Können Fußballspielerblogger sprechen?

In einem weiteren Feldversuch haben sich die Herren Alex (Rasenschach.eu), Probek (Probek.net) und der Stadtneurotiker (Anstosspunkt.org) sowie der telefonisch zugeschaltete Nedfuller (Nedsblog.de) als Versuchsobjekte für die oben genannte Frage betätigt und der gemeinen Beobachterin ein deutliches “Ja, sie können” entlockt.

Thematisch deckten die Podder erneut ein breites Spektrum ab und befassten sich insbesondere mit der Nationalmannschaft, dem HSV und den letzten Bundesligatransfers. Technisch und mit Blick auf die Struktur des Podcasts war es ein weiterer großer Schritt nach vorne, sodass es nahezu an Koketterie grenzt, von einer weiteren “Nullnummer” zu sprechen.

Alles weitere findet sich bei probek, insbesondere das Werk selbst und die Bitte um Feedback (das nicht zwingend so positiv ausfallen muss wie mein Text hier, nur keine Hemmungen).

Wenn Fußballblogger reden…

.. dann ist das irgendwie anders, als wenn man sie nur liest. Aber nicht minder interessant. Auf lobenswerte Initiative und kontinuierliches Betreiben des umtriebigen probek wurde in den letzten Wochen intensiv über ein Podcast der einiger von Fußballbloggern diskutiert.

Nicht nur diskutiert, sondern auch umgesetzt, und was herauskam, kann sich meines Erachtens durchaus hören lassen. Natürlich gibt es noch einige Einschränkungen, aber darauf will ich jetzt gar nicht im einzelnen eingehen, weil probek das bereits wunderbar getan hat:

zum Podcast inklusive Einleitung, Erklärungen, Inhaltsangabe und aussagekräftiger tags geht’s hier entlang.

Disclosure: ich komm da auch zu Wort.

Der Beste.

Letzte Woche kam das 11Freunde Bundesliga-Sonderheft heraus. Jens von catenaccio.de hat sich bereits intensiv und auch optisch sehr ansprechend damit auseinandergesetzt. Seine Kaufempfehlung teile ich.

Genau wie er – und vermulich zahlreiche andere Blogger, die sich mehr oder weniger regelmäßig mit Fußball befassen – schätze ich insbesondere das kleine Beiheft “Meine Saison 2009/10”. Dort haben (in den meisten Fällen) Fußballblogger einen kurzen Fragebogen zu ihrem Verein beantwortet. Und nicht die Tatsache, dass sie diese Plattform geboten bekamen, ist es, die mich begeistert, sondern wie sie in vielen Fällen damit umgegangen sind. Entspannt, humorvoll und mit einer gehörigen Portion Selbstironie haben sie die Fragen beantwortet und auch eine bestenfalls humoristische witzig gemeinte Vorgabe wie “Tod und Hass (zumindest aber latente Abneigung)” souverän gemeistert, indem sie eben nicht übers Stöckchen gehoppelt sind – ob es Zufall war, dass die Rivalität zwischen Schalke und Dortmund im Königsblog kurz darauf nochmals explizit und angenehm unaufgeregt thematisiert wurde…?

Etwas schwerer fiel es vermutlich in der zweiten Liga, die Frage nach den Aussichten von Greuther Fürth halbwegs kreativ zu beantworten, ohne die “5” zu nennen, aber das nur am Rande.

Was mich indes neben der “Tod und Hass”-Frage tatsächlich irritiert hat, war die Vorstellung von Bayern-Blogger Breitnigge:

…ist noch immer der beste Blogger rund um den FC Bayern.

An der Stelle würde mich schon interessieren, nach welchen Kriterien man zu einer solchen apodiktisch anmutenden Aussage gelangt. Schreibt er am häufigsten, für die meisten Leserinnen und Leser, hat er die meisten Kommentare, das geheimste Insiderwissen, oder wurde er irgendwo als Bayern-Blogger Nr. 1 gecastet? Und selbst wenn all das zuträfe: sind das die Kriterien, die die Nr. 1 ausmachen?

Um eines klar zu stellen: ich will und kann nicht sagen, Breitnigge.de sei nicht das beste Blog rund um den FC Bayern, dafür fehlen mir nicht nur die Bewertungskriterien, sondern ich kenne mich dort schlicht zu wenig aus. Was ich indes weiß, ist, dass man bei probek, beim Fernglas FCB oder beim Fehlpass, bestimmt auch bei eingen anderen, wo ich nicht so regelmäßig vorbeischaue, auch schön schreibt. Ob das jeweils besser ist als bei Breitnigge, kann ich für mich ganz persönlich beantworten, mehr ist nicht drin.

Irgendwie glaube ich, dass so eine Aussage nicht so recht zum Selbstverständnis der meisten Fußballblogger passt, bzw. zu ihrem kollegialen Umgang. Aber da kann ich mich natürlich täuschen.

Falsches Eis.

Ich trage eine Teilschuld.

Markus Babbel hatte es letzte Woche im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten enthüllt, @droitaubut hatte die Nachahmung zum Programm gemacht, und ich selbst hatte es mir fest vorgenommen: am Vorabend eines VfB-Spiels gilt es, für jeden Punkt eine Kugel Eis zu Essen.

In meinem Kurzurlaubsdomizil gab es aber keine Eiskugeln. Zwar habe ich mir das größte aufzutreibende Eis am Stiel als adäquaten Ersatz schöngeredet; dass es sich nicht um mehr als einen schnöden Selbstbetrug handeln konnte, musste ich mir indes bereits vor dem Spiel eingestehen: ein Eis am Stiel ist keine ernst zu nehmende Alternative.

Mir liegen keine Informationen über den Speiseplan im Mannschaftshotel vor; es würde mich jedoch nicht überraschen, wenn auch Markus Babbel und insbesondere seine Spieler kein Eis (oder zumindest das falsche) bekommen hätten – und sich der Konsequenzen ebenfalls bereits im Vorfeld des Spiels bewusst gewesen wären.

Zwar versuchten sie sich in den ersten Minuten durchaus an etwas, das man mit einem gewissen Wohlwollen als Forechecking (wenn auch nicht im Happelschen Sinne) bezeichnen darf, und konnten die Bayern zunächst auch ein wenig irritieren. Sehr früh wurde jedoch deutlich, dass der designierte Tourneedebütant Christian Träsch auf einen entschlossenen Franck Ribéry traf, der sich zwar zu allerlei Mätzchen bemüßigt fühlte, der aber die spielentscheidenden Dribblings suchte – und dabei recht früh Khalid Boulahrouz zu einem sogenannten Eigentor zwang. Der eine oder andere Stuttgarter dachte spätestens jetzt an sein Stieleis und schien bereit, den Gang der Dinge hinzunehmen.

Im letzten Drittel der ersten Hälfte berappelte man sich wieder und startete kurz vor der Pause einige gute und endlich zielgerichtete Aktionen, wobei unter anderem Butt Träsch, Butt Hitzlsperger, Butt Gomez. Khedira sich selbst, Gomez und Cacau einander und die Unparteiischen bei den kleinen Entscheidungen zunächst verstärkt dem VfB, insgesamt aber  dem Spiel an sich im Weg standen.

So ging man mit einem  Rückstand in der Pause, wo irgendjemand nochmals die Sache mit dem Eis zur Sprache gebracht haben muss, sodass eine Stuttgarter Mannschaft aus der Kabine kam, die zwischen dem Glauben an die Wende und der Angst vor dem zweiten Gegentreffer hin- und hergerissen schien. Einige Stuttgarter, namentlich insbesondere Sami Khedira und Roberto Hilbert, schienen zwar entschlossen, den Sieg noch zu erzwingen, bei anderen überwogen Vorsicht und die Hoffnung auf den (doppelten!) Lucky Punch.

Da jedoch auch die Defensive zurückhaltend agierte, war das 2:0 eine folgerichtige Entwicklung mit dem positiven Nebeneffekt, dass der VfB nun endgültig nichts mehr zu verlieren hatte und einen Zwischenspurt einlegte. Mario Gomez empfahl sich mit einer Einzelaktion zum 2:1 nochmals eindrücklich seinem möglicherweise künftigen Arbeitgeber, und wenn er kurz darauf frei vor Butt etwas zielsicherer gewesen wäre, hätte noch eine heiße Schlussphase folgen können. So aber war der Stuttgarter Widerstand nach dieser Aktion und wohl auch angesichts der klaren Karlsruher Führung[1]
gegen die Hertha endgültig gebrochen. Die Bayern ließen den Ball laufen und der VfB kam überhaupt nicht mehr in die Zweikämpfe.

Die Bayern haben letztlich verdient gewonnen. Der VfB hatte zwei Phasen, in denen er zumindest einem weiteren Treffer recht nahe war, sodass sich die Gastgeber auch über ein Unentschieden nicht hätte beschweren können; alles in allem warf der VfB angesichts der Perspektive Platz 2 bzw. direkte Qualifikation für die Champions League jedoch schlichtweg zu wenig in die Waagschale.

Soviel zum Samstagsspiel.

Insgesamt bin ich jedoch mehr als zufrieden. Von 11 auf 3 ist nicht so schlecht, die CL-Quali ist weit mehr, als man im Winter erträumen durfte, Markus Babbel und Rainer Widmayer haben der Mannschaft Perspektiven aufgezeigt, die vielleicht dazu beitragen können, Spieler wie Sami Khedira oder Serdar Tasci noch recht lange eine Weile zu halten, und Horst Heldt wird sich hoffentlich auf die Gomez-Verhandlungen (so oder so) konzentrieren, anstatt mit Wolfsburg zu konferieren. Dies in aller Kürze, ein ausführlicheres Saisonfazit sollte zu gegebener Zeit folgen.

Und natürlich ist der VfL Wolfsburg ein verdienter Meister.

PS: Erneut hatte ich am Samstag das Vergnügen vor dem Spiel einen Fußballblogger zu treffen. Wiederum war es zu kurz, aber immerhin hat’s gereicht, um meine Getränkeschulden bei probek zu begleichen. Erfreulicherweise war es dank probeks Hilfe nicht nötig, eine Bezahlkarte zu erwerben – ein Schritt, den ich selbst im heimischen Neckarstadion bis dato unter tätiger Mithilfe des PSV nicht gehen musste…

1.Interessant, wie der Stuttgarter Anhang während des Spiels über jedes Tor des KSC und nach dem Spiel über dessen Abstieg jubelte. One Night Stand?

Die Gnade der späten Heimkunft ?

Da ich den gestrigen Sieg des VfB in Gelsenkirchen nur rudimentär verfolgen konnte, schreibe ich einfach mal ein bisschen ab. Ach Mist, Hirngabel ist ja im Urlaub arbeiten. Dann halt bei Enno:

Das Saisonziel Uefa-Cup ist [wahrscheinlich] erreicht. Platz fünf kann uns [wohl] keiner mehr nehmen. Alles, was jetzt noch folgt, ist eine Zugabe. Entsprechend zufrieden bin ich mit der Saison schon jetzt. Und es sind immer noch sechs Punkte zu vergeben, wobei Hertha der VfB aus eigener Kraft sogar noch die Qualifikationsspiele zur Championsleague erreichen kann. Egal was jetzt noch passiert, Hertha der VfB hat eine riesige Saison Rückrunde gespielt.

Und mal ganz ehrlich: Wer hätte das zu Beginn der Spielzeit Rückrunde gedacht? Dass Hertha der VfB ganz oben mitspielt?  Mindestens Platz fünf  erreicht [sag ich mal] und zwei Spieltage vor Schluss noch Chancen hat, die Meisterschaft zu gewinnen?

Wie gesagt: ich habe nicht allzu viel vom Spiel sehen können; auf Basis der  letzten 30 Minuten bin ich allerdings ganz froh, dass es nicht mehr war – zu anstrengend gestaltete sich die Sache für mein Nervenkostüm. Lehmanns zweiter Flankenfehlgriff innerhalb weniger Tage, Boulahrouz’ und Träschs Geleitschutz bei Kuranyis anderer Kopfballchance, Schiedsrichter Kempters Sympathie für Rafinhas Fallsucht (ich weiß, die ist Legende – ändert nichts daran, dass sie auch gestern zum Tragen kam), Maricas Fehlschuss aus kürzester Distanz, Gebharts zögerlicher Abschluss (unabhängig davon, ob man Elfmeter hätte pfeifen können) – mir hat eine halbe Stunde gereicht.

Um nicht missverstanden zu werden: ich spreche von der nervlichen Belastung; die Leistung des VfB fand ich in dieser Phase hinsichtlich Kampf und taktischer Disziplin völlig in Ordnung (davor soll es auch auch spielerisch gut gewesen sein), die Konter haben mir teilweise gut gefallen, und Schieber hat mehr als nur aufblitzen lassen, weshalb man so große Stücke auf ihn hält. Khedira war sich für taktische Fouls nicht zu schade, Hitzlsperger beruhigte, und Marica zeigte sich, wie soll ich sagen, taktisch gewieft. Im Königsblog sieht Torsten darin freilich eher Zeitspiel – vermutlich nicht zu unrecht, aber wer will das den Spielern verdenken? Da ist schlichtweg der Schiedsrichter gefordert, der es aber – zu meinem Unverständnis, wenn auch in diesem Fall keineswegs zu meinem Verdruss – bei den üblichen drei Minuten beließ.

Wie auch immer: 2:1 gewonnen, 6 Punkte Vorsprung auf Platz 6, ein Heimspiel vor der Brust. Nachdem ich am Dienstag noch etwas betrübt war ob der Siege von Bayern und Hertha (Wolfsburg hat ja Dortmund geschlagen, das geht in Ordnung), überwiegt nun doch eindeutig die Zufriedenheit mit diesem 32. Spieltag.

Gruß an probek, übrigens.

Nachtrag:
Vom OM-Gastspiel in Nizza hab ich sogar überhaupt nichts gesehen, und auch dort hat man gewonnen, dem Vernehmen nach zudem recht entspannt. Vielleicht sollte ich einfach grundsätzlich nicht mehr zuschauen, wenn das  solche Ergebnisse zur Folge hat.