Rote Bullen, detailliert gecovert

Es gibt gute Gründe, die 11Freunde zu mögen. Vermutlich gibt es gute Gründe, sie nicht zu mögen. Ganz bestimmt gibt es Gründe dafür, dass ich in den letzten Monaten eine Reihe der Hefte eher rudimentär gelesen habe, und ich will damit nicht einmal einen Qualitätsverlust andeuten, sondern lediglich den Umstand, dass sich Prioritäten phasenweise, manchmal auch dauerhaft, verschieben können.

Mein aktueller Grund, die 11Freunde ganz besonders zu mögen, ist – nicht zum ersten Mal – ein Cover. Ja, es hat schon wieder einen Bayern-Bezug, stimmt, aber damit kann ich umgehen, gerade beim Quasi-Saison-Sonderheft, wo ich dem Meister der Vorrunde durchaus ein naturgegeben erscheinendes Vorrecht zugestehen würde. Was mir, neben den “Bullen” auf der Beifahrertür, vor allem gefällt, ist die implizite Aufforderung an mich, endlich wieder Breaking Bad zu schauen:

11freunde_sonderheft2013

Daneben verblassen gewiss alle anderen Gründe; einen möchte ich gleichwohl noch nennen: das BloggerInnen-Sonderheft. Ebenfalls zum wiederholten Male. Einfach weil ich mich freue, dass da einige Onlinemenschen auch mal gedruckt zu Wort kommen, die ich sehr gerne im Netz lese, oder vielleicht auch bisher nicht gelesen habe, die mich nun aber neugierig gemacht haben, vermutlich auch einige, die ich auch weiterhin nicht lesen werde (phasenweise oder dauerhafte Prioritäten, Sie wissen schon). An dieser Stelle wäre eine Diskussion darüber denkbar, was man von der Formulierung “jemanden lesen” halten mag oder auch soll.

In aller vorgeschobenen Bescheidenheit und nicht gänzlich frei von Narzissmus weise ich an dieser Stelle etwas verschämt darauf hin, dass auch ich selbst ein paar Sätze zu diesem Heftchen beitragen durfte. Und weil Redaktionen nun mal so funktionieren, wie sie funktionieren, sind einige meiner Einschätzungen zur Bundesliga im Allgemeinen und zum VfB im Besonderen der Schere zum Opfer gefallen oder ein wenig optimiert worden, was dann ja im Einzelfall auch den Zungenschlag ein wenig verändern mag.

Hier meine komplette Rohversion:

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Die neue Saison wird legendär, weil:
… wir, wie immer, gar nichts anderes akzeptieren würden.

Wenn ich an die vergangene Saison denke, dann…
…stelle ich fest, dass sich eine Grundwahrheit des Fußballs wieder einmal bestätigt hat: die Tabelle lügt nicht. „Gleichwohl“, so murmle ich vor mich hin, „scheint sie dem in Stuttgart gespielten Fußball ein bisschen zu schmeicheln. B-Noten-Absteiger!“

Wenn ich einen durchgeknallten russischen Milliardär kennenlerne, kaufe ich meinem Klub …
… in all meiner Naivität noch immer ab, dass er sich nicht mit durchgeknallten russischen Milliardären einlassen wird.

Mein schlimmster Albtraum:
Gerd E. Mäuser fährt, huldvoll winkend, auf einem kroatischen Powerboot in das Neckarstadion ein. Das willfährige Volk erhebt sich ehrerbietig. Mäuser streicht sich zufrieden über den Schnurrbart und singt: „I did it the Stuttgart way.“

Mein Held vergangener Jahre:
Gerhard Mayer-Vorfelder. Manfred Haas. Erwin Staudt. Merkt man ja häufig erst hinterher.

Die lustigste Fan-Aktion der vergangenen Saison war…
…der gleichermaßen lustig wie würdevoll inszenierte Striptease zahlreicher Fußballfans in eigens vorbereiteten Zelten. Wenn es nicht so absurd gewesen wäre, hätte man es fast für echt halten können.

Auf Auswärtsfahrten darf niemals fehlen…
Tacker. Locher. Rechtsbeistand.

Ich gehe nie wieder ins Stadion, wenn…
…es irgendwann Arena heißt und einen Sponsorennamen trägt. Oder so.

Mit einer Klatschpappe kann man prima….
… über den lustigen Fächer reden, den sie (oder er) vergnügt in der Hand umherwirbelt.

Mein Verein muss an den DFB Strafe zahlen, weil wir im Stadion…
… gemeinsam mit Martin Harnik lautstark den Konsum von Alkoholika propagieren. Die Zahlung erfolgt allerdings sachgerecht an die Uefa.

Unser aktuelles Trikot ist…
…ein kleines bisschen anders. Was nicht allen zusagt. Mir schon.

Wenn Pep Guardiola im nächsten Jahr nicht mindestens vier Titel holt, dann…
… sollte man Bruno Labbadia eine Chance geben. Die hätte er verdient.

Auf diese Schlagzeile warte ich schon seit Jahren…
„Rückblende: Als Homosexualität im Fußball noch ein Aufreger war“

Diesen Fußball-Twitteraccount habe ich immer im Auge…
Transfermarkt. Immer wieder schön, wenn ein mir völlig unbekannter Name in acht verschiedenen Gerüchten auftaucht.

Der nächste Pokal im Trophäenschrank meines Klubs ist…
… der Mercedes-Benz Junior Cup. Und selbst da liegt der letzte Sieg sechs Jahre zurück. Aber vielleicht wird Harnik ja Weltmeister.

Fußball gucke ich am liebsten…
Punkt. Und zwar auf dem Sportplatz. Mit oder ohne Tribüne. Auf Rasen oder Asche. Bambini oder alte Herren. U19-Junioren oder Frauen. Fußball halt.

Die Erste Liga verlässt nach unten…
Herr Gagelmann. Manchmal muss man (hier: ich) zu seinen völlig subjektiven und willkürlichen Überzeugungen stehen. Irgendwann behalte ich recht. Und wenn’s nur altershalber ist. Den Grund habe ich übrigens längst vergessen.

 

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In den vergangenen Jahren hatten die beteiligten Blogger jeweils die Gelegenheit, drei Sonderhefte an ihre Leser zu verschenken. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob dem heuer auch so ist. Ich tu jetzt einfach mal so. Im Zweifel muss ich die Suppe dann halt selbst auslöffeln. Beziehungsweise diejenigen, die an Stelle eines Heftes dann (und nur dann!) halt ein VfB-Schweißband bekommen, oder was ich sonst halt so finde.

Es gibt da allerdings einen Pferdefuß: all diejenigen, die bis hierher gelesen haben und ganz leise bei sich dachten: “Puh, sieht gut aus. Der Text ist fast durch und ich musste immer noch keine in Form gepressten Limerickverschnitte lesen”, die muss ich enttäuschen. Die Verse kommen noch. Ansonsten kommt aber im Grunde nichts mehr. Wer also möchte, kann sich an dieser Stelle ohne Informationsverlust ausklinken.

Wer indes ein Heft ein Schweißband Ruhm und Ehre vielleicht irgendwas gewinnen will, muss da jetzt durch: drei Fünfzeiler, jeder beschreibt eine mehr oder minder bekannte Spielsituation aus der mehr oder minder weit entfernten Vergangenheit, und jeder ist für ein(e) Dings gut.

Ich darf also um Auflösung in den Kommentaren bitten, und zwar nur um je eine hinreichend konkrete Antwort pro Teilnehmer/-in. “Hinreichend konkret” beinhaltet nicht zwingend ein exaktes Datum, wohl aber eine aussagekräftige Benennung der Situation, die Verwendung von Spielernamen und Mannschaften, Sie wissen schon.

Wer die Antworten ergoogelt, erbingt oder Telefonjoker zu Rate zieht, ist ein erbärmlicher Wicht. Oder eine ebensolche Wichtin.

Szene 1:
Erst sehn wir McAllister blassen,
dann Anderton königlich passen.
Colin Hendry wirkt tapsig,
der Jubel, hm, flapsig:
im Zahnarztstuhl hebt man die Tassen!

[Lösung. Von McAllister bis zum Zahnarztstuhl.]

Szene 2:
Die ältere Dame: erstaunt.
Das Publikum: unwirsch, es raunt.
Denn der Hüter hält alles.
Bis zum Fall eines Balles –
ein Exkusener: bestens gelaunt.

[Lösung. Nein, ich mag die Tonalität auch nicht.]

Szene 3:
Ein Mann mit elastischen Beinen
ließ Tifosi (dahoam!) bitter weinen.
Deren Stürmer: verwirrt.
Dessen Elfer: verirrt.
“Spaghetti legs!” jauchzten die Seinen.

[Lösung. Vgl. das schönere Video in den Kommentaren.]

Nachhall

Ja, sie hallt nach. Ach, die WM? Ja, die auch, klar. Weil sich gezeigt hat, dass sich Anachronismen bei Männern und Frauen durchaus ähneln, und wir gespannt sein dürfen, wie (nicht nur) der Deutsche Fußball-Bund damit umgeht. Sie hallt auch nach, weil sich einige deutsche Spielerinnen auf der Tribüne zu sehr mit den Japanerinnen freuten, andere sagen: gegen die Amerikanerinnen. Ich fand’s auch nicht angemessen, muss das aber auch nicht weiter vertiefen. Nicht zuletzt deshalb, weil ich glaube, dass sie selbst diejenigen sind, die es zu gegebener Zeit ausbaden werden.

Vor allem aber hallt die Mitgliederversammlung des VfB nach. Gelegentlich wähle ich ja die Abkürzung MV; beim VfB erscheint mir diese Abkürzung indes ungeschickt, aber das ist ein anderes Thema. Sie hallt nach, die Versammlung, und das auch bei Leuten, die wie ich nicht einmal dort waren, die nur die Liveeindrücke per Twitter oder bei kick-s.de verfolgten, zudem die in einer leicht anderen Tonalität gehaltenen Informationen auf vfb.de sowie die ausführliche Begleitung im SWR und bei den Stuttgarter Zeitungen.

Ich bin ein wenig ratlos. In zweiter Linie. In erster Linie verständnislos. Was hat die Vereinsführung geritten, sehenden Auges die maximale Konfrontation in Kauf zu nehmen? Nicht am Tag der Versammlung, da lag das Kind längst im Brunnen. Sondern in den Monaten davor, in den Wochen davor, und ganz besonders in den 14 Tagen davor. Wieso gelang es ihr nicht, den Mitgliedern und Anhängern zu einem frühen Zeitpunkt zu vermitteln, dass ihre Sorgen Gehör finden, dass die Vereinsführung sie ernst nimmt? So sie es denn wollte. Wer hatte ihr eingeredet, dass es sich nur um ein Kleingruppenphänomen handle, das sich beizeiten auflösen werde, wenn man nur mit der nötigen Überheblichkeit herangehe? Und wie war sie kurz vor Toreschluss auf die Idee gekommen, das Pferd zu wechseln? Panikmache statt Aussitzen, gepaart mit ein wenig Diffamierung, auf Vereinskosten? Und wer um alles in der Welt war der Meinung, Jürgen Sundermann sei ein Ass im Ärmel? Wer hatte da etwas zu gewinnen? Weder der Aufsichtsrat und der Präsidentschaftskandidat, denen der Auftritt als Inszenierung verübelt werden musste, noch die Legende Sundermann, die sich von VfB-Mitgliedern Schmährufe anhören musste, noch der Verein, aus selbigem Grund.

Mal so ganz grundsätzlich gefragt: das sind doch lauter intelligente Leute, wie kommen die darauf, dass man so tun könne, als verändere sich unsere Gesellschaft nicht? Menschen wollen teilhaben und teilnehmen, sie wollen mitreden, und ja, sie wollen auch Verantwortung übernehmen. Das ist erst einmal positiv. Und das mindeste, was sie erwarten dürfen, ist, ernst genommen zu werden. Nicht von vornherein an der Tür abgewiesen zu werden. Und damit meine ich nicht nur die, die ihr Interesse bekundet hatten, den Verein künftig führen zu wollen, und deren Eindruck eines Closed Shops nach meinem Kenntnisstand von niemandem entkräftet wurde. Hat es überhaupt jemand versucht?

Vielmehr meine ich auch all diejenigen, die sich schlichtweg für mehr Transparenz ausgesprochen haben, unabhängig von einer mehr oder weniger organisierten Oppositionsbewegung. Leute, die verstehen wollen, was im Verein passiert, die einen regelmäßigeren Austausch anstreben, der vermutlich nicht ganz auf Augenhöhe erfolgen kann, der aber ernst gemeint ist und nicht kurzfristig dem Wahlkampf geschuldet. Mal im Ernst: niemand erwartet doch, zumindest glaube und hoffe ich das, dass die Herren Ruf oder Staudt, künftig Mäuser, Gehaltslisten diskutieren oder Sponsorenverträge erörtert, dass Fredi Bobic mögliche Neuzugänge mit ihnen scoutet oder dass Dieter Hundt seine Meinung zu Erwin Staudt preisgibt. Aber mit Äußerungen der Preisklasse “wir haben halt Pech gehabt und hoffen, mit dem nächsten Trainer mehr Glück zu haben” geben sie sich nicht zufrieden, ein wenig mehr darf’s schon sein. Zumal nach einem aus der Sicht vieler Anhänger vorprogrammierten Fehlschlag mit Jens Keller.

Nehmen wir den personellen Umbruch vor der neuen Saison. Nicht im Spielerkader, sondern drum herum. Ich persönlich habe zwar bei der einen oder anderen Veränderung geschluckt, bei der Degradierung von Eberhard Trautner, zum Beispiel, aber ich traue Fredi Bobic zu, dass er weiß, was er tut. Da werden Dinge verändert, neue Strukturen geschaffen, das Scouting intensiviert. Man kann den Eindruck gewinnen, es stecke ein Konzept dahinter. So etwas lässt sich erklären, den Fans nahe bringen. Oder die Konsequenz, die man bei Ciprian Marica an den Tag gelegt hat, die Entschlossenheit, Patrick Funk oder Daniel Didavi eben nicht zu verkaufen, sondern nur auszuleihen. Das klingt nach einem Plan, zumal nach einem, der vielen Anhängern gefallen dürfte, eben weil man so stolz ist auf die Jugendarbeit des VfB. Aber es ist nicht gelungen, diese Themen in den letzten Wochen und Monaten nachhaltig (Bingo!) in den Mittelpunkt zu rücken. Im Einzelfall mag das an einer Fundamentalopposition gelegen haben, zum Teil auch daran, dass die mediale Sexiness begrenzt ist. Aber ich hatte eben auch nicht den Eindruck, dass man in ausreichendem Maße bestrebt war, Konzepte zu diskutieren, meinetwegen zu verkaufen. Es schien mitunter wichtiger, die Opposition zu diskreditieren.

Möglicherweise war besagte Opposition wirklich nicht gut vorbereitet. Vielleicht hatte die Aktion VfB 2011 mit Helmut Roleder nicht das beste Zugpferd, möglicherweise vermittelte er in der Tat zu sehr den Eindruck, einen Job zu suchen, in den Stuttgarter Nachrichten wird er aktuell mit dem Satz “vielleicht kann ich in Zukunft einem anderen Verein helfen” zitiert. Björn Seemanns Kandidatur stand anfänglich unter keinem guten Stern, bei einzelnen Medien und letztlich wohl auch beim Aufsichtsrat hatte er keinen leichten Stand. Ich kann nicht ausschließen, dass Gerd Mäuser tatsächlich, wie von der alten Vereinsführung gebetsmühlenartig vorgetragen, der weitaus beste Kandidat war; das Herzblut nehme ich aber sowohl Björn Seemann als auch Helmut Roleder ab, und empfinde es als unanständig, ihnen den Versuch einer feindlichen Übernahme zu unterstellen. Sie sind dem Verein gewiss nicht feindlich gesinnt. Sie mögen einen Teil der handelnden Personen, besser: deren Arbeit, nicht schätzen, und wenn man will, kann man sie als Konkurrenten und letztlich, mit einer entsprechenden Fantasie, als deren Feinde ansehen. Hm, wenn dann natürlich diese handelnden Personen sich selbst als den Verein… dann könnte man… nein, da steckt gewiss ein Denkfehler drin.

Ein Begriff, der mir in den letzten Tagen vermehrt durch den Kopf geht, lautet Souveränität. Ich hätte Herrn Professor Hundt gewünscht, souverän mit seinem Abstimmungsergebnis umzugehen, und nicht trotzig. Der gesamten Vereinsführung hätte im Vorfeld mehr Souveränität im Umgang mit der Kritik und den Oppositionsgruppen gut getan. Eventuell hätte man die Diskussion dann noch in ruhigere Bahnen lenken und gemeinsam sinnvolle, mehrheitsfähige Satzungsänderungen anstoßen können. Dass auch die Gegner zum Teil alles andere als souverän waren, steht außer Frage – man möge mir nicht zuletzt nachsehen, dass ich auf dem Auspfeifen von Jürgen Sundermann herumreite. Souverän wäre es übrigens auch gewesen, hätte Helmut Roleder darauf verzichtet, in seinem Statement am Tag nach der Versammlung eine Spitze gegen Hansi Müller und dessen frühere, tendenziell unglückliche Tätigkeit für den Verein anzubringen, unabhängig von Müllers unsouveränem Auftritt tags zuvor, in dem er zahlreichen engagierten Mitgliedern Respektosigkeit unterstellte. Weit mehr als nur unsouverän war übrigens der Versuch eines Teilnehmers, die Mitgliederversammlung mit einer Creditreform-Auskunft über Herrn Roleder zu konfrontieren.

Wie souverän Erwin Staudt blieb, darüber scheiden sich ein wenig die Geister. Einigkeit herrscht hingegen nach meiner Wahrnehmung, dass sich Gerd Mäuser zwar nicht von Beginn an souverän zeigte, dass aber seine – auch selbst eingestandene – Nervosität und Unsicherheit eher zu seinen Gunsten auszulegen seien. Letztlich wurde er gewählt, viele Mitglieder zeigten sich erleichtert, und einzelne brachten auch ihre Beweggründe für ihre Entscheidung, nicht nur Gerd Mäuser zu wählen, sondern auch gegen die Abwahl von Dieter Hundt zu stimmen, sehr reflektiert zum Ausdruck – wenn ich “einzelne” sage, meine ich mindestens zwei: mit einem unterhielt ich mich sehr ausführlich, der andere, Bailey, äußerte sich schriftlich: “Tag der langen Messer“.

Ich verstehe ihn. Hätte vermutlich ähnlich gehandelt, da man wohl nicht davon ausgehen konnte, dass Herr Staudt aufgesprungen wäre und sich als Nachfolger angeboten hätte. Mit einem guten Tag Abstand bleibt der Eindruck, dass Gerd Mäuser möglicherweise kein schlechter Präsident ist, vielleicht auch ein guter, die ersten Duftmarken scheinen vernünftig. Im Übrigen kenne ich niemanden, der ihn vorab wegen seiner Qualifikation oder Persönlichkeit für einen schlechten Kandidaten hielt; vielmehr ging es um das Procedere, und gewiss auch um die kolportierte Nähe zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats. Der nun noch für drei weitere Jahre gewählt ist. Seine ersten Äußerungen nach der Mitgliederversammlung werden in allerlei Richtungen interpretiert. Die einen gehen davon aus, dass er den erhaltenen Denkzettel zum Anlass nimmt, sein Engagement zu überdenken; andere, zu denen ich nach wie vor neige, würden sich nicht wundern, wenn seine erste Bewertung ein Fingerzeig für künftige Bestrebungen wäre, die von Erwin Staudt ins Feld geführte “Entscheidungshoheit” der Mitglieder diesen in absehbarer Zeit doch “aus der Hand nehmen” zu wollen:

„Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Aber der Verlauf der Mitgliederversammlung gibt Anlass, grundsätzlich Gedanken anzustellen.“

Das ist sehr frei interpretiert, ich weiß. Vielleicht sucht er ja statt dessen den direkten Draht zu den Mitgliedern, um künftig von vornherein die Schärfe aus derlei Diskussionen zu nehmen, vielleicht will er Satzungsänderungen anstoßen, den Anhängern mehr Gewicht verleihen, einen Fanvertreter oder eine Fanvertreterin in den Aufsichtsrat holen. Kann ich nicht ausschließen.

Im Übrigen, nur zur Klarstellung, ist es nicht mein Begehr, dass die Mitglieder an operativen Entscheidungen beteiligt werden. Trainerwechsel, Spielerkäufe, Sponsorenverträge – ich muss und will darauf vertrauen, dass die Leute, denen der Verein viel Geld dafür bezahlt, diese Aufgaben nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen, dass die Vereinsführung Leute beschäftigt, denen sie das nach objektiven Kriterien zutraut. Aber solange es sich um einen Verein handelt, sollen die Mitglieder darüber entscheiden, wer diesen Verein führt. Gerne nach einer wie auch immer gearteten Vorprüfung durch einen Wahlausschuss, der sich nicht einmal zwingend vom Aufsichtsrat unterscheiden muss.

Die Mitglieder sind sehr wohl in der Lage, zu beurteilen, wie objektiv dieses Gremium an seine Aufgabe herangeht, sie haben eine feine Antenne für Populismus und das Streben nach Machterhalt. Man sollte sie nicht unterschätzen.

He who must not be named

Was hätte ich alles andenken wollen in den letzten 10 Tagen. Hat sich ja doch so einiges angeboten.

Eines der großartigsten Wochenenden in der Geschichte der Frauenfußball-Weltmeisterschaften, zum Beispiel. Vier Viertelfinalspiele, drei Verlängerungen, zwei Elfmeterschießen, und ich hab grade mal ein Spiel gesehen. Im Wachkoma, wenn ich ehrlich bin, genau wie die Schiedsrichterin. Machte nichts, Frau Wambach war ja da. Auf die Gründe werde ich später mal eingehen. Von den Halbfinals konnte ich nicht viel mehr sehen. Den einen großen Pass (besser: Pässchen) von Louisa Necib natürlich schon.

Vor allem aber hätte es verdammt viel zu sagen gegeben über den VfB Stuttgart. Über eine Medienoffensive, die auch einem Wahlkampf zur Ehre gereicht hätte, in dem es mehr als nur einen Kandidaten gibt. Über Medien, die bereitwillig mitspielten.

https://twitter.com/#!/heinzkamke/status/90427869599240192

Über sprachliche und juristische Spitzfindigkeiten, eine diskutable Tagesordnung des VfB und indiskutables Gebaren der DFL, über einen dünnhäutigen Kandidaten und mindestens einen selbstbewussten Nichtkandidaten, über die Stuttgarter Zeitung, die sich nicht entblödet, ihre VfB-Clique der Lächerlichkeit preiszugeben, und einen Redakteur, der eben darauf nach meinem Eindruck allzu gerne verzichtet hätte.

Über zwei diametral entgegengesetzte Aussagen zu ein und demselben Telefonat. Von den zwei Gesprächspartnern selbst. Einer lügt, könnte man meinen, wenn Karl Allgöwer sagt, Dieter Hundt habe seine, Allgöwers, Einbindung beim VfB verhindert, während Erwin Staudt, der am anderen Leitung gewesen war, darauf besteht, dass der Name Hundt in jenem Telefonat, korrekter: “in dem Zusammenhang”, definitiv nicht gefallen sei. Nun, ich habe keinen Grund, an den Worten Karl Allgöwers zu zweifeln. Bei Herrn Staudt stellt sich das seit damals ein wenig anders dar; dennoch werde ich mich hüten, ihn der Lüge zu bezichtigen. Auf die wohl wahrscheinlichste Variante hat mich heute ein Freund gebracht:

“Karle, alter Genosse, unter uns Sozen:
ich hätte Dich echt gern dabei, aber ich habe mich mit verschiedenen Leuten im Verein ausgetauscht, und es geht leider nicht.
He who must not be named ist dagegen.”

Das war jetzt der ernsten Situation nicht ganz angemessen. Und vielleicht ein wenig respektlos Herrn Staudt gegenüber, dessen für den VfB geleistete Arbeit ich sehr schätze. Er ist es ja mittlerweile gewohnt, “dass jeder, der einen Kugelschreiber in der Hand hat”, und ich vermute, darunter sind auch Menschen mit einer Tastatur auf dem Schoß zu subsumieren, “seine Expertisen über Menschen abgeben darf, deren Erfahrungen die eigenen bei Weitem übersteigen.” Touché, Monsieur le Président, ich bekenne mich schuldig.

Aber wie gesagt: all das hat sich bereits im Lauf der letzten Tage abgespielt, und erfreulicherweise wurde vieles aufgegriffen und in angemessener Form kommentiert, kritisiert und bewertet. Die geschätzten Damen und Herren von Kick-S haben das meiste davon zusammengetragen und verlinkt, kann ich nur jedem ans Herz legen.

Mein Lieblingsinterview, das bereits im oben zitierten Tweet angeklungen ist, haben sie leider nicht erwähnt, deshalb muss ich doch noch einmal kurz darauf zurückkommen. Es geht um ein Interview der Stuttgarter Nachrichten vom 9.7., das Gunter Barner mir Dieter Hundt führte in dem Gunter Barner als Stichwortgeber für Prof. Dr. Dieter Hundt fungierte. Möglicherweise ist meine Lesart ein wenig gefärbt durch die Eindrücke der vergangenen Woche, vielleicht kommt die geneigte Leserin zu einem ganz anderen Eindruck als ich. Dennoch möchte ich nicht darauf verzichten, kurz meine Lieblingsstelle zu zitieren, in der der Journalist sein Gegenüber scharf angeht:

Ihre öffentlichen Äußerungen werden als Einmischung verstanden. “
“Nennen Sie mir einen Fall, in dem ich ein Vorstandsmitglied korrigiert oder kritisiert habe.”

Herr Barner hat ihn also ganz schön in die Ecke gedrängt. Mir persönlich würde es zwar an dieser Stelle schwer fallen, auf Herrn Professor Hundts Aufforderung hin konkret zu werden, da geht es mir wie den Herren von der VfB-Clique: “Das kriegen wir ja alles so nicht mit“. Ich würde bestenfalls stotternd auf den unsäglichen Versuch der Demontage des damaligen neuen Übungsleiters Armin Veh hinweisen, der vom Aufsichtsratsvorsitzenden als Übergangslösung tituliert worden war – ein Vorgang, den man nur mit viel Phantasie als Rückendeckung für den verantwortlichen Manager Horst Heldt auslegen kann. Der damals allerdings noch kein Vorstandsmitglied war, also alles im Lot. Möglicherweise würde ich sogar noch die Feststellung zustande bringen, dass der Vorwurf der Einmischung sich nicht zwingend auf die Kritik an einem Vorstandsmitglied beziehe, die Korinthe muss man ja auch mal kacken dürfen. An einem besonders mutigen Tag würde ich dann gar noch auf den Abschied von Herrn Gross zu sprechen kommen, aber da weiß man ja, dass ich eher befangen bin. Letztlich würde ich also den Schwanz einziehen, aus Feigheit und mangels Hintergrundwissen.

Aber der Herr Barner, der ist ja aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Er ist lange dabei, kennt das Geschäft, hat gewiss ein breites Kreuz und ein weit verzweigtes Netzwerk, das auch solche Geschichten wie die wenige Tage später von Karl Allgöwer erzählte kennt. Und sowieso hat er sich gewiss mit denjenigen ausgetauscht, die Herrn Professor Hundt der Einmischung bezichtigen, und kann ihre Argumente herunterbeten, egal ob mit oder ohne Überzeugung. Er wird dem Aufsichtsratsvorsitzenden eine ganze Liste von Fällen präsentieren und ihn damit so richtig unter Druck setzen. Hier also seine Replik:

Warum halten Sie sich öffentlich nicht mehr zurück?”

Es ist mal wieder soweit

Transferperiode. Wasserstandsmeldungen. Kopenhagen will Kvist nicht abgeben. Nürnberg will eine Kaufoption. Bobic will Argentinier. Oder Asiaten. Der VfB will mit Träsch verlängern. Kvist will nach Stuttgart. Marica will weiterhin viel Geld. Erwin Staudt will eine geregelte Managerausbildung. Didavi will wohl verlängern. Kopenhagen will vielleicht auch, aber mit mehr Geld. Keiner will weg. Schneider will einen Fünfjahresvertrag. Träsch will keinen. Nürnberg will vielleicht auf die Option verzichten. Die Fans wollen kein Rumgeeiere bis zum Ende der Transferperiode.

Und werden es doch bekommen. Ich kann es nicht beeinflussen. Weshalb ich in der Regel zu dem ganzen Zeug schweige. Da ich aber ohnehin ein wenig Werbung machen wollte, kann ich ja zumindest ein paar Sätze zu Christian Träsch sagen. Ohne zu wissen, was da tatsächlich läuft. Heute hieß es, der VfB habe ihm einen Fünfjahresvertrag angeboten. Und er habe abgelehnt. Die einen kritisieren das eine. Die anderen bedauern das andere. Manche tun beides.

Meine Meinung zu Christian Träsch ist bekannt. Immer wieder war ich der Ansicht, er sei an seine Grenzen gestoßen, nur um mich kurz darauf wieder vom Gegenteil überzeugen zu lassen. “Jede Woche ein neues Feature” schrieb ich diesbezüglich vor einiger Zeit, und auch wenn die Zahl der neuen Features seither nicht mehr so rasant zunahm, wohl auch nicht zunehmen konnte, und auch wenn Träsch in der vergangenen Saison erstmals eine Zeit lang unter seine Niveau spielte, so bin ich doch der Überzeugung, dass er ein Glücksfall für den VfB ist. Und wenn er bereit wäre, einen Fünfjahresvertrag zu unterzeichnen, sollte man ihn ihm geben. In der Hoffnung, dass er ihn tatsächlich erfüllt. Vielleicht zu einer – man möge mir das große Wort verzeihen – Identifikationsfigur wird. Er ist ein guter, wohl auch ein sehr guter Bundesligaspieler, zurecht auch Nationalspieler. Aber bei aller Liebe: er ist kein so überragendes Talent wie Gomez oder Khedira, keiner, von dem jeder halbwegs realistische Fußballfan weiß, dass er über kurz oder lang auf größere Bühnen gehört als die in Stuttgart.

Ich sähe ihn gerne weiterhin im Neckarstadion. Jahrelang. Gerne als Kapitän, der immer voran geht. Das würde er tun. Wofür man ihn auch gut bezahlen sollte. Und doch sehe ich in ihm nicht den Spieler, für den man das Gehaltsgefüge komplett sprengt. Auch wenn ich nicht damit rechne, dass seine Leistungen in vertragsrestlaufzeitabhängigen Zyklen schwanken würden wie bei… anderen.

https://twitter.com/#!/Jens1893/statuses/80718544693755904

Wenn es nach mir ginge, müsste man ihn halten. Aber nicht um jeden Preis. Und wenn die kolportierten Zahlen stimmen, muss man wohl oder übel auf ihn verzichten. Gerne erst ab 2012, so groß wäre der finanzielle Verlust nicht. Man frage nach bei den Münchner Löwen und bei Daniel Bierofka. Merkt man bestimmt nicht, dass ich hin- und hergerissen bin, oder? Genug.

Zum Abschluss noch die angekündigte Werbung. Ich durfte mal wieder woanders schreiben. Im wahrlich wunderbaren Frankfurter Blog “The Diva and the Kid” hatte ich das Vergnügen, meine Meinung zu Armin Veh zum Besten zu geben. Sie wird dort deutlich kritischer gelesen als ich gemeint hatte, sie gesagt zu haben.

Verbalbeurteilung 2011

Einmal mehr erzielte die Gruppe im zweiten Halbjahr deutlich bessere Ergebnisse als im Herbst. Das Gesamtniveau lag dabei weit unter dem des Vorjahres oder jenem aus der Periode 2008/2009. Die Leistungen des ersten Halbjahres dürften zum Teil auf eine mangelnde Vorbereitung in den Sommermonaten zurückzuführen sein, was jedoch angesichts der hohen Zielsetzungen unserer Einrichtung nur bedingt als Erklärung gelten darf. Dem neuen Lehrpersonal, das die Gruppe im Dezember nach einem mehrwöchigen Ausfall übernahm, gelang es gerade noch, die Abschlussprüfungen in einem größeren Kraftakt angemessen vorzubereiten.

Als gescheitert muss man den gruppendynamischen Versuch ständig wechselnder Plätze betrachten. Zwar gelang es, nahezu jedes Mitglied der Gruppe mindestens einmal rechts hinten zu platzieren; positive Einflüsse auf das Gruppenklima oder die Leistung waren indes nicht zu beobachten, vielmehr traten nennenswerte Koordinationsprobleme auf.

Sven hatte zunächst gewisse Schwierigkeiten, seine Position in der Gruppe zu finden, nachdem ihn das Lehrpersonal erst nach Intervention der Einrichtungsleitung in der Gruppe belassen hatte.*   Seine Leistungen waren zunächst selten kreativ und vorwärts gerichtet, zumindest aber ausreichend. Im Lauf des Jahres gewann er, dank nach kurzfristig verordneter Nachhilfe durch ein älteres Gruppenmitglied, an Sicherheit, Ansehen und Souveränität, um so teilweise wesentlich zum Erfolg von Gruppenarbeiten beizutragen. Nach wie vor fällt ihm der Umgang mit vermeintlichen Ungerechtigkeiten schwer.

* Aus anderen süddeutschen Einrichtungen ist bekannt, dass vergleichbare Konflikte zwischen Lehr- und Leitungspersonal dem Gesamtklima abträglich sein können.

Marc kam im Sommer neu zur Gruppe, kannte aber die Einrichtung bereits aus früheren Jahren und traf eine Reihe alter Freunde wieder, sodass die Integration unproblematisch verlief. Obwohl er ursprünglich nicht für Prüfungsleistungen vorgesehen war, forderte ihn das neue Lehrpersonal zwischenzeitlich zu stärkerer Beteiligung auf. Nach einem Sportunfall wurde dieser Plan wieder verworfen. Im neuen Jahr dürfte er noch stärker in die Hausaufgabenbetreuung einbezogen werden.

Cristian konnte nur selten an seine Leistungen aus dem Vorjahr anknüpfen. Die Trennung von seinem Freund Aliaksandr wog offenbar schwerer als zunächst angenommen. Er wirkte gedanklich nicht immer frisch, kommunizierte mit seinem neuen Nachbarn nur unzureichend und reagierte auf Kritik mitunter unwirsch. Ein Gespräch ist erwünscht.

Arthur trat häufig offensiver auf als in den Vorjahren, was der gesamten Gruppe gut tat. Leider hatte er erneut eine Reihe von Fehlzeiten zu verzeichnen, fand nach seiner Erkrankung jedoch recht rasch wieder den Anschluss an die Gruppe. Seit einigen Monaten zeigt er zuvor ungeahntes Interesse für die hiesige Kultur und deren Exponentinnen.

Matthieu hat ein schwieriges Jahr hinter sich, geprägt von zahlreichen Fehlzeiten, die nicht selten selbst verschuldet waren. Anders als in den Vorjahren wirkte er des Öfteren impulsiv und war seinen Freunden nur noch in geringerem Maß ein Vorbild. Wurde zuletzt von einigen Prüfungsleistungen befreit. Die Übernahme ins nächste Jahr erfolgt auf Probe.

Serdar hatte zu Beginn einige Schwierigkeiten zu bewältigen, die zum Teil mit seinen missglückten Sommerferien zusammen hingen. Erfreulicherweise hatte er jedoch deutlich weniger Fehlzeiten als in den Vorjahren und schaffte es, sowohl die vorübergehend aufscheinenden Motivationsdefizite zu überwinden als auch seine Leistungen zu stabilisieren. Speziell im Frühjahr war er zudem in der Lage, die verunsicherten Freunde zu beruhigen. Wenn er so weiter macht, kann er demnächst wieder an einrichtungsübergreifenden Wettbewerben teilnehmen.

Georg musste zunehmend Verantwortung übernehmen und wirkte dabei insbesondere im Herbst vielfach nachlässig, gelegentlich auch überfordert. Teilweise schienen wichtige Grundlagen zu fehlen. Seine Bemühungen blieben jedoch stets vorbildlich, auch dank dem einen oder anderen Erfolgserlebnis, das die Gruppe zu würdigen wusste. Seine technische Kompetenz, gepaart mit Zielstrebigkeit, trug im Zusammenhang mit einem grünen Mobilitätsprojekt wesentlich zum Erfolg bei.

Khalid wurde im Herbst nur in Ausnahmefällen zu Prüfungen zugelassen, erzielte dabei aber meist respektable Ergebnisse. Im Frühjahr zeigte er sich weniger wählerisch bei den ihm zugewiesenen Aufgaben und wusste sie in aller Regel zufriedenstellend zu bewältigen. Ein Umzug wäre insofern bedauerlich, als er auch mit schwierigen Situationen umzugehen weiß; eine Veränderung aus sozialen Gründen steht gleichwohl im Raum.

Stefano konnte den Erwartungen nur selten entsprechen. Dies war zum Teil krankheitsbedingten Fehlzeiten geschuldet. Insgesamt sind die Defizite jedoch zu groß, um sie in absehbarer Zeit aufzuholen. Insbesondere ist er nur bedingt in der Lage, die von ihm erwarteten vorbereitenden Tätigkeiten in der Gruppenarbeit zu übernehmen. Der Wechsel in eine kleinere Einrichtung wird empfohlen.

Patrick stieß im Sommer aus einer niedrigeren Klasse zur Gruppe. Sein großes Engagement überzeugte das Lehrpersonal, ihn an der einen oder anderen Prüfung teilnehmen zu lassen, was nicht immer entsprechend seiner Stärken erfolgte und dementsprechend nur mit wechselndem Erfolg gelang. Möglicherweise wäre ein langfristiger Nachhilfekurs in einem anderen Umfeld zielführend.

Ermin stieß im Herbst gewissermaßen auf Probe zur Gruppe und integrierte sich sehr gut. Neben zahlreichen Übungsstunden durfte er auch an einzelnen Prüfungen teilnehmen, was zunächst recht gut gelang. Eine Französischprüfung, noch dazu nicht in seinem Kernbereich, traf ihn jedoch unvorbereitet und hielt das Lehrpersonal zunächst von weiteren Versuchen ab. Seine weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Philipp hatte bereits in seiner letzten Einrichtung enorme Fehlzeiten aufgewiesen, wurde aber zur Probe aufgenommen. Leider bestätigte sich die Befürchtung, dass er sowohl gesundheitlich als auch, soweit das beurteilt werden kann, vom Leistungsniveau her kaum in der Lage ist, mit der Gruppe mitzuhalten. Die Probezeit wurde beendet.

Christian zeigte sich erneut in allen Belangen vorbildlich. Sein Engagement war weit überdurchschnittlich, sein Pflichtgefühl beinahe zu ausgeprägt. Er übernehm stets Verantwortung für die Gruppe, half seinen Freunden, wo immer er konnte, worunter zwischenzeitlich seine eigenen Leistungen ein wenig zu leiden drohten. Rechtzeitig zu den Abschlussprüfungen erreichte er wieder sein altes Niveau und zeigte sich dabei kreativ und vermehrt technikbegeistert. Ein möglicher Umzug wäre sehr bedauerlich.

Zdravko war im Herbst nicht ganz auf der Höhe und wirkte speziell in der Phase, die mit Aushilfslehrpersonal überbrückt wurde, etwas unmotiviert. Im Frühjahr übernahm er indes in besonderem Maße Verantwortung, erzielte ausgezeichnete Ergebnisse und zeigte sich punktgenau vorbereitet. Seine stets herzliche Freude ist in engem Zusammenhang mit seiner positiven Entwicklung zu sehen. Der zwischenzeitlich im Raum stehende und von einzelnen Außenstehenden wortreich begründete Wegzug wäre bedauerlich.

Christian hatte ein über weite Strecken unglückliches Jahr. Anfänglich litten seine Leistungen darunter, dass er zu weit hinten platziert war, dann verstand er sich mit seinem Nachbarn nur unzureichend, kleinere gesundheitliche Probleme kamen hinzu, und folgerichtig konnte er nicht wie geplant Verantwortung für die Gruppe übernehmen, sondern wurde gar nur noch selektiv zu den Prüfungen zugelassen. Gleichwohl war er stets bemüht und trug entscheidend zur erfolgreichen Bewältigung des ihm bereits bekannten Mobilitätsprojekts wie auch einer späten Geometrieprüfung bei.

Mamadou stieß im Sommer relativ spät zur Gruppe und trat zunächst außerhalb der Übungsstunden kaum in Erscheinung. Im Herbst wurde er zu zwei Prüfungen zugelassen, in denen er ein gutes Grundverständnis zeigte, aber ein wenig nachlässig wirkte. Die Weihnachtsferien nutzte er, um einige Defizite aufzuholen, und schien auf gutem Weg, eine zentrale Rolle in der Gruppe einzunehmen, ehe ihn ein Sportunfall für den Rest des Jahres weit zurück warf.

Timo war über weite Strecken des Jahres eine sehr positive Erscheinung. Zwar hat er nach wie vor Konzentrationsmängel, lässt mitunter die nötige Zielorientierung vermissen und will gelegentlich mit dem Kopf durch die Wand; gleichzeitig aber verzagt er nie, ist um kreative Lösungen bemüht und animiert die Gruppe zu mehr Engagement. An zahlreichen Prüfungsleistungen nahm er trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen schwungvoll und erfolgreich teil und übernahm zudem in einer schwierigen Situation punktuell Verantwortung für die Gruppe. Dessen ungeachtet wird auch im kommenden Jahr eine weitere Steigerung erwartet, insbesondere bei den Punkten Konstanz, Überlegung und Standhaftigkeit.

Martin wechselte im vergangenen Sommer aus einer kleineren Einrichtung zu uns und verdiente sich sowohl mit seinen Ergebnissen als auch mit seinem Engagement als auch und vor allem mit seinen Vorarbeiten für die gesamte Gruppe rasch deren Anerkennung. Im Herbst durfte er zunächst häufig nur Teilaufgaben bearbeiten, um dann im Frühjahr fast alle Prüfungen in Gänze absolvieren zu müssen, was vereinzelt zu schwächeren Ergebnissen führte. Seine Technikaffinität ist ausbaufähig.

Mauro zog im Spätsommer aus Italien, wo er in einer hochwertigen Einrichtung gewesen war, nach Stuttgart. Er mühte sich redlich, sich an das neue Umfeld und die vorwiegend jüngeren Kameraden zu gewöhnen, was ihm aber nicht so recht gelingen wollte. Häufig war ihm das Tempo zu hoch, Flüchtigkeitsfehler kamen hinzu, und selbst sein technisches  Geschick konnte er nur bedingt einbringen. Er verabschiedete sich mit Anstand und kehrte zurück in seine Heimat.

Daniel gilt seit Jahren als sehr begabt. Dass er das Lehrpersonal nie ganz von seinen Qualitäten überzeugen konnte, mag daran liegen, dass er manchmal etwas schlampig ist. Zudem wirkt er gelegentlich langsam und immer etwas einseitig. Im Herbst konnte er bei einigen Prüfungen überzeugen, bei anderen nicht. Eine längere Erkrankung warf ihn etwas zurück, danach gelang es ihm nicht mehr, den Rückstand gänzlich aufzuholen bzw. dem Lehrpersonal seine Motivation zu vermitteln. Die Teilnahme an einem Austauschprogramm wird erwogen.

Johan kam im Spätsommer aus Frankreich, wo er an einer kleineren Einrichtung teilweise sehr gute Ergebnisse erzielte, aber auch aus gesundheitlichen Gründen viele Fehlzeiten zu verzeichnen hatte. Letzteres war dem Lehrpersonal und der Einrichtungsleitung nicht explizit gesagt worden. Auch in Cannstatt erbrachte er bei ersten Teilaufgaben sehr vielversprechende Ergebnisse, erkrankte in der Folge jedoch mehrfach und langwierig. Wird auf Probe in das neue Jahr übernommen.

Shinji kam im Februar nach dem Asienfinale von “Jugend trainiert für Olympia” nach Stuttgart und wurde sogleich ein vollständiges Mitglied der Gruppe, auch wenn er sich meist noch am Rand aufhielt. Seine Einzelergebnisse sind voll befriedigend, bei der Gruppenarbeit mit seinem Nachbarn tut er sich noch etwas schwer. Schloss die entscheidende Prüfung mit Bravour ab, sollte nun in den Sommerferien etwas zur Ruhe kommen.

Sebastian hatte sich im Sommer viel vorgenommen, konnte aber das Lehrpersonal nicht überzeugen, dass sich seine Leistungen verstetigen würden. Daraufhin wechselte er in eine stark bezuschusste benachbarte Einrichtung, wo er sich gut integrierte und in seiner neuen Gruppe eine zentrale Rolle einnahm.

Elson kehrte im Sommer etwas widerwillig von einem Austauschprogramm zurück. Dennoch lebte er sich rasch wieder ein und nahm früh an einigen europaweiten Prüfungen teil. Seine Ergebnisse blieben allerdings durchwachsen, sodass er in der Folge vornehmlich am Übungsbetrieb teilnehmen durfte. Die kurzfristige Hoffnung des neuen Lehrpersonals auf seine standardmäßige Kreativität konnte er nicht erfüllen.

Tamas stieß im Januar zur Gruppe, weil er in seiner bisherigen Einrichtung nicht mehr zu Prüfungen zugelassen wurde. Er zeigte sich von Beginn an sehr kreativ, zielorientiert und standardmäßig verantwortungsbewusst, sodass er rasch zu einem Fixpunkt in der Gruppe wurde, zu deren letztlich gerade noch ausreichenden Prüfungsergebnissen er entscheidend beitrug. Sein Engagement ist Beispiel gebend, sein Auftreten ebenso. Zum neuen Jahr wird sein Austauschprogramm beendet und er wechselt fest an unsere Einrichtung. Ob er seinen Leistungsvorsprung halten kann, wird abzuwarten sein.

Claudemir hatte es in diesem Jahr nicht leicht. Nach den Sommerferien war er mit einer leichten Unzufriedenheit zurückgekehrt, die sich mehr als einmal in unerwarteten, vielleicht auch unkontrollierten Ausbrüchen gegenüber seinen Freunden, aber auch gegenüber den eingeschalteten Mediatoren niederschlug. Seine Leistungen waren überschaubar, sodass er wiederholt nur zu Teilprüfungen zugelassen wurde, sein Gesundheitszustand schien verbesserungswürdig. Dennoch mühte er sich nach Kräften und es gelang ihm, sich hervorragend auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten, die er dann mit Bravour absolvierte.

Ciprian konnte nur selten an die guten Leistungen des Vorjahres anknüpfen. Während er zunächst dennoch zu den Prüfungen zugelassen wurde, sah sich das neue Lehrpersonal veranlasst, erst seine Leistungen und dann seine Motivation in Frage zu stellen. Nachdem er sich lautstark über die ihm zugedachten Aufgaben beschwert hatte, wurde er von weiteren Prüfungen ausgeschlossen und drückt seit Februar die Türklinke von außen herunter. Ein Wechsel der Einrichtung wird empfohlen, ein Gespräch ist explizit nicht erwünscht.

Pavel begann das Jahr sehr motiviert und erzielte im Schnitt gute Ergebnisse, wenn auch mit starken Ausschlägen nach oben und unten. Sein Engagement war stets vorbildlich, genau wie seine Unterstützung für die Kameraden. Defizite sind bei der Kreativität und hinsichtlich seiner technischen Fertigkeiten zu beklagen; zudem handelt er nach wie vor zu häufig in der irrigen Annahme, den Abschluss mit links machen zu können. Die Übernahme ins neue Jahr erfolgt auf Probe, ein Wegzug ist nicht ausgeschlossen.

Sven stieß aus einer niedrigeren Klasse dazu und zeigte sich von Beginn an sehr engagiert, wenn auch häufig glücklos. Seinen Abschlussarbeiten mangelte es, mit einer für die gesamte Gruppe sehr hilfreichen Ausnahme, an Präzision, teilweise wirkte er unentschlossen. Er muss weiterhin hart daran arbeiten, die Defizite aus frühen Jahren aufzuholen. Hierfür scheint eine benachbarte Nachhilfeeinrichtung mit modernsten Übungsräumen geeignet.

Christian konnte nicht an seine überragenden Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen. Er litt unter einem Wechsel des Leitungspersonals, das bei der Neuzusammensetzung der Gruppe kein glückliches Händchen gehabt hatte, und vielleicht auch ein wenig unter seiner Eitelkeit. Seine Vorschläge wurden von der Gruppe nicht mehr so gut angenommen wie zuvor, die Ergebnisse wurden schwächer. Einzelne Außenstehende und auch Kameraden unterstellten ihm Defizite bei der Prüfungsvorbereitung, die Alumni-Vereinigung und der Förderkreis versagten ihm ihre Unterstützung und überließen den frei werdenden Platz einem weniger kritischen Nachrücker. Bedauerlich.

Jens hatte einen denkbar schlechten Start in der Gruppe, als er einen ausgeschiedenen Kameraden lautstark kritisierte. Es gelang ihm trotz eines einzelnen herausragenden Ergebnisses nicht, die Gruppe von seiner Leistungsfähigkeit zu überzeugen, sodass die Leitung ihn nach wenigen Wochen zu seinem eigenen Besten aus der Gruppe nahm.

Bruno wurde im Dezember in einer für alle schwierigen Situation in die Gruppe aufgenommen. Aufgrund seiner wechselhaften Vergangenheit in anderen Einrichtungen war der Empfang zunächst reserviert, doch mit akribischer Arbeit und ersten guten Ergebnissen erarbeitete er sich rasch den Respekt der Gruppe. Er stellte die eigenen Ansprüche hinten an und half den Kameraden, die Abschlussprüfung ohne besonders elegante Lösungen, aber letztlich mit Erfolg zu absolvieren. Die Gelegenheit, im Rahmen eines längeren selbstverwalteten Projekts Optimierungen bei der Platzverteilung anzustoßen, hat er sich verdient. Speziell in den ersten Monaten wird er dabei, auf Basis vergleichbarer Projekte aus den Vorjahren, eng begleitet werden.

Fredi, der vor Jahren seine ersten Schritte an unserer Einrichtung gemacht hatte und im Sommer nach einer Reihe von Umzügen zurückkehrte, erhielt erst kurzfristig einen frei werdenden und nicht sonderlich gut ausgestatteten Platz. Der Stuhl wackelte von Beginn an, auf dem Tisch lag eine Reihe halbfertiger Arbeiten, deren Urheber aus sozialen Gründen Hals über Kopf verschwunden war. Dementsprechend war Fredi zunächst etwas desorientiert und tat sich schwer, sich an das im Vergleich zu seiner vorigen Einrichtung deutlich höhere Leistungsumfeld zu gewöhnen. Der Versuch, sich mit teuren Hilfsmitteln an das nötige Niveau heranzutasten, schlug fehl. Erfreulicherweise behielt er die Ruhe und zeigte sich lernfähig. Er gewann an Ansehen bei den Kameraden wie auch bei den Alumni und dem Förderkreis, denen er im Sinne der Gruppe auch einmal die Stirn bot. Im neuen Jahr liegt es an ihm, ob er längerfristig an unserer Einrichtung bleiben kann.

Erwin hatte, wie schon in den Vorjahren, nicht immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Lehrmittel, und wurde dafür verschiedentlich kritisiert. Da sein Umgang mit Kritik ohnehin verbesserungswürdig ist, wurde sein Ansehen zusehends schlechter. Zudem wurde er von einem Größeren regelmäßig gemobbt, weshalb er zum Sommer die Einrichtung verlässt. Sein Weggang ist angesichts seiner über Jahre hinweg guten Ergebnisse in vielen Bereichen bedauerlich, scheint aber mit Blick auf die letzten Jahre geboten.

Dieter zeigte im vergangenen Jahr großes Interesse an operativen Abläufen unserer Einrichtung. Zwar ist dieses Interesse grundsätzlich zu begrüßen; der Versuch, Einfluss auf die Abläufe zu nehmen, erregte indes unser Missfallen. Sein Umgang mit allen Ebenen der Einrichtungsleitung ist verbesserungswürdig und scheint von wenig Respekt geprägt. Sowohl in puncto Sozialkompetenz als auch bei seinem Verständnis demokratischer Strukturen mussten wir deutliche Defizite feststellen, die kaum mehr aufzuholen sein dürften. Ein Gespräch ist notwendig.