figur abgegeben hat) stünde Horst Heldt ein weiteres „Nein“ bei der – erfreulich ehrgeizigen – Personalie Huntelaar nicht so richtig gut zu Gesicht, und ob der ebenfalls gehandelte Vagner Love dann Gewehr bei Fuß stünde, bliebe abzuwarten – billiger würde er vermutlich nicht.

Offen ist zudem eine Position im offensiven Mittelfeld. Man weiß nicht, ob der gescheiterte Transfer von Herrn Jovanovic tatsächlich endgültig bei den Akten liegt oder ob man hier noch im Hintergrund aktiv ist. In jedem Fall täte man gut daran, sich um einen schnellen Mann für die Offensive zu bemühen, der möglichst auch für ein paar Treffer gut ist – vor allem, wenn man davon ausgeht, Gomez‘ Tore nicht allein durch die Stürmer ersetzen zu können.

Unangenehm offen ist meines Erachtens und in jeder Hinsicht weiterhin die linke Abwehrseite, wo Lude Magnin und Arthur Boka für mich nach wie vor nur selten mehr als eine mittelprächtige Lösung darstellen. Magnin zeigte zum Ende der Vorsaison eine Reihe sehr guter Spiele, vor allem in der Offensive, und Boka hat ja allem Anschein nach seine langjährige(!) Knöchelverletzung behandeln lassen, aber richtig gute Außenverteideiger-Spielmacher, wie sie uns mitunter von Steffen Simon und anderen vorgehalten werden, sind sie bei aller Liebe nicht. Celozzi, Träsch und Osorio haben wohl alle schon links gespielt; zu Flankenläufen werden sie indes eher nicht ansetzen, und nur weil Philipp Lahm wegen seines überragenden Talents dennoch ein sehr guter Linksverteidiger ist, muss man dieser Krückenlösung ja nicht unbedingt nacheifern.

Offen ist weiterhin die Frage, wie das Experiment mit dem nur in Teilzeit präsenten Trainer funktionieren kann. Irgendwann wird die erste Krise der Ära Babbel kommen, und wenn er dann nicht vor Ort ist, wird sich die Frage stellen, ob Neuvorstand Heldt ein weiteres mal so rasch und konsequent handelt wie bei Giovanni Trapattoni und Armin Veh. Erschwert würde die Sache dann, wenn ein weiterer offener Punkt positiv beantwortet würde: die Frage, in welchem internationalen Wettbewerb der VfB die Saison beginnt – der CL-Mittwoch ist organisatorisch sicherlich noch ein Stück schwerer zu bewältigen als der Wettbewerb formerly known as Uefa-Cup am Donnerstag.

Ganz besonders offen ist schließlich auch noch das Neckarstadion, das sich derzeit ohne Untertürkheimer Kurve präsentiert:

Nicht mehr offen ist indes die Zukunft des sportlichen Contents der Hirngabel. Er schreibt nun in einem separaten VfB-Blog, und ich habe den Eindruck, dass es ein sehr schönes, ambitioniertes Projekt wird. Ich freu mich sehr drauf, auch wenn ich zugeben muss, dass ich auf den Namen fast ein wenig neidisch bin…

Einen Brustring, einen Brustring, einen Brustring tragen wir. Auf den Trikots, in den Herzen – VfB, Du bist in mir!