Verbalbeurteilung 2012

Im abgelaufenen Jahr waren die Leistungen der Gruppe nicht nur erneut recht wechselhaft; vielmehr gelang es wiederum, durch konzentrierte Leistungen im zweiten Halbjahr ein noch vor wenigen Monaten kaum für möglich gehaltenes Abschlussniveau zu erreichen. Erstmals seit Jahren war es zudem möglich, Kontinuität beim Lehrpersonal zu gewährleisten.*

* Ein Umstand, der anderen Einrichtungen nicht vergönnt war und der sie mitunter zu ungewöhnlichen Lösungen (Pensionäre, Lehrpersonal mit fragwürdiger Ausbildung, Rückgriff auf ehemalige Schützlinge oder freigestellte Ehemalige, …) zwang.

Leider gelang es bei den jüngeren Jahrgängen wie auch bei der Ausbildungskoordination nicht, diese Kontinuität zu gewährleisten, was die Umsetzung des Leitbilds der Einrichtung, insbesondere mit Blick auf die Weiterentwicklung der nachrückenden Jahrgänge, erschwert. Eine entsprechend demütige Herangehensweise scheint geboten. Lehrpersonal und Verwaltung werden diesbezüglich auch weiterhin Beispiel gebend wirken.

Sven konnte im Lauf des Jahres mit guten, in Teilbereichen außergewöhnlichen Resultaten nicht nur die Gruppe und das Lehrpersonal von seiner Leistungsfähigkeit überzeugen. Nicht zuletzt dank zahlreicher erfolgreich absolvierter Einzelprüfungen und einer bemerkenswerten linearen Herangehensweise ist Svens Ansehen enorm gestiegen. Gelegentlich wären ihm eine höhere und stärker nach vorne gerichtete Gedankenschnelligkeit sowie ein spielerischer Umgang mit potenziell schwierigen Situationen zu wünschen. Sven erhält einen Preis. Einen hohen.

Arthurs Leistungen ließen zu keinem Zeitpunkt auf ein ernst zu nehmendes Interesse schließen, über den Sommer hinaus in der Einrichtung zu bleiben. Seine zahlreichen Fehlzeiten waren nur selten selbst gewählt, sondern meist durch das Lehrpersonal angeordnet. Angesichts eines möglichen Verbleibs aus sozialen Gründen durfte er zuletzt erneut an einigen Prüfungen teilnehmen, ohne ansprechende Leistungen zu erbringen. Zudem brachte er seinen Kameraden Sven wiederholt durch gegen diesen gerichtete Alleingänge in Bedrängnis.

Cristian gelang es auch im abgelaufenen Jahr nicht, seine teilweise sehr guten Leistungen mit der erwünschten Konstanz zu erbringen. Immer wieder vermischen sich die erfreulich offensiv vorgetragenen positiven Eindrücke mit Situationen, in denen er sich zu leicht in die Defensive drängen lässt und ein wenig den Überblick verliert. Der im Raum stehende Wechsel zu einer ausländischen Einrichtung hängt sicherlich von den Rahmenbedingungen ab, ist jedoch aus Sicht unserer Einrichtung nur bedingt zu empfehlen. Bemerkenswert ist im Übrigen Cristians konsequenter Umgang mit einschlägig bekannten Petzen.

Gotoku stieß im Winter aus einer ausländischen Einrichtung zur Gruppe und sollte aus Sicht der Leitung zunächst einen längeren Integrationskurs durchlaufen, den er aber dank außergewöhnlicher beiderseitiger Anstrengungen und einer ebensolchen Lernwilligkeit rasch abbrechen konnte, um statt dessen an exponierter Position und mit bemerkenswertem Erfolg an zahlreichen Prüfungen teilzunehmen. Im kommenden Jahr wird es, unserem Einrichtungsleitbild widersprechend, auch darum gehen, dass er vergisst, wo er herkommt, und lahme Vergleiche mit Leben füllt. Gotoku erhält ein Lob.

Khalid erbrachte in diesem Jahr verlässlich ansprechende Leistungen und konnte im Gegensatz zu den Vorjahren auch sein Interesse an einem erfolgreichen Abschluss vermitteln – sowohl am eigenen als auch an dem seiner Freunde, die er verschiedentlich vorbereitend unterstützte. Leider reichen seine Leistungen gleichwohl nicht aus, um sein Stipendium fortzuführen.

Stefano erfüllte die auf Basis seiner Vorleistungen angepassten Erwartungen in vollem Umfang. Sehr bemerkenswert ist seine Kompetenz im Bereich der sogenannten neuen Medien, die allerdings mit unserem Profil nur schwer in Einklang zu bringen ist. Gemeinsam mit der Verwaltung kam er einträchtig zu dem Schluss, die Einrichtung zu wechseln.

Antonio durfte im Lauf des Jahres erstmals an einigen Einheiten mitwirken und in einem Fall auch an einer Prüfung teilnehmen, worauf er sehr stolz war. Einem jüngeren Jahrgang entstammend, bereitete ihm dabei der Niveauunterschied noch(?) gewisse Probleme und hinderte ihn mitunter, elegantere Lösungen zu finden. Dabei ist festzustellen, dass auch der Randplatz für seine Integration gewiss nicht förderlich war.

Serdar erbrachte das gesamte Jahr über konstant und zuverlässig gute Leistungen. Erstmals gelang es ihm, sich gänzlich auf Übungseinheiten und Prüfungen zu konzentrieren, zudem hielt er die Fehlzeiten gering. Unaufgeregt trug er, spätestens im Frühjahr auch äußerlich sichtbar, Verantwortung für die Gruppe und konnte bedrohliche Situationen immer wieder mit der ihm eigenen Eleganz lösen. Dass ihm die Teilnahme an einem internationalen Sportfest verwehrt blieb, ist sehr bedauerlich und vermutlich nur einer zum Jahresende hin erlittenen Sportverletzung geschuldet. Serdar erhält einen Preis.

Georg gelang es in einer in diesem Maß unerwarteten Art und Weise – nach einem nicht zufrieden stellenden Vorjahr und einer längeren krankheitsbedingten Abwesenheit –, zum Jahreswechsel hin wieder verlässlich ansprechende Leistungen und entsprechende Prüfungsresultate zu erbringen. Seine Gruppenarbeiten mit Serdar verliefen in der Regel gleichermaßen harmonisch wie ergebnisorientiert. Sehr rasch übernahm er zudem wieder Verantwortung in der und für die Gruppe. Speziell sein häufig unterschätztes Faible für Technik setzte er dabei mitunter recht offensiv ein.

Francisco stieß vor dem abgelaufenen Jahr zur Gruppe und nahm gleich einen frei gewordenen zentralen Platz ein, was ihm die Integration deutlich erleichterte. Seine Leistungen waren von Beginn an solide; einzelne Ausrutscher, die zunächst nicht allzu sehr ins Gewicht fielen, trübten indes schon früh den Gesamteindruck. Dies setzte sich im zweiten Halbjahr nahtlos fort, sodass er nur noch seltener zu Prüfungsleistungen zugelassen werden konnte. Zuletzt handelte es sich offensichtlich um eine Kopfsache.

Matthieu hatte, zunächst krankheitsbedingt, erneut lange Fehlzeiten zu verzeichnen. Beim Versuch, das Versäumte durch Nachhilfestunden mit Jüngeren aufzuholen, schlug er leider über die Stränge und verschuldete damit weitere Fehlzeiten, die er in absehbarer Zeit nicht aufholen kann. Er wechselt daher an eine nahe gelegene traditionsreiche Einrichtung, die ihren regionalen Fokus somit weiter stärkt. Für seine langjährige Mitwirkung in den einschlägigen Gremien erhält Matthieu einen Preis.

William stieß im vergangenen Sommer zur Gruppe und beeindruckte vom ersten Tag an mit kurzen Hosen, Offenheit, Eloquenz, Humor und Ernsthaftigkeit. Speziell im ersten Halbjahr waren seine Prüfungsresultate trotz einiger Regelverstöße außerordentlich gut. Im Frühjahr machte ihm der Niveauunterschied zu seiner alten Einrichtung zeitweise ein wenig zu schaffen, zum Ende hin stabilisierte er sich wieder und nimmt derzeit an einer internationalen Sommeruniversität teil. Seine soziale Kompetenz ist beispielhaft und zeigt sich nicht zuletzt an seinem mitunter auch offensiv zur Schau getragenen Bestreben, den häufig am Rand stehenden Sven in nahezu jede Gruppenarbeit einzubeziehen.

Christian fand sich im abgelaufenen Jahr wesentlich besser zurecht als zuvor. Gerade im Sport zeigte er sich deutlich verbessert, auch unmusikalische Misstöne waren nur noch selten zu vernehmen. Er nahm am Großteil der Prüfungen teil, häufig als Nachrücker, oft mit – gelegentlich auch zählbarem – Erfolg, teilweise aber auch mit schwächeren Ergebnissen, die seiner großen Begabung nicht gerecht werden. Sein Ansehen in der Gruppe ist unverändert hoch; Verlässlichkeit, Engagement und Verantwortungsgefühl sind beispielhaft. Bemerkenswert ist zudem sein zuletzt verschiedentlich unter Beweis gestelltes Gespür für spektakuläre Abschlussprojekte.

Zdravko erzielte im abgelaufenen Jahr eher wechselhafte Ergebnisse, zeigte sich aber in kritischen Situationen einmal mehr punktgenau vorbereitet. Nach wie vor würde man sich wünschen, dass er seine Begabung noch entschlossener und vor allem schneller in entsprechende Prüfungsleistungen ummünzt. Möglicherweise wird er die Einrichtung im Sommer verlassen, um zu einer ausländischen Einrichtung zu wechseln – was mit Blick auf die anstehenden Prüfungen einen herben Verlust darstellen würde. Seinem Wunsch, sich in einem nicht nur internationalen, sondern dem Vernehmen nach auch berechenbareren Umfeld weiterzuentwickeln, trüge die Einrichtungsleitung (nach derzeitiger Quote) wohl dennoch Rechnung.

Mamadou nahm im vergangenen Jahr an sehr wenigen Prüfungen teil, was nur bedingt an Krankheiten oder der Mitwirkung bei einem internationalen Sportfest lag. Vielmehr gelang es schlichtweg nicht, seine Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen. Anlässlich einer Sportprüfung im größtmöglichen Rahmen legte er indes, so der Übungsleiter, in einer kritischen Situation eine bemerkenswerte Ruhe an den Tag. Ein Gespräch ist erwünscht.

Tamas hatte dieses Jahr lange an dem – nicht ganz unerwarteten – Rückschritt nach einem beeindruckenden Vorjahr zu knabbern und konnte erst nach einer langen Phase ungebrochenen Fleißes wieder an einen erfolgreichen Abschluss denken – und auch seine Freunde dabei unterstützen. Ob er eine auch im neuen Jahr nicht unwahrscheinliche ähnliche Entwicklung noch einmal bewältigen könnte, erscheint fraglich. Möglicherweise käme ihm eine Mentorentätigkeit für ein junges Gruppenmitglied eher entgegen.

Raphael durfte, aus einem jüngeren Jahrgang kommend, sowohl an den Übungseinheiten als auch an einzelnen Prüfungen teilnehmen. Die Prüfungsleistungen stellten eine sehr vielversprechende Probe seiner überragenden Begabung dar, in den Übungen indes erwuchsen dem erfahrenen Lehrpersonal, das selbstverständlich nicht aus Idioten besteht, bisweilen Zweifel an seiner Seriosität. Ein Gespräch ist erwünscht. Thema: Haarschnitt.

Martin erzielte im Betrachtungszeitraum noch einmal deutlich verbesserte Prüfungsergebnisse. Dabei entstand phasenweise der Eindruck, dass er selbst in Ansätzen, vor allem aber sein Umfeld den Fokus etwas zu sehr auf seinen erfolgreichen Abschluss legte. Seine Technikaffinität erscheint nach wie vor verbesserungswürdig, seine Kommunikation nicht. Sieht man von einzelnen Reibereien mit seinem Freund Geronimo ab, ist es gleichermaßen wahrscheinlich wie wünschenswert, dass er der Einrichtung auch künftig mit seinem Auftreten zur Ehre gereicht. Martin erhält einen Preis in Form eines langjährigen Stipendiums.

Shinji wirkte in seinem ersten kompletten Jahr bei uns etwas zielstrebiger und arbeitete entschlossener – mitunter zudem sehr sehenswert – auf den Abschluss hin, ohne bereits all seine Potenziale auszuschöpfen. Er erleichterte maßgeblich die Integration seines Freundes Gotoku und machte Fortschritte bei der Ablaufkoordination mit anderen Mitgliedern seiner Arbeitsgruppe. Noch immer scheint indes unklar, ob er seinen Platz in der Gruppe gefunden hat.

Timo konnte sein Niveau aus dem Vorjahr nicht zuletzt deshalb zu keinem Zeitpunkt erreichen, weil er in aller Regel nicht zu den Prüfungen zugelassen wurde. Dies lag zum kleinen Teil an Krankheiten, zum großen Teil an anderen Gründen, die hier auszuführen zu kompliziert wäre. Seien Sie jedoch versichert, dass die Leitung nicht aus Idioten besteht und gute Gründe hatte. Wir beglückwünschen Timo zu seiner Entscheidung, an eine unserer traditionellen Kooperationseinrichtungen zu wechseln, die sich auf die Rehabilitierung begabter Drop-Outs anderer Einrichtungen spezialisiert hat.

Ibrahima durfte in seinem ersten Jahr an unserer Einrichtung anfänglich sehr regelmäßig als Nachrücker an Prüfungsleistungen teilnehmen, ohne dabei die erhofften Resultate erzielen zu können. In der Folge musste er sich lange darauf konzentrieren, im Rahmen angeleiteter Übungsstunden an seinen Defiziten zu arbeiten; krankheitsbedingte Fehlzeiten und ein längerer Heimaturlaub kamen hinzu. Erst ganz am Ende des Betrachtungszeitraumes nahm er nochmals an einigen Prüfungen teil und punktete speziell im Rahmen eines Automobilprojekts. Ein Gespräch ist erwünscht.

Johan konnte krankheitsbedingt das ganze Jahr über nicht mit der Gruppe arbeiten, nachdem bereits im Vorjahr die Übernahme nur auf Probe erfolgt war. Gleichwohl wird er im neuen Jahr noch einmal die Möglichkeit erhalten, sich zu bewähren und die positiven Eindrücke, die er bei seinen allerersten Prüfungsleistungen vermittelt hatte, zu bestätigen.

Julian kehrte im vergangenen Sommer von einem Austauschprogramm zurück, in dessen Verlauf er so schwer erkrankt war, dass er bis zum Winter an keiner Prüfung teilnehmen konnte. Entsprechend schwer fiel ihm die Reintegration – das ganze Jahr über blieb ihm zumeist nur ein Platz am Rand der Gruppe –, entsprechend verbesserungswürdig waren auch die ersten Prüfungsergebnisse. Nach dem Winter stabilisierte er sich etwas, ohne jedoch die Erwartungen erfüllen zu können. Seine Abschlussfokussierung steht indes nicht in Frage, wie er jüngst in einem Geographieprojekt unter Beweis stellte. Das Thema lautete „Westfalen“ und gilt derzeit als sein persönliches Steckenpferd. Ein Gespräch ist unumgänglich.

Geronimo hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Nur 12 von mehr als 30 Prüfungen durfte er vollständig bearbeiten, 13 mal konnte er sich nur als Nachrücker einbringen, mit teilweise überschaubar positiven Ergebnissen. Parallel zu seiner mitunter zu deutlich zur Schau getragenen Unzufriedenheit litt auch sein Ansehen in der Gruppe. Gleichwohl ließ er in seinen Anstrengungen nicht nach und wirkte gerade zum Ende hin in seinem Auftreten wieder zielorientierter. Umso bedauerlicher ist es, dass er, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen, nicht an der Sommeruni teilnehmen darf und so einen weiteren Rückschlag erleidet. Ein Gespräch ist erwünscht.

Vedad kam im Winter an unsere Einrichtung und beeindruckte von Beginn an mit seiner klaren Abschlussorientierung. Erfreulicherweise stellte er seine Vorbereitungsmaßnahmen auch seinen Freunden ausnehmend freigiebig zur Verfügung. Sein bereits nach kürzester Zeit ausgeprägtes Verständnis hiesiger Abläufe erleichterte seine Integration zudem und ermöglichte zielgerichtete Gruppenerarbeiten, insbesondere mit seinem Freund Martin. Vedad erhält ein Lob.

Pavel zeigte sich einmal mehr überaus bemüht und engagiert, ohne allerdings die erhofften Prüfungsergebnisse zu erzielen. Seine schwach ausgeprägte Technikaffinität und die grundsätzlichen Zweifel an seiner Abschlussfähigkeit führten letztlich dazu, dass wir seinen Wunsch, an einer ausländischen Einrichtung eine neue Sprache zu erlernen, beförderten.

Christoph wechselte im Sommer aus einer aufstrebenden Nachbareinrichtung zu uns und durfte im Herbst an einzelnen Prüfungen teilnehmen. Aufgrund der auch im Rahmen der regelmäßigen Übungsstunden gesammelten Eindrücke erscheint fraglich, ob der den Anforderungen gerecht werden kann. Ein Gespräch ist erwünscht.

Bruno begann sein erstes komplettes Jahr mit einer Reihe erfolgreicher Prüfungen, ohne dabei die im Vergleich zum Vorjahr erhofften eleganten Lösungsansätze zu finden. Im weiteren Verlauf ließen zunächst die Ergebnisse deutlich nach, und erst, als seine Jahresprüfungen und damit seine Zukunft in Frage standen, gelang es ihm wieder, die Konzentration auf das Wesentliche zu lenken und das Jahr erfolgreich zu beenden. Seine Herangehensweise wirkt gleichwohl mitunter althergebracht, frischen Lösungsansätzen kann er wenig abgewinnen oder sie gar selbst entwickeln. Seine Orientierung am Einrichtungsleitbild ist vorbildlich, seine Demut im Angesicht des großen Ganzen beispielgebend, sein Festhalten an der eigenen Herkunft mustergültig. Gespräche sind erwünscht.

Fredi machte sich im abgelaufenen Jahr in besonderem Maß um unsere Einrichtung verdient. Trotz geringer Spielräume gelang es ihm in einer koordinierenden Funktion, die Arbeitsgruppen ausgewogen zusammenzustellen und anzuordnen. Vor allem aber übernahm er zahlreiche kommunikative Aufgaben, die somit nicht von der Einrichtungsleitung wahrgenommen werden mussten. Zudem gelang es ihm, die Alumni und den Förderkreis vom Tagesgeschäft zu entlasten. Er machte sich um die stärkere Förderung jüngerer Jahrgänge verdient, indem er neue Mentoren und einen Koordinator gewann. Leider wurden die Pläne, die so geförderten Hochbegabten regelmäßig zu Prüfungsleistungen heranzuziehen, nicht in die Tat umgesetzt – was sowohl bei den jungen Leuten selbst als auch bei den Mentoren als auch im Umfeld zu Verdruss geführt hat. Fredi erhält ein Lob. Gegen den Frust.

Gerd kam im vergangenen Sommer nach langwierigen Aufnahmediskussionen an unsere Einrichtung und verhielt sich zunächst angenehm zurückhaltend. Erst zum Ende des Betrachtungszeitraums verdiente er sich im Bemühen um eine neue Einrichtungsuniform ein Sternchen. An Prüfungen durfte er nicht teilnehmen, andersartige Leistungsnachweise erbrachte er ansonsten nicht. Im Frühjahr zog er die Bedeutung deutscher Dichtkunst in Zweifel, wurde eines Literaturprojekts verwiesen und beleidigte Außenstehende, die sich vorsichtig kritisch zur Einrichtung geäußert hatten. Wie er vor diesem Hintergrund einem Verweis entgehen konnte, ist unergründlich. Gesprächskultur ist erwünscht, ein persönliches Gespräch nicht.

Wieso denn dann nicht Niedermeier?

„Von der ersten Minute an zeigte er sich engagiert, forderte den Ball, beschwerte sich, wenn er ihn nicht bekam, und so kam es nicht einmal unerwartet, dass gerade er derjenige war, der bereits mit seinem dritten oder vierten Ballkontakt und feinem Füßchen Cacau in Szene setzte und so einen Treffer für den VfB einleitete.“

Hätte man sich durchaus vorstellen können, so einen Text, oder auch so einen TV-Kommentar, über den Stuttgarter Debütanten Raphael Holzhauser. Zum einen, weil er den Tatsachen entsprochen hätte, zum anderen, weil eine solche Kommentierung wohl impliziert hätte, dass es noch um etwas gegangen wäre.

Tat es aber nicht. Das Spiel war längst zu Schalker Gunsten entschieden. Und so redete kaum jemand über den jungen Mann. Was vielleicht auch ganz gut ist, sonst würden nicht nur wir unentwegten Nachwuchsforderer, die wir ohnehin jeden seiner Schritte von der Einwechslung bis zum Schlusspfiff mit Argusaugen verfolgten und sehr zufrieden waren, sondern gleich wieder halb Fußballdeutschland und vor allem ganz Fußballösterreich Wunderdinge von ihm erwarten. Also belassen wir es unsererseits bei einem knappen Lob, wohl wissend, dass es nun wahrlich keine allzu große Kunst war, angesichts der Leistungen der Kollegen positiv aufzufallen.

Schön, dass sich der Trainer dem Niveau anpasste und sich nicht entblödete, in Beantwortung der Frage, woran es gelegen habe, auf die offensichtlichste, aber auch billigste aller Antworten hinzuweisen: an den Standards. Da kann die eigene Unfähigkeit, den Ball strukturiert und nach Möglichkeit gar gefährlich nach vorne zu tragen, gerne mal außen vor bleiben, oder die noch eigenere Unfähigkeit, in so einem Spiel den richtigen Impuls von außen zu setzen.

Leider, nein: zum Glück steigt die Torgefahr nicht proportional zur Anzahl der Stürmer, die sich auf dem Platz tummeln. Ganz abgesehen davon, dass weder Cacau noch Pogrebnyak noch Schieber noch Okazaki per se furchteinflößend auf die gegnerische Abwehr wirken, hülfe es möglicherweise, wenn man auch noch jemanden auf dem Feld hätte, der den Ball in Tornähe bringen kann. Zumal dann, wenn mit Tamas Hajnal derjenige, der vor dem Spiel dazu auserkoren worden war, diesem Anspruch ganz offensichtlich nicht gerecht werden konnte. Anstatt nach einer desillusionierenden Leistung (Oder darf man das nicht sagen, wenn man aus Sicht des Trainers im Grunde mehr vom Spiel hatte?) den einzigen auf der Bank verbliebenen Offensivspieler zu bringen, der Ideen hat und sie über kurz oder lang auch umsetzen kann, setzt man nach einer Stunde auf die Brechstange, ohne aber jemanden zu haben, der sie zum Einsatz bringen kann? Da wäre es ja noch kreativer gewesen, wiederum Niedermeier in die Spitze zu stellen und Langholz zu fahren.

Ach, lassen wir’s. Und freuen uns auf Holzhausers nächsten Auftritt. Vielleicht schon bald, wenn wieder einmal mindestens sechs etablierte Spieler nicht zur Verfügung stehen, vielleicht schon am 34. Spieltag, so der Klassenerhalt bis dahin gesichert ist.

Die Haare hat er übrigens auch schön. Privileg der Jugend.

Eine Frage der Zieldefinition

„Wir sind trotz allem auf einem guten Weg.“

So lässt sich Fredi Bobic nach der Niederlage in Bremen in den Stuttgarter Nachrichten zitieren, und man fragt sich, wohin dieser Weg führen soll.

Ich hatte ja das, wie mir viele Leute ungefragt bestätigten, große Glück, das Spiel gegen Augsburg nicht sehen zu können. Unglücklicherweise versäumten diese Leute, mir zu sagen, dass ich auch die Partie in Bremen lieber mit der Familie als in irgendeiner Fußballkneipe verbringen solle. Womit ich nicht diesen Menschen die Schuld geben will. Ich hätte es ja selbst merken können, spätestens in dem Moment, als mir die Fußballkneipe meines Vertrauens recht lapidar eröffnete (mit einem banalen Schildchen, quasi lapidar as lapidar can), dass ihre Pforten bis 17 Uhr geschlossen bleiben würden. Doch anstatt nach Hause zu gehen, brach ich in betriebsame Hektik aus und machte mich mit dem Mitschauer, ebenfalls meines Vertrauens, auf die Suche nach kurzfristig verfügbaren Alternativen. Sind ja schließlich immer spektakuläre Spiele in und gegen Bremen.

Und spektakulär war es. Zumindest in der Phase, als Ulreich allein gegen den Bremer Sturm antrat – also in den ersten 40 Minuten. Halbwegs spektuläre Angriffsaktionen (befördert durch Abwehrfehler, die man fast schon als, tja, spektakulär bezeichnet werden könnte) wurden durch spektakuläre Paraden zunichte gemacht.

Vielleicht hätte Fredi Bobic bei Martin Harnik nachfragen sollen, wie der denn das Spiel gesehen habe („Wenn wir so spielen, müssen wir uns Sorgen machen“), oder gerne auch bei Serdar Tasci („Man sieht, dass wir da oben nichts zu suchen haben“), ehe er von einem „guten Weg“ sprach. Aber vielleicht ist „da oben“ ja auch gar nicht da, wo sein Weg hinführen soll. Vielleicht sollte man einfach nicht vergessen, wo man herkommt. Sich daran erinnern, wo man vor einem Jahr stand, demütig sein.

Sarkasmus hin, Zynismus her: ich bin demütig. Mir ist sehr wohl bewusst, dass man sich in Cannstatt glücklich schätzen darf und muss, diese Saison noch in der Bundesliga zu spielen. Im Grundsatz wäre ich noch immer, wie mehrfach gesagt und geschrieben, zufrieden, wenn der VfB in der ganzen Saison zu keinem Zeitpunkt mit Sorge auf die Abstiegsplätze sehen müsste, könnte mit dem Schlagwort „Übergangssaison“ leben. Allein: eine Übergangssaison zeichnet sich dadurch aus, dass man Weichen stellt. Dass man definiert, wo die Reise hingehen soll, und vor allem wie, und dass sich das auch in der Spielweise andeutet. Finde ich. „Hoffen auf Harnik und Hajnal“ ist nicht das, was ich mir unter einer solchen Spielweise vorstelle.

Ein seriöses Urteil über die Entwicklung der Nachwuchsspieler kann ich mir nach wie vor nicht erlauben, und natürlich weiß ich nicht, welche Eindrücke die Spieler im Training hinterlassen. Aber es erscheint mir nicht richtig, wenn Christoph Hemlein (den ich keineswegs für einen Heilsbringer halte) am Fernseher zusehen muss, wie Pavel Pogrebnyak die (zugegebenermaßen sehr wenigen) Bälle, die er bekommt, nahezu ausnahmslos binnen Sekunden dem Gegner übergibt. Es irritiert mich, dass auch ein angeschlagener Okazaki den Vorzug vor Timo Gebhart erhält, über den man wohlwollend wenigstens sagen könnte, dass der, der viel macht, auch viele Fehler macht.

Es will mir nicht in den Kopf, dass man „auf einem guten Weg“ sein soll, wenn Dinge, die in dieser Saison schon hervorragend funktioniert haben, nunmehr wieder so weit entfernt scheinen. Die Stabilität und Solidität in der Abwehr, nicht zuletzt dank des Zusammenspiels zwischen Tasci und Maza: dahin. Die Effektivität, Souveränität und gelegentlich auch Brillanz im Zentrum, verkörpert von Kvist, Kuzmanovic und Hajnal: perdu. Mutiges Offensivspiel, wie wir es insbesondere gegen Dortmund gesehen haben: Fehlanzeige.

Dabei hat sich Werder gar nicht komplett eingeigelt – dass der VfB dann noch immer, und man möchte fast sagen: traditionell, Schwierigkeiten hat, ist unstrittig, und ist auch eine Herausforderung, die sich möglicherweise nur Zug um Zug angehen und bewältigen lässt. Genauso wenig sind die Bremer eine Übermannschaft, gegen die man nicht aus der eigenen Hälfte herauskommt. Außer natürlich, man ist nicht in der Lage, den Ball über drei, zwei oder auch nur eine Station aus der eigenen Abwehr heraus in die gegnerische Hälfte zu tragen. Dann wird es schwierig, wie wir gestern gesehen haben – in besonderem Maße, aber beileibe nicht nur, bei Kuzmanovic.

Mir wäre nach schwadronieren. Über Boulahrouz‘ (und nicht nur seines) Abwehrverhalten vor dem 1:0. Über Hajnals Kopfball vor dem 2:0, der mich verblüffend an Matthäus‘ Rückpass auf Wörns erinnerte, damals, Sie wissen schon. Nur dass Kvist nicht den Wörns gab, sondern – richtigerweise – zurückzog. Und das Foul Boulahrouz überließ, wofür Naldo dankte. (Eine Frage an möglicherweise anwesende Experten: Aus meiner Sicht war Wolfs Sperren gegen Kvist, der sich aus der Mauer heraus in den Weg werfen wollte, grenzwertig. Vielleicht mehr als das. Abgesehen davon, dass Wolf Kvist einen Gefallen getan haben mag, und dass ich weit davon entfernt bin, am Ergebnis und an Herrn Kinhöfers Leistung herumdeuteln zu wollen: Kann man das abpfeifen? Sollte man das abpfeifen?)

Aber wer weiß? Vielleicht waren die VfB-Spieler ja auch nur abgelenkt ob der historischen Bedeutung dieses 27. November. Vielleicht beschäftigte sich Boulahrouz im Spiel intensiv mit Tunnelbauweisen? Möglicherweise entschied sich Harnik tatsächlich in letzter Sekunde gegen die Kopfvariante? Hatte Bobic bei seinem Interview die ersten Abstimmungsergebnisse im Sinn?

(Verzeihung, ich stehe ein wenig neben mir.)

Hoffenheim, ey – typisch mein Alter!

Man bekommt ja mitunter recht wenig mit von so einem Fußballspiel, wenn man einen Neuling mit ins Stadion nimmt. Kurt Schmidtchen weiß ein Lied davon zu singen, wohl auch so manche regelmäßige Stadiongängerin, die einmal versucht hat, dem fußballerisch unbeleckten Herrn ihres Herzens ihre Leidenschaft für das Spiel nahe zu bringen (und grandios gescheitert ist), und ich selbst hatte das Problem auch schon einmal, wenn auch mit vertauschten Rollen: die junge Dame hatte zwar im Vorfeld ein gewisses Grundinteresse am Fußball bekundet und Vorerfahrungen ins Feld geführt; die Gespräche im Stadion – ich war der einzige Ansprechpartner – boten indes hinreichend Anlass, sowohl an den Vorerfahrungen als auch am Grundinteresse zu zweifeln. Ganz zu schweigen von der Bekleidungskompetenz, was spätestens ab der 30. Minute ein zunächst an sich selbst, später zunehmend eindeutig auch an mich gerichtetes Wehklagen ob der unerwarteten Kälte mit sich brachte. Die sich, aber das ist nur eine kaum fundierte Vermutung meinerseits, ihren Weg durch die hauchdünnen Sohlen gebahnt haben dürfte. Insbesondere am Vorderfuß, aufgrund wesentlich größerer Bodennähe.

Es handelte sich übrigens nicht um die Dame meines Herzens, und auch die vorab möglicherweise latent vorhandene Bereitschaft, in diesem Kontext „noch nicht“ zu denken bzw. Jahre später zu schreiben, nun ja, sie schwand. Interessant übrigens, wie vertraut „Dame meines Herzens“ klingt, während ich oben beim „Herrn ihres Herzens“ zögerte. Wieso ist es völlig normal, eine Dame des Herzens zu haben, während ein Herr des Herzens eher kritisch beäugt wird? Oder geht das nur mir so? Liegt es daran, dass der Herr gleich nach einem Herrscher klingt, den wir mit dem Herzen eher ungern in Verbindung bringen? An den Herren, die nicht zu herzlich wahrgenommen werden wollen? Oder müssen wir eher die Historie bemühen, Rollenverteilungen betrachten, aus denen heraus derlei Redewendungen entstanden oder eben nicht entstanden sind, verzweifelte Minnesänger, die ihr Herz bedingslos an eine Frau verschenkten, ohne ihres je gewinnen zu können? Interessiert keinen? Und keine? Ist außerdem hanebüchen? Ok. Dann halt zurück ins Stadion.

Ins Neckarstadion, um genau zu sein, wo ich am vergangenen Samstag mit einem weiteren Neuling war, und wo ich in der Tat deutlich weniger vom Spiel mitbekam als sonst. Sicher, ich sah die Tore, auch die meisten Torchancen (waren ja nicht so viele), im Grunde alles auf den ersten Blick Wesentliche, weit mehr als das, was man je im Sportstudio erfahren würde; und doch wäre ich nicht in der Lage, die Leistungen einzelner Spieler seriös zu beurteilen. Spiel ohne Ball, Laufwege, Angriffsstrategien, für all das fehlte ein wenig das Auge, phasenweise gar für die unscheinbare Effektivität des William Kvist. Dass Cacau Martin Harnik am Torschuss hinderte, klar, das hab ich gesehen, Pogrebnyaks in der ersten Halbzeit eher glückloses und später belohntes Engagement auch, die Schnelligkeit seiner Bewegungen vor dem 2:0, die für das menschliche Auge, zumindest für das von Isaac Vorsah, schlichtweg nicht zu erfassen waren. Hajnals gedankliche Frische war zu erahnen, Gebharts Stimmungslage ist ohnehin klar, Okazakis Standfestigkeit war erneut unübersehbar und erinnert fast schon an Neven Subotic. Babak Rafati hat sich unverkennbar stets bemüht. Und Christian Gentner war zu kurz auf dem Platz, um Andreas Becks Einschätzung, wonach es in der Bundesliga „nicht viele Spieler [gebe], die so schnell sind wie er“, gemeint war Gentner, glaubhaft nachweislich zu widerlegen. (Aber die Frage, ob alle mir bekannten VfB-Anhänger ein Geschwindigkeitseinschätzungsproblem haben oder ob Herr Beck seinen Beruf nicht ernst genug nimmt, könnte bei Gelegenheit einmal Gegenstand einer Erörterung werden.)

Ich bin mir nicht sicher, ob es meinem Sohn dereinst allzuviel Anerkennung einbringen wird, wenn er die Frage nach seinem ersten Stadionbesuch mit „5 Jahre, natürlich im Neckarstadion, am 15. Oktober 2011, in der neuen Cannstatter Kurve, 2:0 gewonnen, gegen, äh, Hoffenheim“ beantwortet. Da gäbe es wohl Namen mit einem besseren Klang, vermutlich nicht nur nach heutigem Ermessen. Für mich war es gleichwohl ein großartiges Erlebnis. Und ich müsste mich schon schwer täuschen, wenn es für meinen Großen, der manchmal auch mein Kleiner ist, nicht auch so gewesen wäre, auch wenn er lange Zeit nicht allzu viel gesagt hat. Er ist ja nicht so der extrovertierte Typ, und 55.000 Menschen, von denen einige in nächster Nähe rumbrüllen (der auf freundliche Empfehlung eingesteckte Lärmschutz störte und wurde rasch entfernt), können einen schon mal ein wenig schweigsam werden lassen. Zumal die Rechnung, wieviele Plätze denn frei waren, wenn eigentlich 60.000 Leute reinpassen, auch ein wenig Konzentration verlangt. Oder die Frage, woran man denn nun erkenne, welcher Hoffenheimer ein Abwehrspieler sei, und eben kein Mittelfeldspieler oder Stürmer, wo doch alle gleich blau seien, man zur Klärung der Abseitsfrage aber immer den hintersten Abwehrspieler heranziehen müsse (ja, den Sonderfall mit dem Torwart ließ ich weg, den Trend zur Polyvalenz auch). Zudem galt es, die Bedeutung der gelb hinterlegten Namen auf der Anzeigetafel zu klären, und gemeinsam rätselten wir, ob ein des Feldes verwiesener Spieler fortan in rot oder gar nicht mehr in der Aufstellung geführt werde. Die betriebswirtschaftlichen Vorteile von Wechselbanden, deren naturgemäß wechselhafter Charakter mit dem Wunsch nach dem Verbleib einer bestimmten und besonders hübsch animierten Werbung kollidierte, wollten ebenso hinterfragt werden wie die Funktionsweise einer Bezahlkarte, die ich am Samstag erstmals auflud, der unverzichtbaren roten Premierenwurst wegen, und zum Einsatz brachte. Für seine Kinder schmeißt man halt mitunter sämtliche Überzeugungen über Bord (und sieht sie sogleich bestätigt, aber das nur am Rande). War übrigens die Karte des verhinderten Mitstadiongängers – die paar verbliebenen Euro darf er gerne haben, und ich kann weiterhin die Boykottmonstranz vor mir hertragen.

Anhänglich war er, der Sohn. Das freut den Vater, nicht nur, weil er inmitten der Menschenmengen panische Angst hat, den Sohn aus den Augen zu verlieren. Während des Spiels, zugegeben, war diese Anhänglichkeit zeitweise eine körperliche Herausforderung. Wir stehen ja auf Sitzplätzen. Falsch. Früher standen wir auf Sitzplätzen, bzw. auf den Sitzen. Seit einigen Jahren stehen wir vor den hochgeklappten Sitzen. Mein Kleiner (wird er gar nicht so lustig finden, diese Bezeichnung, wenn er das hier dereinst nachliest, was vermutlich nicht der Fall sein wird) stand tatsächlich auf seinem Sitz, und der ganz normal überfürsorgliche Vater musste ihn natürlich darauf hinweisen, dass er mindestens einen Fuß vorne platzieren solle, um ein Kippen zu vermeiden. Mit der Konsequenz, dass er zur Sicherheit erst einmal sitzen wollte. Und nichts sah. Also versprach ich, sowohl seinen Sitz als auch ihn selbst ein wenig zu stützen. Korrekter: ihn zu stützen und den Sitz zu drücken. Nun, wer ein wenig gestützt wird, neigt ja gerne mal dazu, sich mehr und mehr stützen zu lassen. Und dann ist es gar nicht mal so trivial, einen neben sich angebrachten Klappsitz mit dem Knie nach unten zu drücken und gleichzeitig den darauf halb stehenden und versuchsweise mit dem Gesäß hinten anlehnenden jungen Mann mit einem Arm gegen das Nach-Hinten-Fallen abzusichern (Vorsicht, letzte Reihe, nach hinten fällt man anderthalb Meter tief), der sich zudem in einem 60-Grad-Winkel nach links neigt und einem zur Sicherheit anderthalb Arme um den Hals gelegt hat. Hat keiner verstanden, ne? Auf jeden Fall kann man sich so, mit wunderbar eng beieinander liegenden Köpfen, auch bei höherem Lärmpegel vergleichsweise gut unterhalten. Und sich gegenseitig Fangesänge vorsingen, was den Vater in der Zuhörphase ein wenig anfasst. Wer will da schon Fußball schauen?

Erwähnte ich übrigens, dass er – vermutlich ist es doch eher müßig, es zu erwähnen – ein Trikot trug? Eines, das ich 2007 kurz vor der Meisterschaft gekauft hatte. (Ist es unfair, genau an dieser Stelle auf Herrn Wieland zu verweisen, dessen Sohn auch dereinst ein erstes Mal erlebte?) War ihm natürlich viel zu groß, damals, mit anderthalb Jahren, 128 war die kleinste (noch?) verfügbare Größe gewesen, aber wen sollte das bei der Meisterfeier stören? Jetzt passt es. Und ist immer noch groß genug, um den einen oder anderen Pulli drunter zu tragen. Bisschen blöd, das, ich würde ihm doch gerne mal wieder ein neues kaufen. Wobei: vielleicht können wir so das Thema Gazi noch aussitzen, wäre ja auch nicht verkehrt.

Hinterher hat er gesagt, er wolle bald wieder einmal mit, mein Großer. Was will man mehr?

Wohlwollend neutrale Illusion

So richtig neutral bin ich ja eigentlich nicht. Sicher, ich bemühe mich, Fußballspiele objektiv zu betrachten, oder ich rede mir ein, mich darum zu bemühen. Tatsächlich weiß ich, wenn ich denn mal ehrlich zu mir selbst bin, dass mich ein Spiel nur dann wirklich fesseln kann, wenn ich zumindest ein kleines bisschen mit einer Mannschaft fiebere. Dass sich das bei zwei Teams, die mir im Grunde eher egal sind, auch mal während des Spiels ändern kann, steht auf einem anderen Blatt. Kurz: analytisch-neutral ist meine Sehweise eher nicht. Vor allem dann nicht, wenn der VfB Stuttgart involviert ist. Dann versuche ich zwar immer noch, das Spiel halbwegs objektiv zu verfolgen, aber es gelingt nur bedingt. So wird es sich demnach auch mit der neuen Saison verhalten, die der VfB selbstverständlich ganz entscheidend mitgestalten wird.

Neue Saison? Genau, neue Saison. Nächste Woche geht’s los, oder vielleicht schon morgen, mit dem DFB-Pokal. Schließlich hat Fredi Bobic den Pokalsieg als Saisonziel ausgegeben. Meine persönlichen Erwartungen an den VfB 2011/12 sind, was messbare Größen anbelangt, tendenziell bescheiden. Mir würde es reichen, wenn der VfB nie in Verbindung mit dem Wort Abstiegsangst genannt würde. Das dürfte bedeuten, dass man sich immer um Rang 10 herum oder noch etwas weiter oben bewegt. Mehr braucht es für mich gar nicht zu sein, nach der abgelaufenen Katastrophensaison. Sicher, wenn man dann am 28. Spieltag Achter ist und nur 5 Punkte Rückstand auf die Uefa-Cup-Plätze hat, kann ich damit umgehen, aber ich bin a priori auch mit weniger zufrieden. Was die Ergebnisse anbelangt. Und ich bin überzeugt, dass ich an der Stelle nicht enttäuscht werde.

Ich freue mich darauf, endlich wieder einmal im August und im Mai den selben Trainernamen rufen zu dürfen. Ich hoffe auf Timo Gebharts nächsten Schritt und Martin Harniks Bestätigungssaison, rechne mit Serdar Tascis Comeback in der Nationalelf, bin guter Dinge, dass William Kvist alle Vorschusslorbeeren rechtfertigt und uns bald an Pavel Pardo erinnert, erwarte die Fortsetzung von Zdravko Kuzmanovic‘ Rückrundenleistungen. Ich will daran glauben, dass Christian Gentner noch zeigt, warum er dereinst Nationalspieler wurde, und dass Pavel Pogrebnyak doch ein Torjäger ist. Vielleicht muss ich gar Stefano Celozzi Abbitte leisten, wer weiß? Und ich hoffe auf Duftmarken, vielleicht mehr als das, von Raphael Holzhauser oder gar Kevin Stöger, von den defensiven Nachwuchsspielern ohnehin angesichts der derzeitigen Situation.

Aber egal, ich will jetzt nicht den ganzen VfB-Kader herunterbeten, nur weil ich mich so unheimlich auf die beginnende Saison freue. Zumal die Freude zwar in hohem Maße, aber eben nicht nur den Stuttgartern geschuldet ist. Ich freue mich, dass es wieder los geht. Und wenn ich jetzt noch einmal ein wenig versuche – was heute sicher leichter fällt als in ein paar Wochen, wenn der VfB gegen den entsprechenden Verein antritt -, mich der Illusion hinzugeben, ich sei ein wohlwollend neutraler Zuschauer, dann freue ich mich wie Bolle auf Raúl. Sein Auftreten, sein Auge, seine Ballführung, seinen Instinkt. Und darauf, wie Ralf Rangnick die Schalker zu ansehnlichem Fußball zwingt. Auf Kapitän Höwedes und auf den Tag, an dem ein überragender Lewis Holtby Felix Magath eine lange Nase macht. Ich freue mich auf Kapitän Tiffi und auf Richie Sukuta-Pasus Durchbruch, kann schon jetzt den Namen Knowledge Musona gar nicht oft genug vor mich hin sagen, erwarte gespannt die Freistöße von Salihovic, Sigurdsson, vielleicht auch Babel, und will Sebastian Rudy mit Boris Vukcevic glänzen sehen.

Auch in der neuen Saison werde ich mich nicht ohne einen Schuss Bewunderung über Johannes Flum aufregen, ob der Karriere von Julian Schuster wieder und wieder den Kopf schütteln, Ivica Banovic ein wenig huldigen und mich ganz tief vor Dirk Dufner verneigen, wenn Garra Dembélé Torschützenkönig wird. Ich bin überzeugt, dass mir des Prinzen Reaktion Spaß machen wird, Rensings Reaktionen sowieso, und auf Solbakken freue ich mich ohnehin, auch wenn ich den Grund nicht recht benennen kann. Götze, Hummels, Kagawa – noch Fragen? Dazu Gündogan und der hochgelobte Perisic. Der junge Löwe? Und, natürlich, Großkreutz. Auf Patrick Mayer bin ich sehr gespannt, auf den alten Mann im Tor und auf Dominic Peitz, den ich an seiner alten Wirkungsstätte so schätzte. Ich freue mich auf Michael Ballacks Trotzreaktion, auf Leverkusen à la Dutt, auf Castros Versuch, im Mittelfeld zu zeigen, was er alles drauf hat, auf Kießlings Comeback als Torjäger und Schürrles Zielstrebigkeit.

Es wird mir ein Vergnügen sein, Lasogga regelmäßiger spielen zu sehen, Raffael sowieso, auch Lustenberger. Schön, dass Kobiashvilis Eleganz in die Liga zurückkehrt, und ja, auch gut, dass ihr Maik Franz erhalten bleibt. Auch in dieser Saison wird mir (fast) jedes Gomez’sche Argument gegen die Nörgler ein Fest sein, und derer wird es viele geben. Ich freue mich, Müller und Schweinsteiger zuzusehen, und setze auf Kroos und Alaba. Dantes Frisur habe ich viel zu lange vermisst, Favres Interviews auch, und Marco Reus beeindruckt mich in einer Tour. Ich wünsche Christian Pander das Allerbeste, möge er mit Koka Rausch die linke Seite unsicher machen, Cherundolo würde ich ja mögen, wenn er mich optisch nicht so sehr an Steffen Simon erinnerte, vor Slomka und Schmadtke ziehe ich ohnehin meinen Hut. Natürlich bin ich sehr gespannt, wie und wo der geschätzte Träschi spielt, freue mich auf Brazzos Rückkehr und würde Patrick Helmes so ganz grundsätzlich das Wiederfinden verlorenen Schussglücks wünschen. Aber ich sehe halt auch Lakic gern und verneige mich vor Mandzukic.

Hach, Heinz Müller. Wäre für mich der Kandidat schlechthin für die Verfilmung des Traumhüters. Auf Baumgartlinger bin ich sehr gespannt, und auf Tuchels Interviews, wenn die Sonne nicht mehr so oft scheint. Mal sehen, wie sich Wollscheid macht, und Cohen, und Chandler. Didavi natürlich, und Feulner würd ich’s nochmal gönnen. Mehmet Ekici und Marko Marin – klingt doch vielversprechend, oder? Als Sidekicks für Marko Arnautovic, der eine überragende Saison spielt. Und Pizarro ist einfach… Pizarro. Natürlich freue ich mich auf Chelseas Jugendabteilung, so sie denn zum Einsatz kommt. Auf Petric und Son. Auf Michael Oenning.

So könnte es sein, wäre ich wohlwollend neutral. Illusorisch, das. Sagte ich eigentlich schon, dass ich mich auf das neue Neckarstadion freue? Auf die jungen Spieler, die hoffentlich ihre Duftmarken setzen? Ja, sagte ich schon? Nannte ich Stöger und Holzhauser? Und, ähem, Leno?

Wie auch immer: ich freu mich. Auf alles. Zeit wird’s.

Verbalbeurteilung 2011

Einmal mehr erzielte die Gruppe im zweiten Halbjahr deutlich bessere Ergebnisse als im Herbst. Das Gesamtniveau lag dabei weit unter dem des Vorjahres oder jenem aus der Periode 2008/2009. Die Leistungen des ersten Halbjahres dürften zum Teil auf eine mangelnde Vorbereitung in den Sommermonaten zurückzuführen sein, was jedoch angesichts der hohen Zielsetzungen unserer Einrichtung nur bedingt als Erklärung gelten darf. Dem neuen Lehrpersonal, das die Gruppe im Dezember nach einem mehrwöchigen Ausfall übernahm, gelang es gerade noch, die Abschlussprüfungen in einem größeren Kraftakt angemessen vorzubereiten.

Als gescheitert muss man den gruppendynamischen Versuch ständig wechselnder Plätze betrachten. Zwar gelang es, nahezu jedes Mitglied der Gruppe mindestens einmal rechts hinten zu platzieren; positive Einflüsse auf das Gruppenklima oder die Leistung waren indes nicht zu beobachten, vielmehr traten nennenswerte Koordinationsprobleme auf.

Sven hatte zunächst gewisse Schwierigkeiten, seine Position in der Gruppe zu finden, nachdem ihn das Lehrpersonal erst nach Intervention der Einrichtungsleitung in der Gruppe belassen hatte.*   Seine Leistungen waren zunächst selten kreativ und vorwärts gerichtet, zumindest aber ausreichend. Im Lauf des Jahres gewann er, dank nach kurzfristig verordneter Nachhilfe durch ein älteres Gruppenmitglied, an Sicherheit, Ansehen und Souveränität, um so teilweise wesentlich zum Erfolg von Gruppenarbeiten beizutragen. Nach wie vor fällt ihm der Umgang mit vermeintlichen Ungerechtigkeiten schwer.

* Aus anderen süddeutschen Einrichtungen ist bekannt, dass vergleichbare Konflikte zwischen Lehr- und Leitungspersonal dem Gesamtklima abträglich sein können.

Marc kam im Sommer neu zur Gruppe, kannte aber die Einrichtung bereits aus früheren Jahren und traf eine Reihe alter Freunde wieder, sodass die Integration unproblematisch verlief. Obwohl er ursprünglich nicht für Prüfungsleistungen vorgesehen war, forderte ihn das neue Lehrpersonal zwischenzeitlich zu stärkerer Beteiligung auf. Nach einem Sportunfall wurde dieser Plan wieder verworfen. Im neuen Jahr dürfte er noch stärker in die Hausaufgabenbetreuung einbezogen werden.

Cristian konnte nur selten an seine Leistungen aus dem Vorjahr anknüpfen. Die Trennung von seinem Freund Aliaksandr wog offenbar schwerer als zunächst angenommen. Er wirkte gedanklich nicht immer frisch, kommunizierte mit seinem neuen Nachbarn nur unzureichend und reagierte auf Kritik mitunter unwirsch. Ein Gespräch ist erwünscht.

Arthur trat häufig offensiver auf als in den Vorjahren, was der gesamten Gruppe gut tat. Leider hatte er erneut eine Reihe von Fehlzeiten zu verzeichnen, fand nach seiner Erkrankung jedoch recht rasch wieder den Anschluss an die Gruppe. Seit einigen Monaten zeigt er zuvor ungeahntes Interesse für die hiesige Kultur und deren Exponentinnen.

Matthieu hat ein schwieriges Jahr hinter sich, geprägt von zahlreichen Fehlzeiten, die nicht selten selbst verschuldet waren. Anders als in den Vorjahren wirkte er des Öfteren impulsiv und war seinen Freunden nur noch in geringerem Maß ein Vorbild. Wurde zuletzt von einigen Prüfungsleistungen befreit. Die Übernahme ins nächste Jahr erfolgt auf Probe.

Serdar hatte zu Beginn einige Schwierigkeiten zu bewältigen, die zum Teil mit seinen missglückten Sommerferien zusammen hingen. Erfreulicherweise hatte er jedoch deutlich weniger Fehlzeiten als in den Vorjahren und schaffte es, sowohl die vorübergehend aufscheinenden Motivationsdefizite zu überwinden als auch seine Leistungen zu stabilisieren. Speziell im Frühjahr war er zudem in der Lage, die verunsicherten Freunde zu beruhigen. Wenn er so weiter macht, kann er demnächst wieder an einrichtungsübergreifenden Wettbewerben teilnehmen.

Georg musste zunehmend Verantwortung übernehmen und wirkte dabei insbesondere im Herbst vielfach nachlässig, gelegentlich auch überfordert. Teilweise schienen wichtige Grundlagen zu fehlen. Seine Bemühungen blieben jedoch stets vorbildlich, auch dank dem einen oder anderen Erfolgserlebnis, das die Gruppe zu würdigen wusste. Seine technische Kompetenz, gepaart mit Zielstrebigkeit, trug im Zusammenhang mit einem grünen Mobilitätsprojekt wesentlich zum Erfolg bei.

Khalid wurde im Herbst nur in Ausnahmefällen zu Prüfungen zugelassen, erzielte dabei aber meist respektable Ergebnisse. Im Frühjahr zeigte er sich weniger wählerisch bei den ihm zugewiesenen Aufgaben und wusste sie in aller Regel zufriedenstellend zu bewältigen. Ein Umzug wäre insofern bedauerlich, als er auch mit schwierigen Situationen umzugehen weiß; eine Veränderung aus sozialen Gründen steht gleichwohl im Raum.

Stefano konnte den Erwartungen nur selten entsprechen. Dies war zum Teil krankheitsbedingten Fehlzeiten geschuldet. Insgesamt sind die Defizite jedoch zu groß, um sie in absehbarer Zeit aufzuholen. Insbesondere ist er nur bedingt in der Lage, die von ihm erwarteten vorbereitenden Tätigkeiten in der Gruppenarbeit zu übernehmen. Der Wechsel in eine kleinere Einrichtung wird empfohlen.

Patrick stieß im Sommer aus einer niedrigeren Klasse zur Gruppe. Sein großes Engagement überzeugte das Lehrpersonal, ihn an der einen oder anderen Prüfung teilnehmen zu lassen, was nicht immer entsprechend seiner Stärken erfolgte und dementsprechend nur mit wechselndem Erfolg gelang. Möglicherweise wäre ein langfristiger Nachhilfekurs in einem anderen Umfeld zielführend.

Ermin stieß im Herbst gewissermaßen auf Probe zur Gruppe und integrierte sich sehr gut. Neben zahlreichen Übungsstunden durfte er auch an einzelnen Prüfungen teilnehmen, was zunächst recht gut gelang. Eine Französischprüfung, noch dazu nicht in seinem Kernbereich, traf ihn jedoch unvorbereitet und hielt das Lehrpersonal zunächst von weiteren Versuchen ab. Seine weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Philipp hatte bereits in seiner letzten Einrichtung enorme Fehlzeiten aufgewiesen, wurde aber zur Probe aufgenommen. Leider bestätigte sich die Befürchtung, dass er sowohl gesundheitlich als auch, soweit das beurteilt werden kann, vom Leistungsniveau her kaum in der Lage ist, mit der Gruppe mitzuhalten. Die Probezeit wurde beendet.

Christian zeigte sich erneut in allen Belangen vorbildlich. Sein Engagement war weit überdurchschnittlich, sein Pflichtgefühl beinahe zu ausgeprägt. Er übernehm stets Verantwortung für die Gruppe, half seinen Freunden, wo immer er konnte, worunter zwischenzeitlich seine eigenen Leistungen ein wenig zu leiden drohten. Rechtzeitig zu den Abschlussprüfungen erreichte er wieder sein altes Niveau und zeigte sich dabei kreativ und vermehrt technikbegeistert. Ein möglicher Umzug wäre sehr bedauerlich.

Zdravko war im Herbst nicht ganz auf der Höhe und wirkte speziell in der Phase, die mit Aushilfslehrpersonal überbrückt wurde, etwas unmotiviert. Im Frühjahr übernahm er indes in besonderem Maße Verantwortung, erzielte ausgezeichnete Ergebnisse und zeigte sich punktgenau vorbereitet. Seine stets herzliche Freude ist in engem Zusammenhang mit seiner positiven Entwicklung zu sehen. Der zwischenzeitlich im Raum stehende und von einzelnen Außenstehenden wortreich begründete Wegzug wäre bedauerlich.

Christian hatte ein über weite Strecken unglückliches Jahr. Anfänglich litten seine Leistungen darunter, dass er zu weit hinten platziert war, dann verstand er sich mit seinem Nachbarn nur unzureichend, kleinere gesundheitliche Probleme kamen hinzu, und folgerichtig konnte er nicht wie geplant Verantwortung für die Gruppe übernehmen, sondern wurde gar nur noch selektiv zu den Prüfungen zugelassen. Gleichwohl war er stets bemüht und trug entscheidend zur erfolgreichen Bewältigung des ihm bereits bekannten Mobilitätsprojekts wie auch einer späten Geometrieprüfung bei.

Mamadou stieß im Sommer relativ spät zur Gruppe und trat zunächst außerhalb der Übungsstunden kaum in Erscheinung. Im Herbst wurde er zu zwei Prüfungen zugelassen, in denen er ein gutes Grundverständnis zeigte, aber ein wenig nachlässig wirkte. Die Weihnachtsferien nutzte er, um einige Defizite aufzuholen, und schien auf gutem Weg, eine zentrale Rolle in der Gruppe einzunehmen, ehe ihn ein Sportunfall für den Rest des Jahres weit zurück warf.

Timo war über weite Strecken des Jahres eine sehr positive Erscheinung. Zwar hat er nach wie vor Konzentrationsmängel, lässt mitunter die nötige Zielorientierung vermissen und will gelegentlich mit dem Kopf durch die Wand; gleichzeitig aber verzagt er nie, ist um kreative Lösungen bemüht und animiert die Gruppe zu mehr Engagement. An zahlreichen Prüfungsleistungen nahm er trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen schwungvoll und erfolgreich teil und übernahm zudem in einer schwierigen Situation punktuell Verantwortung für die Gruppe. Dessen ungeachtet wird auch im kommenden Jahr eine weitere Steigerung erwartet, insbesondere bei den Punkten Konstanz, Überlegung und Standhaftigkeit.

Martin wechselte im vergangenen Sommer aus einer kleineren Einrichtung zu uns und verdiente sich sowohl mit seinen Ergebnissen als auch mit seinem Engagement als auch und vor allem mit seinen Vorarbeiten für die gesamte Gruppe rasch deren Anerkennung. Im Herbst durfte er zunächst häufig nur Teilaufgaben bearbeiten, um dann im Frühjahr fast alle Prüfungen in Gänze absolvieren zu müssen, was vereinzelt zu schwächeren Ergebnissen führte. Seine Technikaffinität ist ausbaufähig.

Mauro zog im Spätsommer aus Italien, wo er in einer hochwertigen Einrichtung gewesen war, nach Stuttgart. Er mühte sich redlich, sich an das neue Umfeld und die vorwiegend jüngeren Kameraden zu gewöhnen, was ihm aber nicht so recht gelingen wollte. Häufig war ihm das Tempo zu hoch, Flüchtigkeitsfehler kamen hinzu, und selbst sein technisches  Geschick konnte er nur bedingt einbringen. Er verabschiedete sich mit Anstand und kehrte zurück in seine Heimat.

Daniel gilt seit Jahren als sehr begabt. Dass er das Lehrpersonal nie ganz von seinen Qualitäten überzeugen konnte, mag daran liegen, dass er manchmal etwas schlampig ist. Zudem wirkt er gelegentlich langsam und immer etwas einseitig. Im Herbst konnte er bei einigen Prüfungen überzeugen, bei anderen nicht. Eine längere Erkrankung warf ihn etwas zurück, danach gelang es ihm nicht mehr, den Rückstand gänzlich aufzuholen bzw. dem Lehrpersonal seine Motivation zu vermitteln. Die Teilnahme an einem Austauschprogramm wird erwogen.

Johan kam im Spätsommer aus Frankreich, wo er an einer kleineren Einrichtung teilweise sehr gute Ergebnisse erzielte, aber auch aus gesundheitlichen Gründen viele Fehlzeiten zu verzeichnen hatte. Letzteres war dem Lehrpersonal und der Einrichtungsleitung nicht explizit gesagt worden. Auch in Cannstatt erbrachte er bei ersten Teilaufgaben sehr vielversprechende Ergebnisse, erkrankte in der Folge jedoch mehrfach und langwierig. Wird auf Probe in das neue Jahr übernommen.

Shinji kam im Februar nach dem Asienfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ nach Stuttgart und wurde sogleich ein vollständiges Mitglied der Gruppe, auch wenn er sich meist noch am Rand aufhielt. Seine Einzelergebnisse sind voll befriedigend, bei der Gruppenarbeit mit seinem Nachbarn tut er sich noch etwas schwer. Schloss die entscheidende Prüfung mit Bravour ab, sollte nun in den Sommerferien etwas zur Ruhe kommen.

Sebastian hatte sich im Sommer viel vorgenommen, konnte aber das Lehrpersonal nicht überzeugen, dass sich seine Leistungen verstetigen würden. Daraufhin wechselte er in eine stark bezuschusste benachbarte Einrichtung, wo er sich gut integrierte und in seiner neuen Gruppe eine zentrale Rolle einnahm.

Elson kehrte im Sommer etwas widerwillig von einem Austauschprogramm zurück. Dennoch lebte er sich rasch wieder ein und nahm früh an einigen europaweiten Prüfungen teil. Seine Ergebnisse blieben allerdings durchwachsen, sodass er in der Folge vornehmlich am Übungsbetrieb teilnehmen durfte. Die kurzfristige Hoffnung des neuen Lehrpersonals auf seine standardmäßige Kreativität konnte er nicht erfüllen.

Tamas stieß im Januar zur Gruppe, weil er in seiner bisherigen Einrichtung nicht mehr zu Prüfungen zugelassen wurde. Er zeigte sich von Beginn an sehr kreativ, zielorientiert und standardmäßig verantwortungsbewusst, sodass er rasch zu einem Fixpunkt in der Gruppe wurde, zu deren letztlich gerade noch ausreichenden Prüfungsergebnissen er entscheidend beitrug. Sein Engagement ist Beispiel gebend, sein Auftreten ebenso. Zum neuen Jahr wird sein Austauschprogramm beendet und er wechselt fest an unsere Einrichtung. Ob er seinen Leistungsvorsprung halten kann, wird abzuwarten sein.

Claudemir hatte es in diesem Jahr nicht leicht. Nach den Sommerferien war er mit einer leichten Unzufriedenheit zurückgekehrt, die sich mehr als einmal in unerwarteten, vielleicht auch unkontrollierten Ausbrüchen gegenüber seinen Freunden, aber auch gegenüber den eingeschalteten Mediatoren niederschlug. Seine Leistungen waren überschaubar, sodass er wiederholt nur zu Teilprüfungen zugelassen wurde, sein Gesundheitszustand schien verbesserungswürdig. Dennoch mühte er sich nach Kräften und es gelang ihm, sich hervorragend auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten, die er dann mit Bravour absolvierte.

Ciprian konnte nur selten an die guten Leistungen des Vorjahres anknüpfen. Während er zunächst dennoch zu den Prüfungen zugelassen wurde, sah sich das neue Lehrpersonal veranlasst, erst seine Leistungen und dann seine Motivation in Frage zu stellen. Nachdem er sich lautstark über die ihm zugedachten Aufgaben beschwert hatte, wurde er von weiteren Prüfungen ausgeschlossen und drückt seit Februar die Türklinke von außen herunter. Ein Wechsel der Einrichtung wird empfohlen, ein Gespräch ist explizit nicht erwünscht.

Pavel begann das Jahr sehr motiviert und erzielte im Schnitt gute Ergebnisse, wenn auch mit starken Ausschlägen nach oben und unten. Sein Engagement war stets vorbildlich, genau wie seine Unterstützung für die Kameraden. Defizite sind bei der Kreativität und hinsichtlich seiner technischen Fertigkeiten zu beklagen; zudem handelt er nach wie vor zu häufig in der irrigen Annahme, den Abschluss mit links machen zu können. Die Übernahme ins neue Jahr erfolgt auf Probe, ein Wegzug ist nicht ausgeschlossen.

Sven stieß aus einer niedrigeren Klasse dazu und zeigte sich von Beginn an sehr engagiert, wenn auch häufig glücklos. Seinen Abschlussarbeiten mangelte es, mit einer für die gesamte Gruppe sehr hilfreichen Ausnahme, an Präzision, teilweise wirkte er unentschlossen. Er muss weiterhin hart daran arbeiten, die Defizite aus frühen Jahren aufzuholen. Hierfür scheint eine benachbarte Nachhilfeeinrichtung mit modernsten Übungsräumen geeignet.

Christian konnte nicht an seine überragenden Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen. Er litt unter einem Wechsel des Leitungspersonals, das bei der Neuzusammensetzung der Gruppe kein glückliches Händchen gehabt hatte, und vielleicht auch ein wenig unter seiner Eitelkeit. Seine Vorschläge wurden von der Gruppe nicht mehr so gut angenommen wie zuvor, die Ergebnisse wurden schwächer. Einzelne Außenstehende und auch Kameraden unterstellten ihm Defizite bei der Prüfungsvorbereitung, die Alumni-Vereinigung und der Förderkreis versagten ihm ihre Unterstützung und überließen den frei werdenden Platz einem weniger kritischen Nachrücker. Bedauerlich.

Jens hatte einen denkbar schlechten Start in der Gruppe, als er einen ausgeschiedenen Kameraden lautstark kritisierte. Es gelang ihm trotz eines einzelnen herausragenden Ergebnisses nicht, die Gruppe von seiner Leistungsfähigkeit zu überzeugen, sodass die Leitung ihn nach wenigen Wochen zu seinem eigenen Besten aus der Gruppe nahm.

Bruno wurde im Dezember in einer für alle schwierigen Situation in die Gruppe aufgenommen. Aufgrund seiner wechselhaften Vergangenheit in anderen Einrichtungen war der Empfang zunächst reserviert, doch mit akribischer Arbeit und ersten guten Ergebnissen erarbeitete er sich rasch den Respekt der Gruppe. Er stellte die eigenen Ansprüche hinten an und half den Kameraden, die Abschlussprüfung ohne besonders elegante Lösungen, aber letztlich mit Erfolg zu absolvieren. Die Gelegenheit, im Rahmen eines längeren selbstverwalteten Projekts Optimierungen bei der Platzverteilung anzustoßen, hat er sich verdient. Speziell in den ersten Monaten wird er dabei, auf Basis vergleichbarer Projekte aus den Vorjahren, eng begleitet werden.

Fredi, der vor Jahren seine ersten Schritte an unserer Einrichtung gemacht hatte und im Sommer nach einer Reihe von Umzügen zurückkehrte, erhielt erst kurzfristig einen frei werdenden und nicht sonderlich gut ausgestatteten Platz. Der Stuhl wackelte von Beginn an, auf dem Tisch lag eine Reihe halbfertiger Arbeiten, deren Urheber aus sozialen Gründen Hals über Kopf verschwunden war. Dementsprechend war Fredi zunächst etwas desorientiert und tat sich schwer, sich an das im Vergleich zu seiner vorigen Einrichtung deutlich höhere Leistungsumfeld zu gewöhnen. Der Versuch, sich mit teuren Hilfsmitteln an das nötige Niveau heranzutasten, schlug fehl. Erfreulicherweise behielt er die Ruhe und zeigte sich lernfähig. Er gewann an Ansehen bei den Kameraden wie auch bei den Alumni und dem Förderkreis, denen er im Sinne der Gruppe auch einmal die Stirn bot. Im neuen Jahr liegt es an ihm, ob er längerfristig an unserer Einrichtung bleiben kann.

Erwin hatte, wie schon in den Vorjahren, nicht immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Lehrmittel, und wurde dafür verschiedentlich kritisiert. Da sein Umgang mit Kritik ohnehin verbesserungswürdig ist, wurde sein Ansehen zusehends schlechter. Zudem wurde er von einem Größeren regelmäßig gemobbt, weshalb er zum Sommer die Einrichtung verlässt. Sein Weggang ist angesichts seiner über Jahre hinweg guten Ergebnisse in vielen Bereichen bedauerlich, scheint aber mit Blick auf die letzten Jahre geboten.

Dieter zeigte im vergangenen Jahr großes Interesse an operativen Abläufen unserer Einrichtung. Zwar ist dieses Interesse grundsätzlich zu begrüßen; der Versuch, Einfluss auf die Abläufe zu nehmen, erregte indes unser Missfallen. Sein Umgang mit allen Ebenen der Einrichtungsleitung ist verbesserungswürdig und scheint von wenig Respekt geprägt. Sowohl in puncto Sozialkompetenz als auch bei seinem Verständnis demokratischer Strukturen mussten wir deutliche Defizite feststellen, die kaum mehr aufzuholen sein dürften. Ein Gespräch ist notwendig.

Fast Noch nicht gerettet

Ja, fast gerettet, so tönt es aus allen Ecken. Per Twitter erreichen die VfB-Sympathisanten Glückwünsche zum Klassenerhalt, die Zeitungen schlagen in die gleiche Kerbe, in irgendeinem Zeitungsbericht wurde der Abstand zu Eintracht Frankfurt auch gleich einmal auf 6 Punkte erhöht. Wäre schön, dann bräuchte man sich wirklich keine Sorgen mehr zu machen.

Tatsächlich sind es aber bekanntlich nur 5 Punkte. Sicher, die Frankfurter erwecken nicht den Eindruck, noch zweimal gewinnen zu können, aber wir wissen ja alle, wie das in dieser Saison so ist mit den Tendenzen. Und dann gewinnt die Eintracht gegen Köln, der Noch-immer-Champions-League-Kandidat Hannover gewinnt beim Noch-immer-Abstiegskandidaten Stuttgart, der dann beim Auch-dann-noch-Champions-League-Kandidaten in München die Saison beschließt, während die Eintracht zu den Längst-Meistern fährt.

Weshalb ich mir mal angesehen habe, wie sich Längst-Meister in der Regel so schlagen. Demnach könnte der VfB von Glück reden, dass es sich bei besagtem Längst-Meister nicht um die Bremer handelt, die von ihren insgesamt sechs Spielen, die sie als feststehender Titelträger bestritten, sage und schreibe vier verloren: zwei im Jahr 1988, zwei weitere 2004. Nur der HSV ist, rein prozentual, noch schlechter, hat er doch seine einzige Partie als bereits sicherer Deutscher Meister im Jahr 1979 gegen die Bayern verloren. Besagte Bayern haben mit weitem Abstand die meisten dieser eher lästigen Spiele bestritten, nämlich 29. 20 Siege, 5 Unentschieden und 4 Niederlagen sind eine sehr respektable Bilanz. Eine hundertprozentige Siegquote haben Gladbach (3/3), Nürnberg (1/1) und, tada!, Dortmund: der Meister 2011 durfte am 34. Spieltag der Saison 1995/96 zum Schaulaufen antreten und schlug Freiburg 3:2. Folglich ziehe ich meine Bedenken zurück, auf Dortmund ist Verlass.

Es liegt mir fern, hier einen falschen Eindruck zu erwecken: ich bin sehr zuversichtlich, dass der VfB die Klasse hält. Dass Bruno Labbadias Mannschaft ein Rückrundenergebnis erzielt, das hochgerechnet… ach, lieber nicht.

Am Samstag in Hoffenheim zeigte die Mannschaft eimal mehr, dass sie nicht nur weiß, worum es geht, sondern sich auch von Rückschlägen der eher deprimierenden Art nicht aus der Bahn werfen lässt. Tasci fing sich nach einer sehr durchwachsenen Anfangsphase, Ulreich fing sich zum Glück noch etwas früher (ja, ich kreide das 1:0 beiden gleichermaßen an), zu Beginn der zweiten Hälfte kam das nötige Glück hinzu, und dann war erneut Verlass auf Cacau, Kuzmanovic und vor allem Harnik. Spätestens nach diesem Spiel wäre wohl die Frage nach meinem Spieler der Saison geklärt, wenn sie sich denn stellte. Trotz Träsch, trotz Kuzmanovic und Hajnal, trotz – hört, hört! – Ulreich.

Das haben wir gern, Herr Kamke. Den Abstiegskampf noch nicht als beendet ansehen, aber schon über die Spieler der Saison sinnieren.

Auf Pogrebnyak war übrigens eher weniger Verlass, vor dem Tor. Dennoch bin ich der Ansicht, dass seine Hereinnahme nicht nur richtig war, sondern sich auch gelohnt hat. Das Spiel des VfB war im 4-4-2 ein anderes, zwingenderes, Pogrebnyak band Abwehrspieler, Cacau hatte mehr Freiräume, Harnik war links weitaus agiler als Okazaki und ließ Andreas Beck nicht immer gut aussehen.

Was fehlt: eine Statistik darüber, wie erfolgreich Mannschaften, die drei Spieltage vor Schluss völlig unerwartet bereits sicher für den Uefa-Cup qualifiziert waren, die restlichen Spiele bestritten. Aber ich bin guter Dinge, dass Hannover die zweite Niederlage kassieren wird. Dann freue ich mich über jede Rettungsschlagzeile.

Disaster Recovery

Nein, kein wirklicher IT-Notfall, keine Wiederherstellung. Eher ein persönliches Desaster war das am Samstag, von dem ich mich so langsam wieder erhole.

Der eine oder die andere hat vermutlich mitbekommmen, dass ich das Spiel des VfB gegen Schalke für die Sportredaktion von ZEIT ONLINE twitternd begleiten sollte, sozusagen live aus der gefühlten Cannstatter Kurve. Aparter Gedanke, fand ich. Dumm nur, dass die Netzverfügbarkeit dort während eines Spiels nicht immer gewährleistet ist. Dass Bandbreite kein öffentliches Gut ist, liegt offensichtlich nicht nur an der Ausschließbarkeit, sondern auch an der Rivalität. Zu viele Menschen in der Kurve.

Hätte man auch vorher wissen können? Ja, hätte man. Wusste man sogar. Ein Stück weit. Mir war von früheren Spielen klar, dass das Netz mitunter sehr schlecht ist und der eine oder andere Tweet etwas länger braucht. Was ich meist auf meinen Anbieter geschoben hatte, weil ich Menschen mit anderen Geräten erfolgreicher hantieren sah. Also bewegte ich mich mit zwei verschiedenen Mobiltelefonen in zwei verschiedenen Netzen durch das Stadion; mein Stadionnachbar steuerte zur Sicherheit noch ein drittes Netz bei. Als Notfallplan bestand, das redete ich mir zumindest ein, die Option, Tweets per SMS an die Redaktion zu senden, die dann damit machen würde, was sie für richtig hielte.

Was soll ich sagen? Pustekuchen! Bis kurz vor Spielbeginn klappte die Twitterei noch ganz ordentlich, wenn man von der seelischen Belastung absieht, die am Vormittag durch ein zersplittertes Display entstanden war und noch immer anhält. Das änderte sich relativ rasch, nach wenigen Spielminuten funkte ich bereits SMS. Die erste Kurznachricht kam noch durch, danach ging buchstäblich nichts mehr. Keine Timeline. Keine Tweets. Keine SMS. Weder bei Alice. Noch bei Vodafone. Noch beim großen T. Ich war wohl ein wenig verzweifelt. Wenn mir vielleicht jemand bei Gelegenheit erzählen könnte, was sich auf dem Spielfeld ereignete?

Nach der Pause entspannte sich die Situation ein wenig und es gelang mir, einige SMS-Tweets abzusetzen. Ob sie allerdings in der Redaktion angekommen waren und es in die Timeline geschafft hatten, erfuhr ich erst nach dem Spiel, von Interaktion und der Reaktion auf @-Replies will ich gar nicht reden. Den Rest des Tages verbrachte ich mit der Decke über dem Kopf im Bett.

Ach so, ich könnte ja noch einen Satz zum VfB sagen. Oder zu Herrn Dr. Brych, auch wenn dazu längst alles gesagt ist, mit unterschiedlichen Nuancierungen. Die Forderungen nach einem Platzverweis für Pogrebnyak halte ich für hanebüchend (sic!), aber ein Foul war’s auch aus meiner Sicht. Das Handspiel hätte ich wohl nicht gegeben, aber zumindest in einem Punkt bin ich beim Schiedsrichter: wenn er das Handspiel pfeift, muss er nach meinem Regelverständnis auch Rot ziehen, unabhängig davon, wie er (oder auch ich) zu dieser Regel steht.

Wie auch immer: Kuzmanovic traf, das Spiel war entschieden. Was man aber erst hinterher wusste. Als Stuttgarter hätte man sich natürlich gewünscht, nicht bis zum Abpfiff zittern zu müssen. Scheint mir bei 75-minütiger Überzahl nicht gänzlich vermessen, auf etwas überlegtere Angriffe zu hoffen, vielleicht sogar auf ein zweites Tor, das ja in einigen wenigen Situationen tatsächlich in der Luft lag. Immerhin erhielt so die Abwehr die Gelegenheit, ihr ramponiertes Image etwas aufzupolieren. Insbesondere Georg Niedermeier, angesichts dessen Aufstellung reichlich Kopfschütteln herrschte, wünsche ich, dass ihm das Spiel das nötige Selbstvertrauen für die nächsten Spiele gibt. Und dass Sven Ulreich kurz vor Schluss den Sieg festhielt zur Ecke rettete, wird ihm auch nicht schaden. Zumindest hat man mir das so erzählt.

Fast vergessen: die Balakov-Huldigung (beinahe hätte ich Ballack geschrieben, so präsent ist er derzeit in der öffentlichen Diskussion um Kaisers Bart) der Kurve war großer Sport, das „Magath raus“-Plakat im Schalker Block für den neutralen Beobachter zu diesem Zeitpunkt auch, die Stuttgarter Reaktion („Ohne Magath habt Ihr keine Chance“), nun ja, unerwartet. Man konnte zu dem Schluss kommen, Magath habe den VfB, bei dem er sehr erfolgreich gearbeitet hatte, seinerzeit in bestem Einvernehmen verlassen.

Nächstes Wochenende bietet die Partie bei Sankt Pauli die Gelegenheit, erstmals wieder am Ende eines Spieltags die Abstiegsplätze zu verlassen, aus eigener Kraft. Ähnliches werden sich alle anderen Abstiegskämpfer sagen, die in den nächsten Wochen ebenfalls ständig auf direkte Konkurrenten treffen – Kunststück, wenn die halbe Liga taumelt.

Ich glaube nicht, dass die Mannschaft stark und vor allem gefestigt genug ist, eine Serie zu starten, die es ihr erlaubt, in fünf oder sechs Wochen relativ entspannt auf  „die da unten“ zu schauen, glaube vielmehr, dass es noch eine Reihe von Rückschlägen und das damit einher gehende Auf und Ab zu beklagen geben wird. Aber ich glaube wieder fest an die Aufs, was zuletzt nicht immer der Fall war, und bin zuversichtlich, dass es gelingen kann, vor dem letzten Spieltag den Klassenerhalt zu sichern. Würde die Partie in München aus Stuttgarter Sicht deutlich entspannen. Und man könnte gelassen abwarten, ob die Bayern die Qualifikation noch schaffen. Wofür auch immer.

Bis dahin dürfte ich auch das samstägliche Desaster verarbeitet haben.

Großmaul, des Nachdenkens unverdächtig?

Mag sein, dass ich die sportliche Führung des VfB missverstanden habe. Für mich klang es jedenfalls so, als hätte Fredi Bobic gesagt, er habe beim Elfmeter keine Angst gehabt, weil Timo Gebhart augenscheinlich vor Selbstvertrauen strotze (und damit, so meine freie Interpretation, nicht hinter dem Berg halte). Bruno Labbadia hatte seinerseits keine Bedenken, weil Timo Gebhart in aller Regel nicht nachdenke. Nun denn, ihre Zuversicht war berechtigt.

Ich selbst war übrigens noch viel entspannter als die beiden. Als nämlich Gebhart an meinem Bildschirm antrat, waren die Bilder bereits von Mönchengladbach über, was weiß ich, Unterföhring nach Dubai gewandert, mit Zwischenstopp in Russland oder so. Unterdessen hatte 90elf längst den Treffer gemeldet, die Bilder dazu konnte ich völlig gelassen abwarten.

Was in dieser Situation ein Vorteil war, hatte mich in den 86 Minuten zuvor nur bedingt begeistern können. Der Zeitverzug wäre sicherlich zu verschmerzen gewesen, wenn denn die Bilder verlässlich ins Haus gekommen wären. Und wenn sie kamen, war ich stets mit anderthalb Augen bei den jungen Leuten, die unsere Wohnung auf den Kopf zu stellen drohten. Ich kann also nicht seriös beurteilen, ob der VfB in der zweiten Halbzeit, wie von Bruno Labbadia in den Raum gestellt, tatsächlich „fast ein 4-3-3“ spielte, oder ob es doch eher die etwas aus der Mode gekommene Raute war. Ich weiß nicht, ob Kuzmanovic dem Spiel so viel Struktur gegeben hat, wie zu lesen ist, und ob der vermeintliche Verzweiflungskauf Tamas Hajnal, dem ich das Zeug zum Königstransfer abgesprochen hatte, das Spiel so genial gelenkt hat, wie Sven Ulreich findet. Ich sah zunächst nur sehr verschwommen, dass man das Gladbacher 3:2 nicht wegen Handspiels abpfeifen musste, und dass man die Argumente gegen den Foulelfmeter für den VfB nicht von vornherein beiseite wischen konnte. Da ich jedoch die Fehlentscheidungen gegen den VfB im Lauf der bisherigen Saison nur rudimentär behandelte, werde ich dies bei der einen vom Samstag (der Elfmeter war meines Erachtens berechtigt) gewiss nicht anders handhaben.

In der ersten Hälfte war das Bild etwas besser. Technisch gesehen. Zur Pause stand die Überschrift für den Blogtext zum Spiel fest: „Keine Superlative!“ Ich war fest entschlossen, nicht vom nächsten, noch tieferen tiefsten Tiefpunkt in einer an tiefen Tiefstpunkten nicht armen Saison zu sprechen. Wie ich eine solche Bewertung allerdings hätte umgehen können, hatte ich mir noch nicht überlegt ist jetzt vollkommen egal.

Gewonnen. Erster Auswärtssieg. Pogrebnyak war an drei Treffern maßgeblich beteiligt und traf wieder mit rechts, Harnik hält in der internen Torschützenliste Schritt. Träsch dürfte den hier bereits vor Wochenfrist zaghaft geforderten Schritt auf die Rechtsverteidigerposition machen und Boka ist wieder auf seiner Position angekommen. Wenn man nicht wüsste, wie die bisherige Saison gelaufen ist, könnte man fast zuversichtlich sein.

Schade, dass Gebhart nicht dabei ist. Ich schätze seine Spielweise sehr, abgesehen von seiner Fallsucht. Vielleicht regt ihn die Sperre ja mal zum Nachdenken über den Sinn und Unsinn von Schwalben an. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

Seht Ihr?

Nicht dass es ungewöhnlich wäre. Sowas beobachten wir vermutlich alle gelegentlich bei Fußball-Zuschauern, nicht zuletzt bei uns selbst, nicht wahr? Und doch ließ es mich ein wenig sprachlos zurück, als der ältere Herr, der nicht nur, aber auch, und ganz gewiss nicht zuletzt, Pavel Pogrebnyak das ganze Spiel über mal mehr, mal weniger übel beschimpft hatte, sich nach dessen Siegtreffer (Update: muss wohl doch ein gefühlter Sieg gewesen sein, wenn ich das so schrieb) mit einem triumphierenden „Seht Ihr?!“ an die Runde wandte.

Ich schwieg, genau wie alle anderen, und fühlte mich doch stillschweigend bestätigt in meinem Glauben an den ehemaligen Linksfuß, den der eine oder andere wohl eher ausgewechselt hätte als den engagierten Sven Schipplock, ob dessen Leistung sich die Stuttgarter Zeitung ein wenig überschlug:

„Erstmals stand der 22-jährige Angreifer in der Startformation – niemand hätte sich gewundert, wären seine Knie weich geworden. Furchtlos und kampfstark trat er stattdessen auf und eilte seinem Gegenspieler Neven Subotic mehrmals davon.“

Nun, obschon ich vor Schipplocks Entwicklung der letzten Monate und über weite Strecken vor seiner Leistung vom Samstag den Hut ziehe, habe ich eben diesen Punkt völlig anders gesehen. Mehrfach versuchte er speziell in der ersten Hälfte, dribbelnd oder sich den Ball vorlegend an Subotic und/oder Hummels vorbei zu kommen, ohne jedoch – so zumindest mein Eindruck – selbst daran zu glauben. Gibt es den Begriff des Alibidribblings? Dessen ungeachtet spielte er in der ersten Hälfte einen wunderbaren Pass auf Molinaro, den ich ihm so nicht zugetraut hätte, und zu seinen beiden Großchancen kam er sicherlich auch nicht durch bloßes Herumstehen. Will sagen: das war ok, der Kopfball muss aufs Tor kommen, eine Halbzeit hätte, nicht zuletzt nach der dummen gelben Karte, gereicht.

Wenn wir schon von dummen Aktionen sprechen: was war denn das vor dem 1:0, Patrick Funk? Da fangen Sie einen schlechten Pass von Marcel Schmelzer ab, und anstatt über den zurecht erzürnten Christian Gentner den Gegenangriff auf den Weg zu bringen, spielen Sie den Ball unkontrolliert zu Mats Hummels, der dankend das Tor einleitet. Und was für ein Tor! Ich warte sehnsüchtig auf den Tag, an dem so ein Treffer in Deutschland zum Tor des Monats gewählt werden kann. In die Auswahl kommt. In die Auswahl zum Tor der Woche kommt. Egal. Großartig. Hummels. Sahin. Großkreutz. Götze.

Ich kritisiere Patrick Funk übrigens nur deshalb für einen Fehler, der sonst kaum bis gar nicht thematisiert wurde (naja, bei der Analyse mit dem Trainerstab wohl schon, hoffe ich), weil ich viel von ihm erwarte – wenn er die 20+ Spiele absolvieren will, die ich vor der Saison für ihn vorsah, muss er sich ranhalten. Aber wenn er so weiter macht, wüsste ich nicht, wer ihm den Platz streitig machen sollte.

Genug der Einzelkritik. Fast. Sven Ulreich war gut. Sehr gut. Muss man ja mal sagen dürfen. Überhaupt hat mir der Auftritt der gesamten Mannschaft über weite Strecken gut gefallen. Dass man beim kommenden Meister (dürfte nach dem samstäglichen Ergebnis feststehen) phasenweise ziemlich unter Druck geraten kann und gelegentlich das Glück bemühen muss, dürfte niemanden überrascht haben; den Punkt hat sich der VfB dennoch redlich verdient, so dass mein Wunsch von letzter Woche nur so halb in Erfüllung ging:

Ich hoffe ja auf ein völlig unverdientes 1:1.*“

Egal. Punkt ist Punkt. Die anderen punkten zwar auch, und insbesondere Köln könnte ein wenig Anlass zur Sorge geben, wenn es nicht Köln wäre; aber die Zuversicht wächst weiter. Und gegen Freiburg nähme ich auch einen verdienten Sieg.

Im Übrigen interessiert auch hier niemanden, was Winfried Schäfer von sich gibt.

* Ziemlich grenzwertige Aussage, übrigens, für jemanden, der auf dem Standpunkt steht, dass es im Fußball keine B-Note gibt. Für den „die bessere Mannschaft hat verloren“ mit das unsinnigste ist, was man über ein Fußballspiel sagen kann. Oder?