Ach menno, VfB! (Update)

Ich find das ja ok, dass Ihr Euch in Sachen Social Media und dem ganzen Kram bisher eher zurückgehalten habt. Da muss man nicht unbedingt ein Early Adopter sein, zumal noch nicht allzu viele Vereine beispielsweise so richtig tolle Dinge mit ihrem Twitteraccount anstellen. Ist auch bestimmt nicht ganz so einfach, keine reine Linkschleuder für die News auf der eigenen Website zu sein. Zurückhaltung steht einem da gar nicht so schlecht zu Gesicht.

Wenn Ihr Euch nun eines anderen besonnen habt, finde ich das dennoch ok. Dann verstehe ich auch, dass Ihr natürlich nicht auf den Account @vfbstuttgart verzichten wollte, den der große VfB-Fan Dusan für Euch so lange warmgehalten hat. Genau, der Dusan, der ziemlich lange einen VfB Fanpod gemacht hat, Ihr erinnert Euch? Ach, jetzt sagt nicht, Ihr wusstet nicht davon – meines Wissens hat er das nicht vor Euch geheim gehalten, sondern Euch durchaus über seine Aktivitäten informiert. Irgendwann wolltet Ihr dann lieber mit bigFM ins Bett einen Podcast organisieren, fair enough. Dass dieser Podcast zumindest anfänglich nicht unbedingt durch Fachwissen bestach: geschenkt. Es mag auch sein, dass das inzwischen ein richtig gutes Projekt ist, mir war bisher noch nicht nach einer Überprüfung.

Aber darum geht es mir auch gar nicht. Ich frag mich lediglich, wieso Ihr dem Dusan nicht einfach gesagt habt, dass Ihr gerne den account @vfbstuttgart nutzen würdet. Der hätte ihn Euch gerne abgetreten, das hat er mir schon vor vielen Monaten auf Anfrage bestätigt. Aber warum sollte man auch mit dem Fan Kontakt aufnehmen, wenn man statt dessen die mittelgroße Keule schwingen kann? Immerhin: Ihr habt ihn nicht abgemahnt.

Dann bin ich mal gespannt.

Update: Und nu?

Kalt erwischt.

Der VfB wurde am Wochenende kalt erwischt. Dies trifft zum einen auf die Mannschaft zu, die allem Anschein nach – ich habe nur ein paar Szenen in den dritten Programmen gesehen und einiges bei 90elf verfolgt – von der ersten bis zur letzten Minute völlig überfordert war.

Zum anderen, und das scheint mir fast noch schwerer zu wiegen, habe ich den Eindruck, dass das gesamte Umfeld genauso kalt erwischt wurde. Niemand konnte sich nach dem Befreiungsschlag in Glasgow vorstellen, dass nur wenige Tage später ein erneuter Tiefpunkt erreicht würde. Sicher, eine Niederlage galt keineswegs als ausgeschlossen, aber in dieser Form hat sie wohl niemand für möglich gehalten. Fans, Zeitungen, Blogger – im Grunde waren nach meiner Wahrnehmung alle überzeugt, dass man auf einem guten Weg sei, dass die Mannschaft sich der Situation bewusst sei, dass vielleicht auch die richtigen Akzente bei der Aufstellung gesetzt worden seien, und dass es sich eben doch bewährt habe, an Markus Babbel festzuhalten.

Doch nicht nur die relativ weit außen stehenden Beobachter ließen sich blenden. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich Präsident Erwin Staudt zwischen Glasgow und Leverkusen ohne Not zu einer Aussage hinreißen ließ, die ohne allzu große Verrenkungen als “Jobgarantie” bis in die Winterpause (und damit wohl auch darüber hinaus  – es ist eher nicht anzunehmen, dass das Mainzer Timing als neues Erfolgsmodell um sich greifen wird) interpretiert werden konnte?

Zwar hätte Staudt vermutlich nur wenig Probleme damit, diese Aussagen als “Geschwätz von gestern” abzutun, wenn es denn doch zu einer Trennung käme, und wenn er sich doch nicht nur vom Übermut nach dem Spiel gegen die Rangers hat leiten lassen, sondern tatsächlich voll und ganz von Babbel überzeugt ist und keinen Deut von seinem Trainer abrücken will, ziehe ich meinen Hut. Ich kann nur nicht so recht daran glauben. Nicht nur bei der FAZ wird Staudt neben Horst Heldt “der Fraktion zugerechnet, die Handlungsbedarf sieht“, sprich: Babbel entlassen will.

Mit dieser Entlassung habe ich heute eigentlich fest gerechnet. Eben weil das gestrige Debakel in dieser Form offensichtlich so unerwartet kam und die Entscheidungsträger mit großer Wucht getroffen hat, ging ich fest davon aus, dass Horst Heldt seine dritte Trainerentlassung rasch umsetzen würde. Ich hätte es schweren Herzens begrüßt. Und bin überzeugt, dass Heldt es getan hätte, wenn die Regelung der Nachfolge bereits weiter gediehen wäre. Nun werden also Namen wie Franco Foda, der unvermeidliche Christian Gross, Guido Buchwald (Prust) oder gar Krassimir Balakov gehandelt. Letzteres bisher allerdings nur vom einstigen Tor des Tages, Hansi Müller, was mich hoffen lässt, dass nichts dran ist – zu sehr ärgere ich mich noch über Balakovs hochdotierten Rentenvertrag als Assistenztrainer unter Magath und Sammer. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eine intensive Diskussion zum Thema “Entlassung ja oder nein” wird derzeit in den Kommentaren beim Brustring geführt, und im Fanpod-Blog gibt’s ein paar Fragen an den Trainer.

 

 

Gegen alle direkten Freistöße!

Bei der EM 1996 bestritt die deutsche Mannschaft ihr letztes Gruppenspiel in Old Trafford gegen Italien. Italien musste gewinnen, Deutschland war bereits für das Viertelfinale qualifiziert und sah kein Land, hatte aber einen überragenden Köpke im Tor. Mitte der zweiten Halbzeit sagte Beni Thurnheer, der das Spiel gemeinsam mit Günter Netzer für das Schweizer Fernsehen kommentierte, sinngemäß folgendes:

“Ich hätte nicht gedacht, dass die Deutschen noch schlechter spielen könnten als in der ersten Halbzeit. Sie haben mich eines Besseren belehrt.”

Selten habe ich so oft an diesen Satz zurückgedacht wie während des gestrigen Spiels des VfB gegen den 1. FC Köln, in dem das schwache Niveau der zweiten Hälfte des Glasgow-Spiels vom Mittwoch über weite Strecken noch unterboten wurde. Zu keinem Zeitpunkt war ein Hauch von Inspiration, Esprit oder gar Spielwitz zu erkennen, um die sehr tief verteidigenden Kölner in Schwierigkeiten zu bringen. Viel schwerer wog allerdings der Eindruck, die Mannschaft habe nicht alles gegeben. Sie habe sich in die Kölner Vorgabe gefügt und sehr statisch den Ball hin- und hergeschoben, anstatt variabel und eben auch laufintensiv deren Defensive auszuhebeln, bzw. es zumindest zu versuchen. Sie sei nicht bereit gewesen, die Wege zu gehen, die man wohl gehen muss, um eine so massierte Deckung aus dem Gleichgewicht zu bringen. Und sie habe auch in punkto energischer, teilweise aufwändiger Ballgewinnung noch viel Luft nach oben. Ich selbst konnte mich dieses Eindrucks auch nicht erwehren, und hatte deshalb -im Widersprich zu meinen Aussagen kürzlich im VfB Fanpod – ausnahmsweise viel Verständnis für die “Wir wolln Euch kämpfen sehn”-Sprechchöre.

Ansonsten möchte ich über das Spiel nicht allzu viel sagen. Dass ich beim ersten Tor nicht weiß, über wen ich mich am meisten geärgert habe, vielleicht – Lehmann, der den Ball, wie von Tasci erwartet, locker hätte ablaufen können, Tasci, der weder zurückgespielt noch die rustikale Variante gewählt, sondern Träsch in Bedrängnis gebracht hat, oder Träsch, der ein Dribbling an der eigenen Eckfahne für eine gute Idee hielt. Oder dass Kuzmanovic gezeigt hat, dass er dirigieren will: sehr häufig sah man ihn mit ausgestrecktem Arm den Mitspielern anzeigen, wo sie den Ball hinspielen sollen – dumm nur, dass er mangels Alternativen in den allermeisten Fällen nur auf einen der Herren aus der Viererkette zeigen konnte. Oder dass die langen Diagonalbälle von Delpierre auf den rechten Flügel nicht nur ein ästhetischer Gewinn waren, sondern auch häufig ankamen – Gefahr ließ sich damit allerdings nicht heraufbeschwören, dafür waren sie dann doch zu lange unterwegs.

Nun ist es aber wirklich genug – lieber nochmal was vom Spielfeldrand, auch wenn ich mich wiederhole. Irgendwann zwischen der 75. und 80. Minute wurden, beim Stand von 0:1, einmal mehr Rufe “Gegen ALLE Stadionverbote” zum Besten gegeben. Mit Verlaub: das halte ich für großen Unsinn. Kann irgendjemand glauben, ernst genommen zu werden, wenn er so etwas fordert? Einen Freibrief für alle? Ohne zu differenzieren, wie man es noch vor einiger Zeit mit dem Motto “Gegen willkürliche Stadionverbote” völlig zurecht getan hatte? Freie Hand für Randalierer, Gewalttäter, Brandschatzer? Wollen wir das Ganze dann auf die gesamte Gesellschaft ausweiten und jegliche Sanktionen für Straftaten abschaffen? Oder der Einfachheit halber beim Fußball bleiben und demnächst “Gegen alle direkten Freistöße” oder “Gegen alle gelben Karten” skandieren?

Nochmal im Ernst: ich bin ein entschiedener Gegner von Sippenhaft und von willkürlichen Stadionverboten, die rechtsstaatliche Prinzipien verhöhnen. Und ich befürchte, dass genau dies auf einen nicht unerheblichen Anteil der derzeit gültigen Stadionverbote zutrifft. Aber will wirklich jemand behaupten, man müsse buchstäblich jeden in ein Fußballstadion lassen, egal welche Vergehen er sich in ähnlichem Kontext bereits zuschulden kommen ließ und welche Gefahr von ihm oder ihr ausgeht? Das kann niemandes Ernst sein.

Strohfeuerwerk

“Der VfB ist halt keine Champions League-Mannschaft. Die kommen da manchmal zufällig rein, und dann…”

Der Rest war Schweigen – meine Frau war sensibel genug, nicht noch mehr Salz in die Wunde zu streuen. Natürlich hätte ich zumindest dem “zufällig” vehement widersprechen müssen, aber was hätte das gebracht? Die viel spannendere Frage lautet ja in der Tat, was auf das “und dann…” in dieser Saison folgt – aber beantworten hätte ich sie in diesem Moment nicht können.

Kann ich natürlich auch jetzt noch nicht, aber die Zuversicht kehrt wieder deutlicher zurück, nachdem ich mir gestern von vielen Leuten rund um das Neckarstadion herum beinahe hätte einreden lassen, dass ein Punkt zuhause gegen Glasgow zu wenig sei, um sich für das Achtelfinale zu qualifizieren.  Dabei hatte der Abend gut hervorragend begonnen.

20 Minuten lang brannte der VfB ein Feuerwerk ab, das es in sich hatte. Cacau sprühte vor Tatendrang, Hilbert stand ihm in nichts nach, Boka duellierte sich erfolgreich mit jedem, der in seine Nähe kam, Hitzlsperger machte das Spiel schnell wie lange nicht, kurz: man sah eine begeistert auftretende Mannschaft, die sich nicht nur viel vorgenommen hatte, sondern dies auch vom Anpfiff weg umzusetzen begann. Nach besagten 20 Minuten hätte der VfB mit 2-3 Toren führen können; gereicht hatte es aber nur zu einem Treffer, den Pogrebnyak nach beherztem Einsatz von Hilbert und Cacau erzielte.

Danach ließ man es etwas ruhiger angehen, gestattete den Schotten etwas Luft zum Atmen und erlaubte ihnen die ersten zaghaften  Schritte über die Mittellinie, wo sie allerdings ziemlich verloren wirkten und nicht von Stellungsfehlern des zuletzt so starken Christian Träsch profitieren konnten (Tascis Leerlaufgrätsche mit 20 Metern Anlauf möge vom Mantel des Schweigens verhüllt bleiben). Grundsätzlich erschien es durchaus sinnvoll, ein wenig Tempo herauszunehmen, um sich etwas mehr Platz für die dann zu setzenden Nadelstiche zu verschaffen. Die Gelegenheit dazu ergab sich tatsächlich das eine oder andere mal, ohne jedoch zu zwingenden Torchancen zu führen. Mitunter schienen Cacau und Pogrebnyak etwas zu sehr darauf erpicht zu sein, mit Direktpässen zu unterlegen, wie gut sie mittlerweile harmonieren, anstatt die Freiräume gelegentlich auf eigene Faust zu nutzen (einmal war allerdings auch das Gegenteil der Fall). Insgesamt aber beruhigte sich das Spiel zum Ende der ersten Halbzeit hin sehr, sodass die Stuttgarter Zuschauer allmählich unruhig wurden und die Pause herbeisehnten, auf dass sich das Feuerwerk nicht als Strohfeuer entpuppe und ihre Mannschaft danach wieder zielstrebiger zu Werke gehen möge.

Was nicht geschah. Vielmehr wurde der Trend fortgesetzt, indem man sich in der Vorwärtsbewegung immer weniger zutraute und sich minütlich weiter zurückzog, sodass die Gäste gar nicht mehr anders konnten, als ihrerseits aktiver zu werden (und irgendwann den Ausgleich zu erzielen). Die üblichen Reflexe auf der Tribüne setzten zuverlässig ein: Aufforderung zum Kampf, Pfiffe, Hilbert-Kritik.  Im Ernst: Roberto Hilberts Hereingaben von rechts fanden speziell in der zweiten Halbzeit nicht ihr Ziel, teilweise kam es wegen missglückter Dribblings nicht einmal dazu. Das kann man – zurecht – kritisieren. Dann sollte man aber vielleicht auch die Frage stellen, wieso von der linken Seite keinerlei Signale kamen, sich in irgendeiner Seite am Stuttgarter Offensivspiel zu beteiligen, weder von Hleb (ok, angeschlagen) noch von Gebhart (bis auf die letzten drei Minuten). Aber es ist müßig, Fehler gegeneinander aufzurechnen. Ich schweife ab.

Letztlich müssen sich der VfB und sein Anhang glücklich schätzen, dass die Schotten kurz vor Schluss nur den Pfosten trafen. Dennoch ist der Start mit einem Heimpunkt natürlich alles andere als optimal. Da jedoch von den 15 noch zu vergebenden Punkten im Gegensatz zu früheren Jahren, als man sich beispielsweise gegen Barcelona im Grunde keine Chancen ausrechnete, kein einziger von vornherein abgeschrieben werden muss, habe ich derzeit keinerlei Lust, mich mit Vergleichen zur letzten Champions League-Saison des VfB zu befassen, als man recht kläglich ausschied. Einfach mal die Kirche im Dorf lassen. Und vielleicht gegen Köln gewinnen, das wird schwer genug – wie ich im Übrigen auch im VfB FanPod zum Ausdruck brachte, für den ich vor dem Spiel ein paar Fragen beantworten durfte.

Kleine Randnotiz: Als Christian Träsch offensichtlich sehr heftig vom Fuß eines Schotten im Gesicht getroffen wurde (und eine Gehirnerschütterung davontrug) , hielt es Schiedsrichter Bussaca für ein gute Idee, sehr gemäßigten Schrittes und im angeregten Gespräch mit einigen Spielern zum am Boden liegenden Träsch zu flanieren, anstatt ihm rasch die nötige medizinische Behandlung zukommen zu lassen. Über so etwas kann ich mich fürchterlich ärgern.

Leverkusener Kreativität trifft auf spielfreudige Stuttgarter

Jens vom verdientermaßen hochdekorierten Bayer04-Mitleidsblog Catenaccio hat es angesichts des bevorstehenden Duells zwischen der Werkself und dem VfB gleich mit drei Stuttgarter Bloggern auf einmal aufgenommen und dabei erneut bewiesen, dass man in Leverkusen derzeit fußballmäßig sehr inspiriert unterwegs ist.

Auf Stuttgarter Seite nahmen die Hirngabel, der VfB-Fanpod und meine Wenigkeit die Herausforderung an, die Partie bereits vorab mit Fäusten Worten auszutragen: jeder Teilnehmer durfte in einem iterativen Prozess vier Spielszenen beschreiben, die letztlich zu einem Pre-Live-Ticker zusammengefügt wurden:

1.Minute: Stefan Kießling und Angelos Charisteas führen den Anstoß aus. Charisteas erhielt überraschend den Vorzug vor Patrick Helmes, der nur meinte: “Ist gut – ich schon mich für die Nationalelf.” Übrigens sehen wir Rene Adler heute in seinem Tor mit einer hübschen grauen Schlabberlook-Trainingshose und einer Kurzhaarfrisur. Da ist der Einfluss der Neuankömmlinge in Leverkusen bereits gut zu erkennen.

4. Minute: Nachdem Angelos Charisteas die ersten dreieinhalb Minuten seit dem Anstoß völlig erstaunt im Mittelkreis verbracht hat und sich über das irre hohe Tempo im Leverkusener Offensivspiel wunderte, packt ihn der Ehrgeiz und er versucht sich an einem Sprint in Richtung VfB-Strafraum. Unglücklicherweise bleibt er aber an einer kleinen Rasenunebenheit hängen und zieht sich einen Syndesmosebandanriss zu. Er wird daraufhin durch Patrick Helmes ersetzt.

5. Minute: Rolfes und Hitzelsperger verwechseln das Spiel mit einem Match der Nationalmannschaft und spielen sich gegenseitig die Bälle zu.

12. Minute: Wieder eines dieser Blitztore von der Werkself. Bayer legt los wie die Feuerwehr. Rene Adler überlobt die eigene Abwehr und spielt auf Hitzlsperger, der zu Rolfes, der wiederum auf Renato Augusto. Der Brasilianer tanzt Samba am Stuttgarter Strafraumrand mit Arthur Boka, der heute noch engere Hosen an hat als sonst, Renato flankt, Kießling köpft, der Ball flutscht Jens Lehmann durch die Hosenträger. 1:0! Kießling dreht ab und küßt sein neues Tattoo “Jogi” auf dem rechten Arm. Jetzt darf Stefan ja endlich Nationalmannschaft spielen. Derweil atmet Jens Lehmann ganz tief durch.

15. Minute: Auch Khalid Boulahrouz wird nun ein Opfer des irre hohen Anfangstempos der bayerischen Zauberoffensive und übergibt sich neben der eigenen rechten Eckfahne. Das medizinische Team der Stuttgarter reagiert sofort und bringt dann doch den an Rückenproblemen leidenden Delpierre. Bei Boulahrouz wird später in der Neusser Landesklinik ein mittelschweres Schleudertrauma festgestellt.

27. Minute: Nach einem unglücklichen Zusammenprall zwischen Jens Lehmann und Stefan Kießling entscheidet Schiedsrichter Günter Perl auf Stürmerfoul. Der Ex-Nationaltorhüter bedrängt den Unparteiischen, Kießling “aus erzieherischen Gründen” zu einer Entschuldigung aufzufordern. Vorher werde er nicht in sein Tor zurückgehen. Perl verbittet sich derlei Eingriffe in seine Entscheidungshoheit und zeigt Lehmann die fünfte gelbe Karte.

42. Minute: Da der VfB wie so häufig in der Saison die erste Halbzeit ziemlich verschlief und offensiv einmal mehr harmlos blieb, häufen sich die Unmutsbekundungen im Gästeblock (also dem der Stuttgarter, nicht der Leverkusener Gäste) zusehends. Aufmerksame Kameramänner von Premiere konnten sogar schon ein erstes “Wir wollen Ljuboja zurück!”-Banner ausmachen. Der “Fan”, der das Plakat hochhält, weist dabei allerdings etwaige optische Ähnlichkeiten mit einem kurz zuvor in Ungnade gefallenen serbischen Stürmer auf – nur mit einem dicken schwarzen Schnurrbart im Gesicht…

46. Minute: Nachdem die Leverkusener vom Anpfiff weg nach vorne stürmten und beinahe in Führung gegangen wären (Osorio klärte in letzter Not), fängt Jens Lehmann die Ecke ab und leitet mit einem weiten Abwurf auf Thomas Hitzlsperger den Gegenangriff ein. Hitzsperger chippt (was sonst?) den Ball auf die rechte Flanke, wo der eingewechselte Hilbert die aufgerückte Abwehr überlaufen kann. Mit ungeahnter Übersicht legt er den Ball auf den mitgelaufenen Sami Khedira zurück, der aus 16 Metern überlegt zum 1:1 einschiebt und so dem VfB einmal mehr den Weg weist.

54. Minute: Der VfB kam sehr gut in die zweite Halbzeit rein, so dass das 2:1 durch Ciprian Marica nach einem tollen Sololauf von Khedira nur folgerichtig war. Derweil führt übrigens Toni Kroos mit 7:4 im Playstation-Duell mit Lukas Podolski, das beide dank neuester Technik von ihren jeweiligen Tribünenplätzen aus zocken.

70. Minute: Jens Lehmann stößt vor einem Eckball wutentbrannt Sedar Tasci um, weil er ihm im Weg steht. Wegen diesem unsportlichen Verhalten zeigt ihm Schiedsrichter Perl die zweite gelbe Karte. Tasci muss nach der Attacke vom Feld. Das Wechselkontingent von Babbel ist allerdings schon erschöpft, er musste ja als letzten Wechsel Hitzelsperger vom Platz nehmen und Alexander Stolz einwechseln. Zu diesem Zeitpunkt steht es 2:1 für die Roten.

81. Minute: Alexander Stolz lenkt einen Foulelfmeter von Patrick Helmes an den Pfosten, Sascha Dums satter Nachschuss landet auf der Tribüne. Während sich bei den Gastgebern Resignation breit macht, fiebert Jens Lehmann nach seiner Ampelkarte am Autoradio mit.

87. Minute: Bruno Labbadia kann es nicht mehr mit ansehen. Noch immer liegt Bayer hinten und das obwohl inzwischen drei Stürmer mit Kießling, Helmes und Sukuta-Pasu auf dem Platz stehen. Dafür spielen in der Abwehr nur noch Kadlec und Castro. Labbadia begründet die Entscheidung für die Herausnahme der beiden Innenverteidiger, mit einem Tipp von Rene Adler, dass die beiden gar nicht Fußball spielen können. Gerade in diesem Moment wird Dum angeschossen, der Ball trudelt gegen den Stuttgarter Pfosten, Helmes zieht direkt ab, trifft aber nur die Latte, von der der Ball dem völlig verdutzten Arturo Vidal auf den Kopf tropft und von da ins Tor springt. Der Ausgleich. 2:2!

90. Minute: Markus Babbel will nochmal wechseln und bedrängt deswegen den vierten Schiedsrichter heftig. Der versucht ihm zu erklären, dass er bereits dreimal gewechselt hat und mehr erlaubt die Regel nicht. Babbel erwidert, er kenne diese Regel nicht und würde erst im kommenden Sommer auf die Trainer-Schule gehen. Für sein Verhalten verweist ihn der Schiedsrichter auf die Tribüne. Durch seine Diskussionen bekommt Babbel nicht mit, dass der VfB sooo nah am Siegtreffer ist. Denn Rene Adler stolpert beim herauslaufen über seine Schlabberhose, als Mario Gomez völlig frei auf ihn zuläuft. Dabei reißt er Gomez zu Boden. Alle Beschwörungen helfen nicht, es gibt Elfmeter. Unglücklicherweise schnappt sich Ludovic Magnin den Ball.
Ganz seinem Stil entsprechend semmelt er den Ball in die Tribüne. Adler stand noch nichtmal in seinem Tor.

91.Minute: Der bereits gelb belastete Arturo Vidal versucht nochmal alles, rennt alleine in den Strafraum der Stuttgarter, turnt einen Flick-Flack, wirft sich theatralisch vor die Füße von Goalie Stolz und krümmt sich schmerzverzerrt. Leider ist kein Ball in der Nähe des Chilenen, so dass Referee Perl nicht anderes übrig bleibt, als auf Schwalbe zu entscheiden und Vidal die gelb-rote Karte zu zeigen. Nun ist das Spiel aus.

118. Minute: Vor der PREMIERE-Kamera betont Bayer-Sportdirektor Rudi Völler zunächst, dass er von seiner Mannschaft natürlich erhofft hätte, gegen nur noch 9 Stuttgarter zielstrebiger und letztlich erfolgreicher zu agieren. Man müsse aber auch berücksichtigen, dass der VfB Stuttgart mit Rainer Adrion den designierten Trainer der U21-Nationalmannschaft in seinen Reihen habe. Auf Nachfrage des irritierten Interviewpartners führt Völler weiter aus, er deute keineswegs an, dass die zahlreichen jungen Leverkusener den künftigen Coach nicht hätten verärgern wollen. Vielmehr liege es im Interesse des DFB, in dessen Auftrag Günter Perl ja agiere, dass der von Oliver Bierhoffs Gnaden installierte Juniorentrainer einem erfolgreichen Verein entstamme: “Das ist doch Teil von Olivers Konzeption.”

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Falls sich jemand fragt, wieso 3 Stuttgarter nicht in der Lage waren, einen Leverkusener auseinander zu nehmen – es war halt wie so oft: dem VfB fehlt der Killerinstinkt.

Wer alle Beiträge dem jeweiligen Verfasser zuordnen kann, darf beim nächsten Mal mitspielen.

Vielen Dank an die drei Mitstreiter, ich hatte viel Spaß. Falls wir ein wenig über das Ziel hinausgeschossen sind, liegt das wohl daran, dass der Bundesligaalltag ein wenig mehr Punk vertragen könnte. Oder so.