vierzehn/zwanzigzwanzig

Die Rollen sind im Voraus klar verteilt:
Der heimatliche Held ist fest gebucht,
der Nachbar als Komparse, leicht verrucht,
derweil die halbe Welt zuhause weilt.

Das Publikum, schon reichlich aufgegeilt,
beschimpft den Nachbarn, zetert, pfeift und flucht,
als der erfolgreich Weltrekord versucht.
Ein stich ins Herz, der nicht so schnell verheilt.

Der Sportler grüßt mit ehrenvollem Arm,
die Welt sieht’s am TV (nur nicht vor Ort).
Sein größter Tag bringt stadionweit nur Harm.

Nach ein paar Jahren geht er schließlich fort,
mit jenen Nachbarn wird er nicht mehr warm.
Die andern freuen sich. Er siegt nun dort.

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Hintergründe zum Kalender.
Über Kommentare zu den Sportler*innen und ihren Sportarten würde ich mich freuen. Sie bleiben aber zunächst verborgen. Spannung und so.

Wer Probleme hat, überhaupt zu kommentieren (ja, das passiert gelegentlich), ist herzlich eingeladen, mir seinen oder ihren Kommentar per Mail an blog at heinzkamke.de oder auch per Twitter-DM zu schicken. 

dreizehn/zwanzigzwanzig

Er wechselte mit zwölf schon den Verband.
Genau genommen war’s der Herr Papa,
der ihn zuhaus’ nicht gut gefördert sah.
Und der im Herzensgrund auf Kriegsfuß stand.

Er startete von nun an für ein Land,
das topographisch … jener Sport … na ja.
Sie ahnen längst, was fürderhin geschah
und was das Heimatland als Schmach empfand.

Die Medien dort vergossen manche Träne,
sie jubelten und fletschten doch die Zähne,
laudierten erst die Technik, dann den Speed.

Indessen fand ein hoher Funktionär,
dass *er* seit je das größte Arschloch wär‘,
das ‘ne Medaillenhatz für sich entschied.

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zwölf/zwanzigzwanzig

Zuerst hat sie zwei Ringe abgehakt,
ging weg und setzte nahtlos fort – alsdann:
Fürs zweite Land warn sogar viere dran –
beim letzten Mal galt sie schon als betagt.

Der Länderwechsel, falls sich jemand fragt,
lag letzten Endes wohl an einem Mann.
Mit ihrem Trainer bandelte sie an
auf palindromischer Medaillenjagd.

Karriere und Familie? Ja, das ging:
K1, K2, ne kleine Kinderschar,
und dann war auch noch Politik ihr Ding.

Sie machte ’nen Regierungsposten klar,
doch blieb die Dauer relativ gering.
Wobei ihr Name stets derselbe war.

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elf/zwanzigzwanzig

Sein Name klingt auf jeden Fall vertraut
für uns in unsrer deutschen Fußballblase.
doch weit gefehlt, ich sag es mit Emphase:
nicht deutsch, kein Kick! Und auch der Name: Laut.

Sein Sport, auf den man dortzulande schaut
mit großem Stolz, Erwartungsdruck, Ekstase,
läuft nicht auf Tartan, Sand, schon gar nicht Grase –
auf ihrem glatten Boden wächst kein Kraut.

Die Leistungsdichte ward ihm zum Problem:
Zu wenig Plätze für zu viele Leute –
ein Länderwechsel war da ganz bequem.

Im Nachbarland gab’s keine solche Meute,
olympisch war da auch Rang drei genehm.
Drei Stockerl in sechs Jahren – seine Beute!

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zehn/zwanzigzwanzig

In unserm Lande war sie endlich dran –
ob Ihr wie ich wohl jenes Titels harrtet?
In ihre Laufbahn war sie früh gestartet,
zog uns jahrzehntelang in ihren Bann.

Im Heimatland weiß jeder, was sie kann,
die Zahl der Ehrungen ist ausgeartet.
Die der Medaillen eh. Doch nachgekartet
wurd’ auch – als sich der Dorfprotest entspann.

Sie zog die Konsequenz und sich zurück.
Nicht aus dem Sport, dem Wettkampf, notabene!
(“Ich war erst vierzig, geht’s noch?”, sagt ihr Blick.)

Nein, aus dem Land. Dem Kontinent. Der Szene
blieb sie treu. Olympia sieben. Schick!
Und Nandrolon? Nicht schlucken! Aslo: Vene. 

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neun/zwanzigzwanzig

Ein Sonderfall ist er hier insofern,
als die von ihm vertretenen Nationen
zwar mancher Sportlervita innewohnen,
doch meistens anders als bei diesem Herrn.

Er mochte Nation eins halt nicht so gern,
der sportliche Erfolg sollt’ sich auch lohnen.
Doch wechseln war nicht drin (getrennte Zonen).
Vielmehr entschieden sie, ihn einzusperrn.

Dem Knast und Land entronnen (dem labilen),
wurd’ er noch EM-Dritter, sonst war’s mau:
Shakehands- und Quali-Knatsch, auch andre Dinge.

Sein Sport? War schon olympisch bei den Spielen
der achtzehnten Olympiade – wow!
Ich glaub, da gab’s noch nicht mal diese Ringe.

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acht/zwanzigzwanzig

Erhöbe man durchs Fragen vieler Leute
bekannter Sportler Popularität,
so siegte jener, den man gleich errät,
in seinem kleinen Land vielleicht noch heute.

“Ja ist er denn des Wahnsinns fette Beute?”
So frug man sich, als einst, nach Koks-Diät,
das liebste Kind das eigne Land verschmäht’,
sich öffentlich am neuen Pass erfreute.

Er hatte alles locker überflogen,
auch kritischere Punkte übersehn,
galt bloß im Selbstbild nach wie vor als bester.

Die Wechselfarce ward grad noch abgebogen,
und weil er blieb, blieb afk bestehn:
Sein größter Fan, gnä’ Frau, ist meine Schwester.

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sieben/zwanzigzwanzig

Karriereenden hattest Du ne Menge,
die Sache mit dem Timing war verflixt!
Stets hat ein neues Ziel Dich angefixt –
so zieht sich halt die Laufbahn in die Länge.

In frühen Jahren gab es ein Gedränge
an Flaggen und Nationen, die Du schmückst,
mit Deiner Leistungsfähigkeit beglückst.
Die Geopolitik hat ihre Zwänge.

Dann springen wir mal ein paar Jahre vor:
Du kamst aus Krankheitsgründen angelaufen
und landetest perfekt im neuen Land.

Für das Du wiederum Medaillen hor-
tetest, und einmal mehr nen großen Haufen.
Dann heim. Erneut zu Coubertin gesandt.

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sechs/zwanzigzwanzig

Rein sportlich höchstens Zweitligalegende,
beim Training morgens öfter ziemlich müd‘.
Mit dreißig auch schon über dem Zenit –
es naht gedanklich das Karriereende.

Doch nimmt sein Sportlerleben eine Wende,
als er ein Auslandsangebot besieht
und kurzerhand in eine Gegend zieht,
wo er dereinst die Frau fürs Leben fände.

Die sportliche Bilanz ist schlichtweg krass,
europaweit hat er die besten Zahlen
und gilt in einträchtigem Sinn als Heiland.

Mit fünfunddreißig gibt’s nen neuen Pass,
wir sehen ihn als Länderspieler strahlen,
und finden ihn noch heut auf seinem Eiland.

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fünf/zwanzigzwanzig

Mit 19 hat er einst sein Land verlassen –
die Verbform: abgesetzt, nicht ausgereist.
Ein Kino war sein Zufluchtsort, so heißt
es, für die Häscher war er nicht zu fassen.

Zwar musste er gesperrt ne Weile passen
(man hätt’ ihn gerne früher losgeeist),
doch bald darauf schon scorte er zumeist,
ließ alle andern im Verein verblassen.

Er durfte dann auch ne WM bestreiten,
doch sorgte seine Vita für zwei Pleiten.
Am grünen Tisch. Dann wieder nicht. Die spinnen.

Der Unsinn der Verbände war beschämend,
die Posse für sein Team ganz sicher lähmend.
Statt KLM bekämpfte man die Finnen.

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