No rage, no running. But still …

Öhm? Englisch? Und überhaupt? Running? Rage? Nee, nee. Nur eine Reverenz.

Das ging dann ja doch ein bisschen rasch, irgendwie. Der Advent kam, mit ihm wieder mal ein Kalender und ganz nebenbei ein neues Blog. Der Name ist geblieben, die alten Texte sind es auch, die Blogroll ist verschollen, kommt aber bestimmt wieder. Die Adresse hat sich ein bisschen verändert, die Optik deutlich, ohne dass ich so genau sagen könnte, was weshalb wie aussieht und wie es sich wie ändern ließe.

Der Adventskalender hat mir auch in diesem Jahr großen Spaß bereitet. Dies gilt  erfreulicherweise auch für eine in ihrer Größe nicht so genau einzuschätzende Gruppe, die vermutlich eine gewisse Affinität für sportgeschichtliche Ausflüge oder für Reimereien oder für Rätsel oder für Teile davon oder auch für alles miteinander eint. Ich war versucht, von einem Nischenpublikum zu reden, was aber selbstredend völliger Unsinn ist: Sie sind alles andere als ein bloßes Publikum, sondern vielmehr ganz entscheidender Bestandteil der “Show”, also dessen, woran ich so große Freude hatte.

Und weil eben dieser Adventskalender dann doch nicht nur eine gewisse Aufmerksamkeit inhaltlicher Art erfahren, sondern zudem einige Leute hierher geführt hat, die sich zuvor selten bis gar nicht in mein Blog verirrt hatten, spielten der Umzug und das neue Äußere kaum eine Rolle. Geschickt eingefädelt, so wurde ich weder in Diskussionen über Schriftgrößen und -farben verwickelt, noch musste ich mir Antworten auf die Frage nach dem Warum aus den Fingern saugen.

Doch wie das halt so ist: Die Frage stellte sich trotzdem. Will sagen: Ich stellte sie. Wieso bin ich mit meinem darbenden Blog umgezogen, weshalb habe ich mich gar im Rahmen meiner Möglichkeiten mit gestalterischen Fragen befasst, warum den Aufwand betrieben? Für ein Blog, das – so ehrlich muss man mit Blick auf das abgelaufene Jahr sein, so gnadenlos ehrlich sind die fabulösen Herren vom Vertikalpass dankenswerterweise auch gewesen – kaum mehr als einen Adventskalenderblogger beherbergt?

Nun, ich weiß es nicht. Vielleicht war es das Bestreben, dann doch wenigstens dem Adventskalender ein neues Kleid zu kredenzen, vielleicht der Wunsch, in höherem Maße Herr über die eigenen Daten (hier: Texte) zu sein, ganz sicher steckt zum Teil das Ansinnen dahinter, die hinter meinem Rücken außerhalb meiner Kontrolle durch WordPress platzierte Werbung loszuwerden, und vielleicht, ganz vielleicht ist es einfach nur ein letztes Aufbäumen. Sie kennen das: Die Beziehung siecht so ein bisschen dahin: Heiraten? Kind? Neues Kleid? Ok, Letzteres.

Vielleicht, ganz vielleicht wird dieses Blog ja doch noch einmal regelmäßiger befüllt. Vielleicht werden ja auch diese (oder gar jene) Fünfzeiler irgendwie eingegliedert, das neue Gewand ist schließlich recht großzügig geschnitten. Modular, quasi. Und möglicherweise geht’s einfach öfter mal wieder um was anderes. Nicht nur um den VfB Fußball Fünfzeiler und Sonette, sondern einfach um Dinge, die mir grade so im Kopf rumschwirren, die ich, hüstel, angedacht habe, ohne weitergekommen zu sein, Sie wissen schon, damals. Der Herr @_catenaccio macht das übrigens auch grade, gefällt mir. Und ich habe auch noch im Ohr, wie er mir vor einiger Zeit sagte, besser: schrieb, dass mein Blog seinem Namen früher auch mehr Ehre gemacht habe, oder so ähnlich. Und das wesentlich freundlicher, als es in meinen Worten klingen mag.

Ganz aktuell schwirrt mir zum Beispiel die Frage im Kopf herum, ob ich schon heute wieder anfangen soll zu twittern, oder erst morgen, oder in ein paar Tagen. Grade im Advent war es doch ein bisschen viel, und so zog ich mich unmittelbar nach Weihnachten erst einmal zurück – aus meiner besten, schnellsten, wichtigsten Informations- und häufig auch Inspirationsquelle. Ok, gelegentlich schaute ich rein, still, mehr oder weniger, mit gelegentlichen Herzchen als Lesenszeichen.

Dass der Beginn der Abstinenz just mit dem Start der Abstimmung über den Austragungsort des diesjährigen #tkdingens (mir geht der andere Begriff so schwer über die Finger) zusammenfiel, war eher kein Zufall. Den sich über Monate in Zyklen aufschaukelnden Wahlkampf empfand ich im besten Fall als ermüdend, in jedem als unnötig. Aber ich mag ja auch den Vergabeprozess vergleichbarer Großereignisse nicht, man denke an (nicht nur Fußball-) Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele und ihre Anforderungskataloge.

Dass ich dann auch nicht abgestimmt habe, mag mich bei Trainer Baade und dem Team des @tkschlaendle ein wenig in Misskredit bringen, aber nun gut. Meinetwegen könnte man den nächsten Austragungsort während des sonntäglichen #tkdingens-Katerfrühstücks über einer Deutschlandkarte auspendeln, oder das Los ebenda zwischen all jenen Orten entscheiden lassen, die Interesse signalisiert haben. Und wenn das Ergebnis lautete, dass wir zweieinhalb Tage lang in einer schäbigen Eckkneipe in Itzehoe, in Königsmünster oder Berlin miteinander reden sollen, hätte ich halt dort meinen Spaß mit vielen wunderbaren Leuten aus meiner Timeline, oder auch noch nicht aus meiner Timeline. Nun aber: München. Schön.

Einige wenige Male hatte ich in den letzten Tagen schon die Hand am Tweet. Die Gründe und Anlässe waren sehr unterschiedlicher Art, und in einem Fall schickte ich dann zumindest eine Direktnachricht, weil ich mich nicht nur dringend irgendwie artikulieren musste, sondern auch noch Verständnis ernten wollte, was im Kreis der mit mir Urlaubenden wesentlich ausführlicherer Erläuterungen als jener vier Worte bedurft hätte, die den Kern meiner Nachricht an @sport_thies ausmachten: “Ashton Eaton? Ashton Eaton!”

Womit ich doch schon wieder beim Adventskalender wäre. Weil Herr Thies dort stellenweise versagt hat. Weil ich mich dort etwas intensiver mit dem Mehrkampf befasst hatte, einige werden sich erinnern: André Niklaus, Bryan Clay und Sabine Braun versteckten sich hinter je einem halben Türchen, Sabine Everts, Torsten Voss und Christian Schenk waren ebenfalls in der engeren Wahl gewesen. Und natürlich sah ich mir ein paar andere große Athletinnen und Athleten an, Daley Thompson natürlich, Jackie Joyner-Kersee, Dan O’Brien, Erki Nool, Ghada Shouaa, die Tschechen um die Jahrtausendwende, die begeisternde Carolina Klüft.

Und am Ende blieb immer die Selbstverständlichkeit, die von Ashton Eaton ausgeht, jene Selbstverständlichkeit, mit der er ein gutes halbes Jahrzehnt lang wahrlich alles gewann, die Leichtigkeit, die Abwesenheit prätentiösen Gehabes – auch wenn diese, um der Wahrheit die Ehre zu geben, im Mehrkampf gewiss kein Alleinstellungsmerkmal ist. Ich wollte, dass das immer so weitergeht. Verlässlichkeit, Sie wissen schon. Küchenpsychologie, Ihr Einsatz! Und überhaupt: 45.00 über die 400! In einem Zehnkampf! Der letzte deutsche Spezialist unter 45 war Ingo Schultz, danach müssen wir in die 80er zurück, zu Schönlebe, Skamrahl, Weber et al.

Verzeihung, ich ließ mich ein bisschen mitreißen. Der Urlaub wirkt nach. Schön war’s. Wenig Schnee, viel Familie, auch viel leichte Lektüre. Erstmals las ich ein Buch von Sebastian Fitzek, einen geschenkten Gaul, sozusagen. Es mag an dem speziellen Werk gelegen haben, sein jüngstes, wenn ich nicht irre, aber aus eigenem Antrieb werde ich in absehbarer Zeit eher keines erwerben. Ein paar andere Sachen waren nicht der Rede wert; eine Menge Freude hatte ich indes zu meiner nennenswerten Überraschung mit und an Marc Hofmanns „Alles kann warten“, das eigentlich ziemlich viele Komponenten enthält, die mich im Regelfall abschrecken (Männer, die nicht erwachsen werden wollen; die Beschreibung ihrer Vertrautheit, die eigentlich nur im echten Leben funktioniert; fortwährende Musikzitate; etc. …), und wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden, ich möchte mich zügig dem jüngsten Werk von Adrian McKinty widmen, das seit einigen Tagen unberührt auf meinen Lesegerät bereitliegt.

Sieben. Und elf: link-elf.

Null. Nominierungen.
Bei Twitter, in Blogs, gerne mal im Facebook, vermutlich auch bei Google plus oder sonst wo, wird man in letzter Zeit gerne mal nominiert. Man möge sein liebstes Buch nennen, oder die besten Musikstücke, oder die schönsten Filmszenen, Sie erkennen das Prinzip, oder kennen es. Ich kann dem nicht so wahnsinnig viel abgewinnen, um es ein bisschen euphemistisch auszudrücken. Also dem Nominierungsprozess. Die jeweiligen Präferenzen und die entstehenden Gespräche an sich sind häufig sehr erquicklich, mir missfällt nur das kettenbriefartige.

Vielleicht bin ich da zu sehr Kind der 80er, das mehrfach um sein Seelenheil fürchtete, weil Papa nicht bereit war, den Brief im Büro neunfach zu fotokopieren, auf dass der Sohnemann ihn durch die Republik oder auch nur an die noch nicht bedienten Mitschülerinnen und Mitschüler versenden könne, sodass ihm, also mir, wegen Kettenbruchs gar schreckliche Szenarien blühten. Sie traten nicht ein, das Trauma blieb.

Eins. Empathie.
Andere Menschen haben möglicherweise auch Traumata. Vielleicht Thomas, wiewohl eher ein Kind der 70er, oder auch @dierudola, von der ich annehme, dass sie ganz gut in die 90er passt, schulisch, aber ich weiß es nicht. Vermutlich gab es aber auch zu ihren Zeiten Kettenbriefe, und wer weiß, ob sie nicht nach wie vor die Angst vor dem Kettenbruch mit sich herumtragen.

Es wäre mir sehr arg, diese beiden liebgewonnenen Social-Media-WeggefährtInnen einem solchen Risiko auszusetzen. Und so schreibe ich nun also sieben Fakten (naja, was man halt so mit viel Wohlwollen Fakten nennt) über mich auf, ergänzend zu jenen zwanzig, die hier vor einem knappen Jahr unnominiert aufgelistet wurden.

Zwei. Fußball.
Ich interessiere mich für Fußball. Könnte sehr viel Zeit damit verbringen, mir Fußball anzusehen. Manche(r) mag es geahnt haben. Aus eben diesem Grund sehe ich seit Jahren davon ab, Bezahlfernsehensabonnent zu werden. Denn ich bin schwach. Und habe Angst vor der zweiten griechischen Liga, exemplarisch, die mich fürderhin dreimal pro Woche in ihren Bann ziehen könnte, wenn nicht grade Ligapokalspiele in Chile angesetzt sind. In der Konsequenz muss ich mitunter unwirtliche Orte aufsuchen, um Spiele des VfB Stuttgart zu verfolgen.

So wie jüngst jenen 80er-(schon wieder)-Jahre-Partykeller, der mir als Nebenraum einer „Lounge“ angekündigt worden war, die ihren Namen auch nur so halb verdiente. Drei auf zwei Meter, mit eierkartonähnlichem Relief vor dem einzigen Fenster Lichtschacht, einem Spielautomaten, der sich die Stirnseite mit dem Bildschirm teilte, mit Sitzgelegenheiten, die noch den Duft selbstgedrehter Zigaretten aus den späten 60er Jahren atmeten und so einen gelungenen olfaktorischen Kontrast zur benachbarten Toilette bildeten.

Aber ich war allein, bis weit in die zweite Halbzeit hinein, dann gesellte sich ein junges Pärchen ohne jedes Fußballinteresse hinzu, Fußballsmalltalk war also nicht nötig. Perfekt. Was man von dem Spiel nicht sagen konnte. 2:3 in Berlin, Sie erinnern sich. Frühere 3:2-Spiele, die ich an Einmal-und-nie-wieder-Orten gesehen habe: Bielefeld 2006, Bochum 2007. Besser. Wesentlich.

Drei. Schwächen.
Man kann nicht drumherum reden: ich habe eine Schwäche für Moritz Leitner. Regelmäßige Mitlesende wissen das.

Bei besagtem Spiel in Berlin hatte ich kurz die Hoffnung, erstmals eine größere Anzahl VfB-Anhänger auf meiner Seite zu wissen. Nicht dass es mir wichtig wäre, mein Faible zu teilen, aber es hätte vermutlich darauf hingedeutet, dass sich das Spiel so weiterentwickelt hätte, wie es begonnen hatte. Mit Leitners Tor, Leitners Ballgewinnen und einer Leitner’schen Kopfball-Rettungsaktion. Hat es aber nicht. Nun denn. Frühere Schwächen galten beispielsweise Christian Tiffert, Roberto Hilbert oder Raphael Holzhauser. Es hätte schlimmer kommen können: mein Stadionnachbar stimmt heute noch Emanuel-Centurión-Gesänge an.

Vier. Unwissenheit.
Dass dieses Blog seit mehr als drei Wochen schweigt und auch davor nichts wesentlich anderes tat, hat in allererster Linie mit zeitlicher Auslastung zu tun. Beruflich. Und ganz am Rande damit, dass ich mich aus unerfindlichen Gründen in jüngster Freizeit gerne mal auf Gedichtseiten und in entsprechenden Foren herumtreibe. Eine sehr frustrierende Erfahrung, hatte ich doch gedacht, mich für den Hausgebrauch ganz gut mit Versmaßen, Strophenschemata und dergleichen auszukennen. Pustekuchen!

Es reicht offensichtlich nicht, weitgehend unfallfreie Fünfzeiler zustande zu bringen, Rilkes Panther herunterleiern zu können und irgendwann mal Heines Wintermärchen (Gedicht? Na ja, reimt sich halt.) gelesen zu haben. Den formalen Rahmen eines Sonetts bekomme ich vielleicht grade noch hin, beim Inhalt wird’s schon dünn, von Akrostichen, Haikus oder Terzinen gar nicht zu reden. Geht übrigens häufig auch denjenigen so, die sich an diesen Formen versuchen und ihre Werke zur Diskussion stellen. Nicht dass ich es beurteilen könnte, aber die Reaktionen der Checker lassen darauf schließen.

Fünf. Murphy.
Dass ich das Spiel gegen Leverkusen nicht gesehen habe, hat keine lyrischen Gründe. Stattdessen verbrachte ich einen Kurzurlaub, mit Bergwanderung und so, in Bayern. Schön war’s. Sehr schön sogar. Aber ich gebe zu, dass ich so ein 3:3 nach 0:3 schon auch gern mal mitgenommen hätte. Frühere Spiele, die ich aus Kurzurlaubsgründen verpasst habe: Bremen 2004 (4:4), Hoffenheim 2013 (6:2).

Sechs. Fachwissen.
In der Startelf, die ich vor der Saison in einem Blogger-Fragebogen gegenüber n-tv.de prognostizierte, nahm den linken Außenverteidigerposten Adam Hloušek ein. Eine Personalie, deretwegen ich mitunter belächelt wurde. Bitte vergleichen Sie hierzu auch Punkt drei. Gegen Leverkusen kam er nun erstmals zum Einsatz. Und, was soll ich sagen: 45 Minuten, 3:0 Tore, fiktive drei Punkte. Ich traue mich gar nicht, das auf die Saison hochzurechnen.

Sieben. Schuld.
Ich trage eine große Schuld. Nicht alleine, aber mit. An einer bitteren Entwicklung in der Sportbloggerei. Nein, ich habe nicht in dogfoods Kommentarspalte getrollt. Aber ich habe die #Link11 nicht hinreichend unterstützt. Sie wissen schon, drüben bei Fokus Fussball. Wo tolle Typen tolle Dinge tun. Mit hoher Qualität und hohem Aufwand. Nun schläft sie, also die Blog- und Presseschau, allem Anschein nach noch ein bisschen tiefer als zuletzt dieses Blog.

Sicherlich, die Erben sind noch dort, und jeden Besuch wert. Aber eben keine #Link11 mehr. Was dazu führt, dass ich, gerade zu Zeiten eines besonders gut gefüllten Terminkalenders, fußballmäßig verdammt uninformiert durchs Leben gehe. Und was nebenbei auch zur Gewissheit werden lässt, was sonst nur sehr wahrscheinlich wäre: dass kaum jemand diesen Text lesen wird. (Der Einfachheit halber sei an dieser Stelle ignoriert, dass Charakter und Inhalt ohnehin nicht geeignet wären, dem vorliegenden Text eine #Link11-, Obacht!, -Nominierung einzubringen.)

Klar, ich habe immer mal wieder auf die #Link11 verwiesen, im nennenden wie im verlinkenden Sinne, in der Regel fiel beides zusammen, und sie bei Twitter gelobt, retweetet oder kommentierend verlinkt, aber den Magen der Autoren, leider ohne -innen, füllt das ja auch nicht. Nicht dass der eine oder andere flattr-Obolus gleich geeignet wäre, die Mägen fünf oder noch mehr ausgewachsener junger Männer in der Blüte ihres Lebens zu füllen, aber ich Pfeife bin ja noch nicht mal bei flattr angemeldet!

Nun will ich den jungen Leuten, allen voran den Gründern Jens und Klaas, gar nicht unterstellen, dass die gegenwärtige Funkstille in erster Linie monetäre Gründe habe, es sei denn, was nicht abwegig ist, man bezeichnet die betriebswirtschaftlich unstrittige Priorisierung bezahlter gegenüber unbezahlten Projekten und Aufgaben als monetären Grund.

Vielmehr, um den Gedanken wieder aufzunehmen, unterstelle ich Ihnen zeitliche Restriktionen, in Verbindung mit kaum existenten finanziellen Anreizen, sich stundenlang mit Podcasts, Blog- und Pressetexten zu befassen, eine Auswahl zu treffen, einzudampfen, zu strukturieren, zu zitieren, ein übergreifendes literarisch-musikalisches oder auf anderes Weise Struktur gebendes Thema zu finden und dieses dann auszugestalten, kurz: zu kuratieren, um letztlich von der verwöhnten Leserschaft viel Kenntnisnahme, manches Lob, ein wenig Kritik ob der Textauswahl und gelegentlich blöde Sprüche zu ernten.

Wertschätzung. Sollte ich dran arbeiten. Im Movember melde ich mich bei flattr an. So als Anfang.

Nullnull. Nominierungen.
Keine. Mein Seelenheil wird’s verkraften.

 

Revolverheld

„Bin ich eigentlich der Einzige, der …?“

So lesen wir es Tag für Tag auf Twitter, hören es vielleicht auch abseits der Tastatur, und in der Regel folgt dann eine zumeist nur scheinbar vom Mainstream abweichende These, also etwas in der Art von „Bin ich der Einzige, der Helene Fischer nicht so geil findet?“, oder auch „Bin ich der Einzige, dem das Helene-Fischer-Gehate auf den Sack geht?“.

Die Beispiele sind frei erfunden, wiewohl vermutlich nicht ganz realitätsfremd, und ihnen ist, von gemeinsamen Formulierungen und Strukturen abgesehen, eines gemeinsam: die Antwort. Ich habe das vor einigen Monaten schon einmal drüben bei Twitter auszudrücken versucht:

Nicht nur vor diesem Hintergrund bin ich mir ziemlich sicher, nicht der Einzige zu sein, auch wenn ich mir die Frage schon einmal kurz stellte, der sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit wünscht, das eigene Blog möge doch genau so sein wie das von Herrn X oder Frau Y. Nicht unter gestalterischen Aspekten (obschon es da natürlich gewisse Wünsche gäbe) oder in Sachen Reichweite (obschon man sich da gewisse Wünsche vorstellen könnte), nicht einmal im engeren Sinne inhaltlich. Es geht zumeist vielmehr um die grundsätzliche Art der Darstellung, korrekter: die Art der Texte.

Der eine oder die andere Mitlesende erinnert sich vielleicht an eine ältere Aufforderung, die ich hier im Blog einmal formuliert habe, und an die geschätzte Mitbloggende, ich denke insbesondere an Trainer Baade, gelegentlich erinnern: „Erzählt Geschichten!“ Und so mag es nicht überraschen, dass Blogs, die ich gerne mein Eigen nennen würde, beziehungsweise von denen ich mir wünschte, dass die dort veröffentlichten Texte von mir sein könnten, meist solche sind, in denen Geschichten erzählt werden.

Langer Rede kurzer Sinn: ich beneide Herrn Kofler um sein Blog. Verzeihung: ich bewundere die Texte in seinem Blog. „Herr Kofler erzählt vom Krieg„, heißt es, und Herr Kofler, das dürfte auf der Hand liegen, erzählt dort Geschichten. Aus seinem Journalistenleben, aber nicht nur, amüsante Erlebnisse, aber nicht nur, sich selbst nicht zu ernst und gelegentlich auf den Arm nehmend.

Irgendwann wird sich mein Neid bestimmt wieder ein neues Ziel suchen, aktuell indes gilt er ihm. Nicht allein, aber in erster Linie.

Manchmal, wenn ich mich in Herrn Kofler gar nicht so martialischen Kriegsgeschichten verliere, denke ich „Hey, das hätte ich sein können“, nicht sehr oft, aber immerhin. Noch etwas seltener denke ich gar: „Das hätte von mir sein können“, nicht so, sondern anders, aber immerhin. In Einzelfällen gehe ich gar so weit, zu mir selbst zu sprechen: „Dazu könntest Du doch auch was schreiben!“ Womit die Geschichte dann auch endet, unverrichteter Dinge. Stets, bisher.

Kürzlich bin ich dort indes über ein Thema gestolpert, zu dem wahrlich die meisten von uns etwas sagen können. Es geht um unser erstes Auto. Bei Herrn Kofler handelte es sich um einen Suzuki LJ 80, eine Art modernen Klassiker, glaube ich.

Unabhängig vom jeweiligen Modell haben wir vermutlich alle noch recht lebendige Erinnerungen an das Symbol unserer großen Freiheit, an die erste Urlaubsfahrt, an abgewürgte Motoren, an legendäre Spritztouren in kapazitativen und juristischen Graubereichen, an kleinere und größere Unfälle, lächerlich niedrige Benzinpreise, die natürlich viel zu hoch waren, möglicherweise an zwischenmenschliche Erfahrungen in etwas beengter Umgebung und ganz bestimmt auch an den Soundtrack, an jene selbst aufgenommenen Kassetten, die all das begleiteten.

Schloss ich von mir auf andere? Vermutlich. Schön war’s halt, waren sie, jene jungen Jahre, und obschon ich zum einen keine wirkliche Geschichte zu erzählen habe, mir zum anderen des Umstands bewusst bin, dass ich die Fallhöhe mit der langen Vorrede selbst bestimmt habe, will ich doch ein paar Zeilen zu meinem ersten Auto schreiben. Vielleicht möchte sich ja noch die eine oder der andere beteiligen und uns einen Schwank aus der Jugend (bzw. der gerade erreichten Volljährigkeit) erzählen?

Wir schrieben das Jahr 1990, die historische Einordnung möge die geneigte Leserin selbst vornehmen, als man mir den Führerschein zusandte, pünktlich zum 18. Geburtstag, wie das auf dem Land so üblich war. Was nicht nur an einer geringen ÖPNV- und folglich hohen Mopeddichte unter Heranwachsenden gelegen haben mag, die einen auf den motorisierten Straßenverkehr recht gut vorbereitete, sondern auch daran, dass sich in ländlichen Gegenden in aller Regel genügend abgelegene Sträßchen finden, wo man sich auch schon in jüngeren Jahren an Lenkrad und vor allem Pedalen versuchen kann. Allein: bei mir kam das irgendwie nicht zustande.

Mein Vater hätte viel zu viel Angst um seinen Wagen gehabt, gewiss, vor allem aber übte diese Fahrerei, selbst die verbotene, keine allzu große Anziehungskraft auf mich aus. Die Fahrschule würde noch früh genug kommen und mich alles Notwendige lehren.

Und sie kam. Tatsächlich ergab es sich, dass ich einen Tag vor meiner ersten Fahrstunde eine ganz grobe praktische Einweisung durch meinen Cousin erhielt, initiiert von der großen Familienrunde in Omas Wohnzimmer, inklusive Tadel für den ängstlichen Vater, sodass ich dem Fahrlehrer zu Beginn der ersten Stunde guten Gewissens sagen konnte, schon mal gefahren zu sein.

Er erkannte rasch, dass meine Vorkenntnisse nicht der Rede wert waren, und dass die ganze Geschichte wohl ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen würde. Er kannte sich aus. Umso erstaunlicher, dass ich es dann doch schaffte, nicht nur zwei Tage vor meinem Geburtstag zur Prüfung anzutreten, sondern diese auch – zweifachem Abwürgen und einmaligem Vorfahrtsverzicht zum Trotz – erfolgreich zu absolvieren.

Die Fahrberechtigung war also da, Fahrgelegenheiten ergaben sich zunächst eher selten. Meinem Vater fiel es weiterhin schwer, mich mit seinem Wagen fahren zu lassen. Er hegte und pflegte ihn, war immer ein begeisterter, sportlicher Fahrer gewesen und hatte seine Autos stets sehr akribisch mit Rallyestreifen (sagt man das heute noch?) und anderem Schnickschnack verziert, so auch dieses, und wollte es ungern unnötigen Gefahren aussetzen, wie ich zweifellos eine darstellte.

So ergab sich im Lauf der nächsten Wochen und Monate ein recht zähes Ringen um den einen oder anderen Kilometer an Fahrpraxis, das ich nur selten zu meinen Gunsten entschied, immerhin aber dann, als es zählte: um mit einem hübschen jungen Mädchen ins Kino zu gehen, zum Beispiel, das am Ende des Abends meine Freundin war. Das konnte ich zu jenem Zeitpunkt zwar noch nicht zweifelsfrei sagen, retrospektiv jedoch sehr wohl. Drei Jahre lang glaubte ich, sie irgendwann zu heiraten. Tja.

Die Sache mit Papas Auto war indes eine einmalige. Oder anders: zum nächsten Date kam ich schon im eigenen Wagen. So eigen er halt ist, wenn er einem von Mama und Papa hingestellt wird, aber das focht mich nicht weiter an. Es war mein Auto, und es war ein großartiges. Eigentlich war seit Jahren klar gewesen, dass es kein anderes sein konnte. Mein Opa hatte einen gefahren, meine Mutter zwei oder drei, ich erinnere mich nicht ganz genau, bis auf einen grünen waren sie alle rot gewesen, und rot war auch meiner. Mit Rallyestreifen, klar, Papa hatte sich das nicht nehmen lassen, aber immerhin ohne Spoiler. Hätte sich vielleicht auch nicht so gut gemacht bei einem R4.*

„Quatrelle“, bzw. 4L, würde ich ihn erst einige Jahre nennen, bzw. sein Pendant, meinen zweiten R4, der mich in Marseille einige Zeit begleitete, einige Mitlesende werden davon gehört haben. Die beiden Autos verschmelzen in der Erinnerung gerne mal zu einem, von dem schmucklosen Gefährt, das mich zwischenzeitlich durch die Gegend trug, nachdem die erste Quatrelle ein gewaltsames Ende erlitten hatte, weiß ich kaum mehr das Kennzeichen.

Wunschkennzeichen hatte man damals ja noch nicht so. Ok, man hatte, vielleicht, wenn man jemanden bei der Zulassungsstelle kannte, aber selbst dann war es nach meiner Wahrnehmung schlichtweg noch nicht so en vogue, sich auf dem Kennzeichen selbst zu verwirklichen. Umso gelungener, dass meines die Initialen besagter junger Frau aus Papas Auto trug.

Dass ich dennoch nicht mit ihr, sondern mit einem guten Freund die erste große Tour mit dem Wagen unternahm, nun ja, war halt so. Südfrankreich war das Ziel. Korrekter: der Weg dorthin. Dass wir im Rausch der Geschwindigkeit beinahe bereits an der Autobahnauffahrt gescheitert wären und die Stimmung zumindest bis zur Schweizer Grenze erst einmal ein wenig reserviert war, soll hier nicht ganz verschwiegen werden. Hat sich ja offenbar auch ziemlich nachhaltig ins Gedächtnis eingebrannt.

Mein Mitfahrer brauchte einen Moment, um sich an die Revolverschaltung zu gewöhnen, die jüngere Mitlesende vermutlich nicht einmal mehr vom Hörensagen kennen, ansonsten verlief die Fahrt so, wie man sie sich in seinen verklärenden Erinnerungen eben so ausmalt: um die kostenpflichtigen Autobahnen zu meiden, fuhren wir auf kleinen Sträßchen, was den angenehmen Nebeneffekt hatte, dass der Lärmpegel trotz offenen Faltdachs in aller Regel zumindest so überschaubar blieb, dass man die laute Musik, die wir jungen Leute halt so hörten, noch erahnen konnte.

Die Heizung lief auf vollen Touren, gerade wenn es in höhere Gefilde ging, um die Motorkühlung zu unterstützen, und als wir auf der Höhe von Valence, also schon recht weit unten, einen ähnlich alten 2CV aus unserer Gegend überholten, fanden wir das, einer gewissen Solidarität unter Revolverschaltern folgend, hinreichend lustig, um uns, ausnahmsweise auf der Autobahn, über einige Kilometer hinweg immer wieder gegenseitig zu überholen. Nein, es saßen keine zwei Mädels drin.

Der Urlaub fand ein jähes Ende, als uns die Nachricht vom Tod einer Mitschülerin errichte, die Heimfahrt war zäh, geprägt von Müdigkeit, Betroffenheit und schlechter Laune, ein paar Stunden vor der Trauerfeier kamen wir zuhause an.

Das Schülerleben ging schnöde weiter, ein paar Monate später absolvierten wir unsere schriftlichen Abiturprüfungen, dem R4 wurden von Vaters Sohn zwar keine weiteren Rallyestreifen, aber doch ein recht auffälliger, in blassrosa gehaltener „Abi 91“-Schriftzug auf der Motorhaube verpasst, was im Dorf für Gesprächsstoff sorgte und auch von den Mitspielern stets kritisch beäugt wurde, wenn es zu Auswärtsspielen ging. Meist fuhren sie selbst, gestandene ältere Herren von Mitte zwanzig oder gar dreißig Jahren, mit ausgewachsenen Ford Escorts, Golfs, Mercedessen oder auch Ur-SUVs im Kofler’schen Sinne, aber gelegentlich war der eine oder andere dann doch froh, wenn er darauf setzen konnte, nach dem Spiel und anschließendem Getränkekonsum nicht selbst fahren zu müssen, und nahm das bedrohliche Ächzen eines mit vier Personen besetzten R4 in Kauf.

Etwas mulmig wurde meinem Beifahrer in einer solchen Situation, als wir unversehens in einen außergewöhnlich starken Wolkenbruch gerieten, der selbst moderne Scheibenwischer in den Grenzbereich ihrer Leistungsfähigkeit gebracht hätte, die Quatrelle aber derart überforderte, dass es keine Alternative zum sofortigen Anhalten gab. Der Standort auf einer recht langen Brücke war nicht ideal („alternativlos“ sagte man damals noch nicht), zwei oder drei Autos überholten uns noch, einer davon erzürnt hupend, danach kam der Verkehr kurzzeitig zum Erliegen, was – so unsere Überzeugung – aber nicht uns, sondern dem Wetter geschuldet war. Bisschen blöd dabei, dass der Unterboden nur so mitteldicht war und wir sehr feuchte Füße bekamen, mais c’est la vie.

Nach etwa zwei Jahren segnete er viel zu früh das Zeitliche, als ich kurz abgelenkt war – Pfandflaschen auf dem Beifahrerseitz sind nie eine gute Idee; bei einem Wagen ohne Mittelkonsole gilt das in besonderem Maße – und am Fußballplatz eine Kurve verpasste. Die dort stehende Walze ließ sich, ich hatte es schon einmal kurz erwähnt, gerade so vermeiden, der Straßenpfosten und der kleine Graben nicht. Der Schaden war zu groß, die Abi-91-Motorhaube entstellt, das Auto Geschichte. Mir war nichts passiert. War halt ein sicheres Auto, so ein R4. Manchmal wachträume ich bis heute davon, noch einmal einen zu besitzen.

Vor vielen, vielen Zeichen hatte ich mal geschrieben, dass ich Herrn Kofler um sein Blog beneide. Ich mag seinen Stil, den Tonfall, die Geschichten und manches mehr. Vor allem aber bewundere ich seine Fähigkeit, auf den Punkt zu kommen. Er hat das ja auch gelernt.

* Wer so gar keine Ahnung hat, was einen R4 ausmacht, der möge sich vielleicht einmal das Innenleben dieses Wagens ansehen, der – abgesehen von Farbe und Rechtssteuerung – meinem damaligen Modell recht ähnlich sein dürfte (ganz rechts der Choke, der mittlerweile ein bisschen aus der Mode gekommen ist). Außen war er diesem hier recht ähnlich, also dem im Vordergrund, mit Faltdach, leider ohne Rallyestreifen. Mein zweiter sah dann eher so aus. Eine Eloge veröffentlichte die Frankfurter Rundschau anlässlich des 50. Geburtstags des R4 im Jahr 2011.

 

 

Doppelfünf

Still hier in diesen Tagen, nicht wahr? Man kommt ja zu nichts. Ehrlich nicht, aus mancherlei Gründen, die nicht alle angenehm sind, aber das nur am Rande. Gerne hätte ich zwischenzeitlich mal wieder eine „Verbalbeurteilung“ zu Ende gebracht, oder meine, ähem, angedachten Bemerkungen zu vermeintlich toten Sportblogs zu Papier, allein: es sollte nicht sein. Bisher.

Im Idealfall begründet man so ein Schweigen überzeugend mit „anderen Projekten“, die man zwischenzeitlich vorangetrieben habe, und mit etwas Glück erblicken diese dann irgendwann das Licht der Welt. Öfter auch nicht. Bei mir ist es heute ausnahmsweise mal andersherum: Licht der Welt ja, Belastung durch anderes Projekt: eher nein, bestenfalls kaum.

Tatsächlich hat so ein kleines Projekt heute seine Tarnkappe abgelegt und ist öffentlich geworden. Erfreulicherweise eines, an dem ich nicht ganz allein beteiligt bin, sondern mit einem wunderbaren Mitstreiter. Ein Projektlein, das dem einen oder der anderen Mitlesenden kaum mehr als ein Gähnen entlocken wird: Fünfzeiler, schon wieder. Einfach in ein Tumblelog geschmissen, ohne großen technischen und gestalterischen Aufwand, wie man mich halt kennt, und wie man den geschätzten Mitschreiber Herrn @rebiger unter Umständen auch einzuschätzen versucht ist, bloß weil er sein Blog, in dem es primär um den HSV geht, saisonal auch mal in fünf Zeilen, nicht auf oder unter einer eigenen Domain betreibt.

Das Thema ist auch nicht besonders ausgefallen, in diesen (gerade noch vor-)weltemeisterschaftlichen Zeiten, aber sei’s drum: wie haben Spaß. Und auch wenn wir keine besonderen gestalterischen Ansprüche haben, so kennen wir doch Leute, bei denen das anders ist und die uns in gar wunderbarer Weise ein Logo gestalten, um die werte Leserschaft erst einmal abzulenken und davon abzuhalten, sich mit Schriftarten, optischen No-Gos oder gar den dahinter steckenden dilettantischen Code-Anpassungen zu befassen.

Genau genommen kennen wir erst einmal eine solche Person, nämlich die großartige Frau @rudelbildung, die wir alle nicht nur vom Textilvergehen schätzen und die uns ruck, zuck eine schicke Doppelfünf kredenzt hat:

 

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Doppelfünf, Sie wissen schon:
zwei Typen, fünf Zeilen. Und das Ganze für ein Turnier.

Bleibt die Hoffnung, dass sich noch der eine oder die andere Lesende in eine(n) Mitreimende(n) verwandelt und seine oder ihre FIFA-Fünfzeiler mit uns teilt. Zum einen müssen wir dann nicht alles alleine machen, zieht sich ja auch so’n bisschen hin, so ein Turnier.

Zum anderen zeigt die eigene adventskalendarische Erfahrung, und nicht nur die, dass in diesem Internet zahlreiche Reimeschmiede und -schmiedinnen unterwegs sind, die gelegentlich eines Anstoßes bedürfen, um in Anapäste oder Amphibrachys einzutauchen. Jetzt wäre wieder so ein Moment. Freiwillige für die fünfzeilige Aufarbeitung der Morgengrauen-Spiele werden dabei prioritär gesucht.

Wie auch immer: hier entlang, bitte. Bei Interesse.

 

 

Der diskrete Charme der Meinungseinfalt

„Wir werden ab dem ersten Spieltag der neuen Saison eine einheitliche Sportschau in den 3. Programmen der ARD anbieten. Die wird eine Länge von 20 Minuten haben. Wir haben in der letzten Rechteperiode unseren föderalen Charme in der ganzen Breite sonntags ausgespielt. Das führte aber auch dazu, dass man in dem einen Sender die Information vom Reporter bekam: Das ist auf jeden Fall ein Elfmeter‘. Die gleiche Szene ist in einem anderen Sender vielleicht anders beurteilt worden.“

So wird WDR-Sportchef Steffen Simon in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst zitiert, das bei merkur-online.de veröffentlicht wurde und auf das mich die geschätzten Herren von Fokus Fussball aufmerksam gemacht haben. Der Umstand, dass ich gerade heute zu Fokus Fussball verlinke, wird dessen Mitbegründer @sportkultur, der ja nebenbei ein formidables eigenes Blog befüllt, das vor wenigen Tagen Geburtstag feierte, möglicherweise ein wissendes, vielleicht auch mit einem leisen „der Schlingel“ einhergehendes Lächeln entlocken, auf dessen Gründe ich an dieser Stelle, man möge es mir verzeihen, nicht weiter einzugehen gedenke.

In seiner Einleitung zur jüngsten Fokus-Fussball-#Link11 geht Klaas, wie Herr sportkultur sonst so heißt, auf eine aktuelle Interviewattrappe zwischen Mario Götze und seinem Arbeitgeber ein, die ich an dieser Stelle, man möge es mir verzeihen, nicht zu verlinken gedenke. Klaas belässt es nicht bei besagtem Hinweis, sondern hat auch eine Meinung:

„Auch der Umgang der Medien mit den Veröffentlichungen des FC Bayern ist kritisch zu beobachten, denn hier wird ein Interview vielfach in die Berichterstattung aufgenommen, das nicht mehr als PR ist. Wenn die Presselandschaft sich mit den Bröckchen zufrieden gibt, die die Presseabteilung hinwirft, dann wird es einfach für die Bayern sich die Berichterstattung so zu lenken wie es sich die Granden des Vereins wünschen.

Hoffen wir auf kritischen Sportjournalismus, der sich gegen Einschränkungen der Berichterstattung durch die Fußballclubs wehrt.“

Unter den vielfältigen Verdiensten, die sich der ehemalige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger im Lauf seiner Amtszeit erworben hat, ragt jener, den Begriff der „Kommunikationsherrschaft“ in die Sportberichterstattung eingebracht zu haben (man möge mich bitte korrigieren, sofern anderweitige Urheberrechtsansprüche bestehen), heraus. Kommunikationsherrschaft verhält sich, wenn man so will, und ich will, seit einigen Jahren zu Theo Zwanziger wie der sprichwörtliche tödliche Pass zu Uwe Bein.

Genau wie Bein – man möge mir an dieser Stelle verzeihen, dass ich mich von meinem eigenen schiefen Bild davontragen lasse und gleich auch noch eine schiefe Überleitung anhänge – sieht auch Theo Zwanziger nunmehr vielen Akteuren zu, die ihm nacheifern: die einen gut, die anderen weniger, die einen talentiert, die anderen dilettantisch, die einen auf höchster Ebene, die anderen in der Kreisliga. Der FC Bayern, um das obige Beispiel aufzugreifen, beschäftigt keine Dilettanten (Mario-Gomez-Kritiker mögen sich an dieser Stelle zurückhalten), die PR-Strategie verfängt vielerorts, wie Klaas bereits in seinem oben verwendeten Zitat kritisiert.

Natürlich ist das, wie wir alle wissen, gang und gäbe, ohne jeden Zweifel wird es bei anderen Vereinen ähnlich gehandhabt, in vielen anderen Bereichen ebenso. Man könnte nun auf den Niedergang des Journalismus eingehen, wenn man könnte, auf dortige Rahmenbedingungen, auf betriebswirtschaftlich bedingte Arbeitserschwernisse für ernsthaften, engagierten und kompetenten Journalismus, auf all das, was man immer wieder liest, was ich aber nicht seriös beurteilen kann. Was ich indes beurteilen kann: dass mich die von Klaas angesprochenen Auswüchse des PR-Journalismus unzufrieden zurücklassen.

Eigentlich wollte ich ja etwas über Steffen Simon sagen, den ich zu Beginn des Textes zitierte. Dass ich kein allzu großer Anhänger seiner Leistungen als Fußballkommentator bin, ist für die regelmäßige Leserin vermutlich kein Geheimnis, soll aber hier nichts zur Sache tun. Was mich irritiert, ist vielmehr das von ihm zum Ausdruck gebrachte Bemühen um eine ARD-weite Einheitsdeutung (Kommunikationsherrschaft ist möglicherweise dann doch ein etwas zu großes Wort) strittiger Szenen aus der Bundesliga.

Gerade jener föderale Charme, den die dritten Programme in der letzten Rechteperiode sonntags ausgespielt hätten, verlieh der Bundesligaberichterstattung eben dies: Charme. Er gab mir – leicht zeitversetzten Sportsendungen sei Dank – die Möglichkeit, einen fragwürdigen Elfmeterpfiff bei, sagen wir, Gladbach gegen Wolfsburg aus nordrhein-westfälischer wie auch aus niedersächsischer oder zumindest NDR-Perspektive bewertet zu sehen, oder auch nur von zwei mehr oder weniger neutralen Berichterstattern aus Bayern und Baden-Württemberg, die die Szene dennoch unterschiedlich beurteilten.  Und er gab mir, ja, auch das, die Gelegenheit, mich ob der völligen Fehlinterpretation beim MDR zu ereifern.

Möglicherweise verstünde ich die ARD, wenn es objektiv „richtige“ und „falsche“ Bewertungen gäbe. Wenn man Sorge hätte, kakophonisch den Eindruck zu vermitteln, die Regeln nicht zu kennen bzw. sie unterschiedlich gut zu kennen, sie falsch auszulegen. Zumal die Perspektive objektiver Richtigkeit von Schiedsrichterentscheidungen mit einem Schlag den sonntäglichen Fernsehdoppelpass obsolet machen würde. Manche würden vielleicht auch sagen: … bloßstellen würde, wie obsolet der sonntägliche Fernsehdoppelpass ist.

Aber so ist es nicht. Schiedsrichterentscheidungen sind nicht immer objektiv richtig oder falsch, Angriffsaktionen nicht immer objektiv vielversprechend oder zum Scheitern verurteilt, taktische Maßnahmen nicht objektiv innovativ oder vorhersehbar. Unterschiedliche Bewertungen gehören dazu. Sie wohnen dem Spiel und dessen Kommentierung inne, regen an und auf, tragen zum besonderen Reiz ‚unserer‘ Sportart bei. Was kein Plädoyer gegen die möglicherweise objektive Richtigkeit der Torlinientechnik sein soll. Eher eines für föderalen Charme.

Es mag Leute geben, die Regionalpatriotismus in der Sportberichterstattung für den Inbegriff des Bösen halten, oder auch nur für falsch. Was völlig in Ordnung ist. Ich zähle nicht zu ihnen. Mir gefällt es, bis zu einem gewissen Grad, wenn die Moderatoren und auch die Reporter getönte Brillen tragen. In den per definitionem regional gefärbten dritten Programmen, klar. Ob ich dann zustimme oder nicht, habe ich selbst in der Hand. SWR-Brille hin, Deutungshoheit her.

Vielleicht hat das Ganze aber auch gar nichts mit Charme und Deutungshoheit zu tun, sondern mit Geld. Produktionskosten. Synergien. Und so weiter. Eigentlich ein ganz charmantes Argument aus Sicht der Gebühren Zahlenden.

Eulen nach NRW tragen

Kurzzeitig sollte dieser Text mit “ Ode an Fokus Fußball“ überschrieben werden, was ich jedoch ziemlich rasch aus mancherlei Gründen verwerfen musste. So schien fraglich, ob ein so betitelter Beitrag überhaupt irgendeinen Leser (w/m) finden würde (abgesehen von den Fokusfußballern, vielleicht, aus naheliegenden Gründen) – zu eindrucksvoll und unstrittig ist Fokus Fußball, diese eierlegende Wollmilchsau des Fußballblogosquariums, längst in die Ruhmeshalle dieser unserer gar nicht so kleinen Nische eingegangen, als dass man mit einer angekündigten Lobhudelei (zumal es nicht meine erste wäre) noch irgendjemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte.

Nun zählt die Zahl der Leserinnen und Leser keineswegs zu den Dingen, die mich Tag und Nacht umtreiben; gleichwohl wäre es natürlich wünschenswert, dass eine Ode auch außerhalb des Kreises der Beodeten den einen oder die andere erreichte, der oder die mitschwelgt.

Das ist die eine Seite. Gleichzeitig schürte die Ankündigung einer Ode ja auch hohe Erwartungen. Denken wir nicht alle, wenn wir diesem kurzen Wörtchen begegnen, sogleich an Kommissar Keller die Ode To Naked Pop Stars oder andere Werke der Weltliteratur, an denen sich eine kurze textliche Belobigung nicht ohne Not messen lassen sollte – ganz abgesehen davon, dass die Ode per se geeignet scheint, einen latenten Lyrikverdacht zu befüttern, was niemand ernsthaft wollen kann.

Also trage ich ein paar Eulen nach NRW und sage noch einmal in aller Kürze – auch wenn es sich im Grunde nur um die Hinleitung zum eigentlichen, ganz unten folgenden Thema handelt – wie großartig Fokus Fußball ist. (So großartig zum Beispiel, dass ich es nun schon zum mindestens dritten Mal genannt und noch immer nicht verlinkt habe.) Naja, eigentlich steht da wieder nur, „wie großartig“ es ist, nicht aber, wie großartig es ist. Aber wie gesagt: Ruhmeshalle, bekannt. Nischenwissenskanon.

Vielleicht könnte ich gleichwohl noch einmal kurz betonen, dass ein Online-Leben ohne die tägliche Blog- & Presseschau kaum mehr vorstellbar ist. (Die Schreibweise ist doch bestimmt nur der Zeilenumbruchsvermeidung geschuldet, oder? Clever – sehen also nicht nur gut aus, die Fokusfußballer.) Ok, Kanon, Eulen. Aber vielleicht weiß die geneigte Leserin ja noch nicht um die Brillanz, Eleganz und Charmanz des Torspiels? Ah, ok. Weiß auch jeder. Dann brauche ich ja mit Collinas Erben gar nicht erst anzufangen.

Wobei: doch, da muss ich kurz was zu sagen. Podcasts sind nämlich so gar nicht meins. Ich verstehe mich eher als Leser. Sicher, beim Textilvergehen höre ich gelegentlich rein, weil ich die Leute mag und mich dann vom Thema und der Atmosphäre einfangen und fesseln lasse. An anderer Stelle klappt das selten. Klappte, muss ich sagen. Collinas Erben haben mich eingefangen. Des Themas wegen, und der Kompetenz.

Aber nicht nur. Ich höre den beiden Herren einfach gerne zu. Weil sie so gut und schön sprechen. Weil @lizaswelt die Souveränität besitzt, ein gedachtes „ähm“ geräuschlos durch eine Denkpause zu ersetzen, so er sie denn einmal braucht, und die Dinge beneidenswert präzise auf den Punkt bringt, weil Herr Refereese weit mehr ist als nur ein Stichwortgeber für den Fachmann, als der er selbst, wie bisweilen durchklingt, auch durchginge, weil sie beide, wie soll ich sagen, ziemlich gut Deutsch können. Selbstverständlichkeit? Das mag jeder so sehen, wie sie will.

(Nachtrag, aus guten Gründen und ohne konkreten Anlass: Auch beim Textilvergehen wird gutes Deutsch gesprochen.)

Was ich sagen wollte: Fokus Fußball ist gut. So gut, dass die geneigte Leserin ohnehin meist dort ist. Auch wegen der anderen Texte und Kategorien. Und sich nebenbei auch an LeserInnenbefragungen und sonstigem Getue beteiligt. Folglich also bestimmt schon an der Wahl zum Sportblogger-Award des Jahres 2012 teilgenommen hat.

All denjenigen aber, die das noch nicht getan haben, weil sie bisher keine Zeit oder keine Lust hatten, oder weil sie eben doch noch nicht so regelmäßig oder gar gar nicht bei Fokus Fußball vorbeischauen, all denjenigen möchte ich genau das jetzt zurufen: geht wählen!

Und habt Spaß mit den nominierten Beiträgen. Vielleicht kennt Ihr davon ja doch noch nicht alle, und ich habe keine Eulen irgendwohin getragen.

Ach so, fast vergessen: fokus-fussball.de.
Von Jens Peters und Klaas Reese.
(Nicht dieser Text hier ist von ihnen, sondern die Wollmilchsau.)

Was bisher geschah …

Gibt’s ja nun auch schon ein paar Tage, dieses Blog. Mein Blog. In dem ich im Wesentlichen tue und lasse, was ich will.

Wen jetzt die Sorge umtreibt, dass ich – bloß, weil ich ein paar Tage offline war – schon wieder ins Grundsätzliche abdriften will, mit kommentarkulturellen Einlassungen oder dergleichen, den oder die kann ich beruhigen. Ganz davon ab, dass ich nicht davon ausgehe, es ließe sich hier jemand beunruhigen: es geht nur um eine Kleinigkeit. Fünf Zeilen, um genau zu sein.

Oder, allgemeiner, um Reimereien. Gab’s hier in den letzten Jahren so gut wie nie zu lesen. Von zwei (so meine ich, mich zu erinnern) mehr oder weniger begründeten Ausnahmen abgesehen.

Reimen war sonst nicht. Aus guten Gründen. „Sich nicht zum Affen machen“ lautete einer, „Erinnerung an Tante Gabis Geburtstagsgedichte“ ein weiterer. Vor allem aber gibt es Leute, die das so verdammt gut können. Und dummerweise ungleich mehr Leute, die glauben, das so verdammt gut zu können. Zu ersteren zählen beispielsweise herr zwoelfzeilen (nur echt mit kleinbuchstaben) oder, fußballspezifischer, Herr Hagemann.

Nun könnte man natürlich entgegnen, dass mich dieses Argument in anderer Hinsicht auch nicht davon abhält, Dinge zu tun, die andere besser können. Oder man könnte darauf hinweisen, dass dieses Netz möglicherweise ein bisschen langweilig wäre, wenn jede(r) nur Dinge täte und schrübe, die er oder sie am allerbesten von allen kann. Ganz abgesehen vom Bewertungsvorgang. Ist ja möglicherweise recht kompliziert, so ein Voting, wie die jungen Leute sagen würden – TED scheint ja nicht mehr so en vogue zu sein.

Wie auch immer: irgendwoher kam im November einer dieser Gedanken, von denen man hinterher – unabhängig vom tatsächlichen Entstehungsprozess – gerne mal sagt, sie seien einer bierseligen Runde entsprungen, und von einem Tag auf den anderen fing ich an, in Fünfzeilern zu denken, um einen Adventskalender (hätte Tante Gabi bestimmt auch gemocht, den Gedanken – mal was ganz anderes, so ein Adventskalender) mit mehr oder weniger reinen Limericks zu befüllen. Aber man kommt da ja auch nicht mehr raus, bzw. bekommt die Idee nicht mehr raus, aus dem Kopf.

War ne einmalige Sache, wie ich dem nachfragenden herrn zwoelfzeilen auch sogleich beschied, wenn auch nicht gänzlich ausschließend, dass das Ganze – Spaß war ja vorhanden – in knapp zwoelfmonaten eine Wiederholung oder Adaption finden könnte.

Pustekuchen! Lange nach Abschluss der intensiveren Reimungsphase von #adventinfuenfzeilen denke ich noch immer fünfzeilig. Und so langsam sammelt sich einiges an.

Also lasse ich mein Geschwätz von gestern Geschwätz von gestern sein und werde bis auf Weiteres in noch zu definierender oder auch bewusst offen gelassener Regelmäßigkeit Limerickverschnitte veröffentlichen.

Und nebenbei die Chance verpassen, diesem Blog ein wenig von seinem so nicht angedachten Fußballfokus zu nehmen. Wie gesagt: „… in dem ich im Wesentlichen tue und lasse, was ich will.“

Wer sich also im Dezember ein bisschen übergeben musste ob der ständigen Fünfzeiler, der oder die wird in den nächsten Monaten ein zwar abgemildertes, aber doch fortdauerndes Reizniveau hinnehmen müssen. Oder den Feedreader ausmisten, klar.

Zur Einstimmung mein langjähriger Lieblingsfußballlimerick (die Grundgesamtheit war überschaubar), aus dem Gedächtnis und möglicherweise auch falsch zitiert, Purple Ronnie wird’s verschmerzen:

Football is full of surprises
and all sorts of curious laws,
like holding your bits
when they’re taking free kicks
and snogging each player who scores.

Informationsebbe

War ruhig hier, ne? Ich hab mir frei genommen. Von ziemlich vielem, wenn man es genau nimmt. Von der Arbeit, vom Bloggen, vom Bloglesen, von RSS-Feeds, zum Teil von Twitter, Zeitungen und Fernsehen. Informationsebbe, sozusagen.

Und jetzt schreibe ich ein Buch über soundsoviele Tage offline, hat bestimmt noch niemand getan.

Quatsch – erstens war ich nicht so richtig offline, zweitens dauerte die Phase nicht sehr lange, drittens fehlt mir Zeit, Motivation und Nachfrage für so ein Buch, von meinem nicht vorhandenen Interesse an der Thematik ganz zu schweigen. Viertens bis zehntens bekäme ich bei Bedarf übrigens auch hin.

War schön. Ich will nicht von Entschleunigung reden oder davon, wie gut ich ohne den ständigen Informationsfluss auskam. Das war mir – unabhängig davon, dass ich gar nicht die Absicht gehabt hatte, mich diesbezüglich einzuschränken –, ohnehin klar gewesen, vielleicht begünstigt durch die aus vielerlei Gründen klar umrissene zeitliche Perspektive.

Viel interessanter war für mich der Umgang mit Blogs. Mit meinem eigenen, das ich während der EM noch ein bisschen befüllte, aber auch mit denen anderer. Zum allergrößten Teil nutze ich die von mir regelmäßige gelesenen Blogs nur bedingt als Informationsquelle im Sinne von Faktenwissen, sondern eher, wie soll ich sagen, hedonistisch.

Natürlich nehme ich die vermittelten Inhalte wahr und auf, natürlich liefern viele Blogs Hintergründe und Nebenaspekte, die mir anderswo vorenthalten werden, natürlich erweitern diese Blogs meinen Horizont. In erster Linie aber bereiten sie mir Freude. Das liegt zum Teil an der Sprache, an unerwarteten Formulierungen, kruden Vergleichen oder kunstvoll komponierten Schachtelsätzen, zum Teil an optischen Gesichtspunkten, zum Teil auch an der Lust am Nebensächlichen, an bewussten Provokationen oder an zahlreichen Kleinigkeiten, durch die sich viele Blogs von anderen Veröffentlichungsformen abheben.

In den letzten Wochen habe ich so gut wie keinen Blogartikel gelesen. Und keinen geschrieben. Weder das eine noch das andere hat mir so sehr gefehlt, dass ich Abhilfe geschaffen hätte, was ohne größere Probleme möglich gewesen wäre. Zweifellos lag das zu einem großen Teil daran, dass ich sehr viel Zeit mit der Familie verbringen konnte, mit der Vorgänger- wie der Nachfolgegeneration. In der Wohnung war auch ne Menge zu tun, was einen Menschen mit zwei linken Händen (alles Daumen) recht intensiv in Anspruch nimmt.

Und doch: Ich hätte nicht gedacht, dass ich das – natürlich vorhandene – Jucken in den Fingern, wenigstens die eine oder andere Einlassung besonders unterhaltsamer Autorinnen und Autoren zu lesen, so entspannt beherrschen würde oder dass es mir so leicht fiele, die auf anderen Kanälen nicht ganz an mir vorüber gegangenen Hinweise auf neue Projekte sozusagen auf Halde liegen zu lassen, nach dem Motto: was gut ist, ist auch in ein paar Wochen noch da.

Gleichzeitig weiß ich aus regelmäßigen Verzichtserfahrungen in der Fastenzeit, wie wenig Probleme es mir bereitet, 7 Wochen lang keine Schokolade zu essen. An Ostern konsumiere ich dann meist noch recht verhalten und denke darüber nach, dass es doch ganz sinnvoll wäre, auch auf Sicht Maß zu halten, um spätestens nach zwei Wochen doch wieder das alte Niveau zu erreichen. Das wird beim Blogkonsum nicht anders sein.

Etwas verzwickter ist die Sache beim eigenen Blog, über das ich, teilweise angestoßen von freundlichen Zeitgenossen, in diesen Wochen immer mal wieder ein wenig nachgedacht habe. In vielerlei Hinsicht und völlig unterschiedliche Richtungen. So wäre es, um dieses Blog weiterhin und sinnvoll zu betreiben, seit langem geboten, auf eine eigene Domain umzuziehen, um damit sowohl gestalterisch (auch hier: zwei linke Hände …) als auch bei der Nutzerfreundlichkeit (Sie wissen schon: die Kommentarfunktion und wordpress.com …) als auch bei der Blogverwaltung mehrere Schritte nach vorne zu machen. Nebenbei ließe sich die zwar nebensächliche, mitunter aber doch gefragte Außendarstellung (allein die oder der URL!) ein wenig vereinfachen, und überhaupt und sowieso.

Gleichzeitig, und damit sind wir bei der angedeuteten gegenteiligen Überlegung, bezweifle ich, dass die – gefühlt – deutlich nachlassende Kommentarfreudigkeit hier im Blog nur oder zumindest in erster Linie auf zeitweise auftretende technische Probleme (Entschuldigung: Features) zurückzuführen ist. Ob der tatsächliche Grund letztlich die Qualität der Texte ist oder die Themenwahl, ob die Lesenden des Kommentierens überdrüssig sind oder die potenziell Lesenden des Lesens, ob es sich um ein Zeit- oder Priorisierungsthema handelt, oder ob die Feedbackfunktion für Blogartikel mittlerweile nahezu komplett zu Twitter gewandert ist: ich weiß es nicht.

Fakt ist, dass hier im Blog nurmehr sehr selten ein Austausch mit Leserinnen und Lesern zustande kommt, und manchmal ist das einfach schade. Korrekter: schade ist es immer, und manchmal bedauert man es noch etwas mehr. Weil das Thema vermeintlich besonders spannend oder kontrovers ist, weil man über die Maßen viel Zeit in einen Text investiert hat, was auch immer.

Sicher, ich singe, weil ich ein Lied hab, und nicht, weil es irgendwer bestellt, oder so ähnlich, aber manchmal wünscht man sich halt Interaktion, Diskussion, Kritik, gewiss auch Lob, und wenn man sich dann grade in einer Offlinephase befindet, dabei das Schreiben sein lassen kann, ohne ein unstillbares Verlangen zu spüren, sich einer nicht näher zu spezifizierenden Öffentlichkeit schriftlich mitzuteilen, dann kann man schon mal grundsätzlich werden.

Ist es einem wirklich so wichtig? Hat man überhaupt noch etwas zu schreiben? (Hatte man je?) Ist es den Aufwand wert? Kann man es der Familie gegenüber guten Gewissens aufrecht erhalten?

Oder, eine Nummer kleiner: Soll man den Aufwand verringern? Das eine oder andere Kriterium der persönlichen Qualitätskontrolle aufweichen? Soll man sich nicht nur von der Vorstellung frei machen, dass es Leute gibt, die eine gewisse Erwartungshaltung bezüglich Frequenz und Inhalten haben, sondern wieder an den Punkt kommen, wo man sich von dieser vermeintlichen Erwartungshaltung einfach nicht beeinflussen lässt?

Womit man wieder bei den nicht ganz so aber immer noch ziemlich grundsätzlichen Fragen wäre: Entspricht der gewachsene inhaltliche Fokus, der sich zweifelsohne auch aufgrund des Austausches hier und bei Twitter so entwickelt hat, noch dem, was man selbst veröffentlichen will? Schreibt man nicht zuletzt deshalb nicht über irgendwelche Anekdoten vom Tage, weil man unterbewusst befürchtet, sein „Profil“ zu verwässern, jene LeserInnen zu verschrecken, die hier nur das eine wollen, nämlich Fußball und konkret den VfB?

Oder ist es nicht vielmehr so, dass man selbst schon immer nur genau darüber schreiben wollte und sich anfangs einer Illusion hingab, die man dann auch eine gewisse Weile mit Leben füllen konnte, die dann aber den wahren Präferenzen nicht mehr standhalten konnte?

Ich weiß nichts. Und mache erst einmal weiter.

Bücher zu Blogs zu Büchern zu Blogs zu Büchern

Dann steht man also mal wieder am Bahnhof und muss sich eingestehen, dass die Reisevorbereitung alles andere als optimal war: kein Buch dabei. Der Kindle hat auch nichts Relevantes zu bieten oder, noch besser, liegt daheim, den Bedarf an Tageszeitungslektüre hat man bereits gedeckt, die Monatsmagazine ausgelesen, und eine früher mal gern genommene Alternative scheint auch nicht sonderlich zielführend:

Also führt der Weg zur Bahnhofsbuchhandlung (nicht mit dem Bahnhofspresseladen zu verwechseln), wo man ob der ganzen Neuheiten, Bestseller, Skandinavien- und Regionalkrimis völlig überfordert ist. Auswahlkriterien müssen her, im Zweifel auch negative.

Und schon sind wir an der Stelle, wo sich die langjährige schlechte Reisevorbereitung mal wirklich lohnt: In all den Jahren hat sich zumindest ein Grundsatz herauskristallisiert, den ich beim Verlegenheitsbuchkauf uneingeschränkt befolge:

Wenn „Das Buch zum Film“ draufsteht: Finger weg!

Analoge Banderolen, Aufkleber oder sonstige Werbehinweise mit der Aufschrift „Das Buch zum Blog“ sind mir bis dato verborgen geblieben. Ist vielleicht auch besser so, wie leicht ließe man sich verführen, die Filmbuchschlüsse auf Blogbücher zu übertragen und liefe dann Gefahr, sich selbst jenes Lesevergnügens zu berauben, das so ein Blogbuch mitunter zu bieten hat.

Jenes von Jannik Sorgatz zum Beispiel, der jüngst den zweiten Band seiner Relegationseuropapokaltrilogie vorlegte und ihr den unangenehme Assoziationen weckenden Namen „Gegen Gladbach kann man mal verlier’n“ gab. Als ich dereinst seinen Erstling pries, wies ich zudem darauf hin, dass er eines der besten Blogs der Welt betreibe – eine Einschätzung, hinter die ich natürlich auf keinen Fall zurückfallen möchte und die ich vielmehr gerne erneuere. Sie wissen schon: Jannik, das ist der junge Mann mit den wunderbaren Geschichten, mit dem ganzen Drumrum und natürlich mit den absurdesten Vergleichen.

Dass er sich nicht allein in jenen Gefilden tummelt, versteht sich von selbst. Man denke an Trainer Baade oder Kees Jaratz, die bekanntlich zwei der besten Blogs der Welt betreiben und vor einigen Wochen ebenfalls ein Buch veröffentlicht haben, dessen eingängiger Titel „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ lautet. Wobei die beiden Herren Wert darauf legen, dass es sich nicht um ein Buch zum Blog bzw. zu den Blogs handelt – was inhaltlich insofern sehr schlüssig erscheint, als das Buch einfach etwas ganz Anderes darstellt als das, was die beiden sonst so schreiben. Dafür bieten sie, und ich frage mich, ob wir uns auf einen Zirkelschluss zu bewegen, ein zusätzliches Blog zum Buch an, das über kurz oder lang eines der besten der Welt sein wird.

Ein Blog zum Buch bieten die Spielverlagerer nicht an. Manch eine(r) würde gar sagen, dass sie noch nicht mal ein Buch zum Blog anbieten, sondern nur elektronisches Zeug. Ergänzend zu einem der besten Taktikblogs der Welt haben sie eine EM-Vorschau erstellt, die nach meiner Wahrnehmung mit nichts zu vergleichen ist, was man sonst so als Turnierbegleitliteratur erhält. Keine Mannschaftsfotos, keine Rückennummern, auch keine Anekdötchen, nur taktische Betrachtungen und Hintergründe. Dröge, mag der eine oder die andere sagen, faszinierend, wir dritten. Da sehe ich auch gerne mal drüber hinweg, dass ich persönlich die Texte sprachlich, sicherlich zum Teil dem Sujet geschuldet, nicht in jedem Fall als Genuss empfinde. Aber das läuft wohl unter Geschmackssache.

Ob und in welcher Form die genannten Werke in Ihrer Bahnhofsbuchhandlung angeboten werden, weiß ich nicht. Zumindest im letzten Fall ist es sehr zweifelhaft. Falls ja, gilt auf Basis der vorliegenden Stichprobe:

Wenn „Das Buch zum Blog“ zwar nicht draufsteht,
aber doch mitschwingt: zugreifen!

Zrrttn!

Da tut man eine Reise, eine erlebnisreiche noch dazu, in die Großstadt, mit einer Reihe erquicklicher Begegnungen, Wiedersehensfreude und allem, was dazugehört, und dann muss man sich eingestehen, dass man zwar manches zu erzählen hätte, dass aber erst einmal dieses „Zrrttn!“ im Gedächtnis haften geblieben ist.

Hat der Mann in der U-Bahn immer gesagt. Zumindest in der einen; bei den anderen Fahrten war es mir nicht aufgefallen. Und ich weiß halt nicht, ob in den Münchner U-Bahnen immer die selben Ansagen abgespielt werden, oder ob sie vielleicht doch nur inhaltlich gleich sind, vielleicht von verschiedenen Menschen eingesprochen. Sagen die Fahrerinnen und Fahrer gar stets im Livebetrieb „Zrrttn!“, und was wollen sie überhaupt zerrütten?

Lauter Fragen, die ich nicht beantworten kann, die ich im Grunde auch gar nicht beantworten will, aber irgendwie muss ich doch dieses „Zrrttn!“ loswerden, bei dem ich mir mittlerweile zusammengereimt habe, dass es tatsächlich wohl eher „Zurücktreten!“ hieß. Aber es hängt fest. Zrrttn! Zrrttn! Zrrttn! Z u r ü c k t r e t e n!

Nun möge sich die geneigte Leserin bitte nicht in die Irre führen lassen und zu dem Schluss kommen, ich wolle mich mit Gerd E. Mäuser befassen, oder gar mit Bruno Labbadia. Vielmehr geht es um die große Bühne, auf der, seien wir ehrlich, Olympique Marseille in diesen Tagen in etwa genau so viel verloren hatte wie es der VfB hätte. Nichts.

Und so bin ich nicht nur ein bisschen froh, dass l’OM nicht furchtbar unter die Räder kam gestern, an einem Ort, dem die einheimischen Twitteruser interessanterweise die Abkürzung „AA“ widmen, die bei mir bis dato anders besetzt war. Kurz gestutzt habe ich schon. Aber egal. 2:0 für die Bayern, das spiegelt die Kräfteverhältnisse wohl nicht einmal ansatzweise wider – vermutlich hätte Ribéry seinen Kampf gegen den Gegner und dessen Anhänger auch ganz allein erfolgreich bestritten. Ok, zwei Chancen hatten die Gäste vor der Pause, und wenn sie bei der ersten nicht so fassungslos gewesen wären, plötzlich zu dritt allein im gegnerischen Strafraum zu stehen, hätten sie wohl das 1:0 erzielt und das Spiel einen ganz anderen Verlauf genommen kurzzeitig eine Illusion von Spannung vermittelt.

Im Lauf so eines Spiels fragt man sich dann ja auch von Zeit zu Zeit, wie es dazu kommen konnte, dass diese Mannschaft, die sich im Spätherbst allem Anschein nach gefangen hatte, im Jahr 2012 von einer Enttäuschung zur nächsten eilt, vielleicht eher schlendert, und weiß gleichzeitig, dass man das Geschehen viel zu wenig verfolgt, um sich ein Urteil bilden zu können. Und doch wüsste man gern, wo der André Ayew geblieben ist, den man sich vor der vergangenen Saison nach Stuttgart wünschte, und wer der uninspirierte Alleinunterhalter in seinem Trikot war. Man hört auf, die Fehlpässe des dereinst verlässlichen Cheyrou zu zählen, fragt sich, wieso Loïc Rémy so gar nicht mitspielen will, wundert sich über den plumpen Jérémy Morel und bedauert Matthieu Valbuena, wenn er einen weiteren Defensivzweikampf gegen Franck Ribéry bestreiten muss.

Aber es war eine wahre Freude, wieder einmal ein „Aux Armes!“ live im Stadion zu hören – und dann doch ganz vorsichtig die Lippen mitzubewegen, mehr schien angesichts der Übermacht umsitzender Klatschpappen nicht geboten. In der Tat ging es bemerkenswert laut zu in der AA – die Zuschauer nahmen die Vorlage des Vereins, der so zumindest kurzzeitig die Verantwortung für die Stimmung im Stadion übernommen hat, gerne auf.

À propos Stimmung: Ein wenig überrascht hat mich die anhand der Reaktionen auf die Zwischenergebnisse deutlich gewordene klare Präferenz für den AC Milan gegenüber dem FC Barcelona. Der gewohnt sachkundige Herr @probek mutmaßte, es könne mit Mark van Bommel zu tun haben, was für ihn persönlich ganz bestimmt gilt und was ich mir durchaus auch für andere Zuschauer vorstellen kann. Und doch konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es nicht erst in letzter Linie mit dem Wunsch zu tun habe, Barcelona in einem möglichen Finale aus dem Weg gehen zu können.

Dabei wäre das sehr wohl nachvollziehbar. Nur, wie gesagt, ich hätte nicht mit so einem, sofern mein akustischer Eindruck zutraf, klaren Meinungsbild gerechnet. Hätte mir sogar vorstellen können, dass man gerade danach trachte, dem allenthalben als Gralshüter des schönen, modernen und erfolgreichen Fußballs verehrten FC Barcelona im Endspiel die Grenzen aufzuzeigen. Wilde Spekulationen, ich weiß, und auch nicht wichtig. Im Grunde hatte ich wohl eine neutrale Haltung erwartet. Man ist ja schließlich man.

Aber all das war natürlich nur das Vorspiel zum eigentlichen Höhepunkt der Reise, dem Captain’s Dinner Zusammentreffen mit einer ganzen Reihe ranghoher FCB-Protagonisten in den sozialen Netzen. Angefangen bei Herrn @lik0n, der mir eine ungefälschte Karte verkaufte, über den vom Großmeister der urbanen Neurose beim Sitzen beobachteten @stehblog, der sich mit ungefälschten Karten besonders gut auskennt, den im Sonntagsstaat erschienenen @mickyrust bis hin zu Frau @ankegroener und Herrn @probek, die die angekündigten starken Gefühle nach dem – vermutlich zu leicht gefallenen – Sieg zunächst ein wenig vermissen ließen.

Was sich in der Küche des Geburtstagskindes aus nahe liegenden Gründen noch ändern sollte (zumgeburtstagvielglückzumgeburtstagvielglück…), aber wer wäre ich, die Gefühle des Herrn probek und seine Begeisterung für bildungsbürgerliche Geschenke (die, ganz viel Asche auf mein Haupt, nicht von mir kamen) schildern zu wollen, wenn nicht einmal Jürgen Bergener ihn danach frug.

Ich verliere mich ein wenig, Verzeihung, freue mich auf einen ohne mein Zutun quasi versprochenen Pfingstkuchen und trete in vorauseilendem Gehorsam zumindest zur Seite.

Zrrttn!