vierzehn/zwanzigfünfzehn

Als Junior hat er nicht so viel zu lachen,
oft glänzen andere an seiner statt.
Ein Land, das tausende Talente hat,
braucht keinen, dem die Knie zu schaffen machen.

Dereinst lässt er’s als Streckentester krachen,
und unvermittelt ist die Fachwelt platt:
Er setzt die halbe Weltelite matt –
ein Glück, dass sie die Zeiten überwachen!

Er prägt die Szene in den nächsten Jahren.
Sein Sturz – danach der Sieg – wird zum Event,
der Laie staunt, die Fans und Medien toben.

Drei Jahre später wird er angefahren,
der Unterschenkel ist fast abgetrennt.
Er kämpft und kehrt zurück. Bis ganz nach oben.

 

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Hintergründe zum Kalender.
Kommentare zu Sportart und Identität wären schön.
Bleiben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

dreizehn/zwanzigfünfzehn

Schon wieder geht’s um Nationalitäten,
um deren Wechsel und um den Boykott,
um einen Namen Marke “polyglott”
und Staaten, die Devisen nicht verschmähten.

Geht um herkulische Kalamitäten –
am Ende ging es ziemlich schief und flott.
Um Ehrfurcht geht’s, und Körpergrößenspott.
Und fabelhafte Zweikampfqualitäten:

Als er die dritte Goldne stemmen wollte,
entwickelte sich eine wilde Hatz,
die Weltrekorde purzeln lassen sollte.

Für’n Gegner war’s am Ende für die Katz
(auch wenn die Welt ihm Anerkennung zollte).
Und er? Nahm in der Ruhmeshalle Platz.
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Hintergründe zum Kalender.
Kommentare zu Sportart und Identität wären schön.
Bleiben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

zwölf/zwanzigfünfzehn

Die jüngsten paar Medaillen* sei’n betont:
erst die EM, dann dieses Jahr global.
Mit Kraft und Technik, und: Sie ist die Qual
der Trainingsfron jahrzehntelang gewohnt.

Ihr Körper ward nun wahrlich nicht geschont,
der Leistungssport erwies sich als brutal.
Ihr Nachwuchsweltrekord ist ein Skandal;
für die Systeme hat sich’s wohl gelohnt.

Ihr sportlich schönster Sieg ist lange her:
Die junge Frau erklomm der Götter Ort –
ein großer Wurf! Was will man da noch mehr?

Heut ist sie älter und sie sitzt beim Sport –
ein Schicksalsschlag macht ihr das Leben schwer.
Sie will nicht hadern, sagt sie, und hält Wort.

*Hier stand erst was Anderes. Sachlicher Fehler. 
Wird unten im Kommentar erklärt.

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Hintergründe zum Kalender.
Kommentare zu Sportart und Identität wären schön.
Bleiben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

elf/zwanzigfünfzehn

Ihr erster Weltrekord ward annulliert.
Sie fragen sich: Was hat sie wohl genommen?
Gemach, gemach! Der Sport ist zwar verkommen,
doch der Fall war politisch motiviert.

Die Welt hat ihre Heimat boykottiert,
so fühlte sie sich zweifellos beklommen.
Dass sportlich dennoch Hoffnungsfünkchen glommen,
lag an dem Trick, den man ihr offeriert:

Sie wechselte, dank Opas Blut, das Land,
ist gänzlich ohne Lackschuh‘ dann gerannt,
um sich auf höchstem Sportniveau zu messen.

Dort kreuzte sie den Weg der Favoritin.
Die fiel dann hin. Und sie, die neue Britin,
erlebte ein Olympia zum Vergessen.

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Bleiben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

zehn/zwanzigfünfzehn

Durch Zufall wird bei einem Schulhofzwist
sein ausgesprochenes Talent erkannt:
Zum ersten Mal nimmt er ihn in die Hand
und spürt direkt, wie er zu händeln ist.

Erweckend ist’s, wie wenn man erstmals küsst.
Er fühlt ihn gleich, und führt ihn dann brillant.
Die Lehrerin kommt staunend angerannt –
ne Szene, die man nicht so schnell vergisst.

Indes, beim ersten echten “Feindkontakt”
wird’s hektisch und läuft überhaupt nicht rund:
Der Stiel verweigert sich, er zickt und spackt.

Nach wildem Schütteln öffnet er den Schlund,
dann taucht er ab, und schon – ich glaub, es hackt –
ist dieses Ding – der Schnatz – in seinem Mund.

(Verzeihung.)

 

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neun/zwanzigfünfzehn

Er hatte sich im Brückenbau geschunden,
und wer das schon mal ausprobierte, kennt’s:
Die Hände werden taub, im Rücken brennt’s,
Sekunden fühln sich schon mal an wie Stunden.

Verzweifelnd hat er sich im Schmerz gewunden,
der Druck war riesig und die Last immens.
Mit krummem Rücken, Verve und Renitenz
hat er gleichwohl die Kraft zum Sieg gefunden.

Man könnt‘ ihm engelsgleich ein Loblied singen,
ganz detailliert und ohne jede Lücke,
könnt’ Infos zur genauen Dauer bringen.

Allein: Wem hülfe eine weitre Krücke?
Was soll ich noch um schöne Worte ringen?
‘s gibt kein Vertun: Ihr wusstet es bei “Brücke”.

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acht/zwanzigfünfzehn

Sie hatten einst ein breites Tal durchmessen,
eh sie dank seiner wieder oben waren:
Das erste Einzelgold nach 16 Jahren
war ihm vergönnt. Heut ist er fast vergessen.

Er hat halt nicht das Charisma besessen
des andern, mit den feuerroten Haaren.
Vor allem aber musste er erfahren,
wie sehr im Sport Erinnerungen stressen.

Er stürzte schrecklich, kurz nach jenem Gold,
und konnt‘ hernach nicht mehr wie früher glänzen.
Welch’ Schmerz, als ihn die Einsicht überrollt!

Das Laufen ging – beim Sprung stieß er an Grenzen.
Gibt kein Vertun: der Kopf hat nicht gewollt.
Er hatte Angst. Und zog die Konsequenzen.

 

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sieben/zwanzigfünfzehn

Ein Höhepunkt olympischer Geschichte,
so heißt es allerorten, jederzeit.
Ich selbst war für die Sportart nicht bereit
und kenne bloß die Texte und Berichte.

Die zeigen sie im allerbesten Lichte,
in Pflicht und Kür, und immerdar zu zweit.
Bei den Juroren herrschte Einigkeit:
ne glatte Sechs! (Und ich schreib Schmähgedichte.)

Wenn sich’s im Sport allein um Noten dreht,
so hat sich meine Strategie bewährt:
Dann meid’ ich ihn, so gut es eben geht.

Wer’s nicht verstehen kann, dem sei erklärt:
Ich bin wahrhaftig nicht so sehr Ästhet.
Und künstlerisch, da hab ich keinen Wert.

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sechs/zwanzigfünfzehn

Sie zählte nicht zum Kreis der Favoriten,
hat nicht das Gold, den Weltrekord gejagt.
Sie lief halt mit, war – sportlich – schon betagt,
doch ließ sie sich das Laufen nicht verbieten.

Das Wetter war nicht grad die Wucht in Tüten:
Die Hitze hat die Damen arg geplagt.
Viel Flüssigkeitsaufnahme war gefragt,
um ja das Dehydrieren zu verhüten.

Es glückte nicht. Sie taumelte herum:
die Beine schief, der Rücken schrecklich krumm,
und nicht imstand, geradeaus zu gehen.

So wankte sie, erschütternd, bis ins Ziel,
wo sie direkt in Doktors Arme fiel.
(Vermut’ ich halt – ich kann’s bis heut nicht sehen.)

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fünf/zwanzigfünfzehn

Einst macht’ er sich erfolgsbesessen auf –
die Sportwelt zu erobern war sein Ziel.
Talent war da, er investierte viel.
Erfolgszerfressen? Ja. Man nahm’s in Kauf.

Doch bald gab’s richtig auf die Fresse drauf:
die Arschlochkrankheit nahm ihn aus dem Spiel.
Er wehrte sich, entsprechend seinem Stil –
das Schicksal nahm nen märchenhaften Lauf.

Kaum jemals schien das alte Bild des Phoenix
– aus Asche steigt er triumphal empor –
so treffend. Man bestaunte seinen Flug.

Er stieg und stieg, im Habitus des Königs –
und stürzte ab wie keiner je zuvor:
all seine Kunst, sein Tun, war nur Betrug.
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Hintergründe zum Kalender.
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