elf/zwanzigdreizehn

Ein Banker, in Landshut geboren,
dem Fairplay, der Fairness verschworen.
Weltklasse seit Jahren
von Lewan geschlagen
den Zweikampf hat er wohl verloren.

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– Von gerdmülleresker Statur.
(Schrieb er selbst, vorher ahnte man’s nur.)
– Im Hauptberuf Erbe.
(Ein edles Gewerbe.)
– Exponent punkto Spocht und Kultur.

 

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Weitere Adventsfünfzeiler gibt’s im Kalender.

Der diskrete Charme der Meinungseinfalt

„Wir werden ab dem ersten Spieltag der neuen Saison eine einheitliche Sportschau in den 3. Programmen der ARD anbieten. Die wird eine Länge von 20 Minuten haben. Wir haben in der letzten Rechteperiode unseren föderalen Charme in der ganzen Breite sonntags ausgespielt. Das führte aber auch dazu, dass man in dem einen Sender die Information vom Reporter bekam: Das ist auf jeden Fall ein Elfmeter‘. Die gleiche Szene ist in einem anderen Sender vielleicht anders beurteilt worden.“

So wird WDR-Sportchef Steffen Simon in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst zitiert, das bei merkur-online.de veröffentlicht wurde und auf das mich die geschätzten Herren von Fokus Fussball aufmerksam gemacht haben. Der Umstand, dass ich gerade heute zu Fokus Fussball verlinke, wird dessen Mitbegründer @sportkultur, der ja nebenbei ein formidables eigenes Blog befüllt, das vor wenigen Tagen Geburtstag feierte, möglicherweise ein wissendes, vielleicht auch mit einem leisen „der Schlingel“ einhergehendes Lächeln entlocken, auf dessen Gründe ich an dieser Stelle, man möge es mir verzeihen, nicht weiter einzugehen gedenke.

In seiner Einleitung zur jüngsten Fokus-Fussball-#Link11 geht Klaas, wie Herr sportkultur sonst so heißt, auf eine aktuelle Interviewattrappe zwischen Mario Götze und seinem Arbeitgeber ein, die ich an dieser Stelle, man möge es mir verzeihen, nicht zu verlinken gedenke. Klaas belässt es nicht bei besagtem Hinweis, sondern hat auch eine Meinung:

„Auch der Umgang der Medien mit den Veröffentlichungen des FC Bayern ist kritisch zu beobachten, denn hier wird ein Interview vielfach in die Berichterstattung aufgenommen, das nicht mehr als PR ist. Wenn die Presselandschaft sich mit den Bröckchen zufrieden gibt, die die Presseabteilung hinwirft, dann wird es einfach für die Bayern sich die Berichterstattung so zu lenken wie es sich die Granden des Vereins wünschen.

Hoffen wir auf kritischen Sportjournalismus, der sich gegen Einschränkungen der Berichterstattung durch die Fußballclubs wehrt.“

Unter den vielfältigen Verdiensten, die sich der ehemalige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger im Lauf seiner Amtszeit erworben hat, ragt jener, den Begriff der „Kommunikationsherrschaft“ in die Sportberichterstattung eingebracht zu haben (man möge mich bitte korrigieren, sofern anderweitige Urheberrechtsansprüche bestehen), heraus. Kommunikationsherrschaft verhält sich, wenn man so will, und ich will, seit einigen Jahren zu Theo Zwanziger wie der sprichwörtliche tödliche Pass zu Uwe Bein.

Genau wie Bein – man möge mir an dieser Stelle verzeihen, dass ich mich von meinem eigenen schiefen Bild davontragen lasse und gleich auch noch eine schiefe Überleitung anhänge – sieht auch Theo Zwanziger nunmehr vielen Akteuren zu, die ihm nacheifern: die einen gut, die anderen weniger, die einen talentiert, die anderen dilettantisch, die einen auf höchster Ebene, die anderen in der Kreisliga. Der FC Bayern, um das obige Beispiel aufzugreifen, beschäftigt keine Dilettanten (Mario-Gomez-Kritiker mögen sich an dieser Stelle zurückhalten), die PR-Strategie verfängt vielerorts, wie Klaas bereits in seinem oben verwendeten Zitat kritisiert.

Natürlich ist das, wie wir alle wissen, gang und gäbe, ohne jeden Zweifel wird es bei anderen Vereinen ähnlich gehandhabt, in vielen anderen Bereichen ebenso. Man könnte nun auf den Niedergang des Journalismus eingehen, wenn man könnte, auf dortige Rahmenbedingungen, auf betriebswirtschaftlich bedingte Arbeitserschwernisse für ernsthaften, engagierten und kompetenten Journalismus, auf all das, was man immer wieder liest, was ich aber nicht seriös beurteilen kann. Was ich indes beurteilen kann: dass mich die von Klaas angesprochenen Auswüchse des PR-Journalismus unzufrieden zurücklassen.

Eigentlich wollte ich ja etwas über Steffen Simon sagen, den ich zu Beginn des Textes zitierte. Dass ich kein allzu großer Anhänger seiner Leistungen als Fußballkommentator bin, ist für die regelmäßige Leserin vermutlich kein Geheimnis, soll aber hier nichts zur Sache tun. Was mich irritiert, ist vielmehr das von ihm zum Ausdruck gebrachte Bemühen um eine ARD-weite Einheitsdeutung (Kommunikationsherrschaft ist möglicherweise dann doch ein etwas zu großes Wort) strittiger Szenen aus der Bundesliga.

Gerade jener föderale Charme, den die dritten Programme in der letzten Rechteperiode sonntags ausgespielt hätten, verlieh der Bundesligaberichterstattung eben dies: Charme. Er gab mir – leicht zeitversetzten Sportsendungen sei Dank – die Möglichkeit, einen fragwürdigen Elfmeterpfiff bei, sagen wir, Gladbach gegen Wolfsburg aus nordrhein-westfälischer wie auch aus niedersächsischer oder zumindest NDR-Perspektive bewertet zu sehen, oder auch nur von zwei mehr oder weniger neutralen Berichterstattern aus Bayern und Baden-Württemberg, die die Szene dennoch unterschiedlich beurteilten.  Und er gab mir, ja, auch das, die Gelegenheit, mich ob der völligen Fehlinterpretation beim MDR zu ereifern.

Möglicherweise verstünde ich die ARD, wenn es objektiv „richtige“ und „falsche“ Bewertungen gäbe. Wenn man Sorge hätte, kakophonisch den Eindruck zu vermitteln, die Regeln nicht zu kennen bzw. sie unterschiedlich gut zu kennen, sie falsch auszulegen. Zumal die Perspektive objektiver Richtigkeit von Schiedsrichterentscheidungen mit einem Schlag den sonntäglichen Fernsehdoppelpass obsolet machen würde. Manche würden vielleicht auch sagen: … bloßstellen würde, wie obsolet der sonntägliche Fernsehdoppelpass ist.

Aber so ist es nicht. Schiedsrichterentscheidungen sind nicht immer objektiv richtig oder falsch, Angriffsaktionen nicht immer objektiv vielversprechend oder zum Scheitern verurteilt, taktische Maßnahmen nicht objektiv innovativ oder vorhersehbar. Unterschiedliche Bewertungen gehören dazu. Sie wohnen dem Spiel und dessen Kommentierung inne, regen an und auf, tragen zum besonderen Reiz ‚unserer‘ Sportart bei. Was kein Plädoyer gegen die möglicherweise objektive Richtigkeit der Torlinientechnik sein soll. Eher eines für föderalen Charme.

Es mag Leute geben, die Regionalpatriotismus in der Sportberichterstattung für den Inbegriff des Bösen halten, oder auch nur für falsch. Was völlig in Ordnung ist. Ich zähle nicht zu ihnen. Mir gefällt es, bis zu einem gewissen Grad, wenn die Moderatoren und auch die Reporter getönte Brillen tragen. In den per definitionem regional gefärbten dritten Programmen, klar. Ob ich dann zustimme oder nicht, habe ich selbst in der Hand. SWR-Brille hin, Deutungshoheit her.

Vielleicht hat das Ganze aber auch gar nichts mit Charme und Deutungshoheit zu tun, sondern mit Geld. Produktionskosten. Synergien. Und so weiter. Eigentlich ein ganz charmantes Argument aus Sicht der Gebühren Zahlenden.

Eulen nach NRW tragen

Kurzzeitig sollte dieser Text mit “ Ode an Fokus Fußball“ überschrieben werden, was ich jedoch ziemlich rasch aus mancherlei Gründen verwerfen musste. So schien fraglich, ob ein so betitelter Beitrag überhaupt irgendeinen Leser (w/m) finden würde (abgesehen von den Fokusfußballern, vielleicht, aus naheliegenden Gründen) – zu eindrucksvoll und unstrittig ist Fokus Fußball, diese eierlegende Wollmilchsau des Fußballblogosquariums, längst in die Ruhmeshalle dieser unserer gar nicht so kleinen Nische eingegangen, als dass man mit einer angekündigten Lobhudelei (zumal es nicht meine erste wäre) noch irgendjemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte.

Nun zählt die Zahl der Leserinnen und Leser keineswegs zu den Dingen, die mich Tag und Nacht umtreiben; gleichwohl wäre es natürlich wünschenswert, dass eine Ode auch außerhalb des Kreises der Beodeten den einen oder die andere erreichte, der oder die mitschwelgt.

Das ist die eine Seite. Gleichzeitig schürte die Ankündigung einer Ode ja auch hohe Erwartungen. Denken wir nicht alle, wenn wir diesem kurzen Wörtchen begegnen, sogleich an Kommissar Keller die Ode To Naked Pop Stars oder andere Werke der Weltliteratur, an denen sich eine kurze textliche Belobigung nicht ohne Not messen lassen sollte – ganz abgesehen davon, dass die Ode per se geeignet scheint, einen latenten Lyrikverdacht zu befüttern, was niemand ernsthaft wollen kann.

Also trage ich ein paar Eulen nach NRW und sage noch einmal in aller Kürze – auch wenn es sich im Grunde nur um die Hinleitung zum eigentlichen, ganz unten folgenden Thema handelt – wie großartig Fokus Fußball ist. (So großartig zum Beispiel, dass ich es nun schon zum mindestens dritten Mal genannt und noch immer nicht verlinkt habe.) Naja, eigentlich steht da wieder nur, „wie großartig“ es ist, nicht aber, wie großartig es ist. Aber wie gesagt: Ruhmeshalle, bekannt. Nischenwissenskanon.

Vielleicht könnte ich gleichwohl noch einmal kurz betonen, dass ein Online-Leben ohne die tägliche Blog- & Presseschau kaum mehr vorstellbar ist. (Die Schreibweise ist doch bestimmt nur der Zeilenumbruchsvermeidung geschuldet, oder? Clever – sehen also nicht nur gut aus, die Fokusfußballer.) Ok, Kanon, Eulen. Aber vielleicht weiß die geneigte Leserin ja noch nicht um die Brillanz, Eleganz und Charmanz des Torspiels? Ah, ok. Weiß auch jeder. Dann brauche ich ja mit Collinas Erben gar nicht erst anzufangen.

Wobei: doch, da muss ich kurz was zu sagen. Podcasts sind nämlich so gar nicht meins. Ich verstehe mich eher als Leser. Sicher, beim Textilvergehen höre ich gelegentlich rein, weil ich die Leute mag und mich dann vom Thema und der Atmosphäre einfangen und fesseln lasse. An anderer Stelle klappt das selten. Klappte, muss ich sagen. Collinas Erben haben mich eingefangen. Des Themas wegen, und der Kompetenz.

Aber nicht nur. Ich höre den beiden Herren einfach gerne zu. Weil sie so gut und schön sprechen. Weil @lizaswelt die Souveränität besitzt, ein gedachtes „ähm“ geräuschlos durch eine Denkpause zu ersetzen, so er sie denn einmal braucht, und die Dinge beneidenswert präzise auf den Punkt bringt, weil Herr Refereese weit mehr ist als nur ein Stichwortgeber für den Fachmann, als der er selbst, wie bisweilen durchklingt, auch durchginge, weil sie beide, wie soll ich sagen, ziemlich gut Deutsch können. Selbstverständlichkeit? Das mag jeder so sehen, wie sie will.

(Nachtrag, aus guten Gründen und ohne konkreten Anlass: Auch beim Textilvergehen wird gutes Deutsch gesprochen.)

Was ich sagen wollte: Fokus Fußball ist gut. So gut, dass die geneigte Leserin ohnehin meist dort ist. Auch wegen der anderen Texte und Kategorien. Und sich nebenbei auch an LeserInnenbefragungen und sonstigem Getue beteiligt. Folglich also bestimmt schon an der Wahl zum Sportblogger-Award des Jahres 2012 teilgenommen hat.

All denjenigen aber, die das noch nicht getan haben, weil sie bisher keine Zeit oder keine Lust hatten, oder weil sie eben doch noch nicht so regelmäßig oder gar gar nicht bei Fokus Fußball vorbeischauen, all denjenigen möchte ich genau das jetzt zurufen: geht wählen!

Und habt Spaß mit den nominierten Beiträgen. Vielleicht kennt Ihr davon ja doch noch nicht alle, und ich habe keine Eulen irgendwohin getragen.

Ach so, fast vergessen: fokus-fussball.de.
Von Jens Peters und Klaas Reese.
(Nicht dieser Text hier ist von ihnen, sondern die Wollmilchsau.)

Griffigkeit

Es ist wieder einmal an der Zeit, Abbitte zu leisten. Der Adressat ist in diesem Fall Christian Gentner, den ich häufig, mitunter hart und gelegentlich auch giftig kritisiert habe. Sowohl hier als auch beim einen oder anderen Podcast, im privaten Umfeld sowieso.

Nun wird es Christian Gentner ziemlich egal sein, was ich im privaten Umfeld, beim einen oder anderen Podcast oder eben hier so von mir gebe. Was zu der Schlussfolgerung führen könnte, ich bräuchte gar keine Abbitte zu tun. Was wiederum insofern in die Irre geht, als ich zum einen nicht in erster Linie um Gentners Seelenheil besorgt bin, sondern um meines, will sagen: weil es mir ein Bedürfnis ist. Zum anderen geht es keineswegs darum, in der Vergangenheit geäußerte Kritik ungeschehen, ungesagt machen zu wollen. Ich hielt sie in jedem Fall für angebracht und auch angemessen.

Aber ich räume gerne ein, den Eindruck erweckt zu haben, möglicherweise nicht mehr an eine Verbesserung geglaubt zu haben. Und ich räume darüber hinaus ein, dass dieser Eindruck korrekt war.

Nun indes ziehe ich meinen Hut. Es ist aller Ehren wert, was Gentner in den letzten Wochen spielt. Mittlerweile habe ich sogar den Punkt erreicht, wo ich, wenn Leute aus meinem Umfeld im Stadion aus alter Gewohnheit (oder aktueller Überzeugung, auch das mag es geben) über Gentner herziehen, nicht mehr, wie in den ersten Wochen der Saison, lächelnd in mich gehe, sondern auch aktiv widerspreche.

Laufbereitschaft, Engagement, Spielverständnis und einen feinen Fuß hatte ich ihm stets attestiert, doch häufig schien der letzte Wille zu fehlen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, immer wieder in die Lücken zu stoßen, auch mal das offensive Laufduell zu suchen, anstatt abzudrehen und auf den Ball zu stehen.

Das ist zur Zeit anders. Gegen Eintracht Frankfurt räumte er hinten neben Kvist ab, spielte in der Mitte gute Bälle (wie schon in Hamburg), traf vorne zum 1:0, und mir persönlich imponierte nicht zuletzt (ja, natürlich war das auch seine Aufgabe), wie er speziell in der ersten Hälfte ein ums andere Mal den Sprint aus der Mitte in Richtung der linken Eckfahne anzog – wohl wissend, dass Molinaro den Ball ohnehin ins Aus spielen würde.

Vermutlich wäre es passend, Gentners Auftreten als „griffig“ zu bezeichnen. Zwar weiß ich nicht, was „griffig“ im Fußballkontext bedeutet, schließlich scheint es nicht um die Beschaffenheit des Bodens zu gehen, doch Gentner selbst betonte nach dem Spiel, seine Mannschaft habe nicht zuletzt deshalb gewonnen, „weil wir griffig waren von der ersten Minute an“. Wie gesagt, ich kann den Begriff nicht so recht greifen, möglicherweise kommt er aus jener Denkschule, die auch den „Zugriff“ auf ein Fußballspiel fest in unserem Vokabular verankert hat – aber wenn Gentner schon einen, wenn nicht den Exponenten des VfB-Spiels darstellte, dann dürfte wohl auch seine Griffigkeit stellvertretend für die der Mannschaft stehen können.

Parallel habe ich vernommen, wie in Schiedsrichterkreisen davon gesprochen wird, dass ein guter Schiedsrichter, der seine Ermessensspielräume sinnvoll nutze, dazu beitrage, das Spiel „griffig“ zu machen – zumindest wird das bei „Collinas Erben“ so gesagt, bzw. bei @lizaswelt, der im Podcast eben jenes Namens die Griffigkeit ins Spiel bringt.

Ich schweife ab, aber wenn ich schon dorthin geschweift bin, kann ich auch noch kurz bei Collinas Erben bleiben, oder vielmehr bei deren Mutterschiff namens Fokus Fussball, einer ebenso arbeitsintensiven wie wunderbaren Blog- und Presseschau, die Jens Peters und Klaas „soon to be RefeReese“ Reese, neben ihren hauptberuflichen und nicht minder lesenswerten Blogs Catenaccio bzw. Reeses Sportkultur, Tag für Tag mal eben im Vorübergehen erstellen.

Zurück zum funktionierenden Stuttgarter Mittelfeld. Ich will (und kann) gar nicht bewerten, welchen Anteil die taktischen Veränderungen der letzten Wochen, konkret insbesondere der Umstieg auf ein System, das gemeinhin griffig mit „4-1-4-1“ beschrieben wird, daran haben, und ich will auch nicht räsonieren, ob Holzhauser Gentner gut tut oder Gentner Holzhauser. Auf jeden Fall scheint’s zu passen, und gerne darf Gentner seinem Nebenmann bei Bedarf den einen oder anderen verbalen Motivationsschub verpassen, wenn er ihn für nötig erachtet.

So zum Beispiel, wenn Holzhauser meint, nur noch per Hacke spielen zu sollen – wonach es am Sonntag zwischenzeitlich aussah. Wobei ich nicht verhehlen will, ganz im Gegenteil, dass darunter auch mindestens eine echte Perle zu finden war, im Doppelpass mit Sakai, dessen Hereingaben immer noch nicht gut genug waren, aber doch schon besser als am Donnerstag gegen Kopenhagen. Perlenartig auch die langen Bälle, zum Teil zentimetergenau, wenn auch am Sonntag nur bedingt effektiv.

Es wäre schade, wenn der junge Mann größeres Augenmerk darauf legte, seine Fähigkeiten vorzuführen, als sie möglichst effektiv, gerne auch unspektakulär, einzusetzen. Gerne ähnlich unspektakulär und effektiv wie jene, wie sagt man, Schnittstellenpässe in die Spitze, die Schiedsrichter Gagelmann zweimal wegen Abseitsstellungen abpfiff, die ich im Stadion entschieden verneinte. Neuere Informationen habe ich nicht.

Eigentlich wäre ich jetzt erst einmal durch, aber wie könnte ich Ibrahima Traoré unerwähnt lassen, über dessen Instinkte hier kürzlich geredet wurde, und der an beiden Toren maßgeblich beteiligt war. Die Energieleistung vor dem 2:1, als er den Ball von rechts hinten nach links vorne trug, hätte ich ihm zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zugetraut. Chapeau, Herr Traoré! Und natürlich Kompliment an Sven Ulreich.

Natürlich gibt’s das eine oder andere zu kritisieren, aber ich trau mich nicht so recht. Dem Trainer gefällt das nämlich nicht. Ein wenig befürchte ich, er hatte genau mich im Sinn, als er bei Sport im Dritten beklagte, dass „jeder über jeden Dreck ausschütten kann im Internet, wie er grade möchte“. Das hat mich ein bisschen verletzt.

Armin Veh hat auch was gesagt, in der Pressekonferenz. Er suchte nach Journalisten, die er noch aus seine Stuttgarter Zeit (die Älteren werden sich erinnern, war eine ganz erfolgreiche Zeit) kannte, fand aber zunächst keine und entdeckte sie erst allmählich:

„Dahinten stehen sie jetzt, ah. Wärt wahrscheinlich vorne, wenn der VfB verloren hätt‘ heut?“

Guter Mann, der Herr Veh.