Der diskrete Charme der Meinungseinfalt

„Wir werden ab dem ersten Spieltag der neuen Saison eine einheitliche Sportschau in den 3. Programmen der ARD anbieten. Die wird eine Länge von 20 Minuten haben. Wir haben in der letzten Rechteperiode unseren föderalen Charme in der ganzen Breite sonntags ausgespielt. Das führte aber auch dazu, dass man in dem einen Sender die Information vom Reporter bekam: Das ist auf jeden Fall ein Elfmeter‘. Die gleiche Szene ist in einem anderen Sender vielleicht anders beurteilt worden.“

So wird WDR-Sportchef Steffen Simon in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst zitiert, das bei merkur-online.de veröffentlicht wurde und auf das mich die geschätzten Herren von Fokus Fussball aufmerksam gemacht haben. Der Umstand, dass ich gerade heute zu Fokus Fussball verlinke, wird dessen Mitbegründer @sportkultur, der ja nebenbei ein formidables eigenes Blog befüllt, das vor wenigen Tagen Geburtstag feierte, möglicherweise ein wissendes, vielleicht auch mit einem leisen „der Schlingel“ einhergehendes Lächeln entlocken, auf dessen Gründe ich an dieser Stelle, man möge es mir verzeihen, nicht weiter einzugehen gedenke.

In seiner Einleitung zur jüngsten Fokus-Fussball-#Link11 geht Klaas, wie Herr sportkultur sonst so heißt, auf eine aktuelle Interviewattrappe zwischen Mario Götze und seinem Arbeitgeber ein, die ich an dieser Stelle, man möge es mir verzeihen, nicht zu verlinken gedenke. Klaas belässt es nicht bei besagtem Hinweis, sondern hat auch eine Meinung:

„Auch der Umgang der Medien mit den Veröffentlichungen des FC Bayern ist kritisch zu beobachten, denn hier wird ein Interview vielfach in die Berichterstattung aufgenommen, das nicht mehr als PR ist. Wenn die Presselandschaft sich mit den Bröckchen zufrieden gibt, die die Presseabteilung hinwirft, dann wird es einfach für die Bayern sich die Berichterstattung so zu lenken wie es sich die Granden des Vereins wünschen.

Hoffen wir auf kritischen Sportjournalismus, der sich gegen Einschränkungen der Berichterstattung durch die Fußballclubs wehrt.“

Unter den vielfältigen Verdiensten, die sich der ehemalige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger im Lauf seiner Amtszeit erworben hat, ragt jener, den Begriff der „Kommunikationsherrschaft“ in die Sportberichterstattung eingebracht zu haben (man möge mich bitte korrigieren, sofern anderweitige Urheberrechtsansprüche bestehen), heraus. Kommunikationsherrschaft verhält sich, wenn man so will, und ich will, seit einigen Jahren zu Theo Zwanziger wie der sprichwörtliche tödliche Pass zu Uwe Bein.

Genau wie Bein – man möge mir an dieser Stelle verzeihen, dass ich mich von meinem eigenen schiefen Bild davontragen lasse und gleich auch noch eine schiefe Überleitung anhänge – sieht auch Theo Zwanziger nunmehr vielen Akteuren zu, die ihm nacheifern: die einen gut, die anderen weniger, die einen talentiert, die anderen dilettantisch, die einen auf höchster Ebene, die anderen in der Kreisliga. Der FC Bayern, um das obige Beispiel aufzugreifen, beschäftigt keine Dilettanten (Mario-Gomez-Kritiker mögen sich an dieser Stelle zurückhalten), die PR-Strategie verfängt vielerorts, wie Klaas bereits in seinem oben verwendeten Zitat kritisiert.

Natürlich ist das, wie wir alle wissen, gang und gäbe, ohne jeden Zweifel wird es bei anderen Vereinen ähnlich gehandhabt, in vielen anderen Bereichen ebenso. Man könnte nun auf den Niedergang des Journalismus eingehen, wenn man könnte, auf dortige Rahmenbedingungen, auf betriebswirtschaftlich bedingte Arbeitserschwernisse für ernsthaften, engagierten und kompetenten Journalismus, auf all das, was man immer wieder liest, was ich aber nicht seriös beurteilen kann. Was ich indes beurteilen kann: dass mich die von Klaas angesprochenen Auswüchse des PR-Journalismus unzufrieden zurücklassen.

Eigentlich wollte ich ja etwas über Steffen Simon sagen, den ich zu Beginn des Textes zitierte. Dass ich kein allzu großer Anhänger seiner Leistungen als Fußballkommentator bin, ist für die regelmäßige Leserin vermutlich kein Geheimnis, soll aber hier nichts zur Sache tun. Was mich irritiert, ist vielmehr das von ihm zum Ausdruck gebrachte Bemühen um eine ARD-weite Einheitsdeutung (Kommunikationsherrschaft ist möglicherweise dann doch ein etwas zu großes Wort) strittiger Szenen aus der Bundesliga.

Gerade jener föderale Charme, den die dritten Programme in der letzten Rechteperiode sonntags ausgespielt hätten, verlieh der Bundesligaberichterstattung eben dies: Charme. Er gab mir – leicht zeitversetzten Sportsendungen sei Dank – die Möglichkeit, einen fragwürdigen Elfmeterpfiff bei, sagen wir, Gladbach gegen Wolfsburg aus nordrhein-westfälischer wie auch aus niedersächsischer oder zumindest NDR-Perspektive bewertet zu sehen, oder auch nur von zwei mehr oder weniger neutralen Berichterstattern aus Bayern und Baden-Württemberg, die die Szene dennoch unterschiedlich beurteilten.  Und er gab mir, ja, auch das, die Gelegenheit, mich ob der völligen Fehlinterpretation beim MDR zu ereifern.

Möglicherweise verstünde ich die ARD, wenn es objektiv „richtige“ und „falsche“ Bewertungen gäbe. Wenn man Sorge hätte, kakophonisch den Eindruck zu vermitteln, die Regeln nicht zu kennen bzw. sie unterschiedlich gut zu kennen, sie falsch auszulegen. Zumal die Perspektive objektiver Richtigkeit von Schiedsrichterentscheidungen mit einem Schlag den sonntäglichen Fernsehdoppelpass obsolet machen würde. Manche würden vielleicht auch sagen: … bloßstellen würde, wie obsolet der sonntägliche Fernsehdoppelpass ist.

Aber so ist es nicht. Schiedsrichterentscheidungen sind nicht immer objektiv richtig oder falsch, Angriffsaktionen nicht immer objektiv vielversprechend oder zum Scheitern verurteilt, taktische Maßnahmen nicht objektiv innovativ oder vorhersehbar. Unterschiedliche Bewertungen gehören dazu. Sie wohnen dem Spiel und dessen Kommentierung inne, regen an und auf, tragen zum besonderen Reiz ‚unserer‘ Sportart bei. Was kein Plädoyer gegen die möglicherweise objektive Richtigkeit der Torlinientechnik sein soll. Eher eines für föderalen Charme.

Es mag Leute geben, die Regionalpatriotismus in der Sportberichterstattung für den Inbegriff des Bösen halten, oder auch nur für falsch. Was völlig in Ordnung ist. Ich zähle nicht zu ihnen. Mir gefällt es, bis zu einem gewissen Grad, wenn die Moderatoren und auch die Reporter getönte Brillen tragen. In den per definitionem regional gefärbten dritten Programmen, klar. Ob ich dann zustimme oder nicht, habe ich selbst in der Hand. SWR-Brille hin, Deutungshoheit her.

Vielleicht hat das Ganze aber auch gar nichts mit Charme und Deutungshoheit zu tun, sondern mit Geld. Produktionskosten. Synergien. Und so weiter. Eigentlich ein ganz charmantes Argument aus Sicht der Gebühren Zahlenden.

Zu viel Information

Ich bin kein Journalist. Das weiß jede(r), die oder der hier gelegentlich mitliest, ich bräuchte es also nicht zu betonen. Vielleicht sollte ich also korrekter sagen, dass ich nicht nur kein Journalist bin, sondern darüber hinaus keine Ahnung von Journalismus habe. Also so richtig. Natürlich – was daran natürlich sein soll, ist mir ein Rätsel – maße ich mir an, Journalisten oder Menschen, die sich als solche ausgeben, nicht nur, aber auch, und vielleicht insbesondere, in sportlichem Kontext zu kritisieren. Wenn ich den Eindruck habe, dass sie keine Ahnung haben, wenn sie schlecht vorbereitet wirken, oder wenn ich das Gefühl habe, dass sie unprofessionell, „unjournalistisch“ handeln.

Aber wie gesagt: es ist nur ein Gefühl, oder ein Eindruck, der auf dem basiert, was ich in meiner Selbstgefälligkeit für gesunden Menschenverstand halte. Tatsächlich habe ich mich nie dediziert mit journalistischen Arbeits- und Herangehensweisen, Standards, Dos und Don’ts* auseinandergesetzt.

Weshalb meine Frage auch völlig ernst gemeint ist:

Wenn Nachrichtensendungen in Funk und Fernsehen – gelesen habe ich noch nichts dazu – über ein Nachholspiel der Fußball-Bundesliga berichten, sei es ausführlich in Wort und Bild, sei es auf das Verlesen des Ergebnisses und vielleicht der Torschützen beschränkt, ist es dann von Relevanz, weshalb das Spiel verlegt worden war? Oder anders: ist es in jedem Fall von Relevanz? Verlangt eine journalistische Vollständigkeitspflicht, nicht nur das damalige Vorkommnis zu benennen, sondern nach Möglichkeit auch den Namen des Protagonisten und ein Stück weit auch die näheren Umstände?

Oder ginge es auch so:

„In einem Nachholspiel der Fußball-Bundesliga trennten sich der 1. FC Köln und Mainz 05 1:1. Die Tore erzielten Sami Allagui in der 70. und Lukas Podolski in der 85. Minute. Das Spiel war am 19. November kurzfristig abgesagt worden.“

Mir persönlich würde das in einer Nachrichtensendung reichen.

Ok, vielleicht noch ergänzt um den Hinweis, dass sich um besagten Podolski, der den Effzeh wieder einmal gerettet habe, derzeit zahlreiche Wechselgerüchte rankten, dass er aber ein Kölner Junge sei und möglicherweise, eventuell aber auch nicht mehr, nur dort glücklich sein könne, und dass der 1. FC Köln seinen neuen Präsidenten von einem Personalberatungsunternehmen suchen lasse.

Bin ich da auf dem falschen Dampfer? Weltfremd? Ahnungslos?

(Ja, ich weiß, dass sowieso alle alles wissen. Na also.
Und ich weiß auch, wer daran die Hauptschuld trägt.)

* Steht übrigens tatsächlich im Duden.

Rapinoe. Oder doch Rapinoe? Miyama!

Die ganze WM über hatte ich Rápinoe gehört. Also mit Betonung auf der ersten Silbe. Schien etwas mit Rap zu tun zu haben. Bis dann Bernd Schmelzer im Finale Rapínoe sagte. Fast wie Corazón Aquino. Irgendwie klang das alles andere als verkehrt. Für mich zumindest. Herr Schmelzer war sich da wohl doch nicht so sicher und entschied sich für eine alternierende Lösung. Mal Rápinoe, mal Rapínoe. Hat vielleicht auch jemand zwischendurch mal Rapinóe gehört?

Wie auch immer: wunderbar, wie Megan Rapinoe vor dem 2:1 die Situation erfasste und den langen Ball spielte. Überhaupt war sie diejenige, die mich relativ früh im Turnier glauben ließ, dass der Weg zum Titel nur über die USA führen würde. Sicher, die Haare trugen ihren Teil zum bleibenden Eindruck bei, die Springsteen-Einlage auch. Vor allem aber war es ihr unbedingter Wille zur Offensive, den sie bei jeder Einwechslung vermittelte, und der irgendwie sinnbildlich war für das Bestreben der Amerikanerinnen, die Flucht nach vorn anzutreten, die Gegnerinnen einzuschnüren, vielleicht auch zu erdrücken, das Spiel vom eigenen Tor fernzuhalten. Ein Schelm, der glaubt, man habe der Abwehr um die hochgelobte Frau Solo gar nicht so sehr vertraut. Im Finale gegen Japan kam dann auch noch ein im Vergleich zu den ersten Partien ausgeprägteres spielerisches Element hinzu, sodass man das Spiel eindeutig dominierte und bereits nach einer halben Stunde deutlich hätte führen müssen.

Hat aber nicht geklappt, und letztlich ging die Sache nach hinten los, wie @americanarena später am Abend deutlich machen sollte:

http://twitter.com/#!/americanarena/statuses/92707401328893952

Mein persönliches Pendant zu Megan Rapinoe als Lieblingsspielerin der jeweiligen Mannschaft war auf der anderen Seite nicht die zurecht an allen Ecken und Enden ausgezeichnete Homare Sawa, sondern Aya Miyama. Nicht wegen der Betonung ihres Namens durch Bernd Schmelzer, die keine bleibende Erinnerung hinterließ, sondern weil sie mich aus irgendeinem nicht so ganz greifbaren Grund an Yasuhito Endo erinnerte (so melancholisch wie er wirkte sie auf dem Platz schon einmal nicht), dem ich im Sommer 2010 so gerne zugesehen hatte. Kein wirklich überzeugender Grund, ich weiß. Da war ihr 1:1 schon ein bisschen überzeugender. Abgezockt, das Ding, per Dropkick mit dem linken Außenrist. Schön auch ihr Elfmeter, der mit Blick auf das Regelwerk fragwürdig gewesen sein mag, der aber ihre Coolness ganz gut zum Ausdruck brachte.  Wenn man sich übrigens Fanvideos von ihr ansieht, fällt auf, dass sie Ecken, Freistöße und auch Elfmeter mal mit links und mal mit rechts tritt – hatten wir hier schon mal, das Thema. Und wenn mich nicht alles täuscht, tat Melanie Behringer das im Lauf der WM auch, oder nicht? Einfach vielseitiger, die Frauen.

Wie auch immer: Japan ist Weltmeister, verdient natürlich. Auf ein Sommermärchen hatte niemand gehofft, der sich halbwegs ernsthaft mit der WM auseinandersetzte – wer will schon einen Aufguss? Doch unabhängig von der individuellen Bewertung der WM (ich fand sie großartig) haben wir zumindest eine Erfolgsgeschichte ganz sicher erlebt: die von Erika. Also von #erika. 15 Minuten Drei Wochen Ruhm für Herrn @hirngabel, und dank einer vorübergehenden Unpässlichkeit, die völlig überraschend just mit dem Ende der WM auch zur Neige geht, konnte er jede einzelne Sekunde auskosten. Verdient. Der Ruhm, nicht die Unpässlichkeit.

Nachfolgend habe ich noch ein wenig Platz gelassen für Ihre Empfehlungen an Dr. Theo Zwanziger, kritische Aufarbeitung der WM und so:

(Danke, das reicht.
Und vergessen Sie nicht, sich hinterher zu entschuldigen.)

Also, bis demnächst in einem Bundesligastadion auf einem Bundesligafeldwaldundwiesensportplatz.

Ach, und ein Versprechen noch: sollte mich jemand dabei erwischen, bei einem künftigen Männerturnier ein Hashtag wie, was weiß ich, #klaus oder so zu verwenden, gebe ich ihm oder ihr ein Kaltgetränk aus. Jedes einzelne Mal.

Die Buchwald-Problematik

Nein, die Überschrift hat nichts mit der Entscheidung des VfB für Fredi Bobic zu tun. Und es liegt mir auch fern, Guido Buchwalds Dampfplaudereien der späten Ära Babbel nochmals Revue passieren zu lassen. Problematisch ist vielmehr meine verkürzte Antwort im Bundesliga-Sonderheft der 11Freunde:

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten?
Guido Buchwald, […]“

In der Tat nannte ich ihn, aber weit hinter den Herren Soldo und Sigurvinsson. Ok, ich hätte mich halt an die Frage halten und nur einen nennen sollen…

Wie auch immer, hier sind meine Antworten auf alle Fragen (auch die zur Auswärts-Vorfreude) und in voller Länge:

____________________________

Deshalb wird die neue Saison unvergesslich…
Unvergesslich ist ein großes Wort. Bemerkenswert ist aber, dass die Bundesliga erstmals das Unwort des Jahres stellen dürfte: Torfabrik.

Aus der alten Saison wird in Erinnerung bleiben…
In allererster Linie das Schicksal von Robert Enke.

Wenn man sich dann doch an sportliche Themen erinnern möchte, bleiben aus Stuttgarter Sicht eine fürchterliche Vorrunde, eine unnötige Arbeitsplatzgarantie mit minimaler Halbwertszeit, grenzüberschreitende Fanproteste, eine grandiose Rückrunde und die erste Halbzeit gegen Barcelona. Und dann noch die Entwicklung von Christian Träsch.

Welche Schlagzeile würdest Du gerne in der kommenden Saison verfassen?
Interview mit Sami Khedira: „Jeder Wechsel wäre ein Rückschritt!“

Drei Wünsche frei:
Im Rahmen einer Transparenz- und Demokratieinitiative der FIFA tritt Joseph Blatter zurück.
Christian Gross ist im Dezember noch VfB-Trainer. Dezember 2013.
Ciprian Marica gewinnt den Goldenen Schuh.

Dein größter Albtraum:
Christoph Daum wird Trainer des VfB Stuttgart. Wobei selbst das noch eine positive Seite hätte: ich wäre samstags bei der Familie. Bzw. sonntags oder freitags.

Lieblingsspieler im aktuellen Team:
Die defensiven Mittelfeldspieler. Und ich hoffe weiterhin auf Sebastian Rudy.

Messer zwischen den Zähnen! Dein Lieblingsfeind:
Vom Konzept Feindschaft halte ich nicht viel, und ganz gewiss nicht beim Fußball. Dafür ist er mir zu wichtig.

Oder, um konkret zu werden: es ist mir egal, wie der KSC spielt. Es ist mir auch egal, in welcher Liga er spielt. Wenn er zufällig grade in der Bundesliga ist, sind mir die 6 Punkte für den VfB wichtig. Ansonsten habe ich weder Veranlassung noch Lust, den kleinen Nachbarn zu verunglimpfen, während der VfB gegen Dortmund, Nürnberg, Timisoara oder wen auch immer spielt.

Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:
Zvonimir Soldo. Asgeir Sigurvinsson. Guido Buchwald, bevor er meinte, es zähle zu den Pflichten eines Ehrenspielführers, sich mit zweifelhaften Attacken gegen den Trainer als dessen Nachfolger ins Gespräch zu bringen.

Und ja, ich war immer ein großer Bewunderer von Mehmet Scholl.

Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:
Speziell zum Saisonende war die Stimmung in der scheidenden Kurve weniger lustig als vielmehr wehmütig, manch einer sprach vom „Fado in Stuttgart“. Letztlich war „Cannstatter Kurve – wir sind die Cannstatter Kurve!“ vielleicht nicht besonders originell, aber schön, und laut, und was fürs Herz.

Wo stehst oder sitzt Du im Stadion? Und warum?
Erst stehe ich mit einer Wurst beim PSV, dann in der, nun ja, Untertürkheimer Kurve. Warum? Weil die Cannstatter Kurve umgebaut wird.

Auf dieses Auswärtsspiel freust Du Dich besonders:
17. Mai 2011, Dublin, Lansdowne Road.
Der Gegner steht noch nicht fest.

Du wirst überraschend zum Doppelpass eingeladen. Deine Traumbesetzung für die anderen Sessel?
Steffen Simon, Udo Lattek, Christoph Daum, Raimund Hinko, Dr. Theo Zwanziger, Manfred Breuckmann.

Ach nee, ich hab die Frage falsch verstanden. Nochmal:
Kai Pahl, Raphael Honigstein, Trainer Baade, Christian Gross, Klaus Allofs, Christian Eichler (Eichler, nicht Eichner)

Holt der FC Bayern das Quadrupel? Oder wer wird Meister?
Quadrupel? Fuji-Cup, Hallen-Masters, T-Home-Supercup, Champions League? Einverstanden.
Um die Meisterschaft streiten dann Bremen, Leverkusen und der VfB.

____________________________

Bei meiner Wunschschlagzeile wird’s wohl eng… Kommentare, wonach dieser Satz erst nach Khediras Wechsel falle, werden gelöscht, da versteh‘ ich keinen Spaß. Oder so.

Wer mir Narzissmus und Inkonsequenz unterstellt, weil bei den 11Freunden mein voller Name auftaucht, hat bestimmt recht. Zumindest in Sachen Narzissmus.

Über die Inkonsequenz kann man streiten. Wie ich schon an der einen oder anderen Stelle schrieb, lege ich einen gewissen Wert darauf, hier nicht mit meinem echten Namen ergoogelt zu werden.

Was wegen einer Print-Publikation nicht geschehen dürfte. Wer hier mitliest, kann indes gerne wissen, wie ich sonst gelegentlich heiße. Deshalb steht’s ja auch im Impressum. Im Netz bin ich Heinz Kamke. Oder heinzkamke. Oder, wie der eine oder die andere geschätzte Bloggerin gerne mal sagt, der Heini.

Sind so kleine Schiffchen

Nach der WM sei vor der Bundesliga, hört man. Stimmt natürlich, und doch ist es für mich dieses Jahr irgendwie ein wenig anders. Die letzten Wochen habe ich ziemlich weit im Norden der Republik verbracht, mit zunächst fürchterlichem Onlinezugang (ich hab sogar mit Windows Live Writer experimentiert) und vielfältigen Elternpflichten. Nennt sich ja nicht umsonst Elternzeit, das Ganze, auch wenn man sie teilweise mit Urlaub kombiniert. Der eigens angeschaffte UMTS-Stick war zumindest für diesen Zweck eine Fehlinvestition – die Mobilfunkabdeckung ließ lediglich in einer Ecke des Gartens Analogmodemgeschwindigkeiten zu -, aber immerhin konnte ich mich irgendwann beim nachbarlichen WLAN einkaufen.

Somit war eine gewisse Grundausstattung gesichert. Zum einen wollte ich aber die Bandbreite des Nachbarn nicht zu sehr belasten, zum anderen geht bei aller Liebe zum Fußball die Familie vor. Was nicht heißt, dass ich die WM-Spiele nicht sehen konnte – dafür sorgte schon die interessierte Gemahlin. Aber es gelang mir, die Nebengeräusche – zum Teil wohl, zum Teil übel – deutlich zu reduzieren. Der Fernseher wurde oft erst während der Hymnen eingeschaltet, die Nachberichterstattung fiel häufig aus (wenn ich mich nicht irre, habe ich Jürgen Klopp genau einmal gesehen und gehört), Blogtexte las ich nur in ganz seltenen Fällen, nämlich wenn ich zufällig einen interessant anmutenden Link bei Twitter fand, und die Printanalyse beschränkte sich in aller Regel auf die Ostsee-Zeitung.

Die wichtigste Informationsquelle war Twitter. Dort las ich über Michael Ballacks Wechsel, machte Bekanntschaft mit Karla Kick, verfolgte Uli Hoeneß‘ untypisches Rumgeeiere, wunderte mich über die Causa Ribéry bzw. das Drumherum und nahm auch das eine oder andere Transfergerücht zur Kenntnis. Ich weiß nun, welcher Sportblogger als Schweinsteiger der Kreisliga gilt, dass Joachim Löw Bundestrainer bleibt, dass Dr. Zwanziger sich gerne an politischen Trends orientiert, und kenne die Vorzüge der Herren Bobic, Poschner et al. Tweets gaben mir zudem die Gelegenheit, über Dieter Hundts sommerliches Schalkegate zu lächeln, Anelkas Wortwahl wohlwollend sacken zu lassen, mich wegen Michael Becker zu übergeben und nicht über ein eigenes Bayernblog nachzudenken.

Twitter half enorm, und doch war da ein gewisses Fußballdefizit, das zu besonderer Sensibilität führte. Das mich den Videotext konsultieren ließ. Das dazu führte, dass ich mit viel offeneren Augen durch die Welt ging. Gerade hier, 270 km von der Bundesliga entfernt, 250 von Liga Zwei und immer noch knapp 100 von der Dritten Liga. Erfreut nahm ich Spiegelflaggen zur Kenntnis, die nicht in schwarz-rot-gold daher kamen, sondern ein Vereinswappen trugen, auch wenn’s das des VfL Wolfsburg war. Zumal der noch recht jugendliche Fahrer ein Trikot von Krzysztof Nowak trug. Bayern-Trikots wurden von Bundesbürgern aus allen möglichen Gegenden getragen, gerne auch die volle Montur am Strand, ein junger Mann kombinierte es sehr chic mit einem Kroatien-Basecap. Den unvermeidlichen „Retter“-Shirts begegnete ich ebenso wie einer aufgestickten Raute. Ein Urlauber trug zur Schau, dass er gemeinsam mit ganz Hannover gegen die zweite Liga angekämpft gatte. Zwei Werder-Aufkleber fuhren vor mir her, ich selbst war des Öfteren in einem OM-Shirt anzutreffen, Teeniemädchen trockneten sich mit Hansa Rostock ab und passten damit bestens in das Bild einer Region, für die der Verein von existenzieller Bedeutung sei oder wie das immer heißt. Da kann dann die Ostsee-Zeitung auch mal überschwänglich die ehrenamtliche Verstärkung der Fanbetreuung und anderer Positionen im Verein feiern, nachdem wenige Tage zuvor die Entlassung von deutlich mehr hauptamtlichen Kräften in den entsprechenden Bereich bedauernd vermeldet worden war.

Und dann war da noch die Jacke, die ein umsichtiger Freund meiner Tochter geschenkt hatte:

Zum Vergleich.

Drucksituationen

„Für weitere Systemanalysen verweise ich jetzt einfach mal auf heinzkamke, der sich mit Sicherheit in den nächsten Tagen detailliert zur Lage des VfB äussern wird. (Subtil den Druck erhöhen… =))“

So steht’s im Brustring, und wenn ich ehrlich bin, muss ich mir eingestehen, dass ich diesem Druck, so subtil er auch sein mag, nicht gewachsen bin. Nicht gewachsen sein kann, da ich schlichtweg nur sehr wenig vom Sieg des VfB in Berlin gesehen habe. Und es wird ja wohl niemand ernsthaft glauben, dass ich mich für die geforderte Systemanalyse auf Informationen aus dritter Hand stützen würde.

So bleibt mir nur festzustellen, dass der VfB dem Druck, im Gegensatz zu mir, stand hielt. Sowohl dem psychischen als auch dem der Hertha. Wohingegen der Schiedsrichter wohl nicht druckresistent genug war. Womit ich nicht sagen will, dass der VfB Druck auf ihn ausgeübt habe, auch wenn das Deutsche und Fußballdeutsche bekanntlich gerne mal tun. Ob der Spätzle-unterwanderte DFB Druck auf den Schiri ausgeübt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Ausschließen kann man sowas freilich nie. Vielleicht war es auch einfach nur der ganz normale Saisonendphasendruck, der das niedersächsische Gespann Weiner/Frank zu Fehlentscheidungen verleitete. Ging Herrn Preetz ja auch nicht anders. Im Gegensatz zu Michael Kempter, der auf Druck von Doc Z den nach eigenen Angaben brutalen Druck bei seinem Comeback souverän meisterte.

Ziemlich druckerprobt zeigten sich zu meinem Bedauern – und ich gebe zu, ein wenig zu meiner Überraschung – auch die Herren aus Hamburg und Wolfsburg, während man in Frankfurt und Gelsenkirchen nur leidlich druckresistent war. Wäre Toni Kroos dem Druck des Schützen im Angesicht des Torwarts gewachsen gewesen, hätten die Bayern von ihrem Vorturner Arjen Robben wohl noch mehr Druck bekommen; so aber dürften sie weiterhin davon ausgehen, keine Vizemeistertrikots drucken lassen zu müssen dürfen.

Kräftigem Druck waren und sind die Hoffenheimer Millionäre aus allen Richtungen ausgesetzt. Was mag geschehen, wenn sie realisieren, dass sie auch noch absteigen können? Und wieso hab ich das noch nirgends gelesen? Frank Baumann könnte denen Geschichten erzählen. Vom Druck vor dem Tor, zum Beispiel.

Zurück zum Druck der Hoffenheimer Fans. Deren Millionärsschelte landauf, landab für Belustigung sorgte. Vermutlich fanden’s die Spiel gar nicht so lustig. Fans können nämlich gnadenlos sein, wie wir kürzlich unter der netten Überschrift „Deisler-Arzt Dr. Nickel über DRUCK“ bei den 11Freunden erfahren konnten. Nun will ich nicht so weit gehen, die Sonntagsausgabe der Stuttgarter Zeitungen, „Sonntag aktuell“, als gnadenlos zu bezeichnen. Aber so richtig schön finde ich es auch nicht, dass man es beim Relaunch im Januar 2010 für eine gute Idee hielt, wöchentlich die Flop-Elf des Tages zu küren, nach welchen Kriterien auch immer:

Wobei ich einräume, dass „Sonntag aktuell“ nur bedingt in der Lage sein dürfte, damit Druck auf die Spieler auszuüben.

Wie dem auch immer sei: der Druck wird zum Saisonende hin nur in den wenigsten Fällen nachlassen. In Mainz und Gladbach vielleicht ein wenig eher als woanders, möglicherweise auch in Frankfurt, mit etwas Glück in Köln und Hoffenheim. Aber selbst die Bremer, von denen ich bis zum Wochenende glaubte, sie könnten sich in den verbleibenden Spielen Körperteile ihrer Wahl schaukeln, dürfen nun wieder Gas geben und spekulieren. Wobei mich persönlich natürlich in besonderem Maße der Kampf um Platz 6 interessiert, den ich, wie die geneigte Leserin weiß, vor Wochen schon aufgegeben hatte. Mittlerweile bin ich sehr guter Dinge, dass der VfB den HSV noch  überholt; Wolfsburg mit seinem künftigen Weltfußballer macht mir da deutlich mehr Sorgen.

Letztlich halte ich es aber mit Christian Gross, der am Sonntag in einem souverän geführten „Intervier“ mit Valeska Homburg Klartext redete:

„Wenn wir 12 holen, dann schaffen wir es“
(ca. 13:50)

Nicht ganz so deutlich äußerte er sich zur Zukunft einzelner Spieler beim VfB; es würde mich, auch auf Basis dieses Interviews, allerdings überraschen, wenn Roberto Hilbert nächste Saison noch beim VfB und Sven Ulreich dessen Stammtorwart wäre (ab ca. 6:00). Wobei ich eine solche Entscheidung in Sachen Ulreich leichter nachvollziehen könnte als bei Hilbert. Aber auch hier werde ich versuchen, mir das zu Herzen zu nehmen, was Gross einem Zuschauer mit auf den Weg gab, der wissen wollte, ob er sich wegen des nächstjährigen Kaders Sorgen machen müsse:

„Er soll sich Gedanken machen, aber ’ne gewisse Gelassenheit ausstrahlen.“ (ca. 8:20)

Wann war nochmal ganz früher?

Beim weihnachtlichen Zusammentreffen mit der Familie und vielen Freunden, die man tatsächlich kaum mehr als einmal im Jahr sieht, wurde wie so oft nicht nur viel und gern von früher gesprochen, sondern kaum weniger häufig auch von „ganz früher„. Ich dachte ja immer, dabei handle es sich um eine typische süddeutsche Unschärfe (etwa so, wie der gemeine Schwabe nicht selten „seither“ sagt, wenn er eigentlich „bisher“ meint). In anderen Regionen, wo man auch hochdeutsch kann, werde „ganz früher“ nicht im Sinn von „noch früher“, sondern ausschließlich in der vermeintlich korrekten Bedeutung „ganz zu Beginn“ (wovon auch immer) verwendet.

Zwischenzeitlich hat mir Mama Google recht deutlich vor Augen geführt, dass man auch weiter nördlich gerne „ganz früher“ sagt und dabei selbst innerhalb eines halbwegs abgeschlossenen thematischen (sagen wir: Bundesligafußball in Deutschland) und implizit auch zeitlichen Spektrums einen recht breiten Korridor im Sinn haben kann.

So liegt das ein Schalker ganz früher laut derwesten.de erst etwa eine Dekade zurück, als man seinen späteren Jahrhunderttrainer Huub Stevens feierte. Olaf Thons Sternstunde gegen die Bayern war vermutlich ganz ganz früher, Carmen Thomas und der Bundesligaskandal hatten mindestens drei ganz, und der Kreisel fällt glücklicherweise zu weit aus dem hier gewählten Vergleichszeitraum Bundesliga heraus, um ihn einzuordnen.

Für einen jungen Bremer Fan liegt ganz früher – durchaus nachvollziehbar- ebenfalls in den spätern 90ern, vielleicht auch etwas später, als Andree Wiedener noch von der Partie war, und damit liegt er gar nicht so weit von jenem ganz früher entfernt, als Willi Lemke und Uli Hoeneß sich nicht allzu sehr mochten. Dabei denkt man in München durchaus gelegentlich einen Tick weiter zurück – bis zu jenem ganz früher, als Franz Beckenbauer den Libero gab (und die ganz frühere Zeit im Mittelfeld bereits hinter sich gelassen hatte). Ein etwas späteres ganz früher datiert aus dem Jahr 1998, vor Ottmar Hitzfelds Amtsantritt, vielleicht gar aus 2008, kurz bevor Jürgen Klinsmann geheim trainierte.

In Stuttgart gab es ganz früher das Neckarstadion (auch wenn wir natürlich wissen, dass das kein erschöpfender Rückblick ist), in dem Wundermann Sundermann, Ehemann der ganz früheren Rosenthal-Assistentin Monika, Ende der 70er große Erfolge feierte. Ein wenig beißt sich dieses ganz früher im Neckarstadion mit jenem ganz, ganz früher im Gottlieb-Daimler-Stadion, das Kevin Kuranyi als Protagonisten der Champions League Saison 2003 sah.

Eher irritierend fand ich, dass auch schon im Zusammenhang mit der AOL-Arena, die ich -vermutlich völlig zu Unrecht- als den Sündenfall in punkto Stadionnamen abgespeichert habe, von ganz früher die Rede ist – man möchte dementsprechend meinen, dass Olli Dittrich (Jahrgang 1956) ein paar ganz vergessen hat, wenn er von ganz, ganz früher erzählt, wie er als Jugendlicher im Volksparkstadion in der Westkurve gestanden habe.

Überhaupt, die Fans: einer stand ganz, ganz früher (ohne nähere Zeitangabe, aber er sei schon sehr alt) im Block „G“ des Waldstadions, ein weiterer erlebte ganz früher, also vor etwa 20 Jahren, wie der Karlsruher Mehmet Scholl im Bochumer Ruhrstadion seinen VfL besiegte, und ein Dortmunder fasst sein ganz früher gar so weit, dass es vom Uefa-Cup-Finale 1993 über Günther Kutowski gegen Saragossa bis hin zum Stadion Rote Erde reicht, das die Bundesliga nur noch ein paar Jahre beherbergen durfte und so jenes ganz früher kaum noch erlebte, als Gladbach und Köln um die Meisterschaft kämpften.

Köln damals übrigens schon mit Toni Schumacher, der bei den Torleuten gerne mal unter ganz früher eingestuft wird. Dann dürfte Sepp Maier ein ganz mehr haben, und das ganz früher bei Toni Turek erscheint nicht ganz stringent. Er spielte allerdings auch nicht in der Bundesliga.

Einer seiner Mitweltmeister, Horst Eckel, hatte übrigens, so Dr. Theo Zwanziger, bereits ganz früher alle kaufmännischen Fragen seiner Spielerfrau übertragen, obwohl besagte Spielerfrauen ganz früher eigentlich nur dazu da sein sollten, den Spieler ruhig zu stellen. Aber das nur am Rande.

Abschließend soll nicht verschwiegen werden, dass man auch in Hoffenheim von ganz früher spricht. Von damals, 1899, als Dietmar Hopp noch selbst für den Verein spielte.

Der Gladiator

Mein Wissen über das alte Rom ist, wohlwollend ausgedrückt, überschaubar. Auch haben mich Historienfilme nie sonderlich in ihren Bann gezogen.

Daher hat es mich zunächst auch eher überrascht, dass ich in diesen Tagen unvermittelt an Gladiatorenkämpfe denken musste. Beim Lesen des einen oder anderen Kommentars zu Jens Weinreichs Vergleich mit dem DFB sah ich römische Honoratioren vor mir, die sich zunächst daran ergötzten, wie der in den Kampf geschickte Gladiator den übermächtigen Löwen zu besiegen versprach. Als jedoch der Kämpfer die Erwartungen nicht erfüllte -er hatte den Kampf gefälligst bis zum Ende auszufechten-, wendete sich das Blatt und sie senkten ihren Daumen. Schließlich hatte der eine oder andere von ihnen sogar ein paar Denar für diesen Kampf gegeben.

Ja, ganz bestimmt sind in diesen paar Zeilen verdammt viele historische Fehler enthalten. Zudem ist glücklicherweise die Zahl derer, die in der von mir angedeuteten Form geäußert haben, nach meiner Wahrnehmung nicht allzu groß; Verständnis kann ich dafür indes keines aufbringen.

Dabei gebe ich durchaus zu, dass auch ich enttäuscht bin. Nicht von Jens Weinreich, auch wenn das im ersten Moment nicht ganz so leicht zu trennen war, sondern weil ich mir einen Ausgang gewünscht hatte, der die Dinge beim Namen nennt, der das Vorgehen des DFB verurteilt und der Dr. Theo Zwanzigers Kommunikationsherrschaftsanspruch eine klarere Absage erteilt. So stellt man sich das halt vor.

Dass es nicht so gekommen ist, hat vielleicht damit zu tun, dass Jens Weinreich die Auseinandersetzung nicht weiter ausfechten wird. Vielleicht hätten sich die Dinge aber auch ganz anders entwickelt. Um das zu erfahren, müsste halt mal jemand die Sache durchfechten. Weinreich, übernehmen Sie! Und fangen Sie bloß nicht an, sich über ihre Zukunft Gedanken zu machen, darum kümmern wir uns schon. So gut wir halt können. Ein bisschen eigenes Risiko müssen Sie schon auch auf sich nehmen, wo kämen wir denn da hin?!

Kurz: Ich habe viel Verständnis für Jens Weinreichs Entscheidung, dem Vergleich zuzustimmen. Nicht ganz so uneingeschränkt ist meine Zustimmung bezüglich der Verwendung der restlichen Spendengelder. Ich persönlich interessiere mich nicht besonders für hartplatzhelden.de. Videos aus dem Amateurfußball faszinieren mich nicht.

Dessen ungeachtet ist der Unterstützer-Button für die Hartplatzhelden hier schon ziemlich lange in der Sidebar, und gespendet habe ich auch: weil mich der monopolistische Anspruch des Württembergischen Fußballverbands fürchterlich ärgert, zumal klar sein dürfte, dass der WFV in anderen Teilen der Republik Nachahmer finden wird. Auch liest man zwischen den Zeilen, dass Oliver Fritsch von den Hartplatzhelden seitens WFV und/oder DFB den einen oder anderen zusätzlichen Knüppel zwischen die Beine bekommen habe.

Gleichwohl bin ich nicht der Ansicht, dass die beiden Fälle so leicht miteinander verglichen werden können, wie Jens Weinreich in seinem Text (und konkreter in den Kommentaren) andeutet. Der Fall der Hartplatzhelden ist bitter und hat weitreichende Folgen, ganz ohne Frage. Die Art und Weise, wie Weinreich vom DFB diffamiert und, gewollt oder nicht, in seiner beruflichen Existenz bedroht wurde, bewegt sich meines Erachtens jedoch in einer ganz anderen Dimension und war zumindest für mich ein wichtiger Beweggrund, den berühmten Zwanziger gegen Zwanziger zu spenden. Ähnlich gerichtete Bedenken, die sich zudem auf die ursprüngliche Formulierung von Jens Weinreich hinsichtlich einer weiteren Verwendung der Spendengelder beziehen, finden sich mehrfach in den Kommentaren.

Zwar will ich nicht recht glauben, dass von dieser Frage -wie zum Teil angedeutet- die Spendenbereitschaft der Nutzer in künftigen Fällen abhängt; angesichts der nicht unerheblichen Summe sollten die Bedenken jedoch nicht allzu rasch beiseite gewischt werden.

Abschließend betone ich gerne, dass es für mich persönlich ungeachtet der obigen Bemerkungen in Ordnung ginge, wenn das Geld den Hartplatzhelden zukäme. Insbesondere dann, wenn diese Verwendung das Resultat einer ergebnisoffenen Diskussion sein sollte.

Nachtrag:
Beim sportticker befasst man sich angenehm unaufgeregt mit Jens Weinreichs Entscheidung und der Spendenfrage.

DFB unterstützt notleidende Kinder, quasi.

Die Causa Zwanziger/DFB ./. Weinreich ist hinreichend zumindest in internetaffinen sportinteressierten Kreisen weitgehend bekannt. Wer Nachholbedarf hat, möge sich in Jens Weinreichs Webweiser kundig machen. (Natürlich kann man seine Informationen, der Ausgewogenheit wegen, auch bei der Gegenseite beziehen. Allerdings ist es dort mit der Transparenz nicht allzu weit her.)

Wer nun feststellt, dass er zu diesem Thema „seit längerem nichts mehr gehört“ hat, ist dem Kern der Sache bereits ziemlich nah: der DFB spielt auf Zeit. Und auf Geld. Man versucht, die Sache mit juristischen Kniffen hinzuziehen und zu verteuern. Manch einer mag daraus den Schluss ziehen, dass der DFB seine finanzielle Potenz als letzten Trumpf aus dem Ärmel zieht, um ein verloren geglaubtes längst verlorenes Spiel doch noch zu gewinnen.

Mit einem gewissen Erfolg: obschon das Kind längst im Brunnen ist und Dr. Theo Zwanzigers Ruf schwer gelitten hat, könnte er es mit seinen Fahrensmännern und der genannten Strategie zumindest schaffen, auch die Gegenseite massiv zu schädigen, beruflich wie finanziell. Vor diesem Hintergrund hat Jens Weinreich nun doch eingelenkt.

Eingelenkt? Ja, er hat den von ihm lange Zeit zurückgewiesenen Vorschlag seiner Leser, einen Spendenaufruf zu starten, endlich -wenn auch mit offensichtlichem Unbehagen- aufgegriffen und in die Tat umgesetzt.

Der nicht ganz überraschend in den Kommentaren entstandene Claim „(Ein) Zwanziger gegen Zwanziger“ hat sich recht rasch verbreitet und scheint auch Anwendung zu finden. Ich persönlich konnte und wollte mich dem nicht entziehen und habe mein Scherflein beigetragen.

Der schöne Nebeneffekt dabei war folgender:
Zwar bin ich der Überzeugung, dass es sehr wichtig ist, Herrn Dr. Zwanziger und dem DFB in dieser Sache Paroli zu bieten und die Sache auszufechten; gleichzeitig konnte ich jedoch nicht umhin, meine grundsätzliche Spendenbereitschaft und letztlich meine Prioritäten zu hinterfragen. Daher habe ich gleich noch eine Spende an UNICEF auf den Weg gebracht.

Womit Herr Dr. Zwanziger quasi die Schulbildung eines notleidenden Kindes ermöglicht hat. Danke, lieber DFB. Wir können das aber auch einfacher haben: Ihr räumt Eure Niederlage ein, spart Euch die Prozesskosten und spendet direkt an Bedürftige. Deal?

Ach ja:
Kritik an meiner Selbstbeweihräucherung bitte in den Kommentaren gleich durch Fettdruck kenntlich machen.

Super! Bayern hat auch nicht gewonnen. Und der DFB kann nicht verlieren.

Etwa 10 Minuten vor Ende des heutigen VfB-Spiels gegen Arminia Bielefeld, als sich die Stuttgarter mehr schlecht als recht um den Siegtreffer bemühten, brandete plötzlich Jubel im Neckarstadion auf, der ganz offensichtlich nichts mit dem aktuellen Spielverlauf zu tun haben konnte. Der Grund war schnell identifiziert: auf der Anzeigetafel war der Gladbacher Ausgleichstreffer gegen die Bayern angezeigt worden.

Hallo? In welcher Welt leben diese Jubler? Es ist mir sehr schleierhaft, was einen VfB-Anhänger in der gegenwärtigen Situation dazu treibt, die Ergebnisse des FC Bayern zu verfolgen, als stünde unsere Mannschaft in einem unmittelbaren Konkurrenzverhältnis zum bayerischen Nachbarn. Zu einem Zeitpunkt, wo der VfB Gefahr läuft, die Bundesligasaison noch vor der Winterpause zu den Akten legen zu müssen (oder zu dürfen – wenn man es schafft, nicht in Abstiegsgefahr zu geraten), erfreuen sich die Stuttgarter Zuschauer an einem Tor, das den Weg des FC Bayern zur Tabellenspitze um ein bis zwei Wochen verzögert? Haben wir keine eigenen Sorgen, die sich Woche für Woche auf dem Platz zeigen und die zu wiederholen ich nach dem heutigen Spiel wenig Lust verspüre? Oder ist die Schadenfreude gegenüber den Bayern ein kläglicher Versuch, die Situation rund ums Neckarstadion zu verdrängen?

Ganz kurz zum Spiel: ich glaube, heute erstmals in dieser Saison einen Stuttgarter Linksverteidiger (Boka) auf der gegnerischen Grundlinie gesehen zu haben. So viel zu dem, was sich im Vergleich zu den letzten Spielen positiv verändert hat. Ansonsten war fast alles beim Alten geblieben – wäre schön gewesen, wenn auch Mario Gomez in bewährter Manier in der Schlussviertelstunde den einen oder anderen Treffer erzielt hätte.

Eigentlich hatte ich noch darüber schreiben wollen, wie es war, aus familiären Gründen ausnahmsweise mal nicht in der Cannstatter Kurve, sondern auf der Haupttribüne mitzufiebern. Auch die Tribünengespräche über die „Spielweise wie damals bei Trapattoni“ wollte ich ebenso ausführlicher kommentieren wie die Stadtbahndiskussionen über Trainer, Manager und Namen wie Thomas Doll.

Nun beschränke ich mich darauf, den letztgenannten Punkt ins Reich der Fabel zu wünschen und dann rasch zum Ende zu kommen, mit dem Ziel, dass die wenigen, die bis hierher durchgehalten haben, ihre Aufmerksamkeit sogleich auf die ungeheuerliche Kampagne von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und seinen Kommunikationsherrschern gegen den kritischen Sportjournalisten Jens Weinreich richten mögen. Ich verzichte darauf, die ganze Geschichte hier darzustellen, da der Vorgang bei Herrn Weinreich vorbildlich transparent dokumentiert ist und auch wichtige Sport– und Medienblogger (nicht nur die!) ausführlich darüber berichten.

Hinsichtlich der verlinkten Ausführungen gilt im Übrigen das, was DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach mit Blick auf die von ihm gestern versandte, Jens Weinreich diffamierende Pressemitteilung schrieb, d.h. dass die geneigten Leser sie

„natürlich argumentativ auch verwerten können.
Darauf hoffen wir sogar“.