Furchtbar altmodische Gedanken

Manchmal bin ich verdammt altmodisch. Oder auch nur ein Slow Adopter, wenn man so will. Dabei hätte ich es ja kommen sehen müssen. Jean-Marc Bosman hat den Spielern alle Macht gegenüber den Vereinen an die Hand gegeben. Nein, natürlich nicht Bosman selbst, sondern die Richter des EuGH. Die Spieler haben das seither weidlich ausgenutzt verhalten sich rational und tanzen dem Großteil der Clubs auf der Nase herum.

Einige Jahre später haben die Trainer nachgezogen. Nachdem sie im Machtgeflecht der Profiligen jahrzehntelang auf die Rolle  als „schwächstes Glied in der Kette“ reduziert worden waren, traten sie zunehmend selbst- und vor allem machtbewusst auf. So ist zumindest mein Eindruck. Felix Magath war über viele Jahre hinweg ein phasenweise überaus erfolgreicher Trainer, dem letztlich dennoch immer wieder der Stuhl vor die Tür gestellt wurde. Diesem scheinbar unvermeidlichen Los ging er erstmals (?) in Nürnberg aus dem Weg, als er aus einer Position der Stärke heraus kurz vor Saisonbeginn den Verein verließ, weil der Verein seinen Forderungen nicht entsprach. In Stuttgart machte er sich mit seinem Abgang später keine Freunde, in Wolfsburg ging er als Meisterheld und dürfte dennoch nicht nur Freunde hinterlassen haben. Ähnliches gilt für Bruno Labbadia in Leverkusen, bloß ohne Heldenstatus. Dieter Hecking wechselte in der laufenden Bundesligasaison von Aachen nach Hannover, und über Jose Mourinhos medienwirksam inszenierten Abgang aus Mailand ist wohl auch alles gesagt – zumindest kennt er seinen (Markt-)Wert und geht seinen Weg.

Die nächste Runde dürfte den Vorstandsmitgliedern vorbehalten sein. Genau wie bei den Trainern gibt es selbstverständlich auch hier bereits Beispiele aus der nicht mehr ganz so jungen Vergangenheit. Michael Meier ging bereits in den Achtzigern von Köln nach Leverkusen, Peter Kenyon (von dem ich nicht weiß, ob er einen Vorstandsposten inne hatte) ließ sich im September 2003 von Roman Abramowitsch aus Manchester zu Chelsea locken. Klar, so ist der Markt. Andreas Rettig ging damals auch von Freiburg nach Köln, beim Sportclub legte man ihm keine Steine in den Weg, beide Seiten hatten – soweit ich weiß – immer mit offenen Karten gespielt, Rettigs Ambitionen waren bekannt.

Bei Horst Heldt liegt die Sache für mich etwas anders. Das hat natürlich zum einen damit zu tun, dass mir die Situation beim VfB deutlich näher geht als jene damals in Freiburg. Zum anderen empfinde ich den Zeitpunkt als unanständig. Ja, auch ein verdammt altmodisches Wort. Und möglicherweise völlig unangebracht, weil ich mich zu wenig mit den Abläufen in einem Profiverein auskenne. Vielleicht ist die Sommerpause tatsächlich gar nicht so wichtig für die Kaderzusammensetzung in der neuen Saison. Vielleicht hat der VfB längst alle angestrebten Transfers in trockene Tücher gepackt und will sie erst nach der Weltmeisterschaft verkünden. Vielleicht ist die Kaderplanung auch gar nicht Teil der Jobbeschreibung des Vorstands Sport, sondern wird ohnehin von der Herren Gross, Schneider und Staudt erledigt.

In meinem möglicherweise naiven Weltbild indes ist es Horst Heldts Aufgabe, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten die Vorstellungen umzusetzen, die er gemeinsam mit dem Trainer in Sachen Spielerkader diskutiert und entwickelt hat. Und da ich mir kaum vorstellen kann, dass man mit dem aktuellen Kader in die Saison gehen will, ging ich bisher davon aus, dass der Sportdirektor gerade in diesen Wochen in besonders hohem Maße gefordert ist. Gerne will ich Horst Heldt unterstellen, dass er bereits seit Monaten mit der Anbahnung großartiger Transfers befasst ist. Er hat sicherlich Kontakte geknüpft, Gespräche geführt, über Zahlen verhandelt, Perspektiven aufgezeigt, persönliche Beziehungen zu Spielern und Beratern aufgebaut, den VfB in schillernden Farben dargestellt und keinen Zweifel daran gelassen, dass der jeweilige Spieler und der Verein, vertreten in erster Linie durch ihn selbst, eine grandiose gemeinsame Zukunft vor sich haben.

Jetzt sieht das etwas anders aus. Wenn ich mich recht entsinne, verwies Heldt bereits Mitte Juni darauf, dass sich während der Weltmeisterschaft – kein schlechter Zeitpunkt übrigens, um einen Paukenschlag pianissimo vonstatten gehen zu lassen – am Transfermarkt ohnehin nichts tue und danach alles reibungslos von seinem Nachfolger fortgeführt werden könne. Logisch. Wir brauchen uns also keine Sorgen zu machen. Horst Heldt hinterlässt ein bestelltes Feld, die ausstehenden Transfers sind nur noch Formsache, und Heldt wird im Juni 2011 nicht ohne Stolz betonen, dass die Meisterschaft des VfB, über die er sich sehr freue, in Teilen auch seiner Arbeit im WM-Frühsommer zu verdanken sei.

Im Ernst: ich finde, es gehört sich nicht, sich in dieser Phase der Saison Knall auf Fall zu verabschieden. Nicht nur, weil es um den VfB geht. Aber „gehört sich nicht“ ist wohl keine relevante Kategorie.

Zu Heldts Stuttgarter Bilanz und den Nachfolgekandidaten hat sich @hirngabel drüben im Brustring gewohnt fundiert geäußert. Mir persönlich würde eine Lösung mit Jan Schindelmeiser sehr zusagen; allerdings hat er bei seinem Rückzug in Hoffenheim gesundheitliche Gründe ins Feld geführt, von denen ich nicht weiß, wie gravierend sie sind. Unabhängig davon scheint er bei den Diskussionen in Cannstatt keine Rolle zu spielen. Was glücklicherweise auch für Guido Buchwald und einige andere Altinternationale gilt. Es fällt mir auch schwer, mir Fredi Bobic als Sportdirektor vorzustellen; aber da bin ich für eine positive Überraschung gerne zu haben.

Bestandsaufnahme

Man gibt ja so manchen Blödsinn von sich im Lauf einer langen Bundesligasaison. Als Spieler. Als Trainer. Als Manager oder Präsident. Aber auch als Blogger und Fan. Während die Erstgenannten gerne einmal von ihren Fehleinschätzungen eingeholt werden (von außergewöhnlich hell leuchtenden Ex-Spielern, Trainern, Präsidenten und WM-ins-Land-Holern soll hier nicht die Rede sein), kann sich der unscheinbare Beobachter gemeinhin darauf verlassen, dass ihm sein Geschwätz von gestern nicht um die Ohren fliegt. Wo kein Kläger und so, mangels Relevanz und Reichweite.

Das kann ich nicht akzeptieren. Ich stelle mich. Kurz vor Saisonende, in Erwartung der anstehenden Entscheidungen, lasse ich meine Torheiten Prognosen und Einschätzungen Paroli laufen und versuche zu überprüfen, ob die eine oder andere sich noch als richtig erweisen könnte und wo ich bereits heute einräumen muss, furchtbar daneben gelegen zu haben. Nach dem Ampelprinzip.

Teilweise handelt es sich dabei um die „großen“ Fragen wie „wer wird Meister“, „Wo landet der VfB“ oder ähnliches, teilweise aber auch um Kleinigkeiten. Sicherlich habe ich das eine oder andere übersehen, und an einigen Stellen kann man wohl auch über die Schriftfarbe diskutieren.

Genug der Vorrede. Hier die Übersicht, die ich nach Saisonende, vielleicht auch nach und nach, nochmals aktualisieren werde:

23. Juni 2009:

Klaas-Jan Huntelaar. No way.

14. Juli 2009:

Marica nicht explodiert, Julian Schieber noch ein paar Tage braucht und Cacau seinen Status als ganz guter Bundesligastürmer nicht entscheidend nach oben korrigieren wird

Irgendwann wird die erste Krise der Ära Babbel kommen, und wenn er dann nicht vor Ort ist, wird sich die Frage stellen, ob Neuvorstand Heldt ein weiteres mal so rasch und konsequent handelt wie bei Giovanni Trapattoni und Armin Veh.

habe den Eindruck, dass es [der Brustring] ein sehr schönes, ambitioniertes Projekt wird.

17. Juli 2009, rasenschachmagazin:

Wenn alles positiv verläuft, schätze ich, dass sich der VfB am Ende zwischen den Plätzen 3 und 5 befinden wird.

Für die Beiden [Träsch und Cacau] war es ein nettes Bonbon, aber ich sehe sie nicht zwingend auf Dauer als Nationalspieler.

Meine Geheimtipps sind Timo Gebhart und Georg Niedermeier, denen ich zutraue, einen Riesensprung zu machen.

7. August 2009, ballpodder:

So richtig kann das da vorne [im Sturm] noch nicht funktionieren. Den Abgang von Gomez kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

Ich glaube, das Khedira eine absolute Führungsposition übernehmen wird.

Ich glaube nicht, dass Hitzlsperger noch einmal so eine schlechte Hinrunde spielen kann wie im Vorjahr.

bin überzeugt, dass Lehmann noch einmal eine sehr gute Saison spielt.

8. August:

[Hleb], der sich hinter der Mittellinie in halblinker Position anspielen lässt und von dort in Serie zu begeisternden Soli aufbricht, die nicht selten zumindest in Tornähe enden, entweder mit einem eigenen Abschluss oder, häufiger, dem Zuspiel auf einen Mitspieler. Ich glaube nicht, dass er dieser Spieler noch ist.

Timo Gebhart setzte ein paar schön Duftmarken, denen zufolge die gegnerischen Hintermannschaften diese Saison auf den Außenbahnen möglicherweise recht flink sein müssen, um gegen Hleb und Gebhart zu bestehen.

4. Oktober 2009:

Auf der Gegengerade war ein erstes “Babbel raus!”-Plakat zu sehen, und ich habe wenig Zweifel, dass eben diese Diskussion deutlich an Fahrt aufnehmen wird.

6. Oktober 2009:

Der Tag, an dem der erste VfB-Neuzugang in Lederhosen vorgestellt wird, ist auch der Tag, an dem ich meine Dauerkarte zurückgebe.

19. Oktober 2009:

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ihn [Elson] nicht für den Spieler halte, der das Offensivspiel des VfB auf Dauer bestimmen kann; Impulse als Einwechselspieler kann er gleichwohl setzen.

21. Oktober 2009:

in der Champions League scheinen die Chancen auf ein Weiterkommen eher theoretischer Natur

Meine Prognose? Babbel bleibt bis zur Winterpause. Und dann vermutlich auch darüber hinaus. Oder Heldt geht mit ihm.

17. November 2009, mylaola:

Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir eine Rückrunde wie in der Vorsaison derzeit nicht vorstellen.

Also: der VfB landet zwischen 7 und 9, wobei ich insgeheim noch auf Platz 5 oder 6 (dann mit einem „günstigen“ Pokalsieger) hoffe.

Meister wird wieder Wolfsburg.

30. November 2009:

…wenn er [Staudt] […] tatsächlich voll und ganz von Babbel überzeugt ist und keinen Deut von seinem Trainer abrücken will, ziehe ich meinen Hut. Ich kann nur nicht so recht daran glauben.

6. Dezember 2009:

Aliaksandr Hleb, dessen Verpflichtung sich zu einem gravierenden Fehlschlag entwickelt …  frage ich mich ernsthaft, ob er von Arsène Wenger wirklich so viel gelernt hat, wie man gemeinhin vermutet. Er wirkt wie ein egoistischer Fremdkörper…

10. Dezember 2009:

Der zurückgekehrte Khedira hat deutlich gemacht, dass es möglicherweise etwas voreilig war, Kuzmanovic zum neuen Platzhirsch auszurufen.

…dürfte es für Cacau und Schieber eng werden mit einem Startelfplatz.

Auf den äußeren Mittelfeldpositionen gehe ich davon aus, dass Hleb und Gebhart erst einmal vor Rudy stehen

Wird Hitzlsperger nach seiner Verletzung mehr als ein Ergänzungsspieler sein? Ich glaube nicht, und frage mich, ob der Verein ihn mit Blick auf die WM ziehen lässt.

Auch bezweifle ich, dass Elson bei Gross eine wichtige Rolle spielen wird.

13. Dezember 2009:

Kamke: Ich will ihn nicht mehr sehen!
Blogger hat den Glauben an Lehmanns Professionalität verloren

14. Januar 2010, allesaussersport:

[1] Grundsätzlich traue ich dem HSV und Werder [bzgl. Uefa-Cup] schon einiges zu […] Werder kommt ins Finale

Tatsächlich traue ich auch den Bayern in der CL einiges zu. Halbfinale, würde ich sagen.

Demel ist gerade auf dem Basar beim Afrika-Cup und wurde gestern bei Milan, heute eben bei Sunderland und morgen vielleicht bei Atlético gehandelt, das kann ich noch nicht so ernst nehmen.

[3] Meines Erachtens wird sich Hitzlsperger sehr schwer tun, im WM-Kader zu bleiben, weil er auch in der Rückrunde beim VfB einen schweren Stand hat. Ich wäre nicht gänzlich überrascht, wenn sich da auf dem Transfermarkt noch etwas täte.

In der Defensivzentrale ist nicht abzusehen, wie es mit Tasci weitergeht.

[4] Gerade bei Reus und Brouwers muss man damit rechnen, dass sie ihr Niveau bzw. ihre Effektivität nicht ganz halten können – dann wäre man wohl auf die Torausbeute der südländischen Spieler angewiesen.

Michael Frontzeck hat mich ein Stück weit positiv überrascht; dass es reicht, kann ich indes noch immer nicht glauben.

Ich denke, dass irgendwann eine Phase kommen wird, in der er [Tuchel] nicht mehr ausschließlich gefeiert, sondern auch mal als Besserwisser kritisiert wird, und bin gespannt, wie er damit umgeht.

[5] Andererseits halte ich es durchaus für möglich, dass sich Wolfsburg in der Rückrunde fängt, weil man hinten wieder stabiler wird, Grafite im ersten zweiten Spiel doppelt trifft und plötzlich wieder alles von selbst läuft. Ohne Zutun des Trainers [Veh], von dem man sich anschließend unter Krokodilstränen trennt.

Er [Veh] ist bestimmt kein schlechter Trainer; als Manager  scheint er nur bedingt geeignet, und in Summe ist er meines Erachtens einfach überfordert.

In der vergangenen Saison assozierte man mit Hoffenheim vielerorts Dietmar Hopp, die Traditionsfrage, Disziplinlosigkeiten und das offensive, attraktive Spiel. Ohne letzteres dürften die Sympathien nicht unbedingt zunehmen.

Vor der Saison war ich überzeugt, dass man mit Simunic einen ganz wichtigen Transfer getätigt habe

1. Februar 2010:

Der Trainer hat immer recht

Nun gilt es, auf dem Boden zu bleiben, wobei ich auch in dieser Hinsicht […] viel Vertrauen in Christian Gross setze.

13. Februar 2010, NedsBlog:

inzwischen habe ich aber das Gefühl, dass er [Gross] sehr genau weiß, was er tut und was er will, und das setzt er dann auch konsequent um.

…geht sowas halt auch einmal nach hinten los. Christian Gross und Horst Heldt werden sich in den nächsten Wochen sehr genau überlegen, ob sie sich bemühen, ihn [Hleb] über den Leihvertrag hinaus zu halten.

[Nachwuchsspieler:] …bin ich überzeugt, dass man vom Großteil der Genannten noch einiges erwarten darf. Über allen steht dabei Khedira, aber gerade in Sebastian Rudy […] setze ich große Hoffnungen, und Gebhart ist natürlich auch ein Riesentalent, von dem ich hoffe, dass es in Christian Gross den richtigen Trainer zur richtigen Zeit bekommen hat.

Heute halte ich 5-16 noch für möglich, 6-11 für realistisch, und 6-8 für gut. 5 für überragend.

19. Februar 2010, Spielfeldrand Magazin:

Als Torschützenkönig sehe ich beide [Marica, Pogrebnyak] auf absehbare Zeit nicht.

Aus deutscher Sicht “unbedingt mit” muss meines Erachtens Sami Khedira, zudem würde ich Serdar Tasci und, wenn er sein Niveau beibehält, Christian Träsch mitnehmen. Weitere Kandidaten sehe ich für Joachim Löw (noch) nicht.

[Barcelona:] ich wäre zufrieden, wenn das Hinspiel nicht verloren ginge und der VfB mindestens ein Tor erzielte.

Ich gehe davon aus, dass der VfB die Partie bestimmen wird, was Ballbesitz und Spielanteile anbelangt. Köln wird defensiv gut stehen, ohne zu mauern, und seine Chance nach vorne auf jeden Fall suchen […]. Mein Tipp: 0-2

21. Februar 2010:

Und nein, ich sehe weder Cacau noch Hilbert in Joachim Löws Kader für Südafrika

24. Februar 2010:

wenn der VfB im Camp Nou nur 3 Tore schießt, müsste Barcelona schon 4 machen. Das schaffen die nie.

1. März 2010:

Der Abstieg ist nur noch eine theoretische Option. Der Uefa-Cup meines Erachtens auch. Würde mich interessieren, wer daran glaubt, dass man an Ostern noch ernsthaft vom internationalen Geschäft redet, nach den Spielen in Bremen, Gelsenkirchen und München.

14. März 2010:

Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass Khedira in der nächsten Saison noch mit von der Partie ist, derzeit von Woche zu Woche sinken dürfte bzw. bereits jetzt ein all-time low erreicht haben könnte.

13. April 2010:

Mittlerweile bin ich sehr guter Dinge, dass der VfB den HSV noch überholt; Wolfsburg mit seinem künftigen Weltfußballer macht mir da deutlich mehr Sorgen.

CRM

Vor ein paar Jahren bestellte ich für einen Freund, einen großen Fan von Mehmet Scholl, im Fanshop des FC Bayern ein Trikot mit der 7. Natürlich wollte man dort einige persönliche Angaben von mir, darunter mein Geburtsdatum. Also gab ich ein Datum an.

Seither erhalte ich jedes Jahr, einige Tage vor dem genannten Datum, Post vom FC Bayern. Werbung für die Merchandising-Artikel, natürlich, aber auch Geburtstagswünsche und jeweils einen 5 Euro(?)-Gutschein für den Shop. Zwar habe ich nie mehr etwas bestellt und kann mir auch kaum vorstellen, dass sich das in den nächsten Jahren ändert (auch wenn man nicht alles im Leben seiner Kinder steuern kann), aber ich war auch zu faul, mich aus dem Verteiler nehmen zu lassen.

So habe ich vor kurzem wieder einmal Post aus München bekommen  (den Teil, wo ich sagen sollte, dass es mir gegenüber Nachbarn und Briefträger peinlich ist,  finde ich nicht so originell und lasse ihn deshalb einfach mal weg) und dachte erneut, was für ein professioneller Verein das doch sei. Um dann festzustellen, dass ich keine Ahnung habe, ob diese Art der Kundenbindung in der Bundesliga beispielgebend ist oder ob sie doch eher die Regel darstellt. VfB-Präsident Erwin Staudt zog vor einigen Jahren durch die Lande und betonte die Bedeutung von Customer Relationship Management für Fußballvereine, vielleicht tut er es auch heute noch – inwieweit man das verinnerlicht hat, kann ich nicht sagen. Ich weiß nicht einmal, ob der VfB mein Geburtsdatum kennt.

Wie ist das denn in anderen Vereinen? Bekommt man da als Fan, oder auch nur als Kunde, Geburtstagspost? Und werden die Geburtstagswünsche dort auch so nett veranschaulicht wie in München?

À propos Professionalität: ich hoffe sehr, dass mich der FC Bayern wegen der Verwendung der Bilder nicht über seine Anwälte kontaktiert.

Kalt erwischt.

Der VfB wurde am Wochenende kalt erwischt. Dies trifft zum einen auf die Mannschaft zu, die allem Anschein nach – ich habe nur ein paar Szenen in den dritten Programmen gesehen und einiges bei 90elf verfolgt – von der ersten bis zur letzten Minute völlig überfordert war.

Zum anderen, und das scheint mir fast noch schwerer zu wiegen, habe ich den Eindruck, dass das gesamte Umfeld genauso kalt erwischt wurde. Niemand konnte sich nach dem Befreiungsschlag in Glasgow vorstellen, dass nur wenige Tage später ein erneuter Tiefpunkt erreicht würde. Sicher, eine Niederlage galt keineswegs als ausgeschlossen, aber in dieser Form hat sie wohl niemand für möglich gehalten. Fans, Zeitungen, Blogger – im Grunde waren nach meiner Wahrnehmung alle überzeugt, dass man auf einem guten Weg sei, dass die Mannschaft sich der Situation bewusst sei, dass vielleicht auch die richtigen Akzente bei der Aufstellung gesetzt worden seien, und dass es sich eben doch bewährt habe, an Markus Babbel festzuhalten.

Doch nicht nur die relativ weit außen stehenden Beobachter ließen sich blenden. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich Präsident Erwin Staudt zwischen Glasgow und Leverkusen ohne Not zu einer Aussage hinreißen ließ, die ohne allzu große Verrenkungen als „Jobgarantie“ bis in die Winterpause (und damit wohl auch darüber hinaus  – es ist eher nicht anzunehmen, dass das Mainzer Timing als neues Erfolgsmodell um sich greifen wird) interpretiert werden konnte?

Zwar hätte Staudt vermutlich nur wenig Probleme damit, diese Aussagen als „Geschwätz von gestern“ abzutun, wenn es denn doch zu einer Trennung käme, und wenn er sich doch nicht nur vom Übermut nach dem Spiel gegen die Rangers hat leiten lassen, sondern tatsächlich voll und ganz von Babbel überzeugt ist und keinen Deut von seinem Trainer abrücken will, ziehe ich meinen Hut. Ich kann nur nicht so recht daran glauben. Nicht nur bei der FAZ wird Staudt neben Horst Heldt „der Fraktion zugerechnet, die Handlungsbedarf sieht„, sprich: Babbel entlassen will.

Mit dieser Entlassung habe ich heute eigentlich fest gerechnet. Eben weil das gestrige Debakel in dieser Form offensichtlich so unerwartet kam und die Entscheidungsträger mit großer Wucht getroffen hat, ging ich fest davon aus, dass Horst Heldt seine dritte Trainerentlassung rasch umsetzen würde. Ich hätte es schweren Herzens begrüßt. Und bin überzeugt, dass Heldt es getan hätte, wenn die Regelung der Nachfolge bereits weiter gediehen wäre. Nun werden also Namen wie Franco Foda, der unvermeidliche Christian Gross, Guido Buchwald (Prust) oder gar Krassimir Balakov gehandelt. Letzteres bisher allerdings nur vom einstigen Tor des Tages, Hansi Müller, was mich hoffen lässt, dass nichts dran ist – zu sehr ärgere ich mich noch über Balakovs hochdotierten Rentenvertrag als Assistenztrainer unter Magath und Sammer. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eine intensive Diskussion zum Thema „Entlassung ja oder nein“ wird derzeit in den Kommentaren beim Brustring geführt, und im Fanpod-Blog gibt’s ein paar Fragen an den Trainer.

 

 

Und schon wieder keine Info, VfB!

[Update s.u.]

Vor ein paar  Monaten hatte ich an dieser Stelle erfreut darauf hingewiesen, dass der Präsident des VfB Stuttgart, Erwin Staudt, die Schirmherrschaft des diesjährigen Christopher Street Day übernommen hat – und mich gleichzeitig gewundert, dass auf der VfB-Website nichts darüber zu lesen war.

Dieser Zustand hat sich bis dato nicht geändert (sofern die Suchfunktion auf vfb.de funktioniert):  kein Wort von CSD und Schirmherrschaft – nicht zu Staudts Rede beim Neujahrsempfang und auch nicht über die anstehenden Veranstaltungen. Das ist angesichts der aus meiner Sicht glaubwürdigen Äußerungen und Bemühungen des VfB-Präsidenten gegen Homophobie im Fußball bedauerlich; so richtig überraschen kann es mich gleichwohl nicht, schließlich muss man wohl in Frage stellen, ob dieses Engagement unter VfB-Fußballfans mehrheitsfähig wäre.

Am morgigen Freitag findet in den Räumen und unter Mitwirkung des VfB der Dritte Aktionsabend gegen Homophobie im deutschen Fußball statt. Auf der VfB-Website findet man erneut keinen Hinweis darauf, obwohl doch nicht nur „Entscheidungsträger des deutschen Fußballs“ und Medien, sondern auch bloße „Interessierte“ herzlich eingeladen seien.

Vielleicht hat man ja Angst, dass der Andrang zu groß wäre, und berichtet erst hinterher.

Update [6.6., 11.30 Uhr]:

Von 3 mir bekannten Emails an den VfB (vgl. Kommentare), weshalb auf vfb.de keine Infos verfügbar seien, wurden zwei am Tag der Veranstaltung rasch beantwortet. In den Mails wurde darauf hingewiesen, dass am Abend auf der Website darüber berichtet würde und dass vorab eine Pressemitteilung verschickt worden sei.

Tatsächlich wurde noch während der Veranstaltung eine kurze Meldung über den „wichtigen Termin“ auf vfb.de veröffentlicht. Die Pressemitteilung ist nicht auf der Website verfügbar; verschiedene Printmedien haben jedoch vorab berichtet.

Auf die Frage, weshalb keine Vorankündigung der Veranstaltung sowie in den vergangenen Monaten nichts über das CSD-Engagement des Präsidenten auf der Website gestanden habe, wurde nicht eingegangen.

Mir persönlich ist die Öffentlichkeitsarbeit nach wie vor zu defensiv. Ich denke, dass eine Chance vergeben wird und bedaure es, dass sich „mein“ Verein des Themas nicht offensiver annimmt.

CSD, VfB, olé, olé*

VfB-Präsident Erwin Staudt fungiert in diesem Jahr als Schirmherr des Stuttgarter Christopher Street Day. Dies ist insofern ein wenig überraschend, als in der Vergangenheit, ungeachtet einiger Irritationeninsbesondere im christlich-konservativen Lager -, zumeist Politikerinnen und Politiker als Schirmfrauen (so nennt’s der CSD – wäre das Pendant zum Schirmherrn nicht eher die Schirmdame?) oder Schirmherren gewonnen worden waren.

Die Erklärung, man verzichte in Wahljahren „wie beispielsweise 2003 oder 2009“ auf eine politische Schirmherrschaft, hätte sich der CSD lieber sparen sollen: 2003 wurde weder im Bund noch im Land gewählt, während sowohl die Bundestagswahlen 2002 und 2005 als auch die Landtagswahlen 2001 und 2006 der Benennung von Politikern nicht im Weg standen.

Dies soll aber nicht mehr als eine Randnotiz zur Pressemeldung des CSD sein – in erster Linie freue ich mich, dass sich der VfB-Präsident für dieses Ehrenamt zur Verfügung stellt und gleichzeitig ein Zeichen gegen die Homophobie im Fußball setzt.

Was ich mich allerdings frage:
Wieso finde ich auf vfb.de (noch?) nichts darüber?

*falls sich tatsächlich jemand über den Titel wundert:
frei nach einer Textzeile aus mfG von den Fantastischen Vier.

Euphemismusalarm in der VfB-Presseabteilung

Da war die Vereinsführung des VfB Stuttgart wohl doch nicht mehr so geduldig, wie ich ihr gestern noch zugetraut hatte: „Armin Veh und der VfB gehen getrennte Wege“ vermeldet der Verein auf seiner Website.

Anderswo ist man weniger zimperlich und titelt „Stuttgart feuert Veh„, „VfB Stuttgart entlässt Trainer Armin Veh„, oder -der Autor informierte per Twitter über seinen nachvollziehbaren berechtigten Stolz ob der Überschrift- „Vehgefeuer(t)„, was der Realität wohl eher gerecht wird.

Offensichtlich hat das gestrige Spiel die Entscheidungsprozesse beim VfB deutlich beschleunigt, vielleicht auch in eine zuvor nicht ernsthaft erwogene Richtug gelenkt, nachdem man morgens noch an zahlreichen Stellen gelesen hatte, dass der Verein in der Winterpause über eine mögliche Vertragsverlängerung mit Veh entscheiden wolle.

Zum zweiten Mal nach der Entlassung von Giovanni Trapattoni hat mich der VfB nun mit einer öffentlich zwar leise diskutierten, so rasch aber nicht unbedingt erwarteten Trainerablösung überrascht. Um den guten alten Aberglauben zu bemühen: bei Trapattoni wurde so die Wende zum (sehr!) Guten ermöglicht, dann will ich mal hoffen, dass dem wieder so ist.

Aus der Verlautbarung des VfB wird nicht deutlich, welche zeitliche Perspektive das neue Gespann Babbel/Widmayer hat. Derzeit gehe ich davon aus, dass wir von einer Interimslösung maximal bis zur Winterpause reden; allerdings könnte es in dieser kurzen Zeit schwierig werden, Erwin Staudts Vorgabe zu erfüllen, „den VfB wieder zurück in die Erfolgsspur“ zu bringen.

Zumindest unterstelle ich, dass Babbel bis zur Winterpause mehr Bundesligaspiele als Trainer/Teamchef auf dem Buckel haben wird als sein alter Weggefährte Christian Ziege. Aber das tut hier nichts zur Sache.