Verbalbeurteilung 2010

In den verangenen Monaten hat sich die Gruppe wie bereits im Vorjahr sehr zielorientiert gezeigt. Auf schwache Leistungen im ersten Halbjahr, die zum Teil mit Defiziten bei der Disziplin und häufigen Platzwechseln bzw. der daraus entstehenden Unruhe zusammen hingen, folgte ein hervorragendes zweites Halbjahr unter neuem Lehrpersonal. Einmal mehr bereitete sich die Gruppe hervorragend auf die Abschlussprüfungen vor, was mit entsprechenden Ergebnissen belohnt wurde.

Jens war in seinem letzten Jahr noch einmal ein Vorbild in Sachen Motivation und Engagement. Seine in aller Regel überdurchschnittlichen Leistungen wurden indes durch regelmäßige Disziplinlosigkeiten erneut ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Er legte sich mit Kleineren an und ging zum wiederholten Male sorglos mit fremdem Eigentum um. Im Sport zog ein Verstoß gegen Spielregeln einen mehrwöchigen Verweis nach sich. Die Altersgrenze für „Jugend trainiert für Olympia“ hat er überschritten. Nach dem Abschluss wird er im Medienbereich tätig sein.

Sven hatte in diesem Jahr sehr viele Fehlzeiten, zuletzt aus gesundheitlichen Gründen. Sofern er diese in den Griff bekommt, könnte er sich im kommenden Jahr voll in die Gruppe integrieren. Speziell zu Beginn des zweiten Halbjahres deutete er an, dass er mithalten kann. Gleichwohl bestehen seitens des Lehrpersonals noch Zweifel, ob er das Leistungsniveau über einen längeren Zeitraum halten und bei Bedarf anderen Gruppenmitgliedern helfen kann.

Cristian stieß erst im Winter dazu und integrierte sich von Beginn an in vorbildlicher Weise. Seine Leistungen waren von vorne bis hinten ausnehmend gut, andere Gruppenmitglieder profitierten immer wieder von seiner Vorarbeit, und abseits des Pflichtprogramms initiierte er gar eine wöchentliche Tanz AG. Ein erneuter Wechsel nach so kurzer Zeit ist für seine weitere Entwicklung nicht wünschenswert.

Arthur verpasste aufgrund einer längeren Erkrankung den Großteil des zweiten Halbjahres. Angesichts des hohen Leistungsniveaus, das die Gruppe zwischenzeitlich erreicht hat, könnte es für ihn schwierig werden, sich wieder zu integrieren. Die Übernahme ins nächste Jahr erfolgt auf Probe. Letztmalig.

Ludovic konnte bereits im ersten Halbjahr die geforderten Leistungen nicht mehr erbringen und wechselte im Winter auf eigenen Wunsch in eine kleinere Einrichtung. Sein Weggang war ein herber Verlust für die Gemeinschaft, die ihn entsprechend verabschiedete.

Matthieu übernahm im Spätherbst Verantwortung für die Gruppe, der er vollauf gerecht wurde. Nach gesundheitlichen Problemen zu Beginn des zweiten Halbjahres brauchte er ein wenig Zeit, um den Rückstand wieder aufzuholen, was ihm letztlich in hervorragender Weise gelang. Mit seiner ruhigen Art gab er seinen Freunden in der Prüfungsphase Halt.

Serdar brachte weitgehend solide Leistungen, konnte sein Vorjahresniveau aber nicht halten. Er zeigte sich bisweilen fehleranfällig und wirkte gelegentlich etwas zu selbstbewusst. Mitunter entstand der Eindruck, er befasse sich zu intensiv mit einem möglicherweise anstehenden Umzug. Sein Umgang mit Kritik ist verbesserungswürdig. Bei „Jugend trainiert für Olympia“ hat er zum Erreichen des Finalturniers beigetragen.

Georg wusste bei seinen Leistungsnachweisen, die er aus verschiedenen Gründen etwas zu selten ablegen konnte, stets voll zu überzeugen. Sein zurückhaltendes Auftreten, insbesondere im Umgang mit kleineren Enttäuschungen, ist bemerkenswert und wohltuend. Sein weiterer Verbleib ist ein Gewinn für die Gruppe.

Khalid konnte seine Leistungsfähigkeit nur sehr selten unter Beweis stellen, erbrachte aber bei den wenigen Prüfungen, an denen er teilnehmen durfte, stets zufrieden stellende, mitunter gar gute Leistungen. Sein Sozialverhalten gilt entgegen früherer Eindrücke als gut, Enttäuschungen bewältigt er angemessen und vorwärts gerichtet. Ein Wechsel in eine andere Einrichtung ist denkbar, ein Gespräch erwünscht.

Stefano kam im vergangenen Sommer von einer kleineren Einrichtung mir zweifelhaftem Ruf nach Cannstatt und brachte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten im zweiten Halbjahr sehr gut in die Gruppe ein. Dem Vertrauen des Lehrpersonals wurde er jedoch nicht in vollem Umfang gerecht. Zu häufig unterliefen ihm Leichtsinnsfehler, die Zweifel an seinem vermeintlich großen Potenzial aufkommen ließen. Muss sich im neuen Jahr in den Punkten Kreativität und Zuverlässigkeit steigern.

Ricardo hatte bedauerlicherweise viele Fehlzeiten, sodass seine Leistungen nur bedingt bewertet werden können. Speziell unmittelbar vor den Abschlussprüfugen machte er indes deutlich, dass sich die Gruppe auf ihn verlassen kann und trug zu einem positiven Gesamtergebnis bei. Dennoch wird er sich im Sommer an einer anderen Einrichtung einschreiben.

Sami war während des gesamten Jahres ein Vorbild in Sachen Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Kreativität. Er übernahm stets Verantwortung, unterstützte seine Freunde in vielfältiger Weise und entwickelte sich, obwohl einer der Jüngsten, zu einem Sprachrohr der Gruppe. Sami ist ein engagierter Mistreiter bei „Jugend trainiert für Olympia“ und hat klare Vorstellungen zu seiner beruflichen Laufbahn, was in absehbarer Zeit zu einem Umzug führen könnte.

Christian hat seine positive Entwicklung aus dem Vorjahr fortgesetzt und bringt in allen Bereichen konstant gute Leistungen. Er ist ausnehmend ehrgeizig, diszipliniert und lernfähig, was ihm in der Gruppe und beim Lehrpersonal eine außerordentliche Wertschätzung einbringt. Einige Abschlussarbeiten gelangen Christian ganz besonders gut. Parallel hat er sich die Teilnahme an „Jugend trainiert für Olympia“ verdient.

Zdravko stieß erst während des bereits laufenden Jahre zur Gruppe und hatte einen denkbar schlechten Start, von dem er sich binnen weniger Wochen erholte, um dann seinen Freunden in einer schwierigen Phase mit strategischen Geschick Halt zu geben. Nach dem Wechsel des Lehrpersonals konnte er sein Potenzial nicht immer vollständig entfalten, trug aber gemeinsam mit Sami und Christian stets zur inneren Stabilität der Gruppe bei. Sein Engagement ist vorbildlich.

Thomas konnte seine Leistungen aus den vergangenen Jahren nur selten bestätigen und wechselte im Winter zu einer kleineren Einrichtung, so dass er leider auch bei „Jugend trainiert für Olympia“ nicht mehr mitwirken kann. Wir bedauern seinen Weggang außerordentlich, da er stets Verantwortung übernommen und die Gruppe vorbildlich repräsentiert hatte.

Timo begann sein erstes komplettes Jahr mit wechselhaften Leistungen, ehe er unter neuem Lehrpersonal konstanter arbeitete. Nach wie vor ist er zu oft unkonzentriert, vielleicht auch verspielt, und entscheidet sich häufig für die falsche Lösung. Seine Arbeitsgeschwindigkeit, seine Kreativität und auch sein langsam steigendes Verantwortungsgefühl führen gleichwohl zu einer positiven Gesamtbewertung. Im nächsten Jahr wird eine weitere Steigerung erwartet.

Roberto war erneut ein Vorbild an Engagement, Begeisterung – was wie im Vorjahr mitunter in Übermotivation umschlug – und Identifikation mit der Gemeinschaft. Leichtsinnsfehler durchzogen seine Leistungsnachweise, dennoch übertrug ihm das neue Lehrpersonal standardmäßig Verantwortung, was sich mehrfach bezahlt machte. Sein voraussichtlicher Wegzug nach vier erfolgreichen Jahren ist äußerst bedauerlich.

Aliaksandr kehrte nach mehreren Jahren bei renommierten Einrichtungen im Rahmen eines Austauschprogramms zurück, konnte den hohen Erwartungen allerdings nur sehr bedingt genügen. Mit einer beeindruckenden Energieleistung bestand er die erste europaweite Zwischenprüfung mit Bravour, zeigte sich danach allerdings weder konstant noch selbstkritisch. Muss sich nach erneutem Umzug erheblich steigern.

Sebastian konnte in seinem ersten vollen Jahr seine Leistungsfähigkeit immer wieder andeuten, litt aber verschiedentlich unter gesundheitlichen Problemen. Zudem erweckte er mitunter den Eindruck, sich zu sehr auf seine sportliche Begabung zu verlassen. In musikalischer Hinsicht ist er unerreicht, doch nach starken Leistungen im Spätherbst erreichte er mit dem neuen Lehrpersonal nicht mehr ganz den alten Leistungsstand. Nachhilfe ist erwünscht.

Elson konnte zu Beginn punktuell überzeugen und wusste insbesondere beim landesinternen Benchmarking zu brillieren. Leider war er jedoch nicht in der Lage, sein Leistungsniveau über einen längeren Zeitraum zu stabilisieren, so dass sich ein Austauschprogramm mit einer kleineren (50+1) Einrichtung anbot. Er fasste dort sehr gut Fuß und denkt über einen endgültigen Umzug nach.

Jan hielt von Beginn an nicht Schritt und konnte so gut wie keine Leistungsnachweise erbringen. Er bewarb sich um verschiedene Austauschprogramme und wechselte im Winter zu einer aufstrebenden Einrichtung.

Martin verpasste wegen einer langwierigen Erkrankung fast das gesamte Jahr und wird es schwer haben, das Versäumte nachzuholen. Seine Umzugsgedanken erscheinen vor diesem Hintergrund vernünftig. Ein Gespräch ist erwünscht.

Claudemirs Leistungen ließen im ersten Halbjahr zu wünschen übrig, auch der Wechsel des Lehrpersonals brachte zunächst keine Besserung. Erst im neuen Jahr trug sein ungebrochenes Bemühen wieder Früchte und schlug sich in hervorragenden Abschlussarbeiten nieder. Bei „Jugend trainiert für Olympia“ hat er noch die Chance, die Finalrunde zu erreichen. Dank eines spät vergebenen Stipendiums kann Claudemir auch im nächsten Jahr an unserer Einrichtung bleiben.

Ciprian blühte im zweiten Halbjahr enorm auf und deutete erstmals nachhaltig an, dass der Abschluss für ihn eine echte Alternative ist. Sprachlich hat er enorm aufgeholt und kann nun auch bei Bedarf die Interessen der Gruppe vertreten. Gelegentlich wirkt er noch ein wenig träge; das Lehrpersonal hat jedoch ein Auge darauf.

Pavel konnte erst relativ spät in die Gruppe integriert werden, war aber von Beginn an immer präsent und stets motiviert. Die Abschlussarbeiten, von denen er meinte, sie mit links erledigen zu können, fielen noch etwas dürftig aus. Sein beispielhafter Fleiß und das jederzeit spürbare Bemühen, der Gruppe zu helfen, führen zu einem positiven Fazit und einer zuversichtlichen Prognose.

Julian erlebte im abgelaufenen Jahr sehr unterschiedliche Phasen. Nachdem er zu Beginn immer wieder sein Potenzial andeuten konnte, gelang es ihm ab Mitte des ersten Halbjahres kaum noch, die nötigen Leistungsnachweise zu erbringen, was sich auch mit dem neuen Lehrpersonal nicht änderte. Zwar konnte er zuletzt wieder einige Teilaufgaben lösen; das angestrebte Austauschprogramm erscheint gleichwohl geboten. Ein Gespräch ist erwünscht.

Markus war leider nicht in der Lage, an seine überragenden Ergebnisse aus dem Vorjahr anzuknüpfen. Gemeinsam mit der Leitung kam er im Dezember zu dem Schluss, seine Defizite mit Hilfe von Privatlehrern aufzuarbeiten

Christian kam im Dezember zu der Gruppe und übernahm vom ersten Tag an in hohem Maß Verantwortung. Er ging die anstehenden Prüfungen mit großem Ernst, hohem Arbeitsaufwand und nicht zuletzt einem klaren System an, und wies so zahlreichen Gruppenmitgliedern den Weg zu besseren Ergebnissen. Christian erhält einen Preis.

Der Trainer hat immer recht

Christian Gross, so sagt man, legt Wert auf starke Außenpositionen im Mittelfeld, und dabei insbesondere auf Schnelligkeit und Dynamik -womit er genau meinen Geschmack trifft. Als der Trainer beim gestrigen Spiel des VfB gegen Borussia Dortmund Mitte der zweiten Halbzeit die linke Position mit einem zwar dynamischen Spieler besetzte, der allerdings aus dem Spiel heraus nicht einmal mit seinem stärkeren rechten Fuß als Flankengeber zu brillieren weiß, und rechts einen großartigen zentralen Mittelfeldspieler brachte, bei dessen Stärken selbst dem wohlwollenden Zuschauer nicht sofort Stichworte wie Schnelligkeit und Dynamik einfallen (ganz abgesehen von der Frage, wie groß seine Begeisterung für diese Position ist), begann ich tatsächlich kurz am Trainer, seinem taktischen Konzept und seinen Wechseln zu zweifeln. Ich Unwürdiger!

Der linke Hilbert hatte zwar seine üblichen Stockfehler; er bereitete aber auch ein Tor wunderbar vor, war wie immer ein Vorbild an Laufbereitschaft und tanzte seinen Gegenspieler einmal im Strafraum aus, dass es eine Freude war. Sein letztes vergleichbares Dribbling auf Rechtsaußen liegt sehr lange zurück. Dort indes zeigte Kuzmanovic, dass man mit einer guten Technik, strategischem Geschick und einem Auge für die Mitspieler auch ohne augenfällige Sprinterqualitäten auf der Außenposition glänzen kann. Wenn man dann noch in der Lage ist, einen Freistoß durch die von drei Mitspielern gerissene Lücke durch die Mauer zu schießen, dann kann man Stadionsprecher Christian Pitschmann schon mal das Wort Weltklasse in den Mund nehmen. Kurz bevor er der schreibenden Zunft die Schlagzeile „Kloppo verkloppt“ ans Herz legte, übrigens.

Gut gemacht, Herr Gross. Als sehr positiv empfand ich auch des Trainers Zurückhaltung bei der Bewertung des Spiels:

„Nicht gefallen hat mir, dass wir zu viele Ballverluste hatten, den Elfmeter nicht verwandelt haben und die Abstimmung auf den Außenpositionen nicht passte.[…] Der Sieg ist verdient, aber zu hoch ausgefallen.“

Die vielen Ballverluste und Fehlpässe waren in der Tat frappierend. Das mag zum Teil an der aggressiven Balloberung auf beiden Seiten gelegen haben; teilweise fehlte aber auch schlichtweg die Ruhe, in der einen oder anderen Situation wohl auch das technische Vermögen, den Ball in den eigenen Reihen zu behalten. Seitens des VfB widersetzte sich vornehmlich der um Struktur bemühte Sami Khedira jenem Aktionismus, der in viel zu vielen überhasteten, zum Teil auch von vornherein aussichtslosen Bällen in die Spitze resultierte. Insbesondere Stefano Celozzi, der defensiv sehr stark agierte, spielte den Dortmundern zahlreiche Bälle in die Füße und Köpfe.

Interessanterweise sind die Reaktionen auf das Spiel ansonsten sehr positiv ausgefallen, wie der geschätzte Kollege vom Brustring bei seinem Blick durch die Nachberichterstattung auf verschiedenen Kanälen festgestellt hat. Keine Frage: Engagement und Laufbereitschaft haben auf beiden Seiten gestimmt, auch das eine oder andere fußballerische Glanzlicht war zu sehen. Zudem hat der VfB einen großen Siegeswillen gezeigt und zum Spielende hin endlich einmal die sich bietenden Chancen konsequent genutzt. Dennoch würde ich es, man lese und staune, dieses Mal eher mit dem Kicker halten:

„Spielnote 3,5, extrem zerfahren mit vielen Fehlern, lebte von der Dramaturgie.“

Noch einen Tick kritischer sahen das Ganze einige meiner Stadionnachbarn. Sätze wie „Die sollen endlich mal nach vorne spielen und nicht um Gegentreffer betteln!“, „Das ist ja fußballerisch noch schlechter als unter Babbel.“ oder „So langsam bewegt sich das Spiel auf Regionalliganiveau zu.“ waren, wenn auch nicht nicht in ihrer Schärfe, so doch in der Grundaussage repräsentativ.

Sei es, wie es sei. Auf jeden Fall geht der VfB weiter gestärkt aus diesem Spiel hervor, auch weil man ein kritisches Spiel, das zu kippen drohte, doch noch gewonnen und dabei erstmals seit dem zweiten Spieltag vier Treffer erzielt hat. Die eingespielte Formation bewährt sich, von der Bank kommt Qualität nach, die Stürmer treffen weiter, über Träsch und Khedira will ich gar nicht reden, und das nötige Selbstvertrauen, um demnächst auch spielerisch noch zwingender aufzutreten, wächst weiter. Nun gilt es, auf dem Boden zu bleiben, wobei ich auch in dieser Hinsicht, wie oben bereits angedeutet, viel Vertrauen in Christian Gross setze.

Übrigens will ich mir, trotz des erneuten Sieges, immer noch nicht Gagelmann wünschen. Meines Erachtens hat er einfach nicht die nötige Klasse. Das dürften mit Blick auf das gestrige Spiel beide Seiten so sehen.

Abschließend noch ein paar Worte zu den Stuttgarter Transferaktivitäten. Vier Mittelfeldspieler (Simak, Bastürk, Hitzlsperger, Elson) in einer Transferperiode abzugeben, noch dazu im Winter, und keinerlei Ersatz zu verpflichten, ist in der Tat ungewöhnlich. Während sich bei Simak und Bastürk alle mir bekannten Beobachter in ihrer Bewertung einig sind, vernimmt man bei Elson, dessen Gehaltszahlungen die Vereinsfinanzen nicht allzu sehr belasten dürften und der immer wieder für großartige Momente gut war, und bei Hitzlsperger, den mancher gerne als Back-Backup behalten würde, unterschiedliche Meinungen.

Ich selbst hatte beide Transfers für richtig. Beide Spieler haben nach aktuellem Stand unter Christian Gross keine Chance, und in beiden Fällen stimme ich mit ihm überein. Die klassische Spielmacherposition, die sich für Elson anbietet, dürfte beim VfB auf absehbare Zeit nicht vergeben werden, und für die Außenpositionen ist er zu langsam. Gute Freistöße und Eckbälle reichen nicht aus. Bei Hitzlsperger ist die Situation insofern vergleichbar, als auch er nach meiner Wahrnehmung über außen nicht den Anforderungen des Trainers entspricht. Seine Lieblingsposition, die „Sechs“, ist – anders als bei Elson – zwar vorgesehen, sogar doppelt; er hat dort aber drei der derzeit besten Stuttgarter vor sich und nur wenig Aussichten, in die Mannschaft zu rutschen.

Dass er vor diesem Hintergrund an sein persönliches Fortkommen (sprich: die Nominierung für die WM) denkt und der Verein ihm in dieser Situation keine Steine in den Weg legt, halte ich für richtig, von beiden Seiten. Den in Sport im Dritten vorgebrachten Egoismusvorwurf kann ich nicht in Ansätzen teilen. Die ebenfalls dort geäußerte Einschätzung, er werde sich auch im italienischen Abstiegskampf schwer tun, sich bei Joachim Löw zu empfehlen, indes schon. Nur: wo waren die Alternativen?

Abseits der rein sportlichen Komponente bedaure ich den Abgang von Thomas Hitzlsperger sehr. Er hat sich in seiner nicht ganz einfachen Anfangsphase stets loyal und unheimlich professionell gezeigt, und den VfB seit 2005 immer hervorragend repräsentiert. Überhaupt steht er dem Typus Fußballspieler sehr gut zu Gesicht, nicht nur wegen seine Engagements als Störungsmelder – inwieweit Letzteres mit den tifosi Laziali harmoniert, wird man sehen. Ich wünsche ihm in jeder Hinsicht viel Glück und Erfolg.

Und natürlich muss ganz zum Schluss dann doch noch einmal das sportliche Ausrufezeichen herhalten, das Thomas Hitzlsperger in seiner Zeit beim VfB gesetzt hat:

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Rückrunde!

In den vergangenen Jahren war es ja gerne mal so, dass man trotz großartig besetzter Hallenturniere, hochklassiger Freundschaftsspiele in Belek und einem wunderbaren Potpourri an Wechselgerüchten, das man nur unter großen Mühen in die eigens erstellte Excel-Tabelle einpflegen konnte, irgendwann ein erleichtertes „Endlich!“ ausstieß, wenn das Ende der Winterpause nahte.

Dieses Jahr bin ich noch nicht mal zum Erstellen des Spreadsheets gekommen, und schon steht das heutige Aufwärmspiel zur Rückrunde vor der Tür. Wahrscheinlich hätte ich den Auftakt sogar vergessen, wenn mir nicht kurzfristig Ehre, Freude und Vergnügen zuteil geworden wären, an @dogfoods kollaborativer Rückrundenvorschau bei allesaussersport mitzuwirken.

Gemeinsam mit einigen geschätzten Bloggern und auch Nicht-Bloggern, die bei dogfood im einzelnen genannt werden, durfte ich zu einem recht umfangreichen Dokument beitragen, das ebendort in gut verdaubaren Häppchen präsentiert wird und in dem die Perspektiven jedes einzelnen Bundesligisten für die Rückrunde auf Basis von dogfood formulierter Fragen andiskutiert werden.

Die Einschätzungen zum VfB, auf die ich erwartungsgemäß mein Haupt- (wenn auch nicht einziges) Augenmerk richtete, finden sich sowohl drüben bei dogfood als auch hier. Alles weitere steht bei allesaussersport und auszugsweise in den beteiligten Blogs.

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VfB StuttgartDie Hinrunde sah nicht nur eine Entlassung von Markus Babbel, sondern auch Veränderungen in der Machtbalance. Horst Heldt wird auf einmal für seine im Sommer gefeierte Einkaufspolitik zum Problem gemacht und konnte sich bei Babbels Entlassung nicht gegen Hundt durchsetzen. Aufsichtsratschef Hundt hat durch sein Festhalten an Babbel die Leidenszeit verlängert und nun ist mit Christian Gross nicht nur ein autoritärer sondern auch machtbewusster Trainer gekommen. Ist das jetzt schon alles ausgestanden oder wird sich da noch etwas tun?

heinzkamke: In der Tat wurde Heldt im Sommer allenthalben gefeiert – zum einen, weil er Hleb geholt hat, zum anderen, weil er sich nicht von Huntelaar auf der Nase herum tanzen ließ. (Wobei diejenigen, die über Letzteres jubelten, nicht unbedingt leiser gejubelt hätten, wenn die Verpflichtung von Huntelaar gelungen wäre, aber das nur am Rande.)
Auch in den Vorjahren war durchaus Kritik an Heldts Einkaufspolitik laut geworden, insbesondere mit Blick auf die Verpflichtungen unmittelbar nach der Meisterschaft 2007: Bastürk, Gledson, Schäfer, Marica, Ewerthon. Vor der laufenden Saison hatten viele eine Nachbesserung auf der Schwachstelle links hinten erwartet, und der gesuchte torgefährliche Mittelfeldspieler wurde auch nicht verpflichtet.

Will sagen: die Kritik an Heldt kam nicht plötzlich, sondern war eine Folge der letzten Jahre. Manch einer hatte sich vor bzw. bei Babbels Entlassung gewünscht, dass Horst Heldt auch gehen müsse, anstatt erneut einen Trainer seiner Wahl installieren zu dürfen. Nun ist also Christian Gross da, und bis dato hat man wenig über das Verhältnis zwischen dem Vorstandsmitglied Sport und dem Trainer gehört. Bisweilen hört man die Meinung, Gross sei stark genug, um Heldts Kompetenzen im sportlichen Bereich zunehmend zu beschneiden und in eine Managerrolle englischer Prägung hineinzuwachsen. Wenn dann der HSV noch einmal bei Heldt anriefe…

VfB Stuttgart – Wo sind die Probleme des VfBs zu suchen? Liegt es an der Einkaufspolitik von Heldt oder an dem verunsicherten Trainer Babbel, dass die Mannschaft keine Struktur, keine Achse zu haben scheint?

heinzkamke: Die angesprochene Achse wäre im Grunde mit Lehmann – Delpierre/Tasci – Khedira/Kuzmanovic – Stürmer X vorgegeben. Im Grunde. Tatsächlich aber schwankt Tasci in seinen Leistungen und wurde dann auch noch in der Kapitänsfrage brüskiert, war die Systemfrage im Mittelfeld lange ungeklärt (möglicherweise ist sie es noch?), wurde Hleb wieder – wie schon vor seinem Ausflug in die große weite Fußballwelt – auf die 10 gehievt, und war man im Sturm nicht ansatzweise in der Lage, den Abgang von Mario Gomez zu kompensieren.

An der Defensivarbeit soll Gross intensiv gearbeitet haben, sodass die Innenverteidigung Stabilität gewinnen könnte, und im Mittelfeld ist man zumindest defensiv hervorragend besetzt. Die zentrale Frage wird weiterhin lauten, ob man in der Lage ist, sowohl aus dem Mittelfeld heraus als auch im Sturm mehr Torgefahr zu entwickeln.
Ob dieses Problem in erster Linie mit Struktur und vielleicht auch Selbstvertrauen der Mannschaft zu tun hat, oder ob man letztlich einfach die falschen Leute hat, kann man vielfältig diskutieren.

dogfood: Ein Name der bei deiner Achse fehlt, ist Hitzlsperger. Hat theoretisch jene internationale Erfahrung um sich innerhalb der Mannschaft ein Standing zu erarbeiten, aber die Hinrunde war für ihn eine Seuchensaison – auf dem Platz und außerhalb des Platzes von Babbel demoralisiert und demontiert, nicht zuletzt durch die Wegnahme der Kapitänsbinde. Ist nicht nur Lehmann in Stuttgart ein Auslaufmodell, sondern auch „The Hammer„?

heinzkamke: Meines Erachtens wird sich Hitzlsperger sehr schwer tun, im WM-Kader zu bleiben, weil er auch in der Rückrunde beim VfB einen schweren Stand hat. Ich wäre nicht gänzlich überrascht, wenn sich da auf dem Transfermarkt noch etwas täte.
Kürzlich wurde Christian Gross von der Stuttgarter Zeitung auch zu Hitzlsperger befragt:

StZ: Fragt sich nur, wo er spielen soll. Im zentralen Mittelfeld scheinen Zdravko Kuzmanovic und Sami Khedira gesetzt.
Gross: Und Christian Träsch haben wir auch noch. Er ist unheimlich wertvoll.
StZ: Für Hitzlsperger könnte es also eng werden.
Gross: Jeder bringt sich so ein, wie er will und wie er kann. Ich bin mit offenen Augen bei jedem Training dabei und versuche, mich bei der Aufstellung richtig zu entscheiden.

Wenn ich im Kaffeesatz lesen müsste, würde ich daraus eher keine Stammplatzgarantie für Hitzlsperger ableiten.

kurtspaeter: Ich gehe jede Wette ein, dass Hitzlsperger im WM-Kader steht, ob er in Stuttgart vornewegmarschiert oder nur noch die Pilonen beim Training aufstellen darf. Aber das wäre jetzt eine Diskussion über Löw und nicht über den VfB.

VfB Stuttgart – Der VfB hat bereits einen großen Kader, aber es ist von zahlreichen Neuverpflichtungen die Rede. Wo muss derart nachgebessert werden, dass man es mit dem bereits vorhandenen Kader nicht kompensieren kann?

heinzkamke: Im Wesentlichen sind fünf Problembereiche auszumachen:

  • Im Tor steht die Nachfolgeregelung von Jens Lehmann ins Haus. Ob Ulreich und Stolz die nötige Klasse haben, wird kontrovers diskutiert.
  • Links hinten ist man für die Rückrunde zumindest aktiv geworden, hat Cristian Molinaro ausgeliehen und sich anders als bei Lahm und leider auch Niedermeier (nein, der ist kein Linksverteidiger) immerhin ein Vorkaufsrecht für den Sommer sichern können.
  • In der DefensivAbwehrzentrale ist nicht abzusehen, wie es mit Tasci weitergeht. Einerseits bleibt abzuwarten, ob er seine Leistungen wieder stabilisiert, andererseits war er emotional vermutlich schon einmal stärker an den Verein gebunden als derzeit. Niedermeier ist nach wie vor nur ausgeliehen, und Boulahrouz hat sich nur selten von seiner Schokoladenseite gezeigt. Kurzfristig ist man hier zwar versorgt; zur neuen Saison ergeben sich aber viele Fragezeichen.
  • Im offensiven Mittelfeld hat man bis zum Sommer Hleb sowie Gebhart und Rudy, d.h. drei Spieler, die bisher alle nicht sonderlich torgefährlich waren. Nicht von ungefähr wollte man schon vor der Saison Milan Jovanovic und diskutiert jetzt über dynamische Spieler für die Außenpositionen (Christian Gentner sieht sich vermutlich eher nicht dort, ob Ashkan Dejagah passen würde, weiß ich nicht). Bastürk und Simak sowie Elson dürfen gehen, Hilbert und Lanig dürften ggf. auch als entbehrlich gelten.
  • Der Sturm spielt in der Rückrunde vermutlich auf Bewährung und muss sich gegenüber der Vorrunde gewaltig steigern.

medispolis: Weil ja heute mit Fromlowitz von 96 die erste „Sau“ durch die Presselandschaft gejagt wird bezüglich Nachfolge von Lehmann. Gibt es irgendeinen Favoriten bei den VfB-Fans? Vorzugsweise ein junger, eher unbekannter Torwart oder sollte es schon eine größere Hausnummer mit der nötigen internationalen Erfahrung sein? (Gut, hängt vielleicht auch vom Saisonverlauf ab).

heinzkamke: Im Moment habe ich das Gefühl, dass die Fraktion derer, die in schöner Stuttgarter Tradition („Junge Wilde“) gerne auf einen eigenen Nachwuchstorwart setzen würden, deutlicher vernehmbar ist – eine Sichtweise, die vermutlich auch mir leichter fiele, wenn ich die erste Ulreich-Phase nicht mehr so deutlich in Erinnerung hätte. Wobei man einem 19-Jährigen, zumal in der damaligen Situation, einen Mangel an Souveränität nur sehr bedingt zum Vorwurf machen kann.
Sofern man sich entscheidet, eine neue Nr. 1 (und nicht nur einen erfahrenen Ersatztorwart) zu verpflichten, würde Timo Hildebrand vermutlich auf recht viel Gegenliebe stoßen. Ich persönlich hielte den von medispolis angesprochenen Fromlowitz für eine gute Lösung, wobei dann sicher recht laut zum Ausdruck gebracht würde, dass „der doch auch nicht besser“ sei als Ulreich und Stolz.

Enno: Was ist den mit Drobny? Der wird doch auch schon seit Wochen für das Stuttgarter Tor gehandelt? Er käme ablösefrei und war in der vergangenen Saison einer der besten Keeper der Liga.

heinzkamke: Ganz ehrlich: ich kann Drobny nicht einschätzen. Seine Leistungen schon, so halbwegs, aber in Stuttgart ist man ein wenig vorsichtig geworden, nachdem Raphael Schäfer vor und nach seiner Zeit großartig hielt, hier aber nie zurecht kam. Zumindest diese Gefahr dürfte bei Hildebrand geringer sein. (Gilt natürlich analog für Fromlowitz, den ich indes gerade in der Zeit von Enkes Verletzung als guten Teamplayer empfunden habe)

Unter normalen anderen Umständen…

…könnte man das gestrige Spiel des VfB gegen den FC Sevilla rasch zu den Akten legen. Man würde sich darüber ärgern, dass eine couragierte Leistung gegen eine europäische Spitzenmannschaft nicht ausgereicht hat, dass man vorne die Chancen nicht verwertet und hinten vor allem bei Standards geschlafen hat. Angesichts der verdienten Siege aus den Spielen gegen die Rangers und in Bukarest, wo man jeweils früh in Führung ging und dann glücklicherweise nicht auf die dumme Idee gekommen wäre, mit dem Fußballspielen aufzuhören, hätte man nach wie vor eine hervorragende Ausgangslage, um die Gruppenphase zu überstehen und würde die gute Leistung als Ansporn für das bevorstehende Spiel in Hannover nehmen. Man sähe über Boulahrouz‘ und Lehmanns Patzer hinweg, würde sich verwundert die Augen reiben ob Träschs starker Leistung, die viel mehr an einen modernen defensiven Mittelfeldspieler erinnerte als noch am Samstag, zollte Osorio, Boka, Cacau, Kuzmanovic und nicht zuletzt Elson das verdiente Sonderlob, ohne zu vergessen, ob der gleichwohl augenfälligen Defizite insbesondere vor dem Tor zu mahnen, und das wär’s dann auch.

Tatsächlich stellt sich die Situation aber etwas anders dar: „Es läuft einfach nicht in Stuttgart.“ In der Bundesliga steckt man im Abstiegskampf, in der Champions League scheinen die Chancen auf ein Weiterkommen eher theoretischer Natur (wenngleich sie dank des bisherigen Verlaufs tatsächlich noch gegeben sind), die Mängel sowohl vor dem eigenen als auch vor dem gegnerischen Tor zählen zu den wenigen Konstanten der bisherigen Saison. Dementsprechend steht der Trainer zur Debatte – durchaus legitim, wobei man sich an der einen oder anderen Stelle schon fragen darf, welche Fehlleistungen herausgekramt werden. In der Stuttgarter Zeitung befasst man sich intensiv mit seiner Aktivität an der Seitenlinie, die derzeit genauso wenig vorhanden ist wie in der Vorsaison. Nur handelt es sich jetzt eben um Resignation. Wenn ich mich recht entsinne, resignierte Walerij Lobanowskyj Zeit seines Trainerlebens recht erfogreich. Andernorts wird Babbel die Tatsache, dass er Thomas Hitzlsperger zuletzt nicht immer spielen ließ, als „beispiellose Degradierung seines Kapitäns“ ausgelegt – würde man ihm vorwerfen, dass er gestern den seit Wochen ganz offensichtlich indisponierten Hitzlsperger statt Rudy oder meinetwegen auch Simak brachte, könnte ich das wenigstens inhaltlich nachvollziehen.

Dabei ist unstrittig, dass Babbel seit Saisonbeginn bei weitem nicht alles richtig gemacht hat. Die frühe Rotation hat die Mannschaft überfordert, die Struktur der Mannschaft scheint nicht gefestigt, seine Auswechslungen sind nicht nur des öfteren etwas unglücklich, sondern kommen vor allem häufig zu spät (hängt da etwa noch das erste Saisonspiel in Wolfsburg nach, als er bei Träschs verletzungsbedingtem Ausscheiden bereits dreimal gewechselt hatte?), und auch über die Systemfrage lässt sich diskutieren. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ein Trainerwechsel helfen würde. Ich kann mir übrigens auch vorstellen, dass es dadurch keinen Deut besser würde.

Wichtiger ist an dieser Stelle sicherlich, wie Horst Heldt darüber denkt. Aber das weiß man halt nicht so genau. Nach dem gestrigen Spiel wurde er so zitiert, dass Markus Babbel „der Richtige“ sei: „Er liefert gute Arbeit ab, lässt sich nicht hängen, versucht sich gegen Niederlage [sic!] zu stemmen, marschiert voran, erreicht die Mannschaft und bereitet sich und die Mannschaft gut vor.“ Nun mag es sein, dass dies nur die offizielle Version ist, dass hinter den Kulissen längst die Entlassung vorbereitet wird und dass die Gespräche mit möglichen Nachfolgern laufen. Falls dem nicht so ist, stellt sich die Frage nach Heldts Motivation. Ist er wirklich überzeugt von Babbels Fähigkeiten und insbesondere davon, dass es gelingt, die Kurve nach oben zu bekommen? Oder fürchtet er, dass eine weitere Trainerentlassung nunmehr in deutlich höherem Maße auf ihn zurück fällt als noch bei Trapattoni und Veh? Dass seine Einkaufspolitik stärker in den Mittelpunkt rückt? Schließlich scheint er, wenn der oben verlinkte Stern-Artikel recht hat, dort mittlerweile selbst Defizite ausgemacht zu haben: „Vielleicht fehlt es einfach an Qualität.“

Meine Prognose? Babbel bleibt bis zur Winterpause. Und dann vermutlich auch darüber hinaus. Oder Heldt geht mit ihm.

[Hier lasse ich gleich noch ein wenig Platz für den Fall, dass ich erklären muss, weshalb ich mich getäuscht habe.]

Verbalbeurteilung

Jens zeigte sich das ganze Jahr über sehr motiviert und engagiert. Seine Leistungen waren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, stets gut, teilweise sehr gut. Aufgrund seines ausgeprägten Gerechtigkeitssinns genießt er in der Gemeinschaft hohes Ansehen, schießt aber auch gelegentlich über das Ziel hinaus. Sein Wissen gibt er jederzeit gerne weiter, auch unaufgefordert. Mitunter sollte er mit dem Eigentum anderer (Turnbeutel!) sorgsamer umgehen.

Christian brauchte zunächst ein gewisse Zeit, um sich an das höhere Niveau zu gewöhnen. Dank seines großen Fleißes gelang es ihm insbesondere im zweiten Halbjahr, seine Leistungen zu stabilisieren und sich zudem voll in die Gruppe zu integrieren. Christian ist außergewöhnlich lernwillig, läuft jedoch gegenwärtig Gefahr, aufgrund äußerer Einflüsse den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun.

Ricardo kam erfreulich gut über den Abschied von seinem besten Freund hinweg, der die Gruppe zum Halbjahr verließ. Er zeigte sich deutlich disziplinierter als in den Vorjahren und verdiente sich in verschiedenen Bereichen zumeist gute Noten. Konnte in den letzten Monaten krankheitsbedingt leider nur bedingt teilnehmen.

Khalid konnte in seinem ersten Jahr in Cannstatt seine Fähigkeiten nicht immer unter Beweis stellen. Er war des öfteren unkonzentriert und zeigte sich ob der Konsequenzen zunächst nicht sehr einsichtig. Im Lauf des zweiten Halbjahres integrierte er sich deutlich besser und übernahm gelegentlich Verantwortung in der Gruppe.

Serdar erwies sich zu jedem Zeitpunkt als zuverlässig und leistungswillig. Hinweise und Ratschläge setzte er positiv um, übernahm zunehmend Verantwortung in der Gruppe und erwarb sich ein entsprechendes Ansehen. Sein Auftreten war stets höflich und ordentlich, lediglich im Sport zeigte er sich dynamisch und aggressiv. Die altersbedingte Schwäche für Nebensächlichkeiten (Haarbänder) muss er in den Griff bekommen.

Matthieu war auch im abgelaufenen Jahr ein Fixpunkt in der Gruppe. Nicht zuletzt aufgrund seiner stets guten Leistungen hat sein (leises) Wort Gewicht, seine Freunde können sich an ihm orientieren und bei Bedarf anlehnen. Es wäre ihm zu wünschen, dass er, insbesondere für seine französischen Leistungen, auch außerhalb der Gruppe eine etwas höhere Wertschätzung erführe.

Georg verpasste leider seit dem Winter wegen zweier Krankheitsphasen einige Wochen, holte aber das Verpasste jeweils in kürzester Zeit nach. Dabei deutete er seine Fähigkeiten nicht nur an, sondern erfüllte die Erwartungen auch in schwierigen Situationen über die Maßen. Für seine weitere Entwicklung wäre ein Verbleib über die angedachte zeitliche Begrenzung hinaus wünschenswert.

Ludovic neigte auch im vergangenen Jahr zu Leichtsinn und Sprunghaftigkeit, konnte jedoch gerade im zweiten Halbjahr endlich wieder an seine Leistungen aus dem vorvergangenen Jahr anknüpfen.  Sein Humor und seine positive Grundhaltung förderten die Gemeinschaft. Zwar litt gelegentlich die Konzentration ein wenig; insgesamt bewegte er sich gleichwohl im Rahmen der Erwartungen.

Arthur konnte seine Fähigkeiten in diesem Jahr nur selten unter Beweis stellen. Es liegt nun an ihm, mit überzeugenden Leistungen deutlich zu machen, dass er auch mittelfristig den Anforerungen gewachsen ist. Eine Veränderung bereits zum kommenden Jahr ist nicht zwingend erforderlich, könnte aber in seinem Sinne sein.

Roberto ist jederzeit ein Vorbild an Engagement und Begeisterung, was sich mitunter in einer gewissen Übermotivation niederschlägt. Seine häufigen Unkonzentriertheiten, die er dann mit großem Eifer auszubügeln versucht, beeinflussen nicht nur seine persönliche Beurteilung, sondern schaden auch der Ordnung und Organisation in der Gruppe. Die Identifikation mit der Gemeinschaft ist beispielhaft.

Elson hat seinen Rückstand aus der Vergangenheit mit beispielhaftem Fleiß aufgeholt – teilweise erzielte er gar überdurchschnittliche Resultate – und hat so den zwischenzeitlich drohenden Ausschluss abgewendet. Er sollte weiter hart an sich arbeiten, sein Leistungsniveau stabilisieren und standardmäßig aus punktuellen Erfolgserlebnissen Motivation ziehen.

Timo ist innerhalb weniger Monate ein fester Bestandteil der Gruppe geworden. Wenngleich es ihm gelegentlich an Zielstrebigkeit und Disziplin mangelt, erfüllt er doch zumeist die Anforderungen und zeigt sich dabei häufig sehr kreativ. Nicht immer kommt er seinen Aufgaben für das Funktionieren der Gemeinschaft in ausreichendem Maß nach. Dies sollte sich aber im kommenden Jahr beheben lassen.

Martin gelingt es nicht immer, sein Interesse an den ihm zugewiesenen Aufgaben zu vermitteln, selbst wenn er tatsächlich sehr konzentriert und zielstrebig bei der Sache ist. So zeigt er sich zwar bei der zentralen Kleingruppenarbeit stets zuverlässig und diszipliniert; in Randbereichen wirkt er indes gelegentlich träge. Insgesamt scheint sein Arbeitstempo verbesserungswürdig zu sein.

Thomas hat im vergangenen Jahr eine große Verantwortung für die Gemeinschaft übernommen. Zunächst haben seine Leistungen ein wenig darunter gelitten, ehe er unter neuen Lehrpersonal nochmals einen enormen Sprung nach vorne machte. Bei seinen seltenen Fehlzeiten tritt sein anhaltendes Bemühen um die nötige Ordnung besonders deutlich zutage. Sollte in stärkerem Maße versuchen, „den Ball flach zu halten“.

Sami ist zwar einer der Jüngsten, zählt aber in vielen Situationen zu denjenigen, die die Richtung vorgeben. Er übernimmt Verantwortung, ohne sich in den Mittelpunkt zu stellen, und erfüllte bereits seit Mitte des ersten Halbjahres die gestellten Anforderungen in besonderem Maße. Er ist fleißig, fokussiert, ehrgeizig, hat seine Arbeitsgeschwindigkeit erhöht und lässt sich auch von Haarbändern nicht ablenken.

Yildiray konnte in diesem Jahr, auch aufgrund zahlreicher Fehlzeiten, nicht die geforderten Leistungsnachweise erbringen. Ein Gespräch ist erwünscht.

Pavel konnte das aus den Vorjahren gewohnte Leistungsniveau nicht ganz halten und entschloss sich bereits zum Halbjahr, die Gruppe zu verlassen. Bis dahin, und auch darüber hinaus, genoss er ein in jeder Hinsicht hohes Ansehen.

Jan zeigte sich insgesamt nicht konstant genug. Immer wieder deutete er seine Fähigkeiten an, hatte aber auch einige Besorgnis erregende Ausreißer nach unten. Im kommenden Jahr liegt es an ihm, seine künftigen Perspektiven aufzuzeigen. Ein Gespräch ist erwünscht.

Mario erreichte das ganze Jahr über ein beständig hohes Leistungsniveau und übernahm in zunehmendem Maß Verwantwortung für die Gemeinschaft. Im ersten Halbjahr schien er sich in Gruppenarbeiten nicht auf seine Freunde verlassen zu wollen und wirkte bisweilen übermotiviert. Insgesamt trug er maßgeblich zur Leisterungssteigerung der gesamten Gruppe bei. Sein umzugsbedingter Weggang ist bedauerlich.

Claudemir hat sich nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr deutlich gesteigert und in den letzten Monaten hervorragende Leistungen erbracht, die über die Gruppe hinaus Anklang fanden. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement in den Fächern Religion und Gemeinschaftskunde. Die gezielte Förderung seines Sozialverhaltens durch das neue Lehrpersonal trug ebenfalls Früchte.

Ciprians Leistungen der letzten Monate waren sehr unbeständig. Häufig widerlegte er daher die aufgrund aktueller Entwicklungen gehegten Erwartungen – im Guten wie im Schlechten. Positiv ist sein im Vergleich zum Vorjahr gestiegenes Engagement zu sehen, wobei auch hier zuletzt wieder ein Rückgang zu verzeichnen war. Seine weitere Entwicklung ist nur bedingt vorhersehbar. Ein Gespräch ist erwünscht. Gesprächssprache: deutsch.

Julian zeigte, aus einer tieferen Klasse kommend, dass er den Anforderungen gewachsen ist und wurde dementsprechend in die Gruppe integriert. Bisweilen noch ein wenig schüchtern, deutete er seine Fähigkeiten an. Wenn er so weiter macht, wird der Abschluss auch in der höheren Klasse kein Problem darstellen.

Markus hat in besonderem Maß vom Wechsel des Lehrpersonals profitiert. Seither übernimmt er Verantwortung, wirkt motivierend und geht stets mit gutem Beispiel voran. Er weiß sein Leistungsvermögen einzuschätzen und gleicht etwaige Defizite mit zusätzlichem Unterricht aus. Übermäßige Belastungen durch den Zusatzunterricht sind zu vermeiden.

Armin konnte seine Fähigkeiten im ersten Halbjahr nicht mehr im gewohnten Maß einbringen. Aufgrund ausbleibender Leistungsnachweise war sein Ausscheiden unvermeidlich.

Abbitte.

[Schon wieder eine Überschrift stibitzt, diesmal von Ian McEwan. ]

Ja, ich habe Elson Unrecht getan. Er legt weitaus mehr Durchsetzungsvermögen an den Tag, und auch ein höheres Tempo, als ich ihm zugetraut hatte. Dass seine ruhenden Bälle besser sind, als man das in Stuttgart in den letzten Jahren gewohnt war, steht ohnehin außer Frage (ist aber auch keine Kunst…). Und nun tritt er auch noch als Torschütze in Erscheinung – Chapeau.

Ansonsten wenig Neues beim Baden-Württemberg Derby. Wenn ich mich selbst nach dem Hinspiel zitieren darf:

Der erwartete Sieg.

Eigentlich hat sich gestern nichts Besonderes ereignet. Der VfB Stuttgart schlug den Karlsruher SC. Wie so oft.

Naja, letztlich stimmt „wenig Neues“ nur mit Blick auf das Ergebnis und die obligatorischen Ausschreitungen. Ansonsten gab’s beim VfB schon ein paar Veränderungen: Niedermeier gab sein (vielversprechendes) Debüt, Kapitän Hitzlsperger saß auf der Bank, ebenso Hilbert, Cacau, Simak und Träsch, die alle am Donnerstag in der Startaufstellung gestanden hatten.

Das Spiel selbst verlief dann aber unspektakulär. Der KSC war in der ersten halben Stunde klar spielbestimmend, entwickelte aber keinerlei Torgefahr. Anders der VfB: als man endlich aufgewacht war, trafen Marica und Lanig (im Gespann mit Eichner, damit keiner sagt, die folgende Ecke sei unberechtigt gewesen) Aluminium.

Die Karlsruher verstanden das Signal: „Wir haben jetzt genug Zeit gehabt, uns auszutoben. Gefährlich wurden wir erwartungsgemäß nicht. Jetzt sind die anderen dran. Und wahrscheinlich wird der Gegner auch irgendwann treffen. Wie jedes Wochenende halt. Schade.“ Und damit war das Spiel im Grunde gelaufen. Elson traf nach der Pause, der KSC mühte sich ähnlich zwingend wie die Stuttgarter gegen Zenit, und kurz vor Schluss strafte mich auch noch Khedira Lügen, dessen einziges Manko ich immer in der mangelnden Dynamik gesehen hatte.

Einen ausführlicheren Blick gibt’s bei der Hirngabel, wo zudem die aktuelle Tabellensituation beleuchtet wird, die sich insofern nur bedingt verbessert hat, als man zwar Punkte auf die internationalen Ränge gutgemacht hat; unterdessen kristallisiert sich mit Wolfsburg jedoch eine weitere Mannschaft heraus, die der VfB eher nicht in Schach halten wird. Folglich muss man sich wohl auf die zweifelhafte Hoffnung verlassen, dass sich die Bayernkrise bis zum Saisonende fortsetzt, oder dass Hertha doch noch einen Totaleinbruch erleidet – den ich beim HSV nicht erwarte.

Gleichzeitig muss man selbst seine Hausaufgaben machen und Leverkusen, die konsolidierten Schalker, den kommenden Gegner Dortmund und vielleicht auch noch Werder hinter sich lassen. Klingt nach einer schönen Herausforderung.

Zwei alte Männer.

Der eine, T, hat in seiner Vereinskarriere alles erreicht, hat aber immer noch so viel Spaß am Fußball, dass er sich durch eine elfmonatige Verletzungspause quält, um weiter im Niemandsland der Tabelle herumzudümpeln (wenn’s gut läuft). Der andere, L, hat auch manches erreicht, sieht das aber nicht immer genügend gewürdigt, und hat wenig Lust, sich ein weiteres Jahr mit Mittelmaß abzugeben.

Wenn der alte Mann T vor einem Eckball dem alten Mann L fast schon liebevoll die Arme um die durchtrainierte Taille legt und L diese Geste sehr erbost zurückweist, kann man

a) sich wider besseres Wissen über Ls Verhalten wundern
b) „Ach ja, der L, so ist er halt“ sagen
c) zufrieden sein, dass L wenigstens nicht den Norbert Meier gegeben hat
d) sich die Gegentore nochmals anschauen und seine Rückschlüsse ziehen.

Unabhängig von der persönlichen Einschätzung war Herr Lehmann in dieser Szene wie auch nach dem Spiel offensichtlich wieder einmal ganz er selbst.

Es mag eine unglückliche Fügung gewesen sein, dass ich bei einer meiner Stippvisiten bei der Übertragung des VfB-Spiels in Hannover [leider das dritte Spiel in Folge, das ich nur rudimentär verfolgen konnte… Kindergeburtstag] gerade diese Szene sehen musste, die so unglaublich gut zu meinem Lehmann-Bild passt; wie auch immer: wenn sich tatsächlich die gelegentlich diskutierte Möglichkeit bieten sollte, im Sommer Robert Enke zu verpflichten, ist meine Meinung eindeutig.

Das Spiel, von dem ich live nicht viel und in Ausschnitten nicht viel mehr gesehen habe, lässt mich sehr unschlüssig zurück. Reicht es dieses Jahr einfach nicht für ganz oben (d.h. den Kampf um die internationalen Plätze), oder haben wir tatsächlich nur eine nachlässige Mannschaft gesehen, die im Idealfall aus diesem Spiel lernt und ihr Potenzial künftig nicht nur aufflackern lässt, sondern es auch konsequent und ergebnisorientiert ausschöpft?

Ich hoffe auf Letzteres. Weil ich endlich mal einen guten Lanig und erneut einen engagierten Marica gesehen habe, weil Simak angedeutet hat, seine Lektion gelernt zu haben, und weil Hitzlsperger vielleicht doch willens ist, Bälle zu spielen, die gleichzeitig einfach und effektiv sind. Weil auf Gomez Verlass ist, weil Hilbert gezeigt hat, dass seine Dribblings noch immer zum Erfolg führen können, natürlich weil Khedira zurückkommt und weil, zugegeben, auf Lehmann Verlass ist. Bisschen viel „vielleicht“, „angedeutet“ und „scheint“, aber so tickt er halt, der gemeine Fan.

Drum schießen die jungen Männer mit dem Brustring nächste Woche die Sinsheimer aus den Champions League-Rängen. Schade für Timo Hildebrand, aber da kann man nichts machen.

Drei Punkte.

Es war wohl ein ziemliches Gewürge, das der VfB seinen Zuschauern am Samstag geboten hat. Ich selbst habe bis auf die beiden Tore im Grunde nichts von dem Spiel gesehen; die Einschätzungen fallen jedoch durch die Bank sehr kritisch aus: so beim geschätzten Kollegen von der Hirngabel, der sich an die Leistungen der späten Ära Veh erinnert fühlte, oder auch bei den rot-weißen Ballzauberern, für die die Leistung zumindest phasenweise „unter aller Sau“ war.

Bei der Hirngabel wird aber auch ein Aspekt angesprochen, der mir, der ich am Wochenende ausschließlich auf Zahlen und Fakten angewiesen war, unmittelbar auffiel und der meines Erachtens, aller Kritik zum Trotz, ein wenig untergegangen ist: von allen Mannschaften, die vor dem Spieltag zwischen Platz 5 und 12 (ja, auch ich schaue so weit nach unten) lagen, hat nur eine einzige gewonnen, und zwar der VfB. Ja, ich weiß, es war gegen einen der „aussichtsreichsten“ Abstiegskandidaten, dessen neue Mannschaft sich zudem noch finden muss, undsoweiterundsoweiter.

Aber die drei Punkte sind im Neckarstadion geblieben. Markus Babbel ist in der Bundesliga nach wie vor ungeschlagen. Der VfB steht auf Platz 7, in Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen. Ciprian Marica deutet zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage an, dass er deutlich robuster und einsatzwilliger geworden zu sein scheint, und möglicherweise sind wir schon wieder so weit, dass sich gegnerische Abwehrreihen nicht ausschließlich auf Mario Gomez (und vielleicht Sami Khedira) konzentrieren können.

Schon klar. Aus mir spricht die Gnade des nicht gesehenen Spiels. Vielleicht habe ich auch deshalb so wenig Verständnis für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, der zufolge es Gladbach beinahe gelungen wäre, „die Trainerdiskussion zu verschärfen.“

Stimmt, es gibt eine Trainerdiskussion, aber die wird, unter einem ganz anderen Aspekt, in erster Linie durch den DFB befüttert. Natürlich ist es bitter, dass man in der Otto-Fleck-Schneise offenbar nicht gewillt ist, Babbel von seinem „Lame Duck“-Status zu befreien – bis dato sehe ich persönlich aber noch nicht, dass sich daraus auch eine sportlich begründete Trainerdiskussion ableiten ließe. Zwar haben die VfB-Verantwortlichen die letzten beiden Trainerwechsel jeweils überraschend rasch durchgezogen; nach einem Bundesligaspieltag (und einem schrecklichen Pokalspiel, keine Frage) einen erneuten Wechsel herbeizureden, halte ich jedoch für geschmacklos interessant.

Abschließend nehme ich doch noch kurz meine Vereinsbrille ab und gebe Thomas Haid von der Stuttgarter Zeitung, dessen Einschätzungen ich beileibe nicht immer teile, in einigen seiner Kritikpunkte recht, auch und gerade in folgendem:

Speziell das Mittelfeld dürfte zumindest in seiner samstäglichen Besetzung mit Thomas Hitzlsperger, Sami Khedira, Martin Lanig und Jan Simak mit die langsamste Formation in der ganzen Bundesliga sein. Die vier Profis sind zwar technisch beschlagen, aber von der Statur und von der Spielweise her zu ähnlich und zu schwerfällig, um für Druck und für Überraschungsmomente sorgen zu können.

Nicht zuletzt darin liegt mein bisweilen kritisiertes Faible für Roberto Hilbert begründet.

Pflichtsieg?

Ein Sieg in Cottbus sei ja wohl das mindeste, was man erwarten könne, habe ich vor und nach dem 3-0-Erfolg des VfB im Stadion der Freundschaft immer wieder gehört. In der Tat spricht manches für diese Sichtweise, nicht zuletzt die katastrophale Heimbilanz des Gegners.

Man sollte aber nicht den Fehler machen, den Erfolg gering zu schätzen – weder hinsichtlich der Stärke der Heimmannschaft, die dem VfB dem Vernehmen nach (leider konnte ich nur sehr wenig von dem Spiel sehen) einiges abverlangt hat, noch mit Blick auf die Bedeutung des Sieges für den VfB und Teamchef Markus Babbel. Die Mannschaft scheint vor allem mental deutlich stärker als zuvor, hat einen engagierten Gegner letztlich klar geschlagen, und kann nun mit zwei Siegen im Rücken vergleichsweise entspannt in das psychologisch stets einfache Spiel gegen die Bayern (der Klassiker: „Da kann man nur gewinnen.“) gehen.

Wie gesagt: ich habe nicht viel gesehen, sodass ich mich umso mehr an die nackten Fakten halten muss. Und die besagen, zu meiner ganz besonderen Freude, dass die viel geschmähten Hilbert und Simak die ersten beiden Treffer erzielt haben. Das wird -gerade bei Hilbert- wenig daran ändern, dass er ob seiner häufig zu hohen Fehlpassquote immer wieder im Zentrum der Kritik steht, und ich will an dieser Stelle auch mein bekanntes Loblied auf sein Engagement und seine Dynamik nicht breit treten, aber den einen oder anderen Dauernörgler hätte ich am Samstag in der vierten Minute schon gern angegrinst. Und der als zu langsam verschrieene Simak hat diese Vorwürfe bei seinem Treffer zumindest nicht weiter genährt, oder?

Großen Raum in der hiesigen Diskussion nimmt nach wie vor die Trainerfrage ein – sowohl für die Rückrunde, wenngleich der Boulevard schon Vollzug mit Babbel meldet, als auch und vor allem für die Zeit danach. In dieser Hinsicht meine ich zwar aufgrund der letzten Wochen eine Stimmung zugunsten einer Lösung mit Markus Babbel auszumachen; ob eine solche angesichts der Äußerungen von Matthias Sammer überhaupt realisierbar wäre, ist sehr fraglich. Eine interessante Note erfährt dieses Thema durch Sammers Beziehung zum VfB: als Spieler war er einer der Meisterhelden von 1992, als Trainer ist er für viele ein rotes blaues Tuch, weil gerade die von ihm nun im DFB propagierte Förderung und Entwicklung des Nachwuchses in seiner Stuttgarter Zeit bei ihm noch nicht so ausgeprägt gewesen sei.

Ob Horst Heldts Hinweis auf die Freiheit der Berufswahl an dieser Stelle relevant ist, weiß ich nicht bezweifle ich; grundsätzlich tendiere ich jedoch -nicht nur, weil es um den VfB geht- zu pragmatischen Lösungen. Sicherlich kann eine gute taktische und meinetwegen auch pädagogische und sportwissenschaftliche Ausbildung (jajaja, und noch Vieles mehr… geschenkt!) den Trainern in vielerlei Hinsicht helfen; gleichzeitig sprechen wir immer noch von Fußball, von Sport, von Binsenweisheiten und Erfolgsgeheimnissen im Stil von „den Gegner durch die Wand hauen„. Aber ich bin nur ein Laie.

Nachtrag:
Jens Lehmann hat sich auch zur Frage der Trainerausbildung geäußert, und ich frage mich, wie ihm gelingt, mir selbst mit einer Meinungsäußerung, die meiner eigenen Position so ähnlich ist, unsympathischer zu werden. Wieso kann er die Frage nicht abstrakt oder anhand eines neutralen Beispiels behandeln, sondern muss sich sogleich selbst in einem Atemzug mit Babbel nennen [sofern der sid das Interview nicht falsch wiedergibt – im Kicker klingt das Ganze moderater]? Wieso platziert er Spitzen gegen den deutschen Fußball im Allgemeinen und gegen Sammer im Besonderen, zumal letzterer auf die Entscheidung der Babbelfrage großen Einfluss haben dürfte? Ich verstehe das nicht.

Vielleicht liegt’s auch nur daran, dass ich nicht objektiv bin.

Siegeswille.

Der VfB hat nach fünf sieglosen Partien wieder ein Bundesligaspiel gewonnen: 2-0 gegen Schalke, der erwartete Sieg. Das Spiel wurde zwar von beiden Seiten sehr intensiv geführt; begeistern konnte es indes nicht. Der VfB war, wie von Markus Babbel während der Woche vorhergesehen, nicht in der Lage gewesen, die spielerischen Defizite der letzten Monate innerhalb weniger Tage zu beheben. Ein entscheidender Unterschied war jedoch auszumachen, zumindest für mich, der ich in den letzten Wochen genau diesen Punkt wiederholt moniert hatte: die Mannschaft zeigte endlich wieder den Siegeswillen, den man benötigt, um die Fans zufrieden zu stellen ein Bundesligaspiel, gegen welchen Gegner auch immer, zu gewinnen.

Wie gesagt: spielerisch lag noch Vieles im Argen, und speziell in der ersten Halbzeit war es der Schalker Nachlässigkeit und außergewöhnlichen Abwehraktionen von Lehmann und Boka zu verdanken, dass man nicht in Rückstand geriet. Von diesen Szenen abgesehen, stand man immerhin in der Defensive sehr gut – angesichts dessen will ich dieses eine Mal auch großzügig darüber hinwegsehen, dass beispielsweise Osorio bei geschätzten 70 Ballkontakten, nach zum Teil toller Eroberung, ungefähr 60 lange, halbhohe Bälle irgendwo zwischen Gomez‘ Brust und dem Niemandsland platzierte.

Wie auch immer: nach der Pause, in der Babbel nach eigenen Angaben deutliche Worte an seine Mannschaft gerichtet habe, zeigte sich der VfB in der Vorwärtsbewegung deutlich entschlossener, hatte deutlich mehr vom Spiel, und Simak erzielte ironischerweise nach einem langen, halbhohen Ball – diesmal von Boulahrouz – den nicht unverdienten Führungstreffer. Wenn Simak den öfter so spielen kann, muss er doch noch ein ganz Großer werden. Nach dem 2-0 waren dann auch die kritischsten Fans zunächst versöhnt ruhig gestellt, sodass Markus Babbel nun zumindest bis zur Winterpause Kredit haben sollte.

Randnotiz:
Im Grunde bin ich kein großer Freund sogenannter „Choreos“ im Fanblock. Heute jedoch hätte ich mir zugegebenermaßen eine gewünscht: speziell in der ersten Halbzeit wäre es mir eine Freude gewesen, wenn große Teile der Cannstatter Kurve dem Vorsänger das Titelblatt der aktuellen 11Freunde entgegen gehalten hätten.