Auf allen Bühnen zu Hause.

Der hiesige Hausherr ist ja blogmäßig eher so ein Stubenhocker. Einer, der bei seinen Leisten bleibt, mit einer gewissen Regelmäßigkeit Texte schreibt und veröffentlicht, ab und zu auch mal ein wenig Statistik einfließen lässt, und das war’s dann auch. Andere sind da vielseitiger. Drehen Videos, podcasten, erstellen Infografikmassaker, interviewen, oder:

lesen.

Der Trainer macht Sachen. Wer ihn selbst und seine Radiostimme kennt, dürfte wie ich davon ausgehen, dass er auch im djäzz eine hervorragende Figur abgeben wird. Und sich wie ich darüber ärgern, dass es nichts wird mit einer Duisburgreise am Donnerstag. Viel Spaß all jenen, die diesbezüglich in einer komfortableren Situation sind.

Wieder andere wollen drucken. So zum Beispiel @gses, der früher im Rasenschach-Magazin gebloggt hat und jetzt eine gedruckte Bloggerzeitschrift in Angriff nimmt:

Der Blogger“ soll ein neues monatliches Printmagazin werden und die Qualität der deutschen Blogosphäre in einem Druckwerk bündeln.
Wer Artikel ohne politischen Druck oder verlagsinterne Vorgaben lesen möchte, ist hier richtig.
Eine Zeitschrift von Bloggern für alle, die Meinungen und Hintergründe zu Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur, Technik und gesellschaftskritischen Themen lesen möchten.

Das Projekt soll über Crowdfunding verwirklicht werden, von dem ich keine Ahnung habe. Aber inhaltlich gefällt mir der Gedanke und ich bin sehr gespannt, was draus wird. Wer ähnlich denkt, möge „Fan werden“ (für die Formulierung kann vermutlich auch @gses nichts) und so dazu beitragen, dass „der Blogger“ zur Förderung freigegeben werden kann.

Da wir grade beim Drucken sind: es ist mir furchtbar unangenehm und völlig unerklärlich, dass in diesem Blog noch nie ein Hinweis auf Janniks wunderbares Buch stand, in dem er seine Blogtexte zum letztjährigen Gladbacher Klassenerhalt sammelte und veröffentlichte. Jannik, Ihr wisst schon, Entscheidend is auf’m Platz, eines der besten Blogs der Welt, das leider seit Monaten brach liegt. Wer eine Schwäche für die Borussia, für eine gute Story oder einfach für gelungene Texte hat, liegt mit seinen Werken genau richtig. Und wenn einem all das abgehen sollte, kann man immer noch eine gutes Werk tun und den Kindertraum Nettetal e.V. unterstützen: „So weit die Raute trägt

Ballpod. Oder Ballpodder. Remember? Genau. Einige Menschen, die gerne mal die eine oder andere Zeile über Fußball schreiben, haben vor einiger Zeit auch ein paar Versuche unternommen, darüber zu reden. Sebastian Fiebrig hat das Ganze noch einmal aufgegriffen, in sehr angenehmer Form, wie ich finde, und wie ich ihn kenne, wird es nun mit weitaus mehr Entschlossenheit voran getrieben. Für die Nullnummer hat er sich vergangene Woche Herrn @probek eingeladen, um ein wenig über die Bayern zu reden.

Vielleicht sollte ich irgendwann auch mal sprechen lernen.

Klostrabacher Alpirs… (I)

Fußballbloggertreffenstädtereise. Fußballblogger… treffenstädtereise. Fußballblog… gertreffenstädte… reise. Fußballbloggertreffen… städtereise. Bloggertreffen… fußballstädtereise. Treffenreise… städtebloggerfußball. Reisefuß… balltreffenblog… gerstädte. Städtetreffen… fußballrei… senblogger. Fußballbloggertreffenstädtereise.

Will sagen: ich bin grad auf Lesereise Tournee durch einige deutsche Stadien, in denen ich Menschen treffe, die auch Blogs schreiben, lesen und kommentieren. Den Auftakt machte am vergangenen Samstag der Besuch der Münchner Arena, der mir sehr schwer fiel: parallel bestritt der VfB Stuttgart sein letztes Heimspiel nicht nur dieser Saison, sondern überhaupt mit der Cannstatter Kurve alter Prägung, wo zudem neben einigen anderen Roberto Hilbert verabschiedet wurde, dem von Fanseite meines Erachtens in den letzten Jahren viel zu wenig Wertschätzung zuteil wurde, aber das ist eine andere Geschichte.

Letztlich entschied ich mich gegen das Stadion und für das Zusammentreffen mit einigen jener Leute, deren Blogs ich sehr regelmäßig lese, deren Humor ich in Ansätzen zu kennen glaube, mit denen man wunderbar diskutieren kann, mit deren Meinungen ich zwar nicht immer konform gehe, die ich aber allein schon deshalb schätze, weil sie sich mit einer gehörigen Portion Herzblut mit Fußball beschäftigen. Fußballblogger halt.

Schön war’s. Natürlich war ich während des Spiels ziemlich wehmütig, natürlich habe ich Liga total verflucht wegen des VfB-Anteils an der Konferenz, natürlich war es nicht meine Wunschkonstellation, die vorgezogene Meisterschaftsfeier der Bayern live zu erleben (zumal ich bereits im Vorjahr, in besonders unangenehmer Konstellation, den Münchner Jubel vor Ort bezeugt hatte), natürlich war ich mit dem Stuttgarter Ergebnis unzufrieden, natürlich hatte ich auf Nürnberger Punkte in Hamburg gehofft, aber wenn man insbesondere die ganzen sportlichen Aspekte einmal außen vor lässt, die ja im modernen Fußball ohnehin nicht mehr so wichtig sind, war’s schön. Sowohl im Stadion als auch hinterher im einen oder anderen gastronomischen Betrieb.

Über Fußball haben wir geredet, über Blogs, Blogger und deren Selbstverständnis, aber auch übers Filmemachen, über das Fansein an sich, über Kim Fisher, Ursula Cantieni, Tatort und Polizeiruf, über Persönliches, Sportliches und Journalistisches, über… wenig Gott und viel Welt, würde ich sagen.

Und über Liga total. Schließlich waren wir auf Einladung von Microsoft und T-Home in München versammelt (genau: die Kosten für Anfahrt, Eintrittskarte und Verköstigung in der Telekom/ran-Loge habe ich nicht selbst getragen – vielen Dank an T-Home, Microsoft und die von ihnen beauftragte Agentur Edelman), und so gebot es nicht nur die Pflicht als Gast, sondern auch ein echtes Interesse, die Produktinformationen zu Liga total zu verfolgen – selbst ich, als überzeugter Nur-im-Notfall-Konferenz-Schauer, der zudem in aller Regel in der Fußballkneipe seines Vertrauens die Auswärtsspiele des VfB verfolgt.

Wie gesagt, ich kenne mich nur bedingt aus, und vermutlich würde ich bei einer Art Pepsi-Test mit ausgeblendeten Logos nur mit etwas Glück sagen können, ob ich die Konferenz bei Liga total oder eben bei Sky sehe. Ein fundierter Vergleich ist von mir nicht zu erwarten, und an neuen Gimmicks und Features bin ich nur bedingt interessiert. Was mich vom technischen Ansprechpartner vor Ort unterschied. Mir geht es darum, dass das Ganze funktioniert und ich möglichst viel von den Spielen sehen kann – diese Anforderung war, nicht nur der zahlreichen Monitore wegen, absolut erfüllt, auch wenn ich mich mit meinem VfB-Wunsch nicht durchsetzen konnte. Die Gastgeber zeigten sich glaubhaft interessiert an unserem Feedback, nahmen wohl auch den einen oder anderen auch aus meiner Sicht notwendigen Verbesserungsvorschlag mit, und gaben, so weit ich das beurteilen kann, offen Auskunft.

Für die Zeit nach dem Spiel hatte der heimlich blaublütige Klassensprecher @probek (von dem ich nicht weiß, ob er diese Bezeichnung mag – ich hab sie irgendwo aufgeschnappt und verwende sie in bester Absicht) vorgesorgt und unsere Horde in einer für vertiefende Gespräche geeigneten Lokalität untergebracht, die entsprechend genutzt wurde, auch wenn leider nicht mehr alle dabei sein konnten (nachdem ich leider bei weitem nicht die Gelegenheit gehabt hatte, mich mit allen zu unterhalten). Dafür kamen andere dazu, so der @stadtneurotikr und ein weiterer Mauertaktiker.

Eine Übersicht der beteiligten Blogger gibt es als eine Art kommentierter Linkliste beim Volk ohne Raumdeckung (wie mich dieser Name immer wieder begeistert!), mit dessen Autor @robalef ich zwar in Sachen Mario Gomez inhaltlich über Kreuz bin, der aber für meinen größten Münchner Lacher sorgte, als er die Ähnlichkeit zwischen Paul Breitner und Paul McCartney thematisierte.

Breitner saß in der Tat wenige Meter vor uns, genau wie allerlei sonstige Prominenz – Matthias Sammer indes stand am Geländer. Es gibt mir ein gutes Gefühl für die Zukunft des deutschen Fußballs, wenn der DFB-Sportdirektor ein Stehplatzfan ist. Ich selbst stand übrigens auch, und zwar in der letzten Reihe, sodass sich niemand beschweren und ich mich gelegentlich in Richtung der in der Loge platzierten Bildschirme umdrehen konnte.

Nach dem Spiel war dann vor dem Spiel, da am nächsten Tag die Fortsetzung der Fußballbloggertreffenstädtereise anstand. Mehr darüber gibt’s demnächst auf diesem Bildschirm. Wer diesen Spruch noch aus den Zeiten von „Western von gestern“ kennt, dürfte auch keine Schwierigkeiten gehabt haben, die Überschrift einzuordnen. Andernfalls:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=TAoPgfp2PVM]

Meine eigene universelle Twitkritik.

Das „Konzept Twitkrit“ gefällt mir. Erklärungen und Interpretationen einzelner oder nach irgendwelchen Kriterien gruppierter Tweets lese ich meist mit Interesse, häufig mit Vergnügen und nicht selten mit einem gewissen Neid: ich würde das auch gerne machen. Können, vor allem.

Dann komme ich zumeist recht schnell zu dem Schluss, dass das irgendwie mit Talent, literarischem Gespür oder sonstwas zu tun hat und finde mich mit meiner Leserrolle ab. Ohne den Gedanken aufzugeben, irgendwann einmal selbst ein Buch zu schreiben einen Tweet zu erklären.

Vor wenigen Tagen war es dann soweit: mir ist ein Tweet zugeflogen, den ich gerne einmal näher betrachten wollte und von dem ich glaubte, ihn ganz gut verstanden zu haben:

Ein Rechtfertigungstweet, ganz offensichtlich: @heinzkamke hatte sich wohl einige Tage lang rar gemacht und wollte den geneigten Followern nun, warum auch immer, die Gründe seines Schweigens darlegen, wie seine Einleitung „Kurze Zusammenfassung meines Wochenendes“ vermuten lässt. Das kann man natürlich tun; in aller Regel ist es allerdings nur bedingt interessant. Zumal gerade Twitter den Mut zur Lücke, konkret: willkürliches unregelmäßiges Ein- und Ausklinken, kultiviert – auch wenn sich in der Twitterwelt vermutlich nicht nur zahlreiche Abwesenheitsrechtfertiger tummeln, sondern auch so mancher Nutzer, der nach jeder Offlinephase die Lücke fürchtet und deshalb seine gesamte Timeline nachliest.

Ich schweife ab. Zurück zum Rechtfertigungsbedarf: möglicherweise wollte @heinzkamke über die Grenzen von Twitter hinaus (gilt das schon als crossmedial?) jene Leser besänftigen, die an besagtem Wochenende Kommentare in seinem Blog hinterlassen und darauf, entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten, keine Reaktionen erhalten hatten. Eventuell wollte er gar dem einen oder anderen regelmäßigen Besucher andeuten, dass eher nicht mit einem Text zum jüngsten Bundesligaspieltag zu rechnen sei, weil der Blogbesitzer Wichtigeres zu tun gehabt habe.

Was dieses Wichtigere war? Nun, er sagt es uns nicht direkt. Mutter und Kind seien wohlauf, schreibt er, und dass es ein Mädchen sei, ergänzt um den etwas unbeholfenen Versuch, durch einen Doppelsmiley besonders große Freude zum Ausdruck zu bringen. Der mitdenkende Leser (wie auch sein weibliches Pendant) zieht vorsichtige Schlüsse, manch einer wünscht mehr oder weniger konkret Glück, ehe schließlich der entscheidende Hinweis, als verklausulierte Nachfrage getarnt, von @probek kommt:

Oha, @heinzkamke ist also wieder Vater geworden. Was noch ein ganz anderes Licht auf die Rechtfertigungstheorie wirft: Wahrscheinlich will er uns gleichzeitig sagen, dass er in der nächsten Zeit etwas mehr Zeit mit der Familie und weniger mit Twitter, seinem Blog und anderem Social Media Zeug verbringen wird.

Vielleicht interpretiere ich da aber über.

Mal wieder Bloggern zuhören?

Das Fußballradio 90elf lädt dreimal in der Woche zu abendlichen Fußballgesprächen auf den Bolzplatz. Vergangene Woche gab es einen Themenabend zu 18mal 18, in dessen Rahmen das Projekt vorgestellt wurde und einige der beteiligten Blogger zu Wort kamen, auch ich durfte ein paar Sätze zu Sebastian Rudy sagen. Die Mitschnitte unserer Gespräche kann man bei 18mal anhören – und gerne auch gleich dort kommentieren.

Zudem gibt es eine weitere Ausgabe des Ballpod-Podcasts, mittlerweile die achte, und auch diesmal haben wir wieder ein etwas anderes Format: Jürgen Kalwa von American Arena, der nach eigenen Angaben erneut für den verhinderten probek „von der Reservebank eingewechselt“ wurde, dabei aber erwartungsgemäß weit mehr als irgendein Ergänzungsspieler war, unterhielt sich im spannenden Tête-à-tête mit dem Popkulturzitatemonster erz von der Kontextschmiede. Die Themen waren indes kaum popkulturell, sondern lauteten Fußballtaktik, Fußballsprache und Wissensvorsprünge. Anhören kann man das Ganze hier, Kommentare bitte dort.

Sebastian Rudy – einer von 18.

Wieso denn einer von 18? Der VfB-Kader hat mehr als 18 Spieler. Der der U21 auch. Den Sprung von der VfB-Jugend in den Profikader haben auch schon mehr als 18 junge Leute geschafft. Was soll das also?

Die Antwort weiß in diesem Fall nicht der Wind. Vielmehr ist sie im neuen Projekt 18mal18 zu suchen und zu finden:

„18mal18 ist ein Experiment. 18 Autoren widmen sich je einem 18-jährigem Nachwuchsspieler aus einem der 18 Bundesligavereine. Die Autoren adoptieren den hoffnungsvollen Jungprofi für ein Jahr und begleiten ihn auf dem Weg vom Talent zum etabliertem Bundesligaprofi oder beim Zerplatzen der großen Träume.“

Zugegeben: Rudy ist 19. Andere Spieler auch, einzelne sind erst 17. Bisher sind nicht alle 18 Vereine vertreten. Und weil sich auch mal mehrere Blogger gemeinsam um einen Spieler kümmern, werden es letztlich mehr als 18 Autoren sein. Von denen ich einer sein darf.

Das Projekt, das für uns alle etwas von einer Wundertüte hat, ist im von probek gegründeten Sportbloggernetzwerk entstanden und hat sich in den vergangenen Wochen zunehmend konkretisiert. Initiiert, vorangetrieben und umgesetzt wurde das Ganze von Robert (parkdrei.de), sodass wir mittlerweile eine schöne Heimstatt, eine ganze Reihe von Autoren (der fußballinteressierte Leser und sein weibliches Pendant werden den einen oder die andere bereits kennen) und vor allem erste Texte haben, die heute und morgen sukzessive veröffentlicht werden.

Selbstverständlich freuen wir uns über Hinweise, Anregungen und Kommentare zum Projekt, über inhaltliche Kommentare sowieso, und wenn sich jemand berufen fühlt, eine der noch bestehenden Lücken zu schließen, möge er sich an Robert oder mich wenden.

Ach ja: hier gibt’s den ersten Rudy-Artikel.

Können Fußballspielerblogger sprechen?

In einem weiteren Feldversuch haben sich die Herren Alex (Rasenschach.eu), Probek (Probek.net) und der Stadtneurotiker (Anstosspunkt.org) sowie der telefonisch zugeschaltete Nedfuller (Nedsblog.de) als Versuchsobjekte für die oben genannte Frage betätigt und der gemeinen Beobachterin ein deutliches „Ja, sie können“ entlockt.

Thematisch deckten die Podder erneut ein breites Spektrum ab und befassten sich insbesondere mit der Nationalmannschaft, dem HSV und den letzten Bundesligatransfers. Technisch und mit Blick auf die Struktur des Podcasts war es ein weiterer großer Schritt nach vorne, sodass es nahezu an Koketterie grenzt, von einer weiteren „Nullnummer“ zu sprechen.

Alles weitere findet sich bei probek, insbesondere das Werk selbst und die Bitte um Feedback (das nicht zwingend so positiv ausfallen muss wie mein Text hier, nur keine Hemmungen).

Wenn Fußballblogger reden…

.. dann ist das irgendwie anders, als wenn man sie nur liest. Aber nicht minder interessant. Auf lobenswerte Initiative und kontinuierliches Betreiben des umtriebigen probek wurde in den letzten Wochen intensiv über ein Podcast der einiger von Fußballbloggern diskutiert.

Nicht nur diskutiert, sondern auch umgesetzt, und was herauskam, kann sich meines Erachtens durchaus hören lassen. Natürlich gibt es noch einige Einschränkungen, aber darauf will ich jetzt gar nicht im einzelnen eingehen, weil probek das bereits wunderbar getan hat:

zum Podcast inklusive Einleitung, Erklärungen, Inhaltsangabe und aussagekräftiger tags geht’s hier entlang.

Disclosure: ich komm da auch zu Wort.

Der Beste.

Letzte Woche kam das 11Freunde Bundesliga-Sonderheft heraus. Jens von catenaccio.de hat sich bereits intensiv und auch optisch sehr ansprechend damit auseinandergesetzt. Seine Kaufempfehlung teile ich.

Genau wie er – und vermulich zahlreiche andere Blogger, die sich mehr oder weniger regelmäßig mit Fußball befassen – schätze ich insbesondere das kleine Beiheft „Meine Saison 2009/10“. Dort haben (in den meisten Fällen) Fußballblogger einen kurzen Fragebogen zu ihrem Verein beantwortet. Und nicht die Tatsache, dass sie diese Plattform geboten bekamen, ist es, die mich begeistert, sondern wie sie in vielen Fällen damit umgegangen sind. Entspannt, humorvoll und mit einer gehörigen Portion Selbstironie haben sie die Fragen beantwortet und auch eine bestenfalls humoristische witzig gemeinte Vorgabe wie „Tod und Hass (zumindest aber latente Abneigung)“ souverän gemeistert, indem sie eben nicht übers Stöckchen gehoppelt sind – ob es Zufall war, dass die Rivalität zwischen Schalke und Dortmund im Königsblog kurz darauf nochmals explizit und angenehm unaufgeregt thematisiert wurde…?

Etwas schwerer fiel es vermutlich in der zweiten Liga, die Frage nach den Aussichten von Greuther Fürth halbwegs kreativ zu beantworten, ohne die „5“ zu nennen, aber das nur am Rande.

Was mich indes neben der „Tod und Hass“-Frage tatsächlich irritiert hat, war die Vorstellung von Bayern-Blogger Breitnigge:

…ist noch immer der beste Blogger rund um den FC Bayern.

An der Stelle würde mich schon interessieren, nach welchen Kriterien man zu einer solchen apodiktisch anmutenden Aussage gelangt. Schreibt er am häufigsten, für die meisten Leserinnen und Leser, hat er die meisten Kommentare, das geheimste Insiderwissen, oder wurde er irgendwo als Bayern-Blogger Nr. 1 gecastet? Und selbst wenn all das zuträfe: sind das die Kriterien, die die Nr. 1 ausmachen?

Um eines klar zu stellen: ich will und kann nicht sagen, Breitnigge.de sei nicht das beste Blog rund um den FC Bayern, dafür fehlen mir nicht nur die Bewertungskriterien, sondern ich kenne mich dort schlicht zu wenig aus. Was ich indes weiß, ist, dass man bei probek, beim Fernglas FCB oder beim Fehlpass, bestimmt auch bei eingen anderen, wo ich nicht so regelmäßig vorbeischaue, auch schön schreibt. Ob das jeweils besser ist als bei Breitnigge, kann ich für mich ganz persönlich beantworten, mehr ist nicht drin.

Irgendwie glaube ich, dass so eine Aussage nicht so recht zum Selbstverständnis der meisten Fußballblogger passt, bzw. zu ihrem kollegialen Umgang. Aber da kann ich mich natürlich täuschen.

Falsches Eis.

Ich trage eine Teilschuld.

Markus Babbel hatte es letzte Woche im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten enthüllt, @droitaubut hatte die Nachahmung zum Programm gemacht, und ich selbst hatte es mir fest vorgenommen: am Vorabend eines VfB-Spiels gilt es, für jeden Punkt eine Kugel Eis zu Essen.

In meinem Kurzurlaubsdomizil gab es aber keine Eiskugeln. Zwar habe ich mir das größte aufzutreibende Eis am Stiel als adäquaten Ersatz schöngeredet; dass es sich nicht um mehr als einen schnöden Selbstbetrug handeln konnte, musste ich mir indes bereits vor dem Spiel eingestehen: ein Eis am Stiel ist keine ernst zu nehmende Alternative.

Mir liegen keine Informationen über den Speiseplan im Mannschaftshotel vor; es würde mich jedoch nicht überraschen, wenn auch Markus Babbel und insbesondere seine Spieler kein Eis (oder zumindest das falsche) bekommen hätten – und sich der Konsequenzen ebenfalls bereits im Vorfeld des Spiels bewusst gewesen wären.

Zwar versuchten sie sich in den ersten Minuten durchaus an etwas, das man mit einem gewissen Wohlwollen als Forechecking (wenn auch nicht im Happelschen Sinne) bezeichnen darf, und konnten die Bayern zunächst auch ein wenig irritieren. Sehr früh wurde jedoch deutlich, dass der designierte Tourneedebütant Christian Träsch auf einen entschlossenen Franck Ribéry traf, der sich zwar zu allerlei Mätzchen bemüßigt fühlte, der aber die spielentscheidenden Dribblings suchte – und dabei recht früh Khalid Boulahrouz zu einem sogenannten Eigentor zwang. Der eine oder andere Stuttgarter dachte spätestens jetzt an sein Stieleis und schien bereit, den Gang der Dinge hinzunehmen.

Im letzten Drittel der ersten Hälfte berappelte man sich wieder und startete kurz vor der Pause einige gute und endlich zielgerichtete Aktionen, wobei unter anderem Butt Träsch, Butt Hitzlsperger, Butt Gomez. Khedira sich selbst, Gomez und Cacau einander und die Unparteiischen bei den kleinen Entscheidungen zunächst verstärkt dem VfB, insgesamt aber  dem Spiel an sich im Weg standen.

So ging man mit einem  Rückstand in der Pause, wo irgendjemand nochmals die Sache mit dem Eis zur Sprache gebracht haben muss, sodass eine Stuttgarter Mannschaft aus der Kabine kam, die zwischen dem Glauben an die Wende und der Angst vor dem zweiten Gegentreffer hin- und hergerissen schien. Einige Stuttgarter, namentlich insbesondere Sami Khedira und Roberto Hilbert, schienen zwar entschlossen, den Sieg noch zu erzwingen, bei anderen überwogen Vorsicht und die Hoffnung auf den (doppelten!) Lucky Punch.

Da jedoch auch die Defensive zurückhaltend agierte, war das 2:0 eine folgerichtige Entwicklung mit dem positiven Nebeneffekt, dass der VfB nun endgültig nichts mehr zu verlieren hatte und einen Zwischenspurt einlegte. Mario Gomez empfahl sich mit einer Einzelaktion zum 2:1 nochmals eindrücklich seinem möglicherweise künftigen Arbeitgeber, und wenn er kurz darauf frei vor Butt etwas zielsicherer gewesen wäre, hätte noch eine heiße Schlussphase folgen können. So aber war der Stuttgarter Widerstand nach dieser Aktion und wohl auch angesichts der klaren Karlsruher Führung[1]
gegen die Hertha endgültig gebrochen. Die Bayern ließen den Ball laufen und der VfB kam überhaupt nicht mehr in die Zweikämpfe.

Die Bayern haben letztlich verdient gewonnen. Der VfB hatte zwei Phasen, in denen er zumindest einem weiteren Treffer recht nahe war, sodass sich die Gastgeber auch über ein Unentschieden nicht hätte beschweren können; alles in allem warf der VfB angesichts der Perspektive Platz 2 bzw. direkte Qualifikation für die Champions League jedoch schlichtweg zu wenig in die Waagschale.

Soviel zum Samstagsspiel.

Insgesamt bin ich jedoch mehr als zufrieden. Von 11 auf 3 ist nicht so schlecht, die CL-Quali ist weit mehr, als man im Winter erträumen durfte, Markus Babbel und Rainer Widmayer haben der Mannschaft Perspektiven aufgezeigt, die vielleicht dazu beitragen können, Spieler wie Sami Khedira oder Serdar Tasci noch recht lange eine Weile zu halten, und Horst Heldt wird sich hoffentlich auf die Gomez-Verhandlungen (so oder so) konzentrieren, anstatt mit Wolfsburg zu konferieren. Dies in aller Kürze, ein ausführlicheres Saisonfazit sollte zu gegebener Zeit folgen.

Und natürlich ist der VfL Wolfsburg ein verdienter Meister.

PS: Erneut hatte ich am Samstag das Vergnügen vor dem Spiel einen Fußballblogger zu treffen. Wiederum war es zu kurz, aber immerhin hat’s gereicht, um meine Getränkeschulden bei probek zu begleichen. Erfreulicherweise war es dank probeks Hilfe nicht nötig, eine Bezahlkarte zu erwerben – ein Schritt, den ich selbst im heimischen Neckarstadion bis dato unter tätiger Mithilfe des PSV nicht gehen musste…

1.Interessant, wie der Stuttgarter Anhang während des Spiels über jedes Tor des KSC und nach dem Spiel über dessen Abstieg jubelte. One Night Stand?

Die Gnade der späten Heimkunft ?

Da ich den gestrigen Sieg des VfB in Gelsenkirchen nur rudimentär verfolgen konnte, schreibe ich einfach mal ein bisschen ab. Ach Mist, Hirngabel ist ja im Urlaub arbeiten. Dann halt bei Enno:

Das Saisonziel Uefa-Cup ist [wahrscheinlich] erreicht. Platz fünf kann uns [wohl] keiner mehr nehmen. Alles, was jetzt noch folgt, ist eine Zugabe. Entsprechend zufrieden bin ich mit der Saison schon jetzt. Und es sind immer noch sechs Punkte zu vergeben, wobei Hertha der VfB aus eigener Kraft sogar noch die Qualifikationsspiele zur Championsleague erreichen kann. Egal was jetzt noch passiert, Hertha der VfB hat eine riesige Saison Rückrunde gespielt.

Und mal ganz ehrlich: Wer hätte das zu Beginn der Spielzeit Rückrunde gedacht? Dass Hertha der VfB ganz oben mitspielt?  Mindestens Platz fünf  erreicht [sag ich mal] und zwei Spieltage vor Schluss noch Chancen hat, die Meisterschaft zu gewinnen?

Wie gesagt: ich habe nicht allzu viel vom Spiel sehen können; auf Basis der  letzten 30 Minuten bin ich allerdings ganz froh, dass es nicht mehr war – zu anstrengend gestaltete sich die Sache für mein Nervenkostüm. Lehmanns zweiter Flankenfehlgriff innerhalb weniger Tage, Boulahrouz‘ und Träschs Geleitschutz bei Kuranyis anderer Kopfballchance, Schiedsrichter Kempters Sympathie für Rafinhas Fallsucht (ich weiß, die ist Legende – ändert nichts daran, dass sie auch gestern zum Tragen kam), Maricas Fehlschuss aus kürzester Distanz, Gebharts zögerlicher Abschluss (unabhängig davon, ob man Elfmeter hätte pfeifen können) – mir hat eine halbe Stunde gereicht.

Um nicht missverstanden zu werden: ich spreche von der nervlichen Belastung; die Leistung des VfB fand ich in dieser Phase hinsichtlich Kampf und taktischer Disziplin völlig in Ordnung (davor soll es auch auch spielerisch gut gewesen sein), die Konter haben mir teilweise gut gefallen, und Schieber hat mehr als nur aufblitzen lassen, weshalb man so große Stücke auf ihn hält. Khedira war sich für taktische Fouls nicht zu schade, Hitzlsperger beruhigte, und Marica zeigte sich, wie soll ich sagen, taktisch gewieft. Im Königsblog sieht Torsten darin freilich eher Zeitspiel – vermutlich nicht zu unrecht, aber wer will das den Spielern verdenken? Da ist schlichtweg der Schiedsrichter gefordert, der es aber – zu meinem Unverständnis, wenn auch in diesem Fall keineswegs zu meinem Verdruss – bei den üblichen drei Minuten beließ.

Wie auch immer: 2:1 gewonnen, 6 Punkte Vorsprung auf Platz 6, ein Heimspiel vor der Brust. Nachdem ich am Dienstag noch etwas betrübt war ob der Siege von Bayern und Hertha (Wolfsburg hat ja Dortmund geschlagen, das geht in Ordnung), überwiegt nun doch eindeutig die Zufriedenheit mit diesem 32. Spieltag.

Gruß an probek, übrigens.

Nachtrag:
Vom OM-Gastspiel in Nizza hab ich sogar überhaupt nichts gesehen, und auch dort hat man gewonnen, dem Vernehmen nach zudem recht entspannt. Vielleicht sollte ich einfach grundsätzlich nicht mehr zuschauen, wenn das  solche Ergebnisse zur Folge hat.